erfött, % biß £U 3ur 9tacf)ncf)t., S$on bet ftebenten £)riginalauflage biefe$ 2Betf$ |tnb btei tjetfcfytebene Ausgaben »eranjlaltet worben, bie ju fotgenben Steifen fotool burd) ben SSetleget al$ butcb aUe anbre SudjbanblMtgen be§ 3n= «nb 2(u8lanbe$ bejogen werben fSnnen. 9tr. 1, auf weißem £>tucfpapiet, $tänumetation8ptei8 für ba8 ganje SOBerf, 15 3$fc., ober 27 g(. SRbein. 9?t. 2, auf gutem «Schreibpapier, 20 33>lt., ober 36 gl. 9Jf)ein. 9?r. 3, auf eptrafeinem SSetinpapier, 36 5£f)tc., ober 64 §1. 48 Är. Styein. Sammler, bie jtdb in portofreien Sriefen an ben SSerleget wenben unb ben S5e= trag if>rer SSefletlung gleich beifugen, erhalten auf fecf)8 ©cmplare ba8 fiebente frei ober tonnen, wenn fte oerfd)iebene 3tu8gaben wählen, bei einem Settage »on wenigflen« 105 Spätem ©n Siebentel baoon al8 SRabatt in 2fbjug bringen. ^ülgemetne beutfcjje Sleal'^ttc^flopdbte fflt bte gebübeten 0tänbe* (gont)crfafton6=£cjtfon.) Sn §n>6(f Bdttbetu @ t: jt e r 85 et n *>♦ % bi§ a$u (Siebente £)riöinalauflage* (3roeitet burdjgefefiener MbbtucE.) SBic fte bet SSerfajfer fcfjrieb, 9lic£)t lote fte bet ®tebflaf)l brucfte, Seffen 50lüf)’ tft, baft er richte 2tnbrer SJiüfie ftets ju ©rttnbe. G> atbero n. 2 e i j> $ i g: S. X S t o tE | (i u 1 8 3 0. §& o t n> o r t § u nt elften 2C f> t> t u & £>ie fcd)gtc Öriginalauflage be§ EonverfationS = ßeri = f o n g vom Sapre 1824 hat, ungeachtet feitbem jwei d^nltd)e SSSerfc unter bemfelben Sitel — baS eine in SBien, bac> anbre inÄbln, beibe aber noch nid)t vollenbet — erfcfjienen ftnb, eine fo beifällige Aufnahme gefunben, bap fd)on im vorigen Sai)te bie SSorbereitungen ju einer neuen Auflage getroffen werben mupten. £)iefe fiebente Auflage beS ganzen SBerfö mit Eittfdjlup ber Steuen ^olge wirb aue> jw6lf35änben befielen, gegen 650 25ogen enthalten, unb binnen SapreeSfrifi beenbigt werben. 2 Bie nun biefe Auflage ftd> von allen frupern burd) eine für baö 2 tuge gefälligere unb bequemere äupere Einrichtung un= tetfdjeibet, fo hoffen wir auch burd) bie forgfaltigfie SSerMftd)-- tigung aUeö £>effen, wa§ ju ber tnnern jweef^ unb 5 eitge= mapen Umbilbung beS SÖerEö erfoberlich ifi, unfere ?Cch= tung für baS Urtheil beö 'JJublicumS betätigt ju f)aben. E§ ftnb nämlid): Erfien§ bie sehn 33änbe beö bisherigen «£>auptwer?S in ber festen Auflage mit bem 11 . unb 12 . Banbe, welche bie Sfteue I vi 85 o r n? o t f. gotge bea ©onoerfdttonä = Serifona (4 Abteilungen »on A big 3), farnrnt bent Anhänge (2CrtiEet über bie Eatf)olifd)«t ©laubenalehren enthaltenb) unb ben SZachtcagen, auantad)en, juGcinent alphabetifd)en ©an&ett oon jwolf 85dnben neu georbnet unb in ftd) fachgemäß üerbunben worben. 3 »etten§ tyaben bie Surchfidü unb bte Umarbeitung ober bte AuaJbitbung ber einzelnen wi(fenfd)aftltd)en gdcher ©e= lehrte unb Sd)riftjietler »om §act)e übernommen, welche ftd) fd)on um bie frühem Auflagen unb um bie üfteue golge oer= bient gemacht Ratten. Gzä fei ertaubt, t)ier Einige berfetben ju nennen. .fjerr sprofeffor D. ßubmig (Stjoutant in SreSben hat baä §ad> ber Anthropologie unb ber Siebtem burd)= gefe^en unb »erbeffert; .fjerr D. Äarl ^riebrich Aleranber .fjartmann in 83lanfenburg, ba§ $ach ber SJtineratogie unb ber 23erg= werfafunbe 5 .fjerr .fjofrath D. .fjeinrich «fjafe in ©reaben, baa $aä) ber Ard>dologie unb baa ber Siteratur einiger neuern ©prad)en; .fjerr Staatörath unb $)rofejfor D. Submig .fjeinrich oon Safob in .fjalle, baa $aä) ber 85olfds unb Staatömirthfchaft; .fjerr SJtajor Freiherr Abolf oon ßanbaberg in£)rea= ben, baa ber SJtathematif unb ber Ärieg§wijfenfd)aften; .fjerr .fjofrath unb 23ibtiothefar D. SBilhetm SOtuller in 2 ) eff au, baa %aä) ber fiiteratur überhaupt, unb baa ber alten Sprachen, fowie baa ber beutfdtjen unb ber englifd)en Spraye inabefonbere; 2 ? o r n> o r t. VII $err «gjofrath D. Sofeph Nürnberger in <3orau, baS ber 2 lftronomie unb mehret bamit in Söerbtnbung ftehen= ben roiffenfd)afttichen Sweige*, $err . = S^atf) D. Äarl @rnft Schrnib in Sena, baS ^ad) beS StaatS= unb 33olferred)tS, fomie baS beS po= fttioen 9Jed)tS 5 $err .fjofrath unb $rof. ftmabeuS SBenbt in 2eip = jig, baS §ad) ber ^itofopljie überhaupt unb ber Äunft inSbefonbere j fo i)aben ferner nod) anbre von ben bisherigen Mitarbeitern bie Durd)ftd)t i|>rer §dd)er ober einzelner ©egenftanbe uber= nommen. Drittens t)eibung beS minber SOBidjtigen unb ©ebrängtheit beS SfuSbrucfS, ju geben ftd) bemüht. SnSbefonbere ftnb mehre jacher ganj umgearbeitet, rnele neue 2 frtifet, theitS Nogtaphi- fd)e, theitS literarifd)e u. a., aufgenommen, bie »orhanbenen berichtigt unb bis auf bie neuefte Seit fortgeführt, bei ben michtigern enblicf) ftnb bte brauchbaren Schriften angeführt morben. Sn biefer breifachen <£>inftd)t bann bie fiebente Auflage beS @on»erfationS4te;cifonS mit 9?ed)t eine u m g e a r b e i t e t e unb oermehrte genannt merben. Übrigens ifi bie ©runbibee beS SBerfS: baS SBiffenSmürbigfie für allgemeine S3ilbung, aus bem Umfange ber SBiffenfdjaft, ber Statur, ber Äunft unb beS öffentlichen SebenS, auf eine ber ©eftalt, bem @harafter VIII 35 o r w o r t. unb bem 33ebürfniffe ber neuefien 3«it entfpreharafterifiif umfajjt fte ©rftärungen unfchulbiget Siebe, Sufeiebenheit übet feinen Suftanb, Hoffnung beg SSBieberfefjenö beim «Scheiben beg ©eliebten, jugenblidje $eiterfeit unb ©otteg»ertrauen. (5ßgl. Son unb Sonart.) — A. C. bebeutet gewöhnlich anno Christi, im Saht ßbtifli; A. c. anno currente, im laufenben Saht] A. p. anno praeterito, im »origen Saht. — 33ei ben ©tie= d)en unb Römern galt bag A als 3al)laichen, bei ©tfletn ©ing, bei 2e|tern 500, in melcher SSebeutung eg fpdterhin burch bag D »erbrängt motben ifi. Aachen, .£>auptort beg Sejirfg gl. 9?. (bet auf 76 QSi. in 11 .Steifen ; 338,000 ©inm., baruntet 324,500 Sath-, 9,700 ©»ang., einige Sfennoniten unb 1900 Suben zählt) impreufj. ©rofjf)erzogth. 9tieberrhein (51° 55' 91. 33., 23° 55' Ö. .2.), mit 2732 Raufern unb 35,500 ©in»., liegt zmifchen bem 9?f)ein unb bet 9Jtaag, etma 8 Steilen »on erjierm unb 4 Steilen »on leistetet entfernt, äußerft angenehm in einem heitern Schale, umgeben »on fronen $ügeln. $ier ftnben ftd) Spuren i^teg ©afeing unter ben Stomern, benen fte ju ©äfar’g unb JDrufug’g Seiten befannt mar. fPliniug ermähnt fte unter bem 9tamen 93etera. *£>ier mürbe nach Sinigen Saifer Sari ber ©rofe742 geboren; hier fiarb er 814. SBelche Freiheiten er unb mehre Saifer biefer 9teid)g(tabt gegeben, folgt fd;on bat= aug, baf auch „bie Suft frei mad)te in 2fad)en, fogar bie 9ieid)gäd)ter". £)urch 55 Saifetfronungen (big 1558) auggejeichnet, »ermahrte fte anfehnliche 9feid)g= fleinobiett, bie feit 1795 in Sßien, jefst in ber faiferl. Schajsfammer ftch befind ben. Sie 33ürgcr mären im ganzen 9teicf)e frei öon .jpanb = unb Ärieggbienft, fPfänbungen, ©efängnif, Sollen unb anbern Abgaben, »eiche fonft reifenbe Saufleute ju entrichten hatten tc. iDurd) ben Feieben »on üuneoille (9. Febe. i 1801), ber bag linfe 9?heimtfer »on iDeutfd)!anb trennte, fam bie Stabt an Franfteich unb mar big jutn Sturze Sapoleong ber efjauptort beg Separt. ber 9Joer. Fhrem franj. 9?amen Aix hat man, um fte »on gleichnamigen Orten }U unterfd;eiben, la Chapelle jugefeftt. i0ett S?atft »on 2fad)en fd)mücft ein 23runnen mit ber SSilbfdttle Satlg beg ©rojjen aug ©t}. 2fn ber Stelle, mo ehemalg ein romifcheg ©ajiell gefianben, bauten bie fränfifchen Sönige eine Sfal). 9?ad)bem biefe 882 »on ben 9tormannen jerftort, »on Otto III. aber um 933 hör* geflellt morben, machte man fte im 14. Fafjrhunbert jum 9?athhaug. Sieg @e* ; bdube enthält hoho gewölbte Säle mit iiberbleibfeln altbeutfdjer Sunft, bert Sronunggfaal mit »ielen 83ilbniffen, bag 33ru(fbilb 33onaparte’g nebfb feiner erfien , ©omahlin, gemalt »on )Da»ib, einen Shurm, meid)?» romifdsen Urfprungg ijl k, Cono.sCcic. (Siebente TCufl. SBb. I. + 1 2 2Cad>ncr gciebengfdjlüffc 25er SRünfter entftanb burd) Saifer Sari non 796 — 804, unb matb mit gto» fiec fPrad)t auSgefchmücft. Ser gotm nad) runb, marb ec »on 8 Pfeilern ge» halten, in beten Sogen 32 ©duten mit fotintijifcfyen Sndufen emporftrebten. 25ie ©nuten brachen bie §rnnjofen im 3te»otutionSfriege aus unb führten fee nad) fPariS; »on bort mürben ft'e, mierool nid)t alle, 1815 mieber äurücfgebtad)t. 3m 3 . 1353 baute man ben tjot>cn ©hot baran, inebtem, fühnem ©tpl. ©litten in bemfetben ergebt fid) baS ©rabmal Saris beS ©rofjen, mit ber 2fuffd)rift: Carola magno, ©atu6ec fd)t»ebt an einet Sette eine fotoffate Ätone »on ©Uber unb »ergolbetem Kupfer, bie gtiebeid) I. t)ierl)er gefdjenft; ft'e ift jugleid) fieud)« tet für 48 Setzen. 3 « bem $od)münftec ftef)t auf 5 ©tarmorftücfen bet meifie, marmorne ©tuf)l, auf roelchem met)re Saifer bei ber Krönung fafen, unb über melden bann ©olbplatten gelegt mürben. Sor ber fogenannten SDBotfötfjür beS ©lünfietS ftanben fonfi auf einem ©eft'mfe eine SBolftn unb ein Kiefetjapfen »on Sronje. 3fud) ft’e mürben nad) fPatiS geführt, bod) haben fte feit 1815 ihre alte ©tette mieber eingenommen, 25ie gjranciScanetfircbe jeichnet eine (ebenfalls aus $)aris juruefgefehtte) herrliche Kreujabnahme »on 9tubenS auä. ©ef)enSroerth ift SSctenborf’ö ©emdlbegalerie. — Sie ©inmofner finb groftentheilS Katholifen. ©in Sheil berfelben, bie fogenannten KappeSbauern (»onKappeS, Sohl), leben »om Selb = unb ©artenbau; anbre treiben bürgerliche Währung, bie übrigen leben »om $anbel unb »on ben gabrifen, morunter bie Sud) = unb Kaft'mir», bie ©tecf- nabel = unb 9tdhnabelfabrifen bie mtcbtigflen ftnb. Segtere, bie um bie ©litte beS 16.3ahrh. »on ©nutzet 2Bolmar gegrünbet mürbe, befchdftigte fonft über 15,000, im 3 - 1808 aber nur 8000 Arbeiter. 2fad)en beft|t 15 moljttbdtige Ifnftalten. ©S entfpringen bafetbft 6 marme unb eine falte mineraltfdje Quelle. 25ie »or» jüglichfte ift bie KaiferSquetle, melche aud) »on ihrem eingefd)lo(fenen 25unfi ben fogenannten Sanbfdjmefel abfefet. 25er Srinfbtunnen ift hinter ber neuen 9te= boute unb mirb, fo lange ©ttrgdfie ba ftnb, »on 6 — 9 Uhr gepumpt; hoch teinft man jefct meiftenS baS SEBaffer be$ KaiferSbrunnenS. Sei ber KaiferSquelle ift baS KaifetSbab. 3fufer biefem ftnb bei ben obern Quellen: baS neue Sab, baS Sab jut Königin »on Ungarn ober baS deine Sab, baS QuirinuSbab; bei ben untern »Quellen: baS $ectenbab, baS fRofenbab, baS 2frmen» ober KomphauSbab ju nennen. 3n biefen Sdbern ft'nben jugleid) bie gremben bequeme ©Bohnungen. Sie Sabegemdcher ftnb trefflid), mit 4 — 5 gufs tiefen Sdbern, ganj mafft», nach altromifcher ?frt, an ben meiften ätmmer mit Setten unb Kaminen. 2fuf bem Qriefch ift ein eifenl)altiger ©auerbrunnen, ber, megen Ühnlichfeit mit bem ©ou» chonmaffer in ©paa, ber ©paabrunnen genannt mirb. — 500 ©d)ritt »on Aachen liegt ber glecfen Surtfd)eib, ber ebenfalls marme Quellen hat. 25ie obern Quellen fommen im Qrte felbft heroor, bie untern im Sfjale unter freiem Fimmel. 25aS ©Baffer ift jum ©Bafd)en unb gdrben ber Suche brauchbar. 25ie obern Quel= len enthalten fein hepatifdjeS ©aS unb fefcen feinen ©chmefel ab; f>ierburch unter» fd)eiben fte ftd) »on ben untern unb benen ju 2fad)en. 3fud) in Surtfcheib ftnb Such», Kaft'mir» unb 9tdl)nabelfabrifen. 25ie in ber ©egenb beft'nblichen ©tein» fohlenlagec unb ©chmefelfiefe beuten auf bie Urfadje ber marmen Quellen j» 3£ad)en unb Surtfcheib hin. — 3fn ben ©ongteft ju 2fachen 1818 (f. ©on« greffe) erinnern »erdnberte ©trafennamen: bie 3fleranber=, bie Stranj», bie 9Bellington1trafe, unb bet Stiebricf) = 3BtlhelmS»©raben. ©. 2llopS ©d)teiber, ,,©efd). u. Sefdjr. ». 3fadqen m. Surtfcheib u. ©paa ic." (^eibelb. 1824). 3fad)ner SttcbcnSfdhlüffe. 25er er fte »om 2. SETfai 1668 enbigte ben 25e»olution$frieg, ben Submig XIV. im 3.1667 mit ©panien führte, meil er nach bem Sobe fPfjilippS IV. (feines ©chmiegeröaterS) im Otamen feiner ©emahlin, ber 3nfantin 9Raria Sherefta, auf baS unter fPrioatperfonen in Srabant unb 9ta« mur geltenbe jus devolutionis ftef) becufenb, einen grofen Sheil bet fpanifchen ÄafuS %bU 3 fjlieberlanbe in Anfprud) nal)m. donbe fjatte bereit« bie gtanche; dornte, unb SEu= renne 10 gelungen erobert, al« bie non be 2Bitt unb SBilliam Stemple (f. SSit.t unb Stemple) gefchloffene SEripleallianj granfreidp jttm grieben mit Spanien auf Sebingungen beftimmte, bie ju St. = ©entmin mit ben Alliirten nerabrebet unb mit Spanien ju Aadjen abgefdploffen mürben. Spanien fjatte ndmlid) bie SBaf)l, entmeber bie granche = dornte ober bie Spidbe in ben 5tieberlanben abjutreten. d« tbjat ba« leitete. So erhielt granfreich mit »oller Souoerainetat einen Stfyeil be« ehemaligen 6urgunbifd)en Greife«, bie fpanifd) = niebetldnbifchen feflen 9)ldhe Sille, dbarletoi, S3incf>, Souai, SEournai, Subenatbe unb noch 6 anbre, nebji ihrem 3ubef)6r. S. Scholl, „Hist, des traites etc.", I, 331 fg. — 23er jmeite aachner grieben »om 18. Set. 1748 enbigte ben oftr. drbfolgefrieg (f. £> jt r e i d)), ber jroifchen Submig XV. »on granfteidp auf ber einen, unb ber Äaiferin SO?aria SEherefta auf ber anbern, bann jtoifchen Spanien auf ber einen, unb ©rojjbritan* nien, SJJatia SEherefta unb Äarl dmanuel, Äonig »on Sarbinien, auf bet anbern Seite, entfianben mar, unb an melchem bie Sßereinigten 9?iebertanbe a(« 33unbe«= genoffen ©rojjbritamtien« unb Sftreid)«, SUobena unb ©enua al« S8ttnbe«ge= noffen Spanien«, Stheil genommen hatten. 2D?aria SEherefta trat an 2). fPhüipp, Snfanten »on Spanien, fParma, fpiacenjd unb ©uaftalla ab. So entjbanb bie »ierte fou»eraine Sinie be« Jpaufe« S3ourbon, bie in Patina (jefjt feit 1817 einftmeiten in Succa). Übrigen« marb ber 33eft'hffanb »or bem Ätiege IjergefMt, bie pragmatifche Sanction, bie (Erbfolge be« dpaufe« -fmnoöer in ©rofbritannien, unb bem Könige »on fPreuficn Sd)leften mit ©Iah garantirt. din rufftfdje« $ülf«heer »on 37,000 unter bem gürften Ofepnin, im Solbe ber Seemächte, ba« im grühjahr 1748 »on 236t)men her bem 9tf)eine ftch näherte, befdjleunigte ben Abfchtuji be« grieben«. Sie dongrefbeoollmachtigten granfreich«, ©rofbri= tannien« unb ber ©eneratfiaaten unterjeichneten in einer geheimen SJerfammlung am 30. April 1748 bie Präliminarien, bie fte in 4 Ausfertigungen ben übrigen friegfühtenben 2Jtdd)ten »orlegten, meldje fte einjeln nad) unb nach unterjeid)ne= ten. Äarl »on Stuart, ber dlteffe Sol)tt be« sprdtenbenten, protefhirte (SPariS, 16. 3uli) gegen bie AuSfchliefung feine« Söater« 3mfob III. »om britifchen SEfmone. Sene 3 Sfldchte unterjeidjneten auch juerfl ben Seftniti»frieben, motauf Spa= nien, ©enua unb SDtobena am 20., Sflreich am 23. (burch ben dongrefbe: »ollmdd)tigten, ben ©rafen — nachmal« gürffen — »on Äaunih) Saffetbe thaten. S. Schöll II, 411 fg. Äafu«, ein Sohn Jupiter« unb ber Stpmphe Ägina, ber SEochter be« glujjgott« Afopu«. dr erhielt bie dperrfefjaft über bie nach feiner SRutter benannte Snfel, unb marb um feiner ©erechtigfeit millen ein Siebling bet ©Otter. Auf feine Sitten beoölfette berSöater bie burch 9>e|t entoolferteSnfel neu mit SJfenfchen, bie au« Ameifen entjfanben maren, unb barum Sftptmibonen (f. b.) fyefym, unb ©riedfjenlanb mürbe »on einer grofen Surre unb ^mnger«noth befreit. SDtit feiner ©emafjlin dnbei'« jeugte Äafu« ben ^3 e l e u S unb ben e l a m o n (f. b.). Sem Äafu« mürbe, nebft bem 9J?ino« unb 9?habamanthu«, megen gleicher ©e= red)tigfeit«liebe, ba« 3fid)teramt über bie SEobten jugetheilt; ihm lag inSbefonbete bie Sßolljiehung ber ^Belohnungen unb Strafen ob. dr mitb abgebilbet auf einem 9?icbterftul)le ft|enb, mit dt rotte unb Scepter gefdtmücft; al« befonbete« Äennjeh «hen führt er ben ihm »on fPluto anoertrauten Schlüffel jur Untermelt. Ä a x g a u, »otmalS ein SEfjeil ber dantone Sern unb Zürich, gegenmdrtig ein danton ber Schmeijerifchen dibgenoffenfehaft (f. b.). Abba«, Abbafftben, f. Ähalif, Ähalifat. Ab b ü nannten ftch in granfreich »or ber ^Resolution alle Siefent’gen, mel* d)e ftch bem geglichen Stanbe beftimmt ober bodf> ilpre Stubien auf einet theo= logifcben Sehranffalt gemacht hatten, in ^offmang, baf ber Äonig ihnen eine roitf* 1 * 4 Abbes commandataires 2£bbot liebe 2(btei ( b. b- einen befimmten S£t>eit an ben ©infünften cittcS JtlofierS (als Abbe commandataire) »erleiden würbe. Srbinirte ©eifilicbe waren nur bie, welche ftcb wirflicb bet Äircfye gang wibmeten; bie anbern trieben alte mögliche lite= rarifd;e ©efdjafte. jJbret waren fo »iele, arme unb reiche, »otnebme unb ge* ringe, baß fte eine eigne ©affe ber ©efellfdjaft bitbeten unb auf ben <5t>arafter ber* felben einen großen ©influß batten. Plan faf» fie überall, bei^ofe, in ben ©e= richten, im ©cbaufpiel, in ben ©affeebdufetn. gaff in jeber gamiiie war ein 3fbbe als >£>auSfrcunb unb ©ewiffenSratb gu ftnben. ©ine runbe Jpaarlocfe, ein furgeS fcbwargeS, braunes ober violettes Äleib machten ben tfbbe fertig. 37. Abbes commandataires. 25er Äonig »on gtanfreid) »ergab ehemals bie tfbtsflellen in 225 PiannSflofern, benn nur bie regulirten (115) unb bie fogenannten Chefs d’ordre (ber $auptft| ber ©ftercienfer, ber ßartfäufer, ber Prdmonfratenfer) batten baS Siecht ihren 3fbt gu wählen. Ser »om Äonig ernannte 2(bt batte ein Sritttbeil berÄlofiereinfünfte, aber weiter feine Siedjte über baffelbe; bie ©efcßdfte beS SSorfte^erS beforgte ein Prieur claustral. ©igentlid) folite ein jeber 2fbt binnen .SabreSfriff bie g>rieflerweif)e empfangen, aber ber Papf biSpenfirte, unb bet tfbbe »ergebrte fein ©infommen (1200 —150,000 2.), wo er Sufi batte. Sie geringem, bie Abbayes des savans, bienten als Penfionen für ©elebrte, bie reidf>ern gut KuSftattung für bie jüngern ©ohne beS 2(belS. 37. 2 fbbilben beißt in ber bilbenben Äunft, ©egenftdnbe nach if>ren in bie ©inne faltenben SSefdjaffenbeiten bet §orm, ber garbe unb beS 5(uSbrucfS in einem Silbe nadjabmen. ©ine folcbe Siacbabmung bat gundcbfl bie #b n lid)feit gum 3wecfe, bie man wegen beS Sntereffe am ©egenftanbe ober auS Stieb gut bilbenben Sbdtigfeit betoorjubringen befirebt ift. Um biefe dußere 'Üfjnlidfjfeit gu bewirfen, bagu gehört an ficb ein mehr medjanifcbeS Salent; baf>er eine bloße 2fb= bilbung nod; fein 5Serf ber fcboiten iiunft genannt werben barf. 2fber um mit Äbnlicbfeit gugleid) ein geiflreicf>eS unb butd) fid) felbfl gefallenbeS SEBerf gu»er= binben, bagu bebarf es fcljon einet geiflteicben, fdjopferifdjen 2 fuffaffung unb eigentbümlicben Sebanblung burd; bie gewählten Äunffmittel. (©. Portrait.) Sa nun aber alle bilbenbe Äunfl gewiffe ©runbformen bet Statut gu Sotbilbetn bat, weßbalb man fte fdlfcbtid) Äunf ber Stad^abmung genannt bat, fo fann man baS 2fbbilben gegebener ©egenftanbe überhaupt als SSorübung jebeS bil= benben ÄünjtlerS anfeben. tfbbot (©barleS), »on 1802— 17 ©predjer beS britifcf>en Unterbau* feS, geb. 1755, flubirte im ©ollegio gu SBefminfter. ©ein Sater war D. 2fb= bot, Ptebiger an ber 2fllerbeiligenfitd)e 51 t ©olcbefer. 2fuf feinen Steifen trat er unter anbern in ©enf in genaue $reunbfd)aft mit SobanneS ». Ptüller, »on wel* cbem fidf) ein fd) 6 net 33rief an ihn erhalten bat. (SJiüllet’S „SEÖerfe", 17. Sbl., 9t. 135.) Stadß 2fuSgeid)nung firebenb, ließ er ftd) bttrcb fein anfebnlicbeS SSermogen nicht abbalten bie Siechte gu fhtbiten; bod) wollte er nicht als StecbtSgelebrter ftcb beben, obgleich er wegen feinet @efd)icBlid)feit »iel PrapiS im Äangleigericbte erhielt. SBegen eines lateinifdjen ©ebicßtS auf bie Äaifetin »onSiußlanb, Äa* tbarina II., feilte ihm bet rufft'fdje SSotfcbafter in 2onbon eine golbene ©bannte* baille im Stamen ber Äaiferin gu. ©r fdjrieb einige juriflifdje ©d)tiften, unb würbe 1790, 1796 unb 1802 inS Unterhaus gewählt. 2flS Parlaments* glieb benugte er feine Äenntniß ber Siechte, um eine beffere Srbnung in ^)in= ftcbt^beS SrudS unb ber föerfenbung ber Parlamentsacten eingufübren; auch bemühte er fid), wiewol »ergebend, nach bem föeifpiele bet ©efefje beS norbame* tifanifdjen ©ongreffeS (bie ein SDtufler »on gemeinfaßlicber Sprache finb), mehr Seutlicbfeit unb Klarheit in bie 2tbfaffung ber ParlamentSgefe§e (Statutes) gu bringen. 1795 unterfl«|te iet Pitt’S berühmte „Riot bill“ wiber bie auftüb- Krifcben SJetfammlungen Unb geigte ftd) immer als ein ©egner ber Sppofi* 2Cbbrct>iatorcn Abbreviaturen 5 tion. 1796 fd)tug et, als Sorffanb bet ginanzcommiffton, eine Setbeffe; rung bet ©efebpromulgation vor, rodele angenommen würbe. 1799 unter; flügte er bie Sinfübtung bet Sinfommentare. 1800 fcfjtug er vor, bie Sin; nehmet ber öffentlichen Sinfünfte, bamit fte nicht unrichtig baS (Erhobene ab; lieferten, mit ben 3infen für bie nicht erhobenen epigibeln Selber zu belegen, unb fiimmte für bie ^Beibehaltung ber Sill, welche bie Unterbrücfung ber Umtriebe Übelgep'nnter in ber Armee unb in ber gtotte betraf, bis jum 5.1807. Sr be; fleibete nach einanber baS erfte ©taatsfecretariat vonSrlanb, baS 2orb;Som; miffariat ber ©chafsfammet, mürbe ©eheimerratl) unb 1802 Sprechet beS Unter; haufeS, burd) beS [extern SBafl. Siefet fPoften bebarf einer gropen Äenntnip ber ältern Acten, um bem parlamentarifd)en Jpetfommen 9tid)tS ju «ergeben, ijt aber angreifenb für bie ©efunbheit, ba ber ©ptedjet ber Stfie unb ber Se|te in ben nächtlichen ©jungen beS UnterhaufeS feinmup, bagegen aber hod)ft einträglich wegen ber hohen SrpebitionSgebühren ber fPrivatbillS, bie baS Unterhaus paffiren. Sie Anträge auf foldje SillS unterffüht eine Sommiffion, beten auf ältere Sor; gange geflößtes Sutachten fafi immer ohne 3Biberfprud) burchgeht, eS fei benn, bap eine Abänberung beS bisher @ebtäud)lid)en vorgefd)lagen wirb. Ser ©predjer achtet fetjr barauf, bap in ben formen ber SillS fltichtS m i b e r baS ®ebtäud)licbe einfliepe, unb bap bie Sebatten, bei hoebfier Freiheit beSSortragS, nid)t burd) fPerfonlicbfeiten, welche bieStebnet ffd) in bet Übereilung erlauben mochten, bie bem $aufe gebübtenbe Ad)tung verleben. Siefe Auffidjt übte er unparteiifdh fowol gegen bie SUinijberialpartei als gegen bie Sppofition. AIS bie Sppofition im Unterpaufe barauf antrug, ben ßorb SOtelville (SunbaS) in AnUageftanb ju vetfe|en, waren bie Stimmen gleid); ba entfehieb feine bie 5S?ehrf)eit biU benbe Stimme burch bie von ihm angeführten ©rünbe, bap bet 2orb not ber Kammer ber fPairS angeülagt mürbe. 1817 legte er baS ©pred)eramt (Sor; ftanbfchaft) beS UnterhaufeS wegen Augenfcp wäd)e niebet unb trat burd) fo; niglicpe Srnennung als Discount Solche ft er ins SbcrpauS als ^)air. ^Oubli= ciftifd) wichtig ift fein SBert: „Über ben ©eebanbel unb baS ©eered)t nach ben ©tunbfäpen beS britifdjen SJtinifteriumS" (Sonbon 1802), wovon 1808 bie 3. Aufl. etfepien. — Auf feinem herrlichen Sanbgute, SJtapftelb genannt, ju Stebbbrood nahe bei Sft;©rinfteab, genop er bisher im @d)ope feiner gamilte bie S0?upe, welche ipm fein banfbareS Saterlanb als Sohn feiner Setbienfie gewährte. SaS Sollegium Christ church in Spfotb, wo et ftubirte, hielt eS für fo tühmlid), feinen ehemaligen ©enoffen zum ©ptedjer beS UnterhaufeS erhoben zu fehen, bap eS beffen Silbnip in SebenSgrope unter ben ©emälben feiner verbienftoollen goglinge aufgeftellt hat. Abbreviatoren, ©ecretaire in ber päp jtlid)en .Kanzlei, welche auf bie vom fPapft unterfchtiebenen ober mit Stefolution vetfehenen SSittfcliriften bie Son= cepte ber Steven entwerfen, fte bann vollftanbig auf Pergament auSfchreiben, einregiftriren, nacblefen unb mit ben üblichen ?iquibationen an bie Sataria auS; fertigen, wo baS Saturn baju gefegt wirb. Sie 12 erfien Abbreviatoren haben fPrälatenrang unb Äleibung, 22 anbre fmb von ber niebern ©eifilicpfeit, bie übrigen Saien. SaS Amt eines AbbreviatotS vom erften Stange würbe im vorigen Saheh- nod) mit 2000 ©cubi befahlt. E. Abbreviaturen, Abnützungen (bei ben Stomern notae, baperfftota; riuS, ein ®efd)Winbfd)reiber). SaS Sebürfnip, beim Schreiben Seit unb Staum ju fparen, oft aud) bie Abftcpt, ben Snpatt beS ©efeptiebenett Uneingeweihten ba; burch ju verbergen, führte auf bie Srftnbung von Abtür jungen ber @d)tift. Sie Abnützungen ber Stomer fmb breifad): Abnützung ganzer SB ortet unb ©plben, siglae; SJertaufchung ber Suchftaben jut ©eheimfehrift; willfürlich erfunbene Seichen, nicht nur aus Suchftaben, fonbern auch aus anbern Signaturen beftehenb, 6 2fbbera 2Cbbt wie matt fte je|t nod) in bet SSfathematiE gebraucht. Die siglae ftnb wiebet bteU fach, je nad)bem bie 2fbEürjungen ©plben, SBorter ober ganje ©ebanEen betreffen. Die beiben legten 3frten bet siglae nennt matt aucf) Notae Tironianae »on bem greigelaffenen beg Cicero, Sttdiug Siro. Snbeffen fod fd)on ©nniug liOO fol= djet Briefen erfunben hüben, ju benen Siro bie *Präpofttionen fügte. 2fnbte uet= mehrten fie nod), unb ßuciug 2fnnaeug ©eneca Eonnte ihrer 5000 fammeln unb orb= nen. 3fber aud) ©nniug war Eeinegwegg ihr erftcr ©tftnber. Sebe ©prache unb ©chtift hat mehr ober minbet allgemein angenommene unb bekannte 2ibEütjungen, beten ©rElärung man in »etfd)iebenen fffierEen ftnbet. Snbeffen ift babei noch 25ic= leg unerortert unb unftdjer, unb bet Snljalt mancher alten Schriften, DenE= malet unb UtEunben bleibt beffjalb nicht feiten fchwanEenb unb mef)tbeutig. Die älteffen unb gewöhnlichflen 3fbEütjungen betreffen Bornamen, Sitel unb gotmeln, j. 85. M. Sliatcug, Aid. jfbilig, Cos. Conful, Coss. Confuleg u. f. w. 3tbbt (Shomaö), einpt>ilofophtfdjer ©chriftfteder, geb. ben 25.92o».1738 ju Ulm, entwicEelte früh feine »ortrefflichen Anlagen unb feinen ©efcbmatf für bie 5Biffenfchaften. 1756 bejog er bie Unioerfftät $ade, wo er ftd) auf ipi)ilofopl)ie unb SJiatbematiE legte, ber Rheologie entfagenb, ber er ftd) anfänglich gewibmet hatte. 1760 warb et alg auferorbentl. fProf. bet fPhilof. auf bie Uniöerfität nach granEfurt a. b. D. berufen, -föier fchrieb er mitten im ©etümmel beg Äriegg feine 2fbhanblung „Born S£obe fürg Baterlanb". Dag Saht barauf, nad)= bem er einen 0tuf alg fProfeffot ber BfathematiE nach Sünteln angenommen hatte, »erlebte er 6 Sßonate in Berlin, wo er mit ben beiben ©uler, mit Bfenbelg= fohn unb fUicolai in Betbinbung trat unb thätiger Sheünehmer an ben 2itera= tutbriefen würbe. Dag obe Svinteln mad)te ihn bem aEabemifchen Seben abgeneigt, unb er ftng an bie Ofedfte ju fhtbiren, um einfb ein bürgerlicheg 3fmt beEIeiben ju Eonnen. 1763 bereite ec bag fübliche Deutfd)lanb, bie ©d)weij unb einen Sthcit »on gtanEreicf), Eam ju ©nbe beg Sahreg nad) SKinteln jurücE unb gab halb nach» her fein SietE „Born BerbienfI" hetaug, wobutd) er feinen 9fuf)m am meifien be= grünbete. 5Jfan ftnbet in bemfelben erhabene ©ebanEen, feine BemerEungen unb eine treffliche praEtifche ^hilofophte. Diefer ©chrift »erbanEte 2f. 1765 ben fPofben eineg ^)of=, fRegierungg = unb Gonfiftorialrathg ju BücEeburg bei bemre= gierenben ©rafen SBilhelm ». ©chaumbutg=2ippe, ber ihm mit befonberet gteunbs fchaft jugethan war. Allein er genof biefer 2Cugjeichmtng nur Eurje Seit» benn fd)on ben 3. 92o». 1766 ftarb er in ber Blüthe feiner 3af)te. Der würbige gürft lief feinen gteunb in feiner eignen Capelle prad)too(l beerbigen unb »erfafte bie Snfchrift feineg ©rabmalg. — 21.’g ©driften ftnb reich an ©charfftnn, ©inbilbunggEraft unb ©eiff, unb gewif würbe er einer unferer »orjüglichften ©djriftffeller geworben fein, wenn er bie reifem 5af)te beg männlichen 2flterg er= reicht hätte. 2lber aud) fo »erbient er ju Denen gered)net ju werben, bie im Sef= ftng’fchen Seitalter ju ber beffern ©eftaltung ber beutfehen Siteratur Eräftig mit= gewirEt haben, ©ein 2fugbrucE jeiefnet ftch burd) 2lnmuth unb Eraftöode Äürje aug, ohne jebodh immer »on Sntang unb DunEelbeit frei ju fein, ©eine »ermifch= ten SBerEe ftnb nach feinem $£obe in 6 Bänben »on 92ico(ai herauggegeben worben (Berlin 1768 — 81, 2. 2fufl. 1790). 2(hbcichen, 1) burd) einen Deich (Damm) einfd)liepen, abfonbern; 2) wenn eine ©emeinbe (Deichacht), bie ju Crhattung gewiffet Deiche »erbinblich war, ftch mit Bewilligung ber Dbrigfeit aug biefer BerbinblichEeit gieht, bagegen aber aud) if)te fernere 2Bafferftd)erheit burch eigne Deiche $u erreichen fud)t. % b b e r a, eine ©tabt auf ber thtajifcfjen Äüffe, alg beren Ctbauet ^ercuteg genannt wirb, ©ie rühmte ftch, bag Baterlanb beg DemoEritug unb beg ^rotago^ rag $u fein; inbef galt fte bod) im 2(Iterthum für ben ©ifs ber 2(lbernheit unb 2fbge* fchmadtheit, wiefolcheg SBielanb in feinen „2fbberiten // fej)t ergohlid) auSgefühct Ejat. 2£bbicatton 2CbbtucE 7 2C6bicatton, freiwillige 2(6b«niung, Überlegung einer 2Bötbc, Bor= nel)mticf) bie ber (Regierung. Von Weberlegung ber (Regierung finb bie berühmte; flen Veifpiele bie ©ntfagungen beS ÄaifetS Siocletian unb 2Rarimian (305), beS ÄaiferS Äarl V. (1556), ber .Königin ©htifline oon ©ebroeben (1654). Sn ©panien finb fie am haufigfien geroefen (Äarl 1.1556, (Philipp V. 1724, ÄarllV. 1808), ndchfibem in ©aoopen unb ©atbinien (2(mabeuS I. 1440, Victor 2fmabeuS II. 1730). (Rur Söenige finb bem tafd) auSgefühtten ©ntfdjluffe treu geblieben, roie Siocletian unb ÄarlV., obgleich ber UnbanE feiner (Rad)folget eS bem ©rffen febroer genug machte. Ä. Sßictoc 2(mabeuS oon ©atbinien gerietb bureb einen Verfud), ficb ber Sfegierung roieber ju bemdd)tigen, in bie ©efangen« febaft feines ©ohneS .Karl ©manuel III. SaS Sfedbt eines gurffen, bie Sfegie» rung niebetjulegen, bann rool nicht beftritten roerben; allein bie ©ntfagung bann nur fein perfbnlicheS *£>errfd)aftSrecbt betreffen, nicht aber feinem ©tamme ©troaS Bergeben, unb noch weniger bem ©taate eine anbre Verfaffung ober einen anbern 4)ettfd)erft«mm aufbtingen. Ä. Karls IV. oon Spanien 2fbbanbung bonnte alfo nur ju ©unften beS oetfaffungSmafjigen Thronerben gefdjetjen, nicht aber einem ftemben ^ertfehet bie Vefugnijj geben, einen neuen 9fegentenjfamm einjufefjen. — Sem abgetretenen (Regenten roerben jroar juroeilen aufere ©htentedfe, SÖla= jefldtstitel u. bgl. Borbehalten, aber (Regentenred)te bann et nicht mehr auSftben; er geniefit in fremben SMnbern nicht mehr bie ©pterritorialitat unb nicht bie SuriS* biction über fein ©efolge. Söenn derjenige, ju beffen ©unften abbicirt rourbe, flirbt ober bie Jlbbication nid)t annimmt, fo tritt baS jRed)t beS 3lbbicirenben roieber in Kraft. ©o ergriff (Philipp V. Bon Spanien bie Sfegierung roieber, als fein ©oljn Subroig ein halbes Saht nad) feiner Thronbefleigung (1. 2fug. 1724) fiarb. 3fber bie Königin (5f>rifline Bon Schweben machte ähnliche Verfuche BergebenS. 37. 2fbbonren, in anatomifcher Vebeutung, ber Vaud) ober Unterleib. 3fb> b ominalmuSf ein, bie SRuSfeln beS Unterleibes, ober bie VauchmuSfeln. 2(bbrud:, ber fünft liehe, ift bie Übertragung geroiffer in harter SRaffe ge» bilbeter giguren auf eine roeidje SRaffe. Surcf) biefe Übertragung ifi zugleich baS SRittel ber ÜSeroielfaltigung gegeben, unb fte ftnbet fiatt in bet Vud)bmoljfchneiber, arbeiten in gtddjen, bie @tein= unb ©tempelfchneiber hinge» gen bringen erhöhte ober nertiefte Arbeit hecoor; baher fiellen ftch in ber Übertrag gung bie döerfe biefer im (Relief bar, unb eS roirb baju felbfi eine ber ©thöhung unb Vertiefung empfängliche (Raffe erfobert ■, um bie (ffierfe jener ju übertragen, mufj bei ben Kupferplatten in bie ©infepnitfe bet harten glikpe unb bei ben Jpolj= platten auf bie jfepengebliebenen ©rf)öhungen eine garbe gebrad)t roerben, bie fid) ber aufgelegten roeichen SRaffe burd) ben Stucf mittheilt. ©S gibt bemnadb jroeierlei 2frten Bon 2fbbr£tcFen: 1) auf gldchen, roie beim ©teinbtucFe ober oon Kupferfiichen unb dpo!jfd)nitten (estampe). — 25aS SBetfjeug baju ift bie Ku= pfet = unb Srucferpreffe. (©. Kupfetbtu rift, b. h- roeld;e gemacht roorben, ehe ber Äupferftid) bie Unterfdjrift erhalten, in hoherm 3Bertfje. Vesor ndmlich ber Äupferflich feine Unterfchrift erhalt, roerben einige ©pemplate baoon abgejogen. ©ine geffod)ene glatte gibt mehr gute ?(bbrude als eine rabirte, unb biefe mehr als eine in Tufchmanier. 5(uf eine ähnliche 2frt roie ber Tupfer« abbtucE roirb ber 3lbbtud Bon einem ^oljfd^nitte gemacht j bod; bebarf biefer einer roeit geringem Vorbereitung unb Sorgfalt. 2) 2fbbröcfe in Sfelief, Bon 5Rün« 8 2CbeIarb %bd jen unb f)Ocf) ober tief gefdjnittenen ©feinen ober Stempeln (empreinte). — SJtünjen unb gefebnittene ©feine haben einen fjifforifdjen unb nrtifiifcfjen SBertf), unb eg ift gar niefjt gleichgültig, wie ft'e vervielfältigt werben. Die Nachahmung in Kttpferflicb fann nicht genügen, weil baburch ber grofte Shrit beö Kunftgenuf» feg verloren geht. SJtan macht baher Ufbbrütfe, wo bie ganje gorm ber ©ernme ober Sftünje flcbtbar wirb, unb bebient fich baju beg feinen ©iegellacfg, beg ©d)we= felg, ©achfeg, ©lafeg tc. Abbrücfe in glagartigen Materien nennt man haften. (Sgl. Abguf unb fPaften.) Abel, berjweite©obn Abamg, einSmillinggbruberÄaing. Diefer war Acfetgmann, Abel Jpirt. SSeibe brachten ihre ©aben bem dpeetn; Kain bie ©tft= linge feiner grüebte, Abel bie ©rftgeburt feiner -fjeerbe. ©ott gab ju erfennen, bajj Abelg Opfer ihm angenehm fei; Kaing Opfer verwarf er. Diefer, von Sleib ergriffen, ermorbete feinen Stüber auf bem gelbe, ©o warb ber etfle SJlorb auf ©eben vollbracht. Die SJle'mung mehter Kirchenvater, baf 2Cbet unvetheita» thet geffotben fei, bat jur ©ntflebmtg ber ©efte ber Abeliten ober AbelonU ten (f. b.) Anlaf gegeben. Die Kirche führt Abelg Opfer algSHufler eineg heiligen, reinen, gottgefälligen Opferg an, unb ©btiflug felbfl nennt ihn ben ©erechten. A b c l a r b ('Peter), urfptünglich 'ifbaillarb, ein ©eifllicbet beg SenebictU netorbeng, gleich metfwütbig burch feine ©elehtfamfeit wie burdh feine unglücf= liehe Siebe ju ^»eloifen, war 1079 unweit Slanteg in bem glecfen fPataig, bet feinem Sater Serenger gehörte, geboten. Angeborene Steigung führte ihn ju ben SBiffenfchaften; unb um fich ihnen ganj hmgeben ju fonnen, übertief et feinen Stübern bag Siecht ber ©rflgeburt unb feine ©üter. ©t flubirte Dicbtfunfl, Se= rebtfambeit, ^h'iofophie, Surigprubenj unb Sheologie, bie gtiechifche, Ijcbcaifdlje unb lateinifdje Sprache, unb warb halb vertraut bamit; aber vorjügtid) befleifigte et ftd) ber fd)olaf!ifd)en 'Pbüofopbie- Obgleich Sretagne bamalg auggejeiebnete ©etehrtc befaf, fo hatte A. boch halb ihre SBiffenfcbaft erfebopft. ©r ging ba= her nad) fPatig, beffen Univerfität ©chüler aug allen Steilen ©uropag hetbei= gog. SBilhelm von ©bampeaup war ber tüfligfle Dialeftifer feinet Seit. 21 . be= nufste feinen Unterricht fo trefflich, baf er oft feinen Steiftet in ben SBettflrei» ten beg SBiljeg unb ©charffinng in Serlegenbeit fefjte. Der anfänglichen grambfehaft folgte -^af, ben bie übrigen ©chüler ©bampeaup’g theilten, unb A., ber noch nicht 22 Sab« jähtte, entjog fich bem gegen ihn betangiebenben Unge= Witter baburch, baf er nad) SHelun ging, wohin fein Stuf halb eine Stenge von Sünglingen gog, welche bie ©chulen von^arig verliefen, um ihn gu hären. Da ihn aud) hier ber Sleib verfolgte, ging er nach ©orbeil, wo et gwar ebenfall« bewunbert, aber auch auf gleiche SSBeife verfolgt würbe. Den Sorflellungen ber Argte nad;gebenb, unterbrach ec feine Arbeiten, um in ber^jeimatf) feine jerrüt- tete ©efunbheit wieberbergttflellen. Sleu geflärft lehrte et 2 Saf)te fpäter nach fParig jttrücE, verfolgte ftd) mit feinem vormaligen Kehrer unb eroffnete eine @d)ule ber Slhetorif, beren ©lang alle übrige halb ohne Suboter tief, ©r lehrte Slbetorif, 9>f)ilofophie unb Rheologie, unb gog bie auggegeicbnetflen ©chüler, bacunter ben nachmaligen 'Papft ©oleflinll., betrug Sombarbug, Sifcfof von fParig, Setenger, Sifdjof von fPoiticrg, unb ben heil. Sernhatb. — Umbiefelbe Seit lebte gu fParig eine junge Dame, Slameng Souife ober t^eloife, bicSlid)te gulbeet’g, Kanonicug in fPatig, bamalg 17 Sabre eilt. Sßenige grauen übertrafen ft'e an ©chonljeit, feine glid) ihr an ©eift unb Kenntniffen aller Art. A., obs gleich fchon 39 Sabre alt, entbrannte für^eloifen von fo heftiger Siebe, baf er $>flid)ten, Unterricht unb felbfl ben fo h ei f erfehnten 3tul)m batüber vergaf. $eloife war für feine Sleigung nicht minber empfänglich- Unter bem Sorwanb, ihre Silbung ju vollenben, erhielt A. von gulbert bie ©rlaubnif, ft'e oft ju befugen; um ft'e noch öfter ju fehen, nahm er bei gulbert SBobmmg unb SEifd). 2Cbelatb 9 @o lebten bcibc Siebertbc mehre SHonate bocbfl glücflid), mehr mit ihrer ' fiiebc als itjccn ©tubien befdjaftigt. 2 lber bic Serfe, in benen 2 C. feint Siebe fang, liefen in fParig um ttnb famen enblid) auch jugulbect. ©r trennte bie Siebenben, jeborf) ju fpat. Jjeloife trug unter ihrem £erjen bie grud)t ifjrec @d)wdche. 2f. entführte fie nad) Sretagne, wo fte »on einem ©ohne entbunben warb, ber inbep halb flarb. Seist bad)te er barauf, fid) (jeimlicb mit ifjr ju tser= mahlen; gutbett war genotl)igt, einjuwitligen, unb $eloife, bie aug mifoerftanbe* nem Zartgefühl lieber feine ©eliebte a(S feine ©attin fein wollte, fügte ffd) enblid) ' > aud). Sie ©he warb »olljogen, unb umfieju »erijeimlidjen, blieb ^eloife bei ihrem Sfjeim, wdf)renb 21 . feine nötige SBoljnung bcibefjielt, wo er feine Sor* lefungen fortfefste; fie faljen fid) feiten, gulbert inbep glaubte, bap bieS ©es heimnip nur ber ©hre feinet 9licf)te nachteilig fei, unb machte eg begannt; «£je* ! loife bagegen, welche 2 (.’g Sitihm hoher fd)dfcte alg ihre (5h«, leugnete bie ©he burd) einen ©ib. gulbert duperte feinen Zorn barübet burd) 9RifhanbIungen, benen 21 . fie baburd) entjog, bap er fie jum jweiten 9Jtal entführte unb nach 2 frgenteuil in ein Älofler brad;te. gulbert glaubte, er wolle fie jwingen, ben ©dreier ju nehmen, unb aug 9lacf)e liep er an 2f. eine fchmdhtiche Serflüm» melung ooUjiehen. Siefet trat alg SJtond) in bie 2(btei non ©t.=Sentg, unb 4>e- loife nal)m ben ©dreier ju 2frgenteuil. 9lad)bem bie Zeit feinen .Summet eini= germapen gelinbert hatte, fe£te er feine Sorlefttngen wiebet fort, jog fid) aber babttrch neue Serfolgungen ju. ©eine gcinbe ftagten ihn not ber Äirchennc« * fammlung ju ©oiffong 1122 wegen einer ©d)rift über bic Sreieinigfeit an unb bradjtcn cg bafiin, bap biefelbe für fefcerifch erfldrt unb 21 . uerurtheilt würbe, fie felbfl ju nerbtenneit. gortgefegte 'ilnfeinbungen nothigten ihn enblid), bic 2fbtei ©t.=Senig ju neriaffen unb fid) in bie ©egenb non 9logent für ©eine ju= rüdjujiehen, wo er ein Sratorium erbauen liep, bag er bem heiligen ©eifl weihte unb graftet nannte. 3 ttm 2 fbt non ©t.=®ilbag be9Jut)g ernannt, lub et-pjes loifen unb ihre 9feligiofen ein, feine ©apclle ^ParaE'let ju bewohnen, unb empfing fie bort. 9lad) einer lljdl)tigen Trennung fahen fich betbe Siebenbe hier jum erflen SJtale wieber. 21 . lebte hierauf ju ©t. = @ilbeg, bag ihm einen trauri» gen Aufenthalt gewahrte, »ergebeng mit Scrbeffetungen bemüht, unb ftetö im .Kampfe mit feiner Siebe für .fieloifen unb mit bem $affc ber fÖlondje, bie felbfl fein Seben bebrohten. Set heilige Sernharb, ber fid) lange geweigert hatte, ge= ,* gen einen S9?ann aufjutreten, ben er nerehrte, gab enblid) ben wieberholten Sor= ; flellungen feiner greunbe nach, jog 2i.’g Sel)re »ot bie Kird)en»erfammlung »on ©eng 1140, liep fie »om fpapft »erbammen unb bewirfte fogar einen Sefef)l, ihn einjuEcrfern. 2f. appellirte bagegen an ben fPapfl, »ertheibigte ft'cf) offene lieh unb ging nach 9fom. Sei feiner Sutd)teife burch ©lugnp befuchte er fPeter ben ©htwütbigen, ber bafelbfl 2fbt war. Siefet ebenfo leutfelige alg auf= gefldrte ©otteggelel)rte »erföhnte ihn mit feinen geinben; 2 f.. aber befd)lop, feine Sage in bet Zutüdgejogenheit 51 t enben. Sie flrengen ©ntfagungen, bie er ftd) auflegte, »erbunben mit bem Kummet, ber nie aug feinem fersen wid), «erjehrten nach «nb nad) bie Kräfte feineg Äorperg, unb er flarb alg SHufter 116= flerlichet s5ud)t 1142 in ber 2fbtei ©t.= ®larcel unweit ©halong fur©aone, 63 1 Snhre alt. $eloife erbat fid) ben Setd)nam unb liep ihn ju ^JaraElet begraben, um bereinfl an feiner ©eite ju ruhen; 1808 aber würbe bie 2ffd)e Seiber in bag fOlufeum ber franj. Senfmaler nadh ^Oarig, unb im 9lo». 1817 auf ben Äird)hof SJlonamp gebracht unb in einer befonbern ©apelle beigefebt. 2 f. war ©rammatifer, 9lebner, Sialeftiler, Sid)ter, Sttuft'fer, 9)hÜofoph/ Sheolog, ®latl)ematifer; aber er h«t 92id)tg hinterlaffen, wag ben 9luf rechtfertigte, ber ihm unter feinen 3eitgenoffen ju Shell warb. ©r gldnjte in ber Sigputi« . tunfl. ©eine Sehren waren nid;t immer untabelhaft unb fein Setragen oft an» 10 Abeliten Abenbmciljl ffcggig. Den grofiten 5Eh e K feines fKuhmS »erbanft et immelSgegenb, in welcher bie ©eftirne untergeben, aud) bie Seit beS ©onnenuntergangS. Die bilbenbe Äun(t flellt ben Abenb halb unter bem Silbe ber Diana auf ihrem 5Bagen nor, wie fte eben jut 3<*gb geht, weil bet Abenb für bie Saget bie günfiigfie Beit ift, halb als geflügelten ©entuS, ber einen ©tern auf bem Raupte tragt unb feine gacfel gegen bie (5rbe fenlt. Abenbmagl ift bet heilige ©ebrauch ber (Shriften, burd) weichen fie baS Anbenfen an ben 5£ob beS ©tifterS ihrer Religion erneuern unb zugleich ein offene licheS Seüenntnif ihres ©laubenS Bot ber ©emeinbe ablegen. SefuS GibtifiuS fegte biefen heiligen ©ebraud) bei bem legten SRafjte, baS er mit feinen 5ün= gern hielt, felbft ein; baSStot, welches er nach otientalifdger ©itte brach, H>at ein paffenbeS ©innbilb feines Selbes, ber halb jetbroegen werben follte, unb ber rothe SBein (benn wahrfcheinlich brauchte GgrifiuS biefe 2Crt ©ein, welche in fPaläftina bie gewol)nlid)fte ift) war ein bejeid^nenbeS ©pmbol feines SluteS. Sn allen ©emeinben, weldje bie Apojtel ftifteten, warb biefer ©ebraud) eingeführt. 3m 1. unb 2 . 3agth- beging man biefen 9iituS allemal nad) ben fogenannten Stebegmaglen (f. b.). AIS feit bem 3. Sflgth- bie ©emeinben jahlreictjer wur> ben, hotten bie SiebeSmagle auf, unb nun warb baS Abenbmagl in ben Äirchen bei jeber gotteSbienfilichen Seiet fo gehalten, bajj alle Anwefenbe baran Sheil naf>= men; bie Äatecgumenen inbef, b. h- bie Steiften, weldje noch nicht getauft waren, unb bie 9tid)td)riften, weldje bei bem ©ebete, bem ©efange ober ber *))rebigt jugegen fein burften, muffen fich, wenn bie AbenbmaglSfeiet ihren Anfang nahm, aus ber Äirdje entfernen, weil baS Abenbmagl als eine geheimnifwolle ^anblung, welche ben Süden bet Ungeweihten ju entziehen fei, betrachtet warb. Salb fing man an, bem heiligen 9ftaf)te eine übernatürlidje Äraft jujufchteiben, baS geweihte Srot unb ben geweihten SBein für mehr als Srot unb 5Bein zu halten, unb }U behaupten, baj? mit bem Srote unb bem Söeine ber Seib unb baS Slut unferS ©tloferS ftd> oereinige. Aus biefer SorftellungSart entfprang enblich bie SrotoerwanblungS = obet SranSfublfantiationSlegre (f. b. folg. 31.), welche ^PatgaftuS fRabbertuS im 9. 3agrl). auf bie Sahn brachte. Obgleich biefe Sehre anfänglich 3Biberfprud) fanb (f. Serengar), fo warb fie boch halb allge= mein angenommen unb 1215 Bon bem Zapfte SnnocentiuS III. auf bet 4. lateranifchen ©pnobe feierlid) betätigt. Aus bem neuen Dogma entfprang theilS bie Anbetung ber $oftie, inbem man nun in ihr ben gegenwärtigen ©ott ju erblichen glaubte, theilS bie ©ewogngeit, ben Saien ben .Seid) ju oerfagen, inbem man fd)loj?, bafs ba, wo berSeib Gf)rifti fei, aud) fein Slut fei (Gonco= mitanj), unb bager ber ©enuf beS ©eines nicht nothwenbig }ut 2fbenbmahISfeier gehöre. 2fuch wollte man jebe ©elegenheit, wo baS Slut 3«fu Ghrifli unoor= ft'cgtig oergoffen unb babutd) entweiht werben fonnte, oermieben wiffen, unb ba es überbteS eine Auszeichnung beS geiftlichen ©tanbes ju fein fd)ien, wenn 2£benbmaJ)l 11 cc nttein baS 2Cfecttbmaf)I unter feeibcclci ©eftatt genoffe, fo toatb btc ©ctt>o^n(>cif, ben Säten ben Äelch ju entliefen, um fo fchnellet serbreitet. früher noch, als bic 33rotüermanblungSlehre aufgekommen mar, hatte matt angefangen, baS 2fbcttb= mahl als ein Dpfet ju betrachten. Daraus entfprang bie sprioatmeffe (f. b. folg. 71 . ttnb CO? effe). 9fad)bem bte Meinung oon bem Fegefeuer entfianben mar, brachte matt biefe “Meinung mit ber ermahnten S3or|feUungSatt Bon bem 2fbenb= mahle als einem Dpfet in Söerbinbung, unb nun mürben t)auptfdcbltd^ in ber 3fbftd)t C0?effen gehalten, um bie Seelen ber Söerftorbenen aus bet £lual beS ge= gefeuert ju etlöfen. Schon im 7. Sohth- mürben fPrioatmeffen t)ier unb ba ge» galten; fett bem 9. Safjri). maren fte überall im @ebtaud)e. So mar benn aller* bingS baS 2fbenbmal)l in bem Sauf bet Seiten etmaS ganj 2fnbreS gemorben, als eg nad) ber 2fbftd)t feines ehrroürbigen Stifters fein füllte. Das Ratten fd)on not ber Sfeformation einige mit ber I)etrfd)enben .Siedle unjufrieberte Parteien bemerkt, namentlich bie $uffiten im 15. Sah^h-, benen aud) bie bafeler ©pobe ben ®e= brauch beS ÄeldjeS bemilligen muffe. Die ^Reformatoren erneuerten bie Älage, bajj bie Jtirdje in ber 2frt, mie fie baS 2lbenbmahl feiere, non bem SmeckeSefu (Sfjriftt unb non bem 23orbilbe bet apoflolifcfjen Seiten ftd) entfernt habe, unb beibe, bie fadjft'fdften unb bie fchmeijetifchen, Äitchennerbefferet flimmten barin überein, baf fte bie 23rotBermanblungSlehte unb bie C0?effe nermatfen unb be* haupteten, baS 2fbenbmaf)l muffe Bor ber Berfammelten ©emeinbe gefeiert unb unter beibcrlei ©eftalt genoffen metben. Sn ber Gfrklarung ber ©nfepngSmorte reichen fiuttjer unb Smingli non einanber ab, unb bie 93erfd)iebent)eit it>rer S0?eis nungen über biefen ©egenftanb ifi ber f)auptfddjlict>fle ^)unft ber unglücklichen Trennung ber littherifchen unb ber reformirten Äitche gemorben. Sutljet nahm bie 5Borte: „Das ijt mein Seib tc.", für eigentlid), unb lehrte, auf eine ge* heimnipöolle SBeifenerbinbe ftd) ber Seib unb baS 33lut SefuC>htifii mit bemSSrote unb bem SBeine, fobajj ber CEommunicant in, mit unb unter bem 33rote unb bem SBeine ben mähren Seib unb baS mähte SSlut beS ©rloferS empfange. Snüngli hingegen oerftanb bie ß'infehungSmorte uneigentlich, nahm an, SefuS ßhriftuS habe fagen mollen, baS S3rot unb ber SBein bebeutet meinen Seib unb mein SSlut, unb erklärte bemnoch baS S3rot unb ben SBein für blojje Seichen beS SeibeS unb beS ffituteS Ghrifti. Über biefen ©egenftonb marb fomol jmifchen Sutl)er unb Smingli felblf, als auch fpdter jmifdjen ben lutfjerifchen unb ben reformirten Sfjcologen heftig gefiritten. Die SScrftellungSart, melcfje (CalBin, ber jmeite ©tifter ber re= formirten Äirdje, auf bic SSatjn brad;te, nad) meldet eine geiftige ©egenmatt beS SeibeS unb 33luteS Sefu Gfjrilti im 3fbenbmaf)te angenommen roirb, kam jmat ber lutl)erifd)en 8el)re naher als Smingli’S Sh c oric, blieb aber hoch mefentlid) non ihr Berfchieben, unb fanb baher ebenfalls bei ben firengen ?(nl)dngern Suther’S lebhaften SBiberfptud). SRelanchthon mar ber (Salüin’fd)en SBorjtellungSart ge* neigt, unb ebenfo buchten Biele anbre l«therifd;e Theologen, melche Bon ber ©egenpartei fPhilippiften unb Ärppto*SalBini(Ien (f. Ärppto) genannt mürben. Die Goncorbienformel unterbrückte bie Ärppto = GalBiniftcn in bem größten S£f>etle ber lutherifd)en Äirche unb serfdjaffte ber echt=lutherifd)en 33orffellungSatt ben ©ieg. Sn ben neuern Seiten ftnb siele lutljetifche S£h c ologen Bon biefer EBorfiellungSatt abgefommen unb hoben fid) }u ber <5alnin’fd)en ÄbenbmahlSlehre hingeneigt. Die gjciedjifdje Äirche hot bie SörotoermanblungSlehre ber lateinifchen nicht in ihrem ganzen Umfange angenommen. Doch nähert ftd) bie SSorftellungS* art mehr biefem Dogma als bet Sehre ber reformirten Äitd)e. Die motgenlänbi* fchen (thtifien unterfdjeiben ftch übrigens baburch in ber 3(benbmahlSfeier Bon ben abenbldnbifchen, baß fte gefauerted, nid)t, mie biefe, ungefauerted SSrot gebrauchen, unb auch ben Äinbern boS heilige S0?ahl reichen. fProf. D. Das. ©chulj ju ffireSlau (SreSlau 1823) unb S^honn ©chulthef, ^)rof. ju 12 2Cbentmtaf)t (fatfy.) 3ütid) (Spj. 1824), haben bie Sef)te nom 2fbenbmahl tein bibtifdf) unterfudjt unb crElärt. N. 2fbenbmahl. 2)ie fatholifche Sehre oom 2fbenbmaf)l ift nirfjt etfennbat ohne ftare ©inftcbt in bie ©runbanftdjt beg Äatholicigmug oon ben göttlichen Singen unb Bom ©hriftenthum. güt Senjenigen, bem bag ©hriftenthum nicht eine aufere Offenbarung ber ©ottfjeit, bem Sefug nidjt ber ©ottmenfd;, bem Sefu Sef)re nidit göttlidje 5Bahrl)eit, erhoben über alle ©ebilbe beg föerftanbeg, felbfi ber föernunft, bem bie Äircfjc nicht göttliche 2fnfialt, bem bie Überlieferung biefer göttlichen J?ircf)e nicfjt religiög wahr ift — für Sen ift fein ©tanbpunft Bot* hanben, Bon bem aug er ftd) in bie fatholifche 2fnfid)t Bom tfbenbmaf)! herein* fühlen fönne. (©. Äatholicigmug.) 5Bortfllem müffen mir aber beoormorten, baf bag fatholifche ©hriftenthum te ' n nipftifct> ift, in jenem guten ©inn ber 9Jtt)* ftif, mo fte nicht «lg fParticularmpftif ein ©pieten beg ©injelnen mit ©rjeug* niffen ber fPhantafte barftellt, fonbern bie allgemeine SRpftif ber Ättdje infid)= faßt. fBon biefer SJtpftif ift nun aber bag 2fbenbma()l bie höchfte SSlüthe, fomie hinmieber bag 2fbenbmal)l ber flftittelpunft beg fatholifchen Äird)enthumg ift. Sn allen pofttioen ^Religionen trifft man bie Sbee Bon einem Opfer an, mag bet fterb* liehe 5Benfd) ber ©ottheit bringt, anerfennenb ein fßerhöltnif Bon ihm ju ihr unb bag ©eiftige bet Sieligion auf biefe 2Beife einem dufern ©ottegbienfte Borma* lenb. Se reiner biefe Sbee beg Opferg aufgefaft, bejto reiner bie Sieligion. Sem ©hriftenthum mar eg uorbefjalten, biefer Sbee mit ber höchften Sfealitdt auch bie höd)fie ^Reinheit ju geben. Sn ben mefftanifdjen Stöeiffagungen mirb ©hriftug alg ein fPriefternach ber SBeife 9Reld)ifebef’g Borgeftellt (fPfalm 119, 4); biefer 9Reld)ifebef mar aber ein fPriefter beg 2fllethöd)fien, ber SBein unb 33rot opferte (1. Such SSJtof. 14). ©eben mir alfo, mie biefe SEeiffagung jut ©rfüllung ge= fornmen: ©chon 3Ralad)iag oerfünbete bie 2fbfd)affung ber Opfer beg alten Sun* beg, unb mie biefe butch ein reineg ©p eigopfer erfefst merben mürben, (fütalad). 1,11.) — Ser ©ottmenfd; manbelte im gleifdje unter ben ©terblichen, lehrenb unb SBunber roirfenb. fftachbem er bag SBunber ber SrotBermehtung oerrid;* tet, erhielt et SSeranlaffung, einen Shell feiner SSJtyftif barjulegen. (3oh-6, 48 — 56; 1. Äor. 9, 23 — 30; Suc. 22, 19. 20; SRarc. 14, 22 — 29; SRattf). 26, 26 — 28.) ©g mirb leicht erfannt, baf, menn irgenb ein ©egen* ftanb, biefer eg ift, meldet gleich mit ber ©tiftung beg ©hriftenthumg ing Sehen trat, baf bie 2Tpoftel allenthalben biefe heilige Jöanblung einführten unb ihre S5e= beutung Berfünbeten. 2ßag aber bie 2fpoftel eingeführt unb Berfünbet haben, et* fahren mit einzig burd) bie Überlieferung. 2fug ber Überlieferung entnehmen mir aber nun, baf mörtlid) unb mahrhaft bie ©aljung ©hrifti gemeint gemefen. Set $err blieb bei feinet Äirche, in ben Serfammtungen bet ©hriften raarb berSeib unb Stut beg Jperrn in Srot unb SBeing ©eftalten geopfert unb genoffen, Son jeher ift bieg ber ©laube ber Äird)e gemefen, man fiel)t nicht, mo er angefangen, mo er eine anbre 2fnficht oerbrangt. Ser flarftc Semeig liegt barin, baf man biefclbe Sehre, obmol nid)t bie Sehre non ber Srangfubffantiation, bei all’ ben Äir* d)en ftnbet, bie ff cf lange non ber fatholifchen getrennt haben, ©g liegt aber 2ßan* derlei in biefer Sehre. Sieg ein ©tinnetungg$eid)en beg SEobeg unb bet 2fuf= erfiehung Sefu! 9Bie fann man am Seibe unb Stute Sefu fxd> netfünbigen, mie überhaupt ihn unmürbig geniefen, menn ber ganje ©enuf blof in ber ©rinne* ruitg befteht? SBoju bie ©rmahnung: bieg tf)Ut ju meinem ©ebdchtnif, menn eg blof h>efe, burch ein 2fnbenfen ber grüßte beg $£obeg Sefu ftdf) theilhaftig mad;en? Sieg fann ja ohne fein 2fnbenfen ohnehin nid;t gefchehen. — stimmt man eine mähte ©egenroart Sefu im 2fbenbmahl an, fo muf man aud; annehmen, baf S3rot unb SfBein ju fein aufhören, obgleich eg ft ä) noch alg ©rfcheinung (^hä= nomenon) barbietet. Ser facramentalifch (nicht ftd;tbar) gegenmdrtige Seih unb 13 2Cbenbmaf)t (faty.) 33tut (5f)tifit ijl baS gloumenon. ©S tritt alfo burd) ein 2Bunbet bet Allmacht eine SBanblung, SranSfubflantiation genannt, ein. @d)on »on Seibnifc ijl e$ bemiefen, baft hier fein philofophifcher SBiberfptud) »orhanben, wie eS benn ja fogar im fPrincip einer ganzen pt)üofopf>ifct;en ©d)ule — ber ©feptifer — liegt, ben Gingen bie Sbjectioitdt, ben ^Phänomenen bie ©igenfdjaft »on 9loumenon (Sing an ftd)) ju bejlreiten. 2fud) bie altefren Äird)en»dter brüeften ftd) nid)t etwa in fPrebigten, mo man glauben fonnte, fie Ratten ftd) übertriebene 2fuSbrücfe erlaubt, fonbern in ©teilen, mo eS um beittlicfje Auslegung ifjrer Sefjren unb be= fonberg um Unterricht ber Äated)umenen ju tfjun mar, fo aus, öap man ftef)t, bie ©hriflen maren nid)t nur überseugt, bap SefuS mirfiid) nicht blop burd) ben ©lauben gegenmdrtig, fonbern bap aud) fein 25rot unb SBein mehr »orl)an= ben mdre. ©o fagte SuflinuS SHartpr, ba er bem Äaifer »on ber Religion ber ©hriflen einen SSegriff geben mollte, nad)bem er bie Zeremonie ber ©onfecration betrieben hatte: „5ßir geniepen bieS nid)t als gemeineg SSrot ober als einen ge» meinen Stanf, fonbern fomie ber butch baS SBort ©otteS fEUenfd) gemorbene SefuS ©hrifluS Sleifd) unb S3lut hatte, fo glauben mir auch, ba[i bie mit feinen 2Borten confecrirte Nahrung — baSgleifd) unb SSlut biefeS fOlenfd) gemorbenen SefuS fei“. (2fpojl. 1.) 9Jlan meip auch, bap bie Reiben ben ©hriflen ben S3ot= rourf machten, fie dpen in ihren geheimen Sufammenfünften baS gleifd) eines .Stabes: eine Meinung, bie ganj gemip aus ihrer Sehre t>on ber ©egenmart 3>efu im 2fbenbmahle, »on ber fie etmaS SunfteS gehört hatten, flog. Sie ©hriflen hielten überhaupt biefe Sehre ganj geheim (disciplina arcani); hatten fie blop ge= glaubt, fie genoffen Sefum burd) ben ©lauben, fo lapt ftd) gar nicht einfehen, marum fte fo geheimnipooll ba»on gefprodfen hatten. Sieg tlfaten fie aber, unb unterrichteten ihre Äatedjumenen erft furj »ot bet Saufe über biefe Sehre, ©o alt als baS 2fbenbmahl felbjl, unb feineSmegS, roie gemohnlid) proteflantifcher ©eitS behauptet mitb, erft »on ^>arl)aftuS SRabbertuS im 9. Sahrh- aufgeflellt, ijl bie Sehre »on bet SranSfubflantiation. ©S lapt ftd) fein ©runb einfehen, marum biefe ©egenmart ftd) blop auf bie Seit einfehranfen folle, morin ber ©htifl bie ©uchariflia empfangt, ba ©hrifluS ganj beutlich fagt: „Sieg tfl mein Seib!" unb eben batum ihn feinen ©chületn reichte. Unb morauS fonnte man beflimmen, mann biefe ©egenmart anfinge unb mann fie aufhorte? Sie erjlen dhriffen mupten auch »an biefet ©infehranfung 9lid)tS, fie behanbelten baS Confecrirte fchon »or bem ©enup mit ber gröpten ©hrerbietung, nahmen eS auch jur Seit ber SBerfol- gungen mit ftd), um eS ju geniepen. SrigeneS, ein ©dpriftfleller beS 3. Sahth-/ fagt: „3h r » fe>e ihr ben heiligen ©eheimniffen beimohnen burft, miffetmol, mie ihr ben Seib beS -fetrn, menn il)r ihn empfanget, mit aller 3Sorftd)t unb ©pt= erbietung behaltet (bie ©hriflen empfingen ihn ehemals mit ber $anb), bap 9lid)tS ba»on herabfalle, bap »on bet geheiligten ©abe 9licf)tS auf bie ©rbe falle; ihr glau* bet baburch euch eine ©chulb jujujiehen unb baS mit 9led)t, menn ihr burd) 9lad)= idffigfeit ©tmaS herabfallen laffet". ©benfo jlatfe Äupetungen finben ftd) bei ©prilluS in feinem Unterricht an bie Steubefeljrten, fomie in ber Siturgie aller morgen = unb abenblanbifchen Äirchen, beren Seugnip um fo mid)tiger ifl, meil eS nicht baS Seugnip einjelner ©eiehrten, fonbern baS offentlidje Seugnip beS ©laubenS ganjer Äird)en ijl. Sa »on ben erflen Seiten an ber fPreSbpter bet ©emeinbe bie ©onfecration »errichtete, fo erfldrt ftd) hieraus bie ber fatholifchen Äirche eigne 2fttftd)t beS ©emeinbeoorfleherS als SpfererS. Sie 5S>?effe ifl nichts 2fnbreS als biefeS Spfer unb infofern in ihrem SSBefen fo alt als baS 2fbenbmaht, obgleid) fte ihre dupern Staaten unb 2fuSbilbung erfl unter ©regor bem ©ropen erhielt. — SaS 2fbenbmaf)l ijl aber ein ©acrament, fo burd) ein dupereS Seichen ben 5Uenfd)en innetlid) heiligt. ©S burd)bringt bie fatholifche 2(nftcht »om 2fbenbmahl bas ganje fatholifche 9leligionS -- unb Äirdjfnfpjlem. Un« 14 ?£bent>mal)l öngcfodfjten blieb bet bisset bargeftellte ©laube ber ganjen d)tiftlid)en Sirche, bie griechifche mit eingefroren, bis im 11. Saht'h- jroifchen ber tateinifdrjen unb griechifchen Sirche ber ©treit über baS SSrot im 2fbenbmaf)l, barüber, ob eS ge* fduerteS ober ungefauerteS fein follte, auSbrach. 3n ber @ad;e fetbfl entfranb fein ©treit, bis im Anfang beS 13. Sabth- ber ^rieftet 83erengar oon SEourS bie Sefjre oon bet SSetwanblung — nid)t aber oon ber fubfiantiellen ©egenwart — ©hrifti leugnete. Sie ganje Sirche erftaunte ob biefer, betn bisherigen ©lauben roiberftreitenben Neuerung; bieS gab 33etanlaffung, bap auf ber eierten gropen lateranifchen ©pnobe 1215 ber alte ©laube ber Äircfjc oon bet 5EranSfubfian= tiation feierlich auSgefprodjen — nicht jefct erft gefchaffen — würbe. Siefer ©laube blieb auch aufrecht, unb felbft -fjup nahm ihn gar nicht in 2fnfpruch, oiel= mehr waren $up unb feine 2fnhenbmaf)lSgerid)te 2£benteuerlid) 15 webet mit befonberer gcicrtid)feit ju wecetjrcn, noch in ^)roccfftonen # nad) bem löblichen unb allgemeinen Vraud) bec Kitcfe, feiertid) fjerumjutragen, ober nid)t iffentlid) bem Volte au«jufeben fei, unb bap be(fen Anbeter Abgötter feien, — anathema sit. 7) SBenn 3ftmanb fagt , bap e« nicfyt erlaubt fei , bie ©ud)a* riftia tm ©acratium aufjubewaften, fonbern bap fte gleicJ) nad) ber ©onfecration notfytoenbig ben Umftefenben au«getl>eilt werben muffe, ober bap e« nid)t erlaubt fei, fte efyrenooll 51 t ben Kranfen ju tragen, — anathema sit. 8 ) SBenn 3ftmanb fagt, bap ber in ber (5udf>ariflia bargebotene ©friftu« nur geiftig genoften »erbe unb nid)t fogleid) facramentitlid) unb reell, — anathema sit. 9) SBenn Semanb e« ableugnet, bap alte unb jebe ©ftiftgläubige beibertei ©efclftedjt«, wenn fte }U ben Untetfd)eibung$jaf)tett gelangt, nad) bem ©ebote ber fjeil. fatfjolifdjen Kirdje gehalten feien, jal)tlid) wentgften« Sftern ju communiciren , — anathema sit. 10) SBenn Semanb fagt, bap e« bem elaborirenben ^rieftet nid)t erlaubt fei, ftd) felbft ju communiciren, — anathema sit. 11) SBenn Semanb fagt, bap ber ©laube allein eine t)inrcicf>enbe Vorbereitung fei, um ba« allerfeüigfte 2 fltar* facrament ju geniepen, — anathema sit. ©ie Katfjolifen haben nod) immer praesens numen, ein ^)fanb, bap ber «£>err bei iljrer Kird)e geblieben. 2fl« neuefte Vertljeibiger ber fatf»lifd)en 2fbenbmal)l8lel)re finb ju nennen: Stint, „©arftellung ber batfiolifdjen 2ef>re 00 m 2(benbmal)l nad) ben Vebürfhiffen ber neuern Beiten" (SBien unb SErieft 1816); Vrenner, „Sreie ©arftellung bec Sbeologie in ber 3bee be« Jpimmelreid)«" (3. Vb., Vambetg unb SBürjburg 1818). 0 . e. K. 2fbenbmaf)l3gend)te, f. Stbalien. Jfbenbpunft, ber ©utd^fcfnittSpunft be« Äquator« unb ^»orijont« an ber 3fbenbfeite be« Fimmel«. 3fn ben beiben Sagen bet Stad)tgleid)en gef)t bie ©onne im tfbenbpunft unter. 3fbenbrötf)e, f. SJtorgenrütfje. 3fbenbf!ern, f. <£>e«peru« unb Planeten. 3fben«berg, 2anbgerid)t unb ©tabt im Siegen! reife be« Könige. Vätern, 3 Steilen oonStegenöburg an beruhen«, t)at 230 ■£>. unb 1080 ©in», ©ie ift ber ®eburt«ort be« bairifd)en ©efd)id)tfd)reiber« Sodann SEfutmaier, ber fid) nach feiner Vaterftabt 2foentinu« (f. b.) nannte, oon 1466 — 1534 lebte unb 7S3ftd)er bairifdjet tlnnalen t)interlaffcn bat. — >fMet fd)lug am 20.2fptil 1809 Stapoleon ein oftr. ^eer unter bem ©tjberjog 2ubwig unb bem ©eneral ^)il* ler (f. ©cfmübl), bie ftd) mit einem Verlufte oon 12 .Kanonen unb 13,000 SJt. ©efangenen nad) 2 anb«but juriufjogen. ©iefe @d)lad)t »urbe burd) if»re folgen, bie ©innaljme oon 2 anb«but ben 21 ., bie ©d)tad)t bei ©cfmübl ben 22 . unb bie ©innafjme oon Siegen«burg ben 23. 2fprit »id)tig. 2 tJ*enteuerlidf). SJtan l>at ba« 2 fbenteuerlicf)e oielfdltig erfldrt: al« ba« unnatürlich ober ungereimt ©rofe, al« ba« falfcfte SBunberbare, bem e« felbft an poetifdjer 2Baf)rfd)einlid)feit fehlt, al« ba« fettfam Sf)orid)te, al« ba« ■Sühne ooll unerwarteter Auftritte, al« ba« auf ein ©eratl)ewol)( Unternommene. Stagen wir, wie fid) ber Vegriff be« Abenteuerlichen gebilbet f)abe, fo werben wir auf bie alten Sittterbucfer fingefiiftt, in benen SBort unb ©acfe juerft oor= fommt. 3n biefen fef>en wir jenen friegerifdjen Sftutb, welcher nad) Kampf wie nad) Vergnügen bürftet, unb welkem ba« Stecht be« ©bewerte« ba« erfte 9ted)t ber Statur ift. ©lut in 2iebe unb $ap, ©tolj auf Kraft, ©rang nacft Saaten bejeicfnen ftet« ein Volf in bec Sugenb feine« Stationalleben«, wo fein 2eiben unb ©eniepen, fein Vegefven unb Vetabfdjeuen 2eibenfd)aft ift. Saaten, au« einem nod) wenig au«gebilbeten .fjelbengeifte oollfübtt, unb wecffelnbe« ©rftau^ nen, Vewunbern, ©djreden, ©raufen, ftet« aber ba« ©efüfl oon Kraft erre« flenb, ftnb e«, bie un« al« Abenteuer (aventnre, eventur, eventura) l)ier be= 16 Abetbeen Aberglaube gegnen. 9fach bet jwiefadjen ©attung foldjet Stählungen muffen wir nun auch ein jwiefacheg Abenteueriicfeg unterfcfeiben: bie eine ©attung erjäfjlt wahre S3e- gebentjeiten, fantafifd) auggefchmücft; bie anbre fabelhafte Didjtungen voll um gefeuret Gegebenheiten, bie oft bag ©ebiet beS SBahrfcheinlichen unb felbf beg SD?6g[icf)en überfeigen. Diefe Übertreibungen gingen halb aud) in bie romanti* fd)en Srjählungen wahrer Gegebenheiten über, unb eg waren gewöhnlich in ben JRitterbüchern nur Abenteuer von übertriebener ©röfe ju fudjen. Aber halb auch hier ftch beengt fühlenb, gingen bie Dichter bieferArt in bie SBelt beg SBunber* baren über. Glan lief, um burd) Stählungen Gewunberung unb Stfaunen ju erregen, bie gelben Abenteuer befiehen, weldje ju glauben Gerjichtleifung auf ben gefunben Getfanb erfobert wirb. Sine Sigentl)ümlid)feit jener 9iitterbüd)er, wie ber SHitterjeit, war bie ©alanterie (f. b.), unb biefe brachte, vetbunben mit bem geljbegeife, befonberg jur^eit ber irrenben JRitter, auffaUenbe Srfd;ei= nungen hervor. Pflicht foberte jum Schuh beS weiblichen ©efdfechtg auf, unb Siebe war ber *preig ber Sapferfeit. Siebegabenteuer Hann man baher mit Siecht bie Saaten nennen, auf welche ber SKitter für bie Dame feiner ©ebanfen augs jieht, unb feinem fchwärmerifchen ^»elbenmuth, ber Alleg gu wagen bereit if, fann eg an fonberbaten Sreigniffen, feltfamen Gerwicf elungen, fühnen 2Bag= fücfen nicht fehlen, ^ietburd) erfcheint bag Abenteuerliche in neuer ©efalt alg glüifgritterlicheg SEBagen, befonberg in Gejiefjung auf Siebe, So liefe ftch aug ben SRitterbüchern ein vielfacfeg Abenteuerlicheg ableiten, bag wir, um eg auf ein Sinjigeg prüdjuführen, alg bag feltfam Übertriebene, ein dbanbeln, wie eg ftch in ben alten ERitterbüchern ftnbet, erklären würben. Gei ber Nachfrage, worin bieg befiebe, ftnben wir folgenbe Momente: 1) Schwärmerei für ^»eroigmug, ber ftch aug Suf unb Shatenbrang in ©efahr ftütjt unb bem Bufalle hulbigt; 2) überfpannte ©röfe, bie bag Unmögliche möglich machen will; bafer 3) SRangel an Überlegung unb mithin Unangemeffenheit ber SERittel jurn Bwecfe; 4) «Streben nach bem ^ofjen, ohne jureid)enbe Äraft, unb mithin völlige Ungewißheit über ben Stfolg. — Alleg bieg aber läuft hinaug auf ein Abweidien von ben ewi= gen ©efefcen ber Gernunft, ber SEBahrheit, SERöglicffeit unb SEBahrfcfeinlichfeit, unb muf alfo in ben .Steig beg ungereimt ©eltfamen fallen. — ©oll ftch bag Abenteuerliche jum ©toff ber fchönen Äünfie, namentlich ber ^Doefte, eignen, fo muf eg frei unb mit Gewuftfein alg abenteuerlid) bebanbelt werben, wie von Ser= vanteg, Ariofo, SBielanb, ©ferne gefcfehen. Algbamt erwecft eginungbag angenehme ©efühl beg Somifcfen ober jeneg eigne Gergnügen, welcfeg bag ERo= mantifche gewährt, gehlerhaft aber ift bag Abenteuerlidte, wenn eg alg gtof unb erhaben gelten foll, fei eg im Stoff, in ber Bufammenftellung, ober im Augbutcf. Aberbeen (©eorg ©orbon, ©raf unb Gigcount gormarine), feit 1828 brit. SRinifet ber augwärt. Angelegenheiten, ein Sorp, ift einet ber 16 fcfottifcfen fPairg, welche im Dbethaufe ©i& haben, würbe alg Gotfcfafter nach SEBien jum Abfcffuf eineg Gunbegvertragg jwifdjen Snglanb unb Df reich gefanbt, ben ec am 3. Dct. 1813 ju Seplifc unterjeichnete. Sr leitete ferner bie Alfianj beg Äönigg SRurat von Neapel mit Df reich int S. 1813 ein, bemühte ftch aber 1815 verge= beng, biefe beiben >f)öfe augjuföhnen. Alg ein Gerefrer gried)ifd)et Äunf unb fBiffenfchaft fiftete Sorb Aberbeen 1804 bie Athenian socicty, bei weld;er jebeg itglieb Athen befucht haben muf. Aberglaube if, ber Abfammung nach, jebet falfdje ©laube; benn bag SBort fcheint aug ©laube unb bem altbeutfcfen After, welcfeg fo viel alg falfch bebeutet, jufammengefegt ju fein. Der Sprachgebrauch hat biefem SEBorte eine engere Gebeutung gegeben, unb man verfeht barunter bie gehler Derer, welche bei bem Urtheile über bieUtfacfen, von benen bag ©dfcffal ber 5D?enfd)en abfängen foll, ihre Gernunft ungeprüften Srfcheinungen unb Slhatfacfen blinbiingg untere Aberii Abgaben 17 werfen. Sie aupern Urfachen, »on betten bag ©d)ieife auf ein* anber gefolgt ftnb, alg »erfnüpft butdj unfichtbaren 3ufammenl)ang betrachtet, unb 5. 33. annimmt, ein Äomet fei ein Unglücf Sbote, weil eg ftcf) j uro ei len jugetragen hat, bap halb nach t>er ©tfcheinung oon Äometen unglücfliehe Seiten eingetreten finb. ©g ifi unmöglich, alle ©attungen beg Abetglaubeng, roelche bei ben »et* fchiebenen Sölfern gefunben roerben, ju übetfeljen, unb bie traurigen SBirfungen ju berechnen, roelche er auf menfehliche SEugenb unb 9Bof)lfahrt gehabt hat. D. Aberli (Sohcmn Subroig), ein butch feine ©chroeijerprofpecte berühmter Seichner, geb. 1723 ju 9Sintertf)ur. ©eineg Sefjrerg SJteper (eineg mittelmüpigen SEÄalerg) Sanier «erlaffenb, fam er nach Sern, erhielt hier oon Sol). ©rimm guten Unterridjt, unb malte juerft SSilbniffe. Allein feine Steigung für 2anb= fchaftgmalerei gewann bie Sbethanb. ©r ging-1759 mit feinem ©chüler j3ingg nach ^arig, unb febjrte, gefehlt unb berounbert, nach Sern jurüdi, roo er 1786 fiarb. ©g ift befannt, roelche SJtenge Nachahmer feine colorirten Segnungen gefunben hoben ; bennoch hot ihn Äeiner erreicht ober gar übertroffen, etroa £Riet= ter unb SSiebetmann auggenommen, oon welchen ber ©rfiere big 1777 fein ©e* hülfe blieb. ©. A.’g 2ebengbefd)reibung non Stietter im „^eloetifdjen Journal für Literatur u. Ättnft" (Zürich 1806), unb bag Steujahrgjtücf ber „Züricher Äünftlergefchichte", 1817. A b e r ro t % (vesania) bebeutet, je nachbem man eg non Afterroifc, Überroig ober S()neroih ableitet, entroeber ein falfcheg, ober übertriebenes, ober burchaug mangelhafteg SBiffen. Sie $auptbebeutung ift aug allen breien jufaminengefe|t; ein falfdjeg, aber eingebilbet höfjereg SBiffen, bei SOtangel an Seurtheitunggfraft. Stimmt manSBifc im gewöhnlichen ©inn, fo bebeutet Aberroifs jene jumUnroifs, ja jum Unfinn übertriebene Abart beffelben. ©ernroi|ige Sichter, bie überall Pointen nachjagen, bie nach bem AuffaUenben fjofehen, fallen nur ju oft in biefen Sehter. ©ie machen 3ufammenftel(ungen, bie ein gefunber Serjtanb burchaug mifbilligen mup. Saffelbe ift auch beim SBahnroifc ber^all, nur mit bem Um terfd)iebe, baf biefet oon eingebilbeter Ahnlid)feit oerglidjener ©egenftanbe oer= führt roitb, roährenb jener auf eine ungereimte SQSeife Ähnlichkeiten mit Seroupt= fein macht; bap alfo bort bag jfalfche in ber irrigen Sorfiellung oon bem ©egen» ftanbe, hier in bem SÜBifse felbfi liegt. Ser Aberroifs als ©eelenfranfheit betrag tet ifi eine unwillkürliche Überfpannung ber Segriffe, houptfachlid) bag Überfmm liehe betreffenb. Abformen, f. Abgup. Abgaben, Auflagen, ©teuern. Serfchiebene Stamen, um bie» jenigen Sermögengantheile ju bejeichnen, welche bie Regierung non ben ©taatgs unterthanen ober Anbern, welche ffd) im Sanbe beft'nben unb an beffen Sportteilen Sheil nehmen, einfobert, um baburd) bie öffentlichen Sebürfniffe ju befireiten. ©ie bilben batjer einen S£f>eil beg ©taatgeinfommeng. ©inen anbern Sheil bilben bie ©infünfte aug ben ©taatggütern (Somainen) unb aug ben ©taatggeroerben (Stegalien), inwiefern leitete blop ©eroerbggeroinnfie gewahren unb nicht als SJiittel gebraucht roerben, jugleidp Abgaben ju erheben. (©. Somainen unb Stegalien.) 5n ben meifien ©taaten, unb ingbefonbete in allen altern, rout= ben bie ©taatgbebürfhiffe »on ©infünften aug Somainen unb Stegalien, bie man, erftere alg ©igentljum, leitete alg S3orred)te ber Stegenten betrachtete, be= dritten, ©oroie aber bie Sebürfniffe beg ©taatg ffd) immer mehr erweiterten/ ßono.sßej:. Siebente Aufl. 58b. I. f 2 18 Abgaben ober aurf) bie Kegenten wegen fd)ted)fec SBictfjfdjnft bamit nid)t mehr audreitten, »erlangten fle »on ben ©taatdgenoffen 3ufd)n(Te, unb belegten fte mit Abgaben ober Auflagen, ©emeintglid) fanben fte aber babei gtope ©twierigfeiten, inbeni bie ©topen beö Keitd fid) nicfjt baju jwingen (affen wollten, weil fte einen ©tanb im Staate bilbeten unb behaupteten, bap bergleidjen Seifige aud ihrem 93er: mögen ihnen nur mit ihrer freien SSeiftimmung abgefobert werben bürften. 2luf biefem Sßege aber war feiten »iel ju erlangen. 23a jebod) einerfeitd bie Kotf)= wenbigfeit, bad ©taatdeinfommen ju »etmehren, auch »on ben ©topen bed 9?eictjS eingefehen würbe, unb auf bet anbern ©eite bie Siegenten [ich nicht gern mit bie: fern mächtigem Steile ber Station entjweien wollten, fo waren jene geneigt, ben ©topen Steuerfreiheit ju bewilligen, wenn fte nur jugeflanben, bap ber übrige Sheil ber Nation, welcher feinen Sheil ihrer ©tanbfefjaft audmatte, befreuert werben burfte. Sie ©ropen, frtrcfjtenb, bap, wenn ben Regenten feine Quelle ihred ©infommend eröffnet würbe, enblich bie Saft ber Abgaben auf fte fallen f onnte, gefianben ben Kegenten gern bie Freiheit, »on bem übrigen Steile ber Ka= tion Steuern ju erheben, ju, unb biefer, ohne Qrganifation unb ohne Äraft, mupte ftd) in fein ©d)icffal ergeben, ©o würben bie Abgaben faft allenthalben lange Seit finbutd; nur auf bie gemeinen ©laffen ber Untertanen gelegt, unb bie »ornehmetn mächtigem ©tanbe, ©eifttidjEeit unb üfbel, behaupteten lange ihre 3fbgabenfreiheit. Kun fal;en jwar »erftdnbige Kegietungen früh genug ein, baf, wenn fte »on ben Untertanen auf eine bauembe 3frt Abgaben jiehen wollten, benfelben bie Spittel gelaffen werben müpten, wobutt fte jebed Saft wieber fo »iel erworben ober entnahmen, bap fte ba»on leben, unb fo »iel übrig be- ijielten, bap fte bie Abgaben bejahten fbnnten, unb fahen baher bei ber S5e= fieuerung baljin, bap fte bie ©teuerpflic^tigen nicht ju fehr angriffen. Allein ed bauerte lange, ehe man bie ©runbfage beutlit begriff, nat weiten bie 23er: teilung ber Abgaben auf eine gerette unb billige Sßeife georbnet werben mup. ©rft in ben neuern Seiten, wo bet ©taat ein ©egenffanb bed tiefem Katbenfend geworben, unb eine »ollfommenere ©taatdwiffenftaft entftanben tff, hat ft't aut eine Sheotie ber Abgaben gebilbet, Welte fegt fo weit gebief>en iff, bap Ke: gierungen biefelbe jur ©runblage ber ©inrittung unb 23etbefferung ihrer Staate einfünfte mad;en fonnen. Kat biefer Theorie ftnb bie 2(bgaben nid)td 2(nbred ald 23ermogendantheile ber ©taatdgenoffen, weite jeber berfelben in ben ©taatdftag erlegen mup, ba= mit baburt bie ©taatdjwecfe beforbert werben. 2fud biefem SSegtiffe fliept: 1) bap Kiemanb fieuetm unb abgabenfrei fein barf, weiter Sßermbgen ober ©in= fommen hnt, unb bie 93ortheile bed ©taatd, ©tug feiner Petfon unb feined Vermögend geniept, unb bap baher alle unb jebe abfolute Steuerfreiheit ungerett gegen biejenigen ©taatdgenoffen ift, weiten Abgaben auferlegt werben; 2) bap bie Abgaben nat bet Proportion bed reinen ©infommend einedSeben »ertheilt wer: ben rnüffen; 3) bap bie Abgaben nie bie Quelle ober bie Urfaten ftwdten ober gar »ernitten bürfen, burt weite bad reine ©infommen her»orgebratt wirb; 4) bap fte einen fo geringen Steil bed reinen ©infommend wegnehmen follen ald nur moglit ifi» bamit beffo mehr übrig bleibe, bad ©infommen ber Kation, fo= wie jebed Snbioibuumd ju »ermehren. — Sie größte ©twierigfeit, um ju einer rittigen Kertheilung ber Abgaben ju gelangen, ift: bad reine ©infommen eined leben Snbioibuumd audftnbig ju maten. Siefe ©twierigfeit ju lofen, baran tat man bei ber bidfterigen Seffeuerung wenig gebatt. Sie ginanjierd begnüg: fenftd;, ba Abgaben ju erheben, wo fte SSermogen ober ©infommen bemerften, ohne (Tt fiel barum ju befümmern, ob fte »om rohen ober reinen ©infommen, »om Capital ober »on ben Sinfen unb ©ewinnften gegeben würben. Sie rohere Spanier war ed, hat bet 3af)l bet Äopfe ju »ertheilen. Sn bet SSoraudfegung, 3fbgaben 19 baf 3ebet fo »tel einnefnte, baf er @tt»aS bauert abgeben !önne, fobetfe man »on jebem Äopfe eine foldje (Summe, »on ber man »oraugfefcte, bafj fte auch ber 2CrmjTe erfchmingen fonnte, unb ba biefe Äopfjleuer für 2CUe gleich beflimmt mürbe, fo gafjtten Speiche unb 2lrme gleich'»iel, reobei eg bann in bie2fugen fallt, baf bie grofte Ungleichheit babei herrfcht. Snbeffen mürbe gar halb auch bag mirfliche SSermogen bei ber S3ertheilung ber Abgaben jurn SJlafflabe genommen. Sür bag ft durfte unb reellfte SSermogen mürbe in cultibirten Sdnbern balb ber angebaute ©runb unb 33oben ernannt. Da berfelbe feinen ©igenthümern ober S3emirth= fchaftern alljährlich ein ftchereg ©infommen gemährte, fo mürbe ber jährliche ©r* trag ber ©runbflücfe Derer, bie man für (Steuerpflichtige erflärte, abgefchägt, unb nach biefem SJtaf jlabe bie Abgabe auf bie ©runbftücfe bertheilt. ©o bilbete fleh bie@runbfteuer, mobei jebodj feiten ber rohe unb ber reine Ertrag ber @tunb= ftücfe genau unterfchieben mürbe ; unb mo eg auch gefef^af), herrfchte bod) nur ein geringer ©rab »on Sicherheit in ber 2fbfcf)ägung felbft unb noch ein geringerer in ber ©rhaltung biefeg ^Prirtcipg bei ben SSeränberungen beg reinen ©rtragg. Da bie ©runbfteuer jur ßufammenbringung beg nötigen ©taatgeinfommeng nicht genügte, fo fat> man ftch nach anbern Duellen um, unb richtete, befonberg alg ftch ber © e Ib umlauf in ber bürgerlichen ©efellfchaft immer mehr »ergroferte, fein 2lugenmerf nach allen fünften, mo ftch ©elb bliefen lief. 28o nur irgenb ©elb auggegeben mürbe, alfo bei Ääufen, 33erfäufen, Saufeben, bei ©rbfcbaf= ten, jog man Abgaben »on bem SSertbe, ber an 3lnbre überging. SBer bei ©taatgbehörben ©tmag ju fuchen hatte, mufte ftch burch ©elb (©tempelpapier) ben SS eg ju ihnen eröffnen. SBo ©igentbutn etmorben marb, ba mufte ©tmag abgegeben merben. Daher bie lange Sfethe »on 6rmerbg = unb ©emerbg* jteuern. Da man auch bei ®elegenf>eit ber ©innahme ber ©taatggenoffen nicht fo »iel jufammenbringen fonnte, alg ber ©taat beburfte, fo pafte man auch ber 21 u g g a b e auf, unb lief ftch allenthalben, mo man bie 2luggabe ju controliren »ermochte, ©troagbejahten. @o bilbeten ftch allenthalbenbie©onfumtiong= jleuern ber mannigfaitigflen 2frt. S3ei ber miffenfcbaftticben SSebanblung ber Abgaben, melche ftch etft entmicfelte, nachbem man bie mannigfaitigflen 2(rten ber= felben fchon längjl erfunben unb eingeführt hatte, mar manbarauf bebaut, bie ganje SJlaffe ber »orhanbenen 2(rten unter eine allgemeine Überftcht ju bringen. Stad) SSüfch taffen-fleh alle »orhanbenen 2fbgaben unter folgenbe ©taffen orbnen: fte ftnb nämlich entmeber auf ben SSefig, ober auf ben ©rm erb, ober auf ben ©enuf ber ©üter gelegt. Da eg in ber SEf)at fein SSerljältnif ber ©üter ju ben SJlenfchen gibt, bag nicht unter biefe 3 Slubrifen pafte, fo fann biefe ©inthei= lung alg »ollflänbig angefehen merben. Allein ob bie barunter begriffenen 2fb= gaben nach richtigen flaatgmirthfchaftlichen ©runbfägen georbnet ftnb, fann bar= aug nicht erfannt merben. Um biefeg jubeurtheilen, muf etfl unterfucht merben, ob fte »on bem reinen ©infommen regetmäfig unb fortmährenb bejahlt merben fönnen ober nicht, ©o fann j. S5. ein S3eftgtbum »on folcher SSefdjaffenheit fein, baf eg gar 9ticf)tg einbringt, mie etroa eine S3ibtiotbef, eine ©emälbefammlung u. f. m. SBollte man nun »on einem folgen SSeftfetbume jährlich eine 2fbgabe er= heben, fo mürbe bie 2lbgabe biefeg S3eflgtbum in fürjerer ober längerer Seit gänjs lid) aufjehren, menn fte »on ihm bejahlt merben müfte, unb fte mürbe folglich ben oben entmiefetten ©runbfägen, nach melchen bie ©üte ber 2(bgabe beurtheilf merben muf, gänjlich miberfprechen. Dag SSeftgtbum fann baher nur infofetn mit gutem ©rfolg bejleuert merben, alg eg ein regetmäfigeg ©infommen gemährt, ©benfo fann ber ©rmetb nach flaatgmirthfchaftlichen ©runbfägen nur bann bei fleuert merben, menn berfelbe regetmäfig ifl unb aug einem SSermogen flieft, melcheg eine beharrliche Duelle beg ftch jletg erneuetnben ©rmetbg ifl. SBenn baher Semanb ein ©runbflütf ober ein ©apital burch Äauf, Saufcb u. f. m. er« 2 * 20 Abgaben wirbt, unb man (egt Abgaben auf eine foldje Erwerbung, fo wirb bie Abgabe »om (Kapital, b. h- »on bem Mittel, welkes jur Erwerbung beftimmt ift, ge= nommen. inwiefern aber biefeS gefcfjebjen mup ober ber Staat wenig jtenS nid;t ficherift, ob eS nicht gefchieht, infofern ift eine fold}e Abgabe feb)tert)aft. fföenn enblich eine Abgabe »om ©enuffe ober non bem SQSertfje ber ju geniepenben Singe erhoben wirb, fo fann biefeS nur infofetn gebilligt werben, alS Set, welcher bergleichen Singe fauft ober geniept, bie 2fuSgabe bafür non einem Sinfommen beftreiten fann, wetd)eS er ;u feiner (Erhaltung nicht nothwenbig bebarf, ober was ihm bie Abgabe wenigftenS nidjt nothwenbigerweife »erminbert. Sucht man bähet ein Ptincip ber Eintheilung ber Abgaben, welches jugleid) jur 33eut= theilung bet fBollfommenheit unb Dtid)tigfeit ber fßertheilung berfelben bienen fo«, fo fann biefeS fein anbreS fein als baSreine Sinfommen becPerfonen ober ber reine Ertrag ber ©üter, »on welchem bie Abgaben gegeben werben follen. Di eines Sinfommen ober reiner Ertrag ift aber berjenige S£h e ' 1 b cä SinfommenS ober Ertrags, weldjer übrig bleibt, nachbem man benjenigen 2h e 'f/ ber jur Schaltung unb fortgefegten Probuction ber Petfon ober beS Vermögens, welche baS Sinfommen ober ben Setrag heroorbringen, nothwenbig ift, baoonabgejo= gen hat. Sin Sinfommen unb Ertrag bringen aber het»or: l)@runbunb SSoben; 2) Eapitale; 3) 2frbeit oberSnbufirie. Dienntmanben reinen Sheil beS SinfommenS unb SrtragS Diente, fo entfielen bie 33egtiffe »on ©runbrente, Eapitat= rente unb 2frbeitS = oberSnbuftrierente. Unb alle Abgaben werben nur infofern gerecht unb h^'lfnm fein, als fie einen proportionirlichen SSheil biefer 3 2frten »on Dienten betragen, unb non Senen, weidje fie aufjulegen unb ju »ertheiten haben, nach biefem Ptincip aufgelegt unb »ertljeilt werben. Sa eS aber ferner, ja in vielen Sailen praftifch unmöglich ift, baS reine Sinfommen eines Seben ju erfahren, fo muffen bie Staatsmänner nerfd)iebene 5Bege einfcf)la- gen, um baffelbe in gehöriger Proportion ju treffen. Ser erfte 5Beg ift g er ab e, inbem man burd) eigne Angaben ober burch Schalungen baS reine Sinfommen ber Perfonen ober ben reinen Srtrag ber ©runbftücfe ju ergrünben fucht, unb nah ben Diefultaten ba»on bie Abgaben unmittelbar »on Senen, welche biefen reinen Srtrag beziehen, einfobert. Siefe 2frt non Abgaben nennt man birect ober unmittelbar. Sa aber bei biefer Plethobe vieles reine Sinfommen ungewijj unb »erborgen bleibt, fo fucht man biefeS auf inbirectem 3Bege ju treffen. Ptan fegt nämlid) »orauS, bap Ser, welcher mehr einnimmt (als er bei ber Schälung angegeben h«t) als ber 3fnbre, auch mehr »erjehren unb geniepen werbe, alS ber S3etrag feines angegebenen SinfommenS auSmad)t, unb inSbefonbere, bap er gewiffe 3frtifel geniepen werbe, welche Ser, welcher weniger hat, entwebergar nicht ober hoch nid;t in gtekher Plenge »erjehrt. SBenn man nun bie föerjehrung ober bie 2fuSgabe für bie SonfumtionSartifel mit Abgaben belegt, fo fann man baburch erjtlicl) überhaupt oon allen Senen, welche jwac fchon eine birecte Steuer »on ihrem Sinfommen befahlen, bie aber noch nicht grop genug ift, um bie Staatsausgaben ju beefen, noch einen SEheil erheben, ben fie gleichfalls »on ihrem reinen Sinfommen bejahten fonnen, wenn fie gehörig eingecidjtet finb, unb woburch man jweitenS ftcher ift, »on bem reinen Sinfommen Serer, welche einen Slheil ba»on »etfehwiegen haben, noch etwas mehr ju erheben, alS man »on ihnen erhalten haben würbe, wenn fie blop unmittelbar nad) ber geftänbtichen Srflärung ihres SinfommenS befieuert worben wären. Siefe Abgaben heipen mittelbar ober inbirect, inwiefern fie jwar aud) auf baS reine Sinfommen berechnet finb, jeboh baffelbe nur burch einen Umweg treffen. — Sie Äunft, baS reine Sinfommen burch &' e SonfumtionS= ober anbre inbirecte Steuern §u treffen, ift bis jegt noch fehr unoollfommen. 3h ce S3er»ollfommnung ift aber nothwenbig, wenn baS Sfbgabenfpftem nah richtigen ©runbfäfcen unb hetlfam für baS 33olf 2fbgabenfreif)ett 21 cingcricfjtct reerben foll. — ©ereohnlid) uerbinbet man mit bcr Gintheilung bet Abgaben in birecte unb inbirecte einen anbecn Sinn als ben oben angegebenen, inbem man bie 2Crt ber Gthebung babei jum Gintf)eilung«grunbe mad)t, unb un= ter birecten Abgaben foldje »erfleht, bie »on Sem, reetdier jte geben folf, unmittelbar eingefobert reerben, unter inbirecten aber fold)e, reelche oon 2lnbetn »orfchupreeife erhoben re erben, Siefen aber e« überlaffen reirb, ft'e non Senen reieber einjujicfjen, welchen fie eigentlich jugebadjt ffnb. Siefer ©runb ber Gintheilung bringt aber feine logifd) richtige Gintheilung fjetoor. Senn e« fann eine unb biefelbe Abgabe halb unmittelbar, halb mittelbar erhoben reetben. So fönnen alle Gonfumtion«= abgaben ebenforeol non ben Gonfumenten felbft, als non ben Äaufleuten, reetdje mit ben Gonfumtibilien fjanbeln, erhoben reerben. Gbenfo reerben niele 2upu«= jteuern unmittelbar erhoben. Sie bleiben aber befljalb bod) inbirecte Abgaben, reeit fte ba« reine Ginfommen nur nacl) bem 2fufreanbe, ben Semanb mad)t, befleuern. Sie Sfjeorie ber Abgaben f>at etft in ben neuern Seiten Sicht unb 33ollfom= menfjeit erhalten. 2fbam Smith bat bie etfle ©runblage ju einer »ollfomme= nen Sljeorie ber Auflagen gelegt. S3ot ibm entflanb ba« f)i;fiofrntifcf>e Spflem (f. b.), welche« aber feinen fefien ©runb fjat. 9lad) bemfelben haben in Seutfd)lanb 33üfd) (in f. 5Betfe nom ©elbumlaufe), fpdter bie Sehtbüchet über at. Sie Siterat. über bie 2Cbga= ben ftnbet man in fpötih’« „Staatdreiffenfcfjaften tc." (2. 2l)t-, ©. 205 fg.). 51. 2fbgabenfreibett, ba« 9?ed)t, reetdje« einigen Stdnben ober 9)er= fonen ober ©ütem eingerdumt reirb, feine Abgaben ju bejahten, reo anbre Stanbe, fPerfonen ober ©üter begleichen bejahten müffen. Sie ©rünbe, auf reeldjc man ein fotdje« Stecht ju flü^en fud)t, ffnb: I. für bie Steuerfreiheit bet fPetfonen. 1) Sbentitdt ber fPerfon mit bem Staate; 2) 2lu«jeid)nung unb S5e(of)nung für üßerbienfle um ben Staat; 3) SSergütung Seffen, rea« ihnen ber Staat fonfl ju bejahten fd;ulbig ifl; 4) Unnertrdglichfeit ber Staat«lafl mit ihrem ©efdjaft ober mit ihren perfontidien Gigenfchaften; 5) anberreeitige S3e= jahlung ber Abgaben; 6) 2frmuth; 7) bisher beflanbene« Stecht. 2Ba« ben erflen ©runb betrifft, fo papt berfelbe blop auf bie fPerfon be« Sounerain« im Staate. G« ifl ndmlid) flar, bap bie founeraine 3ftad)t mit Abgaben belegen jtt reotlen, eine Ungereimtheit fein reürbe, inbem bie Abgaben blop baju oerorbnet ftnb, um ihr bie SRittel jur 2fu«führung ber Staatgjreecfe ju geben; biefe 9Jtit= tel aber burd) bie Abgaben ju fdpreächen, reürbe biefem Sreecfe felbft reiberfpred)en. G« fliept alfo au« ber Statur ber Sache, bap'tflle«, rea« Staat«einfommen ifl, non Abgaben frei fein, ober ber Staat felbft, al« $)erfon betrachtet, non jebet 2fb= gäbe frei fein mup. Sb aber aud) ba«jenige Snbioibuum, reelche« bie Sounes rainetdt befleibet, in jeber $inftdjt non Abgaben frei fein folle, ift eine ganj anbre grage. Senn in bem Ginfommen eine« folcfjen Snbinibuum« ifl allemal jreeierlei ju unterfcheiben, nämlich a) Sa«, rea« jur Ausübung feiner Sunctionen al« Sou= nerain gehört, unb b)Sa«jenige, rea« jur fSefriebigung feiner S?ebürfniffe al« einer fPrinatperfon bient. 9hm lapt fid) nicht leugnen, bap alle« Sa«, rea« ein SRegent au«gibt, nicht gerabe jur Grreidjung ber öffentlichen Sreecfe nothreenbig ifl. Gr fleht jugteid) in SGerhaltniffen einet reichen fPrinatperfon, reelche ihre befonbern SBünfdje unb S5ebürfhiffe l)at, bie mit bem Staat«jreecfe in feinem Sufammenhange flehen. Sft nun ba« Ginfommen eine« Siegenten fo grop, bap e« nid)t nur »otlfommen hinreid)t, um benjenigen Kufreanb ju beflreiten, reeld)er baju gehört, um ben Stamm unb bie SBürbe be« JJfegentenhaufe« aufred)t ju erhalten, fonbetn aud) eine SJlenge ^)rreatreünfd)e unb fPrioatneigungen be« Sie: 22 Abgabenfteiffeit getiten }U beliebigen, fo ift ber lefcte SEt)eit beS KinfommenS o!)ne Broeifel als ein reineS Kinfommen beS Regenten, als ^3cmatperfon betrachtet, ansufeßen. Unb auS biefem ©eftcßtSpunfte betracljtet ift butcßauS fein hinteid)enber ©timb ju ftn= ben, toeßtjalb baS fürfilidje Kinfommen fteuerfrei fein fotlte. ©ielmel)t fdjeint eS oon mehren ©eiten t)6ct>fl swecfmäßig unb rathfam, baffetbe wie jebeS anbre fPrioateinfommen ber Abgabe $u unterwerfen, ba 1) ßiecburch ber Sürft wie jeber Anbre ben Srucf ber 2fbgabe in ber ©efriebigung feiner perfonlicßen ©ebütfniffe unb 2ßünfd)e proportiomrlid) empfinbet, ober bie golgen baoon erfahrt, inbem et wie jeber Anbre genotf)igt wirb, @nfd)tdn!ungen in feinem petfonlid)en >£auS= halte ju machen; ba 2) baS ©eifpiel beS Stuften, bie ©taatstaften mit feinen Untertanen ju theilen, für alle übrigen Kontribuenten außerorbentlid) etmun= ternb ift, unb um fo weniger in irgenb einem anbem ©tanbe ber SSunfch ent= flehen wirb, burd) Ausnahme oon ber 2fbgabenpflid)t beoorjugt ju werben. Sn ©taaten, wo bie ©ouoerainetät mit einer moralifchen ober jufammengefetsten ^)er= fon oerfnüpft ift, fällt bet Unterfcfieb jwifd)en Sem, was ju bem offentlidjen Bwecfe, unb was jum fPrioatswecfe Serer gehört, welche bie ©ouoerainetat oets walten, noch flarer in bie 2fugen. Sie ©lieber eines an ber ©ouoerainetat tt>eil= neßmenben 0?att)S ober beS fouoerainen SlatßS felbft fonnen fo wenig aus t)in= reicfenben ©rünben jur Abgabenfreißeit berechtigt fein, als bie ©lieber einer fou= »erainen ©olfSoetfammlung in einet Semofratie, unb ebenfo wenig ift alfo aud) baS Stecht eines Surften jur Slbgabenfreißeit oon feinem Kinfommen, inwiefern eS jur ©efriebigung feiner fPrioatbebürfniffe bient, begrünbet. 2) SBenn ber ©taat Sen, welcher ffd) um ben ©taat oerbient gemacht hat, mit Abgabenfreißeit belohnen wollte, fo fonnte biefeS oernünftigerweife hoch bloß eine petfönlicße SSefretung auf feine SebenSjeit fein. Senn wollte er beßhalb feine ©üter auf ewige feiten für abgabenfrei erflären, fo wäre biefeS ebenfo oiel, als fcßenfte ec ihm ein Kapital, baS ber Abgabe gleich ijt, oon welcher er feine ©üter befreit. 3ns beffen würbe eS ein ganj gtunblofeS unb nicht ju entfdjulbigenbeS fprincip fein, wenn ficß bie 2fbgabenfreißeit nicht bloß auf bie bisherigen, fonbern auch auf alle fünftigen noch aufjulegenben Abgaben erftreifte. Kin folcßeS ©efchenf hätte burdßauS feinen befiimmten SÜBertf) unb müßte als eine ganj bltnbe oernunftlofe ©erfcßleuberung angefehcn werben, welche in ber 2lbfid)t eines ©ouoerainS nie angenommen werben barf. Stiemanb fann wiffen, wie groß ober wie flein ein folcheS ©efchenf fein unb in ber Bufunft werben fonnte. — ©Sollte aber ber ©taat bie oerliefjene 2fbgabenfceiE)eit fo oerftanben wiffen, baß nicht bloß bie ^>er= fon beS £3efd)enften, fonbern bie ganje 9tad)fommenfd)aft berfelben abgabenfrei fein füllte, fo würbe biefeS ein wo möglich noch gebanfenlofeteS ©efchenf fein, ba er KtwaS weggäbe, wooon et burdjauS feinen beutlichen ©egriff haben fann, inbem ein folcheS ©efdßenf halb einem Nichts nahe fommen, balb fleh ju einer uns enblidjen ©roße auSbehnen fonnte, je nachbem baS ©ermogen ber Abgabenfreien ftch oerminberte ober oermehrte. Überhaupt aber fcheint bie ©etoßnung burch Abgabenfreißeit eine ber allerunäwecfmäßigften unb tabelnSwürbigfien ju fein, bie ftch benfen läßt. Senn erftlicß füllte eine ©eloßnung für öffentliche ©erbienfie auS bem öffentlichen Kinfommen genommen werben, woju AIle in gleicher ^Proportion beitragen. Sie Krlaffung einer ©attung oon Abgaben fällt aberges meinigltch Kinet Klaffe oon Unterthanen jur 2aft, welches eine Ungerecßtigfeit gegen biefe ift. ©taatsbelofjnungen müffen bähet aus bem allgemeinen ©taatSs »ermogen genommen werben. 3n>eitenS ift eine folche Art ber ©elohnung auch beßhalb ju fabeln, weil baburd) bie Abgabenfreiheit als AuSjeicßnung ober alS eine befonbere Khte erfebeint, eine ©orftellungSart, bie ber ©taat nie auffommen taffen joll; ihm muß »ielmehr baran gelegen fein, baß ein ©ürget ft'cß für um fo jpichtigep im ©tagte t)ält, je mehr et bentfelben Abgaben befahlt, 3) Saft 2£bgabenfreif)eit 23 bWelten ©rünbe, befonberg ber legte, fireiten gegen bie Sltarime, bie 2fbgaben= freibeit alg ein SJtittel, bie ©taatgbeamten ju befolben, anjuwenben. ©ne foldje greißeit f>at uberbieg fürSeamte non gleicher 2frt feiten gleichen 333ettf>, ba ber eine bauon einen uiel großem ©ewinn als ber anbre haben fann. 4) SSBenn 2fb= gaben in ©elb entrichtet werben, fo ftnb fie mit feinem ©tanbe unb mit feinem ©efcßöfte unoertrdglid). tlubre ©taatgtaflen, als: perfönlidje Dienfileiftungen, Einquarticung u. f. w., aber fönnen allerbingg für Einige unjulafftg fein. Eben beßßalb aber wäre eg beffer, bie Übetnehmung »on begleichen Saften bet freiwil- * ligen Eoncutrenj ju übetlaffen, unb Diejenigen, welche fi'e übernehmen, ju ent= fdßöbigen. 2Ber 5) feinen 2fntfjetl an ben Abgaben auf anbre SDSeife bejaglt, bem fann nfpl/t nocl) eine anbre 3frt ber Sejaßlung jugemutßet werben. Dag tfbgabenfpftem wirb aber immer »otlfommener fein, wenn alle Abgaben uon tlllen nad) Einer Siegel erhoben werben. Daß aber 6) tfrme feine Abgaben bejahen» fließt aug einem guten tfbgabenfpfteme, bag nur bag reine Einfommen anjie^t, uon felbft. ©in petfönlidjeg 9fed)t auf tfbgabenfreißeit fann alfo nur aug 3tt= tl)um ober falfdjen Socftellungen ertl)eilt fein, unb bie teformirenbe ©taatgpraftif muß baf)et auf Mittel finiten, biefeg Stecht ba, wo eg nod) »otßanben ift, gegen gehörige ©ntfd)abigung ber baburd) leibenben ^erfonen abjufcßaffen. SBag II. bie tlbgabenfreißeit ber ©egenffdnbe ober ©üter betrifft, fo ift bie metfwürbigfie biejenige, welche gewiffen liegenben ©tünben jugejfanben ifl. ©eben biefe ©rünbe feinen Ertrag, fo fann »on ihnen natürlicherweife aud)9tid)tg gefobert werben, ©elbjt wenn ihr Ertrag nid)t mehr betrüge alg wag nöthig iff, um ihnen benfelben Ertrag »on Steuern abjugewinnen, fann feine Abgabe »on ihnen gezogen werben. Diefe fann fie nur treffen, wenn fte einen reinen Ertrag geben, b. ß. einen folcßen, bet bie Soften ber ©ewinnung beg ganjen Ertragg übertrifft. Dag Sted)t bet 2fbgabenfreiheit foldier ©runbftücfe aber, bie einen reinen Ertrag liefern, fud)t man burcß folgenbe ©rünbe ju rechtfertigen: 1) weit bag eine ©tunbfiücf bie Abgabe beg anbern contractmdßig übernommen bat. Durch biefen ©nmb hat öfterg ber tfbel bie tlbgabenfreißeit feinet ©üter ju »er= tßeibigen gefudjt, inbem er behauptete, baß feine Sßorfahten einen Sheit ißtet 5fcfer ben Säuern abgetreten hatten, unter ber Sebingung, baß fte, außer einigen Arbeiten für bag ^auptgut, aud) bie Abgaben aug bem ©ewinne bet Sauergüter ju befireiten übernahmen. 9tun ließe fid) ein fotdfjer Eontract jwar wot alg rechtlich möglich benfen, wenn ec auf ein bejfimmteg ©teuerquantum abgefd)lof= fen, unb beffen 2fbfd)luß beutlicß naeßgewiefen werben fönnte. Stie aber fann ein Sertcag für »erbinbtich erfannt werben, in welchem bie Übetnehmung aller fünftigen möglichen Abgaben für tlnbre bebungen ifl, baStiemanb wiffen fann, wie groß biefe je werben fönnen, unb ob bag erteilte 2anb eine angemeffene 2(ug= gleichung bagegen iff. Denn in jebem Eontracte muß bag Sbject ber Serbinb= lichfeit erfannt werben fönnen. tfußerbem aber, baß bergleidjen Eontracte bloße gictionen flnb, bie fid) in ber üöivflidifeit nirgenbg ft'nben, barf ihnen ber ©taat auch beßhalb feine ©ültigfeit jugefleßen, weil fie ber 2fbgabenpfUd)t bag tfnfeßen einet fcßimpflicben Sefcß werbe geben: eineSorfiellunggart, bie er burchaug nirf>t begunffigen barf. 2) Die Staaten haben bisweilen Einjelnen, aud) wol ber ganjen Station geftattet, fid) uon einer beftimmten tfbgabe gegen ein Eapital log: jufaufen, wie j. S. in Englanb »on ber Sianbtare. Dergleichen Eontracte müffen natürlich gehalten werben, tfber nimmermehr fann ein Einzelner ober gar ein ganzer ©tanb ober bie Station fteß »on allen ifrteit »on Abgaben logfaufen, weil ein folcher ©egenftanb ein »öllig unbefannteg Ding wäre, wofür fid) unmöglich ein fpteig augmittetn laßt, inbem Stiemanb wiffen fann, wie bie Umftdnbe ft'cb geffalten mögen. Eg hieße biefeg bie SJtöglicßfeit ber Eriffenj beg ©taatg »erfau= f«li. ©ine unäwecfmdßige Abgabe ju »erfaufen, bie ben ©tagt bütbert, eine 24 Abgötterei belfere an ihre ©teile ju fegen, wie es bei bet ßanbtape in ©nglanb bergall ju fein fd)ien, bie jur fiten unöeränberlid)en 9tente geworben war, fann wol ratfjticf) fein, «m ftdfj bie Stetheit in ber Einführung belferet Abgaben ju »erfchaffen, unb baburd) mögen gewiffe ©egenftdrtbe eine Beitlang abgabenfrei werben, aber nie fann SiefeS ein ©tunb fein, baS ©infommen, welches fie bringen, auf ewige Seiten oon allen Abgaben ju befreien. ©Senn enblid) 3) bie (Steuerfreiheit ge= wiffer ©üter in bem Staate als Return be|tet)t, fo fönnen bod) bergleidjcn ©ri= »ilegien niemals als abfolut unoerdnberlidje 9tecf)te betrautet werben, fonbernfte muffen ftd) ber S3eurtt>eilung naef ben allgemeinen ©tincipien ber Bwedimafigfeit, wie alle pofttwen ©efege unb Snfiitute, unterwerfen, unb wenn fte bähet für un= jwedmafig, fcgdblid) unb brücfenb für anbre SSütgerclaffen befunden worben, fo müffen begleichen ©efege nerbeffert unb abgefegafft werben. Sa aber ber Staat feine begangenen iyrrthümet unb gehler nid)t auf Äoften Anbrer feftfjatten barf, fo muffen Sie, welche baS 9?ed)t ber genoffenen Abgabenfreiheit verlieren fol* len, bafüt nach billigen ©runbfägen entfefäbigt werben. Senn ben Schaben, wel* djen ber Staat Einzelnen durch feine Unwiffenheit ober burch Srrthümer jugefügt, muf ber Staat ober baS ©dnje auch billigerweife tragen. Über bie Abgaben* feeiijeit f. «. fjafob’S „StaatSftnanjwiffenfdjaft" (.f)alle 1821, S. 1042). SaS $ifiorifd)e baoon enthalt ber Art. Steuerfreiheit. 51. Abgötterei. Sie ©ernunft gebietet bie©erehrung eines hofften, un* enblid)en, »ollfommenen ©SefenS, baS wir ©ott nennen. Sie Abgötterei aber «erel)tt einen Abgott, Aftergott, einSbol, ein ©Sefen, baS nicht ©ottifi, ein ©ebingteS fiatt beS Unbebingten. Sie ©efchichte lehrt uns, baf bie reine 5bee non bem UnauSfprechlichen ohne höhere Leitung, beren ftd) bie Jpebtäet unb ©bti* fien rühmen, nur tangfam ftd) ausbreitet; fte lehrt uns aber auch, baf theilS ber ©igennug ber ©tenfefen unb bie daraus entftehenbe gurd)t not unangenehmen 3u= fldnben, theilS baS ©erlangen nad) glücklichen ©reigniffen eine $auptquelle ber Ab* _götterei gewefen fei. Sie natürlichen Urfachen glücklicher ©reigniffe waren ihnen noch unbekannt, fowie jene beS ©Jad)SthumS ber grüd)te, ber ©Sdrme, beS Sidtts, ber ©Sinbe, beS ©teereS u. f. w. Sfne ftd) in eine tiefere Unterfuchung einjulaffen, fcfuf ihre ©inbilbungSfraft für alle ©Seit * unb ©aturbegebenbeiten ©otfiehet unb ©orfteherinnen, unb übertrug ihnen bie Sorge für biefelben. So verehrte man bie ©efiirne, ©äume, Steine, Quellen u. bgl. Anbre gaben ihren ©Ottern ©ten* fchengeffalt, jugleid) aber aud) menfdjlidje ©ebürfniffe, ©egierben unb Seiben* fchaften. Saher ber Anthropomorphismus (bie ©etmenfd)lid)ungSlehre), ber je* bod) »erfdjiebene ©rabe hat unb entwebet bogmatifch ift, wenn er menfd)lid)e ©igenfehaften höhem ©Sefen felbft beilegt, ober fpmbolifch, wenn nur ©erhalt* niffe ber ©ottheit jut Sinnenwelt baburd) auSgebrücft werben follen. Sie ©unft beS ©otteS fuchten fte ju gewinnen, wie man bie ©unft beS ©tenfehen gewinnt, burd) ©efdjenfe unb ©itten. SebeS ©olf hatte einen befonbern ©ott, ber nid)t ber Allvater aller ©tenfehen, fonbern nur fein Sdjuggott war, ebenfo ber Stamm, bie gamüie, ja ber einzelne ©tann. 3n bie'fem ©erhdltniffe war bet ©runb enthalten, ftd) einen befonbern ©ott jujueignen. ©r nahm einen ©lag im -£>aufe ein unb würbe nun ein ^auSgott, ber ©ott eines ©tanneS ober einer gamilie. Seine ©egenwart unb ©Sirhfamfeit würbe auf ben £>rt feines Aufent* halts befdjrdnft. ©r würbe ©efdjüger unb üRatbgeber Seffen, bet ihn gewählt hatte. Set ©oft beS Sägers unb beS ÄtiegerS würbe ber ©ott ber Sagb unb beS jtriegeS; ber ©ott ber Ritten forgte für bie beerben, unb ber beS AcfermannS würbe ber greunb beS getbbauS unb ber ©eher ber fruchtbaren Beiten. Siefe ©ottheiten mufften nun aud) ihre Siener hoben, welche theilS ihren ©ultuS an* orbneten, theilS ihnen bieSSünfche ber©?enfcfen oortrugen unb biefen ©efcheib gaben, unb h>««u$ »ufte ber ©igennug feinen ©ortheil ju gieren, ©injelne 25 Sfbgufj Abhärtung gaben ftd) baS 2£nfef)en eines vertrauten Umgangs mit ben ©Ottern; fo entfianben 3Baf)tfagungen unb Orafet. — CSianche Serftanbige faf)en inbefj fcf)on im Alter= tf)um bie Slid)tigfeit von bem Allen ein unb würben auf ben Segriff eines ein§tgen ©otteS geführt. SBafrfdjeintid) war auch bie Abgötterei nur ein Abfall von bec SSerebrung beffelben. (SSgl. ©ottunb fPolptheiSmuS.) Abguß ift bie Stachformung von fffierfen bitbenber Kunft, butd) Auf= giefjitng einet Weichen, nadjfer ffcl> verfdrtenben SJtaterie. SJtan irberjiefjt, um ein vollfommen runbeS SSilb abguformen, baS Original am befien mit ©pp$ obetSbon, bei ßalbtunben Silbern mit SBacßS, $£bon, ©djwefel, ©las, tSlt-- tall ober ©ppS, unb nimmt bie SJtaffe, wenn jie barauf erbartet ift, mit @org= falt ab. OieS gibt biegotm (moule), welche, was im Original vertieft ift, erhoben, unb was bort erhoben ift, vertieft enthalt. SBirb in biefe gotm wieber eine weiche SKaffe gegoffen, fo erhalt man burch Abformen ein bas Original getreu barftellenbeS Abbilb, welches eigentlich Abguß genannt wirb (plätre). ©ange Körper fönnen nicht auf einmal abgeformt werben, weil fonfi bie Originale nicht herausgenommen werben fonnen, fonbetn nur ftücfweife. Oiefe ©tücfe werben beimAbfotmen forgfdltig gufammengefügt, woburch aber auf ben abgeformten Kunflwerfen jene erhöhten ©treffen entfleßen, bie man Stößte nennt, welche ver= fchnitten unb polirt werben. 21*eil aber baburch mancher garte Übergang verloren gehen fann, gießt man, wenn fte nicht gu blofier Sergierung bienen follen, bie Abgüffe mit ben Stößten vor. 3rcar erreicht fein Abguß völlig baS Original; allein er ift bod) immer ber hefte Gfrfafs für OaS, was bem ©tubium unb bem ®e= nuffe fonfi abgehen würbe; unb eS gibt aud) Abgüffe, bie ben Originalen in Oem, was ben Künfiler unb Kunfifreunb gu ihnen führt, fchr nahe fommen. Aber um biefen 3wecf gu erreidjen, wähle man Abgüffe, bie mit 23orfid)t unb Kunftfennk niß verfertigt worben fmb. Oie 9toft’fd)en in Seipgig ftnb befannt. ©o lange in fPariS bie vorgüglid>ften SEBetfc alter bilbenber Kunft verfammelt waren, würben bort mit vieler ©orgfalt Abgüffe verfertigt, unb man tonnte begleichen von allen bort vereinigt gewefenen Antifen gu billigen greifen erhalten. Oie Abgüffe auS blofier Söpferetbe werben in ftatfern unb fd)Wad)ern SEßeilen ungleich unb vets feßwinben aus ihren Scrbdltniffen. ©ie verfürgett ftd) um mehr als ben 6. Slheil, fbbaß jugenblicße ©tatuen ober Süften fich mehr ber Kinbßeit nähern. Abhärtung, pbpfifdje, wirb bewirft burd) ©tdrfung beS innern Bebens unb beffen ßinwirfung auf ungünfiige ©inflüffe. 3ur ©rtragung von Ungemad) bereitet vor: einfache, bod) frdftige Kofi, Aufenthalt in freier, reiner Suft unb ftarfe Sewegung. SJtan verbanne Alles, was bloß bie ©inne fcßmeicbelt; man mufj vor Allem bie innere Weiterleit beS ©eifteS erhalten unb beffen höhere Stieße tung vor Augen haben. Oocß barf man niemals in ben garten Organismus beS .Körpers, wie bie ©partaner, eingteifen; benn unfer 3eitalter hat höhere unb liberalere ©taatSgwecfe als jene ^albbarbaren, unb fclbft ein in ber jjjugenb fchwad)er Körper fann mit ber Seit ftarf werben. Unfer Zeitalter vermiete freilich lange bie pbpfifebe, abhdrtenbe ©rgießung, bie in Grnglanb erft wieber auflebte, anfangs jeboeß übertrieben würbe. Oie Kalte fidrft unb bie SBdrme feßwaeßt in ber Stegei; aber beibe fdjwöcßen, wenn fte in einem gu boßen ©rabe jtattftnben. Stur bie cfjdlfte ober 2 Orittel ber ©eborenen überleben baS 3. Sahn, unb Ärgte, bie bei ber (fonfeription fungiten, wiffen, wie viele Kötperfd)wdd)en bie Armuth häufig in baS SftannSatter hinübernimmt, wenn fte aus Stotß bie Ab= hdrtung übertreibt. Abhärtung barf eigentlich erfi nad) völliger AuSbilbung beS organifd)en Körpers ffattfi'nben; baher ift baS jeßt in Kriegen fo allgemein gemor= bene Sivouaüren in jebem Klima gerftörenb für bie ©efunbheit vieler junger Sn* bivtbuen, unb eS vermehrte baS ©ied)thum ber «£>ofpitaler in unfern feeren fehr. AuSbünftung in ber Stacht ift jebem Körper unentbehrlich, inbem bie Statur aud) 26 tfbitbgaarb außet bet 2fugbünftung viel ubetflüfffgen Äoljtenfloff am Sage augfdjeibet. Unter 3 — 4©tunben ©eftaf tdgltd) fann fein Körper lange ertragen, unb über 2 9ldd)te batf bie $autaugfcf)eibung im ©cflafe nietjt auggefe&t metben. 2(m fcbmerjfen bartet man bie ®eftd)tg = unb ©etud)gorgane ab. 2fbtfbgaarb (Nicolai21brabam), fonigt. banifeber>£>ifforienmalet, 9?it= ter beg Sanebrogotbeng, geb. ju Kopenhagen 1744, gefl. baf. ben 4. Suni 1809 als Sirector unb sprofefjor ber Äunftafabemie. £)bne j3meifel bet genialjle SNaler, melden Sdnemarf bisset befaß, beffen geiftreiefje dompofitionen tiefeg ©tubium, fotuie 5Keid)tl)um ber Sbeen unb befonbere ©tdrfe in ber SatjMung »erratben. din öjdbriger Aufenthalt in Italien »oltatbete bie Silbung, melchc er bei ber Kunftafabemie ju Kopenhagen empfangen batte; feine Arbeiten »ertöten aber nie bag Originelle, metdjeg fein fetbfldnbiger ©eifi feinen ©emdlben ffetg einfjaucfjte. Sn ben ©djopfungen feinet fruchtbaren fPbantafie fpracb ftcb ofterg eine bufiere, memtgleid) immer große unb feierliche Ofatur aug; in feinen ärtfjtrctcfjen b’Ü 01 ' 1 fd)en ©emdtben berrfchte aber ein heiterer erhabener ©tpl, unb nicht leicht ft'nbet man bei neuern SKalern ein fdjoncreg dolorit, befonberg im 9lacEten; eg mar fafi fo fd)on alg bag in ben ©emdlben fPaul SSetonefe’g unb Sitian’g. 33on A. toar eine bebeutenbe j3abt berjenigen großen Malereien, bie in ben ®e= mdchern beg 1794 abgebrannten üfefibenjfcbloffeg Qbtifltanö&urg ftcb befan= ben. ©eine aug ber »aterlanbifcben ®efd)id)te entlehnten bißtocifchen ©emdlbe (im großen Siitterfaat) machten auf ben 3ufd)auet benfelben dinbrud mie bag ©anje beg burd) 2(rd)iteftur unb b°f) e Fracht berounbetngroftrbigen ©aaleg felbjt. A. batte bie ^auptmomente ber ®efd)id)tc duropag allegorifcb in 4 dpoeben unb ©emdlben flnnreich bargeffellt, unb duropa perfonifteirt: 1) in bem erfien trüben Bufianbe, 2) in bet SBeltberrfchaft SJomg, 3) in ben gcft etn ber Zierats d)ie unb 4) in bet dnteuetung bet 3Biffenfd)aften unb bet duttur nach ber 9ie»o= Iution burd) bie großen drft'nbungen (beg *))ul»erg unb bet SSucbbtucferfunft) unb burch bie neuen fianbet. SBenige »on feinen SBetfen im ©djloffe mürben aug bet geuergbtunfi gerettet; bod) bat man in unb außer Kopenhagen noch eine bebeu= tenbe Sfnjabl jum Sbeil großer ©emdlbe »on ihm. ©eine äßitme befigt eine ©ammlung mehret tre(flid;er Silber. Ser »ertuunbete ^>b^°P tet / e ' n gto= feg ©emdlbe, ifi ebenfo fraft»oll, alg dupibo, ein anbreg ©emdlbe, bag nad) ©panien »erfauft mürbe, gart unb fchon; beibeftnb in ber Abführung meiffer= baft. 9fod) ft'nb »otbanben: ein trefflicher ©ofrateg; S’npiter, bag ©djidfal ber SD?enfd)en etmdgenb; dulmin’g ©eift, ffch ber Sftutter jeigenb (nad) Sfftan’g ©ebichte) u. a. Sie lebte Arbeit, meld)e er »ollenbete, maren 4 große ©emdlbe, ©eenen aug Serenj’g Suflfpielen batfiellenb. dr batte »iel gelefen, um bie din= rid)tung beg Sbeaterg ber Sitten ju ergrunben. Sie »on ihm gemdblte Architektur, roeld)e hier fein ^auptjmed gemefen ju fein fdjeint, ift fefjr gelungen, malerifcb unb fchon. gafl alle dompofitionen A.’g »erraten, mittelfl ber SßtSabl unb Aug= fübtung beg ©egenftanbeg, ben burd) ©tubium ber Sitten fomie ber 2fltertbu= mer gebilbeten SJialer. 9Jicf)tg mar ihm fremb, mag auch nur entferntere Se= jiebung auf feine Kunft batte, unb obgleich et feinen ©djt'tlern einjufd)drfen pflegte: baß für ben Kunfller bie Sbeotie 9Sidt)tg, bie 9fatur unb Übung aber Alleg mache, fo fannte er bod) nicht meniger grunblid) fomol bie Sbeorie alg bie ©e= fd)id)te ber Kunfi, unb mar meit entfernt, ben TSertl) einer freien ©eifiegbilbung }u »erfennen, metd)e er fetbft in hohem ©rabe befaß, ©otebeg bejeugt aud) bie »on ihm gefammelte, nad) feinem Sobe für bie fonigl. Kunftafabemie ange= faufte, »ortrefflidje SibtiotbeE. dr mar ein auggejeid)neter £ef)rer biefet Slfabe* mie unb b'fltofop niebre ©djuler, SKalet fomie Silbbauet, bie ihrem Sebter unb bem SSaterlanbe jefct nod) dbre machen; unter biefen unb »or SfUcnSbormalb= fttl, ©d)riftflellotifd)e Secbienffe evmatb ftcb burd) llfine Sluffd^e, bie tbetl? Ab intestato Abirrung beö £id)t§ 27 fcfytefe Urteile in Äunfifacijen berichtigten, tbjeilö altere Äunflarbeiten erflärten. 3'n gernoro’8 „geben be« .KünfKet« 3C. g. Garften«" (Sp§. 1806) ijt unter anbern S3cfd)utj>igtmgen gegen 31. auch bie enthalten: baß er Garften«, alö bie= fet2el)tling bei ber topenfagner Äunftafabemie war, »erfolgt habe, »eil Gar= flenö ihm feine Äunftgriffe in ber gatbengebung unb in ber Malerei überhaupt ab= julauern gefucht hatte. Siefe unb bie übrigen SSefdjulbigungen getnow’8 finb »on bem ©ecretair ber gebachten 2ttabemie, Prof. 5Ü. S3aben, »öllig wiberlegt toorben. (©. „.Kopenhagner gelehrte Nachrichten für b. 3- 1809", <©. 309.) Ala intestato erben, ohne ober gegen ein SEefiament erben, b. h- eine •jpinterlaffenfchaft, über bie burd) fein gültige« Sefiament oerfügt i|i, al« gefeg= liehet Grbe an ftd) bringen. 3£ b i p o n e r, ein .Kriegerftamm ber Snbianet jWifdjen 28 unb 30° <5.35., am Ufer be« piata, »on 5000 .Köpfen, ber wenig 3(cfetbau unb befio mehr 3agb unb gifchfang treibt. 3n ben 5 winterlichen Negenmonaten begibt ftd) biefer Stamm entweber nad) ben 3nfeln beö piatafirom« ober macht ftch Jütten in ben SSaumgipfeln. 3fm liebffen effen bie 2fbiponer Sügerfleifd), womit fte ben Tiberglauben »erbinben, baß eg bie .Krieger noch tapferer mache, gange Sanjen unb Pfeile mit eifernen ©pigen finb ihre SBaffen. ©ie führen häufig mit ben ©paniern .Krieg. 3hte SBetbcr finb nicht brauner al« bie Spanierinnen. Sie Scanner finb hoher Statur, gute Schwimmer, lieben bie gigutenjeichnung auf ihrer cßaut unb haben Slblernafen. 3h c e Gaciquen finb im grieben ihre Oiidfjter, int .Kriege ihre 3lnführer; aber im grieben ift il)r 2fnfehen nicht bebeutenb, benn »erfudßte bet Gaciqtte eine ber Ntenge ungefällige Neuerung, fo würbe leitete ftd) p anbetn Stämmen fd) lagen unb ben Gaciquen »erlaffen. Xbirrung bei Sicht §. 3Benn wir einen ©egenftanb fehen, fo g e- flieht bie«, inbem bie »on biefem ©egenftanbe au«fal)tenben gid)tfirahlen unfer 3fuge treffen, unb wir fuefen ben Srt be« ©egenftanbe« in berNid)tung auf, in welcher bie« gefd)ieht. Ntan fielle ftd) jegt bie in ihrer SSewegung um bie ©onne begriffene Gebe, unb »orerff einen gipfiern »ot, ber gid)tjftaf)!en fcnfred)t auf bie Nichtung biefer SSewegung abfenbet. Sa« 2tuge be« Sßeobad)ter« unb ber gid)t= jiral)t ftoßen baburd) jufammen, unb ba ber 35eobad)ter »on feiner eignen S3e= wegttng Nicht« »erfpürt, fo legt er biefelbe bem gichte in entgegengefegter Nid)= tungbei, wie man j. 33., auf einem .Kahne fafjtenb, bie SSäume lang« bem Ufer bei ftd) »orbeilaufen fiegt. 30fo mißt ba« 3(uge bem gichte hier, außer feiner fenf= rechten SSewegung, nod) eine anbre ihm entgegenfommenbe bei, unb empfängt baher ben Ginbutdi beffelben in ber 9fid)tung, weldte au« biefer $ufammenge= fegten 35ewegung entfpringt, nämlid) in ber Siagonale be« Parallelogramm«, beffen ©eiten bie wirtliche unb bie eingebilbete SSewegung be« gidjt« (b. i. bie 33e= wegung ber Grbe) in gleicher Seit bilben. 2ln feinem wagten £)rte erblicht ber SSeobacgter ben Stern nur, wenn er ftd) bemfelbcn in getaber ginie entweber nähert ober »on ihm entfernt) bei jeber anbern Nicgtung ber S3ewegung erfd)eint ber ©tern, in biefer Nichtung, ein wenig (ba« Nfapinutm ifi 20, 25 ©ec.) »or= wärt« geriuft; unb biefe, au« ber S3ewegung ber Grbe, für welche fte jugleich einen SSewei« abgibt, entfpringenbe, fegeinbare £)rt«»eränberung aller ^)immel«= förper (bemt fte bejiegt ftd), wie man nun leicht einfieht, nid)t allein auf bie gip= ffetne, bei benen fte nur am auffallenbften erfdjeint) nennt man 3lbirrung be« Sicht«. Sn golge ba»on fcheinen bie gipfietne währenb eine« Umlauf« ber Grbe um bie ©onne, nad)bem fte entweber in ber Gbene ber Gfliptif, ober in beren Po* len, ober in ben Swifcgenftellen flehen, im erftern gatte ftch m gerabet ginie recht« unb linf« »on ihrem wahren Srte ju entfernen, im jweiten einen Ärei«, im britten aber eine Gllipfe um benfelben ju befchreiben, welche« au« bem SJorge» ftagenen buteg weitete« Nachbeben erhellt, Siefe Gntgecfung »etbqnfen wif 28 JCWfotföen Äblaß (fatf?.) S5 r ab t cp (f. b.). Uber bie Abirrung beS Sxd)tö «ergl. bieafironom. Sehtbürfjer, bie pf>pfifatifdbcn 555ortcrböd)cr uon ©ebjtet, gifcfet u. X SefonbetS gelungen ifi bie Satffellung in SSiot’ö „Traite elementaire d’astronomie physique" («Paris 1811), 2. 2fbb)., Sb. 3, ©. 120 fg. Sian hat für bie Abirrung Safein berechnet, bie fid; mit Erläuterungen jufammengeflellt ftnben in beä Saton t). 3ad) 5Betfe: „Tabulae speciales aberrationis et nutationis etc." (®oti)a 1806), unb in beffelben „Nouvell. tables d’aberration et de nutation pour 1404 etoiles, avec une table generale d’aberrat. pour les planetes et les cometes" (SJtacfeilie 1812, unb Supplcm. 1813). D. N. Xbflatfchen nennen bie S3ud)brucfer baS Setfahren, wenn fte einen Xbbrucf nid)t mittelfi ber treffe, fonbern babutd) jit ©tanbe bringen, baf fte ba8 Rapier auf ben ©afs legen unb burd; Surften barauf fefibrttcfen. Xblaf, nach berfatholifchenSogmatif, bie Sergebung bet ©ünbe, wel* d)e bieÄircbe ju gewahren Siad)t bat. SaS ftdjtbare >£>aupt ber Äird)e, ber spapft, «ermattet biefeS 2lmt ber ©d)lüffet, unb «on ibm fliefen in mannigfaltigen Sßeifen bie Smbulgenjen aus, welche in temporaire unb »olle ober totale Snbulgen= jen getbeilt werben. Sie ?ef)re «om 3fblajj lebnt fid) auf baS Sogma «on ben gu= ten SBerfen prucf, benn bie fatfolifdjen Sogmatifer begrfmben bie 9Jiad)t bet Äircbe, 2lbta£ ju ertbeilen, fo: Siele ^»eilige unb fromme haben mehr gute Söetf'e getban unb mehr erlitten, als ju Sergebung ihrer ©ünben notbig gewefen, unb fid) baburcb im bimmlifcben ©djulbbitcfie ein beträchtliches ©uthaben gemacht. Sie Summe biefeS ©utbabenS macht nun einen ©djalj ber Äitcbe aus, woju bet S)apft ben ©chlüffel unb fo bie 9Kad)t bat, gegen fromme ©penben aus biefem ©dijabe beliebige ©ummen abjulaffen. ^»iftorifcb leitet fid) ber Ulblafs «on ben öffentlichen Sufen unb fanonifd)en ©trafen her, womit bie alte cbriftlicbe Äirdbe bie ©ünber in ber ©emeinbe, unb namentlich aud) Siejenigen belegte, welche im Sfdrtprerthum nicht beftanben hatten. Sicfe fanonifdjen ©trafen erlaubte man, als bie Äkchenjucht milber unb bie ©eiftlicf)feit erwerbfüd)tiger würbe, in ©elb= bufen an bie Äirdje ju »erwanbeln. JfnfangS war bie einzige Suelle beS 2lblaffeS in 3Jom felbft, unb man raufte ben 3fblaf bort holen, $ier war biefer Äirchem f 6 ) 0 .% unter oiele bortige Äirdien »erteilt, wooon 7 ^auptfircben am reichten t>on ben Zapften botirt waren, 2J?an nannte biefe Äirdjen Stationcs indul- gentiarum. 2lm reichten war bie Äird)e im ßateran, welcher bei ber erneuerten Einweihung fo »iel Snbulgenjtage «etliehen würben, als Stopfen bei einem 3 Sage unb 3 flachte bauernben Siegen herunterfallen. Ser gefammte 3n= bulgenjfchah ber in Siom beftnblichen Kirchen war fonad) unerfdjopflid). 2flS bie Zapfte mehr ©elb brauchten unb hoch bie 3ahl ber 2lblappilger abnahm, würben bie Sfabulgenjen ben auswärtigen Erjbifchöfen unb Sifchöfen portionSweife »er= liehen, unb enblid) gar befonbere 2(blafframet haufiren gefchicft. 3« ben Äird)en= jubilden (f. Subcljaht) galt betilblaf hoppelt, unb folche Subeljahre gaben bie befle Ernte für ben heiligen ©tuht. Ser prad)tliebenbe Seo X. fam 1513 jut Siegierung, unb tonnte, ba ber Sau ber $)eterSfird)e feine ginanjen erfchopft hatte, baS 3>ubetjal)r 1525 nid)t erwarten, mefhalb er mit bem Äurfütjfen Sflbert von SJlainj ben 2lb(afj für Seutfdjlanb a conto meta aitSfchrieb; biefer fanb an Sejel einen bortrefflidien «füauftrer. Siefer unverantwortliche Sfrfjbraud) entjum bete Suther’S geuereifer, unb bie proteflanttfchen Sheologen fanben immer im 2fb= laffe eine ber fdjwdd)fien ©eiten beS ÄatholiciSmuS, unb felbfl bie fatholifd)en ©tanbe SeutfdhlanbS trugen 1530 beim Äaifer barauf an, baf er ben 9>apft «er= mögen folle, feine Jlblafbriefe nad) Seutfd)lanb ju fdjicfen, inbem burd) foldje bie ganje fatholifche Religion jum ©pott würbe. Sennoch würbe ber 2(blap auf bem Eonctl ju Sribent unter bie ©laubenSartifel aufgenommen. A. % t> l a f (Snbulgenj). 3fn bie Sufbeftimmungen ber alten Äirche (f. 58 u fj e) 29 2Cblajj (fattj.) war man nie fo ffreng gebunben, baf bie ilicd)eiroorfteb)ev in wichtigen SJücEftchten, «nb wenn fte glaubten, ben B'Decf auf eine leistete 2frt erreichen ju fönnen, nicht auch in einem fpeciellen gälte 6twag ba»on nacfgetaffen hatten. 2Cber eg gefd>af) bieS immer btof in einjelnen galten unb nach genau unterfud)tec Befdiaffenfeit desjenigen, bem eine fotc^e 9?adjlaffung erteilt mürbe, unb nie warb bie ganje Äirdjenbupe nad)gela(fen, fonbern ein Sfyeil baoon, gemaf ben Bebürfniffen unb bem (Sifer derjenigen, bie barum anfucften. Sag Goncitium »on Sticaa, can. 12, fobert »on einer folgen diSpenfation bie Uberjeugung »om Safein wirbliger Beffetung. Sw 11. Sah 1 ^. beim eine anbre 2(tt 2fblaffe auf. 2fblaf würbe hier ertljeitt wegen eineg jum offenbaren 9fu|en bet - Äircfe unternommenen mühe= »ollen ©erleg. 6g war bieg immer ein grofeg ©erf, gewofnlid) bie ©affen für bie Ü'irdje führen, wo»on bie Äreujjuge bag berüf;mtefle SSeifpiel ftnb. Sw ßoncilium »on Slermont (1095 —96) warb, can. 12, beftimmt, baf Sebew, ber aug blopet 2htbad)t, nid)t aug 9vuf)m ober ©etbgierbe, jur Befreiung ber Äircfje beg $etrn nad) Seeufa lern reife, biefe Söeife ftatt ber fdjulbigen Bufe am gerechnet werben folle. ©pater befjnte man bieg auch auf Sie aug, welche nicht felbft bie gafrt antreten fonnten unb auf it)re Äoften einen Ädmpfet hinfanbten. — ©an ging allmdlig noch weiter: man gab aud) fdjon für ©oldje ganjlichen ober theilweifen 3lblaf (»ollfommenen ober unoollfommenen), welche ein Kimofen ju 2fugrid)tung eineg guten ©etfeg, j. B. $erfteltung einer Äircfe je., f)et= gaben, ober fonft ein »otgefd)tiebeneg frommeg SQ3erf, Befud) einer Äitd)e (j. 85. jur Beit beg Subildumg, wag nun aud) »on Bonifaj VIII. 1300 einge= führt würbe), »errichteten. Sie öffentliche Äirchenbufe fiel baburch ganjlid). 6g fchlidfen ftd) aber bebeutenbe ©ifbrauebe ein, unb ber ©rauet war grofj. Unter bem Botwanbe beg Klmofeng $u guten ©erben warb ber Kblaf ju einer inbirecten Beteuerung ber 6l)tifienheit. Sogar auf mehren beutfdjen Sieidjgtagen (j. B. ju SRütnberg 1466) warb er, um jum Kriege gegen bie Surfen bie Äoften ju befirei= ten, »orgefchtagen. Sie fpdpjte, Bifd)6fe unb weltlichen Siegenten tfjeilten gc= wohnlich, wiewot manchmal bie weltlichen Siegenten aud) »on felbft jugriffen, wie j. B. 1500, wo bag SReid)gregiment bag für ben fPapft bei (Gelegenheit beg Subildumg eingefammelte ©elb wegnahm unb bem pdpftlidjen Legaten ju fei= nem Unterhalte nur ein Srittel jufommen lief. Saf unter folcfjen Umftanben, wo bag «^eilige ju fdjnöbem ©ewinn gemipbraudjt würbe, auch »etfetjrte Be= griffe über ben Kblaf unb beffen Äraft unter bem Botfe entftanben unb burch bie befümmten Kblafprebiger »erbreitet werben mufften, ift »on felbft begreiflich. (Bgl. Sejel.) Befannt ift eg, baf ber »on SeoX. auggefdjriebene Kblaf bie erfie Beranlaffung ber Sieformation war. 6g war bie Aufgabe ber ju Srient »er= fammelten Äird)en»ater, biefe ©if brauche öffentlich ju mifbilligen, bamit nid)t alg Sogma ber Äird)e erfcheine, wag 6injelne nur erbrütet hatten. Sag 6onci= liunt erfoberte juoörberft in bersess. 24, cap. 8, de reformatione, bie^erftet lung ber öffentlichen Bufe für öffentliche ©ünben mit folgenben ©orten: „Set Kpojiel (fPaul. Simoth.) »erorbnet, baf man bie öffentlich ©ünbigenben öffentlich mit Betweifen belege, ©enn alfo »on Semanb ein Berbrechen öffentlich unb im Kngeftchte Bieter begangen iff, »on bem nicht ju jweifeln, baf baburch Zubern ein bofeg Beifpiel gewdhrt worben, fo foll biefem eine feinem Bergehen angemeffene öffentliche Bufe aufgelegt werben, bamit er Siejenigen, welche er burch fein bofeg Beifpiel jtt böfer ©eflttung aufgefobert hat, burd) bag Beugnif feiner Beffetung auf ben rechten ©eg §urüdrufe. Ser Bifcfyof fann aber biefe öffentliche Bufe in eine geheime »erwanbeln, wenn et biefeg sweefmöfiget ftnbet". Über ben 2fb= laf felbfl hat bie Äird)e gar feinen ©laubengfafs aufgefiellt, weil fotche ©laubeng= fd|e nur in ben canones, beren über ben 'ilblaf feine »orhanben, auggefprodjen ftnb; einjig ein decretum hat fte, unb jwar in ihrer lebten ©if;ung, über ben Jfb« 30 %bhf taf erlaffen, meld)eb wörtlich fo tautet: „35a bie 50?adf)t, Abldffe ju erteilen, bet Äircfye »on ©fjrifiub »erliefen ift, unb fte biefe if)t gottlid) erteilte ©emalt fdjon ju ben dlteften Seiten aubgeübt f>at, fo lef)rt unb »erorbnet bie fettige ©pnobe,baf bet bem c^rifltictjen SSotfe fefyr heilfame unb burd) bab Anfeljen ^eiliger ©onciüen betätigte ©ebtaud) bet Abldffe in bet Äittf)e betjubef>alten fei, unb bes legt ©oldje mit bem anathema, welche ffe entweber für unnüfs erftdren, ober, baf felbe ju erteilen in ber .Kirche bie ©emalt fei, befreiten, ©ie will jebod), baf in ©rtheitung ber Abldffe, nad) ber alten unb in ber Äirdje bewahrten ®ewohn= heit, Siet unb Ptaf gehalten werbe, bamit bie fircf)ttd)e 25ibciplin burd) ju grofe Seid)tfertigfeit nid)t entkräftet werbe. 25a bie Kird)e aber tritt, baf bie t)ier ein= gefd)Ud)enen Ptipbrauche, burd) beren ©etegenfjeit biefer erhabene fJtame ber Ab= taffe »on ben Strtetjrern befd)impft trieb, abgeftettt unb »erbeffert trerben, fo »erorbnet fte burd) gegenwärtiges 25ecret attgemein, baf alte bie fd)dnbtid)en, f)ier »orfommenben ©elbgetrinnfte, aub benen beim cfriftlidjen SSotfe bie meljrften Urs fachen ber Ptif brauche entjtanben ftnb, gdnjtid) aufgehoben werben. 25a aber bie übrigen Ptifbrdud)e, welche aub Aberglauben, Unmiffenheit, Unef)rerbietig= feit, ober wo fonft immer her entjlanben ftnb, wegen ber »erfdjiebenattigen Sets berbniffe ber £5rte unb Prooinjen, trobei fte rorfommen, nidjt fügtief) fpeciett f)iec Betboten werben fonnen, befiehlt bie ©pnobe atten Sifd)6fen, baf ffe, einjeber, begleichen Ptifbrauche ihrer Äirdje fleifig fammetn unb in ber erften Proötnjials fpnobe rotbringen, bamit ffe auch burd) ber anbern Bifchofe Urtheit für Ptifs brauche anerfannt, fofort bem oberften Bifd)of ju 9?om »orgetragen werben, nach beffen Anfeljen unb SBeibheit, wab ber attgemeinen Kirche angemeffen ift, befttmmt werben fott, fobaf bab Amt ber heiligen Abldffe fromm, heilig unb unrerborben für alte ©laubige »ermattet werbe". 25ab SSerfaufen ber Abtdffe hat biefemnad) in ber 2Birflid)feit ganj aufgehort, unb ba bie Kirchenbufen nicht wieber inb Seben getreten ftnb, fo liegt fdjon barin Seranlaffung genug, bie Abtdffe alb heitfam ju betrachten, wenn auch etwa nur in ber Bejiefjung, baf burch bie jur 6rian= gung ber Abtdffe »orgefchtiebene Seichte, ©ommunion unb ©ebete bah ©emüth beb ©htifien öom Seitlichen abgewogen, unb wahre, anfjaltenbe Befferung beforbert Wirb. 25er Abtaf wirft Stoff, Beruhigung unb Aufmunterung (II. Nov. II, 6 — 8), hat bie fird)tid)e SBieberoereinigung mit ber ©emeinbe ber Zeitigen unb bie Sheilnahme an jenen ©ütern jurgotge, oon benen bet SSüfer »orheraubges fchloffen war. 25et ©eiff ber Kirche ift noch immer berfetbe wie in ben altern Sei= ten. 25ie alte Bufbibciplin ift »on ber .Kirche nie förmlich aufgehoben worben, »ietmehr, wie eben gejeigt, »om ©oncilium ju Srient für bie Sheotie beftdtigt. 25ie Kirche übt noch immer bie Leitung beb S3ufgefcf)dftb burd) ihre 35iener aub, weldfen fte ben Auftrag gibt, ben ©ünbern nad) Ptafgabe ihrer Sergehungen auch fdjWetete Bufwetfe aufjutegen. SBatum fott ffe nicht einen Sheit ber nad) ihrer Anweifung aufjulegenben ober aufgelegten Sßetfe ertaffen fonnen, wenn ffe ftnbet, baf bie Pönitenten einer folcfen Pad)fid)t wütbig ftnb; welche SBürbig* feit aber freilich »on ben 25ienern ber Kird)e, bie mit ben Büfetn unmittelbar »er= fehren, beurteilt werben muf, bamit fo burd) ihre f)anb ber »on ber Kitd)e ertheilte Abtaf, feinem Swecfe gemdf, heilfam aubgefpenbet werbe. Bettarmin fobert }U einem Ablaf, baf baburd) ein ©nbjwecf erhalten werbe, ber©ottans genehmer fei alb bieBufübung, »on ber bet Ablaf befreit, unb jweitenb, baf bab 9Serf fetbft mit bem ©nbjmecfe in einem Berhdltniffe ftehe. — Plan fieht, baf über ben Ablaf gar fein ©laubenbfafj befteht. 25arum ift benn auch feinebmegb Sehre bet Kirche, fonbern reinweg ben Pri»atanftd)ten ber ©injelnen überlaffen, ob ber Ablaf unb bie 3bee beb Segefeuerb (f. b.) in einer Betbinbung flehen. 6b ift aber beftimmt falfd), wenn manche Proteftanten behaupten, bie fatholifche Kirche taffe ben Ablaf flatt ber ©ins 31 »lauf 3Cbo neSanbetung, (affe ign als ©ünben»ergebung gelten; jebet VolfSfatecgiSmuS beweift baS ©egentgeil. ». e. Ä. Ablauf, in berVaufunjt, befonberS bei ben ©aulenorbnungen, baöje= nige ©tücf ober ©lieb ber ©aule, tt>elcf>eS in Sorm eines einwärts gefegten ViertelfreiSbogenS ein üocfpringenbeS oberes ©lieb mit bem barunter befinblicfjen fleinern »erbinbet, alfo gleicgfam ben Übergang »on bem geringem jum großem Umfange ber ©aule bilbet. Ser Anlauf »erbinbet bagegen ein »orfpringenbeS um tereS ©lieb ober ©tücf mit bem barüber beftnblicgen fleinern, unb bitbet fo einen Übergang »om großem jum geringem Umfang ber ©aule. — Abläufen fagt man »on neugebauten ©cgiffen, bie man »om «Stapel laßt, inbem auf beiben ©eiten bei bem .Kiel, ober unter jien großen Valfen beS©cgiffS, 2 fiarfe runbe ^öljer gelegt werben, bie hinten I)6f)ec als »om, folglich nach bet 9Baffet= feite niebriget liegen. Vorn bei ben Vorjtee»en werben biefe $oljer mit Seife be= firmiert. Sw SBaffer liegt eine Kinne, worein ber .Kiel paßt. Seim Abtafjen beS ©d)iffS »om ©tapel fd)ldgt man bie ©fügen weg. ©S wirb mit ©d)rauben hinten bei ben -fjinterjleeoen in bie ^>6f)e gefchtaubt, woburch eS einen ©cguß be= fommt, über baS $olj gleitet unb in baS SOBaffer lauft. — Sw bürgerlichen Stecht ijt ber 31 b lauf bie Verfließung beS SEerminS ober einer gefegten Seit. Ablegaten, in ber biplomatifcgen Sprache, papjtlicge ©efanbte »om jweiten Stange, bie mit einem minbet wichtigen Aufträge an einen >j?of gefenbet werben, wo fein StuntiuS ijt. liefet SEitel ifi mit bem eines Envoye gleid)= bebeutenb. (©. ©efanbte.) Ablegen ober Abfenf en ijt eine Art ber Vermehrung ber fPflanjen unb gewiffer SEgiere, wobei feine Vereinigung beiber ©efchlechter jtattfmbet. Um ter ben SEgieren gehören bahin nur bie Stegenwürmer, bie Staibe unb inSbefonbere bie fPolppen. Sei ben ©ewächfen bagegen ijt eS eine fegt gewöhnliche Vermeg= rungSart. Vtan fchneibet Sweige ab unb jiecft fie in bie ©rbe, wo fie bann Söut= jeln treiben; benn bie .Keime ju ben Steigen unb SBurjeln liegen in ber Stinbe. Sn ber ©rbe, bei hinlänglicher Seucgtigfeit, entwicfeln fxdE> 5Butäeln, unb in bet freien 8uft Steige. Sene abjufcgneibenben Sweige, womit man bie ©ewacgfe »er»ielfdltigt, nennt man Schnittlinge. ©ef>r gut ijt eS, wenn man ju»ot burch ©infcgnitte unb burch Unterbinben ber Kinbe 3Bülfte geroorbringt, benn auS bte= fen treiben bejio eget SBurjeln heroor. Übrigens muß man fie oft anfeuchten unb »orber ©onnefchügen, weilfonfi bie garten, noch wutjellofen Sweige »erborren würben. Sie ftdjerjte SJtetgobe, Ableger ju machen, ijt aber bie, baß man fcgicfs liege Sweige »on einem ©ewacgfe nieberfenft unb ben unterjten SEgeil mit ©rbe be= becft. 2öo bieS nicht angeht, jtecft man ben Bweig burch einen Vlumentopf unb füllt benfelben mit ©rbe, bie ebenfalls feucht erhalten werben muß. SOtan wartet alSbann, bis ber mit ©rbe bebecfte SEgeil SBurjeln getrieben h at , unb trennt ign nacgger »on bem Vtutterjtamm. Abnorm (abnorma), »on ber Siegel (norma), b. i. ber Staturregel, ab= weicgenb, unregelmäßig, bager aucg fo »iel a(S franfgaft, j. V. abnormer j3m jtanb, franfgafterSujtanb. — Abnormitäten ftnb regelwibtige, franfgafte ©rfcgeinungen an Staturgegenjtdnben, j. V. Vollen jlatt regelmäßiger Süße, 6 Singer ftatt 5 u. bgl. Abo (fpr. £>bo), fümifcg SEurfu (1100 £., 11,300©.), feit 1817 nicht megr $auptji. beS ®ou»etn. Sinnlanb; bie rujf. Stegierung fucgt jebodf) auf anbre Art benStagrungSjianb biefetJpanbelSjtabt ju geben, bie aucg ÄreiSgauptjtabt, ©ig eines lutg. ViStgumS,. baS 1817 jum ©rjbistgum ergoben würbe, unb beS Sujtijgofs für ©übft'nnlanb geblieben ijt. Sen «fjafen ber Stabt bilbet bie Vtüm bung beS SiuffeS Aurajocfi, ben ein Vorgebirge am botgnifcgen Vteerbufen fcgfigt. ©te Stabt gat feit 1817 eine SQSecgfel=, SepofitionS» unbSeigbanf, bie -£aupt; 32 Abo (Stiebe ju) Abplattung bet @tbe auSfubt au§ ginnlanb nad) ©djmeben unb felbjt bem SD^ittetmecre, babei wichtige gabrifen in 3ucfer, gebet, geinwanb, Segeltuch, Seilerbahnen, in ©las, grobem ganbtuef) tc.; befonberS baut man »iele Schiffe auf ben tjiefigen Sßerften. 25aS »on ©ufta» Abolf 1628 errichtete ©pmnaftum »ermanbelte dfjriftina, -Königin »on Schweben, in eine Unioerfttat, bie »om Kaifet Alepanber reidjer auSgefiattet, nach bem ©tanbe oon Äbo 1827 aber nad) -fjelfingfotS (f. b.) »erlegt mürbe, ©ie batte 1824 40 fProfeffoten unb über 500 ©tubenten, eine ©ibliothef »on 30,000 SSbn. (bie f)«ubolb’fd)e »erbrannte mit), einen botanifeben ©arten, eine Sternwarte, ein anatomifcfeS Sbeater unb chemifcheS gaboratorium, ein S02ünj= unb SOtineraliencabinet, e. meebanifebe unb ofonomifebe 3J2obeUfamm(ung, e. ©e; fellfcbaft ber SBiifenfd)., e. für bie fPhpfiosraphie > c - S3i6etgefeUfd>aft tc. griebe ju Abo ben 17. Aug. 1743 jwifeben ©d)wcben unb IRußlanb. liefet ©ertrag enbigte ben auf granfreid)S Setrieb, um SJußlanb »on ber 5Xheil= nabme am offr. ©rbfolgeftiegc abjubaiten, jwifeßen SJußlanb unb Schweben am 4. Aug. 1741 abgebrochenen Krieg, in weldjem bie SJuffen, nad) gacp’S Siege bei SBUmanftranb, ben 3. ©ept. 1741, burd) bie gebier ber fd)Webifd)en ©es nerale gdwenljaupt unb ©ubbenbrog ganj ginnlanb eroberten. 3)ie Kaiferin Elifabetf) »etfpracb jebod), einen großen Sbeil ihrer Eroberungen jurüd^ugeben, wenn Schweben (fiatt beS Kronprinjen »onSanemart) benfPrinjen Abolf griebrid) »on #o[jieins©ottorp, Sifdjof »on gübeef, jurn fd)Webifd)en Sbronfotger erwählte. jDieS gefdjab ben 4. 3>uli 1743. ©o fam 1751 baS -£>auS oF)olftein=®ottorp auf ben fd)Webifd)en Sbton, ben eS nach ©ufta»S IV. Abolf Abbantung, burd) ben ©efchluß bet 9teicf)Sftdnbe »om 10. ©tai 1809, unb mit, bem SEobe Karls XIII. (ben o 5. gebt. 1818) »erloren bat. 9tad) jener 9Baf)t warb ber Scflußfcieben ju Abo unterzeichnet, in welchem Schweben an fKußtanb bie ftn= nifdje ^)ro»inj Kpmmettegorb mit ben Stabten unb gelungen griebtid)Shamm unb SBilmanfiranb, fowie ©tabt unb gefrung 9tpSlot abtrat, ©eitbem machte ber Kpmmenefluß bie ©renje gwifdfjen Schweben unb Stußlanb, bis biefe 9Kad)t in bem gtieben »on griebrid)Sbamm (ben 17. ©ept. 1809) ganj ginnlanb erhielt, hierauf warb ju ©t.s^PeterSburg ben 25. Suni 1745 ein Sünbniß jWifdien ©cbweben unb Ölußlanb abgefd)loffen. Abolition, eine ©egnabigung, woburd) Sentanb ohne Unterfucbung »on einer »erwirften Strafe befreit, ober ein eingeleitetes Griminaluerfahten »or AuSmittelung ber ©djulb ober Unfdjulb beS Angefd)ulbigten aufgehoben wirb. ©ieS 9?egierungSred)t ifl in mehren Staaten »erfaffungSmdßig befdjranft, »or= jüglicb bei Anfragen ber ganbjtdnbe gegen ©taatsbiener, }. SS. SDSürtemb. ©erf.s Urf. »on 1819, §. 205. Sn SSaietn i|t Abolition nad) angefangener Unterfucbung in allen gdUen »erfajfungSwibrig. ©erf.sUtfr »on 1818, SEit. 8, §. 4. 37. Abonnement, als #anbelSbegriff unb bei plagen im Sbeatertc., ber ©ertrag über bie SEbeilnabme an einer «Sache ober Unternehmung auf eine bes fiimmte 3dt, ju einem befHmmten fPreiS, ber gewöhnlich »orauSbejafjlt wirb. SDlan abonnirt ftd) j. ©. auf eine Seitfcbrift, auf einen fPlab im SEbeater, er= halt ©eibeS burd) baS Mittel bet ©orauSjahtung unb babureb, baß man nun als ein täglicher Abnehmer ober ©efucher betrachtet werben fann, baS Eine wie baS Anbre ju einem wohlfeilem greife. (5Wan »ergl. fPrdnumeration.) Aborigines (lat.) werben bei ben ©efd)id)tfcbreibern bie dlteften Ein= wohnet eines ganbeS genannt, bie ftd) bei ber Ausbreitung beS menfd)lid)en ©es fd)led)tS juerfi barin niebergelaffen haben, unb übet beren Urfprung (origo) unb -fterfrmft ficb nichts ©efiimmteS fagen laßt. S5ei ben rdmifeben ©efcbid)tfd)reibern wirb bie ©6lferfd)aft fo genannt, bie »or ber Anfitnft ber SEtojaner in ber ©egenb beS heutigen 9tomS wohnte. Abplattung ber Erbe, ©on ber Schwungkraft, welche eine gcilge Abptok« Akacabaka ’ 33 bet Umbteljung bcS ©tbEorperg um feine Are ift, muffen nothwenbig bie verfcpebe= nen Steilebeptben, nad) SJtapgabe if>rec vetfepebenen Sage gegen biente, ver= fepebenartig betupf werben; um bie ^)oie am wenigften, um ben Äquator am meiften: bieg erpllt burcf) blopeg 9tad)benEen, wenn man fid) eine brepnbe Äu= gei »orftellt. 25a biefe ©djwungEraft einen SEpÜ bet nad) bem SKittetpunEt bet Crrbe gerichteten ©cpverfraft aufhebt, fo muffen bie Potpet um bie fPole ftdrEer nad; bemfelben pngejogen werben alg um ben Äquator, unb als biefe SBirEung fid) mit bet urfptünglid) flitfft'gen SSefchaffenpit beö GrrbEorperg üetbanb, fo mup= ten fid), in golge bavon, bie fPolargegenben mep einfenfen, abplatten, inbep bie Aquatorialgegenben ringförmig auffdjwollen. Sie ©rbe erpelt fo ipe jepge pometanjendl)nlid)e ©eftalt; bie Ape verEurjte fid) gegen ben 25utd)meffer beg Aquatorg, unb biefe 83erfcpebenpit in beiber Sange ift bag SRap ber Abplattung ber 6 rbe; fobap ber AugbrucE, bie Abplattung betrage 5 . 85. T hr, fagen will: wenn bet Äquatorialburdjmeffer in 230 gleiche SEpile getpilt ift, fo enthalt bie Are nur 229 folcpr SEpile; fie ift um fütrjet alb jener. ©0 pd) ptten juetji fjtewton unb J£wpgeng bie Abplattung aug ben allgemeinen, angegebenen ©tun= ben gefd)dp. Späterhin map man wieberplentlid) ©rabe beg ©tbmeribiang in ben fPolar= unb Äquatorialgegenben (f. ©rabmeffung) unb fepop aug beten Sdngenverfcpebenpit auf bie Sdngenberfcpebenpit ber jugeprigen Surd)meffer. Oteuere SDteffungen geben bie Abplattung = -rre, wonad), wenn ber Surd)= meffer beg Aquatorg = 1719 geograpp SReilen, bie Ape nur 17131 folcpr 5Rei= len enthalt; nad) ÜJtuncfe ift ffe jwifd)en unb (populair belehrt über bie- fen ©egenfianb S3obe in ber „Anleit, jut allgem. Penntnip ber ßtbfugel" (83erl., 3. Aufl.), im 3. Abfchn. ber 2 . Abtp Sie ftrengere matpmatifcp (StEldtung ftnbet man im Art. Grllipticitdt, in Älugel’g „SDtatpm. fSBorterbud)". D. N. Ahpro^en, f. Äanone. Ahracababra, ein magifcheg 5Bort, mit welchem man epbem bag gieber, befonbetg bag fjartnacEige, viertägige 2Bed)felfteber unb ben dpmitritdug, ein gemeiniglich tobtlicpg gieber, vertreiben ju Eonnen glaubte. Sefst wirb biefeg SBort meiftentheilg nur im ©djetj gebraucht unb ift, wie >£oEugpoEug, eine niepgfagenbe Zauberformel. 9Rad) bem baftlibifcpn Arjte £l. ©etenug ©ammo= nieug mup man biefeg SBort fo fepeiben, bap ein magifcheg SceiecE entftehe, wenn eg bie vermeinten SBirfungen hervorbringen folle; ndmlicf) Sber alfo: ABRACADABRA BRACADABR R A C A D A B A C A D A CAD A Abracadabra Abracadabr Abracad ab Abracada A b r a c a d A b r a c a A b r a c A b r a A b r A b 8 Benn bag SreiecE auf biefe 5öeife bebecEt wirb, fo Eommt immer bag fSöort Abra* @om>.=eep. (Siebente Attfl. 58b. I. | 3 34 Abrafyam cababra fjecauS, mag man nun, uon A onfangenb itnb mit bem testen 33ud;ftaben ber crjten Seile fcfjltcfjenb, bet bem Siefen in eine Seite übetfptingen, in welche man wilt. ©ciec()ifd)e Anutlete, welche mit ABPACAAABPA betrieben ftnb, taffen eg ntrfjt zweifelhaft, bap biefeg magifche 5Bort eigentlich Abrafababra ge= fprodjen werben muffe, ungeachtet bie Suben auch bafür Abracalan fagen. Bag Sßoct 2fbcafababca heißt aber n>at)tfd)eintid) göttlicher Augfptud), uon bem heiligen Flamen beg höchften SESefeng Abrafap ober Abtag. Stach Anbrer Sfteinung foll bag 3Bort Abrafap aug ben Anfanggbudjftaben ber £)ebtaifd)cn 2ßortet Ab, Ben, Ruach hakodesch (23ater, ©of)n unb heiliger ©eift) unb aug ben Anfanggs luidijflaben ber griechifchen SEBörter amrrjQiu uno 'gvXov (djeil oom $olje beg Sreujeg) entjlanben fein. Bag SBort Abrafap ift webet agpptifd), noch gcied)ifch, nod) hebtaifd), fonbetn perftfeh, unb bezeichnet ben petftfcheit Sonnengott 9Ritf)ra§. Übrigeng fchtieb ber Aberglaube bag SBort Abracababra auf bie oorgenannte SSeife in Sriangelgejlalt auf ein oieredigeg ©tuefefen Rapier, brach eg fo jufammen, bap bie ©chtift inwenbig oerbedt war, burchndhte eg über bag Äreuj mit weipem Swirn, befefiigte an biefem S5riefd>en ein bünneg leineneg 83anb fo, bap man per= mittelji beffelben bag magifepe Bing um ben fhalg hangen fonnte bergeftalt, bap eg big in bie Herzgrube reichte, trug eg nun 9 Sage am Jpalfe unb ging bann ftill= fcftoeigenb früh SJtorgeng not ©onnenaufgang an ein Söaffer, welcpeg nach SJtors gen flop, nahm bag Saubetbriefchen oom $alfe ab unb warf eg rüdlingg, ohne cg jebod) aufmachen unb lefen ju bürfen, ing 2B affet. ©. ©rotefenb in ber „Gm ctdlopdbie uon Grfd) unb ©ruber". Abraham, ber ©tammoater ber Suben unb ihr berühmtefter^)atriatd). An ihn fnüpfen ftd) bie ©efchid)te beg ifraelitifchen SBolfg, bie bemfeiben uon ©ott gemachten Eöerheipungen unb bie ju feinen ©unfien gewirkten SBunber. @eb. ju Ur in (5£jalbda, ungefähr 2000 % t>or Gt)r. ©eb., flammte er uon ©em, Stoap’g dlteflem ©ohn, in ber 8. ©eneration. Gr oerlebte feine erffen 3ab te in bem $aufe feineg Söaterg Share, tuo et uor ber Abgötterei bewahrt blieb, bie in feiner gamilie herrfd;te. ©ehotfam ber ©timme ©otteg, welche, auf feine ^of>e Seftimmung htnbeutenb, if;m befahl, ftd) in bem fianbe Äanaan nieberjutaffen, ging er bahin mit feinem SSater, feinem SEBeibe unb feinem Steffen, unb liep ftch nieber ju Baratt in SRefopotamien. Stach feineg Sßaterg Sobe führte er ein uns fldteg heben, ttjeilg um ftch bem SBillen ©otteg ju fügen, theilg um bequeme SBeibepldbe für feine zahlreichen beerben ju ftnben. Gr befuchte Sichern, S3etf>el unb bag hanb@erara, uon wo er nach S3etf)et jurücflehrte, häufige ©treitigs feiten gtüifdjen feinen unb hoth’g Änecpten führten enblich jwifchen SSeiben eine Srennung herbei. A. blieb ju SRambrep, ßotf) aber liep ftd) in ©omotra nieber. Alg er einige 3eit nachher erfuhr, bap 4 arabifche Anführer ©omorra überfallen unb Soth mit feiner ganzen gamilie unb döabe weggeführt hatten, uers folgte fie A. mit feinen 318 Unechten, beftegte fie unb befreite feinen Steffen mit Allem, wag if)m angehörte. ©ott hatte A. bie Sufunft offenbart unb fein S3ünbnip mit ihm unb feinen Stacpfommen butep bie ootgefeptiebene 58efchnei= bung befiegelt. ©d)on fd)ien bag pope Alter ber beiben ©atten bie Gtfüllung bie* fer Söerfprecpungen zweifelhaft ju machen, alg 3 Gnget in ber ©eflalt uon Steh fenben bei ihnen einfehrten. ©ie waren abgefanbt, ©obom unb ©omorra für ihre Sfuchloftgfeiten ju (trafen, unb uerfünbigten A., bap bei ihrer {Rüdfehr ©ara SJlutter fein würbe. Ungeachtet ihreg 90jdhrigen Alterg warb fie fd>wan= ger unb gebar ju ber uon bem Gngel angegebenen Seit Sffaaf. Alg berfelbe fein 25. Safjr erreicht l) a tte, wollte ©ott A.’g Sreue auf eine neue sprobe (eben unb befahl ihm, ben einzigen ©ohn auf bem SSerge 3Roria ju opfern. Ber ©reig War . bereit, bem ©ebieter über heben unb Sob ju gehorchen. ©d)on lag bag Bpfer auf bem ^oljftop unb follte ben Sobegflreich empfangen, alg 2Cbrafiam a ©ancta (Sfara 2(brante§ 35 ©ott, butd) ben ©eforfam feines Äned)teS befriebigt, beffen aufgehobenen 2(tm hemmte. ©ara ftarb; 2 1 . aber heiratete ©etljura, rneldje if>m noch 6 Äin= ber gebar, unb flatb felbft 175 5. alt. ©r warb an ©ara’S ©eite in ei= ner $6f)le beS gelbes, baS er ju feinem ©rabe von bcn ©ofjnen £eth ge= fauft batte, beerbigt. — fRid)t allein bie Snben, fonbern aud) bie2fraber leiten ihren Urfptung von biefem Patriarchen ab; bie griecififche unb tömifche Äitd)e h«t feinen tarnen in ihre Segenben gefegt. 2fud) im Äoran ifi von ihm bie Siebe, unb einige mobammebanifcbe ©chriftjteller behaupten, baf 21. nach 9ReEfa gereift fei unb ben Sempel bafelbft ju erbauen angefangen h«be. 3Die Suben haben ftets fein ©rab unb fein 2fnbenlen geehrt; aber ihre fRabbinen haben in feiner @efd)id)te bie SBahrheit mit ber Söge vermifcht. 