Urtheil schreiten ohne Vorwissen desjenigen, vondem unsere Autorität ausgeht. Folglich thun wirweder mehr noch weniger, als unsere Vollmachtgestattet, und wer uns dieß verargt, ist unklug.Mäßigt Euch also, Mylord, und sprecht nicht übelvon Euerm besten Freunde. Ihr wißt, welcheFreundschaft ich Euch bewiesen habe, dieß aberist das erstemal, daß ich zu meinem Lobe oderEurer Unehre davon rede."— Das Gericht wurde auf-gelöst, und nachher erfuhr man, daß Clemens die den Legatenertheilte Vollmacht zurückgenommen habe.
Diese Widerwärtigkeit ertrug der König mit wohlbercchncterFassung; Anna trat aber jetzt als offne Feindin gegen Wolfeyauf und beredete den König, nie mehr mit ihm zu reden. Baldbrachte der Kronanwalt in der Kingsbcnch die Beschuldigunggegen ihn an, als habe er unter Richard ll. das erlassene Gesetzgegen Provisoren übertreten. Nichts konnte ungerechter scyn,als diese Anklage. Er unterwarf sich ohne Murren jeder Forde-rung, und befahl seinen Sachwaltern, daß, da er unwissend ge-fehlt habe, er sich der königlichen Gnade empfehle. Dann über-trug er unter der Bedingung, daß er seine geistlichen Würdenbehalte, sein ganzes, auf eine halben Million Kronen sich belau-fendes Vermögen, mittelst Schenkung auf den König, und dieserließ ihn heimlich trösten, und als er wirklich verurtheilt wurde,cassirte Heinrich den Spruch.
Der König zwang sogar Annen, als Wolsey aus Kummerkrank wurde, ihm ein goldenes Armband zu schenken. Dennochbrachten es seine Feinde dahin, daß er allen seinen Pfründen ent-sagte, mit Ausnahme der Bisthümer Aork und Winchester, unddaß er in seinem Erzbiöthum, zweihundert Meilen von der Resi-denz , als Verbannter leben mußte, wo er sich durch männlicheHaltung, ja selbst durch Wvhlthaten die Achtung seiner Feindeerwarb. Endlich wurde er sogar des Hochverrates angeklagt,als habe er im Lande und auswärts Umtriebe gegen die Negierunggemacht. Wolsey verrieth kein schuldiges Bewußtseyn, und derKönig behauptete, er habe keinen trcuern Unterthan als ihn. Der