Druckschrift 
2 (1857)
Entstehung
Seite
110
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110 Fünfzehntes Kapitel.

so aber ging er unbefangen und heiter lächelnd auf diePrinzessin zu, welche ihm entgegen kam. Auch nahm erihre dargcbotene Hand und schüttelte sie freundlich, wie ergewöhnlich zu thun pflegte.

Die Prinzessin sah reizend aus und schien in der be-sten Laune zu sein. Ihr reiches blondes Haar war schein-bar ohne besondere Wahl um den Kopf aufgestcckt, dochrahmte es denselben so pikant ein, daß man wohl bemer-ken konnte, diese Einfachheit sei nicht ohne Absicht. Dazutrug sie ein weißes Morgenkleid ohne alle Verzierung, sehrlang herabfallend und so anliegend, daß man ihre feinezierliche Gestalt auf's Deutlichste sah.

Es ist schon lange her, mein lieber Vetter," sagtesie, nicht ohne einen Anflug von Ironie,daß ich nichtmehr in den Fall gekommen bin, Ihnen eine kleine Privat-audienz bewilligen zu können."

Was daher kommt," fiel der Regent ihr lächelndin's Wort,weil ich es gern zu meinem Studium mache,die Neigungen der Leute, die mir wcrth sind, zu er-forschen."

Die Fürstin wehrte mit den Händen aus eine komischeArt von sich ab und sagte, während sie den Mund einklein wenig aufwarf:

Schon wieder Krieg! Ich merke es schon. EuerHoheit kommen nur immer in feindseliger Absicht zu mir,und da ich das genau weiß," setzte sie scheinbar sehr ernst