Druckschrift 
Der souveraine Orden vom Heiligen Johann von Jerusalem und seine Wiederbelebung
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

18

eingeschüchtcrte Leben mähte das lange Ritterschwcrt .weite Gassenzum freien Tummelplatz der zügellosen Leidenschaften seines über-müthigen Herrn. Keine Sicherheit des Daseins als in Kutte oderHarnisch, in Burg oder Kloster. Diesen alle Schranken durch-brechenden Kräften erwuchs aus dem Orden vom h. Johannes einehöhere, eine geregelte, eine religiöse und wohlthuende Richtung.Wenn die Krcnzzüge nur in langen Unterbrechungen auf einanderfolgten und das Leben von einem Theile des Uebermaßcs des ritter-lichen Wildfeuers befreiten, so boten der Orden vom h. Johannesund die übrigen nach seinem Vorbilde gebildeten Orden nicht alleineine fortwährende Gelegenheit für eine geregelte Thütigkeitder Waffen, sondern sie gaben zugleich den Waffen und dem ganzenLeben des Adels eine höhere, edlere Bedeutung, eine segensreicheBeschäftigung. Der Adel erhielt dadurch die ihm von der Vor-sehung bestimmte Stellung im Leben, die eines Beschützers undWohlthätcrs der Kirche und der unteren Stände. Manerinnere sich der Worte, mit denen dem jungen Ritter beim Ritter-schlag das Schwert übergeben wurde:Führ' dies Schwert zudeiner Wehr, zu Gottes und Mariens Ehr'!" Im Or-denhanse beschäftigten den ritterlichen Mönch die Ucbnngen der Re-ligion und die Werke der Barmherzigkeit, im Felde kämpfte er zumSchutz der Bedrängten und der Kirche.

Es bestand damals eine arge Spaltung im Leben, die einzigsichern Klammern, die im Stande sind es zusammen zu halten, dieBande christlicher Liebe zwischen dem Oben und Unten waren ge-brochen. Die untern Klassen, nur durch die eiserne Roth, durchFurcht und Gewalt an die obern gefesselt, wurden zwar von diesengegen fremde Gewalt geschützt, wo sie sich ihnen als Vasallen unter-warfen, allein es war der drückende egoistische Schutz des Zwing-herrn. Das hochfahrende Rittcrthnm brauste wild und erbarmungs-los über alles dahin, was da drunten sich krümmte, ob Freund oderFeind, während die in den Staub Getretenen Rache brüteten gegendie hochmüthigen Herren. Freunde und Tröster fand der niedereMann nicht unter ihnen, sie fand er nur in der Kirche und imKloster; sein natürlicher Feind war der Ritter. In diesem Zwie-spalte erschien der Orden vom h. Johannes als Vermittler undVersöhner, indem er den Panzer mit dem Ordenskleid, das Schwertmit dem Kreuze vereinigte, den drohenden, gefürchteten Herrn ineinen barmherzigen, liebreichen Krankenpfleger verwandelte, und