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Prinzessin Maria und ihre Dienerschaft. Sie gab dem kaiscr-lichen Botschafter Eustachius Chapuis eine Abschrift davon,damit der Kaiser thun möge, waö Heinrich vielleicht verweigernwürde. Durch diesen Brief wurde der König noch einmal er-weicht, und er wollte ihr noch eine tröstende Botschaft zusenden;allein sie kam zu spät, denn Katharina war schon aus denMühen dieses Lebens dahin geschieden. Der Ruf ihrer Fröm-migkeit, Leutseligkeit und Sanstmuth und ihrer Milde gegenArme erwarb ihr auch nach ihrem Tode ein bleibendes Andenkenbeim Volke.
§. 59 .
Der König befahl an dem Begräbnißtage der Königin, daßseine Dienerschaft sich in Trauer kleidete, nur Anna Boleynkleidete sich an diesem Tage in gelber Seide, und äußerte mitlauter Freude, daß sie fetzt wahrhafte Königin sey; allein sieahnete nicht das Loos, was ihr bevorstand. Sie überraschtenämlich einmal mitten in ihrer Freude den König, als das überaus-schöne und heitere Hoffräulein Johanna Seymour, Tochtereines Ritters zu Willshire, auf seinem Schoose saß. Bald daraufbrachte die Königin einen todtcn Knaben zur Welt. Als derKönig seine Hoffnungen wegen eines Thronerben getäuscht sah,ließ er seinen Unmuth ihr merken, und Anna soll ihm erklärthaben: „daß Niemand als er an diesem UnglückSchuldsey." — Nun hatte sie auch durch ein leichtsinniges BetragenVeranlassung zur bösen Nachrede gegeben. Bei einem Lanzen-stechen ließ die Königin, vielleicht bloß zufällig, ihr Sacktuch vomBalkon fallen, und ihr Liebling, der Ritter Sir HeinrichNorris, hob eS auf und wischte sich das Gesicht damit ab.Als der König solches sah, entfernte er sich schnell. Annafolgte ihm, wurde aber als Gefangene in ihr Zimmer gebracht.Sie vernahm späterhin, sie sey ehelicher Untreue gegen denKönig beschuldigt. Sie, Norris und noch andere Cavalierewurden in den Tower gebracht. Anna gerieth in Verzweif-lung, und wie es schien, in Geistesverwirrung. Sie zerfloßin Thränen, und brach bald wieder ins heftigste Gelächter aus.