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sie in lateinischer Sprache Stellen aus den Psalmen. Alsdannbetete sie in englischer Sprache sür die bedrängte katholische Kirche,für ihren Sohn Jakob und sür ihre Schwester, die Königin Eli-sabeth. Dann hob sie das Crucifir empor und rief: „Sowie Deine Arme, o Gott! ausgestreckt waren amKreuze, so nimm auchmichaufin dieArmeDeinerBarmherzigkeit, und vergieb mir meine Sünden."— „Gnädige Frau," sagte der fanatische Graf von Kent,„Ihr thätet besser, solche puristische Betrügereienhinweg zu lassen, und ihn im Herzen zu tragen." —Darauf erwicderte sie: „Ich kann das Sinnbild seinerLeiden nicht in derHand halten, ohne ih.nzugleichim H erzen zu tragen."
Ihre Frauen entkleideten sie darauf unter Vergießung vielerThränen, doch die Henker nahmen an diesem Geschäfte eigen«nützigen Antheil. Die Kammerfrau Kennedy verband ihrmit einem goldgesäumtcn Tuche die Augen. Darauf führten dieHenker die Königin an den Block. Sie kniete nieder und riefaus: „In Deine Hände, o Herr! befehle ich meinenG e i st." — Das Schluchzen und Stöhnen der Anwesenden machteden Scharfrichter unentschlossen. Er zitterte, verfehlte seinenStreich, und brachte ihr am untern Theilc des Schädels eine tiefeWunde bei. Sie blieb regungslos, und erst aus den drittenStreich wurde ihr Haupt vom Rumpfe getrennt. Der Henkerhielt es empor und rief: „Gott erhalte die Königin Eli-,sabeth!" — und der Dechant fügte hinzu: „Mögen alleihre Feinde so sterben!" — „Mögen alle Feindedes Evangeliums so sterben!" — rief noch lauter derGraf von Kent; aber keine Stimme ließ sich vernehmen, dieAmen! sagte, denn die Parteiung war untcrgegangcn in Be-wunderung und Mitleid ( 1587 h.
Der Leichnam dieser unglücklichen Königin wurde sogleicheinbalsamirt. Sechs Wochen lang ließ man ihn eingewickelt inBlei liegen. Nachher ließ ihn die Königin Elisabeth mitköniglichem Pompe in der Abtei zu Peterborough beisetzen, biser 1612 auf Jakobs Befehl nach Westminster gebracht wurde.