Beweggründe. Man brachte nicht allein das Opfer seiner selbst,sondern auch in den meisten Fällen das seiner irdischen Habe odereines Theileö derselben, um überirdische Güter dafür einzutanschen;die Rechte und die Ansprüche aber, welche man an den Orden er-hielt, waren äußerst gering; sie beschränkten sich auf einen noth-dürftigen Unterhalt. Die Verwalter der Ordensgüter waren ein-fache, arme Ordensbrüder, welche man wechselte, abbericf, wie csdie Verhältnisse verlangten; die Einkünfte flössen nicht ihnen, son-dern dem Orden zu; sie kannten daher als wahre OrdenSmännerkein anderes Interesse, als das ihrer Seelen und das gemeinsamedes Ordens, weder in Bezug auf Einkommen noch ans Einfluß oderStellung im Leben; Habsucht, Ehrgeiz und Rivalität konnten nurals sporadische Krankheit erscheinen, welche von der Wachsamkeit derObern bald beseitigt wurden. Das gemeinsame Zusammenleben inden Conventen, die gemeinsamen Andachtsübungen und Werke derBarmherzigkeit, wozu jeder ohne Ausnahme verpflichtet war, erhieltendie religiöse, sittliche und äußere Disciplin und Strenge, und in nichtwenigen der Ordenshänser hatte man das anfmunternde Beispielheroischer Tugend und Heiligkeit einzelner Brüder, von denen manchenoch heute auf den Altären verehrt werden. Man kannte keine na-tionalen oder politischen Privatinteressen, denn der Orden und diekatholische Kirche bildeten die Heimath des Ordensritters, und dieAngelegenheiten des Ordens und der Religion nahmen alle ihreBestrebungen in Anspruch. Mit einem Worte, der Orden bildeteeinen enggeschlossenen organischen Körper mit einem einzigen, un-getheiltcn materiellen und religiösen Streben und Zwecke, es warein wirklicher religiöser Orden, seine Mitgliederwaren wirkliche Ordens Männer.
Das Alles wurde durch eine Maßregel geändert, welche, her-vorgegangen aus einer kurzsichtigen weltlichen Klugheit, vielmehr denCharakter des Beschlusses einer diplomatischen oder Minister-Con-ferenz des neunzehnten Jahrhunderts trägt, als den eines Gcneral-kapitels eines religiösen Ordens jener Zeiten, die noch vom Ele-mente des einfachen Glaubens durchdrungen waren. Auch die äußereStrafe ließ nicht auf sich warten. Statt das Einkommen des Or-dens zu vermehren, wurde dasselbe durch die neue Maßregel nurnoch vermindert. Denn durch die Verwandlung der Güter inPfründen floß deren Ertrag in die Privatkasse ihrer Inhaber, welcheaus Ordensadministratoren in eine Art unabhängiger Lehensträger