2fbrah öm a ©ancta ßlara. Oiefer wegen ber Originalität feines föortragS ju feinet Seit berühmte Äanjelrebner mar ben 4. Suni 1642 ju Ärdf)en= heimjletten unmeit SRoSfitd) in ©chmaben geboren unb hieß eigentlich Ulrich SRegerle. ©r trat ju SRatienbtunn in Unteroftreid) 1662 in ben Orben bet 33at= fuper=2fuguftiner, ffubirte ju SOBien in bem bortigen Älofter feines OrbenS Pf)t= lofophie «nb Rheologie, Eam bann als Ptebiger nach Ä[öfter Sara in Obetbaiern unb mürbe 1669 als Eaifert. ^ofprcbiger nach 3Bien berufen, in melchem Sofien er ben 1. Oec. 1709, 63 5. alt, ftarb. ©tetS arm unb heiter, befudjte er furchtlos in feinem S3erufe bei ber Peft 1679 bie Äranlen. ©eine Prebigten zeichnen ftd) burch burleSfe .Originalität aus unb ftnb roll feltfamer ©infdlle unb hoffen. Oiefe ©igenfchaften, meldje ju bem ©eifte ber bamaligen Seit recht mof)t pafften, vet= fchaften ihm zahlreiche Suhorer, unb baflemit einet grofen Popularität unb ei= nem fcfjarfen 5Bi|e, bet nach allen ©eiten um ftd) fprubelt, vetbmtben ftnb, btie= ben fte nicht ohne jßttfung. Sßit fuhren einige feiner ©chriften bem Sitel nach an, meil biefer ben barin herrfchenbenSon djaralterifirt: ,,«£>ut) unb Pfup ber SBelt, ober von benSugenben unbSaftern"; „djieilfameS ©emifch ©emafch"; „2fbra= harn a ©ancta ©lata ganj neu auSgehecEteS fRarrenneft ober curieufe SÜJerfffatt mancherlei(Ratren unb fRdrtinnen"; „Steint bich ober ich lies bid) nicht"; „®acE, gacE, gacE ein @i, fagt maS bie Äitd)fahrt unb Äloftertara fei"; „SubaS ber ©rj= fd)elm" tc. 2fbraham a ©ancta Clara mar »on ber fRatur ju einem SSolEStebner berufen, unb unter feiner poffterlichen unb 6arocEen2(upenfeite liegt ein tud)tiger83er= fianb, mit tiefer 9Renfd)enEunbe unb einer grofjen 3Ba£)r£)eitSliebe oetbunben. SSRit ber Eöhnften greimuthigEeit jüd)tigt er bie ©ebtedjen feiner Seit unb fleht in feiner bunten, aber hoch Erdftigen unb feurigen Profa bem matten SfRpfiiciSmuS unb ber ffeifen ©pi|ffnbigEeit ber metfien Äanjelrebner feiner Seit einzig entgegen. 2tbraf)amtten, ober böhmifche 35eiften, mürbe eine2f«jaht un= miffenber Sanbleute aus ber parbubiger Jperrfchaft in SSohmen, bie, bem Soleranj= ebict SofephS II. vertrauenb, 1782 aus ihrer OunEelfjeit heroot'traten unb ftd) ju bem ©lauben beEannten, ben 2(braham not ber 33efd)neibung gehabt habe, non ben inquirirenben faiferlid)en S3eamten genannt, ©ie nahmen aufet ber Sehre von bem einigen ©ott unb bem fBater Unfer fRichtS aus ber Sibel an. fffieil fte meber ben Suben noch einer ber recipirten cj)tiffliehen ©onfefftonen angeboren mollten, mürbe ihr ©cfud) um ^Religionsfreiheit abgemiefen. Oer in ©adjen ber ^Religion meniger, als gemöhnlid) angenommen rnirb, aufgeEldrte Äaifer Sofeph lief biefe fonfi unbe= fd)oltenen Seute, ba fte allen 83eEef)t:ungSverfucben miberffanben, 1783 auS ihrem ©igetttfum vertreiben unb burd) militairifche ©emalt ju 2 — 4 vereinzelt nach verfchiebenen ©renjorten von Ungarn, ©iebenbörgen unb ©tamonien bringen, mo bie SRdnner unter bie ©tenjbataillonS gejletft unb jum Shell (im SSannat) nebfi ihren Sföeibern jum fath- ©lauben gebrad)t mürben. 9Rel)re ftnb auf ihren OeiS= tftuS geftorben. (©. ,,©efd)id)te ber bbhmifchen Oeifien", Spj. 1785.) 2fbrantcS, ©tabt am rechten Ufer beS Sejo in ber pottugieftfehen Pro* 3* 36 3fbraj:a§jieine 3Cbtujjen »inj Gfflremabura mit 3500 ©nw. Sgte ^ n 9 e nn fleitcrt ^ugctn, welcge bort einen fPap bilben, baß jur (Eitabelle brauchbare alte ©cglof unb bie ©cgiffbarfett beß Sejo »on ba ab, gaben igr fletß militairifdje2Bid)tigfeit, unb fegon 1762 trotten bie bort in einem fejten Saget ftegenben Eportugiefen ben Spaniern. 1808 enbigte ju 2ft>tanteß ber l)od)ft gefährliche unb entbegrungß»olle SERarfd), ben 3u= not mit feinem $eere langß beß $£ejo burd) baß walbige, bergige unb unfruchtbare SSeira machte, inbem fxd> bie SSergfcglucgten, burd) welche bie fehr befd)it>etlid)e ©trape »on 3llcantara über (Eajtel branco führt, bort in eine feht fruchtbare, blop »on bügeln burd)fd)nittene ©bene »etlieren. Sunot lief baß©d)lop, baßerun= befegt gefunben hatte, nebft ber ©tabt in föertgeibigungßftanb fegen, unb bie ©cgnelligfeit, mit ber er nun, trog ber ©rmubung ber Gruppen, auf baß «on 15,000 fPortugiefen befegte unb «on 350,000 3Renfd)en bewohnte Siffabon loß= eilte, fowie bie Äftgngeit, mit ber er, um EGotf unb Regierung nid)t jur 85eftn= nung fommen ju laffeit, blop «on 1500 ©renabieren begleitet, in bie-hauptjtabt einruefte, bewog Napoleon, Sunot, trog feiner fpdtern groben militairifegen $eg= ler, jurn $erjog «on 3fbranteß ju ernennen. Sie Seftung 3fbranteß würbe ben ©ngtanbern bei ber (Eapitulation »on (Eintra ubergeben unb »on biefen noch mehr befefligt; fie blieb jebod), eine Sfecognofcirung außgenommen, bieSERaffena, alß er 1811 »or bet feften »erfd)anjten ©tellung SBellington’ß jwifegen ©antarem unb fPenicge jtanb, gegen biefelbe unternahm, in ber golge beß Äriegß ohne $EBtcg= tigfeit. 32. 3fbrapaß)leine, eine fehr »erbreitete (Etaffe »on gefd)nittenen ©teinen, bie einen menfd)lid)en Sfumpf mit menfchlichen 'ifrmen, einem dpagnenfopfe unb ©cglangenfupen, unb alß SSeifcgrift ju ihrer bejtimmtern Unterfcgeibung oft baß Süort 3fbrapaß, ober häufiger 2lbrafap, mit grieegifegen Settern gaben, bie aber einen barbarifegen Urfprung »erratgen. SBenigjfenß ernennt SSellermann („Über bie ©emmen ber eilten mit bem ^fbrapaßbilbe", 3. @t., 33ertin 1817 — 19) nur biefe alß eigentlidje 2fbrapaßjleine an. ©emmen ber 2frt, bie auß 2fgppten, 5fften unb Spanien in groper SRenge in bie europdifegen Sammlungen gefom= men finb, gehörten nach SSellermann’ß uberjeugenber 3fußeinanberfegung ber dhriftlicg = gnoffifegen ©efte ber 83aftlibianer an, unb waren halb Segrmittel, an bie man gegebne Segrfage anreigte, halb Cftfennungßjeicgen, halb Plmulete ober Saltßmane. Ser ERame 2(braraß felbft warb »on ©rotefenb für perfrfeg ober pegl= wifeg erfldrt. SSellermann glaubte ign auß ben beiben dgppt. 5Börtern Tlbraf unb ©ap jufammengefegt unb übertrügt ign: „baß gebenebeite geilig »eregrte SEßort", baß in feiner mpftifegen gorm an baß unaußfprecglicge Sletragtammaton ber Suben erinnere. 3fnbre gaben anbreSeutungen »erjuegt, unb fegon bei benähten »erfuegte man, bem ERamen bureg Sufammenjaglen ber S3ud)fiaben, biefe alß ßagljeicgen betrachtet, eine SSebeutung abjugewinnen, unb brachte bann 365 gerauß. Ser ERame 3fbtapdßftein würbe in ber neuern Seit auf eine SSRenge ©emmen uberge= tragen, bie jwat ratgfelgafte Sufammenftellungen, auffallenbe EEBorte in fon= berbaren (Egarafteren, wie 2(blanatganalba tc., felbfi bie ßetdjen beß ©abdiß* muß, Sonne unb SRonbe, neben anbern ©pmbolen tragen, bie aber beß eigentlichen charafteriflifegen SEppuß ber SSafrlibianer ermangeln. JRicgtiger nennt man biefe, Wenn eß fo fein foll, 2(brapoiben. Sie bafilibianifegen 'Üonennamen, bie auf »ielen mit ©egrift bejeiegneten ©emmen ber (Eiaffe »otfommen, gat EBellermann mit j3u= jiegung ber femitifegen ©prad)en erfldrt. Socg iff eß gut, mit feinen Seutungen bie »on EReanber gegebenen (in ber „©enetifegen ©ntwicfelüng ber »ornegmften gnoftifegen ©pfieme") äufammenjugalten, welcge bie EBebeutfamfeit biefer ©teine aufß neue bartgun., 19. 3(bruyen, ber norblicgfte SEgeil beß Äbnigreicgß EReapel, welcgerimER. unb SB. an ben Äircgehffaat, ojilieg an baß abriatifege SEReer, füblich on Apulien 37 3Cbrujjen unb Sierra bi ßattoco grerrjt, 628,600 ©tnw. auf 236 m®i. f>at unb in Jfbrusjo ulteriore 1 u. II, ben notbwefilichen, unb 2fbrusjo citeriore, ben füböfb licken SEheil, jerfdllt. Ser Apennin burdjjieijt mit feinem t)dd)flen .Kamme (bem ©ran ©affo) biefcd ©etglanb unb crfcfjmert, ba eS befonbetS in bem Ulteriore fei)t !)od) ifl unb bort fieile 2fbf)dnge hat, bie ©erbinbung im Snnetn auferorbent= iirfj. Sie in ben Tbbcujjen entfpringenben §tüffc, bet SEtonto, SErontino u. f. w., ftromen meift in fenfred)ter 9ctd)tung bem abriatifcijen ©leere ju unb haben, bie spefcara unb ben ©angro ausgenommen, ben ©fjarafter non SEBalbbndjen. @te fchwellen oft »on 9legengüffen, befonbetS im Frühjahre, plo|lich an unb jerftoren bann bie ©rüden. Sad .Klima ber Ulbrujjen iff rauf), (Schnee bebedt bie ©ipfel ber ©erge oom Setober bis Tfprit, birfjte Sßdlber fronen bie -£)bf)en, nur bie SEhdlet ftnb fruchtbar, geben jebod), ba bie ©inwohner mehr Ritten als ßanbbebauer ftnb, nur ben fpatfamffen ©ebarf non ©etreibe fjer. ©lanbel =, Nuf = unb anbte Sbjtbdume gebeten überall, Slbdume in ben tiefem ©egenben nahe am ©leere. Sie fchbnffen beerben non allen ©attungen ©ief) wetben ,auf ben Jpofym unb in ben Siedlern unb finb ber einige ©egenftanb ber 2fuSful)r. Sie bebeutenbften ©tdbte finb 2fquila, ©efeara (beibeS Sefiungen), ©hieti (baS alte SEeate) unb ©ulmona. Sie größte 2Bichtigbeit ber Tlbrujjen beftef)t in ihrer mili= tairifefen Sage. 2llS ein firategifcfjeS ©ollwerf 15 geogt. ©leiten weit in ben Äir= djenftaat oorfptingenb, werben ft'e befonberS baburd) bebeutenb, ba(i in ihnen nur eine, jebod) für eine TCrmee dufetfl befcf)mertid)e c£>eerftrafe in baS .Königreich, unb gar feine dt>nlid)e über baS ©ebirge weg oom Ufer beb mittellanbifcfen Beetes nad) bem beS abriatifdjen führt. SaS Äonigreid) Neapel famt baljet, gutoer= tljeibigt, nur auf 2 ©trafen, nämlich auf ber, bie längs beS mittelldnb. ©leeres unb ber pontinifd)en ©ümpfe oon 9lom über SEerracina unb ©apua nach Neapel, ober auf ber, bie längs beS abriatifd)en ©leeres oon Kncona über 2ftri, ©efeara it. f. tu. ins innere führt, ernftlich angegriffen werben. lluf leitetet ©träfe bil= bet jeber bet vielen parallelen §lüffe eine vortreffliche ©tellung, wo ber rechte glügel fletS oom ©leer, ber linfe oom nahen ©ebirge gebedt wirb, unb bie Slanfe beS llngteifenben oom ©ebirge aus bebrofjt iftj biefe Stellungen 51t erjwmgen, würbe bei einem tapfern ©egner viel ©lut f offen. Huf ber anbetn ©träfe bage= gen über SEerracina oorjubringen, ol)ne bie Hbrn^en im ©eftfc ju haben, iftnoch gefahrlidjer, benn fdjon oon 9lom aus würbe bie linfe glanfe, fobalb baS tfteer bei SEerracina angefommen wäre, auf bem 9Jüden beS Ifngteifenben oon bem ©ebirge aus bebroht fein. ©Inge ber Ifngreifenbe enblid) auf beiben ©trafen ju= gleid) oor, fo würbe ihm bie ©erbinbung, ehe er ©efeara, oon wo aus eine gute ©träfe übet baS ©ebirge nach ©ulmona unb SEeano führt, erreicht hatte, gdnj= lieh fehlen, er jebe ber obigen ©chwierigfeiten einzeln antreffen unb jugleid) ®e= fahr laufen, theilweife gefd)lagen §u werben. Set ©eff% ber 2fbru§jen iff baljet jum Angriff Neapels unumgdnglid) notljwenbig; ihn ju erzwingen aber fefjt fdjwierig. ©Sie fchon gefagt, iff oon ben aus bem Ätrdjenjfaate in biefe ©ro= oinj führenben ©trafen nur bie oon 9lieti über ©ioita bucale nad) Ifquita unb ©ulmona laufenbe für ©efdjüh, unb nur noch 2 anbre ftnb für gefd)loffene SEtuppen brauchbar, jebod) aud) fefjr befd)Wetlid); alle anbre 2Bege ftnb ©aumpfabe, wo ©lann hinter©lann gehen unb bie ©aoalerie bie ©ferbe führen muf. Sie ©träfe oon 9?ieti iff alfo bie einzige, wo ein dpauptangriff unternommen werben fann; auf ihr erleichtern aber ber ftarfe ©af oon Ifntrobocco unb jaljlteiche gute ©tel= lungen bie ©ertheibigung. Ifuferbem madjen bie bid)ten SBdlber mit tiefen ©d)tud)ten einen .Krieg nad) 2frt ber ©uerillaS ober ber SEirolerim 9füden beS SeinbeS möglich, unb hatten bie Neapolitaner friegerifd)en ©eift, fo würben bie Kbtttssen bei jebem Angriff gtofe Spfer foffen. 2Benn aber einem ©olfe Ntutt) unb Äraft fehlt, wenn bie ©olbaten, in feiger ©tfchlaffung oerfunfen, 38 2Cbntä&m (1821) fcf)oti 6et bem ©ebanfen an ein ©efed)t entlaufen, ijl auch baS günfligfleSEer= tain unnttg. Sabutd) ijl eS erfldtlid), bap bie jurn 23ertf)eibiguiigSfriege fo geeigneten Jlbrujjen von jef>er von tvenig Nupen tvaten, bap Neapel balb bie 33cute bet Scutfd)en, balb bie bet grartjofen ober ©panier würbe. Nur ein Nlal, 1798, erhoben ftd; bie ffieivoljnec bet Jlbrujjen gegen bie ftegreid) vor= rücfenben granjofen, ft'e tobteten bamalS ben ©enetal -fnlarion = SPoint, nahmen ben ©enetal Nufca gefangen unb fcfyabeten ben ©roberetn, befonberS bet ©olonne beS ©enetalS SuheSme, bebeutenb. Sa inbeffert b«S neapotitanifcfe cfker fd)on im Äirchenflaat gefd)lagen war, unb, tvo ftd) nur bie granjofen jeigten, aufbaS 1 feigjle benahm, fo halfen biefe augenblicklichen Jlufwallungen beS S07utf)ö bet Nad)fommen bet tapfern ©amniten, SRatfen unb ©abinet, bie, ben Sibiriern furchtbar, einfl biefe ©ebirge bewohnten, nur tvenig, unb fpdtere f leine 2fuf= ftartbe 1806 in ben Jlbrujjen trugen ju febjt ben ©harafter gemeiner 9Jdu= berfireiche, als bap fte Nubm verbienten. 1815, tvo Nlurat gegen bie Öflreidjet auSjog, war bie Negierung ju verhaft, um nad) bet ©cl)tad)t von SSotentino eU nen SBolfSftieg organiftren ju fonnen; flatt ju wiberjlehen, jerjlreuten ftch bie aus ben Jlbrujjen gebürtigen ©olbaten, als fte biefe ^rovinj bei bem Nüdjug burcp= jogen, in ihre ^eimath, unb bie glüffe an bet oftlichen Äüfle hinberten mehr ben Nüdjug ber Neapolitaner als baS SSorbtingen ber ©Segnet, bie ohne SBiberflanb fowol auf ben Äüftenflrafen als im ©ebirge mit aus leichten Gruppen gebilbeten ©otonnen vorgingen, unb burd) biefeS tafd)c Verfahren bie gdnjlkhe Jlttflofung ber neapolitanifchen Jlmtec bewirkten. — 1821 hoffte bie revolutionnaire ^Partei ju Neapel, bap bie 2Cbrujjen bie gropten SSort^eile beim $BcrtheibigttngS= friege barbieten würben, unb bie SSenbitaS ber ©atbonari, bie 58olfSverfammlttn= gen, ja felbfl bie franj. Seputirtenfammer hallten von bem 2obe beS bortigen vor= theilhaften SetrainS unb beS ©eifleS, ber bie ©inwohner als würbige Nach= fommen ihrer tapfern SSorfahren befeele, wieber. Ser ©rfolg tdufdpte bie ©t= Wartung ganglich- Nachbem bie Jlbftd)t ber £>ftreid)er, bie Jlbrujjen auf ber ©trape von ©ivita bucale nach Jlquila unb ©ulmona anjugreifen, entfchieben war, befchlof ©enetal fPepe (f. b.) bie Sffenftve ju ergreifen, ©r überfd;ritt ben 7. SNarj 1821 bei ©ivita bucale bie ©renje unb griff ben ©enetal ©eppert bet Nieti an. SSalb gingen feine Struppen nur fchwierig vor, unb eine Umgehung burch 2 SSataillonS £)flreid)er entfdjieb ben Nüdjug. SieSftceidjcr folgten fchnell, bie Sivifton SÖJallmoben fam fd)on ben 9. vor bem fiarfen Spap Jlntrobocco (f. grimont) an, griff ihn, nachbem eine anbre Jlbtfeilung vorher,ben s Pap von SSorghette mit leichter Nlühe genommen hatte, an unb eroberte ihn balb, inbem ein Stheil ber Neapolitaner aus Unjufriebenheit mit ber neuen Negierung, ein an= brer aus geigbeit entfloh. SaS ganje neapolitanifche epeet jerjlreute ftd) nun in gleichem ©eifl, bie SNilijen unb greiwilligen gingen in bie Jöeimatb jttrücE, bie Sinientruppen jogen ftd), burd) Sefertion gefd)tvdd)t, ins Snnere beS ßanbcS, unb felbfl SPepe verlief baS $eer im Born über biefe geigbeit. Jlquila öffnete fd)on am 11. bie S£hore, bie bortige ©itabelle capitulirte, unb bie ©inwohner bet Jlbrujjen verforgten bie £>flreid)et mit ßebenSmitteln, ohne bap fte.ßufl jum Parteigänger; frieg gejeigt hatten. Surd) baS rafebe Vorbringen ber £>jtrcid)er nach ©ulmona würbe ©enetal ©araScofa, ber bie ©trape von Stcrracina befept hielt,|unb ebenfobaS ©orpS, weldheS bie ©trape an bet Hüfte beS abriatifchen NteereS beefte, umgangen, unb SScibe eilten, ba auch f)tec SegionnairS unb Nltlijen auSeinanberliefen, glcid)= falls jurüd. @o enbete ein Hrieg, ber von neuem beweift, bap felbfl bie fpdffe von SSfjcrmoppld feinen SBertf) haben, wenn bie SSertheibiger feine ©Spartaner ftnb. — Sie S5ewohner biefer ©ebirge ftnb ber ©tantm beS SSanbitenvolfS, baS in ben Jlbrujjen wie in ben ©ebirgen beS ©abinerlanbeS bie ©renjen Neapels jmb beS Äird)enflaats unftcher macht, SiefeS Ndubervolf befiehl aus ben im 39 2fbfd)teb 2£bftd)t ©ebirge wohnenben 2anbleuten, bie ©gentium unb gamilte haben, neben bem gelbbauerftanbe aber nod; bad [RäuberhanbmerE treiben, von 9teij unb Sebutfnif nad) 9J?ocb unb [Plünberung getrieben, ftd; in ©efellfdjaft jufammenthun unb mit bewaffneter .£>anb auf bie [Reifenben, unb nid)t feiten auch auf bie Seroofnec unb Käufer bcö glacfylanbed lodgehen. 22. 2f b f d) t e b. 3fut. 1) Sntlaffung aud einem Kmte ober Sienfte (f. 2f nt t); 2) bie Urfunbe, womit irgenb eine berathenbe Serfammlung am (Stabe iijrer 'lh= beiten wiebet entlaffen wirb (recessus), batjer 2anbtagd = , Äreid = , 9?eid)dab= fdjiebe. @d werben nämlich alle Sefd;lüffe bet Serfammlung ober bie Sefcflüffe bed Sberherrn auf ihre Sorfcbläge unb SSitten in ein ©anjed jufammengeftellt unb ber 9leid;d=, Äreid= ober 2anbtag gefchloffen, nud? bcr 3fbfd)icb, jumalwenn « ©efefce enthält, öffentlich befanntgemacht. Sie älteften 9£eichdabfd)iebe finb eerloren gegangen; wad baoon übrig ift unb bie fpätern feit ©apimilian I. finb nur in ^rioatfammlungen gebructt worben, worunter bie neuefte unb befte »on ©enfenbetg unb £>lenfd)lager (granff. a. ©. 1747, 4 Sbe., gol.). ©eit 1663, ba ber Sfeichdtag beftänbig oerfammelt blieb, bid 1806 tonnte ein eigentlid;er fReichdabfchieb nicht mehr gemacht werben; bie [Reicbdftänbe, befonberd bie Äur= fütjlen, baten nur um einen Snterimdabfcbieb (1742 unb 1745), allein oerge= bend. — Sad engl. Parlament beobachtet noch je£t eine äf)nlid;e gorm, inbem am @nbe jeber ©effion alle oom .König genehmigte Sefchlüffe (acts) in ein @ta= tut jufammengefleUt werben. 37. 2fbfchnitt in einem geftungdwerfe heift eine jweite oerfchanjte 2inie in bemfelben, bie man anlegt, um auch nach Serluft bed ©etfd bie Sertf)eibi= gung noch fortjufefcen. ©ewohnlich befiehl ein folcher ?fbfd;nitt aud ©alt unb ©raben, juweilen blof aud einer Sruftwehr ober aud; nur aud fpatlifaben. 5(m gebräuchlichften finb bie 2fbfd;nitte in ben angegriffenen Saftionen, wo ft'e in Sonn non fangen ober jweier halben Sollwerte unb einer (Sourtine ober aud; getablinig, am beften jwifchen ben (Sourtinenpunften, angelegt werben. 2lud; in ben [Rauelind unb anbetn llufenwerfen werben fie gebraucht, güf)rt man fte fchon im grieben an ©teilen, wo man einen Angriff erwartet, auf, fo erhalten fte aud; guttcr= mauern; währctib ber Selagerung gebaut, werben fte aud (Stbe errichtet. Sie ^Jlbfchnitte finb jwecfmäfig, wenn fte ben geinb nötigen, Sattecien gegen fie anjulegen, inbem fte ihn bann um mehre SEage aufhalten; jwecflod aber, wenn fte ju eng unb ju jahlteid; in einem ©erfe gebaut werben, inbem fie bann mehr i)inbetn ald nahen, unb mit Somben beworfen, halb geräumt werben muffen. Sn neuerer Seit legt man oft ftatt ber 2(bfd;nttte cafemattirte ©ebäube, bieju (Safernen bienen unb mit ©d;ieffd;arten uerfehen finb, ober aud; 9Rontalembert’fd;c SEhürme in bie Saftionen, ©ie gewähren noch grof ent 9hthen. 2fud; in ben ©trafen ber ©täbte hat ntan in ben lebten .Kriegen ben .Kampf burd; über biefel= ben gejogene 2fbfd;nitte unb burch Senupung ber Käufer jur Sertheibigung fort; gefegt. Seifpiele hieruon finb ©erona unb ©aragoffa. 32. 2thfchnitt, in ber ©eometrie bcr SEheil bergläd;e, berburd; eine getabe 2inie, bie 2 fünfte bed Umfanged ber gtäcfje berührt, getrennt wirb, ©ö bil= bet jebe ©ebne eines (Sirfeld einen 2lbfd;nitt. 2fhficht. ©owol in ber pbpfifchen ald in bcr moralifd;en ©eit hat jebe ©itfung ihre Urfache, nur gefehlt bort mechanifd; unb bewuf tlod, wad hier mit freier, ftd; felbjt bewufter Shätigfeit gefd;iet)t. Siefer allein gebührt ber Olame ^anblung, unb nur ein uernünftiged ©efen banbett nach U(bftd;t unb Stued. ©er l;anbelt, will, baf burch feine ^anblung ©trnad wirf lieh gemad;t werben foll, unb biefed ©trnad ift ber Swecf bet ^anblung; ber freiwillige Se= ftimmungdgrunb aber, biefed Grtwad wirflid; ju machen, bie 2(6ftd;t. ©an fännt? biefe aud; ald ben porgefehten ßtpeef cdläten. llbficft unb Swecf flehen 40 2Cbfolut 2Cbfpamtunc| cilfo ju einanber in bem 5ßerhältnijt, wie Utfadje itnb SBirfung: bic SZBitfung ifi mit 5Borbewuj?tfein hert)orgebrad)t, bic Urfadje im SBillen eines benfenben SBefend unb auf Überlegung gegrünbet. 6 folut t)ei^t, wad in aller 58ejief)Uttg, ofjne SiücEftcht unb 58efd)rän= fung, bad unb fo ift, wad unb wie cd ift. ©d ftet>t bem Slelattoen entgegen, bad nur besiefjungdroeife unb unter SSebingungen ift ober eine gemiffe 58efd)affen= tjeit bat. Sad 2Cbfo(ute ald ©ubfiantio gebraud)t, ift bemnad) ber allgemeinfte SSernunftbegriff, ber allen übrigen jum ©runbe liegt, unb brüeft bad fd)led)tt)in 5ßollenbete unb Unbebingte aud, toelcfjed, ald ©ubject gebadet, ©ott ift. 3fbfolution (jur.), gtetfpted)ung, in ©milfachen, oon ben anhängig gemachten 2 fnfptüd)en bed Älägerd; in ©timinalfachen, oon ber erhobenen 2 ln= tlage ober Unterfudjung. ©ie ifi a) oollftänbig, wenn bet 2fngeflagte oon aller ©cf)ulb unb ©träfe freigefprocheni wirb; b) blof oorläuftg (greifprechung oon ber Snftanj), wenn Weber bie @d)ulb noch bie Unfd;ulb !lar audgemittelt finb. Sn biefem gälte fann bie Unterfuchung, wenn ftcl> fpäter neue 58eweife ftnbcn, mie= ber fortgefegt werben. Sie engl, unb frans. ©riminaloerfaffung fennt feine folche blof öorläuftge greifprechung; bad Urtfjeil muf ©d)ttlbig ober 9iid)tfd)ulbig lau= ten, unb bad testete befreit für immer oon bet 2 (nfd)ulbigung. Sn ©chottlanb wirb jwar in bet gorm9iid)tfd)Ulbig unb 9lid)tuberfuhrt (notproved) unterfd)ie= ben; aber bad Echtere hat bie nämliche SBirfung wie bad ©rfiere. 37. 2 C&fo l u tt o n. Sn ber alten djrifil. Äird)e war bie 2 fbfolution ein richten lid)et 2 fct, burch ben bie Echter im Siarnen bet ©emeinbe mit Anrufung ©otted ben 58üfjenben ©rlaffung |oon Äircbenfirafen unb Sßieberaufnahme in ben ©djofj bet ©emeinbe öffentlich anfünbigten. Sad 2fuffommen ber fprioatabfotution butd) bie in Auftrag bed S3ifcl)ofd fjanbelnben ^rieftet feit bem 4. S«h r h- brachte bie Meinung unter bad |58olb, bafj biefe aud eigner 9Jiad)t unb ohne Suftimmung ber ©emeinbe abfoloiren fonnten; bod) bebienten fte ftd) bid in bad 12 . S^ftf- nur ber gormet: ©ott ober ©htifiud abfoloite bkf)! welche noch jegt in ber gtiecf)ifd)en jfitd)e üblich ift unb aud) in ber fatf)olifd)en mit ber oben angeführten oerbunben wirb. Sie 3fbfolution, welche ju ber 58eid)tf)anbtung ber fproteftanten gehört, ifi nur eine 3 «fage unb SSerfünbigung ber göttlichen ©ünbenoergebung, unb fegt ein aUgemeined ©ünbenbefenntnif, 9ieue unb 5ßerfpred)en ber SSefferung ooraud. Sie Äirchenoäter unb bic neuern £l)eoIogen, weldje ben ©eift bed ©hrifienthumd richtig ernannten, finb barüber einig, baf ©ott allein ©ünben «ergebenunb «on ©ünben befreien fonne, eine richterliche ©ewalt über bie Seelen bet ©l)ri= ften aber ben 5priefiern ober Eehtern nid)t jufomme. (5Bgl. 58 eichte unb •58 u f? e.) 31. 2C b f o l u t i d nt u d, bie 58ehauptung unbebingter 5p r ä b e ji i tt a t i o n (f. b.). 2fbfolutorium, aud) Eiberatorium (lat.), decharge, ein Urtheii ober ©rflärung, woburch Semanb uon einem 3fnfprud), einer 58erbinblid)feit, 58er= antwortung u. f. w. lodgefprodjen wirb, 5 .58. ein ©affenbeamter, ein 5Botmunb ober anbrer 5ßermalter. ©ine folche ©ntlaffung ifi aber nur in öffentlichen 5ßet= hältniffen gültig, wenn fte in gehöriger gotm oon ber competenten 58ef)orbe unb nad) gefeglicfjer Prüfung ertf>eilt ifi. ©üt 2fbfolutorium bed Siegenten fdjüfjt nid)t gegen ben Siachfolger. 2 fbfonberung’düetmbgen, f. 2fbfiract. 2 fbforbentia, Heilmittel, welche bie geudjtigfeit bed Äotpetd an ftch Sieben, unb bie Säuren, 5 .58. im SOiagen, einfaugen. 2 tbfpannung, bad Siachlaffen ber Äräfte, weld)ed bei übrigend befie= h’enber ©efunbf)eit juweilen auf einige Seit eintritt, ifi entweber in bem Eeben fetbft gegrünbet ober burch befonbere Tfnfirengung herbeigeführt. Sad Eeben be= barf eined in ftch jurüeffehrenben Umlaufd, bet am Sage flärfer unb in ber Vlafyt 41 2Cbfiammung be§ SJlenfdjengefdjlcdjfg fd)tt>drf>ec, im gtühling mef)t nad) Ülttpcn, im Sßinter im Snnetn bemerfbar ifi. 9lad) einem äeitraum t'rdftigern 5Birfen$ ermattet ba$ 2eben, um bann oerjüngt ftd) triebet f)6f>er ju beben. 3fn bet Jfbfpannungöfrifi ifi bie 2£f)dtigfeit geringer, man arbeitet langsamer, müf)e»oller, fcblecbter als fonfl unb fub>lt ftd? ermattet. (Setbfi bie greube ifi bann minber lebhaft, bie ©emütbäbemegung ifi felbftfüd)ti= ger, reizbarer, teid>t ungered)t, felbfi hart gegen 2fnbre; bie ülbfonberungenoer= minbern ftd), bie föerbauung ifi träger, bie $aut= unb £ungenau«bünfiung ge= ringet unb lefttere bisweilen übetriedjenb, bie ^aut ifi raub, trotfen, ba$2fuge matter, baö djaat fiarrer, bie fftagel haben weniger ©lattj. 2Cber biefe 2fbfpan= nung ifi ber 5Seg ju höherer 2b«tigfeit bes ßebenö; wdfjtenb bet .Keife wirb ber ©djlaf etqiticfenber, bie Ausleerung reid)lid)er, bie AuSbünfiung «ermef)rt ftd), bet c&atn ifi gefdttigter. liefet Umlauf ftnbet in jebem SJionat einmal im SDlen= fdjen fiatt unb mup Keinen erfebteefen. 5e ruhiger man bie Ktife abwartet, je fcbneller hört bie Abfpannuttg auf. COian befd)dftige ficb in biefer ipetiobe mit leichterer Arbeit, wenn man fann, unb mahle waptenb ber Sauer, wenn man bieS ttermag, leicht oerbaulid)c Ko ft. 23etfd)ieben ifi non biefer natürlichen A6fpan= nung biejenige, tnelche golge einer übertriebenen Anflrengung ifi, fold)e mag nun geifiiget ober forpetlid)et Art gewefen fein. 4>ier bebarf bie 9iatur mehr $ülfe als bei bet periobifeben. 9Jian laffe bann bie crfchbpften Kräfte feiern unb übe mehr bie entgegengefe( 5 ten. Auf ju fiarfeS 9iad)benfen folge baher mechanifche Anfiten= gung. ©rfepopfte fid) ber ©eift, fo ifi baS beutliche 33etouftfein Seffen, was tnir gewirkt haben, ober wohin wir vergebens firebten, fchon ein ©tdrfungSmittel. Sie fbtperlid)cn dpülfSmittel mup man ja nicht übertreiben. Abjiammung be§ 9Jienfchengefchfecht§. Über bie Stage, ob baS gefammte 9Jlenfdiengefd)(ed)t non einem einzigen ^aare abjiamme, tnie in ber mofaifepen ©djopfungSgefcpicpte erzählt roitb, ober ob man ebenfo niele @tamm= paare annehmen müffe, alb ftd) ttnS dj>auptgattimgen barbieten, ifi nielfach gefiritten worben. Sap ber flieget unb ber Söeipe, ber Satar unb ber ©amojebe fammtlid) ju einem unb bemfelben ©efd)led)te gehören, ifi baburch unleugbar betniefen, bap fte bei ber SSetmifcpung eine ber tneitern Beugung fähige UlachEommenfchaft hetnot= bringen, ba tnir auperbem in ber ganjen 9iatur tnahrnehmen, bap ein auS bet 3Jer= mifd)ung non 2 nerfd)icbencn 2d)iergefd)(ed)tem entfprungeneS ©cfd)6pf unfähig ifl ftd) tneiter fortjupflanjen, tnie baS SÜlaultpier u. f. tn. Aber nicht ebenfo leicht ifi bie 9Jloglid)feit ober Umnoglicpfeit bargethan, bap bet tneipe ©uropder unb ber fchtnarje Afrikaner, bie an garbe, föilbung unb Körperbau fo mefentlkf) nerfd)ie= ben ftnb, non gemeinfdjaftlichcn Altern abflammen. Unter Sicjenigen, Welche baS ganje 3Jlenfd)engefd)ted)t non ©inetn ©tammpaare ableiten, gehört notjüglid) SSuffon. 2Bie 'Pflanjen unb Spiere unter nerfdpebenen .£>imme(Sfitid)en auSarten unb ihre urfprünglichen ©igenfepaften mehr ober weniger neranbern, behauptet er, fo auch b er fOitnfcp; unb alle Unterfchicbe ber gatbe, beS .£)aatS, beSKotpet; baucS ftnb bie SSirEung beS nerfd)iebenen Klimas auf ber ©rbe. Kant, bet in ber .ffauptfaepe gleichet SJlcinung ifi, leitet bie Unterfchiebe ber SOienfdjenfiamme non getniffen »orgeMlbeten (prdfigurirten) .Keimen unb Anlagen 51t einer befonbetn £ei= beSbefcbaffenheit ab, tneldje bie fftatur in ben für alle .fjimmelSgegenben befiimm= ten SHenfdjen gelegt habe, um gelegentlid) enttnicfelt ober jurucfgehalten ju mer= ben, bamit er feinem ipia(je in bet SBelt angemeffen, unb biefer ihm im gottgange ber 3tugungen gleichfam angeboren fcheine. £uft, ©onne, SSBaffer u. f. m. brin= gen nur infofetn getniffe 83erdnberungen beS Äorperä httnor, als fte Ifnlap geben, bap ft= ober 2 (bfonberungd«erm 6 gen, bad ©erfahren 2 tbftraction, unb benSSegriff, welcher auf folc^e 2 frt entfielt, befonbetd wenn er «on einjel= nen ©rfahtungdgcgenftänben genommen ift, einen abfirahirten SSegriff ober ein 2 (bftractum. 2)ad Sing aber, «on welchem ber Stenfd) abftrat)irt, fettst bad goncrctum. — Sad üoncretum toirb burd) bie ©rfaftung gegeben, bad 3(b; ftractum hingegen erft burd) bie ©eete herBorgebracft. ($Bgl. 6 o n er et.) 3tbftrebcs, ©entrifugalfraft, in ber ©ternEunbe, bie abfitebenbe Kraft, bie einem ^immetdEorper beigetegte SSeflrebitng, ftd) «on einem anbetn wegjubegebcn. Sutd) ben ewigen Kampf ber 3fb|irebe = unb 2tnjiehungdEraft fort bie Kreidbewegung entftefen. 3Ebjtufung, in ben fefonen Künften, ber naturgemäße gortgang «on einem £ot)etn jum liefern, unb umgeEefrt; benn nieftd gefd)ieft in ber Satur burd) einen ©prung. Sn ber Staterei ift 2fbjtufung ber garben unb Siebter bad SfJtittet, um auf ber gläcfe bie @r(jabent>eit ober Sßectiefung ber Staffen audju= brücEen, bie (Entfernungen p bezeichnen, bie ©benen anjugeben unb bie umge= benbe Suft anpbeuten. Sn ber 9 >oefte t) 6 rt man oornet)mtid) «on einer 2 (bftufung ber ©efüfjtc, Seibenfcfaften unb ßfaraftere reben. Sn Schiebung auf bie beiben ©rfiern fott bamit ein nad) ben ©efefen ber geiftigen Stcnfcfennatur richtig beobad)= teted ©teigen unb gatten berfetben bezeichnet werben; unter ttbftufung ber ©) n ' rattere aber »erfleht man tfeitd jene naturgemäße Stiftung bet Gtjarafteretcmente, we(d)e bad ßufammenbangdtofe unb ©rette hinwegnimmt, tfeitd bie Slittelftraße jwifd)en ber ©nformigEeit unb bem fd)tteibenben ©egenfafe ber gefefitberten G>fa= raEtere; benn jened ift ermübenb, bied aber unnatürtid). 3tbt (febr. Abbas, ©ater) warb anfangd jeber alte Stond), feit bem 5. Satjrt). aber nur ber ©orftefer eined Ktofterd genannt. Siefer bat unbebingten ©eforfam (Sbebienj) «on feinen Stoncfen ju fobern, bad ganze Klofter gu beaufs fidjtigen, über bie Beobachtung ber Srbendreget gu t»ad)en unb bie Ktoffergüter gu «erwarten. ©d)on feit bem 6 . Saft!). waren bie 2tbte ftetd ©eijttid)e, feit ber jweiten Kirdjenoerfammlung gu Sicäa, 787, 511 t ©rtfeilung bet Eteinern ©Seifen an it)reStond)e berechtigt, bod) im SBefentticfm ber @erid)tdbarEeit ihrer Siöce= fanbifd)bfe nod) bid in bad 11 . Safrf. überall unterworfen unb «on einanber unab= hängig. Stit ben 3teid)thümern ber Klofter wud)d bad Jfnfefen ber 2Cbte j mehre, befonbetd in ©egenben, wo bie Tfudbreitung bed ©hriftentfumd «on ben Ktojtern audgegangen war, erhielten bifchoftiche Sätet unb Otedjte, alte, atd Prälaten ber Kirdje, ben 3tang gteid) nad) ben S3ifd)ofen unb bad ©timmreeft auf Kird)enöer= fammlungen. ©teid)e ©orgüge unb 9ted)te behaupteten bie 2 tbtiff'nnen, atd ©or= fteherinnen ber Sonnenf (öfter; nur haben fte in hodjft fettenen gatten auf ©pnoben geftimmt, unb bad Srbinircn, bie Serwattmig ber ©acramente unb anbrer prie= ftertichen 3tmtdhanb(ungen würbe ihnen im 9. Soh l 'h- audbrücEtich unterfagt. Um biefe ßeit famen burd) bie ©unft ober Sott) ber Äonige 2tbteien häufig in £aien= hänbe. 5Bad fefön im 8 . Sflfrtfy- h^&föcfjtige S5arone «on einjetnen Ätoftern ers jwungen hatten, bewilligte bie ©d)Wäd)e ber Äarotinger ihren Parteigängern atd Äaufpreid für Streue unb dfriegdbienft, ba ben .Königen über bie auf bem ©ebiet ihrer Äron = unb Landgüter ober fonfl burd) Eonigliche SJitbe geftifteten 2tbteien (Monasteria regalia) bad Patronatred)t ohnehin juftanb. ©0 hatten bid in bad jo. Sahth- eine Stenge ber anfehntichften Älofter auf bem ©ebiet bet tomifchefl 44 m jfitche 2rticnd6t€ ober übtgrafen (Abbatcs milites, Abbacomites), bie alle din= fünfte biefer SPfrünben anftchriffen. 3n foldjen, tucttlicfjen feeren anljeimge= fallenen Äloftem mupte bic gei|Tliche 2fttfftd)t butd) befonbere regulirte Unterübte, Stefane ober Quoten geführt werben. Den SPrinjen unb Sptinjeffütnen beS fonigl. $aufeS würben Abteien als SSafelgüter gefd)enft, bie reichten bedielten ficf> bie Äo= nige felbfi oor (fo war .fjugo dapet 2fbt oon @t. = Denis bet fPatiS unb ©t.=9Rartin p SEourS), bisweilen freien SRonnenflofier and) Scannern p, unb 9R6nd)Sflojier «orneftmen Stauen. Dod) galt biefer, and) im bpjantinifefen Äaifertl)ume einge= riffene 9Ripbraucf) meift nur auf EebenSjeit ber bamit befd)enftcn fiaien. ©ie f)ie= pen dommenbaturabte, weit bie gorm ber ©chenfung eine dmpfef)(ung ber Ä(6= jfer unter ihren ©dph war. Demdifer, ber im Anfänge beS 10. Safjti). bie JReform beS ÄlojierlebenS betrieb, gelang allmalig bie 2lb|ic(lung fotdjer ©cf>en= fungen an Saicn, unb man fal) nun feltener fciegerifdje 'Übte, bie in SPerfon bie. ^teereSfoigc leijleten, obwoi bie unter fonigl. Patronat fleftenben Älojler noch lange gehalten blieben, ifjrc jßafa.UenpfItd)t im Äriege burd) Seitcage an ©elb unb Scuten abptragen. Dagegen führten bie Dbern ber gelbgeifilichfeit in ben Sägern ben SEitel gelbdbte, wie benn überhaupt ber 2lbtSname im SRittelalter tjnuftg niefjt nur pt S3ejeid)tutng obrigfeitlidjer (Abbas populi, ber Orator p ©enua) unb nid)t regulirter geifilid)er SÜSürbert, fonbern aud) für bie SSorftefjer religiofer unb luftiger 85rüberfd)aften (j. 58. Abbas cornardorum, stultorum, SRarrenabt) gebraust würbe. 3n golge jener non dlugnt) auSgegangenen ^Reform entfianben neue Älofler oijne Übte, benen ber 2lbt biefeS ©tammflofierS ber »erbefferten S5e= nebictiner nur SPtioten ober Proabbates , auch Coabbates »orfe(ste, bie non ifjm abhängig blieben, iöon anbern Drten auper ben SSenebictinern nennen nur bie grauen SRondpe non äklombrofct, bie difieteienfer, Sernijarbiner, geuitlanS, ärappiften, ©ranbmontaner, Sprdmonjiratenfer unb einige Kongregationen ber regulirten Chorherren bic SSorfleper ihrer Älofter Übte. SSei ben übrigen Drben ftnb bie Sitel Majores, Ministri, SPrioren ober JRectoren für bieDbern üblidp. Übtifftnncn haben, auper ben weiblichen 3tt>ctgcn ber genannten Drben, bie 9ton= nen non gonteuraub unb bie weltlichen dhorftauen. Diefe ftnb fietS unter ber ©e= rid)tsbarfeit ihrer Diocefanbifchofe geblieben, bagegen bie Übte ber befreiten ober unmittelbaren Älofter feinen anbern öfteren als ben tpapfr anetfennen. Die infulirten Übte geniepen baS im ?9?ittelalter häufig burch pdpftlidjc Segaten an 33e= nebictinerdbte »erliehene 9?ed)t, ficb bifcfjoflidjer SEitel unb Smftgnien p bebienen. (33gl. Snful.) Sie bifd)oflid)e ©ewalt mit eignen Diocefen hotte« aber nur wenige berfelbett, j. SS. bie Übte p gulba unb Äoroep in Deutfchlanb, p 9Ronte= caftno bei SReapel, p datanea unb SRontereal in ©teilien, ingranfteich feiner. SSor ber SPeriobe ber ©ecularifation gab es, jebod) blop in Deutfd)lanb, gefürfiete Übte, j. SS. p gulba, Äempten, ©t. = dmmeran in PregenSbutg, gefürfiete Üb= tifftnnen p ©anberSheim, Slueblinburg, ^erfotb, Dber = unb 9tiebcrmünfter p SRegenSbttrg, weil fte unter bie geiftlid}en SxeichSfürften gehörten, bähet aud) ihre tlbteien 1803 als gürftentf)ümer feculariftrt würben. Die 2öal)l ber Übte jteht in ber Siegel ben dapiteln ihrer Älofler p, bei ben unmittelbaren folgt barauf bie papjtlidje, bei ben mittelbaren bie bifchofltche SSeftdtigung; bod) würben oon 2fltcrS her öielc übteien in Italien öom ^)apfl unb in granfreich «om Äonige ner= möge beS doncorbatS »on 1516 oergeben. SBeltgeiftlidje, bie bergleichen ^früm ben geniepen, ohne bie DrbenSregeln p beobad)ten, Ijei^cn ©ecularabte, bagegen ihre SGicarien in ben Älbftetn felbfi, wie alle Übte, bie felbfi aus bem StRond)S= jtanbe ftnb, SRegularabte. Dft wählten jüngere ©ohne oornchmer gamüien ben weltgeijtlichen ©tanb, um burch fonigliche ©unjt ©ecularabte p werben unb, bei einer burch feine 9Rond)Sregel gebunbenen SebenSart, bod) bie dinfünfte einet übtei p geniepen. SOSeil man in granfreich auch folcfje SBeanwartfchaftete übbeS 3fl>taMn Hbufit (@d)tad)t bei) 45 nannte, vottrbe barau« ein Xitel für junge amtlofe Sßeltgeifflidje überhaupt. (@. 2(66 e.) ©eit ber (Rerotution, welche bie 2 ( 6 teien in jJlationalgüter rerwan= beite unb jenen 33eanwartfd)afteten ben ©eqenftanb ihrer ^Bewerbungen nahm, f>at fid) bie« jßolfd)en in Stanfreicf) feltener gemacht. 3af)tteid) ifl e« aber nod) in Stallen, wo man jeben jungen ©elef)tten, ber nur bie&onjut, trenn aud) fonjt nod) feine SSBeitjen hat, 2(6bate nennt. Sa nad) ber Deformation mehre ©tif= ter unb Älofter jum S3c(2en ber ©eiftlichfeit unb jur SSerforgung unrerfjeiratfjeter gtauenjimmer erhalten würben, fo gibt e« aud) erangelifche Sheologen, welche ben 2 (bt«titel fuhren, mit welcher Sßürbe bie Sanbfianbfdjaft rerbunben ju fein pflegt, wie 5 . 33. im SBürtembergifchen, befgleid)en grauenjimmec, welche 2(btif= ftnnen tjei^en. Sn Dliebetfachfen ifl jwar, bei @tnjiel)ung bet Äloflet ic., unter franjoftfcb)=wefffdlifdjer ^)errfd)aft, biefe Sßürbe abgefcfjafft worben, in einigen Sünbern jebocl), 5 . 33. im Äonigreid) -fjanorei', wieberf)ergejMt. Sie S3orftel)et ber Älofter in bet gtied)ifd)en Äird)e heifen .fjigumeni, SRanboa, unb bie ©ene= ralabte 2(rd)imanbtiten. E. %b tafeln, ein @d)iff ron ®efd)ü&, 2(n!et unb Xauwerf entblofen, unb ba« ©egelwetf in« SRagasin legen, wie fold)e« mit ben Ärieg«fd}iffen in gtieben«; Seiten gefd)ief)t. 2Cbuf tr, ba« alte danopu«, gegenwärtig ein Sorf mit 100 arabifdjen < 5 inw., hat ein fefte« ©d)tofj an ber SBeflfeite eine« geräumigen, burch eine 2 anb= fpifce unb mehre Keine Snfeln gebeif ten SUeerbufen«, an ber ägpptifdjen Äüfte, 4 ©tunben ofllid) ron 2(lepanbrien. Siefet Srt ifl in ber neuern ®efd)id)te burch bie ©eefd)[ad)t berühmt geworben, in welcher ber engl. 2 (bmiral Sfelfon rom 1. — 3. 2(ugufl 1798 bie frans. Slotte rernichtete. 6 « war am 19. 3Jlai 1798, al« [entere au« bem $afen ju Xoulon auölief, um eine 2 (rmee unter bem SSefehte be« ©eneral« S 3 onapatte nach Ügppten ju führen, ©obalb bet ror ßabij freujenbe englifdje 2 (bmiral ©t.=93incent Nachricht baron erhalten hatte, fefiebte er ben don= treabmiral Dielfon mit 14 £inienfd)iffen nach bem mittelldnbifchen SOleere ab unb gab ihm 33efel)l, bie feinbliche glotte aufjufuefen unb anjugreifen. Äaum hatte Dielfon am 1. 2(ug. bie feinblicfen ©chiffe auf ber fKljebe ron 2(6uf it erblidt, fo gab er ba« ßeichen jur ©chlacht, unb faum hatten bie frans. dapitain«, bie eben auf bem 2 (bmiralfchiffe rerfammelt waren, fid) auf ihre Soften begeben fön= nen, al« fefon bie erfien engl, ©chiffe ben 2 (ngriff begannen. SBiewol fid) bie frans. Slotte, in eine frumme ßinie geflellt, fo nahe al« möglich an eine fleine Snfel anfcflof, bie burd) eine Satterie ron Kanonen unb SWorfern gebeift war, lief bennod) Dielfon plofclirf), mit einer unerhörten SSerwegenhett, bie .fjälfte fei= «er Slotte swifchen ber Snfel unb ber frans'. ©d)tad)t(ittie butd)bred)en unb an ber ßanbfeite, im Dt liefen berfelben, h*nunterfegeln, wahrenb bie anbre «fjdlfte fid) auf ihre Sronte sog unb einen ipiflolenfchuf weit baron ror Knfer legte, fobaf bie frans, ©chiffe fowol ron beiben 23otb« al« rom ©piegel her angegriffen wur= ben. 2fbenb« halb 7 Uhr, mit ©onnenuntergang, begann bie ©d)lac!)t. Dlad) einer ©tunbe waren 5 frans, ©chiffe entmaffet unb genommen. Ser frans. 2(bmital S5ruep« warb burch eine Äanonenfugel getobtet, fein ©d)iff, l’Srient, fe(ste ba« Setter noch mit grofer Sebhaftigfeit fort, al« e« plo(jlid) rom 23ranb ergriffen warb. Um 10 Uhr flog ba« prächtige ©ebaube ron 120 Äano= nen in bie 2uft. Dlur 70 — 80 5Dlenfd)en ron 1000 fonnten gerettet werben. Sem tobtlid) rerwunbeten dapit. dafabianca folgte fein 12 jaf)tiger ©ohn frei= willig in ben Xob. Sarauf festen bie übrigen ©chiffe bie Äanonabe bi« sum SO?or= gen fort, bet bie rollige Dttebetlage ber frans. Slotte entfd)ieb. Dlur 2 £inien= fdjiffe unb 2 Seegatten entfamen nach SJlalta unb dorfu; 9 2inienfd)iffe wa= ren genommen, ein« in bie Suft geflogen, unb ein anbre« nebfi einer Seegatte bon benSeansofen felbft rerbrannt, eine Seegatte aber in ben ©runb gebohet wor-- 46 tfbutfeba 2(btt>ecf)fetung ben. ©o war jum feiten 9J?al gtanfreid)g ©eemadpt im mitfelldnbifchen 5Keete oernid)tet; bie britifdjen glaggett wehten oon ©ibraltar big 2£fepanbricn, unb S5o= naparte’g 83erbinbung mit granfreid) mar nbgefcf>nittcn, beffett geinbe, oon turnen Hoffnungen befeelt, im folgenden 3al)re burd) eine neue Koalition ftd) oer= banben. (Sögt. 2fgppten, Sanbung ber granjofen.) 2tbulfeba (Sgmael, befannt unter bem tarnen), Surft oon Hamaf) in ©prien, mit bem S5einamen ber ftegreicf;e Äonig unb bie ©dute ber Keligion. Siefer a(g ©efd)id)tfd)reiber unb ©eograph berühmte Araber war $u Samagfug im 5. ber Hegten672 (1273 nach ber d^riftt. j3eitr.) geboren; ein ©profiling ber burdh ©alabin unb gtdnjcnbe 3Baffentf)aten berühmten Samilie bet Äjubiten. 2flg Süngting jeichnete er ftd? in oetfd)iebenen gelbjügen burch Uapferfeit aug. 93on feinem Öheim erbte er bag gurftenthum Hamaf), farn aber wegen ©treitigfeiten mit feinem 83ruber erft nach einigen fahren j«m 95eft| beffelben unb blieb barin ungefiort big an feinen Uob 732 (1333). 2ftte ©d)riftffellet, bie feiner geben: fen, fchitbem ihn alg einen Surften oon ben auggejeidjnetfen ©igenfehaften, bet ebenfo fet>r im .Stiege burd) SRutf) unb Uapferfeit a(g im SJtathe burd) 5Beigf)eit glanzte. SOlitten unter ben Kegierungggefd)dften lag er mit ©ifer ben ©tubien ob, oerfammeltc bie ©eiehrten um ftd) unb toanbte feine S02ad)t unb feinen Keid)= thum für bie SBiffenfcfaften an. ©r felbft befap grünbliche Äenntniffe in ber @e= fd)ichte, Kechtggelehrfamfeit, SKebicin, ffiotanif, SKathematif unb 2(f!rono= mie, unb hat ung bie grüd)te feiner langen gorfd)ungen in mehren fd)d(jbaren SBerfen hinterlaffen, oon benen feine ©efchichte beg SKenfd)engefd)led)tg unb feine ©eographie unter bem Sütel: „Sie wahre Sage ber Sdnber", bie berühmteren ftnb. SBir beft'hen mehre theilweife SSearbeitungen, Überfehungen unb 2luggaben betfeU ben, namcntlidh oon ben @efcf)ichtgwetfen: „ Annales moslemici , arab. et lat., pp. et stud. Reiskii" (1789 •— 94, 5 33be.); „De vita et rebus gestis Mo- {lammedis , ed. Gagnier" (1723), woju ©d)Ulteng ein 2(uctuarium geliefert hat. Uheile feiner ©eographie oerbanfen wir ©rdoiug, Dleigfe, SWuratori, SKid)ae= lig, Kinf, @id)hotn, Kofenmüller, ^aulug unb 9?ommel. 3f.’g eigenhdttbige Hanbfd)tift ifi in $)arig. ©r ijt ein juoerlafftger ©chriftfieller, unb feine ©d)teib= art ifi fd)on. 2fbroed)felung ifi ein mdd)tigerHebel im Sehen ber Sttenfcfen. Unfre jtraft erhalt babitrd) eine oielfeitige 5Birffamfeit unb 35ejief)ung auf dupere @e= genjidnbe. 3u oiel ©informigfeit in ber Übung unfrer Uhdtigfeit beg ©eifteg unb beg Äbrperg erfd)lafft beibe. 2Bir bebürfen beg 5Bed)felg, um j. 85. bie ©r= fd)6pfung unb ©infeitigfeit in ber 2fnfirengung unferg ©ebdd)tniffeg, ttnferg 93er= jtanbeg unb unfrer ©inbilbunggfraft ju oerhüten. 3fud) ber ttjierifche Srganigmug bebarf wedhfelnber©enüffe, alg Keijmittel jut hodjften Uhdtigbcit unb mbglichft langen Eebengbauer. ©enup unb ©ntbef)tung ftnb beibe Söebürfrtiffe jebeg Wie n= fchen. Sie 2fbwedf)felung mup jebod) immer nur bet 5bee bienen unb bem hohem ebtem SSerufc beg SKenfcfen untergeorbnet bleiben, ©treitet ber 3Bed)fel gegen biefe höhere 35eftimmung beg SKenfdpen, fo wirbt er fd)wad)enb unb raubt bem SJlenfdjen bag geiftige S5ewuptfein, mit feiner ebelfien Katttr fietg in Überein: jfimmung ju hanbeln; er fleigert bann nur auf eine furje Seit feinen Sebenggenuf. Smmetwdhrenbe 2fbwedjfelung im Kad)benfen fdiwdd)t bie 3fufmerbfambeit unb bie Urtheilgbraft SBer ftd) in Arbeit, ©tholung unb ©enup an feine Kegeln fei= neg Sebeng binbet, ber erhdlt einen fchwdchtid)en Äorper unb eine launenhafte ©eele. Ser SKenfd) mup baher eine fiete Sebengorbnung, fo weit eg moglid) ifi, ergreifen unb fein ©efdjdft ohne Koth ooreitig unb mutwillig unterbrechen. Sie Kegel fdpliept nid)t bie 2fnmuth, unb bag geregelte Sehen nid)t SKannigfaltigbeit aug, @0 lebenb jfellt ftd) aud) bei Äranbheiten beg 5Kenfd)en bie ©efunbheit fei: neg Srganigmug halb wieber her. Sie Teilung ber an eine befiimmte Sebeng: Abweisung 3(bjugSgelb 47 otbnung gewohnten SRenfdjen wirb bem Arjte »iel (dexter, als in umgef ehrten Sßerhdltniffen. Abweichung, 1) eine« ©efiirn«: ber jwifdjen bem ©cfittn unb bem Äquator enthaltene Sogen be« SßctibianS, welcher teuere hier Abweichung«frei« heißt; 2) »egen ber »erfchiebenen S3red)barfeit ber Sichtjirahlen, f. Sicht; 3) bec Sßagnetnabel (f. b.). Abroefenb (jur.) ifi nicht blofj berforperlid) Entfernte, fonbern and) ber ju hanbeln Unfähige (©efangene, ©eijieSfcanfe); in einigen Sejiehungen 25er, welcher ft'ch nicht in bemfelben SbergerichtSbejirfe beft'nbet. Sem Abwefenben fotn= men fchon bie romifchen ©efe(se ju $ülfe; fte geflattert ihm gegen Stachtheile, welche ihn betroffen hoben (befonberä gegen »eefdumte griffen), bie 2Bieberein= fe|ung in ben »origen ©tanb (restitutio in integrum) , jumal Wenn bie Urfad)e ber Abwefenheit eine pflidjtmdfige ober wenigjten« nicht pflid)twibrige war. 3Ber ftch au« eignem Sßillen unb au« einem unrühmlichen ©runbe entfernt, h nt auf btefe SSegünftigung ber ©efefje gar feinen Anfprud); ^Derjenige, welcher »om Staate jur Abwefenheit »egen unerlaubter $anblungen genötigt iff (wie bei ber 2anbe«»etweifung), nur bann, wenn feine Entfernung ihn jugleibß an ber 83e» jtellung eine« S5e»oUmdchtigten hinberte. teuere ©efefce haben hierüber 9ftand;e« anber« bejiimmt. — iß e r f ch o 11 e n ftnb biejenigen Abwefenben, »on beren Aufenthalt, Seben ober SEob man feine Nachricht hat. Sh ne n worben »on ben ©e= richten Verwalter be« ißermogen« bejielit; übrigen« aber muß Setjenige, welcher auf ihr fortbauembe« Seben ober auf ihren Stob einen Anfprud) grünben will, feine SSehauptung erweifen. Stad; bet biblifchen ©teile: „Unfer Seben wdhrt70 Saht", hat man angenommen, baß ein folcfjer ißetfchollener bie« Atter im Steifet erreiche, aber nicht überfchreite, unb fobalb biefer Seitpunft eingetreten iff, eine öffentliche Auffoberung be« Abwefenben ober feiner Erben, unb wenn ftd; 9fiemanb melbet, eine SEobeSetfldrung eingefül)rt. iOb aber babei bie Erbfolge nad) bem Seitpunft bec 3!obe«etfldrung (ex nunc) ober bem Seitpunft be« SSerfchwinben« (ex tune) ju orbnen fei, war eine ffreitige 9fed)t«ftage. Seht entfeheibet man meift für ba« Erfte. Auch hier haben »iele neuere fianbeSgefefse genauere SSeftimmungen fowol ber Zeiträume al« anbrer hier eintretenben ißerhaltniffe aufgejfellt. ©. „9)reuß. Sanbr.», Styl. II., Sit 18, §. 821; „Sffr. ©efe&b.", A. 277. 37. Abpfftnien, f. Afrif a unb ^abefd). Ahjehrung, f. Atrophie. Abjug«gelb (jur.), and) Abfahrt, Abfdjoß, Stacpfteuer (gabella emi- grationis, detractus, census hereditarius, detraction) , eine »on ben dltejten Seiten her au« bem ©emeinbe»erbanbe abffammenbe Abgabe »on bem ißermdgen, welche« au«wanbembe SÖlitglieber ober au«wdrtige Erben au« bem ©emeinbe = unb @ericht«bejirf hinau«jogen. Urfprünglich auf biefe fleinern S5ejirfe befchrdnft, jumal in ben ©tdbten, behnte e« fid) auch «tit ber Seit auf bie Sdnber au« unb würbe hietburd) ein 9fed)t ber 2anbe«hetrtid)feit. Sutdß Stetorfion ber Sanber ge= gen einanber würbe e« in Seutfcplanb fajf allgemein; in granfreidp »ertrat beffen ©teile ba« noch härtere droit d’aubaine (f. Au b ai n e) , mit welchem eö juweilen »erwechfelt »urbe; in Englanb hat man e« nie gefannt. 5Ber nicht im ©emeim be»erbanb war, »on beffen SSetmdgen fonnte auch fein Abjug gefobert werben. Einjelne Sanber unb©tdbte haben biefe brüefenbe Abgabe, welche in ben meijien Srten 10 »om 100 betrug, fchon früh gegen einanber aufgehoben, unb Äur= SJraunfcpweig machte fchon 1737 ben Antrag auf allgemeine Aufhebung, welcher aber fchon barum feinen »ollfidnbigen Erfolg haben fonnte, »eil ba« Stecht, Ab= jugßgelb ju erheben, ftd; hduft'g in ben £dnben ber ©tabtgemeinben unb ©eriept«* herrfchaften befanb. Ser eble ©roßperjog Äarl griebrid) »on SSaben bemühte ft'ch Wieberum fehr für bie »ertragSmdßige Abfchaffung, bi« enblid; »on bem wiener 48 3£caputco 3tccent Gongref in bem 18. 3fct. ber beutfdjen Sunbegacte eine allgemeine Aufhebung jwifchen ben SSunbegftaaten »erabrebet, unb nacf)bcm man aud) bie Sececf)tigun= gen ber ©emeinben wnb ©utöfjerrfdjaften biefer 23eftimmung unterworfen hatte, burd) bag S5unbeggefeg uom 23. ^un. 1817 eine allgemeine Sreijögigfeit jwi; fd)en ben beutfdjen Staaten befdjloffen würbe. Unter biefer2fuff>ebung beg 2fbjugg= gelbeö ftnb aber nicht begriffen foldje Abgaben, treibe »on ©t'bfdjaften ohne SRucf; ftd)t auf bie 2fugfül)rung beg SJermogeng ing 2(ugtanb erhoben werben, alg Gollate= ralfteuern unb Stempe(gebul)ren, ebenfo wenig bie Solle, wol aber 2lbjuge ju Silgung ber ©emeinbefchulben. ©egen frembe Sanber befteft bie 3lbjuggbered): tigung nod) wie juüor, infofern nicht befonbere SSerttdge »orliegen. ©oiflbaf= felbe in ben Staaten beg beutfdjen Sunbeg gegenfeitig aufgehoben; auch Stuflanb unb 95 ölen haben mit »ielen Staaten SSertrdge über Aufhebung beg 2lbfd)ofsted)teg in ben neuern Seiten gefdjtoffen. 37. 2f c a p u l c o, ber hefte mepifanifd)e -ftafen am 2fuftralmeer. 25er -£)afen fowol alg bie 5Rf)ebe ftnb tief unb haben fiebern 'dnbetplafj »or Störmen. Schwer belabene Schiffe fonnen bidEjt an ben ©ranitfelfen, weldje bie SRhebeunb ben Jpa= fen umgeben, »or 3fnfer liegen. SBegen ber feilen Abbuchung biefer Seifen am -fjafen unb an ber fRfjebe »or foldjer, hat bie Äufie ein wilbeg 2fugfel)en ohne 9Se= getation. Sn ber (ginfahrt beg -jpafeng liegt eine Snfel (Stoqueta ober ©rifo), bie eine weftlidje ©infahrt »on 7 — 800 Suf SSreite unb eine bflliche oon 1 — lf engl. Steile mit 27 — 33 Sa ben Siefe bilbet. Sm fRorbwefien liegt bie Stabt, uertheibigt burd) bag fod) belegene Sort 25iego, mit nid)t mel)t alg 4000 ©inm., bie ftch inbef nach 2Cnfunft ber ©alione »on SOfanilla auf 9000 vermehren. 3Be= nige -fjanbelgplafce haben eine ungefunbere Sage. 25ie gewöhnliche -frifce ift am Sage 86 — 90° Sahrenl)., in ber 9fad)t big 3 Uhr SRorgeng 78°, unb »on ba big jum 2ütfgang ber Sonne 64 —62°. 8Son ben weifen Seifen prallen bie Sow nenfirahlen auf bie Stabt jurucF, in ber ftd) SRidjtg beffer befmbet alg bie SRog= quitog. Um ber unglücklichen Stabt etwag Äöhlung ?u »erfdjaffen, lief bie fpa= nifd)e ^Regierung »on Öfen her burch bie Seifen einen hohen Söeg fprengen, aber ffe »erabfdumte, wag noch nötiger war, ben SRorajt im Sften ber Stabt, h»d)ft gelegen }u Suderpflan,}ungen, trotfen ju legen unb ju bebeiefen. 33ig jur hochfen 25örre ift t)iev ein ftehenbeg Sumpfgewdffer, bag jährlich »erfchwinbet unb burd) faulenbe jurucfgebliebene Shierfbrper bie Suft »erpeftet. -frier raffen beftdnbig bag gelbe Sieger SBefiinbieng ober bie ofiinbifdje cholera morbus am meiften bie Sremben, bie aug hoher belegenen ©egenben beg -ftanbelg wegen hierher fommen, befonberg junge ©utopder weg. Unbebeutenb ift bort higher ber -ftanbel mit ber fRorbwefifufte Jfmerifag, ben bie Statur fonft fo fefjr begunfigt. durd) Statur; hinbemiffe ift wegen bet oft unerwartet lange bauernbett SBinbftille unter ber Sinie bie Sahrt 0 °n GaKao nad) tfcapulco fchwieriger alg »on Gallao nach Gabis, unb wahrt oft Idnger. -frier, wo bie SBinbjtillen fo gewöhnlich ftnb, burfte bie Schiff; faftt mit dampfbbten unermeflid)e SSortheile anbieten. Um gunfiige ^Paffatwinbe ju einer fchnellen Saht* gewinnen, muf man»or tlllem in biefem Scean juoor ftd) »on ber Sinie ju entfernen fud)en: ein -ffölfgmittel, bag aber auf ber Äuften= fahrt »on Jfcapulco nad) Gallao unanwenbbar ift. 25ie bigherige 2fugful)r aug 3fcapulco ift meifieng Silber mit Subigo, Gochenille, fpanifchem Such unb etwag fPeljwerf aug bem norblicben SRepico unb Galifornien, unb bie ©infuhr bringt baf)itt ilileg, wag 2fften an Äofibarfeiten befift. % ca t holtet, überhaupt diejenigen, welche nicht jur fatholifdjen Äirdje gehören. S« gewiffen fatholifcfen Sdnbern belegt man bie fProteftanten mit bie; fern Stamen, weld)er weniger »erhaft ift. 2Cccent, bag ©efeh jur Hebung ober Senfung ber Sone. Sftufif unb Sprachen, welche biefem ©efefe unterworfen ftnb, gingen beibe»on ber ©mpftn; 2(ccent 49 bung au«, unb wiewol fte fieg na cg ger trennten, unb bie SSlufif Sptad)e für ba« ^erj blieb, bie eigentliche Spracge aber Spracge für ben ©eift würbe, fo gab barum legtere e« nicf)t auf, auch ju bem ^erjen ju reben, unb gewiffe, tfjeilö in-- nere, tgeil« äußere ©igenfegaften blieben ber SJluftf unb «Sprache gemeinfcgaftlicg. SSeibe finb gefegieft, ©ntpftnbungen au«{ubtücfen, unb nehmen babei bie halb fcfjnelle,. halb langfante Bewegung an, welche wir an biefen wagtnegtnen. ©a= burd) werben fte einem Beitmaß unterworfen; unb wir unterfegeiben an ben 26= nen, um fte gleichmäßig in ba« Seitmaß ju fügen, Sängen unb Äürjen. Um nun eine ©mpftnbung ganj befiimmt unb beutlicg au«jubrucfen, ifi ein ©rganiömu« ber Sone erfoberlich, welcher babuteg geroorgebraegt wirb, baß in ber naeg ben Beitoergältniffen abgemeffenen unb nach einem ©runbton gefiimmten Sleige oon Sorten auch eine foldje SSerbinbung unb Bufammenftinimung [ich ft'nbe, welche bie ©mpftnbung in ihren oerfegiebenen 83ejiegungen unb 2fbfhtfttngen barfiellt, -Öaupt= unb siebenfachen tintig unterfcheibet, ba« fSlinbertoicgtige bem 5Bid)tigen unter= orbnet unb ba« 33ebeutenbe flet« gehörig gerauögebt. ©abuteg wirb eine golge oon Sonen jum muftfalifegen Sage, ber einen beffimmten Sinn infichfchlieft, unb eben um biefen auSjubrütfen, auf bie S3ebeutung unb Söicgtigfeit emjelnet Sone in ihrem Bufammengange befonbere Slücfftcgt nimmt. ©ie 2lu«{eicgnung bet Sone aber naeg bem ©rab igrer SBebeutung ifi e«, n)a ^ mnn Accent, S3eto= nung, nennt. SJlan unterfdjeibet ben gefdjärften ober (feigenben 2fccent (acutus), ben ferneren ober ftnfenben (gravis) unb ben gebegnten (circumflexus). ©er ge= begnte 3fccent trifft einen an unb für fteg fegon langen Son ober Splbe; ber fegwete jeigt eigentlich nur SSlangel an S3etonung an; unb fo bleibt al« 2(u«jeicgnung im Son nur ber gefchärfte übrig, inbem er auch einem gebegnten Sone 2fu«jeicgnung geben ober nehmen bann. Saget belegt man ign ooc{ug«weife mit bem Slamen 2fccent. Sie Utfadjen aber, einen Son butd) ben 2fccent aiisjujctdmen unb län= ger bei igm ju oerweilen, al« feine befümmte .Beitbauer ju fobetn berechtigt ift, finb entweber meeganifege, ober rgptgmifcge, ober bejeiegnenbe. Sem gemäß un= terfegeibet man ben grammatifegen unb oratorifegen, ober ben 5Bort= unb ben Slebc= accent; jener beruht auf meeganifegen unb pgpftfegen Urfacgen, biefer Etat ben Bwecf bet SSejiegung. Sie bei jebem obwaltenben ©efege finb fürjlicg folgenbe. Sen grammatifegen ober SBortaccent befommt eine Splbe ober ein Son oon natür= lieget Sänge. BweiUrfadten aber finb e«, toelcge eine Splbe in einem SBovte oor ben übrigen att«jeicgnen fonnen: igre med)anifcge 83ilbung unb igre SSebeutung. 3« prächtig muß bie Stimme au« meeganifegen Urfacgen auf ber erften Splbe län= ger oerweilen al« auf ber {Weiten, unb mithin wirb jene Splbe megr geroorgegoben. 3n SB örtern mit SSor= ober 9lacg = , Ableitung« = ober 33eugung«(plben fällt in unferet Sprache ber djauptton allemal auf bie Stammfplbe; e« entfegeibet mitgin nid)t ba« SJlaß, fonbern bie S5ebeutung. SBiewol biefe nun eigentlich nidjt in SBe= trad)t !ommt,, fonbern bloß bie 33ilbung be« SBorte« au« oerfegiebenen 2ot> elementen unb bie barau« notgwenbig gecoorgegenbeBeitmeffung oerbunbenerSüne, fo ift e« boeg wiegrig, fte ju bemerfen, inbem ft cg bie grage: ob ber 2fccent notgwen= big unb unoeränberlicg an bie Beitmeffung gebuttben fei, ob e« feinen anbern al« einen OnantitätSaccent gebe, jum Sgeil fdton barau« beantworten laßt, ©er oratotifd)e ober Siebeaccent foll bem SSortrag feine Sefrimmung, Älargeit unb ©eutlid;feit geben; er gebt bager in bet Siebe ba« bebeutenbjte SBort unb in bem 5Borte felbft bie bebeutenbfte Splbe gerau«. ©gne fieg in ber Spracge an bie Quantität be« SBort« unb in ber SJlufif an einen befrimmten Sgeil igre« Saft« ju binben, oerweilt er mit Slacgbrucf bei bem SSebeutenben, unb eilt, um biefen 9lad)brucf befto megr }u oerftärfen, an bem, wenn aueg fonfi S3ebeutenben, bod> eben jegt Unbebeutenben, fdjnetl oorüber. 3lu« bem ©efagten gegt geroor, baß ber SBort=unb ber Siebeaccent naeg SBilllür jufammenfallen bbet getrennt werben fonnen. 6ono.=Cer. ©ie&ente Ittufl. 83b, I. f 4 50 Acceptant Accife gragt man mm, ob bet Siebeaccent ben SBortaccent gar aufhebe; ob nid)t burd) ihn bie Quantität, ©plbenjeit wnb 3eitmeffung Berieten gebe; unb ob eben barum nicht ber SBohllaut unter bem Oiebeaccent leibe: fo fommen bei Seantwortung biefer Stagen, in welcher baS ©eheimntfi ber S)rofobie überhaupt unb ber Unter: fchieb jmifd)en ber unfern unb ber fPtofobie ber Alten inSbefonbere liegt, folgenbe *Pun£te in SSetradjt: 1) Sßenn bet Accent mit einer aus mechanifcfen Urfadjen langen ©plbe jufammentrifft, fo hebt er biefe ©plbe noch unb gibt ihr ju ihrer Sehnung auch cfjohe; 2) ber Accent macht eine unBeränberliche lange ©plbe nicht jurhirjen, raubt ihr aber, wenn fte unmittelbar auf bie Accentfplbe folgt, etwa« oon bet Sange. Sie Quantität Eann baher, wenn fte nid)t mit bem Accent jm fammenfällt, burd; biefen etwas Berbunielt werben; 3) ber Accent, wenn et fd)on eine unBeränberliche Sänge nid)t jur Äürje machen fann, macht boch Berhält= nipmäfjtge Äürjen unb Sängen; 4) auf unBeränberliche Äurjen fann ber Accent nie fallen. — Sieb ftnb bie Siegeln, welche nicht allein für ben VerSfünjiter, fonbetn auch für ben Seclamator unb ©chaufpieler, infofem auch er Seclamator iji, Bon grojjter SBicfjtigfeit ftnb, beten weitere Ausführung h> ec ober ju weife läufig fein würbe. (Vgl. fP r o f o b i e.) Acceptant, f. SBechfelunb 2BedEjfelredjt, auch Snbofftren. Accefftt, ber jweite ober fernerefPreiS, melden bei fPreiSaufgaben bie: jen'tgc Arbeit erhält, bie nach ber, welche ben ©ieg baoongetragen, für bie befte erflärt wirb. AcctbenS, 1) bie jufällige, nicht wefentliche ßigenfefaft einer fPerfon ober ©ad)e, 5 . 33. reich, fd) 6 n fein. Accibentell, jufällig. Saher auch A c c i b e n t i a, jufällige, nicht genau oorher ju befiimmenbe Einnahmen. 2 ) SBitb biefeS 5Sort bei ben ^hüofophen ber ©ubftang (bem blopen 5Befen) entgegengefefct unb bejeid)net bie Art unb 3ßeife beS ©eins bet ©ubfianj, bie ßigenfefaft beS VJefenS. ßS oerfteft ftd) Bon felbfi, bajj biefe ßntgegenfefjung auf Abjf raction beruhe, beim in ber SBitflidjfeit läßt ftd) feine ©ubftanj Bon einer gewiffen Art unb VSeife ihres ©eins abgefonbert wahtnehmen. Accife, eine Jpauptgattung ber Vetbrnud)Sfteuer, h e if !t juweilen aud) Smpojt, Aufschlag, 3iefetc. unb wirb befonbetS auf SebenSmittel gelegt. Sie Vegtiffe oon Accife, Sicent unb 3oll ftnb in ben wenigften Sänbern wiffenfd>aftlid> ftreitg gefonbert, bal)ec es faft unmöglich ift, non ber Accife eine auf alle Sänber anwenbbate Erklärung ju geben; immer aber ifl biefelbe eine Verbraud)Sjteuer, unb was non ber lefctern überhaupt gilt, muf aud) oon biefer einjelnen ©attung berfelben inSbefonbere gelten. Sie Accife ift entweber eine allgemeine, Unioerfal: accife, weldje ftch auf alle ©egenjtänbe beS Vetbraud)S erfireeft, ober eine be= fonbere, Varticularaccife, weld)e nur non einigen ©egenftänben beS Verbrauchs enfe rid)tet wirb. Siefe lebte warb in ©ad)fen fdjon auf bem Sanbtage ju Seipjig 1438 unter bem Staaten 3iefe eingeführt unb auf bem Sanbtage ju ©rimma 1440 ner: mehrt; aber bie oollfommene AuSbilbung berUnioerfalaccife erfolgte in gtanfteid), unb warb hierauf in $ollanb halb nach ber ßntfiehung berOtepublif,in benbranbem burgifchen ©taaten unter bem Äurfürflen gtiebtid) 2Btlf)elm bem ©roßen 1635, in ©ad)fen aber ju Anfänge beS 18. Sahtf). eingeführt. Sn S5ejiel)ung auf bie ©e= genftänbe ber Vefteuerung hat man bie Accife in Sattbaccife unb in ©eneralaccife ober ©enerafeßonfumtionSaccife abgetheilt. Sie Einführung ber Sanbaccife er« folgte in ©ad)fen auf bem Sanbtage ju SreSben 1640; fte warb 1641 juerfl auS= gefd)tieben. ©ie wirb oon allen aus bem AuSlanbe nad) ©achfen eingeführten üöaaren entrichtet. Sie ©enerafeßonfumtionSaccife führte man ttad) branbenbur: gifchen ©runbfähen 1701 ein; fte muß oon alten rohen unb oerebelten fProbucten bei bem Eingänge in bie ©täbte unb auf bem Sanbe gegeben werben. (Vgl. ß 0 n* fumtionSfieuer, Snbirecte Abgaben, 3olt.) K.M. 2fccommobation 3Cccorb 51 ütccommobation, cigenttid? bie Xnpaffung einer ©ad)e an eine anbre, ober bie (Einrichtung berfetben ju einem gemtffen jjmeefe (non accommodare, am paffen, einrichten, bequemen). SRan brauet aber jene« 2Bcrt rornehmtid) in breieriei 33ebeutung: 1) in 2fnfet)ung be« gefetligen Umgang«, trenn Semanb fein ©erhalten nach ben Söünfdjen ober Saunen eine« 2fnbetn entrichtet; 2) in Zxt- feljung be« Unterricht«, trenn Semanb ir< feiner Sehre ftd) ju ben 2fnfid)ten ober ber gaffung«fraft eine« Rfnbern herabtapt; 3) in 2(nfef)ung bet 2tu«tegung, wenn Semanb ben ©tun einer ©d)tift fo erftart, wie e« ben eignen Zn* unb 2(bficf)ten be« 2fu«teger« gemap ifi. Sn ber S£f)cotogic nimmt man ba« SBort f>auptfdd>tid> in ben beiben testen 33ebeutungen. Gr« behaupten nämlich riete Sheotogen, b«fs Sefu« unb bie Rfpofiet nid)t immer ihre Meinung über getriffe Singe gerabe her= uu«gefagt, fonbem, um 2(njiop ju retmeiben, einige« retfehmiegen, 2fnbre« fo notgetragen hatten, toie fte glaubten, bap e« ihren theit« noch rotjen, theit« rot= urtf)eil«oollen 3eitgenoffen am rerfiänbtid)fien unb beifaltigfien fein mürbe. Sie« nennen fte bann 3fccommobation ron ©eiten Sefu unb ber Äpofiel; trogegen anbre Sheotogen behaupten, bap eine fotdje Rfccommobation nicht at« eine btope $erab= laffung, fonbem at« eine 2ftt ron Säufd)ung ju betrachten fein mürbe, bie fid) mit bem (Ihnrafter jener fPerfonen nicht rereinigen taffe. 2Bet aber eine fotd)e 2tc= commobation annimmt, ber nimmt unb erftart auch riete 2fu«fprücf)e Sefu unb ber 2fpoflet in einem anbern ©inne, at« e« ber btope SBortnerfianb mit ftd) beim gen mürbe. Sie« heipt bann Rfccommobation ron ©eiten be« 2(u«teger«, miemot biefe Rfccommobation riet treiter gehen fann, fobap fte ftd) in eine btope 33eque= mung ber heiligen Schrift nach feem ©inne be« Ausleger« rermanbett. 6« ifi atfo offenbar etroa« gattj 2fnbre«, mentt er fagt, Sefu« unb bie 2fpofre( haben ftd) ber Senfart ihrer Seitgenoffen accommobirt, at« trenn man fagt, ein 2fu«teger habe bie 3fu«fprüd)e jener Scanner, ober überhaupt bie heilige ©d)rift feinet eignen Senfart accommobirt. Sa« Sefste mirb oft auch mit einem mitbern 3fu«brutfe 2fc= commobation nad) ben 33ebürfniffen be« 3eitalter« genannt, meil jeber SJienfd) ein natürliche« ©ejiteben hat, ba« ©epräge feiner Senfart bem 3eitatter aufju= brüefen. D. Rfccompagnement, f. Begleitung. Rfccorb (ron bem itat. accordare, unb biefe« ron bem tat. chorda, bieSaite). Sunachff foramt biefer 2(u«brucf in ber SRufif ror unb bezeichnet ba eine in ben natürlichen Sonnerhättniffen gegrünbete ©’etbinbung gleichseitig erftingenber Söne (Sufammenftang). 2fuf biefen Sufammenftängen beruht bie Harmonie, ja, jebet eigentliche 2fccorb ijf fdpon eine Harmonie, baher j. 33. ber 2(u«brucf Sominam tenharmonie. Surd) Setbinbung ron Sötten in Rfccorbenfotgen (fKeiben ron 2fc= corben) entfpringt bie Harmonie im eigentlichen ©inne. Sn -hinftcht auf ba« 3«= fammenftingen aber nethatten ftd) bie Sone oerfchieben. (Einige ndmtich geben burd) unmittelbare« 3ufammenftingen bem Shre ba« ©efitht ber S3eftiebigung; fte ftnb felbftänbige 3Bof)lflange unb merben infofern confonirenbe RTccorbe ober Gonfonan jen genannt. ORimmt man hier nun einen Son at« jum ©tunbe tiegenben (©runbton) an, fo muffen bie anbern mit ihm unb unter einanber an= genehm jufammenfiimmen, um bie Gonfonanj ju bilben. Ser Begriff be« 2fc= corb« fprid)t 9Rid)t« über bie 3at;t ber jufatnmenflingcnben Sone au«. Sie ein« fachfte unb unrottfommenffe Cronfonanj fann bat;er eine Berbinbung ron 2 Sö= nen fein (3meiftang), unb mirb burd) ba« Snterratt ber Serj mit bem ©runbton gebitbet. SR ach Befd)affenf)eit ber Serj fann ber 3meif(ang g r o p ober f (e i n fein. Ser rottete confonirenbe Rfccorb, ber aber fd(fd)lich ber confonirenbe ©runbaccorb, richtiger bet $auptaccorb genannt mirb, ifi bet harmonifche Sreiftang, ber burd) >£)injufügung einer neuen Serj jum 3roeiflang entfieht, bie mithin bie reine Sluinferom ©runbton bilbet unb auch Sominante heipt, roöhrenb bie Serj jum 4 * 52 2Cccotb Sßittelton (Sftebiante) »itb. ©r beißt aud) bcr tonifctje Sreiflang Bon bem ©runb« tone, bet aud) Sonifa genannt wirb. 9iad) S5efcf>affenf)ett bet etfien Setj, ober bei SBfitteltonS, i|t aud) bet Steif lang groß (ober Ijart j Sur, {. 55. c, e, g), ober flein (meid? > 9Jioll, j. 55. c, es, g). 5ßon bem fleinen ober »eichen Steiflange unter* fd)eibetmannod)benBetminberten, bet aud) Bon ©inigen bet falfd)e, ja »ol gar bet biffonitenbe genannt »itb, »eld)er butd) jtBei übereinanber ftetjenbe fleine Serjen, mithin butd) ©runbton, fleine SEerj unb fleine Öuinte gebilbet »itb (j. 55. c, es, ges) unb aud) als Sfjeil eines 58ierf langes angefeben »erben fann. ©onfi nahm man nod) einen übermäßigen (auS 2 großen Setjen gebilbeten) an. Sutd) Umfefcung bet biefe Sreifldnge bilbenben SEöne in eine f)6f>ere ober niebere Sctaoe (5ßerdnberung bet Sage ober 5ßerlegung bet 3fntetoalle) entfielen alle übrige confonirenbe 2fccotbe. 5Dian pflegt aber bie 5öejeid)nung bet 2fccotbe butd) 55ered)nung bet Snternallen hinauf»artS ju beftimmen. ©o entfiebt alfo 1) bet ©eptaccorb, beitoeld)ent bet ©runbton eine SctaBe t>of>er gelegt tBitb, fobaß bie Serj ein ©runbton, bie Sluinte jur Setj unb bet erf>of)te @cunb= ton jur ©eptc tBitb, bie bentfccorb nad) oben fdjließt, j. 55. e, g, c; bezeichnet butd) 6 . 2) Set £luartfeptaccorb, ibo bet ©runbton mtb bieSEerj beibe in eine höhere Öctaoc gelegt »erben, fobaß nun bie Üuinte ©runbton, bet ur* fprünglidje ©runbton jur Smarte unb bie erboste Serj jut ©epte »itb. Sa* l)er bet 9iame, nad) ben d)atafteiijiifd)en SntetBallen, fo»ie bie 5öejeid)nung butd): ■£■• — Sie biffonitenben 2fccorbe fef)en »trjuerfitentfielen, »enn toir bem Steif lang nod) eine SEetj, bie folgtid) fid) als Septime jum ©runbton oerfjalt, binjufeßett, »oburcb ein 58ietf(ang entfiebt. Sie ©eptinie ifi baS biffo= nitenbe Sntersali unb muß aufgelofi »erben, um baS Sb r ju beftiebigen. Set ©eptimcnaccorb beftebt folglich auS ©runbton, Setj, Sluinte unb ©eptime, unb ifi oiertönig (tierftimmig). Ser etfie unb ge»öbnlid)fie ©eptimenaccorb nun »itb auS bem barten Sreiflang mit fleinet ©eptime gebilbet, j. 55. alfo: c, e, g, b. ©t »itb ^auptfeptimenaccorb genannt, aud) bet »efentlid)e ©eptimenaccorb, unb fd)led)tbin butd) 7 bezeichnet, ©t bat auf bet Sominante betjenigen SEonart fei* nen ©ifc, in »eldje et aufgelofi »itb; benn bie fleine ©eptime lofi fid) abredrtS, Sähet »dbtenb bie mit ihr biffonirenbe große Seeg fid) bebt, j. 83. ^ 4j- | fann et aud) Sominantfeptimenaccocb beißen. 58erdnbern »it bie Sage bet 3fn* terBalle biefeS 3fccorbS auf dbnlid)c üffieife »ie bei ben Sreifldngen, fo entfiebt 1) bcvSluintfeptaccorb (bejeidjnet |), bejiebenb auS bet fleinen Serg, fleinen Öuinte unb großen ©ept: namlid) ; 2) bet SEetjquartaccotb (-$-), in »et* djem bie ©eptime unb bet ©runbton beS ^auptfeptimenaccorbS jur Set} unb Öuavt ge»otben ifi, ; 3) butd) »eitere 5Betfe|ung entfiebt bet ©ecun* benaccorb, in »eldjern bie ©eptime nebfi bem ©runbton baS Sitteroall einer ©e< cutibe bilbet, j. 55. ^ bg -b§- . Sie übrigen ©eptimenaccotbe, »eld)e ©ottfr. 5Beber, im ©egenfab bes $auptfeptimenaccotbeS, Siebenfeptimenbatmonien nennt, finb: bet ©eptimenaccorb, bet auS bem »e i d) c n Steiflang mit fleinet ©eptime be|Tet)t, ^± ßz ; ferner bet auS bem oerminbecten Sreiflang mit fleinet ©eptime befiebeube ©eptimenaccorb • enblicb bet ©eptimenaccorb mit hartem Sfccotb ¥ccum 53 ßreitlang unb großer «Septime; §. 85. 2fud) burd) 83erfe|ung bfefet 9tebenfeptimenf)atmomen entfpringen ßuintfepten-, Serjquarten= unb @ecutt= benaccotbe. 65 gibt nad) biefet Überfielt 9 ©tunbaccorbe, namlid) 2 3»eU f t^nge, 3 ßreiflange unb 4 ©eptimenaccorbe (bet $ aud) bie »er»icfeltfle Harmonie gurücffutjren. 6« gibt nun j»at nod; einen günfflang, eine 8}erbinbung »etfd)iebe= net gleichseitiger Sone, bie burd) 3fuffe|ung einer neuen (großen ober fteinen) Serj auf ben ©eptimenaccorb, »eiche fotgtid? »om ©runbtone bie 9tone auömad)t, entfielt unb bet Stonenaccorb genannt wirb. Sdjjt man aber »egen beS »ihrigen Bufammenftofien« bet ©ecunben ben ©runbton, »ie »enigffend in bet engen £ar* « monie gefd)ie£)t, »eg, unb »er»ed)felt bie Sone auf obige SBeife, fo entfielen eigentümliche Sfobiftcationen be« SSierElang«, j. 85. bet en£)atmonifd)e SSierflang c, es, ges, a; cis, e, g, b. — 25ie Jfccorbe fbnnen nun in ben »erfd)ie= benflen ©eftalten, j. 85. im unmittelbaren 3ufammenfcf)lag, ober gebrochen (fo= baf bie jufammengef)6renben Sone nad) einanber gehört »erben) »otbommen; frr= ner tonnen bie Snteroalle in bem .Streife einer ßctabe, ober in »erfd)iebenen unb entfernten ßcta»en erfcheinen; biefed begrünbet ben Unterfcl)ieb bet engen unb »eiten ober jerftreuten Harmonie (engere ober jerftreute Sage bet3fccorbe). SBeiter richtet fid) bie 2fn»enbung ber bie 2fccorbe au5mad)cnben Snteroalle nad) bem oerfd)iebenartigen ©afce, inbem man nämlich j»ei=, brei=, vier--, fünfltim= mig jc. fcfyreibt. 3n ben etfiern gölten fommen am hauftgften TfuSlajfungen »on Snteroalten, in ben (extern SSetboppelungen berfelben »or. — Gind ber erfien ©p= fieme ber 3fccorbe hat Stameau «ufgeftellt (non b’2(tembert, nachher in SDZarpurg’d ©pftem, bem fid) bad 8}ogler’fd)e annähert, unb »on Sürf erläutert); ein anbted Sartini, »eldjed man auch in Stouffeau’d ßictionnaire bargeftellt ft'nbet. ßad eine ent»icfelt bie Sfccorbe au« ©runbtonen (bed 33affed), bad anbre aud ber SD?e= lobie (ben obern Sönen). Sin anbred, fefjr einfad)ed ift bad 51ccorbft)fiem .Stirn* betget’6 (in ber „jtunfi bed reinen ©a( 5 ed"), »eld)em fid) ©ottfr. 5Bebet in feinet Sf)eorie bet Sonfefsfunft am meiften anfd)lieft. — S3on ber Sftuftf »irb ber 2fud= btuef 2f cc or b aud) auf bie garben»erf)ä[tniffe übergetragen, fo»ie man aud) im &eutfd)en »on einer Bufammenftimmung bergarbenrebet; entgegengefefjt bem ©teilen, .f)arten unb bem fd)teienben Gontraft ber garben, »eld)er burd) 9Jtit= telfarben »ermieben »irb. T. Sfccorb in Goncurdfacf)en, f. galliment. % c c o u d) t m e n t unb 2f c c o u d) e u r, f. © e b u r t d l) ü l f e. Accrebitiren. Die fremben ©taaten erteilen ©efanbten, bie fie bei einem anbern $ofe ober ©taate beglaubigen »ollen, SSeglaubigungdftreiben, »eld)e« man accrebitiren nennt. — 2fud) ber Kaufmann braucht biefen Audbtucf, »enn er feinen Grebit auf beftimmte ober unbeftimmte ©ummen für ein Snbi»i= buum, ein dpanblungdhaud ober irgenb eine Unternehmung anbietet. Ser 9tei= fenbe Idft fid) bafjer auf ben .fpauptpunEten feinet Steife burd) einen SSanquict bei beffen Gorrcfponbenten accrebitiren. SDtan accrebitirtben Gommiffionnair, bem man einen Auftrag ju Gintöufen ertfjeilt, für ben SSetrag berfelben bei irgenb einem 8Bed)fell)aufe u. f. ». Accum (griebrtd)), ein ßcutfdier, aud ben »ejtfälifd)en fProsinsen bed Äonigd »on fPreujjen, tarn um bad 3.1803 nad) Sonbon unb er öffnete bort 83or= lefungen über Gt)emie unb Grperimentalpbpfif, »obei er fPrieftlep’S unb anbrer engl. Gfemifer Gntbecfungen jum ©runbe legte. Gr »erbanb fid) mit bem beut= fdjen Äunftf)änbler in fionbon, Stubolf 2fc!etmann, jur allgemeinen ©adbe= leuchtung , unb feinem in 2fcfermann’6 SSerlag etfd)ienenen, burd) 4 2(udgaben 54 2Cccufatton6proceß 3Caft 2fd)aia im ©eloponne«; allein febr häufig, befonber« bei *£>omet, reirb biefer Stame allen ©riechen beige* legt. 2fd)<5u«, ein ©ob» be« $utbu« unb bet Äteufa, ging mit einer Änjabl 2eute nach Sbeffalien, reurbe aber halb reieber »erbrangt unb nach bem ©eloponne« ju* tücEjugeben genotbigt, worauf er ftcb in2acebamon unb 2frgo« nieberlieft, beren ©nreobnet nun 2(d)aer genannt reurben. 58ei ber S5elagerung Sroja« rearen bie 2td>der unter ben belagernben gtieebifeben SBhlEerfcbaften bie jablreid)ften unb »or* 55 tfcfyata 2fd)enwaU nehmften. Otacf) (Eroberung biefer Stabt begaben ft'e ftcfj, von ben Soriern ver= trieben, nach Sonien (ber Otorbfüfte beb (Peloponneb), nannten nun biefeb Sanb 3fd)ata «nb errichteten eine 9iepublil, bie befonbetb nadlet burd) ben ad)äif clpen SSunb unter ber Seitung beb 3(ratub, beb ^3I)itopömen u. 3t. berühmt mürbe, mel= chen erfl Siepon mit einigen Stabten, ju Behauptung ihrer Sicherheit unb Unab= hängigfeit, fchlofi, bem aber nachher alle übrige Stabte 3ld)aiab, auch 3tthen, CKegara u. a. (nur Sparta nicht) beitraten. Sie Staaten biefeb SSunbeb mürben nach Äorinth« Serfiorung, 146 v. @h°-/ ju einer tömifchen (Ptovinj unter bem tarnen 3fcf)aia gemacht. (S. © r i e cf> ? n l a n b.) 2tchaia, f. Sivabien. 2tcharb (griebrich .Start), geb. ju SSerlin ben28. 3tpril 1754, eingefd)ä(i= ter 9 taturfotfcher unb ßhemifer, vorjüglich befannt burch bie von ihm erfunbene, 1800 juerft befanntgemad)te unb feitbem [ehr rneit gebrachte SSerfertigung beb gueferb aub SRunfelrüben, mar Sirector ber phpfifalifchen ©affe ber 3(fabemie ber SBifTenfchaften ju SBertin. Um feine ©tffnbung, bie aud) bab ftanj. Suftitut fdtjon im 3uli 1800 alb äujjerft michtig für bie Otationalinbuftrie anerkannt hatte, mehr im (Stofen ju betreiben, fchenfte ihm ber Äonig von (Preußen ein Sanbgut in Schiefen, Äunern (Sorf im Stegierungbbejirf SSreblau), mo bie von ihm angelegte Stunbetrübenjucferfabrif jut 3eit ber ßontinentalfperre fo bebeutenbe ©efd)äfte machte, baf ft'e im Söinter 1811 täglich 300 (Pf. Sprup erzeugte. 2C. verbanb bamit 1812 ein Sehrinfiitut für biefe 3frt ber 3ucf etgeminnung, bab auch 3fublänbern befucht morben ift. <5t fiarb ju Ämtern ben 20. 3fprit 1821. 3lufet verriebenen phpftfalifchen unb lanbmirthfd>nftlid)en 3fbh«nbtungen h«t er SJtehreb über bie Otunfetcübenjucterfabrif'ation heraubgegeben. 20. 3fcf)at, bei ben neuern Oiaturfennern ein allgemeiner unb jiemlidp unbe= ftimmter ©efd)lechtbname aller feinen -öalbebelfteine, melche verfdpiebene, fomol einfache alb vermifchte gatben haben unb eine feine Politur annehmen. ©emei= niglid) ift Sabpib, Ghalcebon (f. b.), auchSuatj, mit bem Sldfat vetmadpfen; baher bie verfchiebenen färben unb (Kamen beffelben, alb: menn er mildfveif unb menig burchftchtig ift, C>b«lcebon; menn et rothift, CEarneot; tvenn er bleid)= rothift, mit Streifen, Sarbep ober Sarbonip; menn er einen meifen ©runb unb rothe Streifen h°t> St.=Stephanbficin; menn er aub verfchiebenen gefärbten Sagen unb Schichten befieht, bie unter einanber vermebt finb, Snpp; menn ec vielfarbig ift unb bie garben ftdf bem2luge abmechfelnb jeigen, Spal, unb menn et mit Sabpib vermifd)t gefunben mirb, Sabpacfjat. Sec febonfte fommt aub 5n= bien unb Sicilien; auch ftnbet man >h n 1)011 allengatben in (Böhmen, Sadpfen, Reffen unb graulen; ebenfalls gibt eb allerlei adfatartige (öerfteinerungen, ber: gleichen in bem fächft'fchen ©rjgebirge vornehmlid) angetroffen tverben. Seinen (Kamen h°t ber 3fcf)at von bem gluffe SCdjateb auf ber Snfel Sicilien, an beffen Ufern er juerft gefunben morben. 3f dpe(ou§ (auch 3fbpropotamob), ber ©renjfluf jmifchen 2Ctolien unb 3lfatnanien, entfpringt auf bem (Pittbub, ftromt burch bie Urfipe ber Hellenen um Sobonaunb fällt in bab ionifche SOteer. Sie Ufer biefcb gluffeb ftnb bie einzige ©egenb von ©riedfentanb unb ©uropa, bie einft Somen jur (ffiohnung biente. Sen glufgott 3fd;eloub nennt fteffobub einen Sofn beb Sceanub unb ber SEfjctCS; 3fnbre anberb. ©r fämpfte mit ^terculeb um bie S e j a n i r a (f. b.), oermanbette fleh, alb biefer if)nju(8oben gemorfen, in eine fürchterliche Schlange, bann in einen Stier, unb flüchtete, nadpbem er ein djom verloren, befdpämt in bie ©eilen feines gluffeb. 3fub bem abgebrochenen-^orne, erjählt man, machten bie (Kpm= phen bab .fjotn beb Überfluffeb. ©r mar ber (Batet ber S i r e n e n (f. b.). 3fch > ent»all (©ottfrieb), geb. ju ©Ibing in (Preußen ben 20. Set. 1719, ber (Begrünbet einer neuen SBiffenfcfaft, ber Statiftif, ftubirte in S?na, ^alle 56 2fd)econ 2fd)iüeS unb Seipjig. 1746 ließ er ftd) in SKarburg nieber unb lag ©efcbtd)te, 9fafur* unb Sölferrecf)t; enblicf) ©tatifrif, uon ber er bamalg erft anftng ftd) einen be= fiimmten Segriff $u hüben. 1748 begab er ftd) nach ©öttingen, wo er einige Starre barauf fProfeffot mürbe. Sei biefer Unmerfttöt blieb er big an feinen $£ob, ben 1. SOfai 1772. A. l)at »etfdjiebene 0feifen in bie ©cfweij, gtanfteid), ^)ol= tanb unb ©nglanb gemacht unb mehre 2Becfe fjetauggegeben über'bie ©efd)id)te ber ettropaifdjen ©taaten, ©ta«tgred)t, ©taatgmirthfdjaft unb a. m. 23ie meifien haben mehre Auflagen erlebt, bie er jeberjeit mit angefltengtcm gleiß »erbefferte. 3n feinen SSorlefungen unb fjiftorifdjen Arbeiten bemühte er fid) hauptfächlid), mitten in ben aufeinanberfolgenben 33egebenf)eiten, welche bie 3al)rbttd)er ber Sollet barbieten, Alleg fefi jtt galten, mag jttt Silbung unb @nt= wicfelung itjreg 3uftanbeg unb ifjreg politifcfen ©eing l)atte beitragen fönnen. ©ein .fjauptoerbienff bleibt, baß er bie 5Bi(fenfd)aft, beren j3wec? cg ifi, fpfte^ matifd) bie fftatur unb Sfaffe bet tfiätigen Ärafte eineg ©taatg fennen ju tefjren unb baraug bie Quellen unb ÜJfittel beg phpftfehen unb moralifdjen 3Boflftanbeg abjuleiten, in eine beffimmte unb feffe gorm brachte unb aug einem neuen unb licßtöollen ©eftditgpunfte betrad)tete. ©r gab il)t ben 9?amen ©tatifiif (f. b.). ©ein »omehmfier ©dtüler, unb jugleicf) fein 9?ad)folger auf ber Unioerfttat ©6t= tingen, war ©cblöjet. 1752routbe Sophia ©leonora, geb. SBalttjcr, feine ©aftin; ein fefr gelefrteg gtauenjimmer, beren ©ebiebte 1750 oftte ihr Sotmif» fen im Scudi ctfd)ienen unb ihre Aufnahme in ben beutfdjen ©efellfd)aften ju 3ena, .£>elm)fdbt unb ©öttingen »eranlaßten. An ben SKeiffrrjtücfen moralifdjer Abfanblungen engl, unb betttfefjer ©cbriftjMer, befonberg an ber 3. ©ammlung (©öttingen 1753), hatte ffe dielen Anteil. Acf)eron, bei ben Alten ein gluß ber Unterwelt, über melden ©haronbie Seelen ber Serfforbenen in einem Äaljne überfuhr unb bafur ein gdljrgelb befam, ju weld)em SSefuife man bem Sobten einen JDbolug unter bie j3unge ju fteden pflegte. Aber nur biejenigen ©chatten, reeld)c auf biefer Söelt ein 23egtäbniß ober roenigfteng etmag ©rbe auf ben .Körper erhalten hatten, mürben über ben gluß gefahren; außetbem mußten fte ein ganjeg gahrfjunbert am Ufer herumirren. 3n ber alten©eographie heißen 5 uecfcf)iebeneglüffe A ch er on. 23er in ©pirug (fProDinj 3«nina) firömt burd) ben ©ee Adterufa, bann eine ©treefe unter ben gelfen beg cafftopeifcfen ©ebitgg unb fällt bei fPreoefa in baS ionifdte SD?eer. ©r heißt jefct S3elid)i. Aud) in Agppten hieß ein 9filarm, in bet 9fäl)e oon Sfemphig, Acheron, unb ein ©ce Achetufia; über biefen führten bie Agppter ihre lobten, um fte auf einer Snfel im ©ee ober am anbern Ufer ju begraben, ober wenn bet S£obtenrid)= ter fte »erbammt, in« SBaffer ju ftürjen; baher bie gried)ifd)e SJfpthe. — Sie -£>öl)le beg ©erberug, genannt Acberuft'g, befanb ftd) bei bem gluffe Ad)eron in S3i= thpnien bei-fjerablea. Aud) ein ©umpf jmifdtcn ©umä unb bemSorgeb. SKtfenum in ©ampanien hieß bei ben Alten Achetufia. ©egenmärtig iff hier eine @al}fteberei. A d) i 11 e §, ©ohn beg ^elettg, Äönigg ber Sfprmibonen in Snjeffalien, unb ber Stetig, einer Mochtet beg fftereug; ©nfcl beg 2fabug. ©eine SWutter taud)te ihn in bag 3Baffet beg ©tpr, rooburd) fein ganjer Äörper big auf bie gerfe, an welcher fte ihn gehalten hatte, unoermttnbbar warb. -9J?an hatte ii)m prophejeiht, baß er jroar nor 2!roja ftd) unfferblid;en Stuhm erwerben, aber and) feinen Sob bafelbfi ftnben werbe; bagegen würbe er eineg langen ßebeng genießen, wenn ec ju -f)attfe bliebe. Um ihn ben 'öfuffoberungen jur Sbeilttafnte an bem Kriege gegen Sroja ju entjiehen, brad)te Stetig ben 9jährigen ätnaben in 50Jabd)enfileibern unb unter bem Ofamen ^)prcha an ben <£of beg Äönigg »on ©fprog, Spfomebeg, wo er mit beffen Stödttem erjogen würbe. 2)ec fSBahrfager Äaldjag aber »erfün= bigte ben ©riechen, baß ohne ben H. Sroja nicht erobert werben fönne. SWan forfdjte allenthalben nach feinem Aufenthalt, big ber an Siffen unerfd)6pflid)e Ulpf« 57 Xd)iUeS SatiuS feg if)it entbeeFte. Stefer etfdjien an bem eftofe beg Upfomebeg alg .fjanbelgmanu unb bot beg Äönigg SE6rf)tern SBaaren feit, unter benen audf) 2B affen waten. 25ie gütjfinnen griffen nad) weiblichen ©egenftänben, X aber nad) ben Söaf* fen. 3e&t warb eg nid)t fefwet, ben feurigen, ruhmbegierigen gelben ju »er* mögen, mit ben übrigen Surften ©ried)enlanbg SEtoja ju bekriegen. ^»fjonip unb bet ßentaut Chiton waren feine 2e!)tet gewefen. liefet hatte itjn in ber #eit* ?unbe, in ber fÜtuft'f' unb im Seiten unterrichtet; jener, fein eigentlicher Srjiehet, folgte ihm »or SEroja, um ihn ju einem trefflichen Otebner unb tapfern .Stieget jtt hüben. X erfd>eint in ber Süag, beten Jpaupthelb er ifi, nicht nur alg ber Sapferfte, fonbern and) alg ber ©djönfte ber ©riedjett. ©r führte 50 ©djiffe ber tOtprmibonen, Xdjäer unb Hellenen nach SEroja unb jerflorte 12 ©täbte mit bet glotte unb 11 ju Sanbe. djiere unb ^allag 3ltf)ene fd)ii(jtcn ihn alg ihren Sieb* ling. ©ntjweit mit Agamemnon, ben fämmtlidje gütfien ju ihrem überhaupt erwählt hatten, entjog er ftd) bem .Stampf unb lief eg gefdjehen, baf #eftor an ber ©pifce feiner SErojanet bie griedjifdjen ©d)aten in männermotbenber Selb* fchtadht bahinraffte. Senn unoerföhnlid) jürnte er bem Könige um bet SStifelg (ber SEodjter beg Vrifcg unb ©emahlin beg Königg Vipneg »on Spttteffug) willen, welche biefer ihm, bem fte bei ber Vetlofung ber Veute ju SEfjeil geworben, wiebet* genommen hatte, jum ©rfap für bie ©hnjfe'ig (bie äodjter beg ©htpfeg, «ineg fPtiefletg beg 2(poll), bie auf feinen Xitheit gefallen, bie er aber bem Vater hatte jutücfgeben müffen, um bie Verheerungen ber non 2fpollo auf beg ©reifeg, fei* neg SPriefterg, g(et)cn über bie ©tiedien gefanbten ^eft abjuroenben. Olidjt bie SSebrängnif ber ©riedjen, nicht 2fgamemnon’g Xterbietungen beugten beg 2fa!ibcn Bont; bod) erlaubte er feinem gteunbe fPatroflug, in feinet eignen SRüfiwtg unb mit feinen .Stiegern in bie ©djladjt ju gehen. fPatroflug fiel burd) ^»eftor’g 3frm; jefst, ben 5Eob beg greunbeg $u rädjen, jog X wieber in ben Kampf. Stetig felbfi brachte ihm neue föfflidje SfBaffen, welche Vulean ihm be* reitet hatte, unb unter meldien ber ©djilb befonberS funflreid) war. ©r »etföfjnte ftd) mit Agamemnon, inbem er bie bargebotenen ©efdjenfe annahm, unb eilte »on Xljene mit Cfteftar unb Xnbrofia geftärft, in bag SEreffen. Sie SErojaner fliehen, unb ftürjen ftd) jum $Eheü in ben glufj Santhug, woljin 2(d)illeg fte »er* folgt. Sie Seichname hemmen bie SBellen beg glufgotteg, welcher, beg ©e= megelg mübe, ©tillffanb gebietet. Sa Senet aber nicht gehorcht, erhebt er brül* lenb feine glutcn unb fiürjt fiel) auf 3ld)il(eg. Von fPofeibon unb Xljene ange» feuert, flellt fiel) bet gliefjenbe bem Santhug entgegen; biefer aber ruft ben ©i* moig mit feinen ©ewäffern ju $ülfe. Sa fenbet $ete ben Vulcan unb ben $aud) beg Bephptug unb 9fotug, weldje ben glufgott in feine Ufer jurücfbtängen. X aber »erfolgt bie Srojanet nad) ber ©tabt, unb hätte biefe jefct erobert, wäre er nicht »on Vfpollo »erf)inbert worben. ^)eftor allein ftanb noch »or bem ffäifdjen SEljore, flot) 3 Vfal, »on X »erfolgt, um bie ©tabt unb bot ftd) enblid) bem Kampfe bar. ©r fällt; 51. fd)leift ben Seidjnam beg gelben um bie ©tabt, unb liefert ihn enblid) bem bittenben fPtiamug gegen ein Söfegelb aug. — hiermit fchliept bie ©tjäf)lung cjpomer’g. X’g fernere ©efd)id)te wirb alfo etjähtt. Von Siebe ju ?>olprena, beg ^rtamug Sodjter, entbrannt, erbat unb erhielt er biefclbe jut ©attin; er »erfprad) bagegen SEtoja ju »ertheibigen. 2llg et ftd) aber in ben SEempel 3fpolIo’g begeben hatte, um bort feine Verbinbung ju feiern, erlegte ihn SParig, ber ihn mit einem fPfeil in ber gerfe »erwunbete. 9fach Jlnbern war eg 3fpoll, ber ihn töbtete ober bod) ben ^)feil beg ^)artg lenfte. Um feinen Ccichnam entflanb ein blutiger Äampf. 2fd)illeS!$atiuS, ein gtied)ifd)er 9Jomanbid)ter ober fogenannter@ro* tifer, geb. ju Xepanbria, lebte muthmafüid) ju ©nbe beg 3. unb ju Xtfang beg 4. Sah^h- alg Sehret ber 3febefunft in ber genannten ©tabt. ©r ging im fpäten 58 Acfjmet III. 2Cd)fe 2fttcr jut chriftlithen Religion über unb erlangte bie 5Burbe eine« SSifcfjofä. Aufer einer nur im AuSjuge erhaltenen @d)tift über bie ©phäte, beftfsen wir non ihm einen [Roman in 8 SSüdjetn: „Sie Siebe beS Älitophon unb ber Seucippe", bet in ^)inficht auf Inhalt unb Satfiellung nicht ohne SSetbienfi ift unb einzelne mei= fierhafte enthält. Sie ©pradje ifi reid) an rhetorifchem ©efmuef unb oer= liert ftd) nicht feiten in fophif!ifcf)e ©pibftnbigfeit. ©egen ben 23orrourf ber £)b= fcönität, ber bem SBerfe mol gemacht rnotben, menbet ein griechifcheS ©pigrantm mit 9fed)t ein, baf ber 3mecb beffelben ju ermägen fei; biefer aber fei {ein an= brer, als SRaf in ben SSegierben ju lehren, ben unbefonnenen Seibenfchaften ihre ©träfe, bet Äeufchheit ihren Sohn ju geben. Sie befien Ausgaben ftnb: Sepben 1640; mit ©almaftuS’S Anmerf. oon 23obe, Seipj. 1776; oon SRitfdjerlid), Smeibrücfen 1792; beutfeh o. Öfl unb ©ülbenapfel, Seipj. 1802. A ch m et III. , türüifcher Äaifer unb ©ohn SRohamnteb’S IV. , regierte «on 1703 — 30. ©eine [Regierung bietet oieterlei SRetfmürbigeS bar, oon melchem mit hi^ nur anfuhren, baf Äarl XII. nach ber Schlacht bei [Pultama bei ihm ©dju& fud)te unb fanb. ilarl oetfianb es, Ad)tnet mit bem (5jar [Peter I. in Ärieg ju »etmicfeln, ber für biefen ohne bie Klugheit feiner bamaligen ©eliebten unb nad)= Stetigen ©emahlin, Katharina, einen fe^tr unglücf liehen AttSgang mürbe genom= men haben. (©. [Peter I.) Ad)met III. mar eS auch, bet 1727 bie erfle Srude= rei in Äonftantinopel anlegte, ©egen baS 6nbe feiner [Regierung empörten ftd) bie Sanitfcharen gegen ihn, unb er manberte in baffelbe ©efängnif, in melchem er feinen 5Rad)folget SRahmub I. seither gefangen gehalten. 6t fTtarb 1736. Achromatifdh, farblos. Set meiffatbig erfcheinenbe Sichtftraljl ijt aus mehren buntfarbigen Sid)tjfraf)len oon oerfchiebener 35red)barfeit jufammengefeht. gällt baher ein folcher ©traf)l auf baS ©las eine« geroöhnlid)en gernrohrS, fo entffehen farbige [Ränber. Sollonb (f. b.) erfanb gernröhre, bie biefem gef>= ler nicht untermorfen ftnb unb befhalb ad)romatifd)e heifett. 6t unb fein ©ohn, ferner [RamSben, fPpeftnd) unb [Reichenbad) in SRüncfjen maren als SSerfertiger foldjer Snfiutmente am berühmteften. Sie-Snftrumente beS Settern übertreffen jelbft bie englifdfen. (©. 3feid)enbad).) Achfe, befanntlich bet Sh e 't eines guhrmet{S ober ©efd)übeS, auf bem bie anbern Steile beffelben ruhen, unb an bem bie [Räber befeftigt ftnb. SRan hat in neuerer Seit foldf)e ganj oon 6ifen, unb bei leichtern gul)tmcrfen fogar bie 2Cc^S= fchenfel bemeglid) gemacht. Saf bie eifernen Acffen bei fchmeren gahrjeugen, mie S. 33. ©efchübett, SRunitionSmagen u. bgl., fe£)r jtroecfrnäjfig ftnb, ifi jefjt ent= fchieben. Sie größere ^altbarfeit bemeifi ber gelbjug 1814, mo e« bei ber preuf. Armee alte höljerne, franjöfifdje eifetne unb aud) engltfcfie Ad)fen, mobieSRit* telachfe oon $olj unb nur bie Acf)Sfd)enfel (bie Steile, mo bie [Räber aufgeffeeft metben) oon 6ifen ftnb, gab, unb mo man nach 33eenbigung beS gclbjugS, ber noch baju bei bebeutenber Äälte, mo 6ifen leichter fpringt, geführt mürbe, fanb, baf eine eiferne gebrochen mar, toenn 100 hölzerne unb 33 englifd)e ju ©runbe gingen! dpietanS folgt, baf eiferne Achfen, bie erfie Anfchaffung abge= rechnet, .Soften erfparen. Auferbem ftnb fte nid)t oiel fchmerer als bie ju fchmeren guhrmerben erfoberlichen hölzernen Atffen, fte erleichtern, ba fte megen gröferer Sünne meniger [Reibung geben, baSgaljren, unb bleiben auf 2fah r hnnberte f)im auS bauerhaft, mährenb bie höljernen murm|iid)ig merben. 3Rit 9ted)t ftnb fte baher bei ber franj. unb preuf. Artillerie allgemein eingeführt. Sie Achfen mit bemeglichen ©chenfeln, eine englifche ©rftnbung, jetebnen ftd) baburrf) auS, baf bie ©chenfel ganj »on ber 9Rittelad)fe getrennt ftnb. Sutd) bie 6nben ber le^tern gehen eifeme So/fen, an benen bie ©chenfel befeftigt ftnb, unb um bie fte ftd) in horigontalec S5emegung brehen. Natürlich erleid)tert bieS baS Senfen unb erfpart baS au« anbern 9fücffttf)ten oermerfliche Unterfriedien; eS ifi jebod) bie grage, ob 59 Xä)t tiefer Sortheil nidfjt auf .Soffen ber geffigfeit erlangt roirb. 25a gufjrwerfe mit biefet Art Achfen jefst in ©ngtanb allgemein gebräud)lid) fein follen, fo roitb bie ©tfal)tung halb über itjrert äöertt) entfd)eiben. 32. 2 t dj t (bannum, ban, outlawry, utlagaria, jut.), bie ©tfldrung bec @e= richte gegen ungef)orfam augbleibenbe Parteien, woburd) fte beg ©chufceg ber @e= fe^e für «ertuffig erflärt werben. Sn ältern Seiten würbe bieg Stittel aud) wegen blof bürgerlicher 9fed)tgfad)en gebraucht (bannum contumaciae) unb ift nod) je|t in ©nglanb üblich, infoweit eg burd) befonbere ©efe&e eingeführt ift; bennbteAn= wenbung ber Adit in blofen bürgerlichen 9fed)tgfad)en farn etff nach ber normännU fchen Eroberung in ©ebraud). Auch in 2)eutfd)tanb iff jwar bie Acht als blof bür* gerlichcS Swanggmittel langft auf er Übung gefommen, befonberg nachbem bie ©rünbung beg 9 ?eid)gfammergerid)tg ben Anfang ju einer allgemeinen Sfeform bet ©erichtgoerfaffitng gemad)t hatte, ©g blieb bähet nur bag Adftg» erfahren gegen flüchtige unb abwefenbe Verbrechet übrig, unb auch bieg in gewöhnlichen ©traffäU len nur augnahmgweife in einigen beutfchen Sänbetn, unb in ber 9feid)gacht gegen bie, welche ftd) an Äaifer unb 9feid), »ornebmüd) burd) Sanbfriebengbrud) ober 2fuf= lehnung gegen ben Äaifet, «ergangen hatten. ©en Anfang beg 2fd>tSproceffeS mad)te eine öffentliche, get»öf)nlid) brehnalige, Sorlabung beg 2 fngeftagten, fid) jur Verantwortung ju ffellen, bei ©träfe, für geffänbig unb überführt geachtet 31 t wet= ben. Stieb berfelbe aug, fo würbe bie erfte einfad)e Adf)t (irrig Unterad)t) gegen ihn erfannt, beten golge fd)on war, baff er für einen präfumtioen Verbrecher gehalten würbe, im Sejitf beg erfemtenben @erid)tg fein 9?ed)t augüben fonnte unb feinen ©d)ufc hntte, auch tm Setretunggfall fogleid) »erhoffet werben mufte unb jut 3 !or= tut gebracht werben fonnte. Sinnen Saht unb Sag mufite er feine ©traflofigfeit augführen unb ftch aug bet 2fd)t jieljen; nach Ablauf biefer griff würbe auf neuen Antrag beg Anfiägetg bie jweite ffrenge ober «oliffänbige Ad)t, 2fberad£)t (bannum reiteratum, re-bannum, aud) £)berad)t genannt), gegen ihn auggefprochen, weU dje in gdnjlid)et ©d)ufj = unb 9ted)tloft'gfeit beftanb, bürgetlid)en Sob, ©töffnung ber Sehen, Auflöfung ber ©he unb Sogeifreiheit nad)ftd)jog. „9Bir theilen", heift eg in einet alten gormel, „beine 2 ßirtl)in ju einer wiffenhaften SBitwen unb beine Äinberju ehehaftigen SBaifen; beine Sehen bem ^tertn, «on bem fte p Sehn rühren, bein ©rb unb ©igen beinen Äinbern; beinen Seib unb bein gleifd) ben Shieten in ben fffiälbern, ben Sögeln in ben Stiften. 2Bir erlauben bid) männig= liehen auf allen ©trafen, unb wo ein jeglidjer SSRann grieb unb ©eleit hnt, follff bu feineg haben, unb wir weifen bid) in bie 4 ©trafen ber Vielt in bem fRamen beg Seufelg". Ähnliche gormeln würben nod) 1706 gegen bie .Surfütften 9Rapi= milian ©manuel non Saiern unb feinen Sruber Sofeph ©lemeng «on Äöln augge= fprod)en. Vier einem ©edchteten (Achter) Aufenthalt unb ©chufc gab, ftel felbff in bie Acht, wie bieg bem ^»erjog Sofwnn griebrid) «on ©achfen 1566 gefchal), weil et ftd) beg geächteten Vitlf)elmg «on ©rumbad) annahm. £>ie 9feid)gacht (bannum imperii) war nur babutd) auggejeid)net, baf ftd) il)tegolgen übetba« ganje9feid) erffreeften, unb baf fte häufig mächtige gürffen unb ©rofe beg 9feid)g traf, wie 976 ben effetjog $einnd) »on Saiern, 1180 .fhetjog Heinrich ben Söwen «on ©achfen unb Saiern, 1208 fPfaljgraf Dtto «on Viittelgbad), 1547 Äucfürft Sohann griebrid) «on ©ad)fen, 1619 ben Äurfürffen griebrid) V. «on ber *Pfat$ mit ihren Sunbeggenoffen, 1706 bie erwähnten Surfürffcn «on Saiern unb Äöln, ben $et}og »on SRanttta, unb nod) 1758 würbe eine Achtgerflärung gegen Äönig griebrid) II. «on fPreufen alg Äutf/ttffen «on Sranbenburg eingeleitet, aber burd) bie eoangelifcben 9feid)gftänbe abgewenbet. ©chon ber älteffen Setfaffung war eg gemäf, baf folcf)e Abhtgerflärungen nicht «om .Saifet allein, fonbem »on einem ©erid)te aug ©tanbeggenoffen beg Angeflagten auggefprochen werben fonnten, unb Äatl V. mufte 1519 in feinet V3af)tcapitulation (A. 22) «etfprechen, feine Acf)tg= tfcEcrbau 60 Tfcibität etfldtung ogne orbentlidjen ^procef unbSuftimmungber 9 feicb«ftdnbeoorjunebmen. ©r felbft lief aber ben Äurfürften Sodann griebrirf) een ©ad)fen, ben Sanbgrafen *pi)>tipp eon Reffen u.3f. einfeitig unb ogne gefeglidje gotm öd)ten, wie e« auch oon Äaifet gerbinanb Ii. 1619 gegen Äurfürft griebtid) V. eon bec fPfalj, SRarfgtaf 3of>ann ©eorg eon 33ranbenburg, gürft ©briftian e. 2fnt>alt u. 3t. gcfctjctl). 2)af)et würbe im weflfdlifcben gtieben (£)«nabt. gc., 3trt. 8 ) unb nad)l)et in ben 5Bat)l= capitulationen feit 1711, 3trt. 20, ba« Verfahren bei 2fd)t«etEldrungen genauer ge* orbnet, unb beftimmt, baf fte nur auf bem 9feirf>«tage erfannt werben tonnten. 37. 2tcibität, ©auerf)«it, in engfiet S5ebeutung, bie ©igenfdjaft berje» nigen ©taffe dicmifcher Äörpet, weldte wir © d u r e nennen (f. b.). ffjfan braucht biefe« SSort oorjugSweife al« ©egenfag ber3flfalitdt. (©. 3tl{alien.) 3n neuern Seiten bat man biefem 2 fu«brucE eine weitere Sebeutung beigelegt, inbem man it)tt nid)t blof al« ©egenfag ber 2 flfalitdt, fonbern ber S 3 aft'citdt überhaupt gebraucht bat. SRan fdjreibt bemnad) einem Äörper acibe @igenfd)aften ju, wenn er ba« Sßetmögen befigt, S5afen jt: neutraleren. 3t(fer nennt man 1) eine in ber Siegel jut ©ultur oon fProbucten für ba« 83ebürfnif ber ©tenfdjen ober 5EE)iere beftimmte ©treefe Sanbe«. 33ie 3nbuftrie be« ÜJlenfcben wirft hier allemal mit auf bie ergiebigere SSegetation, obgleid) nicf)t in jebem Satjre auf gleiche 2 trt. 2 ) ©ingewiffe«, burd) ©efege ober >£erfommen beftimmte« gtdhenmaf, ba« freüid) ebenbager oetfd)ieben ift. 3 m Äönig» reid) ©ad)fen j. S3. t)dlt ber 3tcfer 300 G9t., bie 9?utt>e ju 15 guf 2 Soll bte«b* ner SJtaf = 52,416 parifer GS- 3m ©rofberjogtbum ©aegfen gdtt ber wei» marifebe 3tr= jüglid) einer oerbefferten ©efeggebung bebürfen, baf ©in Sanbmaf im ganjen Staate berrfd)enb werbe. 3m übrigen23eutfd)lanbaufer©ad)fenbeced)net man feine Sanb= fldd)en halb nad) Sonnen, ©djeffeln, Sftorgen, 3ud)arten, 33ematb, -fjimtentc., beten Sfcbuction auf parifer guf nod) nicht einmal richtig angegeben wirb. 2f cf et bau (uneigentlid) gelbbau, Sanbbau, gelbwirtbfcbaft) ift berjenige Sgeit ber Sanbwirtbfd)aft, welcher ba« gefammte 3tcferwefen in ftd) begreift. 33er Smecf ift, ben 2 tcfer burd) bie dtunfi in ©tanb ju fegen, baf er nicht nur bie gröft* mögliche ÜJtenge ber lanhwirthfcbaftlicgen ^flanken, fonbern biefe aud) in ber beften 3trt berootbringen fönne. ©o einfad) ber 3fcferbau bem ltnfunbigen febeinen muf, fo ift bod) feine Sehre, b. i. feine wiffenfd)aftlid)e 3Darftellung, fo umfaffenb, baf fte au« ben fdmmtltdjen 93aturwiffenfd)aften, hauptfdd)lid) fPflanjenfunbe (S3ota* nif), 9Rineralogie, ©gernie unb fPbpftf, unb au« ber SRatgematif befonber« ©eo« metrie, 9tted)anif, -£>t)braulif ;c. oorauöfegt. 33ie Sufammenftellung ber burd) bie ©tfagrung aufgenommenen unb burd) bie SBiffenfcgaften bewiefenen Segtfdge ober Stegein beift bie 3tcferbauwiffenfd)aft; biefe angewanbt, bie 3(cferbaufunfi. S5etrad)ten wir ben 3fcferbau in ftaat«wirtbfd)aftlid)er ^infid)t, fo entgeht un« nid)t, baf er allen cultioirten unb einigermafen beoölfetten Sdnbern bie bauptfdd)* lid)ften ©ubfiftenjmittel gewahrt, ©aber oerebten banfbare 58ö(fer Q3erfonen, bie im 2 fcferbau neue einflufreicbe ©rftnbungen mad)ten ober fte bei ihnen einfüf>rten, göttlich, 5 .58. bie Ägypter ben Öfi'ri«, bie ©icilianer bie ©ere«, bie Stömer ben ©aturn k. 3n 3fgppten ift ber 2fcfetbau am meiften gewürbigt worben, hier mach» te ber 3fcferbauerftanb ben erften be« ißolfs au«. 33ie 9Biffcnfd)aften feibft würben nad) bet 3fnwenbung, bie fte beim 3(cfetbau fanben, benannt. 3)icfe« Sanb oet= forgte einfi, fo lange ndmlid) ber 3fcferbau bie immer nötige Unterftugung erhielt, mit bem Überfluffe feiner ©rjeugniffe, bei eigner jtarfer S3o(f«jabl, manche« anbre 2Ccferbau 61 ßanbj unb jefct, ba ben 2lcfetbauer bafcfbft Verachtung brücft, ift bet Srttag fehr gefunden. SBaS man in Europa bis jefct jur 2ütff)ütfe beS 2fd!erbaueS ttjnt, »er» bient, in S3etrad)t feiner 2Bid)tigfeit, faurn einer Srmäljnung, aber befto mef)t baS fpflematifd)e Verfahren, benfelben }u unterbrächen! — Veirn 2fc!erbau forn» men hauptfächlicb in Vetracf)t: bie Urbarmachung; fie wirb bewirft burd) SBegräu» mung bet Säume, ©trauter unb anbter fPflanjen, unb gefdiieft bei ben erftern burd) ERobung unb bei ben lästern burd) 2ibbtennen, welches man aud) ©djwen» ben nennt, burch 2Begfd)affen ober Vetfenfen ber groften ©teine; tiefliegenbe^läfce werben burbh mehr ober minber umftänblidje Vorrichtungen entwäjfert ober troefen gelegt. fSRinberfoftfpieligunbumfiänblid) werben neuerer burd) baS blojje 2fuf» brechen mit 2f cf erwerf jeugen, *Pflug unb -£mcfen, ober befonbetS baju geeigneten 9Rafd)inen, wie ber 9fafenfd)äler, gewonnen. 35a feiten ein neuer 2(cfer eben genug liegt, um in ber golge gehörig bearbeitet ju werben, fo gehört hierher auch noch baS Sinebnen, woburch nämlich bie fcf)coffen 2fnho£)en abgeflofjen unb bie tiefen ©teilen auSgefüllt werben. Sin folcher 2fcfer, ber nun ffteubrud) bjeiflt, bebatf überbieS nod) mancher Vehanblung, ehe et mit fPflanjen befiellt werben bann, hierher gehört, baf ihm burd) wieberijolteS 2fnwenben ber 2fflanjen mit ihren SJutjeln auf fRoherbe ftofen, fo werben fte frattf unb fterben halb ab. fRoherbe heift nämlid) baS Srbreid), weites »on ber £uft nicht butd)brungen wot» ben ift. ©iefe Sefcbaffenheitnimmt jebeS Srbreid) an, welches »erbeeft liegt. 25urcf) forgfältigeS 2£«fcüt)ren werben bie jttfammengeballten ©tude jertrümmert unb in Ärume »erwanbelt, in welche bie 2uft leicht einbringen bann. 3t nad)bem ein ffteubtud) mehr ober weniger ERohetbe hat unb biefe gefchloffen liegt, bebarf er auch mehr ober weniger ^Bearbeitung unb 3eit, jut SEragbarfeit ju bommen. — 2ßetl bie Anlage neuer 2fcfer nicht nur fehr umftänblid) iff, fonbern aud) öfters mehr Äoffen macht, als wofür man fdjon urbar gemachte faufen bann, fo wägt ber Sanbwirth genau ab, weld)eS er flüglid) ju thun habe. SS werben batum ge» wohnlich auch nur ba mühfam 2icfer urbar gemacht, wo biefe überhaupt in einem hohen greife flehen, ober wenn man ftd) »on ben neuen gtofsen 92u|en »erfpricht. Sin urbar gemachter 2lcfet bebarf ferner, nach SRafgabe ber baraufju etjieienben fPflanjen unb in Setradjt ber beabfid)tigten Verf)ältniffe, eine gleichfam immer» währenbe Veffellung, bie bei jeber neuen fPflanjung angewenbet werben mufj. ©ie bejlef)t fowol in ber mechanifchen Vearbeitung beS 2(cferS als in ber Srf>al» tmtg feiner nötigen $rud)tbarfeit. SineStljeilS gefchiehtbaS, wenn folche fPflan» jen barauf erbaut werben, bie beS 2fcferS Äraft am wenigften erfdjöpfen, unb an» berntheilS, wenn bemfelben foldje ©toffe jugefühtt werben, bie ben 2fcfer wieber umfo »iet mit frudjtbaren Sheilen bereichern, als bie erjielten fPflanjen ju ihrer 9Rat)rung ihm entzogen haben, 25iefe ^Düngemittel t>erfd)afft man ftd) nur burd) weitläufige unb fofffpietige Veranffattung, wie guttergeminn, bie barauf begrün» bete Viehhaltung, 25üngerfuhren, Vereitung eines SompoftS, 2fnwenbung beS SRergelS, .Ralfs, SppfeS, 9RoorS ober ©chlammeS, fPferd)ung. 2)a ftd) auf bie Srhaltung bet SEriebfraft beS 2fcfetS bie Srnten grünben, fo fommt auf bie ^Reihenfolge ber fl an j eit, bie fogenannte Dotation, fehr »iel an. hierauf grün» ben ftd) folgenbe2(cfetbaufpffeme: 1) 25aS 25reifelberwirthfd)aftSfpjiem (f. b.). 25a ftd) bie Verhältniffe, unter weldjen es eingeführt würbe, »eränbert haben, fo ift eS trofc feiner 2fllgemeinheit auf ben wenigften ©ütem mehr paffenb, fonbern fleht ben §ortfd)titten beS 2fcferbaue8 entgegen. SS hat einen 3jährigen Turnus: a) S5rad)e, b) SSintergetreibe unb c) ©ommergetreibe; man fagt ba» her: Vrad)art, SBinterart unb ©ommerart. 25a hierbei ber 2fcfet jebeS britte Saht feine Srnte gibt, fo hat man, wo ber ^utjwang ber Vetbeffetung nicht ent» gegenffeht, infofern eine 2(bänbetung gemacht, bap man im Vtachjahre ebenfalls 62 2Cr falten, fo f>at man fx'e 58rad;frud)te genannt. Sie gemofttlicffffen ffnb: .Kartoffeln, Küben= arten, Äolffarten, SEabacf, giacfS, ©tbfen, SBicfen, Sinfen, 58ud)Weijen ober ^eibefotn, ©pari (spergula arvensis, L.). Sa ferner biefe ©ewddffe in einem ©ommet gteicfjfam als eingefeffoben erjielt werben, fo Reifen ffe and) 58efomme= rungSfrüdffe; fie erbauen: b«S 58ef6mmetn. Siefe SJetbefferung beS Sreifelber= wirtljfdjaftSfpffemS iff je&t burd) ganj Seutfdffanb mit bet <5infuf>rung ber ©tall= futterung jiemlid) gemein worben. Sie erffe £D?et£)obe, wo bie SSracfje nid)t jurn ©tbau fo(d)et grüdffe benufjt wirb, nennt man jurn Unterfcfffebe ber le&tern bie Sreifelberwirtlffcffaft mit reiner (b. i. nidff befamter) 58rad)e, fowie bie jweite bie Sreifelberwirtfyfcffaft mit befommerter 58 ca cf e. — 2) SaS grud)twed)felwittf)= fcffaftSfpffem ijat einen langem SurnuS, minbeffenS 4 Safjre, unb baS ©igne, baf eS in ber Siegel nid)t 2 SJlal ©etreibe unmittelbar auf einanber baut, fonbern eine minber jefrenbe 5PffacEte grüdjte, ©erfte, ©rbfen, Sßintergetreibe; ober befadte grüdffe, ©erfte, Älee, ^)afet, ©tbfen, Koggen, SBicfen, Sloggen. StefeS in neuern feiten burd) ben ©cbarfffnn ber ©ngldnber auSgebilbete unb burd) SEfaec nocf) mefr »erwollfommnete 5Birtf)fd)aftSfpffem fangt an, in Seutfdffanb in bie ©teile ber Sreifelberwirtl)fd)aft ju treten. ©S »erffattet am leidjteffen Hbdnbetungen, befor= bert ben llnbau ber gabrif= unb djanbeiSpflanjen, befd)dftigt viele SKenfcfyen unb begünffigt bie 58ief juefft. ©S fe|t aber »oilig freies ©igentfjum woraus. 3) Sie Äoppelwirtlffcffaft, aud) ©d?lagwirtf)fcf>aft, weil man bie 'llbtfeilungen berget bet Äoppeln ober ©dffdge nennt. SiefeS ©pffem fdjeint in ben alteften .Seiten in Seutfdffanb allgemein üblicf> gewefen ju fein, benn 5EacttuS fagt: „Arva per an- nos mutant et superest ager"(„©ie wecfffeln jdfjrlid) bie gelber, unb ber 'liefet ift fiberffüfffg worfanben"). greilid) mag man bamalS wol nid)t fo fpffematifd) bie liefet jum ©etreibe = unb ©raSbau gewedffelt fjaben, als jegt gefefieft, benn eS war 58oben genug »organben. SieS ©pffem erfjielt ffdj im norblidjen Seutfd)= lanb, wie in dpolffein tc., unb bilbete ft cf nad) ben wedffetnbcn Seitoecfjaltniffen auS. Ser fianbbroft ». ber ßitfje füfjrte eS in ber etffen dädtfte beS »origen 5«l)t= fyunbertS auf feinen ©ütern in 2)lecf[enburg ein, fanb anfdng(id) feftigen 5Biber= fptud), nachher aber fo allgemeine Kacfafmung, baf gegenwärtig biefeS ©pfiem, wiewoi unter mandier llbdnberung, in ganj SOlecflenbutg eingefüfrt ift, weffjalb man eS aud) nid)t fetten in ©driften bie mecflenbutger SBirtlffcfaft nennt. ©S pafft balffn, wo »ieteS, aber wenig bewolferteS 2anb ift, unb beffefjt bartn, baf man baS Sanb in eine gewiffe Salff uon ©dffdgen ober .Koppeln, b. i. gelber, ab* tbjeilt, j. 58. in 10, 12, 13, 18, jeben einige Sagre j. 58. 4, 5, 6, ju ©raS-- Wud)fe, um baS 58ief) barauf ju weiben unb Jpeit jum SEBinterfutter ju gewinnen, unaufgebroefen liegen läft, bann aufbrid)t unb einige Sagte mit ©etreibe befamt. ©S trifft ffd) in ber Kegel, baf bie«£>dtfte ber gelber jum ©raSWucgfe ober jur SBeibe (t>ier Sreifcg ober Steefd) genannt) benugt, unb bie anbre $alfte mit @e= treibe beffellt wirb. — ©nblid) erfobert ber Kcferbau niegt nur Sugwieg: fonbern aucg 5Kafd)inen unb SBerfjeuge. Sn ben erffetn get>ort ber 5pfTitg: eine EKafcfine, bie, wenn wir auf if>re ©irfung feiten, unfireitig mefjr leiffet als jebe anbre auf ber 523elt. 3f)t 58au iff empirifd) SaS geworben, was er jefct iff. 5Kerfwurbig iff hierbei ber Umftanb, baf bis je&t nod) feinem SKatfematifer gelungen iff, benff)flug auS feiner Snfammenfe^ung jur SEBtrffamEeit ju beteefnen. ©tff wenn uns bie 58erf)Altniffe beffelben genügenb befannt fein werben, burften wir im ©tanbe fein, ben moglicffff »ollfommenen ^)ffug ju erbauen. ©d>lüflief) iff ju bemerken, baf bie mannigfaltigen Arbeiten, welche wdftetib beS 2Ead)Sti)umS ber ^ffanjen auf bem gelbe »orgenommen werben, j. 58. baS Keinigen »om Unfraut (©dten), baS 3luflodern berdtrume, wie baS 58el)acfen, welcfeS bei mehren ©ewdd)fen, als Hermann (Äoncab) 2fcfecmann (Stubolf) 63 bei Kartoffeln, Stuben, Sabacftc., notf)ig if, unb bie i>ie(fad)en (Scntegefd)dfte jum 2t n Hamburg nur fetten, bilbete aber junge ©dbaufpieierinnen. 2t cf ermann (Stubolf), geb. ben 20. 2tprit 1764 zu ©cbneeberg im fdcbf. (Stzgebitge, wo fein SBater ein gefd)icfter ©attlet war, erhielt Unterricht auf ber lateinifcben @d)ule feiner iöaterffabt, erlernte ba« ©enterbe feine« 93ater« unb ging bann, nad) bem (mit gewiffen (Sinfchrdnfungen) fo nützlichen dhanb»etf«= gebrauche feine« SSaterlanbe«, al« ©efell -'ruf bie SBanberung. (St arbeitete einige Beit in ben SSBerffatten gefehlter Kutfchenfabrifanten ju|)ari8, »anberte bann nach SSrüffet, wo er in ber Bange’fhen Äutfcbenfabrif ©elegenheit fanb, feine Kenntniffe unb feinen ©efehmaef für Sßerfchönetungen im SJeiche ber SDtoben, be= fonber« in Sejiebung auf 2tlle«, »a« zum SBagenlttru« gehört, immer mehr au« 5 ubi(ben. (St übte hier auch feine früher erlangte gertigfeit im Zeichnen unb (Soloriren non SJfuftertafeln im gacbe bet Kutfhenfabrication unb anbrer fS?obe= artifel. ©ein reget Stieb, „oieler Sdtenfcfen ©tdbte ju feben unb ©itten ju fennen", führte ihn enblicb in bte große dpanbelgmettopole an ber Sbemfe. 2tnfang« mußte er ftd) ba febr barg lief) behelfen. Senn al« bloßer ©efell bei einem Coach-maker wollte er nicht in 2trbeit gehen. (Sr lernte bort einen beutfeben BanbSmann, gaciu«, fennen, »eichet auf feine •ftanb ein fftobejournal unternommen hatte unb am fang« ftd) nicht fd)led)t babei fanb. Sa bebachte fid) 2t. nicht lange unb gab auf gleiche SSBeife dpefte non SJtuf erb tattern ju Kutfchen unb (Sutricle« betau«, bie er felbf erfunben, gezeichnet unb colorirt hatte, ©ie erregten burd) SReufeit unb (Sleganj ber gotmen halb allgemeine 2fufmerffamfeit, SRan befeilte ftd) bei ihm 9)htf erjeichnungen. Sie« legte ben ©tunb zu einem Kunf fjanbel, ber ftch burch feine Shdtigfeit, 3ut>erl<5fft'gf!eit unb ©enauigfeit in ©efchaften halb fo er= »eiterte, baß er eine für Unternehmungen bet 2frt paffenbe (Snglanbetin heirathen, tonbner 33ürger »erben unb ein Äunfmagajin begrünben fonnte, »eiche« unter ber Benennung Repository of arts im SRittelpunfte ber ©tabt, am ©tranb, zu ben ©ehen«»ürbigEeiten ber britiffjen ^auptfabt gehört unb mehre hunbert 9Ren= fchen befd)äftigt. 3u 2trtfang biefe« 3«h r h- war 2t. einer ber (Stfen, welchem bie bamat«zuerf »erfuchtefStanter, wollene unb gefitzte ©toffe, 2ebet»etf unb S3a= pier »ajferbid)t (water-proof) zu machen, gelang, womit er eine Beitlang einen bebeutenben£anbet trieb, ©ein^auptgefchdft blieb aber fet« ber^anbel mit33il= berbüchern aller 2frt unb mit Süf ufern für alle 33erzierung8Eünf e, fürS)rad)tgerd= the (f. Upholsterer’s magazine wirb allgemein gefdjdht), ©tieferei, ^anbjeid)= 64 Xcfermann (Stubolf) nungen (f. Rural scenes unb Cottage* bienen allgemein ju 23ocIegebtattern) imb mit jatben, Sleiffiften, Pinfein unb 3eid)enpapieten aller Art. Sericft »on Allem, t»aö neu ift, erffattet feit 10 Sagten A.’« prächtige« Ptobejournal: „Repository of arts, Iiterature , fashions", t»o»on bie erjfe £Reif)e in 14 Sbn. 18 Pf. ©t. fojfet, unb bie neue 9ieif)e (New series) über 40 Hummern Sebe« d)eft h at 3 — 4 fauber color. Äupferfbicfe unb fojfet einzeln 4 ©d)ill. ©eit 8 Sauren unternahm et aud) eine SReitje topographifcher 3ßerfe mit aller Pracf)t britifd)er Aquatintablätter (unter Segünftigung ber teidien Sammler in ©rop» britanttien), bie bereit« eine fleine Sibliothef au«macl)en unb butef) ©enauigfeit in ber 3eicl)nung unb ©auberfeit in ber Au«füf)tung fdjroerlicf) oon einer ät)nlid)en Unternehmung in irgenb einem 2anbe übertroffen roerben. ©ein erjfe« 3Berf ber 2Crt iff ber „Microcosm of London", in 3 Sbn. 4. , mit 104 color. Aquatinta» blättern, ba« innere ber öffentlichen lonbnet ©ebäube unb Serfammlung«ptdhe, ©erid)t«höfe, fallen, Ptagajine ic ., mit lebenbigen Solf«fcenen ffafftrt, bar» ffellenb. ©injelne Abbilbungen barau« hat Saumgartner in Seipjig geliefert. iDarauf liep er in berfelbcn ©röfe unb 3terlid)feit bie äupere unb innere Anficf)t »on bet SBeffminfferabtei, »on ben Unioerfitüten Spforb unb ßambtibge, »on ben Schulen ju ©ton, Sßinbfor unb bem Charterhouse folgen. 2Me ganje @amm= lung in 9 Sbn. in Stopalquart fojfet 60 Pf. Sn f. „Religious emblems" (beutfeh bichterifch bearbeitet »on Arthur ». otbjfern, nebff ben ßriqinalabbrüden bei Srocf hau«) unb in f. „Hobinol field - sports by Somervile", haben bie erffen je|t lebenben dpoljfcbnittfunfiler in ©nglanb, roa« ©nglanb in biefem Äunfijtoeige leiffet, gegeigt, ©eine „Tour to the picturesque by Dr. Syntax" unb f. „Danses of death and of life", mit ©aricaturen »on Stowlanbfon, haben »iele Auflagen erlebt. Aud) ba« in ber eng(ifd)en2iturgie allgemein gebrauchte „Common prayer- book" hat X mit fchönen Silbern, »on Stjurffon unb Surnep gezeichnet unb »on ©cott gejfochen, f)etau«gegeben. Se&t lagt er bie lehrteichjfen Sucher a. b. ©ngl. u. a. ©prachen in« ©panifdje (»orjüglid) burch ben befannten Slanco ©h>t«) überfefsen unb fenbet fte nach Amerifa, t»o fein ältejfer Sohn in Ptepico eine Such = unb Äunffhanblung angelegt hat. Auch gibt er feit einigen 3«h t£ n ba« erfte Safchenbud) in ©nglanb: „Forget me not", al« Almanad) hetau«. — X, ber Safcer einer }ah!reid)en Familie, bie er jum Shell in Sffetten bei Pejfa» lojji erjiehen liep, unb ein unermübeter 2Bohltf)ütet feiner unbemittelten Ser« »anbten in ©adjfen, geigte ftd) bei bem 1813 entjfanbenen $ülf«»ereine jur Unterjfü&ung ber burd) ben Ärieg Serunglücften in Deutfd)lanb al« einen ber thdtigffert SfJfenfdjenfreunbe, unb gebad)te babei befonbcc« feine« Saterlanbe« @ad)= fcn. ©r mürbe baljer »om ©rjbifchof »on ©anterburp bei ber Sertheilung ber »om Parlamente »ermutigten 100,000 Pf. jur Unterjfü&ung ber Ärieg«befd)abigten »orjüglich gebraucht unb unterjog fid) mit Aufopferung feiner 3eit unb ©efunb» heit beinahe 2 Sah« hiu^urd) ben mühfamjfen Arbeiten in Rührung be« Srief» mechfel«, Au«mittelung be« bringenben Sebürfniffe« unb Sertheilung ber ©elber. 3Der Äönig »on ©ad)fen liep ihm burd) ben fachf. ©efanbten, Saton ». Suff, ba« Stitterfreuj be« fachf. Setbienfforben« einf)änbigen; au« ber meipner Porjellan» fabrif erhielt er, nebff feinen übrigen ©»liegen in ber 2Bejfminffer»©omite, prdcf)» tige, baju befonber« gemalte Porjellan»afen jum ©efd)enf, unb cfjerjog Seopolb »on ©ad)fen=Äoburg fchenfteihm, in Seforgung »on allerlei Äunjffachen, fein »olle« Sutrauen. A. machte im ©ommer 1818 eine Steife auf« fejte 2anb, tf)eil« um mit einem gefd)icften SBagenbauer in Stünden ba« »on if)m genommene Pa» tent, »on ben moveable axle trees, rooburd) alle« Ummetfen ber Äutfd)t»agen »erhinbert wirb, tfjeil# um bei Alop« ©ennefelber, bem Sater bet 2itf)ographie, feine Äenntnip barin juocllenben. A. lithographirt je(stin2onbonam heften unb t»itb »ermittelff eine« bcutfcben©ehülfen halb allen lithographifchen Snjfituten in@ng> 3fcrc tfct, 3fcfe 65 latib ben SJotfprung abgewinnen. ©eine Äunfiunternebniungett befestigen im ©ommer tdglici) 600 9Jienfd)en in unb um ßonbon. ©. feine 33iograpf)ie in: „Seitgenoffen", #eft 13. 2terc (Akka, ©t.=3ean b’2tcre), im Plittelalter PtolemaiS, ©tabtunb £afen an bei Äüfie ©prienS, t^auptoct eines oSman. PafdjalifS, ber jwifeben ben PafcbalikS DamaSk unb SarabtüS liegt unb auf 251 Q-Di. 420,000 ©inro, jdt)!t. Die Stabt, am gupe beS Äarmel, bet .fjauptmarktplaf; bet fprifd;en Baumwolle, fjat ungefaßt 16,000 ©inw.; bet $afen ifi oerfanbet, beffenunge= achtet aber nod) immer einet bet beften an biefer Äufte. 3 « ben Seiten bet Ümij= äuge war 31. bet oornebmfie CanbungSplafc bet Äteuäfaijret unb bet ©i& beS £)r= benS bet Soijanniter bis 1291; baljer bie ftanä. Benennung St.-Jean d’Acre. 1799 gelten bie DSmanen unter bem feinet ©taufamfeit wegen berüchtigten Djej-- ä«t Pafdja in biefem Srte, mit Unterftfifcung beS britifdjen Gommobore ©ibnep ©mitb, eine 61 Sage lange Selagerung oon bet franä6fifd)=<5gpptifd)en Armee unter Sonaparte aus. (©. Ägppten, ßanbung bet grans.) 2 C c t, eine döanblung. 1 ) Sn bem @d;aufpiele berjenige Jpauptabfcbnitt, mit weldjem bie ^»aitblung beS ©tucfS entweber ganj 511 ©nbe gebt ober für ben 3u= fdjauer einen ©tillfianb mad)t. Snfofern auf bet neuern Süfjne bet Anfang beS Acts butd) baS 2tufjief)cn beS SorfjangS bejeidjnet wirb, nennt man it;n aud) Aufjug. Sie Benennung ^»anblung ober gar Abteilung ifi weniger jwecfmdfig; beim ein gutes Drama bat nur ©ine $anblung, unb ein Ding in ©iner 2fbtb>ei= lung ifi ein SEBiberfprud). (©. © d) a u f p i e l.) Durd) einen ©tillfianb entfielt DaS, was man 3 wi fd) e n a c t (f. b.) nennt. 2) DaS jum 9 ldd) 3 eid)nen aufge= fiellte Piobell unb bie nad) bemfetben oerfertigte 3 eid)iutng, bie oon 2 iebf)abern unb 2 ef)tlingen bet Äunji in ben Äunfiakabemien benufst wirb. Act, Acte. 1. Sn ber franä 6 fif d) cn 9ied)tSwiffenfd)aft beift Acte eine Utkunbe,'Befcbeinigung, ©d)rift irgenb einer Art, baber donner acte , eine Ur= funbe über etwas ©efcbebeneS auSfiellen. 3« biefem ©inne bat aud) bet lebte ober $auptbefd)luf beS wiener (SongreffeS 00 m 8 . Snni 1815 bie Benennung Gongrefacte erbalten unb beifit jefst beutfdje BunbeSacte. — SOZan untcrfcf>eibet bort: 1 ) Prioaturfunben (actes sous seing prive) , weldje bie Anerkennung bet Parteien bebürfen, um eine red)t(id)e Süitfung (S3eweiS unb Solljfreefung) t)er= oorjubringen; 2) offentlid) beglaubigte Urkunben (actes authentiques), weld)e aud) ohne Anerkennung beweifenb finb, bis fie für unecht ober oerfa(fcf)t erfldct werben, unb 3) oollftrecfbare Urkunben (actes cxecutoires) , welche, fo lange nid)t ber Beweis ihrer Uned)tbeit unternommen Wirb (inscription k faux), ohne Anerkennung unb Procef burd) ©pecution oollfireckt werben, unb ein Pfanbred)t auf bie ©üter beS ©cbulbnerS wirken. Dabin geboten befonberS bie fjiotariatsim firumente (actes notaries) unb alle auSgefertigte ©rfenntniffe franj. ©ericfjte. AuSldnbifdje Urkunben unb ©rkenntniffe haben bloß Beweiskraft, nid)t 33ollftrecf= barkeit. H. Sn © n g l a n b beifit Act eine <£>anblung, Sefd)lufs. Daher Parla= mentSact, ein 00 m Parlament gefaxter unb oom Könige genehmigter @d)lufj, ein Statut. (©. © r 0 ß b r i t a n n i e n.) Die ©d)tüffe beS Parlaments werben nad) beenbigter ©ifcung beffelben, beren regelmäßig eine im Sabte mit Unterbrechungen (Prorogationen) gehalten wirb, in eine Urfunbe jufammengefapt, weld)e baS ©tatu t ifi, woöon bie einjelnen ©d)lüffe bie befonbern ©apitel auSmadjen. Am geführt werben fie baber nad) bem 9?egierungSjabt beS ÄonigS unb bem ©apitel; 3 .B. bie £abeaS;©orpuS;Acte ifi baS 2. Gap. beS Statuts oom 3 .1680, bem31.9ieg.= Sabte ÄarlS II., unb wirb bejeid)net 31. Ch. II. c. 2. III. Acten nennt man in Deutfdilanb bie gefammelten Schriften unb Urkunben irgenb einer Sei'banblung, einer geführten Serwanblung, inSbefonbere eines 9fed)tSl)anbelS. ©iebejeidjuenfid) nad) ber Seborbe, bei weld)er fie niebergefebtieben unb gefammelf worben finb, 3 , 33 . Sono.^ep, ©iebenfe Aufl. SSb. I. f 5 66 Acta Eruditorum Acta Sanctorum ©efytime (üabinefgacten, SOZmiflcciatactcn, Äammeracten, Slegietungg*, ©crtd>ts- acten u. f. w. Man legt bie ju einet Sad)e gehörigen wol ungeheftet unter einem Umfd)lag (Sectur) jttfammen unb bejeidjnet bie einjelnen Stüde mit3ni)len, in einem SSierecfe (Quadrangulus), nad) weiten fte angeführt «erben (fase. I, 61), aber «eit jweefmdpiger ifl eg, fie genau d)tono(ogifd) jufammenjuijeften unb bie 33ldtter mit 3af)len ju bejeid)nen. Sie 2(uffdirift bet Mieten, «etd)e bie S3el)brbe, vor «eld’er fie geführt ftnb, ben ©egenftanb unb bie 3eit angeben foll, ijl bag Rubrum, «eii eg früher mit rotten 35ud)fiaben gemalt «urbe, ber Snhalt bag Ni- grum ber 2(cten. Öffentliche 2lcten haben »olle SSeweigfraft, vorjüglid) bie ge* ridjtiichen, «enn fie in gehöriger §orm geführt finb, woju bie @egen«art bet et? foberlidjen S3eamten, bag SSorlefen unb in einigen ßdnbem, $.33. ^teufen, auch bie Unterjeichnung ber hanbelnben Parteien gehört. — ^)r«atacten ober Ma* nualacten finb bie, welche von *Privatperfonen $u ihrer 9toti$ gefammelt «erben. 3u getreuer Rührung ber 2fcten finb oft eigne 33eamten beftellt, Tfctua* rien (f. b.). 37. Acta Eruditorum, bie erfte in Seutfd)lanb erfd)ienene gelehrte Seit* fd)rift, unb lange Seit hinburd) eine bet gelefenjten unb am «citeflen verbreiteten. Sundchfi «ol bag SSeifpiel beg „Journal des savans" unb beg „Giornale de littcrati", aber jugleid) auch bie eben bamalg ftd) hebenbe 2d)dtigfeit beg beutfehen 33ud)hanbclg, veranlagten ben leipziger ^rofeffot Ötto Mencfe 1680 $ur SSegrun* bung biefeg fritifdjen Snfiitutg. 9?ad)bem er burch eine SJeife nad) efjpllanb unb Sngtanb bie notl)«enbigen Söerbinbungen eingeleitet hatte, begann er in ®efellfd)aft ber auggejeidjnetfien beutfehen ©eiehrten 1682 bie Verausgabe beg Sournalg, weicheg mit jebem Sah 1 * ftd) einen gropern Äreig von Sefern $u verfdiaffen «upte. 3u ben Mitarbeitern gehörten Gfatpjov, Seibnife, 3d)omaftug, V- u - SSt'mau u. 2f. m. Sec S^ecb beffelben befd)rdnfte ftd) auf treue unb vollftdnbige Üfelatio* nen, unb eg blieb biefer Senbenj auch bann nod) treu, als ($unad)ft btitch bie in Volianb erfd)einenben franj. Soutnale) gropere hebenbigfeit unb Selbfldnbigfeit in bie offentlidjen literarifchen SSerhanblitngen gekommen «ar. 83ielleid)t in biefer $u geringen SSeadjtung beg allmdlig verwöhnten literarifd)en ^ublicumg, gewip aber in ber forglofen Söcbaction beg fProf. 33el feit 1754 unb in ben Unruhen beg fiebenjdhtigen Äriegg lag ber ©tttnb, warum bag Sournat immer mehr an innerm ®el)alt unb auperer SSerbreitung verlor. 3ule(st erfd)ien eg fo unorbentlid), bap 1782 erft ber Sahrgang 1776 auggegeben «urbe, mit weldjem eg fd)lop. Mit allen Supplementen unb Sfegifierbdnben bilbet eg eine Keihe von 117 £luacts banben. 52. Acta Sanctorumifttheilgbie Benennung für alle Sammlungen älterer 91ad)rid)ten übet bie Mdrtprer unb ^eiligen ber gried)ifd)en unb lateinifdjen Äirdje, tl)eilg ingbefonbere bet SEitcl eineg alle jene jftad)rid)ten ttmfaffenben Merfg, «el* cheg auf SSeranflaltung beg Sefuitenorbeng von bem antwerpener Sefuiten 3ol)ann ffiollanb 1643 begonnen, unb nad) beffen Sobe von anbern ®eiftlidien beffelben Ötbeng — von bem SSegrünber gemöl)nlid) 83 o 11 a n b i ften (f. b.) genannt — big $um 3- 1794 fortgefeßt, obwol big jetjt nod) nid)t beenbigt «urbe (Antwerpen, SSrüffel unb SEongerloo, 1643 — 1794, 53 Sbliobdttbe, «eiche nur big jum 15, Set. gehen). SSereitg im2.iinb3.3al) l 'h- finben ftd) Spuren von 2ruf$eid)nung ein* jelner 9)ad)rid)ten über )Perfonen, meld)e ftd) burd) einen heiligen ßebengwanbel ober burd) 33eftdnbigfeit bei ben (Ihriftenverfolgungen augge$eid)net hatten; aug* fülirlidiere S5iograpl)ien begannen mit bem 4. 3ah r h- unb mehrten ftch big $u dnbe beg Mittelalterg in unftberfehbarcr Ufnjahf- ©oit ungefähr bem 6. S«h r ^'f' n 9 man an, aug biefen einjelnen Sebengbefdireibungen allgemeinere aufdrbauung berechnete 3Serfe jufammenjufehen, unb bie erffe fritifd e Sammlung von Sri* ginallegenberc lieferte 1474 SÖonimtg Mombritiug, Uber alle biefe unb anbre Qfctfn&etfenbung 67 ^ammlungm ragber bie erwähnte 31ntwerpifche butd) H)te Sßpllfianbigftit, Srewe «nb Unpaifbkeit, fowie burd) bie gefunbe Äritif wnb trefflid}* SstÄute- Cimg (jmior, weifte auf immer 5 « einer föjrlidien ©d)a^Cammer für bie dufete unb innere ©efcfyi inadjen wirb. -SSol fiat bie felbjiifcfye unb irreligiife ÄdUe einer neuem 3eit |"f ganj in bem Weifte unb SSeburfniffe beS 9)fittelaltprS begumbete Wattimg: ©efcbiditfcbcfilumg nicht 511 begreifen vermögt, wol bat fie on ber banfbaren rfttrdjC, mit roeUher liier baS Sieben unb bie Saaten guter unb frommer SWenfdteer Sorjeit gefeiert unb jur 9 fad)al;mung aufgefiellt werben, 2 ln|top genommenb baib bie gönn, halb ben Webalt jener meifr »on 3 eitgenof- fen flufgefejjten ffiriditea mit einer Jppperfcitif beurtheilt, weldie, in gleicher SÄape bei ben Jbtifern beS dafjtfdjm 'öllterthuinS angewenbet, gerabe,« jur f täglich ften ©fepfübren muffe. Weben wir inbeffen mit Unbefangenheit an baS ©tubium jener bu ihren ndcbften 3wecf hoppelt ebrwürbigen Denkmale bet föor= jeit, bringen wirfere Äenntnip ber 'öinfiditen, ©itten, Wewol;nbeiten «nb ®e* brauche jener ^eluit, wenben wir eine auf biefer JSenntitip begrünbete »orfiebtige unb bebutfame ,tif an, weldje nidit gleich eigmmäditig 'ötlleS »erfdmiabt, was fie nicht in jub fei unb in ihrer 3eit finbet, wiffen wir enbticb baS weniger 38e= fentlicbe in jeneffiiograpbien »on bem s Sefentlicbeni gcfcbicft unb ohne Wewalt ju fonbem: fo irben wir in biefen Dfadnicbten einen berrlidien ©diab jur ©pe= cialgefd)icbte beö/iittelalterS finben, welcher befto fidlerer 511 brauchen iff, je we= niger bie SSerfer Das, roaS tempo-elle ober inbwibuelle Vlnudit mib iWoinung war, fi'infilidt t »erborgen ober a!S ein allgemein WültigeS einjumeben wuften. Unb ift künftig unal ein fold.ier Webraucb jener jjiadirichten allgemeiner geworben, glS et e« bis jetwar, fo hülfen wir bann wof jugleicb auch eine foldie Slnwenbuttg berfefben wiebeboffen, wie fie bie SJerfaffer junddift beabfiebtigten — als erhe= benbe SDcufter r Sieben unb Raubein, als Sooft unb Ktwecfung für bie unter bet Wemeinbeit beiebenS erfdjlajfenbe unb fmfrnbe .Straft. ")2. 2 £cteimfe »billig. ©dien früher fuditen bie Dcichter in ben neuem germanifchen (taaten in fdiwierigen gäben ^Belehrung bei anbevn erfahrnem unb grÖBern Wetiden (Oberhöfe), unb es bilbeten fid> $u foldjen SBelehcungen in an* fehnlichem ©bten bie @d?öppenjn'ihle unb nad) ©tiftimg ber Uiii»erfitäten bie 3uriftenfacult:en. ©er Doctoreib ift mit auf baS geroiffenhafte SKatbertheilen (baS respondre de jure) gerichtet. Das Kitibolen beS DiathS auswärtiger SfeditSgelehrtc würbe immer gewöhnlicher, fowie baS bürgerliche iBerkebr leben- biger unb »eridelter würbe, baS röntifdie Siecht an Ülnfeben gewann, unb bie 3Jlijibtäud)e i: ben Weriditen, bie Unwiffenbeit unb Übereilung ber reditäunfunbt? gen 9üd;ter fülbarer würben. Die Wrdtiel ber KriminalreditSprTcge .Deutfd)(an&S im 15. unb li. Sabrb. fudjte man baburdi j» milbent, baji ben ©tabtratben, Amtleuten u. w. in ber Kviminalgeäd)tSorbmmg »on t :Yi'2 (ber Togen. Carolina) »erboten würbe, göltet unb ©trafen 5 « »ollfrrecfen, wenn fie nidit btitcfi red)tlid)eS grfnntnip eines lecbtSgeiehrteii Kollegiums baju ermaditigt waren. Sn Ki»ilfad)a würbe bie ‘ifcteiwerfeubung and) um biefeibe 3eit bauftger, inbem fie in bengdilci veidiSgefehlidi würbe, in weichen ber föieg an bie bÖdijlen fReid'S: geridtte nidit eiöffnet war, unb boeb and) im ?anbc feibft fein gehörig befeptes ßie= rieht ber brittm Siiftanj aufgejielit werben tonnte, -frier würbe bie 'ölctenoecfen- billig mit ÄrgftberSieuifion (transniissiu actortim in viin revisionis) al? ©ur« rogat eingeführt. Da in fleinen ©taaten alle Snteieffen fleh all^uiiab berühren, fo fuchte man in ber Ucteiwerfenbimg an auStdubifche unbefangene Kollegien 'ad ex- tero* impartiales ein SWittel gegen bie s Parteilidifeit ber UanbeSgedcbte, weldjeS biefen felbjt oft fel.r willkommen war. Diefe Kinriditung ift für bie SJfeditSoetfaf fung ©eutfchlanbS »on auferovbentlicbec SBichtigfeit gewefen unb hat »iel genufjt, aber auch ntanchttt ©d^aben gebracht. KS war in ben Sntfiheibungen ber ©prui= 5 » 68 2fcfie 2fction coÜCcgiett feine ©inbeit, «nb fonnfe nid)t fein, ba jebeö numen Überjteugun* gen folgen rnupte, «nb bie angenommenen ©cunbfd&e für anfeine SGecbinblicI)= feit fjatten. Saber fonnte feine fefte gratis jur orgattifi gortbilbung ber 9tccbtSt>erfaffung aufgeftellt werben. Sen 9iid)tcrn war bie Senbung ber 2(cten oft nur -ein SRittel ber 33equemiic()feit, unb ba man feinem rucfycollegium ein größere? 3fnfef)en als anbern beilegen fonnte, bemjufolge abie gortfegung ber 9iecf>fömitte( fo lange gefratten mitpte, biö brei g(eid)lautenbefenntniffe gleid)» fam ein ©otteSurtl)eil ber 9?ccf>t8roiffenfcf)aft biibeten, fo wen fjierburd) bie ^)roceffe tmcnb(id) »erjogert, unb zuweilen wol breipig unb nuSrfenntnijfe ein= ’ geholt, ohne bap brei »ollfommen g(eid)formige jum SSorfd) famcn. 2fud) würbe babei ber eigentf)«mlid;e ©eift ber SanbeSgefefsgebung oftjr «ernad)ldfftgt. Sieb bewog bie 9?egierungen »ieler beutfdjen Sdnber, bie 2(ctenfenbung a«d) bei ben untern unb mittiern ©erid;ten ganz ju unterfagen (wie in keicf), ^teufen, nunmehr and) in 33aicrn, 5Bürtemberg tt. a.), wie fte benn ben obetflen ©e= rid)ten beS 9Ieid)S unb ber gropetn Staaten fd)on früher nt ffattgefunben batte. 8SieUeid)t batten bie SSortf)eiic, we(d)e bie 3(ctenoerfenbi gewdb rte i unb wooott, aupcr ber gröpern Unbefangenbeit ber 9Ud)terfprüd)e, Ueid)t bet wid)= tigfic barin beftanb, bie SSerbinbung jwifdjen ü£l)eorie unb fPrapz« unterbatten, rnebr eine S3efd)rdnfung als bie ganjlidje Aufhebung angeratb 9teuerbingS bat man bagegen bie £el)ret ber 9iec()tSwiffcnfd)aft, wie mebre auejeid)nete 93ei= fpiete beweifen, wieber neben ihrem Sepramte a(S SUfitglieber beiobetn ©eridjte }« bemtpen gefucl)t. 37. 2f c t i c, 1) ber S3eweiSbrief eines ju einer fftufcen t>erfpred)ben Unterließ mung in eine t>anb(ungSgefellfd)aft gelegten ©apitatS unbbeSed)tS, an ben 25ortl)eilen ber Unternehmung Sbeil ju nehmen; 2) bie eingelcgtepitmme felbft — Ser gewöhnliche ©egenftanb folget SScreine flnb Unternebmunn, beren 83e= trieb für Sie .Strafte einzelner sperfonen zu fd)wer ift. Sa übrigens e dpanblungS* gefellfd;aften ben ©igcntbümern nicht bie greifjeit (affen, ihre (pitale auf$u= fünbigen, fo ftnb bie Jfctien ein ©egenftanb beS .fjanbelS; unbbae, wegen beS halb mehr balb weniger zweifelhaften ©rfolgS jeber menfcl)lic!)en Unte ebntung, non «erdnberlicbetm Sßertbe flnb alS anbre öffentliche Rapiere, fo fiten fte billig nicl)t 3eicl)ett beS 3Bertf)S genannt werben. Sie 2fctien flnb eine ©rfbung neuerer Seiten. 1720 würbe in granfreicl;, unb faft ju gleidjer Seit in ©manb, ein ra- fenbet 3fctienbanbel getrieben, weither einzelne SRenfdjen übermdfg bereicherte, Saufenbe hingegen an ben SSettelflab brad)te. ign granfteid) lag n 33etrug ber gropen ittbifd)en ©ompagnie unb beS $ofS felbft junt ©runbe (f. Sw), in ©ng= lanb tlicilS ein S3etrug ber Sübfee=©ompagnie, tl)ei[S eine Schweinerei für ben ©ompagniebanbel, bie fleh ber ganzen Nation bemdd;tigt hatte. — ictionnair ift ber Inhaber einer ober mehret 2fctien. 2£ction, Sbdtigfeit (bem Seiben entgegengefebt), bezeichne in ben Äüm ften oornebmlid) bie funfrgemdpc Sarffellung beS Snnern in ber 93eoegung beS le= benbigen SRenfcbenforpetS. Sonach fonnte fte in ber 93erebtfamfei, in ber fPaw tomime unb itt ber Sdjaufpiclfunft oorfommen. 2(ber in ber neuert Seit bat man bett 2fuSbrucf 2fction befonberS unb faft auSfd)licpenb in ben beiben Intern fünften gebraucht. Sttan oerftebt ndmlid) barunter mit 9?ed)t bie SariMnng beS Snncnt in ber Wartung unb Bewegung beS ÄorpcrS, fofern babureb ber Saritellenbe eine frembe ^erfon barfbelltj benn in biefern galle mup bie ganje forperlidjc @r= febeimtng in baS ©ebiet ber Äunft erhoben werben, ba hingegen ber rebnerifdje 2fttS- bntcF mehr fubjecti» ift unb als ftcbtbavcr 2(uSbrucf fid) melp auf bie 9Serdnbe= rungen beS ©eftcbtS unb S3ewegungen ber >£>dnbe einfehranft. 3Ran fprid)t bab ct heutzutage gewobnltd) nur non tt) ca tra lifd;er, nicht non rebnerifeber 2(ction. Sit elfterer gehört alfo bie pantomimifebe ?fction unb bie fcbaufpielerifclte im engem 3fctium 2Cctft> uni> pafft» 69 ginne. Seiber Untetfcßieb ßangt baüon ab, baß bei bet (extern ftd) bie ftcßtbare SarfMung mit bet' i)6tbaten (Seclamation ober ©efang) oerbinbet, unb man bann baßer wiebet bie 2fction im recititten ©cßaufpiel (f. © cß a u fp i e I E u n fi) oon bet 2fctiort beö Spernfangerd unterfeßeiben, beten ©gentßümlicßfeitburcß bie 9ta= tut bet SJtuftE beflimmt ijt. Sei bet pantomimifeßen SarfMung bringt ftd) 2l(led auf ben ftcßtbaren 2ludbtucE pfammen. (©. anto m ime.) Sie2fction umfaßt 1) bad Stagen, bie Jpaltung unb Stellung bed Äorperd überhaupt, infofern ba= butd) gereiffe geiftige ©genfeßaften unb Buftanbe (beS SenEend, Süßlcnd unb SSollend) einer s Perfon p bejeießnen ftnb. -fMerp gehört aifo bie 2lttitube (f. b.), ©ebatbung im »eitern Sinne; 2) Scwcguttgen bet Hoipertßeile, alfo bed Äopfed, bet 2frme unb bet güßc, unb 3) indbefonbete Sewegung bet audbrucEdoollften ©liebet biefet Äörpertßeile. Seßtere ftnb nad) bem ©tabc biefer 2EudbtucEdfäßigEeit: a) 2lugen unb ©eftd)tdnutdEeln — batjer Sfugenfpracfje unb SJtienenfpicl; b) vftanbeunb Singet — bat>cr ©efiiculation im engem Sinne, beten aud) bet Siebnet bebatf. Set gitßbewegttng 9’^ bie SanjEunfl befonbere 2Eudbilbung unb Sebeutung. (S. aud) SSt i m i E.) T. 2Ectium, ein Sorgebirge an bet SöeftEüfte ©ticcbenlanbö, im alten ©pu tu«, bie notblid)jte Spiße oon 2lEarnanien (im heutigen Albanien), am ©ingang bed ambracifcßen SSteerbufend, jeßt ©apo bi gigoto (ober 2ljio am ©olf oon 2Erta) genannt, ift »egen bet am 2. Sept. bed 3. 31 ö. ©ßr. bei bemfelben geliefer= ten Seefd)lad)t, j»ifd)en Sctaoiatutd unb 2l"ntoniud, berühmt. 21 Id Sctaoianud butd) bie Segietbe, mit Sticmanb bie £ertfcßaft p tßeilen, unb butd) bad unftm nige Seneßtnen bed 2fntoniud in f. SProoinjen gegen Seßtetn p fämpfen begann, lagerten beibe ^>eete auf ben entgegengefeßten Ufern bed ambtacifd)en SSteetbufend. Sad bed Sctaoiaitud »at 80,000 SSt, juguß, 12,000 Steifer unb 260 Ätiegd= feßiffe, bad bed 2lntoniud 100,000 gußganger, 12,000 Steifer unb 220 Sdjiffe. ftarE. Stoß bed Slatßd feiner erfaßrenften .Stieget, eine 2anbfd)lad)t p liefern, entfd)loß ftd) 21'ntotüud, auf 2fntrieb bet Cleopatra, put .Kampf gut See. Scßon gefcßmücEt tücEten feine butd; ©roße audgejeießneten Scßiffe t»or, bie bed Sctaoian »aren Eieinet, jebod) gemanbter. Seibe glotten »aren mit Solbaten oon romu fd)en Segionen befeßt, »elcße bie Sd)lacßt ald ein ®efed)t p 2anb unb bie Scßiffe ald gefrungen, bie crjtutmt »erben follten, betrad)teten. Sie bed 2fntoniud »at= fen geuertopfe unb Pfeile butd; Katapulten, »aßtenb bie bed Sctaöianud bie feinb= ließen Sd)iffe mit -fjaEen an flcß jogett unb (türmten., ©leid; nad) 2Enfang bet ©djlaeßt, ald nod) Stidftd entfeßieben »at, ergriff Kleopatca, bie ftd) ald 3u= feßauerin .bei betfelben befanb, bei einem Eleincn Stacßtßeil bet SStitte bet glotte ißted ©eliebten, feig mit 60 agpptifdjen Scßiffen bie glud)t. Unbefonnen folgte ißt 2fntoniud fogleicß in einem anbern, unb halb »at nun bet <5icg übet bie t>er= laffene glotte, troß bet tapfern ©cgen»eßr, butd) bie SBaffen unb noeß meßt buteß bad Bucebcn bed Sctaöianud, »elcßer bie fcßimpfltcße glucßt f. ©egnerd be= fanntma.d)te, etfoeßten. Sie glotte bed 2fntoniud vereinigte ftd) mit bet bed 2luguftud; nad) 7 Sagen folgte aud) bad $eer, »elcßcd bet ©d)lad)t, gleidß bem Sctauian’d am «Stranbe aufmarfeßirt, rußig jugefeßen ßatte, unb bem anfangd bie geigßeit feined fo geaeßteten gelbßetrn unglaublid) oo-tgeEommentvat, ißrem Seifpiel. 2fntoniud floß mit feinet ©eliebten nad) ‘Ügppten unb fiürjte ftd) bort, ■ oon feinem geinbe in bie ©n^e getrieben, in f. ©cß»ert. 2lugu(tud ließ ju f. ©ic= ged ©ebaeßtniß unb aud SanE gegen bie ©otter ben Sempel bed 2fpoIl ju 2lctium erweitern, bort bie ecoberten ©iegedjeidjen, bem Steptun unb SOtard geweißt, aufßängen unb alle 5 Snßte ©piele pm 2lnbenEen bet©d)lacßt, bieißnpm >?)ettn bet beEannteit SBelt maeßte, feiern. 2fttcß baute et, »o fein Saget ge= fianben, bie prdeßtige Stabt StiEopolid, wo jeßt ^)reoefa liegt. 32. 2Ectit> unß paffib (lat.) bejeießnet tßatig unb leibenb, b. ß. eine2BitE= 70 3tcti»f)attbd Victor famfeit dufernb, ober bi« Viufetutig frembet ©Sirffamfeit empfangenb. ©?an Bet- binbet ei mit Bieten anbern ©«griffen, alg j. ©. VfetiB* unb ©affiBhattbed 'f. b.), Vfctw= unb ©afftsfchulb u. f. w. 3tt6befonfeer« wirb irt ber Sprachlehre bag Seitwort nach biefett beiben ©«griffen betrautet. Vfd infyanö ef wirb bem ©afft'Bhanbcl etttgegengefebt. ©ie meijfert Sd)tiftfMer oerbinben in ber drflarung biefeg l 23ortg jwei ©«griffe, meid)« nld)t immer mit einanbet B«rbinib«n fttib: erjrlidi, bap eine Nation if)te Staaten bet anbern felbfr jufühte unb bie Senaten berfelbeit Bon ihr hole; jtoeitenä, baß fte butd) biefen .panbel in ber ©ilan* gewinne, Süfd) fdjranft ben ©egriff, ohne 1 auf ben (Gewinn unb ©erluji ©ücffid)t ja nehmen, auf ben elften ©unft ein unb nennt Vfctiof)anbel ben .panbel eine* ©olfS, ba8 benfclben burd) ftd) felbfl betreibt, unb inbem e£ bei ben gremben als Käufer unb ©erfüufet’erfd)eint ober feine ©Saaten anbern Nationen felbfr jufüfjrt unb bereit ©Saaten Bon ihnen holt; ©nfftvhanbel hingegen ifr ifjm berjenige, ba ein ©olf ben fremben Stdufer unb ©erfdufer bei fiel) erwartet. .©iefer grope ©djriftfteller fdjreibt «8 ber er= wdfjnten ©crmeitgung ber ©egriffc ju, bap bie ©orfcbldge ©erer, meid)« bie dpanblung au6 einer fehlerhaften ÜXheotic oetbeffem wollen, fafl ftlle barauf I)inau8get)en, bie ©affiohanblung eineg Sanbeg (rocld)eg oft redit wol)t bei bet* felben ffef)t) in eine Vfctiohanblung 511 Bcrmanbcln, unb jeigt, bap bie ©afftB= fjanblung in maitdjot galten Biel fixerer unb eintrdglid)er al« bie VfctiBljanbUmg fei. („Äieine Schriften über bie .panblung von 3oh. die. ©üfd).") — Vf c t i n = fchulb, eine Sd)ulb, bie man gu fobern bat, im ©egenfafc ber ©afftofdjulb, bie man ju gat;Icn hat. Vfcton (Sofept)), tteapoLit. ©rcmierminijJet, war 1737 in ©efangon von borf angefiebetten icldnbifdien Vfltem geboren, dr nahm nad) Boltenbeten Stubien ©ienffe in ber franj. ©Varine, trat aber halb in to6canifche, unb würbe bei ber fpan. dppebition gegen bie Sarbaregfen aitgefiellt, wo er ©eiegenfieit fanb, ftd) augju§eid)nen. ,©ie8 führte if)n jtrt iteapolit. ©Vatine unb an ben neapolit. >pof, Wo er ficb bie diuitjl ber Ädnigin Äaroline 311 erwerben oerffanb. dt würbe ©fa= rine;, bann auch Ärieggminifrer, befam jug(eid) bie ©irection bet ginanjen unb warb enbüd) $um ©remietminiffer ernannt. Vluf biefem ©offen oerbanb et ftd) mit bem engl, ©efanbten .pamilton, unb ©cibc gewannen auf bie ©djicffale ©ea* pe(8 einen diitflup, ben man feittegmegg fegengreid) nennen fann. ©0 würbe Vf. ein neueg ©eifpiet, wie gefdl)rlid> e8 für ©Vonatd)en ifr, ©ünftlingen bie Regierung in ihrem ©amen ofjne dontroie anstwertraucn. ©ein jur Peibenfdiaft geffeigerter .pap gegen graitfreid) verleitete if)n wdfjrenb ber ©auer ber italienifdjett .Stiege ju ben augfdjweifenbften ©fapregeln, bie am dnbe ftetS nad)tf)eilig für bie Pöniglid)« gamilie jurücfrolrften unb bie franj. ©artet, aus bet ftd) fpdtertjin bie ber darbonari btlbcte, verftdrt'ten. ©0 begleitete X ben Äönig audt 1798 auf ber von ©faef befehligten drpebition gegen bie franj. Vfrmee. grüf)er hatte er, wdhrenb ©elfon’g Vfiiwefenheit, bie berud)tigte gtinta prdftbitt, weldte, umih* ren -pap gegen abwekbenbe politifd'f ©feimmgen ju befriebigett, mit nodt nie ge» fefjener ©raufamfeit in allen ©tdnben ©djlachtepfer fudtte unb »u ftnben wupte. ©ad) ber veruuglüdten ©faeffdien drpebition würbe Vf. — nur ju fpdt — von ber Peitung ber neapotit. Vfngelegenheitnt entfernt, dr ftarb 1S08, von allen ©arteien gehapt unb verachtet. Vfctor (jur.), überhaupt ber Äldger, aber In beftintmternt ©inne mehret beutfdjer ©ed)tgvetfafftmgen ©etjenige, welcher a(8 Sachwalter für eine ©erfen (ein 3nbivibuum ober eine dorporation) auf tritt, wetd)e nidjt in eignem ©amett, fonbern nur unter ©litwirPung von ©ormünbern ober butd) ©eamte (janbeht fann, «16 ©finberjdhrige, ©emüthbfranfe, grauen, wo bie ©efd)led)tgvormunbfchaft gilt, öfemeinbett unb dorporationen, Stiftungen unb üffentlidje ©ebirben, welch« ActuatiuS Abalbert 71 nicht einen befidnbigen Anwalt für ihre gcridjtttdfjen Angelegenheiten beftellt Ija* feen. — Actorium, bie SMmacht eine« folchen Actor«. 37, Actuariu« (jur.), ein ^Beamter, welcher für richtige (Rieberfchreibung einer SSerhnnbtung, für Aufbewahrung berfetben (ber «Protofolle unb 9?egifiratu= ren) unb richtige Anorbnung ber Acten oerantwortlicf) ift. 25er Actuariu« (welcher bei einigen «Behotben ©ecretair, bei anbetn «Protonotar, ©tabtfd)teiber, ©e= richt«fchreiber, SRegiftrator helft, in granfreicf) Greflicr, in Engtanb Clerk) hat baher eine felbfrdnbige «öerantwortlidifeit in biefen fünften, unb Bann burd) «Befehle be« «Beamten weber genötigt werben gegen feine Pflicht ju hanbeln (untreue «Riebcrfchreibungen ober «Beglaubigungen ootjunehmen), noch fann ihn ein folget «Befehl, wenn er gehorcht hat, gegen eigne fßerantwortung unb ©träfe berfen. ©elbft ba, wo, wie in «Preußen, t,| e qjcotofoüc bem Actuar laut in bie gebet bictirt werben, h«t betfelbe bie «Pflicht, ben Orkhter, wenn et non ber «Wahrheit abwidje, ju erinnern, unb barf ftd) jtt einer S3ecfdlfchung nicht brauchen laffen. gu einem jeben gehörig befegtett @erid)t gehört ber Actuariu« wefentlich , unb in einigen ßanbern (im Königreich ©achfen) muffen wenigften« in Eriminalfadjen bie Actuarien als «Rotarien angeftellt unb oereibet fein. 25er Actuar barf mit bem «Beamten, weil er beffen <£>anblungen beurfunben foll, nicht in einem folgen SBerwanbtfchaftöoerhältniffe flehen, baß er oon ihm abhängig ift unb nid)t gültig für ihn jeugen fann. ©elbft bei ben «Patcimonialgeridjten füllten immer befonbere Actuarien angeftellt fein, wiewol einige ©efefsgebungen ben «Patrimonialgerichten gefiatten, baß ber 9iid)ter jugleid) al« Actuar oereibet ift unb hanbelt. 