Druckschrift 
2 (1852) Weltliche Gedichte
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

82

Wir fühlen einen neuen Tag,

Er decke unsre tiefe Schmach!"

O schweig, mein Herz," der Jüngling spricht,O sehne dich nach Ruhe nicht,

Der ewig' Schmerz ist meine Freud',

Mein Trost das ewig' Herzenleid."

Dabei sah er ganz starr emporHin nach dem Brandenburger Thor,

Und thät beschämt die Augen senken,

Auch kann ich's ihm gar nicht verdenken.

Da sprang mein Pudel auf mich her,

Er hatte mich gesucht gar sehr,

Doch kaum sicht er mein' Leidgesellen,

Als er gar bang sich thät anstcllen,

Er hängt den Schweif, zieht mich am KleidUnd bleckt die Zähn' voll Grimmigkeit,

Und thut sich ängstiglich bemühenVon mei'm Gesell'n mich abzuziehen,

Da könnt ich auch nicht länger schweigenUnd sprach:Du sollst mir jetzt anzeigen,Wer du, elender Jüngling, bist,

Daß Alles dir erbittert ist,

Daß Bild und Mensch und Stein und BeinUnd Nacht und Stern und Mondenschein,

Ja selbst der ehrlich Pudel meinDir flucht, ich glaub du bist der Kain!"

Wer ich bin, will ich sagen dir,"

Sprach der Elende da zu mir,