17
was sie Gott versprochen haben, indem sie die drei Gelübde ablegen,welche durch die Regel vorgeschrieben sind: die Keuschheit, den Ge-horsam und die Armuth und die Hebung aller andern moralischenund theologischen Tugenden, so daß sie von übernatürlicher Liebeentflammt sich nicht scheuen, das Schwert zu ergreifen und mitKlugheit, Mäßigung und Kraft sich jeder Gefahr anszusetzen, fürdie Verteidigung der Ehre Christi und des heiligen Kreuzes, fürdie Gerechtigkeit, für Wittwen und Waisen. Man kann seine Liebenicht besser bezeugen, als wenn man sein Leben für seine Freundegibt, d. h. für die Katholiken. Hierin besteht ihre Pflicht, ihr Be-ruf, ihre Lebensweise, so sie gewühlt haben, damit sie, wenn sie diePilgerfahrt dieses irdischen Lebens verlassen, zur ewigen Belohnunggelangen mögen, wofür Gott sie geschaffen hat.
Diejenigen, welche man überführt, ihre Pflicht schlecht gethan,die Gelegenheit, dieselbe zu erfüllen, und den Krieg, der für diechristlichen Interessen unternommen ist, die Strafe der Bösen unddie Hülfe der Guten geflohen, sie getadelt oder verlassen zu haben,werden nach den Statuten und Gebräuchen des Ordens schwer be-straft.'
So war denn der Orden förmlich organisirt und in vollerfrischer Thätigkeit. Hcrvorgcgangen, gleich allen andern Orden derKirche, ans einem dringenden Bedürfnisse der Zeit, verbreitete ersich in wenigen Jahren fast über die ganze damals bekannte Welt.Pflege und Schutz der Pilger, Kranken, jeder Art von Bedrängten,und die Vertheidignng der Kirche waren die äußeren Bedürf-nisse, welche ihn hcrvorriesen, welche also die unmittelbare Veran-lassung zu seiner Bildung gegeben hatten. Ein inneres aber un-bewußtes Bedürfniß war der moralische Zustand des Adels, welchersich in großer Gefahr befand, in heidnische Verwilderung zu ver-sinken. Er verdankt daher seine Rettung hauptsächlich dem Ritter-orden; keiner derselben aber trug mehr dazu bei, als der vom h.Johannes von Jerusalem, da er mit den Werken des Schwertes dieder Barmherzigkeit verband.
Die einzige Beschäftigung des Adels war damals das Waffen-werk, und da er cs mit Leidenschaft trieb, so war leicht ein Vor-wand gefunden, es auch da in fortwährender blutiger Hebung zu er-halten, wo sonst Gelegenheit fehlen mochte. Die rohen Sitten unddie Zustände socialer und politischer Verwirrung der Zeit begünstig-ten die rohe Neigung. Durch das von Wasfcngetöse übertänbte und
2