25ann müffen, wenigften« in Erimmatfadien, ber 9tegel nach ©djoppen jugejogen wer= ben. 25er Actuar foll eigentlich bie «Riebetfchreibungen fogleich bei bet SSerhanb* lung oornehmen, babei bemerfen, welche ®eridit«perfonen ober anbre ^Beamte ju= gegen waren, ba« Dtiebergefchriebene fogleich ben Parteien oorlefen (inbem e« fonft ber 9tegel nad) feine S3ewei«fraft hat) unb felbfi unterjeitfmen. 25a« einmal «Ries bergefd)riebene barf ec nid)t mel)r eigenmächtig abänbern, fonbern bie Abänbetun= gen müffen al« eigne« fProtofoll behanbelt, baher auch für je 9?anbbemerfungen oon ben «Parteien genehmigt werben. 3fn Preußen ift bie Unterjeichnung oon ©eU ten ber Parteien gefeglid) ootgefd)tieben, unb wenn fie ftd) 25effen weigern, foll ein 3cuge herbeigerufen, unb fte oor ihm um ben ©runb ber «Steigerung befragt werben. S3ei großem 33ef)6rben ftnb bie ©efdiäfte bet Actuarien oft geteilt, eigne Archioare, Otegiftratoren u. f. w. angeftellt; gewöhnlid) hat aber ber Actuar außer feinem -fjauptgefchdft nod) manche anbre, ba« Entwerfen ber (Soneepte, bie ©otge für bie 9teinfd)rift (mundum), für bie fBehänbigung berfelben an bie Parteien burd) bie 23oten u. bgl. ju beforgen, unb ift jugleidi fehr oft ©telloertreter be« 9tichter«, wenn biefer abwefenb ober oerhinbert ift. 37-. Acutu«, f. Accent. Abagio (langfam): 1) oon ben «fjauptgraben ber muftfalifchen fBewegum gen^ff. SEempo) ber jweite; 2) bie «Benennung ganjer muftfalifcher ©dfce ober ©tücfe, bie in biefem ©rabe ber Bewegung, unb jwac mit bem tühtenben unb ge= fühloollen Augbrucf, ber biefer ^Bewegung im Allgemeinen eigen ift, oorgetragen werben. Ab albert ober Albebert, ein ©allier, um 744£ef)ter be« Eh 1 ^ 01 - thum« in ben SRaingegenben, ift al« ber erffe ©egner ber Einführung romifchtr Kirchenfafcungen unb ©e6rdud)e in 25eutfd)lanb merfwücbig. Er fuchte bie S5er= ehrung ber ^»eiligen unb 9feltquien unb bie tdmifche 93eid)tprapi« al« überftüfftg barjuftellen unb würbe baher oon SSonifaciu«, bem Apoftel ber ©eutfefen, arger Kehereien angeflagt, auf ben ©pnoben ju ©oiffon« 744 unb 9tom 745 al« Reger oerbammt unb oerhaftet. Enblicf) entfommen, foll er am Ufer ber gulba oon £it= ten erfd,'lagen worben fein. 3i. 72 2fbam 2Cbal£)ctt (bet .£>etl.) 7£t>al6ert b. Jpeil. oonPrag, Tlpofiel ber Preußen, ber Sof>n eines böf)ini= feßen ©roßen unb 973 — 982 am 2)om ju ©lagbeburg fCßflertid) gefeilbet, würbe feßon 983 S3ifcf;of oon Prag, lonnte aber ben neubelcßrten ©of)men ißre alten ßeibnifchen Sitten nid)t abgewognen unb bie romifeßen Äirdienfafsungen burd) feine monchifcße Strenge nid)t angenehm mad)en. Über bie grud)tloftgfeit feine« frommen ©ifet« entrüftet, oetließ er 988 feinen Sprenget unb lebte in Älofiern $u SfWontecafftno unb 9t om, bi« bie ©6f)men it)n 993 juruefriefen. Tiber fd)on nad) 2 Sauren trieb ber Tfrger übet itjrc l)eibnifd)e SSilbljeit tfjn wieber fort. ©t ging in fein Äloffcr ju Stom, oon ba im ©efolge Äaifer £)tto« III. nad) SDeutfcß= lanb, auf welcher Steife er ben nad)maligen Äänig non Ungarn, Stephan ben -fjeil., su ©ran taufte, unb, nach einem ©efud) ber Älojfer in Sour« unb gleurp, nach ©nefen 51t bem $ersog ©oleSlau« oon Polen, wo er, benachrichtigt, baß bie ©oßmen ihn nid)t wieberfehen mochten, ben ©ntfcßluß faßte, bie ßeibnifeßen Preußen su belehren. ©r begann in SDatijig ju taufen, lanbete bann in Preußen, würbe aber bei bem sweiten ©erfueße, ba« ©htiftentßum su prebigen, in ber @e= genb, wo jeßt gifdihaufen liegt, ben 23. Tlptil 997 oon einem ©Baibelotten er= morbet. Sein Seicßnam, um fo oielöolb, al« erfd)werwar, oon©ole«lau« erlauft, burd? ©tiralel berühmt, felbft oon £>tto III. im 5.1000 in ©nefen be= fucht, unb 1038 oon bem -fjersog SSrgetißlaw oon ©of)men entführt, ridjtete mehr au«, al« bem Zeitigen felbft gelungen war. Um biefe wunberthätigen ©e= beine in ihrer ©litte su haben, liefen bie ©6ßmen ftd) al« einsige ©ebingung ißrer ©erfeßung nach Prag bie Siegeln ber djriftlidjen Sitte willig auflegen, bie ftc oon ihm felbft nicht hatten annehmen wollen. 31. Tlbalbert, ©rjbifcßof oon ©remen unb Hamburg, au« einem fächftfeßett pfaljgräflidnn $aufe ftammenb, erhielt 00m Äaifet Heinrich III. 1043 biefe ©Bürbe. TllS ©erwanbter, gteunb unb ©egleiter beffelben nad) Stom wüte er 1046 beinahe felbft Papjt geworben. Papfl 2eo IX., für ben er 1049 auf ber Spnobe su ©lains gefprochen, mad)te ihn 1050 su feinem Legaten imStorben. Sein Sprengel erjtrecfte ftch über SDänemarl, Storwegen unb Schweben, aber oergeblid) ftrebte er nad) ber ©öürbe eine« Patriarchen ober Papfte« über ben 9tor= ben; nur ben ©tans feiner beiben Äatßebralen mußte er, sum Stßeil burd) unrecht; mäßige ©tmerbungen, ju erhöhen. ©Bäßrenb ber ©linberjäßrigleit Heinrich« IV. riß er in ©emeinfeßaft mit bem @rsbifd)of $anuo oon Äoln bie ©ormunbfdiaft unb 3teid)«oerwaltung an ftd), gewann oor biefem Stebenbußlcr burch 9tad)ftd)t gegen bie £eibcnfd)aften be« jungen Äonig« ben ©orsug, unb bemächtigte fid), nad)bem er benfelben 1065 wehrhaft gemacht, ber unumfd)ränlten [Regierung im Slamen Heinrich«, beffen ©erwilberung unb Übermutl) eine grueßt feiner ©e= hanblung unb feiner ©runbfäße war. 21.’« Stols unb wiUlürlid)e [Regierung«; oerwaltung bewog bie beutfehen gürften, ihn 1066 gewaltfam oon ^einrtd) su entfernen; bod) nad) fursem .Stampf mit ben fächfifcßen ©roßen, bie nun fein ©ebiet oerwüjfeten, fianb er 1069 fd)on wieber im oollen ©efiße ber nötigen ©lad)t an Heinrich« Seite, unb ben gortgang feiner ehrgeisigen (Entwürfe unter= brach nur fein Stob, ben 17. ©lärs 1072 su ©o6lar. ©ei fürftlicfjen ©igenfd)aften ttnb unbesweifelter Überlegenheit be« ©eiftc« unb bet ©harafterfraft über feine stet* genoffen fehlte ihm nur weife ©läßiguitg unb ©betmutß, um ben Flamen be« ©roßen su oerbienen, ben blinbe ©ewunbetung ihm beigelegt hat. ©ewaltthaten unb Ungered)tigleiten befleclten ba« Tlnbenlen feiner ©erwaltung Seutfd)lanb« unb oerfchulbetcn großenteils ba« Unglücf unb bie ©erwirtung, worein ba« [Reich unter Heinrich IV. geriet!). 31. Tfbam (hebt.: au« ©rbe geboren), ber ©ater be« ©lenfd)engefd)ted)t«, würbe nad) bem ©lofaifd)eh ©Iptßu« am fed)«ten Stage ber Schöpfung au« ©rbe gebilbet. ©ott oollenbete ba« ©Bert ber Schöpfung burd) bie ©ilbung be« ©tenfeßen, ben er 73 Ab am (bie SBruber) narf) feinem ©benbilbe formte imb jum Sebertfdiet bet »ernunftlofen ©efd)6pfe mad)tc. (5t gab itjm jur Segteiterin bic ©»a (£>e»a, tjebr.: SJfutter bet 2ebenbi= gen), at:S feinem eignen gteifd-jc gebiibet, auf baf Seibe butd) ihreSeteinigung bie ©tbe mit einet glucflidjen 9Iad)fommenfcbaft be»olfern fotlten. ©ec ©arten «on eben, »oll frud)ttragenber SAume, mar ihnen jum SBobnplafce angewiefen, unb ffe fanben bafetbft Alles, roaS jur Sefriebigung ii)tet Sebürfniffe unb ju if)= rem Sergnügen bienen fonnte. Aber in bet Stifte beS ©artenS jfanb bet Saum beS ©rfcnntniffeS beS ©Uten unb Sofen, unb »on biefem ju effen batte ihnen bet (Stopfer »erboten, ©oa tief ftd) oon bet ©d)lange »erleiten, eine grud)t beffetben abjubrecben unb mit ihrem Spanne ju geniefen. ©ieS Scrbred)en jerftörte if)t ©tücf. ©ie ©eftalt bet ©inge »erwanbelte fiel) plofjtid) »or ihren Augen; ffe et= bannten if>re fftadtbeit unb bemühten ftd), ffe butd) SlAtter ju »erfüllen. Serge= benS fud)te Abam ftd) »or ©ott ju verbergen, »ergebend bie ©d)ulb bet ©»a bei= gutegen: bet glud) traf ffe unb bie ganje Statut; btrauSgetreten aus bem ©taube bet Unfdjulb, in bem et gefdjaffen tootben, fat) Abam ftd) »erurtbeilt, fortan im ©cbweife feines AngeftcbtS fein Srot ju gewinnen. 3b« trafen alle Stübfeligfei-- ten beS SebenS unb bie ©ebreden beS SEobeS. ©r batte 3 ©ohne, Jtain, Abel unb ©etb, unb ftarb in einem Alter »on 930 Saften < üott benen et 130 im Pa= rabiefe »erlebt batte. — ©ie ©efd)id)te AbamS ft'nbet man mit rnebt ober weniger SerAnberungen in ben ©agen faft aller alten Solfer, unb fte fd)eint bei alten eine gemeinfd)afttid)e ©uelte ju haben. Abam. ©tei Stüber biefeS 9lamenS waren Sübbauet. ©ec Altefie, 2am= bert ©igisbert, geb. 1700 ju 9?anep, wo fd)on fein Sater bie Sitbljaueret übte, ging, 18 Safte II. eingelaben batte, nad) Serlin, arbeitete bafelbfi mef)re Sabre unb ftarb ju ^Pnrib 1759. Tfbamberger (SJtaria 2(nna), geb. Saguet, eine ber »orjüglicffren beut= fefen ©cfaufpielerinnen, geb. 1752 in SBien, ftarb bafeibft 1804, nad)bem fte faft ein falbeb Sabtbwnbert lang burd) unDergefbare itunftlciftungen entjücft batte. 3flb 2£od)ter beb Hoffcfaufpielerb Saguet betrat fte fd)on im Jfinbebalter mit ihrer ©d)Wefier .Katarina (bie ein früher SEob ben fdjonfien Hoffnungen entrif) bie Sühne. Stad) einigen Serfudjen im tragifdjen gaefe wibmete fte fief bem nainen unb fpielte bie Stollen biefeb gadjeb mit einer bewunbernbwürbigen Statur, 9Jtan= nigfdltigfeit unb Sollenbung. ©ie batte nie aub Sücbern fiubirt, aber ifr glüd?= lieber ©eniub lief fte bie Statur mit einem fiebern ©efüfle beobachten. Sm gebt. 1804 batte fte bab legte SJtal bie Sühne betreten; 3 Siertelfabre fpdter ftarb fte. ©ie batte f£d> 1781 mit bem H°ffänget tlbamberger öertttöflt; ihre gleich ta(ent= »olle SEocfter 21 n t o n i e war bie Settobte SEfeobor itörner’b, unb wir »etbanfen biefer Siebe manebeb lieblid)e Sieb beb un»ergeflid)en ©dngerb. 1817 uerfeira-- tbete fte ftd) unb »erlief bie Sühne, auf ber fte fd)on Siebe unb Sewunberung ftcb erworben. 3fbamianer ober 3£ b a m 1 1 c n nennt man 1) eine angeblich im 2. Saftf. entftanbene cbriftlicbe ©eite; 2) einen wdbrenb ber buffttifefen Unruhen um 1421 in Söhnten entbeeften jfeberbaufett; barum fo genannt, weil beibe Parteien, entweber um ben ©tanb bet Unfcfulb 2Cbamb nad)äuabmen ober um ihre ©tdrfe in ber Seferrfdjung natürlid)er Stiebe ju erproben, gewohnt gewefen waren, bei ihren Serfammlungcn, ohne Unterfd)ieb beb ©tfcflecftb, unbefleibet ju er= febeinen. fDab ©etücft »on ben altern 2lbamitcn fdjeint burd) einen Spottnamen ber übelberücbtigten Äarpofratianer entfianben ju fein. (Sgl. © n o fib.) Stuft »iel ficberer ftnb bie Stadjridften »on ben neuern 3Ibamiten, bie, nach ihrem angeblid)en Stifter fpicarb, auch ^icarben (»ielleicbt Segfarbcn) genannt würben, ©ie jeig* ten ftcb um 1421 auf einet Snfel im gluffe Suftnicä, woSijfafte überfiel, ofne fte »öllig $u »erniebten. Senn nod) in ben folgenben Saften waren fte in Söf-- men unb SJtdfren weit »erbreitet, unb ben Hufftten, mit benen fte ben SBibetwil-- len gegen bie H> et ard)ie gemein hatten, befottberb wegen ifrer Serwerfung bet 'Etanbfubftantiationblefte »erfaft. ©pater faben fte ftcf unter ben Überbleib= fein ber SEaboriten »erloten, unb biefe felbft ftnb bafer bisweilen mit ben 3fbamiten »erwecffelt worben. E. 3f b a nt (Sofn), gewef. ^Oräfibent ber Serein. ©taaten StorbamerifaS unb einer ber erjien ©taatbmdnner f. Saterlanbeb, aub einer angefefenettgamilie fPuri* taner, bie 1608 bie Kolonie »on Staffacfufetbbai grünben fatf, war ju Saintrec in biefer Kolonie ben 19. Set. 1735 geb. Sor berStcoolution, bie feinSaterlanb in bie Steife unabhängiger ©taaten erfob, jeiefnete er ftcf alb SRecbtSgelcfrter aub. Seiht 2fubbrud;e bet Unrufcn »ertfeibigte er bie 9ted)te feineb Sanbeb burd) gut gefdfrie-- bene 3lbfanbtungen übet bie fanottifefen unb geubalrecfte. ©eine ©efefiefte beb ©treitb äWifcfen 2lmcrifa unb bem Stutterlanbe, bie in ber Bettung »on Sofien erfefien, machte grof en ©nbrttcf auf feine Sftitbürger. ©ewaltfamen SJtafregeln war er abgeneigt; bennod) fanb Gapitain fßrefion, alb er feine ©olbaten bei einem Tfuftubr in Sofien auf bab Sol? feuern lief, fobaf mehre geiferten gelobtet wur* 75 2£bami5 (Sopn £Uttnct)) bcrt, an ihm einen 93ertpeibiger. X warb 1774 unb 1775 gum SRjtgliebe be® dongreffeä erwaplt. 93on bet Unmöglicpfeit einet bauerpaften 2£u®fopnung mit bem Sßuttcrlanbe übergeugt, beforbertc unb untergeiepnete er ben fefcplufj bom 4. 3uti 1776, tteiber bie amerifan. Golonien für freie, foubetaine unb unabpdn= gige Staaten erflarte. ftit gtanflin würbe er (1778) an ben 4?of gu 93erfailIeS gefanbt, um al® bebollmdd)tigter ftiniper ber ferein. Staaten einen 2Üliang = unb •ÖanbelStractat mit granfreid) gu fcpliepen. Stad) f. 3urüdfunft napm ber Staat »on SJtftfidtpufet® f. Ginfiditen für ben Gntwurf einer 3tegierung®berfafiung in 2ln: fptuef), bie pauptfddpid) fein fJBerf ip. Sie fercin. Staaten ernannten ipn hierauf ju iprem bebollmdcptigten SJtinipcr bei ben ©eneraipaaten in <£>ottanb, unb eS ge= lang ipm, biefe® 2anb für 2fmerifa gu gewinnen. 1782 fg. napm er ju ^ati® an ben Unterpanblttngcn beb grieben® mit Gnglanb 2pcil, burd) weichen bie Unab; f>angigfei£ bet f erein. Staaten anerkannt würbe. Sa ber Gongref wdprenb befi greipeitgfampfe® faft mabtlob gegen bie eingeinett Staaten ber Union gepellt wor= ben war, fo war er ber Grjte, ber eine ferdnberung »otfeplug. Pftit ipm bereinig: ten ftd) Söafpington, granflin, SRabifon, ^amilton u. 2£.; baraub ging bie nob jept beftepenbe Gonpitution ber SBcrein. Storbamerif. Staaten bon 1787 perbot. ÜBafljington warb ^Präffbent, unb Sopn 2£bam® 83iceprdfibent. Gr machte bieten 2(ufwanb unb fanb geinbe, bie in ipm einen Unterbrücfer ber errungenen greipeit fürepteten. Stacpbem SBafpington feine Steiie niebcrgelegt patte, würbe et ^>rd* fibent unb biieb eine Stüpe ber f erwaitung unter allen Umpdnbcn. 2(m Sd)luffe f. 85rdflbentfd)aft warb Sefferfon ju feinem Stacpfolger erwaplt. Gr gog fid) jefet bei feinem popen Tflter bon ben ©efepdften gurücf unb parb gu Steuporf, 913. alt, am 4.3n!i 1826, bem 50.3apte®tage ber Unabpdngigfeit®crfldrung. 21. geidinetc . fiep auefj alb Sd)riftfteller au®. PBdprenb feine® 2fufentf)aItS in Guropa gab er fein berühmte® SBerf: „ Dcfence of the constitrition of governm. of the Unit. States“ (gonbon 1787, 3 93be., n. 2f. 1792) perau®. G« erfefien fpdter als „©efdpicpte ber JRepublifen“. Sein dlteper Sopn, 2£ b a m § (Sol)« Suincp), war 1801 unb 1802 PeboUmdripigter ffinipet ber 83erein. Staaten gu Serlin. 5Bdprenb biefet .Seit bereipe er gangScpleften unb tpeilte feinem früher in p)pilnbe!ppia bie S3efd)reibung be® ganbe® in SSriefen mit. Siefer gab pe im „Portfolio", einer Bcitfcprift bon ^pilabelppia, naep unb nad) im Srucf perau®. Sie erregten gleiche Speilnapme burd) bie feleprung über ein bafelbp beinahe böllig unbefannte® ganb, fowie burd) ben ©eip für Srbnung unb griebe, welchen pe atpmeten. fotgüglid) betrafen pe ba® SJtanufacturwefen bon Sdjlepen, weil pierau® feinem faterlanbe mand)er fortbeil erwaepfen fonnte; aud) enthielten pe eine SSefcpreibung ber gortfepritte be® GrgiepungSwefen® feit Gr= rieptung ber 58ilbung®feminarien burd) griebriep ben ©rofjen. Gin furge® Gapitet gibt Stetigen bon ben merfwütbigpen feptefifepen Sd)tiftpellern. Sämmttidie friefe erfepienen 1804 in einem S5anbc, mit einer geograpp. Gparte, ta ber 93etf. ©eograppie, Sopograppie unb ©efepiepte bon Sdpcft'en naep beutfd)en Scprift= peltern bepanbelt unb biefe oft berieptigt (beutfd) bon gtiefe, 1805; frang. bon Supup, 1807). Sobalb 3‘effetfon gum frdfibenten ber ferein. Staaten ernannt war, rief er 2(. bon -Berlin gurücf. Sie goberalipenpartei, ber er gugetpan war, berfepaffte ipm eine geprpelle am Gollegium ^öatbarb in ber ftooing SKaffacpm fet®, wo er über ©eriept®: unb 83olf®berebtfamfeit forlefungen hielt unb ein ge= fepdpte® 9Bcrf über Dfebefutip unb Seclamation perauSgab; fpdter gelangte er al® 2(bgeorbnetre biefer (Probing in ben Senat. .f)ier berlief) 2(. bie Partei, weldper fein 83ater unb er ipr ©lücf berbanften, unb trat auf bie Seite bet bemofratifepen. Ser iprdfibent fanbte ipn al® SJftinipet naep 9f uf lanb, bon wo er 1814 al® einet ber SSebodmdcptigten ber 83erein. Staaten bei ben europdifepen SWacpten auftrat. 3m PPdrg 1815 warb er bebollmdcptigter SDfiniPer am -f>ofe bon St.sSnme®, 76 2£bantö ((Samuel) 2£banfon unb 1817 Staatgfecretair beb Stmetn; am 9. gebr. 1825 marb etjum Präftbem ten beb ©ongteffeg ber SSerein. (Staaten ermählt; SompEing nmrbe 23icepräftbent, unb ©lap Staatgfecretair. Über bie mistigen Dtegierungghanblungen beb Präft= benten 2lbamg f. 25 er ei n. Staaten. 1828 warb ©eneral SacEfon ju feinem Pachfolger gemät)lt. 2tb«mg (Samuel), ein bucct) f. SSeeebtfamfeit auggejeichneteg Pfitglieb beb ameiif. ©ongteffeg unb ein -£>aupturf)ebet ber Peootution ber 23etein. Staaten, mar in ber Pto»in$ Pfaffachufetg 1722 geb. 2flg Staatgfecretair biefer Ptooins feit 1770 miberfebte er fxdf) befonberg lebhaft ben 23ebrücEungen ©nglanbg. . Ob er gleich febon alt mar, fo rnid) er bod) .Seinem an fchnellen ©ntmürfen unb tf)dtiger 2 lugfüf)tung betfelben. ©r gab juerft bie 5 bee an, SSolfbgefellfd)aften ju errichten, bie mit einanber correfponbirten unb ifjren 23ereinigunggpunft in SSojton batten. Siefe (Einrichtung mar ein mächtiger -£>ebel ber Peoolution. 21, Eonnte ben 2fub= brud) ber geinbfeligf eiten jmifchen bem Pfutterlanbe unb ben Kolonien nicht etmar= ten unb mollte fcbontlnabbdngigEeit, alb bie mdrmfteit Parteigänger nur2fbfiellttng ber SSefcbmetben beabfiebtigten. Ser 2lugf)ebung unb ©rrichtung tegulairet Stup= pen reibei'fptad) er unb »erlangte, bap nach bem SSeifpiete ber Pömet jeber 2(meti= Eaner Solbat fein feile. 2Bafl)ington liebte er nicht 5 benn fein beiger unb uttutl)i= ger Sopf mar ju »etfdjieben »on berSlugheit unb ruhigen SSefonnenheit biefeggelb= bertn. ©r ftimmte felbfi ju bem plane (1778), ihm ben Oberbefehl bet Gruppen ju nehmen unb bem ©ateö jtt übergeben. Seine 23ermogen6umftdnbe grenzten fafi an 2frmutb, unb fein Eummeclidjeä 2iupere fd)ien mit bet Kühnheit feineg ©eifteg im 2 Biberfptucb. ©r flarb 1802 arm, roie er gelebt batte, unb man nannte ihn ben ametiEanifcbcn ©ato. 2fbamgapfel, eineffrtPomeranjen mit narbigerSdjale, nur etmag gto= per unb bunEler alg bie getuohnlidjcn Pomeranjen. — 2£ucb nennt man fo ben erften Knorpel in ber Suftrohre, ber befonberg an ber männlid)en Sehle fichtbar »orragt. 2fbame>peacf, ber hochfle SScrg auf ber Snfel ©eplon, .£>am = al=el »on ben ©ingalefen genannt, ©r liegt unter 6 ° 49' 91. 25., 98° 4' Ö. 2. »on ©reen-- mid), unb ift bei hellem 2öetter auf 30 Pfeilen fiebtbar. ©eologifd) ijt er noch nicht unterfuebt unb aud) nod; nicht gemeffen. efiier entfpringt ber haüptflup ber Snfel, Plemelatonga, beffen Pfünbung ben beffen .fjafen in ganj Snbien 51 t Stirn conomale bilbet. 23on 23ubbha’g 2 lnl)dngern roirb ber 23erg für heilig gehalten, unb »iele Pilger mallfahrten bahin. Sie taufeben mit einanber i()t Sriebengjeichen, bag 25etelblatt, um baburch bie 23anbe ber SSermanbtfcbaft ju bekräftigen, greunb= fd)aften ju befeftigen unb geinbfdjaften ju »erfohnen. ©nblid) fegnet fte ein Ptie= fter 23ubbha’g auf bem ©ipfet ein unb fobert fte auf, in ihrer Jöeimatl) tugenb= haft ju leben. Ser 2Beg jurn ©ipfel beträgt nach Sa»p 8 engl. Pfeilen unb ijt an einigen Stellen hochft fieil. 2fuf bem ©ipfel geigen 25ubbha’g Priejter eine 23ertiefung, bie 23ubbha hier burd) feinen guptritt jurütfgelajfen haben foll. ©l)c= mürbige alte 23äume, befonberg Sfhobobenbton, umgeben ben heiligen Plag. 2C b a n f 0 n (PZichel), SSotanifer, geb. jtt 2lip ben 7.2fpril 1727, ftubirte aug Peigung Paturgefdndjte; Pcaumur unb SSernarb be Suffteu mürben f. $aupt= führet. Sag £inne’fd)e Spjiem, meldjeg f£d> bamalg ju »erbreiten anftng, reifte ihn jur Pacheiferung. Um aug alle» Ärdften bie SEBiffenfdjaften ju forbern, ent= fagte er bem geifilichen Stanbe, für ben er beftimmt mar, unb unternahm natur= hijtorifdje Steifen in noch unbefugte Sänbet. Saum 21 3af)te alt, ging er 1748 an ben Senegal, meil er glaubte, bap bie Ungefunbheit biefer ©egenb noch lange bie 9faturforfd)er abhalten mürbe, fte ju unterfuchen. ßr fammelte bafelbjt mit bem glüljenbften ©ifer unetmeplidje Sdjähe in allen 3 Paturrcidjen. Sa et balb bag Pfangelhafte ber bigherigen ©intheilunggmethoben fühlte, bemühte er fleh , fte butch eine allttmfaffenbe ju erfehen. 2 (upecbem fertigte er »on ben 2 än= Abdquat Abbingfon 77 bcm, bic er burdjwanberte, genaue (Sparten, unb fammelfe 9Borterbid>ec von ben ©ptad)en ber vetfd)iebenen Sßott'ecfdiaftcn, mit benen er in 33erüf)rung fam. sftad) einem 5jährigen Aufenthalt in einem ungcfimben Älima fehrte er mit ben foftbarflen Sammlungen in fein Söaterlanb juvücf, wo er 1757 f. „Histoire naturelle du Senegal", 4., ßetauSgab. Einige nuiftevf)afte Abhanbhmgen, meldje bieAfabemie in i()re Memoiren aufnal)m, erwarben U)in 1759 ben Xitel eine« Afabemifer«. Sie waren bie SSorldufer f. großen botanifdien ©etf«: „Fa- milles des plantes" (2 S3be., 1763). 25iefe« bewunbernSwürbig gelehrte ©erf fonnte jebod) feinen Bwecf, ber Sotanif eine nette ©eftalt ju geben, gegen Sinne nicf)t erreichen. ©r t>atte jal)lreid)e Scränbetungen unb Bufäfce }u einer neuen 2(u«gabe gemad)t, al« er ben *pian ju einer vollfränbigen ©ncpflopäbie faßte. 3n ber Hoffnung, baß Subwig XV. biefe« Unternehmen unterfügen werbe, fammelte er bie Materialien baju, bic in Äurjem ju einer Ungeheuern Maffc anwuchfen, unb legte 1775 ber Afabemie einen jPlan vor, ber burd) feinen Umfang allgemei; ne« Staunen erregte. Man unterwarf ißn einer ndßevn Prüfung, beten ©rgeb= niß jebod) be« Söerfaffer« ©rwattungen nid)t emtfpracl). 2f.’6 fPlan war aller; bing« trefflich; ober er hotte Unredjt, ihn nicht theilweife, fonbern auf einmal au«ful)ren ju wollen, unb biefer ©igenfinn war Utfadje, baß berfelbe unauSge; führt blieb, ©r ful)t inbeß mit ungefd)wdchtem ©ifer fort, feine Materialien ju vermehren. Tlußer einigen fchaßbaren Memoiren, bie er ber Afabemie vorlegte, gab er Glicht« rneßr hecau«; bie Sbee, feinen großen fPlan au«äufül)ren, befd)df= tigte ihn allein) alle feine Mittel wenbete er auf, um ben Beitpunft bafüt }tt be= fdßleunigen. 'über ber AuSbrud) ber Stevolution oerfegte ißn in bie traurigftc Sage, al« ba« Stationalinfitut bei feiner ©rünbung ißn eittlub, einen s piaß unter feinen Mitgtiebern einjunel)men, antwortete er, baß er ber ©nlabung nid)t folgen f'onne, weil et feine Sd)ttl)e höbe. 25er Minifter be« Innern bewilligte ißm eine f)cn[ion. S3i« an feinen $Eob, ben 3. Aug. 1806, war er unabldffig für bie Ausführung jene« großen ©ntwurf« befd)dftigt. 25te .3al)l• feiner gebrueften Schriften iß ge= ring gegen bie Maffe feinet nachgelaffenen Manufcripte, au« benen ein gelegener Auszug be« ©iffenSwütbigfien ju wünfehen wäre. Abdquat (vollfommen angemeffen) heißt eine SBorjtellung in Schiebung auf ihren ©egenjfanb, wenn feine wefentlicfjen Mctlmale in ihr jufammengefaßt finb. 25ie« gilt fowol von ber inbivibuellen Sorftellung al« non bem SSegriff. 25er SSegriff ifl in«befonberc abdquat, wenn er ba« Allgemeine bet 25inge burd) wefent; lid)e Metfmale beflimmt. ©ine 25eftnition ober ©tfldtung eine« ©attungSbegriff« ift abdquat, wenn ft'e biefen S3egriff nad) feinem wefentlidjcn Snljalt unb bamit auch feine wefentlidjen ©renjen au«fprid)t (f. 25efinitüon), unb folglich webet ;tt weit ifl (jit viel ©egenfidnbe umfaßt) ober }tt eng (auf weniger ©egenfidnbe paßt, al« unter ben Segtiff gehören). T. Abcitation, bie Sorlabung eine« 25ritten ju einer bisher unter 2 Anbern geführten gerid)tlid)en Streitfadje, um entweber al« mitjtreitenber 3d)eil barin auf; jutreten ober Aufklärung barin ju ertheilen. Salb verfügt fotdje ber Seichter felbft, wa« er nad) preuß. fProceß fiets, aud) bei einigen anbern ©efetjgebungcn, aber nid)t nach gemeinem beutfdjen fltoceß thun barf, halb eine ober bie anbre Partei) halb wirb ber Abcitat al« Streitgenojfe, halb jurSertheibigung feine« felbftdnbigen 9?ed)tS verablabet. Abbing ton (^enrp), Sotb SiScount Sibmotttl), Sol)n eine« Arjte«, ber mit bem ©tubium feiner .Run ft Siebe jur StaatSwiffenfcljaft verbanb. J5ein= rid) A., geb. 1756, warb mit 9)itt, bem Sohne be« Sotb ©hatam, erlogen. 25ie glänjenbe Saufbahn feine« gmtnbc« eroffnete aud) ihm ben ©eg ju ©hvem feilen, ©r trat in« Parlament unb unterfügte mit ganjer Mad)t fPitt gegen gop. 1789 warb 31. jum Sprecher im c^aufe ber ©emeinen gewählt, unb bie= 78 Abbtten Abbifon fer «hretwolle Soften blieb igm aud) bei ber 3ufammenbeiufung eineg neue» Parlament«, Stets treu bet Partei Pitt’g, ftimmte er nur gegen bte SRetnung feines greunbeg, al$ SBilbetfotcc 1792 bie Aufhebung beb Negetganbels in SSor? fd)Iag brachte, inbem er für bie ftufenweife Abfdjaffung mar. ©r fegte ed burd), bap ber3«itpunft bafüt big 1800 »erfd;oben würbe. 2lher biefe augenblicfliche Abweichung in ihren Meinungen dnberte Weber ihre S3ertcaulid)feit noch ihn gewöhnliche Übereinftimmung in bem politifchen ©pfteme. Sen 5. $ebr. 1801 legte Pitt bie SBürbe eineg Hanjlere ber fonigl. ©chagfammer niebcr unb uber= lief fie feinem gteunbe A. 3« biefer ©teile fattete A. mehre Berichte über bett Sinanjäufianb ©nglanbd, bie Nothwenbigfeit neuer Anleihen k . ab, unb roupte ben an unb für fiel) troefenen ©egenftanb feiner 83ortrage burch eine eble unb einfache S3erebtfamfeit augjufcbmücfrn. -Ißiihnnb ber furjen Sauer beö Stiebend »on Amiens! »evtbeibigte er biefen Sriebengfdilup, bet fein Söetf fehlen, ©owie aber ber SSrucl) fid) anbüubigte, trug er felbft auf feinbfelige 3Rap: regeln an unb geigte fid) alb einen ber warmften 23ertheibiger beb Hriegg. Sie Hranfgeit beb HonigS in ben erften SRonaten beb 3. 1804 wollten feine Seinbe benagen, um ihn ju ftürjen; aber bie ploglidie SBieberherfrellung beb SRonarchen vereitelte ihren Plan. Sod) nötgigten itjrt neue Angriffe, bag SRinifterium $u oerlaffen; am 10. 9Rai gab er Pitt bie Siegel jurücf. Ser Honig erhob ihn ba* malb jum 2orb SSibcount ©ibmouth unb fdjentfe ihm auf eine audgejeidgtete SSeife fein befonbereb Vertrauen, ,3m 3an. 1806 trat er wieber inb Plinifterium alb ©ropfiegelbemahrer, würbe aber nach furjer3eit abermalb baraub entfernt. Alb 2orb Liverpool ben plag beb ermorbeten Perceoal (1812) alb erfter 2orb ber ©chagfammer erhielt, trat auch 2orb ©ibmouth lieber in bab Cabinet alb ©taatb* fecretair beb 3nnern, meldte ©teile er aber 1822 nieberlegte. 9Rr. Peel würbe fein Nachfolger. Abbtren, f. Abbition. Abbifon (3'ofeph)/ geb. 1672 ju SRiljton in SBiltfhire, wo fein föater ©eiftlidier war, empfing ben erften Unterricht an feinem ©eburtborte, fpüter in Sitchffelb, wo fein iüater Sechant geworben war. 15 3« alt, ging et nad? Srforb, wo feine lateinifchen ©ebidpte bie SSewunberung feiner Segrer erreg* ten. ©ie erfchienett in einer Sammlung: „Musaruni anglicarum analecta". ©r hatte fid) bem geglichen ©tanbe befitnmt; aber 2otb ©omerb unb 2orb SRon* tague, bamaliger Händler ber ©diagfammer, würben feine ©onner; unb biefer Umjlanb entwickelte »ielleidit in il)m bie Heime beb ©hrgeijeg, ber ign ju ©gren* feilen führen füllte, für bte er nicht geboren feinen. 1689 rid)tete er ein ©ebid)t an ben Honig SBilgelm, ber einem 3ünglinge »on fo gropen Hoffnungen fein et= munternbeb SBoglroollen baburch bejeigte, bap er ihm ju einer Steife jägrlid) 300 Pf. ©t. bewilligte. A. befuegte Scanfreidj, wo er femüdi lange »erweilte, unb ging »on ba ttad) 3talien, fah fiel) aber genotgigt, ba inbeffen SSerünberungen im SRinijterium »orgefallest waren unb ihm bie p.enfion nicht mehr auggejaglt würbe, nach ©nglanb gurücfguFohcon. ®on Allem entblopt kam er in Sonbon an; bod) halb »erbefferte fid) feine 2age. Sie ©d)lad)t «on -poch ft ab t ober Slengeim 1704 verbreitete burd) gang ©nglanb bie lautejle Sreube, unb 2orb ©obolphin, ber biefeg Natiottalereignip »on einem Sichtet gefeiert roünfd)te, beauftragte auf Sorb far’g Empfehlung A. bamit. Nod) ehe berfelbe fein ©ebidit oollenbet hatte, et* hielt er ben Po jien eineg Appellationgcommiffnirg, ben ber berühmte Sode auf gab. 1705 begleitete A. Sorb Halifar nach Hanooer unb warb bag 3«£>r barauf Unterffaatdfecretair. Als ber SAarquiö SBarton jum Ssicefonig »on 3rlnnb ernannt worben, folgte igm A. als ©ecretair, unb war jugleid) Ard)i»ar bei ©d)loffe6 »on SMrmingham: einPoften, ber, bei wenig Arbeit, 300 Pf. ©t. jährlich) ©infommen gab. Samals entwarf fein3ugenbfceunb ©teele benpian ju einer L Xbbition 2£bel 79 3citfd)rift: „The tatler" („2)« ^[auberec"). X nahm an biefec Unternehmung gjjeil, an beren ©teile nad) einigen fOtonaten ber „Spectator" trat, bei bem ein jjftjerer «nb umfaffenbeter ©efichtSpunft genommen worben war. (@. ©teele.) Siefe ©cf)rift., bie crjte in ifjrer 2Crt, mad)te bm SSecfaffer allgemein berühmt. 2 (. feilte barin ein ©emälbe »on ben ©itten feiner 3eit auf, inbem er ©l)a= raftere fcfyilberte, Saftet sücftigte, bie herrfchenben £acherlid)feiten unb Ser?ehtt= {jetten aufbeefte, unb babei abroechfelnb ben ©tnfr be« Serftanbe« unb ben SEon be$ ©potte« unb berSronie anroanbte. 3n biefen oetfebiebenen ©attungen ber ©egenftänbe unb ber Seljanblung jeigte er ein au«gejeid)nete« Talent, einen ge= [äuterten @efd)macf unb einen gefunben, roiewol nicht in bie Siefe bringenben S5li(f. 1713 brachte X fein SErauerfpiel „Gato" auf bie Sühne, ba« 35 fötal nad) einanber unb nadlet nod) lange in Sonbon unb in ben Prooinsen unter bem allgemeinen Seifall aufgefüfjrt mürbe. Sod) nicf)t ber Söertf) biefe« an fief) fd) wachen unb froftigen ©tücf«, in welchem X red)t beutlidj barthat, bafi er$war ein fdjoner ©eifi, aber fein Sid)ter fei, fonbern ba« politifd;e Sntereffe beffelben wirfte biefen ©rfolg, ju welchem bie SBhig« unb SEorie« fiel) neteinigten, ben aber bie 3«t fcf machte unb enblid) ganj au«löfd)te. 9tad) bem SEobe ber Königin 3lnna ging X aß ©ecretair be« Sicefönig«, ©rafen non ©unbetlanb, jum streiten fötal nad) Stlanb; er toarb barauf Sorb be« JjanbeßgeridjtS unb 1717 ©taatsfecretair. fötan bemerfte aber halb feine Unfähigfeit, ©r mar nid)t im ©tanbe, öffentlich ju teben unb bie fÖtafiregeln ber Stegierung ju nertfeibij gen. Sie mancherlei itranfungen fowol, bie er barüber erfahren mujjte, aß aud) bie Abnahme feiner ©efunbheit betrogen ihn bat)erba!b, bie ©teile nieberjttlegen, tnorauf er 1719 su dwllanbljoufe bei Äenfington ftarb. ©r trarb in ber 2Iieft= minfterabtei beigefetjt. — 3n ©nglanb gilt X für einen geifireidjen, eleganten unb trohlflingenben Sid)ter, unb bie fOteiften fe^en ihn Pope unb Srpben an bie ©eite. 5Bit fönnen brefem Urtl)eile nid)t beiftimmen. X« tragifd)er Sid)ter nimmt er einen fef)r niebrigen Plag ein. Seit feinen profaifefen fiöerfen ift näd)fi bem „3ufd)auer" feine „Steife nad) Italien" ba« trid)tigfle. ©eine Ptofa ift in jeber Siücfficht mufterhaft unb rerbient ihrer Sieinfieit unb ebeln ©infad)heit tre= gen ftubirt su werben. 2(18 fÖtenfd) mar 2(. ron ben untabelhaftefrett ©itten, ein aufrid)tiger 2(nl)änger ber Stcligion, ernft unb surürff}aitenb in feinem Setragen; in ber ©cfellfdjaft furditfam unb rerlegen, fprad) er menig «or Petfotten, bie et nicht genau fannte. ,,5d) habe nie", fagte Sorb ©hefterftelb, „einen befd)eibe= nern unb linfifchern fÖtenfchen gefehen". 3m grambe«freife mar feine Stebe fliefjenb unb anmutlgg. Xbbition, bie et-fte Sfed)nung6art bet fogenannten 4 @pecie8, ift 3u= fgmmensählung, burd) meldje man erforfdjt, trie riel gemiffe einseine 3ahlen ober 3ahlenreihen, su einanber gered)net, betragen. Sa« Stefultat biefer 3ufanmiem rechnung nennt man ©urnnte. 2(b el. Sie ®efdvid)te unb ber politifd)e Söertl) eine« erblid)en 2fbel8, b. h. eine« ©tanbeä, Welcher rorsüglid)e bürgerliche ©lire unb mel)r ober weniger Sor= rechte ror ben übrigen Xtgef)örigen be« ©taat« bloji burd) bie ©eburt, nicht burch eigne Serbienfte erlangt, ift tl)eil« einer ber michtigften unb befirittenften Punfte itt ben Setrachtungen über bie bürgerlid)e ©efellfdjaft, tbjcilö auch, ungeadjtet einer gafjdofen fÖtenge oon ©epriften, nod) nid)t einmal hiftorifd) hinreidjenb auf= geflärt. Ser 2(bel erfcheint babei mit einer foIdeen fÖfannigfaltigfeit feiner formen unb Serfiältniffe su anbetn Glaffen ber ©efellfrfoaft, unb felbft bie ©runblagen fei= ne8 Safein« flnb oon fo grofer Serfd)iebenl)eit, bajj ein allgemeine« Urtheil bar= über nid)t möglid) ift, unb man nur bie beiben äuferfien ©äffe, nämlich auf bet einen ©eite, bafi ein folcher erblicher ©tanbe«unterfdiieb jebem Solfe ober boch ber fö?onatd)ie ftet« unentbehrlid) fei, auf ber anbern, bap er niemal« nüglid) 80 «bet ober fietö verwerflich fei, als g(eicl) unrichtig jurücftveifen rnup. Sn ber bisherigen ©cfd^idjte ber Sßölfer ifi faft bei allen eine fPeriobe bemerflid), in welcher bie einji-- gen wahren ©üter ber Menfdppeit, ed)te 2luff(ärung, ©erecptigfett unb ©itten-- rempelt, SSegeifterung für baö ©d)6ite unb©ute, nur burd) eine auSerwaplte ©laffe gepflegt unb erhalten würben; aber aud) eine anbre, in welcher eben biefe ©üter, opne welche ber (Staat gar feinen Söertp unb vernünftigen 3tvecf f)at, von eben biefer ©laffe mit güpett getreten worben finb. SJtamentlid) bie ©efd)icpte ber 9Jtonard)ie, von ben älteren Seiten biö auf bie neueften, jeigt flar, bap bie gröp= ten ^»inberniffe, weld)e bie (Staatöregierung ju überwinben f>at, wenn fie griebe, Srbnung unb ©ereeptigfeit im 8anbe ftifteit will, von bem 2lbel herfamen, wel= d)er fid) nur fepr fd)Wer jum bürgcrlid)en ©eporfatn gewöhnt, fo leicht er aud) ber Sftacpt §u fcpmeicpeln lernt, wenn er felbft feinen Sfpeil an berfelben t>at. Sie meiften ©taotSrevolutionen ftnb burd) bie Unjufriebenpeit ber ©ropen angefiiftet worben, unb gegen einen gürftett, welchem Ärone unb Sehen burd) ©mpörungen beS SßolfeS entriffen worben finb, haben djunberte SSeibeö burd) Meutereien unb gactionen ber SSocnepmen verloren, ©roper Sanbbefip, mit welchem eine-£)err= fd)aft über Spiele verbunben ift, ober eine ja^lreid)e ßlietttel, weld)e aud) auf anbern ©rünben berufen fann, fefet ber SRonarcpie, wenn fie fid) ntd)t mit leerem ©lanj unb willfürlid)er, ja befpotifdjer ©ewalt im ©injelneit begnügen, fonbern aud) bie ©etingen gegen Unrecht befebüpen unb baS ©efül)l menfd)lid)erSßürbe in ihnen erljalten will, unüberwinblid)e ©d)Wierigfeiten entgegen, an welchen bie ebelften Monarchen, bie gropten SOtinifter fchon oft ihre -Strafte vergebens verfud)t hoben. ©S fommt in einem folchen .Stampfe gar leid)t bahin, bap bie 9Ronard)ie fid) ber $£pat nad) ju einer Magnatenrepublif auflöft, unb von biefer ift bet ©d)ritt ju einer folchen aud) bem SJtamen nacl), b. i. jur ©infüprung eines perrfdjenben ©e= natS ber bevorred)teten ©efd)ted)ter, nicht fel)t groß, -fikö ben Spatrijiern in 9tom unb in Söenebig gelang, war aud) in Spolen unb ©djweben in neuerer Seit bem Siele fel)t nahe, unb ift felbft in ©nglanb, infoweit eS bie S3el)errfd)ungSrianbS be= trifft, fehr weit gebiepen. Montesquieu’S berühmtes SSort: „Point de monarque, point de noblesse: point de noblesse, point de monarque", ift einerber gropten Srrtpümer jenes gropen ©taatSmanneS. ©in nod) größerer Senfer als er, Sorb Söaco von SÜetulam, ftellt bagegen („De augmentis scicntiar." L. VII.) 4 ©ape auf, welche faft 2llleS enthalten, was man gegen ben 2fbel fagen fann: „Raroex virtutc nobilitas, rarius ex nobilitate virtus; nobiles majorum deprccatione ad veniam saepius utuntur, quam suffragationc ad honores. Tanta solet esse industria novoruni hominum, ut nobiles prac illis tarn quam statuae vi- deantur; nobiles in stadio respectant nimis saepe, quod mali cursoris est". SBiaSÄant, granflin, 83oileau unb SSottaire über ben ©rbabcl gefagt hoben, ift befannt; ber ©rfte bejeidjnete ihn als einen 9tang, ber vor bem Sßerbienjte vorher; geht unb biefeS auch nicht jur notptvenbigen (auch nid)t einmal jur gewöhnlichen) golge hot. Sic Söernunft gebietet feinen hohem, jo feinen anbern SBertp im SBenfdjen anjuerfeitnen als ben moratifchen reiner 9Renfcplid)feit, Smgettb unb fittlicper ©cpöttpeit; bie ©ereeptigfeit verlangt, bap ber ©taat feine 2Bohttpaten .allen SSütgern opne Unterfdjieb jufommen laffe, bap er allen redjtlicpe @id)erpeit mit gleichem ©tfolg gewahre, unb bap er nid)t einem fleinen SEpeile geftatte, fid) bie übrigen bienftbar ju machen. Allein aitS 3lllem biefen folgt ntcf)f, bop ber ©rb= abel fd)led)terbingS mit ber SSeftimmung ber ©taaten unvertraglid) fei. 3Bo er einmal piftorifd) begrünbet ift, fann jwar ber gefepgebenben 9Rad)t nid)t verwehrt werben ihn aufjupebett, unb fie begeht, wenn fte eS tput, feinen ©ingriff in er= worbene 9ted)te (bemt fte nimmt jo baburep SJticptS, fonbern fie gibt 3fUen baS 5Ked)t, baS biSper nur SSenige patten); allein eS ift bod) feine unbebtitgte 9totpwenbig= feit ju biefer Aufhebung vorpottbett, wenn nur bie tfnfprücpe unb Sßorrecpte beS 81 2Cbel 3(betS fo weit befd)ränft werben, alg bic ©ereefftigfeit gegen bie DOtbern eg oerlangt. 93on bec tjiflortfdEjert ©eite betrachtet, ftnbet man allerbingg ©tbabel fafi überall in ber Älnbfjeit bet 23olfer, bei ben DOten wie bei ben neuern 336Ifent, unb fein Urfprung, melier fefjr uetfcfjiebene Urfacffen gehabt p haben feffeint, halb bie Um terwerfung bureff SBaffengewalt, halb bie DOtetfennung einet hohem Gttltur, ober bie SSewaffrung teligiofer ©effeimniffe, oerliert ftch in bag Dunfel ber ootffifforU fchen Seit. Ser sptiefierabel ber Urwelt hat aber überall bem Äriegerabel weichen muffen; bie Äajte ber 33tahminen in Snbien hat bie ©ewalt an bie Äajte ber Äetri (Ärieger) oerloten, obgleich bie Häuptlinge auf ben Snfeln beg inbifdjen SJJeereg } nocff je^t ben Dlbfommlingen beg Altern DCbelg, über welche fte unbefeffränfte ©ewalt üben, bie groffte ©hrerbietung beweifen muffen. (©. ©rawfurb’g „History of the Indian Arcliipelago", Sonb. 1820, III, 33.) Sn ben germanifchen Stämmen, welche bem neuem ©uropa feine jefisige ©eftalt gaben, ftnben fkff in ben altern Seiten nur fchwache ©puren beg ©rbabelg, welcher jjeff fpäter alg allgemeineg euro= päifcffeg Snffitut auggebilbet hat- Swar fcheinen oiele oon ihnen ein regierenbeg ©efcfflecfft anerkannt p haben, wie bie ©achfen, Sänen unb Normannen bag ©efchlecht Sbin’g, bie 5Q3eftgotf>en ihre SSaltffen, bie Sffgotffen ihre DOnalen, bie SSaiern ihre Dfgilolftnger: ©efd)led)ter, welche p ihren 336(fern in bemfelben SSerffältniffe gefianben p haben fcheinen, alg bie Sncag bei ben Peruanern, im bem ihre Stifter (bie 2Cfert) mit fo überlegener SSilbung unter bag 33olf traten unb ihm fo groffe SBoffltffaten mitbrachten, baff man ihnen göttliche Dfbfunft pfefftieb, unb biefe noch lange Seit ffinbureff in ihren SRacfffommen ehrte. 3tber fonjf. haben granfen, ©achfen, Sänen, Normannen, Schweben unb bie meiffen anbern 33olfer feinen ©rbabel gehabt; bie 2itt>elinge ber ©ad)fen ftnb augfcfflieffltcff SO?it= glieber beg ffettfeffettben ©efcffted)tg, unb f>auftg werben nur bie SLfjronfolger mit biefem 9iamen bezeichnet. Sie Änttuffionen unb Seube (Iiti, leudes) ber gram fen, bie Segene (thaini, thani, thegnas u. f. w.) ber@ad)fen, bieHttbntäm ner unb Singmannen bet Seinen unb Tormänner ftnb feine ©belleute im mo= bemen SSetffanbe, fonbern eine gortfeffung beg alten ©efolgeg, wie folcheg fd)on Sacitug befchreibt, unb weicheg ftch btttd) ben fpäter ffinpgefommenen lehnbarett Sanbbeftfs allerbingg allmalig pm ßtbabel umbilbete. Sie ©rafen ber granfen, bie 3flbermänner unb gtoffern Sffane ber ©ngtänber, fowie bie Sarlg (in ©nglanb Eorlas) ber Sänen finb Ämter, p welchen Seber gelangen fonnte, ben 33er= bienff unb @lüieb ftch ber ©tanb ber 33omehmen (ber gürfiett, ©rafen unb Hatten), ober ber hoffe Dlbel, unb ber ©tanb ber Ärieggmannfdiaft (bie zu Äriegg= unb H°fbwn; ffen oerpflicfftete DOtterfdpft), welcffer niefft immer für oollfommen frei angefeffen würbe, fonbern bie SJlinijfetialen in feinen Ofetffen jäfflte, oon bem ©tanbe ber ju gemeinen Sienficn oetbunbenen ober boeff gewohnten 33auern unb ©täbtebewoff; ner, inbem umgefeffrt biefe Segtemniefft bureffgängig für gänjticff unfrei angefeffen Werben fonnen. Sie weitete Dfugbilbung biefer ©tanbegunterfeffiebe, iffret 33er* ffältniffe unb jum 33olfe naffm nun in ben oerfdffebenen Säubern ©utopag einen Sonn.:2er. Siebente Htufl. 23b. I. f 6 §2 2Cbel fehr abweid)etiben ©ang. Sn ©nglanb, Sdjottlanb, (Spanien, aud) jum 3Ü)eil in Stalien, würbe bet (jodete 2(bel, bet Startb bet fetten ober 23arone, nur •tDfdjö; ratgabel, b. t). bie Sütel bcffelbett erben nur auf ben dlteften Solm fort, bie jün= gern Söhne treten, wenn fte aud) im gemeinen Seben einige iu&jeirfjnung ge= niepen (ihr 9fang in ©nglanb if! gefehlicf)), bocf) bem 2Befentlid)en nacf> in bie SDfaffe beg SSoIfS jurnd. Sie ergreifen alle anbre 2frten non ©efdjaften, fie wib= men fiel) nicfjt btop bet Äircfje unb bem Krieggbienjte, fonbem werben 2lb»ocaten, Seichter, Kaufleute, gabrifherren. Sn ©nglanb ift bie SSererbung beg f>ot)en 2 lbelg, woju bie .fberjoge unb SÖfarquig (bie beibe ben gürflentitel fuhren), bie ©ra= fen, 83igcountS unb SSarone gehören (f. ©nglanb), mef)t perfönlid) gebliebenj eg gibt jwar titulirte ßebjert, auf benen aud) gewiffe ©hrenbienfte unb ©ered)tig= feiten haften, unb bie Ausübung berfetben fiefjt jebem S5eft|er ju; allein jurn bot; tigcn l)oi)en 3fbel (jur nobilitj) barf ftd) ber SSeft'bcr nid)t rechnen, wenn er nid)t befottbetS bajtt erhoben worben ijf. Sn Spanien unb Stalien hingegen gefd)iel)t bie SSererbung be 8 l)of)etn ?(belg (ber titulados, gütfien, -f)etjoge, Sftatquig, ©rafen) auf eine mehr bingltcfje 5Beife, inbem biefe Sütel, abgerechnet, bap fie aud) »om 9Honatd)en cretrt werben, an ©uternunb jurn Süjeil an feljr fleinen £el)nfd)aften l)aften. Safer biefe Stenge ©rafen im obetn Stalien, bie ehemaligen Conti di terra ferma »on Sßenebig. Sie gropen fpanifd)en Familien bringen auf biefe SBeife eine febr grope Stenge fold)er Sütel ($üte genannt), juweilen 4 — 500, jufammen unb fefjen ihren Stolj in biefe Salden. S» granfreid) ijf ber 3(bel an ftd) ein gemeinfchaftlidjeS 9fed)t ber ganjen Familie, auch ber jungem Sohne; nur bie Mairie unb bie Sefmgüter würben auch »or ber Sfeöolutionnur nach bem 3fecf)te ber ©rftgeburt »ererbt, allein bie jungem Söhne mupten fh r ©lücf in ber 2(tmee unb in bet .Kirche fud)en; jebeö bürgerliche ©ewerbe, felb'ff bie Kaufmannfcfaft, jog ben fBetlufi beg 2fbelS nad) ftd). Sn ©nglanb brachte eg aud) ber hofjc Sfbel nie-jur SanbeSherrliddeit, nur einige fProoinjen, welche früher Apanagen fönigltcfer ^Prinjen waren (Sancafiet, Gornwallig), einige S3igtf)ümer (Sutfam, Ghefftr, bie fogenannte Snfel ©Ip unb »otjüglicf) bie bem 4 )erjoge »on 2ttf)ot gehörige Snfel 2ftan) hatten als fogenannte fPfaljgraffchaften (counties palatine) untergeorbnete 9öcgterung8red)te. Sn gtanl'reicb bilbete ftd) bie 2 an= bcöhotjcit ber alten gropen (fürftlidjen) Selten, ber.£jetjogtl)ümer 9lormanbie, S3re= tagne, ©uientte, SSurgunb, bet ©raffdjctften Siouloufe, Champagne, glanbetn, unb bet jum Königreich Ufiebetbutgunb ober 2lrelat gehörigen Sanbet Saupfine, 9)to»ence, grand)e;©omte, SSenaifftn u. f. w. feljt früh aus unb war fd)on bei ber Sifronbefteigung $ugo ©apet ’6 »ollenbet. 3fbet bie Krone granfreict) hatte baS ©lüd, alle biefe gropen Sehen nad) unb nach mit ben KönigSlanben ju »ereU ntgen, fobapnur wenige fletne Souoerainetdten, 5 . 33. bie gürflentf)ümer S3ouil= Ion, Sombeg, .Orange, 3f»ignon unb SSenatfftn u. a., ftd) bis in bie neuere Seit erhielten. Sabei würben »on Subwig IX. an bie Sfppeltationen »on ben S3ato; niegerichten an bie fönig(id)en Sberamter unb fParlamenter unb in golge ba»on nad) unb nad) bie 2fuSübung aller Soiwerainetatgrecfte in ©ang gebracht, enblid) aber bie üftagnatenariffofratie unter Subwig XIII. »on 9Jid)elieu gtünblicf unter; brüdt. 2(nber8 war, was ben hoben 3(bel betrifft, ber ©ang ber Singe in Seutfdjlanb. ^iter erlangten bie alten gropen $erjoge »on Sadjfen, SSaiern, Sranfen, Schwaben, Sothtingen, unb nach ihnen bie ®?arfgrafen im Dflen unb 9?orben beS 9?eicf)S um biefelbe Seit, wie in $ranfteid), biefelben lanbe 8 hetrlid)en 9fed;te, unb baS ©rafenamt würbe theilS erbüd), theilS ein Subehör ber geip= eben Stifter. Sen Kaifern gelang eS jwar, biefe alten Sftrflenthümer aufjulöfen, fie felbff aber gewannen wenig habet, benn an bie Stelle bet alten ^erjogthümer traten neue Souoerainetöten, fleiner jwar bem Umfange unb bet 50?acht nad), aber mit gleichen 9fed)ten ber SanbeSherrlichfeit unb Roheit als bie »origen. Selbjb 83 3Cbel bie meiften ©raffdjaften erlangten bie ©ouocrdinetätdrcchte, unb fo bitbete fx'rf> in Seutfdjlanb ein fyofyet 2lbe( in engerm ©ihne, ein mirf(id) regierenber gütjfen= unb ©rafenftanb aud, meldet nid)t nur, foad bie jßeretbung bed petfönlichen ©tanbed betrifft, fonbern oom 12. unb 13.Saftl). an aud) in SSejieijung auf ben Sänbetbeft'h ein gemeinfd)aftlicl)ed Siecht bec gamilie mürbe. Sugleid) aber fam in Seutfcftanb ein ©runbfai auf, meidet in feinem anbern eutopäifd)en üanbe gel= tenb mürbe, bap, um ben Äinbem ben oollen ©tanb be« 8?«terd ju betfefaffen, aud; bie Sflutter »on gteidjem ©tanbe fein muffe. (Sad Äinb folgt ber ärgern $anb.) iBiete, aud; fücfltidje gamitien, j. 85. S3aben, Inhalt u. a., haben bie« nicht beobachtet, aber anbre bagegen beflo ftrenger nur ben aud ftanbedmäpiger Ef)e geborenen Äinbern bie ©uccefffondfäljigbeit jugefianben. (©. 9)iif heiratf) unb 3Jf otg anatifd) e Ef>e.) SSJfan hat Med felbjf, jmar nid)t in 3fnfetjung bed abeligen ©tanbed an fid), aucbinicfyt in 83ejie()ung auf 2ef>nd = unb Erbfähigfeit, mol aber in $inftd)t auf gemiffe gemeinfchaftliche Siechte bed 2lbeld, ©tiftdfäf)ig= feit, Sourniet: unb -£>offäf)igfeit, auf ben niebern 2fbet audgebefnt, moburd) fid) ber beutfdje nietete 2(bel »i.el fd)ätfer als in anbern Sänbern non bem ©tanbe ber gemeinen greien gefdiicbctt hat. SSon jenem ©runbfahe: bad Äinb folgt ber ärgern $anb, meip man im übrigen Europa nicht einmal bei bem hohen 3fbel Et: mad; in granfreid) ijt nur in ber foniglicfen gamilie fein SSeifpiel einer Ehe mit fPetfonen aud einem geringem ©tanbe »otgefommen; bad ©efep märe nid)t bage: gen gemefen. Sie fogenannten legitimirten Steige ber foniglidjen gamilie, fogar neben ber beftefjenben gefeglidjen Efe mit SRaitreffen erjeugt, bie 9)rinjen öon SSenböme, 33etneui(, SSermanboid, Sftaine, Souloufe, fPentf)iet>re u. 31., ftnb aud-- gefiorben; ed mar aber tro& ihrer 2(bfiammung, nicht einmal aud ungleicher Ehe, fonbern fogar aud einer gefegmibtigen 83erbinbüng, bod) nad) bem Seftamente Submtgd XIV. fef)t bie Siebe baoon, fte aid fuccefftondfäfig auf bem ftanj6ftfd)en Sfjrone anjuetfennen, unb Äinbetn and einer gefepmäpigen, menn aud) nicht ftanbedmäfigen Ehe batte gemip biefe gähigfeitnkhtbefirittenmerbenfonnen. 2Cud) bei ben abeligen gamilien granfreid)d mürbe auf ben ©tanb ber 9)?ntter gefefjlid) nic^t gefchen; bie 2ü)nenprobe matb nur auf bie »äterlid)e Sinie gerietet. Saffelbe gilt in Englanb, mo auchjbie ©itte nicht bagegen ift, unb man angefeljene 83ur: gerfamilien, Äaufleute, SSanquierd, SSrauhetren, 'iiboocaten u. bgl., mit ben »ornehmften abeligen oerfdjmägert ffnbet. Sic ©attitt bed berühmten fParlamentd: rebner ©hitbreab, S3ütgerd unb SSrauerd ju Sonbon, mar eine ©d)mefietbed ©rafen ©rep. Ä. Safobd II. erfie ©emahlin mar bie Sodjter bed Äanjlerd $pbe, nad)hettgen ©rafen »on Elarenbon, unb ihteSod)ter, SOTatie unb2(nna, fapen nach einanber auf bem Shrone non Englanb, if)te ©ropmutter mar bie 2od)ter eined Äahjleirathd, nad) 3lnbern ein Moped Sanbmäbd)en. @o ift ed auch in am bern Sänbern gegangen, nur in Seutfd)lanb hat bad ffntereffe ber furftlichen 3fgna: ten, fomie bad audfchliepenbe 9ied)t bed 2lbeld auf bie ©tifter unb bie fPräbem ben ber geijfliehen Siitterorben, jene ffrengen ©tunbfähe erzeugt. 3lud) nur in Seutfdjlanb fonnte ed, mie ermähnt, einen hohen 3lbel in jenem engem ©inne ge: ben, in meldjem nur regierenbe gamilien unb Herren baju geredjnet mürben, unb jrcar nur biejenigen, melcfe auper bem 83eft'b lanbedherrlid)er Stechte (menn aud) nur ©efammtbeft'b bet gamilie), aud) nod) 3fntheil an berSteicfdregierung burch ©ife nnb ©timme auf bem S?eid)dtage ober boc!) einen 2fntheil an einer gemein: fchaftlidpen (Eurial=) ©timme ber Prälaten unb 4 @rafen:Eurien hatten. Senn lanbedhetrlid)e Siechte hatte auch bie 9ieid)dritterfd)aft, ohne bod) jum höhen 2CbeI gerechnet ju merben. Sie ©rennen biefed hohen 2fbeld maren auperorbentlid) fdjmanfenb unb jtreitig, unb bod) ihre 85e)timmung fehr michtig, meil baoon ber 35egtiff notorifcher Süipheirathen abhing. Ser hohe 3fbel mar theild ein blop per: fonlidjer, theild ein erblichet. 3enen hatten bie gei(tlid)en gurften, S5ifd)6fe unb 84 AM '■Übte, wo»on »iete jugleid) regietenbe Herren eines 9ieid)SlattbeS waren, »iele aber and) nur bie SBütbe ber 9?etd)Sfürften ofjne Sou»etaittetätSted)te Ratten, wie bie Gfqbifchöfe »on fPrag, £5llmü|, ©nefen, bie 33ifd)öfe»on Ghiemfee, ©utf, £a»ant, ßaufanne, bie Abte »on ©inftcbeln, SJlurp, fPfäfetS u. f. w. Sn ben meiften biefet Stifter hatte bet beutfcfje Grbabel nad) unb nad) ben geteerten Stanb »erbrängt, obgleich bet immer bagegen eiferte, unb nod) im weftfälifdien grieben »erorbnet würbe (Art. V, §. 17), bap bie ©etefjrten nicht aus ben ot>e 2fbel fam ben reid)Sftänbifcf)en fürftlidjen unb gräflichen gamilien, unb jwar jebem SKitgliebe berfelben, ju. 25er= ‘ gleichen gab eS auper 25eutfd)tanb nid)t. 3war führten siele franjoftfdje, italienU fdje, fpanifdpe unb englifche gamilien ben Xitel ber gürjlen, dpetjoge unb 9Jlar= quiS (auch bie englifchen ^»erjoge unb SHatquiS befommen in officiellen Urfunben ben Xitel gürft), aber ber beutfche gürfienfianb artete nur wenige »on ihnen eben= hurtig. 25af)in gehörten in granfreid; biejenigen 6 gamilien, weiten man, ihrer Sanbfäfftgfeit ungeachtet, wegen ihrer 93erwanbtfd)aft mit fousetainen ga= milien ober ihrer 2(b|tammung »on ehemaligen bretannifchen unb aquitanifchen ^)errfd)ern am franjofifchen 7)ofe bie 9fed)te bet Princes etrangers beigelegt hatte. ■Dies waren in granfreid) bie gamilien Sothtingen, Saoopen, ©rimalbi (gürften »on Monaco), Kohan, £atour = b’2Tu»ergne (dperjoge unb gürften »on 33ouilton). Auch einige polnifche gamilien (SfabjiüiU, ÖjOrtocpSfi) gehörten t>icrl>er. 3« Schweben unb 25änemarf gab eS gar feinen hohen Abel biefer Art. Obgleich fet)r »iele beutfd)e ehemals reid)Sftänbifd)e gamilien ihre Sou»erainetät »erloren haben, fo hat boch bie beutfd)e SunbeSacte ihnen ben hohen üfbeljlanb, bie ©benbürtig= feit mit ben foitoetainen Käufern »orbehalten. Sn 2)eutfd)lanb war noch ein firenger Unterfd)ieb jwifchen ben alten gürften, welche »or 1580 biefe Sßürbe erlangt hotten, unb ben neuen, fpäter baju gelangten. — 25er englifche reichs'fänbifche (hohe) 2fbcl, baS $auS ber 2otbS, hat 5 (Staffen: ^erjoge, SJtarquiS, ©rafen (Earls) , S3iScountS unb S3aronS; ber ftanjöfffche reich Sftäm bifd)e Abel führt als folcher blop ben Xitel Pairs de France, bennbie alten unb neuen AbelStitel: Prince, Duc, Marquis, Comte, Vicomte, Baron, fommen auch ohne bie 95airfcf)aft »or. — 25er niebete Abel ober bie 9titterfd)aft (in ©ng= lanb bie Gentry) hat ftd) erft fpät als eigner Stanb auSgebilbet. 3« dnglanb gehört Seber baju, weldjer nicht »on gemeiner 4?anbarbeit lebt unb baher ein SBappen unb ben Xitel Esquire (armiger) anjunehmen bered)tigt ift. 3n Spa= nien fann ftd) auch 3«ber für einen Hidalgo (»on ftdelis) erflären, beffen Altern ohne ein gemeines ©ewerbe gelebt haben, unb in gtanfreich war ber Abel mit einer fo gropen 3af)t felbft unbebeutenber Stellen »erfnüpft, bap er auch fehr leicht ju erwerben war. 25ort hielt man aber befto ftrenger auf alten Xfbel, b. h- auf einen foldjen, beffen Anfang gar nid)t nachgewiefen werben fonnte. ßur ^5räfentation bei Jpofe foberte man 400jährigen Abel. 25er 33 tiefe belüft fo alt als ber Grbabel überhaupt, benn fowie biefet fich ffaatSred)tlid) als fefteS Snftitut auSgebilbet hatte, machten aud) bie CO?onac= chen »on bem nothwenbigen 9ted)te ©ebrauch, StanbeSerfjöhungen ju erretten, unb hielten ben fel)r richtigen ©runbfab feff, bap in ber 9Jtonard)ie fein SSor= red)t älter fein ober einen anbern Urfprung haben fönne als baS monard)ifd)e 9Ied;t felbft. 3« gtanfreid) fing baher fPhilipp III. (1270) an Abelsbriefe ju ertl)eilen, unb in 25eutfd)lanb folgte man halb nad). 25ie Stufen beS niebern Abels in 25eutfcl)lanb waren 1) einfacher Abel mit bem fPräbicat: »on; 2) Gblet »on; 3) 9titter; 4) SSannethetr; 5) greihert; 6) ©raf. 25ie 9ted)te bef= felbett waren im Allgemeinen nicht fehr bebeutenb, aber in einzelnen Sänbern hatte betfelbe theilS burd) wirflidje ©efefe, tf)eilS burci) Sitte unb ©ewohnheit fehr be* trächtlidje 2?orred)te (Steuerfreiheit unb auSfd)lieplid)e 9ted)te ju höf>cm Staats* 2Cbelöfette 85 Ämtern, befcnbccä ben £>fftcier«ffelten) ermatten, wooon man bie meiffen ttnb wieftigffen in ber neuem Seit, »eil fte fo»ol ber ®ered)tigfeit juwiber al« bet frdftigen unb gefunben Entmicfelung beS «Staat« f)inbetlirf> ftnb, »ieber befd)rdnft ober ganj aufgehoben I;at. Sn ber ftanjojtfchen 9ie»olution »urben juerft burd) bie berühmten 25ecrete »om 4. ?fuguft 1789 bie brüefenben 23orred)te beö 2fbet« unb bie meiften gut«herrlid)en 9ted)te (®erid)t«batfeit u. f. ».) aufgehoben, unb nad)bem ba« Sehnwefen burd) eine Sleihe non @efe(scn »ernid)tet »otben »ar, »urbe burch ein ©efe| »om 19. Suni 1790 ber Etbabel gdnjtid) abgefchafft. 92a= poleon fiiftete burd) ben SettatSfchlujj »om 14. 2fug. 1806 unb ba« 25ecret »om 1. 2Rdrj 1808 einen neuen Erbabel, mit ben Siteln gürffen, #erjoge, ©rafen, SSarone unb SRitter, ber aber nur 9Rajorat«abel war unb nur nad) Stiftung eU ne« ÜRajorat« mit biefem auf bie ältejfen Sohne nad) bem 9fed)te ber Erftgeburt forterbte. 9fad) ber JRejfauration aber trat aud) ber altere 2(bel »ieber ganj in feine 3fed)te ein. So ift ber 2Cbel in Europa »ieber jum allgemeinen europdifd)en Snftitut geworben; nur in Norwegen, »o er ohnehin fajt eingegangen war, ift er burch 3 9Ralnad) einanber, 1815, 1818 unb 1821, »ieberholte 95efd)lüffe be« Storthing« aufgehoben worben. 25er Äbnig fonnte jwetr feine Einwilligung nicht mehr »erfagen, allein er fd)lug, weil ftd) Oforwegen in hormonifdjer Überein; ftimmung mit ber gefellfd)aftlid)en Srganifation ber 91 adjbarftaaten erhalten muffe, bie Errichtung eine« neuen Erbabel« »or, welcher jur Belohnung großer fBerbienjfe um ba« SSatertanb »om Sönige »ergeben werben unb nad) bem SRedjte ber Erftge; burt forterben follte. Sn ber 50erfaffung«urhtnbe »on 1814, Zvt. 25, ift aber uerorbnet, baj? feinem Norweger erbliche perfo'nlidje ober reale Vorrechte erthetlt werben fonnten, unb fo lehnte ba« Storthing ben fonigl. 2fntrcig ab. 37. 2fbel3fette. Eine SSerbinbung, weld)e jur Seit be« wiener Eongreffe«, bei weld)em ftd) bekanntlich eine große Tlnjaht Snbioibtten au« bet Eiaffe be« ho= hern 2lbel« unb ber SJRebiatiftrten jttr Wahrnehmung ihrer 2fnfprfid)e ober 9ied)te cingefunben hatte, gefd)loffen würbe, beten fpdtere ©efd)id)te aber nicht bekannt worben ift. «tlüber theilt in ben „2lcten be« wiener Eongreffe«", Sh- VI, §.452 fg., ben batüber bekanntgemachten spian mit. Siefem, »om. 10. S«m. 1815 batirten, jebod) mit feinen Unterfd)riften »etfefjenen glatte gcmdfj, follte biefe .Sette*) bloß für eine allgemeine beutfdje jtttliche unb »iffenfd)aftlid)e SSilbung«; anfialt gelten, au«fd)ließenb für ben 2fbel, beffen S3eftimmung fei, ber erfre unb gebilbetfte Stanb in 25eutfd)lanb ju fein; — in ihm follte ber altertf)umlid)c rit= terlicfje Sinn erweeft unb erhalten werben, bamit jebe geiftige unb körperliche 35iU bung bei bem 2fbel immer mehr fortfd)reite; — e« follte (burd) bie .Sette) in bie Erjiefjung be« jungen 2fbe(« eingewirft werben; — in ^)inft'd)t aufSweckunb 9Rittel waren ©rabe für Wirken unb .fjanbeln »orgefdjlagen; — eine örtliche Einteilung ber 9Ritglieber in Äreife unb ©auen, jebod) nid)f nad) ber je^igen politifdjen ©eographie, lag im Entwurf; — beutfdj = abelige gefttage burd) ganj JDeutfdjlanb, fowie öftere S3etfammlungen, worin ^Protokolle geführt unb biefe an bie Srei«»orjtef)er gefanbt werben follten, waren »orgefchrieben; — 2(lle« bie« aber folle erfi für einen fleinen Anfang gelten! „2fber man hoffe ein fröhliche« ©ebenen unb frdftige« Wachstum. 2fu« biefem würben ftd) manche liebliche S3lütf)en unb grüd)te entwicfeln, bie für je|t noch nid)t $u ahnen feien." „Sur *) ©leicßwie, beißt e« im §. 23 be« fpian«, OTe« in ber SBelt einen Stamen ben will, atfo aud) biefer SSerein einen Ttamen unb ©innbilb angenommen pat, unb jwar bie einer gefcßloffenen «fette, anbeutenb, baß, fowie bie «fraft einet «fette in ber ©leichbeit }u einem 3wecfe angejogener Siinge beftebt, ber «Herein au« unter ftch gleichen, an SOlutb, «traft unb 25ebarrliongrejiftud)t, melcbe 4 Sfabtbmtberte ju fpät fam, jut Steife nicht gebeiben merbe." SBie lange unb mit reellem ©folge aber nod) an ber spflanje gepflegt motben iff unb »ieileicbt gepflegt roirb, miffen mir nidjt. 59. 2fbelung (3ob nrm G^rtftopb)/ biefer um bieoaterlanbifcbe SiCcratur unb ©prad)e bodjoerbiente ©elebrte mürbe ben 8. 2fug. 1732 ju ©panteforo in fpom= mern geboren, roo fein SSater ^Orebiger mar. (Ec genofj ben etflen Unterricht tbeilg ju 2fnflam, fbeitö ju Ätofrerbergen bei SJlagbeburg, unb oollenbete feine ©tubien ju $alle. 1759 roarb er jum SProfeffor an bem eoangel. ©pmnaftum ju ©rfurt ernannt, ging aber 2 3fab re barauf, burd) fitcblidje ©treitigfeiten oeranlaft, nach Seipjig, mo er ftd) mit unermüblid)er Sbütigfeit ben meitlauftgen Arbeiten mib= mete, moburd) er ber beutfeben ©prad)e unb Siteratur fo nüglid) gemptben, unb namentlich bureb fein „©rammatifd) = feit. SEBorterbud) ber bod)beütfd)en 3Jlunb= art" (Seipjig 1774 — 86, 4 Sb. unb 1. $alfte beg 5.). 1787 erhielt er oon bem Äurfürflen oon. ©aebfen ben Stuf alg Dberbibliotbefar bei ber offentl. S3iblio= tbef in (Drcgben, mit bem ©b ata ^ ter ft ^ ^ofratb. 2)iefe ©teile befleibete er big ju feinem S£obe am 10. ©ept. 1809. 2t. allein b aC fm bie beu^fefje ©ptad)e geleifiet, mag für anbre nur ganje jffabemien leifteten. ©ein grammatifd)=fritU fd^eg Sßorterbud) übertrifft bag englifefje oon 3fobnfon in 2fdem, mag bie S3e= gtiffgbeflimmüngen, bie EÜbflammung, bie Srbnung ber SSebeutungen unb baupt= füd)lid) bie 5Bortforfd)ung (©tpmologie) betrifft; aber eg fleht ihm nad) in betSBabl ber clafftfd)en ©cbriftfteller, meldje für bie SSebeutungen angeführt merben, meil 2f.’g Sßorliebe für bie obetfad)ftfd)en ober meipnifdjen ©cbriftjieller it;n ju ber Ungered)tigfeit oerleitete, biejenigen ju oernadjldfftgen, beten SSaterlanb ober ©tpt ihm fein Vertrauen einpofjte, unb fein ©efebmaef fid) in enge ©renjen ein= gejaunt batte, um bag ©laffffcbe anberg alg nad) ftpliftifcben Stormen ju toürbigen. l’g metbobifeber ©eifl erfefraef über bie ©efeljloftgfeit unb über bie glut neuer SBörter, momit er bie beutfd)e ©pradje big ing Unbegrenjte bebrobt fab, unb barüber oerfannte et ihre bemunberngmütbige SSeugfamfeit unb SSUbfamfeit, bie fte allein mit ber gticcbifcben gemein bat. SSoft unb ©ampe haben mit oollem Sted)te, aber oielleicfjt mit ju menig ©d)onung, biefe ESlanget gerügt. 25ie2. 2fufl. beg 2fbelung’fd)en SBortecbudjg (1798 — 1801) liefert eine SOtenge oon 3u= fügen, bie an ftd) fefagbar ftnb, aber mit beninjmifdjen erfolgten gortfd)titten ber ©pracbe in feinem SSerbültnifs flehen, unb nur ju beutüd) bemeifen, baß aud) ein unermüblidjer gleiß bie fd)on in ben SPlan eineg SBetfg oermebten gebier l)inmegju= febaffen nid)t oetmag. (SSgl. D eutfd)e ©pta d) e.) S3on X’g übrigen SBerfen nennen mir f. beutfeben ©ptad)lebren, f. „SStagajin für bie beutfdje @prad)e", f. SBerf über ben beutfeben ©tpf, f. „2iitejfe ®efd)id)te ber Seutfdjen", f. für bie Guellenfunbe ber fübfüd)f. ©efd)id)te mid)tigeg „Directorium" (ESteipcn 1802, 4.), unb f. „SStitbribateg", in roeld)em er bie Ifugbeute feiner gefammten ©prad)= forfdjungen nieberjulegen gebuchte. ;j© felbfl oollenbete nur ben 1. SSanb; bie 3 folgenben oerbanfen mit bem ©praebfotfeber S3ater in^)alle, ber baju tbeilg beg SSerflorbenen Rapiere, tbeilg oon 21. unb SB. o. vfjumbolbt gelieferte S02ateria- lien, tbeilg bie ©rgebnijfe eigner Unterfucbungen oerarbeitete. — 2fl§ SJlenfd) mar X oon ben unbefdjoltenflen ©itten unb febt liebengmürbigen ©igenfd;aften. SSerbeiratbet mar er nie. Saglicb mibmete er 14 ©tunben ber Arbeit, oon melcbet er jtcb im Greife feiner greunbe unb an einer gut befehlen Safel erholte. 2(belung (griebrid) o.), faif. ruff. mirfl. ©taatgratb, Sfitter, SJlitgl. mehret 2ffabemien, feit 1825 SSorflebet ber aftatifd)en 2lfabemie ju ©t.=^Oetecä- burg, ein Sleffe beg ©praebforfeberg, geb. ju Stettin 1768, b at f tc b Cinguifl 2Cbept überlaß t;rtb ©efc^ictjtSforfcfjec auggejeidjnet. Stadjbem er früher in 9iom mit ben <3cf)ä|en ber waticanifcfjen SSibliotfjef fid) pertraut gemadit unb intereffante Unterfucfjungen über bie bafelbjt beftnblidjen attbeutfd)en ©ebicfjte mitget()eitt Jjatte („CRad)t. Pott gltbeutfd)en ©ebidjten, tpeldje aug ber fyeibelberget SSibl. in bie paticanifd)e gefom= men finb", ÄonigSb. 1796 u. 1799), fam er nad) ^letergburg, mo er an ber £)i= rection beg beutfcfyen SEfjeaterg Stfjeil nai)m. 1803 matb et jum Siebter ber @rof= fürften (Ricolaug unb SOTtcfjaef ernannt, unb alg GEoilegienaffejtor beg ©tanbegabelg tbeilf)nftig. £>ann legte er fid) mit ©fer auf bie ©pracf)enfunbe, toobenf)m bie. ©ammlung beg S3ibtiPtf)eEar6 Sacfmeifter fefjr nü&tid) mar. © fd>rieb übet bie „Rapports entre la langue sanscrite et la langue russe", unb in einer f. neuem ©driften l)at et Äatljarina’g Söerbienfte um bie pergleicfyenbe ©pradjentunbe (*Pe= tergbutg 1815) bargeftellt. 3n f. jum Sfceil aug Quellen bearbeiteten 3?iegrapl)ie beg gteil). ©iegmunb p. $ e b e r ft e i n (f. b.), ben ©cfylojet mit 9ied)t ben jmeiten ©ntbeefer 9ütplanbg nannte, f)flt er (Spetergb. 1817, m. Äpfn.) biefem Perbicnft= pellen 6ftreid)ifd)en Siplematifer ein tpürbigeg biftorifebeg Senbmal errichtet. 2fuf Söeranlaffung f. ©önnerg, beg perbienten 5Heid)gfgnjlerg ©rafen 9tumjdnjoff (f. b.), lieferte er eine SSefcbreibung ber metfioütbigen Äorpmtfd)en (<2f>erfpnfcf)en) metallenen Spüren an ber ©optjienftrdje in fRotogorob, bie im 11. 5al>rf). in SRagbeburg gegoffen roorben fein füllen, oon benen ber ©raf bie genaueren 3eid)= nungen Perfertigen lief. Siefe ©djrift, toelcbe mit Tupfern unb ©teinbrucftafeln 1823 ju SSerlin erfdpenen ift, enthalt intere|fante.S3eitrdgo ju bet Äunfigefd)id)te Sluflanbg unb einen 2fuffab über bie ebenfallg in fRotugorob beftnblid)e fogenannte fd)toebifd)e ober ftlberne 5El)üre, welche aug ©igtumt, bem alten fd)toebifd)en niggfi'be, als ©iegegbeute nad) Stuflanb entführt worben ift. 1827 gab er auf beg ©rafen Stumjänsoff .Soften „iDeg greil). o. SRepetberg (Äaiferg Seopolb I. ©efanbten) Steife (1661) nad) Stufla.ib" Ijeraug, nebfi e. 2ftlag, gol. 9tod) atbei= tet 21. an einet „BiblLotheca glottica", mopon bereits eine „Überftd)t aller befann= ten ©pracfien" atS ©nleitung erfd)ienen ift.' 20. Qtbept, f. 2f£d)i)mte. 2£bertaj3, bag SBeglaffen einer Quantität SSlutg mittelflÖffnung einet 2(bet, gewöbnlid) einer ffilutabep (23ene). 93on ben 2flten mürbe forgfdltig barauf geachtet, ipo bie Öffnung gefd)dt)e. 3efst laft man gemöbnlid) gut 2fber: 1) am 2frm, aug ber dufern ober innern ^»auptpene, ober aug bet SRittelblutaber (9Re= bianoene); 2) an betdpanb, aug ber dufern *£>auptoene beg Öaumeng ober fleU nen gingetg; 3) am guf, aug jeber l)in(dnglid) ftarfen Slüta'ber, gemöbnlid) aug ber innern Sßene beg gufrüdieng; 4) am^alfe, aug bem fjirtterti 2(fte bet Sugularpene; 5) an ber 3unge, aug ber grofcbblutaber. 5n öeutfd)tanb braucht man baju gemö^nlid) ben ©djnepper, in gtanfreid), ©nglanb k. bi'e Sanjette, mit ber bie 3}etle|ung einer Arterie ober eineg Sternen fid)erer ju Permeiben ift. Unter ben fPulgabern ift bie ©d)ldfarterie bie einzige, meld)e bei mandjen 6rtlid)en geilem beg Äopfeg geöffnet tpirb. 33on biefem allgemeinen 2tberlap unterfdjeibet man ben örtlichen, bet bureb ©d)tppfföpfe ober SSlutegel gefd)ief)t, um bei ©ttjünbungen bag 95lut, oljne ©d)tpgd)ung beg ©pftemg, aug ber ieibenben ©teile ju §iel)en. Set 2lber£af gehört ju ben wirf fam ften SRitteln in ber >f)eilfunft, aber über feine Hn- menbbarfeit t>aben bie Porjüglid)ftcn 2frjte fet>r perfi^iebcn gebad)t.' ^ippotrateg toanbte ifjn fparfam an, benn mit 9ted)t betrad)tete er bie Teilung ber gieber unb ©ntjünbungen alg ein SBert ber CRatur, ben 3(betlap aber alg ein bie SBirffamfeit berfetben ftorenbeg ©djmddjunggmittel. Jpauftget, unb enblicf) big jum SRipbraud), Perorbneten ifjn feine ©d)üler.. Sie ©d)ulen ber ©mpiriler (250 p. ©)t.) betraten ben rid)tig£n 5ßeg, inbem fie bet 95eobad)tung ber Statur auf -£>ippoftatifd)e SBeife ngd)ftrebten unb bie galle für bie 2(ntoenbung beg 2Cberlaffeg ju bejtimmen fudjten. 21 ber mit ben Süßijfenfcfyaften Perfiel aud) bie däeilfunft in @ried)enlanb. y 88 Abetlafj 3wat erhoben fiel) gtiechifche 'ifrjte unter ben Körnern, aber bie emprdfetje Sd)Ute war ciuggeartet. Set IKifbraud) mit bem Aberlaf warb roiebet nitgemein, big Agflepiabeg nug S3itf)pnien, Gicero’g Arjt unb greunb, ber £et>re oorn ffilutlaffen eine neue ©eflalt gab. Gr oertheibigte ben 2fberlaf?, ba if)tn bie ißollblütigfeit Urfache ber meiften Äranfheiten tont, aber er gebrauchte if>n Dotjüglid) nur ba, roo Schmetj oothanben mar, unb hielt fcfion riet auf örtlidje SSlutentjiehungen. 5?ach ihm bejfimmte Gelfug bünbig bie gälte beg Aberlaffeg (um bag 3- 5 n. Gf)t.). 2fretdug, ber Stifter einer neuen Schule (70 n. Gf)t .), lief mehr in beigen als in langwierigen .firanfheiten jur 2fbet, in bringenben galten aber big jur Sbnmad)t. ©alenug (3- 160), ber eine Hauptclajfe ber Äranffjeiten «on fBollblütigfeit ab= leitete, oerorbnete teid)lid)e Aberlaffe, unb burch bag Anfeben feiner Sehre, bie mehre 3abtb un l>erte lang bie betrfebenbe mar, würbe bet ©ebraud) berfelben febt oerbreitet. €fad) bem Umjlurje beg romifchen Keidjg waren bie Arjte in Gutopa fo feiten, bap Äarl bet ©tope an einet Sungenentjünbung ohne Abetlaf unb übet; haupt ohne arjtlicbe Hülfe ftarb. Sie arabifdien Atjte folgten bem ©alen, oet= breiteten feine Sehren in Spanien, Italien unb granfreich, unb wenn fdjon burch fte bie Anmenbung beg Aberlaffeg oeroielfaltigt roarb, fo gefchah bieg noch mel)t burch bie 9Rönd)e, bie im alleinigen SSeft'b bet Heilfunbe wie überhaupt aller ba; maligen 2Bi(fenfchaften waren. Späterhin oerflocht man bie Ajlrologie in bie Seh= ten ber SUcbicin unb bejlimmte ben Abetlaf nach gemiffen Sagen. Sie Zapfte hat= ten jmat fel)r oft ben SHonchen bie Ausübung ber ^eilfunft unterfagt; allein theilg ad)teten biefe nid)t batauf, theilg erflarten fte bag SSerbot nur oon chirutgifdjcn Sperationen. So trennte fid) bamalg bie Chirurgie oon ber innern üKebicin; bag Saberhanbmerf entflanb unb eignete fich bag Aberlaffen, Schröpfen unb S5art= fcheren ju. 3egt nahm ber Sllipbraucb beg AbetlaffenS immer mehr übetb.anb. AIS aber nad; Gtftnbung ber 33ud)brucfetfunfi bie Schriften ber gried)ifd}en 2frjte, oor= nehmlid) beg ^»ippofrateS, oerbreitet mürben unb ihre Sehre mieberauflebte, ba wut= be, roenigjleng unter ben Ärjten, ber Abetlaf mieber auf bejlimmte galle befdjränft. 3n Seutfchlanb oerbröngte ^aracelfug (1525) bag ©alen’fche Spftem unb mit ihm ben Abetlaf, ber btof in benHanben berSSaber blieb. 3n Stanfreicb, 3tatien tc. mürbe jebod) noch theilg bag >|>ippoftatifche, theilg bag oerunffaltete ©alen’fche Sp; ftem oon ben Arsten angenommen, unb baher auch ber Abetlaf bctrfdjenb, ber aufg höd)fte gemifbraudjt mürbe, c^elmont (1600), bet Stifter einer ganj oerfd)iebe= nen Sehre, eiferte gegen bie SSlutentjiehung; et glaubte, baf ber SebenSgeift, ben er 2frd)dug nannte, ju fefr b-aburd) gefd)wäd)t werbe. Jpatoep’g Gntbecfung beg S5lut= umlaufg (1619) hatte infofern Ginfluf auf ben Liberiajj, als fte ju föerfuchen oer= anlafte (1642), bie Heilmittel in bie Abern felbfl cinjufprigen, ober (1656) einen Sheil beg franfen S5lutg abjulaffen unb burch 23lut oon gefttnben 9Jlenfd)en ober Spieren ju erfefcen. 3n Gnglanb erfd)ien Spbenham (1673), ber burch flarfe Sfberldffe bie Katur jur Unterbrücfung ber Äranffeit jmingen ju fönnen glaubte. Sali in allen Äranffeiten lief er 23lut weg, nie unter 8, fajl immer 10 unb mehr, ja in Gntjünbunggfdllen big auf 40 Unsen. Sie Übeln folgen baoon entgingen ihm nidf)t, aber et glaubte bie ÄranEfjeit nid)t anberg bejmingen ju fönnen. Stahl (1707) fuchte Hippofrateg’g Sehre mit Hdmont’g Sheotie ju oereinigen unb jlellte über ben Abetlaf richtige unb gemdfigte ©runbfdtje auf. SSollblü= tigfeit, lehrte er, fei felbjl feine Äranfheit, nur burch Störung beg ©leichge* mid)fg smifdjen ben fejlen unb flüffigen ^h e >lcn fönne fte baju werben, unb in biefen Süllen fei bag ®leid)gemid)t miebethetjujlellen. Unentbehrlich aber fanb er bag 2(betlaffen, wenn bie SSotlblütigfeit in Bewegung gerathe unb Gongejiion ober S3lutflup errege. Siefem Salle rietf) er oorbauunggmeife burch 2lberlaf j« 5 oorjufommen. Seine Sehre pflanjte ftd), entjlellt unb miftierjlanben, fort. Allenthalben hielt man^raferoationgaberlaffe für nötljig. SSorbeu arbeitete bem TCbent 89 Unreefen in granfreid; entgegen. Sn Gnglanb blieb man nod) immer fei)r freigebig bamit. Güllen (1777), bet alle Äranfßeiten al« »übernatürliche Buftänbe be« fjleroenfpftem«, alle Abnormitäten ber Säfte als golge bet Sdjreäcßc unb be« Krampf« anfaß, hielt ben Aberlaß für ein »orjüglidje« Mittel, bie SSßätigfeit beS ganjen Äorper« unb befonbetS beS Spfiem« ber Slutgefäße ju »erminbern, empfahl jeboeß 25erücffi'djtigung aller Umfiänbe unb folgte in ber 2eßre non ber Sollblütigfcit meijlen« ber SJefjre Staßl’«. ©toll in 5Sien (1780) fanb, al« ein SSereljrer Spbenßam’S, fjäufige Seranlaffung ju Aberläffen. Stteßre neue Arjte hingegen fügten if>re 51 t häufige Anreenbung einäufeßränfen; baßin gehören 3- *P- granf, 9Iid;ter, Seile, Sßogel, Sfeil, ^ilbebranbt u. A. SBotlftein (1791) reollte nur in wenigen gällen eine fo bebeutenbe Scßreäcßung jugeben. Aud; ©all fud)te bie Sfet>re 00 m Aberlaß ju berichtigen. Stören »erftattete ben Aberlaß bei ftßenifcßcn Jftanf ßeiten, beten3«ßl er aber fcl)r gering angab, unb bie Ausbreitung feinet Sef;re (f. Grregung«tßeorie) befdjränfte ben ©ebraud) biefeS SJUttel« ju feßr. 9fur unter ben echten ^eüffmfllern erhielt ftd? bie rid;tigere Anreenbung beffelben. Sn ber neuern 3eit f>at ber SWißbraud; beS Aberlaffe« reieber fet>r jugenommen, weit bie antipl;Iogiftifd;e £ei(metl)obe bie ßerrfd;enbe reurbe. Ser Aberlaß geßort ju ben fräftigften, aber aud; ju ben gefäf)r(id)jfen Heilmitteln, bie reit hefigen, unbfann baßer nur eine feltene unb reoßlbebad;te Anreenbung geffatten. H. A b e r n, in ber anatomifdjen Äimftfpradje ©efäße, finb bie häutigen Ganäle, reeld;e eine glüfffgfeit im tl;ierifd;en unb mcnfcßlid;en Äorper enthalten unbjort; leiten. Sergleid;en finb bie Spmpßgefäße, reelcße lpmpßatifd;e (reäfferige) glüffig= feit; SJJücßgefäße, reeld;e ben 9J?ild;faft (GßpluS) au« ben Sätmen aufneß= men unb in ba« Slut überführen; Slutgefäße, reeldje ba« Slut enthalten. Siefe legtern werben gereößnlid; aud; »orjugSroeifc unter ber Benennung ber Abern »erftam ben, unb wir füßren fie hier in biefem Sinne fort. Sa« ganje Abctfpfiem im tßie= rifd;en Äorpet be|feßt au« 2 Glaffen: ben *Pul§ = ober Sdjlagabern, Arterien, unb ben Slutabern ober Senen (venae). Selbe l;aben ihren Sereinigung«punft im Herjen. Sie ipulsabetn ge(;en »on bem Herren au« unb führen ba« Slut bem ganjen Äotpet ju; bie Slutabern fammeln au« bemfelben ba« Slut reieber auf unb fül;ren eS ju bem Hetzen jurürf. Sie fPulSabetn haben ihren Urfprung in ber linfen Abtheilung be« Hetzen«. Sic linfe Herjfammer fegt freh nämlid; fort in bie große ^ulöaber, Aorta, reeld;e fid; fogfeieß, reie fie »om H^jen abgeht, in einem Sogen herunterreärt« begibt, burd; eine Öffnung be« Breerdjßell« in ben Unterleib eintritt unb an ber »orbern Seite ber Senbenreirbelbeine bi« jum vierten berfelben ßerabfieigt, reo fie fid; in bie beiben Hüft= ober Sarmbeinarterien fpattet. Siefegehen abreävt« bi« an ben 9fanb be« Seifen«; jebe tßeilt ftd) reieber in 2 große AjTe: in bie Scßcnfetarterie, reeld;e nad; bem Sd;enfel geht, unb in bie Secfenartetie, reeld;e in bie hier beft'nblid;en Steile fid; verbreitet. Au« bem ab= fteigenben SEßeile ber Aorta, fobalb fie burd; ba« Breercßfetl in ben Unterleib gefom= men iff, gehen mehre, jum Sßeil fel;r beträchtliche Breeige ab, bie untern 3reercß= arterien, reeldje ba« 3recrd;fell felbfb unb benachbarte Sßeile mit Breeigen »etfot= gen, bie Saucßarterie, reeld;e ißre Breeige an ben ©lagen, bie Seher, ba« Suo= benum, bie SRilj je. oerbreitet. Gbenbafelbff geßen bie obere ©efroSarterie, unb reeiter unten bie untere ©efroSarterie au« ber Aorta ab, unb »erfotgen bie ©ebärme mit Breeigen. Au« bem aufffeigenben Sßeile ber Aorta fommen bie Ar= terien, reelcße ba« Htrj felbjt mit Breeigen uevfeßen, au« bem Sogen aber bie, reeldje fieß ju bem »orbern Sßeile ber Stuft, ju allen SJßcilen be« ä?opf«, be« Hälfe« unb $u ben obern ©liebmaßen »erbreiten. Sie Arterien »ertßeilen ft'cß in immer fleinete Äffe unb Breeige, bi« fie julegt ßaatäßnlicße ©efäßcßen reerben, bie faum bem Auge noeß beutlicß erfennbar finb. (©. H actr 9 c fäf«-) öieipul«* abern, Arterien, finb fejfet unb ftärfer in ißren Häuten al« bie Senen. Sie 90 2Cbetn haben 4 Sagen oon-fjäuten, uon benen bie dunere jettig unb loder, bie folgenbe eigent[id)e llrterienhaut (latb, feft unb elaflifcf) i(f, bie britte aud jarten tingformte gen SRudbelfafetn befielt, bie innere fefjr jart unb bünn, an ihrer innetn gtäd)e fef>r glatt ift. Sie (Putdabern haben ihre eigentl)umli'JE>e SSewegttng, wie bad (per}; fie befmen fich, uon bet anbringenben SSltttwelle gefd)»eUt, aus, unb jieheit (ich »ieber pfammen, um bad aufgenommene 93lut »eitet p treiben. Siefe 3Setrtd)= tung jetgt ftd) in bet befldnbigen fdplagenben 33e»egung äußerlich, »enn eine fold)e 3Tber blofgelegt »irb, ober »enn man fie mit bem aufgelegten ginger befühlen fann. (93g[. 9> uld.) ©ine Berlefste ober burd;gefd;nittene fPutdaber fallt nid)t pfammen, heilt and) »egen ber befldnbigen 33e»egung fd)»eter, ihre Sftünbung bleibt offen unb runb. Sied mad)t bie 33etle|ung jeber Krterie gefährlich unb einer innetn tobte lieh- Sie 33 en e n entfpringen in bem ganjen Ädrper mit ben feinffen 93crdftelun= gen unb jiehen bad umgewa.nbelte 35lut an (ich. Sie fleinern 3»eige gehen, immer »ieber fid) oereinigenb, in größere über, unb biefe Bereinigen fid) enbticf) aud bem gangen .förper in 2 große Sandle, bie obere unb untere $oh(»ene, »eiche pfam= menftofen unb in ben SSenenfad (SSorhof) ber rechten dpergfammer fid) offnen. 2flled S5lut aud bem Äopfc, bem Jpalfe unb ben obern ©liebmaßen »irb auf jeber ©eite burd) bie Sroffelaber (vena jugularis) herabgeführt, »elcl)e beibe auf bet rechten ©eite ftd) uereinen unb an ber ©teile, »o fie hinter bem Änorpel bet etffett 9cippe bet rechten ©eite herunterfleigen, in bie obere ^ohtoene übergehen. Iflle SSenen ber untern ©liebmaßen, bed Unterleibed unb ber ©tngeweibe in bemfelbert oereinigen fid) enblid) in ber untern ^ol)loene, »eiche an ber uorbetn gläche bed 5. Senbenwirbetbeind aud ben beiben Jpüftoenen ftd) bilbet, an ber ootbern gläd)e ber Senbenwitbelbeine an ber rechten ©eite ber Iforta hint« bem 35attd)felt in bie ^>6hc unb burd) berühmtem £h e 'l ber Seher pm 3»etd)fell, »elc()ed p ihrem ^Durchgang eine 4feitige Öffnung in feinem fled)figen Steile hat, gelangt, burd) baffelbe in bie 35ruflhohle (leigt, in ben ^ergbeutel eingeht unb pgleich mit ber obern -fjohluene in bem SSorhof ber rechten -fßergfammer fich enbigt. Sad 35lut, »elched pon allen ©ebdrmen burd) bie ©efroduenen, Bon bem SJlagen burd) bie ■Stanguene bed SJlagend, Bon ber SStilg burd) bie SJtilgoene gurüdgeführt »irb, geht einen befonbern Umweg. Siefe SSlutabern oereinen fid) ndmlid) in einen Stamm jufammen, bie (Pfortaber (vena portarum) , »e(d)e in bie Seher eingeht unb fich bafelbft »ieber in 2ffle unb 3»eige bid in bie feinffen Haargefäße gertheitt, »eiche bie bie ©alle abfonbernben Stgane bilben. 3n ber Seher entfleht bann »ieber ein neued SSenenfpflem, »eld)ed in immer größere llbetn unb plefct in einen ©tamm, bie Sebetoene, fid) Bereint unb bad SSlut aud ber Sehet »ieber aufnimmt unb in bie -fjoljfoene überführt. Ser S3au ber SSenen »eicht uon bem ber fPuldabern »efentlid) ab. ©ie beffehen nur aud hoppelten Rauten, einer äußern gelligen unb einer innetn. Siefe faltet (ich an mehren ©teilen unb bilbet babutd) fadfotmige Älappen, »eld)e bem SSlute g»at uorwärtd, aber nidjt rüdwdrtd, einen Surdjgang geflatten. Soct) fehlen biefe .Klappen in ben SSenen ber großen ©ingeweibe bed Unterleibed, ber Sun-- gen unb bed ©efjirnd. Sie SSenen ber untern ©liebmafen ftnb jlärfer ald. bie anbrer Steile bed Äorpetd. 3m 9iüdftd)t ihrer grofern Steige ftnb bie SSenen gaf)l= reicher ald bie lieferten; meijtend ift, befonberd an ben ©liebmafen, jebe lieferte uon 2 SSenen begleitet. llußerbem laufen noch gang oberfIdd)licl) unter ber Haut große SSenen, »eiche burd) ihre bläulid) butd)fd)immetnbe garbe fxd)tbar »erben. S3on biefeii ftnb nod) einige befjljatb merfwütbig, »eil fie gewofjnlid) gumSSlutlaffen gewählt tpetben. 3« ber hjofjren $anb unb auf bem Stüden ber Spanb liegt gleich) unter ber -ftaut ein Dleg Bon sielen mit einanber in SSetbinBung flel)enben S3lute abern. 3fud bem 33enengefled)te bed ^tanbrüdend entfpringt bie dupere ^autuenc bedShrmd (vena cephalica) , beten Anfang gwifchjen bem SUittelhanbfnodjen bed Saumend unb bed'^eigeftngerd liegt, unb bie dupere £autoenc bed Saumend 2fberöbacfyer ©ebirge 2Cb^)dfton (pf)t)f.) 91 (vena cephalica pollicis) genannt wirb. 5me geh* « n bet SBorberfeite beS Unter; arm« nadfj bem Sberattn herauf. Sie innere $autoene be« 2(rm« (vena basilica) entfpringt gleichfalls au« bem SSenengefIed)t be« £anbrütfen$ §vt>ifdbert bem Mittel; hanbfnochen be« Steinen unb be« vierten Singer«, wo fte noch fpautoenc be« fleh nen ginger« (vena salvatella) fjeipt, geht an bet hintern gldche ber Grllbogentöhte in bie #öf)e, wenbet fiel) auffteigenb an bie ootbere glädje be« Unterarm« unb geht am Sberatm herauf. Sie mittlere dpautoene be« 2(rm« (vena mediana) ent* fpringt meinen« non ber cephalica unb jieht an bet Seugefeite be« SSotberatm« fepief gegen bie basilica, in weldjer fte frct> ungefähr in ber SDlitte be« SberatmS enbigt. 2(m SUbogengelenfe liegt fte auf ber fled)figen SSinbe ber 9Uu«feln be« SSorberarm«, wo ftd) biefe mit ber (Sehne be« jweibaud)igett 2Ctmmu«fel« oerbin= bet unb bie 5Crmarterie unb ben 9Sebiannet0en bebeeft. 3(n biefer Stelle wirb bie ©lebianoene gewöhnlich bei bem Jfberlaffen am 2(tme geöffnet, unb eSifl baher grofe SSorftdEpt nöthig, bamit nicht bie SSene burchfchlagen unb bie barunter liegen; be 2lrmpul«abet ober ber benannte ero verlebt werbe. So liegt aud) auf bem gup; rttifen ein ftarfe« SSenengefledjt unter ber cfjaut au«gcbreitet, oon beffen gröfern Bwetgen gewöhnlich einer bei bem2bbetlaffe am gupe geöffnet wirb, 92od) iff aupet bem'tfberfpftem ber 2forta unb ber $ohtoene ein anbteö in bem Slfenfcljen ju be; merfen, nämlich ba« Sttngenabetfpfiem, burd) wcldte« bet fogenannte flehte iftei«; lauf be« f8tut« bewirft wirb. 2(u« bet rechten ^erjabtheilung gel)t ein Schlagaber; ftamm, bie Sungenarterie, ab, bie ftd) foglcid) in 2 Ü\tc ttpeilt, baoon jeber ftd) in eine Sunge begibt, ftd) in bcrfelben in immer fleinere 2ffte trennt unb enblid) in bie fleinffen Bweigeldjen unb haarahnlichen ©efäpd)en oettl)eilt. Sann bilbet ftd) rutf; wärt« ein SSenenfpftem, in bem tfjaargefäpe ber Sungenarterie ftd) wahrscheinlich umbiegen, jur ißene werben, bie nun ftd) immer ju gröpern Bweigen unb 2fflcn vereinigen unb enblid) in jeber Sunge 2 grope Söenenftämme bilben, welche ftd) in bie linfe SSorfammet be« ^etjen« einmunben. Sie Sungenarterien fahren ba« fdjwarjrothe SJenenblut au« ber redjteh ^tersfammer in bie Sungen, wo e« burch Me ©nwitfttng ber atmofphärifdjen Suft in hellrothe« SSlitt oerwanbelt wirb, weU d)e« bie Sungenoenen nad) ber littfen dperäfammer junteffuhren. ^)ierau« erhellt, bap ein hoppeltet SBlutumlauf im Äörper ftattfinbe, ber grope Ärei«lauf, au« bet Unfen -fjctjfammer burch ba« 2Crtcrienfpffem in ben ganjen Äörper jum 58el)tif ber Ernährung unb ber ocrfchiebenen 2fbfonberungen, unb burd) ba« SSenenfpftem nad) ber red)ten-^ctjfammet jurttef; ber fleine Ärei«lattf au« bet rechten $etjfammor burd) bie Sungenarterie nach ben Sungen unb au« biefen burd) bie Sungenoenen nad) ber linfen ^terjfammer jurftef. Sie Sungenoenen, bie linfe ^erjfammer unb beten 9>ut«aberfpftem fuhren ba« hellrothe 93lut; ba« 25enenfpftem ber^iohlabern, bie red)te ^erjfammet unb bie Sungenarterien ba« fdjwatjtothe S3lut. H. 2(ber«bacher ©ebtrge, ein merfwurbigeö Sanbfteingebitbe, ba« ftd) mit einigen Unterbrechungen oon bem böl)mifchen Sorfe 2lber«bad) bi« nad) ber •£>eufd)euec in ber ©raffd)aft ©lag erjtrecft. kleinere ober gröpere Älüfte trennen bie einzelnen gelfen, bie bi« 100 gup uttb barttber hoch ftnb unb au« einem eifenfehttf; ftgen ober mit ©fenfalf gemachten Sanbftein befielen. 3nbem Ofegen unb Schnee ftd) in ben ißertiefungen berSberfläche fammeltc, fprengte bie geud)tigfeit biegel; fen im aBintcr unb fuepte ftd)2(tt«wcge, bie enblid) Älüfte würben. SieferSanb; flein oerwittert ftd) immer mehr, unb feine Sberflädje ift fehr gerteiblich. 2bbe«, ^abe«, f. fpiuto. 2fbhäfton. SKanoerfbeht nach bem neueffen Sprachgebraudhe ber ^hpft? unter 2(bl)äfton allgemein ba« S3eflreben nad) Bufammenhang bei ungleichartigen Äötpern; unter Ctohäfion (f. b.) aber bie 2(näiehung gleichartiger Äötper. 5m engem Sinne wirb ber 2(u«brucf 2fbhäfton jebod) nur gebraucht, wenn oon ben Äötpern ber eine fejb, ber anbre flüfftg ijl; man fagt alSbann, bap ftch ber flüfftge 92 Abfjdfton (Jut.) Abtapfjora an ben feftctt antjange, wie j. S3. SÖBaffer an ben f)ineingetaud)ten Singer. Sabei ffnbet aber unter ben »etfchiebenen Äorpetn ein Unterfd)ieb flatt; benn £luedft(ber= tf)ci[d>en Rängen ftd> 5 . ©. nict>t an ©las, aber mol an ©olb, ©ilber unb ©lei. SBaffer hängt fiel) «n bie meiffen Äörper, menn it>re £>berfläd)e nid)t mit einer gettigfeit, mit ©taub, 9Jlef)l u. bgl. bebecft ifL glüfftge .Körper nehmen in ®c= fäfen auä einet SKaffe, bie »on ihnen benefct mirb, feine »ollfommen horijontale Oberfläche an, fonbern (teigen »ielmehr um ben 9tanb ber ©efafe Return etmas in bie Höf)?. ©emeife hietoon gibt baS SBaffer, ©ier tc. in ©läfern, Ziment, SEöpfen k. 3 n ©efäfen hingegen, beren 9??affe »on ben barin enthaltenen glüffigfeiten nicht bene|t wirb, flehen leitete am 9tanbe tiefer unb in ber SJlitte fyotyv. ©0 geigt 3 . S. £luedfilbet in einem ©lafe eine gleichfam con»ere Dberflädje. £>iefeZrfcheU nung beS AuffteigenS ober ©enfenS ber betreffenben glüffigfeiten mirb um fo be= metflidjer, je geringer ber innere IDurcbmeffer beb ©efäfeS ift; mefhalb manftd) ju©etfudjen ber fogenannten aarrohren (f. b.) bebient unb bie atsbann in fehr auffallenbem €Ö?ape eintretenbe SBitfung mit bem 9tamen bet Zapittarität (non capillus, baS ^>aat) bejeidinet. ©ieft man SBaffer u. bgl. au« bem ©efdfe, beffen SJtaffe ba»on benefet mirb, fo läuft eS leicht am dupern Oianbe herunter, menn man nicht erjterm eine gefd)idte 9lkhtung gibt. Sluedfilbet thut bie$ aus einem ©lafe nie, mol aber aus einem ©efdfe »on ©lei k. ©tfcfopfenb h.), an ftch gleichgültige9lebenbinge ober ©littelbinge, b. i. 1) ©egenftänbe unb Höhlungen, rnelche meber fittlich lobenSmertl) nod) »er= merflid) finb; 2) im firdjlidjen ©inne ®ebrdud)e unb gorrnenTteS ZultuS, bie, meil bie heil, ©chrift fie meber »erboten noch angeorbnet hie »erdnberte Anficht ber 5Eh c ° 3 logen beS 18. Sahrh- brachte eS jebod) mit ftcf), baf feit 50 Salden bie meiften ©ebräudjebiefer Art im©tillen beigelegt mürben, unb erfijeht, ba man mieber auf ©ermehrung ber finnlichcn ©eimetfe beS ZultuS benft, erhalt bie grage, maS ba»on unter bie Abiaphora ju rechnen unb jujulaffen fei, neues ©emicht. • E. #biten Abjutant 93 Abtlcn, obrigfeitlicge fPerfonen bei ben 9fömern, weichen bte 2fttffxrfjt über bie öffentlichen ©cfjaufpiele, bie öffentlichen ©ebäube, ba« Urtfjeil über bie 35 auftreitigfeiten unb bie SJlarftpolijei antiertraut war. Anfang« würben 2 au« bem gemeinen 5ßotfe gewählt (Aediles plebis); $u ©ibe beS 4. Sahth- nach Erbauung 9 lom« famen nod) 2 au« ben fPatrisiern tjinju, welchen ber elfem beinerne 9J?agifltatSfUtf)l (sella curulis) tiergönnt war, unb bie Aediles curu- les genannt würben. Sutiu« Gäfar fegte eine britte ©attung hinju (Aediles cereales), benen bie öffentlichen SJfagajine antiertraut waren. ©. Schubert: „De Romanoruni aedilibus, 11. IV" (.Königsberg 1828). Abjectiü, 58eiwort (f. 5Rebetf)eile), ein 5Bort, welche« bem ©ub* fiantit) beigefegt wirb, um ben SSegriff, welchen ba« ©ubfianti» im Allgemeinen barfMt, burch Angabe einer SSefchaffenheit ber ©acf)e, bie ba« ©ubftantin nur jum Sl)eil fenntlid) mad)t, genauer ju beftimmen. 93?an braucht ba« 58eiwort halb eigentlich (al« ©genfehaftswort im eigentlidjen ©inne), j. 85. fchwarjer ©tiefel, halb uneigentlich ober al« UmftanbSwort, j. 85. ber ©tiefel ifffchwatj. SBechfelnbe SSefchaffenheiten werben in unferer @ptad)e auch burch ©ubftantitie umfehrieben, }. 58. Seilet non 3inn, flatt jinnerner Seiler. Unfere altern SEJlunbarten waren an mannigfaltigen 58iegungen ber Abjectitie reidjer al« unfere jegigen, bie folche au« 5Jtad)läffigfeit aufgaben. 3m d?infid)t ber Stellung ber 3Sorte follten bie ©chrift* ffeller fid) nid)t fo fflatiifd), al« j. 58. bie franjöfifchen, feffeln laffen. Sie Abjectitie brüefen entweber bie 58efd)affengeit butd) eine ursprüngliche 85ejeid)nung, j. 85. falfch, au«, ober fie finb abgeleitet unb brüefen bann bie eigenthümliche 58efchaf= fenheit au«, bie ba« ©ubftantin bezeichnet, au« bem ba« 58efd)affenheit«wort ge= bilbet worben, }. 58. fleijjig. 58ei ©genfehaften, bie eine« ©rabe« fähig finb, fann berfelbe ampliatiö, biminutio, comparatio unb fuperlati» auSgebrücft werben. Abjubication, bie gerichtliche 3ufd)lagung einer an bie SJteiftbiefenben tierfauften ©ache, eine« SieferungScontract« u. bgl. 5 « ber Siege! wirb erft burch bie erfolgte Abjubication ber Gontract tiollfiänbig, unb bi« bahin h«t, wenn nicht SanbeSgefege ober befonbere 58erabrebungen ein Anbre« feftfegen, bet 58?eifibie= tenbe fein unbebingte« Ofecft, ben 3ufd)lag ju tierfangen. Ser ©gentf)ümer 5 . 85., welchem eine ©ache ©bgulben halber »erfauft werben foll, fann noch burd) 58e= jahlung fid) biefelbe erhalten. Sutd) bie Abjubication nach gehöriger ©ubgaftation werben alle frühere, auf bet tierfauften ©aege haftenbe 4>t>potf)efen getilgt. 37. Abjuffiren geift im «fjanbel unb 5B3anbel ©wa« in »öllige 9üd)tigfeit fegen, abmachen, ferner wirb e« tiom Abjug mefffngener unb eiferner ©ewiefte gebraucht, wenn fie völlig bem einmal eingeführten Sanb = ober ©tabtgewiegte gleichen; unb enblich geift eS im SKünjwefen bie SSereitung unb 35efd)reibung ber= jenigen CSJietallftücfe, bie nachher jut Ausprägung »on ÜKünjen beftimmt finb. Ab jufiirwage, beim SJlünjwefen eine fleine SESage, worauf alle auSju* prägenbe SJh'mjen tiother gewogen werben, um barau« abnehmen ju fönnen, ob fie burd; .fjinjufegen tion SKetall fchwerer, ober burd) -frinwegnegmen beffelben leichter ju machen finb. Abjutant, ein bem (5hef jugetgeiltet >^ülf«officier unb beffen tiertraute= fter SSegleiter im Sienfie, ber ihm fegenb, beobachtenb unb wirfenb flet« jut ©eite fleht unb in feinem ©eifie unb ©inne — jwar nid)t felbft befehlen batf, wol aber bejfen S5efef)le an bie SSegötben ju »ertgeilen unb barauf ju fegen hat, ob fie ge* hörig befolgt werben. Ser ©efegäftsfrei« be« Abjutanten ift baher ebenfo wichtig al« mannigfaltig unb nicht feiten «on bebeutenbem ©nfluf, erfobert alfo einen fJJlanntion tiielumfaffenbem ©eifi, tüchtiger Kenntnif feine« Sach«, unermübli* eher Shätigfeit, gewanbtem 58enegmen unb einer 9fed)tlid)feit, bie burch feinerlei Stücfficgten erfd)üttert werben fann. Sa bei weniger felbfiänbigen Ggef« biefer ©nfluf oft weiter ftd) erftreeft, al« für ba« ©anje erfprieflid) ijt, fo hat man in 94 3(bter einigen ©ienfien SKaftegeln getroffen, bag »ertraute 23er!)ättnif jmifdjen bem dfjef unb Abiutanten nid>t;ü6erf)anb neunten ju taffen, unb eine befonbere Abjutantur gebilbet. ©ie ©fitglieber berfelben »erben bann ben C5E>efS ö«getl)eitt unb »echfeln aut »on 3«t ju 3dt ih« Snbeffen ift eg oft ebenfo nachteilig für ben ©ienft, wenn ber dfef unb fein Abjutant in faltet, fitenger dntfrembung bleiben. — ©ewohnlid) unterfteibet man ©eneralabjutanten beim 9J?onatd)en unb Selb= ferm; ©i»ifiong= unb 23rigabeabjutanten bei ben biefe Abteilungen befeljligenben ©eneralen. 5()r SBitfunggfrcig »erfdjmiljt fauftg mit bem bet ®eneralflabgofft= eiere, ferner, 9?egiment6= unb SataillonSabjutanten unb fpiafsabjutanten u. f. ro. Alle beforgen jugleit aut ben inilitairiften SSriefnaecfjfel, führen bie Journale, bie dommanbirtegifiet, -bie Aufgabe ber täglichen SSefehle, unb leiten bie taftifdjen ^Bewegungen, »errichten ihren ©ienft ju 'pferbe unb muffen »on jebem ©ienfter= eigniffe ihrer Gruppe in Äcnntniji gelangen unb in beftanbiger Überftcf>t aller An= gelegenheiten berfelben bleiben. Lg. Abler. 3« ber Allegorie ber bilbenben Äünfie ift ber Ablet »on vielfachem ©ebraut- Alg .König ber S3ögel war et ber SSogel beg 3mg, Überbringer beg S3li($eg, unb brueft barum aud) bie £)ber= ober Alleinherrftaft aug. 3fr biefem ©inne ftnben wir il)n alg ©innbilb unb ©pmbol betSSolfer, Surften unb dpeere. ßr war bag h' er0 StP^Ftf 3ctcf)cn ber ©tabte cfjeliopotig, ßmefug, Antiotien unb fEprug. Unter ben Attributen beg König tfuntg, »eite bie cf)etrutier ben Sfomern einft jum 3eid)en ber greunbftaft (-Rieften, war aut ein ©cepter mit einem Ablet »on ßlfenbein, unb »on biefer 3eit an blieb ber Abler eing ber erffen Attribute ber Dfepublif, »etteg fpater aut bk Äaifet beibehielten. Alg ^eerjei; ten fommt ber Abler juerft bei ben Werfern »or. ©in golbener Abler mit augge= breiteten Siegeln, bag ©pmbol ber perflften Könige, würbe bem .^eere »orge= tragen. S5ei ben Stomern waren fte anfangg »on -£)olj, bann »on ©ilber mit golbe= nem S3lihftrahl, unter dafat unb feinen üJtatfolgern aber ganj »on@olb, bot ohne SSlilfiraht. ©ie mürben alg Segiongjeidjen auf einer langen Sanje getragen unb alg eigenthümlite ©otttjeit ber 2egion »erehrt. Napoleon hotte jum Selb= jeiefen feiner SSannet ben Ablet gewählt. ©ag föniglite -fieer in granfreit b at bieg gelbgeiten nitt mehr, ©et boppelfopftge Abler mar juerft bei ben Äaifern beg Stienfg üblich, bie bamit ihren Anfptud) auf bag morgen= unb abenbldnbifte Steid) bejeidjneten. 23om Drient fam er nath et mtf bie occibentalifd)en Äaifev. ©er beutfte Kaifet ©tto IV. hatte ihn juerft auf ©iegeln; König Philipp brad£)te ihn bann auf ben ©tilbern ber SJlunjen an. Sfireit behielt bieg ©innbilb aug ber drbftflft beg ©rientg bei. Auferbem t»atb ber Abler aud) »on ben Königen »on ^teufen, spolen, ©icilien, ©panien, ©arbinien, »om ruffifd)en Kaifer, unb »on »ielen gurften, ©rafen unb SSaronen beg beutfdjen 3teid)g ing Sßappen ge= jogen. — fjlaturgeftittlit- (Aquila-falco.) ©iefe S3oget fi'nb meifteng groß, glatt, mitbunfelm ©efteberunb fteifert ©djwungfebern, Kopf mäßig befte= bert, ©ttwbel gerabe, bie etwag jufammengebrüefte ©pi(se hakenförmig, bie Augen liegen tief, bie fJtafenlbter in einer 2öatgh nitt ohne Sorften, bie Süße ftnb furj, ffarS, meifteng beftebert, bag erfie Befengtieb ift »ert»ad)fen, bie Tratten ffnb ffarf unb frumm, ber Staß meif! warmblütige Shiete. 3» ihnen gc^oct in 3Babitt, ber aut jut 3agb fleinerer SSogel abgerittet »erben fann, in altem ©emauet; 3) ber auf. c£>ofgefIügel herabftiefenbe Sturmfatfe (3ug»ogel); 4) ber gemeine juc Saifse größerer SSogelj 5) ber 33uf=Aat (f. buteo) in 93orf)6lgern, »erfolgt be- fonberg bag SBilb; 6) bet 3Beif) (f. milvus), 3ug»ogel, ftieft auf ff^enbe meifi faltblütige ^hiere; 7) ber gemeine Abler (f. melanaethos) , ©teinabler, in ben ©ebirgen, ftiefst langfam auf ^afen unb grofe 236gel; 8) ber Sdmmergeier, fafi4 guf hßt (f- barbatus), ber größte in ber alten 2ßelt in ben Alpen, »agt Stblerjcmge Abminiftratiön 95 ftd) an große SSfjiece unb felbfl an Äinbet; 9) bet SchtattgenaMec im füblichen Afrifa, benannt non feiner Hauptnahrung. — Ser größte Ütauböogel ifl btt petuoianifche Gonbor, vultur-gryphus , fcf)tt)arj «on gatbe. tJCblergange, eine, flatt bet gew6hnlid)en .Kneipet, mit 2 fpigigett ^ä» fenoetfehene Bange, um bamit ©egenflänbe au« tiefen Orten zu faffen unb mit= telft einer .Kette, bie um eine tjorijontate PSinbe geht, herau«zuf)eben. Ad libitum (itat. a piacere), nad) Selieben, nad) SBillfüt, roirb in mu= ftfalifchen SBerfen i) über ©teilen einer Solopartie gefd)rieben, welche einen freien SSortrag erfobern ober geflattcn. Sie«bezieht ftd) fowol auf ba« Beitmaß, fobaß ber SSortragenbe ben Sact weniger ftreng al« fonjl ju nehmen hat, al« auf bie Ausmalung beSfBortrag« unb bie eigne 5Sal)l paffenber 5Betjierungen. Sebtere« ftnbet befonber« bei Gabenzen (f. b.) jlatt. Set Sonfebet überläßt e« in biefem galt bem ©efühle unb ©efcfmacfe be« au«übenben SRufifer«, in gewif= fen 9Romenten höherer ®egeiftcrung ftd} frei auSjubtücfen. Silan begreift baher leid)t, baß in beiben gälten SB i 11! ü r nicht fo weit au«jubehnen fei, al« ob man jebe« ©efege«, felbfl beffen, wa§ bet Gharafter be« SEonflücf«, al« eine« ©anjeh, »orfchreibt, welchem jebet cinjelne £f)eil untergeorbnet ifl, fchlechtfjin entbunben wäre. Aud) muß bei biefer freiem SSewegung einer Solopartie ein Ginoetflänbniß mit bert übrigen Sängern ober 3njlrumentaliflett nod} möglich unb burd) SBerab; rebung befiimmt fein, unb e« leuchtet mol ein, baß ba« ad libitum ftd) in «£>infid)t be« erjtengall« nidjt über ein ganzeSSEonflüd? o erbt eiten fönne, weil bie« in einem mehrftimmigen Stüde nicht bloß bie größte iöetmirtung unter ben 3ufammenwit= fenben erzeugen mürbe, fonbern Weil ber freiere, ungebunbenere SSortrag, ber burd) jene« ad libitum bezeichnet wirb, überhaupt auch nur obn SSebeutung unb SBir= fung fein fann, wo et al« Ausnahme in einzelnen Stellen ben fltengetn SSorttag unterbricht. 2) SBirb in ben Partituren unb auf ben Siteln ber SRuftfalien auch fehr oft ba« SBort ad libitum gebraucht, um zu bezeichnen, baß eine Partie zu bem ©anzen nicht wefentlid) nothwenbig ifl unb allenfalls weggelaffen werben fann. G« »erfleht ftd), baß biefe« nur »on Stimmen gelten fann, welche zur Ausfüllung bienen, Z- 85. Corno ad libitum, Violoncello ad libitum. T. Abmet, f. Alcefle. Abminifiratton, SSermaltung. ©ine al« SSormunb, al« ©otfleher einer ^janblung, al« S5eamter u. f. w. geführte Abminiflration begrünbet bie ®e= richtsbarfeit be« 9iid)ter«, unter welchem bieVerwaltung geführt würbe, auch gegen Solche, bie fonjl nicht bem ®ericht«zwange beffelben unterworfen ffnb. 3m offene liehen 9ied)t fegt man bie Abminifiratton ber ^Rechtspflege entgegen. Sene umfaßt Alle«, wobei bie Shätigfeit ber ^Regierung nicht zunächll auf fReatiffrung ber 3bee ber ©ered)tigfeit, fonbern auf ben zweefmaßigen ©ebraud), bie 33etme£)tung unb Grhaltüttg ber Staatsfräfte gerichtet ifl. Bum Abminiflratioen gehört baher, außer ben rein fird)lid)en Angelegenheiten, Alle«, wa« nicht bie bürgerliche unb criminelle Sfujliz ängeht. SRan fefstbaher bie AbminiftrationS=u. bie ©erichtsbeamten einanber entgegen, unb e« liegen in ihrer Stellung fehr wefentlidje unb wichtige 2ktfd)ieben= heiten. Ser 2e|tere bebarf einer ganz anbern Art t>on Unabhängigfeit »ott ben ober* jten SRegierungSbeamten al« ber Grjlere; baher bie Snamooibilität ber SRidjter auch »on einer unbedingtem Slothwenbigfeit ifl. S3ei bem SöerwaltungSbeamten fommt e« auf.BWecfmäßigfeit, alfo auf Gigenfchaften an, welche ftd) nidjt fo befiimmt äußerlich.beurteilen laffen, al« bie hifloeifdje Äenntniß ber 5Red)te unb bie 2egali= tat be« 9tid)ter«. Sähet muß auch bie ^Regierung bei ber ©ntlaffung bet SSetwah tungsbeamten freiere dpanb haben. Sa bei rechtlicher S3eurtheitung abminiflratmer ©egenflänbe oft fpecielle fed)ttifd)e Ä-enntniffe nöthig fein fönnen, fo hat man häufig eigne ©erid)te für betglejchett Sachen beflel!t(S5erg=, Salinen;, gabtifen=, Raubet«; geeichte u. f. w.) ober aud) ben SSerwaltungSbehörben (ber Polizei, ben Bbllämtern, 96 Äbmirat TCbotf t>on Staffau bet ©alj* unb SüafeatfSrcgic, bet *Poft u. f. tu.) rictjtcrlidfjc ©ewalt übertragen. Sa aber babei bag 9ied)t gar leicht bem fpeciellen 3»ecfe beg Serwaltunggjweigg unter= georbnet »irb, fo tfl »enigffeng ftetö ju »ünfchen, baß ber Döecurg an eigentliche Sufiijfellen in ber hohem Snfianj fetg offenfiehen, unb überhaupt biefe abmi= nifirattoe Sufiij nicht ju »eit auggebehnt »erbe. Sn granfreich ifl bie Suf ijab= minijfration »on ber übrigen ©erichtgorganifation gang getrennt; für jene ifl bet ©taatgrath bie oberfte Snftanj, man fühlt aber auch bort bie großen 5fEad)tf)eile biefer ©inrid)tung gar fet>r. 37. 2£bmtral (a. b. 2ftab.), bebeutet einen >£etrn ober S5efet>töf>aber. SJad) Sufregne »on 2lmir, b. i. 2fuffeJ)et einer ©tabt, einer fProuin}, Anführer eineg •£>eerg, einer Stotte. Sei ben ©atacenen »ar biefer Xitel gewöhnlich; bannga= ben ihn im 12. Saljrh. bie ©icilianer unb ©enuefer ihren Sefehlghabern jur ©ee. ©egenwärtig nennen alle Stationen ©uropag (mit 2(ugnahme ber Xücfen, »eiche bie Senennung Äapuban=fPafd)a brauchen) ilbmiral ben oberjten Sefeiphabet einet ganjen ©df>iffgfIotte, ber nur bem ©toßabmiral im SJange untergeorbnet ifl. Unter bem llbmiral fieht bet Siceabmiral unb ber ©ontreabmiral, »eichet leitete bei ben$olldnbern©d)out bp Stacht (bet beiStacht bielfufjtcht ober bagßommanbo führt), bei ben ©ngtänbern 9tear = 2fbmiral genannt »irb, »eil er orbentlid)er= »eife bie 92ad)hut(9öear) befehligt. — Sie 3lbmiralgftagge »eht »on bem großen Xop oben auf bem mittelften SDlafle beg ©chiffg, auf welchem bet Kbmiral fleh beftnbet. ©ie fann nur geführt werben, wenn ber 2lbmiral non 20 unb bet Siceabmiral unb ©ontreabmiral »on 12 ©Riffen begleitet »irb. ■— 2lbmi= r a l fch i ff, ein ©chiff, »elcheg bie 3lbmiralgflagge führt. 5Benn 2 Ärieggfdjiffe »on gleicher flagge in einem $afen jufammenfommen, fo hat bag juerfl eingelaw fene bie SSorgüge unb SSÖürbe eineg 2fbmiralfd)ip; bag anbre, unb wenn eg aud) größer unb flarfer fein follte, hat nur ben ndchfen 9?ang. — 2f b m i r a 1i1 ä t ober 2Cbmiralitätgcollegium heißt bie aug einem 2fbmirat, »etfehiebenen Sice= unb ©ontreabmiralen, ©d)ipcapitaing, Stäben unb Seipern beph en be Sef)ör= be, »eiche bie 3fuffid)t über bie ©eeangelegenheiten hat. ©ämmtlid)e Äriegg= unb $anbe[gfchip, fowie bag ganje babei angefiellte ^erfonal, fle£;en unter ihrer 2fuf= ficht unb ©ericlpbatfeit. ©ie entfcf)eibet über ben ©cl)leid)hanbel jur ©ee, über bie ©ültigEeit ber gemachten Reifen u. f. ». — 2fbmiralfd)aft heißt ber Sunb, ben eine 2fnjaf)l Äauffahrteifd)ip jum SBibetffanb gegen einen ju fürdjtenben Seinb fd)ließt. ©ie müffen fid) babei mit beflimmten Sertheibigunggmitteln »er= fehen. Ser ©ewinn unb Sertuft »irb »erhältnißmäßig »erteilt. 3tbolf»on9laffau, erwählt jurn dfaifetben 1. SJfai 1292 unb gefrönt ju 3(ad)en ben 25. Suni, »ar ein bloßer Spnaf, jwar aug einer erlauchten Familie unb »on erprobter Xapferfeit, aber ohne ein anbreg @rbtf)eil alg fein Schwert, unb ohne jene großen ©igenfehaften, bie feinen Sorgänger, 9tubolf »on Jpabgbutg, auf ben Xhron erhoben unb barauf erhalten hatte» 21. »erbanfte feine 2Bal)l theilg bem anmafenben Setragen 2fl b r e d) tg »on Öfiteich (f. b.), theilg uner= laubten Serhanblungen mit ben Äurfürjten »on Äöln unb SOlainj, bie ihm bie lüjtigjlen Sebingungen auflegten unb fid) ©täbte unb Sänbergebiete »on ihm ab treten ließen, bie ihm nicht gehörten. Sa er aber alg Äaifer nicht erfüllen wollte, wag er alg ©raf »etfpr'odjen hatte, fah er fid) halb »on feinen Sreunben gehaßt unb »erlapn. 2fug ©elbmangel nahm et »on ©buatb I. »on ©nglanb 100,000 $Pf. ©t. unb »erfprad) bafür, ihm gegen $hUtpp ben ©d)önen beiguflehcn, fah eg aber nicht ungern, alg ihm ber 5 j)apft bie Xheilnahme an bem .Kriege unterfagte. 3öenn er fid) baburd) in ben Kugen ber beutfd)en Surfen »erächtlid) mad)te, fo erfd)ien et ihnen noch gefjaffiger, alg er, beg Sanbgrafen »on Xhüringen, 2flbred)tg beg Um natürlichen, Jpaß gegen feine Söhne benpenb, »on biefem Xhüringen Eaufte. Siefet $anbel »erwicfelte ihn in einen 5jährigen Ärieg, i_en, warb am 23. 3uni 1298 feine 2(6=' fe|ung auggefproegen, unb 2 (lbred)t »on Sftreicg gemäht. ©d)on früher mar eg jum .Kriege jmifd)en ffieiben gefommen, unb 2(bolf fd)ien bag libergemid)t zu ge= minnen; jebod) überlijfet non feinem ©egner, fanb er ftd) beiSellgeim umflricft unb fiel nad) einet helbenmütgigen ©egenwehr »on 2 (lbred)tg eigner £anb ( 2 . Suti 1298). ©eineSeicge warb »on ^>einrtcf> VII. in ber faifert. ©ruft ju ©peier, ju= gleid) mit ?(lbred)tg Seicgnam, beigefegt. 2 fbotfe( Regler entfprangen groptentgeilg aus bem OTipyergältnip feiner Mittel ju feiner Sage. ©in Sei)(griff folgte bem an= bem, unb als? er in ben legten 2 fugenblicfen feiner Sfegierung einen beffern SBeg einfcfytagen wollte, war eg zu fpät. 2(bonai, ein gebräifeger 82ame ©otteg. SieSuben, weld)e au$2(ber= glauben ben 52amenSehcmah nidjt augfpreegen, lefen in allen ben ©driften, in weis' djen biefer 52ame flegt, 2(bonai. 2 £ b o n i §, ei« @<> 6 « ber SRprrga, ben fte mit ihrem ffiater Ginirag gezeugt. (©. SK p r r b a.) Sie 82pmpgen beg SBalbeg erzogen ibn, unb er wuegg in fo ent= jndenber ©egongeit empor, bap S3enug ibn ju ihrem Siebling erwählte. 9J?xt jdrt= lidjer ©orgfalt begleitete bie ©bttin ben jagbliebcnben 5 'üngling burd) bie rauben SBälber, ihm bie ®efal)ren jeigenb, benen et ftd) preiggab. ©r aber, ihrer SBarnung nicht aegtenb, »erfolgte mit glttgenbet Sufi bie reipenben Spiere ber SBilbnip unb er= legte fte mit feinem ©piep unb ©efd)of. Sod) alg er einfi einen grimmigen ©ber ge= fehlt batte, fiel biefer ihn an unb »ermunbete ihn tobtlid). ©o frühzeitig bie ©ottin aud) bag Unglticf erfuhr, unb fo tuenig fte, um bem Sungling zu £ülfe zu eilen, igrer zarten güpe in ben Sfofenbüfdgen fegonte, beren meipe SSlumen ftd) bamalg »on ihrem 23lute roth färbten, fo fanb fte i()n bod) fd)on erblapt auf bem ©rafe lie= genb, unb jur Sinberung ihreg ©chmerjeg fonnte fte52ichtg weiter tgun alg fein ?fn= benfen burd) bie SBerwanblung in eine furjblithenbe Anemone erhalten, unb ben 3eug »ctmbgen, bap er, ben ©enup beg Sünglittgg zwifegen ihr unb fProferpina theilenb, ihm erlaube, abmeegfetnb fed)g SDJonat im <|mbeg unb fed)g im Stomp zuzubringen. ©ine »ielumfaffenbe Seutung biefeg SJiptgug ftnbet man in Greu= jer’g „©pmbolif". Sfbontfcg. Ser abonifd)e 9Jerg befteht attg einem Saftplug ujib einem ©ponbeug ober SErocgäug, -uu_ ü unb eignet ficg (»egen feineg lebhaften ©angeg zu muntern unb fd)erzgaften Siebern. Sängere ©ebid)te mürben jeboeg eine ju gtope ©informigfeit burd) fo für je, ohne alle 2(bmechfe(ung miebetfegrenbe 33erfe erhalten, baher man ftd) ihrer nicht gdu= ft'g un»ermifd)t bebient hat. 2(ud) bie 2(lten »erbanben fte immer mit anbern 93cr= fen ; fo ifi ber legte SSetg ber ©appgifdjen ©trophe ein 2(bonifcger. 2 Cboptianer, SMegrer, welche behaupteten, Ggrifhtg fei alg ©ott »on 92atur ©otteg ©ohn, alg Sttenfcg aber nur burd) 2(boption »ermittelft ber SEaufe unb SBiebergeburt, wobureg ©otteg ©nabe aud) anbre SJfenfcgen an Kinbegffatt annimmt, ©ie fanben nämlich unpaffenb, ein menfd)lid)eg Sßefett ©otteg ©ohn im eigentlichen ©inne ju nennen, glipanbug, ©tjbifdjof »on SEolebo, unb gelir, SSifchof »on Urgel in ©panien, brachten biefen 2(bopfianigmug 783 auf unb ge* mannen Anhänger in Spanien unb Sranfreid). Karl ber ©rope tiep ihre Irrlehre auf einer ©pnobe ju Svegengbutg »etbammen unb ben ihm unterworfenen gelip entfegen. Siefeg Urtgeil mürbe, weil gelip nad) zweimaligem SBiberruf in feinen Srrthum jurucfftel, 794 ju granffurt a. 5Jf., 799 ju 9(om unb 2(ad)en, wo ign 2(lcuin in einem ©olloqitium ubermanb, mit ber S3orfd)rift miebergolt, bap erun= ®otio.= 8 er. «Siebente Jtttfl, SSb. I. f 7 98 tfboption ttbreffc tet 2Cufffc^t beg S3ifd)ofg ju 2pon feine Singe befchliejjen folle (geft. 818). 2f(g glU patibug ftarb, legte ftd) ber ganje Streit, ber fomolmegen beggemäßigten Söev= fafweng Äartg b. ©r. gegen benÄefcer alg aucf) barum merfmürbig ift, weil bie SJteinung ber 2fboptianec in ber cfjriflt. Äirrfje oft «on Senen ergriffen mürbe, bie bag Stätffel ber @ottl)eit ©heiffi $u ergrünben unb bem 3Jtenfd)cm>erft«nbe näher 3 jubringen fud)ten. (Söergl. Socinianer.) 31. 2fb Option, tfnnahme an älinbegftatt, ift burd) bag romifdje 9?erfjt ju uns gefommen. Sie mar ein SJtittel, bie «äterlidje ©emait ju erwerben, entmeber in= bem ber teiblidre Söater foid)e bem tfboptmoater abtrat (21boption in engerm Sinne), ober inbem ein SJtenfcf), meiner feibft nicht mefjr in »äteclid)er ©ematt mar, feine Suftimmung feibft ober burd) feine Sßormünber baju erteilte (2frrogation). Stad) älteem römifd)en 9ted)te ging bag Jfbopttofinb ganj and feiner bisherigen ga= milic in bie gamitie beg Ulboptiiwaterg über. Ä. Sufiinian l)at bieö bei ber eigenfc lid)cn lifboption aufgehoben. Sic tfboption foll Stad)al)mung ber Statur fein; fie ift alfo ber Siegel nad) nur Senen geftattet, meld)e feine efjeltdjen 3tad)fommen f>a= ben, aber fie hätten haben fonnen (©aftraten feilen nid)t aboptiren) unb menigftenS 18 3al)te älter ftnb alg bie ju Xboptirenben. Sßormünber bürfen nid)t ihre SJtünbel, aitcl) ein 3frmer fein reid;eS Äinb aboptiren. grauen fonnen nid)t eigentlid) abop 3 tiren, mol aber mit ©rlaubniß beg Stegenten einem SBahlfinbe Siechte auf Alimente unb ßrbrechte geben. 3n Seutfdjlanb ift bie 2fboption im ©anjen nad) römifdjem Siechte aufgenommen, fobert aber gemeiniglich lanbeöherrlicfjc ober bod) gerid)tlid)c Söeftatigung. (Sftteidf). bürg, ©efefsb., l. 179; fPreuß. allg. ?anbr., 2d)- 2, Sit. 2, §. 666.) Sag (2Baf)Ifinb erhält ben Stamen ber SBahlaltern, ben abe-- ligen Stanb berfclben aber nur burd) lanbegherrlid)e befonbere ©rtfjeilung. Sag neuere franjofifclje Siecht (Code civil, a. 343) h at aud) bie 2lboption beibe= halten, bod) befchränft. Sie ju 2fboptirenben müffen entmeber Dort ben 2Sal)l ; ältern fd)on als Äinbec 6 Sah« lang oerpflegt, morben fein ober fie aus Sebenggefahr gerettet haben. Sie 2Eboption fann nid)t oor erlangter ©rofjäl)= rigfeit beg ju 2fboptirenben gefchcl)en unb muß fomol oom Äreiggerichte aig oom 2(ppelIationggerid)te bejtätigt werben. Sn ©nglanb ift bie Einnahme an .Rinjbegftatt unbefannt. 37. 2tbrajt, Äönig oon 2(rgog, ein Sohn beg SlatauSunb bec ©urpnome. Um bemSrafel}ugehord)en, bag ihm feine 2 Södjter einem ßömen unb einem milben Schweine ju geben befahl, gab er bie 2Ctgia bem fPolpniceg unb bie Seiphple bem Sipbeug, alg jener in eine 2omenl)aut, biefer in eine Sd)meingf)aut gel)üllt ju ihm Barnen. ©r mar unter ben 7 gelbhetren oon Sieben, oon benen er allein bem SEobe entging. 3el)n 3nh re fpäter jog er mit ben hinterlaffenen Söhnen feiner un- glücflidjen Söerbünbeten nod)malg gegen Sieben unb eroberte cg, verlor aber babei feinen Sohn unb ftarb uoc ©ram. (S. £ he 6en.) 2fbraftea, eine$Eod)ter begSeug unb becStotl)Wenbigfeit, bie Sienerin ber emigen ©erechtigfeit, bie Siächerin alleg Unred)tg, ber fein Sterblicher entgel)t. Stad) ben SDteifien ift 2Tbraftea (bie Unentfuehöate) nur ein SSeiname bec Sterne 3 fig (f..b,). S)tan fi'nbet fte bigmeilen mit glügeln, bigmeilen mit einem Steuer 3 ruber, bigmeilen mit einem Stabe abgebilbet. 2fbreffe, eine2fnrcbc ober 3ufd)rift, ©tlafj. ©rfi in ben neuern Seiten hat man angefangen, auf ben 'tfuSbrudl ber öffentlichen SJteinung, meld)er in bie 3 fer gorm gegeben mirb, einen 2ßerth ju legen, fomic auf bec anbetn Seite bie Stegicrungen fiel) ir. fdjwierigen Sagen in ähnlicher gorm an baS Sßolf gemenbet haben. Ser ©rlajj ober 3uruf ber Staatgbel)örben an Untergebene heißt $ r o c la 3 ma t i 01 t, unb nur ju ben Seiten ber mijioerjfanbenen fßolfgfoimerainetät ingranf« reidf) erliefen bie oberffen 2futoritäten 2fbreffen an baS 23olf. Sie 2lbrcffe unter 3 fefeibet fid) mefentlich oon ber Petition, inbem fie bloß ©efinmtngenbeg San» Äbtfan 99 feg, bcc Bitfcicbenheit ob« Ungufriebenheit augfpttd;f, Jfufftdrungen mittheilt, 9Jfaptege(n rechtfertigt unb bergt., ohne eine 2(norbnung, gefehlte 9Sorfd;rift ober irgenb ein Raubein in Antrag gu 6ringen. Sie ©arge ifi Bon ©nglanb ge= kommen, wo bag Parlament gewohnt ifi, bie ©roffnungg = unb ©djlupteben beg ßonigg mit einer Sankabteffe gu beantworten unb grope SSetbicnfle mit einer öffentlichen Sankfagung gu belohnen. Ser norbametikanifdje ©ongtep h«t biefen ©ebraud; angenommen. ©. S<#tfon’g „#anbbud; beg 9)arlamentarred;tg, überf. oon 2. b. Henning", 1819, ©. 90. Sn ben beutfdjen Säerfaffungen geftat= tet man ben ßanbjtanben nod) gut Beit bag 9?ed)t ber 2fbreffe nur in jef)r eilige* fdjrdnfter 2lrt. Sn ©ürtemberg würbe eg für Berfaffunggwibrig erklärt, bap bie ©tdnbeoerfammtitng ber 2trmee ihren San? begeigen wollte. Sn SSaiern haben bie ©tanbe nur bag 9ied;t ber Petition an ben Äonig (SScrf. = Urk. non 1818, Sit. VII, §. 19, 20, 21) unb ber Anklage gegen bie SRiniffer (Sit. X, §. 5, 6). ©benfo in Saben (Söerf. = Urf. o. 1818, §. 67.). Sn biefe §orm kann jebod; 2füeg gebrad;t werben. Sag Ofed;t bet Untertpancn, in ©emeinben unb fonfi ge= meinfd)aftlid) Sfbreffen gu befdjliepen, bangt mit bem 9led)te ber 33efd;werbe unb feiner SSorbebingung, ber ©efugnip, fid; gu uerfammeln ober gemeinfchafttich gu unterfd)teiben, gufammen. ©g ift dar, bap bergteicfyen Sfbreffen beg Sanfg unb ber 3ufriebeni)eit, womit SRapoleon fo gern fpiette, nur bann einen ffiertf) l;aben, wenn aud; bag ©egentheil möglich ifi, unb eg wdregewip fetjr nögtidp, ben33ür* gern eine gönn gu geben, in welcher ft'e itjre wahren ©eftnnungen unb ©ünfehe augbrüden konnten. (SSergt. Petition.) 37. 2k b r t a n. ©ed;g Zapfte biefeg 9lameng. Ser ctfie, ein 9iomer, regierte uon 772—795, war Beitgenoffe unb greunb Äarlg b. @r., ber il;n für fianb* hafte SSerttjeibigung feineg SKecgtg auf bie frankifche .Krone gegen ben longobatbi* fd)en .König Sefiberiug 774 mit feinem döeete fd;ü(ste unb ^)iping ©d;enkung be= fiätigte. (83erg(. Äi td)c n ft aat.) ©ag il)m .Karl bagu fefenfte, warb jebod;, ba italienifd;e gütfien nad; mehrmaligen SRomergügen biefeg Äonigg im S3efi| blie= ben, erft 787 fein. Surd) ffieftdtigung ber für bie SSilberöerefirung auf bem ©on= cilium gu 9Iicaa 786 gefapten 33efd;lüffe gab 2kbrian bem bagegen eingenommenen .Karl 2fnlap gut Ungufriebenheit, unb biefer (iep auf ber ©pnobe gu granffurt a. ©. 794 jene 93efd;lüffe Betwerfen. Sennod) wupte 2(brian ben .König bei ©i= bertegung ber frankfurter 83efd;lüffe fo gefTiffentlich gu fdjonen, bap berfelbe fein greunb btieb unb il;m nad; feinem Sobe 795 eine im Sßatican nod; aufbehaltene ©rabfcfjrift wibmete. ©o wenig biefer ^apfi gelehrter Sfjeotog war, erwarb er fid; bod; burd; feinen ftrengen ©anbei unb kräftigen ©fjarader grope 2fd;tung, bie er gut Erweiterung feiner ©acht mit gefdjmeibiger Ätugf;eit benagte. — 2kb t i a n II., ein9iomer, würbe atg ein wegen feiner Sugenben gefetzter ©teig Bon 75 Saljren 867 fPapft, unb berühmt burd; feine ftanbl;afte Sßetmeigerung ber ©f;e= fcheibung beg Äonigg 2ott;ar II. Bon Sothringen Bon feiner ©ematjlin Sfjietberga. Surd; ©inmifdjung in ben ©rbfolgeffreit nad; Sottjarg Sobe gwifd;en Äart bem Äaf»ten unb Äaifet ßubwig gog er ftd; beg ©rflern geinbfdjaft gu unb fampfte fowot in Sranfreid;, wo man wiber feinen ©itten ben 93ifd;of ^infmar oon 2aon ab= fegte, atg aud; gegen ben ^)atriard;en s pt;otiug Bon Äonftantinopet, ben er mit bem Äirdjenbann belegte, befonberg wegen ber fiteftidjen Surigbiction über bie SSulgarei mit geringem ©tüd für bag 'ditfefen feineg @tut)teg, ba bie griect;ifd;e Äird;e ihre Unabhängigkeit gegen il;n behauptete unb ffch ^Bulgarien unterwarf, ©r flarb im ©Weite mit ihr 872. — 2Cbrian HI., ein 9fomer, 884 gewählt, war nur 1 Saupt|f. 'i(tf iopienS), fd)eint bem heutigen JErfifo (15° 40' 91. 33., jeft bie SReftbenj beS 91alb oon SRaffuaf) ju entfprecfen. 3fbule oerbanft ifre fau; ftgere ©rtodfnung einer Snfcfrift, bie juerft in ber „Topographia christiana" an; gefufrt ift, einem tfeo(ogifd);geograpfifd)en ©erbe beS ÄofmaSSnbifopleufeS jut Seit beS ÄaiferS SuflmuS im 6. Safrf. Sie Snfcfrift, in S3afanit eingegraben, ftanb jum Sffeil auf einem Sfrone, jttm SEfeit auf einem baoon getrennten Steine, unb nocf bemerft man in ifren Überreften grofe Abweichungen biefer SEfeile, bie ©runb tourbeit, fte für falfd) ju etEldren. Sie entfalt auf er bem ©efcflecftSregi; fter beS SptolemduS ©oergeteS in einem gtoeitert SÜfeite, ben 3alt für arumitifcf, b. f. für abpfftnifd); dtfioptfcf falt, baS SSetjeicfnif oon S36lfernamen, über bie ein Äonig ftd) ber ©roberung n'ifmt. Sie 3cftoierigEeiten gegen bie ©eftfeit, nament; lief auS bem Saturn, bem 27. Safte ber SRegierung (tool nieft bc6 Sptol. ©oerge; teS), fat 33uttmann fcfatffmnig toiberlegt unb beseitigt (in feinem unb ©olf’S „SRufeum ber AltertfumSfunbe", 2. 33b., 3. 105 fg.); boef bleibt nod) oict SeltfameS unb UnbefannteS, baS burdi bie fortbauernbe Äufmerffamfeit ber ®e; lefrten auf baS 33aterlanb biefer Snfdjrift, welcfeS enblicf und genauer beEannt toirb, oieltekftinbergolgeoerfcfwinbenfonnte. 19. Aboent (lat.), eigentlid) bie Anfunft, inSbefonbete bei ben ©(triften bie Seit (4 — 6 ©od)en) oot ber alljafrlicfen freier bet ©eburt beS ^eilanbeS. 33ei ben Äatfoüfen bereitet man ftd) in biefer Seit burcf S3ufÜbungen, Raffen unb 33eten gleicffam jurn ©mpfange beS ©etterloferS oor. Sie AboentSjeit folt fefon oom Apoftel Petrus eingefeijt toorben fein; inbeffen gebenft bet SPrebiger SRapimuS SaurinenftS berfelbett erjl in einet $omilie, bie er in ber SSRitte beS 5. Saftf. ge; falten fat. 3eit bem im 6. Safrf. ju Sertba gehaltenen ©oncilium burfte feine ^toefjeit in ber AboentSjeit gehalten werben, bamit bie ©fri(!en baS 2(benbmafl befto fleißiger geniefen moeften. 2Ebt3erfium, UmfianbStoort (©inige nennen eS auch 85efd)affenfeitS; toort), i|f berjenige SR eb et feil (f. b.), meld)er ben S^ecE fat, baS ^rdbicat eines 3afeS genauer ju befiimmen, unb ftd) bafet auf baS ©igenfd)aftS; ober Seit; toort jundcffi belieft (f. 3(b jectio). Srudt ein üfbjectio fummarifd) bie 35efd)af; fenfeit eines jtt fefdjreibenben ©egenftanbeS aus, unb man toill biefe SSefcfaffen; feit genauer fejeidjnen, fo fann bieS in unferer 3pracfe oft burcf bie ^injufugung ber 3t)lbe lid) ober butd) bie ©orte fefr, wenig u. f. to. auSgebrudt werben. Sie 2Cbeerbien biefer 5frt faben geWofnlid) mit bem ©igenfd)aftswort ©inen grammati; fefen 3tamm. Saoon aber ft’nb oerfefieben bie 3Eboerbia beS Srts (fier, bort), 3Cbwocat 102 bcc Beit (jegt, bann u. f. m.), bec Quantität, bcc SSejapung unb 5ßerneinung, berfßetgleicpung, 2fbfonberung. — 2f b » e r b i a l i f cp nennt man ben Stebetpeil, menn man einen Sag blop burd) ein Subftanti» mit einem fParticip ober biop als ülnpang eines anbern SageS auSbrücft. 2fb»ocat, gürfprecper, ©erid)tSrebner, 9ted)tSbeifianb, einSftann, ber bie fRccfjtämiffenfdjaften fiubirt unb nacl) überftanbencr Prüfung bie obrigfeitlicpe Ctlattbnip erhalten pat, praxin advocatoriam p treiben, b. p. gegenüerf)dlt= nipmdpige SSergutung bie Siedjte ober 2(nfprüd)c bcittec fPerfonen »ot ©ericpt p »erfechten. Cr ft burd) Crtpeilung ber ißolltrtacpt rnirb bet Tfböocat 58e»oll= mdd)tigtec unb Sadjmalter. Stad) ben ©renjen feiner 58ollmad)t ridjtet fiep bie «erbinbenbe Äraft feiner $anblungen für ben Clienten, b. p. für 25enjeni= gen, ber tfjm bie güprung eines 9ted)tSpanbelS (fProceffeS) übertragen pat, unb bie SSefunbung biefet fßoltmacptSertpeilung wirb bie Segitimation pm ^procep genannt. 25a ber rechtliche SSeiffanb, fomie bie Sachführung, auf einem be= fonbern SSerfrauen beruht, fo hat aud) ber 2lb»ocat befonbere Sfreue unb Sotg= fatt p gemähten. Süenn er entmeber aus bofcm JBiden ober burd) gaprldfftg= feit feinem Clienten fcpabet, fo ifi er biefem bafür »eranfmorttid), ober ber Client fann aud) in ben meprfien galten SBiebeteinfegung in ben »origen Stanb gegen bie ^anblung beS 2fb»ocaten erlangen. 25ie 2(b»ocaten finb eine Claffe »on StaatSbienern, t»eld)e »on jeher eine bebeutenbe Stolle in alten Staaten gefpielt haben. 58ei ben Stomern mar bie 2(b»ocatur ein ©efcpdft ber gropten Staats= «tarntet unb Siebnet, »orjüglid) bei SSettheibigungcn inCriminalfacpen; bie mim ber mid)tigen unb duilredptlicpen Sachen mürben »on 5ptocuratoren (f. b.) geführt, melche mit Übernahme ber 5))toceffc aud) bcren Cigenthümer mürben. 3n Cnglanb unb granfrcid) bilben bie 3fb»ocaten eine angefehene Claffe »on öffentliche«! SSeamten mit einem rcid)lid)en Cinfommen unb ber JfuSftcpt, um mittelbar in bte erfien 5öürben beS Staats überpgepen; baher bleiben aber aud) bie talent»oltjien CDWnner freimiltig ihr Sehen lang in biefem SSerufe. 3n an= betn Sdnbern ifi baS umgefehrt, ber 2fb»ocatcnfianb ift ba in einer fehr unter: georbneten Steilung gegen bie ©erid)te unb nur bte fpfüanjfcpule p anbern Staate dmtern, felbfi ber geringem, unb bie natürliche golge ifi, bap im 2fb»ocatem fianbe nur bie unbebeutenbern SKdnner prütfbleiben (natürlich) mit Ausnahme fo= mol im Cinjelnen, als einiger beutfepen Staaten überhaupt), melcheS für bie ganje SiecptSoetfaffung »on gropem 9iad)tpeil ift. — Advocati ccclesiarutn, SSermalter ber Äircpengütet, nad) ihren »etfd)iebenen Ämtern aud) defensores, causidici, actores, pastores laici u. f. t». genannt, mürben unter Stilico’S Confulat eingeführt, jugleid) orbnete berfPnpfian, bap bte 58ifd)6fe, jfbteunb Kirchen gute 58ertpeibiger haben modjten. 2fnfanglid) befteibeten Äanonici biefc Erntet, nachh« mürben grope -Baffentrdger, ja Sttonatcpen, j 58. ber beutfepe Äaifer unb ber Äonig »on gtanfreicb, 2lb»ocati ber allgemeinen tomifepen Äitd)c. Sie für einjelne Äircpen beftellten 2fb»ocati (5Bogte) beforgten ber Äircpe meltlidie ©erieptsbarfeit StamenS ber 58ifd)6fe unb 2fbte in beten ©ebiete unb entfebieben bie ©edcptSpünbel ihrer Unterthanen. 25aneben befepüpten fte ber ©eifllichen melt= lidf)e ©fiter mit ben SSBaffen, menn eS notpig mar. 58or ben ©eriepten betrieben fte bie Älagen unb ©ered)tfame ber Äitcpen, melcpeit fte »erpflid)tet maten. 25utd) ipre 58eamte beforgten fte bie ©infammlung ber Bepnten unb aller Hebungen, unb genoffen bagegen »on ben Stiftern »ermeinte geiftlicpe 5Bopltpaten unb betrdd)t= licpc ©efälle. 2(IS aber biefc 586gte nad) unb nach ben ©eifiliepen unb ihren Un-- tertpanen entt»eber felbfi ober burd) ipre Unter»ogte lafiig mürben unb burd) beren f^abfuept ungemein litten, fuepten bie Äitcpen allmdlig iprer Special»ogte loSju= merben. Scpon Urban III. fuepte bieS für fte pm 58efien ber fogenannten .fiit= chcnfrcipeit p bemirfen, fanb aber 1186 p feinem 58efremben, bap bie beutfepen 2Ceneae Sferoflat 103 Diäten in Setbinbmtg mit Äalfet gttcbrld) I. baju imgeneigt waten. Unter Ä. griebttd)S II. Regierung gelang es tnbejj ben meiften beutfcfjen Äirchen, biefe Sogteien burd) große ©elbfummen unb burd) anbre ©chabloShaltungen wieber cinjutöfen. 21 e n e a e, geb. in SJcfffrieSlanb ju Stbemarbum 1743, jtarb 1810, ffu= bitte in grancfer, tmtrbe 1769 in 2epbcn Sfagifter unb fd)tieb als D. bet ?5f)i[of. eine Abhanbluttg über baS erfrieren 5 fpäter über ©cfharbt’S ©d) 6 pftab, über 5JJui)(cnflügel, eine Aufklärung über ben 9loniu«jeiget, über »an Abam’S SMutium, über bie gemeinnühige ©efcllfdjaftSredjnung unb übet tedjnifdje unb aflronomifdje ©egenflänbe. 1795 würbe er nad) bem £aag ju ©taatSbienftcn berufen unb nad) (Paris gefanbt, um übet ©inbeit beS CDtafeS unb ©ewid)tS mit franjofifetjen unb anbetn ©eiebtten äufammenjutreten. Sn feinen testen 2ebenSjaf)ren lieferte er non ßeit ju Seit treffliche Serid)te in feinem Snfpecto= rat über SOfafi unb ©ewichte, unb als ©lieb bet ©eneralcommiffton bctSJfarine gab er Sorfchtäge über ©egenftänbe, welche ßfatutfunbe, ©b cmie unb 2ecf)no= logie betrafen. Vertaner, bie Anhänger beS AeriuS, eine« atianifdjen 9Jt6nd)S, bet um 360 als ©djiSmatikcr non ©ebafte in Armenien «erjagt würbe, weil er ben Unterfd)ieb bet Amtsgewalt ber Sifcl)öfe unb (PreSbpter leugnete, gütbitten unb Spfer für Serftorbene für unwirffam unb fd)äb(id), bie Sorfchrift ju faßen für unjuläfftg, unb ben ©ebraud) beS jübifeben SßertammS unter ben ©Ijrißm für unebriftlid) erklärte. Sbgleid) nur ©egner non Siijjbräuchett ber geglichen -!?ctrfd)= fudjt unb beS Aberglaubens, würben bieActianer bod) als Äe|er nerurtheilt unb «etloten ftd) halb. SSBeil bie ^)coteffanten ähnliche Sehauptungen aufbrachten, würben fte non ben .Katholiken beS AetiamSmuS befdjulbigt. 31. Aerob ijnamtf, jener £1)^ ber hohem SJfechanik, bet non ben Kräften unb ber Sewegung flüfftget etajlifchcr 3Jfaterien banbeit. ßft wirb bie Aerobpna= mik bei ber .ßpbrobpnamik abgel)anbelt. Aerolttl)en (Suftßeine), ©teine ober Waffen, bie aus ber £«ft herab» fallen. (©. CDfcteorfieine.) Aeromantte, bie notgeblicbe Äunjt, aus ben £ufterfd)einungen jukünf» tige Singe su prophezeien. —• Aetometrie, bie mathematifd)e 2el)te non ben ©igenfebaften ber ßuft, ihrer ©djtnere, geud)tigkcit ic.; überhaupt bie 3Biffcn= febaft non ber Sejtimmung ber ©töfje in ben 'Birkungen ber 2uft. — Aeto» nautik, bieKunft, in ber 2 uft jufd)iffen. Aerojfat (griecb-), bie unter bem (Warnen Sttftball bekannte 9Wafd)ine. Ser ©ebanf'e, ein SBerkzcug ju erftnben, mitteffl beffen man ftd) in bie 2uft er» beben könne, fd)cint ben mcnfd)lid)en ©eiß fd)on im Altertbume befd)äftigt ju ba= ben; jebod) bie Ausführung batte nie getingen wollen. AIS aber um 1766 ber ©nglänber ©anenbifi) bie große fpeciftfdje £cid)tigfeit beS brennbaren ©afeS ent» becEte, würbe D. Stack in ©binbttrg auf ben ©ebanken geführt, baß eine bünne Stafe, mit biefem @aS angefüllt, in ber 2ttft emporfleigen müffe. ©anallo mad)te 1782 ba()in gehörige Betfud)e, fanb aber, baß eine Slafe ju fd)Wet unb Rapier nicht luftbidß fei. ©eifenblafen bagegen, bie er mit brennbarem ©aS füllte, erhoben ftd) bis pr Seife beS SünmerS, wo fte jerpla|tcn. Subemfelben Sabre brad)ten bie Stüber ©tienne unb Sof*Pb SWontgo Ifiet (f. b.) auf an» berm SB ege eine (Kafdßne ju ©tanbe, Welche ftd) burd) eigne Kraft in biefiuft erhob. Sm (Won. 1782 gelang eS bem altern Montgolfter, ju Anignon ein hohes (Paratlelepipebum (2angwürfel), baS aus einem ©tütf tponer Raffet gemacht war unb 40Kubikfdjuf) Snhalt hatte, nad)bem es inwenbig burd) bremtenbeS fPapiet erhifst worben war, fchnell bis an bie SecfebeS SimmerS unb nad)herim ©arten 36 guf hech (beigen ju laffen. Salb barattf wieberhotten beibe Stüber ben Ser» 104 2fetojlat fucf) äu 2fnnonap, roo bag Sparaltetepipebum in freier üuft 70 ©chuf) f)od> flieg. Gine grofere €SKafcf>ine non 650 lhtbiffd)uh Snf)alt flieg mit gleichem Grfotg. 9lun 6efcf)toffen fte, ben Serfucb im ©rofen ju machen, verfertigten eine mit spa= ptet gefütterte 9Jlafd)ine non ßeinmanb, bie 35 ©d)ut) im Sutd)meffer hatte, 430 ?)funb trog unb nod) über 400 ^)f. £a(l mitft'd) aufhob, unb tiefen biefelbe nm 5. Suni 1783 jui3fnnonap in bie Stift (leigen. Sie erfjob ftd) in 10 fDlinuten ju einer f)o^e non 1000 SSoifen unb ftet 7200 guf rneit non bem Srte beg 2tuf= (leigeng jut Gebe nieber. Sag SOlittef, mobutd) fie bag Gmpotjleigen betoirften, tnar ein unter ber Öffnung ber SO?afd>ine «ngejünbeteg ©trohfeuer, in »elcheg fte non Seit ju Seil ettnag gestempelte 58otte tnarfen. 3Bie aber baburd) biefe 5Bir= fung bernorgebradjt tnerbe, banon batten fie mebet beuttiefe nod) richtige SSegtiffe. 5lid)t bie burd) bie ^)ige bemirfte Serbünnung ber in bem Satton eingefcf)toffenen £uft fetten fie für bie Utfacfc beg ©teigeng, fonbetn fie glaubten, baf ftd) bet bem Setbrennen be3 ©trot)g unb ber äBotte ein eigneg ©ag entmiefete, burd; met= d)eg berfetbe gehoben mürbe. Gtfl fpdter tnurbe bag Srrige biefer Meinung bar= getfian. Sn ^Parig festen biefe 23etfud)e atte iptjpftfer in Semegung. Ginige ber= fetben freien auf bie Sermuthung, baf ber Serfucf) ftd) müffe mit bem brennbaren ©ag nad)mad)en taffen. Gtjarteg, ^tofeffor bet , füllte eine 12 guf im Surdjmeffer hattenbe unb mit einem gitnif non etaflifdiem Jpatze überzogene Äu= get non Saffet mit brennbarem ©ag. ©ie trog 25 spfitnb unb erhob ftdf) binnen 2 SKinuten 488 SEoifen, nerfd)tnanb in ben 2Botfen unb fam nach 3 SSiertet= (lunben bei bem Sorfe ©oneffe, 5 ©tunben non (Patig, tnieber zur Gebe, ©o gab eg gteief) anfangg grveiertei üferojlaten: bie mit erster ßuft (SPlontgolftercn) unb bie mit brennbarem ©ag gefüllten. Unterbef mar SOfontgotfter nad) ^)a= rig gegangen unb fjatte in spifatre be SJojier, bem SSorflef>er beg fonigt. 9Jltt= feumg, einen ©efülfen gefunben. ©emeinfdjafttid) brauten fie im Set. 1783 eine neue SJlafdjine non 74 g. $6he unb 48 g. SSreite ju ©tanbe, mit metcher beibe ^)f)t)ftfer neb(l einem Arbeiter eg jum erflen SJfate tnagten, jebod) nur 50 g. hod), rtufgufletgen. Ser S5atton mürbe babei aug §öorftci)t an ©trideit gehalten unb halb heruntergezogen. Sn ber gotge tief man bie SJlafcfine ftd) frei bemegen, metd)e ihren gtug feitmartg nahm unb ftd) ungefüge 100 © di ritte non bem Srte beg 2tuf(leigeng fanft nieberfenfte. Saburd) überzeugte man ftd), baf fte bei ge= (jeriger Ginrid)tung, SSefjattblung unb (Bitterung atterbingg einen Slenfcfen burd) bie Suft ju tragen im ©tanbe fei, unb befd)(of bie erfte Suftreife. 5(m 21. 9ton. 1783 (liegen (Pitatre be SKogter unb bei>5Jlarqutg b’3fr(anbeg im ©d)loffe ta SJluettc nor einer rmgdt)iigen Botfgmenge mit einer SJlafdjine non 6000 Äubiffttf Sntjatt auf. Ser Satt fam, nad)bcm er eine beträchtliche .flöhe erreicht hatte, nad) 25 Minuten, etma 5000 Soifen non ta SOiuette, gtücftid) mieber zur Gebe. Ifber bie fahnen guftfafjrer hatten in bebeutenber ©efafjr gefd)inebt; ber Satt mar zu nerfchiebenen 9Jla(en auf bag heftig(le erfdjüttert roorben; bag geuet hatte goefet hineingebrannt, bie ©alerte mar befd)dbigt morben unb einige ©d)nüre maren gerif fen. ©ie erfannten, baf eg bie hochfleSeit fei ft'ch herabgutaffen, unb atg fte mieber auf bem Grbboben maren, entflanben neue ©chmierigfeiten beim 2fugfletgett. Sag fd)mad)e Äobtenfeuer hielt ben teinroanbenen Satt nicht mehr empor, unb bie= fer ffet mit feiner ganzen SOlaffe auf bie glamme. Slozter, ber nod) nid)t hatte augfleigen fonnen, mürbe banon niebergebrüeft unb entging nur eben ber ©e= fahr zu nerbrennen. ©teich barauf machte Gharteg, ber ftd) mit (Robert nerbum ben hatte, befannt, baf et mit biefem in einem mit brennbarem ©ag gefügten Satt attffleigen metbe. Um bie bazu erfobetlicfen Äojlen no-n 10,000 ginreg ju beefen, eroffnete er eine Unterzeidjnung. Set Satt mar fugetfermig, 26$uftnt Surd)meffer, unb beflanb aug Staffet, ber mit einem gitnif aug eta(lifd)em ©ttmmi überzogen mar. Sie ©onbet für bie Suftfahter hing an mehren ©eiten, 2Ceroftat 105 bie an einem über ben obern SEf>eK beb Sallb gezogenen {Reße befeffigt traten. £)ber= halb mar eine Älappe angebracht, bie burd) eine ©cfnut oon ber ©onbel aub geoff= net werben fonnte unb ftd) mittelff einer gebet triebet fd)lof. ©ie biente baju, bab brennbare ©ab aubftromen ju laffen, trenn man ftd) ßetabfenfett wollte, ober eb fonfi notf)ig fanb, bie {Raffe beleihen ju retminbem. Sie güllung bauerte mehre Sage, unb am 1. Sec. erfolgte bie S£uffat>rt in ben ©arten ber Suiterien. Ser Sali flieg fd)nell ju einer ^otje ron 300 Soifen unb rerlor ftd) aub ben 2lu= gen bet Sufd)atter. Sie Suftfdjiffer beobachteten fleißig bab Sarometer, bab if)= nen nie unter 26° geigte, trarfen nad) unb nach ben mitgenommenen Sallaft aub, um ben Sali empoqufjalten, unb famen bei {Reble glücflid) herab. Äaum aber mar {Robert aubgeffiegen unb bet Sali babutd) um 130 {Pfunb erleichtert tror= ben, alb biefer nod)malb mit groffer Schnelligkeit um 1500 Soifen ftd) erhob. Sabei behnte er ftd) fo getraltig aub, baf er jerptaßt fein trürbe, trenn nid)tG>har= leb mit befonnenem 9Ruthe bie Älappe geöffnet hatte, um bab eingefd)loffene ©ab mit bet rerbünnten atmofpharifchen Suft mehr inb ®leid)getrid)t ju feßen. {Rad) einer halben ©tunbe fenfte ftd) ber Sali auf ein Slachfelb niebet, ungefähr eine halbe {JReite ron ber ©teile entfernt, ron welcher er jum 2. 9Ral aufgeftiegen war. Siefen gtücflichen Suftfahtten folgten halb attbre. Slancßarb (f. b.) war fd)on mehre {Rate aufgeftiegen, alb er auf ben ©ebanfenfam, ben etwa 5 beutfcße {{Reiten breiten danat jwifcßen ©nglanb unb granE'reid) im Suftfcßiffe ju pafftren, unb biefeb füf)ne SEQagftucE in einem mit brennbarer Suft gefüllten Sali ben 7. San. 1785, in ©efellfcßaft beb 2[merifanetb Seffrieb, glücflid) aubfüfwte. Um 1 Uhr »erliefen fte bie englifdje Hüfte, unb um halb 3 Uhr waten fte bereits auf ber ftanjoftfcßen. {Rieht fo glücflid) enbete bie Suftfahtt, treld)e ber erfte Suftfdjiffer, {pilatre be {Rojier, ben 14. Suni 1785 in ©efellfd)aft{Romainb ron ber franjoftfdjen nach ber englifd)en Hüffe unternahm. {Pilotre be {Rojier hatte biebmal beibe 3frten ron Suftbällen rerbunben. Unter einem mit brennbarem ©ab gefüllten Salle, ber aber allein nicht hinreiefenbe ^ebefrafthatte, wareinjWeU ter angebracht, ber butd) ein barunter beftnblicheb Hohtenfeuer gefüllt würbe. Seibe trugen bie ©onbel. {Rojier hatte biefe Serbinbung gewählt, weil jebe ron beiben 3frten ihre eignen Sortheile gewahrt, ©t wollte namlid) burd) ben untern Sali bab willkürliche unb abweidjenbe ©infen unb ©teigen bewirfen, welcheb bet bem brennbaren ©ab nicht möglid) iff. Senn ein mit brennbarem ©ab gefüllter Sali, ber einmal gut ©tbe gefunken iff, ffeigt mit berfelben Saft ohne neue gül= lung nicht wieber, ba eb hingegen bei einem mit erfaßtet Suft gefüllten Salle nur ber Setmehrung ober Serminberung beb geuerb bebarf, um ihn abmechfelnb ftei= gen ober fallen gu laffen. 2fbet biefer Serfud) lief jum Setberben ber Unternehmer ab. Sffiahrfdjeinlid) waren bie in ber untern Suft nur glimmenben Hohlen in ber obern pläßlich 5« ein« lichten gtamme emporgebrannt unb hatten ben untern Sallon entgünbet. Sab geuer ergriff augenbtieflid) bie gange {Rafdfine, unb beibe Suftfchiffer ffürgten aub ber >£>ohe herab. Sie Sefdjaffenheit ihrer geschmetterten Horper tief »ermuthen, baf fefon ber 2fubbrud) beb brennbaren ©afeb ffe getobtet habe. Siefer unglückliche Sorfall fdjrecfte jfeboef) nidjtab; »ielmehr würben bie Serfuche nad) unb nad) in allen Sanbern wieberholt. ©o wichtig aber aud) biefe ©rftnbung iff, fo hat fte hoch bib jeßt noch nicht ju »ethdltnifmaf ig grof en ©rgeb= niffen für bie SOßiffenfchaften unb bab praftifdje Sehen geführt. Ser gange {Rußen hat ftd) bib jeßt auf einjelne Seobacßtungen in ben obern Suftgegenben befcf)tänft. Sernt man aber in ber golge ben Suftballon nad) SBillfür lenfen, bann wirb er ftd) »ielleidjt ju Unternehmungen gebrauchen laffen, «on benen man jeßt nur bie 3(hnung hat, unb eb wäre »ielfckßt möglich, nach bem {Plane beb {Profeffotb {Ro= bertfon einen riefenhaften Suftball ju ©tanbe gu bringen, um mittelft beffelben über ber gangen Sberfläcße ber ©rbeßingufd)weben. — {BMhrenb ber -Reoolution 106 Äeroffafif Äffe mürbe ju SOteubon, unmeit fParid, ein aerofiatifched Snftitut jut Silbung eine« 2(eronautencorpd angelegt, beffen Seftimntung bie Seitmtg bet Suftballe bei ben 2frmeen mar, mittelft melchet man ben geinb ju beobachten »etfud)fe. 2(ber auch »on biefem (Gebrauch ber 2(eroftaten fam man halb jurücf, bet mie jebet anbre hochfi mißlich bleibt, fo lange bie 9Jtafd)ine bem 2Binbe folgen muß. — Unten ben granjofen haben 23lancf)arb unb ©arnetin bie meiften Suftreifen unternom= men; unter ben Seutfdßen mar fProfeffot Sungiud in SSerlin 1805 unb 1806 bet erfte. ©eitbem haben ftd) SProfeffot 9ieid)arb unb feine grau butch £uftfd)ifffabt= ten befanntgemaebt. 2(ud) in Konfiantinopel unternahmen 1802 bie ©ngldnber 23arlt) unb Seoigne, auf ben 2Bunfd) unb bie Kojtcn bed ©roßherrn, eine 2uft= reife. ©in mefentlid)ed 23erbiett|t um bie 2(etonauti£ hat ft'd) 23tand)arb burd) bie ©tftttbung bed gatlfdjirmd etmorben, beffen ftd) ber 2ttftfd)tffet im fRotbfall bebient, um ftd) ohne @efal)t and ber 2uft betabjulaffen. 23g 1. Ktamp’d „®cfd)id)te bet 2(ecofrati£" (©tradb. 1784,' 2 S3be.) unb bie fpätet bafelbfi erfd)ienencn 2(n= hdttge, fomie Sachatia’d „©lemente bet Suftfchmimmfunfi" (SBittenb. 1807). ifevojtatif, eigentlid) bie Sehre oom ©leicf)gemid)t bet Suft, fomolfüt ftd) ald mit anbern Körpern; feit ber ©tft'nbung ber Suftballe haben ©inige in ei= nem cingefd)ran£tern ©intte bloß bie Sehre oon ben 2(eroftaten fo genannt, melcfje paffenbet 2(eronauti6 heißt. (©. b oor. 2(tt.) Äffe, ein 3d)iergefd)led)t «on 62 2fbarten, abgetheilt a) in fdjmanjlofe, 4 ©pecied; b) mit furjen ©chmattjen, 16 ©pecied; c) mit langen @d)tt>nn= jen, 42 ©pecied. Kein anbred SXt)ier hat fo «tele dtißere 2lhnlid)feit mit bem 9)ten= fd)ett, befonberd im 23att bet ©lieber, oermdge beffen bie 2(ffen auf ben ^)inter= beinen aufrecht jtt gehen »ermogen. 9tur einige ©attungen fdjließen ftd) gern bem SKenfcßen an. 2(lle Jfffett finb mollüfttg, bodf)aft, biebifd) unb unreinlich. Sn bet 3ahmung milbett man mol biefe ©igenthümlid)£eiten, hebt foldße aber niemald ganj. ©inige ©pecied- haben 25eutcl, in melchen fie DZahtungdmittel §ttm £ünf= tigett ©ebraud) mit ftd) führen, ©ie leben gern in ©efellfdjaft, jebod) ohne 23et= mifd)ung ber einzelnen ©pecied unter einanber, in Sfödlbcrn, unb hauptfdd)lid) oon Nahrung aud bem fPfTattjenreiche; je aromatifcher, befto lieber ift fie ißnen. SOSeil fte oieratmig finb, fo oermogen fie mit Seicßtigfeit Saume ju etflimmeit unb ftd) oon einem ©tamm unb beffen Smeigen auf ben anbern ju fdjmingen. 2fud bem 2d)ierrciche genießen fte nur im 9totßfall. Sie großen ©chtangen ber SEtopenldn* bet finb ifjte däauptfeinbe, »erfolgen fie bid auf bie Süume unb oerfcßlingen fte bort; bod) oertilgen aud) manche bet oietfüßigen 9?aubt£)iere bie 2fffen. Sßr £aupt= oaterlanb ift bad innere oon 2(fri£a. Sott bilbete ftd) bad 2fffengefcßled)t am oolb fommenften aud. 2(11 e heiße ©egenben haben milbe 2(ffen. 3» ©utopa häufen fie nur allein nod) auf ben ttnerllimmbaten gelfen unb 2(bfcnfungen oon ©ibraltar. Stießt alle folgten alfo ben Stauten, ald fte nad) 2(frifa heimfeßrten. SOZit bett bauten fd)einett fte nad) ©panien übergeroanbert ju fein. Stt einigen SEheileit Sftinbiend oerel)ft man feie 2(ffen gottlid) unb erbaut ihnen SEempel. — Slen’d „fJtaturgefd)id)te für ©d)ttlen'' orbnet bie2(ffen, ©(affe 13, ©innen-Srbnung 35, 16, ald SßtemSolfe, unb tl)eilt fie nad) ben 5 ©innen in 5 ©ipp-- fchaften. 1) ^autaffe (Lemur), 23aterlanb bie 3 altenSBelttßeile; babenartig, meiftend mit langen ©eßmansen, ntnben Äopfen, fpißiget ©cßnattje unb ttnooll* f’ommenen eftanben, 5 3eßen, meiftend mit flachen Stagein unb einer Klaue an ber hintern SeigKfK- 3aßl bet Saßne unbeftanbig, halb mit 2, halb mit4 3il>m auf ber Stuft. 2) 3nngen=2fffe (Cebus) , SSaterlanb bad Sropenlanb in Tftrteriba. Kopf rttnblid), Sahne attgefcßloffen, ©cheibemanb ber Stafe breit, 92afenldd)et nad) bet ©eite gefehrt, bad ©eficbt faft haarlod unb £)h rcr *, S5tuftji|en 2, ©chmanj lang, flehte ©efdßfchmielen unb Sacfentafdjen. 3) 9tafen = 2(ffe (Cj- noccphalus), 23aterlanb bie 3 alten SQSelttheile. ©tarfe 'ifffen mit müßigen 107 Äjfect ©dgwdnjen, einem «ollfommenen ^unbgfopfe, langet ©cgnauge, jebodf) abge* fingt, fftafenlocger in ber uotbern gldcge, mit bem SSftenfcgen gleid)e 3«gne in ber Sagt, ber gintere Sacfenpgn gat 5 big 7 ©pigen, Sacfentafcgen, grope ©efdp* fcgwieten, beipig nnb geU. 4) Sgrcit = 3lffen (Cercopithecus, Guenon), Sa= tetlanb bie alte SBelt. Slfdpiggtop, ©cgwanj fegt lang ogne SBicfeln, jiemlicg fucje ©cgnauje, fcgmale fftafcnfcgeibewanb, 0?afenl6ct)ec feitwdrtg, ©ebip wie beim Sftenfcgen, Sacfentafdjen, ©efdp nacft. 