Druckschrift 
2 (1852) Weltliche Gedichte
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

81

Die Sterne schimmerten so klar,

Der Mond war frei und offenbar;

Ein leises Flüstern in den LindenWollt uns die Mitternacht verkünden;Still stand ich auf dem FriedensplanUnd sah mir mein' Gesellen an,

Und all der Fried' und MondenscheinSank in die Augen ihm hineinUnd all den Trost der sel'gen Nacht,

Hab ich in ihm zu Grab gebracht;

Er sah gen's Brandenburger ThorSein blutig Haar stieg ihm empor,

Sein Augenstern thät sich verdunkeln,

Und nur der Adler thät noch funkeln,

Der in des Hauptes Wunde nistet-Er richt' sich auf, die Flügel rüstetUnd hebt das Haupt, und zuckt die Flügel,Erschimmernd von des Mondes Spiegel,Da riß ein Morgenwind mit LustDie Fahne von des Jünglings Brust,

Und ließ sein Blut im Mond hinwallen,Da sprach es recht mit lautem SchalleUnd seine Wunden sprachen alle:

O selig, selig junge Luft,

Die wieder mich zur Ruhe ruft,

O selig, selig, Gott gesandt,

Du kühlest unfern heißen Brand,

O selig, selig Morgenwind,

Wir fühlen dich, denn wir sind blind;

6

II.