195
äußerte ihren Verdruß über Pawletö Benehmen."Davison wurde unruhig er wußte nicht, ob er den Befehl zurHinrichtung zurückbehalten oder erpediren solle. Er übergab ihndem Lord Burle igh, von dem er ihn zuerst erhalten hatte. Die-ser berief den Rath und eS hieß: „die Königin habe allesgethan, was das Gesetz verlange; sie noch fernerzu belästigen, sey überflüssig und kränkend für ihrGefühl; sie seyen verpflichtet, die Verantwort-lichkeit auf sich zu nehmen, und der Befehl solledemnach durch den Rathssecretair Beal erpedirtwerden."
Graf Shrewsbury wurde bei Maria angemeldct. Mitunbedecktem Haupte las er in Gegenwart der Dienerschaft Ma-rien'S daS Todesurtheil ihr vor. Mit Fassung hörte sie solchesan, und bezeichnete sich mit dem heiligen Kreuze. -Die Handauf die neben ihr liegende Bibel gelegt, beschwor sie ihre Un-schuld hinsichtlich der beabsichtigten Ermordung der Königin Eli-sabeth. „Dieß Buch," rief der anwesende Grafvon Kent,„ist eine papistische Bibel, folglich ist der Eid un-gültig."— „Es ist eine katholische Bibel," versetzteMaria, „deßhalbschätze ich sie um so mehr, undJhrmüßt also, nach Eurer eigenen Art zu schließen,meinen Eid für desto glaubwürdiger halten." — DerGraf ermahnte sie, für ihre Seele zu sorgen, den reformirtenGlauben anzunehmen; Maria aber erwiederte: „sie habeviel gelesen und die berühmtesten Prediger gehört,nichts aber habe sie je bewegen können, denGlau-ben ihrer Väter zu verlassen. Sie bitte nur noch,ihr den im Hause befindlichen Almosenier Le Preauzu schicken, dieß sey die einzigeGunst, diemanihrgewähren möchte." — Allein auch diese Bitte wurde ihrabgeschlagen. Eben so vergeblich waren die Vorstellungen vonSeiten Jakob's von Schottland, ihres Sohnes und die desKönigs von Frankreich. Maria fragte darauf: „wannsie sterben solle?" worauf sehr bewegt der Graf vonShrewsbury antwortete: „Morgen früh um acht Uhr."
13 *