5) 3fugen = 2Cffe (Simia), Satet= tanb Ulfcifa unb Elften, ©dpauje furj, ©eftd>t nnb 3dgne unter allen 5 ©ipp= fcgaften bem 9ftenfd)en am dgnlidjflen, ogtte ©cgwanj, fcgreitet leicht aufrecht einher. fftagrung, auper bem fPflanjenreid;, ©ewutme unb 2(meifen. Son bie= fen fennt man in Europa befonberg ben gemeinen Riffen (S. sylvanus) , ber auf Äameelen unb Säten p figen pflegt, mit behaarten Ringern, unb ben Ötang= Sutang (S. satyrus indica), fein Hinterer Sacfettpgn gat 4 .fjocfee wie beim SWenfcgen, 9>etj rotgbraun, ©eficgt bldulid) unb nacft wie bie Sgren unb cfjdnbe tfi fanft ernfifjaft, Saterlanb Sorneo, abricgtungSfdgig, bod) faum fo ge(eg= rig alg ein -fmnb. fftocg feltener fommt nacg Europa bet afrifanifdjc 2lffe (S. tro- glodytes). gaff fo grop alg ein SJienfd), ogne ©cgwanj, Sacfentafcgen unb ©e= fapfcgwielen, ©dpauje futj, bie3lrme reid)en big pm Änie, fPelj braunfcgwarj, ©eficgt unb .fjdnbe nadt unb flctfcgfarbig, vorn am Seibe wenig behaart, bie Jpin= fcrgdnbe ndgern fid) fegt ben menfcglicgen gupen, ber Säumen fiegt wenig ab. — Ädme bigger nicgt nod) immer, wie fdgon bie fflten flagten, aug 2lfrifa fo mamge gttgepung, weil bort bet SDfenfd; lieber fagen gort alg felbfl forfcgt, fo wftpten wir, bap biefer 2lffe in S^eiggättcn lebt, mit .Knüppeln unb ©teinen SJenfcgen unb Sgiere abwegrt, meifi aufrecgt gegt unb wie bie Äinbet fcgreit, bap er ftcg leid)t jagmen (dpt, SSSaffet tragen unb Sraten wenben lernt, ftcg auf einem ©tugl wie ber Europäer niebcrldpt unb mit Süeffern unb ©abein effen lernt, übet= gaupt aucg beg Sftenfcgcn ©ewogngeiten nadjagmt ic. — Übrigeng ft'nb im Kno; egengebaube, unb in ber Anatomie übergaupt, ber SJlenfcg auf ber niebtigffen ©tufe ber 3(ugbilbung unb ber oollfommenffe 2fffe buregaug in feiner 3fnndgerung p ein= anbet; wag bie innere ©tructur unb ben Setffanb anlangt, fann Umgang unb Silbung aug bem togen SBilben einen gebilbeten Sflenfcgen, aug bem gelegrigften 2lffen aber immer nur ein etwag flugereg Sgier-bilben. ©elbff bag ©egreiten auf 2 Seinen ijt beim 2fffen immer etwag Unnatürlicgcg, unb nur fegt langfamoctmager, in golge ber SDhtgfelbilbung feiner ^interarme, vor= ober ruefwartg p fegreiten. ■Kein 2fffe gat jemalg eine SBabe. — Sieg tropifdie SEgiet gewinnt in bem feud)tern unb fdltern .Klima, butrf) fftaturbilbung, wenn eg in unfern 3ßelttgeil »erpflanjt wirb, einen Diel ffdrfetn ^aatwuegg alg in feinem urfpröngliegen Saterlanbe. Ttffect, jebeg lebgaftere unb fcgnell aufwatlenbe ©efttgl, welcgeg bie Sefon- nengeit momentan unterbrueft. ^ierbuteg unterfegeiben ft'e ftcg (unter anbern Ser= fd)iebengeitcn) »on ben 2eibenfd)aftcn im eigentlidjen ©inne, mit benen ft'e im ge= meinen ©praeggebrauege oft Derwedgfelt werben (f. Seiben fegaft), bie aber im Segegren igren ©runb gaben unb angaltenbe, gerrfegenbe Segierben ftnb. Sod) geben bie Seibenfdjaften oft Seranlaffung p ben Effecten, unbgewiffeSeibenfcgaften ftnb aucg in igren jluperungen mit 2fffecten oerbunben. Sie Oluge beg ©emütgg wirb allemal bureg bie 2fffecten geffort (f. ©em ütg); oon bem ©emutge aug gegt bann igre SBirfung auf bie fJfetoen unb ben übrigen Äotpet. Sorjüglid) fdieinen ft'e auf bie fJferoengeflecgte beg ©anglienfpffemg, bie Stuft= unb^erperöengefled)te p wirfen, wie ftcg aug bem ©efttgl oon Erweiterung unb 2eid)tigfeit in ber Stuf! bei angenegmen, unb oon Seflemmung, ^erjflopfen tc. bei unangenegmen Effecten, aug bem guten Fortgang ober ber ©totung ber Serbauung, ber Ernagi ntng, ber Slutbereitung ic. fcgliepen (dpt. Sie Vlffecfen gaben oerfegiebene ©rabe. Sm gbcgffen ©rabe fonnen ft'e — fowol bie angenegmen algbieunangeneg* 108 2Cffectation 2Cffct) men — betdubenb, fogat töbtenb wirfett. 3m $inftd)t auf ihre Natur ftnb fte an= genehm ober unangenehm, 5. S. Sergnügen, mit aUenSEJJobiftcationcn, alggreube, ©ntjücfen je., ober «Schmers, Trauer, Unjufriebenheit, €J7?itletb, 9teue ic., ^)off= nung unb gurcht, gemifchte, j.S. Überrafchung k. 5h^>-' Sebljaftigfeit wegen ftnb fte ftetg mit einem metfliehen ®rabe oon SSergnugen ober Ntipoergnügen oerbunben. 3m -£>inftd)t ihrer SBirfunggart ftnb fte thätige, j. S. 3orn, ober leibenbe, j. 95. ©ram. Sie hohem ©tabe bet Affecte mürben ju nadjtheilig für bag Sieben unb bie ©efunbheit beg Ntcnfchen mitfen, wenn bie Natur nicht für eine Ableitung ihrer erfchütternben SBirfung geforgt hatte, wohin j. 95. bie Sutanen gehören unb bag £ad)en. Nur bet Ntenfd) i ft wahrer Affecten fähig. (©. © e m ü t h g b e m e g u n g e n.) Affectation, Sieretei, ift entgegengefegt bemNatüciid)en unb ber ebetn ©infalt bet Sitten. 3iebe Sache hat ih re Natur; mag mit berfelben «berein= ftimmt, heift natürlich, bag ©egentgeil unnatürlich. Sie Affectation will etwag nid)t Sßorhanbeneg erfegen unb bie SNetnung erregen, bap eg oorhanben fei. Sag Niittel, mobutd) fie bieg gewöhnlich ju beroerffteltigen fuegt, ift Nachahmung eineg ihr frembartigen Nhifterg. 2fber biefe Nachahmung oerratf) ettoag ©ejmungeneg unb Unübereinftimmenbeg, infofern Serjenige, ber ©trnag affectirt, bie entgegen: gefegte Natur unb Sefchaffenheit oon jener, bie er affectirt, befigt. Seiner Natur gemdfi follte et ein ganj anbreg Settagen jeigen. Saf)cr bag ©ejwungene; benn mag bei feinem SNufter natürltd/ ift, fudjt er burch fünftlicge SNittel ju erreichen, ober nur duperlid) ju fcheinen. Sa nun eble ©infalt in ben Sitten unb in bem Setragen eineg Ntenfdien herrfdjt, menn berfelbe in allen Umfidnben, nach einem mähren unb rid)tigen ©efühle, ohne Umfdjweife auf bem getabefien 2ßege fo han= beit, mie fomot feine Natur alg bie Natur bet Sad;e eg mit fiel) bringt, fo mirb Affectation, alg bag ©egentheil, bagjenige Setragen eineg Ntenfchen fein, oermöge be|jen er aug einem unwahren unb untätigen ©efühle burch eine unnatürliche, fünftlibh erjwungene Nad)af)mung .ben Ntangel geroiffer ©igenfehaften erfegen will. Saher ift in bemfelben feine Übereinfttmmung, fein Sufammenhang, oiel= mehr ein innerer SBibetfptud), unb bie SSitfung baoon entmeber Spott unb ©e= ringfehägung ober Seracgtung unb Abfegern Afftliiten, an Äinbegftatt annegmen. Saher Affiliation, bteAn= nähme an Äinbegftatt. (S. Aboption.) Affitiirte nennt man aud) biejeni= gen SPetfonen, meld)e alg Saien ijgeil an ben SBerfen bet Stbenggeiftlicgfeit neg= men, in ber Nteinung, fid) bag Srbengoerbienfi butd) gute SBerfc ju oerfegaffen. Affinität, burch Serfdjmdgerung entftanbene Sermanbtfchaft. (S. Sd)mdgerfd)aft.) Über ben Sinn biefeS SSorteg in ber ©hemie f. Set= manbtfd)aft, d)emifd)e. Affrt) (Submig Auguftinug SPgilipp, ©raf 0.), erfter Sanbamman bet Schmeij, nad)bem Napoleon ftd) jurn *Protector beg Sdjmeiserbunbeg erfldrt hatte, mürbe 1743 ju greiburg geb. grügjeitig warb er jum Ntilitairftanbe beftimmt, begleitete feinen Sdter auf einer ©efanbtfdjaft nad) bem -fjaag, warb hierauf Ab= jutant bei ben ftanj. Schmeijergatben unb flieg big jitm ©enerallieutenant. Sei bem Anfänge ber Steoolution commanbirte er bie Armee am Sbertgein big jurn 10. Aug. 1792, mo er, nach ©ntlaffung ber Schmeijertruppen, ftch in fein Sater= lanb jurütfbegab unb Ntitglieb ber geheimen Nathgoerfammlung in greibttrg mürbe. Alg 1798 bie Schmeij oon einem Angriffe unb einer Neoolution bebroht mürbe, befam er rnieber ben Sefehl bet Gruppen, ©r erfannte bag Unnüge beg 23iber= ftanbeg, betrug ftch ftetg mit Klugheit unb wanbte fo oiel möglich bie Übel beg Äriegeg unb ber ©mpörung oon feinem Saterlanbe ab. Alg greiburg oon ben granjofen genommen worben war, mürbe erSNitglieb ber ptooifotifchen Negierung, ©r hatte feinen Antheil an ben ©mpörungen oon 1801 unb 1802, nahm aber bie ©rnennung alg Abgeorbnetcr in ^artg an, alg ber erfte ©onful bie Scgroeijer bahin 109 3£fgf)anen SCfgfjanijlan berief unb irrten feine Betmittelung anbot. Napoleon jeidjnete i()n not ben anbetn 2(bgcorbneten au« unb »erfraute if)m bie Ginrid;tung einer Staat«öerwaltung, , toeldje bieSIufje unb ba« ©lücf ber alten BitnbeSgenoffen granfteich« fiebern follte. 2Cm 19. gebr. 1803 empfing 2f. au« ben dpdnben be« erften Gonful« bie Bermit= telung«acte, würbe für biefe« 3af)r sum etffen Sanbamman ernannt, unb jwat mit einer fefjr auSgebehnten@cWalt bi« ju einer aügemeinen Bufammenfunft auf einem Sanbtage. Gr fuchte bie 2fbfid)ten be« Bermittler« ju beforbern unb »erfuhr in 3ClXem mit ber ©efd)ie Äabuliflan henfehenben Bolf«. G« wohnte ur= fprünglich in ben ©ebtrgen jwifchen Verfielt, -fpinbofian unb Bactrien, unb gehörte jum mebifchen Stamme. SRod) jeijt wanbern bie Afghanen fortwährend fowol bie wejtlid)en, welche rdubetifdje Beltbewofjner, al« bie ö|ilid)en, wetdje anfäffig finb. Bei ben Unruhen, weld)e nach Sd)ah 9tabir’S £obe (1747) in Werften entftanben, bemad)tigte fid) 2fmeb 3fbbaUah , ber Anführer ber Afghanen in ber perfifchen 2fr= mee, ber fPto»injen Jfanbahar unb Ähorafan, machte fid) »on Werften unabhängig unb würbe ber Stifter be« afghanifdjen 9?eid)8. 3(fghöni|tan, ba« £anb ber Afghanen, auci) Äabuliftan, ober ba« 9?eid) ber 2l’bballen (16,545 □3)t.), gven^t nötblid) an Surfeffan unb Ä(ein= tibet burd) ba«@ebirge ^)inbu=Äufd) unb fPatopamifu«, ojtlid) anJpinboftan butd) ben 5nbu« unb ba« Salomonggebitge (mit einer Salsgebirggfette); bie fübiid)e ©renje bilben ba« Shal Boiahn unb bie an Siftan jtojjenben ©ebirge; bie we|t= iid)e gegen Sran bie gtofe SSBufte. 29et 4Mnbu=Äufd) ift eine gortfefcung be« .fjimala, er hangt im SB. mit bem 9Ku«=29agh jufammenj »om fPatopamifu« unb bem Sa(omon«gebirge laufen Bweige nach allen Seiten au«. 29er bebeutenb- fte Strom ift bet 3mbu« mit bem Mama unb .Kabul. 29a« .Klima ift troefen unb gefunb, bie Shdier finb jum Sheit fehr frud)tbar, bieBcrgwdnbe bewalbet, bie ^)6hen mit ewigem Sd;nee bebeeft. 29er unangebaute Boben bient jur Biel)Weibe. fProbucte finb: Silber, Blei, Gifen, Spiefgla«, Sd)Wefel, Steinfalj, 2llaun, Sapi« Bajuli, Baumwolie, ^9fcrbe, Gfel, 25romebdre, Äameele, £5d)fen, Schafe mit gettfehwänjen, Biegen k.; aud) gibt e« reipenbe SEhiere. SDtan baut Scei«, Sftai«, SQSeijen, SJtelonen, £)b|t, eble Seefrüd)te, Sefam, Senf, SEabacf, Sngwer, gdrberrothe je. Bon ben 14 Sftill. Ginw. finb 4,300,000 Afghanen unb 5,700,000 -fjtnbu«; bie übrigen finb gebübete unb gewetbfleipige Sabfdjif« (9tad)fommen ber alten Werfer), SEataren unb Belubfd)en. Sie befennen fid) äumSslam. ECupet behaupt; unb Siefibenjjtabt Kabul (80,000 G.) finb be= beutenbe Stabte: Kanbahar (geftung unb «£>anbel«pla& mit 100,000 G.), fPe= fd)awer (ober fPifdjauer mit 100,000 G.) ic. Balff) (ba« alte, jefct non U«becfen bewohnte Bactricn), Kafchmir (f. Gafdjemir) finb faft unabhängige ©renj= fiabte. 29er König ift au« bem .£>aufe Sabbofei, ber SEhron erblich, aber befdjranft burd) bie 9Jtad)t ber einzelnen Stammhdupter. 29ie britifchen Goutiere unb 9tei= fenbe, bie über Bagbab gehen, nehmen gemeiniglid) ihren SBeg über Kabul. 5n golge be« englifdjen Ginfluffe« auf bie Afghanen beftnbet fid) ber petfifd)e Jpof $u Teheran in einer unfreiwilligen 2lbl)dngigfeit »on ber englifove, Siungeet ©ingl), beS afgfjanifcfjen Äonigreicfjg Äabut bemddjtigt nnb, um ben Sriten gu tro&en, »iele Stuffen in feine Sienfle genommen. 2Cucf> treiben bie Diuffen burd) bie Sudjarei ^anbel mit ben 2lfgljanen. 2Cfrancefabo§, biejenigen ©panier, meldje 1808 ber Gonflitution »on Saponne unb bem Äönig Sofepf) eib = unb bienftpflicfytig mürben, meil fie »on ber neuen, burd) bie gtangofen in Spanien eingefüfyrten, Stbirung ber Singe eine ’ SSerbefferung bcö ßuftanbeg iltreg S3aterlanbeg entarteten. Sa fie »om Äonig Sofepf) in fpanifcfyen Sienfien angefteltt mürben, um bie neue Srbnung mit auf= richten gu Reifen, fo nannte man fie aud) Sofeftnoö. 9Rad) bem ©turge beg eingebrungenen Äonigg (intruso) entzogen ffdj bie bebeutenbflen 2lnljanger beffet= ben bem $a(fe ibjrer Sanbgleute burd) bie glud)t nad) granfteid). 2llg Äonig gerbinanb VII. 1814 feinen Stfjron mieber eingenommen £)atte, »erfolgte er mit gleid)et >^dcte bieSiberaleg ober bie 2fnt)imgcr bet Gotteg, melcfje ben ©turg beg frangofifd)en ©pftcmg bemirft Ijatten, unb bie SofcftnoS. G'ine mabribet Leitung, bie „Atalaya" („©d)ilbmad)e"), foberte ifjn bagu mit ben SBorten auf: „Sft eg moglid), ©ire, bap bie Siberaleg unb SofcftnoS nod) unter ung »otfyanben finb? 5Sarum fjat man nid)t in jebet ©tabt, in jebem Sorfe ©panieng fyunbert S3tut= gerüjle unb ebenfo »iel ©cfyeitetljaufen crrid)tet, um an ben ©ottlofcn ©ered)tig= feit gu üben?" Sitten auggemanberten Stfrancefabog marb am 30. Tla\ 1814 bie 9iücffef)r in if)t SSaterlanb ganglid) »erboten, ingbefonbere Sflten, bie eine Se= ftatigung ifjrcg früfjern 2lmteg, ober eine neue 2lnjiellung, Sütel, Slang, St'ben tt. bg(. »on ber eingebrungenen ^Regierung erhalten, ferner allen ©eneralen unb Sfftcietcn, bie unter Sfapoleong ober 5ofepl)g galjnen geformten Ratten, unb allen grauen, bie il;ren Bannern bei ber 2fugmanberung gefolgt maten. Sie 3al)l ber auggemanberten Siberalen, bie in granfteid) lebten, mürbe auf 16,000 ge= fdjaljt; unter il)nen befanben fld) »iele auggegekfynete ©elefyrte, treffliche Seamte unb Dfficiere. ©ie geigten burd) bie in G'nglanb gebruäte Senffdjrift beg gloreg b’Sflraba bem 5Ronard)en in ber 2fnnal)me ber Gonftitution bag einzige 9fet= tunggmittel. Sn biefem Sinne marb aud) in G'nglanb bag Sournal „El Espaiiol constitucional" gefd)t'ieben. Sflte Übrige burften gut ft (fiel) reu, mupten aber, 20 ©tunben »on ber .fjauptftabt entfernt, unter o 1 i g ei au f ft d) t leben. Sag am 29. ©ept. 1816 erlaffene (1817 gurüefgenommene) Sfmnefliebecret mar fo abge= fapt, bap cg bag ©d)icffal ber »erbannten Sofeftnog nid)t milberte. G'g mürben fogar bie nad) Sonaparteg ©turg aug ber Äriegggefangcnfd)aft nad) ber *£>eimatl) gtef>enben ©olbaten unb Sfficierc an ber fpanifdjen ©renge gurüefgemiefen, meil fie in granfteid) liberale ober re»olutionnaire ©tunbfabe eingefogen Ijaben fonn* ten. Sie fortbauernben Gmpotungg»etfud)e in ©panien felbft maren gugleid) Ur* fad)e unb golge, bap feine SRilberung jener l)arten SRapregcln eintrat. Grji nadp bem getbinanb VII. bie Gonftitution ber Gorteg angenommen hatte, erliep er am 8. SRdrg 1820 eine allgemeine 2fmneftie unb »erjfattete fpaterj)in alten Sofeftnog ben 2fiifentf>att in gang ©panien, mit 2lugnaf)me »on SRabrib. Sod) mürbe iljr burgerlicfyeg ©djidfal erft »on ben Gorteg am 21. ©ept. 1820 bal)in entfd)ieben, bap fie in ben ©enup ihrer 9ted)fe fomie in ben SSeft'h ihrer ©uter, nicht aber in ihre SBürben, ©teilen unb fPenfionen miebereingefe^t merben follten. TI an ging babei »on ber 2lnfid)t aug, bap bie meinen berfelben, burd) gufdllige SÖer= l)dltniffe in ben 9Rad)tfreig beg Unterbrücferg gegogen, bennod) mit rebtid)em 3Billen für i^r Saterlanb mofjltfjdtige Dfefotmen in Sapontie »orbereitet unb, mag gu retten ober gu erlangen mar, burd) U)ren SRutl) erlangt Ratten, bann aber, in einer Sebrdngnip ohne 2fugmeg, il>rem Gibe, bem Äonig gofepl) unb ber Gon= tfftaniuä 2Cfrtfa 111 ffitution treu geblieben mären. Sie 2ffrancefabod gehörten fletd ju ben ©emäpig* ten unb metben bafjer nod) jefst »on ben 2fbfolutiflen atigefeinbet. 20. 2£franiuS, Suciud, ein römifd)et Äomöbienbid)ter, blühte in ber ecflett Raffte bed 2. 5at)rf>. ». ©f)r. ©t ifl oer eigentliche Schöpfer bed römifd)en 9?a= tionalluflfpietd ober ber Fabula togata, unb feine ©cfyilberung beb Sehend unb ber ©itten feine« Solfed liep ftd) felbfi bid auf bie niebrigflen ©laffen t>etnb, mo= burd) bie Fabula tabernaria (bad Äneipenlujlfpiel) entftanb. 33on ben ©riedjen entlehnte er nur ben äupetn Sau, um ihn bem tomifeben Solfdleben anjupaffen, baher man fagte, bap bie Soga bed 3ffraniud bem SJlenanber »öllig paffe, ©eine Serbheit unb 2fudgelaffentjeit metben »on einigen Ättnflrid)tetn gefabelt; aber an= erfannt ftnb aud) fein reicher 3Bi| unb feine berebte Sebenbigfeit. ©t mar fel)t frud)t= bar, aber »on feinen oielen ©tücfen haben fleh nur wenige gragmente erhalten. üffrtfa, einer ber 5 ©rbtljeile — feit 3al)vtaufenbcn fd)on in bie ©e= fd)ichte eingeführt, bennod) aud) für und noch immer, road ed ben 20ten mar —, bad 9?eid) bed SBunbetbaten! Nut eine Spanne Nleer fdieibet Jfftifa »on ©u= ropa, feine nötblidjen Äüflen liegen im 2fngeftd)t bet gebilbetflen Sölfer, unb bod) fennen mir faum feine äupetn Umriffe, in bad meite Sinnenlanb ifl erp jefet ber gttp eined ©utopäetd gebutngen! — Sb bei bem ©ntftofien ber ©rbe ein fdjmar* jet 2(bam in Rffrifa ©tammoater ber ©chmarjen gemorben, ober ob ein 9foad)ibe »on 2ffien aud ihm fein etfled ©tammoolf angeführt, bad bann unter bem (otf)= rechten ©tral)le ber ©onne feine fdjmarje Sinte empfangen Ijabe, mirb mol nie entfd)ieben metben. Sad Sliltfjal mar unter eben bem Namen, ben ed noch führt, in ben früheren Beiten ber ©efd)id)tc bie SBiege bed Sanbeld, ber Äünfle unb SBiffenfchaften! 2fber felbfi in ben 5cif)rt)itnberten, ba 2l'gppten am hoffen blühte, fd)eint tiefe 9fad)t feine Umgebungen bebeeft ju haben, unb3fi(ed, mad nid)t ihm angehörte, unter bem 9Jamen Ofegerlanb begriffen gemefen ju fein. Späterhin lernten ©ried)en (»ergl. $etobot’d fetjr genaue Nachrichten) unb Siömer bie Äüflen am mittellänbifchen 50?eere näher flennen unb brangen im Sinnen; lanbe »ielleid)t bid jum gluffe Soliba »or, bod) hat ftd) ihreÄtmbe Jaurn über bieSrenaenShtmibicnd hir>aud erflrecft, unb »on ben füblidten Steilen 2ffrifad mar ihnen 9Rid)td befannt. SBie umwllfommen mar nicht bie Sotflellung, bie felbfi Ptolemäud ftd) »on biefem SBelttheile machte, obfdton ihm feine gorm ald eine grope $albinfel »orfd)t»eben mochte! ©tfl bem 15. 3ahfl). voar ed uorbehalten, und feine Umriffe audaujeichnen; Jpeinrid) ber Seefahrer (f. b.) umfegelte bad gefürchtete ©ap Sion (nonplus ultra), Siaj unb Safco ba ©ama fanben bad Sorgebirge ber guten Hoffnung, unb fomol bie mefllidjcn ald bie oftlidjen Äüflen mürben »on europöifdjcn Seefahrern unterfud)t. — 3(frifa, eine ungeheure .ftalbinfel, bie ber (gflhmttd »on ©uea mit bem geftlanbe »on 2fften »erbinbet, bilbet ein mit ber ©pifse gegen ©üben geführte« Steiecf »on 530,OOf (ba»on fommen auf bie Unfein 11,400) DSU. jmifdjen 0 bid 70° 2. unb 34° ©. bid 37° 30' 91. S., bad im 91. an bad mitteUänb. Sfteer, im S. an Ifften, bad rothe unb irtbifche Nleet, im ©. unb 2B. an bad atl)ioptfd)e SReer unb ben atlam tifchen Scean fiöpt. innerhalb bed heipett ©rbgürteld hat ed eine grope 2fudbef)= nung »onS. nad) SB. unb bie gröpte Sanbmaffe; bod) füllt bie nörblicfje cFmlfte eine ungleid) gröpere SUaffe ald bie füblid)e. Sie gröpte 2fudbehnung »on SB. nad) S., uom ©ap SRegro bid ©ap ©uarbafui, beträgt 69°, mithin unter bem Äquator 1020 geogr. SReileri. 2(frifad innere Silbttng hat manche ©igenl)eiten. 3mar beft'ht ed grope aneirianberhöngenbe Kettengebirge, bie »iellcidjt »om ©ap bid jum mittellänb. SJleere in mancherlei parallelen fortjiehen, mie ben 2ftlad, bad ÜKonbgebirge, benÄong, Supata, bie 5000 gup f>of>ert «Schneegebirge bed ©aplanbed; böd) ifl ed int ©anjen ebener ald einer ber übrigen ©rbtheile; in fei= nem anbern ftnbet man fö ungeheure ©anbmüflen, unb bie Äobi in ^ochaften 112 Hfrifa fjdtt mit bet ©afjara feinen SSergleidj aug. Siefe SSBüfte erfdjeint atg ein ©anb-- rneer, bem eg an fcud)tbrtven Unfein Seinegwegg fef>tt. Steg finb bie 2fftifa eignen S a f e n (f. b.). — Unter 2fftifag mastigen ©trennen ift ber dgpptifdje 9?il ung jefst big ju feiner Suette befannt; ber Sauf ber übrigen gropetn ©trome Jffrifag ift nocf) nid)t ganj crforfdjt; wir wiffen jwar, wo ber Äongo (Saite), Äoanja unb Äuama (Bambefe) ettbigen, nidjt aber, wo fte anfangen, unb nom Sotiba erft feit SDtungo ^)arf, bajt er (ber Seiger [f. b.] begfierobot) non SB. nacfj £>. fid) winbe. 2Cud) ber ©enegai, ber ©ambia, ber Stange ftnb bebeutenbe gtüffe biefeg ©rbtfjeitg, ber fetbft in feinem Sintern grope Sanbfeen, wie ben Sembea, SBangara, SWarawi unb 2fquitunba, einfdjtiept. Sag itlima ift ner= fcfjieben, aberim©anjen brennenb f>eig ; innerhalb ber SSBenbefreife bag rutjige Stopen=Äüma mit 2 Satjregjeitcn, ber naffen unb trodenen, bie ©tut ber ©onne furchtbar, unb 2fbanfon bejeugt, bap man im ©anbe ©uipeag ©ier fiebe, unb bap bie f)ifse bie nadte gupfotjte beg Otegerg attfreipe; an ben Äuften mdpigen @ee= unb SSergtuft unb unauftjortidje 9tegengüffe bie fuge, aber bie Suft ift nid)t fo gefunb unb rein a(g im Soinnentanbe, wetdjeg sum Stjeit fjotjer liegt. Set ganje Sanbftridj ber S3atbarei ift warmer atg ber fubtidjfte Sfjeil, unb jeber Stjeil2(frifag ift, gegen ©utopa nerglidjen, ein fjelpeg Sanb. Unter ben SBinben ftnb bie Sornabog unb ber fiarmattan 2l'ftda eigen; mit 2fften ljategben©a= mum, mit ©utopa ben ©irocco gemein. Sem jJtaturforfdjer erfcfjeint biefeg 5Bunbertanb, wag ben 9teid)tfjum in ber organifdjen SBett unb bie Sttenge ber riefenformigen gormen unter ben Stjieren unb fPflanjen betrifft, atg ber elfte Siebling ber fftatur. ©g ernätjrt 5 9Jtal fo Diel 2frteit Don Suabrupebcn atg 2fften unb 3 SOfal fo niet atg gattj 2fmerifa. ©g fjat bag fotoffate gtuppferb (Hippopo- tamus), bie riefengrope ©iraffe, bie gropten 2(nti(open unb 2(ffen not 2Cften ooe= aug. SerStiefe unter benSSogetn, berStraup, ift in 2ffrifa augfdjlieptutj ju .fjaufe. Sag wofjttfjdtigffe ©efd)ctd aber, bag bie 9tatur Dem 2ffrifaner gab, ift bag Äameet. ©ein SSau ift butdjaug bem Sanbe unb bem Ätima angemeffett. 9teben bem ©lefanten, bem 9fljinocetog, ftnbet man Somcn, spanttjer, Seoparben, Unsen, ©djafale, Spanen, SBotfe, gudjfe, fmnbe, jfaijen, 59tongug, gtebei-- maufe, 9tatten, Ätipbag, fiafen, Äatiindjen, Serboag, ©tadjetfdjweine, Sget, Sttautwurfe, ßtfeetfjfa^en, Sdjneumong, ©ropofjren, SSdren, 9tatte(g, fPfetbe, ©fei, 3ebrag, ©d)afe (sum Stjeil mit paaren unb gettfdjwdnsen), 2frgaltg, Biegen, ©emfen, ©asetlen in unenbtidjen ©pietarten, ©ptingböde, 9tinbnief), SSuffet, Stfmtjirfdje, aug ©uinea 9tetje, ©djweine, ©mgatog, ©djweinfjirfdje unb anbre Dtetfüpige Sfjicre, beten 9taturgefd;icfjte nodj bei weitem nidjt tjintdng= lidj erforfefjt ift; fetbft bag rdtfjfeltjafte ©infjotn fott ftdj nodj in ben 93innen= tdnbern ftnben. ©benfo reid; ift bie ©taffe berStoget, barunter bag pradjtigfte ©efteber, ber dtronnogel, gtamingo, SBfjibafj, Stjouraco, ©igooget, ^etifan unb »iete fPapageiarten; bie ©taffe ber 2fmpt)ibten fjat bag Ärofobilt unb bie Boa cori- strictor mit nieten anbern, ttjeitg imfctjdbticfjen, ttjeitg duperfi giftigen ©djtangen; bie anftopenben SJteere unb bie ©trome fjaben einen Überftup an giften, bodj ift bie SO?annigfaltigfeit ber ©efcbtedjter nidjt fogrop atg in ben norblicfjen SOZeeren, unb niete ber nufcbarjten festen gan$. Sag ©ebufdj unb bie ©rbe wimmeln non Sermtten, 2fmeifen, ©fotopenben, ©pinnen, Ätopaben unb 9taupen, wafitenb bie norubersietjenben f)eere non fieufdjreden oft SBotfen gteid) bie ©onne netbum fetn; überall ftefjt man bie fdjonften Ädfer unb ©djmetterfinge. 9tod) auperoc= benttidjer ift bie Äraft ber S5egetation. Ser SSoben gibt bem 9teger, wag er pftansf, mefjr atg fjunbertfdltig surüd; er erjeugt jene ungefjeuern fiotsmaffen, unter wel-- djen ber 58aobab ober ber 2fffenbrotbaum, beffen Ärone big 130 gup im Surd)- fdjnitt fjat, bie oberjte ©fette einnimmt; ber prächtige weipe ©tamm beg ©epba fteigt non bet fföurset big ju ben Bweigen faft (otfjrecbt auf 60 g. in bie fiotje, unb 2ffrifa (gcograptyifcf)) 113 mit feiner trcfflid) gerunbeten Ärone big ju 120 g. übrigen« erjeugt bie bcifse 3 one in Jlfriba, »ie in 2 lmeriba, jugleid) bie nahrhafteren wnb bie er= frifdjenbften, ber gättlniß am mäcf)tigften wibetftel)enben ^flanjen unb grüd)te. 2)iefe antifeptifche Otatur fjabcn aud) bie grüdjte ber Halmen, biefPifange, 33a= nnneit, Srangen, 9 )ompelmufe, ?fnanag, Samarinben, ber (Saft unb bie «glatter beg S5aobab u. a. m. Sie hefte S5utter (jugleid) ein trefflidje« Heilmittel) liefert in Überfluß ber nur erft ein 2ld)ttl)ei! beg ©angen augmadjen, gehlen beten über 20 SObill. Sag heiße ©uinea hat im ©angen eine gal)lreid)e S5e»olberung, unb am Soliba liegen »olbreiclje Staaten, »on weldjen wir inbcß bäum ben Siamen bennen. Sie din= wohnet gehören 511 2 Stammen beg menfcblidßen ©efd)led)tg: gum äthiopifdjen ober Siegerfiamme, ber »om Soliba abwartg fid) big gur Sübfpige evftrecbt, unb ju bem, trog ihrer braungelben Sinte, aud) bie Hottentotten gehören, unb gu bem baubafifd)en Stamme, bem bie Serbern, Äopten, fowie bie Araber ober SRauren, bie 3(gajionen ober Habefcher unb bie S3ölbet Otubieng beijujahlen flnb. Sic Araber bann man jwar nur alg 2 fnbbmmlinge betradjten, bod) fmb fle fegt über ben größten Sheil beg 9torbeng unb über ben Sften »erbreitet unb ganj einl)eimifd) geworben. 2 fuf ben Snfeln unb auf mehren Äüficnpunbten flnbet man 2 )ortugie= fen, Spanier, granjofen, Hollanber unb SSriten, felbfi 3uben hier unb bort eingewanbert, bod) fd)einen biegalafd)ag inSigre, obgleid) fle bem-JDtofaigmug hulbigennid)t hebraifcher 'tlbftammung ju fein. 2f(g Hauptfprachen gelten bie arabifche im ganzen 9torben unb big jutn .goliba herunter, wo wenigfteng bie 2 Sol= ber, bie ben Äoran »erehren, etwa« baoon »erflehenj von ihr unterfdjeiben fid) bie SSerber = unb bie Shelluhfpradien in ber 93erberei unb am ’tllfag. Sie 9D?an= Sen». = Sejr. (Siebente tfufl. S3b, I. f 8 114 2Cfrifa (geograpf)ifcfy) bingofpracfe iß oom Senegal big jum jgoliba Me gewöhnliche; an bec ßöeßfitße fpridjt man }utn Sheil ein oerborbeneg s })ortugief;fd), in ben habefd)inifd)en 2dn= bem bie Sigre; unb Ämharafpradte. Sie ©praßen bec Sieger finb faß fo mattnig; fach alg bie Nationen: blojt in bec ©ahara folleit 43 Munbarten gerebet werben. Äbcr faurn hat man oon ben 150 ©pvadjen aller afrifanifd)en S3olfer (biefe 3ahl wirb muthtnafltch non ©eefeen angenommen) erß einige unb ficbcnjig fenncn ge; lernt, ©benfo mannigfach iß and) bie Ärt unb Söeife, wie jjebec feinen ©ott oev= ehrt: in ßlorbafrifa big jum Soliba, ja in bem großem STheile ber Sßfuße, iß ber Mohammebigmug verbreitet; ju ber ©hrißugreligion befettnen ftd) bie ©inwol)nec • non Sigre unb Ämhata, bie .Kopten, bie kubier unb bie europdifd)en gremblinge, bod) nach fehr oerfcf)iebenem Slitug, unb bei ben meißen ßlegeroolfern herrfcht ber abenteuerlidßte getifchigmug, ber bei mandjen biefer SSölfer fogar Menfd)en= opfer fobert. 3öißenfd)aftlid)e SSUbung barf man in Äftifa nicht fud)en, felbfl nicht in bemßanbe, bag ihre SSBteqe in berifinbheit ber Menfd)en war; wag bie ^Oh araonen / bie Ptolemäer gefchaffen hatten, ging in ben ©titrmen, bie bieg um glucfliehe 2mtb im Mittelalter trafen, oöllig unter. ©d)ulcn unterhalten inbef nod) bie Mohamtncbaner in ben ©tdbten ber Serberei, bie Marabuten in ben 2dnbern, wo fie ftd) angefiebelt haben, unb hier unb ba aud) bie .Kopten unb Mo; nophpfiten in Sigre unb Ämf)ara. Äunftfleiji trifft man in Äfrifa bloß auf ber nbrblidjen Küße an, wo oon ben Mauren Mancheg in ©eibe, Saumwolle, Seber unb Seinwanb gearbeitet wirb; aug biefenSdnbem wirb ein lebhafter Jjanbet mit* 2anbegprobucten mit ben feefahrenben Nationen ©tttopag, unb ein ebenfo be; beutenber Karaoancnhanbel mit bem Sintern oon Äfcifa, bem fte ihre gabrifate unb bie ber ©uropdec jufuhren, unterhalten. Sie ßlcger flehen fammtlid) auf ber unterßen ©tufe ber Silbung, felbfl ba, wo fte in Staaten oereinigt ftnb; ihre Seburfniße finb auf erß gering, urtb 2flleg, wag fie'gebraud)en, verfertigen fte ober ihre Söeiber felbfl; bie fPagne, bie ihre Senben umgürtet, bie t^utte, bie fte gegen bie SSitterung fehltfct, ben Sogen unb ben fPfeil, beren fte jur Sagb unb }u ihrem ©djuhe beburfen, fowie il)r ^aitggerdth, aud) bag ©olb, bag fie oon ber £>betßdd)e bec ©rbe fatnmeln, wiffen fte für ihren ©chmucf, unb bag ©ifett }tt ihren Söaffen ju bearbeiten. Sennod) hat bec Umgang mit ben ©utopdmt fie manche Sebürfniße fenncn gelehrt, bie jefct ju ihren ßlothwenbigfeiten gehd= reit: ©dßefgewehr, ^Puloer, Sranntwein, Sabatf, oerfdßebeneÄrtett oon Sud), ©lagperlen, .Korallen u. f. w., weldje fie gegen ©flaoen, ©Ifenbein, ©olb unb ©ummi, bie ©tapelwaaren Äfrifag, eintaufchen. — Ser ©f laoenhanbel (f. b.) iß nod) immer fo bebeutenb, baf man, obgletd) bie meißett ßlationen ©uro; pag ihm burd) Sractaten entfagt haben, bod) gegen 50,000 ßleger rechnen fann, bie Sgmanen, ß)ortugiefen, granjofen, 5Rorbamerifaner unb felbß britifdje ©d)leid)hdnbler bem Snncrn Äfrifag entreißen. Sormalg red)nete man allein 105,000 ©flaoen, bie jährlid) ßßeßinbien jugefuhrt würben, ohne bie in Än= fd)lag ju bringen, welche bie Birmanen nacl)Äften, bie fßorbamerifaner in if)te fttblidjcn Staaten fd)(eppten. Sebeutenb iß and) bie Ausfuhr oon ©Ifenbetn, ©olbßaub unb ©ummi, weniger bie oon ©trauf febern, Sigcrbecfcn, Rauten unb anbern 2anbcgetjeugnißen, bie bloß alg 9lebenartifel gelten. Munjen hat Äftifa bloß in ber SSerberei; in ben übrigen Säubern, bie nicht oon ©uropdern befrist ftnb, bient ©elb hdchß feiten alg Saufd)mittel, in einigen Sdnbern bet ßüeßlftße gelten bieÄaurtg, in anbern ©aljtafeln alg Munje.— Scrßöcnbe; frei« beg Ärebfeg unb ber Äquator tf>ei(en Äfrifa in 3 .faupttheilc: 1) fßorbafrifa, woju Ägppten, bie Siaubßaaten Sripolig mit ber Äftße Satfa, Sunig unb Äl« gier, ber ©tant Maroffo, ge^an unb ber obere S()eil oon ©uban ober bie ©a; hara mit ben Äjoren, ©anariag unb Mabcira gehören; 2) Mittelafrifa, weldjeS bie Sßfftßenldnber ßlubicn, Sigre, Äml)ara, ©fat, Äbel, Äjan, ben untern 115 2Cfrifa (gefcf)icf)tlid)) Stjeit »on ©uban mit 25arfur «nb ben Säubern bcr ©alias, fomie bie 2Beft£üften= tänber, Benin, Srotjere, ©enegambien unb ©uittea nebfl ben Sufeln ©apo Serbe, benen bei@uinea, ben 16 Biffaoinfeln, ©ocotora u. «. umfaßt, wnb 3) ©üb= nfrifa mit bet ganjen füblidjen 2Bejf= unb SDfdüftc, ben fitblidien Binnenlanbem, bem ©aplanbe, ber Snfet SKabagaSfat, ben Äomotren, SJtaScarenhaS, 2fmiran= ten, Sriftan b’2(cunf>a, ©t. = $etena unb 2fScenfion. 2(ud) in t)iftorifd) et $infid)t iji Nfrifa als einS ber reid)ften Vlrdji'oe bet Urwelt unb ber Soweit ber »ielfeitigften ©rforfdjung mertl). Sn gef)eimmß»otlen ©räbern bemalet eS jahllofe Urfunben ber ©u(turgefd)id)te non ben früheren 3ei= ten an bis ju bem Untergange ber oftromifdjen dSerrfchaft. Steijt bi.eö an ftd) fdjott ben wiffenfd>aftlict)en gorfdnmgSgeifi beS Europäers, fo frnbet er jugleid) in ber (Streid)ung politifcfjer 3we ifgppten (f. b.) biefeS gefeimnijjnode Sanb ben neuern gorfdmngen tnieber eröffn net unb bort felbft baS türfifdjc 9>!)legma aus feiner tragen Stul)e gotncdt. 25atut hat britifdje Beharrlichkeit für bie Bölfer am ©ap neue Quellen beS 3öof)lftanbeS aufgetfjan unb bafelbjt eine dotonie für ben Überfluß ber britifd)en BolfSmenge ge= grünbet, toäfrenb bie fd)on früher (1793) angelegte©olonie Sierra 2eoite(f. b.) bie ©i»i[ifation bet Steger nid)t erfolglos »orbereitete. ©leid) 5 eitig brangen £üf)ne Steifenbe, Briten, •Dcutfdje, granjofen, Slalicncr, Pon allen ©eiten fet in baS Sunere Pon 2(ftifa »or. 25aß aber in bem hodjjten SCltertEjume fd)on jübifdie unb tprifdje Äauffalirer, meld)e, wie bie fyebräifdjen Stad)tid)ten lauten, nad) SljarfiS unb Spljir fegelten unb pon ba große 9fcid)tl)ümer ben Äonigen £)a»tb unb ©alomo 5urüdbrad)ten, bie Öftfufte Pon 2(frifa, an welcher jene ©tabte ge= legen t)af>en follen, erforfdßt hatten, gehört in baS ©ebiet ber ©age. Über bie ©efd)id)te ber ©ntbedungSreifen in 3lfrifa, feit bie ^ßonijicr unter 9ted)oS, Äonig uoti Sgppten, aus bem rotßen SJteere, um Afrika ßerum unb burd) bie ©auleit beS Hercules äurüdfcgelten (600 S- P. ©l)t.) bis auf bie Unternehmungen in ber neueffcn Beit, fefjc man bie „Hist, completc des voyages et decouvertes en Afrique, depuis Ies siecles Ies plus recules jusqu’a nosjours; pur le Doc- teur Leyden et M. Hugh Murray" (©binbttrg 1817; unb auS bem ©ttgl. inS graitjof. überf. mit 3ufägen, ^)ariS 1821,4 S3be.) unb bie „9?. ©eoqr. ©pl)em.", 1824 fg. — 3u ben t»id)tigffen Steifen in unferer^eit, burd) treidle «otjüglid) bie für biefen 3tPed 178S errid)tete 21 f r i f a n i f d) e © e f e 11 f d) a f t (f. b.) in ?on= bon, fowie bie Bemühungen ber britifchen ©onfttlate (j. 83. ©alt in 'Ügppten), nebff benen ber englifdjen S3ibel= unb SO?ifffonSgefellfd;aften, gleid)fam bie ^ülie, bie über bem SQJunberlanbe Jffrifa nod) immer auSgebreitet lag, «on 2 ©nben her aufgehoben hoben, gehört bie ©ettbung beS ©ttglänberS Boiobid; nad) 2lfhantee (f. b.) 1818, burd) roeldie mir eine madjtige Äriegernation pon Ute= gern im Öffen fennen gelernt, unb bie »on 33urdharbt (f. b.) nad) Stubien unternommenen Steifen, t»eld)e uttS ben regen Berfef)r nubifd)er ^anbelSpöder im Djfen gejeigt haben, grüher als SSeibe mären ber füf)ne SJtungo ^5«rf, 'fJornemann (f. SSeibe) unb Stontgen (auS Steumieb, ermorbet auf bem SBege nad) Simbuctu, unmeit SJtogabor 1811) fd)oit in baS Sunere eingebrungen. 2lüßer ben ©enannten »erbienen noch angeführt jit merben: beS D. ?eob „Voyage to Africa" (Sonbon 1821), meil fle uns baS bisher aus StorriS’S SSeridit nur obei- 8 * 116 tffnfa (gefd)id)tlid)) fläd)tlch geEannte SJotf »on 25af)ome (f. b.), baS ben frud)tbarflen $E()eit »on ©uinea beroohnt, genauer befchreibt, unb beS Gapit. 2pon „Narrative of travels (1818 — 20) in northern Africa" (2onb. 1821), ber mit feinem greunbe [Ritd)ie, welcher ben 20. [Ro». 1819 in SRurjuE fiarb, »on SScipotiö and bie S£rogtobptenfjof)ten ber ©harianftamme befud)te, unb über SRurjuE bis SEegarrp (24 u 4'[R. 93r.), ber füblichften ©tabt beS Königreichs gejjan, an betörende ber SBüfie S3iima, »orbrang. 3m ©ept. 1821 gingen 3 SSriten, D. Oubnep, ber ©eeoffte. Giapperton unb ber Sanbofftc. £>enman, »om 2orb SSattjurfi un= ter)iü|t, nacf) Tripolis, um »on hier über SRurjuE nach S3ornu ju reifen unb ben Sauf beS [RigerS ju erforfd)en. Subnep fiarb ju SRurmur ben 12. San. 1824 an ben folgen ber GrEaltung, atS auf einer (Sbene jroifdjen ©anbf)ügetn ein fot= d)et grofi eintrat, bajj baS SBaffer in ben ©d)iaud)en gefror, ©ein ©efäf)tte Giapperton fe&tc bie [Reife nac^ Kano, ber jegigen ^auptfiabt »on $auffa fort, unb erreichte ©aEEato, bie [Reftb. bcS S3ef>errfd)erg »on ©uban. ©ie entbccEten ben ©üfjwafferfee SEfaab, in ben fid) 2 grofe glüffe, ber ©l)arp »on ©., ber 9)aou »on SB. f>er, auSmünben. ©. „Narrative of travels and discoveries in Northern and Central-Africa, by Maj. Denham, Capt. Clapperton, and the late D. Oudney, in thc years 1822, 23, 24" (2onb. 1S26, 4., m. K., 32 SEljir.). — 1824 unternahm ber brit. SRajor ©orbon 2aing »on SEripotiS aus bie [Reife nad) SEimbuctu (f. b.). Giapperton trat 1825 eine neue [Reife inS Snnere an »on SSenin aus über ©aEEato nad) bemSEfaab, um über SEimbuctu, »on wo 2aing nad) SSenin reifen foilte, bis ?fbpfftnien »orjubringen. 3h n be-' gleiteten ber fRaturforfdjer D. DicEfon, Gap. [Robert *Peatce unb D. SRotrifon. Allein [pearce unb SRorrifon ftarben im %an. 1826; Giapperton fiarb ju ©aEEato ben 13. 2fpril 1827. — £)eutfd)e unb granjofen machten »on 21'gppten aus Guts becEungSreifen inS innere 2ffriEa, u. 2f. SRinutoti ([. b.) unb Gailtaub. Gb. [Rüppell au$ granEf. a. SR. unterfudjte 1822 — 26 2fgppten, Äthiopien, bie große £>afe im wefilidien [Rubien, baS unbeEannte 2anb Korbofan unb bieKüfie beS rotfjen SReercS. (fögt. „Beitgenoffen", 1829, 1. u. 2. $.) Ser granjofe ©aSp. SRoilicn (f. beffen „Voyage dans l’interieur de l’Afrique aux sourccs du Senegal et de la Gambia", [Paris 1820, 2 S5be., m. K.) burd)t»anberte 1818 »on ©t.=2ouiS aus 12 2.= unb 9 S3r. ©rabe unb erreichte bie nid)t weit »on einan-- ber entfernten Quellen beS ©enegat, ber Sambia unb beS [Riogranbe, unter 14 SB. 2. u. 10f 9i. S3r. in ber CRdfje »on SEimbo. ÄUein er Eonnte nicht bis ju benJQucUen beSfRiget »otbringen; aud) fehlte eS ihm an Snfirumenten, um feine Beobachtungen mit ©enauigEeit anjuftetten. 25od) f)at er, in ber 33erbin= iutng jener beiben ©tröme burd) ben [ReriEo, ben ©trommeg gejeigt, auf welchem einft bie ^janbe(SEara»anen aus bem 3nnern, aus ben Königreichen Subi unb gotttabiallon, längs bem ©enegat, bis nad) gort ©t.*2ouiS gelangen Eönnen. Gnbltch Eam 1828 ein granjofe, Gaitte, aus SEimbuctu jurücf. — Über baS füb= liefe' ÄftiEa f>at beS GngtönberS SSurdbjell 5jät)rige [Reife, »om Gap aus in baS innere, »iet 2id)t »erbreitet. 23or if)m Ratten Barrow (1797) baS Gaptanb, unb ber 2fgent ber ionbner 9RiffionSgefetIfd)aft, 3»t)n Gampbett, baffeibe bis SattaEoo, einer [Riebertaffung beS [8etfd)uanajiammeS, 900 engt. SReiten nörblid) »om Gap, bereift. Gampbett Eam auf feiner jmeiten [Reife in Ähnlicher [Richtung 1819 in SattaEoo an unb erreichte im 3(prit 1820 StbtattaEoo, baS 8000 Ginm. enttjätt. hierauf fanb er in nörbt. [Richtung »otEreicfjc ©tabte in fruchtbaren unb angebam ten ©egenben, t»o er ben ©tamm ber rottjen Kaffem Eennen (ernte, unb erreichte Kurrerdjcne (fafi 24° ©. 33r.), eine ©tabt beS 5Rarot»er=@tammeS, naf)e an bet £)fifüfte, bie 16,000 Gint». haben fott. unb S3ecd)ep erforfchten Gprene (f. b.). ©o bringt ber SRuth europaifrfw GntbecEer »on 4 ©eiten her, »om Gap, »om ©enegat, »on SEripotiJ unb aus ?(g»pten, in baS »erfddoffene S3innentanb 117 2£fri?anifcf)e ©efettftyaft »or, wo ihnen bet 2auf beS Otiger unb Simbuctu nod) tmgclofle Siathfel jeigen. StorbafriEa wirb je^t burcf) 6 grojje EntbecEungSffrafjen burchfrfinitten unb voiffens fdjaftlid) etforfeft. Allein nod) fehlt ber 3ufammenf)ang jwifdien ben 20— 25 .pnuptlinien, welche ben 2Seg bot Steifenben bezeichnen. 9)tan fcbdfct ben oon itjncn bereit« erforfd)ten 9taum in 2l'frifa auf 10,600 □©?. 2Bit fmben bai)et eift übet ben 50. Sfeil biefeS Ungeheuern geftlanbeS mehr ober minber authentifche 9tad)rict)ten. Sögt. Somntb, „Sur les decouvcrtes dans l’intericur de l’Afriq." unb ßarenaubiere’S „Essai sür les progres de la geogr. de l’inter. de PAfr." (spciriS 1826). — UEert bot bie Erbbefd)teib. bet 9torbhdlftc oon Tfftifa (SEBeimat 1824, ber 21. 25b. beS „SDottfl. $anbb. bet neueften Etbbefd)tcib."J gut bearbeU tet. Bet folg. Sl)cil umfaft ©übafriEa. 9Jtan »gl. bie trefft. ©harte oon 2tfrifn, oon $einr. 25erghauS, geft. oon $einr. SSrofe (©tuttg. 1824, bei ßotta, 4 Shit., gr. gol.), weldie bie neueften EntbecEungen bis 1824 enthält. 20. 2tfrif anifd) e ©efeltfchaft (African association) , ein Söerein oon 95 25riten, bet ben 9. Suni 1788 in fionbon feine erfte 93etfammlung hielt. 25er SwecE ifi auf bie Etforfcfung beS Snnern oon JffriEa, auf bie Eioilifation bet sjteger unb auf bie S3eforbetung'beö britifdien #anbelSintereffe in Tffrifa gerichtet. Bie ©eele biefeS 5ßeteinS war bet berühmte 25 an ES (f. b.). ßebparb unb 2ucaS waren bie erften 25riten, welche aufifoften biefer ©efellfdiaft in bas innere oon Tffrifa einbrangen; hierauf fanbte fle ju oetfddebenen Seiten unb auf oerpiebenen SBegen baf)in ab: ben dftajot c£)ougbton, CÖiungo EpatE, unb 2 Beutfd'.e: .fjornemann unb 25 u r (f b a r b t (f. b.). ©.bie 3t efultate ihrer Unternehmung gen in ben „Proceedings of the associations for promoting the discorery of Africa" (1790 fg.), bie jebod) jur Seit nod) wenig ben Erwartungen entfprodjen. 2fujjet einigen gelegentlid’.en EntbecEungen ifi: nur ber ofllicbe Sauf beS Otiger, wie ihn fdjon ^»erobot angegeben batte, beftimmt, unb bie ©egenb bis Barfur erforfd)t. SucEep’S EntbecfungSfabrt auf bem Saite 1816 Oerunglücfte. — Einen ähnlichen SwecE b«t baS 2t fr i E a n i f d) e 3 n ff i t u t (African institution) , welches ben 14. 2fpril 1807 feine erffe 23erfammlung hielt; bod) war biefeS jundchfi auf bie 2tb= flellung beS 9tegerft'laöenl)anbelS unb auf bie 25eforberung ber Eioiiifation unter ben afriEanifd)en 23olEern gerid)tet. 3n biefer 3fbffd)t will fie bie oollftänbigften 9tad)rid)ten oon ben 3fcPerbau = unb .fbanbelSoerhültniffen beS ßanbeS unb oon bem phpflfd)en, geijiigen unb politifdjen Suftanbe ber 25ewoI)tter beffelben einjiehen, 23erbinbungen mit ihnen anEnüpfcn, europdifdie ©ämereien oerbreiten, ©d)ulen anlegen u. f. w. BaS Snftitut fteht unter einem fPrafibenten, 23iceprafibenten unb 36 Birectoren, eS hat einen Eafftrer u. f. w. Bod) war bie Einnahme biefeS 93ereinS (bis 1815 nur 9850 fPf. ©t.) ju gering, um etwas 25ebeutenbeS auS= juführen. Sie hat jebod) 2ehrer in Sierra 2eone befolbet unb oorjügltch jut 2tb= fd)affung beS ©ElaoenhanbelS mitgewirEt, wie man auS ihren fadirei.ten 25etid)= ten ficht, bie jährlich im Btucf (ber 15. im 5-1821) erfet-einen. — ÜJJinbet Wohlthatig ifi bie 2ffriEanifd)e>£)anbelSgefellfd)aft (African Company), weld;e 1750 burd) eine fParlanicntSacte errid)tet würbe, ©ic forgt oorjüglid) für bie Unterhaltung unb SSerpflegung ber gorts unb 23efabungen auf ber SBeftEüfte oon 2ffrifa, ju welchem SmecEe ht baS Parlament einen jöhrl. 23eittag oon 13,000 5>f. ©t. bewilligt hat. Snbej; gibt man ben Birectoren ©d^ulb, baf fie ihre £5b= liegenheiten oernact)tafpgeri. Bie «fjanbelSunternehmungen fclbft beruhen auf be= fonbern fPrioatoereinen, bie nach jeber Unternehmung gewöhnlich fich auf.öfen. Sür biefe ifi hauptfäcflid) bet auf SBaarenumtaufd) bered nete ßanbhanbel im 3n= nern oon JEfriEa ein ©egenjtanb ber ©peculation. Baher wollen wir hier nur nod) bie wichtigen afriEanifdjen Äaraoanenflrajien bemerEen: 1) 23on SÖturjuf, ber >ß)aupt(t. in Seijan, nad)itairo, 30 Sagereifen, über bie SOZarft; unb ßagerpldhe ©iwah, Tfugita unb Semiffa. 2) 23on 9)turäuE nad) 25ornu, 50 Sagereifen, 118 Ttftet ftgctmermtott butd) bie 53üfien »on 93itma unb Sibefti. €D?arft = unb Sagetpld^e ftnb SemVffa, Sornbu unb Äanem. 3) 93on 9KurjuE nad) ÄaSfina, 60 Sage, übet .fjiatts, @a= na££ unb TfgabcS. 4) Sion geß nad) Simbuctu, 54 Sage; boef) bauert ber 3Tuf= enthalt unterwegs aufben 2agerpld$en, j. 33. 2lEEa ober Satta, bem allgemeinen ©ammelplabe, ju Segajja unb 2froan, 65 Sage; folglich braucht biefe Äara»ane jufammen 129 Sage. 5) ©ne anbre Strafe längs ber ©eeEöjte füfjrt eben ba= t)in über 9Bebinun, ßap 93ojabor unb ©ualata. 6) u. 7) Sie Äara»anen}fige »on ©ennaar unb Sarfur nad) 'jfgppten ftnben nid)£ regelmäßig, wie jene, alljdfirtid) ffatt, fonbern nur alte 2 ober 3 3af)re. — ©ne fotdje Äaraoane }df)lt500 — 2000 jfameele. ©ie mad)£ in einer ©tunbe 3 engl. teilen unb legt auf einet Sagereife fel£en mef>r als 7 — 8 ©tunben 3BegS juruef. 20. 2Cfter, bet Hintere Sfjeif. Sn Sufammenfeßungen bebeutetElfter einmal dasjenige, was nad) Seit, Srt ober Orbnung auf einanber folg£ (}. 93. 2lfterwelt, 3(fterlefien, 2Eftermictf)e); bann im uneigentltdjen ©inne SaSjenige, was ftd in SBertf), ©efyalt unb gorm ju einem anbern Singe gleicher 2lrt als fd)led)t unb uned)£ »erfjält ({. 53. 21'fterbier, fo »iel wie 9Jad)bier, (5o»ent; 2(fterEom, bie fleinen unreinen ©etreibeEornet; ‘ilftermefjl, welches nad) 93eufelung beS feinem übrig b(eib£, unb unzählige anbre Sufammenfeßungen). 3’m 93ergbau feipt 21f= ter 3llleS, was »on ben gepochten unb getragenen Erjcn übrig bleibt unb wenig ©ilber meljt fjalt, aud) ber ©cblamm, welcher »on ben Grtjfd)lied)en abgewafdien wirb; in ber SHennigbrennetei bejeidjnet man bamit bie im €Olennige beftnblidjeit 93leiEorner. — Elfterfd) lag, im gorffwefen, fyeijjt fo »iel wie 2lbfio(j. SCfterfcge 1 (Äonoib), in ber ©eometrie ein fotdjer Äorper, ber burd) bie Umbtefjung einer »on 2 unenblidjen ©djenEeln gebilbeten Erummen Sinie um ifjre 2fd)fe entjtefjt. tffterlefjen, jut. (subfeudum, arriere - fiel) , ein Sefjen, WO ber Cef)nS= fjett bie 2ef)ttSf)errlid)Eeit wieberum »on einem 2lnbetn ju 2ef)n bat, ober wo berSti« fjabet (5Jafall) fein 9htßungSred)t am fielen wieberum einem Anbern (einem 2lftet= »afallen) ju 2ef)en gereicht fiat. 3« ©nglanb ift ber dt'onig allgemeiner oberfiet 2el)nSf)err (Lord Paramount) alle? ©runbeigentfiumS; in anbern ßdnbern aber fonnte bie obetfie 2ef)nSf)crrlid)Eeit (suzerainete) aud), allobial fein, unb war ba; f)tr fowol »on ber 2anbeSfjof)eit überhaupt (souverainete) getrennt, alS aud) »on if)r, fowie »on bet oberjren Staatsgewalt in 2ef)nSfad)en, b. i. »on ber 2ef)nSf)of)eit (gefeßgebenbe, ricfjterlidje unb regierenbe ©ewalt in 93ejief)ung auf 2ef)nSfad)en) fef)r ju unterfcfyeiben. 3u einer Seit, ba man bie 2el)nS»erf)dltni|fe auf 2llleS am wanbte, würbe aud) fowol bie 2ef)nSf>errlid)feit fjduftg lernbar gemacht, als auch baS 9 f fubungStcd)t in 2ef)n gegeben. 3« Seutfdilanb waren felbft 9teicf)Slanbc »ielfdltig bdfimifdje, mainjifdje, fdd)ft'fd)e u. f. w. 2(fterlef)en. 37. 2Ega, bei benSürEen, ein 93efef)lSl)aber über einen Raufen SufwolE; aud) ein $dflid)EeitStitel. Sanitfdjaren = 5lga, ber obetfle 55efef)lS()abet ber 3nnitfd)a= ren, ber feiner Stellung wegen (als 2fnfüf)ter beS faft felbftanbigen 3«nitfd)arem corpS) faft fo »iel 2lnfef)en fiat als ber ©rojjoejtet. Qfgamcmnon, Äonig »on SJfpcene unb 2(rgoS, ber ©of)nbeS spiiflfieneS, 3teffe beS 'iltreuS unb 93ruber beS 9JfenelauS unb ber 2fnapibia. ©eine SUuttcr f)iep nad) Einigen ©ripfjple, nad) 3Enbern 2letope. Ser gewofjnlidjen Slfeimmg unb bem $omer jufolge war er ein ©ofm beS JftreuS;. wenigftenS führen bie bei= ben 93ruber beim ^omer ben 93einamen ber 2Ctriben. 93on SantaluS, bem erften 2ff>nf>ct-rn, bis auf Agamemnon unb beffen Äinbet f)erab »erfolgte ein feinblidjcä ©cf)icEfal bie ©projslinge biefeS ^ielbengefd)lcd)tS unb fturjte fte ins 93erberbett. (©. SantaluS, §)elopS, Streits unb Sfipejt.) Ü. fjatte mit feiner ©e= mafjlin Älptamneflra bie 3pf)tgenia, ©leEtra, CEf)tpfotf)emiS unb ben Stejl g t- jeugt, als ber tcojanifd)c Ärieg auSbtad), in weld)em er 2fnfufirer beS »etbuttbe= Agantppe 2Cgatfyo£le8 119 ten ®ried)enf)eereS warb unb allein 100 ©dliffe bemannte. 3» b« 33udtt AuliS in Bootien oerfammelte ftcf) baS *g)eer. fftadpbem Diana lange bie Ufbfa^rt bet glotte burd) eine SMnbffille gef)inbert patte (oergl. Sppigenia), !amen enblid) bie ©riecpen not Stroja an. SSBäprettb bet langwierigen Belagerung bet ©tabt, foroie in ben mit abwecpfelnbem ©lücf gefüllten ©efed)ten unb in bet fRatf>Soer= fammlung er.lbeint A. fietS feines SiangeS übet bie anbetn Surften nnitbig. 6r bdmpft mit ben Sapfetfien unb gibt fid> jeber ©efapr preis; in ben Berate fd)lagungen fpcicl)t et mit ©infidit unb SBttrbe unb behauptet unter allen Umftäm ben fein fdniglid)eS Anfepen. Sein Streit mit AdjitleS if! unter A cf) i 11 e S erjagt worben. AIS er nad) lOjdptiget Belagerung unb enblid) erfolgter ©innapme non Sroja gludlid) in feine $eimatp jurüdigefeptt war, fanb er bafefbjt burd) Berratt) ben Stob. Ägiftp, beS StppefteS ©opn, bem erjbei feiner Abteife bie ©rmotbung beS AtreuS oetjicpen unb ©emaplin unb Äinber anoertraut patte, überftel if>n ge= meinfd)aft(id) mit Ätptämneftra übet bet Bfapljeit unb erfd)lug fowot iljn als -bie ipm jtt Speit geworbene Stocpter beS fP'riamttS, Jfaffanbra, nebji ipren &in= bem. ©o erjaplt ^»omerj nad) Anbetn etmorbete ipn Älptdmneftra im Babe, nacpbem fie ipn in ein ttugetifcpeS -fjembe oerwicfelt patte. AIS Utfad)e beS 5Ö?ot= beS wirb oon Einigen il)t epebred)etifcpeS ©inoerftdnbnijj mit Agiftp, oon Anbrat ipre burd) bie Äaffanbra gereiste ©iferfucpt angegeben. ^ Ag a n i p p e, eine Duelle, welcpe nad) ber ©tjäplttng bet grted)ifd)enDid)= ter, ebenfowic bie ^tippofrene, auf bem ©ipfel beS $elifon oom gujitritte be§ fPegafttS entfprungen war, unb bie ©genfdjaft patte, baf, wer aus ipt tranf, jum Did)ter begeijfert würbe. (Sögt. |> e li f o n.) Agapen, f. fiiebeSmaple. Agar (Senn Antoine 9Jtid)el), ©rafoon oSburg, geb. im Deport, btt £ot, war Aboocat unb fProfeffor ju ©aporS. ©t begleitete f. 2anbSmann SKurat nocp StoScana, weld)eS er oor ber Abtretung an ben Äonig oon ©tturien organifirte, unb arbeitete bei ben Betpanblttngen ber ©onfulta in 2pon unb SRnU lanb. Blurat macpte ipn jtt feinem fPrincipalminifter im ©rofiperjogtpitm Berg, wo er ftd) bttrd) oerftdnbige Sftafregetn unter fd)Wierigen Berpdltniffen allgemeine Adnitng erwarb, unb fcpenfte ipm 1807, als er ipn mit einer feiner 9?id)ten ocr= epelidjte, bie ©raffdjaftSfTioSburg, attS b erg ifcpen Domainen beftepenb. Die preufi. Otegietung patte biefelbe anfangs feqitefirirt, räumte ipm jebod) fold)e 1816 wiebet ein. SBdprenb Bhtrat’s Sfegierung in Neapel würbe er bort Sinanpninifterunb entwarf bie oon 2)?urat octroirte Berfaffung, weld)e am ndmlid)en Stage publicirt würbe, als Bfurat aus Neapel fließen mußte. A. lebt jept in fPatiS. Agatpobdmon (grtecf).), ein guter ©cift, bem ber Äafobdmon, bofe ©eift, entgegengefetjt ift. 2Cgatpoflei einer ber flipnften 2(bentettrer beS 2fltertpumS. Die ©e= fd)id)te beffelbeit ift oorjuglid) aus Diobor oon ©icitien, B. 19 unb 20, oon Brmpftucfeh beS 21. B., unb attS Suftin B. 22 unb 23 jtt fd)dpfen. Beibe benupten oetfd)iebene Duellen unb weid)en bafer, befottberS in feiner 3ugenbge= fd)id)te, fetjr oon einanbet ab. 2f. war ber ©ofjn beS ÄarbittoS, ber, aus 9fbe= gium oertrieben, ftd).ju Sl)etmd in ©icilien aufl;ielt. SBegen eines bcbenflid)en Dtafelfprttd)S würbe er alS Äinb auSgefefst, burd) bie Bfutter aber f>eimlicf) erjo= gen. Den 7jdtjrigen Änaben nafm ber reuige Batet wieber an unb lief il)it jtt ©profitS, wo er jefjt, burd) Simoleon unter bie Burger aufgenommen, lebte, baS Stopferfjanbwerf lernen. Durd) einen oornefjmen ©prafufaner, DamaS, ben ifm feine @d)6nl)eit geneigt rnadjte, würbe er aus ber Dunfelljeit fjeroorgejogen unb halb an bie ©pife eines ^icerS gegen Agrigent geflellt. Durd) bie ©fe mit beS DamaS’S BSitwe wtttbe er einer ber reid)f!en Scannet oon ©prafttS. Unter bet ■f)errfd)aft beS ©oftflratttS mufte er nad) Starent fließen, feljrte aber nad) beffett 120 2fgatf>on 3£gawe 2ebe jurnd!, bemächtigte ftd) ber Dberherrfcgaft, bie ec burd) bie Grmorbung mef)ter taufenb »ornehmer Ginmogner befefiigte, unb eroberte ben grogten SSgeil »on ©icilien (317 ». Gf)r.). behauptete ftrf> 28 Sagte lang, bi« 289 ». Ggr. Um feine SJfacgt im Saterlanbe ju .befeftigen unb ba« SSolf ju befcgaftigen, »et= folgte er ben $)>lan bec Dionpfe, bie Gartgager au« ©icilien ju »ertreiben. 3(1« er oon ignen gefcglagen, in ©prafu« belagert mürbe, fafjte ec ben E'ügnen Gntfcglug, mit einem SEgeil be« 7)cer« nad) 3l’ftifa überjugegen. $icr fdjlug er füg 4 Sagte (bi« 307), grogtentgeil« mit ©lucf. Unruhen in ©icilien nötigten ihn, 2 fOfal ba« ^ieer ju »erlaffen; bei feiner jmetten 3(nfunft in 3(fcifa fanb er ba« 4>eer in 3(ufftanb gegen feinen ©ogn 3(rd)agatgu«. (5t beruhigte e« butcf) bie «ecf)ei-- gene Seute be« ©iegö. 3(ber gefd)lagen, bebacgte er ftd) nicht, bie eignen ©ohne ber 9?adic ber erbitterten Hrieger, biefe ohne Rührer ben gelben prei«jugeben. Die ©ohne mürben getobtet, ba« Jpeez ergab ftd) an bie Gartgager. Gr felbft beruhigte ©icilien unb feglog 306 einen geieben, ber ben »origen Sefigftanb miebergerfiellte. (5r »ermenbete barauf feine Ärdfte ju feinblichen Ginfallen in Italien, mo er bie Sruttier beftegte unb Groton plrmberte. ©eine testen Sage mürben burd) gdu«lid)e 3't>ietrad)t getrübt. Gr hatte bie 3(bftcgt, ben SSgron auf feinen legten ©ohn 3fgatf)oHe« $u »ererben. Da empörte ftd) fein Gnfel 2frcf)agathu«, tobtete ben Geben ber Hrone unb »ermochte ben CDfanon, einen Siebltng be« greifen SSprannen, biefen mit ©ift megäutdumen. Die« gefegag burd) eine geber, mit ber ftd) bet Honig nach ber SWagljeit bie Sagne reinigte, ©ein 3)funb unb halb ber ganje Hötper mürben »on gaulnig ergriffen. 93ocg halb lebenb, mürbe er auf ben Scheiterhaufen gemorfen. Gr mürbe nad) Ginigen 72, nad) 3(nbern 95 Sah re alt. ©eine Gemahlin Serena hatte er mit 2 ©ognen noch »or feinem Gnbe ttad) 2fgppten gerettet, ©ein Gibam ^Oprrbju«, Äonig »on Gpi= tu«, erbte feinen Ginflug auf bie 3fngelegengeiten ©icilien« unb Unteritalien«. 3f. befag alle Sorjuge be« gelbgertn unb ^ettfeger«. Gr mar (folg auf feine niebrige 3(bfunft. ©raufamfeit, SBolluft unb unerfattlicger Gf)tgei§ mürben bie 2Berf= jeuge ber fftemeft«, um it>n jum Seifpiel be« fchmaf)lid)en galt« ber Sprannen ju machen. 3. &gatgon, ein 3(tgenienfer, welcher ft'cg ebenfo fel)r burd) feine 2ufb unb Srauerfpiele (beren einige mir nur bem fftamen nad) fennen) unb muftfalifdjen latente al« burd) feine feinen ©itten befanntmad)te. 3(1« tcagifcher Dichter marb er einfi bei ben olpmpifchen ©pielen gefront. Gr mar ein greunb be« ©o= frate« unb Gucipibe«, unb bearbeitete juerft erbidjtete ©egenftdnbe. 3( g a ü e, eine fPflanjengattung au« bergamilie ber Siliaceen. Die mer(= mürbigfie 3(rt ift A. atnericana mit hornigen Sldttern, bie bie Gucopder 3(loe nennen, ©ie mdcgft milb im mittlern 3(meri?a unb ift im füblid)en Guropa be= reit« acclimatiftrt. ©ie ift bort bie ©telloertreterin be« norbifegen glachfe« unb 4>anf«. Der SKericaner machte ba»on Rapier unb aud) -fjemben, al« bie ©pa= nier Sfterko eroberten. Sn CWepico genügt man, nad)bem man ba« $etj au«ge= fegnitten, ihren ©aft burd) ©dgrung su einer ÜJlagenfidrfung. Sn 2 — 3 SÄo* naten entftromen einer fo beganbelten ^Pflanje 2—3000 Hubifjoll ©aft (pulgue). Die fPflanje ftirbt babureg ab, aber biefSButjeln liefern neue 3(uöfd)üffe. Den fd)arfen ©aft ber ^flange »or ihrer Slutge genügt man d)irurgifd) jut Reinigung ber Söunben. 83on ben gefponnenen unb nachhet gemebten feinen gaben bet Stattet »erfertigt man auf ben Snfetn be« fOfittelmeer« ©trumpfe, ^anbfeguge unb Sudjet (zapparas). fWait jiegt nur bie feinem gaben au« ben Stdttern unb fegüttet barüber ben ©egaum »on ungefoegtem gefabenem glei.fcge, reinigt bie gd= ben nad) 3—4 ©tunben, meiegt ft'e nun in SSaffer unb in Öl, um fte gefd)inei= biger ju maegen, mie unfece geinfpinnec im 93orben e« mit bem feinen glachfe ebenfall« ju galten pflegen. 2£genbc jfginetifcfye Äunfl unb. Äunflwerfe 121 . 2£genbc, f. Ätrcbenagenbe. 2tgent, f. ©efanbtc. 2Cgerta, f. ©getia. 2Cg e fi t a u §, ein fpartanifdjer .König 390—360 cor ©bt., ber nach feines SSrubecS 2fgiS SEobe burd) Spfanber jum Sf)ton erhoben, non biefem gefiurjt wer= ben follte, allein ben $lan entbecfte unb »ereitelte. 23on ben Soniern gegen 2fr= taperpeS ju -jpulfe gerufen, eroffnete er nad) Spfanber’S SEobe feine ru&nwolle 2auf= baf>n in äfften, fd;t«g bic Werfer, muffe ftd) aber non ba gegen Sieben.Korinth K., bic gegen ©parta fetbft ftd> nerbanben, tnenben, unb hier, als inbergolgc ein neuer Krieg mit Sieben auSbrad), gegen ^belopibaS unb ©paminonbaS, bie größten gelbfjerren ber bamatigen Seit, fdmpfen, rettete jebod) burd) finge Wlafc regeln, ohne ftd) in eine ©d)Iad)t einjulalfen, fotnol bieS SO^al als aud) nad) mef)= ten3al)ten, als 80j%iger ©reis, bic@tabt, tneld;e fd)on in ben^dnben beS ©paminonbaS tnar. ©r ffatb auf feinem lebten gelbjugc, ben er nad) 2Igppten gemacht batte, als er mit ©bten unb ®efd)enfen uberbauft, non bort jutftcffeb= tenb, an bie libpfdjen Kujlen burd) einen ©türm nerfdjlagen tnorben mar, in fci= nem 84. Sabre. 23on ©ejfalt flein unb unanfebnlid), tnar er bennod) ein erbabe* net, gerechter, in feinen ©itten tabellofer, non feinen ©olbaten beinab angebe* teter Stuft, obgleich er bisweilen bie SEugenb ber ©ered)tigfeit ba »erleugnete, wo es barauf anfam, bem ©taate ober feinen gteunben mtfjlid) jtt fein. 3lgeus>, König non 2(tbcn unb 23ater beS $El)efeuS, welchen er mit ber liftbra, beS Königs *pittbeuS »on SEröjene SEod)tet, erjeugt batte, ©r lief benfel* ben beimlid) in SEröjene erjieben, um bie ^allantiben, bie nad) feinem SEbrone flrebten, mit ber Hoffnung ju taufcben, bajj fte il)n, finberloS, einft beerben würben. Um aber feinen @ol)n bereinfl wiebet ju ernennen, netbarg er bei feiner 2(btci|e aus SEtöjcne ein Schwert unb anbre ©adjen unter ein gelfenftüd, weld)e SEbefeuS ju feiner Seit nad) 2ftben jun'tcfbtingen follte. Siefer junge $elb eilte, fobalb er feine ©eburt erfuhr, nad) 2ftl)en, unb, obgleid) anfangs nerfannt unb in fiebenSgefabr, erfanntc ihn enblid) bod) fein 23ater unb erfldrte ihn jum 9tad)* folget im 9teid)e. Sn bem SBabne, bajj SEbefeuS gegen ben SttinotauruS umgefom= men fei, flurjte 2IgeuS ftd) ins SOteer, baber aud) bet 2ftd)ipel jwifcben @ried)en= - (anb unb Elften bis an ben .fjetlcSpont ben 92amen beS dgeifd)en SJfeereS erhielt. (23ergl. SEbefeuS.) 2fggregat, in ber 9fed)nenfunft, bic Sufammenfcbung mehret SEfjeile, bic fowol poftti» als auch negatio fein fönnen. SaS 2Iggregat brüdit baber fowol bic ©ummen als aud) ben Unterfcbieb aus. Sn ber ■JJatttrmiffenfdjaft bic dußerlid)e Sufammenfe&ung eines Körpers (im ©egenfab beS StganiSmuS). — 2fggregat= juftanb, bie Sefcbaffenbeit, wie bie SEbeile eines Körpers jufammenbangen. ©S gibt 3 2Iggregatjuftdnbe: bie gejfigfeit, bie glitfftgfeit ober SEropfbarfeit unb bie Suftförmigfeit, in welche bic Körper nad) bem ©rabe ber SEcmperatur ubergeben. 2fgtncourt, (b’), f. ©ero-up b’2Igincourt. ‘Ügibe, ber ©dpilb beS Supiter, welchen Jpomer ben 2igiSerfd)ütteret nennt; er bat feinen Otamcn »on ber Siege (2Igis), weldje ben ©ott auf .Kreta fdugte, unb mitberen gell ber ©d)ilb übetjogen war; auch ber ©djilb ber2)allaS ober SKineroa; in ber 9Kitte biefeS ©d)ilbeS befattb ftd) baS .fpaupt ber SJtebufa. Sttweilen erhalt auch 9)?iner»enS SSrujtbarnifd) biefe Benennung. Sm bilblicbett ©inn beif 12(gibe fo »iel als ©d)u|. Qt3 i rt a, jeht©ngia, eine gried)ifd)e Snfel im faronifeben SO?eerbufen. ©ie machte einen eignen ©taat aus unb war butcb d)anbei reid) unb blübenb. 2lginetifd;c Kunfi unb Kunfhtterfc. ©ine ©efellfcbaft »on Ktinjtlern unb Kunjlfreunben, englifd)er unb beutfd)cr Nation (unter biefen ber 122 3Cginetifcf)e dtunji unb dtunfiwetfe fönigl. baitifd)e Ärcpiteft Bacon fallet uon ^ollerftein, auf beffen €Rfitf> bet Äconpcinj uon Bai ent bie dginetifchen Äunftwerfe faufte), ueteinigte ft cf) 1811, um unter Änberm ben SEempel bes panf)ellenifd)en Jupiter auf Ägina, welcher ju ben fcf)6nften {Ruinen gehört, bie und uon borifcher Baufunft blieben, ard)itefto= nifd) aufjunehmen. Siefe Äuggrabung belohnte ftcf) burcf) einen herrlichen gunb unfdjd^barer SSUbtiaecfc, welche einft ben 6ftlid)en unb weftfichen ©iebel jenes et= habenen Sempelg gegiert hotten. Ser je&ige Äönig uon Baiern faufte fte, ol$ jfronprinj, 1812 uon ben Gntbecfern unb fiep baS {Rosige butd) Sfjortoalbfen reftauriren. Sie fx'nb fegt in bem Äginetenfaale in ber ©Ipptotfjef ju 9Ründ)en aufgeftellt. Sebet Sfjeitbaber an bem gunbe erhielt einen ©ppgabgup uon bem felben. Baron patter (ft. 1817) uermad)te bie ifjm jufommenben ©ppgabgüffe feiner Baterfiobt Nürnberg. Siefe üöerfe ft'nb in boppeiter ^)inftd)t belefjrenb, ndmlid) in ifiter treuen {Radtafmung ber {Ratur, für bie Ättnfi, unb baburd), bop fte über eine ber bunfelften 3eitepod)en ber Äunftgefd)id)te 2id)t uerbreiten, füt bie Ä(tertf)umgfunbe. — SaS Grgebnip beS ©tubiumg biefer SBetfe ift: bafj ber dginetifche .Runftffpl einen uon ber attifdjen Äunft unabhängigen ©tifter hotte. fPaufaniag nennt und ©miltS als ben dginetifchen Sabalug unb uerffd)ert, et fei 3eitgenoffe beg Sabalug getuefen, folglid; fcfreibt er ber dginetifchen Äunft g(eid)e8 Älter unb gteidje ©elbjtanbigfeit wie ber attifdfjen ju. Sorifd) war ber Ägineten ©ptache unb ©itte, unb borifcfjen Gharafter hotte ouch if)te Bilbhauerfttnfi, bie uon ber attifdjen, urfprüngtid) ionifchen, ebenfo uerfchieben wotwie bortfefje fPoefte unb Ärd)iteftur. Ser eigentümliche Ghorafter unb baS f)auptftre6en beS dginetifdfjen. ©frjls ift bie aliertreuefie unb genauere fRod)bitbung ber fRatut, bie bis jur Saufchung, ja big ju einer Scheu erregenben {Ratürlicf)feit geht. Sie atf.ifcf)e jfunft war eine Soditer ber dgpptifcfjen, unb baä g ei füge Streben nad) bem Sbealen ift in beiben bemerfbar. Um beutlicfe Begriffe ber uralten Äuttft ju gewinnen, muffen wir ben dgpptifchen, aftottifdjen, äginetifd)en unb htttu= rifchen ©tpl unterfcheiben. cfnute unb SRagerfeit ift jebem .Kunftanfang eigen, aber im Übrigen weichen fte uon einanber ab, obgleich fpdter eine SRucfwitfung jwifchen ihnen ftattftnbet. Grfd)ien bisher bie -fjerrlichfeit ber Äunft in {Phibicrö faft wie ein SButtber, fo begreift man jeft, wie bie ber {Ratur nad)eifetnbe, enblich gleid)fam gut {Ratur felbft geworbene dginetifche Äunfi ber altattifdjen ben 2Seg jeigte, uom Äbftracten jum Sebenbigen, uom ©pftematifchen jurn {Ratim liefen ju gelangen, unb fo ift in ihr bag langft uermipte SRittelglieb jwifchen bem alten ftrengen unb bem fd)6nen ©tt)l gefunben. ©eit ben Schöpfungen beS {pi)n biaS oerfd)Wittbet auch bie ©pur ber eigentlid)en dginetifchen Äunff. Sie fRad)- ahmung ber {Ratur erfcheint nur fo lange als foldje, als fte nicht felbft jur {Ratio, b. h- jum felbftdnbigen Äönnen, mithin jurÄunft im höchften Sinne geworben ift, ba man beibe nicht mehr unterfd)eibet; fo gab eg fpdter nur Gine uollfommene dhtnfl, bie ftcf) über ganj @ried)en(anb oerbreitete, unb dginetifd) würbe ber {Rarne für altertümliche Bilbwerfe. Ser Äginete Srnilig war ber Botet unb ©tifter dginetifd)er Äitnft; nod) ihm ift Äatton, ber jwifchen ber 60. unb 70. Slpmptabe (540— 500 u. Ghr.) lebte, ber dltefic dginetifte Äünftter. ©egen bie 3eit bcS ^>hibiaS lebten nod) folgettbe berühmte dginetifche Äünftler: Änofogo= rag, uon beffen dpanb ber Supiter war, ber auf gemeinfd)oftlid)e Äoftett aller ©rie= d)en, biebeiBtotda (379 u. Ght.) ftegreid) geftritten hotten, in Slpmpio oufge= ftellt würbe; Simon, Berfertiger ber fOBeihgefchenfe eineg gewiffen ^)h 0l 'mid 5« Slpmpio, ber unter ©elon unb efneron in ©profug glückliche Shoten uollbradjte; GJlouciog unbSnatog, bie in ber 78. Slpmpiobe im uollften {Ruhme blühten. Ser neuetlicffgefuttbenen, in 9Ründ)en aufgeftellten dginetifchen giguren ft'nb 17. 9Ron fonn fte in 4 Gloffen obtheilen: 1) ©onj gerabeftehenbe, gebleibete, wetb* liehe; 2) uorfcfjreitettbe ober fdmpfenbe Kriegen; 3) fnienbe ober Bogenfchü|ctt; 123 ftgmeftfcfye Äunft unb Äunfhmfc 4) liegenbe ober »erwunbete. Sie größte biefer giguren ift bie 3Kinet»a; fte ift «in wenig über SebenSgroßc, bic anbem alle finb unter biefem 3ftaß. 3Benn man ben Stpt biefer Kunftwerfe betrachtet, fo t)errfd)t in allen Steilen ber Körper, bie Äopfe ausgenommen, jene fdjon erwähnte treue Nachahmung ber Natur bis auf alte Bufälligfeiten ber <£aut, ohne bie geringfte ©pur »om Sbealen; bod)iftbie Nachahmung nicht mager ober wiffenfdjaftSloS, fonbern es ift wof)löerfianbene Nacfbtlbung fdioner Natur mit »ollfommenfter Kenntniß ber Knod)en unb tNuS* fein, fobaß man ftd) wegen biefer bis jur Sdufdiung gebenben Natürlicfifeit faft fdjeut, fte anjufüfjten. Sn -Sinfidit auf baS Serf)of>e gezogen. Sie Nafen ftnb etwas fleinlid), bie Sb* ren mit bem hod)ften gleiß auSgefüfjrt. SaS Kinn ift frarE unb »oll unb meiff etwas ju groß. Sie feljen fid) alle dhntid), ohne ben geringften 3fuSbtucE »on Seibenfd)aft ju haben; jwifdjen Siegern unb Seftegten, ©Ottern unb 9Jtenfd)en Ift nid)t ber minbefte Unterfdiieb. Sie Staate ftnb ganj conoentionell unb jierlicf) fteif. Sie 2(rme ftnb etwas furj, bie -ftanbe tdufd)enb wal)r, fein Ufnfah ber Nä* gel, feine Nunjet ber haut ift »etgeffen. Sie Seine ftnb wof)lgeffaltet, bie Kniee meifterf)aft, bie güße jierlid), bie etwas langen 3cl)en laufen ganj parallel. Sie ©ewdnber ftnb ebenfo conoentionell wie bie dpaare, fetjr eng anliegenb, mit fünft* lief) gepreßten galten. So fteif fte in ihrer Einlage finb, fo gefcfjmacfüolX ftnb ffe 'befjanbelt unb mit unglaublichem gleiß auSgefüf)tt. Sie giguren fcheinen alle ju ©iner Seit, aber nid)t non ©inet Jpanb verfertigt. fNan ftnbet bei feiner irgenb eine Stüße, unb fte ftnb non allen Seiten gleich ausgearbeitet. Urfprünglid) belief ftd) bie j}abl ber giguren gewiß auf 30. Sie waren in ben beiben Sempelgiebeln fpmmetrifd) aufgefiellt; bie Ntineroa ftanb in ber Ntitte, bie ffefjenbert Krieget ihr jundchfi, bann bie Sogenfd)ügen, unb bie liegenben gan$ am ©nbe. Ser Stempel würbe nicht gefliffentlid) jerftört, fonbern wafjrfcheinlid) burdf) ein ©rbbe* ben eingefiürjt. Sa ‘ÜafuS biefen Stempel bem Jupiter aller ©riedten erbaute, fo ift eS wahrfcheinlich, baß bie ©ebilbe @efed)te ber jfaciben unter Ntineröa’S Schuh barfiellten. Sie beiben .Kampfe, in benen ftd) bie 2faciben rühmlich ft attSjeichne* ten, waren ber trojanifche Krieg unb baS Seetreffen bei Salamis; bei biefem leg* tern holte man bie Silber bet homerifefen 2idciben, beS 3fjap unb Selamon, als übetirbifchen Seijtanb. Nad) einer anbetn Meinung ftellte bie ©tuppe beS öftti* djen ©iebelfelbeS ben Kampf um ben Körper beS trojanifchen Königs Saomebon, unb in bem weftlidjen ben Kampf um ben Körper beS fPatrofluS bar. Sie giguren fal* len wahrfd)einlid) in ben Beitraum jwifefen ber 60. unb 80 Slpmpiabe. sphtbar nennt 2fgina „ber jideiben wohlbefeffigten Sih", wahrfd)ein(id) biefe Silber bar* unter »erftehenb, benn feiner »on 2CafuS’S Söhnen blieb im Sanbe. Ser Ntarmor, aus welchem fte gebilbet finb, ift ber »on fParoS, ben man ©reedjetto ju nennen pflegt. Sie an ben giguren noch h' e unb ba bemerfbaren garben finb Binnobcrroth unb himmelblau. ?fn bem Stempel waren alle Neuerungen unb Saubwerfe, bie man fonft ausjuhauen pflegt, gemalt. Sie Settiefungen ber ©iebcl, worin biefe giguren ftanben, waren himmelblau, bie Bolle roth, baS Saubwetf grün unb gelblich i un b felbft bie marmornen Sachjiegel mit einer 2frt »on Slunte bemalt. STOan fann bie gatbengebung feineSwegS eine barbartfdje Sitte nennen, wir ftnben fie felbft an bem Parthenon. SBincfelmann war ber ©tfie, ber aus ben 9tad',rid)* ten beS fPaufaniaS auf baS Safein einer uralten Kunftfcfjule in 2fgina fd)loß. I 124 2 fgto 2 Tgtaxa ©. „SSBagner’d Verid)tüber bie aginetifdjen Vitbwerfe, hctaudgcg. unb mit funfrge= fd)id)tl. 2fnmerf. begleitet öon ©d)elling" (1S17). Späterhin unternahm Ä.Qtfr. €92ütier in feinem cbenfo gelehrten ald geiftreidjen „Aeginacticorum Iibro" (2eipj 1820) if)t Verf)ältniß ju ben übrigen nod) erhaltenen Senfmäletn feftjuff eilen; Sfuerfd), ihre mptl)ologifd)e Vebeutuitg ju ermitteln, ©egen bie (SharafteriftiE ei= ned eignen dginetifcfjen Äunftfipld, ben man non biefen SJtarmorn abfehen wollte, erhob ftdh aber.fpeinr. 9)leper (in ©othe’ö „Äunftunb2([tertl)um", 3 S3b., 1. -peft), ber ftch mit bem ©ebattfen einer 2lfcfiammung ber gried). fPlaftiEoon bet ägpptifdjen ebenfo wenig einoerftanben erflärte, ald biefe Vehauptung früher SSBincfelmann jufngte. He. 2fgto. A) 2(ufgelb auf eine SJlünje gegen eineanbre. Sie $öf)e biefed 2fufgelbed beftimmt bie ßoncurrenj, nad) welcher eine SOZunje mehr ober Weniger gefud)t wirb, ©o weit ift bad ©efchäft unfcf)ulbig unb hört auf, ed ju fein, wenn Gtinjelne ober ©efellfchaften burd) SRittet, weld)e bie ©efefce ober *£>anbeld= ufancen mißbilligen, nid)t bloß ben öon jfnbern l)etbeigefuf)rten fPreid einer SffZünje, burd) bad SSetfdjaffen, 2Begfd)tagen ober 2fnhäufen berfelben ju intern Vorteil benu|en, fonbern aud) auf unerlaubtem 3öege, g. 523. burd) 2fudftreuung falfcfcr 9fad)rid)ten. — B) Sad 2fufgelb, weldjed halb bie SJtünje gegen 2Bed)fel übet biefe Vtünje auf einem fremben -£anbeldpiahe, ober umgefefjrt ber 3Bcd)fel gegen bie SDlünje hat. — C) Sad 2fufgelb bed Vanfgelbed gegen bad umlaufenbe ge= münäte ©clb, unb umgefehtt. — D) Vorfdjußjind auf ben franjöfifdjen >£)anbetd= pld^en, ber nach bem Überfluß ober Mangel ber SKünje auf einem *Pla§e ftd) mobifteirt. Agiotage, bad ©ewetbe gewiffer fPerfonen, welche auf eine betS?egie- rung ober ben gewöfjnlidjen Sperationen bed ^artbeldfianbeS entgegenwirfenbe 2 frt, aud bem fdjnetlen ©teigen unb galten ber ©taatdeffecten unb Gtommerjpapiere if)= ren Rügen 5 U siegen unb Veibed ihrer ßonoenienj gemäß ju bewirken fuegen. ©e= meiniglicl) nehmen an biefem ©efegäfte feine fgnbioibuen öffentlich Sgeil, bie S- £5- ald anerfannte VWfler ober $änbler mit folchen Sffecten wot öon ihrer Vtügwal: tung leben, aber aud) igr ©ewerbc ehrenhaft nugen wollen. djetmlid) ift ed frei= lid) nicht feiten, baß folege ©efegäfte oon Scannern im größten Umfange betrieben werben, welche jwar ihr ©elb, aber nid)t ihren Rauten baju hergeben. StBütget bied Übet auf einem $anbeldptage ober in einem Sanbe, fo haben immer gewiffe brüefenbe Verlegenheiten bed ^anbeldffanbed ober ber Regierungen fotche ju frü= hem gehlfdjrittcn in ihren ginanjoperationen, welche ihren CErebit öerlegten, öer-- leitet. dpören bie gebad)t«t Verlegenheiten auf, fo öerfegwinbet aud) bie geimlidje ober öffentlidjc Agiotage (bad 5Sucgern mit unb auf Grffecten, benen mehr ober weniger ber öffentlid)e-©laube ber Vörfen nicht mehr traut), ©egt fid) bie S3e= nugttng fretnber Verlegenheit in eine ju birecte Qppofition mit allgemeinen 3ntet= effen bed $anbeldftanbed, ber Oiegierung unb bed fPublicumd in feinem ©taate, fo wirb jene Venugung ein greoel wiber bie ERoralität feined ©tanbed unb wiber bie Vürgerpflidit, welche in anbeut fPeriobett ganj unfdjulbig erfcheint. 2f g io t ir er bejeidjnet einen SRann, beffen ©rwerbdart unter ben ^anbeld= herten unb VJaflern :c. eines tpiaged ftd) gewiffetmaßen im Verruf beftnbet. Vidmeilcn beflraft bie ^olijei bie Umtriebe folchet Vlanner jur S5ereid)erung, bidmeüen überläßt ftc fotche bloß ber 2fd)tung ber öffentlichen Vfeinung. ©ollte aber ein fotdjed Snbiuibuum bamit ein beträd)tlid)ed Vermögen erworben ha ; ben, fo pflegt bie errungene donfolibation einer ftd)ern VSohthabenheit atlmälig bie Quellen, woraud fte entftanben ift, in Vergeffenheit ju bringen. Sd tritt bie 2fd)tung für ben 3reid)tf)um an bie ©teile ber ßenfut, wie er erworben worben. 2tgifH)Ud, f. Agamemnon. Tfglaia, nach *^eftob eine öon ben 3©rasien, bed 3eud unb berßittpj 2fgfar 2Ccjneft 125 nome Sod)ter, nach 2(nbern aber ber ©rajien ober Charitinnen Stuftet unb SS«I= can’S Vermählte. (©• ©rajien.) 2Fglar, f. 5fquiteja. 2Fgnano, ein ©ee, weftlid) von Neapel, in beffen 9täf)e bie beFannte Eunb«grotte, au« beren warmem ffioben crfticFcnbe ©cfwefelbämpfe auffter^en, unb bie ©chwifcbäber be« heiligen Sanuariu«, beilfam gegen ©pphüi«, ©id)t, ^Jobagra k . , befonber« merfwütbig ft'nb. -Öerr v. ©imbernat vermehrte ben alten Sftuf biefer Väber, welche er anbet« einridjtete, butd) neue ©ntbecFungen, bie bie gefcbwäcf)te ©leFtricität ber ÄranFen roieberberfteilen. 2(gnaten, Verwanbte burch 2Fbftammung in ber männlichen Sinie von einem gemeinfchaftlicben Stammvater (©djwertmagen), im ©egenfab ber ©og = naten (f. b.) (ober ©pillmagen). Verfügungen über lernbare gamiliengütcr bc= bürfen beb ßonfenfe« ber 2el)n«vettern (tFgnaten). 2Fgne«, (heit-)/ 2£gnefen = 5Rollen. ©ine ^eilige au« ben Sagen ber (hriftenvetfolgung be« Äaifer« Diocletian vermehrte unter biefem Samen ba« tömifdje Startprologium, beren geft ber 29. Sanuar feiert. Domenidjino malte ihr ibealifdje« S3ilb im 2FugenblicFe ihrer Einrichtung. — Sie VühnenFritiFer fprecfen von 2(gnefen=, b. h- ©än«d)enrollen. Da« italienifdje Sfeater in 'Pari« gefiel fid) juerft, folcfe naive, babei aber weltunerfahrene, wo nicht gar von Sa= tut etwa« einfältige Stäbchenrollen ju geben, gür ba« beutfdjc Sheater fcfttf Äofsebue afjnlidje unbefangene Saivheit in feiner ©urli. ©ie ift nachher in fpä= tern SheaterfKufen nidjt immer glücFlidf copirt bargefellt worben. 2fgne« ©orel, bie ©eliebte Äonig Äarl« VN. von granFreich, war ge» gen 1409 au« einem abeligen ©efchledjte geboren unb hotte bie von ber Satur empfangenen ©aben fo votlFommen au«gebilbet, baji fie nid)t nur wegen ihrer För= petlkhen Oteijc, fonbern auch wegen ihrer geiftigen Vilbung ju ben au«gejeidmct= ften grauen ihrer Beit gehörte. 30« ©fwenbame ber Eerjogin von 20tjou, Sfa; belle von Sothtingen, Farn fie mit biefer gürftin 1431 an beft franjöftfchen E°f- Sh« ©djönheit tifj ben jungen Äonig hin; um fie an feinen Eofjtt feffeln, er= nannte er fie jut ©frenbame ber Königin. 2F. ergab ft'ch nach einigem 2öiber= ftanbe ber leibenfchaftlicfjen Siebe be« Äonig«. Die ©nglänber hatten bamal« bie Eälfte von gtanFreicf) inne, unb ber von Satur tapfere Äarl VII. verfanF unter bet Saft feiner SBiberwärtigFeiten in UnthätigFeit. 21. ©orel allein vermochte ihn au« feiner ©chlaffucht ju weefen unb ihm fühlbar ju madjen, wa« er ft cf unb feinem VolFe fdjulbtg fei. Die glüd?(id)en ©rfolge be« Äonig« vermehrten bie Sei= gung für feine ©eliebte, weld)e jebodf) nie bavon Stipbraudf mad;te unb 1442 ft'ch nach Sodje« juriicFjog, wo Äarl ihr ein @d)lof hatte bauen (affen. 2fujierbem fd)enFte er ihr bie ©raffdjaft $entl)ievre in Bretagne, bie ^errfchaften 9?od)e= Serviere unb Sffoubttn in S5etrp unb ba« ©dilof 23eautc an ben Ufern bet Starne, baher fie ben Samen Dame be Veaute annahtn. gftnf Sah« hatte fie hier gelebt, ftet« in genauer Verbinbung mit bem Äönig, ber fie mehrmal« befudfe, al« bie Äönigin 1449 fie wieber an ben Eof einlub. 21. erfchien, begab fiel) in ber golge, um bem Äönige näher ju fein, nach bem ©chloffe Sta«naila = Veile, unb färb bafelbft 1450 fo plöfslid), baf bet Verbacht einer Vergiftung nid)t un= gegrünbet fd)ien. ©ie warb in ber G>ollegiatFird)e von Sod)e« begraben, wo man noch 1792 ihr ©rabmal fah- ©io h'aterlief bemr SSater aber Eonnte nicht umhin, bie ©dge, welche fie »on 3eit ju Seit öertf)eibigt hatte, heeauöjugeben. ©te füllen einen £Uiartbanb. S3on jegt jog bie 9RathematiE fie fo an, baß fie nüht allein über bie Äegelfchnitte eine 2lbhaublung auffegte, welche Siejenigen nid)t genug rühmen Eonnen, bie fie in ber djanbfd)rift gelefen, fonbern fie gab aud) in ihrem 30. 3- 2fnfang«grünbe ber 2lnalpft« h cr au« , welche man al« bie beffe Einleitung ju Euler’« SöetEen be-- trachtet hat, unb bie 1801 »on Eolfon, ^)rof. in Eambtibge, in« Engl, überf. Worben. Siefe« SSSerE öeefefjaffte ihr einen fo gegrünbeten Stuf, bag fie in ihrem 32. S- jum orbentl. fProfeffor ber 9Ratf)ematiE bei ber Unioerf. ju Sotogna er= nannt würbe.. Snbeg fdjeint fie burch ihr tiefe« ©tubium ber SRathematiE ihre heitere £eben«anficht eingebügt ju haben. @ie entfagte allem Umgänge, begab ftch in ben flrengen Srben ber blauen Tonnen unb (färb in ihrem 81. 3- (1799). Shr „Elogio" oom fPatec grift (9Rail. 1799) hat SSoularb in« granjof. überf. 3hre ©dpuefter, SRatia SEhevefia, fegte mehre Eantaten unb bie 3£>petn „Sofonisbe", „Ciro in Arinenia" unb „Nitocri" mit S5 ei fall in SRuftf. 2f gn itio n, 1) in Siecht«angelegenheiten 2fnerEennung eine« Serhdltniffe«, einer ©d)ulb tc.; für bie DfnerEennung einet ©cfjrift, ©ad)e, fPerfon al« 3nbi= »ib.uurn, braud)t man ba« 5Bort fRecognition (f. b.); 2) im ©chaufpieie EtEennung«= ober EntbecEung«fcene, Auftritt, in weldjem bie hanbelnben s ))er= fonen »on ben ihnen bi« baf)in »erborgenen Umjfdnben, welche ihr ©lücE ober Un= glücE bejfimmen, Äenntniß erlangen. Sie 'lfguition ift nad; 3friffotele« in ber SEragobie ein fo wichtiger SEheil, baß bie fPoctiE beffelben ein eigne« Eapitel (XVI. nad) Hermann’« 2fbtheilung) enthalt, welche« »on ben »erfd)iebenen fJRitteln han= beit, fie herbeijuführett. ©ie ift jebodj nicht unbebingt nothwenbig. (Jlriftotete« nennt bie gabel einer SEragobie einfach, wenn bie föerdnberung be« ©lücEgjuffanbe« ohne unerwarteten Sufall unb ohne 'lfgnition erfolgt; »erwebt aber, wenn fte burd; Ein« »on SSeiben ober burch Seibe« jugleid) bewirbt wirb.) Sie SSBitEung. biefe« tragifd)en $ebel8 beruht auf ber Überrafd)tmg, boch nicht fowol auf einer Übemu fd)ung be« 3ufd)auet« al« »ielmeht auf bem 'Kntheil, weld;en er »ermoge be« SSRitgefühl« an bem Suftanbe ber überragten fPerfonen be« ©tücE« nimmt. Sie= fer 2(ntheil minbert ftch ober »erfchwinbet, wenn er felbfl in ben äufianb eine« ganj mworbereitet Überrafcf)ten »erfegt wirb; unb eine foldje Sehanblung ber 5lgnition macht fte baljer in ben meiflen galten jum falfdjen Sheatercoup. Dfgnoeten, f. SRottophpfiten. 2tgnu« Set (ba« 2atnm ©otte«), 1) ein ©ebet ber romifchen ßiturgie, ba« mit ben SSorten Agnus Dci anfangt, gemeiniglich »or ber Eommunion gefutt= gen wirb unb nach be« Zapfte« ©ergiu« 1. SSerorbnung 688 ben 58efd)lug ber SReffe machte; 2) ein tunbe« @tü4 SBaci)«, worauf bie gigur be« heiligen 2am- me« mit ber ©iege«faf)nc ober attdj ©t.=3ohanne« mit ber Sahrjahl unb bem fRa- men be« fPapfte« gebrucEt ift. Ser ^)apfi weiht unb »erfefettft bereit eine große SRenge. Urfprüngltd) »erteilte man in ben Äirdjen 9?om« ben 9Jeft bet am Sfter= abenb geweihten Sfferferjeit itt Keinen ©fücEen unter ba« SSolE, weldie« biefelben 127 2Cgon 3fgricota (9?ubotf) ju #aufe ald ein Mittel miber alle 2trten oon UnglücE anjunbete. Sa jeboeb bie 3al)t ber Bewerber ju grop warb, um fie alle beliebigen ju formen, fo oerfiel man auf bad obige 2tudfunftdmittet. — 2f g n u d S e i fyeipt auch badjenige ©tucE einet mufiE'alifcben SSÄeffe, welcbed in römifd)=fatbolifd)en Kirchen bei bec 2(bminipra- tion bec $oflie aufgefü£)tt mich. 2t g o n, jebet .Kampf, worin ©net bem 2tnbern ed juoorjutbun fuefit; baijet 2f g o n i e, bet S o b e d f a m p f (f. b.). SSefonberd würben 2tgoned bie Kampffpiele bet ©tiefen genannt, weld)e man bei gewiffengeietlidjEeiten im klingen, Kämpfen, in bet Sftuftf, in bet Sid)tf unft, SanjEunft k. weranffaltete, unb wobei Äampfrid); ter, 2tgonard)en genannt, auf ©efeßeunb $etf ommen batten, oorfattenbe $wi= fiigEeiten fd)lid)ten unb ben ^reid juerfemten mupten. Sie berühmteren biefet Äarapffpiele waten bie otpmpifdfien, pptf)ifd)en, nemaifdjen unb ijl^mifcfjen. 2tgvarifcbe ©efe^e. Sie römifdje Diepublif befap buccb if>rc ©obe; tungen übet it>re 92ad)barn gtope ©taatdlanbereien, weldje unter bie Sutgec jut S5enu(jtmg auSgettjeitt werben fottten, aber faji nur in bie dpdnbe bet 93orneb= men unb Steicben Eamen, unb ein bittet mef)r würben if)te ^)errfd)aft $u be= baupten. 2tKe ©taatdreformen waren baber notbwenbig mit SSorfcbtdgen oet= bunben, eine gleidjere unb gefeljmafigere SSertbeitung bet ©taatdlanbereien ju oeranffalten, wad aber allemal ben heftigjfen SSiberftanb bet berrfdjenben 2trifio= Ecatie erregte unb j. 33. beiben © t a ccb e n (f. b.) bad Beben Eoftcte. 2tgrefl, ber ©aft unreifer Stauben, ber in ber Kud)e gebraucht wirb. SWan bereitet einen Eübtenben ©prup baraud, ber ebemald and) in beigen .Kranf; beiten für febc oortbeilbaft gehalten warb, jefjt aber aud bem ©ebraudje geEom= men ijt. Zuweilen nennt man aud; ben mit Buchet oerfupten ©aft 2t g r e fr. 2t g ri co t a (ßnejud Suliud), geb. 37n. ©)r.,.t6mifcbet Ctonful unter b. Äaifet SSefpaftan unb ©tattbalter in S3citannien, bad er um 70 n. ©)t\ ganj unter römi= fcbe-^)errfd)aft brachte, audgejeidjnet atd ©taatdmann unb Selbberr. ©ein Beben ton Sacitud, feinem ©bam, bad 3Bujler e. 33iogtapbie, bot SEBald) m.b. Überf., m. 2fnm. u. 2tbbanb(. beraudgeg. Stettin 1828,, 2tgricota (®eotg), eigentlich Sauer, geb.}u©laud)au 1490, (Miete, nadjbem er fchon 1518 — 22 SRector ju SwicEau gewefen, ju Beipjig unb in Sta= lien bie SJfebicin, wibmete fleh aber feit 1531 mit befonbeter SSorliebe ber 33erg= bauEunbe, feit 1555 ju ©)emni(5 ald ©tabtpbpflfud unb SSürgermeijfer. ©eine ©chriftcn über bie Sßincralogie unb ben33ergbait („De re nietallica lib. XII.", SSafcl 1561, Sol.; „Opp." baf. 1546 — 58, 293be., Sol.) bat2(bclung ocrjeid)net unb Scbmann beutfeb geliefert (Sreiberg 1806 — 13/ 4 83be.). ©ein SEBerf „De mensuris et ponderibus Romanoruin atque Graecorum lib. V." ift oft gebcucEt worben (am bejten Safel 1550, Sol., SBeneb. 1645, unb SBittenb. 1714). Über; troffen oon fo Manchem, ,ber itjn freilich fpater überfab, mup man nidjt oergeffen, bap er ber erfte bcnEenbe beutfehe 33ergwerfdfunbige war, bet aber fidf> fo wenig oon ben fßorurtbcilcn feiner Beit frei halten Eonnte, bap er an bie feinblicbe ©nwirfung ber ©nomen unter ber ©be nod) ju glauben beEannte. Siefer dperfteller einer praE= tifeben 2öiffenfd)aft war nicht oon ber Epcapid jur Sbeorie, fonbern oon ber Sbeorie juc gravid mit ©lucE übetgegangen. 2tgvicola (SRubolf), eigentlich ^audmann, geb. 1442 in einem frie; fifd)en Sorfe, gejt. ald tprofeffor ber gried). unb latein. ©pradje ju ^»eibelberg 1485, gehört ju ben crflen SScförbecern ber clafftfdjen ©tubien in Seutfd)lanb. 6r jfubirte ju Sowen, ging, unterfingt oon reid)en unb mdd)tigcn Steunben, nach ^ fl rid unb Italien, unb würbe in Seocata unb anbern ©tdbtcn ein ©d)ülerbed ©eorg o. Srapejunt, Sbeobor ©aja, Sronj ^)t)UetpE)uS unb Saucentiud SSalla. 3n fein Söaterlanb jutucEgefebtt, würbe er ©pnbicud in ©röningen unb ald folcher an ben Änifer SWapimilinn I. gefanbt. Ser 9tuf feiner ©elebrfamEeit jog ihm 128 2fgrtcola (3>of;ann) SCgttonia mehre Anträge jur Übernahme öffentlicher Sehramter ju. 2(6 er er fd;ien eine 2(6= neigung bagegen ju haben, unb erft in ben legten fahren feineg Sebeng bewog i[)n fein gteunb unb ©önner, ber Sifd;of oonliBormg, Salberg, eine 9)rofeffur in .fjetbelberg anjunehmen unb abwechfelnb bort unb in SBorrng über bie alten Etaffi= fer Vorträge ju hatten. Äurj »or feinem Sobe trieb ihn bie ©el;nfud;t nad) 5ta= lien, ber ^eimati) ber SBiffenfchaften, jurücf, unb er jfarb halb nach feiner-jpeim= fehr, innertid) unb aujicrlid; entkräftet, ©eine SBetfe in latein. @prad;e, phi f °- fopf)ifd;en unb pf;ilologifd;en 3nf;altg, erfdiienen Äoln 1539, 2 23be., 4. i'gttcola (Johann), eigentlid) ©dritter, ber ©ofjn eines ©djneiberS ju Eigleben, geb. 1492, oon feiner Saterflabt aud) ber €D2agiffer oon Eigleben (Magister Isleb.) unb fgohann ©Sieben genannt, gehört ju ben tl;atigflen unb um bie Einführung ber neuen lutl;erifd;en 2el;re unb Äird)e oerbientefien S£E>eoio= gen. Er flubirte ju SSSittenberg unb Seipjig, würbe nad;f;er 9?ector unb ^rebiger in feiner Saterflabt, bann (ptebiget ju granffurt a. TI. unb befleibete 1526 auf bem* 9feid;gtage ju ©peier bie ©telie eines -ßofptebigetg beg Äurfürften 3fol;ann non ©achfen. 3n ber golge würbe er ijofptebiget beS ©tafen 20btcd;t non 9Äattg= felb unb nahm 3d;eil nn ber Übergabe ber 2fuggburgifd;en Eonfeffton unb ber Um terjeichnung ber ©d;matfalbifd;en 2(rtife(. 2(lg fPtofeffor in äßittenberg, wohin er 1537 ging, erregte er gegen 2utt)er unb SOfelanchrijon ben antinomifüfeben ©treit. (©. 2fntinomiömu8.) Sie baraug entffanbenenRaubet trieben X nach Serlin, wo er, ftcf> in bie Soitumftanbe fugettb, einen SBiberruf fchtieb. hierauf würbe er non bem Äurfürften oon Sranbenburg jurn .fpofprebiger unb ©eneratfuperintenbenten ernannt unb fiarb ju Serlin 1566, nachbem er fid; burd) feinen 2(ntheil an ber 2(bfaffung beb berüd)tigten Interim neue Streitigkeiten ju-- gejogen hatte. SBir übergehen 2f.’g thcoIogifd;e ©d;riften unb nennen ihn hiet alb ben SBcrfaffcr eineb echten unb ewigen Oiationatwerfg: „Sie gemeinen beut; fegen ©prüchworter mit ihrer 2fubiegung" (nieberbcutfd?, Sftagbeburg 1528). Sab hoci)beutfd)e Srigittal erfd;ien ein 3faf)r fpater (Ungenau 1529, 2 Sh-). 9teueffe unb ooltftanbigffe, aber etwab oetanberte 2(uggabe SBittenb. 1592. fPatrio-- tifdjer ©inn, früftige SfJforai unb eine fernhafte Sprache weifen biefem Suche eine ber erften ©teilen unter ben beutfegen fProfawetfen feiner .Seit, neben Sutger’g Sibelüberfegung, an. «i. 2( g v t c u 11 u r rf; e m i ?, ber Inbegriff alter ber Sehren unb Erfahrungen ber Ehemie, aub welchen wir bie beim 2(cferbau oorfommenben ©egenftanbe, namenb lieh bie Erjeugniffe beb 2(cfetbaueg unb bie oerfd;iebenen 2(rten beb Sobeng nad; il;= ren Seffanbtgeilen, ihrer SJtifdumg unb ben Seränberungen ihrer SPateric kennen lernen. Sie Elemente biefer für ben Sanbwirtg unentbehrlichen 5Siffenfd;aft hat juerfi ber Englanber Saop jufammengeftcltt, ohne ihnen jebod; eine fpfiematifdje gönn ju geben, ©ie hanbelt: 1) oon ben allgemeinen Äraften bet Materien, welche auf bie Vegetation Einfluß haben, oon ber @d;were, ber Eogaffon, ber ege-- mifd;en Serwanbtfd;aft, ber SSätme, bem£id;t, ber Eleftricitat, ben wagbaren ©ubfianjen, beit Elementen ber Vfaterie, oornehmlich benen, bie in ben Segetabilien angetroffen werben, unb ben ©efegen ihrer Setbinbung unb 2fnorbmtng; 2) oon ber Srganifation ber fPflanjen, ihrem Sau, ber d;emifd;en Sufammenfegung bet fPflanjenorgane unb ben ©ubffanjen, bie in felbigen angetroffen werben tc.; 3) oom Sobeit; 4) oon ber fftatur, oon ben Süngerarten. (Sgl. E h e m i e.) 2fgriculturfvüetn, f. ^hbf'ßfratifched ©pffem. Tfgrionia, ein griech. geff, bag ju Ehren beg Sacd;ug beg 9?ad;tggc ; feiert würbe. Sie oerfammetten grauen fegten ooraug, Sacchug fei entflohen; fte fuchten ihn auf; beg ©ud;eng mübe fagten fie, er habe fid; ju ben SJhtfen bi- geben unb unter biefen oerffeeft (bie Sfohheit, uyyiov, oerliere ftdf) burch Äunß» liebe). 2fuf biefe geier folgte ein ©afrmabl, an beffen ©cf)luffe man frd) gewoh« 5 Jfgttppa (SÖlarc. 3?ipfaniu$) Ägypten 129 tid) SJdthfel aufgab; bafjcr Tfgrioniett, eine (Sammlung non Sldthfeln, ßf)a= taben, Sogogtpphen tc. 2(amffn), ein furd)tbarer ©ubwinb, ber in ber Sieget wätjrenb ber erften 50 Sage ber gfufj» lingdnad)tgteid)e wet)t, bie *Peft unb fyäuftge Slinbfjeit ftnb lilgpptend eigentbutm lid}e Sualen. Sad 2anb t>at nur 2 Sfabredgeiten; ein immer heiterer dpimmel ‘ unb beiße Sage bejeidjnen ben ©ommet nom 2Cprtf bid fttobember; f utile et» quiefenbe 9lad)te gewahrt ber 2eng. — 25er größte Sfjeit bed fianbed ift burr, mit brennenbem ©anbe bebeeft; nur ba, wo bed9titd fegnenbe Sluten, bie in nieten ©analen, außerhalb ber natürlichen ©rettgen ber Überfdiwemmung, weiter geleitet werben, ben Sobcn empfänglich machen für ben ©amen, gebeten Srüd)te, aber and) in befto fyerrtidjerer f)rad)t. ©etreibe, Sreid, döitfe, .fjölfenfröcbte, Äud)cngemäd)fe, Vtelonen, 3frbufen (eine 2Crt Äurbiffe), 3ucfetrot)r, Äatmud, bie ^apierfiaube (bem 2anbe eigenttjumtid)), Sladjd unb *£anf, ©ennedbtatter, 3wiebetn, ©afTot, Snbigo, ?(toe, Salappe, ©oloquinten, ©obe, ©atbamo» men, Saumwolle, Sbjt unb ©ubfruchte, spalmenwälber, ©pfomoren, Sa» marinben, Gafften, Ifajienbaume ic. fdjmucfeit bad 2anb; an Srenntjolg fet)tt ed. ©artenbtumen finb nicht mannigfaltig, bod) werben Stofen, befonberd in bem matfd)igen §ajum, in Stenge gezogen, unb SJofenwaffer bilbet einen bebeu» tenben 2Cudfut>rartifet. — Ser Soben befiefjt aud Äalf mit jat)tlofen Vtufcbeln unb Verfeinerungen; er enthält SOiarmor, 2ftabafter, f)orpbpt, Sadpid, ®ta» nit, Äochfatg, Siatrum, ©atpeter, Staunte. — Stinböiel), Söffet, ©fei, fPferbe, Äanteele, ©d)afe mit ffettfehwängen, »fiunbe unb Äa£en, 26wen, Siger, Spanen, ©djafald, SBolfe, guchfe-, ©agellen, ©itaffen, ©tordje, Sbid (ber bie ©erlangen im 9tilfchtamme nergehtt), ^n'tljner (beten ©er im Öfen audgebrutet werben), Ärofobille, glußpfetbe, ScfneumondK. benolfern bie 5Bä(» ber, ©ömpfe, ©emaffer unb fluten. — Sie Sewofjner 2lgpptend (gegenwärtig über 2£9Rill.) beffefjen aud: Äopten (f. b.), £>od>ffend 30,000 gamilien; Arabern, bie am gablreid)ften finb unb in gellahd (geüaefen) ober 2lcferbauer, unb Sebuinen (Sebewi, Sebami), SRomaben in ben Sliüften, ftd) tfjeilen; Sur= fen, bie Ijerrfdjenbe Station, unb Vtameludien (f. b.).. Sfudh gibt ed ben, ©ried)en, Armenier unb angeflebelte grangofen. Ser 'Ügppter ift non fiat» fern, gewanbtem Äorper, braungetber ffarbe, Ijeiterm ©inne, gutem fiecjen, mäßig, religiod (berSdlam ift 2anbedreligion), abergläubig, unb beftgt gäbig» feiten. Sie 2anbedfprad)e ift bie atabifd)e. *3u dt a i t o, ber $auptfiabt, refibirt ein fPatriard) ber morgenlänbifd)en ©brijien. — 2lcferbau, Sienen = unb f)u^net= gud)t, Sereitung bed Siofenwaffetd unb ©almiafd, Verarbeitung bed Sebetd, glacfjfed, f>anfed, ber ©eibe unb Saumwolle, Verfertigung non Sapeten, ©lad, Sopfermaaren, unb ein widriger ^»anbet befcfäftigen bie ©inwoljner. Ser ^)afdja ift ber erjte Kaufmann bed 2anbed. Äonftantinopel wirb non bort aud mit feinem Sebarf an ©etreibe nerfef)en, fowic normald 2fgppten, ald ed eine romifcfye ^)ro= ninj war, Siomd Äornfammer Ijiep. ©in anfef;nlid)er 3tnifc^enf)anbet wirb mit nieten foftbaren ^)röbucten getrieben. 2ltepanbrien, Samiette unb ©ueg finb bie norguglidften c^afert; ben 2anbtjanbel unterftöben bie Äarananen, befonberd nach ©prien, Arabien ttttb SBejtafrifa. ©inft war'dfgppten bet* ©ct>auplah raftlofer Sljätigfeit, 85ilbung unb gtofjer 3Biffenfd)aft. ©ine alte ajtronomifdfe Seobad)tung beurfunbet bie ©age: baf um 3362 n. ©^r. ber babptonifcfye tpermed (Sijot), biefer ^elb ber mptt)ifd)et' Urjeit, nach Äthiopien fam (fowie in bet golge ©efropd aud ©aid am Stil und) 131 #<$:pten (®efd)id)te) 3fttifa), «nb tiefem «Staate, ttad) bem fÜtufier beffen, bem ec angehocte, SSilbung gab. (Äthiopier unb SSabptonier maren mol bie früheren bued) inbifd)e SSilbung aubgejeidpneten SSolfer.) SQ3af)rfcf>etn[tcf> erfolgte halb nad) bet Srganifation 'i(tl)io= ptenb bued) ifjernteb bie erfie ©inmanbecung einer dtl)iopifd)en Kolonie in Sbet= dgppten (bamalb eon nomabifd)en ^irtenoolfern bemohnt); feitbem mürben bie Ägppter bie britte unter ben Nationen beb Älterthumb, meld)e alten übrigen in einer hohem Äubbilbung oocangingen. Sie Äpnlidjfeit beb 9Jtenfd)enfiammeb unb ber Sprache erf)ßt)t bie 3Baf>rfcf)einlicf)feit, bajj oon Äthiopien aub Ägypten bie erften gefetteten Semeljner erhielt, fafi juc @eroipl)eit. Samit Idft ftd) bie 2J?ofaifd)e Angabe, baf nad; ber Sünbflut juerft ein «Stamm ©hamiten in Sber= dgppten fid) niebergelaffen habe, mol oereinigen; felbft bie Sbraeliten, unter bem ©rofmejier Sofeph, gehörten nod) ju ben an ber ©rettje mofjnenben Dtomaben, bib fte unter SDlofeb mieber aubmanberten. Sbgleid) nun Ägppten an S3abplon unb 2ftb)topien grofe SSorbilber Ijatte, fo fd)titt anfangb bie 2(ubbilbung bod) nur lang: fam oor. Sie über Älleb ftd) ecftceifenbe junftmdfige ©inridjtung, bie ©intfjei: lung beb S5ol£b in erbliche Mafien (f. b.), unb bie fPriefferfdjaft gelten ben an ftd) nid)t lebhaften ©eifi in engen geffeln. vjpanbel unb bie baraub folgenben 93e= rütjrungen mit anbern Sßötfern, befonberb bie Schifffahrt, maren bib ju beb unter: nef)menben Sefofirib Beit feljr unbebeutenb: ein neuer ©runb, mefjfyalb bie -©ul= tur ber Ägppter feine fdjnelten gortfd)ritte machte. Sieb gefd)al) erfi, alb fte von fremben fBolfern unterjod)t morben maren. Samalb gab eb jebod) fd)on in Ägppten Äftronomen. Sab dgpptifdje Sonnenjapc f>atte, mie ber republifa= nifd)e ©alenber ber granjofen, nach ben 12 SWonaten nod) 5 ©rgdnjungbtage; bie ©effalt ber ©rbe mar ben dgpptifdjen ©elefjrten befannt; «Sonnen: unb SDtonbftnftermffe mürben berechnet; ben Stonb hielten fte aber für eine dtherifd)e ©rbe, bie girjtecne für brennenbe gatfein; Sonnen: unb fffiafferuhren maren ihnen nicht fremb, beb Sfpmanbpab ungeheurer Sting fd)eint hierzu. gebraucht morben unb ber £huabrant ihnen nicht unbefannt gemefen ju fein. Sd)on f)ter= aub ergibt ftd), bap fie bebeutenbe gortfehritte in ber fKedjnenfunft gemad)t haben muffen; tfjre Bafjtjeichen (biefelben, bie mir arabifdje Biffetn nennen), fchrieben fte »on ber ^Rechten jur Sinfen. Sie Sfteffunft marb ihnen burd) bie Überfd)mem= mung bebffttlb nothmenbig; bie fJJilmeffer su Spene, 9J?empt)ib unb an einigen anbern Stellen bebSfromeb, bie SÖ3affetfd)rauben, bie ©anale, bie Sd)leufen: merfe beb Seeb Sttorib, meldfe SWechanif, .fjpbraulif unb ^pbcojtatif ooraub: fegen, ftnb Beugen ihrer gortfehritte in ber angemanbten SD?atf>ematif. Äuf bie dgpptifche Sonfttnjl: ift bie hebtdifebe, gried)ifd)e unb romifdje gegrünbet; bab erfte muft£alifd)e Snfirument, bie breifaftige 2 p r a (f. b.), marb unter ihnen »on -^ermeb erfunben; mdhrenb feiner ^Betrachtungen dffnete ftd) if)m bab fProppldon bet Harmonie bet Sone; halb aber mürbe biefeb ©rgebniß unter bie ©eheimniffe ber g^rtefler gezogen unb unter bem mpftifchen Schleier meiter aubgehilbet. hierin unb in bem ernften büftern fftationaldjarafter liegt eb, bafj man nur bei 2eid)en= hegangniffen unb heim öffentlichen ©ottebbienfie ©ehraud) oon ber SJJhtfif machte; ihren gauberifchen 9?eij bet greube fannte bab 2?ol£ nid)t. Äuget jener Cpra hatten ftenodb ein Sid)orb, jmeierlei gloten, babSifirum, bie fPaufe unb Stommel, bie Srompete unb bie breieefige 2pra. 9?otenfd)tift fd)e1nen bie Ägppfer nid)t ge: habt ju haben, ihre fleinen einfachen ©efange maren bem ©ebdd)tniffe anöertraut. "3h« naturhiftorifchen Äenntniffe fdjrdnften ftd) auf bie efjeimatf) unb beten @r: jeugniffe ein. Sßeiter »orgerüeft maren fte in ber ©hemie unb SSJfetallurgie; ihre metallifche ©nfaufiif, ihre fünffachen Smaragbe, bab ©inlegen beb Silhecb mit blauer garhe, hemetfen 2ßiffenfd)aft unb ©efd)ic£ltd)£eit. Siefer mögen fte in Än: .fehung ber ^eilfunbe geftanben haben; jebe Äranfheit marb oon eignen Ätjten behanbelt; Sftrib, Sfib unb ^ermeb maren bie ©otter-bec ©efunbheit; bie ^a: 9 * 132 ftgpten (®efd)id)te) jtopboren (eine Priefterclaffe) waten bie Ü rjte; ber von ihnen »orgefctjriefcenen täg« lieben Siat war ber Honig fo gut wie ber ©eriitgfic unterworfen; von hier ging aud) bie Sidteti? au« in anbre ßänbet; «Sorge für bie $aut, eine burd) tflle« gef)enbe Steinlid)feit, habet S3abcr unb Sefdjneibung ( waren bie f)auptfäd)lid)fien mebicinifd)en 5Borfd)tiften. 2(u« ber ©ewoijnfeit unb ©efd)ion war aud) it^rc Ptagie abfjdngig. Sn ben fünften waren fie mehr unb minber gefd)inen entfrembet reot« ben; fie rearen nur etnfte, anbächtig fchreärmerifdje Pfeitfchen. Singen, San* jen, Spielen rear itjnen verhaft; babei aber befaßen fte einen l)ol)en ©rab von gleif, ©utmüthigfeit, ^)ofIid)feit unb jugleid) eine ©itelfeit, bie fie für 2fUcS, reaS von ihnen hettütjrte, einnahm. 3Bie fpäterhin bie ©riechen unb 9iomet aUt Pichtgriechen unb 9lid)tr6mer 58atbaren nannten, fo betitelten aud) fie alle 5861* fer, bie nid)t ifre Sprache rebeten; aber bei aller 58erad;tung, bie fie fol* d)en bejejgten, blieb bie ■ Danf barfeit gegen geben, ohne Unterfd)ieb, eine ihrer 9fationaltugenben. Da$ (Regiment beS Staates rear überhaupt ein SBeibettegi* ment; jeber Priemet burfte reenigftenS ©ine grau hoben; ben £aien befdjränfte baS ©efefc in ber 3af)l gor nicht. Der Plann beforgte bie ^auSreirthfchaft, bie grau ben Äauf unb 58erfauf unb alle S3errid;tungen außer bem ■fmufe. ©enüg* famfeit rear fftationaltugenb; 38ein tranf ber Ügpptcr nie, fonbern 33ier, foge* nanntet ©erftenreein rear fein ©etränf; SSrot buf er aus Spelt, ©erftc rear iljm ju gering baju; für feine Äüdje 50g er ©emüfe aller 2lrt, unb beforberte bie 2luS* behnung feiner reeiten geberviehjudjt butch fünfrlicheS 2fuSbrüten ber ©tet; 33ob* nen unb Schreeinefleifch unterfagte ihm feine (Religion als vetunreinigenb, reo* gegen er reieber anbre Spiere als geheiligte nid;t ju verleben reagen burfte. Seine Äleibung rear fehr einfad;; bie ehrbare grau unterfchieb fiel; von ben Pfäbchen unb Cuffbitnen burd; einen Sd;leier, reelcher biefen unterfagt rear. Äinberreur* ben erft fpät befleibet; bloß Seid)enbegängniffe unb bie Srauerjeit gaben ju auf er* liehet Pracht unb ©iferfud)t befhalb 2fnlaß. Doch ber SSehertfcl;et unb feine näd)* ften Umgebungen fdjimmerten ffetS in morgenlänbifcher Pradjt. Die 2lllmad)t beS Pharao (eine allgemeine Benennung ber frühem ägpptifd;en Äonige) rear über jebe 9lüc?ftd)t erhaben; er rearf reillfürlid) ben ©roßvejier von bem ©ipfel feiner ©röße unb hob ben niebrigfien Sflaven 511 fid; empor, roie gofephS ©e* fd)id;te beiveift. Die 2frbeitfamfeit, welche bem 'Ügppter angeboren rear, er* hielt bie öffentlichen Sugenben, unb von Seiten ber Polijei forgte man aud; für bie ununterbrochene 25efd)äftigung ber 5Serbred;er; fd;on unter gofeph gab eS ein 2fr* beitShauS für eingeferferte Sflaven. Die Ungefelligfeit ber 'Ügpptcr unb ihregurd)t, burcf) Umgang mit gremben ben ©Ottern ju miffallen, ftanben jrear ihrer hohem gortbilbung entgegen; allein eS reurben ihnen babutd; jugleid; ihre Selbftänbig* feit, ihr wahrer ©harafter, ihre (ftationaltugenben beroahrt. ©rji bann, als fie mit ben ©riechen in nähere (Berührung gefommen rearen, verlor ftd; ihre Shättg* feit etreaS, fobaf 2lmafiS ftd) genöthigt fah ein Polijeigefefc ju geben, baS jeben 2fgppter verpflichtete, jährlich feinen tarnen, fein ©ereetbe unb bie Plittel, reo* burd) er feinen Unterhalt gereimte ober ju gewinnen gebenfe, bei ber Dbrigfeit an* jujeigen; bie Untetlaffung biefer Pflicht reutbe mit bem Sobe bejfraft. — Streng unb rafd) rourbe ©erechtigfcttSpflege geübt; vonPfeneS, SnephaftuS, S5ocd)otiS unb TfmafiS rearen geschriebene ©efefje vorhanben; vor einem h öd) ften 3feid)8ge* richte reurben alle (Rechtsfachen entfcfjieben, Welche bie Parteien felbft, ohne Sach* «alter, aber fchriftlid), gegen einanber führen muften. Pleineib unb Pforb (auch ber eines Sflaven) reurben unerläßlich «itt bem Sobe befiraft; SSerleumber unb falfche 2fnfläget erhielten bie Strafe beS angefchulbigten SSergehenS; auf SSerrath flanb ber fBerluff ber Bunge, auf SSetfülfcfjungen ber (Berlujf ber djänbe, auf ©nt* tteichung vom $eere unb jluSreanberung ©hrloffgfeit; auf ©hebrud; — Stocf* fchläge. Der Äönig fonnte jebe biefer Strafen milbern; aber ungead;tet biefer 134 (®efcf)id)fe) SoMterainetdtSdußerungen tag bod) bei; SBille beS .£ertfchetS tttdf)£ weniger in ben geffeln ber Priepermad)t, welche felbft für baS Prioatleben bet gürpen ©efepe entworfen patte unb biefe SSanbe nacp benümpdnben, fowte bie feittpe PolitiE ber Äircpe eS wollte, lüftete ober fepet äufammenjog. Sogar bie SageSorbnung beb foniglidfjen ©flauen war genau bepimmt, unb felbft ber Äücpenjettet, ja fo= gar bie öerborgenpeit beS Sd)laf}immet8 gehörten in ben PBirfungSfreiS betPrie= per: barum waren fte Seibdrjte. — SJtit bemalten im ©nflang war bie ©jie= pttngSweife: bie Äinbcr würben forgfdltig jurn ©ewerbe beS SSatcrS angepalten unb in »erfcpiebenen öffentlichen Sd)ulen »on priepern unterrichtet; Schreiben [ unb £efen lernten PBenige; bod) waten bie 'Ügppter baS britte fctjreibenbe 93olf, baS nad) ben SSabploniertt unb ^Phonijiefn bie Söorgefcpidjte nennt. Stacpbem fte gletd) biefen juetp auf Steine unb Siegel gefd)tieben hotten, erfanben fte ein Rapier aus ber Papierpaube, welches über 2000 Sabre lang, felbpnach ber ©ftnbung beS Pergaments, »on ber ganjeit fchreibenben SSBelt gebraudp warb. Siefe Äunp warb nurSenen, bie ju Äaupcuten erlogen würben, gelehrt, bocp in fepr befcprdnftem Ptajje, benn baß baS SSolf nid)t ju unterridjtet werbe, war im ©ppeme ber Pries per. — Sie 2(bfonbetung beS SSotfS in 7 Äapen: Prieper, Sotbaten, Stirn berpirten, ©aupirtett, ©ewerbetreibenbe, Solmetfdjer unb gifcpet, entfprang theilS aus Srtlid)feit, ba manche Sanbfcpaften alletbingS nur eine bepimmte £e* benSart gepatteten, tpeilS war fte ©gebniß ber Prieperpolitif, ba es jur©ntid;* tung ber StaatSmafdpne notl)Wenbig war, baß fcparfe ©renjen jwifcpen ben »ets fd)iebenartigen urfprünglid)en SScpanbtpeilen ber gefammten Station gezogen wurs ben. So bejeicpneten biefe 7 Äapen ebenfo »iel »erfcpiebene SSolferpamme, nid)t etwa fünfte; baher fam and) bie ©blicpfeit berfelben. 2(n ber Spipe aller panb bie Äape ber Prieper, als bie erpe unb »ornepmpe. Sie behaupteten biefen Slang als £eprer beS SSolfS unb als SSewapter bet 2Siffenfd)aften. 2fuS ihnen würben alle Staatsbebienungen befept; pc waren bie 2lrjte, Stidper, S5aumeiper, 2tpro= nomen unb tlprologen tc. 2lber pe hielten ihre Äenntniffe, bie fte (mit Stecpt) als ben Talisman ihrer politifchen SBiditigfeit, ihres mdcptigen ©nfluffeS betvad)= teten, unter Salomonifchen Siegeln. Sie follen fogar neben bem allgemeinen Spiet= unb SSilberbienp ber Station pelle ^Begriffe »on bem eigentlichen SBefen ber ©ottpeit gepabt, fte aber abpcptlicp unter SSitbern »erpecft gepalten paben, bie nur ben ©ngeweipten in ben berühmten SPpperiett entpüllt würben. Übrigens »crdnberten ftcp Steligion , SOtptpologie Unb Ppilofopbie ber 2lgppter mit ben »er* fd)iebenen Seitrdumen ihrer politifcpen ©efcpicpte; anbetS war ipre Steligion unb Ppilofoppie »ot SOtofeS, anberS »on PtofeS bis ^erobot, unb wicp fo immer mepr »on iptern alten ©eptdge ab, bis ju ben Seiten ber Ptolemäer unb Stbmer. Sie gefammte Steligion unb Ptptpotogie war auf tlpronomie gegrünbet; benn eS war natürlid), baf bie wirffamen ©npüffe ber ^immelSforper bie SSereprung berfelben gut Solge patten. .OfttiS unb 5fiS (Sonne unb SJtonb) waren bie «jpauptgottpeis ten, unb bet Stil warb mit biefen in einem fepr nahen Sßerpaltniffe gebacpt. Sft ftttbet man ben SpriS unb ben Stil als ©n pimmlifcpeS SBefen bepanbelf; ber Zeitraum »on 360 Sagen, «bgemeffen nacp beS Stromes regelmäßigen Übers fdtwemmungen gur Sommerfonnenwenbe, warb baper baS SteligionSjapr, ber »on 365 Sagen unb 6 Stunben baS natür£id)e Sonnenjapr. Sie Planeten würben ttebp ben 3eid;en beS SpietfreifeS als ©ottpeiten unb Siegenten ber SBocpentage unb SageSpunben, nad) iprer Stangorbnung am «fjimmel, »ereprt. Ser Stegent ber erpen SageSpunben war bet Scpupgcrtt beS gangen SageS unb gab bemfelben feinen Stamen; bie pppftfalifcpen ©genfepaften unb bie »erfcpiebenen ofonomu fd)en ffiegiepungen auf jeben SJtonat würben ebenfalls a(8 ©ottpeiten unter ben 12 3eicpen beS SpierfreifeS »ereprt. So war baS SteligionSjapr befepaffen. Ser fpdter entbeefte Stängel »on 5 Sagen unb 6 Stunben gab nocp 7 ©Ottern als 135 #gt)pteit (®efd)id)te) ©innbilbetn biefer ajltonomifdjen Seitrecfynung baS ©«fein, unb baS ©onnenjafjt begann. Sugleid) aber badjten ft'e jtd> biefe ftnnbilblidjen SBefen als mirflid) »ot- Ijanben, als Urheber unb Regenten bet Seit unb 2ßelt, ben Oft'riS itnb bie SftS als lebenbe, willfürlid) fyanbelnbe SBefen »oll unmittelbaren ©inflitffeS auf bie Erbe unb beten SSemoIjnet. Seber ©ottfjeit mar eine befonbere s priefterfcf)aft ge= mibmet, an bet nie SBeiber SEljeil nehmen burften. 5Ballfal)tten unb Opfer waren in berSiegel, bie (extern benufjte man ju Tilgung begangener ©ünben; ber Opfern* be legte feine £anb auf beS Spfertfiers &opf, überfjdufte eS mit23erwünfcl)ungen, unb mit bem lebten ^tpemjuge beffelben tpielt er ftd) für entfünbigt. S3iS 'llmaftS gab eS fogar 5Jlenfd;enopfer. 25er neben bem ©ternbienfte bejlefjenbe SEfyierbienfl, inbem gett>iffe Spiere nicfyt etwa nur als ©pmbole betrachtet, fonbern aud) als wir!* lidje ©otter »ereljrt würben, wie 2fpiS unb 2Jlne»iS, ifl jum Stfjeit aus ben $ i ero* glppljen (f. b.) ber 2fgppter ju erfldten. Oiefe £ieroglppf)enfd)tift würbe uns, wenn wir ben ©d)lüffel baju auffanben, bie wid)tigflen2(uffcl)tüffe übet ihre 9teti= gion unb fPf)ilofopf)ie geben, unb gewiffermafen als SJlafj jfab für ben $of)engtab it)rerpl)ilofopbifd)en SSegrife gelten, ©in f)6d)ft intereffanteS ©tubium ift über* fyaupt baS ber dgpptifd)en ©pmbolif, beffen Dlnbeutungen aber ju weit führen wür= ben. Oie merbwütbigfle ©rfcpeinung in ber fPl;ilofopl)ie ber 2fgppter ifl bie Sehre non ber ©eelenwanberung (f. b.), welche unmittelbare DIuSgebutt beS@tent= bienjleS war. Ood) fjat fPlato ber SJletempfpdjofe (©eelenwanberung) bet '-Ügppter ju gtofeßlfre «ngetfyan, inbem er fte, alsS5ilb ber moralifrfjen Steinigung beS9)len= fd)en, in fein ©pflem-aufnafym. ©o fdparf unterfchieben Seite baS ©eifiige »orn Äorperlid)en nid)t; bie SSorflcllung »on ber ©eele, als reiner SnteUigenj, war ipnen fremb, unb eS ifl immer eine wunberbare ©rfd)einung, baß aud) bie fPptf)agordifd)e ©eelenwanberung, wie 2frifloteleS fte uns barflellt, obgleich »on ber dgpptifcßen »erfd)ieben, bod) ebenfo weit wie biefe »on aller moralifdjen SSejiefmng entfernt ifl. 93olitifd)e‘©efd)id)te. Sn bie©agenjeitgehören biefPfyaraonen(Äonige) SfleneS (2000 Sal)re». ©f)t.), OfpmanbpaS, SHoriS, ©efoflriS, 9ll)ampftnit tc., unb bie ©rbauung »on S£ f) e b e n unb 5)1 e m p f) i S (f. b.). 3ln bie dußerfle f)tflo= rifche ©renje fegt man ben s pi)arao beS Sofepf), fobann bie in 9fe»olutionSflürmen gefd)el)ene ÄuSmanbetung beS ©efropS, 9)?ofeS unb OanauS. Sn ber ©efd)id)te auswärtiger ©taaten wirb 878 ». (Ifjt. ©ifaf als fPfarao »on "Ügppten > als 33et= bünbeter Serobeam’S genannt; Oiobot’S StnephaftuS, ^erobot’S 2lfpd)iS unb Oiobor’S SSocduriS werben als ©efefcgeber gerüfjmt. Oie 40jdf)tige Unterjod)img ÄgpptenS burcf) bie Äthiopier, bie innere 33jdf)tige 2fnatcf)ie, bie Oobefarcfyie (baS Stoolfßetrenreid)), weld)e 15 Saf)te bauerte, gingen bet 5Jlonard)ie woran, bie fPfammetid) (einerberOobefardjen) fliftete; fte bauerte »on 636 — 525 ». ©fyr. unb jdf)lt, außer fPfammeticf), bie berühmten Flamen 9led)0, fPfammiS, 2CprieS ober >£>opf)ra, 2(maftS unb fPfammenit. Oiefet Seitraum war ein heller spunft in ber S3ilbungSgefd)id)te 2(gpptenS. Sebt aber unterlag baS Oveich bem Werfer ÄambpfeS, bis nad) TdepanberS Eroberung iÜgpptenS, 332 ». ©f>r., unb nad) bet Stfjeilung beS maccbonifcfjen 9leid)S bie gldnjenbe Seit ber sptclemder (f. Ptolemäer unb 2llepanbrinifd)eS Seitalter) eintrat. fPtolemduS £agi ober ©oter, fPtolemauS ^)f)ilabe(pf)uS (unter weldjem ber ©runb ju ber nad)= maligen ^etrfdjaft ber 9lomer gelegt würbe), PtolemduS ©»ergeteS I., 9)to= lemduS ^)f)ilopator, 9)to(emduS ©pipf)aneS, 9)tolemduS 5)f)'fometor, ©»erge= teS II., Äleopatca SJlinot (mit ^)tolemduS ©oter ober SathptuS unb sptolemduS 3llepanber 1.), fptolemduS 'Tftepanber II., SSerenice, ^totemauS ‘Klepanber III., ^)to[emduS 2(uleteS, dUeoparra Strppfjana unb SSerenice, unb Äleopatra mit ^tolemduS 5)uer unter ©dfat’S unb 3lntoniuS’S ©d)ub()cafd)aft fmb bie Siegern tennamen aus jmem Seitraum, »on beneit mel)re in ber ©efd)id)te ber 2Biffen= fünften unb Äünfte mit bleibenbem 9lad)ruf)me genannt werben. Äleopatra’S 136 #3t)pfen (Oefd>icf)te) ©etbflmorb, nad) beS OctaniuS ©ieg bei 2(ctium, lieferte baS Keicf) in bie ^änbe ber Körner; cS warb nun römifd)e fProoin}. ©ieS gefchaf) 30 Saljre n. df>r. 2(gppten blieb in ben $änben ber Körner 670 Saljre lang, Unterbeffen farn bie djriftlicfje Keligion auf ben Voben 2(gpptenS, aus bem, wie in ben frühem Seiten ber SKpfterien, jegt aufs neue Schwärmerei, ©eftiretei unb ©eifteS= nerft'nfierung emporfeimte. 2(nad)oreten unb SKöndje erhielten bort ifjre dnt= fteljung. 2(18 nach ber Steilung beS KeichS burd) Sf)eoboffu8 in baS occiben= talifdje unb orientalifche Äaifertljum 2(gppten eine fProninj be8 legtern geworben war, nerfanf e8 immer tiefer in SSarbarci unb Schwäche. ©o warb e8 ein Kaub ber ©aracenen, nad)bem beren gelbbett 2(mru, unter bem Äbalifen £)mar, bie .fjauptftabt 2ttej:anbrien mit ©türm genommen batte. £)ieS ereignete ft'd) 640 n. dgr., al8 JpetacliuS Äaifer beS Orients war. 2(18 ?)rooin$ be8 .RbalifatS blühte e8 unter ber Kegierung bet gefeierten 2(bbaffiben däattm al Kafcbib unb 2(l SKaimun; fpäter unter bem berühmten ©ultan «Sa lab in (f. b.). SDod) be8 Settern ©pnajiie warb non ben SKamelucfen nerbrängt (1250), unb unter bie= fen furdjtbaren JDefpoten netfcfiwanb ber lebte ©chatten ehemaliger ©töfe unb Vilbung. ©ultan «Selim in Äonfiantinopel warb enblich (1516 — 17) ©ieger über ben (legten) mamelucfifcfien ©ultan SEumanbai, unb 2igppten nun eine türfifdje fProninj, regiert burd) einen $afd)a. ©eitbem war c8 ber «Schauplag be= ftänbiger innerer Kriege ber SKamelucfen = VepS gegen bie türfifche dperrfdjaft, weldje mehrmals, befonberS unter 2(li=S3ep (1766), ihrem dnbe nahe war. Von 1798 —1801 warb 2igppten non ben granjofen befegt. (©. 2(gppten, £an= bung ber granjofen in.) ©eitbem hat biefeS £anb mehr als je bie 2(ufmetffam= feit ber Staatsmänner wie ber ©elehrten befchäftigt. duvopa ftef)t mit Verwum berung einen gürften bort regieren, ber non ben Vorurteilen feiner Kation ft'd) $u befreien wufite unb europäifdhe dinrid)tungen jum SKufier nghm, um ba8 alte Keid) ber Ptolemäer in jeber .£>inftd)t neu ju erfd)affen. ©iefer gürft, SK o h a m= meb 2(li fPafcha (f. b.), ift jwar nur 93icefönig; allein aufjer bem gewöl>n= liehen mit ©efdjenfen begleiteten Sribut unb aufer feiner, burd) bie Verleihung, 1823, non fernen, dppetn, .Sattbia unb SKorea gewonnenen $Ebeilnahme.an bem ßanbs unb ©eefriege gegen bie © ri ed)en (f. b.), hnt er bem ©tofhettn in Äon= ftantinopel fein Seichen non 2fmt8= unb Unterthanenpflid)t gegeben, dr nertnal= tet bie fProninj in ber $Ef) at mit noller ©ounerainetät. «Sein VerwaltungSfpftem im Stottern fd)teitet fort, allein iDefpotiSmuS unb SKonopoüSmuS ft'nb bie SEtäget beffelben. SKit bem flugen SEprannen fteht unb fällt fein SBerf. Vor 2(llem forgte SKohammeb *Pafcf)a für bie öffentliche Sicherheit; et nimmt baher alle granfen in feinen befonbern ©chug, auch gefiattet er feine SKifhanblung bet ©riedjen. 2(u8 bem non feinem ©ohne 3btaf)im bis 1828 befegten SKorea lief er 1825 bie d)tift» liege Venölferung in baS Killanb nerfegen, muffe jebod) bie SoSfaufung ber grie= chifchen ©flauen ben granjofen gefiatten. ©egen bie *Peft fucgt er £tuarantaine= anfialten einjufügten; auch beförderter bie Vaccine. @ein2(gent, SSmael ©i= braltar, reifte nor mehren Sflgeen >n Europa, um gabrifanten nad) 2(gppten ju jiehen unb mit Schweben ^anbelSuetbinbungen anjufnüpfen. Sn betfelben Seit lief ber )Pafcga burd) f. tapfern ©ohn S^rafum bie 4ß a h a b 1 Sl(f. b.) in ihre SBüfte jurüefwetfen unb bemüthigen; hierauf unternahm fein jweiter «Sohn, Säntael *Pa= fd)a, einen Sug nad) Kubien, um bafelbft bie SKadjt beS VicefönigS non 2(gppten aufS neue ju befeftigen. S&nael brang 1820 non «Spene bis nad) iDongolaf), am linfen Kilufer, nor, fd)tug bie Überrefie ber SKamelucfen unb machte JDongolal) ju einer ägpptifdjen $)rooinj. Su gleidjer Seit brachte SKohammeb ben neuen danal non 2depanbrien, non ihm, bem ©ultan ju dhren, SKahmubie-danal genannt, ju ©tanbe: ein ungeheures 2ßerf, an welchem unter ber Seifung non 6 ettto= päifchen SngenieutS, anfangs, feit bem 8. S«n. 1819, an 100,000 SKenfchen IST Ägypten (®efd)td)te) arbeiteten, beten 3af)t ctBer nad) «nb nad), obgleich Aber 7000 Arbeitet an an« jteefenben ättanfheiten flatben, bi« auf 290,000 öermefjrt würbe, »on benen jeber etwa 6 ©r. SEagelofjn crf>ictt. ©o fam bet ©anal fd)on am 13. ©ept. jtt ©tanbe. ©r beginnt unterhalb ©aone am Nit unb enbigt bei ber fPompeju«fdule; er ift 41,706 Älafter lang, 15 breit unb 3 tief. Sie« ift bet Anfang §u ber 3fu«« fubjrung be« ©an«, ben unmittelbaren Jpanbel tum Dllepanbrien mit Arabien unb Snbien wieberherzufletlen. ©eit lurjem f)'at er eine SEetegraphenlinie, unb ju SSulaf bei Äafjita eine Srucferei *), eine ©ilitairfchule unb eine f)6f)cre 2et)ran= jtalt errichtet, notjüglid) um Srogman« unb Seamte ju bilben. granjöfifche unb Italien. Sfft'ciere finb babei al« Sehrer angeflellt. 3fud) fanbte er 1826 mehre junge jfgppter nach granfreicb, um europäifche 2(it«bitbung ju erlangen. — Unter ©ohammeb’8 9tegierung ftnben alle europäifche Sieifenbe, welche ihr ©ntbeefung«« eifer jef)t zahlreicher al« je ju jenen ©räbern unb Senfmalen einer untergegange« nen ©ioilifation hinzieht, ©djub unb Unterflu|ung; bod) ift e« noch immer nid;t möglich, alle -fjinbetniffe ju befeitigen, welche ber 2frgwof)n, ber gtembenhaß unb bie cfjabfucht ber Sebuinen« ©d)eifh« bem ©uropäer in ben ©eg legen. Sf) ne bi* frühem Steifen be« SSriten Srowne, ber Seutfchen Römernann unb Sur cf» harbt (f. b.), »on benen bie beiben ©rftem feine ©put »on bem Stempel be« 3upi= ter tfmmon gefunben haben, ju erwähnen, nennen wir nur einige ber neueften. Unter biefen ift bie Steife be« Italiener« Selzoni (f. b.) 1819 bie merfwürbigfte. Ser Staliener Stitter grebiani (f. b.) machte eine pomphafte Sefchteibung ber Stuinen be« Stempel« be« Jupiter 2fmmon, in feinem Stiefe au« @d)iwaf)»om 30. SDtdrj 1820, befannt; allein ber preufifdie 3lrd)iteft ©au (f. b.) au«ätöln wibetfprad) ben Angaben grebiani’«) fo audh ber «otmalige franj. ©enetalconful in jfgppten, Sro»etti. Siefelben Nuinen will ber granjofe ©ailliaub un= terfud)t unb au«gemeffen haben. 2lud) entbccfte er bie alten ©maragbgruben am Serge 3abatah unb fanb fie ganz in bem Suftanbe, in welchem bie Ingenieur« ber Ptolemäer fie »ertaffen haben, mit allem ©eräthe, worau« ftd) ba« Verfahren ber 2Clten beim Sergbau einigermaßen erfennen ließ. 1820 begleitete ©ailliaub ben ©ohn be« Sicefönig« auf bem oben erwähnten 3ugc nach Songolah- ©ait» liaub’S Steife in bie Saft« »on Sieben unb in bie oftlidj unb weftlich batan flößen« ben ©üfien gab Somarb herau«. Sie Steife be« britifdben tlrtilleriecapitain« 4?enrp ?igf)t nad) 2fgppten, Nubien unb bem heiligen Sanbe (überf., 3ena 1820) barf neben ber «onSutcfharbt faum erwähnt werben; bod) ift fie, wa« ben ©tfd)a «on 'Ügppten, Setufalem unb bie Stufen betrifft, nid)t ohne Sntereffe. ©id)ti= ger ift bie 4monatliche Steife be« Sbrifllieutenant« gib «©latente (be« 2fbjut. be« ©eneralgouoerneur« in Sflinbien, ©arqui« Rafting«) »on Sombap burd) Snbien unb tfgppten nach Bonbon 1818. Noch »erbient bie 9ieifebefd)teibung zweier Sri« ten: ©abbington unb -fjanbutt), welche ben ^eere«.;ug be« *Pafd)a «on 2fgppten nad) Nubien 1820 begleitet haben, ©rwähnung. ©ie wollen Songolah unb SarS« hegga genauer unterfudjt unb ba« alte ©aba (?), fpäter ©etoe genannt, entbeeft haben. Se« britifchen ©onful« ©alt in Ügppten gefammelte Nachrichten werben jeht zum Srucf georbnet. 1824 unternahm ein engl, ©eecapit., N. g. ©otbon, eine Steife ben Nil aufwärt«, um bieSuellen be« Sehr = et = Tfbiab zu entbeefen. ©r fiarb aber zu SSillel = ©ebinet (eine Sagereife »on ©ennaar). ©eit 1828 bereift ©hampollion b. 3- ba« ©unbetlanb. — tlud) Seutfdjc haben benSrient unb jigppten wiffenfefjaftlicf) burd)forfd)t. ©o ©eefcen (f. b.), beffenffagebud) wahr« fd)einlid) halb erfd)eint; ©ieber (f. b.), beffen Steifewerg Äreta (Seipj. 1817), Äairo unb Serufalem («Prag 1823) befd)rcibt; unb Nüpp eil au« gtanff. a. ©. (©. tffrifa.) 3m 3lug. 1820 unternahm ber preuß. ©eneralmajor ©enu »on *) 3luS btefer ©tucEerei ßnb fcßoii mehre SBerfe ßeroorgegangen, u. a. ein „Dizio- nario italiano et arabo", Bolacco, della stamp. reale (1828, 2 Splc.). 138 (Sanbung unb ^elbjug bec gtanfjofen in) SRi«utoli (f. b.) feine 9?eifc. 2ln ign fd)toffen ftd> 3 berliner ©elegrte an, sprof. Siman als 2lrcgiteft, ferner bie 23octoren ^>empricf> «nb ©grenberg, mitunter* jtügung ber preup. Stegiecung. 3n Otom mahlte .fpettv. SJtinutoli, auf Stiebugr’S ©mpfeglung, ben Orientaliften, D. Scgolj aus VreSlau, jurn Dteifegefdgrten, beffen Sieifebefcfreib. nad) Sprien 1826 erfdjienen ifr. 2(ucg 2 ital. Sngenieurofft» eiere, föottrini unb ©ruoc, vereinigten fidj mit i£>m. Siman, ©ruoc, -fpemptieg unb 6 anbre Vegleitec jiatben. 23er ©eneral f'el>rte im 2lug. 1822 nad) 23eutfcg* lanb jutücf. ©r gab über feine Sammlungen unb ©ntbeefungen ein intereffanteS SBerf-getauS, unb 1828 erfetjien von ©grenberg ber 1.33b. f. „Staturgefcgicgtl. Otei* fen burd) Storbafr. unb SBefiaften in b. 3-1820—25". Übet bie jegigen ©in* ridjtungen 2lgpptenS in 35ejiegung auf Sanbbau, Steuern u. f. ro., bie jum Stgeil auS ber alten Äafteneinricgtung fortbauern, gab S. Siepnier (ber unter SSonap. in 2igpptenbiente) ein, wenn aud) nicht altgefd)id)tlid)eS, aber ftatijtifcg lehrreiches SBerE • „De 1’econoniie publique et rurale des Egyptiens et des Carthaginois" (fPariS 1823) heraus. Über bie neuefie ©efeg. unb Verwaltung 2lgpptenS f. m. gelir SJtengitt’S „Hist, de TEgypte sous le gourernement de Mohammed Aly" (3)ar. 1823,2 Stgle., m. Ä. u. ©gart.). 23ie beften ©harten finb bie vom Oberften 3«co* tin unb bonSotnatb (Carte ancienne et comparee de l’Eg. , 2 331., Spat iS 1828). ifgippten (Sanbung unb gelbjug ber granjofen in). 3n 2 getbjügen (1796 u. 1797) gatte Vonaparte für gtanfteid) ben gcicben auf bem geftlanbe erfdmpft. ©S fam batauf an, ihn auch ©nglanb abjuringen. 3« bem ©nbe roar ec jum Oberbefehlshaber ber 2lrmee non ©nglanb ernannt worben. 33onaparte bereifte baher im gebt. 1798 bie Äüften beS ©analS, hierauf etfegien er unerwartet als Obetgenetal (8. S02ai 1798) in Stouton, wo ein Unternehmen vorbereitet worben war, baS burd) bie ©robermtg 2(gpptenS ben englifd) = oftinbifd)en f)«nbet vernich* ten follte. Vonaparte mufierte bie Gruppen unb verfpradg-ignen in einem StageS« fcefegl, ohne 2fgppten ju nennen, „bafj nad) ber Stücffegc von ber bevorftegen* ben ©rpebition Seber von ihnen fo viel ©igentgum befigen folle, baf er 6 SJtorgen Sanb fteg faufen fonne". So im Jlllgemeinen »on ihrer Veftimmung unterrichtet, fegiffte ftd) bie Sltannfcgaft (19. SOtai 1798) in Stoulon eia; 194 Segel faßten gegen 40,000 SJtann, worunter ein paar taufenb ©eiehrte, Äünft* ler, 2frjte, SBunbdrjte, $anbwerfer unb Arbeiter aller 2lrt ftd) befanben. 23er Äem ber Struppen war jene italienifcge 2trmee, welcge ben gtieben von ©ampo gormio erfampft gatte; barunter bie ©enerale: 33ertl)iet, 23efaip, Stepniet, SJtenoit, Ä leb er, 23umaS, ©affateüi, Slturat, Sunot, Sitarmont, 33elliarb, 23avoujf, Sannes, 23utoc, SouiS Vonaparte, ©ugen VeaugarnoiS u. 21. ©if ßinienfdgiffe, 2 alte gunfjiger unb 6 gregatten bienten jur Vebccfung ber Strand portflotte, bie auf bem SBege nod) vermehrt würbe. 23er Obergeneral beflieg ben Orient. 2(m 9. Sani erfegien bie glotte vor Sltalta; 35onaparte erfuegte ben ©rofmeifter Vaton v. c£>pmpefd) um bie ©rlaubniß, in ben Xtferpldgen ber Snfel SDBaffer einnegmen ju bürfen. 23ie Verweigerung entfegieb SltattaS Sdgicffal. 2lm anbern Sltorgen waten bie granjofen auf allen fünften ber Snfel gelanbet, unb am 2fbenb, ungeachtet einer lebhaften Äanonabe, Steiftet berfelben. 2fm 12. in ber 9tad)t würbe bie Snfel mit igren gelungen ben granjofen übergeben, welcge eine 33efagung von 4000 SJt. jurütfliefen. 21m 17. fegelte bie glotte naeg 21 Eepanbrieit. Vonaparte erlief einen SEageSbefegl, worin er fein f)eet jur 2luSbaitet in benignen bevorftegenben 83efcg werben unb ju einem fd)onenben Vetragen gegen bie Religion ber Sltogammebaner unb bie Sitten ber 2lgppter ermagnte. 2lm 1. Sttli famen bie granjofen vor 2Uepanbrien an, wo furj vorger Stetfon ffe aufgefuegt gatte. 23ie Veforgnif, baf biefer jurütffeg* ten moegte, lief ben Obergeneral bie 2luSfcgiffung ber Struppen befcgleunigen. Sie gefegag am 2. 4 Stunben von 2llepanbrien beim fogenannten 2lraber= JCghptett (ficmbung unb ^ctbjug bet gtanjofen in) 139 tf)utme in alter 9iut>c, ungeachtet SEBinb unb Sffielien nicht günftig waten, ©inige Surfen ju qjfetbe beobachteten bie ftembe ßtfcheinung. 2(m folgenben Sage um 12 Uhr ftanben 5000 Sftann rot bet alten, mit einigen Shürmen perfehenen stauet non 2Clepanbrien unb nahmen foldjeä butd) ©tutm. ©leichjeitig nahm ©enerat Sflarmont Stofette, unb am 6. Suli ging bie ganje glotte auf bet 9?h«be non 3(bufir not tfnfer. Sn 2(lepanbtien, SKofette unb Sfbufit blieben SSefafsungen, unb bie 2lrmee, 30,000 SO 1 ?, jlarf, marfchitte in 5 tfbtheilungen auf Ägyptens ^auptfkbt Kairo to$. €RidE>t weit non betreiben, bei beit fPpramiben non ©ijef), fam ei ju einem ernffhaften ©efed)te. Sott ftanb ®?utab S3et> mit etwa 6000 3JJ. ©analerie unb einigen taufenb SO?. Infanterie mit 38 Kanonen in einem net= fchanjten Saget. Sa6 wohlangebtachte geuet bet granjofen unb bie ©ntfchloffem heit, mit bet fie ihre SSaponnette ju gebrauchen wufjten, nereitelten alle Angriffe ber SKamelucfen, welche, nachbem fogar ihr Saget unb baS Sorf ©mbabep mit ©tutm erobert worben war, in bie angrenjenbe SBüffe entflohen. 3(l(e Kanonen unb 400 Kameele würben erbeutet, unb Kairo am 22. Suti ben granjofen übet= geben, ba Sbrahim S3ep, bet ei beifen follte, nach bem unglücflichen 2(uSgange bet ©d)lad)t bet *Ppramiben, non Sefaip netfolgt, fich über bie SBüffe nach Sbe t- dgppten jurücfgejogen hatte. Sie 3erjt6rung bet ftanj. glotte butd) Sfelfon’6 ©ieg nom 1. 2(ug. 1798 bei 2(buf it (f. b.) nernichtete alle grud>te bet gtofen Unternehmung. SSonapatte, bet bie Nachricht non ber Siieberlage in Kairo et= hielt, fah feine SSerbihbung mit gtanfreid) unb ©uropa bebroht; neriaffen in bem fremben Sanbe, fah et not fiel) ben grofjten aller geinbe, ben SO?angel. ©rbittert übet bie 33etmanblung bei fcl)6nen 2fgppten8 in eine ftanj. fPtoöinj, h^rf bie Pforte am 12. ©ept. (1798) ben Krieg gegen granfreief) erfldrt unb brofjte non 3(fien aus mit einem Angriff. Sn Kairo empörten fiel) bie Einwohner; niele gram jofen, befonbetS ©elehtte, Künftler unb fjanbwerfer, würben ermoebet; abet nach blutigem .Kampfe, am 23. unb 25. ©ept., in bet ©tabt mujjten fich bie in bie SSauptmofcfce gebuchteten ©mporer unbebingt ergeben. Stach hergeffellter OJuhe otbnete SSonapatte 2fgpptenS DfegierungSform nach ftanj. ©tunbfähen, marfchitte (27. gebt. 1799) mit etwa 18,000 SS?. aus Kairo nach ©prien, nahm bie geffung ©£=2(tifd) in bet SBüfte, bannSaffa, fd)lug bie Staploftner bei 3eta unb erbem tete bort SebenSmittel, beten er fef)t beburfte, um bie S3elagetung non ©t.=Swn b’tfcre ju unternehmen, unb fiegte nochmals bei Snfet. Unterbeffen war eS ben ©ngldnbern, bie unter ©ir ©ibnep ©mith not 3(cre angefommen waten, gelun* gen, bie türfifche S3efabung biefeS fPlafceg butch einige hunbert 9)?ann ©olbaten unb 2frtilleriften ju netjfärf'en unb KriegSoorrdthe hetbeijuführen. Saburch warb eS möglich, baf bie Surfen mehre ©türme abfd)lagen unb trofc bem heftigften geuer aus ben ftanj. SSattecien ffch fo lange halten tonnten, bis S3onaparte fich gejwungen fah, bie ^Belagerung aufjuheben. ©in Srittel bet 3(tmee war ein £)pfor beS Kriegs unb bet *Peft geworben. Stach einem mühfeligen SO?atfrf)e non 26 Sagen tarn baS fjeet in Kairo wiebet an. S3alb barauf lanbete eine türfifche glotte in berS5ucht nontfbufit 18,000 SJtann) biebaS gort bafelbft einnahmen. Schnell jog SSonapatte mit feinen heften Sruppen heran, fteltte fich hei bem SBtum nen jmifdjen 3(tepanbricn unb tlbufic unb lieferte am 26. Suti ben Sütfen eine Schlacht. SKuftapha fßafdja warb nebft feinem ©efolge unb fammtlidjer tfrtillerie gefangen; 2000 Surfen ettranfen imSJteer, unb bet Sieft be6 türfifchen $eer6, bet in baä gort tfbufir ftd; geworfen hatte, mufte ftd) unbebingt ergeben. S3ona= patte’d ^»errfchaft in "rfgpptcn war aufd neue befejtigt. Sa madhte er ploblid) fei= nem ^eere funb: „®rf)altene Stachrichten aus ©uropa beftimmen mich / bal)in juruefjufehten. Sen Sberbefehl überlaffe id) bem ©enetal Klebet, et hat baS SSertrauen bet Sfegierung unb baö meinige". 3(16 biefer 3(bfd)ieb bet 2(rmee be= fannt würbe, fjrttte 33onapatte’$ gregatte bereits bie 2fnfer gelichtet. 2(m 26.3(ug. 140 Ägypten (Sanbung unb ^elb^ug ber $ranjofen in)' »erlief et 2fbufir. Sie Sage bet TCrrnee, welche jefct unter Kleber’« Sberbefeljl ftanb, würbe tdglidf) bebenfticher. 3 wat fd)lug ©eneral Verbiet eine neue San» bung bet dürfen im fRo». 1799 jutud; aber aud) ber fleinjte 23etluft war für ein Joeer, ba« nicht ergänzt werben tonnte, fefjr etnpft'nblich. Sie Stachricf)ten au« Europa waren nid)t ermunternb, bie ©enerale faijen niefjt »ielfRuhm oot ftd), bie ©olbaten wenig ©enuf, unb fo mochten manche 35etracf)tungen mitwirten, ai« Kleber, auf bie 9Rachricf)t, ber ©roföejier fei mit, »ielem SBolfe au« ©ptten nadf) 2fgppten im 2lnjuge, am 24. San. 1800 bie Übereihfunft »on @l = 2lrifch mit bem ©rofoejier unb ©ibnep ©mit!) abfcflof, burd) welche ben gtanjofen ein SBaffenflill ftanb »on 3 SRonaten bi« ju bet ©eftdtigung be« SSertrag« jugejfan* ben würbe, worauf ft'e nad) giranfreid) jutitcffebren follten. 2 lber Kleber’« Stief an ba« franj. Sirectorium, worin er, bie peinliche Sage be« $ect« »orftellenb, auf bie ffieftdtigung brang, fiel bem englifchen Jfbmiral Keith in bie Jbdnbe unb tarn nad) Sonbon. Sort »erlangte man, bie ganje franj. 2frmee follte ftd) frieg«= gefangen geben. 23a griff .Kleber noch einmal ju ben SBaffen unb fchtug am 20. SRdrj ben ®tof»ejier bei ^»eliopoli«, trieb ©teuern ein jur Stählung be« ©olbe«, formirte neue ^Regimenter au« Kopten unb ©riechen, fieberte bie Küfien unb legte SRagajine an. SRitten in biefet Shdtigfeit warb er am 14. Suni in Kairo »on einem Stufen ermorbet, unb ber Sberbefehl fam an üfbbaltah SRenou. ltnter= beffen fjatte man in Sonbon befchloffen, 2fgppten wiebetjuetobetn. Vlm 1 . SRdrj 1801 erfchien bie englifd)e glotte »or 2fleranbrien, unb am 12. war bie Sanbung bei 2fbufir »ollenbet; bie gtanjofen, etwa 4000 SR. fiatf, griffen amfolgenben Sagejwaran, mupten ftd) aber jurttefjiehen; am 18. ergab ftd) 2(bufir, unb bie ©ngldnber »erfchanjten ftch- 2fm 21. griff SRenou mit 10,000 SR. an, würbe gefchlagen unb warf ftch in Jflepanbrien; aber auch ber englifd)e ©eneral 2 fber« crombie würbe töbtlid) »erwunbet unb fiatb am 28.SRatj. djutefinfon trat an feine ©teile. 2fm 29. brachte eine türfifche glotte SSetfldtfung, unb nun ndfjerte ftd) auch ber ©rof»ejier »on ©»rien her. 2lm 19. 2fpril ergab ftch Sfofette an bie Bereinigten ©ngldnber unb Surfen 5 ein ftanj. ©orp« »on 4000 SR. würbe »on 8000 ©ngldnbetn unb 6000 Surfen bei Sfamanieh gefd)lagen; 5000 SRann gxanjofen würben »on bem ©tofoejier, bet mit 20,000 SR. auf .Kairo anrüefte, am 16. SRai bei ©Imenaper jurüefgeworfen, unb ba« ganje franj. £eet war nun auf Kairo unb 2llepanbrien befd)tdnft. 2fm 20. 3uni fing bie förmliche Selage* tung »on Kairo an; 7000 SR. folltcn biefen Ort gegen etwa 40,000 2fngreifenbe »ertheibigen. Kairo warb am 27. Sutti auf SSebingung ben ©ngldnbetn unb Surfen übergeben; ©eneral SMiatb follte mit feinen Stuppen ©tabt unb Sanb rdumen unb auf ettglifche Koften nad) gcanfreid) abgefuhrt werben, eingeborenen 2fgpptern aud) erlaubt fein ihn ju begleiten. 2lm 17.2lug. würben fie ju SRofette cingefd)ifft unb famen im ©ept. 1801, etwa 13,000 SR. jtarf, worunter aber faum 4000 33ewapete waten, ju Soulon an. SRod) war ©eneral SRenou in Jllepanbrien. 2 lbmiral ©antheaume war jwar mit mehren Sintenfchiffen unb 3 — 4000 SR. Sanbtruppen au« gtanfteid) abgefegelt unb bi« »ot 2lleran= brten gefommen, mupte aber, mit einem SSerlufle »on 4 Goroetten nach Soulon jurütfeilen. Sagegen hatten bie ©ngldnber 5000 SR. frifcher Sruppen au« ©ng= lanb erhalten unb rücften nun auf 2llepanbtien lo«. ©d)on war ba« ©affell SRa« rabou in ihrer ©ewalt, al« SRenou einen SSaffenftillfianb »erlangte, woju »or= jüglid) SRangel an Seben«mitteln unb eine neue äkrfiätfung ber S5riten »on 6000 SR. unter ©eneral S3airb au« Sftinbien beitrug. Sinn capitulirte SRenou am 2 . ©ept. 2fleranbrien, nebfi ©efchüfe unb Krieg«»orrdthen, 6 franj. Krieg«-- unb »iele Kauffahrteifchiffe, ferner alle atabifdte ^anbfdjriften, alle ©harten »on jfgppten unb anbre für bie franj.fOfepublif gemachte ©ammlungen mupten übers geben werben, bie franj. 2 frmee würbe mitSBaffen unb ©epaef nach einem franj. ttgppten (Scmbung unb gelbjug ber gtanjofen in) 141 ^mftn geführt; ju ©nbe Po». war fit in grattEreid). Sie Befafcung »on 5fiepan« bcien trat über 8000 ©olbaten unb 1307 Pfatrofen ftarE gemefen. Stei Sabre 6 Pfonate maren feit ber erffen ©nfdjiffung ju Soulon »erftoffen. Bier SBodjen nach bem aSertufle jfgppten« mürbe ju 2onbon (1. Set. 1801) bet präliminar« friebe unterjeidjnet. Siefer äfriegSjug in« Pilthal bi« Philae an Nubien« ©renje, jene Snfel, bie at« äußerffet fefter Punft be« römifefen 9?eid)S nad) ©üben gilt (ein Seutfcher, SBalbecE, rnill jebod) eine ©äule, non Befpaftan’S .Stiegern errichtet, am gußc be« PfonbSgebirge« entbeeft haben), war nicht erfolglos für bie Ijotjern Sntereffen ber ®ienfd)l)eit; benn 5Biffenfd)aft unb Äunji gingen bem Stoß ber Päaffen jur ©eite, gteilid) erffiefte Britannien« Pfad)t ba« burcf) jenen ^leereSjug gefäete ©amenforn ber Gmitifation in 'Ägypten; allein e« warb bennod) bem miffen« fcßaftlichen ©uropa baburd) eine gunbgrube eröffnet, bie Barbarei unb 6igennu& nur ju lange »etfd)loffen fjntten. Sa« alte Senberal), Sfjeben, Catopoti«, ©bfu jeigten fief) mit ihren Sempetn, Paläften, Puinen, SbeliSfen unb Äatafomben ben Blieben miffenfd)aftlid) gebilbeter Pfänner, bie ben 3ug nad) 2fgppten mit« machten. P3a« roeber ^)erobot, nod) ©trabo, nod) Siobor in biefet 2tu«behnung oermodjten, unb toa« neuern Sieifenben ju erEunben unmöglich mar, etfd)loß ftd) bei biefec Unternehmung bem 3fuge be« gotfebet« jum erffenPfal, unb hierin« berniffe, metd)c einft ber heilige (Sifer ber SanbeSbemohner unb fpäter bie Barbarei ber SSmanen ber Untersuchung entgegenbämmten, mußten jefst bem ©ifer ber feanj. Stieger meidjett. Bon nun an entfaltete ftd) bie fo oft »erfamtte ägpptifdje BauEunff in ihrer ganjen ©röße, unb c« lüftete ftd) ber ©dreier, ber bisher nod) über einem großen Steile ber @efd)id)te, ber ©itten, ber 3Biffenfd)aften, ber ©eographie biefe« ßanbe« ruhte. Sn ein unb bemfelben ©eifie grub bie« Bolf auf bie Ptaucrn feiner Paläffe, Sernpel unb ©räber bie Bilber feiner ©otter unb Sfotige, bie feiner ^)immel«beobad)timgen, feiner heiligen ®ebräud)e unb feine* häu«lid)en Seben«. Siefe ffeinernen Überlieferungen ftnb bie älteffen ©puren be« BfenfchengeifteS, bie un« bie ©ebräud)e ber Nationen in ihren fabelhaft gegtaub« ten Sagen jeigen. Sa« ©tubium ber ftlterthümer unb ber ©efeftgebung, fomie ber ©efd)id)te jlgppten«, lehrt »on neuem bie große 5Bahrf)eit, baß alte gort* fchritte in Sun ft unb SBijfen an ben ©eift bet Berfaffung unb Oiegierung gebun« ben, unb mie forgfältig ©efe|lid)feit unb 5Red)t ju beroahren ftnb. Saß ber jefjige Bicefonig in 2tgppten e« magen burfte, feine Pation unb bie Paturfräfte be« ßanbe« nad) feinem SBillen ab« unb einjurichten, ba« oerbanft er bem »orbereiten« ben ©eiffe ber gefcheiterten franj. Golonifation in jfgppten. 2Bir miffen jefst, baß unter alten cioilifirten Bölfetn bie 2fgppter juerff ben Stauf ber ©effirne beobachteten, inbem Europa butch bie granjofen mit ben Bilb* unb Baumerfen befannt mürbe, in meld)en bie alten Ügppter gemiffermaßen ihre afftonomifd)en Senntnijfe »erffei« nerten. ©o geigte ber Sobiafu« t»on S e n b e r a h (f. b.) (jefct in Pari«) unb jener »on ©8ne, baß bie Ügppter hierin Cehrer ber ©riechen maren. gtüher ahnte Pie« manbben@d)a(}»onPappru«manufcripten, bie ftd) in ben SataEomben ber St)e« baibe fanben, unb felbjf biefe bemunberten SenEmäler ägj>ptifd>er ©ultur, Piad)t unb ©röße maren früher unbefanttt. ©omol bie. rcidhen Beratungen al« bie nod) faft ganj unbefd)äbigten ©emälbe gemährten einen BlicE auf ba« innere unb häusliche gamilienleben ihrer eittffigen ©rbauer, unb bie 2fufftnbung beS berüf)m« ten ©tein« »on Pofette ließ nid)t ohne ©ruttb bie Hoffnung mieber aufroad)en, ben lange erfehnten ©d)lüffel ju ben Hieroglyphen ju entbeefen. (©. © p o h «■) 3fgppten« Pfonumente fafen Spru«, (Karthago unb 2ttf)en merben unb unter« gehen, unb ffehen nod). 2tl« ptato lebte, trugen fie fefjon ben ebtmütbigen Pai men oon Tflterthümern, unb fie merben ihn noch tragen, menn oon unfern ©täbten »ielleicht Eeine ©pur mehr »orfjanben iff. Sn ber ägpptifchen Pation nahm ver Senf male, an benen ber bev Seit umfonjt feine ©cf)drfe oerfudjte, auf bie Sauer ber bortigen Snflitutionen. S0?it geheimem ©rauen gebenft man ber oetfchwunbenen ©efdf)lecf)ter ber SRenfchheit feit ifjrer Entfle= tjung, unb ber Seiten, welche noch »ergeben werben, ef)e bie ©timen ber fPy= ramiben ftd) jur Erbe neigen. — Älleg, wag ber Eifer für bie 2Biffenfrf)aft, oerbunben mit ben auggebreitetften Äenntniffen, in einem Sanbe ju fammein oet= modfte, bag fo reich an fOfonumenten jeber 2(rt unb an ben feltenjien ©ehengwür-- bigfeiten iffc wie Ägypten, bat auf Äofien ber Regierung burd) bie Eommiffion für bie dgyptifchen Älterthümer ein 2Berf t>ect>orgcbradjt, bag in ber Literatur eben fo gropartig ifi wie bie ©ebdube, welche jum Sfjeii beffen 5ni)att madjen. Sie „Description de l’Egypte ou recueil des observations et des recherches pendant l’expedition de l’armee franyaise" (25 S3be., mit mef)t alg 900 Äpfm. unb über 3000 Äbbilbungen) liefert alle Arbeiten be8 Snflitutg oon .Kairo. Sie erfie ber 3 ^auptabtfjeilungen enthalt bie 2fltertf)ümer, bie jWeite ben neuern Suftanb, bie britte bie 9faturgefd)icl)te Ägypteng. Pfad) Napoleon« Äbficft würben nur wenige Epemplare abgejogen, unb wenige Epemplare gelangten an befreunbete Jiofe ins 2-CuSlartb. ©dmmtliche Äuffd(je würben nad) ootgangiger Prüfung oon einer Eommiffion aufgenommen, bie aug ben ©eiehrten unb Äünfi= lern befianb, welche bie Ärmee nach Ägypten begleitet hatten. Su biefen gehörten S3ertt)ollct, Eoftaj, Seggenetteg, goutier, ©irarb, SJionge, Eonte unb Saurent. Sie beiben Seiten, weld;e roafratb ber Ärbeit jiarben, würben burd) Somarb unb Salloig erfefct, welchen nacl)l)er nocl) Selille unb Seoillierg beitraten. Sub= wig XVIII. unb Äarl X. liefen bie $erauggabe beg fojfbaren Söerfg fortfegen, unb 1821 warb bem S3ud)t)dnb[er fPandoude in ^Parig eine neue Äufl. ju unternehmen unb ju folget bie foftbaren Äupferplatten ber erftenÄufl. ju benugen erlaubt. 5aco< tin’g prad)toolle Eljarte oon Ägypten, welche franj. (gngenieurg an Srt unb ©teile aufgenommen haben, würbe 1828 bem ägyptifdjen Ätlag beigefügt. (©. Äbet’g „Hibt. de l’expedit. d'Egypte et de Syrie", m. Äpftn. u. Efjarten, s Parig 1826.) Äl)tien, eine3al)l ebenbürtiger 83orfal)ren »dterlicfjer unb in Seutfcfylanb aud) mütterlid)er ©eite, ©ie werben fo gejaflt, bäf SSater unb SDfutter 2 Äf)nen, bie ©ropdltern odterlicher unb mütterlicher ©eite 4 Ähnen, bie Urgropdltern odteo liehet unb mütterlicher ©eite 8 Ähnen bilben u. f. f. Eg bann bähet nur oon 4, 8, 16, 32, 64 Ähnen u. f. w. bie Otebe fein. Sag Ähnenwefen unb bie Äf)tten< pro'be (f. b.) famen feit bem 15. unb 16. Sahrf). auf. Sie Ähnenprobe war nö= thig bei Surnieren, Somcapiteln, fRitterorben, ©amErbfchaften, bei fldnbifchen Sßerfammlungen, aud) jut v^offahigfeit bei grauen, befonberg um ftd) gegen bag Einbrdttgen ber Äugldnber ju wehren. Ä'hnenprobe. Unter bie pcrfonlidfjen S3orred)te beg alten Äbelg gehört auch bag’9ted)t ber Äufhahme in gewiffe abelige ©efellfchaften. Ser SSegtiff beg alten Äbetg im ©egenfajse beg neuen ift relatio, inbem man unter jenem benjenigen Äbel oerfbeht, ber fo oiel abelig geborene Ähnen jdhtt, alg nothig ft'nb, um in eine bejümmte abelige ©efellfchaft gejogen ju werben. Ser S5eweig, bap Sernanb oon altem abeiigen ©efcfjlechte fei, heift bie Äljnenprobe. 5Bahtfd)einlid) ift fie nur eine weitere Äugbehnung beg SSeweifeg ber freien ©eburt, welcher mit bet Äugbilbung beg niebern Äbelg entftanb, unb ging, wie biefer, in ben dlte|ten Seiten nur big auf bie sperfon ber ©ropdltern. Seboch mupte nicht nur bie freie ©ebnet biefer fpetfonen, fonbern auch b>ie Siitterart erwiefen werben. Sie ©rünbe jener Äugbehnung mögen in bem ©treben, theilg ben papjilichen Ereaturen ben Eintritt in bie beutfdjen ^odhftifter ju erfthweren unb ju oerwehten, theilg bie fromme greigebigfeit gegen bie iPircfje in engere SSerbinbung mit ber Erhaltung beg gami' 2£f)itung 3Cignan 143 lienglanjed ju fegen, ju fitd)en fein. Die ©tunblage bet 3(gnenprobe ift bie 2C* nentafei, roetefje bie 3fbftammung einet fßerfon in abfteigenben Cinien »äterli* eget unb mütterlicgcr ©eite bncftelEt, unb »on jeher batin »orfommenben ?per= fon Sauf* unb ©efcglecgtdnamen angibt, woju bie Stammtafeln unb ©tarnm* bäume ben ©toff batbieten. Dabei trieb nur auf ben ©tanb bed Saterd unb auf abelige ©eburt ober auf ben felbfterworbenen S3riefabel fRücEftcgt genommen. Die 3(gnenprobe beftegt erjtend aud ber giliationdptobe, b. i. bemSSeweife, baß alle in ber 3(guentafel begriffene fPerfonen »on angegebenen ©gegatten aud einer recgtmäfigen ©ge erjeugtfmb; jweitend aus bem SSetoeife bet 9f itterbür£ig = feit, baf nämlid) jebe in bet 3(gnentafel benannte fPerfon ein geborener ©betmann fei. 3(18 SSeweid genügt man, aufer bem gewognlicgen ßeugniffe abeliger ©efell* fegnften, SSBappen, ©emälbe, Snfcgriften, $ocgjeit= unb Seidjengebidjte, fo= gar Seicgenprebigten. Die SSeweife, bie Sticgtd atd bie ^räbicate ,,»on, auf unb ju" entgalten, fonnen niegt ald unbebingt gültig angefegen werben. *£>äuftg wirb nad) beenbigter 3(gnenptobe biefetbe butdg Einige »om alten abeligen ©tanbe untere fuegt, welcge bie abelige Äunbfcgaft audüben unb befegwören, baf naeg igrer 9J?ei* nung alle in ber 3fgnentafel aufgefügrte ^)erfonen gelten. Den 35efcgluf maegt bie Prüfung ber 3(gnenprobe non ©eiten bed ©apiteld, Drbend ober ber abeligen ©enoffenfegaft, in welcge Sernanb aufgenommen werben will. Übrigend würben balbmegr, halb weniger 2(gnen »erlangt, wie jur Surnierfagigfeit 4, gäcgftend 8; jur3(ufhagme in bie beutfege Bunge bed Soganniterorbend unb in ben beutfegen Drben 16. (Sgl. ben ©egluf beS 3(rt. ©r b a b e l.) 22. 3Cgnung, »on bem3(gnen, b. i. gmglen beS SSBagren, »etfegieben gebacg’t, ift bie Erwartung fünftiger ©reigniffe, bei welcger wir und megr ber ©efügle, »on welcgen fte begleitet wirb, ald ber©cglüffe, auf welcge wir fte grünben, bewuft ft'nb. 2ßit nennen bergleicgen Erwartungen 3(gnungen im engem ©inne (Dirn* nation), wenn wir und bei ignen ber ©rünbe gar niegt bewuft finb unb bager in ignen bad .Künftige Borger ju empftnben fegeinen. 5J?an unterfegeibet: 1) Die beffimmten3(gnungen, bei welcgen man ft'cg Deffen, wad ©inem agnet, niegt blof im 3(llgemeinen bewuft ift (j. 33. bie 3(gnung eined Sobedfalled, bei bem S5ewuft* fein, baf man ign erwartet); 2) bie unbefiimmten 2(gmmgen, welcge ftattftnben, wenn man im 3(Ugemeinen einem angenegmen ober unangenegmen ©reigniffe ent* gegenft'egt; 3) bie blofen Sotgefügle, Welcge meiftend beängftigenber 3(rt finb, ogne baf wir und einen ©runb ba»on angeben fonnen, bid ein angenegmed ober unangenegmed ©reignif eintritt, beffen 3(gnung wir und nunmegr leiegt Überreben in jenem ©efügle gegabt $u gaben, ©in 3(gnungdBetm6gen fann wenigfiend nidgt ald eine allgemeine gägigfeit angefegen werben; bagegen ift ed aud> ber fftatur bed ©eifted niegt wiberfpredgenb, anjuhegmen, baf füg unter befonbetn Buftänben unb Umftänben in einer menfcglicgen ©eele eine bem Snfiinct ber Sgiere agnlicge 3(g= nung bed Süfünftigen entwickle. fPgilofopgifcg unb giftorifeg beganbeln biefen ©egenftanb Debefinb in feiner ©egrift über 3(gnungen unb ©cgubert in feinen „3fnficgten Bon bet fJtacgtfeite ber Staturwiffenfcgaft". TCgriman, f. Dämon. 3(ib«8, f. tfjabed. 3(tgnan (Etienne), Dicgterunb ©cgriftfteller, geb. 1773 §u S3eaugenop an bet Soire, SRitglieb ber ftanj. 3(fabemie feit 1814, gat fteg bureg gelungene Uberfegungen (ber „Stiabe" unb ber „Dbpffee" in Serfen, jene ifl bie befte bid jegt in ber ftanj..©pracge, tegtere ift noeg Sianufcript; — bed „Essay on criticism" Bon ¥>ope, in Serfen, unb einiger engl. Sfomane, j. 85. bed „ßanbpr. Bon SBafe* fiel* 3 "), bureg ein Srauerfpiel („85runegaut"), bureg eine Dper („53epgtali", S0?uftf Bon ffilangini) unb bureg einige treffliege-potitifege ©egriften: „Sur lejury"; „De l’etat des protestans «n France, depuis leXV siecle jusqu’a nos jours 144 2CiguitIon %iy «tc." (2, $atiS 1818); unb „Sur les eoups d’etat", fowie bucch 33eitcäge ju ber „Minerva franpaise", auSgejeichnet. 6c backte fteiftnnig, fcfjtieb gut unb fccimütt)ig, aber fletS gemäßigt. ©inen SSeweiS »on 9J?utf) tüte Heinec gab 31. burd) fein Stauetfpiel „La mort de Louis XVI", fein etjleS ©ebieft, ba$ ec toenig SSocfen nad; beS .Königs Einrichtung in ^PatiS fjetauSjugeben wagte. Sn öffentlichen SSecwaltungSpojlen wäljtenb bec ©chtecfenSjeit wibeefefcte ec fid; bec Sprannei nicht ohne ©tfolg. Napoleon eenannte ihn 1808 jum ^offeccetaic im ©epact. beS auswärtigen ©ienfheS. 3f. flatb ju fPatiS ben 23. Suni 1824. 3fn feine ©teile in bec 3lfabemie tcat ©ommet. 2C t g u i 110 n, Eecjog unb fPaic »on gcanfteid;, SOfiniflec bec auSwäct. 