946 Blutrache
reich) seit Conde's Tode das Haupt der Reformirten, wurde zum obersten Feld-herrn erklärt, und Coligny führte im Namen des Prinzen Heinrich von Condö,welcher die Ermordung seines Vaters zu rächen schwur, das Commando. Alleines fehlte ihm an Geld, und er wurde geschlagen. Der darauf folgende scheinbarvortheilhasteFriede zuSt.-Germain-en-Laye (8.Aug. 1570) schläferte dieHäupterder Hugenotten ein, vorzüglich den Admiral Coligny, welcher des bürgerlichenKrieges müde war. Der König schien sich gänzlich von dem Einflüsse der Guisenund seiner Mutter losgerissen zuhaben; er rief den alten Coligny, die Stütze derHugenotten, an seinen Hof und ehrte ihn als Vater, die feinsten Mittel wurdenangewandt, dieser Täuschung das Ansehen von Wahrheit zu geben; man ver-mählte die Schwester des Königs an den Prinzen von Bearn (18. Aug. 1572),um die vornehmsten Hugenotten nach Paris zu locken. Einige warnten den Ad-miral; aber dieser glaubte nicht, daß der König einen Meuchelmord durch dasganze Land anbefehlen werde, und doch war es so. Am 22. Aug. geschah auseinem Fenster ein Schuß auf den Admiral und verwundete ihn; der König eiltezu ihm und schwor, ihn zu rächen. Aber noch an demselben Tage ließ sich der Königvon seiner Mutter überreden, der Admiral stelle ihm nach dem Leben. „Bei demTode Gottes!" soll er ausgerufen haben, „man tödte den Admiral, aber nicht ihnallein, sondern alle Hugenotten, damit auch nicht einer übrig bleibe, der uns be-unruhigen könne!" Die Nacht darauf hielt Katharina Blutrath und bestimmtedie Nacht auf den Bartholomäustag, zwischen dem 24. und 25. Aug. 1572, zurAusführung. Nach der Ermordung Coligny' s (s. d.) gab eine Glocke auf demThurme des königl. Schlosses, in der Stunde der Mitternacht, den versammeltenBürgercompagnien das Zeichen zu einer allgemeinen Niedermetzlung aller Hugenot-ten. Der Prinz von Condö und der König von Navarra retteten ihr Leben nur da-durch, daß sie in die Messe gingen und scheinbar zur katholischen Kirche übertraten.
Zu gleicher Zeit breiteten königl. Befehle das Blutbad im ganzen Lande aus, und >wenn auch in einigen Provinzen die Beamten Ehr - und Menschenliebe genug hat-ten , die ihnen zugegangenen Mordbefehle nicht vollziehen zu lassen, so fanden sich ^doch Werkzeuge der Ermordung genug. 30 Tage hindurch dauerte fast in allenProvinzen diese Abscheulichkeit, und man rechnet an 30,000 Menschen, welchehingeopfert wurden. Zu Rom löste man die Kanonen, der Papst schrieb ein Ju-beljahr aus, verordnete eine Procession in der Ludwigskirche und ließ das ^Denn, singen. — Diejenigen von den Hugenotten, welche sich gerettet hatten,flüchteten in unwegsame Gebirge und nach Röchelte. Der Herzog von Anjou über-nahm die Belagerung; aber während derselben erhielt er die Nachricht, daß ihn diePolen zum Könige gewählt hätten. Er schloß am 6. Juli 1573 einen Vergleich, undder König bewilligte den Hugenotten in gewissen Städten Religionsübung. Der Hofgewann mithin durch die pariser Bluthochzeit, bei den Franzosen Ia8te.-Lartl>s-lemi(und noch 1824in franz. Ultrablätternunerlgueursslutaire) genannt, Nichts,als daß die Hugenotten für die Zukunft mehr auf ihrer Hut waren und sich gegenneue Angriffe rüsteten. S. Curths's „Bartholomäusnacht" (Leipzig 1814); vor-züglich Wachter, „Die pariser Bluthochzeit" (Leipzig 1824 , 2. Aufl. 1828) unddie „8i8t. äe la 8te.-kartlielöini ä'apres le« vlironigue», les irchm. st les ina-nusvr. äu terns" (Paris 1826). Die Bartholomäusnacht wird hier das Werk derKatharina von Medici genannt. Vgl. Schiller's „Geschichte der Unruhen in Frank-reich bis zum Tode Karls IX." („Sämmtl. Werke", Bd. XVI.)
Blutrache, die noch jetzt bei den Arabern und andem Völkern von Asten,Afrika und Amerika, auch vor kurzem noch in Corsica herrschende Sitte, einenMord von Seiten der Verwandten des Ermordeten durch den Tod des Mördersoder seiner Verwandten zu rächen. Sie ist in der Regel die Pflicht des nächstenAnverwandten des Ermordeten. Der Vater rächt den Sohn und umgekehrt, der