Druckschrift 
Geschichte von England
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

47

Man zweifelt jedoch, so hochherzig dieses Benehmen schien,an Heinrichs aufrichtiger Gesinnung, obgleich er noch an dem-selben Morgen im Beiseyn seiner Hoflcutc sich eidlich verpflichtethatte, dem Erzbischof den Kuß des Friedens zu geben. Die ver-sprochenen Bedingungen aber wurden nicht erfüllt, ja BecketöFeinde bedrohten sogar sein Leben. Da schrieb er an den König:Ob ich leben möge oder sterben, Euer bin ich undEuer werde ich ewig sepn imHerrn. Was auch michoder die Meinen befalle, möge Gottes Segen ausEuch und Euern Kindern ruhen."

Endlich brachen wirklich Verfolgungen gegen ihn aus. SeineGüter wurden geplündert, seine Lebensmittel sogar in Beschlaggenommen und seine Diener beschimpft. Am Weihnachtsfestepredigte er noch einmal mit Ernst und Wärme, indem er sagte:Die, welche nach meinem Blute dürsten, sollenbald befriedigt werden."

Vier Ritter, welche einmal den König haben sagen hören:Ist unter den Feigen, die mein Brod essen, Kei-ner , der mich von diesem unruhigen Priester be-freien will?" kamen nach einigen Tagen in das Zimmerdes Primas, und setzten sich ohne Gruß auf de» Boden. Sie be-fahlen ihm, die crcommunicirten Prälaten loszusprcchen,dennso wolle cs, wie sie Vorgaben, der König." Er erklärte sichdazu bereit, wenn solche den herkömmlichen Eid leisten und sichdem Ausspruche der Kirche unterwerfen wollten. Unter Drohun-gen verließen sie das Zimmer. Man rieth ihm, als so eben inder Kirche von Canterbury die Vesper gesungen wurde, dahinseine Zuflucht zu nehmen. Als er die Stufen hinanging, kamenauch jene Ritter mit zwölf Gefährten. Als er sic erblickte, ginger ihnen entgegen, begleitet von Eduard Grim, seinem Kreuz-träger. Als H ug o vonHorsea schrie:Wo i st d er V er-räther?" gab der Primas keine Antwort; als aber Fitzurserief:Wo ist der Erzbischof?" crwiedcrte dieser:Hierbin ich, der Erzbischof aber ist kein Verräther.Reginald, ich habe dir viele Gunst erzeigt, wasist jetzt deine Absicht? Strebt ihr nach meinem Le-