3fn* gelcgenheiten untec Subwig XV., als Höfling bucch 2ßi& unb @eifl auSgejetd;net, abec fonjl »on allen ben Sigenfchaften entblöpt, welche ben Staatsmann bewäh= cen. 5Bahcenb feineö SDtinifleriumS fanb bie Steilung Polens flatt, unb ec ec= hieltecjtbannoonbiefemAttentat gegen baSfßölfeccedjt Äenntnip, als eS fchon »olljogen wac. ©elbft Subwig XV. tief aus, als eS }U feinet Äunbe fam: „3Bäte ©hoifeul noch ba gewefen, biefe Steilung hätte nicht flattgefunben!" 31. wac 1720 geboten. 3flS ec am E°f e SubwigS XV. auftcat, bemecl'te ihn bie ^ecjogin »on ©fateautoup, ©eliebte beS .Königs, mit SBohlgefallen. ©ieS wac bie Ur-- fache, baf ec bei bec3fcmee inStalien eine 2fnfiellung erhielt. Ul ad) mannigfa(= tigern SBechfel bec fönigl. ©unft unb Ungunft bucch bie ©täfin ©ubattp, tcat ec, nach Ghotfe«t’« @tur j, mit bem 3lbbe JJettap unb bem Äanjler SJRaupeau ins SRiniftecium unb »ecwaltete bie auSwäct. Angelegenheiten juc Sntebcung gtanf« ceichS, welches untec ihm aus feinet bis bahin behaupteten gcofjen biplomatifchen Sfolle hecauStcat. Auch bie fchwebifche SReoolution 1772, bie et ftd; cühmte »ot= beceitet ju haben, wicb ihm juc Saft gelegt. Sei bec Shconbefleigung SubwigS XVI. Wucbe ec auS bem SRinifterium entfernt. 3fn feine ©teile fam bec ©caf »on SSet= genneS 1774. ©et »on bec .Königin gehaßte 3f. wucbe 1775 epilict unb flach in feinem 6pU in ben 80ec Sahten. 3tIffe (©emoif.), befannt bucch ib« unglücf(id;en unb wunbecbac »ecfnfipf« ten ©djicffale, geb. in ©iccafften 1689, watb »on bem ©cafen gectiol, feanj. ©efanbten }U .Konftantinopel, als ein 4jahtige3 Äinb füc 1500 Stores gefauft. Der föetfäufet gab fie füc eine citcaffifche gücflentod;tec aus. ©ie wac »on gropet ©chönheit. ©et ©caf nahm fie mit nach gcanfteid; unb liep fie mit ©ocgfalt er« jiehen, wobei man Nichts »eegap als ihc®cunbfafe einjuptagen, gut bie Su-- genb gefdpaffen, lehrte fte bod; etflnad; langen S«tf;ümetn ju ihc juciicf. Sh« Unfd;ulb unterlag bec ©anfbaefeit, bie fte füc il;cen 5Bof;lthäter hegte, beffen Un= fittlid;feit ein foldjeS Dpfec fobecte. ©agegen wibeeftanb fie ben glanjenben Aner= bietungen beS ^tetjogS »on ©cleanS; »on iheen jahlteidjen 3fnbetetn jeid;nete fie nuc ben ©heoaliec Aibp auS. ©iefe Siebe entfehieb ihc ©djicffal. Aibp hatte fein ©elttbbe ju SOlalta gethan; ec wollte fid; »on bemfelben entbinben laffen, allein fie felbfi wiberfefcte fid; biefem SSecfudje. ©ie grud;t ihcec Siebe wac eine Sodptet, mit bec fie in Snglanb niebeefam. ©amalS bemächtigte fid; ihcec bie bitterfte Siette; fte fämpfte »etgebenS mit ihcec Neigung unb lebte in einem Swiefpalte mit fid; felbfi, bem ihre ohnehin fd;wad;e ©efunbheit nid;t lange wibeeftanb. ©ie fiatt 1727 , 38 Sah« alt. Sh« SStiefe finb anmuthig unb fliepenb gefcheieben; man mup bie fflecfajfetin lieb gewinnen, bie ihc SnnetfleS fo aufrichtig offenbatt. Üben bieS enthalten fie manche Anefbote »on auSgejeichneten fPetfonen bec bamaltgen $eit. ©ie etfdjienen juecfl allein mit fftoten »on SSoltaice, nachhec jufammen mit ben Sriefen bec ©amen 33illatS, Safapette unb Sencin (1806, 3 83be.). 3fip (bei ben ^Römern Aquae Sextiae), ^auptfl. im feanj. ©epact. bec SRhonemönbungen, am gluffe Are, mit 21,960 Sinw., einem ©tjbiSthum, ei« ttem fönifll. 3fppellationShof unb -^anbelSgecicht, einet 3(fabemie fut uni) 2Qaccto QCSabemie 145 SutiSptubenj, einem dotlege, einer anfepnlicpen 58ibliotpef, einet gelehrten ©es feltfcpaft unb einem SJiufeum. Sie ©tabt t>at oetfepiebene gabrifen, oornebmlicp in SSaumwolle; fie finb, wie bie wannen SSaber, in S3etfal(. Sn ber 9Jtinoriten= fircfjc pat griebrid) bet ©rope bem 9Jlatqui8 b’2(rgen8 ein Senfmal errietet. Sie ©tabt pat bie größte Selbmarf in ganj Stanfteicp. Sie Dielen Familien ber 83e= wopner ber gropen ©arten unb ihrer Arbeiter um bie ©tabt herum werben nach ber SBeife bet ftanj. unb ital. ©tabtgemeinben ju ben ©tabtbewopnern gerechnet, ba= her fepeinen bie Angaben ber 83olf8menge ber@tabte im füblidien dutopa fo häufig ben üJfeifenben übertrieben, weil fie biefen Urnflanb nid)t fennen. Übrigens erholt fich 21 ir burd) bie ©eibengewinnung unb ÜRanufacturirung in feinem gropen ©tabt= gebiet, ba8 jugleicp SO^arfch-, ©anb = , Äalfs unb ©teinboben befifjt, burd) bie oorjüglid) forgfame 33epanbtung beS SlbaumS unb burd) bie 2(cclimatifitung füb= licper ©artenfrüepte, bie ber £ujcu8 beö norbtidjen g;ranfreicp8 gut befahlt. 2ljctccio, Hauptfl. Don dorfica, mit 7000 dinw. unb einem burd) bie ditabelle befd)üptenHafen, liegt norbt. am ©olf gl. 52., an ber SBcftfufre berSnfel unb am gufammenflup bergtüffe Serignano unb 9ieftonico. Sie dinfahrt in ben Hafen ifi ber oorfpringenben Seifen wegen nicht ganj fieper. 21., ber ©eburtSort 9lapoleon S3onaparte’8 unb feiner ©efd)Wifler, ifi bie fd)6nffe ©tabt aufdorfica unb ber ©iß eine« §3ifcpof8. Sn ber Hanbel8wett ifi 2f. wegen feiner Äora((en= unb ©arbellenftfdjereien begannt, weniger in bet gelehrten burd) feine 2(fabemie. 2fjap (gtieep. 2(ia8). Unter ben Heerführern oorSrofa gab e8 ben 2fjap S i (e u 8 unb ben 2fjap S e t a m o n i u 8. Sener, ein ©opn be8 S'ileu8 unb bet driopis, ein Sofrier, war ber Eleinerc. SSor Sroja war et mitgejogen, weil er einet Don ber Helena freiem gewefen. Sm Äarnpf artete feine Sapferfeit juweilen in unfinnige SButp au8. föeifpiele erjäplen bie nad)homerifd)en Sichter. 2(18 bie ©riechen, fagenft'e, in Sroja eingebrungen waren, flüchtete ffd) Äaffanbta in ben Sempel ber fPalla8, allein fie warb mit ©ewalt herau8geriffen unb gebunben al8 ©efangene fortgefchleppt. dinige .erjäplen, Äaffanbra habe bie ©tatue ber ©ottin umfapt, 2(. aber habe fie bei ben Haaren ergriffen unb fortgefcplcift; 2fnbre taffen ihn fogar bie Prophetin im Stempel ber ©ottin fdjanben. Uli;jfe8 fragte ihn biefeS Steoel8 an, er aber reinigte fid) burd) einen dib. Sennod) traf ihn bie Stäche bei ©ottin unb liep ihn in ben Sluten be8 92eere8 umfommen. — Ser anbte 2f. war be8 Selamon ©opn, au8 ©alami8, unb ein dnfel be8 2i'afri8. 2(ud) er war unter ben freiem ber Hetena gewefen unb jog bepwegen mit 12 ©epiffen gen Sroja, wo Homer ipii als ben tapferflen unb fdjonflen ©riechen nad) 2(d)ille8 preiff. 9licpt ju reben, aber ju panbeln oerflept er. Sabei ifi er offen, Doll ebeln ©toljeS. 2(18 ipm aber nach 2(d)itle8’8 Sobe bie ÜÖJaffen beffelben, auf Weld)e er wegen feiner SSerwanbtfcpaft unb Sapferfeit 2fnfptücpe patte, Don UlpffeS ent= jogen würben, bemaeptigte fiep 3om unb SEButp feiner ©eele, unb er flürjte fiep Derjweiflung8ooll in fein ©cpwert. A jour faffen je. einen dbelflein, peipt, ipn fo faffen, bap ber 9tanb per= umgebeeft, bie beiben ©eiten aber fid)tbar finb, er alfo burd)ficptig bleibt. 2( f a b e m i e, gewopnlicp ein föerein Don ©eleprten ober Äünflletn, bie ge= meinfcpaftlicp bie popere 2(u8bilbung ber Sßiffenfdjaft unb Äunfl fid) jum j3wecf Dorgefept paben. Sföeber 33efolbung Don ©eiten be8 ©taat8 noep Unterricht ber Sugenb finb wefentlicpe drfobetniffe. Sie 2(('abemien ju^)ari8, ©tocfpolm unb Serlin finb jwar jum Speit fiepranflalten; allein fie würben bie8 erft in ber §o(ge, naepbem fie früher blop ben angegebenen 3wecf patten. Sie SJlitglieber ber 2ffa= bemie waplen |icp entweber ein §ad) ber 93iiffenfd;aft, ber Äunft, ober bie 9?egie= rimg tragt ihnen bie befonbere ^Bearbeitung eine8 folcpen §acpe8 auf. ©ie liefern barübet2(rbeiten, bie in regelmapigen fflerfammlungen Dorgelefen unb in ben Senfs fepriften bet 2(fab. abgebrueft werben. Sen 9?amen leitet man Don ber atpenifdien SonD.sSer. ©iebente 2fufl. 58b. I. f 10 146 3Cfabemie 2f!abemie, ber©eft(sung eines gemiffen 2ffabemuS, fjer, melche als Äampffchule unb als ber £)rt, mo fPlato teerte, berühmt mar. 2fud) bebiente man ftcf) beS 3öorteS2ffabemie, um bie nerfd)iebenen pi)ilofopi)ifd)en ©eiten bamit ju bejeid)nen, bie in jener ©efi'hung ihre feeren nortrugen; in biefern ©inne fpricht man non bet erflen, jmeitett ober mittlern unb britten 2(fabemie, b. i. non ben auf einanber gefolgten afabemifcf)en ©eften, beten ©tifter ^piato, 2ftceftlauS unb SaribeS ober GatneabeS roaren. Sie etfle 2fnflnlt im 2flterthum, trelcfje ben Namen 2ffabemie nad) unfern gegriffen netbient, mar bie in JÜcpanbrien. Dietmar, burd) bie §reigebigfeit ber ^totemaer angejogen, ein jatjireidjer ©erein non ©eiehrten t>er= fammelt, rocldje bloß für Grmeiterung unb ©etnollfommnung menfd)(id;er Äennt* niffe tl)dtig fein foilten, teiber aber halb in Nlüfiggang uttb grammatifdje @pi(j= ftnbigfeiten nerftelen. 3fuS 2Tlepanbrien entlehnten bie gelehrten Suben bie ©itte, 3ffabemien ju fHften, rneldje feit bem Gnbe beS 1. 5ah l 'h- in ben ©tdbten am Gitphcat, ©ora, Nel)atbea unb ^)unebebita angelegt mürben, ©on ihnen lern* ten bie Neflorianer im 6. 5ahrf). bie SBiffenfchaften fd)d|en, unb non biefen bie Araber, beten treffliche Ähnlifen, 2flmanfor, .fjarun al Nafcf)ib unb 2(lmamun, eine Nlenge 3ffabemien flifteten, bie non Gorbona bis S3ofh ata ' m fernflen Sflen bie größten ©egüttfligungen genoffen. 2fuch am «ftofe ÄarlS b. ©r. finben mir eine 3(fabemie, bie ber Äaifer auf feines 2ef)rerS 2Ilcuin ©eranlaffung gegiftet hatte, unb bereit Nlitglieb er felbfl mar. Siefe tiübliche 2fnfralt ging mit 2f(cuin’S Sobe unter, unb feitbem finben mir feine eigentliche 2ffabemie bis ju ben Seiten, ba burd) bie Groberung ÄonflantinopelS non ben Surfen mehre gried)ifd)e ©eiehrte bemogen mürben nad) Italien ju flüchten. SamalS legte Corenj non Nlebici in Slorenj juerfl einegried)ifd)e2ffabemie an, bei welcher 2frgpropu!uS, 5£l)eobor ©aja unb GhalfonbplaS angeflellt mürben. Sann fliftete GoSmuS bie ^Olatonifcfje 2ffabemie, bereit 3>necf baS ©tubium ber ©chriften beS jpiato unb bie SÜBieber^er- flellung feiner *pt)irofopt)ie mar. Qmt maren aud) biefe 2Inflalten nidit non bauern* bem ©eflanb; allein anbre unb umfaffenbere 3ffabemicn traten jundchfl in Stalien an il)te ©teile unb oerbreiteten ftcf) burch alle ©taaten GutopaS. SBir mollen bie roid)tigfien dltern unb nod) befte()enben nad) ben ©egenfidnben, meld)en fie ge* roibmet ftnb, orbnen. — 21 1 [gemeine miffenfd)aftlid)e 2Ifabemien. Sie Academia Secretorum Naturae, meld)e 1560 ju Neapel jur ©eforbetung ber mat[)ematifd)en unb phpftfalifdten SGßiffenfcfjaften gejliftet mürbe, mußte megen beS pdpjllid)en SnterbictS aufgehoben merben. 3l)t folgte bie Accadcmia dei lincei, non bem Sürflen Geft ju Nom gegen Gnbe bcffelben Sahri). gefliftet, beren S02it* glieb ©alilei mar. SicAccademia dcl cimento entflanb ju 2(ttfang beS 17.3>ah l 'h unter ©egünfligung beS dürften Seopolb, nad)ntaligcn GarbinalS non Nlebid, unter beren Nlitglieber fPaolo bi ©uono, ©orelli, ©inani, 9lebi, Nlagalotti unb anbre auSgejeidjnete Nldnner gehörten. Sie Accademia degl’ inquieti jtt ©o* logna, nad)her ber Accadcniia della Tracia einnerleibt, h nt unter bem Sütel: „Pcnsieri fisico-matematici" 1667 mehre treffliche 2fbl)anblungen geliefert. 1714 marb fte mit bem Snflitut ju ©ologna nereinigt uttb heißt feitbem 2(fabetnie beS SnflitutS ober aud) Glementinifche 2ffabemie (non GlemenS XI.). ©ie ifl im ©eft'he einer großen Naturalien* unb ©üd)erfammlung. 1540 mürbe eine 2(fa* bemie unter bem Namen Socictä scientiiica rossunense degl’ incuriosi jtt Noffano im Neapolitanifchen errichtet, anfangs für bie fd)6nen Äünfle, feit 1695 aber für bie 5Biffenfcf)aften. Sie fonigl. 2ffabemie jtt Neapel befleiß feit 1779; ihre ©driften enthalten einige gehaltnotlc Unterfuchungett über mathematifdie ©e* genflanbe. Noch nennen mir non ben italientfd)en bie 3l‘fabemien ju Sucht, ^a* btta, ©enua, Nlaitanb, ©iena, ©erona, non betten allen mir ©djriften h a 6en. Überhaupt ifl Italien als bie eigentliche Pflegerin afabemifdjer ©tiftungen an* jufeben, beren SfarcfiuS in feinem Katalog 550 mtf$dl)(t. — Sie feattj. 2ffa* 2£fabmie 147 bemie ber 9Biffenfd)aften p ^)nriä, Academic royale des Sciences, 1666 ron Golbert gefliftet, erhielt bie fonigl. 93efMtigung ec ft 1699. Sie 9J?itgliebcc mürben in 4 Glaffen getfeilt: Gfrenmitglieber, mirflidfe (befolbete) SRitglieber, 2 CfTocieö unb äoglinge, moron bie crfte 10 , jebe bei 3 anbecn ab ec 20 fperfonen ent feilten follte. Sen *Pväftbenten ernannte bec Honig aus ber erften Glaffe. 2fuS ber jmeiten Glaffe marb ein ©ccretair imb ©cfafzmeifter gemdflt. Ser -fjerjog «Regent fcfjnffte bie (Haffe ber 36glinge af unb fugte bafür 2 neue (Haffen finp, moron bie eine 12 j3ugeorbnete, bie anbre 6 2CffocieS entfielt, melcfe letztere feiner befonbern SBiffenfcfaft obpliegen braud)ten. ferner fam finp ein 9Sice= prdftbent, ben ber Honig jafrlicf aus bec erften Glaffe, unb ein Sirector unb ©ubbirector, bie er aus ber jmeiten Glaffe traf Ite. 1785 fugte ber Honig (Haffen für aturgefcf id)te, 2(cf erbau, SJfineratogie unb ^Jfpftf finp, fobafj baS ®anje nunmefr aus 8 (Haffen beftanb; aud) rerbanb er bie 2fffocieS unb 3ugeorbneten (adjoints) mit cinanber. Siefe 2Cfabemie fat ftd; große «öetbienffe ertrorben, na= mentlicf bued) bie ron ifr reranftalteten 5Reribianmeffungen. ©eit 1699 fat fie, mit trenigen neuern HuSnafmen, bis 1793 jafrlicf einen SSanb ifrer Hbfanblun= gen fecauSgegeben, meld)e bis bafin eine 9feife ron 139 födnben auSmacfen. Ser fParlamentSratf Srouille be SWeSlat; fatte 2 greife gejfiftet, melcfe bie 21fa= bemie jdfrlicf rertf eilte, ben einen ron 2500 SirreS für bie pfpftfcf e Hfronomie, ben anbern non 2000 SirreS für bie ©efifffafetsfunbe unb ben $anbe(. 1793 mürbe fie aufgefoben, unb an ifre unb ber übrigen 3ffabemien ©teile trat baS «ftationalinflitut; aber Submig XVIII. (feilte fte mieber fer. SJebeutcnbe 2ffabe= mien ftttben fief nod) außer fPariS in ben «ornefmfien ©tabten granfreid)S, 5 . 95. p Gaen feit 1705, p Souloufe, ron beren ©driften ber 1. 93b. 1782 erfefien, p fKouen feit 1736, p 93orbeaup feit 1783, p ©oiffonS feit 1674, p SO?ar= feille feit 1726, p £pon feit 1700, p SRontauban feit 1744, pHmienS feit 1750, p Sijon feit 1740 k. — 3u 95er [in trurbe eine 31fabemie ber Hünffe unb «ffiiffenfcfaften rom Honig gfiebrief 1 . 1700 geffiftet; fßecanberungen mürben rorgenommen 1710, rornefmlicf in Sepfitng auf ben fPcdfibenten. Sie SfRitglieber mürben in 4 Gtaffen getfeilt: bie eeffe für biefPfpftf, SRebicin unb Gfemie; bie jmeite für SRatfcmatif, 2fftronomie unb SRecfanif; bie britte für beutfdje ©efd)id)te unb@pracfe; bie rierte für orientalifefe ©elefrfamfeit mit Sfütfficft auf bpeibenbefeftung. 5ebe Glaffe rodfit einen Sirector auf 2ebenS= Seit. Ser erffe (pedftbent mar ber berüfmtc Seibnifs. Grff unter griebrief II. fam bie 21nffalt in mafren glor, a(S Siefer berufmte ©elefrte beS 31uSlanbeS ferbeipg unb SRaupertniS pm ^Oraftbenten ernannte. ,3mei 9Ral jafrlicf merben offentlicf e ©ifzungen gef alten: an beS Honigs ©eburtstag unb am Sage feiner Sfronbeffeigung. Sn lefterer mirb eine 9)reiSmebaille ron 50 Sufaten Semjeni= gen perfannt, ber bie ron ber Hfabcmie aufgegebene Aufgabe am beffen beanf= mortet fat. ©eit jener 3eit ftnb bie 2(bfanbtungen ber Hfabcmie u. b. S.: „Me- moires de l’Academie royale des Sciences et belles lettres a Berlin", tn einer Sfeife ron93dnben etfefienen. «Reue 21bdnberungcn fanben 1798 ftatt, um ber 21fabemie eine gemeinnützigere Sfdtigfeit p geben; u. a. marb bie Fonigl. § 8 i= bliotfef unb baS Hunffcabinet mit ifr rerbunben. — 3u SO? a n f e i m errieftete eine Jlfabemie ber «ffiiffenfdpften Hucfürfl Harl Sfeobor 1755 naef ©cfopflin’S 9)lan. ©ie befianb anfangs aus 2 (Haffen: ber fiffotifefen unb pfpfifalifcfen; letztere mürbe aber 1780 in bie eigentliche pfpft'Falifcfe unb in bie meteorologifcfe abgetfeilt. Sie gefd)icftlid)en unb pfpft'Falifcf en Senffd)riften finb u. b. S.: „Acta academiae Theodoro-Palatinae", bie meteorologifcfen u. b. S.: „Ephe- merides societatis nieteorologicae Palatinae" etfd)ienen. — Sie 'Hf'abemie ,511 9Rüncfen belieft feit 1759, mürbe aber, als Saiern p einem Honigreid) er= foben marb, anfefnlid) ermeitert, unb Sucobi p ifrem fPrdfibenten ernannt. 148 tffabmie 5f)tc ©chriften finb u. b. S£.: ,,2f6f>anblungen bet 6airifd)en 3ffabemie“, etfc^ie= , neu. — 3« bcrfaiferl. 3(fabemieber Söiffenfchaften in ©t. = Petereburg hatte ^etefc ber ©roße ben Plan gemacht unb babei 2Bolf unb Seibnifs JU 9iatl)e gejogen. 6c flat'b über ber Ausführung, weUfte .Katharina I. »otlenbete, foba|i bcn 25. Sec. 1725 bie erffe ©i£ung gehalten würbe. (Sie Afabemie feierte it>r Jubiläum ben 29. Sec. 1826.) Sie Äaiferin beffimmte jährlich etwa 30,000 SKubel für bie G'rhaltung ber Afabemie; 15 auSgejeidjnete ©eieijrte in oerfdftebenen Sadjern würben alS Afabemifer befolbet unb führten ben Profeffortitel. Sie berütjmteften hinunter waren Pifol. unb Saniei SSernoutti, bie beiben be SiöteS, SSufftnger f unb 9Botf. Unter Peter II. geriet!) bie Afabemie in SBerfall, erljob fid) wieber unter ber Äaiferin Anna unb oerfanf nad) if)rcm SEobe aufS neue. Unter Glifabeth blül)te fie jum jweiten Pfale auf. ©ie würbe erweitert unb »erbeffert, aud) 1758 eine Afabemie ber Äünfte ßinjugefügt, bie aber 1764 wieber baoon getrennt warb. Sa8 jafjrt. Ginfommen flieg big auf 60,000 Siubet. 33efonber$ t>at biefe V(fabe= mie für bie nähere Äenntniß beS innern PußlanbS gewirft, inbem fie Scanner wie 'PallaS, ©meiin, ©tolberg, ©ülbenffabt, Älaprotl), einzelne Prooinjcn bereifen ließ unb baburcf) bie SBeranlaffung ju trefflichen 3öerfen gab. Sie j3al)t ber wirf; !id)cn Pfitglieber, außer bem Pnffibenten unb Sirector, belauft fid) auf 15; nad)flbem finb 4 33eigeorbnete angeffellt, welche ben ©ifmngen beiwohnen unb nad) unb nad) einrüefen. Sie Afabemie hat eine trefflid)e ©ammlung von 33üd)ern unb ^)anbfd)riften, ein foffbateö Phmjcabinet unb eine reidje naturbiftorifche ©ammlung. Sie ©rfjviften berfelben erfd)ienen non 1723 — 47 in 14 33bn. U. b. 2.: „Commentarii academiae scientiaruin imperialis Petropolitanae", bann bis 1777 u. b. 2.: „Novi commentarii“, in 20 23bn. ©eitbem führen fie ben 2itel: „Acta academiae", unb jelft in einer neuen iKeil)e b. 2.: „Nova acta“ (lOSÖbe., 1826). Sie Gommentarien finb bloß lateinifch, bie Acta aber tljeilS lateinifd), theilS franjofifd) abgefaßt. — Sie Afabemie ber Pßiffenfchaften ju Sologna, ober baS: Srtfiitut oonS3ologna, würbe 1712 oon bem ©rafen Pfarfigli gegiftet. (©. S3ologna.) — Sie fonigl. Afabemie ber SBiffenfchaf; ten ju ©to cf ho Im entffanb aus einer Prmatgefellfdjaft non 6 ©clel)rten, unter benen Sinne war, unb hielt ihre etfle ©ifjung ben 23. Suni 1739. 3sn bemfelben 3ahre erfdjienen il)re erffen 2(bf)anblungen. Sie@efellfd)aft jog halb bie öffentliche Aufmerffamfeit auf fid), unb am 31. PWrj 1741 erteilte il)r ber König ben Pa; men fonigl. fcbwebifcbe Afabemie. @ie bekommt inbeß oon ber Krone feine 3al) C; gelber unb wirb oon il)t'en eignen Pfitgliebern geleitet. Pur 1 Profeffor ber Gr= perimentalpt)ilofopf)ie unb 2 ©ecretaire werben auö bem bebeutenben, non 53er; mad)tniffen unb ©djenftmgen herrühronben Permögen ber ©efellfd)aft befolbet. Sie Prafibentfdjaft wedjfelt alle 3 Pfonate unter ben ju ©tocfßolm wohnhaften Pfitgliebern. Sie in ben ©jungen »orgelefenen Abßanblungen erfd)einen viertel; jährlich. Sie erffen 40 S3be. bis 1779 heißen bie alten, bie nachfolgenben bie neuen Abhanblungen. Sie öfonomifdjen ©ebriften erfd)einen für fid) u. b. 2.: „Oeco- nomica acta“. Sahrlid) werben Preife in ©elb unb golbenen Senfmünjen auS= gefeßt. 1799 würbe bie Afabemie in 7 Glaffen getheilt: ©taatS; unb Sanbwirtß; fchaft, 15 Pfitglieber; $anbel unb mechanifclic Äünfte, 15 Pfitglieber; Phpfif unb PaturfunbebeS AuSlanbeS, 15 Pfitglieber; Phpftf unb Paturfunbe beS 3n; lanbeS, 15 Pfitglieber; Pfathematif, 18 Pfitglieber; fdiöne Künfte, ©efd)id)te, ©prachen, 12 PJitglieber. Sie ’Äfabemie hat ben 3(Ueinl)anbel mit Galenbern. — Sie fonigl. Ulfabcmie ju Äopenhagen entffanb auS einem SSerein oon 6 ©eiehrten, benen GhriflianVI. 1742 bieÖrbnung feines PtünjcabinetS über= tragen hatte, unb bie nad)her ihren Plan ju einem regelmäßigen Snflitut auS= behnten. G'iner jener ©eiehrten war ber©raf von ^»olftein, auf beffen 3fntrieb GhviffianVI. 1743 bie 2(fabemie unter feinen ©chuh nahm, ihr ein beffimmte« Kfabemte 149 ©infommen anroieb unb fte ermutigte, ifjrc SEfpftigEeit aud) über bie 9?atur= gefehlte, fphbf 1 ^ tmb SORatljematiE auSjttbehncn. ©ie hat bis jcijt 15 SSbe. tu banifdjec ©ptad)e hetaubgegeben, »on betten einige ins 2ateinifd)e überfefct mor= ben. — Sie fonigl. irtanbifd)e AEabemie ju Sub litt bitbete ftd; um 1782 meiji ,utb SJiitgiiebecn bec Uniuerfitat, bie ftd) mochenttid) «erfammeltett. ©eit 1788 ftnb ihre Abhattblungen regelmäßig erfd)ienen. ©d)on 1683 war in Subtiit eine AEabemie unb 1740 eine pf)pftfatifrf;=f;iflovifd;e ©efeltfchaft, »ott mctdjec tebtern 2 SSbe. ©djriftcn uorhanben ftnb; aber beibe Anfiatten gingen bei ben 3errüttttn= gen beb Sanbcb ein. — 3« 2 i f f a b o n mürbe «on bec «origen Äonigiit eine 2ffa= bemie bec SBiffenfd)aften, beb AcFerbaueS, bec Äiinfte, beb -fjanbetb unb bec SEo= nomie im Allgemeinen errid)tet, melche attb 3 Claffen: SRatucEunbc, SDiathcmatiE unb (JRationallitcratur, befieht, unb im ©anjett 60 SKitglicbec jÄf)lt. ©ie bat t)ec= aubgegebett: „Memorias de letteratura portugueza", „Memorias cconomi- cas", aud) miffenfd)aftlid)e Abfanblungcn unb eine „CoIIecgao de livros inedi- tos de histocia portugueza". — Sie ametiEanifdjc AEabemie bec Äüttfic unb SSiffenfdjaften ju S3 o ft o n tvttrbe im Anfänge 1780 cingerid)tet. Sht 3mecf ifi, bieÄenntnif ber Altertümer unb 9Raturgefd)id)te beb ßanbeb ju befotbertt, ben ©ebraitd) bec »erfd)iebcnen SRaturetjeugniffe jit befiimmen, mebictnifd)e ©nt= bedungen, mathcmatifdje Unterfudjungen, pf)ilofopbifd)e gorfd)ungen unb S3cc= fud)e, afironomifdje, mcteorologifdje unb gcograpfifdje S3eobad)tungcn unb ©r= ftnbungett für Acferbau, SDRanufacturen unb $anbel ju forbertt, unb jebe itunft unb 9Biffcnfd;nft ju betreiben, meid)e ben fRufsen, bie Sf)re, SBürbe unb Sßot)tfaf)rt cineb freien, unabhängigen unb tugenbljaften SJolEeb «ecmet)ccn Eann. Sie 3af)t bec ÜJi'itglieber barf nid)t unter 40 unb nid)t über 200 fein. Sec 1. S3b. ihrer Ab= hanbl. erfd)ien SSofion 1785.— Über Äunfiafabemien unb Äunfifd)ulen f. man b. bef. Art. — AEabemicn für befonbece gadjet bec 2Biffenfd;aft. gut 9R ebicin. Sie Academia naturae curiosorum jtt SBien, aud) 2eopolbb=R(fabe= miejenannt, 1652 »onS- 2.SJaitfdjiub gefiiftet, gab anfangs ii)ce ©d)riften ein= jetn, feit 1684 aber banbtveife beraub. Unter Seopolb I., bec fte fetjr begünfiigte, nafjm fte ben SRanten Caesarco-Leopoldina naturae curiosorum academia an. Ähnliche AEabemien mürben jtt Palermo 1645, in ©panien 1652, ju 93enebig 1701 unb ju ©enf 1715 gefiiftet. — gm Chirurgie. Sine diitutgifdjc AEa= bemie marb 1731 ju fParib geftiftet, tuctc^e jafjctidf) eine ipreibaufgabe befannO macht unb bie befie S3eantmortung mit einer golbenen SenEmünje »on 500 2i»reb belohnt. 3» SBien marb eine djirurgifclje AEabemie 1783 gegrünbet. Sret fPreib= mebaiden, jebe 50 ©utben an Söertf), merben jdhrtief) an bie gefd)itftefien 3ogtinge »ertheitt. — gut 2 b e o l o g i e mürbe 1687 eine AEabemie in SSotogna gegrünbet. — gür Äobmographte fiiftete ©oronelli jtt Rfnfang beb 18. 3«h l 'h- 93ene= big eine Rffabemie unter ber SScnennung ber Argonauten, beten 3t«ecE bie $eraub= gäbe guter (5h«vten nebji S3efcf>reibttng iji. — gür ©efd)id)te. Äonig 3oh flt tn V. fiiftete 1720 eine fonigt. AEabemie ber portugieftfd)en ®efd)id)te $ tt Siffabott, metdje attb ISirector, 4 denfocen, 1 ©ecretair unb 50 SRitgtiebem befieht, unb bie Eird)tid)e unb potitifefje ®efd)id)te ^)ortugatb bearbeitet. Sn 9Aa= brib biibete ftd) um 1730 ein ©eletjctetioereirt juc ©cEtarung unb Auffttchung bet hifiotifchen SenEmalec ©panienb, t»etd)en Äbnig Q5f)iltpp V. 1738 ju einer AEa= bemie erhob, ©ie befieht aub 24 Sftitgttebern unb hat mehre üttere ©efd)id)tb= mecEe theitb jttm erfien iORat, tl)eitb in neuen Ausgaben beEanntgemad)t. Sie AEabemie ber fd)t»abifchen @efd)id)te ju Tübingen mürbe ju bern 3med errichtet bie befien hifiorifd)en ©chriften unb bie 2ebenbgefd)ichte ber »ornehmfien ^ifioriTet herausjugeben, mie auch neue SenEmürbigEeiten jufammenjutragen. — gücAt = terthumbEunbe. ©ine AEabemie ber AttertbumSfunbe mürbe ju ©ortona in Staden für bab ©tttbium ber hetrttrifchen Aiterthümer, eine anbre ju Upfata in 150 3Cfabemte ©cfweben, für bie 5(ufhel(ung ber notbifdjen ©ptad)en «nb bet 2(ltetthümet < Schweben« errichtet; beibe haben fcfr fcfäfjbate 2frbeiten geliefert. Sie Tlfabentie, weldje ju gleichem ,3tt)etfe Paul II. in SKom errichtete, gittg featb ein, unb bie Don BeoX. gegiftete f>attc gteirfjeö ©cficffal, nachbem fie einige 3ett geblüht fatte. 2fnbre minber triftige entfprangen au« ihrer 3(fd)e. 516er alle dhnlid)e TCnftalten ubertraf bie Academie des inscriptions ju Pari«, gefliftet Don ©olbert 1663, für ba« ©tubiurn alter Senfmaler unb für bie SSeretuigung nterfwütbiger t»ater= länbifcfet ©teigniffe burd) ÜRünjen, SSilbwerfe, Snfchtiften tc. Sie hatte an= fang« nur 4 Plitgliebcr, bie au« ben Pfitgliebern ber ftanj. 2ffabemie gewählt f waren; aber 1701 würbe ba« Perfonal auf 10 ©hrenmitglieber, 10 2lffocie«, 10 Penfi'onnair« unb 10 3oglinge feftgefefet. ©ie famen wochentlid) 2 Pfalirn Bouote jufammen unb hielten jähtlid) 2 öffentliche ©igungen. Sie ©laffe ber 3oglinge fiel fpätcr weg. Ser Äonig ernannte jährlich ihren Präfibenten unb SBicepräftbenten; ber ©ecretair unb ber ©d)a(smeiflet behielten ihr 5(mt lebenS= länglid). 5h l 'e Senffdjriften machen (oott 1701 — 93) 50 S3be. 4. au«, ©ie hatte ba« ©efieffat aller franj. Jlfabemien unb ift je(5t wieberhergeffellt. gut 2llterthümer warb bie herculanifche 2Cfabcmie ju Neapel 1755 oonbem €0?inifter SEanucci gefliftet, um bie in $etculanum, Pompeji tc. aufgefunbenen alten Senfmälec j« erklären. 5h K tab 151 über. 3« 2CfTm ifi eine Oefellfcfjaft bec Künffe unb SBiffeufchaften j« Satania (feit 1778) unb eine ®efellfd)aft bet 2Biffenfd)aften ju ©alcutta in Scngalen (feit 1784), unb ju Sontbap, welchen mit bie wid)tigfien 3fuffd)lüffe über 3nbicn unb ben ©eift bcs Orients überhaupt tterbanfen. 3(meri£a hat feit 1769 eine philofo= phifd)e ©efellfchaft jufPhilabclphiau.a. m. — 2) 3C£abemic wirbinOeutfd)lanb aud) alä gleicl)bebeutenb mit Unioerfitdt (f. b.) gebraudjt. — 3)Untec3ffa = b e m i e n «erficht man ferner bie 3eid)ttungen (3f£abemieflücfe) ber Soglinge auf ben Kunflfd)uten. — 4) SBirb feit einiger jteit baS SCBort 3f £ abemi e für ©ingeoetein unb ©oncert gemif braucht. 3ffabemie, f. ^)lato unb ffteuplatonifer. 11 £ b a r (SJtohamincb), mongol. Äaifero. ^inbofian, ber größte gürjt, ben 3fftett in ber neuern Seit gehabt hat. ©eb. zu 3fmcr£at im 3. ber glud)t 949 (1542 n. ©hr.), beflieg 3f. nad) feines S3aterö $umajun Sobe, 13 3af)te a!t, unter ber 23ormuitbfd)aft Sepram’S, feineö SD7tnifrerö, bcnShton. ©eine großen latente entwicfelten ftch früh. 5Kit ausgezeichneter Xapferf'eit bcficgte er feine geinbe unb bie Aufrührer feineö 9teid)S, unter bencit Sepram ftch felbft befanb. Oie feltenfte ÜJZitbe bejeidjnetc babei alte feine ©chritte. 3fbct ungeachtet unauf-- l)6rlid)c Unruhen ihn nötigten, ftctS an ber ©pi(je feiner Jpecrc fiel; in bie oerfd)ic= benen ^roöinjen feines 9icid)S zu begeben, fo liebte er bod) bie SBiffenfchaften, «orjüglid; bie ©efd)id)te, unb war unabläffig mit ber innern Sßcrwaltung feines 9feid)S befd)dftigt. @t »erorbnete Untccfuchungen über bie Seoolfcrttng, bie 92a= tue unb ©ewetbetjeugniffe jeber s Prouinj. OaS ©egebniß biefer ftatiftifdjen 3fr= beiten faßte fein ®fini(fer3fbitl = ga}lin einem 5Ber£c jufammen, baS ben Xitel: „3(jin 3(Eberi" führt (engl., ©alcutta 1783 — 86, 3 Sbe., unb nachgebrudt in Sottbon). 1 (. ftarb nad) einer 49jährigen Svegiecung 1017 (1604). 9tod) je(st ift fein prächtiges ©tabmal unweit 3fgra, mit ber 3«f c be>ft: „3(f'bat, ein ©egen= fl'anb ber Scwunberung". Sh m folgte fein ©oljn ©elim u. b. 9t. Ojil)angir. 3ffenftbe (SSTiacE), 1721 geh. ju 9tewcafile an bet Sptte, ging im 18. 3ahte feines 31 HerS nad) ©binburg, tun bie Xheologie ju fittbtren, bie er aber balb mit ber 3ftznei£uttbe »ertaufchtc unb babei aus ßiebhabecei bie Oid)t£unft übte. 1741 befuchte er Sepben, wo ec 1744 ben ©rab eines D. ber Sßebicin an= nahm. 52ad) feiner 9cücEfel)t, 1745, übte er feine 2öiffenfd)aft anfangs ju 92orthampton, bann jtt Jpantpftcab unb enblicf) ju £onbon. >£iec würbe er bei einer nie bebcutenben gratis in OürftigEeit gelebt haben, wenn nicht fein gtoß= müthigec gcettnb, ügeremiaS Opfon, ihn mit jährlichen 300 fPf. unter ftüfit hatte, ©t ftarb 1770 als SJtitglieb ber fönigl. ©efellfdjaft ber 2Biffenfd)aftcn unb beS ©ol= legiumS ber 3frjte zu Sonbon, als Ooctor ju ©ambribge unb Seibarjt ber Königin, ©eine ©ebichte gehören zur bibaftifd)cn unb lprifd)en ©attung. Oie aus 3 ©e= fangen beftehettben „Plcasures of imagination", fein t>otzüg(id)fteS Söerf', gab er im 23. 3- feines 3flterS heraus. 3ffephali (^auptlofe), mehre fd)iSmatifche Parteien in ber d)tiftlid)en Kirche, bie fid) gegen ihr d)riftlid)cS .Oberhaupt auflehnten ober überhaupt feinS anerfennen wollten. 3- S3. bie monophpfttifdjen 3)26nd)c unb ^rieftet in 'ifgppten, welche ben 9)attiacd)en Petrus CO?ongttS nid)t anerfannten, weil er 483 bei 3(n= nähme beS ^enotifonS bie ©pttobe jtt ©halcebon nicht auSbrüdlid)uerbammthatte. ©ie jecftelen in 3 Parteien, verloren ftd) aber halb unter ben übrigen SRonophp- ftten. Oie ©cifelbruber ober g l a g e 11 a n t e tt (f. b.) waren aud) 3(Eephalcn, weil fte a(S ©ette fein Oberhaupt bulbeten. 31. ?fferhlab (3ohann Oavib), ober, wie er fid) fclbft fpdtec fchtieb, 3ßer= blab,^ ein geborener ©d)Webe, f'atn fchr jung jttr fd)webifd)en ©efanbtfd)aftitt Kon= ftantittopel, bei ber er jule^t als ©eccetaic angeftellt war. Oie s J03upe biefer ©teile benuhte er ju 9?eifen bttrd) ben Orient, j. S. nad) 3etufalem, nach XtoaS, 1792 152 Äfolutyen 3Tfuftif unb 1797, übet' beffen Sage et- SSeitrdge ju ber beutfdjen Übecf. »on 2e dbeoaliet’g , Steife (bearbeit, »on 2enj, 2tltenburg unb Erfurt 1800) gegeben bat, bie ju ben bead)tung$mertbeften 2(ctenftücfen in biefem langen Streite geboren. SJtan erfennt in ihnen ben Srientaliftcn, bem attcb bie etaffifebe ©etebrfamfeit ju ©ebot flanb. ©ne sWttang (um 1800) bebte 2f. in ©ottingen, bann fam er als febmebifeber ©efd)dftStrdger nad) ^Patiö. Unjufriebenbeit mit ben SSerdnberungen in feinem SSaterlanbe be|!immte ibn, mic manfagt, alle 33erbdltniffe mit ©cbmebenauf= jugeben unb ficb nad) Oforn ju voenben, mo er bei bet ^erjogin non Seoonfbire unb anbern 2iteraturfceunben Unterjtü(sung für feine literarifdje 2Rujjc fanb. © f ftarb in Ovom am 8. ?$ebr. 1819. ©eine ©djriftcn jeugen «on feiner gtojjen dtennt= : nip ber orientalifdjen unb occibentalifd)en ©peadjett, bie er nid)t allein ©elebtten ju ctfldren, fonbern felbft ;u fpredjen »erjtanb. 9Bir erinnern an: „Lettre ä M. Silvestre de Sacy sur Oecriture cursive copte" („Mag. encycl.", 1801, 85b. V), an bie „Lettre ä M. de Sacy sur Tinscription egyptierme de Rosette" (eben bott, Sabrg. 1802, 33b. III), an f. berühmte drfldrung ber 3nfd)tift auf ben 2omen ;u 83enebig : „N otice sur deux inscriptions en caracteres runiques trouvees a ! Venise et sur les Varanges, avec les remarques de M. d’Ansse de Villoison" (ebenb. 1804, 35b. V). dbenfo mistig für bie- s Paldogtapbie alb für bie (5pigrapt)t6 ift bie: „lnscrizione greca sopra una Iamina di piombo trovata in un sepolcro nelle vicinanze d’Atcne" (9tom 1813, 4.), bei beren weitern 3fuöfübrung ihn ber S£ob überrafd)tc. Sie lebte feiner im SrucE erfdpenenen Arbeiten mar eine „Lettre sur une inscription phenicienne trouvee a Athenes" (9fom 1814, 4.), an ben ©rafen StalinSfp gerichtet. Sab Otationalinftitut ju ^Parib batte ihn ju feinem dorcefponbentcn, mehre gelehrte ©efellfdjaftcn ju ihrem SRitgliebe ermdblt. S3ei ber (Ppramibe beb deftiub ju Ofom liegt ec begraben. 52. fo 1 u t b e n, auch 2(folptben, &trd)enbienet, bie in ber lateinifeben Äircbe febon im brüten, in ber gtieebifeben jebod) nicht »ot bem 5. Sabd). auffamen unb jum 2id)tecanjünben (baber Accensores), SSortragen ber iterjen (babec Cero- ferarii) bei feftlidjen Umjügen, Sarreicben beb SDScinb unb 2Bafferb beim 3fbenb= mahle, überhaupt jur deremonienbebienung ber 33ifd)6fe unb ^rieftet bei 3fmtb= banbluttgen befiellt maren. ©ie gehörten jur ©ei(tlid)feit unb batten ben Ofang gleich nad) ben ©ubbiafonen. 9tod) jefst ift bei ber S r b in a ti o n (f. b.) in ber ro= mifdben Äitd)c bie 5ßeil)c eineb 3ftolutbub, mobei ber Stbinanb 2eud)ter unb ' 2Beinfdnnd)en jum 3cid)en feiner alten SSefiimmung empfangt, unter ben 4 flei= new 2Beiben bie l)6d)fte, bab in ber alten Äirdje baburd) übertragene geiftlicbe : 2fmt aber abgefebafft, ba bie Sienfte ber 2(folutben fd)on feit bem 7. Sabtb. »an 3fufmdrtern unb Alttaben aub bem 2aienftanbe »errichtet merben, bie in ben litur= gifdjen 35üd)ettt ber fatbolifeben Ätrcbe nur uneigentlicb 2ftolutben beifen. Sie neuere gried)ifd)e Äircbe bat auch ben Otamcn biefcb Jfmteb nicht mehr. E. 2Cfrtbopf)acjen, ^eufebretfenfreffer, f. ^>eufd)recben. 11 1 x 0 jt t d) o n (gried).), ein ©ebid)t, mo bie 2(nfangb=, bibmeilen aud) bie dnbbuchftaben ber einjelnen Beilen ober S3etfe einen befonbern Ofamen ober ©inn bilben; auch 2eiften»erfe, 9famengcbid)te. Tffuftif (». b. gried). uxovtiv, hören), bie 2ebte»om ©d)aIle (»gl. b.). SSormalb mürbe biefer Sbeil ber (Pbpfit in ben 2ebtbüd)ern gemobnlicb bei ber Sehre »on ber 2uft »orgetragen, mag aber nicht ber fftatur gemäß ift, inbembie2uft nur ber gemobnlicbe Seiter beö ©d)allee> ift, unb jebe fefte ober flüfftge SSRaterie ebenfomol alg bie 2uft tf>ei!6 felbft fcballen, tf>ei(6 ben ©d)all anbrer Äorper fortleiten bann. Sie 3(fuftib ift alfo »ielmebr als ein Sbeil ber Sehre »on ber 33e= roegung anjufeben. (gebe moglidje 33emegung ift namlid) entmebec foctfcfjreitenb (gerabe), ober brebenb (freigformig), ober febmingenb (jitternb). Sic leitete Tfrt »on 35emegtmg, menn ffe ftarf unb fcfjnell genug ift, um auf unfere ©ebor- 2ttu|KJ 153 mcr^euge ju wirfen (woju wenigfleng breijjig ©djwingungen in einet ©ecunbe etfobect werben), ifi ein ©d)all. Sin beflimmbater ©d)all wirb .Klang, ein unbeflimmbater wirb ©etdufd), imb bie ©efd)toinbigfcit bet Schwingungen wirb Son genannt. 6f)labni bat in feinem ju Seipjig 1802 im Seutfcben, unb ju fPatig 1809 (franj.) erfd)ienenen SSBetfe über bie 2Cfufti6, womit man auch feine „fReuen Seitrdge jut 2(fujliE" (Seipjig 1817) oetbinben mu(i, baä ÜBefentlid)e oon 2lllem, wag in biefem Steile bet fPbpfd Bon ib*u unb oon 2fnbetn entbeift wor= ben ifi, oorgetragen. 23ie ^auptgegenftanbe ftnb: I. Sie Sonlebte ober bet aritb= metifcbeSbeü, in weichem blojj oon ben abfolttten unb reiatioen ©efd)Winbigf eiten bet Schwingungen bie [Rebe ifi, unb jmar erfl oon beten urfprünglicben 33erbält= niffen, fobann oon ben jut praftifd)en 3fu6übung notbtoenbigen fleinen 2fbdnbe= tungen biefer Serbaltniffe, ober oon bet Semperatut. II. Sie ©cfe(se, nach weU d)en fid) bie fiingenben -Körper bei i()ten ©cbwingungen rieten, unb welche fid) bei jebet 2frt oon fiingenben Körpern burd) oetfebiebene ©rfebeinungen äußern. Siefeg ifi bie etfle 2fbtbeilung beg med)anifd)en Sljeilg bet 21Euflif, weicher oor= nebmiid) bie ©ntflebung beg ©cbalig betrifft. SSet allen fiingenben .Körpern ifi bie ©laflicität alg bie bewegenbe Kraft anjufeben. (Sgl. Gblabni.) ©in f lim genbet Körper Sann aifo fein: a) butcb Spannung elaftifd); biefe Körper, wenn bei ihnen nur eine lineare [Richtung in S3etrad)tung fommt, ft'nb ©aiten (f. b.), wenn fie aber membranenattig auggebebnt ftnb, finb eg Käufern unb Srommel= feile; b) burd) Suftbrud elaflifcb; b* cr ber gehört bie in S laginflrumenten eingefdjloffeneSuft, weld)e ftd) auf mannigfaltige 2ftt bet Sange nad) augbebnt unb SUfammenjiebt, unb in manchen Snflrumenten butcb Öffnung unb ©djiiejjung bet ©eitenlocbet oerfürst ober oerldngert wirb; c) butcb innere ©teifigfeit elaflifcb- Siefe Körper fönnen entweber linear, b. i. ootjüglid) nach einer [Rid)tung augge* bebnt fein, wie alle 2(rten geraber unb gefrümmter ©tabe, ober membtanenfor= mig, b. i. nach mehren [Richtungen auggebebnt, wohin ©d)eiben, ©loden unb ©efaße gehören. SSormalg fannte man nur bie Schwingungen einer ©aite unb bie ©d)Wingungen ber 2uft in Slaginflrumenten; ©blabni beit feiner 2BetEe. Ser Äonig fd)ä(jte il)n fo f)od£), bap er nach bem gtieben oon ©tegpi 1544 i£;n alg ©efanbten an Äaifer Äarl V. fcl)idte. A. »olljog feinen Auftrag mit gtopet ©efchidlid)feit. Sn gleichem Anfefjen flanb er bei Heinrich II., ber ihn ebenfallg ju mehren Unterfjanblungen gebrauchte. ©t folgte bem $ofe unb war mit bemfelben juAmboife, alg ihn bie 9?u£)r befiel, an welcher er 1556 jlarb. ©eine »orjügtid) fielt SBerfc finb eine ©ammlung ©ebid)te (©Elogen, Valuten, ©atpren, ©legieit, gabeln u. f. w.), jurn SEheil in reimlofen SSerfen, beren ©rft'nbung jebod) ihm SEciffitto flreitig mad)t: „Opere Toscane"; ein Sehrgebicft: „La coltivazione , bem er am meiflen fei= nen 9iuhm »erbanft; ferner: „Girone il Cortese", ein 4?elbengebid)t in 24 ©ef., nad) einem altfranj. ©ebid)t gleicheg 9lameng; „La Avarchide", ein epi= fcheg ©ebidjt, worin er in wenig glüdlichen 9lad)ahmungen beg $onter bie 33e= lagerung bet ©tabt SSourgeg (Avaricum) erjä()lt, ebenfallg in 24 ©ef.; „Flora", ein Suflfpiel in fogenanntett versi sdruccioli ober gleitenben Sleimen (f. 91 e i in), unb eine Anjal)l Epigramme. 2eid)tigEeit, Ä(arf)eit unb 9Jeinf)eit beg ©tplg empfehlen A.’g ©chriften, aber nur ju oft fehlt ihnen Äraft unb bid)tetifd)ct ©d)wung. Alanb (Slanb), eineSnfelgrttppeimbott>nifchen22cerbufen, 59° 47'—60° 32' 93t. unb 36° 57' —39° 47' 2. »on getro,. 22 133)1. m. 14000 ©inw. Sie ^tauptinfel gl. 31. jät)lt über 9000 ©inw. Über 80 biefer Snfeln unb Älip= pen finb bewohnt, ©ie haben nur 93äd)e unb ©een, jebod) einige gute ^>äfen. 1809 warb biefe Snfelgtuppe mitginnlanb »on©cbweben an 9Juplanb abgetreten. Sie giegietung legte hier eine ©tabt an unb befefligte einige fünfte. Ser S3o= ben ift fo fleinid)t unb »on einet fo bünnen ©rbfd)id)t, bap in heipen ©ommerit bigweilen bag ©etreibe »erborrt. Aderbau, ©eef)unbg= unb ^etinggfang nebfl grad)tfahrt jur ©ee ernähren bie 35ewof)ner. gidjten, gohren, Srlen unb tafeln machen ben 33aumwud)g aug. Sec ^oljfd)tag jum SSerEauf bedt aber nicht bie 83ebitrfniffe. Sbjlbäume! fte£)t man faft nicht mehr. Sie nad) ©djweben ju liegenbe Älippe ©ignilgfär hat einen Telegraphen. Ser frühe 58rud) beg ©feg im gruhjahr, bae fpäfe ©infrieren ber ©d)tffe im $erbft auf ben 9?()eben unb in ben $äfen ber Alanbginfeln, wegen beg flarfen ©tromg, weld)er fiel) bort aug bem XIaun 155 2tten [ich mit ben feeren Sb c °= bofütS beS ©ropen »ereinigten, um bie dämmen, welche baS abenblanbifdfje Äai= fertbum bebroljfen, ju befriegen. SiefeS Bünbnif jeigte X bie ©d)W«d)e beS romifchen 9feid)S unb führte ihn ju bem 6ntfd)(itf, eS felbfl anjugreifen. Sie Uneinigfeit ber beiben ©ohne unb Nachfolger beS SheoboftuS, 2frcabius unb$o= noriuS, unb ihrer 9?eid)S»erwefer, fRuftn unb ©tilico, erleichterte ihm bie 2fuS= fühtung biefeS 6ntfd)luffeS, unb obgleich es bem tapfern ©tilico gelang, X’S erften ©infall (400—403) burdh bie ©cf) lachten an ber 2fbba unb bei Berona ju= rücfjufchlagen, fo fanb bod) X fchon 404 einen Botwanb, Italien wieber an= jugreifen. 6t hatte nämlich auf ©tiüco’S Bermittelung mit -ÖonoriuS einen Ber= trag abgefdhloffen, bem jufotge er in ©pituS einrüden unb »on bort aus mit ben S nippen beS ©tilico ben 2ftcabiuS angreifen füllte. Siefet Krieg unterblieb; X «erlangte eine 6ntfd)übigung für ben unternommenen 3ug, unb .fwnotiuS »et= fprach ihm, auf ben 9fatl) beS ©tilico (f. b.), 4000 fPf. ©olb. 9fad) ber Einrichtung beS Settern 408 erfüllte jener f. Besprechen nicht. X fam mit einem fjeere nach Stalien unb fcf)(of 9?om ein, fobaf eS ftdf) mit 5000 fPf- ©olb, 30,000 fPf. ©ilber, 4000 feibetten ©ewanbetn, 3000 ©tüd feinem ©d)arlad)= tud) usib 3000 fPf- Pfeffer loSfaufen mufte. ©ine jwifchen fjonotiuS (in 9ia= oenna) unb X angefangene griebenSunterhanblung blieb fruchtlos, unb 21. be= lagerte 9iom jum jweiten BJal. Ser junger betoirfte einen Bergleich, »er= möge beffen ber ©enat ben Befehlshaber ber ©tabt (praefcctus urbi) , 2fttaluS, anflatt beS fjonotiuS jum Kaifer erklärte. 20lein 2ftta(uS bewies fo Wenig .Klugheit, baf X ihm bie eitle SBütbe offentlid) abjulegen befahl. Sie mit •jÖonottuS erneuerten Unterhanblungen hatte« aber fo wenig ©tfolg, bafj 21. 9iom jurn britten Bfale belagerte. Sie ©othen brangen (410) in bie ©tabt, plünberten fte, »erbrannten einen 2heil berfelben unb »erwüfleten eine Bfenge ber alten Kunftfd)üfse. Soch wirb X’S Blüfigung gerühmt, weil er bie Kirchen unb bie barein ©eflüchteten ju fchonen befohlen hatte. Sie ehemalige Behercfd)erin ber SBelt erfuhr nun baS 2ßieber»ergcltungSrecht für SaS, was fo »iele ©täbte, Sänbet unb Bölfet »on ihr in ber 3eit ihrer »origen ©röfe unb BJadft erlitten hatten. Sie währenb 1000 fahren burch bie 92omer aus allen 3 BSeltthetlen jufammengcbrachten ©chülje würben eine Beute ber Bat= baren. 2f. »erlief 9vom nad) einem 2fufenthalte »on 6 Sagen; feine 2fbftd)t war, ©icilien unb Xfrifa ju erobern. 6r »erwüflete ©ampanien, 2(pulien unb ©alabrien, als ihn ber Sob }u ©ofenja in ©alabrien (410) übercafd)te. B?an begrub ihn in bem ^lufbette beSBufento, bamit feine 2ffche »on ben Sto* mein nid)t aufgefunben werben mochte, unb ermorbete bie bei biefet 2frbeit ge= brauchten ©efangenen. 9fom unb Italien feierten öffentliche gefte; ©icilien unb 2ffrifa fahen ft'ch »on ber ihnen brofjenben ©efahr befreit, unb bie 5Belt genof eines 2fugenblidS ber Stufe. 2fber ber BBeg nad) SJorn war ben Barbaren burd) X gezeigt, burch ihn hatten fte bie£>hnmad)t ber ehemaligen Königin berSBelt fennen gelernt. 2üaun, ein aus ©chwefelfäure, 2flaun= ober Shonerbe, Kali, juweilen auch aus 2fmmoniaf, ©ifett unb SBaffet beftehenbeS ©alj. 6t frpftalliftrt in 156 m mba Sctaöbern unb in ©ürfeln mit abgeftumpften ©cfen, erfd)eint tropffteinartig unb berb, bduftg oon fafetiget ©tructur. (5t ift burd)ftd)tig, weip, glaSglanjenb, unb bat einen füplid) jufammenjie^enben ©efebmaef. 3m ©affet ift er auftoSlid), fcbmiljt in bet ©arme unb fd)dumt auf. ©an ftnbet it)n im natürlichen 3ufianbe aus= biüfjenb am Shon= unb 2C£aunfdf)iefer, auf fd)malen Sägern im Sraunfoijlenge: fcirge (Sfdjermig in SSofjmen) unb in ber 9tdi)e uon SBuifanen (Stalien). — 3ur Jünfilid)en Sarftellung beS 20aunS menbet man ben 20aunftein, bie fieffgen ©d)ie= fer unb SSraunfoblen, wie bie fogenanntc 20aunerbe an. Ser 20aunfiein ift bas feefite 3Ctaunerji man roftet if>n in dbnlid)en Sfen wie bie gewöhnlichen Äalföfen, Idpt bie geroftete ©atcrie mit ©affet angefeud)tet 5 — 6 ©od)cn liegen, (äugt fte aus unb oerftebet bie Sauge. Sie übrigen 20aunerje (dpt man, nadjbem fte gewonnen worben, »erwittern ober man roftet fte unb (äugt fte aus. ©emobnlid) ift biefe Sauge nicht fatifealtig, unb man mufj bafeer Äali ober 2fmmoniaf jufeben. Siefet aus ©d)iefetn unb S5raunfof)le erfolgte 20aun ift gemofentid) fetjr unrein. 2fuperbem (teilt man ifjn aud) nod) fünftlicb burd) 2!()on, ©d)mcfclfaure u. f. m. bar. — Ser jdfyrlidje S3erbraud) beS 20atmS ift bebeutenb ; man benu(5t if)n in ber©ebicin, ©eipgetberei, gdrberei, beim Seimen beS fPapierS u. f. w. ©it 2UaunaufTofung angeftridjenc Körper werben nid;t (eiefet entjünbet. H. 2t (6 ober 3f l p, bie fcfjnjdbifcfjc 20p, bie norbttefee gortfefsung beb ©djwarj= walbes, ein 15 ©eilen (angeb unb 2— 5©. breites, regelmdpigeS Äalfgebirge an ber füboftlidben ©trenne non ©ürtemberg, beffen t>od)fter unb unfrudjtbarfter SOjeil bie raube 20p ift. Ser feodjfte fPunft erreicht nod) nid)t 3000 gup über ber ©cerebfldcbe. 2tm gupe beb ©ebirgS liegt bab würtembergifebe Sberamt unb bie ©tabt Urad). Sw Sorfe ©irebingen fenbet bieSacbtraufe eineb Kaufes an bet einen ©eite bab ©affet bttreb ben Utecüat in ben 9lb e ' n un ^ an ^ Cl ‘ nn bern in bie Sonau. Sa bab ©ebirge oiel Äalf enthalt, fo ift eb reich atej »onSolebo, $erjog «on), ©taatSminifter unb @e= neral ber faifcrl. 2(tmecn, war 1508 aus einem ber oornebmften ©efd)lecbter ©pa= nienS geboren. Unter ben20tgen feines ©ropoaterS, griebrid) non Solebo, ber ihn in ÄriegS= unb ©taatSwiffenfebaften unterrichtete, warb er etjogen. ©r trug bie ©affen noch febr jung in ber ©d)lad)t bei (Pasia; unter ÄarlV. befehligte er in Ungarn, bei ber S3elagetung »on SuniS, bei bem 3uge gegen 20giet; er «ertbeibigte fPetpignan gegen ben Saupbin unb jeidjnete ftefe in 9ta»arra unb ©a= talonien aus. ©ein bebdebtiger Cbnrafter unb feine Steigung $ur ^)oliti£ gaben anfangs eine geringe Sbec oon feinen militairifdjen Talenten, unb ÄarlV. felbft, bem er in Ungarn rietb, ben dürfen lieber eine golbene S3rücEe ju bauen als eine entfebeibenbe ©d)(acbt ju liefern, fyklt ihn eines SbetbefeblS für unfähig unb verlieb ihm bie hoben ©ürben mehr aus ©unjt als 2(nerbcnnung feinet Talente. Siefe fßeraebtung beleibigte feinen natürlid)en ©tolj unb gab feinem ©enie einen ©cbwung, bap erSb^ten verrichtete, bie eines bleibenben 2tnbenfenS wertb ftnb. Surcb 2(.’S fluge 2fnfübrung gewann Äarl 1547 bie ©d)!ad)t bei ©ttblberg ge= gen Sodann StiebcidE), Äurfürften »on ©achfen. Sec i?urfütfi warb gefangen, unb bet .fjerjog, bec im ÄriegSrathe ben Sorfifj f)atte, »erurtheilte il)n jum Sobe unb brang lebhaft in ben Äaifer, biefe ©träfe nicht ju milbevn. 1555 würbe er beauftragt, in Stalien bie gtanjofen unb ben [Pap ft ^)aut IV., ben unoerfoi)n= licken geinb beS ÄaiferS, jubefdmpfen. ©t erfocht mef)re ©iege, entfette 9Rai= lanb, ging nach Neapel, reo bie 9tdnfe beS [PapfteS einen Xifffanb erregt Ratten, unb befefiigte bafelbfi baS fpanifdje 3fnfel)en. 3fud) als Äatl V. bie Siegierung fei= nem ©ohne [Philipp ü. übergeben hatte, befielt er ben Dberbefel)l ber >£)eere. ©t eroberte ben Äird)enjtaat unb vereitelte bie Semühungcn ber granjofen. Süd) no= tf)igte ihn ^Philipp, bem Zapfte, ben 3(. bemütijigcn wollte, einen etjrenöoden grieben ju gewahren. 3fuS Italien abgerufen, erfd)ien er 1559 am fcaitj. 7>ofe, um fid) ©tifabeth, bie Sodjter -f)eintid)S II., für feinen ©ou»erqin antrauen ;u laffen, bie anfangs für ben Äronprinjen Son Carlos beftimmt war. Um biefe 3eit griffen bie [Rieberldnber ju ben SSBaffen, unb 31. rietl) bem Äonige, bie Un= rufjen mit ipdrte unb ©ewalt ju unterbrftcfen. Ser Äonig »ertcaute if)m eine be= beutenbe 9Rad)t unb unumfd)rdnfte ©ewalt, um bie CRiebetlanber ber ©ewalt= l)errfd)aft unb ber Snquifttion $u unterwerfen. Äaurn war X 1566 in glan= bem angelangt, als er baS 83(utgerid)t anorbnete, an beffen @pi£e fein 23ertrau= ter, Suan be 33argaS, ftanb. Sl)ne Unterfd)ieb^»urben 3flle »ecurttjeilt, beten Meinungen »erbäd)tig waren unb beren 9feid)thümer ihre ^abfucfjt reijten. ©e= genwartigen unb Sfbwefenben, Eebenben unb lobten würbe ber [procef gemacht, unb itjre ©üter eingejogen. 33ielc Äaufleute unb gabrifanten wanbevten nad) ©nglanbauS; mef)t als .fumberttaufenb »erliefen if)r SSaterlanb; 3fribre begaben fid) unter bie gähnen bcS geachteten fPrinjen »on Dranien. [Rur nod) tro^iger gemacht burch bie SRieberlage fernes ©telloertreterS, beS JperjogS »on Xembetg, lief X bie ©tafen »on ©gmont unb f>orn auf bem Stutgerüffe fterben. Sann fd)lug er in ben ©benen »on ©emmingen ben ©rafen »on [Raffau. Salb barauf rücfte ber fPrinj »on Sranien mit einem bebeutenben .fjeece »or. Ser junge griebrid) »on Solebo fanbte an feinen Sater, er mod)te ihm erlauben anjugrci: fen. Ser Jpetjog, ber »on feinen Untergebenen blinben ©el)orfam »erlangte, lief feinem ©ohne antworten: ©r »erjeif)e ihm wegen feiner Unerfal)renf)eit, aber er folle fid) h»ten weiter in ihn ju bringen, benn eS würbe Sem baS Sehen Hoffen, ber eine ähnliche 33otfd;aft übernehmen würbe. Ser fPrinj »on Sranien würbe genötigt fid) nad) Seutfdflanb jurücfjuäiehen. Ser ^crjog 31. fcl)dnbete je= bod) feinen 8M)m als gelbfjerr burd) immer neue ©raufamfeiten; feine genfer »ergoffen mehr Slut als feine ©olbaten. Ser [Papft überfanbte il)in einen ge= weihten Jput unb Segen: eine XtSseid)nung, bie bisher nur gürften ju Sheil geworben. 93och wiberflanben -fiollanb unb ©eelanb feinen SSaffen. ©ine glotte, bie auf feinen S3efef)l ausgelaufen war, warb »ernichtet, unb überall fanb er un= überwinblicl)en SRutl). SieS unb »ielleid)t biegucd)t, bie ©unfi beS ÄonigS ju »edieren, 6ewogen ihn, um feine ßurücfberüfung ju bitten, ©ern gewahrte ft'e ihm Philipp / ber, als erfal), baf butd) biefe ©raufamfeiten nur ber jffiiberftanb ber [Rebellen wuchs, gelinbete SRittel »erfud)en wollte. 5m Sec. 1573 mad)te 31. eine 3fmneflie befannt, übergab bie 3fnfül)rung ber Gruppen bem SouiS be StequefenS unb »erlief ein ßanb, in bem er 18,000 9Renfd)en, wie er fleh rühmte, hatte hinrid)ten laffen, unb einen .Krieg entjünbet, ber 68 Sahre wüthete, @pa= nien 800 9Rill. Shaler, feine fchonffen Gruppen unb am ©nbe 7 ber reichten nieberldnbifchen ^Jtoöinjen foftete. fjetjog X würbe mit 3fuSjeid)nung in 9Ra= brib aufgenommen, genof aber nicht lange fein altes 3fnfel)en. ©iner feiner ©ohne hatte eine ©htenbame becÄonigin unter bem Serfprechen, fte ju heirathen, »er= fül)tt, unb würbe befwegen »erhaftet; fein 33ater unterflühte beffen ©ntweichung unb »erheirathete ihn, gegen ben Söillen beS ÄonigS, an eine feiner Serwanbten. 158 2ttb«fonga SHbant (gamitic) 11 . würbe belegen »om .£>ofe auf fein ©d)lofj Ujeba »etwiefen. fpier lebte er 2 Sah“/ als bie Unternehmungen beS SDon 3lntonio, $5riorS »on drato, ber ftd) jurn ÄSnig »on Portugal i>atte fronen taffen, g>f)ilipp II. swangen, ju bem Spanne feine Zuflucht ju nehmen, auf beffen Talente unb Streue er ein großes 33et= trauen fe|te. 11 . führte ein -fjeer nad) Portugal, gewann 2 ©d)lad)ten in 3 Sßodjen, Vertrieb ben 2)on 3fntonio unb unterwarf 1581 ganj Portugal feinem ©ou»er«in. dt bemächtigte ftd) ber ©d)d&c ber hauptftabt unb erlaubte fei= nen ©otbaten, bie S3ocflabte unb ifjre Umgebungen mit ber gewohnten 9?aub= fud)t unb ©raufamfeit su plfinbern. ^Philipp, batüber unwillig, wollte baS 33e= tragen feines ©eneralS unterfuchen (offen, ben man überbieS befcfjulbigte, bafi er bie 3ieid)tt)ümer ber Überwunbeneit ju feinem S3ort!)eile angewanbt f>abe. Allein eine trofsige Antwort beS perjogS unb bie Furd)t einer dmpotung beffelben »erl)in= betten eS. 25er >£er}og ffarb ben 21. San. 1582 in einem 3flter »on 74 5- 3f- fjotte eine ftolje Haltung, ein ebleS tfnfehett unb einen ffatfen Äorper; er fd)lief wenig, arbeitete unb fcf>rieb »iet. 9Ran behauptet »on ifjm, bafj er wdljrenb 60jdl)riger ÄtiegSbienffe gegen »erfchiebene geinbe nie eine @d)tad)t »erlot unb nie fiberfallen würbe. Tfllein Übermutl), $drte unb ©raufamfeit beflecften feinen 9tut)m. Sflbalonga,. eine nt^ef)nlid)e ©tabt in Satium, ber ©age nad) erbaut »on 2(fcaniuS, beS TfneaS ©ohne, nach beffen Stöbe »on 2lneaS ©ptoiuS, bem swriten ©offne beS ÜncaS, bef)errfd)t, unb als 23aterlanb beS StomuluS unb 3fe; muS bie ©tammmutter SfornS, unter beffen Sberfjerrfdjaft eS burrf) ben ©ieg ber Sfomer im Äarnpfe ber 3 $oratier unb ber 3 duriatier fam. Sfod) erinnert an3Uba(onga ber fd)öne 3flbanerfee mit bem dmiffar unb baS daffel ®an= bolfo. (©. 2ftb ano.) Qflbani (F»anceSco), ein berühmter SRaler, geb. ju Bologna 1578, be= fudjte bie ©d)u(e beS fftieberldnberS 25iont)S dalöart, bet in Sotogna einen grofsen 9iuf hatte, unb gehörte halb ju ben auSgeseichnetjfen ©d)ülern beffelben. Sieben 25omenid)ino, mit bem ifn Üteigung für bie Ättnff unb ffreunbfdjaft eng »ecban= ben, arbeitete er hier mehre Sa£)re, unb in ber 3frt ber Farbengebung bemerft man jwifd)en SSeiben einige 2ff)nlid)feit. 2(ber in ber digenthümlid)feit ber dr= ftnbung fibertrifft er feinen greunb fowie alle feine 9tebenbuf)ier aus ber ©cfiule daloart’S. SRengS erhebt il>n in 2fnfef)ung beS ©tubiumS weiblicher ©effatten fiber alle SO?aler: ein Urtheil, bem wir jebocf) nicht unbebingt beiffimmen fomten. 25ie dompofttionen, welche man am häuftgffen »on ihm ftehh ftnb bie fdjlafenbe SenuS, 25iana im SSabe, SDanae auf bem Säger, ©alathea auf bem SReete, duropa auf bem ©tiere. 9Reifferf)aft iff auf allen feinen ©emdlben bie eigen: tf)ümlid)e F^be beS SaubeS unb ber Saume, bie Sauterfeit bet Quellen unb ©e-- woffet, bie Älarbeit ber Suft; nur wieberlfolt er ftd) barin ju oft. Siblifd)e ©egenfianbe hat er weniger für feinen spinfel gewählt. 25te »on ihm in biefet ©attung »othanbenen ©emdlbe jeichnen ftd) »ornehmlid) burd) bie ©d)bnheit ber dngelsfopfe aus. Sm 3lllgemeinen gelangen ihm Silber »on geringerm Umfang am »ollfommenffen. dr hatte in 9fom unb Sologna eine jahlreid)e ©chule. 25ie ©d)filer ©uibo’S, mit bem er wetteiferte, warfen ihm 2ßeid)lid)fett unb Äraftloftgfeit beS ©fptS »or unb behaupteten, bajs er mdnnlid)en ©effalten feinen 3(bel ?u geben »erflehe. SDarum »ermieb er aber aud) alle 25ar|fellungen , welche Feuer unb Segeifferung erfobern j unb nicht mit Unrecht hot man ihn ben 3(na: fteon ber 9Ralet genannt. 25iefe S3efd)rdnfung feiner Seijfungen fd)abete il)m nach unb nad) unb war Utfad)e, baf er feinen ü?uhm überlebt hatte, als er 1660, 82 Sähe alt, ffatb. dr h«t mehre ©d)riftett hinterlaffen, bie uns 3Ral»afta aufbehaltcn hat. 3nhaui, eine reiche unb berühmte Familie 9fomS, bie aus Albanien, wo= 2f(bani ($ami(te) her fie flammt, im 16. Sahtf). »ot ben Surfen nad) Italien flüchtete, ^icr teilte fie fid) in 2 fiinien, »on benen bie eine ben 2Cbef non ©ergamo, bie anbre »on Ux= bino befam. Sie (tomifd^e) gamilie X »erbanft if>ren ©lanj einem g tu cf liefen Sufall. ©in Xbani mar eg, ber Urban VIII. bie 92ad)rid)t »on ber Grmetbung Urbinog überfrachte, unb 9?eid)thum unb Gl)venfMcn mürben ber £ofjn fo froher Sotfchaft. 9Rod) beroeifl ber 9)alafl Xbani bei ben 4 ©trtnnen ju 9?om, mie l)od)fai)renb ber ©inn biefer gamilie war, benn mit bem ©arberinifdjen füllte er an $oife voetteifern. Ginftufreichcr mürbe bie gamilie, alg Glemeng XI. 1700 ben ©tul)l ^Petri beftieg. 5Bir übergeben if>n hier unb menben unä §u feinen aud) für Seutfd)lanb nid)t unmidjtigen fJteffen, ben Garbindlen Xbani. — Annibale X, geb. 1682, ber alg papfltic^er 9Iepot früh in bie Angelegenheiten ber Äircfye »ermicfelt mürbe, befonberg ju einer Seit, ba bie meitlid)en .fpöfe mit bem tbmi= fefen in »ielfdltigem ©treit maren, trat 1711 in baö f). Gollegium. Unter ber Regierung Senebictg XIII. jog er ftcf>, unjufrieben mit bem Ginfluffe beb Gofcia, nad) feinem ©igthume Urbino jutücf, ben ©tubien ju leben, bie mitten in ben ©efcfyaften beg ©taatg feine Gtholung blieben. Gine prächtige ©ibliotljef, eine auggejeichnete jfunfifammlung, ein ©hmjeabinet, baS fpater in baö »aticanifche überging, beffen »orjüglichften Sfieil eg augmad)te (befd)rieben »on 9iub. ©enuti, 9Jom 1739, in 2 ©bn. gol.), eigne gelehrte Arbeiten: „Mem. concementi la citta di Urbino" (9tom 1724, gol.)., jeugten non feinen vielfältigen Äenntniffen. Garb. Annibale jtarb 1751. — Aleffanbro X, beg ©origen jüngerer ©ru= ber, geb. ju Urbino 1692, trat nur auf beg fPapfteg Glemeng XI. augbrücflicfyen ©Sillen in ben geifllid)en ©tanb. Sod) erfjob if)n Snnocenj XIII. fd)on 1721 jum Garbinal. ©alb a(g ©litglieb beg t>eil. Gollegiumg, halb alg ©rotector ©ar= binieng, unb unter Senebict XIV. alg Gonprotector ber faiferlicfyen ©taaten nal;m er lebhaften Anteil an ben vielen ^jdnbeln, bie ber pdpftlid)e ^)of bamalg ju befielen t>atte, um fo mef)r, ba er ju ben tljdtigften greunben ber Sefuitcn gehörte, mie unter anbern bie Sagebüd)et beg *p. Gorbara bemeifen. Sn ber ©ef>aglicf)feit eineg ruf>ig literarifdjen Sebeng, in ben greuben eincg erljeiternben Umgangg unb einer gutbefefjten Safel fanb ber Garbinal übrigeng großem ©enuß alg in bem Sreiben ber $Beltl)dnbel, ben größten in einet Äunfifammlung, bei beten Anorb= nung ihm 5Bincf clmann, ben er felfcft beerbte, unb ©albani, gantoni unb ber ©faffei berathenb jur ©eite jlanben. Gg ifl befannt, mie aufrichtig ©SincfeU mann bem Garb. jugethan mar, ber burd) feine Äenntniffe bem ©eniug beg X= d)dologen auf halbem ©Jege begegnete, ©eine prdd)tige ©illa vor ©orta ©alara ju 9iom gibt noch jeft, trofj mancher ©erlufhe, bafüt ben fprechenbjien ©emeig ab. Sftotcelli, 9Jtarini, gea unb Soega oereinigten fleh, fie berühmt ju mad>en, unb »erbanfen ihren @d)d|en einen Sheit ihrer eignen ©crühmtl)eit. ©ie enthalt bie reichffe neuangelegte fPri»atfammlung, bie bet 5Bal)l ihrer Gimecbet Gt)re mad)t. Außetbem erjdhlte man fid) noch lange nach beg Garbtnalg Sobe in 9iom alg ©eieg für feine Ginftd)t inbag alte ©iünjmefen, baft er, crblinbet, butd)g blope ©efüf)l habe unterfcheiben fdnnen, mag ed)t ober uned)t mar. Unermübettf)dtig, bod)nie ©d)tiftfteller, ftarb ber Garbinal am 11. Sec. 1779. Stonigio @trocd)i hat fein 2eben gefchrieben. — S o h n n g r a n j A. mar aud) ein ffteffe Glemeng XI. «on einem anbern ©ruber. 1720 geb., mürbe er fefjr jung ©ifdßof »on Sftia unb ©elletri unb fd)on im 27. Sahre Garbinal; bod) »emad)ldffigte er, bem eine fel)t einnehmenbe ©effalt, ©eift unb Äenntniffe überall Sutritt verfchafften, an= fangg alg lebengfrofjer Süngltng bie geifilid)cn Angelegenheiten. Sen ©emühun- gen ber Sefuiten, bie feit ber ©ulle Unigenitus fid) ber gamilie »erpflidhtet glaub: ten, »erbanfte er jebod) fortmdl)renben bebeutenben Ginfluf. Xg SRitglieb bet Gongregation über bie nupern Angelegenheiten mdhrenb ber etften Seiten bet 9fe»o= lution, erfldrte et fiel) lebhaft gegen bie in granfreid) auggefprod)enen ©nmbfdhe. .* 160 3£tbanien Defio eifriger f)ie(t er an Öftreid). 2fber bie $tanjofen famen nad) Storn; X entfernte ftd), unb fein fPataft roarb geplünbert. drft begab ftd) ber darb, nad) feiner 2fbtei »on 2a ©rotta, bann nad) Neapel, bag er jebod) »or ben anrüdenben granjofen »erlief. Dann ging er nad) SSenebig, mo er baju beitrug, bafi fPapfi spiuä VII. gewagt matb. Dod) halb näherte ftd) ber neue gürjt bet Äirdje bem franjof. ©pftem, unb ber darb, ftarb als Defan beg t). dollegiumg im ©ept. 1803 ju £Rom. Der darb, geigte ftd) menfd)lid) unb gerecht gegen bie ju Stom »erfotg= ten Xthanger ber ihm »erhalten Partei; in anbern-üerhältniffen mar er abhängig »on ben (Eingebungen feineg dameriere SJtariatto, ber mit ber Xmteftie an Stäuber unb ©efinbel für ben SSegirfi beg prioitegirten S3igtf)umg SBelletä offenen ■Öanbet trieb, bat)er bie SSJienge ber 2*etbred)et mdfjtenb ber franjof. SSermattung bort gro= fer mar alg im übrigen romifdjen ©ebiete. Diefe ©chmach.e gegen ben SJtariano trug fclbfi baju bei, bag in 2 donctaöen, ungeachtet ber $ütfptad)e feiner mdd)= tigen ^Partei unb feineg eignen Xtfefjeng, bie SEiare an X »orüberging. — ©iu = feppe X, Steffe beg 58otf)ergel)enben, gcb. ju Stom ben 13. ©ept. 1750, marb ben 23. Sehr. 1801 jum darbinal ermaßt, ©eine 3ugenb brachte et, mie»iete rotnifd)e Stobili, im üStüfiiggange ju, bie SOZuftf jeber S5efd)dftigung t>orjtef)enb. Dft fagte er fetbft, »ietfeicfjt um höf)ergehenbe fPlane ju »erbergen, er habe f. 85e= ftimmung »erfel)lt: er hatte domponift ftatt eineg Äirchenfütfien merben müffen. Dod) entmidelte er gldnjenbe Anlagen, alg bie Stoff) ihn jmang, ftd) um ©e= fd)dfte gtt befütnmern. 3m ©inne feiner Familie fd)lofi et ftd) an Dftreid) gegen grantreid) an, unb fetbft mit bem SEobe 33affe»tlle’g glaubten ihn feine ©egner einoerftanben. 1796 mar er im 3ntereffe beg h- ©tuhtg ju SBien, aber aufge= fangene SSriefe an ben darb, dufca, bie bem franjof. Directorium »orgelegt mur= ben, gaben bem franjof. Dbetgeneral einen SBotmanb, ben Söaffenftilljtanb ju breeijen unb Stom jtt befolgen. X »ertor feine betrdd)tlid)en fPfrünben in Dbet= Italien, unb aufserbem hielt man ftd) an feinen fPalajt. X blieb in SBien. 3egt ift er in Storni ©ecretair ber pdpftl. 35te»en. 19. Albanien, türfifd) Xnaut, albanifch ©fipeti (dpirug unb 3 ((prien), türfifd)e ^rowing in Xnaut = SQSilajeti, »om Drino big jum afroceraunifchen ©e- birge Idttgg ber .Stufte beg abdatifd)en unb ionifd)en SJtcereg. Dag Älima ift fd)bn, bag 2anb frud)tbar an SBein, ©etreibe, Dl, SEabad, S3aummolle, dbolj, ©tetn-- fatj, Stinboiej). .fjauptgebirge ftnb ber SKontenegro unbdhimera, £auptflüffe ber Drino, Sojana, ©omini tc. Die 300,000 dinm. auf 700 D®?. ftnb $Eür= fen, ©riechen, Snben itnb Xnauten, metd)e ßefitere ju ben tapferjten ©olbaten im türftfehen .fteere gehören. ©etl)eilt ift bag 2anb in bie fPafchalifig 3anina, Slbeffan unb ©cutari, unb bie ©anbfchaffchaftcn Xolona unb Delrcino. Die »orjüglichften ©tdbte ftnb Sanina, Delroino, ©cutari, Dutajjo (bag alte dpibamnug, bann Dprrachium), 2frgpro=daftro, 2£mlona :c. — Die Pforte hat hier nur einen fehr fdjmanfenben SSeftg. Diefer ermeitert unb befchrdnlt ftd) immer, mie bie unabbdm gigen ©emeinben unb S5epg ihren S5eft'bftanb unter einanber unb gegen bie fPafchen ber Pforte ermeitern ober befchrdnfen. Die große S5ergfüfie 2llbanieng ift ein unbe-- fannteg Sanb, bag nur bie »enetianifd)e Stegicrung genau fannte unb gegen fefte droberung ber türfifdten SPafdjen »ertheibigte. Jöier leben gried)ifd)e unb fatl)olifche dhrifien unb felbfl SOtohammebaner in halber 2Bi(bf)eit unb itt ben »erfchiebenften So 1 '-' men ber Söerroaltung. Der füblichfie SEheit 2llbanieng h^tgt feit bem ©riechenaug fianbemieber dpirug (f. b.)m. b.©tdbten2frta(»gl. 2f ctium) unbS)te»efa. ^)iet entfpringenaugbem©ee»on Sanina (f. b.) bteglüffe 2fcheron (f. b.)unbÄocpt, »on beten SJtünbung unfern arga(f. b.) liegt, dpirug ift befonberg itt ber 9^ahe beg SSteereg fruchtbar; eg bringt 28ein, itom unb fruchte her»or. 3m 2(lterthum maten bie ^)ferbemegen it>rcg fchnellen Saufg, bie Jöiinbe megenihrer ©rofte unb 9Butl), forcie bie Äühemegett ihrer ©rofe berühmt. 3e6t formen biefe Stacen auggegattgen ju fein. 3ttbano 161 3Soc bet' 9?e«olution bei ©riechen regierte in Srttiirta *Pafd)a 3f l i (f. b.). 3m ^)a= fcfjntif ©futari gab cS noch freie SÖtontenegriner (f. b.), ©ulioten (f. b.) unb anbte unabhängige SanbeSgcmeinben in ber 9tdhe beS ehemaligen oenetiani= fdben, nun 6ftreichifct>en ©ebiets. Siefe Keinen freien ©emcinben genoffen, fo lange Söenebigö ^cciflaat beftanb, ben geheimen ©d)ufj biefer SRepubtiB, wobuvd) ihre Schaltung fomot gegen bie dupere türfifche 9Jtad)t als gegen bie S5efehbungS= muth ber fPriuaten unter ftd) möglich mürbe, ©leidje fPolitif beobachtete gegen fte bie franjoftfd)=illprifd)e Siegientng. — Sie 3frnauten nennt man im Sanbe *> felbft ©hppefarS. ©ie ftnb tapfere, unermübete, aber fauftidfje unb bunbbrüd)ige .Stieger. ©ie machten fonfi ben Sern beS türfifchen e£>eereS aus. 3eber ; bet f c j n ©runbeigenthum hat, fuefjt fleh bie SBittel baju entmeber burch Streifereien in be= nachbarteS ©ebiet unb bcioeglid)e 33eute ober bitte!) SciegSbienfie in ber gerne ju erwerben. Sie ©ohne angefehener gamilien, ober ausgezeichnet tapfere Scanner, fammeln bort leidet einen Sanner unb «erlaufen, wie ootmalS bie ©onbottieri in Italien, Sebent, bet fte gut bezahlt, ihren 3(rm. Siefe bewaffnete )öotbenauS= wanbetung, im SSebutfnifi eines fte erndhrenben ©runbeigenthumS, ift ben gtie= chifchen, fatholifdjen unb mohammebanifchen 3(rnaufen ein gemeinfd)aft!id)er 9fa= tionalinftinft. Sahcr »ermehren ftd) bie SanbeSgemeinben felbft in ben fruchtbar: ften Shnletn nicht f e f) 1 '/ unb es ift immer ein groper Überfcfjup lebiger grauen ba. iifber aud) biefe «ettf)eibigcn ihren foerb unb ihr ©igentfum mit männlichem 9Jtutl), wenn fte angegriffen werben. Unter ben d)riftlid)en 3(rnauten ift ber politifd)e ©in: flup ber ©eidlichen grop. — Albanien, ber dltere9tame ©d)OttlanbS (f. 3(1= b i o n); ben 9tamett ^»erzöge non Albanien führten ehemals bie erftgeborenen ©ohne ber fci)ottifd)en ÄÖnige. f 31 l b a n o. Sie romifchcn Sagen nennen 3(1 b a 2 o n g a bie SKutterffabt 9tomS. ©te geben aud) ein 93erjeic(>nip »otc6mifd)er Sönige «on 3(Iba, an beffen ©d)tf)eit man zu glauben nufgel)ött hat. Ser i6mifd)e Sönig S&itluS $oftiliuS foll bie ©tabt zerftört unb ihre @inmol)ner nad) 9tom geführt haben. 3fit ber | ©teile berfelben ftanb fpdter pin ©tdbtchen, «ott prad)tigen Sanbljaufetn romifchet ©ropen umgeben. SiberittS unb SomitianuS frohntett in ihren albantfcfjen 2uft= I fd)lo(fern ihren Stiften unb ihrer ©raufamfeit. SaS heutige 3flbano fehmüeft ftd) j nod) mit bem alten, weltberühmten 9tamcn. SJterfwürbiger ift ber albanifche SSerg, auf weldjem jdhtlich «on ben ©onfuln baS 3(nbenfen an bie unter 5£atqui= niuS bem ©tolzen bewirfte S3erbinbung ber Sioinet unb Sateiner mit befonbern geierlid)(eiten begangen würbe. — Ser albanifche ©ee ift ein SBunber ber 93atur unb ber Sun ft ber alten Seit. 5Bdf)renb beS ÄriegS mit SSeji (395 ö. ©l)r.) wud)S biefer ©ee in einem heipen ©ommer, ohne alle ftd)tbare Utfache, zu unge= wohnlidjer Surd) etruSfifche SBahrfager oerbreitete ftd) baS ©erüd)t, bap «on bem 3(blaffen biefeS SöiafferS baS ©d)icffal «on 93eji abhdnge, ttnb bie 9tömec oollenbeten einen herrlichen 33au, burd) einen be(phifd)en ©prttd) in ihrem @latt= ben beftdrft (Liv. 5,15 —19). Sie lernten wal)rfd)einltd) bei biefer 3frbeit«on ben baufunbigen ©truStern bie Swift, unterirbifche ©anale zu führen, bie fte halb Zur Untergrabung bet 93efefiigungen «on SSeji unb babutd) zur ©roberung ber ©tabt anwenbeten. Ser 3(blaffet (©miffariuS) beS 3(lbanerfeeS hat eine Sdttge «on • 3700 Schritten uttb ift 6 gup hod), 3f breit. 9tiebuf)r, in ber „9töm. ©efc().", £ht.2, ©.234, hdlt biefeS bemunbentSwürbige SBerf für eine dltere 3(rbeit beS gefammten SatiumS, ober, wenn eS 9tom nicht fremb war, für bem Seitalter ber romifchen Könige angehörig. — SSerühmt ift aud) ber a l b a n i fd) e © t e t tt, «on bunfelgrattlicher garbe, ber häufig bei 3(lbano gebrochen. wirb, ©r ift «on 2 3frten, bereit eine ©perotte, bie anbte fPeperino benannt wirb. 3fuS benfelbett, fagt SBincfelmann (SBerfe, herauSgeg. «on gernow, 1. S3b., ©. 347), befteht bie , ©runblage beS ©ampiboglio, im 387. 3- 9tomS gemad)t, «on welcher nod) je^t Eon«.:Cer. Siebente 2Cufl. S3b. I. f 11 162 2ttbctnt) (©rdftn) 2fCbet:om 5 Sagen grofet ©teine übet bet ©rbe ju fefjen ftnb. — Sie ©loaca mafft'ma (ein ■*- Süerf bet SEatquinier), bab allerdltefe romifdfje ©cabmal bei 2dbano, unb ein anbreb »on ben dlteften iZSerfen bet SKömer, »om 358. 3- b. ©t. 3i om, bet 2fblap beb albanifctjen ©eeb, jebt Sago bi ©aflello, ftnb aub biefem «Steine gebaut. 3. 2dban>) (©rdftn), fPrinjefftnSuife9Jtarie.Sarotine, ober2(1 opfia, geb. 1753, 33aterb = SStubetb = SEobpter beb testen regierenben (1804 geft.) durften ton ©tolberg «©ebern (f. b.), »ermdl)lte ffrf) 1772 mit bem 9>rdtenbenten »on ©ngtanb, Karl ©tuart. 92ad) bicfec S3ccmdl)lung führte fte ben CRamen einet ©rdftn ton 2(. 3l)re ©l;e mar finberlob unb unglücflid). Um ft cf) tot ben ? 2(ubbrüd)en bet 9iof)t)eit ifircb ©emafjlb ju retten, bet in einem Suftanbe fortmdh- venber Srunfenf)cit lebte, fucf)te fte 1780 eine greifldtte im Älojter. 9Jad) bem SEobe il)teb unmürbigen ©emahlb, ber 1788 jfarb (f. ©buarb), liep ifjr bcr franj. $of ein Safjrgelb »on 60,000 Sioteb aubjal)len. ©ie überlebte bab fjaub ©tuart, t»eld)eb mit bem SEobe ttjreb ©rfjvttagerb, beb ©acbinal S)orf, 1807 (f. ©tuart) erlofd). ©ie färb ju glorenj, intern gewöhnlichen 2(ufenti)a(tbotte, ben 29. San. 1824, in ihrem 72. 3«hte. 3hr SRame unb ihr tcaurigeb ©cffcffal ift butcb bie Söerfe unb bie eigne Sebenbbefcf)teibung beb ©tafen Söictor 2(lfteti auf bie 92ad)= weit ftbergegangen. Ser berühmte SEragobe nannte fte mia Donna, ©ie entfcffeb fein ©djfcffal, benn fte war bie Sftufe, bie ihn begeiferte; fte mar bab einige t»eiblid)e föefen, beffen „aurea catena" biefeb milbherumfchmdrmenbe ^erj in emtge Steffeln legen fonnte. £>b ne greunbfhaft ber ©rdftn »on 2(. b^ ttc '■ er, mie er felbf gefeht, nie ctmab 5Eüd)tigeb getban,' „senza laquella non aurei mai fatto nulla di buono". Sie ©d)i%rung feiner erffen 3ufatnntenfunft mit grau »on 2(. (quella gentilissima e bella signora, wie er fte nennt) if »il( ©mpfinbung unb echt poetifd;. SRitten unter gremben mar bie fchone, junge beut; fd)e ©rdftn, felbf eine gcembe, bennod) »or 2(llen aubgejeiefnet; Me jog ihre ©tfdjeinung an, Me bulbigtett ihrer fPetfonlidfeit, ihrem ©etjie; ber milbe, fd)eue 2(1 ft cd felbf marb »on ihrem Raubet berührt unb ihrem hohen, reinen 2Bil= i len unterthan. (©. 2(lfteri.) 3h re unb 2(lfteri’b 2(fcfe utl)t jebt unter einem ge= meinfd)aftUd)en ©rabmale in ber .Kreitjfitefe ju glorenj jmifchen 5Racd)ia»etli unb 9Jticl)el 2lngelo. — Sie Sftutter ber ©rdftn »on 2(., bie im gebr. 1826 ju granff. a. 5R. »erforbene ©lifab. fPhilippine 6laubine, gütfin »on ©tolberg« ©ebern, geb. 1733, mar bcr lebte ©propling beb alten ^aufeb ber gürften »on , $onteb in ben fRieberlanben; fte »ermdhlte ftd) 1751 mit ©itf. 2(bolf, f)nn} »on ©tolberg« ©ebern, ('. f. ©eneral unb ©ommanbant ber gefung fheuport, ber in ber ©d)tad)t bei Seutl)en 1757 blieb. Sie jmeite 5Eod)ter biefer gütfin mar in er* ! fer ©he mit bem 'hetjog »on SSerroicf, unb in jmeifer mit bem fPrinjen »on ©a* ■ ftelfranco, fpanifd)em ©efanbten in 5üien tc., »ermdhlt. Sie britte SEodfer, »er» 1 mahlt an ben f. f. gelbmarfchall ©rafen »on 2frberg, ftofbame unb greunbitt ber j Äaifecin Sofephine, hat bie mid)tigjlcn ©reigniffe granEceicfb in lebt »ergangener ! 3eit alb 2fugenjeuge gefehen unb bab ©d)icffal ihrer greunbitt auf bem SEhrone bib j anb ©rab geteilt, ©ine »ierte SEodfet jener gürftin, bie ^rinjefftn 5El)rrefe »on ! ©tolberg = ©ebern, lebt ju granffurt a. SR. 20. i 2(lbcnborf, SBallfahrtbort in ber ©raffd)aft ©lab, mit 1036 ©., in j einer ^errfdjaft beb ©rafen SRagnib, ben »iele taufenb SBallfahrer, befonberb aub 1 236hmcn, jdl)rlid) befugen. Sic bortige fchone Äird)e ift reich an 33oti»ptüaldftina. 2(1 her »heit, f. ©eiftebfranfhriten. 2(lhevoni (©iulio), ©arbinal unb fpanifdjer ©taatbminifter, ber ©oh» * 163 Älbert (von SÖottftdbt) eine« ©dtfnerS, geh. 1664 51 t girenjula, einem -Dorfe in fPatma, empfing eine feiner SEkftimmung für ben geijtlid)en Stanb angemeffene ©rjiehung. ©r mar jttcrft ©lodnet bei ber $auptfird)e 311 fPiacenja. 9Jlit feltener ©inft'cl)t begabt, mürbe er halb ßfjotfjerr, Äapellan unb ©ünftling beS ©tafen 9?oncovieri, 35ifd)ofSvon St. = Sonnin. Ser Jperjog von fPatma fanbte i£>rt als ©efchdftstcdger nad) 9Jht; brib; tjier gemann er bie Zuneigung V. Surd) Sd)(auf)eit unb Stdnfe flieg er bis jum erften 9Kinijfet, marb darbinaf, galt in Spanien fllleS feit 1715, unb ftrebte, if>m feinen alten ©anj mieberjugeben. ©r fefjaffte 9J?ifibrdud)e ab, fdjuf eine Seemacht, bilbete bie fpanifdje ffrmee mie bie ftranjoftfcfje, unb machte baS .Königreich Spanien mächtiger, als eS feit ^)f)ilipp II. gemefen mar. ©r hatte ben großen fpian, Spanien alle in Italien verlorene Sanber mieberäugeben, unb fing bei Satbinien unb Sicilien an. 2fud) als ber $etj. 0 . SrleanS, Sfegent non gtanf; reicl>, ber fpanifd;en SSerbinbung entfagte, um ftd) mit ©nglanb ju vereinigen, dnberte ber ffoljefPrdlat fein Spffem nicht. SSielmefjr marf er feine bisherige fSfaSEe ab, griff ben Kaifer an unb naf>m il)m Satbinien unb Sicilien. 3fber im mit; telldnbifcfyen SSJleete marb bie fpan. glotte von einer englifdjen vernietet. 9hm baefte er felbf! einen Sanbbrieg ju erregen, fud)te bafur fPeter ben ©roßen unfc> Karl XII. mit fiel) 5 « verbinben, Sftreid) in einen Krieg mit ben Surfen 51 t ver-- micfeln unb in Ungarn einen 2Cufftanb ju erregen, ben ^erjog von StleanS aber butef eine Partei am $ofe fefrncljmen ju (affen. Allein ber s P(an marb entbedt. Ser -^erjog funbigte, mit ©nglanb vereinigt, Spanien ben Krieg an unb fetjte in einem SJfanifeft bie 9?dnfe beS italienifd)en ©arbinalS auS einanber. ©in franj. $eer brad) in Spanien ein, unb obgleich X burrf) innere Unruhen bie Unter; nefjmungen gtanfreid)S 51 t hemmen fitcfjte, fo verlor bod) ber König ben 50?utt) unb mad)te grieben, beffen Joauptbebingung mar, ben ©arbinal ju entlaffen. ©r befarn am 20. Sec. 1720 ben S3efel)l, binnen 24 Stunben €0?abrib unb in 5 Sagen baS Königreich 311 raumen. Seht mar er ber SJacfye aller 9J?dd)te preiSgege; ben, beren^af er ftd) jugejogen hatte, unb faf> fein Sanb, mo et ftd) auffalten fonnte. Setbfl nad) 9iom magte er niefjt ju gehen, meil er ben ^)apfi©lemenS XI. hintergangen Ijatte, um ben ©arbinalShut ju erhalten, ©r mar nod) nicht über bie fPprenden, als fein 5Bagen angefallen, einer feiner S5ebienten getöbtet mürbe, unb er felbfl, um mit bem Seben ju entnommen, verbleibet feine 9?eife ju gufie fort; fefeen mußte. Sange irrte ec unter frembem Dfamen urntjer. ffm genuefifefen ©e= biete marb er, auf Xtfudßen beS fPapffeS unb beS Königs von Spanien, fejfgefeft; bod) gaben if)m bie ©enuefer halb feine geeifert mieber. Ser Sob beS fPapffeS machte biefer SSerfolgung ein ©nbe, unb ber folgenbe fßapjf, Snnocenj XIII., fe|te ifn 1723 in alle Dfecfte unb SBürben eines ©arbinalS mieber ein. 6 r fiarb 1752 in einem 2flter von 87 Sagten. 2flbcrt ober JUbrecft von 23olljfdbt, mit bem SSeinamen ber ©rojje (Albertus magnus, aud) Albertus Teutonicus, Albertus Grotus), S3t= fcfof ju SJegenSbutg, ein in bem bunfeln 13. S'afjrf). mit 3fuSjeid)nung fetvotra; genber 9Jtann, ber aufer feiner tfeologifd)en ©elefjrfamfeit für fein 3 eita(tec viele •Senntniffe in ber 9J?ed)anif, fPbpfrf unb 9?aturgcfd)id)te befafi, fobafi if)n feine Seitgenojfen für einen tauberer hielten, ©r mar 1193 (nad) X 1205) ju 2auin= gen in Sd)tvaben, in ber grdfl. gamilie SSotlffdbt, geboren, ftubirte ju ^)abua, trat in ben Srben ber ?)rebigecm 6 nd)e, mürbe 1249 Siector ber Sdjule ju Äoln, 1254 ^)rovincial feines StbenS, unb erhielt 1260 vom ^)apft 'rflepanber IV. baS SSiSfljum ju SfegenSburg. 3fl(ein nach 2 3ob rcn ging er freimillig in fein Ä(o= fter nacl) Äoln jurud, lebte bort für bie ®iffenfd)aften unb arbeitete bis an fei; nen Sob (1280) viele Schriften aus, von benen ein grofserSljeil noch 1651 in 21 goliob. (Spon) jufammengebrudt mürbe, unb bie, raenn fte aud) jegt vergeffen finb, bei SSetgleidjung mit ben Sd)riften feiner Sohgenoffcn, am beffen bemeifen, 11 * 164 3flbert (Gaftmtt) 2ftbec£uStf>ater baf er ben ihm gegebenen SSeinamen in feinem Beiter mit 9fecf>t »erbient habe, ©ie befdfäftigen ftd) ootnehmlid) mit drflärung beS 3lriftoteleS, wobei er and) bie Sfrabet benufste. Um ifjn näher fennen ju lernen, oerweifen wir auf ©ul)le’S ,,Scbt= buch bet ©efclfchte ber ^>b>lofopf)w" unb oornehmlid) auf Siebemann’S „®efd)ichte ber fpecutatioen *Ph*t°foph’ c "- — 311 b e r t i ft e n Riefen im 13. Saf)th- bie ©cf)0= laftifer, weld;e feinen SJteinungen anhingen. Sllbert (daftmit), fonigl. fPrinj oon fPolen unb ©ad)fen, fjerjog ju£e= fd)en, gewöhnlich -berjog non ©achfen = 2efchen genannt, ber @ol)n beSÄ. Sluguft III. non fPoten unb Sf)eim beS Ä. non ©achfen, geb. ju 9Rori|burg bei Sterben ben 11. 3>uli 1738, ftarb ju Söien ben 10. gebt. 1822. SJiit feiner ©e= mai)lin, ber drjherj. Sttanedhviftine, Socfter beS rom. itaiferS.^ranjI., bie Sber= flatttjalterin in ben oftr. fJtieberlanben war, .nerwaltete er gemeinfd)aftlid) biefe ^)ro= oinj. 25er 3luftuf)r bet 93rabanter 17S9 nötigte ihn SSrüffel 51t neriaffen, dr be= gab ftd? nad) StBien, fefjrte jeboch halb, nad) ber Unterbrücfung beö2fuf(tanbeö butd) ein oftr. fjeer, auf feinen ©tattfyatterpofien jurücf. 3n bem Ätiege mit Sranfreid) 1792 commanbirte er baS SBelagerungSf> ecr »or Sille (21. ©ept. bis 10. Set.), mufte aber bie SSefagerung aufijeben, unb batb barauf, als er unb SSeaulieu bet SemappeS ben 6. Stoo. gefd)lagett worben waren, ganj SSelgien raumen, wo 25u= mouriej ftd) behauptete. Sn bem fotgenben gelbjuge oertief er feines hohen 3llterS wegen bie 3(tmee unb hat feitbem fein dommanbo übernommen, fonbern ftd) fort= wAhrenb am wiener f)ofe aufgehalten. SKaria Shereft'a gab ihm bei feiner 9Ser= mahluttg mit ber drjherj., ihrer 5£od)ter, 1766, baS gürftenthum S£efd)en im oftr. ©chleften. ©einet ©cmahlin, bie ben 24. Suni 1798 finberloS ftarb, h at er ein non danooa ncrfertigteS, prächtiges Senfmal errid)tct. fßon feinen anfcl)nli= d)en dinfünften mad)tc er ben ruhmnollften ©ebraud). Sh m oerbanft bie wiener fBorffabt SJtaria $ilf eine prächtige SBafferleitung. ©ein fPalaft in SOBicrt enthielt eine berühmte Äupferftid)fammtung, nebft nielen Sriginaljeichnungen non Stafael, SOttchel 2fngelo, ©uibo unb ffianbpf, fowie treffliche ©emälbe non $üget, Singel. Äaufmann, 93ted)au, .ftaefer, bie fSZabonna non darto Solei, non SJerghem bie piffenbe Äul) u. a. tu. ©ein dtbc war ber dtjhcrjog Äarl. 20. SllbcrtuStheilet- SJtanfjat halbe, 33iertel= unb 3(d)te[=3(lbettuSthater. Buerft liefen fold>e 1598 bie ©tatthalter ber füblidtjen Stieberlanbe, drjherjog 311= brecht non Sftreid) unb feine ©emal)lin, bie fpanifche ^rinjefftn Sfabelle, prägen. SQjtie bie fPiafter jefjt aus ©paniett nad) ben ©taaten duropaS gehen, welchen ©panten im £anbclSumfa(5 ©elb jugeben muf, fo waren bamalS bie füblid;enStie= berlanbc bie3(bnehmer ber «Silberbarren ber ©panier unbbejaf)ltenbafürbie@taats= anleihett, Büfett/ ©ubftbien unb bie jahlreid)e fpanifche 2lrmee, welche hier ihre •Öauptftellung hatte, um SSelgien gegen gtanfreid) unb bie fwllänber ju nerthei= bigett unb bie habsburgifche ©ecunbogenitur in SDeutfcblanb ju unterftüfsen, unb baS 3al)lungSmittel waren bie 3llbertuStl)aler im 2Bertf) non 15Eh Ir - ^4 ©rofehen dono. = ©elb, im ©ehalt non 13 Soth 8 ©rän, beren 8| auf bie rauhe, unb 9J auf bie feine SSJtarf gingen, ©päter gingen fold)e fiarf nach Stuflanb, ^oten unb ber Sürfei: ©taaten, attS benen noch je&t bie cioiliftrten S3olfer niete rohe fPtobucte begehen, wofür fie im grofen fSBaarenumfafj ©elb jugeben müffen, unb ihnen am nüblidjften in einer einmal befannten SDtünje jahlen. 25aher prägten auch anbre europäifdje ©taaten, bie bat)in grofe 3anbel nad; SflbertuSthalern ju 90 ©rofehen ä 18 Pfennigen. 2ttbigenfer 165 2nbtgenfer (2ftbigeoiS), ein .Sebername, bet' feinebcfiimmte ©efte, fon= bern mehre in bet 9Bibevfe(s(icf)feit gegen bie romifdje ^riefterherrfd)aft unb in bem Sefireben, bie Einfalt beS Utd)rifientl)umS roiebeuf)etjuftelten, übereinftimmenbe Äebcrl;attfen, befonberS Äatharer unb 2Ba Ib cnfer (f. b.) bejeichnet, bieftdj gegen baS Enbe beS 12.3al)tl). im fübl. gtattfteid) um Soutoufe unb 2fIbi fef)t »et= mehrt tjatten, unb nad) bet Sanbfcljaft 2ftbigeoiS (©ebiet »on 2(tbi), mobaS»om (Papjf Snnocenj III. aufgerufene Äreuä^eet fte 1209 angriff, »on ben Sreujfolbas ten iflbigenfet genannt mürben. SSetanlaffung ju biefem .Stiege gab bie Etmor= bung beS mit Ausrottung jener Äefjer befdiaftigt gemefenen pdpftUd)en Segaten unb 3nquifitorS, (Peter «on Eafietnau, im ©ebiete beS ©rafen 9Jaimunb VI. »on Souloufe, unb er l;at fdion al$ bet erffe, ben bie romifdje Äirdje gegen Äe^cr in intern <©d)Ope führen lief, bebeutenbeS Sntereffe; et mürbe aber aud) mit einer SSertilgungSmutI) geführt, bie ben ©eifl bet bamaligen tomifdjen ©ciftlidjfoit um fo mehr in @d)atten (feilte, je beutlid)er babei bie maf)te Abfid)t an ben Stag {am, ben megen feiner Sulbung gegen bie Äegcr gcfjaften ©rafen »on Souloufe um feine Sauber ju bringen. (öergebenS fjatte biefer mächtige güvfl «on bem Scgatcn SJlilo bie fd)impflid)ffe SSupe unb ©eipelung gelitten unb mit gtopen Spfern bie pdpftlidje Abfolution erlangt. Sie Segaten Arnolb, Abt »on Eiteaup, unb SIZilo nahmen S3ejietS, bie dpauptffabt feines (fteffen 9ioget, mit ©türm, unb liepen alle Eins mofjner (bei 60,000) ohne Untecfdjieb beS ©lattbenS niebermad)cn. 9fid)t glimpflis eher «erfuhr ©imon »on (Slontfort, ©raf »on Seicefier, bet baS Äreujljeer unter ben Segaten befehligte, mit anbern Srten im ©ebiet 9iaimunb’S unb feinet 93uns beSgenoffen, unter bencn 9ioger «on fBegietS im ©efängnip, unb ber Äonig (Pes tet I. «on Aragonicn 1213 in einem @efed)t »or 9Jfuret umfam. Sie eroberten Sanbe fcfjenfte bie Äirdje, jur Belohnung feiner Sienfte, bem ©rafen »on 9JIont= fort, meldjeit jebod) baS med)felnbe ÄtiegSglücE nie in ben rul)igen 23eftten, unb aud) nadjbem 9iaimunb VI. 1222 im (Sann ber Sitdje geftorben mar, mupte fein ©ohn 9iaimunb VII., trog feiner 2Bitlig(!eit ju jeber Bttpe, baS »dterlid)e Erbe gegen bte Segaten unb Submig VIII. »on granfreid), ber ftd> 1226 in einem gclbs jitge gegen bie Äe|et ben 5Eob holte, bis 1229 «ertheibigen. 9Iad)bem ^mnbert= taufenbe »on beiben ©eiten gefallen, unb bie fdjonften ©egenben in bet (J)ro»ence unb in Sberlangueboc »ermöffet morben maren, fam eS in biefem 3«hre S uni gtie= ben, morin 9iaimunb bie SoSfptechung »om Sitdjenbanne mit Ungeheuern ©etbs fummen erlaufen, 9farbonne mit mehren $errfd)aften an Submig IX. übertaffen unb feinen Eibam, einen Brubet SubmigS, jum Erben feinet übrigen Sanbe eins fefcen mupte. ©o liep ber ^)apft biefe (Pro»injen bem Äönige »on granfreid) ju= fallen, um ihn beffo fefter an feinen ©tuf)t ju fetten unb jut Aufnahme feinet 3ns quifitoren ju nötigen. Senn nun mürben bie Seget bem SSefehrungSeifer beS Sos minicanerorbenS unb ben S3(utgeriditen ber Snquifttion ohne 9fettung preisgegeben, unb biefe beiben neuen ©tü(sen, bie fid) bie (Priejlcrherrfchaft mdhrenb beS StiegeS errichtet hatte (f. SominicuS ©uSmann unb Snquifition), braud)ten ihre ganje Äraft, um bie 9feffe bet Albigenfet auf ihre Scheiterhaufen ju bringen, unb machten auch ben Befehlen brtrd) fchmere ©clb = unb SeibeSfitafen ben un»ers fohnlichen ©rimm ber Äird)e fühlbar. Sod) »erfd)manb feit ber CKitte beS 13. 3af)rh- nur ber 9lame ber 2(lbigenfet; gtüchttinge »on ihrer (Partei bilbeten in ben ©ebirgen Piemonts unb ber Sombatbei bie fogenannte franjoftfdje Äitche, unb ihre 2(bfonberung erbte fid) butef» bie SBalbenfer bis in bie Seiten beS -fiuffttenfriegeS unb ber 9Ieformation fort. E. 166 2Clf>mi 2C(binu§ (23ernt>. ©tegfv. — (5f)rijitan2?enif).) 2f l b t n t (granj Sofcph, greiherr »on), ein berühmter Staatsmann, geb. ju St. = ©oar 1748. 5Rad) »ollenbeten fRecßtSffubien ju fPont i SRouffon, Di(= lingen unb ffBütjburg, unb 2jdhriget gratis am 3tcid)Sbofratf) ju SBien, trat ec a(ä £of= unb fRegierungSrath beö gürffbifcßofS »on SBürjburg in bie politifd)e gaufbah«. 1774 warb er Äammergerid)tSaffeffor; 1787 rodete il)n ber Äurfürff von SRainj, griebrid) Äarl, jum geheimen 9teid)Sreferenbar, rnoburd) ec mit Äai= fec Sofepi) II. in unmittelbare ©efd)dftsberüf)rung fam, bec ißn mit feinem Ser= trauen beehrte unb il)n 1789 mit außerprbenttidjen Aufträgen an mef)re beutfdjc Hofe fanbte. 5Rad) 3ofepl)S 5Eobe rief if)n ber Äurfürff »on ffRainj ju ffdj nach 2(fci)a(fenbucg unb fanbte if)n nad) gcanffurt jur 2Bal)(oerfammtung. Salb nac!) geopoibS II. 3d)ronbefteigung trat 21. als ^»offanjler unb 9Riniffet in futmain= jifdjc StaatSbienffe. (Seine Sermattung mar »on ben mohlthdtigffen golgen für ben Staat j teibec mürben fte burd) ben Ärieg 1792 fg. geffort. 21. cntmicbelte hierbei eine hoppelte SEhdtigbeit. © mar ju 9R«iitj bei ber ßinnafjme burd) bie granjofen, 21.2fug. 1792, unb mohnte bem 2lbfd)tuß ber Übergabepunfte bei. 25er Äurfürfl beauftragte ißn, bem gtiebenScongreffe ju Staffabt 1797 beijumohnen. 1799 pellte ftd) 21. an bie (Spifse beS mainjer ganbffucmS. Stacl) mehren Schars ntü&eln, in meldjen er einige Sortheile behauptete, jog er ftd) nad) Seligenffabt jurücf. © nahm hietauf fein Hauptquartier in 2lfd)affenbutg, »on mo aus er in englifche Dienffe gehen mollte. 3m Sept. 1801 empfing ec »on bem Äutfürffen, einen reich befehlen Sabel, auf beffen golbenem ©riff man bie SSBorte laS: „gtieb= rieh Äarl 3ofeph feinem 2flbini; bie Sorfdlle an ber Stibba, bei 2lfd)affenbucg unb sReuhof". 1802 ffanb er als furntainj. Dircctor bei ber 9veid)Sbeputation in Ste= genSburg. SBahcenb beffen ffarb am 25. Suli 1802 bec Äutffütff, unb 2f. nahm fogleid) bem SRilitair ben ©b ber SEreue für ben neuen Stegenten ab, unb foberte bie ganbeSbehorben auf, ihm fmlb «nb geßoefam ju fein. 2fIle michtige ©e= feßafte beS nunmehrigen burerjfanäletifchen Staates gingen mie bisher burd) feine Hanb, unb er genoß baS »olle Sertrauen beS Äutfütffcit. 211S ber geltere mit bem Seitritte jum 9ihein6unbe feinen gdnberbeffl beträchtlich ermeitert faß, »ermehrte ftd) auch ber SßirEttngSfreiS beS SRiniffetS. 3n ben fritifeßen Serhaltniffen, melche nun eintcaten, unb bei ben baburd) notßig gemoebenen 2lnfftengungen unb 3tefor= men, bemdßtte er ffetS feinen ßnnianen beutfehen ©)ara!ter. -Die »erbünbeten SRddjte gaben ihm, als fte im Set. 1813 baS ©roßherjogthum granffuct erober= ten, einen SemeiS ber 2fnerfennung feines SBertßeS baburd), baß fte ihm ben Sor= ffh in bem ffRinifferialrathe beS »on ihnen unter Sermaltuttg genommenen ganbeS übetteugen. Stadler trat er in 6ffr. Dienffe unb erhielt »om Äaifer bie Stelle eines beoollmdchtigten SRiniffetS am SunbeStage. 2fber nod) ehe er fte angetceten hatte, ffarb er am 9. San. 181-6 ju Dieburg an ©ttbrdftung. 2ftbino3, f. Äaferlalen. 2£l bt n u § (Sernßarb Stegfrieb), urfptünglid) 2ßeiß, einer ber grüßten 2fna= tomen, geb. ben 24. gebe. 1696 ju granffuct a. b. £)., -ffarb ben 9. Sept. 1770 ju gepben, mo ec 50 Saht« baS gehramt »ermattet hat. Unterrichtet »on feinem als geheer bec SSRebicin cühmlid) betannten Sater, Sernharb, unb »on ben be= rühmten ^rofeffocen ber lepbener Schule, Stau, Sibloo, Soerl)aa»e, ging er 1718 nad) granfreid), mo er mit SBinSlom unb Senat in Serbinbung trat, mit benen er nachher jenen ber 2fnatomie, ihrer gieblingSmiffenffhaft, fo nü|lid)en Sriefroechfet unterhielt. Seine Stelle als gector in gepben trat er 1719 mit einer Siebe: „De anatomia comparata", an. Die bortige mebicinifche gacuttdt fdjenfte ihm ohne ©amen ober Disputation ben Doctorfmt. ©nige 5ßod)en barauf ffarb ber fProfeffot 9tau; 1721 folgte ec biefem in ber ^»rofeffur ber 2lnatomic unb ßl)i= rurgie. © mar ©tter ber ßeffen, melche ben Stoß aufnahmen, benbamalSbaS Spffem Soethaa»e’S ber 2fnatomie baburd) gab, baß eS bie ©fd)eimmgen beS tl)ie= 2flbton 2ttbred)t I. 167 tifdf>en Meng ntetjt djemifd), fonbern mechanifd) erflarte unb folglich ein genauereg Stubium ber einzelnen Steile beg Äorpetg unb it)reg Saueg notl)Wenbig machte; benn bie geringfte 3tbweid)ung in ber gönn muffe ihm jufolge Setfd)iebenf)eiten in ber SSBirffamteit herootbringen. 3tud) notfjigtc bieg Spftem, 3ttleg, wag Scfal, gallopia, ©uffad)i nur im ©anjen Bennen gelehrt hatten, mit mehr ©enauigBcit ju befd)teiben. 3(. arbeitete in biefern Sinne; man oerbanBt ihm bie genaueren anatomifdjen Sefd)teibungen unb Tupfer, bcfonberg non ben StugBeln unb Äno= d)en. 1720 mürbe et fProfeffot ber 3ergtteberurtg6 = unb SBunbatjneiBunft in 2ep= ben; atg foldjer fdjrieb er f. „Index supellectilis anatomicac Ravianae", fein 2Berü „De ossibus corporis huniani", f. „Historia musculorum hominis" u. a. SBerbe, bie in ber ©cfchicl)fe ber 9Bi(fenfd)aften einen ehrenoolten fPtag behaupten. 2fudf) gab er perfd)iebcne «Schriften oon $aroei), Sefal, gabricio b’3tquapenbente unb ©ufladji heraug. — «Sein Sruber, Ghriftian Sernhatb, fPtofeffor ju Utred)t, jeichnete fid) in berfelben 2Biffcnfd)aft aug unb mar ebenfallg ein fd)dg= barer anatomifd)cr Sd)tift|tel(et; et flat 6 ben 23. SJtai 1778. 2blhion, ober Britannia major, bei ben Stomern bag heutige Snglanb unb Sd)ottlanb, oon welchem fie Britannia minor (bie franj. fPtooinj Bretagne) unterfd)icben. «Sprengel, in ber „Tlllgemeinen ©efd)id)te von (Großbritannien", halt 30bion für eine utfptünglid) galifdje Sbnennung unb mit 3(lban ober ZU bain, bem heutigen Flamen beg fd)ottifd)en 4?od)lanbeg in ber Sptadje bet vgjoef)= lanber, für einerlei. Gjg fcheint ihm ber Plural beg SBorteg 3flp ober 3ti(p ju fein, meld)eg ein getfengebirge bebeutet, weil bie Äüjie oon ©nglanb bem gegcnüberlie= genben ©allien ober granBtetd) alg eine lange Steilje rauher gelfeit erfd)eint. ad) Sfnbetn hat bie Scnennung 3tlbion ihren ©runb in bet weißen garbe jener Äteibe= felfen an ber SübBüfie ©nglanbg. 3tlboin, Äonig ber Bongobarben, folgte feinem Sätet 3tuboin 561. ©r herrfd)te in Storicum unb Pannonien, wdfjtenb Äunimunb, Honig ber ©epiben, Saäen unb Spanien beherrfchte, unb Sajait ober Hagan, Honig ber 3Coaren, bie Eroberung ber SJtotbau unb 2Balad)ei oollenbete. Starfeg, Sujtinian’g gelbherr, fud)te fein SSünbniß unb erhielt non igm Sciftanb im Htiege gegen SEotilag. 5n Setbinbung mit ben Dinaren bekriegte 3t. bie ©epiben unb erlegte in einer großen Schlacht (566) ihren Honig Hunimunb mit eigner £anb. Siefet Sieg erwarb 3f. einen großen Stuf. Stach bem SSobe feiner ©emahlin Htobogwinba oermdhlte et fleh mit Stofamunba, Hunimunb’g $£od)ter, weld)e fid) unter ben ©efangenen be= fanb. 3e(d unternahm er 568 mit feinem SßolFe, nebfl 20,000 Sad)fen, bie ©t= oberung Stalieng, wo Starfeg, ber bem Sujtinian bieg Banb unterworfen hatte, oon einem unbanBbaren $ofe beleibigt, in 31. einen Städjer fanb. 3f. machte oon Saht ju Saht weitere gortfdjritte in Statten, iitbem er Beinen SBibetfianb fanb, atg ben ihm bie Sertheibigung einzelner Stabte cntgegenjfelltc. ^pavia fiel nad) einer 3jdf)= rigen Selagerung in feine $anbe. 3t. hatte 34 Sahre in Italien regiert, alg er burd) ^>elmid)ig, ben Suhlen feiner ©emahlin Stofamunba, unb non fPetebeo 574 jU Verona umgebracht würbe. Stofamunba’g -f)aß unb Stäche hatte 3t. baburtf) auf fid) gezogen, baß er einjt imStaufdje eineg gejteg ihr ein attg bem Sdjdbel ihreg Saterg jubereiteteg ©efdjirt mit SBein gefanbt unb fie (nad) feinen SBorten) genothigt hatte, mit ihrem Sätet ju trinfen. Siucccllai unb 3tlfteri in ben Sra= gobien „Stogmunba", unb gouque in feinem „3tlboin" haben biefe Segebenhetf bichterifd) behanbelt. 3tlbred)t I., $erjog pon Öfireid), nabhmalg beutfeher Äaifer, geb. 1248, war ein Sohn fRubolfg non ^absburg (f. b.), ber furj por feinem Sobe Perfucht hatte, bie Ärone auf bag >£>aupt feineg «Sohneg 3(lbred)t ju fegen. 3tber bie Äurfürften, feinet ©ewalt mitbe unb burd) bie Sd)wdd)e feineg 3(lterg iqtuthig gemacht, hatten bag Seetangen abgelehnt unb bie Stahl eineg r6mifd)en Äonigg 168 2Ctbrecf)t I. auf unbefümmte Seit »etfeboben. Nad) bem SEobe NubolfS fab Xbtecbt, bcc nur bie £riegerifd)en ©igenfebaften feines SSatetS geerbt batte, feine ©rbjlaaten £>ft= reich unb ©teiermarf gegen fiel) auffteben. Siefen burd)'feinen ©eij unb feine ^drte erregten 2(ufcut)c erfüllte er sroar,mit frdftigem 2frm, allein ber ©t'folg »er= mehrte feine Äübnbeit; in alien Sßütben wollte er SvubolfS Nachfolger fein, unb ohne bie ©ntfebeibung beS Neid)StagS abjuwarten, bemächtigte et ficb bet 3?eicf)8= infignien. Siefer ©ewaltfdjritt bewog bie Äurfurfien, nicht ib«, fonbern 2tbotf »on Naffau jum Äaifer ju erwählen. Unruhen, bie gegen ihn in ber ©cbweij auS= gebrochen waren, unb eine Äranfbeit, bie ihm ein 2fuge raubte, beftimmten ihn jut Nacbgiebigfeit. 6t lieferte bie 9ieici)Sinfignien aud unb leifiete bem neuen Äaifet ben SebnSeib. Äaum batte er ben Xtfftanb in ber ©cbweij gefüllt, als er in neue ©treitigfeiten mit feinen Solfern in Dftreid) unb ©teiermarf gerietb, befonberS mit bem S5ifci)of t>on ©aljburg, ber auf baS @erüd)t »on feinem Sobe einen 6in= fall in feine ©taaten gemacht batte. Unterbef batte 2fbolf nach einer 6jdbrigen Regierung bie Siebe aller NcidjSfürften yetfdicrjt. 2t. fud)tc biefe Umftimmung ber ©emütber ju bemtgen, unb wufte bureb erheuchelte SJlilbe bie Surften in bem ©rabe ju taufeben, baf fte als 1298 2(bolf auf bem SleicfjStage abgefegt warb, ihn jum Äaifet erwählten. Um jebod) biefen ©d)luf ju »olljieben, be= burfte eS ber 6ntfcl)eibung ber SBaffen. ffieibe Nebenbuhler trafen mit ihren feeren bei@ellbeim, gwifcfjen SüßotmS unb ©peier, auf einanber. 2t. jog ftd) febeinbat jutütf unb »erfübrte babureb 2fbolf, ihm mit ber bloßen 6a»alette ju folgen. Sa trafen 2t. unb 2tbolf auf einanber. „Su »erlierft Äton’ unb Seben!" rief biefet feinem ©egner ju. „SaS wirb ber $immel entfebeiben!" antwor= tete 2f., inbem et ihn mit ber Sanje ins ®eftd)t traf. 2tbolf fanf »om fPfetbe, unb 2t.’S Begleiter tobteten ihn. 2t. fab nun feine ©cbeibewanb mehr jWifdjen ftcb unb ber bo^ffen ©ewalt; aber er fühlte, baf er jegt in bem Sali fei, ftd). grofmutbig geigen ju fönnen. freiwillig entfagte er ber ihm bureb bie legte 3Babl übertragenen Ärone, unb würbe, wie et »orauSgefeben batte, aufs neue gewählt, ©eine Äronung gefebab ju 2tad)en im 2fuguft 1298; feinen etffen 9ceid)Stag hielt er ju Nürnberg mit ber duferften Fracht. 2fber ein neues Ungewitter jog gegen ihn heran. fPapft SSonifaj VIII. fpradb ben Äurfürfien baS9ted)t ab, bie Äaiferwürbc ju »ergeben, inbem et ben ^apft für ben wahren Äaifer unb gefeglidben Ä'onig ber Nomer erstatte. Semjufolge lub er 2t. »or ftcb, um SSergebung }u erbitten unb bie Sitfe ju tbun, bie er ihm auferlegen würbe; ben beutfd;en Sürftcn aber »erbot er ihn anjuerfennen, unb entbanb fte ihres ©ibeS gegen ihn. Ser ©rjbifd)of »on Nlainj, aus einem Sreunbe ein ©egner 2t.’S geworben, »erbanb ftcb mit bem 9>apffe. Sagegen »ereinigte ftcb X mit ^b'üpp bem ©d)bnen »on SranE'teid), »erfteberte ftd) ber Neutralität ©acbfenS unb SSranbenburgS unb jwang bureb einen ploglicf)en ©inbrud) in baS Äurfürfientbum SD?ain§ beffen Surften, nicht nur baS Sünbntf mit bem fPapjf ju brechen, fonbern auch für bie ndebfien 5 Sabre ftd) mit ihm jtt »etbinben. SSonifaj, erfebreeft burd) biefen fcbnellen ©tfolg, fnüpfte Unterbanbtungen mit X an, in welchen biefet aufs neue bie Salfcbbeü feines ©barafterS geigte, ©t brach fein Sünbnif mit fPfntipp, geftanb ju, baf baS abenb(dnbifd)e Äaifertbttm eine 2fbtretung ber Zapfte an bie Äaifer fei, baf baS SfBablred)t ber Äurfürften ftd) »on bem heiligen ©tublc berfdbreibe, unb »erfprad) mit einem ©ibe, bie 9Jed)te beS romifeben |>ofeS auf beS NapjieS SSetlangen gegen Sebetmann mit ben Sßkffen ju «ertbeibigen. Bur SSetobnung bafür fprad) SSonifag gegen fPbilipp ben Sann auS, erfldrte il;n ber Ärone »erlujfig unb gab 2t. baS Äönigteid) Sranfteid). ^)b>= tipp wufte jebod) ben fPapft ju guctjtigen. X führte fobann unglücflicf)e Ätiege ge= gen^ollanb, ©eelanb unb SrieSlanb, gegen Ungarn, gegen Sobmen unb gegen Sbütingen. 3m Segriff, eine in Thüringen erlittene Nieberlage ju rachen, befam 2ftbrerf)t II. 2£lbred)t (Daniel Subung) 169 w er bie Äunbe »on bem tfufftanbe ber ©djmcijer unb fab ftcf> genötigt, bottbitt feine .Kräfte ju rtdfjten. 3fm 1. San. 1308 mar ber 2fufruf)r in Untermalben, ©cbmpj unb Uri auSgebrocben. 21. batte biefe (folge feiner 33ebrüt feinem Seben ein 3iet fegte, ©eine« jün= gern 33ruberS Stubolf ©ohne, Sobann, gebührte ©cgmaben als ©rbe; »ergebend batte biefer baS £anb mieberbott gefobert. 2flS 21. gegen bie ©cbreeij auSjog, et= * neuerte Sobann feine goberung; aber Sener fügte noch ©pott jut Ungerecfjtigfeit unb fpracb, inbem et ihm einen 33lumenfranj reichte: „SieS gebührt beinern 2f[ter>, bie ©orge ber Stegierung überlaf mir!" Sobann »erfcbroor fiel) nun mit feinem Sebrer unb Saht«; SBaltber »on ©fd;enbad), unb 3 ffreunben, Stubolf »onberSöart, Stubolf »on (Palm unb dtonrab »on Segelfelb, gegen 2f.’S Seben. Sen tfugenblicf, als ber Äaifer auf einem Stift nach Stbeinfelb burcb bie Stüf »on feinem übrigen ©efolge getrennt mar, benugten bie 5Betfd)t»orenen unb (tiefen ihn »om (Pfetbe. ©o, in ben 2ftmen einer am Söege ftgenben SSettterin »erbfutenb, enbete am 1.9Rai 1308 biefer berrfd)füd)tige, t»eber Stecht noch SSifXigfeit acbtenbe •Stegent, bem ©elb unb SSaffen 3fUeS gatten, unb beffen cf)arafteriftifcbe ©igen= fcbaften Sänbergiec unb fpaf ber gefegticf)en ©djtanfen feinet ©etoatt, babei aber ein StbnungSgeiff, nad) me(d)em er an SBeibetn .3ud)t, SStutb am Krieget unb ©etebrfamfeit am (Priefterfianb liebte, unb eine fotcbe ©elbflbebertfcbung t»aren, baf er bei febt leibenfdjaftticbem ©emütb feine Bunge im Baum hielt, nie aus Born baS bürgerliche Stecht beugte unb nie ber SBolluft ©emalt über ftd) lief. 3Bie gtaufam tfgnes, Ungarns Königin, igreS (BaterS Sob rächte, mirb unter SobanneS (Parriciba erzählt. 2£lbrecht II., >6erjog »on Sftreid), ©obn Kaifer 2Clbred)fS I., mar minbetjäbtig, als fein SSater ermorbet marb. ©eine (Stüber (tarben »or ihm, ! unb nur einige Beit regierte er mit feinem (Stüber Otto, nach beffen SEobe et allein »on feiner Samilte übrig blieb. ©rbalteneS ©ift jog ihm in feinem 32. Sabre eine Säbmung ju, bie ihn jeboeb nid)t »om perfönlidicn Kriegfül)ten abbielt; er lief fid) baju halb in einer ©anfte tragen, halb auf feinem fpfetbe befeftigen. Set ^papft Sobann XXII. trug ihm bie Äaifetftone an; allein et fd)lug fie aus. Unglücflidj maten feine Unternehmungen gegen bie ©d)meij, unb nur burd) (Seftedjung gelang eS ihm, nach einer langen (Selagerung fleh in ben (Scffg »on Bürid) ju fegen. Sa aber bie ©ibgenoffen ftd) bebrobt faben, bie grüebte ihres 50jährigen Kampfes }U »etlieren, griffen bie (Sergbemofjner »on ©cbmpj ju ben (Baffen; »or ihnen mebte bie burd) ben ©ieg bei (Storgarten berühmte gähne, unb 2l.’s vfteer muffe überall meidjen. SaS gemeinfame (Sünbnif mürbe erneuert unb ber .fferjog »on Sftreicb genotf)igt nad) (Bien jurüefjufebren, mo er, »on .Summet »erjehrt, am 16. 2fug. 1358 in feinem 60. SebenSjafre ftarb. ©r mar tbätig, fenntnif= reich, bauSbälterifd), bulbfam, »orftd)tig, flug, unb bie ©cfcbid)te bat ihn ben (Beifen genannt, ©c mar ber ©rfte, ber baS Stecht ber ©rffgeburt in ben ©rbfiaaten beS ^aufeS Sftreid) einjufübten trachtete. Bmar marb jenes ©efeg nach feinem Sobe nicht beobachtet; aber unter SDtapimitian I. ift eS erneuert unb feitbem nicht rniebet »erlegt morben. 2f l h r e ch t (Saniel Eubmig), (Birfl. ©abinetSrath beS Königs »on (Pteuf en, geb. ju SSerlin 1764. Stad) »ollbradhten ©cgulftubien mibmete er ftd) ber9ied)tS= miffenfdjaft unb jeiebnete ftd) halb burcb Steif unb Kenntnif aus. Sem einge= führten ©ange folgenb, trat et nad) ber Stücffehr »on ber Uniberft'fät juerft als SteferenbariuS in bie Sienfte beS ©taatS, unb nad)bem er eine Britlang bei bem •Rammergeticbt gearbeitet unb bie herfommltd)en Prüfungen mit 2fuSjeid)ttung be= , ftanben, mürbe er als StegieumgSrath in SSromberg angejtellt. SSon hier mürbe ec 170 Album 2ttkec£)t6bet:anbe ber Alliierten. Album, bei ben SRöment eine meife Stafel, morauf öffentlidhe SeEannt-- mad)ungen Berjeichnet mürben. SSeinamen erhielten fte Bon ben Berfd)iebenen Sbrigfeiten; fo biente baS Album pontificum §ur StaatSchronif. Sähet pflegt 1 Tflbuquetque 2ttcdu§ 171 man aud) bic (Natrilcln unb fd;warjcn (Brete bet Unioerfttäten fottsie bic ©tamm= [ büdjcr butd) 2(16 u m ju überfein. i 2tlbuquerque (2(lfong t>on), aStccEömg non Snbien, mit bcm S3et= namen bet ©to|je unb bet pottugieftfche (Natg, mar ;u ßiffabon 1452 geboren, aug einer Samilie, bie ii)ten Urfprung non beit Königen ableitete, ^elbenfinn unb ©ntbecfungggeifl jeichneten in biefcm Zeitalter feine Nation aug. ©irten großen Sfjeil bet äfieftlüffe 2(ftifag h attc f« lennen gelernt unb fiel) unterworfen; fie fing an, ihre .fjertfdjaft aud) über bie (Neere unb SSßlfer SnbienS augjubeijnen. i 2(., jum (Bicelonig ber neuen (Bedungen ernannt, lanbete am 26. ©ept. 1503 I mit einer gtotte unb einigen SEtuppen auf ber Hüfte (Nalabar, eroberte ©oa, baä er jum (Nittelpunlt ber portugiefifdjen (Nad)t unb beb 45anbelg in 2(fien mad)te, unb unterwarf fid) bann ganj (Nalabar, Geplon, bie fimbifcfen Smfeln unb bie •fjalbinfel (Natacca. 1507 bemächtigte er ftd) bet Snfel £)rmug, am ©ingange beg petft'fd)en (Neetbufeng. 2f(g ber Honig vion Werften ben SEribut «erlangte, ben fonfl bie Surften biefer Snfel an i(;n entrid)tet hatten, legte 2(. ben ©efanbten Hügel unb ©äbel uor unb fagte: „25agift bie SJJunge, womit Portugal feinen Tribut jahlt“. 25er portugiefifche Name fttben »on ©alatraoa bie ©tabt 2(tcantara, »on ber er ben Namen annahm, unb warb, nad)bem ihn 1494 bet ©rofmeifter 25on f Suan be 3«niga an Sctbinanb ben Hatholifchen alg 2lbminiftrator übergeben hatte, mit ber fpanifd)en Hrone oereinigt. ©eit 1540 bürfen bie (Ritter heiraten. 25er Örben war reich begütert, ©ein 3eid;en ifi ein golbeneg gtüneg ßilienlreuj, fein (Sappen ein (Birnbaum mit 2 (Ballen. 2llcdu3, einer ber größten gtiechifd)en Sptiler, aug (Nitpiene auf?egbog gebürtig, blühte bort gegen ©nbe beg 7. unb }U 2(nfange beg 6. 5af)th. ». ©f)t. ©tWag älter alg ©appfjo, E)«lbigte er ben (Reijen feiner berühmten Sanbgmänntn, a jeboch, teie eg fcheint, ohne ©rfolg. (Bon feurigem ©emüth, flrebte er nach bem 172 2 Hcejte 2 üd)t)mie hoppelten Sorbet beS .Krieges unb bec PlufenEunft; bet: Unfall, tnxp ec in einem , .Stiege bet Plitplener gegen bie 2 (tfener fein ©cfilb rerlor, ift in fpatern feiten fdlfcflicf auf geigfeit gebeutet worben. Sie Parteiungen unb ©tutme, tueldje fein SSaterlanb jut Seit bet Sertreibung bet Sptannen in Setregung fegten, gaben aud) ibm bie SSÖaffen beS SürgerEriegS in bie |>anb. ©r Edmpfte mit bet Seiet unb bem ©djtrette für bie greif eit, anfangs an bet ©eite beS weifen PittaEud, in bet golge gegen benfelben, als biefet, nad) bem ©turje bet fleinen Sptannen, felbffc nad) bem Bügel bet 2(lleinfettfd)aft griff, um baS getfeilte SolE ju uereinigen unb $u beruhigen. Surcf ben Umfd)trung bet Serfdltniffe «uS Pfitplene rettrieben, 1 fcf weifte er lange in bet grembe ttntfer, unb als et an bet ©pige bet 2 fuSgewan= ' betten bieSiücEEefr in feine Saterfiabt erzwingen füllte, fiel er bem PittaEud in bie .ftdnbe. liefet recjtef ifm großmütfig unb gab ifm bie greifeit triebet. — SDBie 2l.’S Seben, fo waren aud) feine Sieber. ©ine ftarEe mdnnticf c Segeijierung für gteifett unb Ofecft burcfglüfte felbft biejenigen feinet ©efdnge, in benen et bie greuben bet Siebe unb beS SBeinS feierte. 2tber am meiften trat bie ^of eit fei= net Sffatur fetror, wenn et bie S&tpferEeit ptieS, Sprannen jücftigte, bet greif eit ©egen unb bet Sanbedflucft@cfmad) unb SJlüfen fcfitberte. ©eine tprifd)ePiufe war gewanbt in allen gotmen unb §u allen ©toffen, unb baS 2(ltertf um nennt uns •ftpmnen, £>ben unb Siebet als bie SBerEe betfelben. Sott allen ftnb nur wenige SrucfftücEe übriggeblieben, unb ein leifet SBiberfatl bet 2flcdifd)en Poefte tont auS einigen Sben beS -fporaj fetauS. ©r fd)tieb im dolifd)en SialeEt unb ift bet ©t= ft'nbet beS rott ifm benannten 2flcdifcfen SetSmaßeS, trelcfeS unter ben Iptifcfen p ©plbenmapen eins bet fcfönjien unb woflflingenbffen iff; <£>otaj fat eS in rieten feiner Sben angewanbt, audf ifieS ron beutfcfen Sicftetn, j. S. non ÄlopfiocE in ben Öben: „Set ©rlofet" unb „2Cn gannp", nacfgebilbet worben. Sie Srud)= ftücfe feinet SBerEe fat Sani gefammelt. 2fucf ftnben ftcf beten in SruttE’S „2fna= leEten" unb 3ermeS SEriSmeg ifhtS.) ©aber würbe bie d)emifd)e unb ald)emifd)e Äunfl aud) bie ßermetifeße genannt. ©ewiß ift eS, baß bie alten 1 Agppter befonbere djemifd)e unb metallurgifdje Äenntniffe befaßen, obgleid) ber Utfprung ber 21td)pmie nur ungewiß bei ißnen ju fud)en ift. Unter ben @riecßen wa= ren SJtefjre bet dgpptifdjen ©cßriften fttnbig unb in if;re d)emifcßen Äenntniffe ein= geweißt. 3n ber Solge verbreitete fid) aud) unter ben Uiomcrn bie Suff jut fOtagie, ju tßeofopßifcßen ©eßwatmereien (f. SOtagie unb SEßeofopßie) unb befonbetS j jur 2(lcßpmie. 21lS unter ben tömifeßen SEprannen eeßte SSiffenfcßaften verfolgt würben, erf>ob fid) um fo meßr ber 21berglaube unb bie 21fterweiSßeit. ©ie Bcr= i feßwenbung ber Siomer erregte bie Begierbe nad) ©olb unb nacf) ber Äunfi, weldje * ißnen biefeS unmittelbar unb in SJtenge verßieß. ©cßon datiguta ftellte Berfucße an, aus Sperment ©olb jumad)en. ©ioclctian hingegen befaßt, alle dgpptifcße Bücßet ju verbrennen, bie von ber Chemie beS ©olbeS unb ©ilberS ßanbelten. 3« biefem Seitalfer würben viele Bücßer übet 21(d)pmie verfertigt unb fdlfdjlidj mit (, j berüßmten 93amen beS 21ltertßumS übetfd)rieben. ©0 würben 5 .33. bem ©emofrit, ! befonberS aber bem ijermeS, eine SKenge ©d)tiften beigelegt, bie von agppttfcßen, alepanbtinifeßen SD?ond)en unb fopßiftifcßen ©infieblern aufgefegt waren, unb ' welcße, wie bie Tabula smaragdina, in Allegorien, mit mpftifeßen, fpmbolifdjen giguren ben SEÖeg gut ©tftnbung beS ©teinS ber 2Beifen geigten, ©pdterhin fa= men dßemie unb Alcßpmie bei ben 3frabetn in 3fufnahme. 3m 8 . 3rh- , war Sfaimunb 8 ull ober SolliuS einer ber berüßmteffen lllcßpmiflen. 9Kan ergaßlt von ißm baS Südtcßen, er ßabe bei feinet 31nwefenßeit in Sonbon für ben Äonig | ©buarb I. eine 5Ü?affe von 50,000 fPfunb Sluecf filier in ©olb verwanbelt, woraus ! bie erften SiofenobteS geprägt worben waren. 3n SSenebig würbe 1488 bie 31lcßp= j mie verboten. IßaracelfuS (1525) gehört gleichfalls unter bie berühmten 2flcf>p= i miften; ferner 9foger fBacon, 93afiliuS fßalentinuS unb viele 31nbre. ©a jebocß J gelauterte (5i)emie unb ^l)ilofopfie anftngen ißre ©runbfdfce ju verbreiten, unb | mehren 3fuffd)luß über bie ©rfdjeinungen bei chemifcßen 31rbeiten gaben, naßm bie ? 9Butß ju alchpmiffifcßen Srdumereien allmdlig ab, obgleich im ©tillenißmod) Siele, felbfl ©roße, anßingen, wie wir j. 93. vom ^erjog granj Äarl von 2auen= bürg (1659) wiffen, bei bem 3- Äunfel von Söwenffern war. 3nbeffen ßat bie 31lcßpmie um bie ßßemie unb felbfl um bie vöeillunfl 25et= bienffe geßabt. ©ie etfle unb forgfdttigfle Bearbeitung ber dßemie ßat in ber 31ld)pmic ißren Utfprung. ferner verbanfen wir mand)e nüßlicße drftnbung ben 31rbeiten unb ber ©ebulb ber 2flcßpmiften, j. S3. bie ©rftnbung meßrer Quecfftlber-- f pt'dparate, beS 93?ineralfermeS, beS ^orjellcmS tt. a. m. Über bie SWglicßfeit ber 174 »tcfbiabe« Serwanblung ber Stetalle tagt ft'dj Sticff« mit ©ewippeit entfcpeiben. 3t»at f)at bie neuere Epemie barübec at>gefproct)en, unb, inbem fie bie SOfetatte unter bie ein* fadjert Utfoffe fe&t, bie Stöglicpfeit, bap ein Stoff in ben anbern, folglich ein geringere« Stetall in ©olb uermanbelt werben fonne, geleugnet. Aud) mögen bie weiften Erzählungen »on wirflid) gefd)epener Umwandlung eine« StetallS in ©olb auf Setrug ober Selbfltaufcpung beruhen, obgleich mand)e unter Umftänben unb mit Aufführung «on beugen begleitet finb, welche fie wahtfd)einlid) machen. 3 n= beffen ba bet menfdjliche gforfcpungSgeift nicht ffille fiept; ba in bet Epemie felbfl immer mehre auffallenbe Entbecfungen gemacht, bie Sfetalle fdfjon felbfl nicht «on alten Ebemifern al« einfache, fonbern al« jufammengefegte Stoffe angenommen werben; ba man mittelfi ber ©aloantfcpen SSatterie felbft ba« .Sali in ein metalb Ähnliche« Etzeugnip »erwanbelt hat, fo mup man bie Stöglidpfeit, Stetall au« anbern ©ubftanjen, welche bie Stoffe baju enthalten, per»orzubringen, unb ein Stetall in ba« anbre umjuwanbeln ober »ielmepr 51 t »erebeln, an feinen Ört ge-- flellt fein (affen. Auch barf man nicht alte Alcppmiften al« Setrüger anfehen. Siele arbeiteten in wirtlicher Überzeugung ber Stoglicpfeit, ju ihrem BtüecE ju ge= langen, mit unermübeter ©ebulb in ber Aufricptigfeit unb Dteinpeit be« dperzen« (bie »on ben echten Alchpmifien al« »orjüglid;e« Etfobernip jum ©elingen biefer Arbeiten bringenb empfohlen wirb); allein Speofoppen unb Schwärmer alterlei Art, fogenannte Stagier, unwiffenbe Stenfcpen, bie au« ©olbbegietbe, ohne pinreidpenbe djemifctje Senntniffe, fid) auf bie Atcppmie legten, »erunffalteten bie cpcmifchen Erfahrungen mit ihrem Aberglauben. Siele Setrüger brauchten bie Alchimie jum Secfmantel ihrer >£abfud)t unb betrogen bie Schwachen um ©elb unb @ut. Stancper, auch noch in unfern Sagen, ber, ohne gcönblic^e djemtfdfie Senntniffe zu beftgen, »on alten ald)pmijlifcl)en Süchern, bie er nid)t »erftanb, ju langwierigen Arbeiten, ju Serfcpwenbung groper ©elbfummen unb Sernad)läffi= gung feiner SerufSarbeit »erleitet würbe, hat baburcp feinen 9iuin herbeigeführt. Si« jegt ijl bie Epende nod> nicht bapin gelangt, nach ficpern ©runbfägen bie Ent= flehung ber Stetalle in ihren einfad)en Stofen, bie ©efege, nach n?etdf>en bie Statur fie heroorbringt, ihr 2Bad)Stf)um unb ihre Sereblung einjufehen, unb biefen fJ)tocep ber Statur ju begünpigen ober nacpzuapmen; folglich ijt bi« jegt jebe Arbeit bet Ald)t?miften, ba« Suchen nach bem Stein ber SBeifen, ein £erumtappen im gin= fern, unb fie finb «on Unwifenheit, SEäufcpung unb Setrug.in ein Sfabprintp ge= bannt, au« bem fie pdp nicht petau«zuftnben «ermögen. Sgl. SBiegleb’S „|)if or. frit. Unterfucpung ber Alchemie" (SSeimar 1777). H. Alcibtabe«. Siefer berühmte ©rieche war ein Sopn be« Slinia« unb ber Sinomacpe, geh. $u Athen in ber 82. Ölpmpiabe (gegen 450». Ehr.). Er »etlor feinen Sater in ber Schlacht bei Epätonea unb warb barauf in bem ^aufe be« 9 >erifle«, feine« mütterlichen ©ropeater«, erzogen, liefet war ju fel)r mit ben Angelegenheiten be« Staats befcpäftigt, um ihm bie Sorgfalt zu wibmen, welche bie $eftigfeit feine« Eharalter« erfoberte. A. «errieth »on Sugenb auf, wa« er einf fein werbe. Einf würfelte er mit einigen Alter«genofen auf ber ©afe; ein SBagen fomtnt baju; er bittet ben Fuhrmann zu halten, unb ba biefer fid) weigert, wirft er fiep »orba« Stab unb ruft: „Japrejegt, wenn bu ben Stutp paff!" Sn allen Stubien, in allen Sörperübungen »erfuepte er fiep mit ©lücE. Seine Seponpeit, feine ©eburt, ba« Anfepen be« Sperifle«, feine« Sormunbe«, »erfepaf* ten ipm eine Stenge »on Sreunben unb Serepretn; nacptpeilige ©erüepte über feine Sitten waten bie Solge ba»on. Sofrate« fepenfte ipm feine gxeunbfcpaft unb hoffte, ipn zum ©Uten leiten zu fönnen. Auch gewann er unleugbar eine grope ©ewalt über ipn, unb au« allen fkrpteuungen fcfjttc A. fet« ju bem Sbi= lofoppen zurüd. Sie etfen ©affen trug er bei ber Unternehmung auf fPotibda; er würbe pier »erwunbet; Sofrate«, ber an feiner Seite fod)t, »ertpeibigte ipn 2ttctbiabe$ 175 unb führte ifjtt jurücf. Sn bet ©d;lad;t von Selium befanb er ft'cf) unter ber 9teU terei, ttjelcfje ftegreid; war. 5tad;bem aber ba§ Suf»otf gefd;(agen worben, warb er genötigt, wie bie Übrigen bte Studjt 511 nehmen. (ft begegnete auf berfelben bem ©ofrate®, weither ftrf) ju §up jutücfjog, begleitete it)n unb wachte für feine Sicherheit. ©0 lange ber Semagog dfleon lebte, machte fich X nur burd; £upu$ unb 23erfd;wenbung befannt, ohne fid; in bie Angelegenheiten beb ©taatS ju mi= fdjen. Al® jener (422 ». @hr.) baS Sieben »erloren hatte, brad)te eS 5tidaS bafjin, baß ein Stiebe auf 50 Safjte jwifdjen ben Xhenienfern unb Slatebärnontern abge= fbbloffen würbe. X, eiferfucf)tig auf be® CRicia® 2fnfef>en, unb jugleid; unwillig, bap bie Slacebämonier, mit benen er in gafffreunbfcfyaftlidjer Setbinbung jtanb, ftd; nicfyt an it>n gewanbt hatten, benufste einige jmifcfyen beiben Nationen entjtanbene üDfiphetligfeiten, um ben Sruch be® SriebenS' ju bewitfen. Sie Slacebämonier t;at= ten ©efanbte nach Xl)en gefd;icft. X nahm fie mit fd;einbarem Söofjlluollen auf unb rietl) ihnen, if;te S3ollmad;ten ju »etheimlid;en, bamit bie Xljenienfer if>nen feine ©efe(se »orfchrieben. Sene liefen fid; täufchen unb erflärten, alb fie in bie SßolfSoerfammlung berufen waren, bap fie fiel; otjne 33ollmad)t befänben. Sogleich trat X gegen fie auf, warfihnenihreSEreuloftgfeitnor, unb bewog bie Xhenten* fer ju einem Sünbnip mit ben Xdjäern. Sieb führte ben Srud; mit Slacebämon herbei. X befehligte bei »erfdjiebenen (Gelegenheiten bie atf)enienfifd)cn glotten, welche ben SPeloponneS »erwüfteten; aber aud; l;ier entfagte er bem SluruS unb ber Üppigfeit nicht. 5tad; feiner SRücffehr ergab ctfid; allen Xten non XtSfd;weifun= gen. Al® er einf! non einer nächtlichen Orgie in ©efellfchaft einiger greunbe jurüeft f ehrte, wetteteer, bap er bem reichen $ipponid;uS eine Ohrfeige geben wolle / ltr >b wirflid; gab er fie ihm. Siefe ^»anblung mad;te grofje® Auffehen in ber ©tabt j X aber ging ju bem Seleibigten hin, warf fein Oberfteib ab unb foberte ihn auf, fich butd; Sfuthenjtreiche an ihm ju rächen. Siefe offene 9leue »erfohnte $ipponi= chu®; er oerjief) ihm nicht nur, fonbetn gab ihm in ber golge fogar feine $Eod)tet ^ipparete mit einer XtSfteuer »011 10 Talenten (15,000 Spie.) jut (Gattin. X entfagte aber auch jegt weber feinem 2eid;tfinn nod; feiner 33etfcl;wenbung. Siefe jeigte er befonberS bei ben olpmpifdpen Spielen, wo er nid;f, wie anbre 5icid;e, mit einem, fonbern mit 7 SSagen jugleid; in bie Stennbapn trat unb bie 3 erften greife gewann. Sn ben ppthifd;en unb nemäifd;en ©pielen fd;eint er eben= falls geftegt ju haben. XleS bie® jog il;m ben Jpap »ielet feiner Mitbürger ju, unb ec würbe bem OfiractSm uS (f. b.) unterlegen hoben, wenn er nicht in 33er= binbung mit 5ticiaS unb fPfä«», bie ein gleid;e® ©cficBfal fürd;teten, fo gefefiefte SJtapregeln ju nehmen gewupt hätte, bap bie SSecbannung eben ^Denjenigen traf, ber ihn ju fntrjen hoffte. Salb barauf befchloffen bie Xl;enicnfer, auf A.’® SSor= fcfjlag, eine Unternehmung gegen ©ictlien, unb ernannten ihn mit 5ticiaS unb 2amad;uS jum Oberbefehlshaber. Aber währenb man bie gurüftungen betrieb, gefd;ah es, bap in einer 5tad;t alle fermen »erftümmett würben. X’S Seinbc war« fen ben 33etbacf)t biefeS g;re»elS auf ihn, »erfchoben jebod; bie Anflage; faum aber hatte er fich eingcfcfjifft, als fie baS Solf bergeftalt wiber il;n aufreijtcn, bap er ju= rücfberufen warb, um gerichtet ju werben. X hatte bereits auf ©icilien glän= jenbe Sortl;eile erfod;ten, als er ben Sefepl jur SHücffehv empfing. @r gel;ord;te unb fdjiffte fid; ein; als er ju SEl;«rium angefommen war, flieg er ans 2anb unb »erbarg fich- „3Bie, XcibiabeS", fragte man ihn, „haft bu fein SSevtrauenju beinern Sßaterlanbe?" — „Sch würbe", antwortete er, „meiner 5D2utter nicht trauen, wenn eS mein Sieben betrifft; benn fte fönnte aus SBerfeljen einen fchwar^ jen ©tein ftatt eines weipen nehmen." Sn Athen »erurtheilte man il;n jum Sobe. ®r aber fagte aufbie 5tad;rid;t ba»on: „Sch werbe ben Athenienfern geigen, bap ich nod; lebe". 3unäch)t ging er nach XgoS, bann nach Sparta, wo er ftd; mit fo gewanbter Xt in bie ftrengen Sitten beS 2anbeS ju fügen wupte, bap er auch 176 Xlcibiabeö hier ber Siebling beg Bolfg würbe. 25af)er gelang eg itjm, bie Sacebdmonier ju ei= nem Bünbniß mit bem fPetfetfonig, unb, nad) bem unglucElidjen 2fugl feiner ©d)iffe «erlor. 25iefen Borfall be= nußten beg 3f. geinbe, um ihn anjuflagen unb anbre tfnfüljrer ernennen ju laffen. X ging nad) (Paftpd in Shracien, »erfammelte hier Sruppen unb bekriegte bie freien ähccrcicr. Gr machte anfehnlid)e Beute unb ftd)erte bie 9fuhe ber benachbart ten griechifchen Stabte. 25ie atl)enienftfd)e glotte lag bamalg bei X]og ^)otamog. G.r mad)te bie Xtführer auf bie fte bebrohenbe ©efahr aufmerffam, rieth ihnen, nad) Seftog ju gehen, unb bot ihnen feinen Beijtanb an, um ben fpartanifchen gelbhertn ßpfanber entweber ju einer Sd)lad)t ober jumStieben ju jwingen. Sie gingen aber nid)t barauf ein unb würben halb barauf gdnjlich gefd)lagen. X, ber bie Bfacht ber Sacebdmonier fürchtete, begab ftd) nad) Bitfjpnien, unb wollte oon ba jum tfrtaperpeg gehen, um ihn für fein Baterlanb ju gewinnen. Snbeß hatten bie 30 Sprannen, welche Spfanber nach bet Groberung »on 2(then bafelbft eingefegt hatte, biefen gebeten, ihn ermorben ju laffen. Spfanber aber hatte ftd) beffen ge= 2C(cibe§ 3tlcubia 177 meigert, bi« er ben Sefeft baju von feinem SSaterlanbe erlieft. dr trug bie 33olt= Ziehung bem ^fj^rnabnjeS auf. Z. war bamalS mit ber Samanbra, feiner ©elieb= ten, auf einem Schlöffe in ^fjrpgien. Hier jünbeten beS ^>f)ama£)a§eS Reifer bet sftacfyt fein Häuf an unb erfcfyoffen tbjn mit Pfeilen, als er ftd; fdjon auf ber geuetSbrunfl gerettet b>atte. Simanbra befiattete ben Seid^nam mit gebüijrenber dhte. @o enbigte Z. fein Seben 404 v. dhr., ungefähr 45 Safte alt. SSon ber Statur mit ben auSgejeicl)net(ten digenfcf)«ften, mit'einem feltenen Stalent, bie SJtenfcfen ju gewinnen unb ju befetrfchen, auSgeftattet unb von ()inreifen= bet Serebtfamfeit (obgleid) er baS 9t nicht auffprecfen fonnte unb füotterte), lief er . ftd; bei ber 2lttwenbung berfelben nur von ben dufetn Umftdnbcn beftimmen. dS fehlte ihm jene Seelenfofeit, bie unverivanbt ber Sugenb folgt; bagegen befaß er jene .Kühnheit, welche baf Sewufjtfein ber Überlegenheit einfloft, unb welche vor feinem Hinberniffe zurücfbebt, ba fie über bie SBafl ber SDtittel, jum Swecf ju ge= langen, nie zweifelhaft ift. Unter ben 2(lten haben ^tutacd) unb dorneliuS DtepoS fein Seben befcftieben. 3llctbe6, ber 3ftcibe, ein SSeiname beS ^erculeS, nach bet gewöhnlichen drflarung von feinem ©rojjvater 2 Clcau$, bem Sater beS Jlmpfitcuo. “2£ l c i p h * 0 n, baO Haupt bet gtiecfifcben dpifiolograpfen ober brieffiellen= ben Scf önfcf reibet. SSon feinem Heben ift 9tid)tS befannt, unb felbft fein Seitalter ungetvif. SBabtfcheinlid; gehört er in baS 2 . Sahrh- n. dhr. 2 Bit haben von ihm 116 erbichtete SSriefc, beten Swecf ju fein fcheint, nad) 3(rt ber mimifcl)en ^Doeft'e unb ber Äomöbie, getviffe Stande unb dlaffen von fcharf bejeicfjneter digentl)üm= lichfeit ihr Sehen, SSeben, SBirfen, Denüen unb dmpftnben unmittelbar auSfpre= d)en ju laffen. Sie ftnb ausgezeichnet burd; 9teinheit, .Klarheit unb dinfacffeit ber «Sprache unb Darftellung. Hauptaufgaben: ©enf 1606, Seipz. 1715, dbenb. 1798, von S- Z. Söagnet. 3tlcubta (Don Sftanuel be © o b o p, Herzog von), -griebenSfürft, ®ünft= ling beS .Königs .Karl IV. von Spanien, geb. 1764 5 uS?abajo^. 2(IS ein armer dbelmann, ber gut fang, bie ©uitarre fpielfe unb burch eine fcföne fofe ©efialt ficf auSjeichnete, ging er mit feinem altern S5tuber, 2ouiS@obop, nach SJtabrib. din Speifewirtf gab ihm ein Saht lang drebit unb liefpficf fiatt ber Sejaflung von ihm zur ©uitarre vorfingen, dnblich gelang e§ ihm, 1787 unter bie Seibgarbe ju fommen. Sein Stüber machte burch fein Spiel unb feinen ©efang bieSefannt* fchaft einer .Kammerfrau ber Königin, bie ihn ihrer ©ebieterin empfahl. Die Äö= nigin hörte von ihm, bafj fein Srubet nod) beffer finge unb fpiete, unb Don 9Jta= nuel würbe ju ihr gerufen. 2Cud? ber Äöntg warb von feinem Spiele entjueft. ©o= bop’S 2 lrt fich aufjubrüden gefiel ihm; unb ber neue ©ünftling würbe in fd;nel= ler golge — fo viel vermochten feine vetfühterifche 9 )erfönlid)feit, feine Seicftigfeit unb 3lnmutf) beS ©efpracfS unb fein felteneS SEalent jur Sntrigue! — 1788 jum 2Cbjutanten ber dompagnie, 1791 jum ©eneralabjutanten ber Seibgarben unb 511 m ©ropfreuj beS DrbenS Äarl III., 1792 jum ©enerallieutenant, H et S 0 9 von 311= cubia, SÜajot bet Seibgarbe, erften SJlinifter an 2franba’S Stelle unb Stifter beS DrbenS vom golbenen SSliepe, 1795 enblich, jur S5e(ohnung feiner beim 2fbfchlujs beS gtiebenS mit granfreid) vermeintlich bemiefenen «Sorgfalt, jum gtiebenSfür= jben (Principe de la paz) unb jum ©ranbe ber erften dtaffe ernannt, unb noch auferbem mit einer Domaine befdjenft, bie 50,000 gtofe ^iafier eintrug, dr un= terjeichnete am 19. 3fug. 1796 ju St.-=Slbefonfe ein Sd)u(s = unb iJtuljbimbnifj mit bet franj. 9tepublif. Sm «Sept. 1797 vermahlte er fich Rtit Donna SJtaria SEherefta von Sourbon, einer SEod)ter beS Snfanten Don Suis, SrubetS Äönig ÄarlS III. Swar legte er 1798 baS SOtinijlerium nieber, allein noch in bemfelbett Sah« warb er jum ©eneralcapitain ernannt. 1801 befehligte er bie 2 Crmee gegen Portugal unb Unterzeichnete ben Sertrag vonSabajoj, welcher ihm, zufolge ei* Sonv.=Se;r. Siebente S3b. I. f 12 178 2Clcubia «er geheimen, bem S3ertcage »otangef)enben 93ebingung, bie>£>dlfte bet »on bem g)rinäm »on 33raftlien ju $al)lenben 30 SWill. gr. einbcad)te. Sin Beeret »om 1. £)ct. 1804 erhob it>n jum ©eneralifftmu« ber fpan. £anb* unb Seemacht. Sc hielt jefct f. eigne 2eibwacf)e «on 120 SOI.; auch fliegen f. Sinfünfte um 100,000 fPiafter. 1807 legte iijm ein nette« Beeret ben SEitel Burchlaucpt bei unb erteilte il)m bie unumfehrdnfteße ©ewalt in bec ganjen 2Ronard)ie. 216er plo^ticfj flürjte ©. «on biefec^)6t)e f)e™b/ woju Urfadpen »on2fu£en unb Snnen jufammenroirften. Napoleon« SWacl)t batte auef) bem griebenSfürften 2frg«ooE)n erregt, unb 1806, für* «or bem .Kriege mit fPteupen, glaubte er, bap ber ßeitpunft gekommen fei, gtanf* reich« ®lad)t j« brechen. Sr rief bie Station ju ben SBaffen, unb wiewol ec b'en Broecb feiner 3füftungen nicht angab, auch,, bei ber 2Benbung be« Kriege« gegen Spteupen, ©d)uhanjlatten gegen bie S5arbate«fen »orwenbete, fo hatte boch 9tapo= leon f. 2lbftd)t erfannt unb «on bem 2fugenblicE an ben fPlan gefapt, bie SSourbonen in ©panien ju entthronen. (©. Spanten feit 1808.) Unterbeffen würbe ber £ap be« SBolf« gegen ben übeemüthigen ©ünflling auf« duperfle burd^ ben fProcep «om SScuriat gereijt. 3« fpat fal) Bon ©obop ben 2lbgrunb unter f. güpen ftd) offnen, ©einen fpian, mit ber fönigl. gamilie nad) Tfmerifa ju flöchten, «ereitette ber 2fufflanb «on 2(ranjuej (18. SUdtj 1808). Ber griebenSfürfl hatte fleh auf einem SSoben «erborgen, t«urbe aber aufgefunben, gemif hantelt unb auf bie SSitte be« .König« unb ber Königin «on bem ^rinjen »on 2fflurien nur burch ba« S3er= fptecheit gerettet, bap @erid)t über ihn gehalten werben folle. Bie« »erhin= betten inbep bie Sreigniffe »on S3aponne. .Stapoleon, ber ftd) be« SinfTuffe« be« griebenSfürffen bei .Karl IV. bebienen wollte, bewirkte f. Sntlaffung au« bem ©efdngnip unb rief itjn nad) SSapottne, wo er ben 26. Tfpril 1808 anfam unb bie Stiebfeber alle« Beffen war, wa« ber .König unb bie .Königin »on ©panien thaten. ©eitbem hat ec in granfrei d) unb nad)l)er inSiom fid) aufgehalten, wo er bie ©unfi be« König« unb ber Königin bi« ju Seiber Sob (im San. 1819) genop. 211« er 1818 franf war, pflegte ifjn bie Königin felbft. ©ein Vermögen in ©panien hat er »ettoren. SÖZan fdjäfcte f. jatjrf. Sinfommen 1818 auf 5 SJfill. fPiafler. Sr befap bie veidjfle ©emalbegaterie in ganj ©panien; f. SBohnung war biereichfte unb gefd)macf»ol(fte. SSon f. ©emahlin, bie in Solebo bei ihrer SKutter, einer geb. SSallabriga, 1808 blieb, imSuli 1827 einefPenfton au« ben eingejogenen ©ütern ihre« ©cmahl« erhielt, unb unter bem Flamen ©rdftn »on Shinchon in S)ati« lebte, wo fte ben 23.9?o». 1828 jlatb, hat er eine Sodjter, bie ^erjogtn »on 2licubia, »ermdf)lt mit bem röm. fPrinjen 9iu«poli. •— ©obop'« fPri»atge= frf)id)te ifl burch ben -ipap ber ©panier »erfdlfcht. golgenbe« wirb allgemein erjdhlt. Sin alter Sfftcier, fftamen« Subo, fudjte langer al« 6 SJfonate »ergeben« ©eför beim gütflen ju erhalten. Snblid) lief er burch f. Socf)ter barum bitten. Sogleich würben Scibe »orgelaffen, unb ber SSater erhielt bie ©teile eine« ©ouoerneur« in S3uen=9retiro, wohin ber gürfl feitbem ofterging, um ba« graulein Sofept)inc Subo jtt befud)cn. Biefe feffelte if>n fo, bap et insgeheim ftd) mit if)r »ermdl)lte. 2fud) bie Königin wupte baoon; »or bem König aber wagte Sfiemanb, Stwa« jurn 92ad)theil be« Surften ju fagen. 2fu« Siferfucht barüber foll bie SSermahlung be« gütflen mit ber 15jal)r. S. be« Snf. Bon £ui« betrieben worben fein. 2fm 2fbenb »or-ber SSermahlung erfuhr bie SEubo ba« erfie SBort ba»on. 2(uper fidh lief fte in ben fPalafi unb in bie Bimmec be« gürften. „Sr ifl mein ©emahl", rief fte, „bec SSater meiner Äinber! Sd) rufe ©ott unb ?9?enfcben um ©erechtigfeit an!" ©obop entfloh burch ben ©arten. Bie Unglucfliehe fiel in Dhnmad)t unb warb in ihre SSohnung jurücbgebtfacht. Bod) nad) einigen Sagen »eefohnte ftd) bet gürfl mit ihr, inbem ec fte überrebete, er habe ben 33efef)len be« Äönig« gehorchen muffen. S5ei ber Äatafrrophe am 18. unb 19. fDfatj 1808 würbe grau »on Subo auf feine SBeife beteibigt, 9lod) foll ber gürfl 2 ©ohne »on einem gtaulein haben, ba« er 2flcuinu§ SCIbegreü« 179 jur ©tdftn o. ©aftello giel f>«£ ernennen taffen. 3m gebt'. 1829 machte et inJRom f. 2Semiaf)lung mit 25onna Sofepfjine Subo begannt. — Übrigen« batte ©obop ftd) wdhtenb f. großen ©influffe« übet bie Iird)lid)en SSerfjditniffe be« Staat« oft toeggefefct, unb manche gute Sbee, j. 35. bie ber speftalozzi’fdjen Sd)ulen, au«zu= führen gefudjt, oI)ne in ba« 5Befen berfelben einjubtingen. ©r l;at mehren ©efange= nen be« tyü. ©erid)t« bie greifet wiebergegeben unb ihre SSerf) ordneten in« geuer geworfen. Sn 9fom fprid)t er oon beinern ffiorfall feine« Seben« auch nur ein SGBort. ©t tabeit jJtiemanb unb fdjweigt ganz oon f. geinben. 9)?an f)6rt if>n bloß wieber= boten, baß er fein SUutoergoffen habe. — SeinfBtuber, 25 on Sui«, ifl 1801 at« ©eneratcapitain oon ©firemabura gefiotben. (SSgt. „Seitgenoffen", 9?r. XIII.) 2flcutnu« (glaccu«) ober 211cf)uin, auch 2llbin, ein für feine Seit be= rübmter unb gelehrter ©ngtdnber, ber Vertraute, Sebrer unb dfatijgebet Äart« be« ©roßen, ©r war ju 3)orb, nad) 2fnbern bei ßonbon 732;geb., erbiett oon 35eba bem ©brwürbigen unb bem 33ifd)of ©fbert Unterricht, unb würbe 2fbt oon ©anter= burp. 2fuf f. SRücfreife oon 9iom, oon wo er für einen greunb badjpallium geholt batte, lernte ihn Äart ber ©roße in jPatma fennen, berief ihn 782 zu ftd) unb be= biente fi'dt) feiner bei f. SSeranftattungen für bie ©uttur feine« 9teid)«. Sn ber $of= afabemie führte er ben Flamen Flaccus Albinus. Äart ließ burd) ihn an feinem $ofe Unterricht ertbeiten, ju welchem Swecfe eine -£>offd)ule (Palatina) errichtet würbe, unb gab ihm bie 2fufftd)t über oerfdf)iebene Ätofbcr, inwetdjenX für bie SSerbreitung ber 3Biffenfd)aften forgte. 25ie meiften Schuten in granfreich würben burch ih« theil« geftiftef, tbeit« in einen beffern glor gebracht j fo legte er bie Schute in ber 2fbtei St.=$ÖIartin zu Sour« 796 an, wobei er bie Schule zu ?)orf jum S)?u= fter nahm, $iet unterrid)tete er fetbft eine große Sfnjaht Schüler, welche in ber golge bie ©elefjrfamfeit in ber frdnfifdjen 9Jtonard)ie oerbreiteten. 2(. nahm enb= lieh 801 oon bem $ofe f. ©ntlaffung, ging in bteSfbtei St.=9Bartin zu Sour«, oon wo au« er jebod) mit Äatl ftd) burch häufige Briefe unterhielt, unb flatb 804. 6r hinterließ außer oieten theologifchen Schriften mehre zum Unterricht in ben 3fnfang«= grünben ber ^5I)tIofophie, ber Olebefunfi unb ber Sprachlehre, aud) ©ebidjte unb eine große Sfngahl SSriefe, bie jebod? burch >h ten @tpl nid;t gefallen fonnen unb überhaupt ben ungebilbeten ©cift if>re« Seitalter« beutlid) bewahren; inbeffen er= fennt man noch je|t in ihm ben gelehrteren unb gebilbetfien Sftann feine« Seitalter«, ©r oerjtanb Sateinifd), ©rieepifd) unb dpebrdifd). Seine SBetfe ftnb etfehienen fPati« 1617, gol., unb oollftdnbigec 9iegen«b. 1777, 2 5Bbe., gol. 2£lbegonbe (S. Philipp oon SSHarnip, >6err oon SttontSainfcTflbegonbe), geb. 1538 ju 35rüffel, flubirte in ©enf. ©r entwarf 1565 im Anfang 25ec. bie ©ompromißacte, Welche jur ©rhaltung ber niebetldnbifdjen Freiheiten ©raf 2ubwig oon Staffau, er. unb Heinrich oon SSteberobe Unterzeichneten. 25ie 3lcte war be= fonber« gegen bie ©inführung bet Snquifttion in ben STiebetlanben gerichtet unb bie Sheitnehmer an berfelben oerfprad;en, ftef) einanber mit £eib unb SBermogen beijujlehen. Allein bie Statthalterin SJlargarethe oetwarf 1566 biefe SSittfd?rift. 3llba lanbete. Saint=2Clbegonbe floh mit ben Anhängern be« fPrinjen oon £)ranien nad) 25eutfcplanb unb fam mit ihnen al« ihr leitenber 9lath gurücf. 1573 fiel er bei C02aa«f(ui« in fpanifche ©efangenfehaft, würbe fpater audgelofetunb leitete oiele ©abinetdunterhanblungen ber jungen Sfepublif im 2(u«lanbe. @r oertheibigte Antwerpen lange, obgleid) am ©nbe nicht glücflicf). Sn Sepben half er bie Unioer= fitdt grünben unb flarb bafelbf! al« 2ef)tet ber Sheologie 1598. 2llbegreoer (Heinrich), ober Sflbegraf, ein altbeutfdßerSJlalet unbÄupfer^ flecher, geb. zu Soejt 1502. 9)lan nennt ihn baher auch 3flbert oon 2Bef!falen. ©r hat oiele Äitdhen feine« jßaterlanbe« burch feinen fPinfel gefd)mücft. ©r ging nach Nürnberg in 25ürer’« Sd;ule, ben er ftd) zum Stuftet nahm, baher audh feine 3Berfe bie jßorzüge unb Mangel biefe« 5S2eifler« haben, z. S5. in ben fchrtrfen, aber 12 * 180 2ttbenf;ot>en 2£lbmm ecfigen Umriffen, in bem bewunberngwürbigen Sidf, womit oft bag ginjelne in bet Umgebung befjnnbelt ijt. 3fn bet faifert. ©alerie ju SBien unb in bet fonigl. ©alerte ju 50Jünd)en ftnbet man einige ^auptwerfe. Sag Äupferjtechen fdfeint er julegt augfdjtiefenb betrieben ju haben, wie feine jurn SEijeil fefjt feltenen Vlätter geigen, melctje nad) SSartfd) big 1555, nach 2fnbetn noch weiter reichen. 50tan rechnet ifm jtt ben fogenannten f[einen SJleijiern, b. h- ben alten Äüttftlern, welche fleine Vlätter mit bem größten Steif auggefufjrt haben. 2t t b e n f) o V e n (Sd)lad)t bei), ben 1.5D2ätj 1793. Ser Äampf bei biefem auf ber ©träfe }Wifd)en 5 ü lief) unb 2tad)en (iegenbett Stäbtdf)en eroffnete ben gelb= jug von 1793. Sie Sjtreidjec hatten im 3af)te vorher nach bet ©d)lad)t von 3e= mappcVelgien räumen unb ftd> hinter bieStoer giehen im'tffen; Sumoutiej bebrohte nun in ben erften Monaten beg 3. 1793 #ollanb mit einem ginfall. Um bieg ju hinbern unb bag belagerte 9ftafirid)t ju befreien, Bereinigte ber fPcittj von Äoburg fein au« 40,000 502. bejiegenbeg -£>eet hinter ber Sioer unb überfd)ritt am 1.502drj biefen Stuf bei Suren unb Sülidj in 2 ßolonnen. Sie erfte, au« ber 2tvantgarbe unter grjherjog Äarl unb bem liniert ginget unter gelbmatfchalllieut. fPrinj von SBürtcmberg bejtehenb, umging bie verfchanjte Stellung ber Stanjofen hinter 6fd)= Weiler in ber linfen glanfe, befdjof fte mit 14 Äanonen, warf einige ggcabrond «fmfaren in ben Studien berSvanjofen unb ftürmte bie Verjthanjung in ber fronte. Salb flohen bie Stanjofen in wilber Verwirrung, unb etwag fpdter hatte auch bag bei 2tlbenI)oven «ufgejiellte gorpd baburch, baf bie ofiteid). Hauptmacht ben bei Sülid) hinter ber Sfoer ffeljenbett Sdnb warf unb auch bie legte Stellung bei 2flben= hoven forcirte, gleidjeg ©chitffal. Sie Stansofen verloren gegen 6000 5£obte unb Verwunbete unb 4000 ©efangene. 2fn anbern Silage würben 2tad)en unb ßuttid) befegt, 502aftrid)t befreit unb bie Sranjofen lebhaft verfolgt. Siefe fegten ftd) bei 92eetwinben unb verjtärften ftd) butd) baggorpg, weld)eg in ^ollanb eingufallen beftimmt war, würben aber hier am 18.502drj von neuem gefch lagen. 32. 2t Iberman, ein fädbftfcher Veamter, ober vielmehr bie angelfädhftfche Über» fegung beS Senior unb Major bet Stauten. Ser Vorjteher einer jeben ©enoffenfdjaft führte biefen Flamen, feefonberg bieSberbeamten unb Anführer bet .Streife (©hiren, ©raffdjaften) unb bie 2tttejten (Senatores) beg ganjen Dteicljg. 9t ad) ber bdn. ©t= oberung würbe ber 9tameburd) bie bdn. 3«d$ (Eorla)vetbrangt. Segt ijt berfRame 2tlberman nur noch bei jfäbtifchen Sbrigfeiten, Sunften u. bgl. übrig. 37. 2tl b in en nennt man bie Srutfe, welche aug ben Sfftcinen ber Vud)btucfer= familie 502anutiug (f. b.) hervotgegangen finb. Surch innern Sßertf) wie burcl) dufere 2fudftattung ftd) gleidjmdfig empfehlenb, hüben fte ebenfo fegt bie 2td)tung ber ©elehrten alg bie 2tufmerffamfeit ber fammelnben Südjetfreunbe fich erworben. Viele von ihnen ftnb bie erften 2fuggaben griech- unb rom. glafftfer unb jum Sheil foldjer, weld)e feitbem nid)t wieber gebrueft worben ftnb (}. V. Rhetores graeci, Alexander Aphrodisicnsis); anbre enthalten einen aug SJtanufcripten fritifch berichtigten Siert neuerer claffifcherSd)riftfteller (Petrarca, Sante, Voccaccio u. 2f.). 2tlle jeidjnen fich in bet Stogel burd) eine befonbere gorreethett beg Srutfeg aug, wiewol in biefer ^)inftd)t bie griechischen Srutfe ben lateinifchen unb italienifchen etwag nad)ftel)en. Zugleich machen biefe Srutfe, vorjüglid) bie von 2tlbud 9Jta= nucci bem Vater, in mehret $inf:d)t gpod)e in ber ®efd)id)te ber Vuchbrutf ertunft. Vorjüglidte Verbienfte erwarb ftd) 2ftbug um bie Verfchdnetung ber Sppenarten. Von gtied)ifd)en Sppen, mit welchen vor ihm noch 9Uemanb fo viel unb fo fd)6n ge= brutft hatte, lief er nad) unb nad) 9, fowie von ben lateinifchen 14 2frten fertigen. Von legtern ijt bie 2fntiqua, mit weld;er „Bembus de Aetna" (1495, 4.) gebrueft ijt, ein Sttcijtecjtücf; weniger fd)ön ijt bie von Stancegco aug Vologna erfunbene unb gefdjnittene lateinifdje gutftv, welche bem 2flbug, ber ftd) ihrer ju feiner Sammlung von #anbauggaben älterer unb neuerer glafftfer in Sctav (juerjt im 2ttbtnt (3£nton—©eotrg) ^Ibobranbini 181 sßtrgit »on 1501) fcebienfc, ifjrc ffierbreitung »erbankt. ©ie ift ju ftelf unb ccfig, unb megen bcc »ieten aneinanbethängenben ©uchftaben and) ted)nifch fel)[erf>aft. ©elbft »on fjebrflifcfyen ©chriften befaß er 3 »erfcfnebene Sitten. ©on anbern ©er= jietungen ber 3lnfanggbuchfkaben, ©ögchen, ©ignetten unb bgl. Smttathcn mar er fein greunb unb bebiente ft'd) ihrer nie; bie „Hypnerotomachia Poliphili" non 1499, Sol., ift fein einiger, mit einigen ©erjierungen biefer Slrt unb mit -£>oIj= fchnitten »etfehenet Druck. ©ein Rapier ift burcfgdngig ftarf unb tvetß; et mar bet erfte Drucket, meiner einige dremplare auf beffereg, feinereg ober ftärkereg Rapier abjog (juerft bie „Epistolae graecae" »on 1499). Slud; lieferte et ju= erft einzelne dremplare auf ©rofjpapier feit 1501 in ber 3fugg. beg ^OfitoflratuS. 3luch lieferte er bie erften Drucke auf blauem Rapier; bie erften ftnb einige dpem= plare »on ben „Libris de re rustica" unb £Utintilianug, beibe »on 1514. ©etga= mentbrucfe gelangen ihm unübertrefflich fd)on. ©eine Dtuckctfchmarje ift »on »ot= jüglichet ©ute. Dabei maren feine greife billig, ©ein 3lriftoteleg in 5 goliobänben kofkete nur 11 Dukaten ober nach bamaligem dürfe 23 Shlr. 4 ®r. 6 ©f. Unter Sllbug’g ©ohne, ©aul, unb feinem dnkel, 2flbug, fanf bieSfftcin. Sllgftenacl) 100= jähtiger Dauer unb nadhbem fte 908Druife geliefert hatte, 1597 aufhotte, jeidpiete fie fich inSRicftg »or anbern Druckereien ihreg ßanbeg aug. Die Drucke biefer Sfft= ein, »orjuglich aug ber altern ©etiobe berfelben, ftnb feit früher Beit mit difer ge= fucht morben (fdjon feit 1502 fanben bie Iponer Drucket unb bie ©iunti ju gtorenj ihren ©ortheil babei, trugerifdie unb fd;ledbte©achbrücke ju liefern), aber »orjuglich hat fte bie neuere Seit ju einem ^>auptgeftd)tgpunfte für bie funfigered)ten @amm= ler erhoben, ffiefonberg feiten unb gefucht ftnb bie „Horae b. Mar. virg." »on 1497 (kurjlich mit 100 Dukaten bejahlt), ber „Virgilius" »on 1501 unb bie „Rhetores graeci", um ber hoef ft feltenen Drude aug ben 3-1494—97 nicht ju ermähnen. Die»ollftänbigften@amml. beftfjen ber parifer©ud)hänbler uttb©iblio= graph Stenouarb unb ber ©rojjf). ». Sogcana. 3« beg drftern trefflicher ©?ono= graphieüberbiefeDfft'cinerfchien 1812 ein ©upplementbanb, unb »on feinen „An- nales de Pimprimerie des Aldes, ou hist, des trois Manuce et de leurs editions etc." bie 2. 31., ©atig 1825, in 3 ©bn. din ©erj. aller echten 3(lbinen liefert bet 2fnhang beg 1. ©bg. ». dbert’g „©ibliogr. 2ep.". 52. 3llbhti (3lnton), geb. 1756 ju ©ologna, ftubirte bort unb fpäter in 9Jom bie Siechte, mürbe in ©ologna ©tof. ber 9ted)tggelehrfamfeit unb »on feinen SOiit= bürgern nach ©arig gefanbt, alg fid) feine ©aterftabt in ben Sagen bet 5Ke»olution »on bem Äirchenftaate trennte; bann trat er in ben Siath ber Sitten bet cigalpini= fchen Stepublik. 1801 mar er ©lieb ber Iponer donfutta, fpäter ©räfibent beg ©taatgratf)g, aug meldjem er burd) ©eranlaffung beg ©iccpräfibenten ©rafen ©kelji auggefchloffen mürbe. 1805 ernannte ihn ©apoleon jum itat. ©kinifcr= ©taatgfecretair unb jum ©rafen. dr gemann 1819 auch bag Sutrauen ber oftr. Siegierung, lebte in SOiailanb unb ftarb ju ©a»ia b. 5. Dct. 1826. Napoleon hatte fich feiner noch int Sobe mit Sichtung erinnert. ©kit auferorbentlichem Slufmanbe hatte 31. im ©atk »on ©kontmorenep bei ©arig eing ber fchönften ©djlöffcr erbaut, in be|fen Slugfdjmuckung alle Äunfie Stalieng gemetteifert hatten, ©ei bet jmeiten Dccupatlon »on ©atig 1815 mürbe baffetbe aber fojerfiört, bajj eg nur noch an bie Bande noire (f. b.) »erkauft merben konnte. — 31. (®eorg), fein ©ruber, ©tof. ber ©hpftk in ©ologna, SDiitgl. ber ®at»anifchen ©efetlfch-, ttal. ©taatg= rath unb Siitter ber eifernen Ärone, ift bekannt theilg burch mehre ©chriften übet ben ©atüanigmug, theilg burd) feinen ©orfchlag, biedbbe unb bie glut in ben Sagunen bei ©enebig ju ©kuhlenroetken ju benu|en. 3llbobranbtni, ber ©ante einer flirjil. gamilie ju 9kom, bet in ber Äunftgefd)id)te genannt mirb, meil ein antikeg gtegeogemälbe in ber ©illa berfelben beftnblich ift, meldheg eine fpochjeit »orftellt unb ben ©amen ber Sflbobranbini’fchen 182 2Clbu8 aicmbert .fjochjeit erhalten f)«t. @g würbe imvocit ©.= Sfaria SO^aggtore, in bet ©egenb, wo etjemalg beS Stdccnag ©arten waren, gut Seit ©temeng VIII. aufgefunben unb »on ba in jene SSiUa'gebracht. (Sgl. ffiöttiger.) SBincfelmann Ijiett e« für bie ^ochjeit beS gOeteu« unb ber Stetig, ber ©raf Sonbp für bie beS Sfanliug «nb ber Sulia. — 2fudE) niedre ©elefjrte biefeg 9?ameng f)aben ftcf> auggejcidjnet, namentlich ©ploefter X alg 3ied)tggelehrter, unb beffen Stüber SEoma6, Seibe im 16. Sahrl). 2Hbu§, f. Stanutiug. 2C1 e (engl.), ein füge«, ofjne £opfen gebrauteg, fefjr ffarfeg Sier, bag in ©ngtanb am ttorjügUd^ften bereitet wirb, ©ine geringere Xt biefeä Sierg wirb (Porter genannt. 