Druckschrift 
2 (1857)
Entstehung
Seite
71
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Eine goldeuc Brücke. 71

bewerkstelligen sollte. Ein Anderer hätte sich vielleicht dar-über nicht viel Kopfbrechcns-gemacht, aber Herr von Wen-den hatte einestheils in diesem Punkte etwas sehr Kind-liches und anderntheils hatten ihn schon traurige Erfahrun-gen auf diesem Felde der Diplomatie so vorsichtig alsschüchtern gemacht.

Das; er bei diesen Betrachtungen sehnlichst auf dasAufhören seines höchsten Orts befohlenen Unwohlseins harrte,versteht sich von selbst. Noch nie hatte er seine sämmt-lichen Zimmer mit solcher Ungeduld durchschritten, wie amheutigen Abend. Wie lang wurden ihm die Stundennach Beendigung seines Diners bis neun Uhr. Glücklicher-weise wurde ihm alsdann sein Thee servirt, neben der spru-delnden Maschine schichtete ihm sein Kammerdiener die mitder Abcndpost eingelaufenen Zeitungen und Briefe auf, undmit Durchlesung derselben verflossen eine bis anderthalbStunden unendlich viel schneller, als wenn er im Zimmer-aus- und abspazierend die Zeit todttrat.

Da erschien der Kammerdiener geräuschlos wie einSchatten im Zimmer, glitt vor den Fauteuil des- Baronsund präscntirte ihm auf silbernem Teller ein kleines Brief-chen, welches so eben draußen abgegeben worden war. DerHoflakai, sagte er, warte auf Antwort.

Wenn man gelangweilt ist, so ist die Ankunft jedesBriefes erwünscht; ein Schreiben aber, das ein Hoflakaibringt-, der obendrein auf Antwort wartet, gehört zu den