Druckschrift 
Der souveraine Orden vom Heiligen Johann von Jerusalem und seine Wiederbelebung
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

20

durch Deutschland gen Venedig, die Donau hinab über Regensburgund Wien, nach den Mühen einer jeden Tageswanderung eine sicheregastliche Herberge und eine liebreiche pflegende Hand in den Hospi-zen des Ordens; und wenn er am nächsten Morgen seine frommeWanderung fortsetzte, verlieh ihm dieselbe Hand des ritterlichenMönchs, die ihn am Abend bedient und gepflegt hatte, den fürsorg-lichen Zehrpfenning und Schutz und freies Geleit zu den Thorendes nächsten Hospizes, wo er sicherlich eintrat, das Herz voll vonDank und Segen gegen dieselben Herren, die er früher nur gehaßtund verflucht hatte. Und das Alles war Schöpfung deschristlichen Ordens und des christlichen Adels, der ihmseine Söhne und die erforderlichen Mittel gab, um soAußerordentliches zu vollbringen. Gewiß ein ruhmreiche-res Werk, als all' die endlosen Fehden und das in ihnen vergosseneBlut christlicher Brüder.

Verbreitete sich aber in dieser friedlichen, milden und gewin-nenden Weise unendlicher Segen über das bürgerliche Leben, so warder wohlthätige Einfluß, den der Orden auf die Christenheit imGanzen ausübte, nicht minder großartig. Denn wurde er im Or-denshause Wohlthäter und Schutz der Einzelnen, so schirmte seinSchwert und sein Schild ganz Europa vor dem Andrange des Un-glaubens auf dem Schlachtfelde gegen Sarazenen und Türken. Wohätte die bedrängte Kirche, wo die gesammte Christenheit Schutz, woRettung gefunden bei ihrer Zerrissenheit durch innere Kämpfe, wennnicht allein in dieser Schaar ritterlicher Mönche? Die christlicheWelt hätte unter der hereinbrechenden Fluth der Ungläubigen imUnglauben verschlungen werden müssen, hätte die Hand Gottes nichtdiese eiserne Brustwehr zu ihrem Schutze errichtet, welche stets daam mächtigsten sich entgegen stämmle, wo der Andrang und.die Ge-fahr am größten war.

Es ist eine eigene Erscheinung, die sich hier, wie so häufig inder Geschichte, wiederholt, daß die göttliche Vorsehung in den Gangder Dinge fast nie gewaltsam cingreift, sondern, wenn immer guterWille in den Herzen der Menschen sich noch findet, den verirrtenNeigungen und Kräften nur eine geregelte, eine höhere und heil-bringende Richtung gibt, nützlich und wohlthätig zugleich nach innenund außen. Die einzige Thätigkeit, welche der Adel bisher gekannthatte, war eine zerstörende gewesen; deßungeachtet wurde er nichtvon der Höhe des Lebens herabgeworfen, sein Schwert wurde nicht