2lle?to, f. ©umeniben. Alemannen, b. i. Xle Scannen ober Allerlei Scannen, ein Ärieggbunb mehret beutfchen ©tämme, bie ju Xtfange beg 3. Sahrh- fich bem römifdjen ©e= biete näherten. Sh^e SBohnft'be erftredten ftch auf ber Sjtfeite beg fRheing »om Sobenfee, ber 2Clb unb berSonau big an ben Slain unb bie Sahn; gegen £>. grenä= ten ffe an bie ©ueoen, unb oberhalb betfelben an bie Surgunber. Sie -£aupt»o6 fet beg atemannifd;en SunbeS waren bie Seucterer, Uffpeter, ©hatten unb San= gionen. ©aracatta focht mit ihnen juerji am ©übrhein (211), ohne ffe ju beffe= gen; ebenfo ©eoetug. ©r(t Sfapiminug überwanb ffe unb trieb ffe nad)Seutfch= lanb jurücf (236). Xg ffe aber nad; beffen Sobe wieber in ©allien einft’elen, fdjlug ffe ^ojlhumiug, »erfolgte ffe big in Seutfchlanb unb befefligte bie ©renje mit SBällen unb ©rdben, wo»on bie ©djanjen bei ^horlng an ber Sonau, ber burd) bag $ohenIol)ifd)e big nach Satte er baju einen geheimen Auftrag, beim obwol b’X’g Xtern ffch nie öffentlich ju erlern nen gegeben haben, fo entjogen ffe ihm boef) ihre ©orgfalt nicht, unb fein Sätet febteihm in bet golge eine (Rente »on 1200 2i»reg aug, eine ©umme, welche bamalg für bie Sebürfniffe beg Sebeng f)inreid)te. ©t geigte »iel ©ewanbtheit unb 2eid)' tigfeit im fernen; mit feinem 4. Snh rc w«r et in eine (Penffonganfialt gefommen unbjdhlte erftlOSahre, alg bet Unternehmer ber Xftalt, ein SKann »on Ser= bien^, erflarte, bap er ihn 9M)tg mehr ju lehren fmbe. 12 3ahrealt trat er in 2CIemki't 183 baS Kollegium ÜWöjarin. ©eine Anlagen überrafeften bic Sekret tn bem SWafe, baß fxe in ihm einen neuen fPafcal jur Aufrecht!) altung ber Sache bet Smttfeniffen, mit meinen fxe eng verbunben waten, gefunben ju buben glaubten, Sr fcbjtieb in ben elften Sagten feinet pE)ifofopf)ifcf}cn ©tubien einen Sommentar ftber bie Spi= fiel fPauü an bie SJomer. Aber alb et bie Sttathematib fiubirte, feffelte ifjn biefe SBiffenfchaft fo, baß et allen theologifdjen ©treitigfeiten entfagte. 6t verlief baS Sollegium, fiubirte bie9fed)te unb warb Abvocat, tjovte abet nid)t auf ftd) mit bet SÖ?atf>ematif ju befchdftigen, wiewol es ihm baju faft ganj an $ülfSmitteln fehlte. Sine ©djrift über bie Bewegung fefter .Körper in einer glüffigfeit, unb eine anbte übet bie Sutegralredjnung / welche et 1739 unb 1740 bet Afabemie bet Sßi(fenfd)aften «erlegte, zeigten ib>n in einem fo günftigen Siebte, baß biefelbe itjn 1741 unter bie 3af)l ihrer SJfitglieber aufnahm. St fdjrieb hierauf feine betühm= ten SBerfe übet bie Sonant iE („Traite de dynamique") , über bie glüffigfetten („Traite des fluides"), gewann 1746 butd) f. „Sheotie bet SBinbe" ben von bet berliner Afabemie auSgefegten *PteiS unb warb jum ®fitgüebe berfelben ernannt. Untet ben Senffdjriftcn, welche er biefer Afabemie übergab, jeichnen ftd) 2 über bie reine AnalpfiS unb eine über bie Schwingungen ber ©aiten aus. S’A. nahm gleichfalls Sheit an ben Itnterfuchungcn, welche Olewton’S Sntbedungen über bie Bewegung ber ditimmelSförpet vervollfldnbigten. ÜBdhrenb Sulet unb Slairaut bamit befd)dftigt waren, übergab er 1747 ber Afabemie ber 2Biffen= fdjaften eine Auflösung beS Problems, woburd) beffimmt werben foll, welche ©tö= rungen bie gegenfeitigen Anziehungen ber Planeten in ihrer elliptifdjen SSewegung um bie ©onne verurfachen, unb wie biefe -Bewegung befchaffen fein würbe, wenn fie nur ihrer ©djwere gegen biefeS ©eftirn folgten. Sr fegte biefe anhaltenben Arbeiten mehre Sabre fort unb fchrieb nad) unb nad) feine Unterfud)ungen übet verfd)iebene wichtige fünfte beS SBeltfpffemS, über baS SBortücfen ber fftatf)t= gleichen, feinen SSerfucb über ben SBiberftanb flüffiger .Körper unb eine SWenge anbrer Abhanblungen: SBerf'e, über beten SBerth bie ©ad)fennet nur Sine ©tim= me haben, bie ihn aber mit Suler unb Anbern in ein gefpannteSüBerbdttniß fegten. Sie elfte ©lut feiner Olcigung für bie fHtatgematif hutte auf einige Seit feine früh erregte Siebe für bie fd)önen 2Biffenfd)aften eingefcf)ldfett; aber biefe ertvad)te halb, als nad) feinen wichtigsten Sntbecfungen bie mathematifdjen Unterfuchungen ihm nid)t mehr eine fo reiche Srnte neuer Söabt'beiten gewählten, ober als er baS £3ebürfhiß fühlte, feinen ©ei(t von fo tiefen gorfebungen auStuhen zu (affen. S02it feiner Sinleitung jur Sncpflopdbie betrat er bie neue 33af)n, unb fie wirb fietS ein Sttufter beS ©tplS bleiben, wie man über bie SBijfenfchaften mit SBürbe unb Seftimmtheit fchreiben muß. S’A. gab 'hier ben Kern feiner burd) 20jdhtige ©tubien erworbenen mathematifchen, pbilofopbifcben unb literarifdjen Kenntniffe, unb baS war ber Kern alles Seffen, was man überhaupt bamalS von biefen ©e= genftdnben in gtanfreid) wußte. Sr unternahm ben mathematifchen Sf)eil ber Sncpflopdbie unb arbeitete felbft eine SOJenge trefflicher Artikel bafür aus. 3n= bem er feinenDtamen biefem Sffierfe vorfegte, theilte er geroiffermaßenbeffen©d)icf= fal unb fab ftd) tn unzählige ^dnbel verwirbelt. 9tad) biefem etften ©chritte fuhr b’A., ber halb aud) in bie franj. Afabemie trat, fort, bie fd)önen SEBiffenfcbaften Zugleich mit ber ©latbematif zu bearbeiten, ©eine Schriften in biefem Sache fan* ben wegen ihrer ©rünblid)feit unb ©enauigfeit bei allen guten Köpfen 33eifaK; fte Zeichnen ftd) fdmmtlid) butd) fKeinheit ber ©pradje unb beS ©tplS unb burd) Kraft unb ©tarfe ber ©ebanfen auS. Sbwol er wegejjt bet Sncpblopdbie 2Serfot= gungen unb von ber Regierung feines S3aterlanbeS Butücffegung erfuhr, fo folgte er bod) webet ben Sinlabungett StiebrichS II., ftch in Stettin nieberzulaffen, noch ben Anerbietungen bet tuff. Kaifetin, bie ihm eigenfjanbig bie Srjiehung ihres ©ohneS übertrug. 9?on ben AuSldnbetn lernte fein Söaterlanb feinen SBertf) fern 184 Sttengott 2Heppo ne«, unb bet Honig »on ©teuften gab if)m ein Sa&rgetb, als bie patifer 3ffa= bemie ber SBiffenfchaften bett ©ef)alt verweigerte, auf ben et fo geteerte 2 fnfprüche ju machen ^atte. ©eine (Sinnahme mar immer nur mäjjig, bennoch übte er bie 5öohItf)rttigfeit in weitem Umfange. Sänger als 30 Sabre lebte er f>ochfl einfach bei bergrau, bie ihn etjogen hatte, unb er »erlief biefe SBohnttng nur, als feine ©efunbbeit ihn baju norfjigte. Saf ihm ein gefühl»olleS .fjerj nidht gefehlt habe, beweifl fein ebenfo §arteö als bauernbeS Serhältnif jur rEfpinaffe. Sie Unabhäm gigfeit über 2llleS fchäfsenb, »ermieb er bie ©efedfefaft ber ©rofen unb fuchte nur ben Umgang folchet ©erfonen, benen er ftd) mit ber ganjen ^»eiterfeit unb grei= müthigfeit feines GfjatafterS h)inge&crt fonnte. Sas nfehen, beffen er genoß, feine beftänbigen greunbfcf)aftS»erhältniffe mit Voltaire unb feine Setbienfle sogen ihm »iele geinbe ju 5 hoch hatte er mit 3. 3. Sfouffeau einen literarifchen Streit wegen beS für bie ©ncpflopäbie beftimmten 2(rtifelS über ©enf. Sn vftinftdjt ber 9feligion fcheint er ein behutfamer ©aturaliff gewefen ju fein. (Sr ffarb am ©tein, ohne fid) bet Operation unterwerfen ju wollen, ben 29. Set. 1783 im 66 . 5- feines 2llterS. griebrich II. , ber b’2f. 1763 perfonlid) fennen gelernt hatte, unterhielt mit ihm einen Sciefwechfet, bet nach Seiber Sobe im Srucf etfehienen ift unb eine Iporfjfl angenehme Unterhaltung gewährt. — Sie geinbe b’2l.’S haben feinen SBerth be= ftimmen wollen, inbem fte fagten, er fei ein guter ©eometet unter ben Siteratoren unb ein guter Siterator unter ben ©eometern. Sie 333af>vl>eit ift, bajj er in ber ©eometrie jwar noch ©twaS hotjec fleht als in ber fchonen Siteratur, baß aber, »etmoge beS (SinfTuffeS, ben ber ©tpl auf baS ©d)icffal ber Schriften febet 2lrt ausübt, feine literarifchen 3Berfe länger Sntereffe erweefen werben als feine mathe= matifd)en. Sene ffnb gefammelt in ben „Oeuvres philosophiques, historigues et litteraires de d’Alembert" (18 Sbe., ©ariS 1805). Conborcet fchilberte ihn in feinem „Eloge". 2flen?on, ^attptfl. beS franj. Separt. Srne, an ber ©artfje (1528 13,800©.), mit einem ©ollegtum, einer Societe d’emulation , Sibliotljcf unb bebeutenben gabrifen in Spieen, Etamin, wollenen ©trumpfen, Seber :c. Sn ben nahen ©teinbrüchen ftnbet man bie fogenannten 2flen?onfchen Srillanten. — ©fan »erfertigt points d’Alengon fond reseau unb fond de bride, jene »on 10 —150 gr. unb biefe »on 8 —120 gr. bie ©de, womit fid) 3000 grauem jimmer befchäftigen. 2fud) eine 2frt Sinnen, toile d’AIengon, hat »iel 9fuf. Sie umliegenbe ©egenb ift burd) bie Sertljeilung bet ©runbftücEe reicher, unb ba= burd) bie ©tabt fetbft betriebfamer geworben. Aleppo, $aleb, .fjauptfl. beS ©afchalibS gl. 91., weld)eS eins »on ben ©eneralgoiwernementS beS türf. 9Jeid)S in 2fften auSmacpt unb ben norbl. Sdjeil »on ©prien, wo ber Sibanon fich erhebt (461 D©f., 450,000©.), begreift. Ser einzige bebeutenbe glujj beS ©afchalifS ifl ber ftfchreiche SronteS, herunter jeber anbern Siegietung burd) einen in ben ©benen fortlaufenben ©anal längft mit bem ©uphrat »erbunben fein würbe. SaS Sanb hat SBeijen, ©erfte, Saumwolle, Snbigo, ©efamic., unb in ben ©ebirgen ©faulbeetbäumc, £)l= unb geigem bäume ju feinen ^aupterjeugniffen. £ateb (ber ©i£ beS©afd)a »on 3 9foß= fehweifen, eines gtied). ©attiardjen unb eines armenifchen, jacobitifchen unb ma= ronitifdjen SifdjofS) hat 3 beutfd)e ©feilen im Umfang, 14,137 dp., 200,000 ©. (wo»on 24,000 ©btiften), 100 ©?ofd)een, 3 fathol., eine reform. Hitche tc., ©pnagoge, »iele gabtiben in ©eibe, Saumwolle je. ©te treibt beträd)tlid)en >&anbel, inbem fte bureb ihre ^afenflabt 2llepanbrette ben ©fittelpunft beS SerfehrS jWifdjen bem perftfehen ©feetbufen unb bem mittellänb. ©feere hübet. Sie meiften Einwohner ftnb ©fohammebaner, bie übrigen Suben, morgenlänbü fdje ©hriflen unb Europäer. Surch bie ©rbbeben »on 1822 unb 1823 »erlor bie ^•©tabt 2 Srittel ber Käufer unb 8000 ©inw. 3Ueuten 185 Älcfta 2Cf eft a, $auptji. ber Blanbubiet, einer gallifcben Bölferfcbaft im f)euti= gen Burgunb, trat eine bebeutenbe geftung, beten Belagerung unb Bedingung unftreitig Gäfat’d größteJEßaffentbat ifb. ©ans ©allien f)atte ffcfj gegen bie 9?b= mer erhoben, aud) bie 2fbuer, alte Bunbedgenoffen ber Unterbrächet, litten fie üetlaffen; allein (Sdfar fd)lug fie unter Bercingetorir unb fd)toß ft'e irt Üblefta ein. 80,000 Blann fianben in ber ©tabt, mit 60,000 tag (Sdfat vor berfelben. ©cbnell baute er eine Gontravallationdlinie gegen bie gefhmg, bie eine Kudbeb* nung »on 4 ©tunben batte, um fie, ba il)re feile Sage auf einem überall fleil ab= gebad)ten, 1500 guß I)of>en Berge unb jmifdjen ben glüffenSpe unb£>perain, einen Angriff unmöglich machte, audjubungem. Bergebend »erfud)te Bercinge= totir mütbenbe Kudfcille; barauf entbot er alle ©alliet su ben 5Baffen, unb halb erfd)ienen 250,000 Bl. not bem Säger, Gdfat fatte inbeffen aud) bie Gircum= »allationdlinie fertig, um fid) butcb Brufimebr, einen jfarhen fPnlilfabengraben unb eine mehrfache 9?eif>e -Botfdgruben gegen bie Unfälle »on Kufen ju fd)ügen. Ser »erjmeiflungdvotle Kngtiff, roo 330,000 ©allier 60,000 Siömer in gront unb im Slüifen befdmpften, mar bähet ohne ©rfolg. Birgenbd gelang ed ben ©alliern, bie Sinien ju überjleigen: Sind) junger aufd Kußerfte getrieben, mußte fid) Bercingetorip ergeben, ohne ben fd)on gefaßten ©ntfcfyluß, bie jum ©e= fed)t Untauglichen ju ermorben, audgefübrt ju bflkn. Kbet bie ganje Bolfev= fd;aft bet Blanbubiet, bie »on ben ©alliern jur ©tabt beraudgetrieben unb »on ben Ülomern nid)t ind freie gelb gelaffen motben mar, batte gmifeben beiben Sägern verhungern muffen. — ©pater harn Klefia mieber in einen blübenben Suffanb unb rnarb erft 864 »on ben Bormannen gerflort. ©puren »on Brunnen, SGBaffer= leitungen, jerbroebenen Siegeln, Blünjen u. bgl. geigen bad ehemalige Safein einer ©tabt auf bem je|t mit gelbem hebelten fpin|e an, unb am gußc ber alten (5ita= belle (jegt mont Auxois) liegt ein glecfen Klife (Scpart. Gote b’Sr) mit einigen bunbert ©inm. 32. Kleffanbrta, mit bem Beinamen dellapaglia, ©tabt unb gejlung in Biemont, am ©influß bet Bormiba in ben Sianato, in einer fumpftgen ©egenb ge= legen, ©ie t»ar 1178 »on ben ©temonefern unb Blaildnbem erbaut unb anfangd Gafarea, fpater, bem ffkpfl Klepanber HI., ber ein Bidtbum bortbin »erlegte, ju ©bren, Klepanbtia genannt. Sb« ©röße unb ihr Beid)tbum mud)d »on Sabrl)- ju Sabi'b. 5 jegt jablt fie 30,000 ©., ijl bie dpauptft. ber fProvinj gl. 91 ., bat jat)cf. 2 febr befuebte Bleffen unb bilbet ben Blittelpunft bed Bethebrd gnoifeben ©enua, SEutin unb BJailanb. ©d)on bei ihrer ©tbauung jur gefhtng beflimmt, ald Über= gang über ben Sanaro unb bie Bormiba, auch ald t»id)tiger ©traßenhnoten fletd in gutem ©tanb erhalten, mar Kleffanbria oft ber ©egenflanb langen Äampfed. ©o mürbe ed 1522 vom $etjog ©fotja erobert unb geplünbert, 1657 »on ben granjofen unter Bnnj Gonti vergeblich belagert, 1707 »om Spring ©ugen nad) hart; naefiger ©egenmebt eingenommen, unb 1800 fd)loß bafel&ft ber öftr. ©en. Blelad, nad) ber ©d)tad)t »on Blarengo (f. b.), bad füblid) liegt, mit Bonaparte ben SBaffenjfillffanb »on Kleffanbtia ben 16. 3>uni, moburd) er ihm Sberitalien bid an benBlincio unb 12geflungen einrdumte. Segt befreben bie Befeftigungen Kleffan= briad aud einer baflionnirten Umfaffung ber ©tabt, aud einet febr ftarfen, in 6Ba= fltond unb vielen Kußentverfen beftebenben regulaiten ©itabelle am linfen Ufer bed SEanato unb aud einem Btüchenhopf am red)ten Ufer ber Bormiba. ©ine fleinerne Brücfe »erbinbet ©tabtunb ©itabelle. Übet benKufffanb ber ©arnifon von Kleffan* bria 1821, f. fPauötf>iec, wol aber fjaben fte Überfluß an SJaub: unb fPelswilb, an ©eetfjieren unb Sifcf)en. Sie ©nw. geböten sunt famtfebabalifeben Stamme: ein batmlofeg Säget: unb gifebetuoif, bag aber bureb Slattern unb 2ufffeud)e big auf 6000 jföpfe auggeftorben ift. Sie SJuffen, benen fte SEribut sablen, befugen biefe fonft unwirtbbaren Snfeln bloß beg ^eijmecfg wegen. Sie Seamten bet tuffifcb=ameti: fanifd)en $anbelggefellfcbaft bebanbeln bie ©ngebotenen fo brücfenb, baß .Stufen: ffern batüber bei bet ^Regierung 2fngeige gemad)t bat. ÜCtepanber ber ®rofje, )Pbiüpp$ wo» SSRacebonien Sohn, war ju fPella 356 V. Gibt, geboren. Seine SRutter war Slpmpiag, bie SEocbter beg fReoptolemug »on Gfpitug. Son bet Statut mit glücklichen Anlagen auggeftattet, fünbigte er früf) einen großen Gfbaraftet an. Sie Siege *Pb'i>PP g betrübten ibn. „2Rein Sätet", rief et einft aug, „wirb mir Sticbtg ju t()un übrig taffen!" fPbiüpp gab ibm ben Seonibag, einen mütter(id)en Serwanbten, unb ben 2p: fimadjug, naebber ben 2frifioteteg jum ©jieber unb fiebrer. Siefer große fPbilo: fopb fiep 'b 11 / »om^tofe entfernt, ben ganjen Äreig ber menfcblicben Äenntniffe burdjlaufen, befonbetg bemühte er ftd), ibn in ben einem^ertfeber nötigen 2Biffen= fefaften ju untertid)ten, unb febrieb für ibn ein SBerf übet bie Äunft ju regieren, beffen Serlufi wir febr $u bebauern hoben. Sa SRacebonien «on gefährlichen Stacbbarn umgeben war, fo fuebte ?friffoteteg feinem Sogtinge attd) bie ftiegeri: feben SEugenben einjufiöfen. 3« bem 6 nbe empfahl er ihm bag 2efen bet „Sliabe" unb beforgte felbff eine Surcbffdft biefeg ©ebidftg; bieg »on 2 friftoteleg berichtigte ©emplar war bag 2 ieblinggbucb 2 C.’ö, ber ftd) niemalg nieberlegte, obnejtwot einige Seiten barin gelefen ju hoben. Bugleid) bilbete er feinen Äörpet butd) gpmnofiifcbe Übungen oug. dg iff befannt, wie er febon atg Süngling ben Suce: pbotog bänbigte, ben -Rtemanb ju befieigen wagte, dr war 16 3 . alt, alg fPbi= lipp, ber gegen Spjflnj ougjog, ihm bie ^Regierung wäbrenb feinet 2fbmefenl)cit übertrug. SBunbet bet SEapferfeit «errichtete er 2 Sabre fpäter (338) in bet Sd)lad)t bei Gbäronea, wo et ben 9iul)m batte, bie heilige Schot bet 5El)ebonet ju fcblagen. „SRein Sohn", fagte fPbilipp, als et ihn nad) ber Schlacht umarmte, „fud)e bit ein anbteg SReid), benn bag, weldjeg id) bir binterlaffe, tfi für bid) nicht groß gemÄ|". Snbeffen entzweiten ftd) Seibe, alg Philipp bie Stpmpiag verfließ. ber feineSRutter in Schuh nahm, mujjte, um bet SRadje feineg Saterg ju entgehen, nach Gfpirug flüchten; halb aber erhielt er Serjeibitng unb febrte ju ^b*üpp jurücf. Sarauf begleitete er feinen Sätet gegen bie SEriballier unb rettete ihm hier im Äampfe bag 2 eben; 9 >f)Ütpp, sunt Sberanfübrer ber ©riechen er: nannt, rüflete ftd) 51 t einem .Stiege gegen Werften, alg er 336 ». @b r - ermorbet würbe. 2f., nod) nid)t 20 Sabre alt, beflieg ben SEbrott, lief bie Sd)ulbigen be= ftrafen, begab ftd) nad) bem fPeloponneg unb lief ftcb üt ber allgemeinen Setfamm= iung ber @ded)en ben Sberbefebl in bem Kriege gegen Werften ertbeilen. Slad) feiner 9tütffef)t fanb et bie Sllprier unb SEriballiet feinblid) gerüffet; er 50 g Wiber fte, erjwang ben Sutcbjug bureb SEbracten unb war allenthalben ftegreid). 3fber auf ein ©erüebt »on feinem SEobe batten bie SEbebanet 51 t ben SBaffen gegriffen, unb, »on Semoffbeneg aufgercist, waren bie 2ftl)enienfer bereit, fid) mit ihnen s« »ereinigen. 3f. eilte, biefe Sereinigung 5 U binbetn, erfd)ien»ot Sieben, bag er umfonfl jur Unterwerfung auffoberte, unb eroberte unb jerflorte bie Stabt. 6000 ©nw. würben niebergetjaucn, unb 30,000 in bie Sklaverei geführt. CRut bag >&aug^)inbat’g, fowie biegamilie biefegSicbterg, blieben »erfebont. SiefeStrenge 187 Xlepanber bet (Stofe etfchretfte bag ganje ©rfecfjenlanb. Sie Xhenienfet erfuhren ein minbec f)nrte 6 Sdjicbfal; X begnügte ftch, bie föerbannung beg ßijatmibeS, bet am erbitterten gegen ihn gefprodjcrt Ijattc, oon il)nen 5 « fobetn. Wacf)bem et Xiti= pater ju feinem (Stellvertreter in Europa ernannt «nb ftd) in einer altgemeinen Sßerfammlung ber griech. 93olbet al 6 obere« S3efef)ts£)aber hatte beflattgert taffen, fegte er im gtüflinge 334 mit 30,000 fWann ju gup unb 5000 Weitem nad) 3Cften über. Xtf ben gelbem oon Sü«m opferte et bet 5Winetoa, um ifte -futlfe für fein Unternehmen ju gewinnen, bag ©tab beg 2fcf>ilteö aber franjte er mit 85lumen unb prieg biefen gelben, oon bem er burd) feine fWutter abjlammte, glüeblid), einen gteunb wie fPatroblitg, unb einen (ganger feiner Sijaten wie*5o; mer, gefunben $u f>aben. Xg er bem ©ranibug ftef) näherte, oernahm er, bap mehre perftfehe Satrapen if>n jenfeitS mit 20,000 fWann gupoolb unb einet glei= chen 2fnjai)l Weiter erwarteten. Sh«e 23erj«g führte X fein $eet burd) ben glup unb errang, nad)bem er mit feiner Sanje beg Sariug ©ibam, fWitljtibat, nteber= gefloßen unb ftd) allen ©efahren preisgegeben, einen oollfiänbigen Sieg. Sie fWacebonier, burd) fein SSeifpiel ermuntert, warfen Xleg not ftch nieber, unb bie ganje Xrrnee fegte über ben glup. Sie griech- «fjülfgoölber ber Werfer, bie, in ^Phalangen gebilbet, nod) wiberftanben, würben big auf 2000SW., bie in ©e= fangenfdjaft.fielen, niebergehauen. Sen ©ebliebenen feineg fjeetg f)iett 2f. naef) biefem Siege eine pradjtige Sobtenfeier unb bewilligte ihren Spätem unb Äinbern Sorred)te. Sie meiften Stabte Äleinafteng, unb Satbeg felbft, öffneten bem Sieger bie Shore. 5Wilet unb >£alibarnap wiberftanben langer. 2m allen griech. Stabten flellte X. bie Semobratie wieber her, löfte bei feinem Sutdhjuge burd) ©orbium ben gorbifchen Änoten mit feinem Schwerte, unb eroberte Speien, Sonien, Äarien, fPamphilien unb ©appabocien. 2fget eine gefährliche Äranb= heit, bie er ftd) burd) ein ISab im Gpbmtg jugog, hemmte feinen Sauf. Samalg geigte X bie ganje fjoheit feineg ©fjarabtetg. Xg fein Tfrgt, *Philippu$, ih m einen Sranf reicht, empfangt et einen SSrief 00 m ^»armenio, bet ihm melbet, bajj fPhilipp oon Sariug beftod)en fei, um feinen Äonig ju oergiften. X gibt bem 2frgte ben SSrief unb nimmt in bemfelben Xtgcnblicbe ben Sranf. Äaum hergefteltt, rücfte X. gegen bie ©ngpctffe ©iltcieng oor, wohin füh Sariug, ftatt feinen ©egner in ben ©benett 2 lffprieng ju erwarten, unblugerweife mit einem Ungeheuern $eete begeben batte. . S5ei Sffug, jwifchen bem fWeer unb ben ®e= birgen, bam eg jur jweiten Schlacpt. Sie unentwicbelten Strettmaffen bet fPerfet würben oon ben einbrechenben SWaceboniern in Unorbnung gebrad)t unb flohen in SSetwirrung. Wur auf bem linben glttgel leifleten 30,000 ©riechen, im Sotbe beg fPetfetbonigg, langem SBiber jtanb; aber aud) ffe mupten bem hetbetetlenben X weichen, ber bie Schale unb bie gamilie beg Sariug erbeutete. Segtere würbe oon ihm auf bag ebelmüthigfle behanbelt. Sen-Sariug, welcher gegen ben ©uphtat flol), oerfolgte er nicht, fonbern begab ftd), um ihn oomSWeere abju; fefneiben, nach ©ölefptien unb fPhöngien. cjjiet bebam er oon Sariug SSriefe, worin biefet auf grieben antrug. X antwortete: wenn er ftd) ju ihm oer= fügen wolle, werbe er ihm nidjt nur feine CWutter, ©emahlin unb Äinber ohne Söfegelb, fonbern aud) fein Weid) jun'tcbgeben. SiefeXitwort bonnte ju beinern Wefultat führen. Ser Sieg bei Sffug öffnete ben fWacebontetn alle Strafen. X befegte Samagcug, wo ftd) ber bönigliche Schah befanb, unb oerftdjerte ftd) aller Stabte Idngg beg mittellattbtfdjen 9J?eereg. Sprug, burd) feine fefle Sage bühn gemacht, wiberftanb ihm, warb aber nad) 7 fWonaten unglaublicherem flrengungen erobert unb jerffört. Siegreich butdjjog et barauf fPalaftina, wo ftch ihm alle Stabte big auf ©aja, 'bag mitSprug gleicheg Sd)icbfal theilte, unter; warfen, jfgppten, beg 2'od)g bet Werfet mübe, empfing ihn alg 33efreier. ©r fiellte, um feine ^errfchaftju befeftigen, bie alten Sitten unb Weligionggebraud)e 188 2C(ejectnber ber ©roße tuicbcc fjcr unb grünbete 2f(cjranbricn, bag eine ber etpen (Stabte ber alten SBeit mürbe. SSon b« butcpjog er Bibpeng 3Büpen, um bag Srafel beg Jupiter 2lm= mon um Siatp ju fragen. Einige ©efdpcptfcpreiber behaupten, ber ©ott fjabe ifjn für feinen ©opn ernannt, aber anbre »etmerfen 2 flleg, mag in Sejiepung auf biefe JReife etjdplt mirb. SRit bet Stücffepr beg Sfüplingg fegte ft'd) X gegen Satiug in SRatfd), ber unterbejj in 2(ffptien mieber ein >£jcer »erfammelt patte unb X’g §;riebeng»orfd)tdge »ertuatf. J 8 ei ©augamela unmeit Xbela fam eg jut ©dp'acpt, 331. Supin gibt beg Sariug ©treitfrdfte auf 500,000 SRann, Siobor, Xrian unb pMutarcp geben ffe auf mehr alg bag doppelte an. llngeadptet biefet Ungeheuern Überlegenheit mar 2b. feinen 2fugenblic£ über feinen ©ieg smeU felpaft. 2 fn ber ©pipe ber SReiterei griff er bie Werfer an unb fd)lug fte un»erjüg= licp in bieglucpt; aber etp naepbem et fte »ollig gerfti-eut hatte, fam er feinem linfen glügel ju fiülfe, ber unterbeffen patt bebrdngt morben mar. ©ein Sßunfd) mar, ben ^erferfönig felbp gefangen ju nehmen ober ju tobten, Siefer befanb pd) auf einem erhabenen SBagen in ber SRitte feiner Beibgarben, melche ihn an- fangg tapfer »ertpeibigten. 2 llg fte aber fahen, mie 2 (. 2 fUeg »or ft'cp nieberfchlug, ergriffen fte bieglucht, Sariug marf fiep auf ein ^ferb, unb gab, ftch ju retten, fein f>eer, fein ©epdcf unb unermeßliche ©cpdpe bem Sieger preig. S3abplon unb ©ufa, mo bie SReicptpümer beg Srientg aufgepduft roaren, öffneten ihre Shore bem Sieger, ber feinen SJRarfcp auf fPetfepolig, fPerftettg fmuptfabt, richtete. Set einjige ff>aß bahin, p)pld ^etftbig, mürbe noch »on 40,000 9Rann unter 2lriobarjaneg Pertheibigt. X griff fte im IRücfen an, fprengte fte aitgeim anber unb 50 g triumphirenb in fPerfepolig ein. .ftier enbigtenX’g glorreich pe Sage, fjetr beg größten SReicpg ber Erbe, mirb er ber ©flao feiner geibenfdpaften, über= laßt ft'd) bem Übermutp unb ber 2 lugfchmeifung, geigt ftch unbanfbar unb graufam unb »ergießt im ©d)oß ber SBollup bag SSlut feiner tapferpen gelbherren. SSighcc nüd)tern unb müßig, ft'nft biefer $elb, ber ben ©ottem burd) Sugenb gleich gu fein peebte unb ftch felbp einen ©ott nannte, jutn ©emeinen unb 2 (iltdgtichen herab. *Petfepolig, biefeg SBunber ber UBelt, mirb in ber Srunfenpeit »on ihm in S3ranb gepeeft unb in einen 2lfcpenbaufen »ermanbelt. S3efd)dmt über biefe ©cbanbtljat, brach er halb mit feiner Sieiterei auf, um Sariug ju »erfolgen. 2fuf bie fffaepriept, baß SSeffug, Satrap »on S3aftriana, ben SJRonarcpen gefangen halte, befchleunigte et feinen -äRarfcp, in bet Hoffnung, Ipn ju retten. Siefer aber, alg er pep in ber 9Rdpe bebrdngt fah, ließ (330) ben Sariug tobten, ber ihm auf ber glud)t pinbertiep mar. 2Cuf ben ©renjen »on SSaftriana erblicht X auf einem SSBagen einen mit SBunben bebecftcn ©terbenben: eg mar Satiug. Ser maceboniphe -£)e(b fonnte feine Shrdnen nicht gurücbpialten. 9Rad)bem er mit allen bei ben Werfern üblichen ©ebrduepen ben Beicpnam feineg uttglücflicpen geinbeg patte bepatten (affen, eroberte er Jpprfanien, bag ffRatfenlanb, 33af= triana, unb ließ ft'd) $um .Könige »on2fft'en aitgrttfen. 3ept entmarf X noch riefenpaftere pMane, alg eine SSetfcpmörung in feinem eignen Bager augbraep. p)pilotag, beg p)armenio ©opn, mar barein »ermicfelt. 9Ricpt guftieben mit bem SSlute beg ©opng, ließ X auep ben föater peimlid) umbringen. Stefe Ungetecp= tigfeit erregte allgemeineg 9Riß»ergnügen. Zugleich bropten in ©riecpenlanb ber 9Racpt X’g große ©efapren. 2fgig, .König »on Sparta, patte 30,000 SRann »erfammelt, um bag macebonifcpe Socp ju jectrümmern; aber 2 (ntipater eilte mit einem patfen .fjeete perbei, fcplug bie ©partaner unb lope bag Sünbniß ber ©rte- d)en auf. 21. burdjgog inbeß mitten im SBinter ben CRorben beg bamalg be= fannten 2lft'eng, mebet burep ben-Kaufafug nod) burep ben Spug gepemmt, unb fam big jum fagpifepen 9Reere, bag ben ©rieepen nod) fremb mar. Unerfdttlicp naep 9?upm unb Eroberungen bürpenb, »erfeponte er felbp bie döotben ber ©eptpen niept. 33ei feiner Ofüdfepr naep SSaftriana poffte er, burd) 2(nnäperung ber Sracpt 189 Xlejcanbet: ber ©rofte unb (Sitten bie fPetfer 5 « gewinnen; aber biefe Hoffnung ging ttidfjt in ©rfütlung. Sie Unjufriebenbeit ber Xrnee gab ju jener ©eene Xrlaf, beren Spfer ÄlituS warb. X, beffen ©tolj er beleibigt batte, tobtete ihn bei einem SEtinfgelage mit eigner .fjanb. Ä'tituS war einer feiner treueften gteunbe unb tapferften gelbt)erren; X füllte nadfjfjct bie bitterfte 0{eue. Jm folgenben Jaf)ce um terwarf er fid) ganj ©ogbiana. SppanteS, einer ber feindlichen Xtfübrer, batte feine gamilie auf eine gelfenfefie in Sicherheit gebracht. Sie Sftacebonier etffürm= ten fie. Unter ben ©efangenen befanb ftd) Sdopane, beS SppanteS 5Eod)ter, eine bet fdjonfben Jungfrauen 3fffenS, mit welcher X fid) oermdblte. Xif bie 9fad)rid)t baoon unterwarf ftd) SppanteS unb fam nad) Saftra, wo 3t. if)m mit XtSjeidjnung begegnete. $iet würbe eine neue Serfcbwotung entbeeft, an beren ©pige ^ermoiaud fianb, unb unter beren 3d)ei£ne()metn ÄalliftbeneS war. Xle ©cbulbige würben jurn Sobe Berurtbeilt, ÄatliftbencS aber Berftümmelt in einem eifernen Ädftg bem $eete naebgefübrt, bis er butd) ©ift feine Startern enbigte. X fab jegt feine geinbe mehr. Sa fd)ien ibm baS faurn bem Flamen nach bamalS befannte Jnbien eine wütbige Eroberung. ©r ging über ben JnbuS unb fd)lof mit SEapiluS, bem gürfien ber £anbfd)aft, ein Sünbnif, baS ibm $ülfS= truppen unb 130 Elefanten oerfebaffte. Sßon SEapiluS geführt, marfd)trte er gegen ben gluf «fjpbaSpeS, beffen Übergang fPoruS, ein anbrer Äönig, mit fei= nem -jöeete ftreitig machte. X beftegte ihn in einer blutigen Sd)tad)t, nahm ihn gefangen, feiste ihn jeboeb in fein SJeid) wieber ein. Sarauf burcbjog et Jnbien als •f)etr beS SanbeS. ©r legte gried)ifcbe ©olonien an unb erbaute, nach fPtu= tarfid)t, bie Untüchtigen reichlich belohnt nad) £aufe ju fd)icfen; bieS gefebab, nad)bem er bie befbatb auSgebrocbene ©mpbtung nicht ohne SDtüfye gefüllt batte. Salb barauf Berlor er feinen Siebling, ^epbdfiion, bureb ben SEob. ©ein ©d)mer$ war gtenjenloS; er lief ben ©eflorbenen mit föniglicber Fracht beflatten. XS ec nun »on ©fbatana nach Sabplon jurudfehrte, feilen bie Magier ihm Borbcrgefagt haben, baf biefe ©tabt ihm Berberblid) fein würbe, ©r aber Beracbtete, auf bie Sorftellungen feiner greunbe, ihre 38arnungen, ging nach Sabplon, wo eine SJlenge frember ©efanbten ihn erwarteten, unb war mit neuen SRtefenplanen für bie 3 ufunft befd)äftigt, als er ploglid) nach einem ©afimable erfranfte unb in einigen Sagen ftarb (323). ©0 enbigte in feinem 32. SebenSjabre, nad) einer Regierung Bon 12 -Jahren unb 8 Monaten, biefer ©roherer feine Sattfbabn unb bintertief ein ungeheures Dfeicb, baS nad) ihm ber ©cbauplag fietS ft'cb crntuecnbtr 190 Xlepanbet SZetüSfoi 2ttejcanber @eüent§ .Stiege warb, gr fjatte feinen geben beftimmt, fonbern auf bie Stage feinet Sceunbe: ment ec baS Steid) fjlntcvlaffc ? geantwortet: bem SBürbigpten. Stad) »ielen Unruhen erfannten feine gelbherten ben blobftnnigen Xtf)ib«uS, einen ©of>n Philipps unb & ec Sänsetin Philinna, unb beS X »on SJopane nachgeborenen ©ohn Xepanber als Könige an, unb tfjcilten ftd) in bie Pro»injen unter bem Spanien »on ©atrapien. Sen PerbiffaS, bem 2t. fieebenb feinen Oiing gegeben fjatte, er= nannten fte jum erften SOtinijber beS unmünbigen ÄönigS. X’S 2eid)nam matb »om ptolemäuS ju Xepanbtien in einem golbenen ©arge beigefe£t, unb nicht nur in 2fgppten, fonbern auch in anbetn Sdnbern mürbe ihm göttliche gljre etmiefen. ©ein ©arfopfjag beftnbet ftd) feit 1802 im brit. SKufeum. — 2trrian, Sio= bor, piutard) unb gurtiuS ftnb Quellen für bie ©efd)id)te XepanbetS. ©. ©t.= gtoip’S „Exam. critique des historiens d’Alex." (Paris 1804, 4.). 2tleyanber SZeroSfot, ein moSfo»itifd)er $elb unb ^eiliger, geb. 1219, war ein ©ofjn beS ©toffütfien SwoSlam. Um baS non allen ©eiten, be= fonberS aber non ben Mongolen bebrdngte Sfeicf) beffer nertheibigen ju f önnen, jog SatoSlam non Sfomgotob aus unb lief feine ©ohne, gebor unb Xepanber, non benen ber grjtere halb fiarb, als Statthalter jurüdl. X trieb bie anbrdngenben geinbe frdftig jurttef. Snbef fam Sluftanb bennoch 1238 unter mongolifche Roheit. Satauf »ertfjeibigte X, gürjl: »on Slomgotob, bie mefllid)e ©renje gegen bie Sänen, ©d)t»eben unb bie Stifter beS beutfehen StbenS. gr erfocht 1240 ben glänjenben ©ieg über bie @d)tneben an ben Ufern ber Sfema. Sa»on er= tjiett ec feinen SSeinamen. 1242 fcf)lug er bie ©ebtoerteitter auf bem mit giS be= beeften PeipuSfee. Stach f. 33aterS Sobe, 1245, mürbe 2t. ©toffürfi ju SBlabimir. gr fiarb 1263. Sie Sanfbarfeit feiner SanbSleute feierte ben gelben in üßotfslie* bem unb erhob ihn jum Zeitigen; ^Oeter ber ©rofe el)tte fein 2fnbenfen burch gebauung eines prächtigen ÄlofterS ju ©t. = Petersburg an ber ©teile, mo X feinen ©ieg erfochten h^U?/ unb burch bie ©.tiftung beS Xepanber=S2emSftotbenS. 2ttepanber ©eneruS, röm'tfd)et Äaifer, geb. 208 nach ghr., ber SSetter, 2tboptinfof>n unb Sfadjfotger beS fchamlofeften unb üppigflen aller t6mi= fdjen Äaifer, beS -fjeliogabaluS — forgfdltig gebilbet non feiner SJtutfer ®tam= mäa—, mar einer ber beffen gürften in einem Seitalter unb auf einem £f) r0tic / mo Sugenben für einen Stegenten gefährlicher mären als Safter. gr regierte non 222 n. ghr. bis 235, unb fein Stegentenleben füllt eins ber fd)6nfien SSldtter in ber ©efd)id)te einer nerberbten Seit. SBir heben aus bemfelben folgenbe Söge auS, bie ber ®efd)id)tfd)reibet 2tUuS SampribiuS aufbemahrt hat. X fud;te ben Umgang ber ©eiehrten; 2 maefere SStänner, Paulus unb Ulpian, maren feine Stathgeber. Plato („SSon bet Stepublif") unb giceto („S3on ben Pflichten") maren nebfl vg)oraä unb SSirgil feine 2ieblingSfd)riftfbeller. Sorgfältig fah er barauf, baf 2tmter nid)t bem lifiigen SSemerber, fonbern allein bem 33erbienjte ertheilt mürben. Obgleich >^eibe, fannte er ben fd)önen Spruch ghrifti: „5BaS bu miltji, baf bir bie ßeute thun foltert, baSthue ihnen auch!" fo gut, baf er ihn nicht nur, fo oft iibelthäter auf ben 3tid)tplah geführt mürben, butd) ben $etolb auSrufen, fonbern ihn fogar jur Snfdfrift öffentlicher ©ebäube unb feines faiferl. PalafteS mahlte. Sriginell unb cbarafterifiifd) in mel)r als einer $inftd)t ift bie 2trt, mie er einen «£>od)»errdther behanbelte. Ser tömifche Senator, SoiniuS gamilluS, reich unb aus einer ber angefehenjben gamilien, aber ein 3Beid)ling ber etfien glaffe, mollte ftd) auf ben Shron fefmingen. Äaum erfuhr bieS X, fo lief ec ben S»iniuS ju ftd) rufen, banfte ihm »erbinblich, baf er ftch entfd)loffen habe, bie fdjmere S3ürbe ber Stegierung fcetmillig $u übernehmen, ging barauf mit ihm in ben ©enat unb erflärte ihn ju feinem SteichSgenoffen. SoiniuS, anfangs »oll SobeSangft, lief ftd) bie SBofjnung im Palaff, ben faiferl. @d)mucf unb bie äufern gl)ten= Neigungen mohtgefallen. 2(ber halb überhäufte ihn Äaifer 2(. fo mit ®e» 191 Xlejcanb«; (Zapfte) fünften alter 2lrt, baf ber 9?eicf>Sgc^ülfc faum su 2lthem fommen formte. 25a Ijcacl) ein Ävieg aus mit 2lrtarerpeS, bem «Stifter beS neupetftfd)en (Reid)S in (Par= tfjien, unb £>»iniuS begleitete baS -fpeet mit einer SRenge Mchenwagen nnb anberm ©epäcf. Allein 31., ber meiflenS ju Suf marfchirte y bat it)n, als guter Sol» bat, 3lilen sunt ©eifpiel ftd) biefer Keinen Unbequemtid)feit ju untersten. SoiniuS wollte feinem SRitfaifer nid)t nacfjflefjen unb marfd)irte. 25od) nad) 5 SRilliatien war er erfdjöpft. Sefst lief if>n 31. su ^fetbe fleigen; nad) 2 3Rärfd)en fonnte er nid)t mel)t fort unb fe|te fref) in ben (ffiagen. 2)od) auch hw gab eg feine SKufje bei Sag unb bei (Rächt. SSericfjtc famen »on allen ©egenben, unb (Befehle gingen nad) allen Seiten. 25et Seinb war in ber (Rahe; £)»iniuS unb 31. immer »otan. 25a warb Settern bie Surdjt »or bem getnbe peinlicher als ber Sob felbfl; er wog alle SRühfeligfeiten ber faifetlicfen SBütbe in einet 2Bag= fd)ale, unb bie bequeme Sicherheit feines frühem reichen HRüjjiggangS in bet an» bem: alfo erfldrte er enbtid), et wolle liebet flerben als langer auf bem Shtone bleiben. 2f. lachte unb gewahrte ihm ben lebten SBunfd). Unter guter S5e= beefung fd)icfte et ihn nad) Italien jutücf, wo SuiniuS als fPrioatmann auf feinen fianbgütern unb auf feinen weichen (Polftem bet Äaifemotl) oergaf. — Seiber warbber treffliche 21., als er jum Sd)U|e ber ©rensen gegen bie 25eutfchenan ben 9?hein sog, »on ben übet bie Scharfe ber 5RannSjud)t erbitterten Solbaten in feinem Seite (bei bem 25otfe Sidlingen unweit URainj) mit feiner SRutter etmor» bet. hierauf erhob ftd) ber militairifche 25efpotiSmuS, unb (RomS 2Rad)t fanf in Stummem. 20. Tflepanber ((Päpfle biefeS (RamenS).— XI.,». 109—119, iflnurbutcf) bie ihm sugefd)tiebene Einführung beS äßeihwaffetS befannt. — 2f. II., 3lnfelm aus (JRailanb, »orljet (Bifdjof »on Succa, fam 1061 burch bie Partei >£Mlbebtanb’S, beS nachmaligen ©regor VII., auf ben pdpfilichen Shron, wdhrenb Me 2fnhdnger beS beutfdjen ÄönigS unb MS romifd)en 2lbelS su SSafel $onoriuS II. wählten. 25iefet ©egenpapfl »ertrieb X auS (Rom; aber ^ilbebranb, bamalS bie «Seele bet pdpfilichen (Regierung, erhielt ihn aufrecht, eine Spnobe su Äoln erfannte ihn 1062 an, unb felbfl bie (Römer fielen 1063 »on ^onotiuS ab. So fam 31. s« m ruhigen SSefTfce (RomS unb ber (Papflgewatt, welche jebod) -fjitbebranb in feinem Flamen handhabte. 25aher fommen aud) bie pdpfilichen ©etorbnungen auS biefer Seit gegen bie 3fn»eflitur burd) Saien, gegen bie (Priefletehe unb gegen bie Ehefdjeibung $eintid)S IV., ja felbfl bie übermüthige ©orlabung biefeS ÄönigS »or feinen Stuhl lebiglid) auf (Redjnmtg ^ilbebranb’S, ber ben fd)Wad)en X II. al« SBerfjeug feiner (Plane brauchte. 25iefer flarb 1073. (©ergl. ©regor VII.) — X HI. regierte 1179—81 unb befdmpfte bie Partei Äaifet gtiebrid)S I. unb ber ©egenpdpfle ©ictor III., (Pafch'aliS III. unb EaltptuS UI., bie nad) ein» anber wiber ihn aufflanben, mit ungleichem ©lud, aber unerfdf>ütterlidf)em 3Rutf)e. Schon 1161 mujjte er nadh Stanfceid) fliehen, wo er ftd) su Send aufhielt, big bie Unsufriebenheit ber Sombarben mit griebrichS (Regierung, ber ©eiftanb beut» fcher geifllicher Surften unb baS ©erlangen ber (Römer ihm 1165 ben sRücfmeg nad) (Rom öffneten. Jpiet befefligte er fid) burch ein treu gehaltenes ©ünbnifi mit ben lombatbifchen Stabten, mujjte jebod) 1167 bem faiferl. ^>eete weichen unb su ©eneoent, 3(nagni unb ©enebig »etweilen, bis nad) bem Siege bet Sombarben über ben Äaifet bei ßegnano ber für biefen fehr bemütf)igenbe Stiebe su ©enebig, wo Sriebtid) bem X 1177 bie Süfse füffen unb bie Steigbügel halten muffte, bie Entfagung beS Mitten ©egenpapfleS unb bie (Rücffehr beS Siegers nach (Rom mit fid) brachte. SBie ben Äaifer »on 25eutfd)lanb, bemüthigte X auch ben Äönig Meineid) II. »on Englanb wegen ©e cf et’S (f. b.) Ermorbung unb erwet»' terte bei ber 3fuSföhnung bie 9Rad)t feines Stuhles in beiben (ReidEjen. Sn (Pot» tugal fe&te et 2flfonS II. als Äönig ein, belegte bagegen Sd)Ottlanb mit bem Sil* 192 Älejjanbet VI. terbict wegen Ungefjocfam bes .Königs. 3BaS ec fonfl noch bis ju f. $£obe 1181 Sur©tböbung bet fPapfimacbt getban unb wie et beharrlich im ©eifie ©regotS VII. gewieft bat, ifi im 2lrt. fPapfitbum angegeben. — Z. IV., ©taf »on ©egna aus 2(nagni, uorfjet SSifdjof »on Sfiia, befiieg 1254 ben pap fit. @tut)t in einer bemfelben fet)t ungünfiigen Seit, ©efcfytagen »on 9Jianfteb»on ©icilien, »etwiefett in bie 4>anbel bet ©uetfen unb ©bibellinen, in Sfalien fetbfi »erachtet, fonnte biefec fonft gutgefinnte unb friebfertige fPapfi webet butd) SSitten nod) butd) S3annflud)e, beten man fpottete, bie übet baS ganje 2anb auSgebe^nten Unruhen befd)WÖten, unb liefj bei feinem SSobe 1261 baS fPapfitbum in trauriger Sfjnmacbt. — Z. V., ein ©rieche aus .Kanbia, unter bem fRanten fPeter fPbilargi, S3ettet= mönd), flieg bis sunt Gatbinal unb würbe 1409 fPapfi neben ben ©egenpapflett ©regor XII. unb SBenebict XIII. ©c galt bei bem größten Sfjeite bet <51>riftert^ett atS rechtmäßiger fpapfi, trieb aber ju SSotogna, wo ec fietS reftbirte, feine 2$er= fd)Wenbung unb feinSöofjtteben weiter, atS eS ber .Kirche ijeitfam war, unb»er= fprad) auf bem Goncilium ju fPifa eine ^Reformation ber Kitdje, oijne baS SfRinbefie bafür su ti)un. ©ben mit Sßetbammung ber ffefjre SBictefS unb Sfortabung beS bbi)mifd)en 9ieformatorS >£mß befdEjaftigt, fiatb er 1410, :»af)tfd)emtid) butd) ©ift. — Z. VI. (f.b.) — Z. VII., »ortjer atS ©arbinal ©tjigi pdpft(id)er 9iun= tiuS in Seutfd)lanb bei ben griebenSunterbanblungen ju SRitnfier unb SSnabrücf, unb fowot wegen feines frommen ©iferS für bie .Kirche als aud) wegen feines fjei= ligen SBanbetS »erefjrt, legte nad) feiner ©rfjcbung sum fPapft, ben 8. 2fpril 1655, bie 4>eiligenmaSfe ab unb ergab ftd) ungefdbeut feinem tätige sur Üppigfeit unb SBotlufi. ©c umgab ftd) mit ©lans unb ^)rad)t unb trat als rdnfe»otlec fPolitifer auf. Über feine SSecbammung »on 5 ©d(jen aus S'anfen’S 2fugufiinuS unb bie $dnbel, bie er ftd) un»orftd)tigetWeife baburd) ingranfteid) jujog, »ergl. 3an= f en. Satüber jecftel er nid)t nur mit ber ©orbonne unb bem Parlament, fonbern, »on SRasarin gebaut, fogar mit bem .Könige fiubwig XIV., fobaß biefec ifjrn ben Ärieg erflärte, 2(»ignon unb SSenaiffin naljm unb itjn 1663 su bem fd)impflid)en Stieben »on fPifa nötigte. Sur biefen SSertufi an 2fnfeljen in gtanfteid) fonnten feine 5Berfd)6nerungen ber ©tabt 9iom, feine poetifd)en 23erfud)e unb Unterfiü&un= gen ber ©elebrten bie tomifdje ©urie nidfjt entfebabigen, unb rubmloS fiatb ec b. 22. 9Rai 1665. — Z. VIII., ein Sttoboni aus föenebig, warb 1689 fPapfl. Sutd) fluge Unterbanbtungen brachte er ben König Subwig XIV. babin, baß er 2f»ignon unb Sßenaifftn berauSgab unb auf bie Sluartiecfreibeit feines ©efanbten in 5Rom S3erjid)t leifiete. Sa für gab Z. ben fßenetianern ©elb, Seute unb ©d)iffe sum Sürfenfriege. SBeniger auf baS SBobl ber Kirche atS auf bie S5e= reicberung feiner gamtlie bebaebt, »ersögerte et bie SSerbammung ber 4 2frtifel ber gatlicanifcben Kirche, um SSortbeite für feine 23erwanbten sn gewinnen. Sen Sefuiten war er abbolb unb »erbammte ihre Sehre »on ber pbitofopbifcben ©ünbe, Sugteicb aber aud) 31 ©d|e ber ganfenifien. (©. Sanfen.) Sie 33ibliotbef beS 93aticanS »erbanft ibm ben 3fnfauf ber herrlichen S3ibtiotbcf ber .Königin ©btifiine »on ©cbweben. ©r fiatb 1691, 81 3. alt. 31. 2(lepan‘oer VI., ein in ber ®efcbid)te berüchtigter fPapjt, geb. su S3a= lencia in Spanien 1430, befiteg ben b«l. ©tubl 1492. ©r bief SRobrigo 2em §uoli, nahm aber ben alten unb berühmten gamiliennamen feiner SRutter SSorgia an. ©eine Sugenb beseiebnete er mit 3fuSfd)weifungeti; boef) mangelte eS ihm nicht an Talenten. 5Slit einer wegen ihrer ©d)6nbeit berühmten grau, Üvofa ffianosja, saugte er 5 Äinber, bie er als ^apft su erbeben fud)te. ©dfar S3or= gia unb Cucretia, Sefitere 4 3Ral »ecmdblt unb ber ffilutfdjanbe mit ihrem S3ater unb ihren SSrübern »erbdebtig, ffnb bie befanntefien. Sie ©arbinalSwütbe ertbeilte ihm ^)apfl ©aliptuS III., fein Sbeim. Surcb SSefiecbung ber ©arbinöle ©forsa, fRiario unb Gibo bahnte er ftd) nach Snnocens’S VIII. 5Üobe ben 2Beg jum pdpfilid)en 193 2tteimnbet I. (Äaifev »on SJufjlanb) «Stuhle. ©ie fange 2fbmefenl)eit bei - Zapfte in 2f»ignon hatte baS 3fnfef)en unb bie Einfünfte berfelben fef)r »erminbect. Um biefen Seeluft ju erfeben, fucf)te 2f. VI. bie SRaeft bec itai. Stuften 51 t »erminbetn, fid) ihrer Seft(jungen jur (Bereicherung feinetgamiliesu bemächtigen, unb manbte bajubieabfcheulichftenSJittelan. «Seine (Politif mar treulos unb fcf)dnbltd). So fjanbelte er gegen feine Sad)barn unb »or= netjmlicJj gegen grnnfreich, beffen König, Karl VIII., fein geinb mar. Unetmeßlid)e Summen ©elb mußte er aus ben ci}tifllicf)en Staaten ju jiel;en. 3tud) fcf)licf>tete er bie Streitigfeiten, bie jmifchen ben Königen »on Portugal unb Eaftilien rnegen 2 (merifa entftanben mären, unb fd)ieb ifjre Eroberungen 1494 brtrd) eine Cinic, bie er 360 Steilen mejtl. »on ben 2Cjoten burch baS SBeltmeer jog. Er ftarb, 74 3. alt, 1503. Sad) ben in (PauluS’S „Sophronijon“, VIII, 5. |>., angeführten S3emeiS= (teilen ift 3f. an bem ©ifte, baS er unb fein Sofjn ihren ©aften beftimmt hatten, fie felbft aber burch Setmed)felung erhielten, ge(torben,S5orgia aber gefahrlid) erfranft. TUepanbcr I. ^Oamlomitfch (b. h- SaulS Sohn), geb. am 23. ©ec. 1777, Kaifet unb Selbftherrfcher aller 9teufen (f. u 10 f r a 10 r), Zaar »on Kafan, 2(fira= chan,^)olcn(feit9.Snni 1815), Sibirien, bemtautifdjenEfmt'foneS, ©roßfjerjog »on ginnlanb unb Jperjog »on^ol(tein=©ottorp, befiieg benSht'on ben 24. Starj 1801, matb gefrönt ben 27. Sept. beff. 3. §tt StoSfau; »crmdf)lt ben 9. ©ct. 1793 mit Elifabeth (äu»or Souife SZatie 2fug«fte), Karl SubmigS, Erbptinjen »on Saben, britter Tochter,.unb ftarb b. 1. ©ec. 1825. ©ieferStonard) übte feit feiner 2I)ron= befteigung, bie Klop|tocf burch eine©be: „?Cn bie^umanitdt", feierte, baS^Cnfeljen eines mit befpotifcher ©emalt auSgerüftetcn $ertfcl)crS gefchmaßig, um 9Jtenfd)en= freunblid)feit als ©runblage feines 2d)toneS feftgufteffen. Sein Sater nahm feinen &heil an feiner Erziehung, melchc »on ber Kaiferin Kathgrinall. unb bem ©berften Sah arpe (f. b.) geleitet mürbe. Seine Stutter, Staric, vfjcrjogS Eugen »on SBürtemberg 3lod)ter, befaß ffetS feine ßiebe unb fein Settrauen. Saharpe erjog ihn ohne politifbße itnb religiöfe Sorurtfjeile in ben meifern ©tunbfdfsen eines aufgefldt= ten Zeitalters. Stilbe unb Stenfcfjenliebe »ecebelten baS -fyeq beS „norbifd)en SEele= mad)". Sein Sberl)ofmeifter, ©raf Sif. Soltifoff, erhielt oon Katharina eine Sorfd)dft, nad) meld)er ber junge ©rofjfütjt in (Poefte unb Stufif feinen Unterricht befommen follte, meil ju »iel Zeit barauf »ermenbet metben müßte, um barin einige ©efcl)icflid)feit ju erlangen. *3)rof. Kraft unterrichtete ben ^rinjen in ber Epperi= mentalphpftf, unb Jaltas eine furje Zeit in ber Sotanif. — ©ie 9tegierungSge= fd)id)te 2flepanberS laßt fid) in 3 fPerioben eintheilen. ©ie erjte, bie frieblid)e, mar ganj ber Ausführung ber Entmürfe Meters b. ©r. unb Katharinas II., in $infid)t auf bie innere Sermalfung, gemibmet; bie jmeite, bie friegerifche, entmicfelte in ben Kriegen mit granfteid), erf 6 nlid)feit bie $er$en feiner Sölfer gemonnen. Seine £l)dtigfeit umfaßte 3(lleS, maS auf bie 2Bohlfaf>rt beS 9ieid)S Sejug hatte, mit Einfid)t unb ©drmej für höhere 2 fnfid)ten empfänglich, mar bec ©ebanfe eines d)riflltd)en 9 ie= gentenbunbeS jule^t aus feiner »on religiöfen ©efühlen burchbrungeneit — fei es auch »on3fußen angeregten — SSruft unb aus feinem jeber großen 3bee offenen ©emütl)e heworgegangen. ©aS 3öid)tigfte, maS fein Dfegentenlebcn auS$eid)net, (aßt ftdj auf golgenbeS jurüefführen. Ec hat bieDfationalbilbung unb baSSotfSerjieljungSmefen planmdßiy begrünbet unb cntmicfeltj er hat bie innere Sermaltung jmecfmdßiger ®on».=Ccic. «Siebente 3fufl. S3b. I, f 13 194 tflejcanbet 4 1. (Äatfer »on 9?«planb) georbnef, 5 . S. ben (Senat burd) ben Ufas »on 1802, ben 0?eid;Statf) «nb baS Pfmifierium »on 8 3fbtbeitungen burd) ben Ufas »on 1810, bie ^)rooin}ia[»et= wattung in ben ©ouoemementS u. f. w.; er fjat ben ©etoerbfleip ber Nation ent= feffclt nnb SfuplanbS 5Beltijanbel erhoben; er bat baS <£>eern>efen auf eine -frohe bet Sollfommenbeit gebracht, auf ber man eS junor noch nie gefeben; er bat in feinem SSolfe baS ©efuijl bet 6 in[)eit, beS PlutlieS unb ber SSatertanbSliebe gtor= reich entwicfelt, unb liberal! ben Pfenfdjen als folgen geachtet; er bat enblid) Kuplanb auf bie erffe ©teile unb in ben Pfittelpunft ber politifcfyen Stbnung »on ©uropa unb jum Sijeil non 3fften erhoben. 3(ud) batf man mol behaupten, bap , feit 3llepanber I. Kuplanb in -£>infrd)t ber in ben f) 6 l)etn ©tdnbett unb an bem -fjofe : »erbretteten ©efcbmacfsbilbung unb 3Juffldrung, fowie ber 3at)l feeiftnnig unb grofj= artig um ftcb blicfenber Staatsmänner, feinem anbern europäischen Staate nacb= ffebe. SeS ÄaiferS ndebfie Umgebungen waren ttjeilä geborene Kuffen, unter ihnen ©eneral Setmoloff, fpdter 2Bold)onSfp, 3fraftfcbejeff, Siebitfd) u. 3f., tf>eilö grembe, frütjer einige ©riechen, bann (1807 —12) ber frans, ©efanbte, ©raf ' »on ©aulaincourt. — Unter bem ©inseinen, was 3C. getban ober »eranlapt bat, j muffen suerft feine Senkungen um bie 3fuSbilbung, Sprache unb Siteratur ber flawifcben SSolferfcbaften erwähnt werben, woburebeine eigne originale flawU 1 febe Silbung (wie bie germanifd)e) »orbereitet worben iff. 6 t bat 7 Uni»et= ! fttdten — Sorpat, Äafan, ©barfow, PloSfau, Sßilna, SD3arfd;au unb St.= 1 Petersburg — errid)tet ober neu geffrrltet, 204 ©pmnaften, £e!)tet'feminatien, unb über 2000 niebete SesitfS* unb 2JolfSfd)ulen, jum SEfjeit nacf> Sancafter’S £ef>r= art, gegiftet; er bat sur Verbreitung ber Sibel in beinab allen ©ouoemementS bureb bie Unterjtüfsung bet (1826 aufgehobenen) Sibelgefellfd)flften mehr betgetra= gen als irgenb ein ©ouoerain in ©utopa; auch ifi burd) faiferlicbe Stiftung eine neue SilbungS= unb ©rsiebungSanffalt, baS ßpeeum in Sbeffa, ju Stanbe gefoiw men. Sind) einen Ufas oon 1817 würben ben Sub en (f. b.), we(d)e sum ©bti-- fbentbum übertreten, bebeutenbe Vorteile jitgeftd)ert. 3um Sutcf wichtiger j PSerfe (wie dtrufenflern’S „Keife", Äaramftn’S „©efebiebte KuplanbS" u. a.) bat er grope Summen angewiefen; miffenfcbaftlicbeS Verbienff bat er im 3n= unb 3fuS= lanbe gefd)dgt unb f aiferlid) belohnt. 6 r faufte feltene Sammlungen, wie ßobet’S anatomifd)e Sammlung, gorftet’S mineralogifd;e Schabe, ber gürftin ^ a blo= nowsfa ©abinet, -fraubolb’S jurift. Sibliotbef. 2fucb beriefet 1818 2 £>rienta= ■ Ufien aus Paris (Semange unb ©barmop) nach Petersburg, um bureb Unterricht baS Stubium ber arabifeben, armenifeben, perftfeben unb türfifeben Sprache s« beforbern. Votsüglicb unterflü|te er bie Silbung junger talentooller Pfänner, bie ! er im fluSlanbe reifen liep. Samit ftanb in Vetbinbung, bap er überall feine Uw teitbanen ber ©eipel ihrer gwingbetren, ber flbeligen, Sojaren unb ©tarojfen, SU entsieben fuebte, ohne jeboeb mit ©ewalt baS Ked)t su er$wingen.- Sie £eib= eigenfebaft warb feit 1816 in ©ftblanb, ßieflanb unb Äurlanb aufgehoben; unb 31. erfldrte, bap er auf ben Ärongütern feine Säuern mehr oerfd;enfen wolle. 31 ud) würbe baS 3fuSbieten ber Seute sum Verfauf in ben Leitungen »erboten, unb einer ©efammtfebaft »on leibeigenen Säuern (einem Steile ber ©rbbauern beS \ »erff. ÄanjlerS Komanjoff) erlaubt, ftdj »on ihrem ©rbberrn loSsufaufen. ©benfo ernftlid) wollte 3f. feinem SSolfe eine georbnete ©efepgebung »erfdbaffen; allein baS bürgerliche ©efefcbucb erfobert noch immer »iele Vorarbeiten. Sie 1807 eroffnete KedjtSfcbule ging 1810 ein. SaS bis babin bei bet Ämttflrafe ohne greilaffung üblich gewefene 3£uSreipen ber 9?afenwdnbe unb Sranbmarfen h°b 3f. um 1817 auf. 3lud; febaffte er fd)on 1801 baS fogenannte heimliche ©erid)t ab, »or wel= cbeS inSbefonbere politifebe Serbred)er gesogen unb bureb junger, Surfl unb auf anbre 3frt (jebod) nie burd; forderliche Pein ober göltet) sum Sefenntnip geswuw gen worben fein follen. ©nblicl) bat er ben Pfipbrdttdien ber ©ewalt ber Stattbaü 195 Stteranbev I. (Gaffer »on SRufKanb) tcc butt »otbettgenbe ©efefce ©inhalt gethan. 25aS 5Borrcdfjt bet 2fbetigen, baf ihre ©rbgüter in feinem Satte als Strafe eines SSerbretenS eingejogen werben fonnten, erfjob er jurn attgemeinen Sted;t für atte feine Untertanen. Stot wirf: famer war, waS 2 t für bie SJtanufacturen unb ben^anbel in feinem Sieite ge= tan f)at, 5 . 85. bie ©infühtung eines äweefmapigern BollfpftemS, bie 33etbeffe= rung beS ©elbwefenS feit ber ©rtiebtung eines SilgungSfonbS, bie am 19. SStai 1817 geffiftete SteitSbatnmerbanf, bie 2(nlage eines neuen SJtefplafceS für 50?a= fariew jwiften ber £)fa unb SBolga, bie (Stiftung einer neuen Stteffe ju Söarftau 1817, bie fortbauernbe ©rweiterung beS Strafen; unb ©analbaufpftemS, bie ^Bewilligung eines geeifjafenS 1817 u. a. SSortijeiie für £>beffa u. f. w. Überhaupt fjat ft't ber Buffanb ber ©ewerbe feit 1804, wo man ifjn aus Stort’S „©emalbe" unb aus bem „Comptc rendu" beS SttinifterS beS Snnetn fennen (ernte, febc »er; beffert, befonbetS gegen baS britifefje Sntereffe in ben 5Bottmanufacturen. 25ie ganje auswärtige Staatsfuhft, mehre Steifen um bie SBett, bie ©efanbtfcf>aft 1817 nat Werften (bei weiter ftt ber mit atten planen StapoteonS in 4>inftd;t auf Snbien unb Werften befannte Sranjofe ©arbanne befanb), bie Senbung nat Äotintina unb nat-R()iwa, bie SSetbinbung mit ben Vereinigten Staaten, mit 83raftlien unb Spanien, bie dpanbetS; unb StifffnfjrtSöertrage mit ber Pforte, bie Stieberlaffungen enbtit auf ber Sßeftlüfte »on Storbamerifa: 2ltteS bieS beweift ben grofen unb rittigen SSticE beS ruffvften ©abinetS in 45 in ft tt auf SfuflanbS Stellung in bem SBetthanbel. 25af bet Äaifer folte Sbeen anregen fonnte, baju fjaben feine Steifen tm 2fuSlanbe, felbft fein furjet Slufentfalt in ©nglanb, fein Umgang mit unterritteten unb geifhtollen Scannern unb Stauen, »orjüglid; aber feine öftern Steifen in ben fProoinjen feines SfeitS, ifm Stoff genug gegeben; benn überall, aut an ber Spifse beS 4>eereS, war er aufmetffam auf2ftteS, was feinem fßolfe Stufen bringen fonnte. Sn ber ©eftitte beS rufftfdjen fieerwefenS unter 2f. matt ber Stiebe 51 t Sälftt ©pote (1807). ©r eroffnete nicht blof ben 5Beg.jur ©roberung SinnlanbS (1809) unb jweiet 25onaumünbungen (1812), fonbetn er gab aud) 2f. Seit, bie Un»ottfommenheiten beS bisherigen SJlilitairfpftemS ju heben. Seitbem hat in futjet Beit baS rufftfte ÄriegSwefen einen fo »orjüglichen ©rab innerer 2fuS; bilbung erhalten, baf bie rufftfefpen $eere in bem lefcten Äriege, was 2fuSrüffung, Äunftübung unb 9ftannSjud;t betraf, ben fBeifall beS 2luSlanbeS fft etwar; ben. (S3gl. SSilfon.) —■ SeneS fetbfttbatige unb menftenfreunblkhe ©ingrei; fen beS Sftonatdjen in atte Steige ber Verwaltung ift ber ©runb, warum bie Station an 2f. mit »ollem SSerttauen hütg. 6 t hat bieS erfahren in ber Beit ber©efal)r, bamalS aber aut bewahrt, baf et würbig fei, ber ^)errfter eines grofen SteiteS unb einer tapfern Station ju heifen. 2flS eS galt, hanbelte 2f. mit Seftigfeit; nie unterlag er jener Staate, weite nacfpgibt unb StittS jit wagen »erfleht. 25aburt uereitelte er atte ^Berechnungen StapoleonS in SKoSfau. 2f. gab namlit feinem SSolfe baS SBort, baf er nie mit Stapoleon unterhan= beln wolle, fo lange not ein bewaffneter Seinb in feinem Sanbe fei". SBelte Shätigfeit aber in ber ÄriegS»erwaltung herrften mufte, bewies baS rufftfte ^»eet, weites 1813 in 25eutftlanb auftrat, unb baS^eer, weites 2C. 1815, 300,000 35t. ftarf, mit 2000 befpannten Äanonen gegen Stanfreich marftfertig aufftettte. — Sn ber fPolitif 2f.’S ift ber frieblite unb religiofe ©haraf; ter berfelben eine bemerfenSwerthe Seite. Solgereid; war feine perfonlidje Sreunbftaft, wie man fte feiten unter SJtonarten erblicft, für ben .König »on fPreufen, Sriebrit SBilhelm III., bie 1805 am Sarge SriebritS II. feierlit beffegelt würbe. Sie hohe Sugenb ber unfterbliten Königin Souife war ber Sdjufengel biefeS 33unbeS. 2f.’S 45etj war »on ber reinfien 2fd;tung für baS SSor= treffliche erfüllt, ohne baf fein ©eift barum ben StaatSjwecf StuflanbS auS bem 13 * 196 tffejcanbet I. (Äaifer »on 9?up(anb) 3f«ge »ertöten f)Attc. 33ewunberung für Napoleons gtanjenbe gigenfcgaffen jog if)tt auf beffen ©eite t)in; aud) glaubte ec, mit bem Äaifer ber grattjofen gemein; fchaftlicf) baS ©d)iaup= tete er mit gntfchloffenijeit feine ©elbjbanbigEeit. Sä gelang ihm, burdf) bie 3u= fammenEunft mit bem Äronprinjen non ©daneben ju 51bo, im 3(uguft 1812, ©d)Weben mit ftd) ju »erbinben, nad)bem er im Sflai b. 5. bie Pforte jum grie= ben non 33ud)areji bewogen hatte. Surd) ben Ärieg 1812 ert>ob ftd) 3E.’S ©taatö= funft ju jenem l)bl)ern, frommen ßfyarafter, ber and) feine ©taatSfchriften be= jeichnet. ©ie umfafjte halb mit ihrem SSlicEe ganj gutopa. SJJerfwurbig ift in biefem ©inne bie grElatung, welche 3t. ju 2Batfd)au ben 4° Seht. 1813 an bie 236lfer guropaS ridjtete. ©ie bewies, bafj man in 9vujj(anb bamalS ben 3eit= geift wohl uerfianb, unb mit ben 586[fern offen, beutlid) unb fraftig ju fpredgen wufite. 93ocf) feierlid)er verlief bcr aus Äalifcf) ben 25. 9)3arj 1813, im 83a= men 3E.’S unb feiner SSerbünbeten, an bie Seutfd)cn erlaffene 3Eufruf einen neuen, red)tlid)en, auf greift, @id)erf)eit,__9Boi)lfa^rt mittclfl einer angemeffenen 93erfaffung abjwecEcnben guftanb. Überhaupt l)at 3(.’S ©taatsfpradje ben erhabenen ©tpl beS Srients mit enropäifd)=d;riplid)er SSilbimg in fiel) »erci= nigt; unb bie wid)tigfien ?tuffafee in -fjinftcht ber ©efammtangelegcnfeiten gu= ropaS erfd)ienen in ber Petersburger -fjofjeitung. Sal)in gehört baS merEmürbige SJlanifefE »om 27. San. 1816, welches bie potitifdjen ©runbfage beS ÄaiferS ent= hielt. Siefe ©pracbe jicmte alletbtngS bem SBieberherjMer ber eutopäifdjen 3Belt= otbnung, ber, ein 3fgamemnon unferer 3eit, bie unb SSotEer Seutfd); lanbS um ftd) »erfammelte; beim ohne 31.’S willfommene grfdjeinuttg bieSfeitS ber 5Beid)fel würben bamatS wenigfrenS bie beutfd)en SSotEer, ungead)tet ihrer S3egeifterung, bie geffel beS StfjeinbunbeS nid)t jerfprengt hüben. gs gelang ihm, aud) Preußen jum Kriege jit bestimmen. Sn biefem europdifd)en SSefreiuttgSEriege (f. Otuffifd)»beutfd)er Ärieg) fegte ftd) 31. perfonlid) ber ®efaf)r aus, um ben 5J?utl) feiner Sxttppen ju befeuern. 2Bie ritterlid) einfach unb habet wofirool; lenb gütig fein ganjeS ^Betragen war, bewetfl baS fd)6ne unb eble SSerl)dltnif, in welches 31. ben ©enetal SJlore au (f. b.) ju ftd) ffellte. Unffreitig f>at 3f.’S fPerföntidjEeit aud) auf ben ©ang beS Krieges in Sranfreicl) »iet eingewirEt. gr gewann burd) feine anmutf)»olle Dffenhett baS Vertrauen ber granjofen. 9)?an wanbteftd), wie gefagt wirb, insgeheim »on fPariS aus an ihn; unb er »orjüg= lid) bcftimmte ©chwarjenberg’S SKarfd) nad) ber >£jauptfiabt am 29. SDtdrj 1814, weld)er ben Ärieg glorreich enbigte. ©ie ©rofimuth, mit ber 3E. fPariS unb bie ^ranjofen überhaupt bchanbelte, bie ftrenge 3>?annSjud)t feinet jjrup» •pctt, unb bie 3nftd)etuttgen, welche bie 3Ü(iirten auf 3C.’S 83orwort bet Nation erthciltett, erleid)terten nid)t nur bie 9fütfEel>r ber SSourbonS, weldje bcr ruf= ft'fdje Äaifer, ol;ne 9Jüm bie 9}?onard)enwürbe ohne 9JücEftd)t auf ©eburtSred)t. 3fud) befud)te er bie Äaiferin Sofephine unb fpeijbe bei il)r in Sftalmaifon; er »erwanbte ftd) für ben jPtittjen gugen S3eauharnoiS; et befud)te ben S02arfd)all 93ep. Sie SSegeifferung ber ^3ari; fer für i()tt war grenjeuloS. 3(m 1. Snni 1814 ging er nad) gnglanb, wo er mit Subei empfangen würbe. Snbep fdjeint SKancheS I>icv einen unangenehmen gin; brucE auf ihn gemacht ju haben. Sod) erhob fid) biefer mächtige SÖionard) bei bem Strahle ln ©uilbhall, ju ghren beS SSolESgefangeS: Rulc Britannia, von f. ©ige! — Sen 28. Sunt üerliep er gnglanb, unb ben 25. Suli traf er wieber in ©t.=fPc; 197 THcjcanbcr I. (Äctifet wo« üRußlattb) tergbutg ein, wo et ben »om Senat ihm angetragenen Sütel beg „©ebenebeiten" a6tef>nte unb ©ctt aitein bie ©f)te gab. Siefelbe ©eftnnung fprad) fpatethin ein Ufa« (SftogEau, ben 27. 9?oy. 1817) aug, nach welchem bet heilige ©pnob ben @eifttid)cn alleg Bobpteifen bcg COfonatchen unterfagen follte. Seg Äaiferg Anwefenheit in SSBien tt>db>tenb beg ©ongreffeg war nicht allein bet ©intrad)t bet gürffen unb ben freiftnnigen ©ruttbfdhen günffig, bie man in bie ©ongtep= acte aufnabm, fonbetn fte uollenbete auch bag politifd)c Übergewidjt 9?uplanbg butch bie Behauptung beg Äonigteidjg (Polen. Sic polnifdje SSerfaffunggur- funbe, welche Alepanber »on einigen (Polen unb feinen Staatgmdnnetn inSBien entwerfen lief, war bie erjfe, welche bem SBorte bet 9)Jonard)en unb ben ©r= Wartungen bet BölEet entfprad). Sie BeharrlichEeit, mit welcher Alepanber fei= nen politifdjen ©tunbfdfsen treu blieb, bewieg ftcf) nicht allein gegen bie ©djweij, bie f>auptfdchtich ihm ihre ffleutcalitdt »erbanEt, unb gegen bie ionifdje 5Repu= bliC, fonbetn auch bei bet 0fftcEEef)t (JJapoleong Don ©Iba nad) spatig, in bet ©rfüllung beg Scactatg von ©haumont. A. Eam jefet jum gweiten 9ftal, ben 11. 3uli 1815, in bie ^auptftabt granfrcid)g. Sie (beenge Sffanngjucht, welche feine Xruppen beobad)teten, cvwccEte neueg Bertrauen jit (Ruptanbg ^PolitiE, beten ©inflttp auf bag frans. ßabinet ftdjtbat ben britifrf>en oerbrangte, oot: jttglid) feit 9fid)elieu •— bighet in tufftfehen Sienfien — an bie ©pifje beg Sftinijferiumg Bubwigg XVlll. trat. Bon biefet an geigte fleh (Ruptanbg politifcheg @ewid)t nicht blop in bem frangoftfehen, fonbetn aud) in bem fpant= fd)eit ©abinet. ©elbff bet ^)of oon 9fio Saneito ndherte ftch 3fuplanb, unb bag Äonigteid) bet Ofieberlanbc oerbanb ftd), wie (Preupen, (fBürtemberg unb anbte ©taaten, enget mit bem tufftfehen $ofe. Bermittelnb nahm A. gemcinfd)aff= lieh mit ben Bfdd)ten, bie ben ÜEractat uon ©haumont gefchloffcn, an ben eutopdifchen ©efammtangelegenheiten, g. 33. an bem Abfall bet fpanifchen ©o= lonien unb an bem (fwiffe ©panieng mit (Portugal wegen Bfonte Bibeo An= theil. Aud) ergeiff er SJtapregeln gegen bie ©eerdubetei bet afriEanifdjen ©taa= ten. Sb ec burch bie Stiftung beg d)tifflicf)en Bunbeg, ^)arig ben 26. ©ept. 1815 (f. ^eilige 2111 i a n g) unb burch bie ©tEldtung beg ©ongreffeg oott Aachen (1818) boc europdifdjen ©taatgfunjf eine höhere9tid)tung gegeben, weU d)e jeber ©taatgumwdlgung oorbeugen Eonne, wirb bie SuEunft beutlichec ent= wicEeln. ©r hat ftd) baburd), alg bet - ©tifter eineg religiofen (Ruhefpftemg bet Staaten unb BolEer, mit an bie ©piße bet eutopdifchen Sfegentenfamilie ge= (teilt; eine d)rifflid)c ©eftnnung fotl fortan bie ©eele ber ©taatgfunft unb bag Banb jwifdjen ber (Regierung unb bem SSoIEe fein. 3« bem ©eiffe biefeg Bum beg fuchte 21., ohne jebod) in bie innetn Angelegenheiten anbret ©taaten felbft ftch 5« ntifdjen obet eine Art uon europdifchem ©onbirectorium geltenb gtt mad)ett, allen reoolutionnaitcn Bewegungen bet BolEet, Dorgüglid) ben burch bag $cer be= wirEtcn ©taatgoerdnberungen, ©inhalt gu thun. Sag an alle rufftfehe ©efanbfe in Anfehung bet fpanifchen Angelegenheiten gerid)tetc SRcmoire unb bie bem fpa= nifchen ©efanbtcn, 9fittec be 3ea Bermubej, ettheilte Antwort beg rufftfd)cn ©a= hinetg enthalten bie (JRapimen jenet eutopdifchen ^Politif, bie gtt Aachen, in bet Seclaration Dom 15. 9foo. 1818, hauptfad)lid) gegen rcoolutionnaire 83ewegun= gen, bie, dhnlich bet franjoftfehen, ©utopa beunruhigen Sonnten, gerid)tet war. 3n biefem ©eiffe nahm A. 1820 fg. an ben wegen bet italienifchen Angelegen: heiten gu Stopp au unb Bat6ach (f. b.) gehaltenen ©ongreffen Anteil unb be= fahl feinem ^eete, nad) Stalien oorjutucEen, um boti ben Aufruht ber ©arbonatt jit beEampfett. Sa beffen ©egenwart abet nicht nßthig wat, fo gog eg ftch wiebet nad) fJfuplanb jurucE, wo 1821 bie ©ad)e ber ©tied)cn (f. b.) bie AufmerEfam* Eeit beg tufftfehen ©abinetg befd)dftigte. Auch bei biefet ©elegenljeit etEldtte ftd) A. gegen jebe aufruhretifche BolEgbewegung Erdftig unb mipbilligte bag eigen: 198 2£le;canbet I. («Keifet üon 3?uftanb) mutige Unternehmen be« Sürfien 2ftej;attber Ppfilanti« (f. b.) öffentlich, nahm jeboch bie Sache bet SWenfcfyfjeit unb be« Ghtiffenthum« bet bet Pforte in ©chufc. (©. ©troganoff.) Sn bem ©eifie beffelben S3unbe« hat er, ooltig mit bem wiener Gabinet einoetfianben, au« Siebe jum Stieben unb au« 21d); tung für ba« allgemein in Guropa angenommene ©taatenfpfiem, bie günftigfte ©eiegenfjeit, au« bem gerechteren ©tunbe ba« barbatifrfje fReid) ber Surfen in Guropa ju jerftoren unb bie Sanber am 33o«poru« unb ba« clafftfd;e -fjellaS bet chrifilich = europdifchen Guttut unb ber gefef<üci)en Dehnung jutüdjugeben, jur eignen SBergrdfjetung nicht benufjt. SBie fel)c übrigen« 2t. bie freiftnnige SRicfj= tung be« Zeitalter« etfannte unb achtete, (at « ’ n 3Biert, 2tadf)en unb 2Bat= ; fci)au bei mehren ©etegentjeiten bemiefen. ©ein SSrief an ben SSicefdnig oon polen, ben Sürflen 3ajoncjecf (Stadien, T V Set. 1818), ifi ein frf>oneS Senfmal biefer j ©efinnung. Sn bcmfelben ©eifie fagte er ben 5. 9Rdrj 1819 ju einer Seputa; tion be« tiefldnbifchen 2tbet«, welche itjn um SSeffatigung bet neuen, jum Portheil be« lieftdnbifcben 83auetnfianbe« entworfenen fßerfaffung bat, bie benfwürbigen SSorte: ,,©ie haben im ©eifie unfer« Sahrhnnbert« 8 c h a nbelt, inwetebemnur liberale ©eftnnungen ba« ©tücf ber SSotfer begtünben tonnen". — Ghatafteri; fiifcb war feine oor mebren Satten an bie Stau non ©tael gerichtete fSemerfung: „Sie Seibeigenfcbaft wirb Sh r ^ U 9 C W* J u Sanbe beteibigen. Sa« ifi nicht meine ©dtjutb. Sd; habe ba« SSeifpiel gegeben. 2fber ich fann nicht ©ewalt brauchen; ich muff bie ^Rechte 2tnbrer achten, al« ob e« eine Gonfiitution gdbe, bie unglücflichetweife nicht «orfjanben ifi". — Stau oon ©tacl erwiberte barauf, wa« bie ©efchidhte einfi wieberhoten wirb: „Sire, votre caractere est une Constitution". Pitt berfetben ©eftnnung hatte er fdjon beim 2tntritte feinet Regierung bie geheime ©taat«potijei unb S3üd)etcenfut aufgehoben, testete jeboch fpdter wieber eingeführt, übrigen« ben 7. 2tprit 1801 erflart: „Sch er; fenne feine ©ewatt für rechtmdfjig, bie nicht au« ben ©efe&en fließt". Sn bie; fern ©eifie hatte er bie Sefuiten (ben 1. San. 1816) au« Petersburg unb Pio«; fau, jute&t (am 25. Pidrj 1820) au« bem ganzen Speiche, weit fxe fid) in fRe; gierungSangetegenheiten ju mifchen wagten unb ben Stieben im Snnern ber Sa» mitien fiorten, entfernt; er hatte ba« Profelptenmadhen «erboten, ben Sucho; borjen (1817) freie 3ietigion«übung jugefichert unb bie SSiibung ber S«ben be; förbert. Sn bemfetben ©eifie entfaltete 2f. fortwdhrenb bie innere Äraft unb bie dufere S07ad>t feine« Ungeheuern JReich«. Sie Gtwetbung ©ruftnien«, SSialpfiocf«, Sinntanb«, SBarfcfauS, ©djitwan« unb SSeffarabien« hat bie SReid)«= grenjen fafl überall unburdjbtingtid) gemacht unb bie SSolfSmenge be« JReid)« oon 36 Piill. bi« auf mehr at« 43 PÜK. — meifien« Guropder — oermehrt. Sa« fchnette 2fufbtühen PtoSfau« au« feiner 2ffche, bie maeffenbe Guttur in Sibirien unb ber Ätim, bie um 800,000 Pienfcfen oermehrte 33olf«jal)t in ben ©ouoer; nement« Sobot«!, SEomSf unb Stfufcf, unb dt)ntid)e Reichen ber junehmenben SBohtfahtt be« Sfieich« haben 2f.’« ^Regierung «erewigt. Sb ber SRiefenptan, bie ©runbfaulen ber ruffifchen Staatsmacht, benS5auern; unb ben Äriegerflanb, auf ba« innigfie ju oerfchmetjen, ftd) in ber Gtfahrung bewahren wirb, muß bie Seit entfdfeiben. (©. PiilitaircotonienfRujjlanbS.) Überhaupt erwartet SSiete« oonSem, wa« 2f. eingerichtet hat, «on ber gufunft feine S3efidtigung unb Gntwicfetung. ©o hat er burd) bie fßerorbnung oom 28. Sec. 1818 alten SSauern im SJeicfe ba« 9ied)t ertheilt, Sabtifen unb Pianufacturen $u ercidfjten: ein 5Red)t, ba« bisher nur bem 2fbel unb ben dlaufleuten ber erffen unb jweiten ©itbe juftanb. Gine sweefmdfigere Ginrid)tung be« 9feich«fchutbenwefen« unb bet 3fmortifation«caffe geffattete bie Grteichterung oon 2(bgaben; baher hob ber Ufa« oom 1. San. 1819 bie am 11. Sehr. 1812 eingeführte Ärieg«fieuer oon bem Gr; trage be« ©runbeigenthunt« wieber auf, aber mehr $u thun hinbette bie foffbare 2Cicj:anbcc I. (Äaifet uon 9?ttf!lanb) 199 Untergattung beb jahtretdjen $eereb. ©Sichtig mar bie non bem ©ngtanber ©Spter, einem Sludfer, 1818 unternommene 2 lubtcodnung ber Sümpfe in ber ©egenb non S)etetbburg, non beren ©rfotg mir nid)t unterrichtet finb. Sugleid) mürbe bie ßotoniftrung beb fübt. Stuflanbb burd) bie Aufnahme non aubgemanberten Sent» fd)en fortgefebt unb berfelbc ©tan auch auf bab Königreich ©oten aubgebehnt, mo nad) 2t.’b föiiÜCen (©Satfchau, ben 10. 2(ug. 1816) bie Ciotoniflen auf ben Krön» nationatgütern oertaffene Raufer unb ©runbfiücfe ober fonjt jmetfmdfige Unter» flühung erhalten. Set ©eneratptan ju (Srrichtung non Schuten unb Uninerfttd» ten, in Knfetiung ber anjulegenben Kirchfpielfteibfchulen unb ©pmnaften, fomie bie ßinführung beb nom faifert. rufft'fchen Seibarjt 4 >amet in©arib beobachteten SSetI=£ancafler’fd)en mechfetfeitigen Unterrid)tbfpflemb, bie Srganifation beb enan= getifchen unb beb fathotifdjen Kitdhenmefenb, bie 23eförbetung ber Subenbefefjrung, ober ber fogen. chrifltidhen Sfraetiten, unb bie ermeiterte 2 t)atigfett alter öffentlichen Unterrichtb = unb 33itbungbanflalten, fomie ber 17 in ©eterbhurg unb ©tobfau nor= hanbenen fjo^errt miffenfchafttichen Snfiitute, ritdte in feiner attmdligen SBott* Ziehung immer meiter fort. 3mat mürben feit SSertreibung ber Sefuiten bie S3et= hdttniffe beb Kaifetb mit bem römifchen Stuhte eine Seittang geflört; allein bie ©t= Btdrungen beb'©tonard)ett gegen ben ©apft, non Saibach aub, eröffneten bie 2 tub= ficht ju gdnjlidjer geflfleltung bet firchtichen SSerhdttniffe ber ruffifchen fathot. Un= terthanen, unb ber netfaffungbmöfige 33erfet)r beb fathot. Kterub in Stuftanb mit bem römifd;en Stuhle marb feinen ilugenblicf unterbrodjen. Grnblid) hatte ber Kai» fer für bie enangetifch=tutherifche Kirche 1820 einen SSifdjof ernannt unb ein 9ieid)b= generatconfiftorium in ©eterbburg errid)tet, metd)eb übet bie reine Sehre, narben SSefenntniffchriften ber enangetifchen Kitd)e, machen fottte. 2(Ued bieb bemeifi, baf 2t. bie ganje S3erma(tung nach einfadhen ©runbfdgen orbnen, jugteid) aber aud) Sem, mab bie fitttiche Srbnung flöten fonnte, bem Unglauben, bem Seichtfinn, ber potitifchen Schmdrmerei geheimer SSerbinbungen unb anbern fßetirrungen beb Seitgeifleb burd) alte ihm ju ©ebote flehenbe ©littet entgegenarbeiten moltte. S3ei mehren 2tntdffen, 5 . 25. bei ber S t u r m f t u t (f. b.) in ©eterbburg, am 19. Sion. 1824, unb auf feinen nieten Steifen, griff er fetbft mohlttjdtig ein. (SSgt. 9t uf» tanb.) 2 tttcin eb bauerten, ihmunbetouft, niete ©tifbrauche fort; neueentflan» ben; bab SSetbienfl ber grömmigfeit nermehrte bie 3«hl ber feuchter; unbebbit» bete ftd) jutefet, ungead)tet alter ©lafregeln ber ©otijei, eine furchtbare unb ebenfo unfinnige atb roeitnerbreitete 83etfchmörung, beren SSeprafung feinem Slachfotger norbehatten mar. 5öietteicf>t fchon non bem Safein fotcher hod)Oerrdthetifd)en Um» triebe unterrichtet, folgte 2t. feiner franfen ©emahtin am 13. Sept. in bab fübtidfe Stuf tanb, befuchte bie Krim unb mdtjtte bafetbfl eine ©egenb ftch aub, mo er ein fl, non ber Stegierung jurüefgejogen, feine Sage ruhig nerieben moltte. cfpier erfranfte er an einem gatlichten gieber, ingotge einer ftarfen ©rfdttung, juSaganrog (f. b.), unb nerfdjieb am 1. Sec. 1825 in ben 2ftmen feiner ©emahtin. Kaum mar bie Stachricht banon am 8 . Sec. a. St. in ©eterbburg eingetroffen, fo mürbe 2f.’b dttefler ffiruber, Konflantinl. (bet füh in ©Sarfdjau befanb), jum Kaifer aub» gerufen, bem alte S3ehörben unb bie ©arben am 9. Sec. hulbigten. 2f(Ietnbet ©toffürfl Konflantin Gefaremitfd) nahm bie Krone nicht an, inbem er fchon bei Sebjeiten 2f.’b burdh ein Schreiben an benKaifer (©eterbb., ben 14. gan. 1822) auf bie Shronfolge 5Berjid)t geteiflet, unb non biefem, fomie non ber Kaifetin ©lut» ter, burch 2t.’b 2(ntmort nom 2. gebt. 1822, bie ©enehmigung feiner Q3erjid)tlei= flung erhalten hatte. @t)e uod) beb ©roffürflen ©rftdrung non SBarfdjau, morin et feiner ©lütter unb feinem SStuber, bem ©roffürflen Stitotaub (ben 26. Sion, a. St. 1825) anjeigte, baf er biefen atb Kaifer anetfenne, in ©eterbburg anfam, hatte ber Senat bab Seflament 2f.’b eröffnet unb barin bie Utfunbe ber S3etjid)t= leiflung beb ©roffürflen Konflantin Gefaremitfd) nebft einem ©tanifefle beb Kai» 200 2ClejcanbccSböb Xlejianbria ferS 2f. (j3arSfoje = ©elo, bcn 16. 2lug. 1823) gefunben, tvouin betfelbe feinen zweiten Brubet, ben ©topfürjlen PifolauS, ju feinem Thronfolger erfldrt. Sie= fei* gürfl beflieg baljer ben Thron burd) bie Äunbmad)mtg oorn 12. Sec. a. ©t. j825, machte jene Utfunbe befannt unb erfldrte zugleich, bap bei TobeStag Xepanber I. bet 2(nfang feiner Otegierung fei (ben 1. Sec. n. ©t., 19. 9too. a. @t.). hierauf würbe bem Äaifer PifolauS 1. am 13. Sec. a. ©t., am 26. Sec. n. ©t., in Petersburg geljulbigt. K. 2üejtanberSf>ab, im Äönigt. SSaiern, liegt | @t. oon bem baireutf)i= fdjen ©tdbtdjen SBunftebel in einet herrlichen ©egenb, nahe bei bem Sorfe ©i= cherSrcutf). Ptarfgraf 2ftepanber umgab 1782 bie .Quelle mit einet fleinetnen ©in= faffung, erbaute baS gtope SSrunnenhauS unb hob biefe wilbe ©egenb burd) 2ln= Pflanzungen unb 2fnffalten. Sie Quelle warb 1734 entbeeft unb erhielt 1751 burd) ben Ptarfgrafen gtiebrid) ein 33tunnenhauS. 91 ad) JMlbebranbt gibt bie Quelle in einet ©tunbe gegen 16 patifet Äubiffup SGSaffet, f)at gemofjnlid) eine Temperatur non 7 ©rab unb einen ftatfen ©efefmaef, bet ©ifen-- unb Äol)len= fdttte uerratf). Plan braucht bieö 5Baffer oorzüglid) jum Ttinfen, bocfj auch ju SSdbetn. 3fud; wirb eS in Ätttgen oerfenbet. SaS Brunnenbaus ift aus regeU mdpig behauenen ©ranitblocfen gebaut, l) rtt gut eingerichtete SEBohnjimmer unb einen trefflichen ©aal. 83on ber 2lnh6l)e, auf welcher eS fleht, unb oon welcher aus man ein h^rltdjeS Thal öberblidt, fuhrt eine 4fache SSaumreihe ju ber fleU netnen ©infaffung bet Quelle. Um biefe herum ziehen ftch in einem >£albfteifc Heine freunblid)e ©ebdube, unter benen einTanjfaal, bieSSBohnung beS S3abe= meifterS unb mehre SSabejimmer beftnblid) finb. 3ut ©eite ifl ein angenehmes SBdlbcfjen unb nid;t weit baoon ein mit ©ebufd) bepflanzter $ügel. Sie fd)6nflen Anlagen in biefer romantifchen ©egenb ftnben ftd) an ber Burburg, einem walbigen S3ergrucfen, mit Übetbleibfeln einer föurg. Über ©ranittrümmer fuhrt jefct ein wohlgeebneter SBeg mit Stuheft'hen burd) bie gclfenmauer hinauf. Bie ©tabt SBunft'ebel, bie hohe Äoffeien unb anbre Punfte beS gidjtelgebirgeS laben ju 2Banbetungen ein. ©. griebr. -f)ilbebranbt, „Phpftfalifd)e Unterfudjung beS PtineralwafferS im Xepanbetbabe" (©Hangen 1803), unb fiagarbe = Pteffenge, „Coup d’oeil sur Alexandrebad et Louisaburg" (Plunchen 1819). 211 e r a n b r i a (tfirf. ©canberun), bie $auptfl. 2fgpptenS unter ben Ptole= mdern unb Sleftbenj berfelben, erbaut 332 3. not Gig- oon 2flepanbet bem ©ropen, weither es jum ©ifce feines 9feid)S unb jum PlittetpunHe beS SBelthanbelS be= flimmte. ©S war oerntoge feiner natürlichen ßage eine gejlung unb hatte 5 $dfen. Sie Ptolemäer, befonbetS Pt. ©oter ober BaguS ©ohn unb Pt. Phila= belphuS, oerfchonerten es immer mehr unb madjten eS zum ©i§ ber ®elehrfam= feit. (©. 2flepanbtinifcheS Zeitalter.) Sie erffen 35ewof)ner 2flepan= brienS waten ein ©emifd) oon 2fgpptem unb ©riechen, baju famen 336, 320 unb 312 oor ©hr. zahlreiche, zu fdjnellerer SSeootferung ber ©tabt unb ©egenb bahin oerfegfe ©olonien oon 3uben, bie hier mit gtiecf)ifd)er ©prache unb SSitbung oertraut, ^elleniflen (f. b.) würben. Begtere waten eS auch, weld)e bie unter bem Flamen ber ©eptuaginta (f. b.) befannte gtied)ifd)e Übetfefsung beS 2llten TejlamentS abfapten. Ser fdjonjie Thetl ber ©tabt, wo am gropen^afen bie f onigf. Paldfle prangten, h*ep ffirudjion. ^iet befanb ftd) baS weitläufige unb prächtige 2(fabemiegebdube ober Plufeum, wo bie gropere djdlfte ber fonigl. SSiblio-- thef, 400,000 93be., aufgeflellt war; bie Heinere £dlfte oon 300,000 S3bn. war im ©erapion, bem Tempel beS Supiter ©erapiS. Sener gropere Tfjeil ber S3iblio- thef oerbrannte wdhtenb bet SSelagetung 21.’S burcl) SuliuS ©dfar, würbe aber nachher burd) bie pergamifche SSibliothef', Welche 2lntoniuS ber Cleopatra zum ©c= fdjenf madjte, erfefit. SaS Plufeum, in welchem oiele ©elefjrte SBotjnung unb Un= terhalt hatten, gcmeinfd)aftlich fpeiflen, flubirten unb2(nbre unterrid)teten, war oet= JHcjcanbctncr 201 fd)ont geblieben unb ging ccffc unter Eturelian’S Otegierung butd) bürgerliche Untu= fjen ju ©runbe. Die äSibliotfjef in ©etapion erhielt ftcE) bis auf bie Beiten Sl)eobo= ftuS beS ©rofen. Diefer tief alte heibnifd)e Sempel im ganzen romifdjen Oieidtje jerfloren, unb aud) bet tjerrtidje Stempel beS Supiter ©etapiS warb nicht verfdjont, ein mutfenber >£)aufe fanatifrfjer ©hriften, unter Einführung ihres ©tjbifd). Sf)eo= boftuS, (türmte unb verheerte if)n. SSei biefcm ©türme, fagt man, warb bieSSU bliothef theilS verbrannt, theilS jerflort, unb bet ©efd)id)tfd)teiber Droft'uS (gegen (Snbe beS 4. Safth-) faf) nur nod) bie teeren ©djrdnfe. 9jtitl)in waren eS djrifllic^e (Barbaren unb nicht Elraber unter Dmat, wie gewöhnlich gefagt wirb, welche ben SBiffenfdjaften biefen unetfefjlichen (Bertujt jufugten. Die alepanbrinifche (8iblio= thef umfafte bie gefammte gtiecf)ifche unb romifche Literatur, von ber wir nur noch einjelne Stummer beftfsen. SSei ber Sfjeitung beS tömifefen ÄaiferthumS f'am Elgppten mit El. an baS motgenldnbifd)e Seid). 640 nahmen eS bieElraber in (8e= ft'h; ber Äh«lif Stotawafel (845) (teilte SSibliotheE unb Elfabemte wiebet her, aber fd)on 868 eroberten eS bie Surfen: bie ©tabt fanf immer mehr, befielt jebodf) einen bluhenben fljanbel, bis $u ©nbe beS 15. Sah^h- bie (Portugiefett ben 5öeg jur ©ee nad) Dfiinbien fanben. — Das jefeige El. fleht nicht mehr auf bemlBoben beS alten, von bem Nichts übrig ijt als ein ©dulengang in bet Stahe beSSl)orS,baSnad) Sofette führt, baS fübojtl. Elmphitheater, bie Stabel ober berDbeliSf ber Äleopatra (vom (pafd)a bem Äönig von ©nglanb gefchenft; bie SOtaffe von 400,000 (Pf. i(t aber jut (Berfchiffung jufchwet) unb bie 88 g. 6 B. h°f) c ^ompcjuSfaulc, welche nad) ber (Behauptung eines engl. 9teifenben.(„Memoirs relating to european and asiatic Turkey, by Robert Walpole", 1817) von einem ©tattf)alter ElgpptenS, > (PompejuS, ju (5hren Äaifer Diocletian’S errichtet würbe. Das auf berfelben be= ftnblid) gewefene ©tanbbilb ju (Pfetbe ijt nid)t mehr vorhanben. Die ©tabt hat jefet 2 ©itabellen unb 2 .fjdfen, wovon ber wefttidje beffete ben chtifilicfeert ©d)if= fern gefperrt ijt. (Bot beiben Epdfen liegt bie Jpalbinfel gcrillon, bie Snfcl (PharoS mit benSrümmern beS (Ptotemdifd)en 2eud)ttburmS. (©. (PharuS.) Xt bet Storbfpijse bet ©tbäunge liegt baS gort Elbuf ir (f. b.). Die ©tabt hatte fonjt 300,000, jefet 12,600 ©inw. in 3132 .£>. Jpier ijt ber ©ife eines (Patriarchen unb einer Elffecutansfammer. Der ©anal von Samaniel), von Äaf)ira nad) El. (10 Steilen), warb vom (Bicefonig Stohammeb Elli (Pafcha hergejiellt unb b. 26. San. 1820 juerjt befahren. Daburd). hat Et.S Raubet fehr jugenommett. 1824 famen hier 1290 ©dfiffe an, baruntcr 606 ojtr., 1199 ftnb abgegangen, ©ne ©genthümlichfeit beS neuern El. ftnb bie vielen $unbe, welche wie in Äahira unb Äonjiantinopel frei herumlaufen unb fehr wilb ftnb. Ellepanbttner, (Berfe, bie.'auS 6 iambifdhen güfjen beftehen unb in bet Stifte-als charafterijtifd)e ©genfdjaft, woburch fte ftd) von bem wed)felreid)en, harmonifchenunb erhabenen Srimeterunterfcheiben, einen ©nfchnitt haben, j. (8. „Umfonft feätt bie SSernunft | baS fd)tvad)e ©teuer an." Sh« jtrenge ©nformigfeit wirb ermübenb, wenn nid)t ein befonberS feines Dhr bie gebet beS Dichters leitet, unb fte waren befhalb bei ben Deutfd)en in ber lefeten #alfte beS vorigen Saf)rb. ganglicf), wiewol über bie ©ebuhr, in (Bercuf gefotm men. ©eit ©othe aber haben mehre neuere Dichter fte wieber ju ©hten gebracht, fobaf man, ohne ©nfeitigfeit, ben Ellepanbrinern einen (Pla| unter ben (BerSarten beutfdher Dichtfunjt nicht wohl verweigern fann. Die gtanjofen bagegen ftnb für baS ©poS unb Drama allein auf biefen (BerS befchrdnft, ber bei ihnen aud) ber hetoifdfe beifit. Den Samen Eflepanbrinet hat bie (BerSart von einem alten franj, Oiitterroman auf Ellepanber b. ©tofen aus b. Stifte beS 12. ober Einfange beS 13. Sahrf)., in weldhem biefe (BerSart juerjt gebraucht würbe. (©. g r a n $ 6 f U f dft e SO o e f i e.) Ellepanbrinet, Stitglieber ber Ellepanbrinifch en ©cf)ule(f. b.). 202 2ttejeanbrinifd)er (Sobep Xlepanbrtnifcfye ©dfttle Hflepanbrintfcbet ßobep, eine für bie biblifdje HritiE fefjc Wichtige ■fjanbfdjrift, roeldje ft'dj im britifdjen Plufeum beftnbet. ©ie ifi auf Pergament mit Unciaifcfjrift ohne ©piritu« unbXcente, aller SBafjrfdjeintidjEeit nad) tn ber jmeiten .fjälfte be« 6. 3af)rt). gcfdjttefeeit unb entfjdtt in 4 goliobbn. bie ganje gtiedfj. Sibel (ba« X Sefl. nad) ber Übetf bet ©eptuaginta) nebfl ben Sriefen be« römifdjen Sifdjof« Giemen«, bat aber im 91. Sefl. 3 ©efecte. Sn ben ©oange= lien bat fte einen anbern Sept al« in ben übrigen Südjern. ©et conflantinopo= litanifebe Patriarch ©prittu« 2ucari«, meidbet biefe ©anbfebrift 1628 bem Honig Hart I. al« ©efdjenE überfenbete, »erftdjette, fetbige au« jfgppten erbaiten ju ba= ben; unb bap fte bafelbfl mirflidj gefdijrieben rootben fei, ergibt fxcf> audE) au« an= bern SJterfmaien. £>6 ft'e aber gerabe au« Xepanbtien (babet eben ibt 9lame) flamme, lagt fid) nidjt mit ©emipbeit entfebeiben. 3ob- ©tnfl ©rabe legte ibn bei feinet Xt«g. ber ©eptuaginta (£)pforb 1707 — 20, Sot., 4 Sbe.) jum ©runbe. ©inen »ollfldnbigen unb biplomatifdb = treuen Jfbbrud be« 9leuen Sejlament« bat SBoibe (2onb. 1786, gol.) geliefert, unb #enrp Jpemep Sab ec bat ein ©leicbe« in •fjinfidjt be« Xten SEeft. (2onb. 1816 fg., gol.) begonnen. — ©iefe berühmte ^anbfebrift gebürte fdjon feit 1098 ju bem Sücberfdjafce be« Patriarchen non Xepanbria. 2fm mid)tigf!en ijl ber SEcjet, ben fte bietet, für bie HritiE ber Sriefe be« 91. &., ba offenbar bie Urfcbrift, melcbe ber ©opifl bei ben ©oangelien »or ft'dj batte, meit fcfjledjter mar. ©ie 3 erjlen Abteilungen enthalten bie atep. Übetfefc. be« X £., bie 4. ba« 91. S. in ber Utfptacbe, ba« SDBoibe 1786 ju 2onbon mit 9 f lad)= abmtmg ber Sippen in gotio bat brucEen taffen, naebbem Xtbre fd)on einjelrte SEbeilc ber ^anbfd)rift bemtfct batten. 2£lepanbrintfdje ©cbule. X« bie fdjüne Slütbe ber gtiedbifeben ©idbtEunft, meldje bie SJlitbe be« $immel« betoorgccufett batte, babingemelft mar, fudfjte man burdj Hunfl ju erfegen, ma« bie 9latur nicht mehr freimillig bar* bot. Xepanbtia in Ägppten marb »on ben funffliebenben Ptolemäern jum ©i§ ber ©elebrfamEeit gemad)t unb gab biefem Zeitalter ber Hünfle unb SBiffenfdjaften ben 9famen be« A t e p a n b r i n i f cb e n. ptolemdu« Pbitabctpbu« legte hier nicht nur jene berühmte SibliotbeE an (bie gropte unb foftbatfle im Altertljume, meldje eine SDlenge »on ©elebrten au« allen 2<5nbern babin jog), fonbern fliftete auch ba« Plufeum, ba« mit Siecht al« bie erfle AEabemie ber SBifTenfdjaften unb Hünfle betrachtetmerben Eann. (Sg.1. Atepanbria.) Am midjtigflen unter biefen ©elebrten ftnb bie ©rammatiEer unb ©irfjter. Sette aber maren nidjt blope ©pradjlebeet ober ©pradjforfdjer, fonbern Philologen unb 2iteratoren, bieebem fomol ©adjen al« SSBorte crElarten unb barum eine 2frt »on ©ncpElopdbijlen ge= nannt merben fonnen. ©oldbe maren Benobotu« ber ©pbefter, ber bie erfle gram= matifebe ©djule ju Alepanbtien bilbete, ©ratoflbene« ber ©prener, Xiflopbane« non Spjanj, Ariflardj »on ©amotbrace, Hrate« »on Plallu«, ©ionpft'u« bet Sbracier, Apolloniu« ber ©opbifl, unb Bo'ilu«. Sb* 23etbienfl ifl, mitnereinter Hraft bie »orbanbenen ©enfmdler ber ©ultut unb 2iteratur gefammelt, geprüft, beurteilt unb für bie folgenben ©efdjtedjtec auf6emabrt ju haben. — Unter bie ©idjter geboten Apolloniu« ber Slbobier, 2pEopbron, Aratu«, 9liEattber, ©u= pbotion, Hallimadju«, SbeoErit, Pbileta«, PbanoEle«, Simon ber Pbliafter, ©cpmnu«, ©ionpftu«, unb 7 SragiEer, meldje man ba« alepanbrinifdje ©ieben= geflirn (Plejaben) nannte, ©a« alepanbtinifdje Beitatter bat einen »on bem frühem burebau« »ergebenen ©eifl unb ©barafter. Sei berXtfmerffamEeit, melcbe man bem ©tubium ber ©praefje roibmete, mar e«natürlidj, bap SlidjtigEeit, Sleinbcit unb SierlidjEeit betfelbett jum befonbern XgenmerE gemadjt mürben, unb mitflidj jeidjnen ftdj in biefen ©igenfdjaften mehre Xepanbtiner »ortbeilbaft au«. 2Ba« aber Eein ©tubium gibt unb ma« butdj feine Plübe errungen mitb, ber ©eifl, metdjer bie frühere Poefte ber ©riechen befeelte, mangelte ben meiflen bieferSBerfe. 203 2Clejtanbrinifd)e @d)ule 2fn beffen ©teile tcat grögete Äunft in ber ©ompofttion; Äritif [elfte teilen, ma« »orhet ba« ©enie geleistet hatte. Sa« ober l>iep ba« Unmögliche »erlangen. 9iut in Einigen regte ft'cf> bet ©eniuS, unb btefe ragen barum auch Jjtog für ihre Seit f)er= »or. Sie ‘flnbetn leifteten, ma« ftch burdt) Äritif unb Stubiitm leiften lügt; ihre vielleicht fehlerhaften SBerfe finb nüchtern, ohne «Seele unb Sehen. Senft man ftch nun eine Sid)terfchu(e, woc * n fol«he Steiftet Stuftet maren, fo begreift man leicht, bag bie «Schüler noch nüchterner unb mühfamer bitten muften. Sen gjtangel ber ©igenthümlichfeit fühlenb, SenSBertf) berfelben aber etfennenbunb batnach ringenb, famen fte um fo fchnellet ju bem fünfte, mo alle fPoefte erffarrt. ShteÄritif artete inÄrittelei, ihre&unft in Äünftelei aus. 9Kan hafchte nach bem Seitfamen, 9feuen, unb fuchte burch ©elehrfamfeit aufjupufcen. Setgtö= gere SEheil ber 2flepanbriner, meiftenS Sichter unb ©rammattfer jugleich, ftnb ba= herfteife, genielofe unb müfjfctige SSerSfünftler. 2fber nicht blog in djinftebt ber Sichter rebet man »on einer alepanbrinifchen Schule, fonbern auch in [Mnftd)t ber fPh'kfophen, meldje in ba« alepanbtinifche Seitalter gehörten unb in jflepans brien lebten, miemol jener EfuSbrucf nicht alljtt ftteng ju nehmen iff. Sa« ®e= meinfame ift allein biefeS, bag ftch in Eftepanbrien SrientaliSmuS unb occibentali= fdjc q>hilofopf)tc berührten, unb baff fyet im ©anjen ein SJefireben nach SSereini* gung miberftreitenber fPhitofopheme herrfdjenb matb, mepfjalb man bie alepanbtU nifdhen ^hüofophen, bie jenem SEriebe be« Sammeln« unb SöereinigenS folgten, auch oft efleftifdje fPhilofophen ober Spfretiften genannt hot. Snbeg gilt biefot Sätet boch nicht von allen, ©ine hernortretenbe 9teif)e »on fPhtlofophen bitbeten bort bie ffteuplatonifer, meldje, ben ffeptifchen 2Beg ber neuern Jlfabemie aufgebenb, spiato mit ben orientalifchen 3fnft«hten in engere SSerbinbung ju fe|en fugten. 3« ben altern fjfeuplatonifern gehört fdgon bet 5ube fPhilo aus 2(lepanbrien (f. b.)„ Sm 1. unb 2. Sahrl). nach ©gr. würben ^Plato unb JlriffoteleS (Teigig commentirt unb jufammengefietlt. Riechet gehört 2fmmoniuS ber fPeripatetifer, beffen Schüler fPlutardg »on ©garonea mar. Sie eigentliche neuptatonifche Schule aber, bie »on jttepanbrien auSgtng, mürbe am ©nbe beS 2. Sahtf). nach ©)t\ gefiiftet »on 3fm= moniuS aus Sflepanbrien (um 193 nach ©gt.), beffen Schüler fpiotin unb £)ri= genes au« Sflcpanbrien mären. (S. ffteup latonif er.) Selbft meifiSrientalen, mit griechifcher SSilbung genährt, «erratgen fte in bem ©eifie ihrer Schriften (j. 35. 2fmmoniu8 SaccaS, fPlotinu«, Samblidgu«, fPotpgptiuS) am ftärfften bie mun= berbate SOTifdgung orientalifcger unb occibentalifcher ©lemente, beren 2lmalgama= tionSfiatte 2f leranbtien burch ben Urfprung feiner ©inmohner mie burch feine Sage unb feinen [>anbe(S»etfeht gemorben mar. Srientalifd)e Sgeofophie mit griechifcher Siaieftif »erbinbenb, gemann igte ^h'tofopgie bebeutenben ©tnflug auf bie 2frt, mie ba« ©hrifTenthum in 3fgppten aufgefaft unb gelehrt mürbe. Sie »otjüglichflen gnoflifchen Spfteme maren ju Eflepanbrien auSgebilbet motben (»gl. © n o fi S), bie angefehenften Sehter an ber gleichseitig mit bem ©flefticiSmu« bafelbjt entfianbenen unbblügenben dgtifilichen .ft ate cg eten feg ule (f. b ) hatten ben ©eift biefer pf)i= lofophie eingefogen, bie heftigften fReligionSfireitigfeiten bemegten bie atepanbrinU fdfje Äirche, bi« »on ihr im Äampfe mit bem ?(rianiSmu« burch 3(tganafiuS baS *Princip bet Stabilität ortgoboper ©laubenSbeftimmungen auSging. 2f£>er aud) gtoge 9Katgematifer, mie ©uflibe«, ber fßater ber miffenfchaftlichen ©eometrie, 3(polloniuS au« fPetga in ^ampgüien, »on bem ein 5Berf über bie .ftegelfcgnitte »orhanbenift, 9Ttfomacl)u«, ber erfre miffcnfdjaftliche Efrithmetifer, 2(ftronomen, meldhe bie ägpptifdje ^»ieroglpphif jur föejeidjnung ber nörblichen *^immel8fphare anmenbeten unb bie noch jefet geltenben 93itber unb fJTamen ber gipfterngruppen be= ftimmten, aftronomifche Schriften, mie ©ratofthene« feine ÄatafleriSmen, 2fta= tu« feine ^hönomena, ein Sef)rgcbidf)t, SKenetauS feine Spfatica, unb »otjttglid) ber ©eograph ^tolemüu« (f. b.) feine „Magna syntaxis" hinterliegen unb bie 204 2tteptaner 2(tepiöf>ab Si)code beS ©alenberS wcrbeffcctcn, bic von ihnen in ben Sulianifdjen ©atenber Ü6et= ging; Naturforfcher, Anatomen, rote -£)etopE)iluS imb ©rafiftratuS; 2frjtc ttnb SBunbarjte, roie 2)emoftl)encS fPfjilaletheS, bet baS ccftc SSBerf übet bie 3f«gen= franfheiten fd)tieb; bie Nhijotomen SopptuS unb .KratevaS, roeld)e bie^)i)annn= ceutif etroeitertenunb©egengifte etfanben; mebicinifcf)eSogmatiferunb©mpitifet, beten ©efte fPhiltnuS ftiftete; 2cf>rev ber 2Crjnei£unbc, roeldjen JlSflepiabeS, @o= ranuS unb ©alenuS ihre 25ilbung verbanden, gesotten ju bem jaf)treid>en, aud) unter romifdjet dperrfchaft nod) fortbefie()enben unb von ben römifdjen Äaifetn be= günfiigten ©elehrtenverein, bet 2llepanbrien }u einem ber berül)mfe|fen unb ein= flußretchfien ©ifse bet 3öiffenfd)aften im 3Tltettf)ume mad)te. Das befieSSBetf übet bie ©eieijtfamfeit in 2Clepanbtien ift bie fPteiSfcßrift von Sab. SOfatter: „Essai hist, sur Fecole d’AIcxandrie" (fPariS 1819, 2 Sf)ie.). 3Ueptaner, f. 23rüberfd)aften. fiepet fPcttomitfd), ber dltefte©ot>n3tror(PeterS beS ©roßenunb ber ©ubopia £apud)in, geb. ju NtoSfau b. 18. Sehr. 1690, jeigte ftd> als geinb unb SBiberfachct ber von feinem 23atet getroffenen Neuerungen, roetdjer ifjn beßhalb ju enterben befdjloß. 11 . leijtete aud) roiltig auf bie .Krone 23erjid)t unb erftdrte bem 23ater, errooiie ein Ntönd) roerben; als aber ^etcr feine peile Steife angetreten hatte, cntflol) et 1717, unter bem 23orroanbe, ju feinem föater p reifen, berifp p ftcf) befdjieben f)dttc, nacf) 2Bien unb von ba nach Neapel. 2luf fPeterS ®ef)eiß unb überrebet burd) ben ©arbefjauptm. Numjanjoff unb ben ©el;eimenratf) Solftop, bie fPeter beßhal6 an ben roiener .fjof gefd)icft hatte, feinte er jroat ptücf; allein ber erprntc i3aat betrachtete jenen Schritt als ein NtajeffatS verbreiten, enterbte feinen ©ohtt 2llepei butcß b. Ufas v. 2. gebt. 1718, unb ba bei näherer Unterfiu cfyung beffen geheimer (Plan, bennod)bie Sljronfolge perlangen, entbecft routbe, fo lief ernid)tnur alle nahe unb entfernte SSfjeitnefjmer beffelbcn hinrichten ober fonft (trafen, fonbern aud) feinen eignen ©oßn pm Sobe veatrtfjeilen unb il)m baS SobeSurtfjeil votlefen. 144 9fid)ter fatten eS einftimmig auSgefprocßen. Obgleich bernfpeinjen halb nadjfjer bie SSegnabigung angefünbigt rourbe, fo hatte bod) bie erlittene 2Cngft unb ©emüthsberoegung fo üble folgen, baß er feßon in ben nad)ften 4 Sagen ftarb, ben 26. Sunt a. @t. 1718. ©r Unterließ von feiner ©emaßlin, ©fjarlotte ©htiffine ©oplfie, ^tinjefftn von SSraunfdjroeig = SBolfenbüttel, bie er fd)led)t beßanbelt hatte, geft. 1715, eine Sod)ter, bie 1728 ftarb, unb einen ©otp, nadjmaügen Äaifer 2)eter II. 2)ie3trt, roie ber 25rinä in Neapel entbecft routbe, crjaßlt Slttens in f. „Mem. d’uu voyageur qui se repose", III, 196. S3üfd)ing’S ©rphlung, baß ißn ber ©eneral SBeibe im ©efüngniß enthauptet habe, ijt gan& unverbürgt. 3l.’S Ntuttcr ftarb 1731. — ©buarb ©ehe in SteSben f>at biefen ©toff p einem Srauerfpiel bearbeitet, baS 1821 mit 25eifall auf bie S5üf>ne gebracht rourbe. 2flepiSbab im ©elfethal beS 2fnhalt=23ernburgifd)en, baS reichhaltigfte ©ifenbab m JDeutfdjlanb, beffen SBaffer aber feiten getrunfen roirb. 1811 erhielt cS ein fchöneS unb geräumiges SSabeßauS, mit herrlichen 2fnlagen in ber Umgebung, bie ben 23abegdjfen ©chatten unb .Kühlung gerodhren. ©S fehlt roeber ben Äran= fen an drjtlicher unb rounbdr$tlicher ^ülfe, an einer Sntenbanj, bie für alles Nb= tl)ige forgt, nod) 25enen, bie baS 25ab nur 23ergnügenS halber befuchen, an alfcr- Iei Zeitvertreib, bie Sagb felbft-nicht auSgefd)loffen. 2lm guße beS JparjeS gibt cS fehr romantifdje ©pajiergdnge, j. 25. nach bem Nonbel am ©cfjroefelberge auf ei= net auSfpringenben Älippe, nad)bem nahen ^abichtjtein, nad) bem aus Ntarmor gebauten ^)arperobe, bem roilben Ntdgbefprung mitten jroifchen ©ifenf)ütten unb bet SeufelSmühle auf bem Nambetg, enblich nad) bem ©d)loffe 23allenjtabt, bem in ber gerne fchon fteunblidjen ©tolberg unb nad) bet S5utg galfenftein auf einem gelfen von ©rauroaefe. 23gl. ©ottfchalf unb ©utfce: „2)aS2(lepiSbab" ($atle 1819). 3ttejuu§ ÄomnenuS Elften 205 2CIerttt§ ÄomnenuS, f. Äomnenen. 2tIft eri (SBittorio, ©raf), eine l)°b e unb eble Statur, bie ftd) butd) eigne Äraft entmicfelte, einem rcürbigeti Siele entgegenrang unb in allen jöethaltniffen beS Sehens ftcf) rein erhielt »on ben felbftfücßtigen unb niebrigen S3etrie6en bet SBelt, geigt uns in 21. nicht bloft einen eigentümlichen unb geistreichen Sichter, fonbern auch «inen ungleich großem 9Kenfd)cn. SSon reichen unb »ornehmen 2fltern 1749 ju 2lfti in Piemont geboren, genoß 21. im »üterlichen Tarife eine ©rjiehung, ttjie fie bamalS unter ben h^h ctr n ©tünben gemohnltd) mar, unb meld)e ben ©eift fo unmiffenb als baS dßerj unauSgebilbet ließ, ©ein £>beim unb SSormunb glaubte beffer für ihn ju forgen, menn er ihn auf ber turiner 2lfabemie unterrichten ließ. 2lllein 21. felbft hten ^erjen, bis er enblid) bie Freiheit errang unb nun lebhafter als je baS 33ebürfniß nach ©eifteStßütigfeit fühlte, ©in früherer bramatifcher Sterfud), ju bem ihn bie Sangemeile getrieben, füllt ihm in bie •fßanbe, unb er glaubt eine Stimme in feinem Snnerften ju »etnehmen, bie ihm bie bramatifd)e Sidjtfunft unb feine SSeftimmung anjeigt. ©r geht fogleicf) ans SBcrf; fein erfter SSerfud) mirb mit un»erbientem ffieifall gefront, unb er »erpflid)tet ftd) in einem 2flter »ott faum 27 Stohren gegen ftd) felbft, 2fl(eS baranju fegen, ein tragifd)er ©id)ter ju merben. 2lber jegt, ba et feine Prüfte unb SJlittet ju biefem neuen SSerufe prüft, tritt ihm in ihrer gangen ©roße feine Unmiffenheit »or 2fugen. ©r begann fogteid) in einem fd)on reifen 2flter mit ben erften ©lementen; er ftubirte junücßft lateinifd) unb toScanifd), ju melchem ©nbe er felbft nad) SoScana ging. 2fuf biefet Steife lernte er bie ©rüftn »on 2flbanp (f. b.), bie ©emahlin beS engl. *Pratenbenten, geb. ©rüftn »on ©totberg, fennen, an bie ihn halb eine eble unb unauSlöfd)tid)e Siebe fettete. 2fn ihr fanb fein ^etj einen mürbigett ©egenftanb, mie ihn fein ©eift in ber JDicßtfunft gefunben hatte. 33on nttn an rang er mit raftlofem ©ifer nach bem bid)terifd)en Sorbet, um ihr ju gefallen, ihrer roürbig gtt fein, beten 2ld)tmtg unb Siebe allein SSertf) für it)n hatte. Um »ollig frei unb unabhängig auf ber betretenen S3al)n forfgehen ju fottnen, gerbradf) er auch bie legten SSanbe, bie tgn an fein SSaterlanb fnüpften. ©r fdjenftc ju bem ©nbe fein ganjeS fßermbgen gegen eine müßige Stente feiner ©eßmefter. 3egt lebte er abmed)felnb in Sloteng unb inSvom unb »ollenbete 14 SEragobien, ju benen fpüter, gleid)fam miber feinen SSillen, nod) einige hinjttfamen. £>ie mibermürtigen ©cßicffalc feiner »erehrten Sreunbin hatten oft feine Stuhe geftort; biefer qualoollen Sage machte ber SEob ihres ©emahlS ein ©nbe. SSeibe lebten »on nun an in bem innigften unb utijertrenm lid)ften Sßerl)ültniß. ©ie allein, in ber er ©rfaft für eine Söelt fanb, früftigte 206 Xffteri unb befeuerte feinen ©eift. @r lebte abroccfjfctnb mit if)c im ©(faß unb in fPatiS, unabläfftg mit ber Sicßtfunjt unb ber XtSfeilung unb Verausgabe feiner SBetfe (bei Sibot unb 33eaumard;aiS) befd;äftigt. Unterbeß brachen bie Unruhen in Stanf; reich auS. ©ein ebleS, allein für wahre Sreiheit begeijterteS ©emüti) mußte baS SEtugbilb berfelben, bem bie Diebotution l;utbigte, mit 2fbfcf>eu unb 33ecad;tung betrachten. (5t »erlief bal;er aus SBiberwillen gtanfreich unb ging nach ©nglanb. DZur burch baS ftete Sailen ber 2ljft'gnate gezwungen, fehrte ec nach 'Paris jucücf, erjürnt, bie heilige ©ad;e ber Sreifeit »on feeoeinben Vdnben gefchdnbet ju fehen, unb'burchauS unfähig ju geifiigen Arbeiten. Siefe ©emüthSfolter ertrug er bis ge= gen baS ©nbe beS Xtg. 1792, wo ec burch bie Slud)t aus ^DariS eben nod; ben gräßlichen ©eptemberfeenen entging. ©r »erlot feine Sucher unb ben größten £f)eit ber eben bei Sibot in 5 Sbn. »ollenbeten 2fuög. feiner SEtagöbien. ©eitbem lebte er mit feiner unjertrennlichen ©efähttin in glorenj; bie 3tuf)e fehrte, wenigftenS periobifd;, ju ihm jucücf; er nahm .feine gewohnten Xbciten wieber »or, fdjrieb feine ©atpren unb 6 Äomöbien unb ffubirte in ben lebten fahren bie gtiechifcbe ©prache, mit beten Sid;tmi er eeft befannt würbe, als er feine Saufbahn bereits »ollenbet hatte. Bitten unter biefen Arbeiten ftarb er am 8. Set. 1803. ©eine Tffche bedt in ber heil. ätreuäficd)e ju Slotenj, wo fte jwifdfjen DKacd;ia»elli unb SKichel Xtgelo ruht, ein fdjöneS Senfmal »on,©ano»a.— X hat fleh als bra= matifcher Sichter in 3 »etfd;iebenen ©attungen »erfucht; wir beft'ben »on ihm 21 SEragöbien, 6 Äomöbien unb eine fogenannte SEramelogöbie. Xlle feine Sfßerfe in biefer ©attung ftnb jeboef; nur als Sefirebungen eines großen ©eifieS anjufehen, ber ftd; in feinem wahren SBitfuttgSfceife »ergriffen hat. Überbruß an Müßiggang unb ein innerer Srang, ftd; heröorjuthun, machten X jum Sid;ter; er, ber feiten bie SKittelffraße ging, fonnte fid; unmöglich bei einer 33efcf;äftigung, auf bie er fein ganjeS Seben ju wenben befdjloß, bie SJJittelmäßigfeit jum 3iel fegen, ©r fpricht eS »ielmehr nid;t unbeutlid; aus, baß fein hohes Sefireben bahin gehe, ftd> in ber bramatifchen Äunfi, welche bis auf ihn in feinem Saterlanbe nod; »er= nachläfft'gt war, jenen unfierblidjen Sftciffern beS ©efangeS beijugefellen, welche Stalien befigt. ©t rang nach biefern Sorbet mit hofjec Äcaft, unb fo eble ©igen= fd;aften entwaffnen ben bittern SEabel, ber bem ÜJlißlingen in ber Äunft wol fonjl ju folgen pflegt, ©c war wütbig ju erreichen, was er nicht erreichen fonnte. ©ntrüfiet über bie ©ntartung feiner geitgenoffen, tiefen 2fbfd)eu gegen ben SefpotiSmuS im floljen, freien, leibenfchaftlid;ett Vet}en tragenb, war X »iel mehr politifd) als poetifd; begeifiert. Bitten in einer erniebrigten Umgebung wollte er .Kraft, SOtuti) unb greil;eitsft'nn in .bie erfd)lafften ©emüther haud)en, aber eS fehlen ihm um wütbig, ftd; baju ber fchmeidjelnben Äünfie ber Diebe ju bebienen, er entfagte geflif fentlid; allem ©d;mucf, unb wollte burch Vofyeit ber ©ebanfen, burd) fraftoolle Äürje unb mämtlid;en ©rnfi gefallen; aber er »ergaß, baß ec bamit ben wefentli* d)en ©igenfehaften beS SicfjferS entfagte. ©eine SEragöbien ftnb fdjroff unb fiarr, bie üfnlage bis jut Sürftigfeit einfad;, ber SSetS hart unb ungefällig; bie ©prache entbehrt burchauS jenes }auberifd;en SarbenglanjeS, woburd; allein ber Sichter baS innerfte ©emüth aufregt. Sennod; ifi er Italiens erfier SEragifer unb hat allen nad;folgenben jum Süufter gebient. SBac X’S ©eift in feiner Sugenbblüthe }u fpröbe für bie SEragöbie, fo mußte er notljwenbig ©chiffbrud; leiben, als er fleh in feinem Xter, wo längft bie füße SEäufdjung beS SebenS »or feiner ©eele gefd;wum ben war unb bie naefte SBitflidjfeit in ihrer traurigen Xmfeligfeit »or feinen 2Cu= gen lag, in ber üomöbie »erfud;te, bie ohne leichten SIBih unb heitern ©cherj »ö(= lig erftarrt. 3(ud; in ber Äomöbie hat er eine burchauS ernfte, meiffenS politifcfe Dlichtung; bie ©rft'nbung ift leer, bie SSerwicfetung ohne alles Sntereffe, bie ©ha= raftere ftnb, wie in ber Ütagöbie, nur allgemeine Umrijfe, ohne 3nbi»ibualitüt; fo jtehen bie äfomöbien noch weit unter ben SEragöbien unb ftnb feines hohen ©ei* 207 2Ctfort Sflfceb bet ©rope fte« nid)t wücbig. dagegen palten wir für ba« gelungenfte unter alten bramattfcpen SBerEen 3f.'e ben „21bel", welchen er, um ipm einen feiner ©eltfamfeit angemeffe* nen feltfamen 9tamen ju geben, eine (Eramelogdbie nannte. 2t., ber guerft biefe Swittergattung jwifcpen ber SEtagobie unb ber Spet erfanb, tjatte ftd) oorge* nommen, 6 ©tücfe in berfelben ju liefern. Z.’ä am freieften in ben ©ptremen ftctj bewegenber ©eift befanb fiep 1)'« in feinet ©ppdte, unb wenn bie ©attung über* paupt vor bet Äritit befielen fann, fo mad)en ©rftnbung unb 2fu«füprung ben „2fbe(" unleugbar ju einem fcpönen Sid)terwer!e. jfupet biefen bramatifcpen Sri* ginalwetfen beftpen wir oon Z. ein cpifcfjeS ©ebfcpt in 4 ®ef., mepre Iprifcpe ©es bicpte, 16 ©atpren, unb poetifd;e Überf. oon SEerenj, SBirgil unb einigen ©tücten be« 2tfd>i;lu8, ©oppof le«, ©utipibe« unb 2friftopt)aneg. 9tacp f. SEobc erfcpienen ber „Stiifogallo", ein Senfmal feine« granjofenpaffe«, unb f. ©elbftbiograpfiie (beutfcp, ßeipj. 1812,2 SEpte., unb „Seitgen.", 1829, 2), bie un« bie ganje ©i= gentpümlicpfeit biefe« Spanne« oor 2fugen legt, ©eine fdmmtl. SBetfe erfcpienen ju fPabua unb 85re«cia, 1809 u. 1810, 37 S3be. M. 2CIfort, ©d)(ojj im Separt. ber ©eine, 2 ©tunben t>on fPati«, mit einer feit 1767 für bie SEpieratjneifunbe unb für bie Sanbwirtpfcpaft nad; SSourgelot’« 3)(an angelegten ©djule, mit einem botanifcpen ©arten unb reicher 9taturalien= fammlung, joologifd)em $Epeater,35ibliotpef, einem©abinet ber oergleid). 2fnatomie unb ber fpatpologie. Sa« ©cplop t>at eine 2fu«ftd)t auf bie ©eine unb bie 9Jtarne unb liegt jwifcpen ber parifer ©trape nad) ©Campagne unb jener nad) Sourgogne. Sie erfte Sirection erpielt ©pabert; ©ilbcrt folgte ipm. ffupetbie* fen machten fiep al« Sekret bort berüpmt SSicq b’ffjpr, Saubenton, gourctot), glanbrin, ©irarb, Sepui« unb ber jepige Sirector $ujarb. — Ser botanifcpe ©arten ift fcpon unb pftanjenreicf), bie ©taltungen für bie franfen SEpiere finb jWedmäpig angelegt. 9locp ftnbet ftd) bort, auper anbern lanbtoirtpfcpaftlicpen 2fnftalten, eine SOJetinoö = unb eine ©afcpemir = Siegenpeetbe, enblicf) ein Tlmppi* tpeater, in welchem bie Soglinge in ber SEpietarjneifunbe unb Sanbwirtpfcpaft Un* terridjt empfangen, ©ine ppbraulifd)e C5?afd)ine »on Terrier öerft'et>t jeben Sweig be« Snftitut« mit pinreid)enbem SBaffer. 2£tfrcb bet ©rofje, Äonig oon ©nglanb (geb. 849, geft. 900), be* flieg ben engtifcfjen SEpron 872, ju einet Seit, al« bie Saiten ober (Jtormdnner, bie fcpon feit 787 ben ©ngldnbern furchtbar waren, itjre ©roberungen unb 33er* w ft (langen in biefem £anbe immer weiter verbreiteten, 'ff. fdmpfte gegen fte, anfang« nidfjt mit ©lücf, unb fcplop S3ergleid)e, bie aber nid)t oon itjnen gepalten würben, ©r mupte verbleibet flücpten unb ftanb über ein Sapr lang bei einem ©cpd* fcr im Sienfle. Sn biefem Suftanbe fann er barauf, fein 33aterlanb ju befreien, ©t erfupr, bap feine Untertpanen fiep gegen ipre geinbe rüfleten, gab ipnen baper oon feinem ÜCufentpalte 9lacpricpt unb jog über bie SSerfaffung, in ber fiep bie Sdnen befanben, felbjl Äunbfd)aft ein. ©t begab ftep ndmlid), al« $arfenfpieler verbleibet, in ba« Säger be« Ädnig« ©utprum, unb ba er waprnapm, bap bie Sdnen ftd) einer völligen ©ieperpeit forglo« überliepen, eilte er ju feinem .fjeete, ffellte ftep an beffen ©pipe unb erfodjt einen fo oollfommenen ©ieg, bap bie geinbe um grieben baten, ©r gejlattete ben nod) im Sanbe beftnblid;en Sdnen fid) anju* bauen; boep mupten fte fowol al« ipr Ädnig ba« ©priflcntpum annepmen. Sept legte Z. gelungen an unb übte eiuen SEpeil feiner Untertpanen in ben Süaffen, wdprenb er burep bie anbern ben ffeferbau betreiben liep. Sugleid) tpetlfe er ba« Äonigreid) in ©raffepaften (©pireS) u. f. w., woburep et bie offentlicpe ©ieperpeit befejligte. Sonbott erpob er jur ^auptflabt be« 9leid)«, pielt bafelbjt jdprlid; 2 SHal bie allgemeine ©tdnbeoerfammlung unb legte überpaupt ben ©runb 5 U bet britifd)en greipeit. Son Seit ju Seit fud)ten inbep neue ©d;wdrme oon Sdnen in fein Sanb einjubreepen; Z. liep baper ©djiffe erbauen unb oerpinbette bamit 208 Wgarbt 2CCgarotti bie Sanbungen bet Sünen. 2(ußetbem forgte et für niedre 33ilbung feiner Untertan; nen butcg ©efege unb Unterricht. (5t lief p bem ©nbe bie ©efege feiner SSorfagren pfammentragen unb »ermegrte fte, überfegte felbfl bie (pfalmen, bie 'iifopifcgen ga= bete unba. ©griffen in bie angelfacgfifcge©pracge,unb (egte eine@cgulepSpfotb an. Surcg wertrauten Umgang mit ben gebilbetften Scannern feiner .Seit erwarb et ficg »tele Äenntniffe, »erglicg bie »etfcgiebenen 9facgricgten, bie er »on ignen einjog, unb mußte fte bei feinem ©cgarfftnnc unb feiner Äluggeit gut p benugen. 3gm bleibt befonbetg bag aSerbienft, p ©ngtanbg ©ecmacgt ben ©tunb gelegt p gaben. Senn er lief juerft ©cgiffe ober^oictmegr ©aleeren bauen, bie 609?uber gatten unb nocg einmal fo flatf waren alb bie größten »orger gebrauch lid; gewefenen ©d)iffe. 3fucg »eranftaitete er ©ntbecfunggreifen nacg bem Sorbett unb tng baltifcge STfeer, beten Sfefultate er in feiner Übetfegung beb Sroftub erjagIt. ©. b. „Seben 3flfr. b. ©r.", »on gr. £eop. @r. p ©tolberg (fünfter 1815), unb ,,©efcg.20fr. b. ©r." attb Surner’b „©efig. b. 2(ngelfacgfen", überf. ». D. Soreng (Hamburg 1828). 3flgarbt (Jliepanber), 83ilbgauer, flammte aub einer angefegenengamüic p 83ologna. 3n ber 2Habemie beb £obo»tco ©aracci gebtlbef, farn er, 20 3- olt, nacg SJtantua, wo er ©egenftanbe in SJfenge fanb, an welcgen er füg im SO?obel= Uten üben fonnte. Ser ajerfucg, ©iulio Stomano’g berügmte ©emalbe im (Pa= lafte beb T plaffifcg nacgpagmen, war allein ginreicgenb, feinen ©tubien eine falfdje Svibgtung ju geben unbign, bet nur in fleinen Lobelien für ©olbfcgmiebe ficg »etfucgen fonnte, »om Stecgten abpfügren. ©ein Jfunjfeifer trieb ign 1625 über SSenebig nadj 9fom. ©mpfegtungen beb -fjeijogb »on SJfantua brachten ign in SSetbinbung mit bem ©arb. 2ubo»ifi, 9Jepoten beb ^apfieb ©regor XV., beleben bie ^Jracgt ber ©alluftifcgen ©arten bureg S3auten unb S3ilbwetfe gerfiellen lief. SSei igm fanb 2f. S5efd)aftigung ibuteg ^etfiellung alter SSJfarmorwerfe (j. SS. eineb Sfttercur, berjßeifall fanb) unb bitrd) ©tfegaffung neuer. 2Bid)tiger war, baß er butcg'ben ©atb. mit f. Sanbbmanne Somenicgino in engere 2Serbin= bttttg fam. 50fobelle in Söad;b unb für ©olbarbeiter, unb ©rgänpngen alter SfBerfe, bie »iel nacg granfreieg gingen, mußten bamalb feinen gebenbbebatf fttgern. ©rft bie ©tatue ber g. SDfagbalena für @.=@il»eftro auf bem Suirinal braegte ign in ben 9iuf, baß er aud; p großem Arbeiten gefegieft fei. 3mmet befannter unb »on ©atbinülen unb gürfien befegäftigt, fuegte ign ber franjof. -^of nacg ^artS p jie= gen. Sod) fojlete eg bem gürfien ^amftli wenig SDiüge, ign bleibenb an 9tom p binben. -£>ier flarb.er, 52 3. alt, am 10. 3«ni 1654. 3n ber Äircge @.=©io* »attni be SSologneft liegt er begraben. 2(m berügmtejien unter f. SBerfen iji f. glucgt beö 2fttila, ein aSagrelief in SJlarmot mit lebensgroßen giguren, baS in ber ^eteräfirege über bem 3fltar beg g. Seo bie 3lufmerffamfeit ber Äunfifrettnbe an= jiegt. S3ei allen aSorjügen biefer Arbeit, namentlich in ber richtigen Seicgnung fraftöoller giguren, bemerft man pgletcg fein SSeftreben, malerifcge SEBirfung ger= »orpbringen, unb wie SSernini, »on beffen geglern er jeboeg nocg entfernt war, glekgfam in SDiatmor p malen, alfo ben©influß ber ©aracci’fcgen ©dgule. ©eine Jfinber, bureg berbere gormen auggejeiegnet unb fonaeg ber 2fntife nüger jfegenb, werben benen beg ÖueSnop beinage gleicg gefegagt; ja fein ©cglafgott »on nero antico in ber aSilla Söorggefe gat oft für alt gelten müffen. Sag SSaSrelief, bie glucgt beg 2fttila, ifi oft unb plegt in ©icognara’g „Storia della scoltura" in Tupfer gefioegen. 19 . 3Ugarotti (graneegeo, ©vaf), geb. p 3Senebig am 11. Sec. 1712, ein Italien, ©cgriftfieller, ber bag ©tubium ber ernftern SBiffenfcgaften mit ber 3(ug= Übung bet Äünjfe »erbanb. ©r flubirte p 9fom, 8Senebig unb S3ologna »orjüglicß SKatgematif, ©eometrie, 3Tfironomie,.^gilofopgie unb ^)gpfff. Siefer legtern 525if= fenfegaft unb ber Anatomie wibmete er ficg mit ©orliebe. SBertcaitt mit ber latein. unb grieeg. ©pradie, wanbteergroßengleiß auf bietogcan. 59funb= unb ©djreibatt. ÄlgeBra 209 (? r fag giranfreicg, ©ngtanb, Sfuftanb, Seutfcgtanb, bic Sd)Weij unb alle be* beutenbe Stabte Stalienä. Sie [egten 10 Sagte feineg 2ebeng bracgte et in feinem 33atertanbe ju. 20$ 21jägrigcr Süngting fcfjrieb ec ju fßarig ben größten Sgeil f. „Neutonianismo per le donne", 1737, im ©efcgmacf bet „Pluralite des mondes" «on gontenetle, unb (egte baburd) ben ©tunb ju feinem Siugm. 35tg 1739 lebte 2f. abwecgfetnb halb in ^atig, batb in Citet; bei bet Sftatquife bu ©gä= telet, halb in Sonbon. Sann mad)te et mit £orb 33attimore eine Steife nad) *Pe= tergburg. 2fuf bem SKüdiwege befud)te etgriebtid; II., bet a(g Äronprinj in9lgeing= berg wognte. Set fPrinj fanb fo »iet ©efallen an igm, baf et ign nacg feiner Sgtonbefleigung ju ftcg rief unb ign nebjl feinet gamilie in ben ©rafenjlanb etgob, roetcge ©rnennung »on bem »enettanifdjen Senat betätigt würbe. 9licgt minbet fcgägte ign Äonig 2luguft III. non fpoten, t»eld)er igm ben ©gatafter eineg ©egei= menratgg beilegte. 2f. lebte mm abwecgfetnb ju Serlin unb Stegben, befonbecg am etjlern Stte, nacgbem et 1747 non gticbtid) II. ben Srben beg 93erbienfteg unb ben Äammergertnfcglüffel etgalten gatte. 1754 fegrte er in fein SSatetlanb jurüd, wo et anfangg ju SSenebig, nacgger gu 33otogna, unb feit 1762 gu fPifa wognte. .fjier ftatb et nacg langen gppocgonbtifcgen Selben 1764 an bet 2tuggeg= rung. Sen ©ntwutf ju feinem ©rabmal, weUgeg griebrid) II. auf bem Äiccggofe (campo santo) ju fPifa ercid)ten lief, gatte et felbft gemad)t. @t wirb in bet Sn= fcgrift, mit 33ejiegung auf feinen „Congresso di Citera" unb feinen „Neutonia- nismo' 1 , ein Stfebenbugler S»ib’g unb Scgület 9lewton’g genannt. 2f.’g Äennt= niffe waten weitumfaffenb unb in megten gädjetn gtünblicg. Sn bet SJtalerei unb 33aufunfl gegärte et ju ben groften Äcnnern in ©uropa. 93ie(e Äünflter finb um ter feinet fieitung gebilbet worben, ©r gcicgnete unb ägte mit uiel ©efcgicflicgfeit. Sn feinen SBerfen, welcge »on bem mannigfattigflen Sngatte ftnb, geigt ftcg 3St(s mit Scgatffinn gepaart; feine jPoefien gaben wenig Sicgtetfeuer, aber Diel 2fn= mutg, unb feine 33ciefe gegoren gu ben fcgonften in bet italienifcgen Spracge. Un= tec f. „Saggi sopra le belle arti" ftnb bie SJerfucge ftbec bie Malerei bie wicgtig= ften. Sie neuejle Sammlung feinet SBetfe ijl gu 33enebig 1791 — 94 in 17 83bn. ecfcgienen. Algebra. SJIan »erwecgfett oft bie2fugbtücfeAlgebra unb 2fnalpftg alg gleicgbebeutenb. Sie 2tnatpfig ijl bie allgemeine Sarflellung unb ©ntwicfetung bet Sufammenfegunggacten bet ©röfen buccg Olecgnung; bie Ägebta bagegen be= fcgtdnft ftcg auf ffietcacgtung bet ©leicgungen (fpmbotifcge gormeln jener S3ecbin= bung) unb ©ntwicfelung beg Sefanntett aug bem Unbefannten »ermitfetj! betfelben; bag Snjlrument (ober, nacg bet obigen ©rftdrung, bie ©tammatif), beffen fte ftd) bagubebient, liefertbie33ucgflabenrecgnung. Sie20gebra (nacg igrem S3er= breiter ©ebt, einem Araber, bet im 9. Sngcg- gu Seoilla lebte, — bie ctjle St;lbe ijl bet arab. 2frtifet — benannt) ijl bager, nacg 33egout’g ©rftdrung, eine Spraye, in welcge man gewiffe gegebene Säge übertragt, biefetben giernddjft ben Spracgtegeln, bie bie S3ucgfiabentecgnung fennen legrt, gemäg »erbinbet, unb fo, buteg ©ntgifferung bet Siefuttate biefet 93etbinbung, gu 33eflimmungen gelangt, welcge ftd) auf jebem anbetn 5Bege fegwet) ja tn eingetnen gällen gar niegt er= langen laffen würben. Söenn}. 33. »erlangt wirb, aug bem gegebenen Unterfcgiebe jweiet Belgien unb bem Unterfcgiebe igret Suabrate bte Sagten felbjf ju ftnben, fo begegnet bet 2((gebraifl in feinet Spracge ben etjletn jener Unterfcgiebe etwa mita, ben legtetn mit b, bie beiben ju ftnbenben unbefannten Sagten aber mit x unb y , unb jlellt nun bie SJetation jwifd)en bem ©egebenen unb bem ju ginben= ben unter bet ©ejlalt x-— y=a, unbx 1 —bat. Sa x 2 — y 2 , fägrt ec fort in feiner Spracge ju fpreegen, = (x-f-y). (x — y), fo wirb x-j-ynz:—, ci ®on».=2et. Siebente Ituft. 33b. I. f 14 210 SClgefem unb bernnad), butd) tfbbition unb ©ubtraction, x==—unby=:— welches atfo ber allgemeine TfuSbtud; für biefe Aufgabe ifi, in ber, für beftimmtc Sülle, fiatt a unb b nur bie cntfpredjenben Baglroertlje fubftituirt werben bütfen, um ben §ugcf)6dgenSSetcag »on x unb y fogleid) jtt fjaben. — SaS altefie befannte 3Betf über Algebra, welches mir hefigen, ift »on SiopfjantuS «uS 2C(eranbtien. (Sie befte 2CuSgabe betäBerfe biefeä ©comcterS, melier nad) ber gewöhnlichen COteinung im 4 Sahtl). gelebt hat, ift bie ju Souloufe, 1670, Sol-, mit einem ©ont= mentat »on Bärget unb 2(nmerf. »on Setmat) Snbef »erbanft ©uropa feine 1 erfie Befanntfcgaft mit biefet 2Biffenfd)aft nicht bem 2((etanbriner, fonbern, gleid) einem gtofen Steile feiner übrigen Äenntnijfe, ben Arabern, wie fdgon ber 9tame bejeugt. Sie Araber brachten ifjre Algebra nad) ©panien, »on mo fte ben 3Beg nad) Stetlien fanb. COtan bann ben bamaligen Umfang biefer Äenntnip aus beS BucaS be Burgo fancti ©epulcti SBerfe: „Summa ile aritlimctica, geometria, proportioni e proportion alitä" (Benebig 1494), fennen lernen. Sartaglia »on BreScia, ©arbanuS »on 50?aitanb unb Sertati »on Bologna finb ferner auSge= jeiegnete tarnen unter ben italien. 2flgebraifien biefeS Zeitalters. — Sn Seutfd)= lanb mar bie Tllgebra in ber erften Raffte bcS 16. Sagrg. ebenfalls fd)on »orgerüd't, roooott COtid). ©tifel’S, fPtofeff. bet COiatgem. äuSena, SBerf: „Arithmetica in- tegra cuni praef. Melanchthonis" (fUütnb. 1544, 4), ben beutlid)fien Beweis ablegt. Sn ©nglanb traten ftd) um bie namlidie Zeit OJecotbe, in Stanfteid) )Pe(e= ( tatiuS als 2f(gebraiften t)er»or; gtofie Bereicherungen aber erhielt biefe SBiffew fd)aft nachher butd) Bieta, 9?equetenmei|ier bei bet Ä'onigin SHavgaretge »on Sran!= reid) (ft. 1603), unb ben ©nglanbet Patriot (ft. 1631),. an melcfje ftd), mit glan= jenbem ©rfolge, bet nieberlanb. 9Jtatf)ematifer3(lbert®iratb (um 1630) anfd)lieft. ^iernacbft traten SeScarteS (f. b.) unb Setmat, fParlementSratg $u Sou-- loufe, geft. 1664, als gemanbte Älgebraiften auf, unb ber große 9temt on (f. b.) gab f. „Arithmetica universalis". ©leicgjeitig mit il)m etmatb fid) unfer Seibnig SBerbienfte um einzelne Seiten ber Algebra; nad) it)m jeiegneten ftd) befonbetS CD?ac=Bautin unb ©uler butd) ifjre Beteuerungen aud) biefeS SdjeileS ber ma= tgemat. SBiffenfdjaften auf baS tüfmlicffte aus. Sn ben neueften Beiten ift unun= terbroegen an ber weitern 2(uSbilbung ber 2flgebra gearbeitet morben. SQBir nennen Sambett, b’Jflembert, Sagtange, Sjanam, ©aunberfon, ©lairaut, ©oufüt, ( Sempelgof, Äaftner, Bejout, ©auf u. 2(. Sie Algebra rnaegt eS allein mog= lid), weitläufige unb jum Sgeil l)öd)ft »ermittelte Betgaltniffe ju überfein. Siefe Sprache, welche in it>rer meitefien 2luSbegnung ben Statuen ber matgem. TlnalpftS füljrt, unterfegeibet ftd) »on allen anbern ©praegen, bie mefjr ober t»eni= get baS ©eprage beS BufallS unb ber menfd)lid)en Unöollfommengeit an fiel) tra= gen, fo »ortgeilgaft, baf bie (egtern faum eine Bergleid)ung mit igr auSgalten. Sie Beftimmtgeit, fPtacifton, Äfirje unb 2(llgemeinf)eit ber 2flgebta ifi namlicg fo groß, baf man gewögnlicg eine gegebene Stage nur butd) bie algebtaifcge Be= jeidmungSart auSjubrütfen braud)t, um fofort nid)t nur bie gefud)te Antwort fetbfi, fonbern nod) auferbem eine grofe Sfnjagl anbrer, nid)t minber intereffanter unb jumeilcn gar nidgt geagnter SBagrgeiten ju erhalten. — Sn Dtofentgal’S „©net)-- flop. ber matgem. fffiiffenfd)." (1,44) ftnbet man ein Berjeicgnif ber algebraifcfett ©cfyriften. Sie mid)tigfien ftnb: SSBiebeburg, „Über baS ©tubium bet tflgebra" ' (Senal775); ©ulet’S „tflgebra", »onBernoulli in’SSran}. überf, u. m. ?(nm. »on Sagrange, ©ine neue (empfel)tenSmertl)e) tluSgabe biefer Überfegung erfefien ju Spon 1795, 2 S3be. Bagrange'S Bufage gat Äaufler befonberS überfegt, Stanf= furt a. COt. 1796. Unter ben altern Bcl)tbücf)ern jeidjnct ftd) beS tieffinnigen . COtac = Baurin’S „Treatise of algehra" (2. 3(uSg., Bonbon 1756) burd) @rünb= j licfjfeit unb Seutiidffeit aus. Beifpiele unb ©rlauterungcn ftnbet man in ©autt= e i i 2C(gen 3T(i 211 betfott’S „Elements of algebra" (Eambtibge 1740, 2 S5be., 4. ; fcangof. burcf) Sancourt, 2(mfterbam 1756). Elairaut’S „Algebra", bic juerjl 1746 herauSfam, ijt mehrmals aufgelegt, neuerlich in 2 (Bbn. non ßacroij;, mit 2 (nmerf. oon Sagrange unb Saplace (beutfcf) »on 2RpliuS, 1752; 2. 2luSg. »on Sempelf)of, 1778, mit ßufägen). Sie beutfdfjen Set)tbud)er oon Segnet, Ääflner, Sempel= tjof, (PaSquid) unb 2(nbern finb befannt. Anfängern ijl ju empfehlen (Buffe’S „ßjrfler Unterricht in ber aigebr. 2(uflöfung atitf>m. unb geometr. 2(ufgab." (Seffau 1782, 2 (Bbe.). — (Bcjout tjat bie 2 figebta in ber 2 . 2 (btl)ei(. feineg trefflichen SBerfS : „Cours des mathematiques a Zusage de la marine et de Tartillerie" (2. 2fufl. burcf) (Peprarb, (Paris 1800), gut Borgetragen. 2fucf) enthalt bet etfle (Bb. Bon (Bega’S „(Borlefungen über bie 9Ratf)ematif" (3. 2fufl., SBien 1802) eine grünbl. 2(nteit. jur gern. (Rechenfunfl unb 2f(gebra. — Eine nortreffl. aigebr. „Seifpielfammlung" hat gegeben SReiet Hü'fd) (2. 2CufI., (Berlin 1811). D.N. 2ügen. (Kenn (PflanjenfaftinS (Baffer fommt, fo fann eS einzige, wie ber ^Oflanjenfaft in ber Suft ein (Pits werben. Sie SReetalgen ffnbgtojjer, fefier unb beffet gejigltet als bie jflgen im fugen (Baffer. 2(1 le organifche @ubflan$en, welche ins (Baffer fallen, oerwanbeln fiel) in @cf)teimfnollen ober gäben, bie oft fehr fein beginnen. 2(uch im SOTeete gibt eS (Bafferfäben. Sie SReerwurjler heifen Sange. ©ie finb breite, Biele Ellen lange, braunfcfjwärjlidje, auf ©tein ober Holj mit einem Enbe feftflgenbe (Bänber. 2(n fehr (eichten SReetufetn werfen bie ©türme biefen Sang in gtofen 502affen ans Sanb. Äluge Uferbewohner benugten läng fl biefen Sang halb jum Äelpbrennen, halb jum Sünger, unb Betmehrten ba= burcf) bie gtueftbarfeit ihrer 2(der. (Rocf) flügcce trodnen jegt ben Sang an ben Äüfien Bon Seutfd)lanb unb Sanemarf, brefefjen ben ©taub aus unb nugen if)n bann auf 3af)re flatt ber gebern unb Saunen in (Betten, (üRatragen unb ©igdffen. 33iS in bie 3RitteSeutfcf)lanbS unb in berSeoante nugt man fchon biefeEntbedung, aber noch nicht in Englanb, beffen fowie ©chottlanbS Äüflen fo reich anldgen finb, ausgenommen jum Äelpbtennen unb tut 3Rifcf)unq Bon Sünqetben. 2ügtet, f. (BarbareSfen. 2(lt, (Pafcf)a BonSanina (Sepeleni), ber fühnfle unb Berfchlagenfle Dies bell gegen bie Pforte, für fein Sanb ein fluget unb tf)ätiger (Regent, als Ätieget entfchloffen unb tapfer, als SRenfcf) ein Seufel. ©ein an ftd) benfwürbigeS Sehen gibt juglcich ein fßilb Bon bem guflanbe beS türfifd)en (Reichs unboon bem ©d)id= fale EkiecfentanbS. ©eb.ju Sepeleni in Albanien 1744, aus bem ©efd)led)te ber Häuptlinge eines unabhängigen mohammebanifchen ©tammeS, ber Socjiben, ber Enfel eines Bon ber Pforte ernannten (Bei), fdfwang ftd) 2(. aus einem 21 b= grunbe Bon Unglüd burcf) auferorbentliche ©eifleSflärfe unb Sijl, bie Bor feinet ©efafjr wie Bor feinem (Berbtechen jutüdwief), auf ben ©ipfel fürjtlicber Unab= hängigfeit, ©einem (Batet hatten bie benachbarten fpafefen fafl alle (Bergungen entriffen. (Rad) beffen Sobe flellte ben 16jäl)tigen 2f. feine SRutter, eine ftiegeti=, fd)e unb graufame 2(lbaneferin, an bie ©pige ihrer 2fn()änger. Er würbe gefd)la= gen unb gefangen, aber feine ©d) 6 nf)ett unb Sebf)aftigfeit rührten ben Äutb (Pafcfja fo, bajj er ihn nad) einer 3 üd)tigung wiebet entlief. (Balb griff 2 (. aufSneueju ben (Baffen unb trieb (Räuberei, war aber fo unglücflid), bafj et in bie ©ebirge floh, wo er, um nicht ju oethungent, feinen ©dbel Berpfänbete. Sn biefem Suflanbe rieth ihm feine SRutter mit floljer (Berad)tung: ec folle einen (Beiber= tod anjiehen unb im Harem bienen. Sarauf 50 g er abermals auf Ätieg unb (Beute aus. Sod) gänjlid) gefd)lagen, Berbarg er ftd) in einem eingefallenen ©ebäube, wo er, über fein ©d)idjat brütenb, ohne ju wiffen, was ertfjat, bie Erbe mit einem ©tode aufwühlte. Sa flieg er auf etwas Hartes unb fanb ein Äiflchen mit ©olb. SRit biefem ©d)agc warb er 2000 5R., erfodjt hierauf feinen erjlen ©ieg unb fehrte im Stiumph nad) Sepeleni jurüd. ©eitbem war er fortbatternb 14 * 212 Xfi glüdlkf), aber aud) ebenfo treulos unb graufam. Xn Sage feiner Siftcffeljr et» morbete er feinen ©ruber, bem er ©errütherci ©d)ulb gab, unb fperrte bann feine CNutter, als ob fte ben Grmorbeten »ergiftet fjabe, ins Ratern, wo fte halb »or Schmer} unb SButf) ftarb. Nun trieb X fein Näuberfjanbwerf fort, »erfof)nte fid) jebod) mit ber Pforte, inbem er ben rebellifd)en ©eftr »on ©cutari beftegen half, unb bemächtigte fid) ber feinem ©ater entriffenen Sänbereien, fottrie einiger gried)ifcf)en Stabte. darauf überfiel er ben ber Pforte »erfaßten fPafcßa Selim »on Seloino unb lief if)n enthaupten, wofür er beffen Nachfolger würbe. Gnblid) ernannte ißn ber Si»an, auf ben er burd) ©ejdedjung großen Ginfluß fyatte, jum Statthalter beS Ser»enbgi spafeßa, ber für bie Sicherheit ber Sanbfdraßen'forgen muß; allein fdatt bie öffentliche (Sicherheit ßerjufdellen, »erfaufte X ben reichten Näufcerhauptteuten großßertlidjeSiplome unb fdempette fte baimtch }u redjtmdfii» gen Gröberem. Nun fegte jwar bie Pforte ben Ser»enbgi *Pafd)a unb feinen Stell» Vertreter ab, allein X erfaufte aufs neue bie ©unfd ber »ornehmfden Ndinifder. Xtcß leifdete er mit feinen tapferitXbanefcn, obgleich er mit bem gürfden *Pqtemfin in geheimem SSriefwechfel fdanb, ber Pforte im Kriege mit Nußlanb unb Öfdreid) (1787 fg.) fo wefentlicße Sienfde, baß ihn bie Pforte junt fPafcßa »on Sricala in Sßeffalien ernannte. Bugleich bemächtigte er fid) bet Stabt Sanina, inbem er einen untergefchobenen girrnan »orjeigte, ber ihm bie Stabt mit ber Gitabelle über» gab, worauf er bie Ginwoßnet $wang, eine ©ittfeßrift an ben Sultan }u unter» jeießnen, baß er ihnen X jum Statthalter geben mochte. Begleich mußten fte eine große Summe ©elbeS aufbringen, womit X ben Si»an befdaeß, ber hierauf baS ©efttch bewilligte. Späterhin trat er mit ©onaparte in ©erbinbung, ber ihm Ingenieurs feßiefte, bie feine gelungen bauten; als aber biefer in jfgppten abge» fcfjnitten war, überfiel X 1798 bie ehemals »enetianifdien, nunmehr franj. fpiäge auf bet Küfde «on Xbanicn. Nur fP arg a (f. b.) leiftete glücfliehen SBiberfdanb. Sarauf bewirfte er, baß in bem ©ertrage jwifdjen Nußlanb unb bet Pforte, 1800, alle «cnetianifche fPlage auf bem fefden Sanbe (folglich aud) fParga) ber Pforte über» laffen würben, Samt warf et fid) auf bie tapfern Sulioten (f. b.) unb bejwang fte nad) 3jährigem Kampfe 1803. Sie Pforte erhob ihn jegt jurn Sberfdattßal» ter «on Nomanien, wo er fein GrpreffungSfpfdem mit nod) größerer Un«erfd)ämt» heit fortfegte. SamatS rächte er an ben Ginwoßnern «on ©atbifi eine feiner SDdutter «or 40 fahren jugefitgte ©eteibigung burd) bie Grmorbung «on 739 männlichen Nad)fommen ber feßon »etfdorbcnen Sßäter. Übrigens fah er im Innern feines SanbeS ftreng auf Ned)t unb Srbnung. GS ßerrfdjte Sicherheit unb Nuße, hanbftraßen würben gebaut, unb baS ©ewerbe blühte auf, fobaß bie europäifdjen Ncifcnben, mit benen X fid) gern unterhielt («gl. HitgßeS’S „Neifen in ®ried)en= lanb"), in ihm einen tßätigen unb einfid)tS«ollen Negenten erfannten. ©eit 1807, wo er abermals mit Napoleon,'ber ben Hm. e.fPouqueoille als ©eneralconfuljuißtn fdjicfte, in ©erbinbung trat, war feine Xßängigfeit «on ber Pforte nur fcheinbar. Snbeß erreichte er feinen Bwecf nicht, mittelft biefer ©erbinbung, im gtieben ju Silfit, fParga unb bie ionifeßen Snfeln ju erhalten; baf>er fnüpfte er mit ben Gng» länbern ©etbinbungen an unb bewilligte benfelben mehre ©ortheile, wofür ber *P forte (eigentlich aber bem X) bie Nitcfgabe «on fParga jugefdanben würbe. Sa» mals ließ er in feiner Bettung bruefen, baß Ndaitlanb (brit. Sorb Sbercommiffair ber ionifeßen Snfeln) burd) feine Gmpfehlung ben Srben beS wad)fenben NdonbeS «on ber Pforte erhalten habe. SBeil fid) X jegt in feiner 5Nad)t befefdigt glaubte, fo ließ er bie ÄapitaniS (f. b.) ber gtied). 2frmatolien, bie bisher ihm ©eifdanb geleifdet hatten, einjeln (barunter ben ©ater beS Heerführers SbpffeuS) meudtlingS ermorbeit, bie N?eud)elmotber aber umbringen, um nicht als 2(nfdifter »erbächtig ju werben. Gnblidj befd)loß bie Pforte 1820, ber ©dacht beS trogigen Gmpor» fommlingS ein Gnbe ju machen. SSmail fPafdjobep jog mit 0000Surfen, unter» 3friamt§ 213 jfügtoon ben Äapitani«, tuctdje itjm 10,000 50?. sufüf)tten, gegen ben fRebellen. Die ©tiefen umgingen bie Stellungen be« X in ben ©ebirggpdffen, fobaf er fid) mit ben S3anben feiner 2fni)dnger in bie mit Xlem reichlich »etfehene S3urg »on Snnina werfen mirfte. SSon Ijier au« fcfyojj er Sanina in 83ranb. 5pafd;obep hatte fein 23clagerung«gefchüg unb war bet Pforte, weit er bie ©htiffen ju pfiffe gerufen, »etbdchtig; bähet gab ffe bem ÄaoanoSogtu ben Dberbefeht. Dieferent= lief bie Äapitani« mit ihren ©djaren unter (»arten Drohungen unb swang fte jum ©rfag be« einem Surfen früher »on ihnen jugefügten föerlufte«. ©ie traten hierauf, sumat ba fie ben 2 fuf|ianb ber $etairia (f. b.) »orau«fahen, wieber auf X ’8 (Seite unb rücften gegen bie Surfen not Sanina in« Selb. Äa»ano«og!u fonnte baher 9?id;t« gegen ben Ofebetten au«richten. Der tapfere 33ebapafd;a aber, fein Sfachfotger, ftarb ptöglid; nad; bet ©innahme non 2frta, ba« 5Beli (X ’8 ©oljn) »ertheibigt hatte. 9fun sog ber wilbe, allen ©riechen »erl;afte, Ähurfchib, 5Pafd;a »on 50?otea, mit 12,000 50f. gegen bieS5urgj allein jebet ©türm würbe »on X ’8 tapfern ©d;aten abgefd;lagen, unb bie Äapitani«, »erfldrlt burcf» bie ©ulio= ten, überft'eten ba« tütfifche Säger. Sugleid; tief bie ^etairia ganj ©riechenlanb ju ben SBaffen. 9lun würben bie Surfen geswungen, fleh in bie feffen fpidge $u werfen, unb Ähutfdjib sog ftd) im Xtg. 1821 mit bem SRejle feine« ^)eete« au« ©pitu« nach 5D?acebonien surücf. Xlein bie Sftbanefcn, welche X mit teeren 5Ber= heifungen (»inhielt, »erliefen ben Sprannen. Ähurfchib ^>afdt»a fd;lof mit einem neuen $eere Sanina ein. Die ©riechen gaben X’« ©ad;e auf. Daher entfdjlof er fleh, »ielleid)t burch feine ©emahtin SBaftlifa, bie eine ©riechin war, basu übct= rebet, mit Ähurfchib su unterhandeln. X« nun biefer ihm ©ut unb Sehen eiblich Sufidjerte, fo übergab X am 1. gebt. 1822 fein ©dflof unb^esog feinen ©om= merpalaft im ©ee »on 3orgef>t, baß bet 2fngefcf)ulbigte jur Beit beS cm einem befitmmten Drte gefc^ef>encn Verbrechens an einem anbecn Dcte ftd) befunben fjabe, »on wo aus ec biefcö S3ecbred;en nicht »erübt haben bann: ein SSeweiS, welcher begreiflid) bie ganje Unterfucbung nieberfd;ldgt. Schlaue Verbrecher fueben ftef) im «orauS ben ©dE>ein eines 2flibi ju oerfdjaffen. 2(1 i c a n t e, ©tabt unb $«fen am mittelldnbifchen SKeece, mit 20,000 6., im fpanifd)en .Königreiche Valencia, mit einem ebematS fiavfen, feit bem fpan. ©rb= folgefriege oerfallenen ßafiell. Die ©eenationen ©uropaS haben biec fdmmttidj ©onfutn. Der oorjüglichfie 2(uSfuhtartifet ifl bec füßefffiein, weicher 2bticante, auch feiner bunfeln garbe wegen Vino SEinto genannt wirb, unb größtenteils nach ©nglanb gebt. Äart V. pflanzte ihn juerfi an, inbem ec Dieben »om Diheine hierher bringen tief. 2bticante ifi ber ©tapetpialj für raiencianifcfe ^Pcobucte unb eine ^auptnieberiage für ben Raubet jwifdßen Spanien unb Italien. 2bucb bat es Wiffenfchaftl. 2fnfialten für bie @df;ifffabrt. Alimente, bec Unterhalt, ber notbbürftige (alimenta naturalia), ber fianbeSmdßigc (alimenta civilia). Die gefeglicbe Verpflichtung baju entfiebt bauptfdd)licb aus bem dlterlid;en unb ehelichen Vechdltniß. Der Vater muß feine ehelichen unb abopttrten Äinber fianbeSgemdß, f. unehelichen Äinber jur 92othbutft alimentiren, bis fte ftch felbfi ernähren fönnen. 32äd)ft bem Sßater bat bie SJiutter, nadßfi biefec bie «elterlichen, unb entlieh haben bie mütterlichen 2ffcenbenten biefe Verpflichtung; bie 2lfcenbenten in $inft cf)t auf bie unebelid)en Äinber feboch nur bann, wenn fte ben Vater berfelben beerbt haben. Umgefehrt ftnb aber auch bie jfinber jur 2flimentation ihrer beburftigen 2fltern «erpflidgtetj ©begatten muffen ftch wdhrenb ber ©he erfobetlichen gallS gegenfeitig alimentiren, unb jwar ber ©h e; mann bie grau unbebingt auf fianbeSmdßige Sffieife. 2(ußecbem fann bie Verbinb= lichfeit ju 2flimenten aus Vertragen, Seftamenten, ©tiftungen, £ef)nS = unb fDfajoratSöerhaltniffen tc. entfpringen. 2niquot. ©in aliquoter SEbeil ein« ©röße heißt in ber SJfatbematif ein folcher, non weldjem ftd) in 3nf>fen (gebrodenen oberganjen) auSbtücfen laftt, wie «iet SJtal ec in bem ©anjen enthalten fei. Stehen 2 ©roßen gleicher 2frt in einem folgen SSerfjdltniffe ju einanber, baß bie f feinere fein aliquoter SEheil ber großem ifi, fo nennt man biefelben incommenfurabel (unmeßbat), weil eine ©töße burd) bie anbre meffen, überhaupt unb im firengfien ©inne nichts 2fnbreS heißt, als in Bahlen beflimmen, wie «iel SO?al bie eine in ber anbern liegt, ©ie heißen auch irra= tional (werhältnißloS), weil fte in feinem geometrifeben Vetfidltniffe ju einanber fiehen. Von biefer SSefchaffenheit ftnb j. SS. alle Dnabratwucsetn mwollfommenec £luabratjah(en (2, 3, 5, 6, 7, 8, 10, u. f. f.) Die ©eite eines DuabratS oon 8 D-uabcatjoll gldd)engef)att ifi burch bie ©inbeit beS SangenjolleS nidht genau ausmeßbar, ©ie fann nicht 3 Soll lang fein, bennbaSgdbe, mit ftd) felbfi mul* tiplicirt, fd)on 9 ßoll Snhnlt; fte fann aud) nicht 2 unb ein genau angeblicher SSruch fein, weil nad) bem Dbigen bie Sluabratwurjel aus 8 irrational ifi. Die wahrscheinliche Sfrrationalitdt beS ©icfelfidchengehälteS, b. h- bie Unmoglichfeit, ihn burch irgenb eine als gladjenmaß angenommene Duabrateinheit genau auSju= meffen, ifi u. b. 32. £luabratur beS ©itfelS jum ©prüd) wort geworben. (©..Kreis.) 2fifalt, »onÄali, bem arabifchen 32amen einer 9)flanje, aus beren2ffd)e eine 2frt ber alfalifchen ©ubfianjen gewonnen werben fann. Die 2flfalien ftnb folche Äotpec, weldße ftdh mit ben ©duren »eebinben, fobaß fte biefelben neutra= lift'ren ober ihre SBicfung aufheben, unb ©alje bamit heröorbringen. 2fcibitdt unb 2(lfalitdt ftnb beßhalb 2 correlatiüe 2(uSbrücfe einer unb berfelben SferbinbungS-- » t i 1 t tftfameneS 2Clfmene 215 art. (6. Acibitdt.) — Sie Atfatien formen in 3 ©affengeteilt werben. 1) 3n fotdfje, welche auS einer metallifchen S3afiö, mit Drogen «erbunben, beftetjen. Sic= fet finb 3: Änti, Patron, £itl)ion. 2) ©old)e, weld)e fein Sppgen enthalten, namticf) Ammoniaf (f!üd)tigeS 2fCfati). 3) ©oldjc, welche @atbon, Sppgenunb ^pbtogen, itnb mclleidjt aud) 2fjot enthalten, ndmtid) bie fPflanjenalfalien, beten ®lcnge vielleicht ebenfo grop fein mag als bie ber fPflanjenfduren. — Sie (Scben: Äalf, 23an;t unb ©trontian, tmttben von goutcrop ebenfalls ju ben AU falien gerechnet; non anbern (ühemifetn ftnb fte aber baoon getrennt unb alfalifdje Srben genannt worben. Auf et ber ffteutralifation unb ©aljbilbung haben bie 4 erfien Alfaltetytoch folgenbe eigenfd)aften: 1) ©ie machen viele purpuurotl)e unb blaue ^flanjenfatben grün, rottje purpurfarben, unb gelbe braun. 2Benn bie blaue garbe butd) eine ©dure gevotfjet ift, fo ff eilen bie Alfatien biefelbe triebet her. 2) ©ie beft'hen biefe ffßtrfung auch bann nod), trenn fte mit Äohlenfdute netbun-- ben ftnb, wobutd) fte ftch von ben alfalifd)en erben unterfd)eiben. 3) ©ie hüben einen fdjatfm unb utinofen ©efdjmacf. 4) ©ie afeen unb tofen tf)iecifd}e ©ttbjfam jcn auf, mit trcldjen fte ftch wie mit ben gelten im Allgemeinen fo wrbinben, baff fte neutral werben. 5) ©ie werben bei einer ftarfen Sfothgtühh'he verflüchtigt. 6) ©ie reibinbett fld; mit SBaffet in jebem föerhdltnip unb lofen ftd) auch teid)lid) im Alfohol auf. 7) ©ie bleiben auch in ihrer SSerbinbung mit Äohtenfdure nod) aufloSlid) in Sßaffer, wdhrcnb bie alfalifchen ©eben baburd) unlöslich werben. — Alfalimeter, ein Snfirument, btttch beffen ©tabe man bie SSfengc beS in ber fauflichen ©oba unb fPoftafdje beftnblid)en AlfaliS beffimmt, butch bie fDfenge «erbünnter ©chwefelfaure non befannter ©tdrfe, welche ein befümmteS ©ewidjt ber ftaglid)en ©ubjfanjen jut ©dttigung erfoberte. — Alfali fiten, ©ntwicfe= lung ber alfaltnifdjen ©igenfdjaften einer ©ubflanj. — Alf alitat, bet Inbegriff ber alfalmifchen ©igenfcpaften. Sie Alfalitdt eines AlfaliS ift beffo ffdrfer, je groper baS Suantum ©dure iff, baS fte neutralifiren fann. Ser ©egenfafc von Alfalitdt ift Acibitdt (f. b.). AlfametteS, f. Silbhaucrfunft. A lfm an, ein gried). Sichter, ©ohn eines fpartanifchen ©flavett, geh. ju ©atbeS in Spbien gegen 670 v. Ghr. Sr fdjeint groptentheitS in ©parta gelebt $u haben, wo et baS 33ürgcrred)t erhalten hatte. ©r fang <£vmnen, fpdaneunb anbre Iprifdje ©ebichte in borifdjer SJfunbart unb gab biefen holjem ©attungen ihre Äunftgeffalt. SßaS bavon übrig geblieben, h nt $• Sh- Sßelcfer gefammeft (©iepett 1815, 4.). Alfmdon, ©ohn beS Amphi«taus unb bet ©riphple (f. b.) von Ar= goS, nahm, jum Sberhaupte ber 7 Epigonen gewählt, Sheben ein unb verheerte eS. AIS er hierauf feines SSaterS S£ob, von biefem felbft bephalb befd)Woren, burd) ©tmorbttng feiner 5D2utter gerächt hatte, verfolgten ilm bie gurien, vonbenener, nach bem AuSfptucfe beS SrafeiS, erft bann ganjlich befreit werben füllte, wenn er in einem Sanbe ftch nieberliepe, baS barnalS, als feine SOfutter ihn oerfluchte, noch nidht £anb gewefen wate. ©t fanb feine 9iuhe enblid) auf einer feit furjcm ecft im gluffe AdjelouS cntffanbetten SfnFel, wo er bann bie Äallirrhoe, 5Eod)ter biefeS glupgotteS (mit föcrjlopung feiner oormaligen@emahlin Arfinoe), fjeirathete. Allein nid)t lange genop et biefe 3iuf)e, beim als er, um ben 2Qunfd) feinet ©e= mahlin gtt befricbigen, baS unglücffelige JpalSbanb ber ^armonia «on feinem erften ©d)Wiegeroater, bem ^rieftet ^5f>lcgett6, liftigermeife jurücfgeholt hatte, lief biefct ihn burd) feine il)m nad)gefenbeten ©ohne etmotben. Alfmar (^einrid)«.), f. 0feiitecfe (bergud;S). Alf mene, S£ochter beS 6leftrponunb©emahlinbeS Amphitruo, bemfteauS SupiterlS Umarmung, meldet fte liebte unb, fte ju tdufcfen, beS ©emahlS ©efralt angenommen hatte, ben ©ol)n ber breifachen SBunbcrnadit, ben SercutcS, gebar. 216 2HEof)ot Allegorie Alf 0 hol/ bcc von feinen waffetigen Thrilrn burch jtveimalige 25eftillatiort befreite BJeingeift. — Alfoholometer, ein mit ©raben verfeljener, gläferner, I)of)[er, an beiben ©nben t»erfcf)toffenet ©plinber. Sm beftiliirtcm SBaffet ft'nEt er bei einer Temperatur von 16° 9?. bis auf 0, unb im abfoluten Atfol>ol reicht er bis jur f>6dE)fien 2fbtf>eitung (100). Stimmt man baS fpeciftfche ©etuidjt beS SBafferS = 1,000 an, fo ift baSjenige beS AlfofolS = 0,731. Siebe 3wifd)enjal)l jeigt in bem geprüften Branntwein fo viel ^rocente von abfotutem Alfohol an, atS bic 3af)l über 0 ift. Alforan, f. Äoran. Alla Breve wirb ein Tonftüdi überfchtieben, in welchem bie halbe Stofe (brevis) einem Biertel im |»Tafte gleich ift, baS in einer boppelt fo gefchwinben Bewegung, als fonft bei eben ber Art Pfoten flattfmbet, vorgetragen werben foll, fobap eine ganje Taftnote fo gefchwinb wie fonft eine halbe, eine halbe fo gefchwinb wie fonft eine Biertelnote tc., gefpiclt wirb. Btan pflegt auch jur Bejeichnung biefcr Taftact ben Tonfiücfen ein Seichen vorjufe(sen, baS einem burdtjftridEjencrt C gletchfieht unb eigentlich einen burchftrichenen ©irfel votftellen foll; auch wol eine 2, grofe 2, ober 2 ober-f. ©ie ift aber eigentltd; vom Sweijweiteltaft ver» fchieben, ber oft auch Allabrevetaft genannt wirb, unbburch2unb (jj bezeichnet werben fann, wo bie Stotengeltung ihrer Bejeichnung vollfommen entfpricht. Übrigens bebient man ftch auch beS AuSbrucfS: Alla capella, burch welche Be» nennung man anbeutet, bap jwar bie Stotenftguren ihrer ©röpe nach eben biefelben ft'nb wie beim ©horalgefang, gleichwol nid)t choralmdpig, b. h- wie fte bie ©emeinbe in ber Jtirche fingt, fonbern lebhafter, fowie eS in ben ©apellen gewöhnlich ift, ausgeführt werben füllen. Allah/ im Arabien ber Stame ©ofteS, beS ©chöpfetS ber ganjen Statur, von weld;em Btohammeb fagt, er fei ber Sinjige, ber fein SBefen von ftch felbft habe, ihm fein 3tid)tS gleich in ber ganjen Steifje ber SSBefen; alle ©efchöpfe hatten baS ihnge oon ihm erhalten; er fei 25er, welcher Weber jeuge noch gejeugt worben fei. ©r ifl ber .fjetc ber Äötper» unb ©eifterwelt, beffen, als beS einjigen unb wahren ©otteS, Bereitung 9Jtof)ammeb als bie .fjauptlehre feiner Religion überall einfehdrft. 25aS SBort ift aus bem Artifel Al unb bem SBorte ©Iah jufammenge» fest, welches ben Berehrten unb ju Berehrenben bejeichnet unb ber ©Singular ju ©lohim ift. / AUe für ©inen unb ©inet für Alle (in solidum) heipt, wenn ftch mehre fPetfoneit ju einet Salbung ober fonftigen ßeiftung bergejtalt vecbinblicb machen, bap Sieber für baS ©anje haftet. 25ieS ift bei Berbinblid)feiten auS unerlaubten J3«nb(ungen immer, bei anbern Betfd)reibungen, weldje von Btehren gemeinfchaftlich auSgeftellt finb, nur bann ber Sali, wenn eS befonbctS ausgemacht ift, fonft bann ber ©laubiger Sieben nur für feinen Theil belangen. Sßen unter ben Berpflichteten ber ©Idubiger einer folibarifdtjen ©djulb juerft angreifen will, hangt von feiner 5Bal)l ab, ber Angegriffene aber behalt feinen Stücfanfprud) an bie Btitverpflichteten, bie er nötigen fann, bie Berpflichtung ju gleichen Tfjeilen mit ihm ju tragen. Allegorie (griechifch, von aXXo, anberS, unb uyoQuv, reben), eine £)at= ftellung, in welcher bie Seichen, burch welche man barfiellt, noch etwas AnbreS bebeuten füllen, als fte unmittelbar, b. i. nach ihrem gewöhnlichen ©ebtauch, unb abgefehen von ihrer befonbern Sufammenjtellung, anfünbigen. 25er fjertfcbenb ge» worbene ©ebraud) biefeS AuSbtucfS verlangt aber: 1) eine Berwanbtfchaft ober ©leichartigfeit biefeS verborgenen unb beS unmittelbar wahrnehmbaren ©inneS, welche beibe gleichfam parallel mit einanber fortlaufen müffen, benn fonft würbe auch bie Strome, in welcher burd) baS fPofttive an baS entgegengefe&te Stegative er» innert wirb, h>«^r gehören; 2) bie Äunft, burch ben vor Augen liegenben ©inn Attegorie 217 be$ Sargeffellten jenen verhüllten »ermittelfl biefer ©leidjartigfeit in bem ©es müt^e beS Anfdjauenben ft'cher $u etwecfen; welche Äunft um fo gröfjcr ift, je ftd}c= rer beim Anfcfauen be$ unmittelbar not Augen Siegenben (beS Silbe«) bie ihm ent= fptedjenbe bösere Sebeittung beS Sargeftellten, baS ibeate ©egenbilb, fiel) in bet ©nbilbungSfraft beS Attfcfauenben entfaltet, fobafi t>or bem flaren Anfcfauen beS gestern baS ßrfte allmalig junuftritt unb faft vetfcfwinbel. 3m Allgemeinen nennt man bafjer Allegorie jebe Sarftellung, in reeller ein ©egenftanb butef) einen af)n= lidjen ober verwanbten auSgebrücft wirb. Set vor Augen liegenbe Sinn ber Sat= * ftellung ifi geUüo£)nlid) ein ftnnlidjer ober Ijtfiodfcfjer (im weitern Sinne), meid)er auf ber natürlichen unb gewöhnlichen Sebeutung ber Seichen unb ihrer 3ufammen= ftellung beruht unb einen befonbern ©egenftanb, eine befonbete SEhatfache unb Segebenheit, fie fei nun wirklich gefdjehen ober werbe nur als gefchehen vorgeftellt, enthalt unb anfünbigt; bet verborgene unb bei bem Anfcfauen beS ßtflern fer= vortretenbe ©inn aber ein mehr geifiiger unb allgemeiner, weldjet über ein$elne gdlle unb 5Ehatfad)en, auf welche bie Sarftellung ftd) bezieht, hinausgeht unb in bem Äreife ber 3been unb allgemeinen Segtiffe liegt, hieraus leuchtet ein, war= ! um man jebe fchone Äunfi in gewiffem ©inne allegorifd) nennen fann — benn j baS feföne Äunftwerf will burd) befonbere flnnlicfe Seichen etwas ^dfeteS, 3bea= ! leS barftellen —, im ftrengen ©inn wirb aber Allegorie nur ein folcfjeö drseugnifs [ ber Äunft genannt, in welchem bie Mittel ber Sarftellung fo vetbunben finb, baß ^ fle bttrd) ihre Setbinbung einen hoppelten, b. i. einen befonbern unb einen allgemein nen, ©inn barftellen; welche hoppelte Sebeutung eines ftnnlicfen ©egenftanbeS ober einer SEfatfacfe allerbingS jugleid) eine ucfprünglicfe Serwanbtfcfaft beS S5e= fonbern unb Allgemeinen, ja ber 5Jfatur unb beS ©eifteS überhaupt vorauSfeft, vermöge wekfer baS ©inntiche für unS etwas ©eiftigeS bebeuten, unb bas Sbeale butd) etwa« SnbivibuelleS vorgeftellt werben fann. hieraus leud)tet ferner ein, warum man oft baS Allegorifdtje bem >£>iftorifd)en (in einem weitern ©inne genom= men) entgegenfeft, unb bann bie Allegorie ein ^>h att taftcbilb, eine fPhottafie (in objectiver Sebeutung) unb Sbealbarftellung vorjugSweife ju nennen pflegt. Senn obgleid) eS Sarftellungen geben fann, benen eine eigentliche hiftorifdje SEhatfache, b. i. eine >£>anbtung ober Segebenfeit aus bem Greife ber ®efd)id)te genommen, jum ©runbe gelegt ift, welcher man aber einen nod) hohem unb allgemeinem ©inn SU geben verfudjt hnt, fo h«t bod) theilS baS ©efd)id)tlid)e fdjon an unb für ftd) i felbft fo viele Sebeutung, bafj baffelbe, wenn eine allgemeine Seututtg feinen eigens thümlichen dharafter — aud) nicht ju serftoren pflegte, ben Slicf nod) fortbauernb || auf baS Sefonbere binjiefen würbe, woburch gugleid> ber Stvecf ber Allegorie, im ij ©innlidjen unb Sefonbern ein geiftigeS ©egenbilb, eine allgemeine SBaljrheit bar= Suftellen, verfefwinben müfte. Sähet baS Sefonbere, welche« ber Allegorie sum ! ©runbe liegen mujj, lieber unmittelbar ein ©egenftanb unb drjeugnif ber fcfaffen= ben ©nbilbungSfraft ift. dnblid) leuchtet auch ein, warum bie Allegorie nur in benfogenanntenrebenbenfünften, b. i. Serebtfamfeitunb Sicftfunft, unbunter j ben bilbenben nur in ber -Kalerei unb fPlaftif unb in ben mimifefen Äunften, • feineSwegS aber in ber SDtuftf unb Saufunft vorfommen fonne; benn nur bie ju= i erft genannten finb burch ihre SarftellungSmittel fdfig > einen hoppelten ©inn unb neben ber befonbern eine allgemeine Seutung ju enthüllen. Ser dh^mfter ber leftgenanntcn Äünfte aber ift fdfjon burch tf)rc SarftellungSmittel ein finnbilblicher; benn fte beuten, nad) ihrem reinften SBefen gebad)t, buedh eine geiftige Überein= ftimmung ber ©runbformen beS ©ichtbaren unb ^orbaren beS ÜJtenfdjen ibealeS, b. i. über bie SSirflicffeit hinauSgehenbeS, hnrnionifcfeS ©efühl unb Seben, unb jwar bie SRuftf baS innere Seben beS ©efüfl« burd) ben ihm verwanbten SEon, bie Saufunft aber baS duftere f)cttmonifd)e unb mit bem innern harmonirenbe Seben burch Srh^htttig unb 3bealiframg ber duftem Umgebung, frdftig, aber im Ser* 218 Megorie galtnifj ju bem SSegtiff, ju trelcgem ftd) Sßorte, tebcnbige ©efialten unb forpccltdje SSetregung burd) it>ve äufammenfiellung unb SBerbinbung ergeben taffen, nur bun= fei unb unbeutlicg an. 9?un gibt eg aber in ben erftgenannten fünften Sarfteliun= gen, beren ©egenftanbe fjifiortfrf? ffnb ober ber ©age angeboren, unb bennodg, unbefcgabet igrer giftorifchen ©elbfinnbigfeit, einen allgemeinen ©inn rerftatten, ober ftd), roie man fagt, allegotifcg erbldren taffen, ogne bie Allegorie ju bejtrecfen ( 5 . 33. ©rog, cjperculeg, 2fpollo). Snfofetn nun bei tiefen ber allgemeine ©inn gleid)fam aug bem 33efonbern non felbjt gerrorgegangen ift, bei bet Allegorie aber ber umgefegrte gall einjutreten fcgeint (man benfegiet an bie atlegorifcfen ?perfonen f einer 33ictoria, ©peg), infofern fegt man mietet tag Jfllegorifcge aucg bem ©pm= bolifcgen ober ©innbilblicgen entgegen, trelcge 2 (ugbtücfe in anbrer ^jinftcgt oft gleicgbebeutenb gebraud)t trerben (toie trenn man j. 33. ben Äünften überhaupt eine . allegorifd)e ober fpmbolifdje fftatur jufdjreibt). 2Cnbte beflimmen ben Unterfcfieb jtrifd)cn Allegorie unb ©pmbol trillfütlid) unb emfeitig fo, baf ft'e tag ©pmbol auf einen einjetnett ©egenftanb, ber aud) nod) fein felbftdnbigeg Äunfttrerf bilbef, befdjtanfen, unb mitgin unter ©pmbol ein Sekgen, trobutd) ein ©egenftanb ober SSegriff angebeutet trieb (j. 33. bie 85ejeid)nung beg gtiebeng burcg einen Dljtreig), unter einet fpmbolifd)en ©eftalt bie fPetfoniftcirung eineg 33egriffg rer (fegen, bie 2Megorie aber mcgr auf ein grofiereg ©anjeg ron ©eftalten unb 33ilbern bejiegen, butd> toeld)c, rertrebt ju einer ^anblung, bie nicht im Greife ber ©age ober ©e; fd)id)tc liegt, eine ft'nnrenoanbte SBagrgeit bargeftellt trirb. 9tad) tiefem Unter= t fcgiebe fann eine fpmbolifdje ©arftellung (j. 35. Ütafael’g fpmbolifefje ©eftalten ober allegorifcge (Petfonen ber Äluggeit, ©erecgtigfeit) fotnol für ficg beftefjen afg aucg einen SEtjeil ber Jfllcgorie augmad)en (j. 33. ©rog, ber auf bem Sbtuen reitet). Sn= beffen ift aud) bie Allegorie nid)t immer ein allcgorifd)eg ©anjeg ober ein befonbereg Äunffmetf, fonbetn ft'e fommt and) alg SEf>eil eineg Äunfitrerfg ror, unbjtuarin ber 9iebefuttfi unb (Poefle; infofern tritt fie ju ben rgetorifdjen giguten, nament= lief) ju ben Sitopen (f. b.) gerechnet, unb rott bet 3)tetapger, trelcge in ber Übertragung ähnlicher unb rertuanbfet ätorftellungen unb ©igenfd)aften auf df>n= lid)e ©egenftdnbc, fotrie in SJetfaufcgung berfelben befiegt, nur burch ihre 2 Cug= fül)rung unterfchieben, taget fie aud) öfters mit Ofecgt eine auggefügrte 2 )feta= pger heift- 4 >iet trirb ndmlid) ein SSitb ober ber dgttlidje ©egenftanb ftatt beg barjuftcllenben auggefügrt, intern aud) bie ^tebenrorftellungen unb ©igenfd)af= , ten beffelben ron jenem 33ilbe abgeleitet unb burd) ähnliche unb oertranbte ©igen* fd)aften biefeg S3itbeg auggebrüeft trerben. ©abei trirb norauggefefst, baf bag 1 bejeiegnenbe 33ilb beutlid)er unb ftdrfer ben ©egenftanb augfpreege, alg ber eigenfc liege 'dugbtucf, trelcgec für benfeiben rotganben ift. ©ine 'Allegorie biefer 2 lrt entgalten ©gaffpeare’g SBorte: ,,SD?it ift bet Äetd) gefüllt mit SBermufg big an benStanb", „2öen erfreuen bie 33(umen, trenn igte äButjel rerborrt ift?" 2(ud) gat biefe gigur, trie alle SStetapgern, nid)t blof itt bem Mangel ber 3fugbrücfe für getriffe ©egenftanbe, trie Cicero attfügrt, fonbetn noch megr in bem Drange eineg belebten ©cmütgg, feine ©mpftnbungen unb beren ©egenftanbe ftarf unb lebenbig augjubrüden, ober in bem SSergnügen, mcldjeg alle 33erg(eid)ung unb bie Übung einer rorjüglid)en 93erg(eicgunggfraft (3Sig) getrdgrt, igren rorjttg= , lid;en Urfprung. Sn jenem ©ränge ift bie tag ©efügl begleitcnbe ©inbilbungg-- fraft gefd)dftig, 1 ) bag ©eiftige ju rerforpern (biefeg bie eigentliche Sftetapget unb Allegorie); 2) bag Äorpetlicge ju beleben unb ju rergeifiigen, ober attd) 3) dgnlidje ©egenftanbe glckger ©pgdre ju rerbinben, ju rertaufegen unb bie 9?aturerfcgei= nungett perfonlid) barjuftellen ( 5 . 85. 2 turora), trotin bie breifache 2 frt ber 2 tlle^ gotie berugt. Sn bem betregten ©emütge aber ift bie 33ergleid)ung fo fd)nell, bie 2fnfd)auung fo lebgaft, baf bag 33ilb ober ber dgnlid)e ©egenftanb faft unrermerft an beg ju 3}erg(eid;enben ©teile tritt; babuteg trirb ber 2fttgbrucf felbft Eürjer, er= BUegorle 219 wecft btc a3etgleichungSfraft unb bert 5Bi| beS ßcfcrS bei bet SSorfleKung beS S3i(= be$, unb gewahrt baburd), wie fcpon überhaupt baS SSectaufctjen oerfdßebenet ©egenßdnbe oerwanbter ©phären beS SenfenS, ein gemiffeS Sßetgnügen, welches bie Harmonie unb (5in£;eit unferet SBorßetlungen überall begleitet, hieraus eri)el= len aud) bie «ßauptgrunbfdfce für ben ©ebraud) bet Allegorie als SErope in Siebe unb ©ebid)t. 1) Sie Allegorie gehört gunddjft bem bewegten Sußanbe an, in welkem 2fl£cS auf ben ©egenftanb bet ©emuthsbewegung bejogcn unb als ©igenfchaft, Ur= facfje ober SBitfung beffelben angefepen wirb, eine dngßlicpe SSergleid)ung aber ober eine ruhige ffietradßung, weiche, wie im ©leidfjni^, bie »erglicfjenen Singe einanber gegen&berßellt, unmöglich iß; 2) fte liebt ballet bie Äutje beS AuSbrucfS, unb ergreift 3) ßatt beS barjuftettenben ©egenftanbeä ein SSilb, welches ungefucßt benfelben nach feinem 5ßefen unb feiner ßBitfung fraftiger unb beutlicber als bet gemeine AuSbtucf beseidpnet unb im Übrigen nad) bet 5Bicf)tigfeit beS ©egenßam beS felbß ftd) richten muf. Sie Allegorie als felbßanbigeS ©anjeS ober befonbereS Äunßwerf bann nun auf ähnliche 50Beife unb auf jene breifad)e Art im ©roßen oet; fahren; bann aber ergibt ftd) juerft unb hauptfddßid) bie fd)Wietige goberung, baß ber barjußellenbe ©egenßanb unter ber fpülle beS auSgemalten SSilbeS leid)t unb bcutlici) hnworfchimtnere, unb bähet aud) oon bem gebilbeten «Sinne halb entbeeft werben muffe, ohne baß bod) jenes entweber eine ju große, j. 33. füßotifche 2Bid)tig= feit habe — woburep ber ©egenftanb felbfl oerbunfelt werben würbe — ober $u ge; mein fei, in welchem galle bas aftl)etifcl)e S3ergnügen aufgehoben werben raufte, ober enblid) baS -ßißorifd)e unb üfttßhifche mit bem Allegotifcljen oetmifclß werbe, unb baburd) jenes feine 33ebeutttng oetliere (wie j. 35. in ber ©alerie garnefe beS Annibale (üatacci); eine anbre bebeutenbe ©chwicrigfeit liegt in ber bibafttfepen Sfidßung, welche bie Allegorie leidß annimmt unb baburd) jur iProfa perabftnf t. Sennod) iß befannt, baß biefe Siicptung in S3erbinbung mit gewißen Umßdnben, in benen eS unmöglich ober unswetfmdßig war, bie SBaprpeit unoerpüllt ju fagen, welche im 35ilbe einbringlicher unb mit bem Sieije ber ©ch6npeit auftrat, bie etße unb paufigße SSeranlaßung ju Allegorien biefer Art gewefen iß. Sie legte unb größte ©cpwierigfeit fcheint barin ju liegen, bap baS ^^antafteßUb, unter welchem baS Allgemeine gewopnlid) »etpüllt wirb, an ftdß weniger Sntereße hat unb weni= ger inbioibualiftrt iß als bie pißorifd)e SEpatfadje. 5« biefen ©eptoierigfeiten aber liegt jugleich ber ©runb, warum bie Allegorie fo feiten ed>t iß unb gemeiniglid) nur in Seiten beS SSetfallS ber Äunß eifrig bearbeitet wirb. Sie leistete Schwierig; feit notpigt oft, in ber bilbenben Äunß, auch ber 33crßdnblicf)feit wegen, $uge= wißen willfürlicpen unb conoentiomtellen © p m b o l e n unb Attributen (f. b.) SU greifen, welche auper bem ©egenßanbe liegen unb ben 33etracptenben falt laßen. Sn biefer -ßinft'cpt oermag nun bie allegorifche Sarßellung mehr, als irgenb eine anbre, bie fettene föetbinbung beS philofophifcpen unb poetifchen ©eißeS, unb in •ßinftdß beS AuSbrucfS ber ©ebanfen eine feltene ©rftnbungSfraft unb fßerglei; cpungSgabe beS ÄitnßlerS »u beurfunben: benn baS Allgemeine unb SSefonbere foll hier (5inS unb ein unserttennlicpeS ©anjeS werben, ©ie mup aber als Äunßwerf baS ganse ©emutp anfprechen, unb baher nicht blop auf ben föerßanb burch einen ber SSßenßppeit würbigen unb ber SSetft'nnlicpung fähigen ©ebanfen, beriprsum ©runbe liegt, fonbern auch auf baS@efupl burd) ben belebten AuSbrucf wirfen, ber gleichfam willig unb oon felbß ftd) jenem anfehmiegt unb sum befeelten .Körper beßelben geworben iß, fobap bie Sbee nid)t wie ein bunfleS Sfdtpfel oerborgen liegt, fonbern überall unb in jebem ©liebe bie Sonn burd)bringenb hetoorfd)immert. SeljtereS gefchieht aber nur bann, wenn oon ber Allegorie fo oiel als möglich alle will; fürlid)e unb conoentionnelle Seiten unb Attribute, wie überhaupt alles @efud)te, ent; fernt ftnb, unb bie äußere gotm eine innere 93erwanbtfd)aft mit ber Sbee hat, burd) toeldpe ße jutu nothwenbigen, fid; leicht anfunbigenben AuSbrucfe berfelben erhoben 220 2fllegtt SCßegto wirb; wenn ferner baS Sefonbere, welche«baSAllgemeinebarffeÜCt, fetbfiinfeU nen formen jgbealitat feeftgt unb fiel) über bie (Profa beS gemeinen ßebenS ergebt; enblid) Wenn eine betebenbe ©infjeit über bem (Sanken waltet. •— 2(13 Seifpiel bet poetifdpen 3(Kegode, alö eines felbftdnbigen KunftwerfS, betraute man bie be= bannte £)be beS -^oraj, 1, 14, in welcher biefer Sichter ben römifchen ©taat unb feinen 3«ftanb unter bem auSgemalten unb gehaltenen Silbe eineö ©Riffes mit poetifdjer £ebenbigfeit, b. i. burd) $anblung, fcbjitbertj bie ©orge »on gerbet; bie bebannte ©cjdf)lung non ben 3 (Ringen, welche aud) Sefftng in feinen „(Rathan" »erwebt hat; aud) gehören hierher »tele gabeln unb (Parabeln, benn nicht alle fi'nb an fidh fd)on Weber poetifd), nod) in bem oben aufgejMten ©inne 2(llegocien — bie „Sögel" beS 2friflophcmeö, ©ötl)e’S „©pimenibeS"— benn in allen SichtungSarten bann bie 20legorie auftreten, 2(13 Seifpiel einer 2(llegorie in ber bilbenben Kunft, in welcher ber ©ebraud) ber 2((legorie überhaupt mehr auf (Pctfonificirung befchrönft tfl, weil bie bilbenbe Kunft burd) ©eftalten barjtellt, gilt ©uibo’S gortuna, bie bet geflügelte Knabe fpielenb bei ben feinten fafjt. hierher würben aud) gehören allegorifd)e SalletS unb (Pantomimen. Sie weitere Serfd)iebenf)eit ber 2fllegorie in biefen »crfd)iebenen Künfien unb ihren gotmen lapt fid) nur au3 bem (Befcn ber= felben erbennen unb ableiten, weld)e Unterfuchiing hier jit weitlduftig werben würbe. ((Ban »ergl. üefftng’3, vfjetbet’S, (Bimfelmann’3 unb (Bori&’S 2fbhanbl. unb Se= metf. über 2(llegorie.) Sap übrigens bie 2(l(egorie häufiger in ber neuern chrifili= d)en Kunft als in ber alten, ber ©tiedjen unb (Römer befonberS, »otfomme, liegt in bem df>arabter unb ber Senfweife beS 2(lterthumS unb ber d)rifllid)en Seit, unb tfi »orjüglich burd) bie ihnen jum ©runbe liegenben »erfchiebenen religiöfen (Belts anffd)ten ju begreifen, »on benen jene ftef) mehr »on bem Snbwibuellen ju bem Sbealen erhob, biefe bagegen »on bem ©eifligen auSging, wepfjalb in©tmangcs lung einer »ielfeitigen (Bpthologie bie Kunft bie ©eftaltung ihrer jgbeen unb ©r= ftnbung ihrer ©toffe ber freien (pijantafte überlaffen mupte. (Ban »ergl. in (e^te* rer £infi'd)t: 2(ntif unb (Bobern, unb in Sesiehung auf baS ©pmbolifd)e: © p m b o l. T. 2dlegri (©regotio), geb. gu Born 1590, geft. bafetbfi 1640, ein ©dm get in bet pdpfil. ©apelle, ber noch jefct in Italien als einer ber geachtetflen ©efang= componiften bamaliger Seit ßetrad)tet wirb, war ein ©d)üler (Ranini’S. Sefom berS berühmt hat ihn baS (Biferete gemacht, welches jährlich in ber heil. (Boche, (Bittwod)S (RachmittagS um 4 Uhr in 2 ©hören »on 9 ©dngern einftimmig in bet ©iptinifdjen ©apelle in (Rom gefungen, unb welchem eine auperorbentlidje (Bir= fung jugefdjrieben würbe. Sie ©ompofttion würbe fonfl fo heilig gehalten, bap Serjenige ben Sann befürd)ten mupte, ber fte abjufd)teiben gewagt hdtte. (Bojart übertrat jebod) baS Serbot, inbem ernad) sweimaligem ^öreneine mit bem SrU ginal übereinftimmenbe ©opie auffepte. 1771 etfd)ien eS ju Sonbon im ©tid) unb 1810 ju Paris in ber „Collection des classiqucs". 1773 empfing ber König »on ©nglanb eine 2fbfd)tift»on bem (Papfte felbft jum®efd)enf. (Rach berSehauptung beS gegenwärtigen ©apellmeifterS ober ©horbirectorS Saini foll baS (Bifetere »on 2(. nid)t »ollftdnbig in©timmen gefegt worben fein, fonbern nur bie Sapfiimme ber erffert 18 ober 20 Safte, alles Übrige aber foll eine fucceffioe Sutljat ber ©dn= get fein. 3u 2(nfang beS 18. Sahrf). fei aber bie bamalige ©ingweife auf pdpfilU djen Sefehl als (Rotm feftgefefst worben. (Rie aber habe eine (Partitur epijtirt. ©. ©ieoerS in ber „©deilie", 1825, (Rr. 5. 2dlegro (munter, h«etig), ber sierte »on ben^auptgrabenber muflfalU fdjen Sewegung. (©. Scmpo.) ©in2(llegro, ein©tücf, baS in einet fdjnellern Sewegung gefpielt werben foll. Ser Sortrag erfobert Kraft unb (Rad)brucf. — 2(tlegtetto, bie mufifalifcfe Sewegung jwifdjen2(llegro unb 2(nbantino (inber gewöhnlichen Sebeutung biefeS (BorteS), mithin etwas langfamer als 2fl(egto unb 3ftteinöfetyre tfßtanj 221 • ftwaSgefchtBinbet«182fnbantino. 9Jtan fagtaud)ein3fttcgrctto. Sutd)3«= jrt(je bejeichnet man nocf) genauer bie 3fct ber ©chnetligfeit, j. 58. AUegr. maestoso (würbeootleS 2f((egto). Snieinälefyre, f. ^Pantheismus. 3tllem«nbe, 1) ber befannte, urfprüngtld) beutfcf>e, frohtidje Sang; 2) eine fet>r muntere Sanjmelobie inj* Saft, welche oiet 2ft>nlict>ee mit bem franj. Sambourin f»at. 2tIlerdf)tijitichjte9Raicfi<$t, ein Sitet, ben fdjon mehre altere Äonige »on granfreid) (namentlich fPipin ber Äurje) geführt tjaben, ber ihnen aber erft 1459 (Subwig XI.) oom 5J)apft $aut II. beigctegt worben ift. 9tad) 3lnbern gab ^)iuS II. biefen Site! bem Äonige non gtanfreicf), Subwig XI., um bie abfd)tägige Antwort beS fPapfteS auf beS ÄonigS Seetangen, baff ber fPapft, als neapolitan. 2ei)n8f)err, wibet ben Äonig Sierbinanb non Neapel, beö franj. ÄonigS Setter, ben ^ringen Sohann non Galabrien, unterftühen möge, bem Äonige weniger unange= nel)m ju machen. 50?it bem Sitet: 2fltergetreuefte Stajeftdt, h nt ber fPapft Senebiet XIV. 1748 bie 2fnhdnglid)feit be8 ÄonigS Johann V. oon ^3ortu= gat an bie romifche Äirdje belohnt. 25er Sitet: Ellert) eiligfier S a t e r, ge« hört bem r6mifd)en Zapfte. QCtlerhetligfieä, bei ben Äathotifen bie in einem (gewöhnlich gtanjen* ben) ©efafe jur Anbetung auSgeftellte geweihte (confecrirte) fjoftie. (Sgl. 50? o n; ftran j.) Sei ben Suben nannte man ben abgefonberten SSfjeil in ber ©tiftShutte ober fpdter im Sempet, wo bie SunbeSlabe ftanb, unb in we(d)e8 ber ^rieftet jäf)r= lieh nur einmal tretenburfte, baöSitter!) eiiigfle. — 9fachbem bieGhtiften»erfol= gungen im 4. 3fahtf). > m tömif^en SKeidjc aufgehort hatten, würbe bet ©onntag nach fPft'ngffen beftimmt, um baS 3tnbenfen ber heit. Stdrtprer ju erneuern. (5f)vp= foftomuS h at uns tn ber 74. -jpomilie (Tom. 1, granff.) ein Stuftet einer fotdpen Stebe hintertaffen, woraus man jugteich ftef>t, wie weit man um 380 noch oon ihrer Anrufung entfernt war. Sie abenbtanbifche Äirche befam biefeS §efi erft um 610 oon SonifactuS IV. Sec Äuifer fPhofaS h ntte jenem Zapfte baS Pantheon in 9fom gefchenft. Siefer machte eine Äirche barauS unb weitste fold)e' ben 4. Stdrj jur Ghre ber Staria unb alter Stdrtprer. Unter bem fftamen Rotonda ober Maria dei Martiri ift biefe Äirche noch oorhanben. ©regot IV. (egte 835 bie freier auf ben 1. fftooembet unb machte bie Anbetung, bap fte überhaupt alten ^eiligen unb aud) ben ©ngeln heilig fein fottte. Somit fte allgemein würbe, erfud)te ©cegor ben Äaifer Subwig ben frommen um bie Sefidtigung. ©egen 840 finbet man baS 2ftterheiligenfeft fdjon in bem Galenber beS romifchen S?ond)$ SSBanbetbert. ©egen 870 würbe eS in Gnglanb eingeführt. . 2nttanj, ein Sünbnif jwifchen 2 ober mehren ©taaten. fO?an tfjcitt bie Ätlianjen in £>ffenfto= unb Sefenftoallianjen, ober Stufj= unb ©d)u(jbünbniffe. Sie erftern ftnb jum Angriffe eines gemeinfd)afttid)en geinbeS, bie anbern jur Sertheibigung gegen bie Angriffe beffelben beftimmt; nicht fetten Bereinigen bie 3f U lianjen beibe Gigenfchaften. Sie erftern pflegen gewöhnlich nur gegen einen be= ftimmten 3?einb, bie Sefenftoallianjen bagegen unbefiimmt gegen jeben Angreifer gcrid)tet ju fein. Überhaupt jerfalten bie 2fllianjen, waS bie 9ted)te unb Serpflid)= tungen fowot ber 2fttiirten unter ftd), als aud) baS Serl)dttnifj berfetben jubem geinbe betrifft, in 3^auptclaffen, nämlich: 1) in fogen. ÄriegSgemetnfchaft — societe de guerre, alliancc pour faire la guerre cn conimun — ■, wenn beibe Stjeite ftd) oerpfltchten, mit ihrer ganjen Stacht ben Ärieg gegen ben gemeinfd)aft- liehen Seinb ju führen, wobitrd) aisbann jebe ber altiirten Stachte als h«uptfrieg= füt)renbe SO?ad)t angefefen wirb; 2) in tfupiliatatlianjcn (fjütfSbünbniffe) im cn= gern ©inne, wenn bie tftliirten ftd) wechfetfeitig nur ju einer beftimmten fn'tlfe oerpflichten, wo atfo eintretenben fjatlS nur bie eine ber oerbünbeten €f??acf)te als 222 2£l%itiott8red)ntmg Lßtj; •ftauptmadß, bie anbre aber als bidfleißenbe -ßfebenmaSbt erfcbeinf; 3) blope ©u6= k ftbientractate, toenn bie eine SfÄadjt fxdj nur gegen if>r gejabjttc ©ubfibien ($ülfs= gelber) anbeifdjig mad)t, Gruppen ju ßellen, ober fte ber anbern ©iacljt in ©olb ju geben, ohne felbß unmittelbar an bem Stiege SEbeil ju nel;men, ober wenn bie geleißete $ülfe nur in ©elbbeitragen beßelß. (©. auch ^eilige Lllianj unb Koalition.) LlligationSrccbnung, 33efcbickungS= ober 83ermifcbungStecbnitng — regula alligationis —- , biejenige SJeSbnungSart, tooburd) baS Sßerbdltnif bet Steile einer aus menten Singen von oerfdßebencm SBertfje ju mad)enben SKifcfyung * gefugt toitb, fobap bie oollenbete Plifdßtng felbß baburcf) einen beßimmten ßBertb bekommt. ©ie iß alfo oon bet bloßen ©ermengungSrecbnung toofß ju unterfcbeU ben, bei welcher nur bie Proportion ber Sljeile yorfjer beßimmt unb ber Preis ober ©eljalt ber Plifd)img etfl hinterher geftmben toirb; bei bet Litigation hingegen be= ßimmt man ben Preis ober innetn ©efjalt ber Pftfcfyung juerff, unb beredjnet baS föerbaltnip ber SEbjeile fjiernadj. Alligator, obetÄaiman, gehört jum ©becbfengefdßecbt, iß toeitrunb=, lieber unb glatter am Sieibe unbSdjmanj als ber eigenttidje Ärof obili, toirb auch nid)t fo groß als biefer, unb legt kleinere ©er. © lebt im mittlern Amerika. Sie geile biefer ©attung toerben fegt in ffiraftlien trefflich gegerbt. Alliteration (S5ucbßabenteim), eine irtuft'falifc^egigut ber Siebe (f. gi= gut), bie in bem Bufammentreßen gleicher ßonfonanten ober gleicfyftmgenber ©p(: > ben in einem ©a£e beßeljt. Sft iß biefeS Sufammentreffen bem Sbf>t- jutoibet unb infofern tabelfjaft; boeb gibt eS gälte, too ber getoanbte ©cbriftßeller baburd) SaS betoorjubtingen fudjt, toaS bie granjofen harinonie imitative (naebabmenbe Harmonie) genannt haben, bie, mit ©efcbmact angetoanbt, ju einer grofen ©d)6n= beit toerben kann, im ©egentbeil aber leid)t jur finbifd)en ©pielerei betabftnkt. Ln SSeifpielen leistetet Lrt iß unfere neueße Sidßerfcbule überreich. 3« ben mu= ßerbaften nadjabmenben Harmonien unb glücklichen Llliterationen geboren: in ber romifd)en Siteratur ber bekannte, ben taktmdpigen ©alopp beS PferbeS fo gtück= lid> auSbrücfenbe SSetS SSirgil’S: Quadrupedante pedum sonitu quatit ungula cainpum. unb ein anbrer SSetS beßelben SidßetS: Luctantes ventos tempestatesque sonoras, y in toelcbem bie bauftge ßßiebetbolung beS t baS anbaltenbe©tcduben berßBinbe ge= gen ihre Äetten ju oerfinnlid)en febeint; in ber franjöftfdjen unter anbern ein SSecS ütacineS: Pour qui sont ces serpens qui sifflent sur vos tetes? too man glaubt baS ©dßangenjifcben ju hören. — 5« ber beutfefjen Siteratur ßnb toenig Sidßer fo reich an ©Schönheiten biefer Lrt als 33ürger, unb toemt man baS „Jputte, bwtre, f>opp>, hopp, hopp" in feiner „?enore" nicht ohne ©runb geta= beit bat, fo lapt ftd) bagegen faß nichts 9Seid)eteS unb ©nfcbmeitf)etnbereS benfen, als Sßerfe toie bie folgenben: SBonne loept üon 5Sf>al unb #ugcl, SBept oon glur unb SBiefenptan, SBept »om glatten SBaßerfpiegel, ) SBonne toefjt mit roeicbem glügel ©eS Piloten SBange an. L. SB. ©cblegel bat bie Llliteration in einem ©onett, baS fiel; fcbliept: SBo Siebe lebt unb labt, iß lieb baS Seien. (SSgl. auch Lffonanj u. Lnnomination.) L11 i jr (SacqueS Llepanbet gtangoiS), franj. ©enerallieutenant unb ffiiU glieb ber Lkabemie ber SBißenfd;. ju©öttingen, geb. ju Percp in ber Sßotmanbie ben 21. ©ept. 1776, ber ©obn eines ProfeffotS ber Sßatbematif, biente bei ber ► Mobütm ' 223 k 2CttiUccic in bet 9torbarmee ( jeid)nete ftd) bei ber Selagetitng von Supemburg au« unb flieg, 20 Saft att, bi« jurn Oberfiett. Sei bem Übergange über ben Sern* Jjatb, bei ber Etfiürmung von Serona unb wdhrenb be« Selbjug« in St. = So* tningo bewerte et ebenfo viel latent al« SDtutl); »eit er aber bei bem 18. Sru* mciire wenig Sf>eilnaf>me bewies, fo erhielt er {eine Sefbrberung. Et trat bafjer im Set. 1808 al« Srigabegeneral in bie Sienfte be« Äonig« -ffieronpmtt« von Sßeftfalen unb würbe ben 15. 2(ptil 1812 SiviftonSgcncral. Segt erfl gab ihm Napoleon ba« Äreuj ber Ehrenlegion. Unleugbar jeidjnete ftdj ©eneral 2T. unter » ben Stanjofen, bie bamat« auf beutfdjem Sobett il;r ©lücf fugten, burd) Äennt* niffe unb Sfdtigbeit au«, vorjügtid) bei ber Silbung bet we|tfdlifd)en 5frti((erie, bei ber Serbeffetung ber Sanbftrafen unb bei ben offentlid;ert Sauten, allein er be* trug ftd) oft mit Ubermutl). 92ad) bem 3futfjuge au« Siuflanb tf>at er, wa« et fonnte, umSSeftfalen unb Äaffel im Sept. 1813 gegen Ejernitfcheff ju vertl)ei= bigen; aud) führte er ben fd)on entflohenen Äbttig na cf Äaffet wieber jurücf, wofür ihm biefer ein Sfahtgelb von 6000 Sr. anwie« unb ihn jum ©rafen non Steuben* that ernannte, welchen Sütel jeboef) ©eneral 2f. nicht annahm; allein bie harten SJtafregeln, burd) welche er unb 9J?atd)U« ftd; bet 2Citflofung be« Staat« entgegen* flellten, machten Selbe bem Solle verhaft. Sei feinet 9tücffef)t nach Stanfreich jlellte ihn Napoleon al« Srigabegeneral wiebet att; al« folcfer vertheibigte er mit wenig Stuppen ben Söalb von gontainebleau (b. 18. Sehr. 1814) unb bie Stabt Sen« (b. 26. Sehr.), bähet ihn aud) Napoleon jum SiviftonSgenetal ernannte. * Dtadj be« Äaifer« 2lbbanfttng lebte ©eneral 2f. im Sd;ofe feiner Samilie, trat aber im SSJlnrj 1815 wiebet auf be« Äaifer« Seite unb übernahm ba« Eommanbo im Separt. ber Sonne. 3ut 3eit ber Sd)tad)t von SBaterloo befanb er ftd) al« fPrdftbent einer SJilitaircommiffion ju Sille unb ging in Aufträgen nad) Ealai«. 94ad) jener Schlacht lief er, al« SefeglShabet einet Sivifton, bie widrige Stel* lung beiSt. = Seni« befefiigen unb folgte cnblid) bem $eerc über bie Soive. Sie Orbonnanj Subwig XVIII. vom 24. 3ul. 1815 notfigte if>n, ftch nad) Seittfd)* lanb §u begeben. Sm Epil fcfrieb er fein befannte« 2Betf gegen fftetvton’ö ©ravi* tationggefeg, worin er alle Sewegungen ber SBeltforpet au« bet Entbinbung ber ©aSarten in ben verfd)iebenen 2ftmofphdten jtt etflaten fud)t. Gr« ift in« Seutfdje von St. 9Jlutharb, in« Englifcfe, unb in« Statienifdje von Eompagttoni überfaßt, hat ober Saplace’« Seifall nicht erhalten. 1819 erlaubte ber Honig bem ©eneral ■ 21. nach SranEceid) jutücfjufehren, wo er wieber al« ©enerallieutenant in ben Siften fleht unb hei bem ©eneratjtabe in $£l)dtigfeit ift. 20. Sfllobium (Erbe, lehnfreie« ©ut), eine jebe Sache, bie man erb* unb eigenthümlich beftßt, unb in 2lnfehung welcher feine Sef)n«verbinbung cintritt. 6« wirb bem Sehn entgegengefeßt, unb ba« ganje Sermogen, ba« Semanb beffßt, be* weglid;e« ober unbewegliche«, muf ju bem Einen ober bem 2fnbcrn gehören. SBo* für im jweifelhaften Sali bie Sermutfung ftreite, unb wer ben Sewei« ber Sehnftei* heit (2fllobialeigenfd)aft) ober ber Sehnbarfeit übernehmen mfiffe, fjdngt von ber Setfaffuttg ab. ^SnEnglanb i(12flle« lel)nbar, unb ber Sewei« ber Seljnfceiheit >■ ift gegen ben Honig unjuldfftg; im alten Sranfreid) würbe bie Sehnbarfeit be« ©runbeigenthum« vorauögefeßt (nulle terrc sans seigneur), unb bie Sef>nfceiheit > mufte erwiefen werben. Sn Seutfd)lanb wirb bie Sehnfreitjeit al« 0fegel voraus* gefegt, unb bie SehnSeigenfchaft fobert Sewei«. Sa ber Safall in ber Serfügung übet ba« Sef)n fef>r eingefd)rdtift ift, «udf> ba« Sehn nach anbern ©runbfdgen vererbt wirb al« ba« 20lobiunt, fo ift bet Unterfd)ieb von Sebeutung. Sei einem -fieim* fall be« Sehn«, fowie wenn SefnSerben unb 2(llobialerben be« vorigen Seftger« ver* fd)iebene fPerfonen ftnb, fommt e« ju einer 2(bfonberung be« Sehn« vom Erbe. — 2lllobificiren t>eift, bie Sehnbarfeit auffjeben unb ju freiem Erbe mad;en: ► eine .Operation, welche in verfd)iebenen Staaten fel)t begünftigt wirb. Sabei muf 2f£marco 224 mpatftfe bem 2ef)nShettn ein Sfjeit bcS Sßerth« jut ©ntfd)äbigung gegeben werben, ober e« wirb eine ftpc jährliche Abgabe (Äanon) aufba« ©ut geiegt. 37. 2Cllopati)te, ©egenfafs ber Homöopathie (f. b.). tfllorL Siefen 9t amen führte ber auch mit bem Beinamen B r o n} i n o belegte Steffe unb ©djület be« Btonjino: 2Ueffanbro 2f., einSJfaler bet flo= rentinifchen ©d;ule, ber fiel) ganj auf bie 9tad)ahmung ®?id)el 2fngeto’S fegte unb alle nicht anatomifchen ©tubien oerwarf. 3(ud) fchrieb er eine 2tt>hanblung, bie maierifche Anatomie betreffend ©r war jugiorenj 1535 geb. unb ftarb 1607. ©ein ©ohn © r i ft o f o t o, geb. ju glotenj 1577, entfernte ftch oon feine« Bater« Spanier unb folgte bem ©regorio fPagani. Socb matte er meift 2anbfd;aften unb Portrait«; oon (extern oiele für bie florentiner ©aierie. ©eine Subith im $)«= laft fPitti unb mehre anbre ©emälbe, fowie feine ©opien ber SJtagbaiena be« ©or= teggio, finb berühmt, ©r ftarb 1621. tülrunen, tdraunen, nannten bie alten Seutfdfen gewiffegrauen, benen fie eine geheime SBiffenfdjaft gufcfjrieben; oon all (fehr, oiet) unb runen (wiffen). ©ie tycfym auch Stuben ober SEruhten, unb waren ©enoffinnen bet alten Bernunftweifen, welche biefelben Stamen führten. Sn ber golge würben fte oon Btönchen unb ©eifilichen für $epen, Ruberer, Unholbetc. ge« halten unb oft al« SEeufelSgenofftnnen jum geuer oerurtheilt. ©inem nod) jefct nid)t ganj erlofchenen BolfSaberglauben jufolge finb bie 3flraunen auch eine 2Crt oon Bauberwurjetn, oon menfchlicher gorm, bie nur auf 9tid)tftätten wad)fen, baher ©algenmännlein, nur oon gewiffen fPerfonen ju beftimmten 3ei= ten unb unter mancherlei fd)Wer ju erfüllenben Bebingungen gefunben werben fönnen, unb berenBeft'h, unter anbern öbernaturlidEjen ©aben, aud) bie gäf)ig= feit, oerborgene ©d;d§e aufjuftnben, oerleiht. 2niuoton«recf)t, ba« 2lnfchwemmungöcecht, ober ba« Stecht ber Ufers bewohnet, ftch ba« butef) bie ©ewalt be« gluffe« oon anbern Ufern abgetiffene unb an ba« ihrige angefehfe Sanb gugueignen. ©6 gibt ferner 3(lluoionen, bie theil« ba« Bteer burch Burücftreten, tlieilS butch allmälige« ©thöhen eine« Ufetboben« bilbet. 2tatch bilben bie glüffe oft Snfeln butd) 9tieberfd)tag, wenn bet glufj auf hört fchnell ju fließen. Sn beiben 2frten pflegt bie Jlltuoion gemeinigtidh burd; ©taatSgefefse bem ©ouoerain oorbehalten ju werben. 3£tmanach, 1) ein au« einem Statte beftehenber SBanbcalenber (f. ©alen« ber); 2) ber SEitel oetfdjiebener SEafdjenbucher, g. SS. Btufenalmanad) u. a., oon welchen mit jebcmS«h rc eine gortfefsung erfcheint, beten Snhalt gewöhnlich au« ©rjdhtungen, ©ebid)ten, Stäthfetn ?c. beftef)t. ©inige erftären ba« SSort fo: ©« lebte im 3. Snfwb- im h ct J f 'S e n Bretagne ein gelehrter Btöncf), ©uinflan, welcher jährlich ein fleine« SSucfj oon bem Saufe ber ©onne unb be« Btonbe« oerfertigte, welche« er burd) 3lbfd)reiber eeroietfältigen lief. ©« führte in ber celtifchen ©Sprache ben SEitet: „Diagonon al manah Guinklan" (Borhetoetfünbigungen be« Btönrf)« ©.). Siefen SEitel oerfürgte man in tltmanad) (ber Btönd) ober be« Blond)«). Stad) einer anbern Ableitung fommt biefer Stame oon ben oierediigen ©töcfen f>er, auf welchen bie alten ©achfen, ehe man gefchriebene ©alenber hatte, ben jährlichen B?onb«wed)fel eingruben. Siefe ©töcfe nannte man „al-Mon-aght" (jebe« Blonat« Beachtung), unb abgefurgt: JClmanad). Sie natürlichfte Ableitung ifl au« bem 2lfab.: „Al Manah", b. t). Bähung, Berechnung. Sm Bforgenlanbe ijt biefe Benennung für ©alenber fefjon längft üblid). 11. 3ümatco (ital.) geigt beim Btüttjwefen unb ©elbhanbel an, bafj eine ge« wifje 2fngahl oon ausgeprägten Blünjforten nur im ©anjen nach bem ®ewid)t ber Blatf bei berBlünje auSgeftücfelt unb beim ©elbhanbel angenommen wirb; ober bafj man bei Abwägung unb SMtbigung ber Blünjforten nicht auf ba« @ewid)t unb ben SGüerth ber einzelnen ©tücfe, fonbern auf bie ganje SfJtarf Stücffidjt nimmt. 2£fetetbierig unb fojtfpielig fein würbe. ©oll eine folnifdje 5Katf ©oib ju 57 »ott= tuicfjtigen Sufaten, gleirf) 4864 hotlänb. 2fjj auggeftücfett unb auggemünjt mer= ben, fo bann bet galt beim 'dugftücfeln eintccten, baß jttm »öden $Karfgemid)t 68 ©tucf, unb burd) ben ©ebtaud) beim ©elboerfehr wot 69 unb mehr ©tücf erfo= bert merben. Sn biefen gatten nimmt man fte nicht ftücfmeife alg einjelne Sufa= ten = 67 auf bie folnifche 9Rarf an, fonbetn nur für ben SBorth »on 67 ©tücf nad) bem Sftarfgemicht ober 3fimarco. Samit man nun gleich auf bie Kid)tigfeit beg wahren SBertheg ber ©elbpacfete »on ben »erfdjiebencn ©elbforten fdjliefen bann, wirb bei jeber Summe baS SDfatf gewicht hittjugefügf, unb ft'ttb bie einjet= nen ©tücfo einer ©orte ungleich, noch babei Tllmarco ^injugefe^t, wie$. 35. je(jt mit ben Saubtfjalern. % l m e i b a, eine ber ftärfften portugief. gelungen in ber fProoittj S3eira an ber fpanifd)en ©renje, am (loa, mit 2750 ©im». Sie warb 1762 nad) »ieiem 33erlufte »on ben ©paniern erobert, aber im grieben jutücfgegeben. 2C(S 9fep ben 24. Sutt 1810 über bie doa in Portugal erbringen wottte, »ertijeibigte ber engli= fd)c ©enerat ©oco wiber ben 5D?arfrf>att -Btaffena bie geftung 2(lmeiba big jurn 27. 2(ug., ba er capituiiren mußte. 2fuf feinem 9vücfjuge aug Portugal, im 3J?arj 1811, fojiete bie Käumung 2f(meibag bem 3J?arfd)all COfaflena einen 2tdgigen motberifdjen .Kampf mit Söettington am 3. unb 4. 9Jfai, bei guenteg b’Snoro, worauf ber franjofffd^c 33efef)lgi)aber, ©encrai SSrenier, in ber Kadjt jum 11. 2flmeiba fprengte unb ftcfj mitten burd) bie SSelagercr butd)fd)lug. Sie ©nglänbet haben bie 2ßerfe micbecbergeftetlt. % Im 0 fett. Sie 2Bol)lthdtigfeit gegen 3frme ift eine »on bmKäd)fienpfIid)= ten, bie jwar nicht erzwungen, aber erbeten werben fonnen. Ser attgemeine 33er* pflidjtungggrunb liegt barin, baß baS ©ittengefcfc jebemSEDfenfdjen bie attgemeine Pflicht auferlegt: bu fottff 3C(lcg thun, mag in beinen Kräften ließt, um bie rechte mäßigen 3mecfe 3fttbrer ju befbrbern. Ser er|ie3wecf jebcgSüenfchen aber iff, eine moralifd)eS5e(timmung auf ©beit ju erreichen, unb baran wirb er burcl) ben Vian= gel ber nothwenbigften SebenSbebütfniffe gehinbert. 2lug biefem ©runbe, nicht um einer fünftigen 33etol)nung nod) fonft eineg Kebenjwecfeg Witten, müffen wir mit einem Steile unferg ©gentljumg bie^ülfgbebürftigett unterfiü&eit. S3orge= worfene 9Bohlthaten hören baher auf SEBoßlthaten ju fein. Sie Pflicht ber 5Q3of>l= ttjatigfeit aber wirb einegtheilg burd) bie SBürbigfeit beg SSebürftigen, anbente theilg burd) ben Vermogengjtanb beg ©eberg befiimmt. Ser pfiid)tmäßige 3wccf unferer Unterftü|ung bann fein anbrer fern, als baburd) bie flttlid)e SBirffamfeit beg2fnbern moglid) jit machen, ©eben wir, baßbiefet attg ttnmoralifdjem SBitten fid) feine SSebürfnijfe nid)t felbjt »erfchafft, ober baß er »on unfern ©oben einen jweefwibtigen ©ebtattd) mad)t, fo müffen wir ihm unfern SSeiftanb uerfagen. Sn ^infld)t unferg Vermögend aber bürfen mir nur in bem SWaße geben, baß und nod) fo »iel übrig bleibt, alg wir ju nothmenbigen unb pflichtmäßigen £anblungen nothig haben, dpietaud taffen ftd) bie Kegeln für bie ©roße ber ?f(mofen unb für bie SSefchaffenheit bet ^)erfonen, bie foldje eor 2fnbcrn »erbienen, beftimmen. ,3u= gleich aber befolge man ben ©runbfab, bap eg beffer i(f, wenigen 2lrmen reid)lich, alg »ielen wenig ju geben, unb Jfrmutl) ju »«hüten, alg ben duferftengalt ab^u-- warten. (SSgl. jfrmenwefen.) 3Hoe, eine ^)flanjengattung aug ber 6. ©affe Sinne’g, nach Suffteujuben 2tfphobalen gehörig, bie eine cinfad)e, regelmäßige, fed)§tf>eilige, cplinbrifdfe SStumenhütte unter bem grud)tfnoten hat, eine breifdefjerige Äapfel tragt, unb bei ber bie ©taubfaben auf ben grud)tboben flef>cn. ©te ift inSfi= unb SBefiinbien . unb auf bem Vorgebirge ber guten Hoffnung einfjeimifcf) unb gdtjlt »ielc 2frten, »on <5on».=8e;c. (Siebente 2Cufl. SSb. I. f 15 226 2Cloit>en 2Cfp benen nur bie Aloe vulgaris in (Europa fortEommt. Sie liefert ein -öai'ä, welches Aloe hepatica (jeift. Ser aus ben SSldttecn gezogene unb eingebicEte ©aft, unter beffett im ^nnbet oorEommenben 4 ©orten bie Aloe lucida am gett>of)ntid>flen ift, mirb in ber Plebicin als Sieijmittel bei UnterleibSEranfheiten, *£>ämorrhoiben, j?a= cfjejcie, $i)pod)onbtie, nicht gehöriger Picnflcuation ic., gebraud)t. Xloiben, Aloidac (fo genannt non intern uermeintlid)en Sßater 3fl6uS), StuS unb GphialteS, ©ohne ber 5pt)imebia unb 92eptunS, waren liefen non auferorbentlicher ©tofje. ©ieflürmtcn, mit ben ©iganten, ben Fimmel; allein 3(poll erfchofj fte mit feinen pfeifen, ehe fi'c il)t fffierE Bollenben Eonnten. 3m ©träfe mürben fte im SartatuS an eine ©aulegebuttben unb oon ©drangen jernagtj übet= bie6 fafj auf ber ©duie eine fJiachteule, bie mit ihrem ©efdjrei if>reÖl)ren martern muffte. (85gl. ©iganten.) Sie gabel, welche aud) anbecS erjagt wirb, rütjrt non ben SSootiern l>er, welche §ugteid; behaupteten, bafj bic 2f[oibert ben Sienft ber Plufen eingefut>rt hätten. 3Elopeu$, ber 92ame jweier rufftfchen Siplomaten: I. Plapimilian non 31., E. ruff. 2BirEl. ©ef).=9fath, ber fßeteran ber rujj. Siptomatie, geb. ben 21. San. 1748 ju Sßiborg in ginnlanb, wo fein SSater XrchibiaEonuS war, ftu= biete ju ?fbo unb 1767 unb 1768 in ©ottingen, warb fjtccauf, Eaum 20 S<>h c alt, in Petersburg bei bem Separt. ber auSwart. 31'ngelegenf). angeflellt unb non bem Gljef bejfetben, bem SieidjSfanjler ©rafen Sflermann, jum Äansleibu rector erhoben. Gr befleibete biefen Poflen aud) unter bem Pliniflcrium bcS ©ra= fen Panin. 1783 ging er als ©efanbter an ben £of ju Gutin, unb Katharina II. Bertraute ihm mehre fchtvietige 3fuftrdge, bic er giücflid) nolljog; aud) ging bie Prioatcorrefponbenj beS ©rojjfürflen Paul mit griebtid) bem ©r. bitrd) feine •Öänbe. hierauf flanb $r. Bon X ju 2 Berfd)iebenen langen ßeitrdumen (bis 1796 unb feit 1802) als ruff. ©efanbter am berliner >£>ofe, in ber 3wifd)enjeit aber beim nieberfäd)f. Greife unb ju StegenSburg. 1806 unterhanbelte ec mit ©daneben bie Ovdumung SauenburgS, bann erhielt ec eine biplomatifdje ©enbung nad) Sonbon. Jpier enbigte feine politifche Laufbahn, ©einer jerrüttefen @efunb= I)eit wegen lebte er einige 5flh te ’ m fö&i- Seutfd)lanb, unb julefst tn granf* fuct a. TI., wo er ben 16. Pfai 1821 geflotben ift. 3(llcS, was ec war, ha fte er feinem eigenen SBerbienfle, feinem Talente, feiner $£hatigfeit unb feinem feften CharaEter ju banEen. GS ift ju wünfcfien, bap bie non ihm hmteclaffenen Tle-- moiren halb im StucE erfdjeineit. ©eine cinjige Mochtet war bie am 4. San. 1823 nerft. ©eneratin Bon SSenEenbocff, beren ©rabmal in $aSlad) bei ©tutt= gart jitgleid) ein SenEmat biefer ebeln geiftoollcn grau ift. — II. ©ein jüngerer SSrubet, Saoib Bon 3E., würbe in ber Ptilitairafabemie ju ©tuttgart erjo= gen, unb war in ber golge ruff. ©efanbter bei bem Äonig non ©chweben, ©m flau IV. 30s er biefen Ptonardjcn 1807 auffoberte, bem Gontinentalfpftem beb jutreten, unb bie ruff. Gruppen ginnlanb befehlen, lief ihn ©uftan in 33erf)aft nehmen unb feine Papiere uerftegeln. Äaifer Sflepanber erhob ij)n barauf jum Ädmmerer unb fpdterhin jurn ©eheimenrathe, fdjenfte ihm ein Sanbgut mit 5000 Rubeln GinEünfte unb gab il)m ben ©t.=3fnnenorbcn erffer Glaffe. $ecr non X untcrjeidjnete ben grieben 1809 mit ©daneben; 1811 ging er als ruff. ©e= fanbter an ben würtemberg. >j?of. SBaf)tenb ber gelbjüge 1814 unb 1815 warb er bei ber GentralBerwaltung ber Bcrbünbetcn ^eere unb als ©eneralgouBerneur in Sotbringcn angeflellt. ©eitbem erhielt er ben Poflen eines aufjerorbentl. ©cs fanbten unb beBolImdd)t. PtinifterS am $ofe ju SSerlin. 3Elp, 3ElpbrücEcn (SncubuS), ein EranEhafter 3«flnnb, ber juweilen im ©chlafe einteitt. Ser bauon Sefallcne glaubt unter einer auf ihm liegenbeit Saft erfliefen ju muffen, unb bie burd) biefeS bedngfligenbe ©efüh'l aufgereijte GinbilbungSEraft beffelbeit fleht einen mifigeftalteten lM)olb, ber beit ©dilafenben 227 Al pari 2ttpett auf biefe ©cife quält. Urfad;en ftnb SSollblütigfeit, Unterbrücfung pcviobifcfjcc Ausleerungen, Sd;lafen auf bem Siüd'en, Übetlabttng beS 9JtagenS, woburd; bcc 33 lutumlauf geflort werben famt. Al pari (itat.), im Raubet gteidjert SÜSevtf) haben, wenn eS 5 . 33. heißt, bie 33anfnoten fielen Al pari (mit ftingenber Sttünje), fo ift eS gteicijguttig, ob man eine gemiffe Summe in ftingenber SUünje ober mit einer gleichnamigen S3anf= note bejaht, inbem bie 33anfnote niefjt mehr unb nicht weniger gilt als bie Sum* me, bie batauf angegeben ijt. Alpen, baS hodjfie ©ebirge be§ europäifdjen SiejtlanbeS, jwifchen23— 35° £>. 2. unb 44 — 48° 91. 33.; mithin bebeeft baS Alpenlanb 11 — 12 2än* gengrabe unb 2 — 4 33reitengrabe ober 6000 □©. Es hängt burch feine 33or* berge fafl mit alten übrigen ©ebirgen Europas jufammen. Seinen fjochften Äno* ten fd;ürjt eS in Saoopen unb $el»etien, unb non fjicc aus laufen feine Steige nach’ allen Seiten hin. SaS ©ebirge E>at folgenbe S£f>eile: 1) Sie ©eeralpen, jwifchen 9tijja unb fProoettce, »om 9Konte 33ifo bis jurn mittetlänb. SfJJeere; fte flößen rechts an bieApenninen in Italien, linfS an bie Alpinen in ber fProoence; ihre »otnehmflen ©ipfel ftnb ber SOlonte 2(rbente, be Senbe unb Eamelon. 2) Sie cottifd)en Alpen, »om STOonte 33ifo über ben SÖlont ©eneore bis jurn EeniS; fte trennen Piemont unb Sauphine. Ser 9}el»oup be 33allouiffe ifi 13,236, bet £>lan 11,206 unb ber 33ifo 9236 guß h°d;. 3) Sie grauen ober griechischen 2(1= pen, »om EeniS über ben Sfate bis jum Eol be bon -£>omme. Sie fd;eiben *Pie= mont »on Saoopen unb erreichen bie -£ 6 f)e ber cottifd;en Alpen nid;t; ihr l;od;fler ©ipfel, ber EeniS, ift 5879 guß h oc h- 4) Sie penninifd;en Alpen, »omEolbe bon -ffomrne über ben ÜKontblanc unb großen 33ernl;atb bis jum SJtont Stofa. Sie fcheiben Piemont »on Sauopen unb ©atliS, unb höben bie hochflen ©ipfel beS ganzen ©ebirgS, bie fchauerßdjften ©tetfdjer unb bie größten EtSfelber. Ser SJlontblanc, ber hod;fle SSerg Europas, bet erft im lebten SSiertel beS 18. Sahrf). befliegen würbe, mißt 14,676, ber €fj?ortt Utofa 13,428, ber große St.=33ern= hatb 10,380, bet SSelan 10,327, unb ber Simpton 6174 guß. 5) Sie lepontini* fdjen ober hdoctifchen Alpen, ein großes ©ebirgSfpftem, welches baS wefllidje -fjeloetien bebeeft, ftd; »om SOZont 9fofa auf beiben Seiten ber 9ff;one, burd; baS ©allifettf;al über ben St. * ©ottharb bis jum SSJlofdEjelhorn unb SSetnarbino in 33ünbtcn erflrecft unb bie 2ombarbei »on fjeloetien fcheibet. ES ift bie befud)tefte aller Alpenfetten unb ebenfowol burd; erhabene 9taturfd;onheit als baburdh merf* wttrbig, baß ftd; feinem Sd;oße mehre ber größten europäifchen Strome entwinben. 3u feinen metfwütbigflen Äuppen gehören baSginfleraarhorn, 13,234, baS fgung* ftauaarhotn, 12,875, baS Sd;tecfl;orn, 12,562, bet gurfa, 13,171, ber ©rimfet, 9104, unb ber St.=@ottharb, 9964 guß hoch- 33on bemfetben laufen baS Sur* tengebitge unb ber Suta ab. 6 ) Sie rl)ätifd;en Alpen, »om SSctnatbino burd; ganj 33ünbten unb Sitol bis jurn Sreiherrnfpifs auf ber ©tenje »on Saljbutg unb Äärn then unb fübwärtS bis jum fPellegtino. Sie fd;ciben bie Sombarbei »on Seutfch* lanb unb 83ünbten unb flehen burd; ihre 33orberge, ben Arlberg, mit ber rau** (jen Alb unb bem Sdjwarjwalbe, unb burd; biefe mit ben »ornehmften ©ebirge« Seutfd;lanbS inSetührung. Sie SrteleSfpi|e erhebt ftd; 14,666, baS ©etter*' horn 11,74-3, ber Sobi 11,035, ber Dliegelbcrg 9775 unb bet fPilatuSberg 7080 guß hoch- 7) Sie notifd;en Alpen, welche »om Sreiherrnfpifc burd; ganj Äärntl;en, Saljbutg, Sflreid; unb Steiermarf laufen unb ftd; in ben Ebenen GbenburgS »erlieren. Shce SSotberge ftnb bie cetifd;en ©ebirge, mit weld;cn fic bem bohmer ©albe unb ben ungarifdjen ©ebirgen bie -fjanb reichen. Sie hoben fcfjrhohe ©ipfel, über bie ber 11,982 guß hol;e ©roßglocfner heroorragt. 8 ) Sie farnifchen Alpen, »on fPellegrino jwifchen ber Sa»e unb ber Sta»e bis jum Ser* gtou. Einer ihrer hod;|ien ©ipfel, ber SbiS, ift 7038 §up hoch- 9) Sie juli* 15 * 228 2£(penj!raf3en fdfen Alpen reifen ttorn Setglou sn>ifd)en bem rechten Ufer ber (Satte, hutpa unb bem abriat. SDfeere big jum Seifen hlef bei Seng, unb fcfyeiben bie Bombarbei »on Sllprien. Ser SEerglou ergebt ftd) 9744, bet Boibl 4266 gttfi i)od). Sn benfelben geboren ber harft unb bie froatifdjen unb flaroonifchen ©ebirge. 10) Sie binarifdjen Alpen, ttom hlef big in bie ©egenb von (Sophia, mo fte mit bem Salfan jufarm menftofen unb burd) tterfdjiebene Sorberge bag fyettenifdje unb rumetifche @ebirgg= fpffem bilben. — Sag ©ebirge rnirb in f. »crfdjiebenen Steigen tton menigfteng 7 SDtill. SJtenfdjen bercofjnt, rnotton ber gtojtere S()eit beutfd)er Abftammung iff, ber 9teft aber ju ben Stalienem unb ©(amen gel)6rt; ntel)t a(g 2 57iül. ftnb dpirten= »ölfer, bie fid) ber Sief)jud)t mibmen. Sie norifdjen, fatnifchen unb rf)dtifd)en Alpen finb an ihren Abhängen metallreicf), befonbeeg an Gifen, hupfet', SSlei unb mancherlei ^albmetatten; auf il)ten ©ipfeln mof)nen ©teinboefe, bie jebod) äufjerff fetten gemorben, in ihren mitttern Legionen ©ernfen, SKurmelthiere, djafelmaufe, Alpenabler, unb hier entfaltet fid) aud) bie fd)one Alpenflora, bie auf ben ©ipfeln nad) unb nach erffirbt. (©. Alpenftraf? en.) SBag ben innern Sau ober bie geognoftifche Gonffituti on ber 2Clpen betrifft, fo tff biefelbe im Allgemeinen fef>r regelmäßig; norbl. unb fübt. geigt ft cf) eine (feile, faff fenfred)t abfallenbe SJtauer; eine .fjügelfette »on ©anbftein lauft jmar an berfelben f>in, eg erreicht aber biefelbe eine nur menig bebeutenbe -£)6f)e unb gehört geognoftifd) nid)t bem eigentlichen Alpengebilbe an. Siefe fo (feil abgefebnittene ©ebirggmaffe mirb aug einer Gentral* unb aug 2 halbfetten gebilbet, beten ©ebirggl)oben unb ©ebirggmaffen tton ©. SB. ©. nad) £>. 9t. £). ffreicf)en; leitete betbe laufen bei SEurin unb etmag füblid) tton ©enfaug, unb tjoren hier auf bie Gentralfette ju begleiten. Siefe iff aug ben älte= (fen ©ebirggformationen gebilbet. ©neig unb ©ranit nehmen ben ganjen mittlern 3ug beg Alpcngebirgg ein unb bilben ben horpet beg l)of)en, mehr ober meniget btei= ten ©ebirggfammeg, ber, mit unenblid) ttielen ©ipfeln, Sacfett, Römern unb Gig= ebenen bebedft, nur an menigen fünften einen etmag bequemen Übergang juläfjt. Auf biefet ©rate, bie aud) bie 2Bafferfd)eibe iff, liegen bie f)6d)(fen ber oben ge= nannten Serge. Siefe gmtnation iff befonberg reief) an fc^onen ©efteinen; ©neig, hatfffein, ©limmerfd)iefet unb ©ranit ftnb bie ^auptgebtrggarten berfelben. Auf felbige folgt, fomol auf ber 9torb = alg ©übfeite, bie ©djieferformation, bie fid) bebeutenb ergebt, of)ne jebod) ju ben f)dd)ffen fünften anjuffeigen; ffe beffeljt uorjüglid) aug 5Eafet=, SBe^, hiefelfdjiefer, ©raumaefe unb aug bem fogenanm ten $od)gebirggfalfffein; in berfelben finben ftd) aud) (Srgtagcrffdtten, befonberg bie berühmten ©patheifenfteinmaffen ©teiermarfg. Sie (Porphprformation er= fdjeint nur an ber ©übfeite ber Alpen, befonberg in SEitol, mo fte ein meiteg, niebrigeg Plateau bilbet. Sag jüngffe ©lieb ber Genttalfette enblid) iff ber &U tcre ober rotlje ©anbftein, beffehenb aug einem grobem, oft brecciert = ober com glomeratartigen, ober feinem, rotf)en ober grauen ©anbffcin. — Sie halfalpem fetten erheben ftd) norblid) unb füblid) aug bem niebetn gmfe ber Gentratfette (teil unb höchff pittoregf heroor, conffituirt burd) Alpen = ober altem gtblbalfftein, SJfergel, ©ppg, $Eh on , ©teinfalg, SErapp, (Porphpr, auch SDfanbetftein unb Gonglo= merat; charafteriffifd) ftnb aud) Grjlagerffdtten »on ©allntei, Sleiglang unb SEhoneifcnftein. — An bie halffette lehnen ftd) bie jüngern gotniationen beg 3htra (f. b.), ber fd)mäbifd)cn Alp u. f. m. @. Gbel, „Über ben SauberGrbe in bem Alpengebirge" (2 Sbe., Sittich 1808). hafienhofer’g „Semerfungen auf einet Alpenteife" (Aarau 1822), mid)tig jut henntnif ber Alpenmirthfchaft unb beg bemer ^»odhgebirgg, führen burd) meniger befannte ©egenben. $ür bie 9faturgefd). ber Alpen hohen bie Alpenreifen beg 9taturforfd)erg .fpugi aug So= lothurn in b. 3. 1828 fg. miffenfchaftl. Augbeute gegeben. Alpenflraffen. Sag bauerhafteffe Senfmal, melcheg9Zapoteon feiner 9)?ad)t unb ^olttifi errichtet hat, ftnb 4 ©ebirggfunfrffrafjen, me(d)e ©aoopen, SClpenftrafen 229 gtanfteich uttb Watlig mit Italien »erfnüpfen. Sie erfte führt über ben 5879 guf fwh £n denig (f.b.) überSanglebourg nach ©uja, aug ©a»open nad) fPiemont. <3onft mufte man ftd) burd) Waulefel ober Stagfeffei übet bie fleilfie ^6l>e bringen taffen j allein 1805 lief Napoleon hier eine faltbare ©traf e im Sicfjacf anlegen, bie 44- Weile lang unb 18 guf breit ift. Wan bann fte and) im Winter befahren. 1815* paffüteit 16,000 Wagen unb 34,900 Waultfyiere biefe ©träfe. Sic jweite füfjrt über ben 10,327 g. f>of>en ©impton (Scnipione) aug Wattig nach mont, »onbem glecfen ©lüg nad) Somo b’Sffola. Siefe Kunftftrafe, welche Napoleon »on 1801 — 6 antegen tief, bie einzige, auf meldet man aug ber ©chweij über bie 2tlpen fahren bann, ift 14 ©tunben lang, überall 25 g. breit, nirgenbg ftarf auffteigenb unb batjer felbft für ben fd) Werften Saftwagen faltbar. Semtoci) gel;t fte übet jdfje 2lbgtünbe, in beten Siefen herabftürjenbe Waffet brau= fen unb butch 6 burd) Reifen gehauene @dnge_ (galeries.) , bie mehre ljunbert ©djritte lang burdjbrodjen ftnb, unb wo burd) Öffnungen ber Weg beleuchtet wirb. 2lug benfelben tritt man in liebliche Shnlgrünbe mit ©ennhütfen unb fleht über fdjwatje Sannemodtber, ©letfdjer unb hoh cte ©djneebetge ing Stau beg $im= melg. Kühne Srücfen führen über graf tiefe Tlbgrünbe »on einem Serge jum an= bern. Sie italienifdje ©eite bietet ein fd)6nereg ©djaufpiel alg bie het»etifcf)e bar, roeil bort bie Seifen fdjroffet ffnb. 3fn betreiben ift bie Grande galerie, 683 g. lang, ganj in ©ranit auggetiohtt, »on bem Sache, welcher babei einen prächtigen galt bilbet, bie ©alerie »on gtiffinone genannt. Sie ©träfe beginnt eine Sier= felftunbe weftlid) »onSrieg unb gel)t übet bie ©altinabrücfe; oberhalb beg Sötf= d;eng Stieb gelangt man butch einen fd)6nen Serdjenwalb jut erften ©alerie unb bann über bie 80 ©djritte lange Kanterbrüde nach ^Petfal. $ier beginnen 2tb= grünbe unb, ber Sawinen tuegen, gefährliche ©teilen, t»eft»egen bie ©träfe »iete Krümmungen madjt. Sei ber Galerie des glaciers hört ber Saumwudjg auf, unb bie ©träfe erhebt ftd) big ju 1033 Soifen über ben Sago maggiore, ober bei= nahe 6000 g. über bag Weer. 2tuf ber ^>6f>e fleht ein ^ofpitium für Sleifenbe, eindhauffeehaug, unb red)tg in ber Siefe bag alte ©pital. 1J- ©tunben weiter liegt bag Sorf ©implon 4548 g. über bem Weere. 2(n ber Setiola, einem glujfe, lauft bie ©träfe fort big in bieStähe »on Somo b’Sffola. 3u ©unt ijl ein Wirt!)g= haug; eine Siertelflunbe weiter hört bei einer dapelle bag wattifer ©ebiet auf; bag erfle itatienifche Sorf heift @.=Watxo. Sawinen unb »om Siegen loggetiffene ©teinmaffen befdfdbigen oft biefe ©träfe, fobaf bie 2fugbefferung jährlich einen bebeutenben 2luft»anb erfobert, welchen aber Weber bie ©djweijet noch bie far= binifche Stegierung big jegt haben übernehmen wollen. Sfterwalb hat bie malerU fchen 3fnftchten ber ©implonflrafe in einem fdfonen Werfe bargeftettt. (Sergt. ©implon.) dine britte ©träfe führt über ben 6000 g. hohen Serg ©eneore, an ber ©tenje »on gtanfreid) unb Piemont, ungefähr 5 ©tunben »on Sriangon, einer ©ren-ifeftung in Saupfjine, Separt. ber Sberalpen. 2Cuf bem ebenen ©ipfel beg Sergeg liegt ein Sorf mit einem Klofter, bag Sieifenbe aufnimmt. Sie »ierte ©träfe (la Corniche) geht »on Stijja über Wonaco nach ©enua, burd) ben get= fenboben am gufe bet ©eealpen. — Unter ben übrigen tflpenjtrafen ftnb ju be= metfen:. 1) Sie über ben ©t.=©ottfatb (f. ©ottfarbgbevg), aug bem dam ton Uri in ben danton Sefftn; ba fte aber fefr befchwerlid) unb jum Sheil gefahr= lieh >fb, »orjüglich bei bet SeufelgbrücEe, imUtnetloche unb beim 2fbfleigen naef) 2litolo im liotnet Shale, fo fbnnen auf berfelben bie ©üter aug ber ©djweij nad) Italien nur auf ©aumtoffen trangportirt werben. Sie ©träfe erhebt fleh big auf 8264g., unb in beruhe »on 6367 g. liegt ein dapusinethofpij. 2) Sie ©träfe übet ben grofen ©t.=Semharb (f. Setnhatbgbetg), »on bem genfer ©ee nach Stalien (unter allen bie nächfle nad) Sutin unb ©enua), ift nicht fahrbar, fonbern wirb nur »on gufgangem unb ©aumthieren gebraucht. Wegen 2(bfütjung 230 m^abet 20$>on8 III. beS 2 Begeg iff jegt bie 9tebe baoon, biefe ©trage für ben SJaarenäug aug SÖBatliS nacf ©enua ju bauen. 3) Sie «gjauptffrafe »on gnfprucb nad) Statien über ben 6063??. f)of>en Srenner in&irol, wo bie 4©tunben lange ©träfe bis ju einer Jpoty »on 4376 g. anjieigt. Stit biefer ffeht 4) bie neue »on £>ffreid) feit 1821 erbaute $eetfftafe, bie hodjffe in Gutopa, »on Sotmio im Seltlin über ben Sraglio unbbagffilfferSod) (8400 g. hoch), in Serbinbung. 5)unb6) Sie ©träfe »on Sellenj nad) Gf)ut übet ben Sernf)aröin unb bie über ben ©plügen, fahrbar feit 1823; jene nacf) bem £uganer=, biefe nad) bem Gomerfee. 3tt>ar fjatte bet Ganton SSefftn 1818 mit ber lombatbifdjen Regierung einen Serttag gefcfloffen, nad) welchem er für feinen aug ber gombarbei ju bejietjenben ©a(j= unb gtüd)te= bebarf ftd) »erpflidjtete, ben Sau einer neuen ©träfe »on Sellenj na$ Gf)ur über ben ©t.=Sernbarbin nid)t ;u geffatten, fonbern blof bie alte ©träfe ganj in ihrem bermaligen gufianbe ju erhalten; allein bie ©ültigbeit bxefeS bem Sntereffe ®rau= bünbteng unb anbrer Gantone juwibetlaufenben SSertragS warb beffritten, unb ber Sau enblid) begonnen. 3. 3. Steper hat bie neuen ©traf en butd) ben Ganton ®tau= bünbten (30 Sl.) (»on Gf)ut übet ben ©plügen big jum Gomerfee, unb über ben Sernfjarbino big Sellinäona), nad) berSatur gej. unb »on^egi u. X. in Aquatinta gedgt, nebff Ginleit, unb Grfldr. »on D. Gbel, unb mit e. SSegdjarte »on Keller (3üridf 1825, Sluerfol.) Ijerauggeg. (©. aud) „Descrizione della Valtellina e deüe grandiose strade di Stelvio e di Spluga", Stailanb 1822.) Ser ©tra= fcnbau über bag jiilffer 3 od) unb ber übet ben ©irnplon fmb »ielleidjt bag ©rofte, Wag Stenfchenfraft unb Kunff in neuerer 3eit f)eruorgebtad)t f>a 6 en. 20. 2 üpl)abet, f. ©djrift. XlJpf)eug, einer ber groften glüffe in ©riecbenlanb, welcher nahe bei bet Sluelle begGurotag in Xtbabien entfpringt, bei Slpmpia fliegt unb ing ionifdje Steer fallt; nacf) ber Stptfjologie: ein ©ofm beg Sceanug unb beffen ©d)Wefter, ber Sfietpg. Gr »erliebte ftd) alg glufgott in bie Siana, welche, um feinen Sev= folgungen 51 t entgehen, ftd) unb ihren Spmphen bag ©eftdjt burd) ©d)lamm fd)wdrjte. 2flg er bie Sprnphe Xrethufa mit feiner Siebe »erfolgte, »erbarg Siana biefe in eine SSBolfe unb »erwanbelte fte in eine S.uelle. Gr aber nahm nun feine ©eftalt als glttf wiebet an unb »ermifcf)te fein SSBaffet mit bem irrigen. Siefe gäbet entftanb wafjrfcheinlid) bafjer, weil X. an einer ©teile ftd) in bie Gtbe uerliert; bie gäbet lief if>n in ©icitien wiebet jum Sotfdjein fommen, wo er ftd) mit bet Sluelte Xrethufa vereinige. 2ttpf)ong III., König »on £eon unb Xffutien, ber ©rofe, folgte, 18 3. alt, 866 (nad) Xnbern 862, 14 3. alt) feinem Sätet Stbogno in bet Ovegierung. 5tad)bcm er ben mddffigen Xbet feineg 9teid)g, ber mit Giferfudff bie fönigt. SBürbe in einer gamilie erblid) werben faf), mit ©ewalt unterworfen hatte, richtete et feine SBaffen gegen bie dufern geinbe beg 9teid)g unb »erherrlid)te feine 9tegie= rung burd) mehr alg 30 gelbjüge unb jaflmdje über bie Stauten erfochtene ©iege. Gr fegte über ben Suero, brach Goimbtag Stauern, brang big an ben SEejo unb in Gftremabura »or, »ergroferte feine ©taaten mit einem Steile Sortugalg unb Xltcaffilieng, unb beoolberte Surgog aufg neue. Xber burd) biefe ©rofthaten machte er feine Untertanen nicht jufriebenet; er fjatte fogar ben©d)tnerä, fei* nen eignen ©ohn, Son@arcia, an ber ©pige bet Xufrührer ju fehen, um unter bem ©dieine beg gemeinen SBoflg bie Krone anft'd) ju reifen. Sod) X über» fiel beffen $eer, nahm ihn fetbfi gefangen unb hielt ihn in ftrenget -fjaft auf bem ©chloffe 5 U ©aufoit. Sarauf bilbete bie .Königin Sonna Btimena eine mddjtige Serfdjworung ju ©arcia’g ©unften unb bewaffnete fetbff ihre beiben anbern ©ohne gegen ben König. Gin blutiger Krieg jerrüttete bag 9ieid), big X, »on feinen eignen ©ohnen beftegt, ber Krone entfagte unb fte auf bag $aupt Son ©arcia’g fegte. Um nicht unthdtig ju fein, 30 g erjegt, alg feineg eignen 3Clp^on§ X. man 231 @of)tte8 gelbbett, gegen bie Saucen, fd)(itg fte unb fehlte, mit 33eute berei= djert, jutbc!. 9lacb biefet Unternehmung fiatb er §u gamota 912, 64 3- alt. 2tlpl; on§ X., Äonig non?eonunbdaftilien, mit bemSeinamen bet2fftro= nom ober bet ^fyilofopl), folgte f. Sater gerbinanb bem ^eiligen 1252. ©eine Siebe ftit bie2Biffenfd)aften unb baS Ked)t, unb bet Seiname Sabio (berSBeife) gaben f. Untertanen bie Hoffnung auf eine glucflidjeKegietung; aber biefe dtwartung ging feincSwegS in dtfullung. 2b. wutbe webet non f. gamilie, nod) non f. Untertanen, nod) non f. 92ad)barn geliebt; bagegen bitten f. ©elebtfamfeit unb Serebtfamfeit ibm in duropa einen fold)enKttf erworben, bafj bie beutfdjen Surften f. 2fnfprüd)e auf bie Äaifetfrone begunftigten. Statt auf bie SSettteibung bet bauten unb bie ßdbmung be8 2lbelS bebadjt ju fein, nerfdjtnenbete et bieÄtdfte f. SanbeS, um ftd) 1257 non einem Sbeile bet beutfdjen Surften jumÄaifer etwdblen ju (affen. 2C((ein f. SSemübungen, biefe 2Butbe gegen Kubolf non #ab8burg ju behaupten, watenner* geblid), unbfPapfi©tegotX. weigerte fid) nicht nur, ibm bie Äaifetfrone, fonbetn aud) Schwaben, aufbaS er non ©eiten f. SKutter SSeatrip, einet S. ÄonigS fPbi= (ipp I., -fjetjogS non Schwaben, 2(nfprud)e batte, jujuerfennen. Untetbeffen warb 2t.’S Sl)ton jugleid) non ben beimlid)en2fnfd)ldgen ber@tofien unb ben SEBaffen bet Stauten bebtobt. Segtere fd)(ttg er in einem blutigen Steffen 1263, entrifj ihnen 36ereS, SKebina ©ibonia, ©an=Sucar unb einen Sbeil 2(lgatbien8, unb neteinigte SKutcia mit dafitlien. 2lbet biefe ©iege tnutben burd) einen neuen, 1271 non bem SnfantenfPbilipp erregten 2(ufftanb unterboten, bem .et erft nad) 3jauftg »on ©pp, ber 533of)tfci[J)cit, 2eid)tigfeit unb 9tein= liebfeit halber, mit einiger Tfitfchüffigfeit für bie geucf)tigfeiten aus ber Suft unter ber S3rufttef>ne. Sie ©infaffung bet Srufttehne fann butcf)6rocf)en fein ober nicht, fowie eS »on ber fPhantafie beS SeftfsetS abfjdngt, bie Steife ber ©infaffung mit Slumen, fPflanjen, Srupilbenuc. ju fd)mücfen. 2CÜat, ein er^of)tec ^C>tag, bann, weit man fid) feiner jurn Spfet bebiente, ein Spfetplag, Spferherb. Anfangs waren bie 2lltdre aus ©tbe ober tjffdfje, fpater, als man Sempel erridjtet batte, aus ©tein, ©rj, nnb in ponet gorm mit mannig= faltigen Setjierungen. ©te pnben gegen fOlotgen »or ber ©tatue beS ©otteS, nie= briger als leitete, ©ebr »etfd)ieben »on btefen finb bie2Cltare in ben cbrijil. Äirdjen. Jpier war ber 2lltar fein Spfethetb, fonbern ein SEifd), an welchem baS 2iebeSmaf)l gebalten würbe. 2flS ftd) bteS in fitcblicbe Zeremonie »erwanbelte, blieb jebod) ber Tfltat ein SEifd), in ben ©hot bet .Strebe gefeilt, woran baS 2lbenbmaf)l auögetbeüt nnb anbre Äitcbengebtducbe »orgenommen würben. Sie gemauerten 2lltdre bei ben ©beißen famen wabrfcbeinlid) erft unter Äonßantin bem ©roßen auf. Sie Serotb= nung, fie allezeit gegen fOforgen $u plten, ifl »om fPapß ©irtuSlI. 3n ben romifcb=fatb. -Streßen ftnbet man feit ©regor VI. mebre2fltdre. Ser ^ocßaltar, als ber »orßtglicbße, iß im ©bot ber Äircbe unb ßeßt erhaben auf ©tufen; bie an= bern f (einem finb an ben Pfeilern, ©eitenmauern ober in ©apellen angebracht. 2Cud) in ben großem protejf. Sitd)en ifl gewobnlid) ein großer unb ein fleinet 2fltar. 2fltborfer (2Clbert ober 2flbred)t), berühmter altbeutfcber Sßaler unb Äu= pfetpcbet, geb. ju 3fltorf in Saiern 1488, gefl. 1538 in 9fegenSburg, wo et bie größte Seit lebte. Unter f. großen Silbern ifl ber ©ieg beS 2flepanber über SatiuS, welches burd) bie granjofen aus SKüncben nad) *PatiS fam, unb bie ©eburt beS $ei= lanbeS, in ber faiferl. ©alerie in SEßien, auSgejeicßnet burd) gleiß unb 9Jlannigfaltig= feit beS2CuSbtucfS. 3118 .Supfetßecbet wirb er ju ben fogen. fleinen SJleißern gered)= net, auch ber Keine Süret genannt, weil er biefem SÜletßet ftd) febr näherte. Son feinen feltenen Äupfetßichen liefern Sartfd) unb .fjeinicfen SBevjeicfjniffe. 3Cltenburg, einfdchftfcheS^erjogthum im alten Sßetlanbe, weldjeSburd) bie reußifd)e $errfd)aft ©era in 2 Sheile getheilt wirb. ©6 entßanb baburd), baß 1603-fterjog 3of>atm »on SBeimar, beS unglütflidien .Sutfütßett »on ©achfcn, Sohann gtiebrid), ©nfel, baS »aterlicbe 2anb mit bem ©ohne feines »erß. SrubetS gtiebtid) Söilhelm I. theilfe, wobei biefer 3t(tenburg wählte, unb er felbjl SBeimar erhielt. Sie altenbutgifdje Sinte erlofd) 1672, unb baS gürftentljum 3fltenburg fiel an ^erjog ©rnß ben grommen jit ©otha, beffen ©ohne baS »dterltd)e ©tbe tßeib ten, wobttrd) 3Cltenburg in ben gotßaifcben, eifenbergifd)en unb faalfelbifcßen %n= theil gerftücEelt warb. 9lad) ^eqog dh l 'iftt«n8 ju ©ifenberg Sobe, 1707, fam bet eifenbetgifd)e SanbeSantheil wiebet an baSdpauS ©otha, welches jefst bie 6 2ifnter Tfltenburg, Otonneburg, ©ifenberg, ©antburg, 9loba unb .Saßla »on bem3Clten= burgifcfen befaß. Siefer gotßaifcbe Jfntßeil enthielt 25 DSU., mit 109,557 @. (in 11 ©tdbten, 505 Sßarftß. unbSorf.). Ser f aa Ifelbifdje 3fntheil (32fm= ter: ©aalfelb, ©rafenthal unb fPtoppella, 8 D9JI., 22,300 ©., in 4 ©tdbten, 2 SHarftß. unb 92 Sotf.) gehört, nebß ©ambutg, feit 1826 bem ^erjoge »on ©achfen=9)leintngen:^ilbburghaufen. ©eit 1806 finb burd) einen Vergleich bie Serhdltniffe, welche ben faalfelbifdjen SattbeStheil nod) mit 3fltenburg ßaatSredp lid) »erfnüpften, »olltg aufgehoben. Surd) ben SheilungS»ertrag »om 15. 9lo». 1826 erhielt 3fltenburg (mit Ausnahme ©amburgS unb einiger fPatcellen) ber biS= herige ^erjog »on @.=^ilbburghaufen, welcher nun ^erjog »on @.=3f 11 enb urg heißt. SiefeS gürßenthum, eins ber blühenbßen Sanber Seutfd)lanbS, hat auf 23^ D52.108,000 ©., bie burd) ben ergiebigen gelbbau unb bie ftarfe 5Biel)jud)t fef>r wohlhahenb ftnb. — Siefianbfcfjaft hat3 dutien: baS2fu8fcf;ttßcollegium (16), 3tttenjiein (Romaine 2tttenjieitt (Steif), ü.) 233 baS GorpuS bet allgemeinen Siitterfcfjaft (111) unb baS GorpuS bec jläbtifdjen 2fb= georbneten (8). (©. baS ,,©taatS = unb 2lbrejj()anbbud) beS $erjogtl)umS ©acf)= fen=2Cltenburg, 1828.) — Sie gut gebnute Jpauptjlabt Ottenburg nn bet spteijje £>at in 1279 $äuf. 11,500 G. SMS 1308 gehörte jte ju ben freien 9leid)S= flöhten. SaS alte, auf einem gelfen gelegene ©d)lojj ijl burdf) ben ^rinjenraub non 1455 metlmörbig. (©. Kunj non Häufungen.) ©onjl jeicfnet ftcf> bie ©tabt butci) baS 1703 gegiftete ©pmnaftum, butd) baS 1705 eingerid)= tete gräuleinjlift, butd) mefjte SSereine unb butd) ii)te milben 2Tnjlalten, fornie butd) ben fdjonen ©pajiergang nuf bem Seicfybamm auS; aud) f>at jte 9Ra= nufncturen in SBoUenjeudjen, SBollenbanb, Seber, Sabad unb 4>anbfcf)uf)en, unb treibt einen bebeutenben SBed)fel = , @pebitionS = , 2Boll=, Kotn = unb 3»i- fd)enf)anbe£. 2fltenj!ein, eineSomaine beS fad)femmeiningifcf)en ^ofe8, feit 1798 ©ommeraufentfjalt beffetben, auf einet |>6f)e am fübmejll. 2fbf)ange beS tf)urin= ger SBalbgebirgeS. JMet unb ju 2fltenberga im gurflentfyum ©otfa ptebigte bet 2fpoflet bet Seutfd)en, SJonifaciuS, non 724 — 27 unb erbaute für bie 9leubefei)tten eine Gapeile. — 600 ©djritte hinter bem ©djloffe lief Äurfürfl griebtid) berSBeife am 4. SJlai 1521 £utf;er, um iijn ju retten, auffangen unb nad) bet Sßartburg bringen. Unter bet bortigen alten SSudje tutete Sutfyer aus unb labte fid) am SMunnen. 2fuf ben Sertaffen beS ©artend fiefjt man SJejte bet alten, 1733 abgebrannten SSutg. Sag fyetjogl. ©cfylojj mürbe feit 1798 mit feinem $)atf immer mefjr netfd)bnert. ^erjog ©eorg legte bie gotf)ifcl)e Gapelle, bie ©ennfjfitte nebjt bem Söajferfall, ber einen gorellenteid) unterhalt, bie d)inefifd)e fRotonbe, baS Senbmal ber ^etjogin Gfjartotte 2fmalie, ben f>of)len ©tein unb bie SeufelSbtüde an. Set E)ot)le ©tein erhalt eine Kluft, aus welcher eine 2lolSf)arfe tont. Sie ganje ©egenb mit bem ©ranitfelfen ifl ein nerfd)6nerter 9laturgarten. — Sie fdjönfle $6f)le in Seutfd)(anb ijl bie eine SSiertetjlunbe banon belegene altenjleiner obet liebenjleinet 6f)le beim SSabe Siebenjlein. ©ie ijl f)od), breit, geräumig, reinlid) unb trocfen, unb mürbe bei einer Gfjauffeeanlage 1759 entbedt. Sie garbe bet ©emolbe ijl fd)matj= grau. Gin SfBajfer in ber J?of)le Ijat einen Seid) unb einen fo jlatfen galt, bajj ed beim 2CuStreten ju Sage eine 2Ruf)le treibt. Gin ©tollen, ber unter bet Gljaujfee jlreid)t, bilbet ben Gingang in bie >£)auptf)6l)le, aus 2 grojjen ©älen beflef)enb. 33on einem 2fltan in ber $6f)le f)ort man SRufd, unb aus einet 9lebenf)6l)le nott einem jmeiten ^autboiflendjor ein Gd)o. S3on biefer Jpotylt aus bejleigt man eine fptatforme unb Ijat bie 2fuSfld)t auf baS ©affet. SBäljtenb ber SSabcjeit ijl ©onn= tags l)ier Grleucfjtung, SRuftl unb biSmeilen Sanj. 2tltcnflein (greif). ©tein non), f. pteujj. ©taatSminifler unb SRinijlet beSGultuS, geb. 1760 ingranfen, moer, nad) beenbigten ©tubien, unter ber Sßermaltung beS SRiniflerS non fbarbenberg in ben ©taatsbicnfl trat. Gr folgte biefem ©taatSmanne nad) SSerlin, mo er beim 2fuSbrudje beS .Krieges 1806 ©ef).= ginanjratf) mar. Sn Königsberg, mofjin bie Umjlänbe ifjn nerfefct t)at= ten, berief ifjn ber greif), non $atbenberg als ©el).=©taatSratf) ju ben Arbeiten, bie eine 8leorganifation beS pteujj. ©taatS bejmedten. 2flS ein Sttann non auS= gebreiteten Kenntniffen unb tiefen Ginfidjten — er mar inSbefonbere non gidjte ein greunb unb Anfänger — fdfjritt 21. mit bem geitgeifle fort, falf viel rtn= braucfbateS 2l£teS abfdjaffen unb SSeffereS begrunben; norjüglid) btang et auf bie ©leicfjjlellung aller ©taatsbürger not bem ®efe§ unb baf)er auf 2lbfd)affung bet TlbelSptioilegien. 9lad) ber fRudleljr beS >f)ofeS in Berlin mar 2fi abmed)= felnb in »erfdjiebenen B^eigen ber ©taatSöermaltung tf)ätig, aud) eine Seitlang, ben medjfelnben Umjlänben gemaf, non ben ©efd)äften jurüdgejogen. >f)arben= f>erg führte if>n mteberfjolt in biefelben ^utud. 9lad) bem grofen Umfcbmung 234 2fltenjelle 2tttet bet Singe 1813 mürbe et borjüglid) in bet innetn 33erma(tung bcfd}dftigt. 1815 begleitete et ben StaatSfanjler nacf) *PariS unb leitete bott bie preußifchen jRe= damationen. 1818 bereifte et alS einet bet 3 (fommiffatien, welche bie Übet= bieibfet früherer lanbfiänbifchen Söetfaffungen in ben pteußifchen Banben auf= nehmen follten, bie weftfälifchen unb rtieinifdjen fProbinjen. Stad) SSeenbtgung bicfeS ©efdjäftS mürbe er im nämlichen Satjte jurn SRinifter beS G>ultuS et= nannt, unb hat als foldjcr ftd) neue 33erbienfte um ben (Staat unb bie 3Biffen= fdjaften erworben, befonbetS burd) bie unter feinet fieitung gefiiftete Unioerfität Sonn, fomie butd) ben Sd)Ufc unb bie Sorgfalt, bie et ben >f?od)fd)Ulen über= haitpt unb alten 33ilbungSanffaltcn angebeifjen läßt, in welcher $inftd)t bet preuß. Staat mehr tbjut als irgenb einet in ©uropa. Sie fürjlitf) (1825) gegen bie Umgriffe einet 2ffterpietät unb eines betftnfietnben SRpfiiciSmuS im Äonig= reicf) Preußen etlaffene SSerorbnung ift aud) baS SBerf biefeS tjoc^oerbienten Staatsmannes. QCItenjclte, ehemaliges ©iftercienferftofter an bet freibetgifdjen SJtulbe, jwifchen Säbeln unb Stoffen, mürbe 1162 bon SJtarfgraf Stto bem Steichen bon SReißen geftiftet, reich begabt unb 1175 mitSRonchen aus bem dtlofter fPforta befegt. ©S jeichnete ftd) butd) einen tebenbigen Sinn für SQJiffenfchaft unb fii= teratur attS, unb feine fefon im 14. Sahtf). blühenbe Älofterfchute ift als bie erfte fädjft'fcfe SilbungSanfialt bon SBerth ju betradjten. SRit borjüglicher 2fd)tung ift bet 2fbtSRarttn bon fiochau (1493 —1522) ju nennen, welcher nicht nut ein Seminarium für bie fachftfdjen ©iftercienferftofter im Sernhatbineccoltegium ju ßeipgig fiiftete, fonbetn auch bie SSibliotfjef beS ÄlofterS jum Stange bet erften bamalS in gant Sadtfen beftnblidjen erhob. Sefonbere baterlänbifdfe 33ebeittfam= feit erhielt baS Älofter aud) butd) bie 1347 bon SRarfgraf griebrid) bem ©tnfien im Sejitf bet ÄlofTetmauern erbaute $ürftencapellc, in welcher bie Beiden bet (anbeShettlidjen Familie bon SRatfgtaf £>tto bem Steichen an bis auf Sriebtid) ben Strengen beigefefct mutben. 2US 1544 baS Älofter fecularifirt mürbe, erhielt man bod) bie Stiftsfirdje unb bie anftoßenbe gürftencapelle fortwdhrenb in ban lichern SBefen, bis 1599 beibe bon einem Slihfirafjl entjünbet unb in 3ffd)e ge= (egt würben. Set fdjon bon Sohottn ©eorg II. beabftdjtigte SBieberaufbau ber gürfiencapelle würbe 17S7 bom dtonig griebrid) 2fuguft auf eine wütbige SSBeife auSgefiihrt. Sn ber bon einem fchönen fParf umgebenen SEobtenhalle erhebt ftd) ein aus fdd)fifd;em SRarmot gefertigtes SRonument mit fateinifefjen Snfdjriftcn, weldje bie Stauten unb SobeSjahre ber furftlidjen ^etfonen anjeigen, beten ©e= beine in ber bahntet bcftnblid)en gürffengtuft in 5 fteinernen, auf einem einfachen fPicbeftale ftehenben Urnen gefammelt unb beigefegt fxnb. S. „tfltenjelte", bon •fjeintid) SRartiuS (gxeibetg 1821). 52. 3ftter, eine beftimmte 3fnjahl bon Snh rcn - Beben beS SRenfdfen bon feiner ©eburt bis ju feinem Sobe geht burd) betfd)iebene jjeiträume, weldje man BebenSalter nennt. SRan nimmt meiftenS 4 an: 1) Sie dtinbheit, bom 1. bis 14..Sahre. Sie beftefjt aus 2 Jfbtheilungen. Sie erfte enthält: a) bie eigend lidje dtinbhcit ober infantia, bon ber ©eburt an bis ungefähr jum 7. SRonate, b) bon ba an bis in baS 2. Snh 1 ' (bie erfte 3af)nperiobe), c) bom 4. bis sum 7. Sohte (bie jweite SotwFrtbbe). S>ie jWeite 3fbtheil. ber ittnbheit ift baS dtna6en= unb 5Rdbd)enalter. Sie fangt mit bem 7. S«h tc ftl t unb geht bei bem weibl. ©e= fd)led;te bis ungefähr jum 11. ober 12., bei bem mdnnl. bis jum 14. ober 15., ober bis jut ßntwidelung ber SRannbarfeit (Pubertät). 2) SaS 5unglingS= unb 5Räbd)enalter, ober baS 2Hter bet SRannbarfeit, fängt ba an, wo baS hörige en« bete, unb erftredt ftd; in ben gemäßigten >£immelSftrid)en bei bem weibl. ©efd)lechte bis in baS 20., bei bem mdnnl. bis in baS 25. Snh c - 3) SaS BebenSalter ber Srwachfenen, ober baS fogenannte SRannSafter. £tet fteftt bie Statur fd)einbar 235 Älter eine längere 9Mf)e »on Seiten ftill; allein man bann 3 Seiftäume beffelbenun* tetfeheiben: in bem erften ift ber 5OTenfdj nod) junget- 2)tann (junges 2Beib), in bem jweiten in mittlern Salden, in bem britten alter Sftann (alte grau). 4) SaS 2(lter (im engem ©imte) non 60 Salden an. Ser SJtann wirb ©reis, baS SBcib Patrone. — Sie erfte Äinbfyeit ift merbwötbig burd) bie mit bem ©intritt ins geben bemirften gtopen Setänberungen im Äörper beS ÄinbeS. ©S wirb »on ber gftutter weniger abhängig unb bommt in bie 2Becf)felwitbung bet (Supern ©infTüffe. Ser Umlauf beS SluteS erfährt eine grope Setänbetung, bie Hungen, bie Ser= bauungSwerbjeuge, »otfjer untätig, fangen an ihren Sienft ju oerrichten. Sie Äinb^eit ift bie Seit ber 2(uSbitbung beS SrganiSmuS, welche baju einen Überfluf an ©toffen braucht. Ser SilbungStrieb ift baher »otjuglicl) ftarf, fomie ber SErieb ber Statur, fich bie ©toffe »on 2lupen anjueignen unb jur Seroollbommnung bet ©ebilbe beS ÄotpetS ju oerwenben, wephalb auch bie SEfjeilc unb 5Betfjeuge befiel; ben, welche biefeS ©efd)äft über ftrfj haben, als bie SerbauungSwerbjeuge, baS einfaugenbe 2Cberfpftem, bie Mer, Stufen u. f. w., im ÄinbeSbörpet »otf)err= fdjenb finb. 2CuS biefer ttberwiegenben $ercfcf)aft beS SilbungStriebeS erblärt ftd) bet fehr grope Jfopf, bie weiche gafer, bie ffarbe ©ptuft, bie 2luSbilbung unb 3u= nähme beS ÄörperS, bie Sefeftigung bet Änochen, baS -£er»orbred)en ber Sahne. 2fuS ber eigentümlichen börperlidjen SSefcfjctffenheit beS ÄinbeS fliepen auch bie Sefonberheiten feiner Äranbfjeiten. Sie ©pfteme, welche »orf)errfd)en, leiben auch »otjüglich, baher bie Surchfälle, ©elbfud)f, Srüfenbranfheitcn u. f. w. Sn bet jweiten 2lbtf)eilung bet Äinbfjeit geht baS 9Bad)Stf)um nod) fort, auch bie anbern ©pfteme beS menfchlichen ÄörpetS »erftarbetr fid); bie SJtuSbetn werben fräftiger, baS Slutfpftem nimmt an Äraft ju, baS 9ter»enfpftem nähert ftch feiner Sollbom= menheit, baS ©ehitn wirb fefier. ©ilt bie Statur ju fehr oorwärts mit ber 2fuS= bilbung, fo entfiel) en ebenfowol Äranfheiten, als wenn fte juntcfbleibt. Sm erften gall entftehen j. S. bie 2lnlagen ju Sterüenjufällen, Sucfungen, bie Steigung ju ©ntjimbungen, Seber =, IBruft=, felbft bis jur ^irnentjünbung, weldje bei Äin= betn nicht fo feiten ift, als man oft glaubt. Sm jweiten gälte bleibt baS SBad)S= thum unb bie hatmonifd)e tfuSbilbung jutttcb, eS entfiele ©brofelbranbf)eit, 2lb= jehrung (2ltrophie), Serfiopfung bet ©ebrösbrufen, englifche Äranbfjeit u. f. w. Sn ber Sugenb ift baS fpetj unb fein tlrterienfpfiem jur »ollen Jperrfihaft gelangt, mit ihm erhebt ftd) baS Steroenfpfiem. Sie Hunge, ber Segeiftung beS SluteS burd) ben ©auerjtoff gewibmet, Wenbet ftch etj unb ©efjirn, wirb alfo burd) baS ©teigen beiber in ber -öerrfdpaft gleichfalls mit erhoben. SieS geigt ftch nud) burd) bie oollenbete 2fuSbilbmtg beS ÄörpetS, baS erhöhte ©efülfi, bie rafd)en unb ftarfen Sewegun= gen ber SJtuSbeln, bie tfuSbefmung unb Serjtärf'ung ber Hungen unb ber Stuft. Ser Sau beS SDtenfrfjen ift in ftd) uollenbet, bie bilbenbe .Kraft ftrebt nun attper= halb beffelben auf ben ©enup. Sie ®efd)led)tet trennen ftch, bie hierhin gehörigen SBerfjeuge erwachen aus ihrem ©ntwkbelungSfdfiafe, um ins Heben mit einju= ftimmen. (©. ©e fehl echt.) SaS Heben ftef>t in feiner Slutf)e, bod) auch ihr btofjen ©efahren. #at bie Statur fd)on aus bem »origen Scitraum einen |>ang jum Soreilen im SBadjstf)um, fo fegt er ftch leicht in biefem fort. Sie ©teigerung ber Hungen geht leicht in 2fuSjef)tung (fPhthifiS) über. Sie Sugenb ift baS eigene liehe 2llter jttr biefe ©(affe »on Äranfheiten. Slutflup, als Übermap ber arte; ftellen Shätigfeit, unb Serjeljtung folgen einanber. Sft ©frofetanlage aus ber Äinbheit in bie Sugenb ubergetreten, fo hemmt ftd) bie 2fuSbilbung auch in leb 5 terer. Sn ben Hungen bleiben .Knoten jitrucf, bie in ©ntjunbung unb ©efdjwure ubergehen, wenn bie arterielle ©timmung in ben Hungen für ben 2bugenbUcb in bie $öhe getrieben wirb unb barauf wieber um fo tiefer fi'nbt. Sn bem SÄannSalfet finb nun bie einjelnen ©ebilbe unb ©pfteme beS Körperbaues fammtlid) attSgebih 236 2Ctter bet, alle Verrichtungen beffelbcn ftcb)en itt ^armonifc^er Vetbinbung; gejfigfeit unb 9i«6 e f)«rfd)t burdjaug. >£>ier ift 6ie SSreite beg £ebeng, bie nur etmag auf bet anfangenben ©eite nod) gegen bie 3«genb, auf bet entgegengefefsten gegen bag 2fltet f>trtneigt. Sie gottfd)reitung bet innern Veränberungen fdjeint einen @till= ftanb ju machen, aber in bet Statut iji fein Stillfianb. Ser junge Sftann neigt jtd) noch ju ben Äranfheiten bet Sugenb, bie Stuft ift nod) Ijnufxg bet Sifc bet Äranfheiten. 3m mitttern 2(ltet ftcigt bie fortfcfjreitenbe Veränbetung abmätfg, burd) bie Spfteme, buccf) wetdje bag SSSad)gtf)um aufwärtg ftieg. Sag Vers bauunggfpftem läßt von feinet .Kraft nacf). Ser auggebitbete .Körper bebarf feineg Übetfluffeg meßt an fJtahrunggffoff gum 5Baci)gti)um, nur einet mäßigen Stenge gut Schaltung. Ser SSlutumlauf im Unterleibe roitb gemäßigt, bie Met, fd)on tdngft ihrer ^errfcfaft beraubt, wirb fetbft in bem if)t eigenthümlkhen 2lbfonbes tungggefdjdfte bet ©alle trage, bie ©infaugung beg Venenbtutg aug bem Unters leibe, bet rübfgdngige £auf bejfelben burchbieMer langfamer. Satjer Ätanffjei= ten beg Unterleibeg, Vlutftocfung unb 2lnf)äufung in bem Venenfpftem beffelben, .fjämorthoibalbefchwerben, gebiet bet Verbauung, um fo mehr, wenn bie £3e= gierben beg Stenfdßen nad) fmnlicben ©enöffen, vielen Speifen unb ©etränfen, mit bem Vebürfniß unb bet Verbauunggfraft nicht im Verhältniß fteben. Vei bem alten Stanne wanbett bie Stucfbilbung beg Korperbaueg weiter abmärtg, nad) ben ©ebilben bet 2lugfcßeibung (fowie im ©egenfafs bie 2(ugbitbung butd) bie ©infau= gungggebilbe aufwärtg ftieg), vornehmlich bem Stierens unb .Knochenfpftem. Set Überfluß etbiget Stoffe wirb in ben .Knochen nicht mehr abgefegt, muff bähet butd) bie Stieren auggefcßieben werben. .fjier hetrfd)t bähet noch bie 9?eigbarfeit in ers höhtet arterieller Stimmung, butd) ©ntgunbung offenbart, bähet bie ©id)t (2lt= thritig) unb mag bal)tn gehört. SSei nod) feeftefjenben Mengftdften ift biefe tegel= mäßig, heftig, aber fchnell vorubergehenb, ben laftigen, erbigen Stoff nach Äu= f en abfonbetnb. (S. 21 r t h t i t i f cf).) 3lud) bie Neigung gut Steinbilbung in ben liieren unb in bet SSlafe ift biefem Mengalter eigen, wenn bie gefunfene Mengs fraft ben Überfluß an etbigen Stoffen nicht befeitigen unb beten Neigung gut frps flalliitifchen Vereinigung nicht überwältigen fann. 3*u befonbetg fogenannten 311= tet flnft bie Mengfraft mehr herab; inbeffen wenn biefer Siücfgang bet Staturein= richtung gemäß, unb in ben Spftemen beg .Kotperbaueg harmonifd) gefchieht, fo fann red)t gut bie telatioe ©efunbßeit beg Stenfchen babei beftehen, tute eg beim viele 21 Ite gibt, welche munter unb gefunb ft'nb unb bie unabtvenbbaten Vefcßwets ben beg 2lltetg leicht ertragen. Set ®efd)ted)tgtrieb fcßwinbet allmdlig (bei bem weiblichen ®efd)led)te noch früher), bie ©efdjäfte bet ©rnährung ftnfen immer mehr, bie Stugfelfräfte nehmen ab, bie Sinne werben fd)wdd)er, bie ©efüßle ftumpf. ©ine gute Mbegbefcßaffenheit, ©tfpatniß bet .Kräfte unb regelmäßige Siät in bet Sugenb unb im Stanngalter fonnen biefe fPeriobe feßt vergogetn unb bag 2lltet leichter machen. Steg wirb gu wenig von ben Stenfdjen im SJtanngatter behergigt. ©emiß bie metften Äranfheiten beg 2(ltetg ftnb entmeber nut ©ntwicfes lungen bet früher gefammelten .Keime ober golge etneg unhatmonifcßen Sinfeng bet Mengfraft einzelner Verridjtungen in einzelnen ^heilen beg Äbtpetg, wdhrenb ftd) anbre noch behaupten. Vorher bereitete Übel bted)en hiet aug. Sie 2frtl)titig gehtauf innere eble Sheile jutiuf, ober in witflidje Steinbilbung übet, einjelne 5£h«le jterben ab, bähet fcetwifliget Vranb an ben güßen, frebgljcifte unheilbare ©e[d)WÜre tt. f. w. — 2lud) bie geiftigen Äußerungen tragen nad) ben verfd)ie= benen Mengattern vetfd)iebene ©igenßeiten an ftd). Sag Äinb braucht einige Seit, fid) in feine neue Söelt gu ftnben unb bie eg umgebenben ©egenfldnbe gu unters fcheiben. 2fm etften lernt eg feine SOhttter fennen. ©g fammelt etft nut Sitmcgs einbrutfe, unb bie ©ntmicfelung bet Sinne geht wahtfcheinlid) in fotgenber Srbs nung vor ftd;: ©efüf)l, ©efid)t, ©efchmaä, ©ehot, ©etud). fOSeitethin bilben Altera pars Petri Ätterniren 237 ftd) bic ©eelen»etmögen aus, baS Kiitb fangt an }tt unterfcheiben, überbaS©e= fefjene ju benfen; baS ©ebächtniß geigt ftd) ttorgügtidj ftarf. Sie 3ugenb geidjnet ftd) au§ burd) lebhaftes ®efuf)t, feurige ©nbilbttngSfraft, aufbraufenbe, abernid)t lange auf einem ©egenflanb tjaftenbe Shätigfeit, heftige S3egietbe. Sn biefem Älter blüht bie Siebe, bie Sluelle betfeligflen ©efüf)le itnb ber bitterjlen ^Oein, bie SEriebfeber ber ebeljten $anb(ungen unb ber fd;recflid)ften SSerirrungen. SaS SKannSalter tragt ein ernftereS ©eftd)t, eS if! bie Seit bet grudjte. Überlegung tritt an bie ©teile beS leichten ©tnneS, ©leidjmüthigfeit »erbrängt ben Söanfek mutf), Klugheit bie Unbefonnenfjeit. Sie gefammelten begriffe werben »etarbeU tet, ber@eift wirb «erebelt, bie UrtheilSfraft wäcbft unb wirb freier non ber fie vorder befangenben ©innlichfett. ©owie ber Körper abwärts getjf, f>ebt ber ©eift ftd) befto tjotjet; bie Vernunft geigt jtcb in ihrem reinften fiicfjt. 3m Älter nehmen bie Äußerungen bet ©eelensetmögen in bem Stabe ab, als bie SJfafdjine baju an £auglid)feit verliert, ohne baß jebod) bie SSernunft felbfi »on ihrer J?öf)e f)erabftci= gen muß. 3m ©egentfjeil fcheint biefe bei bem an Körper unb ©eift gcfunben ©reife ftd) immer meijt non ben irbtfdjen ©d)tacfen ju reinigen unb «on ben 33erl)d(t= niffen beS 2ebenS unabhängiger ju werben. Sagegen werben auch moralifd)e geh» ler burd) bie juneljmenbe Schwache beS ©reifenalterS befto f>ervorftecf;enber. 83e= fonbetS will ©t)«fud)t unb ©elbgeig, Steib auf bie SSorgüge unb gteuben ber 3«= genb, Sabelfucfyt, ©efdjwähigfeit, gegangen an vorgefaßten Meinungen, Krit= telei unb muttföpftgeS Söefen ftcf> hertfdjenb madjen. @d)bn unb fraftig hat •fiotaz bie 3üge beS ÄlterS gezeichnet in feiner,, Ars poetica" «om 158. bis jum 174. -SBerfe. Altera pars Petri (aud) secunda Petri ober Rami) wirb jur S5e= Zeichnung ber UrtheilSfraft gebraucht, wenn man nämlid) Semanbem biefeS SSet* mögen, ober «ielmchr bie hohem Äußerungen beffclben, ben ©djarfftnn, Sffiifs k. abfpricf)t. SOtan fagt bann: eS fehlt ihm altera pars Petri. Siefer Sftangel fann alfo.fiattfmben bei übrigens großer ©clehrfamfcit, wenn man unter berfelben nur einen bem ©cbäd)tniffe an»ertrquten großen fßortatf) «on hifiorifd)en, wiffem fd)aftlid)en Kenntniffen »erfteht. Sie hier gebacf)te3iebenSart erflärt man aus bem Seljrb. bet Sogif beS fPetruS StamuS (eines berühmten SleformatorS ber fdjolafl. fPhitof. Z u ^PartS, ber 1572 eins «on ben Spfetn ber SSlutf)od)zeit warb). ' ©ein ©pjtem bet 2ogif beftanb aus 2 &l)In., ber erfte hgnbelte de inventione, ber zweite de judicio. ©onad) war bie UrtheilSfraft buchftäblid) altera pars Rami. Änbte leiten biefe StebenSart aus ber ©rabfcf>rift beffelben Petrus St. her: „Hicjacet Petrus Ramus (hier ruht P. R.) vir magnae memoriae (ein Sltann «on großem ©ebdchtniffe, ein Sßfann, bet «iel wußte), expcctans judicium". Siefc 2ßorte fönnen heißen: er erwartet baS ©erid)t, bie SSergcltung; benn baS heißt judicium. SaS SBort judicium bejeid)ttet aber auch bie UrtheilSfraft; alfo fönnte ber ©inn biefer Sßorte fein: ihm fehlte aber, bei «ielem SCBiffen, bie UrtheilSfraft. Alter ego, eine befonberS in bem Kanzleifipl beS Königreichs beibet ©i= ciliett gebrdudtliche ftaatSred)tlid)e Glaufel, burd) weld)e ber König einem »on ihm ernannten ©telloertreter ober ©eneraloicar beS 9teid)S bie «olle ÄuSübung aller Siechte ber fonigl. ©ewalt, ohne ÄuSnahme unb ©nfd)tänfung, übertragt, fobaß bet SfeichSoerwefet gleid)fam baS gtveite 3d) beS Königs ift. SieS gefdjaf) in Steapel nad) bem Äufftanb «on SHonteforte, wo ber jegige König als Kronprinz «on feinem SSateram 6.3ul-1820 z«m ©eneralflelloertreterbeS Königreid)S ernannt würbe. 3n granfteid) brauchte man bafür benÄuSbrucf: Lieutenant general du roy.aume. 37. Älternirett, baSÄb = ober Umwechfeln »on 3meien (ober SJtehren), bie Ginet um ben Änbern ein unb baffelbe thun, g. S3. ein gewiffeS Ämt »errid)ten, eine ©timme geben tt. f. w. Sie Älter na ti»e (3öechfelwaf)l, 3öed)felfall) bebeutet entweber eine foldje umgehenbe ©timme ober aud) baS ©ntreten »on 2 gdllen, 238 Atter <3tt)l Altertum wovon bcc eine gewagt werben muß, wenn nicht ber anbte jlattftnbc« foll, §. 95. bag $eer befanb ftd) in ber Alternatioe, ftd) burd)fd)lagen ober ft'd) gefangen geben ju muffen. — A 11 e r n i r e n b e $ ä u f e r. 83iele SSerhdltniffe im beutfd)en ©taatg= red)£ hätte man nur burd) Abmcd)felungen lofen gemußt. @o alternirfen Sfireid) unb ©aljbutg im Sirectorium beg 9ieid)gfurfienrati)g, unb bie fed)8 Stürftenfjdufet Sommern, SSecftenburg, SÜSürtcmberg, Reffen, 95aben unb ^olftein med)fe(= ten im 3veid)6furfienratt)e nad) einer gefjnfndjcn 9ieii)e (©tropfe) um, wovon fte aiternirenbe Raufer heißen. 37. 2£ 11 e t* ©tl)l ißt bie 3eifred)nung nad) bem Sutianifdjen ober alten (Salenbet > (f. Ctalenber), nämlich bemjenigen, melier nachSutiugCidfar’8 Gtalenber bie re unb Sage rechnet, unb nid)t nad) bem neuen ©tpl (bem ©regotianifdten, welchen 9}apßt©regorXIII. einfühtte). Seht berechnen alle d)rif!lid)e Staaten, bigauf3tuß= lanb, nad) bem ©regorianifd)en ©tpl ihre 3eit. Sit fProtejlanten f)äh en lange ge= jogert, elfe fte ben neuen ©tpl amtaljmett, unb bereit ^Regierungen ft'd) nur allmdlig baju entfdjloffett. Ser alte ©tpl ifi um 12 Sage in ber 3eitred)nung jurücf. Alterthum, Altertl)ümer (Antiquitäten), Alterthumgfuhbe, Al t er t bum gtniffenf d)a ft. Ser Attgbtucf Altert bum, alte 3eit, tm ©e* genfaft einer neuen, ijianunb für ftd) unbeftimmt unb wirb im Allgemeinen ge= mobnlid) für bag ganje Zeitalter big jut föolfermanbetttng, bie in SSerbinbung mit ber weitern Augbrcituttg beg Ghriftenthumg einen Abfdßnitt unb SBenbepunft in bet ©ntwicfelungggefd)id)te ber 9Renfd)l)ett bilbet, gebraud)t. (©. Antif.) Sw ■ engern ©ittne befd)ranft man ü;n entweber auf bie beiben $aupt»6lfer ber alten SBelt, ©ticd)en unb StRomer, ober auf bie 93orjeit irgenb cineg einjelnen SSolfeb. Altert 1)ümer ftnb im Allgemeinen bie aug bem Altertbum (je nad) bem ©inn, welchen man bamit »erbinbet) hetfiammenben Senfmdler aller Art. Ste Alter-- thumgfunbe (wofür man mol aud) ben Augbrucf Altertümer, Antiquitäten eigentlich falfd) gebraucht) umfajit Sag, wag jur Äenntniß beg politifchen, hdugli* eben, gottegbienjblid)cn, literarifeben unb artijiifd)en 3ußtanbeg ber alten SSolf'et ober auch ber neuen gehört, infofern fte ihren 3uftanb idngft »erdnbert unb ftd) auggebilbet haben; unb bie A r d) d o I o g i e ober bie Äunbe «on ben noch »orhattbe-- nen alten Senfmalern ber alten 93olfet unb beten 33efd)teibung ifi ein Sf)eil berfeO ben. Sie AIterthumgwiffenfdjaft enblid) (»on ber bie Alterthumgfunbe nur einen Sheil ougmadjt) iji ein ©pftem ber gefammten jum SSerftdnbniß beg Altertbttmg unb Alleg beffen, wag aug bentfelbett auf uttg gefommen ift, crforberlid)en Äennt» niffe. 9tad) ihrem ganjen Umfang müßte bie Alterthumgfunbe ein ©emdlbe aller Nationen, aller 3citen unb Sßelttheile liefern big auf ben 3eitpunft, wo bei jeber ber neue ßujtanb ber Stnge eintritt, mit beffen Sarftellung ftd) bie ©tatiftif be= fd)dftigt. @tn folcl)eg allgemeineg 93616er = unb ©taatengemdlbe beftljen wir nod) nid;t, fonbern bloß b c ^. r( tifd>c, griedjifdje, romifd)e, etrucifcbe, gallifcbe, bettO fetje tc. Altcrtbümer. Überhaupt fühlte man bag SSebutfnifj einer foldjen 5öiffen» febaft eeft im 15. Sahtl)., atg ber ©fer für bie clafft'fche Literatur ber ©riechen unb SRömcr erwachte. 9Ran betrad)tete fte ooretfi als ein f)ülfgmittel, bie ©chriftjhel-- ler biefer Nationen beffer ju «erflehen, ttnbbaherfam eg, baß man fte aud) bloß auf einzelne ©egenftanbe ber Söerfaffung biefer 93olfer befdjrdnfte. Sn ben frühem SBerfen biefer Art ftnbet matt eine große 93elefenf)eit, aber feinen feften fptan, feine fritifd)e Uttterfdjeibung ber 3eiten unb Umßtdnbe. ©ft im 18. 3fah r h- man an, bie rcidjett 9)?aterienfammlungen ber »origen 3eiten fritifd) ju flehten, fpftematifd) unb jwedmdßig ju »erarbeiten. Sie „Bibliographia antiquaria" von Sabriciug (£amb. 1713, 1716) gibt hierüber ausführliche 9lad)tid)t, jumalin ber neuern Augg. »on ©chaffgl;aufen (1740), welcher jcboch neue fftadtttage ju wünfehen Waren, ejpauptfammlungen für bie Alterth. ber ©riechen unb Oibmer ftnb ©ronov’g „Thesaurus antiquitatuni graecarum." (2epben 1697 —1703, 13 239 XEtettfjütmt (beutfcfje) S5be., got.), ©t'döe’S „Thesaurus antiquitatumromanarum" (Utredjt 1694—99, 12 Bbe., got.), bet „Novus thesaurus antiqu. roman." »on ©attcngre (>g)aag 1716—19, 3 Bbe., got.), unb „Poleni utriusque thes. nova supplcin." (Beneb. 1737, 5 Bbe., got.), in meldjen SBetEen »on ben bebcutenbjfen -fumiantften jener 3eit bte Untecfudtjungen übet einjetne ©egenftanbe bet2E(tertf)ümet niebctgetegt finb. Burmann lieferte einen „Catalogus librorum, qui in thes. Roni. Graec. italico et Siculo continentur" (gepb. 1725). SBaS biefc vfjmmanifEen im Xlgemetnen unb ©injetnen gefagt, mürbe »on ben fpdtern mit 2fu6tonf)[ gefammctt unb ptanmafig »erarbeitet. Sn biefet 2Ert etmarben ftd; »orjüglidje Berbienfte um bie gried). 2ftter= ttjümer gr. 9?ouS, (Pfeiffer, (Potter, Siambad;, gambertuS BoS, Barthetemp, Bitfdj unb beffen gortfeger, Hopfner, JEopEe, jfannegieper tt. X, umbieromi= fdjen Xterth. aber (Roftn, Sempfier, ©eltariuS, Bieuport, ^einecduS, SRater= nuS ». ©itano, ©runer, (Reis, SReierotto, (Ritfdj, 2(bam, 5Reper, (Rupetti. ©in über tomifdje Xterth. fetjr braudjbareS SBetE iffc noct; „Sam. Pitisci lexicon antiquit. ronian." (gepb. 1713, got.; Beneb. 1719, 3 SSbe. got.; .fjaag 1737, 3 Bbe. got.); mo»on ju Berlin (1793) ein XtSsug etfd;ien. $anbbüdjer über bie gried;. unb rom. Xterth. finb »on ©fdjcnburg, ©djarf, ^)anEe. Ser »ort(;eit= (;afte ©ebraud;, ben man »on biefen SBetEen für ein genaueres, richtigeres Ber= ftanbnifj ber gried;. unb romifdjen giteratur unb ©efdjidjte gemacht (;atte, feuchtete jcbt aud; ben Srientatiffen fo beuttid; ein, bajj fte ben übrigen ^umaniften nidjt tanger hierin nacbjiefjen motlten. 3t;re XtfmerEfamEeit mar megcn beS j3ttfttmmen= tjangeS ber t;ebraifcf;en giteratur mit ben Urfunben beS GljriftenthumS »ornetjmlid; auf bie hebraifdjen Xtertt;ümer geratet, über meldje SEett, gaber, SBarneEtoS, Bellermann, Saf;n u. X fo nütslidje als intereffante >£>anbbüd;er geliefert haben, gür bieXtertt)ümerber anbetn ettentatifdjen SßotEer haben bie„ Asiatic researches" »ietfdttig »orgearbeitet, unb ©oguet gibt eine gut Bergtcidjung nühlidje Überfidjt. Bad; Sem, maS SoneS, Xiguetü buPerron, A. SB. ». ©erleget u. A. überSnbien, 3oega, Senon u. X über Agtjpten, Jammer, (Rf;obe, ©otreS über (Petften ge= liefert tjaben, bürfen mir uns »ietteictjt eine SatfMung ber Xterttjümer biefer mid;= tigen orientalifdjen gdnber halb »erfpredjeu. (Die Xtertf;ümer ber neueutopdifchen SSolEer fanben ber Bearbeiter mefjte. Sie Statiener haben t;od;ft fdjdfcbare @amm= tungen »on SRuratori, Sonati, SRaffei u. X, bie granjofen »on SRotitfaucoit, SRitlitt, bie ©ngtdnber eine eigne „Archaeologia britannica", fo and; bie Seuts fdjen u. a. norbifche BolEer. Sie Äunffatterttjümer t;at man feit Xifange beS 18. Sah^h- ton ben übrigen Xterth. abjufonbern angefangen unb fte atS einen eignen 3meig bearbeitet, ©onjl nannte man bie SBiffenfdjaft »on ben Äunftatterth. Xdjdographie, nachher Eam ber Barne Xdjaotogie bafür in ©ebrattd;, bie man atfo »on ben Antiquitäten $tt unterfdjeiben hat, obfdjon ber Baute beiber Saffctbe befagt: XtertljumSEunbe. (©. 2fntiE, 2Erd;dotogieunb SenEmale.) 2Etterthümer, beutfdje, ©egenflanbe, bie einem frühem, tdngftum tergegangenen 3uflanbe ber Seutfdjen angetjoren; namenttid; bie noch »orljanbenen ditfiern ScnEmäter beffetben unb bie Befdjreibttng biefer ©egenjfanbe, An (falten, ©itten, ©ebrduche, ©pradjform unb XtSbrücEe, fomie »ocnefjmticl; bie SBerEe unb ©erdthfcljaften, metdje einem untergegangenen 3u)fanbe unferSBotES angeboren, j. SS. BaumetEe unb ihre Srümmet, Sempet, ©räber, ÄunümerEe anbrer Art, Bi(= bet unb SRatereien, SJfünjen, ©djriften, ^auS = unb ÄciegSgcrdttje, bitben ben 5n= tjatt ber beutfdjen Xtertbümer. Sa aber biefe ©egenjfdnbe fomol auf baS innere BotESteben (Sfeligion/‘SBiffenfdjaft unb Äunjf, ©taatSoerfaffung unb Bermattung, ofentticljeS 9ied;t, S)ri»atred;t unb S)ri»at(eben neb|l >^anbet unb ©emetbe) ft'cl; beziehen, a(S aud; auf baS dupere geben, baS in bem Berbdttniffe beS BotES nad; Stufen, b. h- «uf SBohnpIat; unb Boben, fomie auf bie 2(bftammung unb Bcme= gung beffetben im (Räume bejfetjt, fo h^tttnut bie beutfdjen Xterttjümcr in 9?eti= 240 2ttterff)ftmer (beutfdje) giondalterthümer, wiffenfchafttkhe unb Äunfialterthümer, Staatd = unb fPri»at= alterthümer (worunter auch bie tedjnologifdjen unb oEonomifchen gehören), fet= ner geograpf)tfcf)c unb gcneatogifrfjc Ullterthttmer eingekeilt unb einjelne biefer 5£f)eile,-ja auch 2f6fcf)nitte bctfel 6 en, j. 25. 9Jed)tdatterthümer, einer befonbern Xtnterfucbung unterworfen. SBie jebod) überhaupt ber 25egriff bed 3f Iten unb Sfeuen, auf welcpem ber SSegriff ber tflterthümer beruht, fchwanfenb ift, inbem baS 2 btte unmerElich in bad Steue eingreift unb bad langft Vergangene in bie ©egenwart feine SBirfungen erftrecft, fo ift aud) eine befiimmte Seitgrenge in S3ejief)ung Soffen, Wad man beutfd)e 3(ltertt)ümer nennt, fd)Wierig unb millEütlid). ©nige nehmen < bad 8 ., 3fnbre bad 12 ., ja fogat ©nige bad 15. Sahk- ald Seitgrense an, unb ba in ber Stjat butch bie religiofe ^Reformation unb bie ©rtbecEung »on ttmeriEa bie wid}tigfie SSeranberung in bem Beben ber Seutfdjen nach allen S3ejiehungen an= gegangen ift, fo läfjt ed ftd) allerbingd rechtfertigen, bap man nicht nur bie rein germanifd)e Seit unb bad eigentliche Mittelalter, fonbern auch bie Seit bid gut SBie-- berherftellung ber SBiffenfd)aften, burd) welche bie gegenwärtige (Suttur ber Seut= fcljen sorjüglid) begrünbet worben ift, in biefentllterthümern begreife. Man ttnter= fd)cibet in biefer SSegiefjung unter bcn beutfchen tllterthümern bie SenEmale unb Überlieferungen 1) aud ber f>eibnifdjen Seit, befonberd bie SenEmale, bie aud ber ©be hctaudgegraben werben, ald Sßaffen, j. 2 ?. fieinerne 2 ipte, Pfeile unb ©e= räthfdjaften, wetd)e ju anbern SwecEen bienten, 5 . 25. Spfetmeffer, Urnen unb anbre ©efäfje, ©ohenbtlber, unb jene©rab = unb Spfert)üge( felbft; 2 ) beutfdje SenEmale aud bem Mittelalter, unb jwar fowol unbewegliche ald beweglidje, woju auch bie fchrifttidjen UtEunben gehören. — fRod) fdjwieriger ift bie ©ren^t* jtimmung in 4>inftcht auf SBohnpläge, 2(bjtammung unb räumliche 25erührung berSSolEet, ba EeinSSolE fo getrennt fleht, bafj ed nicht inStaum unb Seit auf mannigfaltige SEBeife, bie jum£h eit fcbon burdj bad SunEel ber 23orgeit »erf)üllt ift, mit anbern in 25etbinbung träte. 5n biefer 25ejief)ung hat man thterthümer Seutfchlanbd unb beutfche 2CltertE)nmer unterfd)ieben, weil in bem utfptünglichen ©ebiet »on Seutfd)tanb einige 2fltertf)ümer non ben SRomern ober anbern 236lEetn (j. 25. flawifchen) herrühren; aber bei eingelnen ©egenftänben ift ber Urfptung bed »orljanbenen 2 Eltettt)umd oftEaum gu entfcfjeibert, befonberd ba in ben ©nrid)tun= gen unb Sitten ber ft'cf? berührenben 236(Eer oft gtope 2CE)nlichfett ftattfmbet. © fcheint baher überhaupt jwecEmäpig, bie beutfd)e JltterthumdEunbe mit jenen ge= nealogifd)en unb geogtaphifchen Unterfuchungen 51 t beginnen, welche bie »erfd)iebe= nen Stämme ber beutfchen 23olEer unb ihre frühem SBohnpläfse, 2Serwanbtfd)af= ten unb 25erühntngen mit 2SölEern frember tlbftammung betreffen, wenngleich nid)t su leugnen ift, bap biefe SSerhättniffe wiebetum im ©njelnen, oft burd) SenEmäter felbft, erElärt unb aufgehellt worben. Senn nur unter 2$oraudfehung gtünblidjet Ünterfud)ungen biefer 2 frt wirb ed möglich fein, 23ermifd)ungen »orjtn beugen, wie fie in |)inficht ber religiofen 2fltertE)ümer ber Seutfdjen fonft fo häufig »otEommen, unb Sad, wad celtifchen ober norbifchen StolEern angehort, »on ben Überbleibfeln bed 2(ltgermanifd)en forgfältiger 31 t unterfd)eiben. Sie Suellen bet beutfchen 2(lterthumdEunbe ftnb, wad ben älteften Suftanb ber Seutfchen anlangt, bie Schriften bet 9tomer (befonberd Sacitud unb Suliud Gäfar) unb ber fpätern ©riedjen (Strabo, fpiutatch «• 2E-) tmb bie älteften SenEmäler felbft, 5 . 25. auf- gefunbene ©eräthfchaften; wad bie mittlere Seit anlangt, bie ©efehfammlungen ber germanifchen VolEer unb bie ®efchid)tfd)reiber ber mittlernSeit, einheimifche unb audlänbifche, fowie bie 2 fnnaliften, welche wir in allgemeinen unb befonbern h'iftorifdjen Sammlungen ftnben, ferner bie UtEunben, >£>anbfchriften, Smfch# ten, ®ebid)te, ÄunftwerEe unb ©eräthfchaften bed Mittelalterd, fowie nicht mim ber Sagen unb Sprüdjworter. 3« ben dpülfdmitteln gehören bie ©loffarien unb Sbiotica, fowie bie Sagen unb @efcl)id)ten anbret Stämme. SB ad beittfcfjc @c= 241 XltettÜfaner (beutfcfye) lehrte für einjetne Steile ober ba$ ©an$e ber beutfd;en Xterthümergeleiflet fjabert, fann man in 58etnl;. griebrid; .gjummel’S ,,S3ibtiotf)e? ber beutfd)en Xterthümer, fpjlem. georbnet tc." (Nürnberg 1787) wnb beffen „Stiften }ur58ibliotheE" (eben» baf. 1791) überfetjen. grüfjer mürben bie beutfd;en Xtertljümer »otjüglid; jur ©rläuterung anbrer 2 Biffenfcf>aften bearbeitet, roie j. 58. ©rupen „Seutfche 7f(ter= t[)ümer, jur Srlaut. beS fdcf>f- unb fdjmöb. SefjnrechtS" (3. 2(ufl., $alle 1762) unb 3oi). ©Otti. -fminecciuS „Antiquitates Germaniae, jurisprudentiam illustran- tes" (Äopenf). 1772 — 73) fdjrieb, roiemol fdjon *Paul. <5f)r. #öpfner in f. „Germania antiqua, ober futje gragen »on ben alten ©ebrdudjen ber Seutfdjen k." (£alle 1711 —12), unb fpdter Srefenreuter’S furjeö Sompenbium („Antiquitates German.", ©öttingen 1761) ben allgemeinen ©eftd;t$punft einfd;lugen. 3u ben beffern unb au$führlid;ern geboren be$ ermähnten Jpummcl „Sompenbium beut» fd;er Xterthümer" (Nürnberg 1788), nebft f. „58efd;reib. neuentbedter Xtertf)ü= merinSeutfd;lanb" (1792) unbStößig’ö „Xterthümer ber Seutfchenm." (2.2fufT., Seipjig 1801). Miemol nun biefem allgemeinen Sompenbium fein neueres, unfet? MijfenS, gefolgt ijt, fo hat bod; bie Kunbe bet beutfdjen Xterthümer in berneuefien Seit, unb befonbet« feit bet Spod;e ber franj. Sminghetrfchaft, burd; meld;e ba$ beutfehe fRationalgefühl fo m«d;tig aufgeregt mürbe, um fo größere gortfdjritte gemacht, je mehr man fid) mit grünblichen Unterfuchungen über baS Sinjelne unb in befimmten fProoinjen 58orl;anbene befdjdftigte: Unterfud;ungen, meld;e früher theilS »ernad;ldffigt roaren, theilS nicht »on bem umfaffenben mi(fenfchaftlid)en ©tanbpunfte unferer Seit angeftellt merbeit konnten,, meßhalb eS aud; nicht möglich mar, ein gtünblidjeS ©anjeS ju liefern. 3n biefer S?ejiel)ung finb rübmlid; ju er» mdhnen: ©ratet, befonberä in f. Seitfeh cift „3buna unb ^jermobe" (1816, 4.); 58üfd;ing in f. „5fBöd;entl. Stachr. fütgreunbe ber ©efd;.", morauS befonberS eibgebrucft iff: „Ser Seutfd;en Seben, Kunjt unb 2Bi|fen im Mittelalter", unb anbre Monographien, j. 58. „Sa$ 58ilb beS ©otteS Spt" (58re$lau 1819); „Sie heibnifchen Xterthümer ©d;leffen$", l.u. 2. $eft (Seipjig 1820 — 21), nebft Ärufe’S „58uborgiS" (Seipjig 1819). gerner: Sororo, „Spferftdtten unb ©rab» hügel bet ©etmanen am 9thein" (2>öefte, MieSbaben 1819 — 21); „Schein* gauifche 2fltertt>dmer", »on58obmamt, 1 . u. 2 . X>tl;. (Mainj 1819, 4.); 3- 21. *))auli, „Sie römifchen unb beutfdjen 2flterthümer am Sfhein" (1. Xotf;.: 9if>cina t)effen, Sarmftabt 1821); ©ötfje, „Kunft unb Xterthümer am 5Khein"; „Kur» marfifche Xterthum 6 = Merfmürbigfeiten", im 3 . 1820 entbedt, »on 3?eirf>en= bach (S5erlin 1821). gerner gehören hierher: „Sie beutfdjen Senfmdler", her» auSgeg. unb erfl. »on SSatt, 58abo, ©tenbenj, Mone unb SSeber, 1. $eft (.jpeibelb. 1820); 523. S. ©rimm, „Über beutfd;e Sfunen" (® 6 tt. 1821), unb viele gotfd;ungen, 5 . S3. 58atth’$, bie Urgefcf;id;te SeutfchlanbS betreffend ($of 1818). 58ornet;mlich h«ben fich bie gorfchungen über beutfehe Xterthümer neuere lieh aud; mit ©ptachbenfmalen (hier ftnb ju nennen »on ber dpagen, ©rimm, Socen u. X), fomie mit ben Senfmalern ber altbeutfd;en 58aufunfi (hierher ge» hören MolIer’S, CEoftenoble’S, ©tieglifs’S, Suaglio’S u. X Arbeiten; f. ©e* fchidjte berSSaufunft) befchdftigt. Xtd; bürfen mir nid;t übergehen, baß bie beutfehe XterthumSfunbe fomol burd; thdtige Unterftugung mel;rer Otegierungen (j. 58. ber preußifd;en am Schein), in ber Stachgrabung unb 2fufbet»ahrung alt» beutfeher Senfmdler, als aud; burd; mehre fütjlid; errichtete (Priuatgefellfdiaften, 5 .58. bie ©efellfchaft für altere beutfehe ©efd;id;täfunbe, ber thüringifd; = fdchftfch* 58erein $ut ®rforfd;ung beS »aterlanb. 3(lterthumS unb Schaltung feiner Senfmale, beffen ©jungen in ber ©tabt Otaumburg gehalten metben, unb 2 anbre ©efell» fchoften für Srforfchung ber Xterthümer im Königreiche ©ad;fen, roelche in SreS» * ben unb fieipjig iljren ©ih haben, mit Siebe geförbert mirb. 2flS Sammlungen auigegrabener beutfdjer 2flterthümer nennen mir baS Mufeum ber rheinifd; = roeft» Son».« 8 ep. ©iebente Xufl. 83b, I. f 16 242 2ttfona 2tttertf)ümer @cf)teftcriS fdlifcgen Jfltertg. j« 33onn, bic furftt. JCtfertgümerfammlung ju 33raunfelg (bat= gefi. oon ©cgaum, in litgograpg. Spanier), unb bic beg Siofengdrtner ju ©alj= bürg. Surd) fotrfje SBemügungen ifi ju goffen, baf wir bag Ceben unfergföolfg Bon feinem ftügejien Sufianbe an immer flater überfegauen unb aueg babureg bie richtige SBütbigung bec ©egenwart gewinnen werben, meid)? bie Äenntnif ber 23er= gangengeit immer Bermittelt. Sugteicf) wirb butd) fite bie tgatigfie SSelebung ber iBaterlanbgliebe unb beg fJiationalftnneg auggefproegen unb bewirft. 44. 3fltcrtf)ümer ©cglefien§. ©ne feit 1815 in 35reglau beftegenbe ©efellfcgaft für »atertdnbifcfje ©ultur, weld)e ju belegrenben Untergattungen, ge= meinfdgaftlicgen Unterfud)ungen wiffenfcgaftlicgec ©egenfidnbe, bie ben tarnen gemeinnügiget Berbienen, unb uorjüglibg ju Aufbringung alter vfjülfgmittel, bie biefem 3wecfe forbertid) fein fonnen, mit ©cnegmigung ber göcgfien SSetjorben ju= fammentrat, gat igren ©ifec oorjüglid) auf bie alten Senfmdter fowol geibnifeget alg cgtiftlicger Seit gewanbt,. ©inSournal, „©orrefponbenj ber fcglef. ©efetlfcg.", gibt Bon igren Arbeiten Siedgenfcgaft. 5Ölit augge§eid>ncter Sgeilnagme betrieb man aber bie Auffammlung bec geibnifegett Überrefte, bie im fÖiufeum ber breg= lauer $ocgfd)ule ein Untecfommen, unb an fProf. S3üfcging einen geteerten ©tfld- rer fanben. SSeim Anlegen einer neuen Sanbftcafe, unweit SBoglau, traf man auf weit verbreitete Sobtenjidtten; ©erdtg, wie aueg fegon anberwdrtg entbeeft worben ift, fam ju Sage unb würbe in ben „*£>eibnifd)en Altertgümern ©cglefteng", getauggeg. Bon 35üfd)ing (Seip^. 1820), mit ©teinbr. in gr. Sol., genau befannf gemacht. D. .Stufe baute auf bie Srtlicgfeiten ber Sobtenfidtten ein geogtapg. ©pfiem, bag, fPtolemaug neroollfidnbigenb, Borjügticf) bie 5Bognorte bec Spgiet nad)weifen fottte. Suecft trug er eg in ber „83ubocgig" boc, bann weiter, trog bet SBiberfptücge jweiet 33eurtgeilcr (in ben SBienet unb in ben $eibelb. Sagrbüdgern), in bem „Ard)io für atte ©eograpgic, ©efd). unb Altertgümer, infonberf>eit ber getmanifegen SSölferfidmme" (Sreglau 1821). 19. A 11g d a, ©emaglin beg Sneug unb fOiutter ber S e i a n i r a (f. b.). Altona, nacgSopengagenbie grofte bdnifdje ©tabt, im ^erjogtf). «^olflem (53° 54'25" 33r. unb 43° 20' 38" £>. 2.), eine SSiertelffunbe unterhalb J?am= bürg an ber ©tbe, ift oom v£>ambutger=S3erge, ^ambitrgg SSorfiabt, bureg einen fleinen SSad), jegt ber ©tabtgeaben genannt, getrennt. Sie ©tabt entgalt über 23,000 ©inw. (unter biefen 2400 beutfdje unb portugief. 5üben, bie bag Sürger-- red)t gaben, mit einem Sbercabbiner, unter bem alle Suben, aud) bie gamburget, Bon ber ©Ibe big an ben fleinen SSelt ftegen, auggenommen bie ©lürffidbter) unb etwa 2230 Raufer unb 520 SBognfctler, ift auf einem fegr abfbgüfftgen SSoben gc= baut, weld)er fteg jum ©tabtgraben, befonberg ftarf aber juc ©tbe fenft, inbemfie Bon biefer ©eite einen ampgitgeatcatifd)cn Anblid! gewdgrt. 5n Altona ift, einen Sgeit an ber ©Ibfeite auggenommen, bie SSauart niegt gebrdngt, unb eg finb mainege ©arten in ber ©tabt, befto unregelmdftget ftnb bie wenigen freien fptdge. Unter ben offentl. ©ebduben jeiegnen fteg aug: bie Sutgerifcge Äircge, bag 9tatggaug unb bag SBaifengaug. Ser fegonfte Sgeil bec ©tabt ifi bie fPalmaille, eine lange unb breite ©träfe, an beiben ©eiten mit auggeäekgneten ^)riBatgebauben, unb in ber • SJiitte mit einem mit megren 9ieigen SSdumen gefegten ©pagtergange, non tw man an einigen ©teilen ben SSlicE auf bie ©Ibe, bie mit Sliüglen unb SBerften Beo fegenen Sufeln unb bag gegenfeitige obe, meifieng mit ^>eibe bewaegfene, bergige Ufer gat. Sie ©traf en finb gröftentgeilg breit unb gerabe, Bigle gut, unb einige noräüglid) gut gepflafiert. Sefio fd)lecgtec ifi bie ©trafenbeleucgtung. Sie gabrb fen finb unbebeutenb, mit ‘flugnagme ber 3ucfer= unb ©eifenfiebereien, bec Sgraio brennereien unb ©attunbruefereien. Ser >^ecingg= unb föSallftfcgfang biefer ©tabt ifi anfegnlicg. SCBicgtig ifi ber ^anbel, obgleid) bie ©tabt Weber einen guten -fjafen nod) ©anale gat , bie ben Srangport ber SBaaren ecleid)tern. Sßeit Hamburg mit 243 2ntranfldbter Triebe ben entfernteren SSSeltgegenben in SSerbinbung ficfjt, fo genießen bie altcnaer Haufs leuteben großen SSortheil, Schiffe, bie »on unb nad) Hamburg gehen, mitjubes flachten, ju beren alleiniger 3(ugtüfhtng cg ihnen oft an SRitteln fehlen bürfte. Sod) haben fie 70 eigne Schiffe. 3lud) hat bie bdnifche ^Regierung burd) mancher; lei SSegünjtigungen jum glor ber Stabt beigetragen. -£>ier ift nämlich ein 6om= metscollegium, eine SRünje, eine SSorfe, eine ©irobanf unb feit 1739 ein afabes mifd)eg ©pmnaftum. 6g gibt wenig Srte, wo fo »iele SDulbung aller 9vcligiong= Parteien »on Seiten bet Stegierung frattfinbet, alg in 31. üBon bcn ©efellfchafs > ten gut Seforberung beg ©emeinnügtgen »ecbient bie Sd)legwig=hol(feinifd)e pa= triotifche' ©efellfchaft angeführt j« werben, beren -öauptoetwaltung hier ihre 33er= fammlungen halt. — 3lltona war um 1500 ein unbebeutcnbeg gifdßetborf. Sie S3ewof)ner gingen nad) Hamburg in bie Hirdje. 1604 erhielt 31. bie 9ied)te eineg glecf eng, warb 1664 unter griebrid) IH. »on Sdnemart ju einer Stabt erhoben, unb blieb big 1640 ber fianbeghoheit ber ©rafen »on Schaumburg, bie zugleich biefen S!)eil ^»olfteing befaßen, unterworfen. 1713 würbe fte »on bem fd)Webtfd)cn ©eneral Steenbocf angejünbet unb big auf 3 Kirchen unb 30 Raufer ein 3faub ber flammen. fRad) biefer Seit ifi 31. burd) »ermef)tte greis heiten, fowie burd) cinfid)tg»olle obrigfeitt. fPecfonen unb burd) einen langen geies ben fehr emporgefommen, befonbetg haben ber nocbamerifanifche unb franz. greis heitglrieg bie ©toße unb ben SBofjlftanb bebeutenb oermehrt. 1813 unb 1814 hatte eg halb ein dhnlid)eg Sd)icffal haben fonnen alg »or 100 3-, inbem eg wegen ber Ärieggopetationen gegen Hamburg ben SSertheibigern außerft hinberlid) war. 25utd) bie ©ewanbtljeit beg Sberprdftbentcn ©rafen fBlüdßer, 3f. mit beiben ©eg= nern, bem greif). SSenningfen, ber bag S3elagerunggl)eec ber 3llliirten, unb bem gürfien ©cfmühl, ber bie Sefagung in Hamburg befehligte, auf folchen guß ju fegen, baß beibe bie fReutralitat 3l.’g felbft beiben oftern 3fngriffen ber SlUiirten auf bie naheliegenbe Sternfchanje, bie bie abgebrannte 33orffabt Hamburgers 33erg beherrfchte, zu ihrem SSortheil benugen ju fonnen glaubten, war eg mog= lid) geworben, bie Stabt 3(. zu retten unb ihren 6inw. bie fonjt unoetmeiblich fiarfe SSequartierung ju erfparen, bie fdjon in ber Swifcgenpetiobe jwifd)en 93apo= leong in Hamburg befannt geworbener 3fbbanfuttg unb bem wirtlichen 3tbmarfd) ber franz. SSefagung aug Hamburg brücfenb genug werben fonnte. Übrigeng war in biefer Seit auch bie 93crpro»iantirunq 3l.’g eng genug auf bag fRotlpbürftige be[d)ranft, bamit »on 3f. aug fein Sd)leid)hanbel mit fiebengmitteln nad) Hams bürg bebeutenb werben fonnte. 3nttanfidbter grtebe, gefd)loffen jwifcfjen Hart XII., Honig t>on Schweben, unb 3lugufi II., Honig »on (Polen, am 24. Sept. 1706. 3m 9c o r = bt fegen Htiege (f. b.) hatte Hartbie Sacgfen in (Polen, wo 3tuguff fiieflanb ers obern wollte, mehrmalg gefegtagen; 3fuguff war fobann auf bem CReicggtage z« SSatfcgau abgefegt, unb Staniglaug fiegczpngfi 1704 jum Honig gewählt worben. SBeil aber 3fuguft »on feinem S3unbeggenoffen, bem Saar (Peter »on (Rußlanb, uns terflügt, ben Hrieg gegen bie Sd)Weben in (polen foetfegte, fo brang Hart, naegbem fein ©eneral 9fegnfd)6lb ben fdchf. ©eneral Scgulenburg bei graufiabt (14. gebt. 1706) gefchlagen hatte, burd) Scgleffen in Sacgfen ein, befegte bag Hurfürftens thum unb nahm fein Hauptquartier ben 20. Sept. in 3fl t r a n fl a b t, einem 03fatc= borfe ber feigen preuß. (Prooinz Sadjfen, jwifd)en fietpzig unb SRerfeburg, weil in beffen (Rage bei fingen ©ufta» 3fbolf gefallen war. 5Bdl)renb bieg gefd)al), unters hanbelten 3fuguftg II. S5e»ollmdd)tigte, ber ©eh.=03ath greih- »on 3mf)of unb ber ©eh. SleferenbarfPftngften, juSBifdjofgwetbaben 12. Sept. über ben grieben, beffen hmte S5ebingungen fte am 24. ju 3fltranfi:dbt Unterzeichneten, weil fte unbebingte i 83ollmad)t erhalten hatten. 3luguft »erjichtete auf 0)olen unb fiithauen, behielt aber t ben Sütel Honig; ec entfagte bem S3unbe wiber Sd)weben/ ingbefonbere bem mit 16 * 244 tftoenöteben ginget bem 3aar, er lieferte (am 8. 2fprtl 1707) ben Cieftänber 3- 3J. «on fP atf u I (f. b.) an (Schweben au«, gefiattete ben Schweben SBinterquartiere in @ad)fen unb oerpflidjtete fid), fRicht« in bem Äirchenwefen jum jRarf) tl)ei( ber euangelifchen Äit» cf>e abätidnbern. Augufi wollte biefe S3ebingungen nid)t genehmigen, gab jeboef) in ber Hoffnung, baf eine 9Rilberung erlangt werben würbe, bem ©et). 5Ref. ^>ftng= ffen ein SSlanfet. Allein Äarl fcefianb fefi auf jenen S3ebingungen, unb fPftngfien fdjrieb nun bie fRatiftcation ber grieben«urfunbe auf ba« SSlanfet. Ser Stiebe warb etfl am 26. 9io«. publicirt; benn Augufi mufte itm geheim halten, weil er ( in ^elen gewiffermafen «on ben Oiuffen abhängig war unb bähet fogar, nad; be= reit« abgcfchloffenem Stieben, einen Angriff ber SRuffen aufbenfchwebifd)en©enetal SRatbenfelb bei Äalifd) (ben 29. Set. 1706) unterfingen mufte. ©t fetjrte ben 19. San. 1707 nad) Sre«ben jutücf. Ser ©ieget behanbelte ba« dfurfürfienthum fehr hart unb «erlief ©adhfen erfi im ©ept. 1707, nachbem er mit fPteufjen ba« Altranfiäbter SSünbnifj »om 16. Aug. 1707, unb mit bem Äaifer Sofeph I. am 22. Aug. unb 1. ©ept. 1707 bie 2£ltranflabter ©onoention gefdjloffen, babutd) aber ben fProtefianten in ©chlefien bie freie 9ieligion«übung gefidjert, fowie bie Sutücfgabe ber eingejogenen 118 Kirchen unb Schuten »erfegafft hatte. — 9iad) itarl« Diiebctlage bei fPultawa erflärte Augufi ben 8. Aug. 1709 ben 2fItrartfräbter Stieben für ungültig, weil Smgof unb fPftngfien ba« SSlanfet gemifbraucht unb ihre S3ollmad)t «berfdfjritten fmtten. Sencr würbe ju lcben«wierigem ©efängnif, biefet jum Sobe «erurtheilt, jeboef) ebenfall« auf ben Äönigfiein gefegt. Augufi jog, auf bie ©inlabung einiger potnifegen ©rofjen, nacgfPolen, nahm «on bem Sgrone wieber SScftg unb erneuerte fein SSünbnifj mit bem 3aar. Al«en§lehen, eine abelige, jegt jum SgcH gräfliche gamilie (lutger.), bie «orjüglich im SRagbebutgifcgen unb in ber Altmarf begütert ifiunb ihre Ab jtam» mung «on 2Bid)atb uon Al»en«leben, bifcgoflich halberfiübtifcgem SRinifieriat ju Aloengleben um 1175 — 85, ableitet, ftd) in »erfd)iebene ßinien theilt unb «iele hod)«ecbiente ÜRänner unter ihren SRitgliebern, j. SS. ben ©rafen fPgilipp Äarl, ©ogn be« Ätieg«tath«prüflbenten in .£anoöer, iüglt. Siefer würbe 1745 geboren, ftubirte in $alle bie 3ied>te unb würbe SReferenbar ber berliner Ärieg«» unb Sontaincnfammer, nachher 1775 aufjerorbentl. ©efanbter am fäd)f. ■§)ofe, 1787 am £ofe ju SSerfailleS, SSotfchafter bei ber SRepublif ber «erein. SRieberlanbe 1788, unb in ©nglanb 1789. 1790 würbe er SRinifiet bet au«wärt. Angelegenheiten, unb erlangte ben 9Juf einer tgätigen ©efcgäftgfügrung, fowie eine« ein» fid)t««ollen unb jugteid) ged) ft menfd)enfreunblid)en ©taat«manne«. ©t ftarb 1S02. — Se« fonigi. pteujj. Ärieg«rath« ©. 2B. 2Boglbtücf’8 ,,©efd>id)tl. fRad)r. «on bem ©efchled)te «on AlöenSleben unb beffen ©ütern" (SSerlin 1819, 2 SEgle.) ifi ein für bie beutfdje Abelggefcgtdjte überhaupt fegt wichtige« SBerf. A l x i n g e r (Sogann SSaptifl «on), geh. ju SBien 1755, ftubirte unter bem berühmten Antiquar ©dgel unb gewann halb bie Alten fo lieb, bafj er in ber golge nie aufgegort hat ftd) mit ihnen ju bekräftigen. Surch ben 3lob feinet Altern in ben SSeftg eine« beträchtlichen SSermögen« gefegt, bebiente er fid) feinerSoctor» würbe unb feine« s£itel« al« ^»ofaboocat nur, um bie ©treitigfeiten Serer, bie ftd) an il;n wanbten, unentgeltlich beijulegen. ©eine ©ebichte, bie er 1780 ju $alle, 1784 ju Seipjig unb 1788 ju Älagenfurt in einer ©ammlung hccauggab, er» • warben ihm bamal« einen fRamen. SRan fanb eine lebhafte ©inbilbung«fraft, fei» ne« ©efühl unb gefällige Seiditigfeit barin; weniger SSeifall gewann eine neue ©ammlung feiner ©ebid)te (2Bien 1794). Sefio günfiiget waren feine .fpaupt» werfe: „Soolin «on SRainj" (1787) unb „S3liomberi8" (1791), aufgenommen Worben, 2 SRicgtergebicgte, in benen er al« jRachahmet SBielanb’« erfdjeint unb Alle« leifiete, wa« man mit einem «on hohem Sichtergaben entblofjten Talent unb greife in ber $Poefie leifien fann. 3h r SRuf war nur »orübergehenb. @ein legte« tfmabeijien tfmabiö 245 2ßet! war eine oerftfteirte Übetfehung beS Kuma $Pompiliug oon Florian. @t flarb }u SEBien am Keroenfteber 1797, nacfybem er 3 3af)te lang ©ecretair beg wiener .fjoftfjeaterg gewefen war. SSJlit einem gefüf)lool(en fersen unb heiterm ©eifte war er ein liebengwütbiget ©efellfdjafter unb treuer greunb. Son bem „Soolin" ift 1797, unb oon „Sliombetig" 1802 eine neueKufl. ju 2eip§. erfdjienen; tftringer’g „©ämmtl. ©ebriften" (5Bien 1812, 10 Sbe.). 2(mabetfien, f. grancigcaner. 2C m a b i 3, ein in bet Kitterpoefie berühmter Karne: 1) lfmabig oon ©ailien, nach feinem ©bpilbjeichen ber Söwenritter, in ber ©inobe aber Sunfelfchon ge* nannt, ein ©ofjn .König fPerion’goon gtanfreich unb ber ©ilifena, ber Softer bc6 Äonigö ©aointer oon Bretagne. 2) Krnabig oon ©tiecfyenlanb, einUrenfel beg gallifdjen unb ©ol)n fiifuart’ö unb ber Snoleria, Tochter beg Äaiferg oon $Erape= junt. 3) Xmabig oom ©efltrn, ein Urenfel beg griedjifcfjen 3fmabig, ©ohnlfges ftlaug’g, .Königg in Äotdjig, abftammenb oon lllaftraperea, einem Äinbe ber Siebe beg gried)ifd)en lfmabig mit ber .Königin Samara oom Äaufafug. Sie SRutter bie* feg britten 3fmabig war Siana, ein Äinb ber Siebe oon ©ibonia, Königin oon ©uinbaga, mit glorifel, bem Kitter oon bet fdjönen ©chäfetin, redjtmäfigem ©ohne beg gried)ifd)en 3fmabig. 4) Kmabig oon Srapejunt, abftammenb oon Koger aug ©riechenlanb, bem Sielgeliebten, einem©ofjnegtorifei’g unb betretene, fPrinjefftn oon Ifpollonien. Siefer Krnabig ift ein Urenfei glorifel'g, ©oi)n ber s f)olipana unb Sigcaron’g, fPrinjen oonßatai. — Sie ©efd)icf)te biefet gelben, bie für ©panien ungefähr Sag ft'nb, wag Karl ber@rope mit feinen 12fPaitg für granfreief), unb .König 2frtf)ug mit ber Safeitunbe für ©nglanb war, lauft burd) 9 ©efd)led)ter, ifl aber in 3fnfei)ung ttjrer ©ntjtehung unb Seffen, wag baran ijiftorifd) ober erbittet ift, in ein foldjeg Sunfel gefüllt, bap felbft ungewip bieibt, ob fte fpanifd)en, portugief. ober ftanj. Urfprungg fei. 3m fpanifdjen Stigma! f)at biefer Kontan 13 Südjer, oon benen ©eroanteg in ber befannten Stufterung ber Sibliothef beg Son Shtipote bie 4 erflen begnabigen täpt, weil fte nid)tnur bag erfte, fonbern aud) bag befle unb eittgige Such biefer 3frt feien, bag ©panien aufjuweifen habe; bie anbern aber werben jum geuer oerurtfjeilt. 3ene erften 4 Süchcr enthalten ben eigentlichen 2fmabtg oon ©ailien. 2flg ihren Sßerfaffcr nennen ©inige ben fPortugiefen fPagco Sobeira ju Anfänge beg 14. Sahth-, Sfnbre eine unbefannte portugieftfehe Same, noch Ifnbre ben Snfanten Son ^)ebro, ben ©ohn Sohanneg I. oon Portugal. Sagegen hat ber ©raf Sreffan wafjrfcheinlid) ju mad^en gefucht, bap bie ©hre ber ©tftnbung einem ftanj. Sroubabout aug ber ©d)ule betKufiicien befPuice, beg Serf. faft aller Komanc oon ber Safeltunbe, ju ben Seiten Äönigg sphilipp 2fugufl (1180 —1223) gebühre; hoch würben wir biefer Meinung erft bann beijutreten geneigt fein, wenn eine fritifdie Sergleidjitttg ber älteften .£>anbfd)riften fte betätigte. 20g ÖSerf. beg 5. Sud)g, weld)eg bie Abenteuer ©gplanbian’g, beg älteften ©ohneg oon 2fmabig, enthalt, wirb ©arciag Srbonnej be SRontalbo, ber Keoifot bet alten 20tggabe, genannt. Sag 6. Such oon *Pelag. be Kibera enthalt bie Saaten beg Kitterg glorifanbo, bag 7. Such bie tineg Unbefannten, unb bag 8., oon 3. Siaj, bie Saaten Sifuart’g, bag 9. unb 10. glorifel’g, beg 2lmabig aug ©riechenlanb, beg Kitterg Knapante, bag 11. unb 12. bie Kitterfahrten Kogel’g unb 3fgeft(ag’g, bag 13. bie beg ©iloio be la ©iloa. SBeiter geht bag fpan. Sriginal nicht; nun folgen bie franj. Uberfegungcn, welche feit Kiclag b’^ierberap, .^errn beg ©ffarg, Überfe|ung (1540) biefen Koman big auf 24 Sücher erweiterten. Sag 14.—17. Such enthält bie ritterlichen ©phäramont’g unb beg lfmabig oom ©ejlitn, bag 18.—24. enblid) bie Abenteuer ber übrigen Kadjfommenfchaft beg gaUifchen 3(mabig, mit ©infd)(up beg 2fmabig oon Srapejunt. Sie einzelnen Sheile biefeg fehr ungleichartigen ©anjen, bag fel= ten oolljiänbig beifammen gefunben wirb, finb oon oerfd)iebenem SBerthe. 5Kit 246 SCmatgatn 9ted)t faßt Bouterwcf oon beit 4 elften Budjeut: ,,©n fo iunf)vt)aft grofjed ©e= malbe bed ebelften >£>elbenftnned unb ber Treue, ohne angftlicbe Befd)tänEung beS Sobnd bei- Siebe, aber aud) ohne irgenb einen beleibigenb unflttlidjen 3«S/ mit bei bocbften Suffe bet @d)wdtmerci, 5 mm über bie Statut tjinauS epaltirt, aberbod) burd) bie treufjerjigfle ©implicitat bei Sarfteffung auch ben gefunben ©efcbmacf ergofsenb, üerbiente j« feiner 3 eit bie .fjulbigung, bie ed Sabrf)unberte lang et= hielt". — Sie gortfefcungen haben ben aflfjcttfdjen SBertb nid)t, ber bie 4 elften Bücher auöjeidjnet. Bon neuem beutfd)en Bearbeitungen biefed Stomand ober , beffer biefed Stomanencpflud gibt ed feine, bie genannt ju werben oerbiente; benn ber mutwillige „jJteue 2(mabi6" oon Söäietanb f>at mit jenen altern 3fmabiffen nid)td gemein ald ben Titel unb etwa bie Suite ber oon bem Reiben ju bcftel)en= ben Abenteuer. Sagegen t)at ein neuerer franj. Sid)ter, ©«1156 be Seffer (1819 fPrafect bed cfjeraultbepart.), ed unternommen, feinen Sanbgleuten ben breifadjen romantifdjen ®tptf)cnEreid in einem neuen ©etoanbe barjufteiien. — Bon feinem 1. Bbd).: „Les Chevaliers de la table ronde", in 20 ©ef., erfd)ien 1812 eine 2. 2fufl. Sad 2. Bbd).: „Amadis de Gaule, gleid)faffd_'in 20 ©ef., fam 1813 ijeraud. 3tmatgam ( 00 m fpanifdjen Amalgacien, arab. Utfprungd), eine Betbin= bung bed BterEurd ober Sluccfftlberd mit anbern9Jtetaffen; batjer amalgami= ren, metallifd)e ©ubftanjen mit Suecfftlber oetbinben. Surd) bie 2fma(ga= mation ober 2 fnquic?ung, b. b- burd) bad buttenmännifdje 9Serfaf)ten, mit= telft weld)cd einSDtetaff mit öueifftlber su einem 2 fmalgam oerbunben wirb, bnt bad ©ilberbüttenwefen eine fef)r grofe Betbeffetung erbalten, ©ie warb febon 1571 in 2fmeriEa burd) Beladco eingefübrt, ift aber 1640 bttreb 2Elonfo Barba unb befonberd 1780 burd) 0 . Born wefentlid) öerbeffert worben. Sad dltefte Berfabren beftanb barin, bie fein gemabtenen ©je mit Öuecffilbet unb SBaffet in fteinernen ober in Eupfernen ©efafen jufammenjureiben; gteidjjeitig fdjeint aber auch bie 2fmalgamation in Raufen eingefübrt worben ju fein. Sad Berfabren biefer Tfrt in ©übamerifa ift foigenbed: Sie eingefprengten ©je werben juerft troefen gepocht, bann in SJtüblen (Tabonod) mit etwad 2Baffet gan$ fein gemähten unb entweber febon bei biefern Sermablen mit Äocbfalj werfest ober naebbet mit bemfetben oermengt. Ser gemäkene ©jfcblamm wirb in Raufen (Tortad unb Btontond) auf einem mit fteinernen statten belegten ebenen fßtah aufgefd)üttet, bureb treten (Trituration) burd)Enetet, gewenbet unb mit einem geputoerten ©e= menge oon©fen = unb Äupferoitriot (Btagiftral) oerfe|t. 9fad}bem bie Btaffe Wieber burdbEnetet worben ift, wirb ein Srittet bed ©ewid)td SluecEftlbet jugefe|t unb batauf bie Sttrdjfnetung 12 — 20 Tage fortgefe^t, worauf man beim fPro* benebmen 3tmalgam unb Sitnabur, b. i. nod) nicht amatgamirted, metattifebed ©itber, ert)d(t, wetcljed burdj fernere dueeSfitbersufd^c audf> amatgamirtwirb. 9?ad) beenbigter 2 lmalgamation wirb bad 2 (ma!gam oerwafeben, ftttrirt unb gebrannt. Sa biefe 2Tmatgamationdmetbobe, ungeachtet ihrer Unoollfommenbeit, fein Brenn* material erfobert, fo wirb ftc in ©ubameriEa nicht leicht burd) eine anbre oerbrdngt werben Eonnen. — SDSeit einfacher, fdjnelter, nur mit einem geringen Sluecfftl* beroertuft oevbunben, aber eine Btenge 9J?afd)inerie erfobetnb, ift bie europdifdje 2 fmatgamation. ©ie grünbet fid) barauf, bad ©ilber in «gjornfilbet umjuanbem unb biefed bureb bie gemeinfcbaftlidbe ©nwitfung bed SluecEfttbetd unb bed ©fend oberÄupfcrd ju gerfeßen, wobei ftd) bad entftanbene regutinifebe Silber mit bem Suecfftlber ju einem Amalgam oerbinbet. Glicht affe ftlberbaltige ©r^e ftnb ge* fd)icEt 51 « 2fmalgamation, fonbern nur bie fein eingefprengten unb bie Eieftgen, in beren ©mangelung auch ©chWefelEied jugefebt werben Eann. Sad Berfabren ift foigenbed: Sie fein gepodjten ©je werben, mit Äodjfalj oermengt, in Sinnt « 15 ” 5 ofen fiarf gerbftet, naebbet burd) einen eiferrieh SutcljWurf geworfen, «m bad 247 2CntaIia (^evjogin »on ©ad>fen=S5S5ctmar) getnece «on bem ©robern ju trennen. Segtereg wirb nochmalg geroffet unb butd)= geworfen, ccftereS aber gemäßen unb burd) ©erbeutet gegeben. Sag eigentliche 2tmalgamiren ober 2lnquicfen gefd)ief)t in horizontal liegenben gäffetn, bie ft cf) um if)re 2fj:c brefjen, unb welche gewöhnlich jebeg mit 20 Zentner ©tjmel)[, 3 ßtr. ©af= fec unb <5ti*. ftumpfen ©ifenblechffucfen befegt werben. fftachbem bie gaffet 14 ©tunbe umgegangen ftnb, wirb ein Suecffilbetäufag non 5 ßtr. gegeben, unb nun bieiben fte 16 —18 ©tunben in ununterbrochenem Umgänge, drgeben groben "bieöollftänbig erfolgte 2(malgamation, fo werben bie gaffet ganz «oll ©affet ge= geben unb in eine tangfame Bewegung gefegt, bamit fiel) bag fd)Werere Sttecffth ber ruhig fenfen fönne. Sft bieg gefcfjefjen, fo werben bie gaffet auggefeert, unb Zuerft wirb bag ftlberhaltigeSuecfftlber, unb bann werben bie 9tt'tcff!anbe abgetaffen, unb jebeg wirb befonbetg aufgefangen. Sag erfiete wirb burd) ©äefe «on 3willid) gepreft, um bag mit bem 2lmalgam «erbunbene, noef) immer etwag ftlberfjaftige Suecfftlber burd) med)anifd)en Stucf ju trennen. SSon bem in ben fPrefjfäcfett jurMgebliebenen Amalgam wirb bag Suecffilbet burd) Seffillation getrennt; um aber allen Suecfftlbetoerluff möglichff juoerfjüten, bebtent man fid) eiferner, «on allen ©eiten gefd)loffener unb mtr unten offener, glocfenartiger ©efäfe, welche übet einem eifernen 2(uggtüheteller, auf weitem ftd) bag 2fmalgam beftnbet, bet= gefialt fjerabgelaffen werben, bajj bie unten offene ©tunbfläche jeneg etfemen ©e= fdjjeg burd) ©affer gefperrt wirb, in weldjent zugleich ber gup fleht, weld)erbie 2fugglöf)eteller tragt. Set eiferne SJfantel ftef)t in einem Sfen, wirb glufjenb ge= macf)t, unb bag Suecfftlbet inSämpfe «erwanbelt, welche ftd) in bem ©affet «erbichten. Sag auf ben Seifern zutücfbleibenbe Sueiffüber wirb mit auf bem Steibfjerb aufgefegt, ba eg feiten mefjr alg 12lotf)ig ift, unb bann fein gebrannt. Sie Siucfftänbe werben, mit©affer «erbünnt, in grofje 35otticf)e geleitet, bort burd) 9fed)en umgeruljrt, worauf fiel) bie Suecfftlberama(gamtheild)en fenfen. Sie glüf ftgfeitfann auf Suicffalz (©(aubetfalz, welcheg mit Äodjfalj, fatjfaurem Sifentc. verunreinigt iffc) «erfotten werben, welcheg bei bem 2C irrten erf! in ben lästern Satjrcn bei. {Rur burd; bie {Bereinigung feltener ©igen= fd;aften beS ©eiftoS unb HerjenS fonnte eS bet gürffin eines fleinen ©taatS gelin= gen, mehr auSgejeicfnete Scanner als irgettb ein gfeidjjeitiger Hof um ft'd; ju oerfammeln. 25aß baju i^r pcrfonlid;er ©l;nraftet noch mel;r als ihr {Rang unb ifjte {fRat t beitrug, bemeift ber Umffanb, baß il;t biefeibe Umgebung blieb, nad;= bem fie 1775 bie {Regierung in bie H'inbe ifjreS ©ohneS gegeben (>atte. Sfir ©d;(oß in {EBeitnar, i[;re Bufthdufer in Sieffurtl; unb ©tterSburg, roaten unnet-- dnbevt ber fBerfammlungSort alter ©clehrten unb {Reifenben non SBetbienff. ©ine {Reife nad; Italien, welche fte 1788 in ©otlje’S {Begleitung machte, oermehtte nod; it;ren ©efdtmac? für bie fünfte. @o erroarb fte ftd;, afS bie ©rbin ber großen ©igenfchaften beb .öaufeS S5raunfdiroeig unb feiner Siebe für bie Sßiffenfcbaften, ben {Rufm, bie berühmteren glcid;jeitigen ©cbriftffeller beS beutfd;en fBaterlanbeS geehrt unb aufgemuntert ju haben. 25er 14. Set. 1806 t)atte if;r Hetj gebrochen; fie ftarb ben 10. 2fpri! 1807. 2fmalthea, ber 5Rame ber Siog« aufSreta, welche ben Jupiter faugte, als ißn feine SRutter aus Surefit not bem ©aturn bafetbfi' netbarg. {Bon biefet Siege roirb baS Horn beS ÜberfluffeS, welches Jupiter ben Sochtern beS SReliffuS, bie ber {Rfea beigeftanben, mit bem ©egen gab, baß fte 2flteS, tnaS fte jum Unters !;a(te nötl;ig Ratten, barauS follten nehmen fonnen, cornu Amaltheae (gleicf;be= beutenbmit cornu copiae, güUl;orn) genannt. {Rad; 2fnbern (jieß bie {Rpmphe, roeld;e jene Siege bewachte, 2fmaltf;ea. 25ie ©ibplte ju ©umd führte ebenfalls biefen {Ratnen. Unter b. Sit. „3fmaltf;ea" erfchiett non'1821 — 25 in 3 23bn. eine trefflidje ardiaologifd;e Seitfdirift nom Hofcatf 83ottiger, beren Einleitung and; bie SRptlje bet 2fmaltbea be!;anbelt. 2£marantfy, eine 2frt unnertnelflieber 33lumen, infofern fte abgepflütft unb troden ifjre frifche Satbe bemalten. 25af;er ift biefe SSlume ben 25id;tetn ein ©innbilb ber Unfferblidjfeit geroorben. ©S gibt mehre 2frten; eine berfelben ift baS Saufenbfchon. 2fmat!;uS (Tfmatbunt), normalS eine ©tabt auf ©ppern, berüfjmt bureß ben 25ienft ber 93cnuS, roeldje non if;r bie amatf;untifd;e ©öttin, 3fmat!;ufta, !)ieß, 2fmati, eine alte cremoneftfd;e Familie, roeldbe im 16. unb 17. Safjrf;, ©eigen nerfertigte, bie nod; jefct roegen i!;reS nollen SonS jtt ben beften gehören unb fefjr treuer bejaljlt tnerben. 2fmajonen. ©ine uralte ©age, ber etroaS ©efd;id;tlid;s9Baf)reS jum ©runbe ju liegen fd;eint, fpriebt non einem SBeibcrnoIfe, baS feine SRanner um fet ftd; bulbetc, unter ber Tfnfüfjrung feiner Königin bewaffnet in ben Ärieg jog unb lange einen fttrd;tbaren ©taat bilbete. SETtit ben SRdnnern benachbarter 336b ferfd;aften pflogen fte ©emeinfdßaft bloß ber gortpflanjung Wegen. 25iefen fattbteit fte aud; bie dtnaben ju, welche fte gebaren. 25ie 2Rdbd;en aber jogen fte jum .Stiege unb brannten ihnen bie redjte 35ruft aus, bamit ihnen biefe beim 35ogettfd;ießen nicht hinberlid; fein mochte. 93on ber abgebrannten SSruft erhielten fte ben {Rarnen Sfmajotten ({Bruftlofe). 25ie 2flten erwähnen bteier ?fmasonen»6tfer: 1) 25ie afrb fanifchen Mmajonen, welche unter ihrer Äcmigin üRptina große ©roberungen mach* ten, nad;her aber non Hercules oertilgt würben. 2) 25ie aftatifd;en ?(majonen, oon 3fmbajfabeur 3CmbraS 249 Allen bi« berühmteren, t»cld>e im S^ontu« um bett glufj 3th crmoben wohnten. 25iefc foUcn einft ganj 2fffcn mit .Krieg überjogen unb ©phefu« «r6aut fjaben. Die Äcnigin $ippolpta rearb »om gereutes getobtet. 3u Shefeu«’« Seit überfielen fie 2fttifa. Unter bet Königin fPenthefilea, Mochtet be« SKar« unb berDtrere, jo= gen fte SEroja ju ^u'tife. 9?och um 330 »or ©Ijr. machte ihre Königin SEhaleftri« bem macebon. 2Clej:anber einen SSefuci); halb nachher »erlieten fte ftch au« bet ©es fchichte. 3) Die fcptfjifchen 3fmaäonen, ein Sreeig ber afiatifchen; fte bekriegten bie benachbarten ©epthen, uerheiratheten ftch aber nachher mit ihnen unb jogen tiefer in ©armatien, reo fte mit ihren Scannern jagten unb in ben .Krieg gingen. Die altern ©eographen gaben aud) einem grofsen Sanbjfricfe im innern ©übame» rif s aben9?nmen3lmajonen(anb, reeit bie erften ©ntbeefer bafelbfi ein 3lmajonen» »olf gefunben haben reollten. Die neuere ©eographie hat biefen Srrthum berich* tigt, unb mit ihm ift ba« Slmasonenlanb »erfchreunben, ba« ftch nur noch auf ültern Sanbdjarten al« ein SEheil »on 33taftlien unb »on S^eru finbet. — Der 3fmaso» nenfluf (richtiger 9J?aranf)on), reeldjer biefe« Canb, reie ber Stil 2lgppten, be» reüjfert ttnb frudjtbar macht, ifi ber gröf te gduf auf ber ©rbe. (©. ©übame» rifa.) Der erfte ©ntbeefer beffelben, Drelfjan, traf, at« et ihn hmauffchiffte, an feinen Ufern eine SJienge bereajfneter SBeibet an, reeid)e mit ihren Nachbarn Krieg führten , unb bie« gab 3ln!af? jtt ber Benennung be« Sluffe« unb Sanbe«. 31 mhaffabcur, f. ©efanbte. 3f m b e r g, ehemal. ^tauptfi. ber Dberpfalj, an ber 33il« im bairifchett 9fe* genfreife, in ber SKitte »ieler ©ifenhämmer. ©ie ifi fehr reohlgebaut, hat 712 Jp. unb 7680 ©inre., ein 3lppellation«gerid)t für ben 9fegettftei«, einfJient», *^)all=, gorjf = unb fPoftamt, ein ©pmnaftum, ein ©eminar für ©djullehret, einc.£)eb» ammenfchule unb eine Sibliothef. Die ©ereehrfabrif liefert jährlich 10—20,000 ©ereehre in befter ©üte. Die ehemal. §efiung«reetfe bienen ju ©pajiergängen. S3ei 3lntberg fcf) lug ber ©rjf). Karl am 24. 3lug. 1796 ben franj. ©eneral Sours ban unb nötigte ihn bann am 3. ©ept. burch bie ©d)lad)t bei SBürjburg jum SRütfjug an ben Sibein. 2lmberger (©f)tiftopb),ein altbeutfcher Sftalet be« 16. Sah c h-; au« 9?ürn» berg gebürtig, ber ftd) nachher in 3fttg«burg nieberlief. .£>ier malte er 1530 ben Kaifet Karl V., ber ihn reidjlid) befd)enfte unb in hohen ©hren hielt. Diefe« 23ilb ift je^t in ber fonigt. (Sammlung in S3erlin. ©anbrart nennt al« fein oorjüglichfle« SBetf bie ©efefichte Sofeph« in 12 Silbern auf Seinreanb in Seimfarbe gemalt, ©r arbeitete in be« altern $olbein’« fraftiger Spanier, ber nod) $u feiner Seit lebte, copirte auch öiete Portrait« biefe« SO?eifler« unb fdtnitt in $olj. ©r ftarb jreifdtett 1550 unb 1560. 31 m b o t n a, f. © e re ü r j i n f e l n. 3lmbra ober?(mber, eine Sftaterie«on »ortrefflid)em ©etud), unb, reeil fte nicht häufig gefunben reitb, eine ber theuerfien ©pejereien. ©ie reirb »om fUfeere au«gereotfen, ober au« bemfelben geftfdjt. SDBahrfcheinlich ift er eine in bem SKaftbarmc be« Kadjelot« ftd) fammelnbe Sftaterie, reeldje »on ber 9?af)rung biefe« Sifd)e«, bem Dintenreurme, entftet)t, bie ihm aber auch eine Kranfheit »er» urfadjt, an reeldjer er flirbt. SJtan »erreed)«le nicht mit biefem grauen 3(mbra ben Sernffein, aud) Ambre jaune genannt. 3fmbra§, 3fmra§, ein lanbegfürftl. Sujffchlof inSEitol, nahe bei Sn» fptuef, am Snn, rear berühmt reegen feine« SDtufeum« »on Kunfffadjen, alten 9lüfhtngen, Silbniffen u f. re., reelche« ber ©rjhetj. g-erbinanb, ©ernat)! ber ^hUtppine SS elfer (f. b.), im 16. Sahrh- bafelbjf angelegt hatte. Die Sibliothef fcfjenfte bie Kaifetin Sffatia SEherefia ber Unioerfitat ju Snfprucf. S«ne Kunft= fammer aber fam, al« 1805 Äirol an Saiern fiel, nach SSien, unb reatb unter bem OJamen ber f. f. 3fmbrafer ©ammlung im untern ©djloffe be« Seloebere auf» 250 2fmbrofta 2fmkofttt£ gefiellt. 3h r ©uffoS, 2f[op8 fPrimiffer, tjat fte (2Bten 1819) auf eine muflerhafte 3frt befchtieben. Sie enthalt oiele altbeutfche Äunfhoetfe, unter anbem aud) tue 4S ©benbilber facff. Füeffen, mit Öl aufSeintoanb gemalt, oon SufaS Äranad) bem Sohne. SftehreS aus biefer Sammlung, vorjügticf) SSitcfjec unb 9ftünsen, mar fcfon früher in bie wiener SSibliotbef unb in bas faiferl. SIfütijcabinet gebom= men. Sie ©efammtjahl ber >j?nnbfchriften, unter welchen eine prächtige 2fbfd>rift beS „e£>elbenbud)S", voaftrfcfjeintictj non 1517, ju bemerken ifi, mit Inbegriff ber Sutniet=, 2Baffen= unb Äampfbüdjer, betragt gegenwärtig noch 69. Siewid)= tigern Senfmaler werben jefet burch 2Cbbilbungen befanntgemad)t, unb fdjon ifi ein $eft ber SSUbniffe aus bem habsbutgifcfen Stammbaume erfchienen. 20. 2Cmbrofta, f. ©otterfpeife. 3fmbrofiantfcf)e S5tbitotl)ef. Siefe in neuerer Seit burd) bie ©ntbecfungen 3fng. SJlajo’S berühmt geworbene 33ücherfammlung ju Sliailanb würbe 1609 oorn ßatb. grtebricf) SSorromeo, einem SSerwanbten beS fjetlig ge= fprod)enen ©atlo 35otromeo, bem allgemeinen ©cbrauche eröffnet. Ser funft= liebenbe Garbinal, ©tjbifchof oon SJlailanb, fjatte fte burch ©eiehrte, bie er burcl) ©ropa, ja felbfinacf 2lften auSfanbte, auffaufen (affenj bocf> jaulte fte bei ib>rer ©roffnung nur etwa 35,000 Srucf= unb 15,000 rfianbfdjriften in allen Sprachen. 3cljt enthalt fte 60,000 gebr. S3üd;cr (nach SWillin 140,000). 3u ©h re n beS heil. 2fmbroftuS, beS SchufjpatronS oon Süailanb, warb fte Bibliothcca Am- brosiana benannt. 2öaS bie Sammlung fp<5terf)in befonbetS bttrd) bie ^)inelli’= fchen Jpanbfcfriften gewonnen hat, erjagt 2lnge(o Sftajo in feiner S3orrebe ju ben -Fragmenten berStiabe, bie er aus if>ren Schaden befanntmacfte. 3f)c geleb)i:= ter Stifter wollte mit biefer S3ibliotl)ef, beten günfiigeS 2ocal auch oon ihm f)er= fiammt, ein ©ollegium oon ©elef)tten oerbinben, oon benett jeber in irgenb einem Fache auSgejeidjnet, ft'tr bie £3efanntmad)itng ber baf)in einfchlagenben SBerfe Sorge trüge unb überhaupt ben anfprechenben Foemben batüber 9?ebe fiefe. Mangel ber FonbS jtoangen aber bieS ©ollegium, baS auf 16 SJiitglieber berechnet war, auf 2 ju befcfranfen, bie nod) jegt ben Sittel Doctores Bibi. Ambros, führen unb bttrch eine golbene tfiiebaille mit ber Smfdjrift: Singuli singula, ftd) auSjeicfnen. 3« ben oielen Seltenheiten biefer S5üd)erfammlung gehört, außer ben oon Sftajo bekanntgemachten *Palimpfejien, auch ein „23irgil", bem Petrarca bie befannte 9iotij über baS erftc SSegegnen Saura’S einfehrieb. Sftit ber 85iblio= thef burch einen fPlah oerbunben, wo ein fünfflid;er kupferner fPalmbaum ftcfjt, ben Salanbe für ein ©tjeugniß beS milbern ^immelflrichd nahm, ifi eine ©a= lerie oon Äunfifadjen, in ber außer einigen ©ppSabgüffen unb ©emalben oon S3reughel, SSarocci, Suini, 20bred)t Sitter, oorjüglid) ber ©arton oon SRafael’S Sdjute ju 3lthen unb bie Stubien oon Seonarbo ba 33inci, fowie bie frühen ©opien oon biefeS großen ÄttnfiletS Cena anäiehen werben. SSon ben 12 ffianben mit Schriften oon ber >£>anb beS Seonarbo ba Sßinct, bie ehemals als ein fofibateS ©efchenf beS patriotifchen ©aleajjo 2lrconato hier oerwafrt würben, ifi nur etn einjiger, ber intereffantere burch feine Segnungen, jefst nod) übrig. 2flte anbre ft'nb in ?)ariS geblieben. 19. 3fmbrofiu§ (berheilige), ein berühmterÄirdjcnoater, geb. gegen 340, wahrfdheinlidh su Stier, wo fein SSater als Statthalter oon ©allten ju reftbiren pflegte. Schon in ber fEBiege empfing er ein glückliches fBorjeidjen. ©in S5ienett= fefwarm bebeefte baS ©eftdjt beS im $ofe beS Sd)(offeS fchlummernben Änabcn, unb als bie 3fmme herbeieilte, fah fte erffaunt, wie an feinem SKunbe bie Sienen ein= unb auSgingen, ohne ihm ein Seib ju thun, unb ftd) enblich toieber in bie Süftc erhoben. Sein SSater, oielleidjt eirtgebenf beS ahnlid^en SöunbetS, baS oom ^3lato erjahlt wirb, fcfloß barauS auf eine hohe SSeftimmung. Seine ©tjiehung war ffanbeSmaßig j biegefchicfteften Seljrer ju fKom, wohinnad) beS fBaterS Sobe bie Xmatungen 3fmett 251 gnmitic gegangen mar, bitbeten feinen ©eifl unb fein ^etj. 9tad) SeenbU gung itjrer ©tubien gingen X unb fein Stüber ©atpruS nad) SJtailanb, wo Seibe in bie juriltifdje Saufbabn traten. |)iet jeidmete ftd) X fo aus, baf Satentinian ihn jum Statthalter ber ^rooinjen gtrifcfjen ben 2Ctven, bemmitteU ldnbifd)en SSReere, SoScana, ber ©tfcb unb bem abriatifdjen SRecre ernannte, ©anftmutl) unb SDSeiö^eit gewannen if)m bie 2ld)tung unb bie Siebe ber Solker, beten 5Bof)tftanb burd) bie Untuben beS XianiSmuS jerröttet würbe, unb als ber bifeboftidje @ig »on SRailanb ertebigt worben, warb er einftimmig non ben 2fria= nern unb Äatbolifdjen in ber Äirdje jum S3ifd>of auSgerufen. Sange weigerte ftd) 2b. # biefe 5Mrbe, bie ifjm eine bruefenbe 33utbe fd)ien, ansunebmert; aber um= fonfi. ©r floh bei 9tad)t unb glaubte ftd) auf bem SOSege nad) fPauia; ftatt beffen fanb er ftd) unerwartet wieber nor 9Rai(anbS Shoren. ©nblid) ergab et ftd), em= pfi'ng bie Saufe, ba er bisher nur Äatecbumcne gewefen, unb 8 Sage barauf bie fPriefferweibe. Siefe Segebenbeit feiert bie Äird)e nod) beute am 7. Sec. X et= warb fid) aud) als S3ifd)of burd) feinen ©baraktet allgemeine Serebrung. ©r ftarb 397. Sanft, leutfelig, bulbfam, gefubtnoll unb befebeiben, gebrauchte er fein Xt= feben nur jum ©lucb feiner Bitburger unb jum 33eften ber fatb. Äird)e. ©eine ©d)riften (befte XtSg. non ben Senebictinent, 2 Sbe., gol., 1686—90) fragen ben Stempel feines ©barakterS. Sb m ift aud) ber Xnbroftanifcbe Sobgefang ober baS „Te Deuin laudnmus" äugefd)tieben worben; aber eine grunblidie .Kritik bnt bargetl)an, bajj betfclbe non einem unbekannten Serfaffer fei. ©o niel ift gewiß, bafj X ben ©ejdng in ber abenblanbifcben .Kirche nerbefferte. SSielleidjt fübtte er in biefelbe ben antipbonifd)en ©efang ein. 9tod) wirb if)m ber fogenannte „ 2f m = brofiafiet ober fPfeubo=XnbroftuS", ein latein. ©ommentar übet bie 13 SSricfc beS JfpoftelS fPautuS, fälfd)tid) jugefebrieben. 2fmalungcn (Xnelungen), im CRibelungenliebe 3 Stüber: SBatamir, SBibimit unb Sbeobimir, welche ju ben tapferften unb bod)gead)tetf!en gelben beS .£>unnenk6nigS ©gel ober Xtila geboren. SBalamtt unb Sbeobimir (im .f)elben= bud)e Sitmat genannt) nerloren nad) bem SotnanbeS 458 eine ©d)lad)t gegen ben ÄaiferSeo, worauf Sbeobimir feinen 7jdbrigen ©obn Sbeoboricb, nachmaligen Äonig ber Sftgotben, bem Sieger als Unterpfanb beS gtiebenS nad) Äonftantinopel fenbete. ©o bie wahre ©efcbid)te; ber ©dnger beSfRibelungenliebeS freilich mad)t aud) bicfcnSbeobotid) jum ©enoffen unb gelben beS ÄöttigS ©bei, bet ihn fo liebge= ' Wonnen bat, baß er ihn nicht um bie .fpdlfte feines 9teid)S miffen will. 52. 2fmen, ein bebtdifcbeS SBort, mit welchem man ©twaS »etftdbett (5a cje= miß! wahrlich!), ift aus ber fReligionSfpradje ber 3uben in bie ber ©btijien uber= gegangen. Ser in ben jubifeben ©pnagogen am ©ebluffe ber Serfammtung er= tbeilte ©egen warb «on ben Xtwefenben mit einem Xnen bekräftigt. Xtd) in ben religiofen Setfammlungen ber etfien ©briften warb baS ©ebet, weld)eS ber Xtefte ber ©emeinbe ober ein Sebrer fprad), »on ber ©emeinbe mit einem Xnen bcfd)loffen. 9tod) jegt wirb bekanntlid) jebe fprebigt mit biefem 2Borte geenbigt, weldjeS aber nur bann in feiner wahren Sebeittung genommen fein kann, wenn ber @d)lufi bet fPrebigt eine allgemeine SEBabrbeit, ober eine ©tmabnung, ober einen 9Bunfd) auSfprid)t. 5m gall bie fPrebigt mit einer Srobung fd)löffe, mürbe man fd)wetlid) geneigt fein können, biefeS 5öort in einer anbern Sebeutung alS: 9hm ift ber Sortrag beenbigt, ju nehmen. Ser fei. 9RotuS in Seipjig fdjloß feiten ober gar nicht feine fPrebigten mit biefem Söorte. — SaS 2lmen ju einer Sache fptedjen, beift aud) in ber Sprache beS tdglid)en SebenS: biefe Sache betätigen, bekräftigen. ©S ift 5a unb Xnen — eS bleibt babei. Süßenn »on bem Xnen eines ©omponiften bie SRebe ift, fo »erftebt man barunter biefeS SBort in SSRuftk gefegt, bamit in bie= fen Sonen ber ©bot baS »om ^)rebiger »ot bem Xtat gefungene ©ebet, ober ben »on bemfelben abgefungenen ©cgenSwunfd) beantworten kdnne. 11. tfmerifa 252 2fateti$o SSeöpucci 2lmerigo 58e«pucci, geb. am 9. 5D?arj 1451 ju Slorenj au« ein« alten t^amttie, machte frühzeitig grope Sortfd)titte in ber 2lftronomie unb ©tbbefdjreibung: bamal«, wegen ihrer 58e}icf)ung auf ben $anbel, 3 $aupt* gegenftänbe be« Unterricht« ju Slorenj. 1490 begab er ftd) nach Spanien, um $anbel ju treiben, unb befanb ffdj in Seoilla, ai« Colombo 2(nffalten ju feiner jweiten Öfeife traf. Ba« ©elingen ber Unternehmungen Colombo’« rcijte ben 58e«= pucci, fein ^anbelögefchäft aufjugeben, um ben eben entbeeften ©rbtheit fennen ju lernen. 21 m 10. €0?ai 1497 trat er feine erfte Steife unter bem 2lbmiral Sjeba an, ber mit 5 Schiffen au« bem £afen »on Cabij au«lief, unb gelangte nach einer gahrt »on 37 Sagen an ba« fefbe 8anb »on 2lmerifa, unterfud)te ben SJteerbufen »on ^)aria unb bie Hüften mehre 100 ÜJbeilen lang, fam nad) einer Seereife »on 13 SJtonaten nad) Spanien jurücf unb würbe am $ofe ju Seoilla mit 2lu«; jeidinung empfangen. 3m 5Stai 1499 begann er eine jweite Steife, beren ©rgeb= nip bie ©ntbeefung einet SDtenge fleiner 3nfcln war. hierauf trat er, burd) 2Jer- fprechungen gereijt, in bie Bienfte be« Honig« ©manuel non Portugal unb unternahm 2 Steifen auf portugieftfehen Sdjiffen: bie etffe ben 10. SStai 1501, unb bie jweite ben 10. SJtai 1503. 2luf biefet lei-stern h^te et bie 2lbftd)t, einen roeftlichett SEBeg nach SJtalacca ju finbenj allein er verlor ein Sd)iff unb rettete ftdj nach gropen ©efahren mit ben übrigen 5 in bie 2fl(er=cF)eiligen=S3ai auf ber Hüfte »on SSrafilien. 1506 (in weld)em 3- Colombo fiarb) trat er abermai« in fpanifdje Bienfte unb befud)te mehre ©täte benCrbtljeil, bet fd)on »on ihm ben Stamen ju führen anfing. Biefe Chre f)dtte freilich mehr bem Colombo gebührt al« bem 95e«pueci, fo wenig man tiefem SSerbienfte abfpredjen bann. 58efonbct« »erbanfte 21. biefen Stuljm feinem Charafter, benn er war befcheiben, (frieb= liebenb unb weit entfernt, bei bem Honige unb feinen Stebenbuf)lern 2frgwohn }u erweifen. So gefdjah e«, bap bie £älfte ber ßrbe feinen Stamen annahm, ohne bap er biefe ©hre fud)te. Übrigen« befanb er ftd) bei feiner Steifeunternehmung al« 55efeh(«haber, fonbern nur al« ©eograph unb Steuermann. SBit haben »on ihm eine Charte »on 2lmetifa, ein Sagebud) »on 4 feinet Steifen, ba« 1532 ju ^OariS lateinifd) im Brucf erfd)ienen ift, unb auf 22 581. in 4. ,,2(merigo’« S3riefe", bie gleich nach feinem Sobe in Steten} bei 3oh- Steph- bi Carlo ba 5Pa»ia erfd)ienen. 21.58. fiarb 1514 auf ber Stücffafjrt »on 2lmetifa ju Setcetta. Honig ©manuel »on Portugal, in beffen Bienften er ftd? julegt befanb, lief in ber Hathcbralfircbe ju 2iffabon bie Stefte be« Sdjiffe« 58ictoria aufhangen, an beffen 93orb er bie lebte 3a!)tt nad) 2fmerifa machte, unb Slotenj überhäufte feine Samilie mit ©I)tem bejeigungen. Stod) ftnb nicht alle 2eben«umftänbe biefe« merfwütbigen SJtanne« ganj aufgeflärt unb ohne SBibetfprud). 2fmcrifa. Bffwattß »on 2fften, weftwart« »on Cutopa unb 2ffrifei, behnen ftd) (210 — 360° £.) in beiben fßolrichtungen, jwifefen bem ©rabe einer »erfunfenen Sänbermaffe, bem atlantifcfen tOteere, unb jwifdjen bem Ungeheuern 5Bafferbecfen be« füllen Söeltmeere«, ba«2luftralien, unb 2(ften (f. 33ering) »on ber SBeftfefte unfer« Crbförper« fdjeibet, 2 burd) bie 93ergenge »on Manama am einanbergefettete SEBetttheile au«: in füböftl. Stid)tung Sübamerifa (f. b.), in norbweftl. St o r b a m e r i f a (f. b.). Ba, wo jener gelfenbamm bie beiben SSteere trennt, ragt au« ber gropen wejtl. Cinbucgtung be« atlantifchen SJteere«, bie ben ©olf »on SJtepico unb bie 58ufen ber faraibifchen ©ewaffer gebilbet hat, eine Stuine ber Urwelt her»or: bie grope, auf Selfengtunb gelagerte, »on »ulfanifdjen 2lu«; brüchenunb »on 5S?eergewürmfd)alen gefialtete Ci(anb«flut ber 2lntillen (f. b.) ober SBeflinbien (f. b.). Bie Storbgrenje biefer neuen SBelt »erliert fich jenfeit« be« »on -fiearne 1770 erforfegten 72° ber SSreite unb be« »on SStacfenjie 1789 er; reichten 69° 95., über bie 1818 »om Capit. Stop juerft unter bem 78° 58. entbeefte Storbfüffe ber 58affin«bai hinau«, in bem nörbl. 5polargürte(. Bie Sübgrenje bil* 2Cmeci?a 253 bet unter bem 54° S. bic ©träfe beS erften fEBettumfegterö ffttagellan (f. b.), unb jenfeitg berfelfcen bie ©übfpifce beS geuetlanbe«, bad Gap #orn. Siefe btei* fad)e, in einer ©trecEe »on 2000 beutfdjen Steilen, butd) 133 Sreitengrabe über einen gladjentaum »on 750,000 □$)?. auSgebefnte unb t>on ber 2fnbenfette gegen baS ftille SDteer hin umgürtete Ldnbetmaffe t)at ber Gutopaer »orjüglid) an ben itü* ften erforfdjt, bod) aud) baSSnnere betfelben in mefjten 0fid)tungen butd)jogen (j. S. 9torbameriEa: bie Gapit. SctuiS unb GlarEe 1804, Sftaj. fPiEe 1805; Sra* filien: CangSbotf, ©rant, SJtawe, Äofte, Gfdjwege, ber gür|t ». 9teumieb, ©pip, SKartiuS u. 2f.; überhaupt 2l'lep. ». c£>umbolbt f. b.). — gür bie ©efd)ict>te ihrer erften SeoölEerung unb ihres »oreutopaifchen 2tnbaueS finb bei weitem noch nid)t alle »orfjanbene SWaterialien gefammelt. ©agen, SenEmaler unb anbre ©puren febeinen auf eine hoppelte Ginwanberung non Sften hör hinjuweifen, auf eine füblidje, über bie »erfdjwunbene atlantifdje LanbetbrücEe, unb auf eine nörb* liehe, über bie SnfelEette beS ruffifchen jJtorbarchipelS. Sber flammen bie fcüf)e= ftenSewofmer 2fmeriEaS, bie SolteEen inStepico, »on jenem Sroeige beräum nen ab, ber 100 Sabre n. Gf)t. gen Otorbofien jog, fowie bie SölEetfamilien ©üb* ameriEaS »on einem burd) bie 0)e)t um 1050 fübtudrtS getriebenen ©tamme ber SJtepicoer? fJJtehr Sicht barüber, »orsügltd) was 9torbameriEa betrifft, wirb bie 2(metiEanifd)e 2fntiquarienaefellfd)aft »erbreiten, beren SwecE auf bie GntbecEung ber ametiEanifdjcn 2Clterthümer, auf bie Schaltung ber »orhanbenen Stetiquien unb SöerEjeuge ber Urbewohner, unb auf bie ©ammlung ber alten ^anbfehriften, Ur= Eunben unb Süd)et hmfidjtlich ber erften europdifchen 9tieberlaffungen gerichtet ifi. Siefe ©efellfcbaft, weldje am 28. Set. 1812 ihre GorporationSacte erhielt, verbanEt ihr Gntfteijen fowol als il)t ©ebenen ber greigebigEeit ihres fPrafibenten Gfaia SEhomaS »on Söorcejter. 2EuS bem 1. Sanbe ihrer SenEfdjriften erfiefjt man, baf btejenigen 20terthümer, welche im eigentlichen ©tnne ben notbameriEanifd)en Snbianern angehören, meiftenS nur auS rohen fieinernen Seilen unb Steffern, auS SJtörfern jum Stampfen beSfOtaiS, auS fPfeilfpifcen unb ähnlichen Singen be* fiehen, Welche ben in allen anbern atlantifdjen ©taaten gefunbenen Singen »oll* fommen dhnlid) finb. Sine jweite Glaffe »on 20terthümern befteht auS foldjen ©es genftdnben, weldjc bie erften Guropder in biefen ©egenben jurücEgelaffen, ober welche bie Snbianer »on ben frühem fPftanjern erhalten haben. CÖtan finbet fie häufig in ben ©rdbern ber Snbianer. Sntcreffanter ijt eine britte Glaffe »on 20ters thümern, bie »on bemSolEe herrühren, baS biegortS ober SEumuli (©rdben, 2ßdlle, hohe 2Eufwütfe, geuetherbe u. bgl.) in 9?orbametiEa erbaut hat. SiefeSSolEmufte, nach biefen SBetEen ju urtheilen, weit gebilbeter unb mit ben nüglidjen fünften bes Eannter gewefen fein, als eS bie jefcigen Snbianer finb. 2tuS ben hohen Säumen, mit benen jene grofen SSBerEe überwadjfen finb, fdjlieft man, baf feit berj3erfiötung jener 2Enlagen, bie nahe bei einanber, über bie grofe Gbene »on bem füblicben Ufer beS GriefeeS bis jum mepicanifchen fOteerbufen hin »erbreitet, meiftenS in ber 9tdhe grof er Ströme angetroffen werben, unb feit bem Untergange beSSolES, baS fie errichtet unb »on bem fid) nicht einmal bie ©age erhalten hat, ein langer Seitraum, »ielleidjt »on 1000 Saften, »crfirichen fein muf. Sie Sauart ift regelmdfig; man will fogar in ber SJtitte beS SinnenlanbeS »om Sf)io bie ©puren einer jerfiör* ten grofen ©tabt entbeeft haben. SDterEwürbig finb bie fogenannten Sttumien, ober getrocEnete, in grobe Seudje eingewicEelte Leichname, welche man in einigen »on ben ©alpeterböfjlen in ÄentucEp gefunben hat. ©owie man weiter gegen ©üben Eommt, nehmen biefe SBerEe an Safjl, Umfang unb ©röfe ju. Sh cc ©puren lei* ten fogar butclj bie f))ro»inj SEepaS unb fJteumepico unb bis in ©übameriEa. Se bürftiger unb bunEler alle 9tad)rid>ten »on bem früheften Lebensalter bie* feS 5Beltthei(S finb, befto reicher an Segebenheiten ift bie neuefte ®efd)id)te beffel* ben. Sie frühefte gafjtt ber S^lanber (982) nad) SBinlanb (©rönlanb, Labrabot 254 2Cmertfa unb Otorbamerifa), fotuie bie S^arfjrtd^t bet Venetianer von ben Antillen (in ©hat: ten von 1424), hotte feine golgen für biefen Sfjeil ber ©rbfunbe. SBahrfdjeinlich ift bie neue 2Bett erft vor faum 12bevotfert worben; bnf)er bie geringe 3ai)l bcr Ureinwohner (Snbianet), bie überbieg noch, fcitßolombc (1492 unb 1497, tfmerigo 1497, (Sabot 1497, ©abral 1500, Valboa 1507, f. b.) u. X biefe Sdnber entbecften, burch ben ©olbbutfi unb bie Varbarei euto: pdifcf)ct Eroberer, wie ßortej, fPijarro u. 11 ., in ©flaverei unb ©lenb geflürjt, in mehren 2anbfitid)en faft auggeftorben ftnb, in anbetn aber in eine SJfenge 33ot= ferfchaften gefpdtten, bei einem rohen Saget= unb Äriegetleben, von ben geiftigen ©etrdnfen ber (Europäer vergiftet, ft'd) unter einanber felbft fo aufgerieben hoben, baß man ihre i3ahl hothfteng noch auf 16 3)titl. fchafct. Da^u ftnb burch bag 6o= lonialfpftem ber ©panier, ^Portugiesen, Vtiten, gtanjofen, ^oiianbet, Danen, Stuffen unb Deutfcßen, für Vetgbau, spflanjungen (Sucfer, ©affee, Vaumwolle, Snbigo je.), 2(cferbau unb £anbel 44- 3Bill. 9teger unb SJlulatten unb 10 SJtifl. ©uropaer gefommen. 9tod) ift fruchtbarer Voben für mehr als 500 Vtill. 9Sen: fchen! — ©o ungemijj wie bie tlbftammung ber tfmerifaner, fo ungewijj ift ihre Verzweigung. Die von gtanc. £opej angenommenen 1500 verfdjiebenen ©pta= chcn berfelben hat tflep. v. Humbolbt auf 2 ©tammfprachen, bie toltefifche unb apatachifche, jurücfgeführt. Die Otatur hat bie Dberfldcfje ber neuen —jungem— SBelt in großem gormen geftaltet unb ihr gnnereg mit ftifcherer Sebengfraft, wenigfteng in ben warmem ^tovinjen, auggerfifiet alg bie 6rbf)ülle ber alten SBelt. tfmerifa hat bie meifien Halbinfeln, bie größten glüffe (f. ©übametifa, €02iffifippi, 9)lci= ta, Dtonoco), bie größten fianbfeen, wie ber Dber= unb ber Jputonenfee, bie langfien Vetgrücfen (f. ©ot billerag), bie weiteften Hochebenen, bie üppig: jten unb größten ©ragfldcßen (fPampag) unb bie reich ften ©tj = unb ©teinlager. Über bag ©anje verbreitet fich in ber wunbervollften 2fbftuf«ng bag üppigftefPflaii: jen= unb Sh' cr l e ^ ett - Von bem Otennthiermoofe ber Vaffingbai unb von benglecß: ten auf geuetlanbg Älippen erhebt fleh von beiben fPolen f)et bie Vegetation big }u ber 180 guß hohen 2Bad)gpalme unb bem fdulenfotmigen ©actug, bie ber üppigen Sropenwelt biefer ©rbfefte eigenthümlid) angeboren. Unb wer fennt nicht bie ein: heimifchen ©tjeugniffe beg amerifanifd)en Vobeng: ßacao, ©ochenille, €0?aig, peruanifd)e SRinbe, Kartoffeln, Sabacf unb Vanille? ©benfo mannigfaltig ift bie thierifche ©chöpfung. Der fublicfje ^Oefcijerd unb ber norblidje ^)olarmenfd), ber ©gfimo, gleichen bet S^ergfiefer, wie bem fioljen tfhorn berfPatagone unb ber Äataibe. Vorzüglich ftnb ©ewürme, Snfeften (nur bie Vienen hat ©uropa gege= ben), gifdje, ©efiügelunb beiblebige Sh'ere (Amphibien) in reicher ?lbwechfetung von ©roße, ©eftalt unb gatbe vorhanben; am auggezeictmetfien unb eigenthüm: lichften in ben SSilbniffen ber 2(nben. ©o ber Otiefe unter ben Vögeln, ber ©on: bur, unb ber prachtvolle ©uacumapo. Unter ben ©dugthieren ift bag nufsbare £ama unb Vicugna in ben tCnbenldnbern eiitheimifch. Dod) fommt ber Sapir in Vtaftlien ben großen Sanbfhieren ber Dftfefte nicht gleich. Vuffon’g unb Stöbert: fon’g Meinung, baß bie vierfüßigen Shiere tfmerifag minber grof? unb wilb feien alg biefelben tfrten in ber alten Söelt, haben gefferfon u. a. Veobachter miberlegt. Der Saguar ift fo furchtbar alg ber Siger; ber ßanbbdr in Otorbamerifa ift großer, wilber unb ftdrfer alg ber europdifche; nur berSowe am@angeg iftbemnorbamerif. ^)uma an ©rofje unb Äraft überlegen, fowie bag Ärofobill bem Äaiman unb 3flli> gator. ©benfo wenig gegrünbet ift eg, baß bie europ. ßanbthiere — man hat bie nufsbarften aug ber alten (©djaf, Äuh, 3iege, Q5ferb, ©fei, ©d)Wein, Htmb) in bie neue 2Belt verfe|t — in 3lmerifa augarteten unb fd)Wad)et würben. 9tod) weniger gilt bieg von bem S3tenfd)en! Der Oteger wie ber ©uropaer haben ftd) in 2fmerifa in bem fühnen Mulatten unb in bem feurigen ©reölen frdftig fortgepftanjt. 255 Anteil* Amtenö (Triebe ju) (@. b. unb SDl c fl is e n.) ©o beginnt aud) bic geijügc 2Bett. Sie frud)tbarffen 3been bet ©utopäet für bag praftifcbe lieben, a(g Sulbung, greibek, ©leid)beit, ©elbftänbigfeit, Perbienftebre unb Sßerfaffung, haben in bcm 95oben von Ametifa, mitten unter bem mitben @d)tingfraute berSto^eit unb beg ©igennuheg, tiefere SSutjeln gefdjlagen alg fonft itgenbwo, fobaf au8 ihnen ba, wo bag 9fed)t bet eignen ©efcfsgebung binjutrat, in furjem ein fräftiger 93olfggeift etwud)g, welcher bie verfd)iebenattigften Nationen ju einem ©flttjcn vereinigte. Amerifag jugenb= tid)e 92aturfraft war unb ijt für ben gebrücften ©uropäcr ber willfommenfie S3oben, in bem ftd) bie aiternbe üöelt beg Sfteng nad) Äotper unb Seift verjüngt. — ©. ßnrep unb 2ea’8 „Historical, chronological and geographical american at- las etc." (Pbilab. 1822, gol.; aud) franj. von33ud)on mitäufägen, Par. 1825); „©olumbug, ober amerif. Piigcetlen", fjetauggeg. von D. Siobing Gftamb. 1826); „Atlantig", tjerauSgeg. von SJivinug in ?pf>iCabetpt>ia (ßpj. 1826), unb D. ßipg: „©tat'ifiif von Amerifa" (granff. a. Pi.1828). (©. bie eins. Art.: 92 o rb = unb ©übamerifa, Pßeftinbien, Antillen, Augwanberung u. a.m.) K. 2fmetl)pjf, f. £Utarj. Ameublement, f. IßersietunggfunfL Amtantl), eine Art beS btegfamen Agbeftg (f. b.). Amtenei, in betpicarbie, befejtigte^auptfi. beg franj. Separt.ber©omme, an ber Somme (5980 -£>. unb 41,000 ©.), ber ©ifs eineg Sßifdpofg, t>at feit 1750 eine Societe d’emulation, eine Afabemie ber Äünjie, 5Biffenfd)aften, £i= teratur beg .fjanbelg unb beg Acfetbaueg, ein ßpceum, ;u ©t.=Ad)eul eine non 3e= fuiten geleitete ©rjiebungganftalt, unb in ber naben Abtei bu ©arb ein SErappijiens flofter, ferner anfebntid)e Ptanufacturen in wollenen Beuchen, .Tapeten, Sarnaft unb Äaft'mir, tvovon 130,000 ©tücfc abgefept werben, in Seber, «Seife unb Pref= fpdnen, fotvie 80 Saummotlenfärbereicn. Aud) finb il)te hafteten, bie fduftg über ben ©anal geben, berühmt. Amtenä (gtiebe ju), untere am 27. Ptarj 1S02 von Sof. Söonaparte, bem Plarq. von ©otnmallig, bem Siitter Ajara unb >£>tn. ©djimmetpenninf. Atg ftd) im 3. 1800 ©ngtanb von alten continentalen S3unbeggenoffen verlaffen fab, unb ber ruffifd)e Äaifer 9)aul, unjuftieben, bap Pialta bem Srben, beffenStops meifter er mar, nid)t jutücfgegeben würbe, Preufen, Sänentart unb ©d)tveben jur ^erjlellung ber norbifd)en bewaffneten 92eutralitdt beftimmte, fo legte Pkt auf bie@d)iffeber3lebternglaggena3efd)lag. Sagegen warb bem englifd)en>£)an= bet ber europaifefe ©ontinent gefperrt, unb biefet Umffanb gab ber Sppofttion im Parlamente gegen bag Pitnifferium bag Übergewicht. Sa nun ju gleicher 3cit bie Plinijter jur ©tnancipation ber fatlj. grlänber beg Äonigg Bujtimmung nid)t er= langen fonnten, fo lojte ftd) bag pitt’fdje Plinifterium auf, unb bet ©preefer Abbington trat an pitt’8 ©teile atg etfier £orb ber ©ebabbammer. Sag neue Sftiniftertum, in tveld)em ßotb ^latvfegburp an ber ©pi|e ber augtvartigen Ange= legenbeiten ftanb, leitete fofort griebenguntetbanblungen ein. Am 1. Set. 1801 tvurbe ju Eonbon ber Praliminarfriebe, unb am 27. Ptdrs 1802 ju Amteng ber Seftnitivfriebe jmifeben ©rofjbritannien, granfreid), ©panien unb ber batavtfd)en Siepublit unterjeidinet. ©ngtanb befielt von feinen ©roberungen bie Snfeln ©eplon unb Stinibab; bie $dfen beg SSorgebirgeg ber guten -Hoffnung blieben ibm geöff= net. granfreid) erhielt feine ©olonien jurüd unb gegen SSraftlien in ©uiana ben Ataotvari jur ©renje; bie Stepublif ber 7 Smfeln mürbe anerfannt unb SWalta wiebet ein Srbengftaat; ©panien unb bie batavifd)e Stepublif erhielten, big auf ©eplon unb Stinibab, ihre ©olonien wiebet; bie granjofen wollten 9fom unb 92ea‘ pel raumen mit ©Iba; bag $aug Stanien follte entfebabigt werben; enblid) warb bie Integrität ber Pforte in bem gujianbe vor bem Kriege anerfannt, wefbalb ber ©ultan ©etim am 13. Piai 1802 bem Sractate von Amteng förmlid) beitrat. 256 #mi(tu$ 3fmme — 2(llein biefer gtiebe fanb 6alb in England allgemeine SNipbilligung. Senn bet trjie Eonful rüffete eine gtope Srpebition nach ©t.«Somingo aus «nb wollte in allen irlänbifchen .£>äfen franj. Eonfulate erachten, dagegen weigerte ft'rf) ©ropbri« tannien, 2fgppten unb SWalta ju raumen, weil eS behauptete, gtanfteicl) bebrolje ecffereS, woju ©ebaftiani’S übereilter 33erid)t non feiner ©enbung nach jfgppten Vecanlaffung barbct. 21 m 10. SNai 1803 übergab ber englifche -fpof fein Ultima» tum jur 'jfuSgleichung aller neuen JDifferenjen beiber ©taaten, oerlangte Entfchäbi» gung für ben oom (Kontinent oertriebenen Äonig oon ©arbinien, Einräumung ber Snfel Sampebufa unb bap bie franj. SEruppen baS ©ebiet ber bataoifchen unb ber heloetifchen Sfepublif räumen follten. Sieg fchlug bie franj. Regierung ab, unb ber lonbner .fjof erklärte berfelben am 18. Ntai 1803 oon neuem ben Ärieg. ^mtltuS (fPauluS), mit bem 33einamen NfacebontcuS, ein ebler 9?omer au« bem alten ©efchlechte ber 2fmilier. Er überwanb ben fPerfeuS, Äonig in 5Na» cebonien, unb hielt befjwegen 586 nad? Erb. ber ©tabt (168 o. Ehr.) einen gro» pen Sriumph. SBährenb beffelben ffarben 2 feinet ©ohne, beren SEob er hoch» herjig ertrug, unb ben ©Ottern banfte, bap fte btefelben jurn Opfer gewählt, ben SBechfel beS römifchen ©lücfs abjuwenben. Er war ber Vater beS berühmten ©cipio 2ffricanuS beS Jüngern, ©ein Vater, gteidjeS Namens, ein ebenfo tapfe» rer als ebler SNann, fiel ali Eonful unb gelbherr im jweiten punifd)en .Kriege, in ber ©d)lad)t bei Eannä, 216 o. Ehr. 2lmiot (fPater), ein franj. Sefuit, geb. 1718 juSEoulon, war SKifftcnnair in fPefing unb trug ju einer genauem Äenntnip EfinaS oiel bei. 3h m oecbanfen Wir bie auSgebreitetffen S3e(ef)rungen über bie Älterthümer, bie ©efchichte, ©ptad)e unb bie Äünffe ber Ehinefen. 1750 fam er ju SOfacao an unb ging im folg. Sahte auf 33efef)l beS ÄaiferS nach geling, wo ec bis an feinen SEob 1794 blieb. Sin anhaltenbeS ©tubium machte ihn mit ber djineftfchen unb tatarifchen ©prache oer» traut, babutcf) fonnte et Ehina unmittelbar aus ben Suellen fennen lernen. Sie meifben feiner fd)äfcbaren Arbeiten, welche bie Eharabterfcbrift, bie ÄtiegSbunff, bie SDluftf k. ber Ehinefen betreffen, ferner eine SebenSbefci)teibung beS EonfuciuS, eine tatar» mantfchuifche ©rammatif je., beftnben fleh in ben „Mcmoires concer- nant l’histoire, les Sciences et les arts des Chinois", beten jehnter SEheil fei* nen 2fntheil an ben etften 10 Sänben, in 14 Eolumnen oerjeiefnet, angibt. 2fuper< bem fchrieb er bie „Eloges deMoukden", welche beSutgneS, unb baS „Dic- tionnaire tatarmantcheou - frangais", Weld)eS ßangleS hetauSgegeben hat. — Ein älterer franj. ©chriftjtellec gl. N., ber 1593, 79 Sah« alt, als SSifdjof oon Tfurerre jlarb, ift burd) feine noch immer feh r geachteten Überfehungen beS fPl« ; tard), beS Siobot ic. auch bem 2luSlanbe begannt. Itnman, in ber ©chweij unb in Sberbeutfchlanb fo oiel atSJfmtmann, ©tabtooigt, ©chultfjeip. Ser Sberooigt einer fProoinjheipt Sanbamman. 2fmme. Sie Natur legt ber SNutter bie Pflicht auf, bem Neugeborenen bie Nfutterbruft nicht ju oerfagen; bähet berSfnbcang oon Vlut, ber fich halb nach ber Entbinbung nach ben Vrüjfen hin einfiellt, unb bie oermehrte SebenSthätigfeit, bieftch h'etregt, unb bie 2(bfonberung ber SKilcb, ber erften naturgemäpen Nal)» rung beS Neugeborenen. 9Sie jebe naturgemäpe $anbtung mit Vergnügen unb Suft oerfnüpft ifi, fo aud) baS ©äugen, was noch fortwährend eine Verbindung jwifchen Nfutter unb Kinb erhält, bie währenb ber ©d)wangerfd)aft jwar eng« war, aber auch bepfjalb ben Einrichtungen ber Natur gemäp nicht plo^lidj gelofi Werben foll. — üNutter unb Äinb erfahren baher nachtheilige gotgen, wenn bieS Naturgefeg nicht befolgt wirb. Sie Etfie wirb babutd) ju einer gropen Nfenge oon ifranfheiten geneigter. Entjünbungen, Sßereitetungen, Verhärtungen unb ÄrebS ber SSrüfie, ju reichliche unb erfchopfenbe Sfochien, Entjünbungen beS Uterus, ber Soarien u. a. Srgane beS Unterleibes, weld;e balb baS Äinbbetterinnenfieber be» Sfrumianuö ©arceUtnuS 257 grünben, halb aud) ju fpätern Verhärtungen, Vereiterungen itnb ÄrcbS bic 9Ser= anlafjung abgeben, ft'nb bic golgen beg untertaffenen ©tilleng, tnelche t>otjügUcf) beutlid) in bie 2lugen fpttngen. Sie für bag Äinb ft'nb nod) gröper, benn jebe anbte Stauung, bic eg erhalten bann, erfe&t bie ©uttermild) feinegtregg, unb eine 2(b= jefjeung (atrophia infantum) ift beinahe getröl)nlid) bie Äranfpeit, tveld)e bag Seben ^Derjenigen jerfboct, treld)c ber naturgemapen Otaprung entbehren muffen. ©an glaubt nun trol burd) Slmmenmild) bie ©uttermild) etfegen ju fönnen, unb nur ju gern ergreifen bequeme, mehr in bet gropen ©eit alg in bem fleinetn gamiliem fteife lebenbe ©utter biefeg Jfugfunftmittel, troburep fle ihre Neigung mit ifjrec ,$PfIid)t vereinigen ju fonnen hoffen; bie 2fmme iß aber nur ein fdßedßeg Surrogat ber SD?utter, fie fann ifjre ©teile jtrar einnehmen, aber nie vollfommen augfüllen. Socp gibt eg allerbingg bei ber naturtribrigen Sebettgtreife, trekpe bie grauen ber t>6t>ern ©tanbe fügten, eine ©enge von gaben, in welchen bag Stillen (sumal langer fortgefegt) treber ber ©utter nod) bem Äinbe nü(jen mürbe. Valb feilt fid) gar feine ©ilcpabfonberung ein, ober fte fjat feine guten ©igenfepaften, halb finb bie Vrußtrarjen fo verfrüppelt, bap treber bie Äunft nod) bag ©äugen beg .fdjHtacpen Äinbeg fxe petvoejiepen fann: Umßänbe, burd) irelcpe bag ©äugen ber ©utter unmöglid) gemacht wirb; nachteilig aber für bag ifinb trirb eg, trenn bie ©utter eine Äranfpeitganlage befipt, trenn fte ffrofulßg, fad)eftifd), fcptrinb= fücptig, renerifd), fe^r reijbar, fd)trad)lief) ift, trenn fte ft'd) bie notpige O^ufje, bem Äinbe bie nötpige 2lufmerffamfeit nicht fehenfen fann nod) mag. Unter folchen Umßänben iji eine 2(mme ber einjige naturgemäpe (Srfag, tneld)en bag Äinb crf>al= ten fann; nur hüte man ft'd) rot bem ©ahne, alg fei eine 2fmme um fo befer, je großer, vierfd)tötiger, ßcopettbec fte augfiept; für bag Äinb einer jarten, fd)trach= ,lid)en ©utter, trie fte in ben hohem ©tünben meifteng ft'nb, taugen foldje '2(mmen nid)tg. S5ei ber ©ahl ber 2lmme ift juetß barauf ju fef)en, bap eg eine gefunbe fPerfon fei, am allertrenigßen trirb fte an einer anjtecfenben Äranfpeit leiben büc= fett, fte foll nid)t ju jung unb nicht ju alt fein, am liebßen jroifchen bem 20. unb 30. Sahre ftefjcn, fte foll tro möglich nur trentge Sage ror ber ©utter entbunben trorben unb biefet förperlicp unb geiftig möglichft ähnlid) fein; fte mup gute SSrufte unb Vrußtrarjen haben; ihre ©ilcp mup in gehöriger ©enge rothanben unb füp= lid), ohne ©etud), bläulich unb treber ju bief nod) ju bünne fein; fte barf nicht geneigt ju leibenfd)aftlid)en 2fttgbrüd;en unb 2fffecten, fonbern fte foll ron ruhiger, gebulbiger, fünfter ©emüthgart fein unb für ihren Säugling Siebe empft'nben. Über alle biefe Umßänbe trirb natütlid) bie ©utter nid)t gehörig urtfjeilen fönnen; eg iftbaper jeberjeit bie Unterfud)ung burd) einen2lrjt notptrenbig. Sn gröpern ©täbten (}. V. in fParig) ft'nb 2(mmenbureaug errichtet, treld)e jebod) bie nötige Sicherheit nid)t geträl)ren Jollen. — ©nblicp mup bie erträplte 21'mrne eine folcpe Siat füp= ren^bap ber pöd)ße ©rab ron ©efunbpeit babei beßepen fann. Senn man put vielfältig bie S3eobad)tung gemad)t, bap jeber Verßop gegen bie Siät, trie j. V. unangemeffene 9laptung, ©rfältmtg, 2fugfcptneifungen, fjeftige ©emütpgbe= tvegungen tc., viel leichter unb häufiger bie ©efunbheit beg fd)trad)en ©äuglingg alg bie ber 2fmme ftoren, unb ©rbredjen, Siarrpöen, tfugfehläge, 2fbmagerung, näd)tliche Unruhe, -Stampfe, ©onvulftonen, fieberhafte unb anbre Sufälle bei bem Äinbe verurfad)en, bie, trenn fte oft trieberfefjrett ober lange anpalten, eg nothtrenbig machen, bap bie 2fmme getred)felt trirb. 34. 2Immi«nu§ ©arcelltnuö, ein römifd)er ©efcpichtfchreiber aug bem 4. pahrh- nad) 6h r -/ 2lntiod)ia in ©prien geb. ©ein ©erf umfapte in 31 SSudjern (von benen bloß bie legten 24 nod) übrig ft'nb) bie ©efd)id)te ber römifefen Gäfaren von Oterva big SSaleng. ©an fann eg alg eine gortfehung beg Sacitug unb ©ueton betrad)ten; eg iß vielfach (ehrreid) unb anjiefjenb. ©ine ältere gute <5onv.=8er. Siebente tlufl. 58b. I. + 17 258 2fmmon 2fmmoit (te.). 21mmon, eine libpfdjc ©ottheit. ©inige machen ben 21mmon ju einem ©ohne Siriton’S; 21nbre erjagen, er fei in einem ©albe gefunben worben, wo auper einem ©diafe fein lebenbigeS SSÖefen gefefjen worben, unb I)alten ihn bat)er für einen ©ofn Supiter’S unb biefeS ©djafeS. s Jtoc!) 2(nbre fagen, er fei jroifcfyen Gartljago unb Gptene als ein Änabe im ©anbe fpielenb »on einigen Ritten gefun= ben worben, benen er geit>eiffcigt tjabe, fo lange er auf bem ©anbe gefeffen; fobalb fie if>n aber aufgehoben, fei eroerffummt. ©nblid; erjä^tt man, SacdpuShabe auf feinem 3uge nach Snbien, ermattet »on Surft unb i>i|e, unweit lerolibpa ben Supiter um >£>ülfe gerufen; barauf fei ein SBibbet erfepienen, ber, mit feinen güpen fcpartenb, einen Sluell au$ bem ©anbe percorgelocft pabe «nb barauf tvieber »erfcpwunben fei. Siefen SBibber pabe er für ben Supiter felbft erfannt, ihm göttliche ©pre etwiefen unb einen Stempel erbaut. 9tacp Siobor »on ©icilien ifr 21. ein Äönig in Sibpen, beffen ©emaplin JRpea, bic ©cpwejter ©aturn’S, unb beffen ©eliebte 21maltpea gewefen, mit welcher er ben SaccpuS gejeugt habe. Siefer pabe ihm jenen berühmten Stempel erbaut, wo 21., nicht burch SBorte, fonberu burch Reichen beS weiffagenben fPriejterS, Srafelfprüdje ertheilte, unb wo er unter bem Silbe eines SBibberS, nach 21nbern eines SOtenfcpen mit einem Söibs berfopf ober SBibberhornetn »orgeftellt war. 2(leranber befudjte ben Stempel unb würbe »on beu'^rieftent für einen ©ohn beS ©otteS erflart. Über biefeS alte 21 m= monium in ber Safe ©iwap »gl. m. S afe u. 5Rer oc. — 21 mm onSpo tn, eine nach 2frt ber SJibberpörner gewunbene 9Rufd)elgattung. 21 m m o n (©priftopp griebrid) ».), Dr., f. fäd)f. Obetpofprebiger unb Ärn ä;enratp (feit 1813) in SreSben, Stifter beS f. fäcpf. ©ivil»erbienft= unb beS f, preup. rotpen 21blerorbenS 3. ©taffe, geb. am 16. San. 1766 ju Saireutp, wo fein SSater, f. preup. Äammcrrath, 1812ftarb — aus einer attabeligen gamilie, nürnbergs bairifdber 21bftammung, bie bis auf ben Sberfhn 2ubw. 21mmon im S- SSO jurüifgefüprt wirb —, würbe 1789 fPtof. ber fP.hilofoppie ju Erlangen, 1792 orbentl. $)rof. ber Stheologie unb UnioerfitatSprebiger, ging 1794 in gleid)er ©igenfepaft nad) ©ottingen, wo er jugleid) bie Söürbe eines ©onfifforialratpS er= hielt, unb lehrte 1804 als orbentl. fProf. ber Stheologie unb ©uperintenbent in ©r.- langen, jugleid) als Conftfforialratp in 21nfpad), in fein Saterlanb jurücf. 3« fei* nen frühem eregetifd;en ©epriften folgte er ben ©runbfapen »on £epne, ©id)horn unb Äoppe, welche bie fd)on »on ©rnejti »orbereitete pifforifepe Snterpretation ber heiligen ©eprift auf einen l;°h elt ©mb ber Sollfommenpeit auSgebilbet unb bie 21uSlegungSfunbe in eine ^pilofoppie ber 21uSlegung »erwanbelt patten. Siefe würbe julept immer ffeptifdjer unb negati»er, unb liep »on bem Sibeltepte SticptJ weiter übrig als ben 21uSleger unb bie 3nbi»ibualitat feiner 2fnfrd>t. 21. »erbanb bas her mit feinen gorfchungen als Seprer unb fPrebiger bie ©runbfape ber Äant’fcpen ^pilofoppie, alS baS fraftigjie SOtittel gegen bie einreipenbe Sibelffepft'S; haper beim auch feine tDtoral, »on welcher 4 21uflagen erfdjiencn fmb (»on f. ,,^>anbb. ber djrifll. ©ittenlehre" erfepien 2pj. 1823 ber 1. Sb.), fowol als f. wiffenfdjaftlid) = praftifdje Sogmatif auf baS fPrincip ber praftifchen Sernunft gebaut fi'nb. Snt ©anjen ift er aud) ben ©runbfäpen biefer ^hüofopljxe treu geblieben, bie, obfeponinber Sibeletflarung fclbft »erwerfliep, bod; bie chrifiliche Offenbarung mit ©f)rfucd)t behanbelt unb mehr alS irgenb ein anbreS ©pjtem bie Sereinigung ber SBiffem fd;aft unb beS ©laubenS beförbert, bie man als bie hodjjte 21ufgabe ber ed)ten Stheologie betrad;ten mup. 21. fabelte in bem Äant’fdjen ©pjtem nur feine feeptifefs fritifefe Haltung, weil jebe SebenSphilofophie bogmatifd) fein mup, bie fchroffe Strcnnung ber theoretifchen unb praftifchen Sernunft, unb bie rein formale Se= hanblung ber fDtoral nad) ber leeren gormel beS fategorifchcn 3mperati»S, woburch 2£mmonia! XmmomuS 259 biefe ©iffenfchaft in ein bloßes ©etipp oerwanbelt würbe. Sie teligiöfen 2fnftd)= ten mtb jorfcbungen X’S gelten fdjon feit 20 Salden ton bemfPrincip aus, baß bie 2Bahrf)eit fx'df) webet im ©efühl, noch in ber formet, nocf> in irgenb einem Sud)ftaben finbet, fonbetn in bet ben ©efegen ttnfetS ©emüthS angemeffenen St-- fenntniß beS iebenbigen ©eins. ©t bebennt ftd> bager in ber natürlichen Sfjeologie jum SEheiSmuS / in chriftlichen jur innigften ©emeinfdjaft ©otteS mit 3efu, in ber 9Roral jur Ableitung beS t>ochflen ©utS auS ©ott tmb feiner ©nabe, at$ fftormalibeen feiner SBiffenfdjaft. Snbem ber ©upranaturaliSmuS als ©taube an bie Offenbarung ogne ©iffenfdiaft auftritt, bet ^Rationalismus als 3ßiffenfd)aft ohne ©lauben, fo erklärt ftd) 71., beibe ©pffeme oerroerfenb, für ben rationalen ©upranaturaliSmuS, in welchem ber ©laube ba beginnt, wo bie 2öiffcnfd)aft aufhott. 2(uf biefem SBege wirb ©chwdrmerei unb Scceltgrofitdt oetmieben, unb bie höhere Sejtimmung bet 9ftenfd)heit erreicht. 3m biefem ©inne nahm 21. baS 5Bort in bem AEhefcnftreitc non .£armg. Sagegen warb er oon ©d)leiermad)er eines flugen SBecffelS unb SBenbenS ber Meinung befcfulbigt, unb eines Sefuitiö= mu$, ber oon X mit Unwillen unb 2Serad)tung bebdmpft ju werben pflegt, ©o oeranlaßte ©d)leiermad)er eine Sitterfeit ber ©rwibetungen, bie Senen ben ©enuß trübte, bie non fo auSgejeidjncten fSJtdnnern Selegtung über bie wid)tigfien ©egen= ftönbe erwarteten. Sie beabfichtigte Sereinigung ber proteftantifdicn Äirdjcn war eine ©adje, übet bie 2f. not 2fnbent fein 6ffentlid)eS Uvtheil auSfprecfen mußte. ©S war nicht bie Seteinigung felbft, bie er mißbilligte, fonbetn ein politifdjeS 3ufam= menwerfen beiber Kirchen in eine gdgtenbe SJaffe, non bem er ©rfchüttmmg ber Saftd eines freien euangelifdjen ÄitdjerwereinS, Scfötberung beS SRpfHcidmuS burch SnbifferentiSmuS unb 3etfpaltung ber proteffantifdjen Äitdie in neue ©eften befürdjtete. ©o gewiß mit ber ewigen Einheit ber 2Bahrf)eit auch bie Einheit ber d)rifflichen ^Religion in ihrer l)öchften Solleitbung gefegt ifi, fo fegt ift auch burd) bie Unoollfommengeit ber Sienfcgett bie SRannigfaltigfeit ber Äirdjen, als menfcg= liehet Snjfitute, bebingt. Sähet erfldrtX eine djuftlidje Unioerfalfitdie ebenfo entfehieben für ein ^piatonifcgeS Sbeat als eine geifilicge Unioetfalmonard)ie. Sul* bung, Stiebe, Siebe, 2(nndherung an bie Einheit beS ©laubenS fann nur bie große 2(ufgabe beS ©trebenS unb SBirfenS 2fller unb Siebes, aber niemals baS SBerf «iüer äußern SJiadjt fein. Siefem hoppelten ©eifte beS Umwerfens unb 3ufani= menwerfenS nad) SBillfür arbeitet X auch alS^)rebiger unb als geiftlidjerSorfieger entgegen. ©charfft'nnigeS gorfegen unb bemüthigeS ©rfennen ber menfd)licgen ©tenjen, baS jum ©lauben führt, leuchtet aus feinen Dfeben unb Schriften her- oor. Saß er aber oon ber cgrifllidjen Siebe butchbtungen ift, beweift feine Jpuma= nitdt, unb bie Sulbung, bie er 2fnbetSbenfenben beweift. Sei einer feltenen ©ewanbtheit beS ©eifteS, bie auch in ber Seichtigfeit ftd) beurfunbet, mit ber et mehret ©prachen $etr ifi, unb bei ber einbringenben ©egatfe, mit ber er auf= faßt, unterfdjeibet unb barftellt, weiß et in gleicher 2lrt ben Serftanb ju überzeugen unb baS di>erj ju erwdtmen. Surd) bie Sfegungen einer unfrieblichen unb argwöhnifegen Seit »eranlaßt, gab et (Seipj. 1825) 2 fPrebigten heraus, mit einem metfwürbigen Sorworte über ben dußern 9ieligionSwed)fel. Sie Einführung ber berliner Jooffttcgenagenbe beleudjtete er, baju auSbrücftid) aufgefobert, gefcbicgtlid; unb fitcglicg (SreSb. 1825), unb lirdjenrechtlid) (SreSb. 1826). Ser Einheit un= ferer Äitche wibmet er jegt eine eigne Seitfcßrift u. b. 2.: „Sie unoeranbetlidje ©in= heit ber eoangelifdjen Äird)e" (SreSb. 1826 fg.), bie bogmatifefen, polemifchen unb hiflorifchen Inhalts iff. 1824 warb bet feinen ©tammdltern 1594 oom Äai* fet SJubolf II. befidtigte 9feid)Sabel oom Äönig oon Saiern erneuert. ©. „©enea* logifcße fRacfweifung beS S«milienabelS ber oon 2fmmon" (SreSb. 1825). 3. 2fmmontaE, f. ©almiaf. 2fmmoniuö. Unter biefem 5Ramen ftnb mehre ©eiehrte, befonberS tyfyU 17 * 260 3fmncfHe lofophen in Sflcpanbrim ausgezeichnet, ndmlid): 1) ein *Peripatetifer ober »ielmeht eflcftifcher jPhitofopl) beS 1. 3at>rf>. na cf) üt)r., spiutarch’S 2ef)ter; 2) 2fmmoniu$, mit bem Seinamen ©accaS, bet als Stifter einer neuplatonifd)en Schule in 2(lepanbrien um 193 n. G>hr. angefefjen wirb (f. 2( l e p a n b r i n e r); unb 3) ein 2Cn= ganger biefer Schule im 5. unb 6. 5at)ri),, Sohn beS .fjetmiaS, ©d)üler beS 9)to= flttS unb Setjrer beS ©impliciuS. Ttmnefite (gtied).), bie gnnjtid)e Säerjeifjung unb Befreiung »on ©träfe, welche denjenigen, bie ftd) eines §Scrgel)enS ober 33erbred)enS fdjulbig gemacht ha= ben, gewöhnlich unter ber SJebingung, baß fte fofort, ober bis ju einem beftintm= ten Seitraume, ju ihrer Pflicht jutücffef)ren, jugeftdjertwirb. ©o pflegende; ferteurS »on Seit ju Seit unter 3uftd)etung »ölliger 2lmneftie, b. h- »olliget ©traf» loftgfeit, jurucfgerufen ju werben. 2(ud) wirb gewöhnlich bei 'Kufftänben ganjer difiricte ober Sdnber eine 2fmneftie erftdrt, weil bie SSejtrafung nad) ber Strenge ber ©efelje oft nid)t füglid) ausführbar fein würbe. 3)?an begnügt ftd), f>od>flenS bie Rauptet unb 2fnjiifter ba»on auSjunehmen. denn nad) innern @tfd)ütterun= gen unb bürgerlichen .Stiegen iff bie SSergeffenheit beS Vergangenen eine not£)Wen= bige ©tunblage beS griebenS. Sft a6er war fte nur eine trügerifche Suft'djetung. 2fttf bie 2Cmneftie ober ben 9teligionSftieben in gtanfreid) »on 1570 folgte 1572 baS entfe|lid)e SSeifpiel einer ^Regierung, weld)e ben SJtorb eines SEheilS ihrer Un= terthanen befahl. (©. S31 u t h o d) j e i t.) S3erühmte 2lmneftien waren bie in bem paffauifchen SReligionS»ertrag 1552, §. 23, wo ber gelbjug beS Surf. 5Rori(s »on ©achfen gegen Saifer Sari V. mit fehr milbem 2fitSbrucE „eine Stiegsübung" ge= nannt, unb 2lllen, bie baran Sheil genommen hatten, »olle Vergejfenheit unb ©ie= berannahme jur ©nabe jugeftchert wirb. 2lud) im wefifdtifd)en gtieben (2lrt. 2) würbe nad) »telen ©d)wiecigfeiten eine »ollfommene unb allgemeine 2fmne(lie, »om 2fnfang ber bohmifchen Unruhen an, bewilligt, beren 2fuSfühtung unb 2(nwem bung nach 30jdhrigen Sümpfen feine leichte Sache war. 3n ©nglanb würbe bei Saris II. SOBieberherftellung 1660 eine ©eneralamneffie befanntgemad)t, »on welcher ber Sönig Sftiemanb, baS Parlament nur bie eigentlichen SonigSmorber (bie JRidjter Saris I.) auSnahm. die franjoftfehe SReoolution ift an 2(mneftien reid). die fiegenbe Partei »erfprach fte, ober ließ ft'd) bamit ©traflofigfeit begangener Verbrechen zuftd)ern. Vei ber SReftauration fonnte eine förmliche 2fmnej!ie nicht wol)l auSgefptodjen werben, aber in ber „Charte constitutionnelle", 2frt. 11, Wirb jebe Verfolgung wegen politifdjer Meinungen unb 2lbf!immungen unterfagt. Um geachtet feiner ©ntfagung betrachtete bod) Napoleon Vonaparte diejenigen, welche 1814 jum Urnfturj beS faiferl. SEhtonS mitgewirft hatten, als @taatS»erbred)er, unb ertheilte ihnen am 12. SSRdrj 1815 aus Spon eine 2(tnneftie, »on welcher mir 13 SOtdnner (bet gürjl SEalletjranb, Vourienne, $erjog ». dalberg u. 2f.) auSgt! nommen waren. Sei ber zweiten Sieftauration würbe erft am 12. 1816 2(llen, welche an ber Ufurpation Napoleon 25onaparte’S unmittelbaren 2fntheil ge= nommen hatten, eine »ollfommene 2(mnefiie bewilligt, unb nur 19 ba»on auSge= nommen, weldjen zufolge ber Verotbnung »om 24. Suli 1815 ber fProceß gemad)t werben follte (9tep, 2abebot)ete, 2a»alette, Vertranb, Sfooigo u. 2f.); fern« 38 2fnbrc (Soult, Vaffano, Vanbamme, darnot, .fjullin, SOierlin tc.); welche ber Sonig binnen 2 SRonaten »etbannen fonne; enblid) 2£lle, welche für ben SEob SubwigS XVI. gejtimmt (Regicides) unb wal)tenb ber 100 Sage ber Ufurptt- tion ein öffentliches 2(mt angenommen hatten, diefe ftnb, wie alle 2(ngef)6rige bet gamilie Vonaparte, aus granfreid) »erbannt. dod) ift feitbem Vielen aus jettet Sahl bie Stücffehr »erwilligt worben. 2fuch bei ben portugieftfehen unb italienifcßen ^Resolutionen unb Sfejiaurationen ftnb mit mehren ober minbem Vefchrdnfungett bergleidjen polit. 2(mnefiien auSgefprochen worben. 3n bem wiener gtieben jWifchen Preußen unb ©achfen befanb ft'd) ebenfalls ein2(rtifef, ber fold)e feftfeßte. 37. 3fmov 3fmorttfu , en 261 2(mor, bei ben Kornern, bei ben ©riechen ©ro«. Kad) ber fpütern $Kp= tboiogie ift 3 tmor ein ©ofjn berSJenu« «nb be« SOtard, ber ©ott ber Siebe, bet fd) 6 nfie unter ben Unterblieben, ein geflügelter Änabe mit fPfeil unb S3ogen, $u= roeilen mit oerbunbenen 2 lugen. Sie SBirtungen feine« ©efcboffe« ftnb bie fd)mer= jenben SOBunben bec Siebe, tmb feine SOTarfjt tffc Stenfcben unb ©öttern furchtbar. 9 Ud)t immer ift er jebod) ein in ben 2 ftmen feiner SKutter fpielenber, fctjatfEjafter Änabe, er erfcbeint aud) in ber frifd)en SSlüttje be« Jüngling«, 5 . S5. als ©eliebter ber fPfpcbe. ©iner feiner S3rüber, oon mütterlicher ©eite, ift^pmen, ber ©ott ber ©be, bem er aber burd) feinen Seidjtftnn mand)en Äummer macht. Sie Spti= fer, ©legifet unb ©pigrammatiften bilbeten oorneljmlid) feinen SOTptfjuS au« unb fpradjen halb oon Siebe«göttern (Amoretten). (©. ^ 9 men, aud) ©upibo.) Stad) ber frühem SKptbologie (bei #eftobu« unb Srpl;eu«) ift er ber ältefte unter ben ©öttern unb mar oor allen ßtjeugungen ba; er regte juerft ba« unfrud)t= bare 6 l)ao« an, baf e« bie ginfternif gebar, au« melcber ber 3ftl)er unb ber Sag betoorgingen. Siefer atteftc 2lmor ift ber erhabene SSegriff ber 2tlle« ertegenben unb befrucbtenben Siebe. 3l)t wirb jebod) sott ©inigen ber ^afj entgegengeftellt. 3t m 0 r b a cb, bie febr oerfd) 6 nerte Keftbenjft. be« mebiatiftrten gürffen oon Seiningen, mit 520 •%>. unb 3300 ©inm., im baitifcben Untermainfreife. Sa« Kejtbenjfcblojj ift bie ebemal. SSenebictinerabtei. (©. Seiningen.) 2 tmorcttt (©arlo), 2tbbate, geb. ju Sneglia ben 13. SfJJärj 1741, fiatb ju SJtailanb 1816, ein grofet SKinetalog unb einer ber ©onferoatoren ber ambro= ftanifcben SSibliotbef feit 1797. S3i« 1772 mar er fprofeffor be« Äitd)enred)t« ju fParma. Sn neuern Sprachen äufjerft bemanbert, bemühte er fidb, feine Sanb«= leute oon ben gortfcbritten anbrer Elationen in 2 Biffenfd)aften unb fünften ju un= terridjten. ©r mar SRitglieb ber mailanb. Societa patriotica, be« italien. 92a= tionalinftitut«, ber Societa italiana, ber Societa d’incorragiamento delle scienze e delle arti. 33on 1775 — 88 erfdjienen ju 5Kat(anb 27 Suartbanbe mit Äpfrn. („Nuova scelta d’opuscoli interessanti sulle scienze e sulle arti“), bie er mit mebren gteunben berau«gab. ©eine 23ergmert'«Ecnntniffe riefen ibn 1808 in« Consiglio delle miniere, ©rmare«, ber juerfi auf genaue Unterfm d)ung ber ©d)d|e ber 2tmbroftana brang, motin Slfajo nachher fo 33iele« tei= ftete. ©o beförberte er jurn Srucf be« Kitter« fPigafetta au« SStcenja „@rfte Keife um bie 2Belt oon 1519—22“, unb bejfelben „Sractat über bie ©eefafjrt", 1811 a. b. Stalien. überf. oon Sacob« unb ©rie«, ferner 1811 be« ©apitain SKalbonabo „Korböftlidje Keife burd) ba« atlantifdje unb ftille 5Keer", unb 1804 be« Seonarbo ba S3inct „Trattato della pittura“, m. Äpf. , aud) eine S3iogtapf)ie biefe« berül)m= ten SJtaler« 1806; enbltcf) 1808: „Codice diplomatico Sant’ Ambrosiano“, ein Kadjtrag j« be« später« gumigalli ©ammlung italienifd)er Siplomen be« 8 . Uttb 9. Sab r b* 2fu« feinem großen fffierfe: „Della rabdomanzia ossia elettrome- tria animale ricerche fisiche c storiche“ (iKailanb 1808), lieferte er 1816 einen 2lu«ättg: „Elementi di elettrometria animale“. 2 tmorttftrcn (oom franj. amortir) bebeutet urfprünglid) ertöbten, erl5- fdjen, fcbmdcben, j. 95. geuet, ©üjjigfeit; bann 3tnfen lo«faufen; ferner @runb= ftücfe ober beten ©rtrag an bie tobte $anb oetäußern; unb enblid) bebeutet e« eine ©djulb tilgen ober aufbeben, in meld)em ©inne oon biefem fffiorte hier bie Kebe ift. @ut eingerichtete, aber burd) außerorbentlidje Unfälle oerfdjulbete Staaten bi Iben jur Tilgung ihrer ©d)ulben einen 3t m o r t i f a t i o n « f o n b « (ftanj. Amor- tissement, engl. Sinking fund) ober ©d)ulbentilgung«fonb« (2tmortifa= tion« = , ©cbulbentilgung«caffe, auch bloß 2 ä(gung«caffe genannt), inbem fte eine jährliche ©elbfumme fomol für bie Sejabtung ber 3 infen at« aud) für bie all= malige 3(bttagung ber ©d)ulben felbji beflimmen, bie burd) Sefstete« au« ben oer= minberten jährlichen Sntereffen gemonnene Summe mieber jur 3fbbejahlung ber 262 AmoS Amphibie ©djulben anmenbcn, «nb bamit fo lange fottfaf)ten, big ade ©chulben getilgt ft'nb. (©. SEilgunggfonbg.) Amos>, ber Prophet, ein^iit au« ber ©egenb »on Serufalem, trat unter ben .Königen UftaS »on 3ßtba unb 3«obcam II. »on Sfwet um 850 »or dfjr. aig ©iferet gegen bie in 3ßael ijerrfdjenbe Abgötterei auf. ©ein im A. $£. entfjalteneg ptophetifdjeg Sud) befielt aug ein jeinen ©d)ilberungen beS ©ittenoerberbeng unb ©öhcnbirnßeg unter ben Sfraeliten, aug Stohungen unb Serheijiungen, betgleis d)en anbre ^Propheten biefeg Solfg auch »orgetragen haben. ©igen ft'nb ihm ge= toiffe lanblid)e Silber, Sfunbung unb .Klarheit im Sau feiner Sieben unb Aug; füijttidjMt in feinen ©djiibetungen. ©r gehört unter bie heften ©djriftftelfer ber Hebräer. 31. Amphiarauö, beg Difleug (nach Anbern beg Apollo) unb ber^ppermne= jtra ©ohn, »on ben ©Ottern mit ©eherfraft begabt. Aig er, mof)l miffenb, bap er »or 5£h^bm umfomnten muffe, ftch »erborgen hatte, »on feinet ©emahlüt ©ri= phple (f. b.) aber »errathen morben mar, nahm er mit EPolpiceg SEh^il «n bem 3uge unb mar ©iner ber Uapfetßen. Aig aber einfi bie Seiagerer jttrücfgefdßagen mürben, öffnete fid) ihm auf ber Slucßt bie ©rbe unb »erfchiang ihn fammt feinem ©efpann. An bem £)vte, roo bieg gefd)ef)en fein füllte, juöropug, mürbe ihm ju ©h«n ein geß (Amphiarda) gefeiert, unb nicht roeit »on biefer ©tabt mar ein ihm gemeihter SEempel, mo £)rafelfprüd)e gegeben mürben, ©einen 5£ob rächte fein ©ohn Alfmaon. Amphibie, c * n jroeiiebigeg ©efchöpf, b. h- ein folcßeg, bag auf bem Sanbe unb im SIkffer jugleid) leben fann. Sie altern Sßaturforfdjer faffen alle ©efeßöpfe, bie biefe ©igenfeßaften haben, unter ber ©laffe ber Amphibien jufammen. ©egem martig hat bag SESort Amphibie einen eingefeßränftern ©inn unb bejeichnet biejenis gen Shiere, meldje rotheg halteg Slut haben unb btttd) mirflkße fiungen athmen. ©ie heputirte bafjin, welche ftd) mit grofer geierlidpeit verfammelten, bie öffentlichen Streitigkeiten fdpidpeten, bie Broipigkeitcn cinjetner ©tdbte mit ©üte ober ©e= «alt beilegten, bürgerliche unb peinlidp ©erbrechen, befonberg iöerlefjungcn be$ 23ölkerred)t$ unb 23etfd)ulbungen gegen ben Sempel ju Delphi, bepraften. 9Pad) gefächenem 2Cugfptud) warb bem prafbarenS3olke eine ©elbbufe juerkannt, welche, wenn fit nad) verlaufener Stift nid)t bejaht war, vetboppelt würbe. Unterwarf ftd) baS SSolf' nod) nid)t, fo warb ber ganje Sunb gegen baffeibe aufgefobert, um eg mit ben ÜBaffcn jum ©etjorfam ju gwingen. Aud) f>atte bie ©erfammlungbaS JHecfp, eS vom 33unbe augjufdpicfen. ©in Seifpielbavon liefert ber lOjäijtige pf) 0 = cenftfche Krieg. ©. Uittmann’S fPretefdpift: „Über ben S3unb ber Amphiktponen". 2(mpl)ion, ©of)n Supiter’8 unb ber 2frttiopc, ber altepe ber griedpfdpn SEonkünpler. ©r lernte in ßtjbien, wo er beS Königs SantaluS SSodper 9Piobe t;ei= ratf)ete, bie SRufik, unb brad)te fie von ba ju ben©ried)en. ^)ier regierte er in Sieben, weldpS früher Kabmea f>ieg. A. aber vereinigte bie obere unb um tere ©tabt butd) SKauern, baute bie 7 SEljote, unb je£t entpanb ber 9Pame Sieben. Um bie ©ewalt feiner Sftufik unb vielleicht aud) feiner Serebtfamkeit au§- jubrücken, fagten bie IDidper: bie ©feine hatten ftd) bei bem Klange feiner Seiet felbp ju dauern gefügt, bie Spiere ber 2ßilbnif unb felbjl: SSdume, gelfen unb ©trome feien ben Sonen feiner ©aiten gefolgt. Aud) foll et mit feinem S3ruber BetljuS bie von feinem ©ater vetpofene Autiope getddp unb bie IDirce an einen ©tein gebunben haben, weld;e gäbet baS unter bem Plamen „ber farneftfdp ©tier" bekannte plapifcfe SKupcrwerk barpellen foll. Amphitheater, ein bei ben SJömem ju Kampffpielen ber gedper unb wilben Slpere bepimmteg ©ebaube ohne £>ad), in runber ober ovaler gorm. 3tt feiner SD2itte befanb ftd) bie Arena, ein grofer, mit ©anb bepreuter pMaSj, auf welchem bie Kampffpiele vorgepellt würben. OÜngS h^um waren bie jut Aufbe= Wahrung ber Shiere bepimmten ©ewölbe; übet biefen war bie ©alerte; unb von biefer an erhoben ftd) immer höher unb weiter entfernt bie ©ige, von benen bie er= pen 14 für bie ©enatoren unb Stifter, bie obern aber für ba$ gemeine SSolE be= pimrnt waren. SuliuS ©dfar lief 709 nad) SiontS ©tbauung ba$ erpe gröfere Amphitheater ju 9fom für feine ged)tetfpiele errichten; eS war von ^oljunb würbe nad) bem ©ebrauch wieber abgetragen, ©tatitiuS 5£autu6 erbaute 20 3afpe fpd= ter ba§ erpe von ©tein. 25a§ © o t i f e tt m (f. b.) ju 9fom ip ba8 grofte aller Am= pl)itheater beS AlterthumS. 3n fßetona beflnbet ftd) ein folcheS (ein anbreS peht nod) in ^)ola), beffen Snncreg nod) ganj bie alte SSauart geigt unb forgfattig unterhalten wirb; man nennt eä bort Arena. SSon allen tdmifebett Altertümern hat feing ber Beit fo fchr wiberpanben wie biefeS merfwürbige ©ebaube, beffen gorm oval, unb bepeniöauart im ©efdjmacf be§ ©olifeum« $u 9tom ip.— AmphU theater wirb gegenwärtig, nad) bengran^ofen, ber $)la(> genannt, welcher bei um fern Sfpatern ber Sühne gegenüber ip, ur.b auf welchem Sdnfe, bie immer ho= her unb hdh er ftetgen, angebracht finb. 264 Ämptyitrite Amputation Amphitrite, Softer bcö SceanuS unb bet SEethpS ober beS SlereuS unb berSottS. fJleptun wfinfdjte fte sur ©emahlin unb lief fte, ba fteftd) vor ihm verbarg, burd) einen Delphin auffud;en, ber fte ihm auch $ufühtte unb jur ffie= tohnung bafür unter bie ©ferne verfemt warb. AB bie ©öttin unb Äönigin beS SJleetS wirb fte auf einem SJlufchetwagen von SEritonen gezogen, ober aud) auf ei= nem Selphin reitenb, mit Sleptun’S Sreisact in bet -£anb, abgebilbet. Amphitruo ober Amphttrpo, Äönig von Sieben, ©of>n beS AlcäuS, ©emal)l bet Altmene. splautuS, nad) il)m fSloliete, unb nach biefem $alt unb Äleifi, haben ben ihm von Jupiter gefpielten ©treid) (f. Alf mene) ju infereffanten Suflfpielen benufst, reo bie 3?u(ffet)r beS wahren Amphitruo unb fein 3ufammen= treffen mit bem falfdjen lächetlidje ©eenen in cfjof unb ©tabt l)erbeifuf)tt. Sie granjofen nennen fo einen gefälligen SBirtl). Amplift'cation, (Erweiterung in tf)etorifcf)er $inftd)t. ©ie ftnbet fefon flatt in jeber ausführlichen Sarjtellung einer einjelnen fßorjlellung ober eines Ut= theilS. Senn burch eine foldje ausführliche Satflellung mannigfaltiger Sejiehun: gen wirb ber ©a| felbji erweitert unb gleichfam auSgebehnt. SnSbefonbere gehört bie Amplift'cation jur rebnerifefjen Ausführung, ©ie ifl berjenige Sheil berfetben, welcher nicht aus innern Suellen, b. i. aus bem SSegriff unb ber innern S3efcbaf= fenhrit beS ©egenftanbeS, fonbern auS äufern Quellen gefd)öpft ifl. ^tierju red)= net man: baS 93erhältnifi eines ©egenflanbeS ju anbern Singen, vornehmlich Ähulid)feit unb ©egentf)eil, fowie baS SSerhältnif beS Allgemeinen jum SSefon* bern, worauf fid)baS 23eifpiel grünbet, unb bie 3eugniffe übet einen ©egenflanb. Sn einigen ©djulen ber 9thetorif nahm man 4 $Ef)tüe btt rebnerifchen Amplift= cation an: ©rläuterung eines ©afseS burch Ähnliches (bahin gehört auch baS ©leid)» nif); ©nfgegengefehteS, fowie burch SSeifpiel (befonbere Salle) unb Seugniffe, unb biefe ©rläuterung muffe fonfi alS wefentlicher Sheil ber ©btie n einem nod) engem ©imte. verfielen Sinige unter rebnerifdjer Amplift'cation inSbefonbete bie auS-- fühtlidje AuSeinanbetfehung eines ©egenflanbeS in SScifpielen. Sie gtied)ifd)en unb römifbben Slhetoren aber vetflanben unter rebnerifcher Erweiterung bie 93et= gtöferung ober ©ertleinerung eines ©egenflanbeS burch ©ebanten unb AuSbrucf; Songin bie gufammenfaffung aller bet bem ©egenflanbe anhängenben 5Segiehtm= gen, woburd) baS fefon SSegrünbete nod) mehr bekräftigt wirb. SSeibe SSeflitm mungen laffen ftd) wohl vereinigen, ba eine folcfe Ausführung gewöhnlichSJcrgrö-- ferung ober SBerfleinerung beS ©egenflanbeS, Erhebung ober Jpetabfegung beffeU ben bei ben3uhörent jur Abftcft hat. Sa ferner bei einer folgen Ausführung, wie wir eben anführten, bie vollflänbige Söirkttng auf ben 3ul)ötet beabfteftigt wirb, fo ifl su erklären, warum ©icero unb mehre alte Siebnet bie Ampliftcation nebfl ber 3ufammenfaffung beS SjnfaltS ber Siebe (enumeratio ober Slecapitulation) s u einem wefentlichen SEheite beS ©cfluffeS machten; jebod) wirb bann unter Arnplu ftcation (aud) exaggeratio genannt) nur bie legte SSekräftigung beS ©egenflanbeS verflanben, wobei man, vorjügltcf) vermittelfl eines allgemeinen ©afeS, auf ben 3ul)öter su wirken fud)te. 49. Amputation, bie tunflmäjjige Abnefmung ber ©lieber mittelfl d)irur= gifchet Smflrumente. Sbgletd) bie c^iturgifche Ölunft bie Amputation su verhüten Amfterbatn 265 fucfyen muf, fo ift bicfc bocg in megten gälten nicgt ju »etmeiben. ©iefe ffnb be: (onbetg 1) grofjc Sdjufwunben, wenn ©liebet völlig äerfcgmettert fmb, jumal an ben güfjen, im Äniegelenf, am Scgenfelfnocgen; 2) langwierige ©iterungen unb $oglgefd)WÜre (giftein) mit ©ängen, wetcge ben Änodjenfraf »erutfacgen, befonberö wenn ffe als Überrefte ober 23etfegungcn Bon Äranfgeiten etfdjeinen; 3) Änocgengefcgwüre, bet fogenannte fd)wärenbe SSinbborn, Änocgenentjünbun: gen unb Anfcgwellimgen »on ^ulSabergefdjwulften ; 4) bet falte I8ranb, bet non einet unbefannten innetn Utfacge entftanben ift, ober tiefin baS ©lieb ftcg erfirecft; 5) frebsgafte ©efcgwüre; auch 6) bergleicfjert ©efcgwütfte, welche, ogne beträcgt: liege fPutSabern ju «erlegen, nid)t auSgerottet werben fonnen u. a. m. ©8 iff je= bod) fegt fd)Wer, eine beftimmte 2fnjeige jur Amputation feftjufegen, weil aud) bie meinen gälle nocg AuSnagmen erleiben. 2Da8 Sßerfagren ift von Seit ju Seit fegr »erbeffert worben, bager bie »erfcgiebenen fJJtetgoben bet Amputation, bie in »erfcgieben gearteten gälten ben SSotjug »erbienen. ginget unb Segen Werben aud) butd) ben SJteifet abgenommen, unb biefe Operation geift Dactylosmileusis. Amfterbam. Sdefe wettberügmte^anbel8 = unb, jufolge ber ©runboet: fapng beS ÄonigteicgS bet 9tieberlanbe, bie $auptpbt biefe8 Steicgs war nod) ju Anfang be8 13. Sagtg. ein gifcgerborf im S3eft(s ber fetten «on Amfiel; gegen bie SJJitte biefe8 Sagtg. ergob e8 ftcg ju einem Stäbtcgen unb ergielt ftäbtifdje 9?ecgte. 1296 würbe e8 »on ben benacgbarten&ennemerS wegen berStgeilnagme©p8bred)t8 «an Amjiel an bem SD?orbe be8 ©rafen glori8 «on Jpotlanb überfallen, »erwüftet, unb ber SSeftger felbft «ertrieben. Auf biefe SBeife fam A. mit Amftellanb an bie ©rafen »on^oltanb, welcge bie Stabt mit öielen 33orred)ten befd)enf= ten. A. befam balb einen bebeutenben -fjanbel nach ber £)fifce unb war im 16. Sagtg. eine anfegnlicge Äauffiabt. 25et Übergang aus bet gufSgetrltcgen $ongfeit unter bie gräflicge ßanbeSgogeit begrünbete igr erfie8 ©lücf, igr ferneres ber Über: gang au8 ber £ertfcgaft (Spaniens. Sie fd;wang ftcg gietburcg jur erften $an: belSfiabt bet «ereinigten Siieberlanbe empor. Scgon 1585, nacgbem Antwerpen wieber fpanifd) geworben war unb befTen 5Beltganbel ffcg nad) A. gezogen gatte, mufte bie weftlicge neue Seite neben bem alten A. erbaut werben. 9ieue töergroferungen ergielt bie Stabt 1593, 1612 unb 1658. — 1622 jäglte fie bereits 100,000 ©inw. Siefe anwadjfenbe ©tofe erwedte bie Stlifjqimft ber 9?acgbarn. Seicefter fucgte ftcg berfelben 1587 burcg SSerratg, fPrinj SQBilgetm II. 1650 burcg Überrumpelung ju bemeifiern. SSeibe SSerfucge mif langen burcg bie Äluggeit ber beiben 33ürgermeijter «fjooft unb SSicfer. A.’S ffiürgermeifter erlang: ten bamalS in ber SSerfammlung ber ©eneralftaaten ein foldteS ©ewicgt, baf igr Anfegen in ben erften 94 Sagten beS 18. Sagtg. mit bem beS ©rbfiattgalterS wett: eiferte. Sn biefet ©lanjepocge gatte A. einen fotcgen 9feicgtgum erworben, baf igr feine anbre Stabt in ©uropa gleicgjuftellen war. Sie war ber grofe SÜtarft aller fProbucte im Sften unb SBeften, unb betrafen ftetS fo »oll Scgiffe, baf man »on biefer Seite bie SSgürme bet Stabt faum wagrnegmen fonnte. Üer 9Juf gollänbifcget SJeblicgfeit unb Sparfamfeitbeforbertebie SSlütge beS amfierbamet •föanbelS; inbeffen gemmte benfelben bie Sanbbanf »or bem PimpuS, wefgalb bie gtofen Seefcgiffe nicgt ogne ©ntlabung eines SEgeilS ber ©üter auf Sicgterfcgif: fen eintaufen fonnten. Aucg war. baS Auslaufen ber »^anbelSfcgiffe aus bet Supberfee beim SÜepel nur bei gewiffen -JBinben moglieg. ©nbticg füglte A. nicgt feiten ben £>rucf gartet ÄriegSbrangfale. Selbft in bet glanjuollen ^3eriobe beS 17. Sngtg. war 1653, in golge beS ÄriegS mit ©nglanb, ber -£anbel bergeffalt gefunfen, baf 4000 Käufer in A. unbewognt waren, unb baf, wie erjäglt wirb, auf ber SSörfe ©ras wucgs. 23ocg immer gob ftd; ber ^anbel wieber unb blieb ftcg, felbft in ber unrugigen Seit »on 1780 — 94, mit AuSnagme bet engt, ÄriegSjagte »on 1781 unb 1782, fafi gleicg. Allein feit ber 9tegierungg: 266 2fmfietb«ra »erünbetungen »on 1795 »erft'elen |>anbel unb 5BohIffanb immer mehr. 21m nach* tl)eiligffen triefte bie gezwungene 58etbinbung -jpollanbS mit gcanfreid), ba jenes ber franj. fpotitiE gegen bie mit granfreid) im Ätieg beftnblidjcn SOldrfjtc folgen mufite. Set ben $ollünbern als .König aufgenötf)igte Subwig Sonaparte fud)te gwat ben hollänbifchen >f?anbel burd) manche Segünffigungen ju heben, aud) »er= legte ec 1808 feine Sfefibenj unb ben <3i§ ber (Regierung nad) 21.; allein jenes reijte Napoleon nur um fo mehr gegen -fjjollanb auf, unb biefeö führte, wenn’fiel) aud) einig! neue SfahtungSquellen baburd) eröffneten, bennod) mancherlei 92ad): tfteile herbei. Sic »öllige Gin»erleibung -fjollanbS in granfteidh, 1810, »ernichtete ben auswärtigen $anbel 21.’S «öllig, unb manche anbre SfRaßregel, wie}. S.bie Ginfühtung ber SabacfSregic unb bet fogen. droits reunis, wirfte fürbeninläm bifdjen Serfehr außerorbentlidf) naditheilig. Sie Sveoolution non 1813 gab 2(. feinen alten Sefd)üftigungen prücf. ©eitbern hat ber $anbel roieber bebeutenb jugenommen, ba bie unermeßlidjen Kapitale ber alten großen $anbelS = unb Gönn miffionShäufer unb bie folibe 2frt beS amffecbamet Seriell im Uöaaren= unb 5Sed)fe(hanbel, feine funbigen SBaatenrnäfler, fowie eineüUlenge ben^anbel er= leid)ternber unb ftd;ernber Ginridjtungen forool Snlänber alS 2(u$tünbet mit ihren Aufträgen nad) 2C. f;tn;ief)en unb ihr ben 5Bor}ug «or anbern^anbelSftabten ftdjern. 3u ben widjtigffen unb eigenthümlichen 2fnftalten, bie 21.’S SBeltfjanbel unterftüfccn, gehören inSbefonbere eine große Saht @d)ifft}immerwerfte, ©eil = , Sau = unb Sa: bacfSfabrifen u. bgl. — 2fußer ben öffentl. ©ebäuben jahlte 2f. (1732) 26,385 2Bof)nhöufer; bod) wirb in .fjollanb in ber Siegel ein 3ßof)nhauS (meifl ©iebel: häufet »on 3 — 4 genffern in ber gronte) nur t>on Ginet gamilie bewohnt. Sie 3ahl ber Ginw. betrug 1796: 217,000, 1808: 208,000, worunter 20,000 Suben. 1820 }ät)(te man bagegen nur 180,000, unter welchen ftd) 90,010 jitr reform., 38,000 jur fathol., 30,000 jur (uther. Gonfeffton bekannten. 2luS allen 3äf)lungen geht hier bas Serhältniß beS männl. unb weibl. @efd)Ied)tS um gefäfjr wie 4 }u 5 her»or; 1817 flieg bie 3^1)1 berSotaU ober ^artialatmen auf 39,000. SBegen beS niebrigen ©runbeS ber ©tabt ifi ber größte Sheil berfelben auf pfählen gebaut. 290 58rücfen »erbinben bie JCmftel unb bie Ganäle. 21. nimmt fid)»on ber ^afenfeite burd) ihre »ieten Äirchthütme prad)t»oIl aus; auch iff bie Überficht ber ©tabt «on ber hohen, 660 g. langen 2fmffetbrücfe unb «on bet offlid)en Ginfahrt «on IWuiben aus, burd) bie fogen. fpiantage, fefjc angenehm, Sn früherer Seit war2(. eine flarfe geflung, bie mit ihren 26 Sollwerfen unb befom berS mit ihren Ubctfdjwemmungcn felbff Subwig XIV. bebenflid) machte fte anjm greifen^ allein 1787 mußte fte, nad) Übergabe ber «erfchanjten nahen Sörfer, «on einem mäßigen pteußifd)en -peete bebroht, capituliren. Sei ber jehigen ÄciegS: fitnff fanu 21. nur burd) Überfdjwemmung ber umliegenben ©egenb behauptet wer: ben; bod) fagt man, baß in ber testen OfegierungSjeit beS GrfönigS Subwig ein ^)lan jur regelmäßigen Sefeffigung 2T.’S entworfen worben fei. Son ber ©eite «on hartem beeft jefet bie ©tabt bie ©d)!eufe «on $alfwegen, unb «on ber Sfffcite bie geffung Ofaarben. Sm ^nlbcirfel, ben bie ©renje ber ©tabt »on ber Sank feite befdyteibt, bilben bie ^)rinjen=, Äaifet= unb ^errengraditen mit bem Gim gel «iele fleinere ^lalbcirfe!, bie alle auf ben 2(mflelfluß ober auf ben SJfeerbufen S) auSlaufen. Unter ben öffentl. ©ebäuben iff baS »ormalige ©tabthciuS berühmt. Ser Sau beffelben begann unter Leitung beS SaumeifterS Snfob «att Jfampen nad) bem wefffalifdjen grieben, welcher bie Unabhängigfeit ber niebet: länb. Sfepublif (1648) auSfprad), unb würbe 1655 »ollenbet. ^uijgenS unb Sonbel »erherrtid)ten ben Sau burd) ihre SOfufe. Unter bem ©tabtfjaufe liegt im gewölbten Äellergefd)oß ber ©d;ah ber amfferbamerSanf. Sa8 prächtige ©ebäube ffef)t auf 13,659 eingerammten pfählen, iff 282 guß lang, 235 g. breit unb 116 g. hoch; 211 g. über bie (entere«ßöhe erhebt ftd) ber runbe Shurnr, SaS S»’ Xmjlerbam 267 nere beg (S£)cfucd)t gebietenben ©ebdubeg fcpmücften bic niebctlänbifcfjen Silbpauer unb gjiatcc beg 17. Sabel). mit i£)rcn SJteifterfiücfen. Sen patciotifd>en 9Riebertdn= bern mipftel eg baper ^odjtid?, bap 2ubwig9lapoleon 1808 bieg amflerbamerSKatp; paug ju feiner 9ieftben$ erfor, unb bap Äammerbiener unb Höflinge bie Seratpungg; fdle ber »ereprten Sdter bet ©emeinbe einnapmen. Ser bei biefer Gelegenheit ein* gerichtete St)tonfant ifl wot ber fünfte ©aal in ©uropa. Sa« pertlicpe 5Kufeum polldnbifcpet ©emdlbe, bag erfl im $aufe jum Sttfcp beim $aag unb bann in bie= fern ©tabtpaug aufgefleüt war, ifl jept in bag Srippenpaug »erlegt. Xtd) ber jefeige Äbnig wopnt in biefem fPalafl (bem ehemaligen Stadhuijs), wenn er fiep in X aufbatt; bie ehemalige ©tabtwage gegenüber würbe unter .König 2ubwig, um einen gröpern freien fPtap »or bem ^atafte ju erlangen, abgebrochen unb nach bem ©eflermarlt »erlegt. Sie ©tabtbepörben »erfammeln ftcb je|t im ehemaligen ^rinjenpofe. Sie amflerbamer 85 örfe, bie »on 1608 — 13 gebaut t»utbe, ruht auf 5 gewölbten Sogen, unter benen bie Xnflel in bag Samracfgewdffer fliept, hat250 gup Sangeunb 140g. Sreite. Sag ofltnbi fchc #aug, »on bem fürjlicp ein ganzer ginget, ber ju Äotnböben benupt würbe, einflürste, bag ©taatgjimmerwerft unb bag SKagajin auf bet Äattenburg am $ bienen jept anbev-- weitig bem £anbet unb ber ©eefaprt. Sag fdfjone SEripp enhaug, wo fiel) bie Tffabemie berÄünfle unb ©iffenfd)aften »erfammelt, ifl jept ein Stempel ber Äünfle unb ©ijfenfcpaften; bie ©efellfcpaft felix meritis, eine ©d)öpfung beg ^anbelgflam beg, bieXleg beförbert, wag ben ©eiflbefcpdftigt unb »erebelt, bie©efellfd)aft doc- trina etamicitia, bie tot nut van’t allgemeen ber freien Äünfle unb 2Biffenfcpaf= ten, bag trefflidje ßefemufeum, »erfepiebene SHuftloereine, bag polldnbifcpe, fran= jöfifepe unb beutfd)e Sweater, ber jum Athenaeo illustri gehörige hortus medicus, bie berühmten lateinifepen ©dmlen, unb »iele treffliche 9lationalbid)ter beweifen, wie fehr bet Xnflerbamct für ©iffenfepaften unb ©eleprfamfeit ©inn hat. Spreu religiöfenSBopltpdtigbeitg; unb Srbnunggfinn bejeugen bie }aplteid)en.Ritcpen, bag $ofpital für alte Scanner unb alte grauen, bie Xmen=, 3ud>t= unb SBaifenpaufer, bie ©eefaprtgfcpule, bie »ielen ®efellfd)aften für beftimmte Bwecfe bet ^umanitdt, bie ©erf;, ©pinn=, 9vagpel= unbSeffetunggpdufer. Baplteid) ftnb bie .Rircpen aller Steligionggemeinben; unter biefen hoben bie niebertänbifdjen 9ieformirten 10, bie franjöfifd)en 1, bie engtifdpen 1, bie römifd) = fatpolifepen 18, unb felbfl bie ©rie; chen unb Armenier eine Äircpe. Xn prdd)tig|}en ifl bie neue .Kirche auf bem Samm, beren Äanjel unb Srget ©eiflerfiücfe finb; hi« fleht man bie ©rabmdler beg 2Cb= miralg be Slupter, beg tapfern »an ©alen unb beg gropen Sicpterg Sonbel; aud) würbe hier, nach fo »ielen ©türmen, bag ©taatggebdube burd) Annahme beg ©runb= gefepeg unb burd) bie bem jepigen Monarchen am 29. unb 30. ©drj 1814 getei; flete vfjulbigung hefefligt. 5a ber Oude Kerk eprte bie bantbare 9?ation ipre ©ee= pelben ^leemgtert, »an ber Baan, 3weertg unb »an ber dputfl burd) Senfmaler. Sie ©efletfircpe pat einen fepönen SEpurm. Sei fo »ietem ©cpönen unb ©ropen inX unb hei bet ©igentpümlkpfeit, bap ber pieftge Äaufpanbel jebem gleipigen feinen Unterhalt »erfepaffen fann, pat X alierbingg aud) ben 9lad)tpeil einer fepr feuchten Suft unb eineg meppitifepen ©eruepeg, ber oft im ©ommer aug ben ©rächten emporfieigt, ferner fanget an gutem Suellwaffer unb bie Unbe; quemlicpfeit fepr popet unb fcpmalet ©opnpöufet, wegen ©angelg an 9laum für bie grope Se»ölferung. ©ieptig ifl für X bet neue ©anal, ber »on fei; nem $afen big jur dupetflen ©pipe 9lorbpollanbg in einer SEiefe »on 26 gup ftep erflrecft. ©r pebt ein paar $auptpinberniffe beg amflerbamer $anbelg, ndmlidp bag bigper notpwenbige Umlaben ber ©aaren aug ben tiefgepenben ©eefd)iffen, epe fte in ben djafen einlaufen fonnten, unb bie früpere ©d)wierigfeit beg ©in; unb Xiglaufeng in bie feiepte Bupbetfee bei wibrigen SSinben; bie ©aarenoer; fepiffungen naep unb »onX werben atfo funftig fcpneller unb woplfeiler bewert; Xmulet 268 Timt flelligt werben fonnen. Sie geringfle 85reite biefeö oon X bis 9liettwe Siep 14 Stunben langen CianalS, bec butd) ein jurn SEtjcit fumpft'geS ßanb gefjt unb außer mehren Sorfern bte ©tobte fPutmerenb unb 20fmaat berührt, beträgt 120 guß. dr hat 4 gallfchteufen (ecluses a sas) unb 2 gemo^nticfjc (ecluses de passage), wel= rfrf)cinlid> erft 1554 ben 5 ^»auptflücfen beS lutherifcßen ÄatechiSmuS nod) ein fed)SteS bei, web d)eS oon bem2tmte bet Sdjlüffel fjanbett. Sie Antwort, welche auf bie grage: 2BaS iflbaS2tmt ber Sdjtuffet? gegeben wirb, lautet fo: „dS ifl bie fonbetbare Äirdjengewalt, bie CfjtijiuS feiner Äird)e auf dtben fjat gegeben, ben bußfertigen Sünbern bie Sünbe ju oergeben, ben unbußfertigen aber bie Sünbe ju bemalten, fo lange ffe nicht 85uße tfjun". SDtan beruft ft'd) hierbei auf 3oh- 20,21—23, unb nad) SEWattf). 16,19 unterfd;ieb man im 2tmte ber ©d)lüfjel ben fogenannten £6fe = unb S5inbefd)lüffe[. Sie geloutertert 2lnfid)ten, welche ijietoon jefct in bet proteflantifdjen Äird;e flattfmben, f. bei 2(bfolution. 11. 2t mutet, ein mit gewiffen giguren ober dharatteren bejeichneter .Körper, j. 58. Stein, SOfetall, weld)en man bei ft'd) trägt, um ft'd) aberglättbifdjet 2öeife bamit gegen ÄranEt)eiten unb SSezauberungen ju oerwahren. Ser 9lame flammt, wie bie Sache, aus bem Srient; in feiner je(>igengotm aus bem2trab., wo et hamail, b. i. ein 2tnhängfet, lautet) benn bie Ableitung oom latein. amollire hat weniger für ft'd). 2llS ein bequemerer drfafc für bie fleinernen unb metallenen @n«= benpfänber (SatiSmane) muß man ihn für jünger als jene holten, boch hoben bie 2tmulete bofür beflo größere Verbreitung gefunben, benn bei ben Sürfen unb oie= len SSolf'ern beS mittlern 2fft'enS glaubt jeber dinjelne ft'd) burd) ein 2fmulet feien jtt müffen. 3m d)riftlid)en Sttropo waren bie 3uben ihre Verbreiter. SaS merfwür= bigfle mödjte wol baS fein, welches £orb 85pton bis an feinen Sob in einer Kapfel auf bem Selbe trug: einSeufelSpact jwifeben Satan unb Salomo, burd) benScber, bet ihn trug, oor beS drjlern Sücfen ft'chergeflellt worb. („2t(lg.3eit.", 1825, 83eil. 55.) 85ei ben ölten Volfern, j. 85. Ttgpptern, ©riechen, ^Römern, ft'nbet man ft'ehäm ft'g. Von ben Reiben nahmen bie85oft'libioner ben ©ebroud) ber Ttmulete on. 3h te 2tmulete waren Steine mit bem eingefdjnittenen ©orte Abraxas. Sie 3uben trieben befonberS oielen2(berglouben mit ben2fmuleten. Viele dh*# cn ber etflen 3oh r h un; bette trugen 2lmu(ete, bie mit einem gifdje bezeichnet waren, als Sinnbilb beS dt* lofetS. Sen chrifllidjen ©eifllichen worb ber ©ebrouch bet 2fmulete bei Verluft ihteS 2TmtS auf ber loobicäifchen Äirdjenoerfommlung unterfagt. SOlit ber Verbreitung arabifcher 2Biffenfd)oft unb 2lflrologie oerbreiteten ftdb auch bie aflrologifd)en2fmu= lete ber 2frnber, b. i. bie S o l i S m o n e (f. b.), im 2Cbenblonbe. Sie fleinen $etli= genbilber, welche bie neapolitanifdjen Schiffer bei ft'd) trogen, ft'nb auch nichts 2fnbreS 2Cntufetfe 2CnabV)omene 269 atS 2fmutete. Die Surfen, Sibetaner, df)inefen unb »iele anbre Golfer haben noch gropeS Gertrauen ju ihnen. Der Magneti«mu« f>at neuerlich bergleidjen wiebet in 3 fufnat>me gebracht, jebod) an« natürlichen ©tünben, weil nämlich tt>cilö gewiffe ©ubjfansen eine |)eilfraft burch äupere Gerühtung hüben, tfjeilö bie ßinbilbung 8 = fraft ihre Mirffamfeit beförbert. S. fPaffaoant, „Unterf. über b. EebenSmagne* tiSmu« k." (granff. a. M. 1821). 2 fmu fette, ein leichte« einpfünbige« .Kanon, ba« beim ©ebirg«frieg ange= wenbet würbe. Seichtigfeit unb Schnelle, babutch erlangte Geweglid)feit ft'nb bie SSortheile beffelben. Der Marfchall »on Sad)fen empfahl bie 2fmufette bringenb. Der ©raf »on Sippe * Gücfeburg »erbefferte fie wefentlid) unb führte ft'e bei ber por= tugiefifchen Infanterie foein, bap jebe« Peloton eine 2(mufette, »on 5 Menfdjen gezogen unb bebient, mit ftd) hatte. 2Cuc^> ber |)eqog »on Meimar gab 1798 feinen Sägern 2(mufetten. Seht ft'nb ft'e bei allen Stoppen aujjer ©ebraud). 32. 2tna. Diefe ©nbung mit einem ©igennamen »erbunben, bejeichnet eine Sammlung »on 2fnefboten, Sprüchen unb Eeben«tege[n foldget Männer, welche fid) burch Mifc, brollige ©infälle unb eigentümliche Manieren au«zeid)nen. ©« gibt SSibliothefen, worin biefe 2tna einen gropen Staunt einnehmen. Suther’« „Sifch= reben", Sticolai ’8 „2tnefboten »om gropen .König" u. f. f. gehören hierher. 2lud) bie ©riechen bannten begleichen, aber natürlid) ohne biefen Staaten. Xenophon’S „Memorabilien" unb be« Diogene« »on Saerte „Seben ber ^>t>tlofopf)en“ ft'nb voll 2fnefboten unb Sprüche. Die „2tttifcf)en Mächte" »on 2Cutu8 ©elliu« enthalten eine Menge benfwürbiget 2tu«fprüd;e unb williger ©infälle ausgezeichneter fPerfonen in Stom. So foll, nach Sluintiliatt, ein gtetgelaffener be« ©icero ein Gud) »oll Späpe feine« -jpettn hinterlajfen haben, unb ein greigelaffenet be« Mäcena« fdjrieb bie Sifd>gefpräd)e unb ©infälle biefe« gropen Mufenfreunbe« auf. 3ur Beit ber SBieberherftellung ber Miffenfchaften fing man juerft wieber an, bie luftigen ©in= fälle berühmter Seute ju fammeln; bie „Scaligeriana" waren bie erfte Sammlung, bie unter biefem Stauten erfd)ien. Nachher haben befonber« bie Sranjofen berglei= d)en 2tnefboten, ©infälle unb Sptüd)e ausgezeichneter Männer gefammelt, ja biefe 2tna bisweilen blop als Gehifel gebraucht, um gewiffe SiebltngSmeinungen unter einer berühmten girma in bie Melt ju bringen. Mir nennen »on folchett Sammlungen bei ben granjofen $uetiana, Menagiana, fPoggiana, Goltairiana, Gonapartiana, Gieötiana, Gtunetiana, ^otieriana, fPrabtiana. 2tuch bie ©ng= länber haben folche Sammlungen; bie Deutfd ; 'en namentlich bie „Saubmanniana". Sammlungen über befonbere ©egenftänbe führen aud) biefen Sitel, 5 . SS. ^)ari= fiana, Stesolutiana, fPoliffoniana, S»rogniana. 2 tnabaptiften, f. Saufgefinnte. 2tnacharfi« berSüngere, ein Scpthe unb Gtuber be« bamaligett .König« Saulu«, warb als ein gteunb ber 2BeiSf)eit unb ber Miffenfchaften in bie 3al)t ber 7 Sßeifen aufgenommen. Die Gegierte nach Kenntniffen unb Gilbung trieb ihn au« feinem rohen Sanbe auf Steifen in geftttetere. ©r fam ju Solon ’8 Beiten nad) 2fthen, »on wo au« er auch anbre Sänber befuchte. Stad) feinet Stücffehr etfc()of ihn bet König, um ber »on 2f. »erfud)ten Einführung ber weichlichen Sitten unb be« ©otteSbienfte«ber©riedjett»orzubeugen. (Ggl. Garthelemp.) 2tnadf)oret, ein Mönch, welcher allein für ftd) in ber ©infamfeit lebt, ©inftebler. Die Mönche, weldfe in ©emeinfchaft leben, heipen ©önobiten. 2tnacf>roni«m, ein Srrthum wiber bie ©f>ronologie ober Beitrechnung, inbem man eine Gegebenheit in einen falfd;en, befonber« frühem Beitraum »erfe|>t. 2tnabt)omene, bei beutfdfen Dichtern aud), mit »cränberter Gebeutung, ttnabpomene, bie .fjetvorgehenbe, ijt ein Geiname, ben Genu« burch ihre Gerbin= bung mit bem Meere hatte: bie au« bem Meere >f>er»orgejtiegene. 2 fpelle« hatte biefen 2 (ugenb£icf in einem ©cmälbe bargeftellt, ju weld)em il)m, nach ©inigen, 2Cnafreon 270 2fnagoge .Rampagpe, TCCejeanbcc’S ©eliebte, nach 2fnbern bie berühmte 23uhletin ^fjrpne jum 97?obeÜ biente, welche Sefctere, n>ie erjäfjlt wirb, ftd) an einem gefie Neptun'g ju ßleuft'g not 2 fUer 2 (ugen entfleibete, i£)c £aar nufTofle unb ftd) im Sfteete babete, um bem Nfaler einen anfd)auiid)en SSegtiff von einer aug bem SSJieece auffteigenben SSenuö jtt geben. (©. ^)()rpne.) Unter 2(ugujlug fam biefeg ©ernälbe nad) Nom. Unter mehren ©ebiebten in ber Anthologie fcfjilbert fie bag non Antipater auä ©ibon am fdjonfien: (Siel)’, non 2CpetIce’ö Stufet erjeugt, ein trefflidjeg Ättnfiwerf: (Sppria, wie j'ie bem tftraf>Ien. Anaflet, 2 Zapfte b. N. Ser crfle foll 91 n. (Ihr. ben SNärtprertob erbulbet haben. Alle anbetn Nachrichten von ihm, 3 . 23. bap er Nom in 25 fParo* chien geteilt habe, finb unjuvertäffig. — Ser sweite, Ginfel eineg getauften Suben, hiep vorher ^cter von 2 eon, war SNond) in dlugnp, Garbinal unb päpftl. Cegat in granfreid) unb Gfnglanb, unb würbe 1130 ©egenpapft gegen Snnocens II. Nom, Niailanb unb ©tcilien waren auf feiner ©eite, unb Noger von ©icilien erhielt von ihm ben Äöniggtitel. Auch behauptete er fid) gegen ÄaiferSothar II. unb ftarb 1138. 31. Anafoluthon, in ber@rammatifunbNhetorif, fNangelangolgerid)* tigfeit ber donflruction. Siefe befleht batin, bap ein Nachfafc aug bem 2 }orber» feige grammatifd) nicht entfpringt, ober geinj aupenbleibt. 23ei vielen gwifchem fdgen, weld)e fd)Wer ju überfehen finb, entfieht biefer gehler leid)t. Sftijler aber auch Sotge ber Unachtfamfeit eineg Nebnerg ober ©djriftflellerg. Sa ein foh d)er CNangel aber auch einer leibenfdjaftlichen ©timmung hervorgehen fann, fo fann bie 2fnwenbung beg 2fnafoluthong bei Sarfiellung ber 2eibenfd)aften 311 m charafteriflifchen 2 fugbrucf benubt unb jur ©djonheit erhoben werben. 9 J?and)e 2fnafolutha finb gewiffen Sprachen eigenthümlid). 2fnafreon, ben bag griecfjifcfje 2flterthum unter bie 9 gropten Sprifer 2Cnafntft§ Analogie 271 jät>Ue, war ju SEeo« in Sonien geboten, imb blühte um 500 oot CEf)r. fPolpfra; te«, S3eherrfchet Don ©amo«, berief ihn an feinen $of unb fchenfte ihm feine greunbfchaft. £iet fang 3£., non 2Bein unb Siebe begeiflert, feine lieblichen Sieber. CRacf) bem SEobe feine« Sefchüfser« aber ging et nach 2ftljen, wo er br' .£>ippatch bie au«gejeichnet|le Aufnahme fanb. Ser ©turj beffelben vertrieb if)it au« 2(tben, unb wahrscheinlich begab er ftch nach SEeo« jurücf. 2(1« aber Sonien gegen ben Sariu« aufltanb, floh er nach 2lbbera, wj> et ein heitere« unb glüdliche« 2(lter burd)lebte unb 85 Sajjre alt jiarb. Set eage nach erftidte er an einer 8Beinbeere. Sie ©tabt SEeo« fefcte fein SSilb auf ihre Ntünjen, auf ber S3urg oon 2ftfjen jtanb feine SSilbfaule, unb ganj ©tiedjenlanb nannte feinen Namen mit ge; bührenben Sobfprüd)en. Nur ein fleiner SEheit feiner ©ebidjte ifl auf un« gefom; men. SSon 5 S3üchern finb 68 ©ebichte unter 2(.’« Flamen übrig, unter benen jeboch bie Ätitif nur wenige al« echt anerfennt. ©ie finb, mit2üi«fchluß jener unechten, Sbeale jarter, non ber Seichtigfcit natürlicher 2(nmuth geleiteter ©ra$ie unb fJiawetdt in ber Iprifdjen *Poefte; wie fcfjwer biefe ©igenfdjaften ju erreichen finb, beweifen unjihKfl* oerunglüdte Nachahmungen, bie be« 9tamen« 2(nafreon; tifrfjer Sieber nidjt würbig finb. Sa« ©plbenmaß, in weldjem 2(. bichtete, unb welche« nach ihm benannt wirb, h<üt man gewöhnlich für breifüßigeSamben mit einer 9fachfd;lagfplbe, nach ^ermann aber befielt e« au« bem gonicu« a majori mit ber 2(na?ruft«: Unter ben 2(u«gaben jeidjnen fid> au« bie non gifcher (Seipjig 1793) unb bie oon 53tund (©tra«burg 1786, neuefre 2(ufl.). Sie neueften finb non SKöbiu«, 1810, unb Don SRehlfwtn, 1825. Überfe|ungen haben wir oon Statuier, Segen, Soer; bef, Stoffe u. 2(. m. Xnaftufi«, in ber SDtuftl fo viel al« Sorfpiel, in ber SORetrif 2(uffchlag, 2(uftaft, fßotfchlagfplbe. (©. Shefi«.) 2(nalecten, 2(u«= unb Sufammengelefene«. Sn«befonbere eine2(u«wahl Don ©teilen unb S3rud)fiiiden au« Detfchiebenen ©driften, j. 25. 2(nalecten für fPhilofopfjie, ©efdjicbte unb Siteratur. Zuweilen jagt man bafür gragmente, Slumenlefe unb bergl. 2tnalogie bejeidjnet urfprünglich 23erf)altniß, 2(hnlid)feit ober ©leichheit eine« Singe« in gewiffen Sejiehungen. Sie ©rEenntniß eine« Singe«, bie bloß auf biefem Serhaltniffe beruht, heißt analogifdje ©rf enntttiß. Set ©d)luß aber, weldjer Don biefer 2(hnlid)leit jWeier Singe, ober ©leicfheit in gewiffen be= f annten Schiebungen, auf bie 2fhntichfeit in anbern ober ihre noch größere Überein; ftimmung gemad)t wirb, wirb in btrSogif anatogifcher ©chluß, ©chluß ber 2(nalogie genannt unb ifl nur ein 2Bahvfcheinlid)(eit«fd)luß. Siefer ©chluß wirb angewanbt bei ber ©rflatung ber ©chtiftfleller (2(na!ogie ber Interpretation, ober hermeneutifd)e X), unb in«befonbere bei ber 2(u«legung ber heiligen Schrift, wobei man eine Übereinftimmung berfelben in ben ©lauben«lehren Dorau«fejjt (analogia fidei); ferner bei ber 2fnwenbung ber Sted)t«gefefse (Sfed)t«analogie), inbem man in ©rmangelung beftimmter ©ntfdjeibungen eine« ©efe(se« nachher Sergleidiung mit ©ntfcbeibungen ber ©efege in ähnlichen galten urteilt; in ber pra(ti.fd;en^)ei(= (unbe bei 2(nwenbung ber Heilmittel, ©in großer Sheil ber ©ä(se, welche bie em= pirifche Staturtehre aufftellt, beruht auf biefem ©chluffe, inbem man größere Übet; einftimmung unter ©tfcheinungen DOtau«fe(jt, je mehr man fchcn wahrgenommen hat. gn ber Sprachlehre verffeht man unter 2(nalogie bie Übereinftimmung in ber S3ilbung ber SDSorte. Sn ber SRathematif ifl ft'e bie Übereinftimmung gewiffer ©rößenoerhaltniffe, unb auch bie gormeln ber ©leidjheit jweier quantitatiDen ©roßen werben 2(nalogien genannt. T. 272 2Cnafyftö TknalpfiS, Ißußofung, Bergtieberung. 3n ber 9>hifofophie nennen mir IßnatpfiS biejenige [ogtfdje Sehanblung eines gegebenen allgemeinen Segrißs, »er-- moge meldet mir ifjn, um ihm feine ootfftanbige Seutlidßeit gu geben, in feine ein* fachen SDferkmale außofen. ©in SSegriff aber, ber burd) '^fnalpfe eines anbetn, in bem et enthalten iß, gemonnen wirb, helft infofern analptifcher SSegriff. Sie anatptifdEje Süetijobe in ber fPhilofoplße iß biejenige, bei meiner man »on bem Se= bingten ober ben folgen auSgeht unb gu ben ©rünben ober Sebingungen aufßeigt, unter benen ©tmaS allein möglid) iß. 9J?an konnte fie bcffer bie regteffioe (rück* fdjrettenbe) nennen, jum Unterfd)iebe ber fpntf)etifd)en (f. ©pnthefiS), als ber progreffmen (»orfd)reitenben). hieraus bann bie 2 fnmenbung unb ber ©ebtauc!) berfelben leicht begriffen metben. Sei Seobadßungen geht man analptifchgu ßöerke, menn man von bem ©tfolg bet Erfahrung anfdngt, unb bie Umßdnbe, unter mel= d)en fie gemadß merben rnup, bie Vorbereitung bagu, ober ben Serfud), fogube* ßimmen fucht, baß ber »erlangte SSegriff ober ©ab auf eine beßimmte unb fiebere 2frt herauSgebradß mtrb. Ser fpnthetifd)e SBeg hingegen beßefjt barin, baß man »on gemiffeit SorauSfelgungen als Sorbetfdfgen auSgeht, unb bie jftatur ben Schlup» fab angeben laßt, ber batauS folgt. — 2lnalt)fiS in ber Sttathematik, unb gmar alf roiffenfd;aftlid)eS Spßem, ba ber ©eifb ber SJbethobe fchon aus bem Sbigen erhellt, iß, im meiteßen Sinne, bie allgemeine Satßellung unb ©ntmickelung ber 3m fammenfe|ungSarten ber ©ropen burd) Rechnung. ©S gibt namlid) eine hoppelte 3frt gut Satßellung betgmifdjen ben ©ropen beßefjenben Segnungen: ßonßruction unb Sbechnung. Sie reine ©eometrie g. $ 8 . finbet alle ©ropen burch ©onßruction, b. i. burd) intellectuelle Belehnung »on Sinien, beten Sutdßchnitte bie »erlangten ©ropen geben; bie 2CnalpfiS hingegen bebient fiel; gut Serbinbung fpmbolifcher gor* mein ber ©leidjungen. 3n biefer meiteßen 2fuSbef)nung beS SegtißeS ber 2fnalpftS erfeßeint bie 3fl g e b r a (f. b.) mit ihrem $ülfSmitte(, ber Sud)ßabentecf)nung, als bererßeSheilbeSSpßcmS. Sagegenße^tbie2fnalpftS, im engem Setßanbe, ber Jllgebra batin gegenüber, bap fie bie ©ropen aus einem anbern ©efid)tS-- punfte betrachtet; mdhrenb bie Algebra »on bem Sekannten unb bem Unbekannten fpridjt, h«t eS bie 2lnalpfiS mit bem Un»erdnberlid)en ober Seßimmten unb bem Serdnberlid)en ober Unbeßtmmten gu thun. Sie algebtaifche ©leibpung x 2 -(- ax — b = o 5 . 33. »erlangt einen 2fuSbnnf für bie unbekannte x, burd) bie bekannten a unb b; bie ana Ipti fch e ©leichung y 2 = ax bagegen gibt ba$ ©efeg ber gemeinfd;aftlid)en Silbung bet »erdnbetlichen y »ermittelß ber eben* falls »erdnbetlichen x unb ber mit ihnen »etbunbenen conßanten a an. Sei ihrer 3fnmenbung auf bie ©eometrie fud)t bie 3CnaltßiS auch bie geometrifchen ©ropen burd; 8 fed)nung für eine angenommene ober unbeßimmt gelaßene (Sinbjeit; bie 2f n a l X) f i S b e r 'K 11 e n begog ffdf> nur auf ©eometrie, bebiente fid) aber babei and) nur geometrifcher >|>ütfSmittel, moburch fie ft'd) alfo »on ber 3knalpfiS ber Steuern unterfcheibet, metche fid), mie gefagt, auf alle mepbare ©egenßdnbe erßreckt unb ben Bußwunenhang bet ©ropen in ©leibpungen bringt, ©onß aber finb JfnalpfiS unb Algebra barin »ermanbt, bap fid), mie im lefstern 2(rt. auSfüpr* liehet gegeigt iß, beibe mit einer ©prache »etgleichen laßen, in beten 2fuSbrücfe geroiße Sebingungen überfefst unb fobann, ben ©prachregeln gemdp, meiter be* hanbelt merben, um gu ben Diefultaten gu gelangen; bie 3fnalpfiS erfcheint, and biefem ©eftcffSpunkte betrachtet, als meiteße 2fuSbehnung jenes Sprachgebietes. — Sie2fnalpft'Sim engern Serßanbe mirb in bie niebere unb höhere geteilt/ beren ©rengen aber fehr in einanber laufen, meil mehre SiSciplinen auf beiden SBegen gugdnglid) finb. Snbep gieht man gut niebetn 2fnalpfiS, mit 3£uSfcf)luf ber Suchßabented)nung unb Algebra, gemöhnlid) bie Sehren »on ben gunctionen, SKeihen, (Kombinationen, Sogarithmen unb ©uroen; gut hohem ober auSfdjlie* penb bie Sißerential» unb Integralrechnung, bie man auch unter bem Flamen ber ECnamorpfyofe 273 Snfinitefimatrechnung (f. b.) aufammenbegreift, bereit crfiere biegran^o* fert bagegen als mit jur Theorie des fonctions analytiques im weitern ©iwte gehörig betrachten. — SSon ber Elnalpft'g ber Eliten gibt Spappug non Ellepanbrien, ein SJtathematifer beg 4. 3a()r()., in f. „©ammlung geometc. Unterfucijungen“ + ) einen guten Unterricht, wobei er jugteich bie anaiptifcfjen ©griffen ber Eliten n«m= tjaft macht. 2Bag nach bern Untergange beg romifdjen 9teid)g, befonberg üon ben 'itrabern, in algebraifchen unb bamit »ermifchten analptifchen Untersuchungen ge= than worben if!, haben mir in b. El. El lg ebr a angegeben. 3CIS ©tffnber ber oben fogenannten 3nftniteftmatred)nung etfeheinen Newton unb Setbnifc (f. b.). Viernächft bemühten ftd) namentlich ©ul er, bie ©ebrüber 93 e r n o u 11 i (f. b.), mit glänjenbem ©rfolge um bie weitere 2fu6bitbung ber mauern. Elnalpft'g; unb in ben neuern Seiten haben fie b’Ellembert, Saplace, Sagrange u. El. m. auf eine noch fyöfycte ©tufe erhoben. ©rftnbet ber combinatorifchen Elnalpft'g ifi Vinbenburg 1 ’(f. b.)j auf bie übrigen etnselnen analptifchen Sigriplinen hi^ einjugehen, «erbietet ber Oiaum. — ©ing ber mid)tigfien SBerfe für bie Elna= Ipftg enbticher Stoffen ift noch immer ©uler’g „Introductio in analysin infini- toruni" **) (Saufanne 1748, 2 93be.; n. El. Sepben 1797; beutfeh burch €0?tcfjet= fen, SSerlin 1780). Samit flehen in einer engen SSerbinbung beffelben 33fö. „Institutiones calculi differentialis" (fPetergb. 1755, 4.; ebenfalls beutfeh burch 9Jtid)elfen, SSertin 1790). ©in wegen ber Stefe feiner Elnfidjten unb vieler fchdfjbaren Elnwenbungen auf ©eometrie unb SJfechanif empfef)lengwertheg SBerf jur Äenntnif ber SSerbinbung jwifchen bet Elnalpft'g enbticher ©rofen unb bet fogenannten, hier freilich aug einem ganj anbern ©eftcf)t§punfte befrachteten, 9Eed)= nung beg Unenbtichen ifi Sagrange'6 „Theorie des fonctions analytiques" (neue Elufl., ^PariS 1813, 4.). Sa man aber baju fchon gute Äenntniffe für al(= gern, unb fefjr abftracte ^Rechnungen mitbringen muff, fo »erbinbe man bamit bef= fetben 93fg. „Leqons sur le calcul des fonctions" (neue 2fufl. , fParig 1806). IDE an hat von ber frühem Elugg. beg erfien biefer beiben Jßetfe auch eine beutfdje SSearbeitung burd; 9iohbe: „Elnfangggrünbe ber ^Differentialrechnung" (fPotgb. 1799). ©ine brauchbare Einleitung pr ©inftcht in ben eigentl. ©eifi beö infinite; ft'malcalculug gewährt 97ümberger’g „Sheorie be3 Snfmiteftmalcalculug" (SSertin 1812, 4.), unb beffelben 93fg.: „Sie lebten ©tünbe ber hohem Elnalpft'g" (V«tle 1815, 4.). 9teu in feinen Elnffchten ber Elnalpft'g enblicher ©rofen ift Elrbogaft: „Du calcul des derivations" (©traäb. 1800, 4.). Unter ben altern SSetEen über Integralrechnung fiehen oben an ©ulet’g „Institutiones calculi integralis" (^Oeteröb. 1768 — 70, 3 SSbe., 4). Sen gegenw. Suftanb ber Sntegralrechn. nach b. ©rweiter. ber ftanjof. Elnalpften lernt man befonberg fernten aug Sactoip’g „Traite du calcul differential et du calcul integral" (fParig 1797 fg., 3 )Sbe., 4.). (©g ift feitbem eine neue aber nod) nicht «ollenbete Eiuggabe erfchienen.) — 3um erften Unterrichte ift p empfehlen qjagquich’g „SOEathemat. Elnalpft'g" (Seipj. 1791), unb jur Weitern Eiugbilbung beffelben 83fg. „Elementa analyseos subli- mioris" (Seipjig 1799, 4.). ©nblid) bemerfen wir, baff 97ümberget’g „Sarftet= lung ber Verleitung aller betmitten gunctionen" (Vantb. 1821) ben hier berührten ©egenftanb aug einem ganj neuen ©eft'chtgpunlte betrachtet. 97. Einamovphoff» bie falfcfe ©efialtung unb fßerbinbung ber einjelnen . *) ® an bat batton eine latein. überfe|uttg burdf) (Sommanbimtg: „Mathemat. col- lationes, commentariis illustratae" (Sonn 1659, Sol.). Sec griediifdie Sert ift mdjt gebrueft. ^ **) ®fefen Sitel hat es wegen ber Efnwenbung, welche bereits hier tton ber 3bce be§ Unenbltchen gemacht wirb, unb wegen SSerbinbung ber Unterfuchungen mit ber bSf>ern ECnalpftS. 1 ^ “ Sono.>Cej;. Siebente Elufl. SSb. I. f 18 2Cttanaö 274 Anatomie Steile, ben wahren SScrljdttniffen entgegen, Welche bem Äünfilet bie Dtegeln bet Perfpectioe (f. b.) auferlegen. 2fn a n a $, eine aus ©übametifa ju ung ocrpflanjte, abec nur in SEreibhaus fern gebeihenbe grud)t, bie ber gormnad) einer 2frtifcbjofe dfjnticf) ifl, aber einen dußetfi lieblichen ©erud; unb gewürjhaften ©rbbeerengefdjmacf t;at. Stan nennt fie auch Äöniggapfel. tfnapdfi, f. Sthpthmug. Anapher (gr. uvwpoQu), eine rhetotifchegigut, welche in ber 2öieberl)o= lung beffelben SBortg ober berfelben SBortoerbinbung in mehren aufeinanberfot= genben Sahen am tfnfange berfelben befieht, ba hingegen bie SBieberholung eineg unb beffelben SBortg ober berfelben SBortoerbinbung am ©nbe folget Sage ©pis phora ober ^omoioteleuton heißt. Einige fehen bie Anapher für ben ©attunggbes griff an unb nennen bie erfiere 2Crt ©panaphota. ©ine folche Anapher ift eg, wenn eg heißt: 9iüf)rt bid) nid)t bag ©chicffal beineg Saterlanbeg; rührt bid) nid;t ber Bufianb beiner gamilietc. Stan fleht, bie tfnapher ift eine gigut, welche ben 9tad)btuif beforbern foll, leicht aber wirb fie felbft burd) ju öftere SBieberfwlung bei einem Otebner unwirffam, wie bieg häufig bei fPrebigten ber galt ift. Anarchie, ber Bufianb nicht fowol ber ©efefjloftgfeit, fonbern oielmeljr beg Stangelg einer mit ©rfolg befet)lenben Siad)f. ©in folchet Bufianb fann in jeber ©taatgform eintreten, wenn auch eine gefegliche -fferrfchaft oorlfanben, fie aber entweber burd) eigne Schwache ober burch ©iberfpenfiigfeit beg SSolbeg ober einzelner ©taffen (ber ®eifilid)feit, beg tfbelg, bet ©emeinben) nicht im ©tanbe ift, ihren Sefehlen ©ehotfam ju oetfehaffen. 2fn einet foldjen 2fnatd)ie haben manche Staaten, j. S5. Polen, fehr lange Eranf gelegen. 37. 2t n a t h c nt a, oon ©ott oerflucht, ift bie goemet, mit welcher ber Äird)en* bann auggefprochen wirb. Sähet heißt: bag 2fnatf)ema augfprechen ober anales matiflren, mit bem Äirchenbann belegen. 2£natomte (gtied). dvanpivuv , jetfd)neiben, jergliebern), bie -3etglte= berunggfunft. SBenn fie fleh mit Unterfudhung ber thierifdjen, im ©egenfafse ber menfd)tid)en Äörper befchdftigt, nennt man ft'e Bootomie. Sie2fnatomieift ein Sheil ber 9taturgefd)id)te unb gehört unter bie widjtigften ^ülfgwiffenfehaften ber tftjneifunbe. Sie Berglieberung beg menfd)lid)en Äörperg war bei ben altes ften Sölfern wenig gebräuchlich- Sie alten 2tgppter hatten einen großen 2fbfd)eu baoot, fie pflegten fogat Senjenigen, welcher beim ©inbalfamiren ber Sobten ben Seib berfelben auffchneiben mußte, mit ©teinwürfen ju oerfolgen. Sei ben ©ries d)en oerhinberten bie ©runbfa|e ihrer Steligion bie Sefd)öftigung mit ber 2fnatos mie, inbem bie Leichname oerftorbener Stenfchen fo fd)nell alg möglid) beerbigt werben mußten, ©elbft ju -fjippofrateg’g Beiten waren bie anatomifdjen Äenntniffe unbebeutenb unb wahtfcheinlid) oon ber Bergliebetung ber Shiere hergenommen; boch war bie Äcnntniß beg dtnodjenbaueg weiter oorgerüeft. 2flg fpdter tHepans brien in 2(gppten unter ben Ptolemäern ber ©ifs ber Söiffenfchaften unb fünfte ges worben, würbe hier auch bie 2fnatomie oon -ffetopfglug aug ©hatcebon unb oon ©rafifiratug aug dteog auf einen hohen ©rab oon Sollfommenheit gebracht (300 o. ©hr.). 9tad) bem Beugniffe beg ©elfug erhielt ber ©rfiere fogar bie ©rlaubniß, Sers brechet lebenbig ;u eröffnen, obglcid) man feine nahem SSeweife bafitr hat. @t bc= reicherte bie 2fnatomie mit oielen wichtigen ©ntbeefungen, 83. über bag ©ehirn, über bie Setrichtungen ber 9teroen, bie 2fbern beg©efröfeg, bie nach ber Seher gehen ;c. ©rafifiratug befitmmte Stehreg in bem Saue beg ©ehirng beutlicher unb gab unter tfnberm ben Älappen in bet -fjohloene bie 9tamen, bie noch jefft gebräuchlich ft'nb. Subetgolge, befonberg bei ben ©mpirifern, würbe bag ©tu= bium ber 2fnatomie wieber oernachlöfflgt. ©alen, in tflepanbrien gebilbet (geh. 131 nach ©hr.), hatte alle anatomifd)e Äenntniffe ber bamaligen unb ootmaligen Anatomie 275 Sfvjtc gefammelt, fteint aber fetbfi feie menftlid)e Anatomie nid)t fef)t »orwarta gebracht 5 « haben, inbem ec ftd) meijiena nur mit Berglieberung bec Sfjiere befd)äf= tigte unb S« 8 , wa 8 ec f>ter fanb, auf ben Sau be 8 menfd)!id)en Äörpera an= manbte. Unter ben Arabern fanb feine Anatomie ftatt; fte war in ifcec Religion «erboten. 3 h te Ärjte fefopften baf;ec bie anatomiften Äenntniffe blof au 8 ben ©Reiften ber ©rieten, befonberS ©alen’ 8 . ©0 blieb alfo niedre 3 af>r^unberte bie Anatomie ftef>en. ©rft im 14. 3atte, ftien allmälig 51 t »erftwinben, ba ein philofophift 61 ' ©eift mehr Senffreibeit unter ben 9Renften erregte. 9Ron= bini be Sujjt, 9>rofeffor ju Sologna, jerglieberte juerjf 1315 öffentlich 2 2eid)= name unb gab auch halb bemach eine Seftreibung be 8 menfcblicben ÄorperS ^er= au 8 , welche lange Beit hinbutt baa gebraurf)lid;e Sebcbucf) ber Anatomie blieb, obgleich noch »iele Unricbtigfeiten in bemfelben enthalten waren, ©eit biefer Beit würbe ea gewöhnlich, baf auf allen Unwerfitaten jdfjrttdj ein ober mehre 9J?ale öffent= licpe Bergliebecungen menfeblicber Scitname angeffellt würben. Sie Anatomie flieg jeboeb langfam, weil man nur jerglieberte, um ©alen’a ©djriften unb 3Ron= bini’a Sebrbucb ju ecfldren. Nur SRontagnana, *Profeffor ju fPabua im 15. Safjrf)., fonnte fleh rühmen, baf er 14 2eid)enöffnungen »errid)tet b a & e / wnS bamala febr »iel war. 3m 16. Saht- fianben allenthalben Anatomen »on grofem Nufe auf, wobutd) baa anatomifdje ©tubium allgemeiner würbe, gallopia, ©uftati, 9Se= fal, SSacol unb »iele Anbre bereicherten bie Anatomie mit neuen ©ntbecfmtgen. 3m 17. 3ab r ?>- lebten gleicbfalia mehre berühmte Anatomen, unb »iele ©ntbecfun= gen würben gemacht; fo entbeefte $at»ep ben Slutumlauf, SBicfung benpanftea= tifchen ©ang, ©ehneiber bie ©d)letmf)aut u. f. w. 3 m 18. Saft- machten ftd) bued) ihre anatomifdhen Unterfuchungen berühmt: fPacd)ioni, Salfaloa, Äeil, Sam cift, 9?uifb,fallet,Soet'baaoe,33icq=b’2(jt)r unb Anbre. Nlecfel, ©ömmerring, Sober, Neil, Sidfat, NofenntüUer, ftnb aufer mehren Anbern ata berühmte Anatomen ber neuefien Beit bec befonbetn Erwähnung würbig. — SNan theilt bie Anatomie, nach bem ©egenflanbe ihrer Unterfudjungen, in bie allgemeineunbbefonbere. Sie etfrere betrachtet bie Sejlanbtheile bea Äörpera überhaupt ober bie ©ewebe, bie allen 3Betf= jeugen ober einzelnen ©t)(lernen beffelben gemein ftnb, j.S. baa Bellgewebe, welchea ben Urfloff aller Silbungen bea Äörpeta auamad)t, ben Sau unb bie Seftanbtheile ber Änodjen, 9Ru8fetn, Sanbec unb igletfen, Net»en, Slutgefdfe u. f.w. Sie jweite beftreibt bie einjelnen ©ruppen »on Srganen, ober ganje ©pfferne inabefom bere, ihre gorm, ihre ©intheilung, ihren Bufammenfjang unter ftd) unb mit ben be= nad)barten Slheilen. Nad) ben ^heilen be 8 Äörpera benennt man bie »erftiebenen Abteilungen ber Anatomie, ala Sffeologie, bie Änod)enlel)re; Nlpologie, bie Sehre «on ben DJfuafeln; ©pnbe 8 mologie, bie Sehre »on ben Sanbern unb gletfentc.; ©planchnologie, bie 2el)re »on ben ©ingeweiben, wohin bie Sungen, ber Nlagen unb ganje Sarmfanalbia ju feinem ©nbe, bie Seher, Nlilj, Nieren unb Slafe, SRagem brüfe u. f. w. gerechnet werben; bie Angiologie, bie Sehre »on ben eine glüffigfeit fortleitenben ©efafen, ben Slutqefüfcn, bie ftd) in ©djlagabern unb Slutabern teilen, unb ben Spmpljgefafen, weld)e tei (8 aua ben ©ebarmen ben 9Rild)faft einfaugen, teiia im ganjen Äörper »erteilt ftnb, bie abgefonberten geuttigfeiten aufnehmen unb in baa Slutjurücfführen; Neurologie, bie Sehre »on bemNetbem fpjfem unb ©ehirn; Sermologie, bie Sefd)reibung ber $aut. — Unter ben anato= mifchen Arbeiten ftnb »orjüglich ju bemerfen: baa (Prapariten unb baa Aufbewaf)= ren Anatomif d) er ^)rüp ar ate (f.b.). ^)rapariren benennt man bie Abfonbe* rung einea Srgana, einea ganjen ©pftema ober aut nur einzelner Steile »on allen anbern feembartigen, um ft'e jum Unterricht jtt benugen. ©0 wirb 5 . S. baa ganje 18 * 276 Aftafomie ber ^flanjen AnapagotaS Änodjenfvftem bc 6 ÄorperS, gereinigt von allen anhdngenben PluSfeln, Siechfen unb a. Steilen, bargefieilt unb ein ©fetett genannt; fo werben bie PiuSbeln, €Rer= ven, bie (tingeweibe, bie ©efdfe betfelben unb ihre Sertheilung entbloft, um ihre befonbere (Bauart beutlid) einsufeijen. 3u biefen Arbeiten geboren fd)on fjintdng- lid)e anatomifci)e Äenntntffe, unb gevoofjntid) verrichtet fte auf habenden ber Pro= fectot( 3 ergliebercr) vorbenBehtfiunben, bamitin benfelben ber Siebtet ber Anatomie bie Präparate vorjeigen unb etfldren bann. Über b. vergleich. Anat. f. (üuvier u. SBeber’g „>£janbb. ber vergleich. Sfieotogie" (2 Sbtc./ Sonn 1824 fg.) H. Anatomie ber Pflanzen, f. Pflansenanatomie. Anatomifche Präparate. Tf)ietifd)eÄötperunbÄörpertheile,welche nach ber verlorenen Sitalitdt ftd) ju neuen Serbinbungen aus ihrem jefcigen3ufian= be artfjulofen fireben, tonnen butd) bie menfd)lid)e Äuttfi fubftantiell erhalten wer= ben. §ur ben 2 fcjt ifi cg wichtig, bie burcf) Äranfheit verlebten Drganifationen, jut Sefifegitng ber drjtlidjcn Sehanblung in ähnlichen Sdllen, in ihrem franfljaft be= fd)dbigten 3 n(tanbe, unb jum ©egenflücü baS ndmliefe Srgan in unbefchdbigtem 3ufianbe ftd) ju erhalten; ebenfo bienen bie anatom. Präparate von gefunben Äot= pertheilen jum anatomifdhen Unterridgt. Plan bewahrt bie anatom. Präparate ent= Webet burcf AuStrodinung, wie beim ©fielett, ober in Slüffigfeiten, 5 . 33. in 5Bein-- geifi, Terpentinöl u. f. w. auf, wie bei Gringeweiben unb ben übrigen weichen Tfjei-- len beS ÄotpetS, ober enblid) burcf Snjection (©ttfprtgung). SaS Sinfptifjen wirb bei ©efdfen angewanbt, beten ©ang unb Settfeilung man beutlid) machen, unb be; ren Sorrn man erhalten will. 25er Anfang beg@efdfeS, j. 33. bie 2forta bei ben2fr= terien, wirb mittelfi einer ©pttge mit irgenb einer weichen gefärbten Piaffe ange= füllt, welche alSbann ftch in alle Äfie unb 3 treige ber ©efdfe vertheilt, fte auftreifet unb ftdjtbar mad)t. Sie feinfien *#aargefdfd)en tonnen auf biefe SBeife beutlid) bargefieilt werben. .Sie einjufprifienbe Piaffe befieft gewöhnlich aus einem ©emifdi von «Seife, Peel), £)l unb Terpentin, benen eine fdrbenbe ©ubfians jugefeft wirb, j.33. roth für bie Arterien, grün ober blau für bie Sencn, weif für bie Spmphgefdfe. gür feht feine ©efdfe, j. 35. bie einfaugenben Spmphgefafe, nimmt man Q.ttecffi(= ber wegen feiner duferfien Theilbarfeit. Trotfene Präparate ftnb bie von allen wei-- efen Theiten gereinigten, auggetoeften unb gebleiditen Änochen, bie natürlichen Sfc= lette unb bie mit einem bectenben, aber burd)ftd)tigen Sitnif überzogenen weichen ©ebilbe, wie -PluSfeln, ©ngeweibe tc. 3fe fd)nel(et bie AuStrocfnung ber }uPtdp«= raten befiimmten Srgane möglich ifi, befio beffer werben fte ftd) erhalten. Ser Al-- fohol von 16—22°, je fatblofet er ifi, erhalt bie Präparate um fo beffer. ©obalb et flarfer ifi, jerftort er alle Sorben, Aucf nimmt man SBeingeifi, ber über Pfeffer ober feljr fiarfen Piment abgesogen worben, mit etwas ©alsfaute. Sag SBafcfen mit fefarfett glüffigfeiten, neuerltd) aud) mit ^oljfdure, gibt ben Präparaten halb SBeife, halb ^cfligfeit. Sefonbcrg ifi bie SBafcfe bei faulenb gewefenen Änocfen nöthig. Sie PluSfeln pflegt man ju gerben, unb AlleS, wag in ©efal)t beS 2Butm= frafeS ober ber 33efd)dbigung burd) eine feuchte Atmofphdre ifi, mit jWetfmdfigem Sirnif ju überziehen. Sie fo behanbelten Präparate fiellt man auf einen fefien üor= per ober in einen (Rahmen. Sie Aufbewahrung ber Präparate in Slüffigfeit ge-- fd)ieht gemeintglich in hellen ©lafern, luftbid)t verfdjloffen, fo weit bie menfd;-lid)e Ättttfi bieg treiben fann; benn ©taub, 2 uft,Seud)ttgfeit,'J 5 ilje, Ädlte, ©onne, 3 nfef= ten unb enblid) bie 3 eit felbfi fiteben baf)in, baS ju jerfioren, wag nur bie Äunfi lange attfjubewahren verfieht. Sie9iefiauration befchdbigter Prdp. ifi feiten vollfommen. Anapagoraü, einer ber vorjüglichfien ionifd)en Philofophen, geb. j« Älajomend in Sonien im 1. S- ber 70. Slpmpiabe (500 v. Gbr.) »on reid)ett unb angefehenen Altern, wibmete ftch bem ©tubium ber Philofophie unter Anari= meneS von Piilet, nach Anbern-unter ^ermotimuS, feinem SanbSmann, ging, 20 . 5 - olt, auf Öteifen, befuchte Ägppten unb alle Sdnber, wo bie SBiffenfd)af= ^naictmanbec 2Cnajrintene6 277 tctt blühten, unb tief ftd) batauf in 2ftben niebet. f)iet trat er mit fPeriflegjn genaue 23etbinbung unb jäfjtte unter feinen ©cbületn batb bie angefehenfien 33ür= ger, wie Stccfciaug (beg fPerbiffag, Äonigg »on SDtacebonien, natürlichen @ofn, ber felbfl 9 3. regierte) unb ©utipibeg. (Sin tiefes ©tubium ber 9taturwiffenfd)af= ten fegte t£>n in ben ©tanb, bie ginfterniffe ber ©onne unb beg SJtonbeg, ©tbbe= ben unb af)nticf)c (Srfcfeinungen ju erfldren; aber butd) bieSKdnfe feiner geinbe gerietf) er in ben 33erbad)t bet ©ottegldfierung unb mufte in gotge einet 2fnflage bepbnlb 431 Tft^en »erlaffen. ©r ging nad) Eampfafug, wo er 3 3. nachher, 72 3. att, ftarb. ©ein ©utnbfafj mar: „2(ug 9tid)tg wirb SRicftg". (Sr itafm bafjer ein (5f)aoö unb alg ©runbbefianbtfeit alter Äorper eine 2frt »on 2(tomen an, bie mit ben Äorpern, welche ft'e bitben fottten, non gleicher üftatur waten. Siefe 2ftomen, an unb für ftd) ohne SSemegung, waren im Anfang burd) ein an= bteg, gleicbfallg emigeg, »on ber Materie »etfcf)iebeneg, geiftigeg Utwefen in 33e= wegung gefegt, metdjeg er Novg (3nteltigens) nannte. Sutd) biefe 33emegung unb ©djeibung beg Ungleidjartigen, SSerbinbung beg ©leichartigen, fjat ftd) bie 2ßett gebilbet; bie itbifd)en Äotper hatten fid) gefenft, mdljrenb ber 2ftf)er ober bag geuer ftd) in ben obern Steilen »erbreitete. Sie ©eftirne waren ihm inbefj aud) ir= bifd)er Statur, unb bie ©onne unter 2fnbetm eine glühenbe ©teinmaffe, gtofet alg bet fPelopomteg. Sie SDtilchfirafe hielt er, gleich bem Stegenbogen, für einen 3fbglanj beg ©onnenlichtg. Sie ©tbe war ihm flach, ber SJtonb ein bunfler, bewohnbarer Ä 6 cp er, welcher fein Eicht »on ber ©onne empfangt; bie Äometen wanbbrnbe ©ter= ne. (Sr leugnete bie objectioe ©ültigfeit ber ftnnlictjen SBahwehmungen unb fal) bie S3ernunft für bie Quelle objectiuer SSBaftfeiten an. Sßegen ber Annahme jetteg geiftigen (ptincipg haben ihn 33iele fonfi für ben erften Steiften unter ben fPf)ttofo= phen angefehen. ©ein@d)ü(et war 3ftd)elaug »on 3ftheit. ©ch.aubacf) fat „Ana- xagorae fragm. c. comment. et vita" herauggeg. (Eeipjig 1827). 2fnaptmanber, beg fPrapiabeg ©ol>n, ber felbfibenfenbe©djüler beg Shaleg, war ju CÖfilet in ber 42. Slpmpiabe (620 ». ©Ijr.) geboren, ©ein f)aupt= ftubium war bie SOfathematif. (Sr entbetfte ober lehrte minbeffeng bie ©chiefe ber ©fliptif unb beftimmte bie ©onnenwenben unb 9?ad)tgleid)en (jfquinoctien) mit= telft eineg ©onnenjeigetg (©nomon), woju er in Eacebdmon einen 33erfud),,mad)te, genauer. Um bie ©dge ber ©eometrie anfchaulicher ju machen, bebiente er ftd) juerft ber giguren. 2tud) »erfttchte er guerfl bie Umriffe ber Ednbet unb SDfeere auf einet Äuget ju entwerfen, unb »erfertigte, um fein SBeltfpfiem ju erläutern, eine fjimmelgfugel. Socf) ftnb biefe Angaben nid)t ganj suoetldfftg. 2llg fpeculirte er über bag materielle Urprincip. Sag Unenbtiche betrachtet er alg bag lirmefen alterSinge, woraug ftd)3flteg abfonbert unb wohin2(lleg jimtcffet;it, ohne jebod) bie Statut biefeg ewigen, un»erberbtichen Utfloffg, beffen Steile be.oegtid), beffen ©anjeg aber unuctdnberlid) iff, ju bejiimmen. Sie 3af)l ber SEBrlten ifi nad) ihm unenblid). Ser fjimmel bejfeht aug Halte unb SBdrme, bie ©ferne aug Euft unb geuer. Sie ©onne. beftnbet ftd) an bem hochfiett ber ipimmcl, hat einen 28 SDfal grofern Umfteig alg bie (Stbe unb gleicht einer 3Bal§e, aug weld)er geuerfttome ftch ergiefen. föerflopft ftch bie Öffnung, fo erfdjeint ft'e »erftnfierf. ©benfo ift ihm ber SUtonb eine SBalje, 19 9M fo gtof alg bie ©rbe. 3hre ©cf)iefe erzeugt bie ^b^afert, ihre gdnjliche Umfehrung bie ginfterniffe. Sonnet unb S8li(j ftnb (St'jeugniffe beg SEBinbeg, wenn er in ben SEBolfen jufammengeprefit wirb. Sie (Srbe hat bie ©effalt eineg ©plinberg, beftnbet ftch in berSJflittebeg SBcltalfg unb erhalt ftd) ba|er fchwebenb. ©r ff. in ber 58. Slpmpiabe (546 ». Gf)t.), 64 3. alt. 2£napt meneg, aug 9flilet, blühte um bie 56. Slpmpiabe (556 ». ©hr.). ©r war ein ©dhuler beg 2fnapimanber, »on beffen £ef)ten et jebod) abwich. 3hnt war bie Euft (ui]q) ber unenbtiche, göttliche, ftetg ftch bewegenbe Urftoff alter Singe, ©t behauptete, ber dufete Umfteig beg ^immelg beftehe aug ©rbe; bie ©ferne 278 Xnbtucf) XnctUon (£>at>ib—C5f)arie§—gtiebrid)) feien Gtbfotpet, mit geuermaterie ttmgoffen; bie Sonne, beten Sauf allein bie Sahtegjeiten beffimme, fei flad) wie eine Scheibe, fo auch bie in bet 2uftfd)We= benbe Gebe. 25iogeneg »on Apollonia führte feine 2el)te weitet aub. 2fnbrucf), 25aSjenigc, wag juetff »on einer Sache genommen, wobutd) fte alfo angebrochen wirb, ingbefonbere in bcn 33ergwetfen ba§ etfte Gntblojjen ber Gr^e. S« ben Sdjmeljhütten nennt man aud) biejcnigen Silberftücfe, weid)e im 2reibofen an bem Spor herum flehen bleiben, wenn fte non ben fogenannten SSticEen angebcod)en ftnb, Einbrüche. 2fud) baS S3eginnen bet gdulnif wirb »ielfdh tig Einbruch genannt, j. S3. anbrüd)igeg £>bfl u. f. w. Sn biefer Sejiehung wirb anbrüdjig auch uneigentlich »on »erbdd)tigen unb gefdljrlichen 2 Jtenfchen gebraucht. 2fnctllon, eine angefehene gamilie in 9 Re( 5 , bie nach fPreujjen audwan= bette. 1) 25a»ib 2f., geb. ju SJtefs 1617, Sohn eineg 9tecf)tgfunbigen reform. Religion, mad)te feine erften Stubien bei ben Sefuiten, bie 2flleg aufboten, um ihn jur SSerdnbetung feiner Religion ju bewegen, Gr ftitbirte bann bie 2ff)eo= logie ju ©enf unter Sponheim, 25eobati unb 2tond)in,unb betrat erfl in Gharenton unb in fSfeaup, enblich in feiner Söaterffabt bcn Sefjrftuhl- 91 ad) ber Aufhebung beg Gbictg «on 92anteg begab er ftd) nach Sranffurt, würbe fPrebiget bei ber Go= tonte in $anau unb alg foldjer nach S3erlin berufen, wo er 1692 ftarb. SSon fei= nennid)t fel)t safjtreichen Schriften h«t ftd) feine erhalten. — 2 ) Ghörteg 21. Sohn beg SSorigen, geb. 1659 §u Stieb, machte feine Stubien in vfjanau, 9Jtar= bürg, ©enf unb fParig, unb lief ftd) bann atg 2fbt»ocat in feinet Sßaterftabt nie= ber. 2 flg fold)et genofj er cincg fo gtofen 2 fnfef>eng, bafj feine SWitbürger ihn jur jfeitbeg SOBiberrufg beg Gbictg »on Slanteg an ben fbnigt. $of nad) S3erfailleg bc> putirten, um jit bewirfen, baft in 9tücf ftcf)t ihrer eine 2 fugnahme gemacht werbe. Gr bewirfte jebod) nur, bajs man fte etwag milber alg bie anbetn Hugenotten bc= banbeite, hierüber unjufrieben, folgte er feinem SSater nach 83erlin. 25er Äut= furfl »on SStanbenburg nahm if>n fehr gut auf unb ernannte ihn jum Seichter unb 25irector ber Rcfugies, bie ftd) in SSerlin befanben, bann würbe er mit ber 2ci= tung ber befonbern @erid)te beauftragt, bie ihnen waren jugeftanben worben; f)iec= auf warb er junt 2 fmbaffaberath, jurn ^ifloriographen beg Äonigg unb jum <5f>cf ber franj. Grjiehungganffalten beforbert. 2fucf) gebrauchte man ihn ju biplomati= fchen ©efchdften. Gr ftarb in SSerltn 1715. Son f. jafjlreidjen Schriften führen Wir an: „Histoire de l’etablissement des Frangais refugies dans les etats de Brandenbourg" (SSetltn 1690), unb „Melanges critiques de litterature" (SSa= fei 1698, 3 Sbe.). — 3) griebticf) 21. (Senn gierte), Gnfet beg Vorigen, geb. ju SSerltn b. 30. 2lpt. 1766, ifl f. preuf. Sßtrf lieber geh- 2egationgratf) unb feit 1825 25irector ber politifchen Section im Stliniflerium ber augwdrtigen 2 ln= getegenheiten, erhielt »on f. SSater (Subwig griebrid) 21.), ber alg SOlann »on ©eift unb ©elehrfamfeit berühmt war, bie äWecEmdfsigfte Anleitung ju ben Stubien, für welche ihn glüie dommiffton beS frans. SnjiitutS ernannte, in ihrem SSeridfjt (1810) über bie gottfehritte ber ©efcfyicfytfcfyreibung, bie Vet= bienfie X’S an; er fei, fagte fte uon ihm, ber tuütbige drbe uon Seibnifs, „montrant par son exemple que le but de la vraie philosopliie est de multi- plier et non de detruire les ve'rites; qu J cllc tire sa principale force de l’al- liance des sentiinens avec les principes, et que c’est parmi les ames eleve'es qu’elle aime ä chercher ses premiers adcptes". X tUUtbe Vtitglieb ber 2ffab. bet SBiffenfd). inVetlin unb ^ifloriograpf). Sn uielfeitigen Vesieljungen jel^t bem ©taatsleben nafjegerüift, würbe erm. b. S. eines StaatSrathS, nach bet Äata= flrophe bon 1806, jittn (grgiefjer beS Äronprinjen gewählt unb erfjiett ben rotfjen 2tbterorben. dt entfagte jebod; inf. neuen 33af)n bem frühem Vetufe feineSwegeS; 1810 etfchien f. in ber 2ffab. b. Söiffenfd), gehaltene metftoütbige „ßobtebe auf 3. 83. Vlerian", unb batb nadjfjet aud) bie „Srauerrebe auf ben Sob bet .Königin", eine@d)rift, bie in gtanbreich wegen ihres besiehungSreichen 3nhalteS uerboten würbe. Xs Patriot witfre X taffloS für fPteufjenS Sfufjm ttnb -^eil unb nahm leb= fjaften 2fntl)eil an Xtem, was biefe forbern fonnte, bie enblid) in ben gtojjen dteig= niffen 1813 in fjea'tidjem ©lanje emporfliegen. 3« Vegleitung beS Ätonptinsen fam er 1814 nochmals nach fPatiS, wo bem geachteten ©chriftffeller, unabhängig uon ben dufetn Umfldnben, bie ehrenuottfle Aufnahme ju SEfjeit würbe. 9tad) f. OiücEfehr fonnte f. bisheriger 83eruf als beenbet betrachtet werben; er würbe jefct als SDBitfl. geh. 2egationSratf) int Vtinijierium ber auswdrt. 2Cngel. angefieUt unb fpdterhin bei drrichtung beS StaatSrathS, als SDWtglieb beffetben, ber dommiffton jugefellt, bie mit XtSarbeitung einet VerfaffttngSutfunbe beauftragt werben fottte. 2Cucf) uon einer sweiten dommiffton, bie 1819 benfetben Auftrag erhielt, würbe er Sttitglieb, unb er hotte bie greimüthigfeit, mit f. Xtffchfen in biefer Vesiefjung ben fchwanfenben Meinungen beS SageS burch eine wof)lgeftnnte Schrift öffentlich ent= gegenjutreten. Schon 1816 hotte er eine Schrift „Übet ©ouuerainetdt unb ©taotsuerfaffungen" in beutfcher @prad;e herausgegeben; je|t gab ereinesweite „Über ©taatswiffenfd)aff" überhaupt, ebenfalls in beutfcher ©prod)e, in fDtucF, unb 1824: „Über ©tauben unb SBiffen in ber fPfjilofophie". ©eine Schreibart Seichnet fiel) aud) hier burch Ätarheitunb VSürbe aus. €97ef)r aber noch olS baS Ver= bienfl, in 2 fo fe£>r entgegengefebten ©ptadjen als SchtiftjMer einheimifch $u fein, gilt hierbie83ehanbtung bet Sache fetbfi. X’S®tunbfdbeftnb biejenigen, weldjeoon ben ©emdfsigten überall gebilligt werben, unb beren richtige 2fnwenbung mit bem ge= gebenen Seitbeffanbe am fchitflidjffen übereinsuflimmen fcheint. Senfelben dho= rafter hot fein treffliches SSBerf „Über ben ©eil! ber ©toatSuerfaffungen unb beffen dinfluf auf bie ©efehgebung" (85ertin 1825), in welchem et SttonteSquieu’S „®eifi ber ©efebe" mit ben dtfahrungen ber neueften Seit su lehrreichen gotgerungen uet= binbet. ©. ©chrift: „Sur Vermittelung ber dptreme in ben Meinungen" (SSetlin 1828,1 Sh-) ifi ebenfalls jfaatswiffenfdjaftlichen Schotts. 25ie gefefdiche greiheit hat an biefem eifrigen Anhänger beS üönigthumS unb beS fonigl. ^aufeS inSbefon= bete immer einen Verfechter gehabt; auch bamalS, als fo uiele Sttifjbeutungen $u befürchten waren, trat er ohne Scheu als ein folget auf, aber zugleich als ber ent* fchiebenffe ©egner beS reuolutionnairen ©eiftcS.2fm #ofe,im©t«atSratf),in berSber= denfurbehorbe mannichfach befchaftigt, bewahrt et überall ben gebilbetert ©eifl unb bie wol)lmeinenbe ©effnnung, bie ihn su biefer angefehenen ©tellung geführt hoben. 2fnchife§, ©ohn beS ÄoppS unb Utenfel beS StoS. Venus, uon feinet ©djonfjeit hmgetiffen,. erfchien ihm einffc auf bem 3b a (nad) 2fnbern am ©imois) tn ©eftatt einer phrpgifchen Wirtin, gab ftd) feiner Umarmung hin unb gebar ihm 280 3tncona Sfnböcfyt ben 2lnead. ©iefet rettete ben ®reid auf feinen Schultern aud bem Sranbe oon Stoja unb nahm ifjn mit ft'cf; ju «Skiffe. ©t parb mdhrenb ber Steife auf ©icilien. 9Pad) anbem Sagen mürbe 21. oom Sli|e bed Jupiter getobtet, voetl er, oom bSScinc trunfen, bad ©eheimniß feiner Sertrautichfeit mit Senud oerrathen hatte. 2lncona, $auptp. bet Delegation unb efycmat. 9Rarf 2lncona, amoene= ttanifchen SReerbitfen, ©ifi eines 25ifd;ofS, hat 17,330 ©inm., barunter 5000 guben, unb einen fronen $afen, ben, rnie bie «Stabt felbft, fdjon bie dltejfen ©chriftpeller rühmen. Srajan bef leibete bie Ufer beffelben mit SRarmot, unb bie banfbaten Sürget errichteten iljm bafur einen noch jefct auf bem SRoto pehenben ©fmenbogen oon meifjem SRatmor. 1732 mürbe 21. ju einem Freihafen erftdrt, unb ungeadpet bet häufigen Setfdpdmmung bed $afend mitb et hoch jährlich oon 1100 Schiffen befudp, unb ber ^anbel mie bie PRanufacturen ber Stabt ft'nb betrdchtlid). 2lud; beftnbet ftch Iper ein ©uarantainehaud. 21., oon jeher eine bekannte gepung, oon SJomern, ®otl)en, fiongobatben unb Saracenen erobert unb jerftort, erhob ftch butch eigne Äraft aud ben Stummem jtft JRepublif, matb aber 1532 oon bem 9)apft butd) 2ip eingenommen unb fammt bem ®ebiet jum Äiechenpaat gefd)lagen. Die Selagerung bet Muffen, Surfen unb Dpreicher 1799 nach tanger Sertheibigung beö ftanj. ©enetald SReuniet mürbe merfmürbig, roeil bie rufpfdje juerfi auf 2f.’S PBdllen aufgepfTanjte gähne burch oflreidfjifcheS SRititair auggeriffen, unb babutch bad unglückliche PRifoetpdnbnijj beS itaiferS fPaul mit ben 2llliirten angeregt mürbe, ©eit 1815 ip nur bie ©itabelle nod) befepigt. 32. 2fnbacht, bem Urfprungenach fd)eintbad 2öortgleid)bebeutenb mit 2luf= merffamfeit ober fRidpung ber Seele auf einen ©egenjianb. 5n biefer allgemeinen Sebeutung fommt ed aber feiten oor, oielmehr oerjieht ber Sprachgebrauch barun= ter bie ^Richtung ber ©eele auf ©ott ober auf religiofe ©egenpdnbe, ©rhebung beS ©eiped unb ©emüthd ju bem ^bttern, ^eiligen, ©migen, ©ottlichen. 2ün ber 2lnbadp berjenigen Uteligibfen, beten Üietigiondglaube ootnehmlich butd) bie Ser; nunft begrunbet unb bebingt ift, mirb ber benfenbe ©eip ben oorzüglichpen 2fntl)eil haben, unb nur infofern, als jene religiofe ©ebanfen, bie feinen ©eift in ben ©tunben ber 2fnbacl)t befd)dftigen, unmoglid) bad gebilbete $erz ohne ©efühte ber banfbaren greube, ber Siebe, Setounberung, ©emuth, beS Vertrauend u. f. m. laffen fonnen, mitb auch bad ^erj lebhaften 2lntheil an biefer 2lnbgd)t haben. Sei benjenigen Uieligiöfen aber, meldjc bad 5Befen ber innern Sieligiofitdt mehr oon ©efuhfen als oon beutlichen, auf bem PBege bed prufenben jRachbenfend ge= monnenen Überzeugungen abhängig machen, unb meldje auch für bie^hantaft'e eine gemiffe Sefriebigung fobern, mobifteirt ftd) bie 2lnbad)t anberd. ©oll bei jenen bad jur2fnbacht gemeeft ober ber fd)on angeregte 2lnbachtdfmn unterhalten metben, fo mirb eine flare, beutlidje, murbeooile 2tnfprad)e an ben Serftanb erfobert, rnelche ©ad, mad einer ©rfldtung bebarf, mit furzen, mohlgemähtten ebeln PBorten erflartj ©ad, mad eines Semeifed bebarf, furj unb grtmblid) betoeip. 2fuf biefem SSBege mitb in ber ©eele Überzeugung bemirft, unb bad mit ihr oetbum bene ©efüht mirb eintreten. ©d mirb um fo eher unb lebhafter ermadjen, menn ba, mo ber bem ©eifite oorgehaltene ©egenpanb eine fchone ©dplbetung zuliejj, biefe mit ©efehmaef, SBurbe unb ohne Überlabung in ben ©rldutcrungcn unb Semeifen oerbunben mürbe, ©iejentgen aber, meldje ben SBeg jum ^erjen nicht burch ben Ser^anb gehen laffen, fonbern in ©ad)en ber ^Religion unb 2(nbad)t oon bem Serftanbe entmeber gar nidjtd miffen mollen, ober bod; meinen, ber 28eg gelje burd)d c^erz jum Scrpanbe, machen anbre 2lnfoberungen an Dad, mobutd) i^te 2(nbacht gemeeft unb genährt merben foll. Sei einem hohem Stabe oon 2ebhaftig= feit bet ^hantafte unb ©tdrfe ber ©efuhte ip ihnen 2lnbad)t nid)td Sfnbred atd ein ©chmetgen in bunfetn ©efuhten, meld)e burch patfe Silber ber ©inbitbungdfraft 2Cttbante 2(nbt£ 281 unb mpflifd) auSgebrüdte gotmeln tjorjugtid) angeregt werben. Sür manche 2fnbte »on ber Gtajfe biefer Sfeligiofen ifl fetbfl baS 5Bort, aud baS fraftöolle, felbfl bilb= lid)e 2Bort ber 9tebe unb beS ©efangS nod ju fdjtnad), ©aS, wag ihnen 2(nbadt heijjt, in ihrer Seele ju weifen, ©ie verlangen ftdrfere dufjere Ginbtüde burd) «fjanbtung — burd) fird)(id)eg ©rarna. 2(nbad)t, aud) im ebelflen unb wütbigflen ©inne beä SBortS, [oll nid)t 3wed be6 Sehens, fonbern nur ein wohltätiges 9Kit= tel jur Bereblung, Betfdönetung unb Befeligung beS Sehens fein. 2öaf)re2fnbad)t foll über bie bunfeln ©tunben unb ©teilen beS Bebens einen Strahl beS himmli= fcf)en Sid)tS aus bet hohem SSBelt oerbreiten unb baS niebergebeugte Herj burd) bie Äraft beS frommen ©laubenS unb ber Hoffnung erheben. SBahre 2lnbad)t foll ben Sreuben unb ©enüffen ber Grbe bie (>6f)cve 3Beit)e geben, burd) welche fte ju rein=menfcf)lid)en ©enüffen erhoben werben. SBirb burd) fle feiner biefer Swecfe erreicht, fo war fte entweber gebanfentofe ©ewohnheitsfache ober 2fnbdd)telei, aujie= rer@d)ein ber3lnbad)t. 2Me ©efüf)le beS waf)rf)aft2fnbdd)tigen werben ft'd aud) im llufsetn mehr ober weniger auSbrüifen. ©er heilige Gtnjl, welcher ©eift unb Hetj bei bem ©ebanfen an baS ^eilige erfüllt, wirb ftch auch burd) Bermeibung alles ©effen, was bie fülle Betrachtung flott, alfo burd) duftere feierliche ©rille, aud) ba, wo ftd) bie 3fnbad)t im ©ebet ober ©efang auSfprid)t, funb thun. 3fber ber 2fnbad)= telei ftnb bie dufern Seichen ber 2lnbad)t bie Hauptfadje. ©hne baS ^)etj ju ©ott ju erheben, erhebt fte baS 3luge jurn Himmel, ohne ihren grofjen 2fbjlanb non bem ffbeale ber fittlichen Bollfommenheit lebenbig ju fühlen, fenft fte ben Blid jur Gebe, oerneigt fidh unb faltet bie^dnbe, weil duftete GultuSformen bei ihr baS SSBcfen ber 2lnbad)t ausmachen. 3öenn man »on 2fnbad)tSübungen fpridht, fo oet= fteft man barunter bie SSheilnahme an 3;eietlid)fcitcn, burd) weld)e ber 2fnbad)tS= ftnn gewedt unb belebt werben foll. ©iejenigen ©chriften, weldje man 3lnbad)tS= büd)er nennt, hoben einen gleichen Swcd. ©ie Berfdiebenljeit ber religiofen Bil= bungSflufen, auf wetdjen ©eift unb ©enuttf) flehen, beflimmen Inhalt unb SEon jwedmdfjiger GrbauungSfdriften. ©er Borwelt genügte Bibel, ©efangbud) unb hochflenSeinfogen. Blotgen= unb 2fbenbfegenbud) ju ihrer hduSlid)enlfnbad)t. ©ie= jenigen, welche einjelne religibfeSSaljtheitenaud in einer etwas anbern gotrn bargc= flellt wünfd)ten, erbauten ftch butcf'ShomaS oottÄempiS „Bon ber Nachfolge Ghri= fli", ober burd) 2frnbt’S „SBahreS Ghdflenthum", ©crioet’S „©eelenfcf;afj' / unb ei= nige anbre afcetifche Schriften, weld)e für iljreSett manches ©ute wirften. 2fn ihre unb beS beliebten G u b a d)’S (f. b.) Stellen traten in neuern Seiten ©ellert’S ©ben unb Sieber, Sollifofet’S, SEiebe’S, ©turm’S, ©eifert’S, Slofenmüller’S, fffiitfdjel’S u. 21. ©ebete unb Betrachtungen, unb bie „©tunben ber 2fnbad)t" (oon einem Ungenannt ten). ©ebilbetere DieligionSfreunbe unb ^reunbintten, welche bie 2Cnbad)t in etwas •ftoherm als in einem mpflifchenSloSfelfpiel fud)en, werben Stoff jur Belebung if)= rer hduSlid)en2fnbad)tnid)t nur in GrbauungSfdriften, fonbern felbfl in fold)enBü= ehern ftnben, welche nicht unmittelbar jur Gtbauung gefdriebeit ftnb. 11. 2fnbante, ein Hauptgrab in bet muftfalifdjenBewegung (f. SEernpo), nämlich ber Übergang oom Sangfamen jur ruhigen mittlern Bewegung. ©aS 2(n= b a n t i n o fleht jwifchen 2fnbante unb 2fllegretto in ber SJlitte, ifl folglich etwas ge= fchwinberalS2fnbanteunb etwas langfamer als 2fl(egretto; biefeS ifl wenigflenS bie gemeine Bleinung. 2fnbre behaupten: 2fnbantino habe eine etwas langfamere Bewegung als 2fnbante. Gs erfobert baS 2fnbante einen fanften Bortrag. 2lnbre (Ghriftian Äarl), feit 1821 ?. wüttembergifder Hoftatf), »other grdfl. ©almfeher SBirthfchaftSrath ju Brünn, als Herausgeber beS „HeSperuS", beS „Öflreid). 3lationalcalenberS" unb mehret für bie 2anbeS= unb BolfScultur widrigen ©driften tühmlichfl befannt, ijl geb. ju Hilbburghaufen ben 20. Bldtj 1763. Gr wibmete ftch bem Grjicljunggfache unb war einfl eine Hauptflü(se beS ©aljmann’fd)en SnftitittS, baS er 1785 burd jugefüljtte Soglinge unb wefentlid)e 282 2Cnbr£ Vülfleiftung in bem 2fugenblicEe rettete, als ber 5D?utt; beS Stiftet ju wanfen an= fing. Son 1788 — 98 madjte er ftcl) and) als ©cbriftfteller um ßrjtefjung unb Unterricht netbient. Sie fpäbagogen fragen oorjüglid) bie non ihm anfänglich mit Secbflein, fpätermitSlafcbe gemeinfcbaftlid) bfrauSgegebenen „©emeinnüfcigen ©pajiergänge auf alte Sage im Sfafyre" (10 Sf)le., 3.2fufl.). ©in gutes ©cfyulbud) war f. „©ompenbiöfe S3i6liotf)cS ber gemeinnühigjten Äenntniffe" (120 V-), beten Sottfegung unterbleiben mupte, als berSf. am ©nbe 1798 bieSirection ber proteft. ©cbule ju Srünn in SJtdljten übernahm, unb baS Serbot erfebten, bap fein £)fl= reidjet auch außerhalb ber öftreid). Staaten ©twaS ohne ©enefjmigung ber wiener ©enfur bruefen laffen follte. 9focf) ritfjrt »on ihm aus jener Seit ber fßlan beS SfeicbSanjeigerS ober beS jegigen „Allgemeinen SfnjeigerS ber Seutfcpen" f>er, ben er anfängtid) (»or nunmehr 30 Sohren) in ©otfja mit bem ^ofrat^ SecEer ge= meinfdjaftlid) unternahm, beffen 2fuSfübrung aber er fefjr halb ßeljtetm allein über= liep. Son 1800 — 5 mirfte 21. in bem oftreiefy. älaiferfiaate viel ©uteS burd) fein „spatriotifcbeS Sageblatt' 7 , baS erjle unb lange baS einjige fflationalblatt biefer 2lrt ■ feit ber 3ofepbütifcben fPetiobe. ©enfuroerbättniffe binberten jeboef) ben Fortgang I biefeS 3nflitutS. ©ein Seftreben, wiffenfd)afttid)e Äenntniffe gemeinnü&ig ju ma= i eben, bewies 2f. unter 2(nberm 1802 bureb bie Verausgabe eines „2133©= oberer: f jfen £el)rbud)S ber Slineralogie" unb butd) bie Serbreitungjnebrer Vunberte »on 9J2ineralien=©abinetten, woburd) er biefer SBiffenfcfaft in Sftceid) mefr ©ingang in baSSeben »erfebaffte. Saber erging an ibn 1806 böbetn£>rtS bie Serantaffung, [ aufs neue für bie ©ultur feiner Slitbürger als @d)riftftellet ju wirfen, unb bie fPo= tiäei:©enfur=Vofffette willigte in bie »on ibm gemad)te hoppelte Sebingung einet liberalen ©enfur unb beS ungehinderten ©ebraud)S ber auswärtigen literarifdjen VülfSmittel. ©S ifl nämlich in Öftreid) gefeglid), bap fein auswärts erfauftcS Sud; feinem SSeftfser, ber graebt unb ©efälle bafüt bejaht bre& 2CnbreoffV) 283 nebfi bet (Rebaction ber »on ifjm herauSjugebenben Seitfchriften übertragen woeben ifi. Sal)in hat et auch f. „$eSpetuS" »erpfTanst. — SRod) bemerfen wir, baß er in Stünn 20 Safyre lang bie Seele ber fatf. mdhrifchen ©efellfchaft jur 33ef6tbe= rung beS 2ld?erbaueS, ber fRatur = unb SanbeSftmbe gewefen tfi, bis er 1820 feine ©teile al8 Secretair berfelben nieberlegte. SnSbefonbere hatte er um bie Stiftung beS granäenS=3RufeumS Diel SSerbienfle. 2t n b r e d (Sofjann Salentin), einer ber originellfien beittfcfen Schtiftfieller feiner Seit/ war 1586 im SBüttembergifchen geboren. fRad)bem et ju Sübingen jiubirt unb granEteicb unb Stalien befudßt batte, befleibete er in feinem Saterlanbe mehre geifitiche 2fmtet unb fiatb 1654 als ©eneralfuperintenbent unb 2fbt ju 2lbelSberg. Sief befftmmert, bie ©runbfdfse ber cijriftlicf>en ^Religion leeren StreU tigteiten pteiSgegeben unb bie SBiffenfcfaften »on ©itelfeit unb fReugietbe gemiß= braucht ju fef)en, befchdftigte erftd) unablaffig mit ben 502ittetn, fowol jener als biefen ihre moralifche unb wohltätige ^Richtung wiebetjugeben. £>b er ber Stifter ober wenigftenS ©»neuerer beSfRofenfreujorbenS (f. b.) gewefen, ifl unent= fchieben. ©ne gewiffe Neigung jum ÜRpfiiciSmuS ifi bei 2t. allerbingS nicht ju »er= fennen. SBie bem auch fei/ unleugbar war er ein ebenfo geifi* als herjooller SRann, ber mit einer ungemeinen ©elef)rfamfeit einen brennenben ©ifet für baS ©ute unb 2Bal)te »erbanb, baS Safier in jebem Stanbe, halb in fcherjhaftet Saune, halb mit fitengem ©tnfi unb bitterm Spott »erfolgte unb ber Sugenb butch fein ganjeS Seben getreu war. Stefflid) hat ihn gerbet charafteriftrt. ©r hat Sieles, unb bieS meiflenS in einer fonberbaten Sprache gefchrieben. 2tlleS aber sengt »on ber feinen ©rftnbungS = unb ©inbilbungSfraft, »on ridjtigem ®efül)t tmb fcharfem Urtheil, »on ber auSgebreiteten Äenntniß unb bem, wiewol unauSgebilbeten, Sid)= tergeifi beS SerfafferS. SSaS er beutfd) fchrieb, ifi fütSSBeib, Äinber, SSolf, greunbe. ©t felbfi fagt batüber: Dpn’ Äunfi, obn’ SKt'iß’ unb gleiß id; bid)t: iDrum nicht nad) beinern Äopf mich ric ht. SSiS bu fd)itn|fi, fpibft unb fchni^ft im ©inn, •&ab’ tch’S gefe|t unb faßt bapin. ©efallt bir’S nicht, roie id) ißm tf)u’, SJladfS beffer, nimm ein Saßt baju. 5BaS »on 2f.’S ©d)riften 2fnfprud) auf gelehrten Snfjatt unb funfigered)te gotm macht, ifi lateinifdf) gefchrieben. Sn Sef)rfiellen, ©entenjen, f ursen ©leichniffen unb ©egenfaßen ifi 2f. befonberS glücElich, wie auch in fomifchen unb wiegen tilgen. 2tuS f. „Mythologia christiana" haben gerbet unb Sonntag 9Ref)teS uberfeßt; auch h«t ©rfieret aus f. „©eifilichen Äurjweil" groben gegeben. S. iiecber’S „3er= fiteute SSldtter", SSb. 5; „2tnbred’S Sichtungen" (uberf. »on Sonntag), IjerauSg. »on Reibet (Spj. 1786); 2tnbrea’S „Selbfibiogt." (ffflinterthur 1799). 2fnbtea3 (bet heilige), Srubet beS heil- fPetntS, unb bet etfie Schulet, ben ©hrifiuS wählte. SSeibe Stüber waren gifcher, entfagten aber biefem ©e= fdjdfte unb folgten bem ©rlofer. 2f.’S @d)id'fa(e nach ©htifiuä Sobe fmb unge= wiß; bie gewöhnliche SReinung ifi, baß er einige Seit nachher geEreujigt worben. Sic fRuffen »erehren ihn als benjenigen 2fpofiel, ber ihnen baS ©»angelium ge= bradjt habe, bie Schotten aber als ben ihres SanbeS. 3« ben erfien Seiten ber Äitd)e war ein ihm untergefchobeneS ©»angelium in Umlauf; aud) bie fogenannten 2(cta, bie feinen fRamen führen, fmb nicht »on ihm. 2fnhreaSfreuj, ein Äreuj »on biefer gorm X, weil ber Sage nach 2fnbreaS (f. b.) an einem Äreuje, welches biefe ©efialt hatte, am 30. fRo». 83 ju 'PatraS in 2tcßaia getobtet worben fein foll. 11. 2lnbteoffp (2fntoine grangoiS, ©raf), frans. ©eneral, Urenfel beS be= rühmten (1688 gefi.) gtanj 2f., welcher als Sngenieur ben ©anal »on Sangueboc jwifdjen bem atlantifd)en unb mittelldnbifchen SReere ju Stanbe brachte, geb. ben 2Cnbrteu 2fabtomeba 284 6.2)Idts 1761 ju (5ajict=CRaubarp, war 1781 frans. 2fttillerielieutenant. 1797 jcirfjnete er ftcf> als ßommanbant bet Äanonierfchaluppen auf bem ©ee »on 9Ratt= tua bet ber 33elagetung biefer geflung aus, fpater in bem frans. gelbsuge nad) Ügppten als SRilitair unb SRitgtieb beS jRationalinfiitutS ju Äaito, burd) gelct>r= te, befonberS mathematifche ©djriften. @r war frans. 33otfd)after in 2onbon nad) bem Stieben non 2fmienS, Ijernacf) in 3Bien unb sulefct in Äonftantinopel. 1814 rief itjrt bet Honig »on biefem Sofien jucucE; 1815 ließ et ftd> in ben 100 Sagen »on Napoleon Wieber anftellen. 2lupet f. SBerfe: „Sur le canal du Midi", f. „Memoire sur l’irruption du Pont-Euxin dans la mediterranee" unb f. „Memoire sur le Systeme des eaux qui abreuvent Constantinople", wirb f. äßet! über ben 33oSporuS unb baS türfifdje SReicf) gefefjd^t. 3f. fiatb $u SRontauban ben 16. ©ept. 1828. 2fnbrieu (SSertranb), ein burd) feine auf neue ßeitereigniffe feit 1814 »«fertigten unb mit Seifall aufgenommenen Senfmunjen bekannter SRebailleur in 9)attS, geb. su Sorbeaup ben 24.CRo».1761, ftarb su fj)atiS ben 6. Sec. 1822. 2£nbrieup (gransoiS ©uillaumeSeanStaniSlauS), einet beroorsüglichfteit neuern frans, brarnat. Sichter, geb. ben 6. 9Rai 1759 su ©traSburg, war »or ber ^Resolution ©ecretair beim ^etsog »on UseS. Sutd) f. ©ifet für bie wahre greifet mafjrenb ber 9fe»olution, für baS gehalten ber ©onftitution unb bie reine ‘-tfnwenbung beS SRaturrecptS seiepnete er fiep nid)t minber aus als burd) ben leid)-- ten 2ßip, bie treffenben ©paraftere unb bie anmutige fPoefie in feinen vielen litetiu I rifd)en Arbeiten, Welchen nur suweilen bie geile, befonberS hinftcptlid) bet ©ptad)e, fehlt. 1798 trat er als Seputirter beS ©einebepartementS in bas gefepgebenbe ©otpS, wo er burd) feine Sieben unb 2Jorfd)ldge über bie ©inridjtung ber Primate; fchulen, bie greiheit ber treffe unb über bie ©rmorbung bet ©efanbten su Siafiabt »iel 2luffepen erregte. 9iad) bem 18. SStitmaire würbe er Sribun, ben 21. Suli 1800 ©ecretair, im ©ept. fPrdfibent beS Sribunats. 2Rit ©ifer unb gefligfcit erklärte er fid) gegen bie »erfaffungSwibrtgen Schritte beS etfien ©onfttlS unb beS ©taatSrathS, bis er 1802 abtreten mufte. ;Dennod) ernannte ihn fpatetpin bet Haifet sum 9iitter bet ©prenlegion unb sum fProfeffor bet Siteratur am College de France unb ber fchbnen SBtffenfdpaften bei ber polptecpnifcpen ©d)ule, fowie ber Honig ihn 1816 unter bie 23ietsig ber frans. habende aufnahm, ©ein »orsüglidp fteS, als clafftfcp betrachtetes, SBerf ift „2lnapimanbre", Suflfp. in 12fct. 2tud) ifi f. „Les etourdis" beliebt, ferner f. „Moliere avec ses amis". ©ein „Examen critique du theätre des Grecs" wirb gefd)a|t. 5m San. 1829 Würbe 21. an 2Cuger’S ©teile bejfanbiget ©ecretair ber frans, habende. 2fnt>romacpe, SEocpter beS HönigS ©etion »on SEpeben in ©ilicien unb ■jpeftot’S (»gl. b.) ©emahlin. fRacp SrojaS ©toberung warb fie bem fPptrpttS, ÄcpilleS’S ©ohne, su SEfK'P wetdfjer fte nach ©ptruS führte, 3 ©ohne mit ihr seugte, fte nad)her aber bem ^elenuS, 4?ebtor’S 95ruber, überließ, bem fie nod) einen ©,opn gebar. ©uripibeS hat fte sur ^auptperfon einer SEragöbie gemacht. ‘Jtnbromeba, beS atpiopifepen HönigS ©epheuS unb bet Haffiopeja SEod)= ter. SRutter unb SEocpfer waren »on feltener ©cpönpeit. 2ftS aber jene eihft prahle 1 tifd) rühmte, bap ihre SEocpter an Schönheit bie 9ierelben (wo nid)t gar bie $ere) übertreffe, flehten bie beleibigten ©öttinnen um [Rache bei ihrem Söater, ber niept nur CeppeuS’S ©ebiet überfchwemmte, fonbern auch ein fürchterliches 5Reer= ungeheuer fanbte, baS allgemeines SSerberbeit brohte. 25aS £)rafel that ben 2fuS= fprud), fPofeibon’S Born fönne nur befdnftigt werben, wenn ©epheuS feine SEocpter bem Ungeheuer sur 95eute brachtet bie Äthiopier swangen ihn jut SSefolgttng beS ©prucpS, unb bie unfdjulbige 3f. würbe, an einen gelfen gefeffelt, bem Ungeheuer preisgegeben. ©0 etbltcbfe fte fPetfeuS, ber, baS »erfteinernbe ©orgonenhaupt in ber ^anb, eben »on ffieftegung berSRebufa auf bem fPegafud sutücEiam. ©erührtoon 285 3inea§ #neftbemu§ ptitleib unb Siebe, »erfprad) bet ^etb bad Ungeheuer 51 t erlegen, wofern man ifjm bie Jungfrau Dermalen wolle. £ad »erfprad) ihm ber Pater unb tytlt SBort. Sur Erinnerung an bie Späten bed Werfend (f. b.) ftef)t 21., burd) ber Pallad ©unft, unter ben ©fernen. ‘Knead, beb 2fnd)ifed unb berPenud ©ob». Unter Stojad Jpelbenift er nad) ^eitor ber tapferjte in bet Pertbeibigung ber ©tabt. Sn ber 92ad)t, alb biefe »on ben ©riechen eingenommen wirb, ermahnt ihn £eftor im Staunte, mit ben ©otterbilbern ju entfliegen. 2f. fiurjt ftd) bennod) in ben .Kampf, aber umfonft. Priamud fallt, unb nun erfi fefjrt er, auf feiner Butter ©efjeif, jum Pater jutücf, rettet bie ©Otter unb bie ©einigen, verliert aber im ©etümmel bie ©attin Ä r ifft 2. nad) Italien, wo et bei ©uma bie ©ibplla auf; fud)t, bie ibm feine Sufunft weiffagt unb feinen ©ang jur Unterwelt beforbert. Pad) feiner Siücffebt and biefer gelangt er nad) einer neuen ©d)ifffabrt in ben Sibrid, wo er am ofilicben Ufer, im Sartbe bed laurentinifd)en Äonigd Batinud, audjteigt. Seffen Sodjter Baoinia war »on bem ©d)icffal einem Sremblinge be= ftimmt, aber »on ber Ptutter 2 (mata bem Könige ber Putuler, Surnud, »erbeipen. 25ied »eranlapt einen .Krieg, nad) beffen Pcenbigung ffdf> 21. mit ber Baoinia »et; mdblt. ©0 erjablt Pirgi l (f. b.) in ber „jlnelbe", abweidjenb in manchem ©tücfe »on ber bijiorifeben 3Bal)tf)eit, bie ©efd)id)te bed 21. — ©ein mit ber Sa»inia erzeugter ©obn, 2taead ©plüiud, würbe ber ©tamm»ater ber .Könige »on 2(tba= longa, unb jule&t bureb Pomulud unb Pemud ber ©tunbet Pomd. Pon feiner erfien ©emabtin batte er einen ©obn, 2 (dcaniud, ber 2 (lbalonga erbaute, unb »on beffen ©ol)n Sulud bie Spornet bad Snlifd)e ©efcbledjt ableiteten. 2 tnead ©pl»iud, f. 2 inead unb Piccolomini. 2 Cneftbcmitd, einJfeptifdjer Pb'lofopb, aud Änoffitd gebürtig, ber ein wenig fpdter ald ©icero blühte unb in 2 ((epanbrien ben ©Eepticidmud in einem gropern Umfange ald früher lehrte, ©r fegte bie SBabtbeit in bie 2fllgemeinbeit bed fubjecti»en ©d)eind unb [teilte 10 ©rünbe jur 3 urücfl)altung bed entfd^eibenben Urtbeild auf (f. ©fepticidmud), bie man aber auch febon bem Pptrbo beigelegt bat. 25en ©fepticidmud, welchen er ald eine »ergleicbenbe StefTepion über bie ©tfd)ei= nungen unb SSorftellungen betrachtete, mittelft welker man in benfelben bie gtopfe Perwirrung ftnbe, unterftüfjte er febr bureb f. SBiberlegung bed ©aufalitatdbegriffd. Sn neuejter Seit bat ber Prof. ©d)ttlje unter biefem 9tamen eine befannte ©d)tift beraudgegeben, welche ben ©fepticidmud gegen bie Äant’fd)e Äritif »ertbeibigte. 286 Aitefbofe AneorpSma Anefbote, eigentlid) Anebboton (gtied).), Sad, wad nod) nichthetaud-- gegeben ober befanntgemacht worben ifl. SBtt oerbinben mit biefem SBorte gewohn= tid) ben Segriff einer f(einen, anjiehenben Erjahlung, einer metbwurbigen ober wigigen Äußerung, eined außerorbentlidhen ober tddjeclicfjcn Sorfalled. Sie Et= Jlarung biefed Segriffed iflutn fo fcf)Wietiget, atd fo Sielartiged barunter gebad)t unb pfammengefaft wirb, unb oft ftnb Anebboten gteicfbebeutenb mit Ana (f. b.). SBenn Attebbofen unbebannte Auffchtüffe über allgemein intereffante Ereigniffe ober bad Beben metbwutbiger fPerfonen liefern, ober eine befonberd wifttge Söenbung nehmen, fo »emtogen fte in gefetligengreifen befonberd p unterhalten, immer bommt ed aber batauf an, bajj fte pr rechten Seit unb mit feiner 9tebegewanbtf)eit erzählt werben; in folchen galten wirb auch eine bereitd oft gehörte Anefbote nod) wohlgefälligen Einbruch machen. — Änebbotenbrämer nennt man fpottweife 9 >erfonen, bie bei jebet ©elegenheit ihren Sotcatf an SSabemecumdgefcbidjten aud-- fd) bitten, unb Anebbotenjäger befonberd 9teifebe[d)reiber, bie ihreS5efd)tei= bungen mit folgen, oft unwahren ober unbebeutenben, Erpflungen audpugen. Anemometer (Anemofbop’, Anemometograph, auch fPlagofbop), Sßinb= geiget ober Sßinbmeffer, jebed SBerbjcug, bad bie Dichtung bed SBinbed an= gibt. Sie Söetterfahne auf SEhürmen unb Sachern iji bad einfachfte Anemo= fbop; bann hat man aber aud) folcfe, wo ftd) bie gähne um eine bewegliche (Spitt! bei breht, bie burch bie obere Seife ber ©ebäube bid p bem Simmer geht, worin man bie S5eobad)tung oornehmen will. An ber Seife biefed ©emaefd ifl eine 3Binb= tofe beftnblid), unb inbem bet SBinb bie gähne nebji ber ©pinbel breht, gibt ein unten an felbiget angebrachter Seiger auf berSßinbrofe bie3tid)tung bed Buftjlromd p ernennen. Ed gibt befonberd f ünftlidje Anemoffope ober eigentliche Anemometo= graphe, bie fogar m Abwefenheit bed 33eobad)tetd bie Seränbetung bed Sötnbed fetbft aufseichnen. 3« ben worgöglicbjern biefer Art rechnet man bie »om fPtofeffor SOtodcati unb Stifter SJtarftlio Banbtiani. P. S. Aneorpdma, ^uldabergefd)Wulft, Erweiterung unb Audbehnung irgenb einer ©teile einer fPuldaber. Sied ifl bad echte Aneorpdma; man rechnet aber aud) nod) hi er h er bad unechte Aneorpdma, wenn bie ^aut einer Arterie geöffnet ifl unb einAudfritt oon 33 lut in bad benad)barte Sellgewebe erfolgt; ferner, wenn bie äußern-f)aute ber Arterie »erlebt ftnb, unb bie innere fjaut berfeiben burch bie entflanbene Öffnung ftd) audbehnt, fjetaudbrängt unb einen ©aef bilbet (bad p= fammengefebte Aneorpdma); enblid) bad oaricofe Aneorpdma, bie Epuldabet; gefchwuljt, wenn bet einem Aberlaß bie Sene ganj butd)fd)lagen, unb pgletd) bie obere ©eite einer unter berfeiben liegenben Arterie burchfd)nitten wirb, woburd) nun bad SSlut aud berfeiben in bie SSene bringt. Sie echten Aneorpdmen entjlehen theild oon bem p heftigen Anbrang bed 83lutd, tl)eild »on einer, nicht feiten oielleicht am geborenen ©ehwdebe unb ©chlaffheit ber Arterienf)äute. ©te ftnb bähet häufiger an großen Arterienftämmen, befonberd in ber Stahe bed ^erjend, an bem Sogen ber Aorta unb an ben äußern ©liebem, 5 . 35. in ber Äniefehte unb an ben 9iip= pen, wo bie Arterien burd) Audbehnung unb heftige Setoegungen, Anftrengungen bed Äorpetd, ©toßen, gallen unb Suetfcßungm oftern Seriehungen audgefeßt ftnb. Ed fonnen aber auch, befonberd p ben innetn Aneorpdmen, Äranbheiten, heftige Slutwatlungen, ©enufi fähige ©etränbe, heftige Beibenfdpften unb ©e= muthdbewegungen, Affecten, befonberd Sorn, Seranlaffung geben, ja felbft be= ren Serreißung unb babutd) etfolgenben plohlicßen Sob »erurfadjen. Äußere Anem rpdmen erbennt man an ber anfangd nur fleinen, runben ober länglichen, in ber ©egenb einer Arterie beftnblidjen ©efdfjwutfl, welche weich, elafltfcf) ifl, unb in Welcher man ein bem fPulfe ähnlich ed Älopfen bemerbt. Siefed Klopfen h^t auf, wenn man bie Arterie oberhalb ber©efd)Wulft ftarf pfammenbrueft, ed wirb wieber fühlbar, fobalb ber Srucf aufhort. 3« ber erften ^eriobe biefer Äranfheit 287 2Cnfoffi Engeln bleibt bie ®efd)Wulfi lange Beit Kein ober wäd)ftbod) fefjc langfam; inberj»ei= ten aber nimmt fie plöbtid) fefyr zu, »eränbert bie Sache, wirb blau unb fangt an ju fdjmecjen, bie benachbarten Sfjeile fd) wellen an, b«S Klopfen in ber ©efdjwulft toirb unbeutlid)er. Gnblid), wenn feine Teilung ecfolgt, becfiet bie @efd)wulft, meld)e eine SJtenge tfjeitS geronnenen, tf;eilä flüfft'gen S3tutS enthält, unb ber jfranfe fftrbt an SSerblutung, ober ber St)eil wirb branbig; bie innern *PulSaber= gefdjwülftc finb fd)Wer ju ctfennen. Sie äußerlichen TlneotpSmen werben entwe; berburch lang anfjattenben Stuc? auf bie ©efd)Wulft geheilt ober butcf) Spera= tion weggefcbafft, wobei (nad) ^unter’S 9Jtetf)obe) bie Arterie oberhalb ber ©e= fdjwulft entblößt unb unterbunben wirb, fobaß baburd) ber Bufluß beS SSluteö in ben ©areS SanbeS weggenommen hatten. Sa fie ft'cf) bem 9?heine unb bem romifdjen ©ebiete nie näherten, ft'nben wir ihren 9tamen nicht bei ben romifchcn ©djriftjtellern, t»eld)e fie unter bem allgemeinen 9Tamen bet Ghaujen unb ©achfen mit begriffen, bis bie Groberung 93ritannienS fie als ein einzelnes SSolf befannter mad)te. 5m 5. Sahr'h- fchloffen ft'e ft'cf) an ihre mäd)tigen nörblichen Nachbarn, bie ©ad)fen, an, unb eroberten unter bem 9?amcti Tinge 1= fad)fen baS heutige Gnglanb (f. ©roßbritannien); ein £h eiI öon ^uen blieb auf ber bänifchen $albinfel, wonod) je$t ein unbebeutenber Sanbftrid) auf ber Sftfüfte beS |>etjogthumS (Schleswig ben tarnen Tingeln führt. Tingeln, Tlngelnfifdherei, im füßen SBaffct ober wenigffenS am Ufer. Ser Grtrag ift fetten bebeutenb, woran ungünfiige SBitterung, Gntfer= nung »om gewöhnlichen Bug einzelner gifdjarten, Unfenntniß ber ©tellung beS •ÖcimenS je. ©d)ulb zu fein pflegen. Sie gewohnlid)e Tlngel befteht aus bem ■£>afcn, ber ©chnur unb Bubeijor unb enblid) ber 9tuthe. Ser Joafen »on reinem 288 2(ngelo (SJticfyet) difenbraht ifi bet hefte. dr muf nicht p fef)r gehärtet fein. SBibet ben gaben brefjt man bie Schnüre non Weifen fPfctbefjanten, Seibe obet -ftanf. Segtere beibe tranft man notbet in 3Bad)8. Sie feibene Schnur bann bie fchwachfte fein. Sie gebet befleft au$ einem butcb einen Sorffiöpfel gefiepten Siet, burrf) welchen bie 2(ng tu fcbnur gezogen unb mittetfi eines Spaltes befefiigt tnitb. ©efenfe beift ein Stücf= d)en33tei, etwa 1 guf über bem 2tngelhafen angebracht, um ibn in bie gehörige Siefe p jieben. ©eine «Schwere muf mit bet Schnur unb bet gebet in richtigem SSerhattniffe fieben. Sa$ fogenanntc SSorfach bebütfen nur bie Engeln für Kaubs ftfcbe. 3 « Kuthen ftnb am beften junge, am Abgang ftebcnbe gierten, in drman-- getung bet fettenen 2tngelruthen non ;3ucEettohr. Sie befie 2tngeljeit ifi bie fchwtile Suft, in bet bet gifcb, be$ warmen 2Baffet$ wegen, in bie Sjofy fieigt. Set SBajfetfpiegel, wo bie 3fngel fallt, muf rein fein non Kohr unb S3infen, unb wo möglich bet 3fngter ficb netfieeft halten. 2 tngeto (€ 0 ?icfjet) SSuonarotti, au 8 bem alten $aufe bet ©rafen non da= noffa, geb. 1474 p daptefe obet dl)iuft, geft. 1564 p Korn, offenbarte fein erjtaunenSwürbigeS ©enie pgteich inSBetfen bet SDtalerei, SSUbljaueret, 3ftd)i= teftur unb fPoefte. Somenico be ©riltanbajo war fein etfier £ef)ter in ben jeichnem ben Sünften, unb er war noch »ich* 2 3af)te bei ihm gewefen, als et in bet non 2o= tenjo non SÖ2ebici angelegten Sunftfdple auch ben Unterricht S3ertolbo’$ in bet SSilbhauerei mit fo gutem dtfolge genof, baf et fefon in feinem 16. Sah 1 * ben Sopf eines alten Satprg, pt Scwunbetung alter kennet, in Sftatmot copirte. 9tid)t minbet jog er als SJtalet bie 2 lufmerffamfeit auf ffd), fobaf et ben ef>rem nolten Auftrag erhielt, gemeinfchafttich mit bem gtofen Seonatbo ba SSinct ben KatljSfaal non gtorenj mit hi|iotifd)en Sarfteltungen p fcbmücEen. 3u biefem SSehuf entwarf et jenen berühmten, leibet nid)t mehr noltjMnbig nothanbenen dat= ton, bet eine Scene aus bem pifanifdhen Stiege barjMt unb non ben Sennern als eine bet trefflichjien Schöpfungen Sfticfet 2f.’S gepriefen witb. jgnbep hatte ihn fPapjt 3uliu8 II. nach Korn berufen unb ihm ben Auftrag gegeben, ein ©tab-- mal für ihn p arbeiten. 3 wei SÜJtat würbe biefe 21 rbeit unterbrochen: einmal burd) SOtidfel 2t.’$ beteibigten Stolj, bann aber burd) ben Keib gleichzeitiger Sünfiler. SSramante unb ©iultano ba Sangalto befonberö waren e 8 , bie beit^apf ftberrebeten, non 9JJid)el 2t. ba3©ewölbe ber Siptinifd)en dapelle malen p taffen; benn ft'e wuften, baf er ingreScomatereien fid) nod) nicht nerfucht hatte, unb glaube ten ihm baburd) eine 2 trbett ppwejtben, beten unnotlfommene Ausführung ihm baS 2Bol)lwolten beS IPapfteS entziehen würbe. 9Jtid)el 2t. weigerte ftd> oergebenS, ben 2 tuftrag anpnehmen, unb noltbrachte, ungead)tet ber abgebrungenen dilfertig: feit, in 20 SJJonaten ein 5Betf, baS non alten Sennern bewunbert würbe, unb non bem gernow mit Ked)t urtheitt, baf hier nielteid)t mehr als irgenbwo ber Sünfiler in ber ganzen ©röfe feines originelten ©eifleS erfefjeitte. 2ftS hierauf SJtichei 2t. wieber an bem ©rabmate fortarbeiten wollte, ftarb SuliuS, unb auf beS nach folgern ben 9)apfteS 2eo S3efehl mufte er jegt nad; gloreng gehen, um ben SSau ber S3ot= berfeite an ber St.=ßorenjbibliothefi p übernehmen. Aber aud) £eo ftarb. Unter 2fbrian VI. arbeitete er einige Statuen für beS SultuS ©rabmal, befonberö bie be= rühmte Statue beS SSJtofcS unb einen dhriftuS, ber nachher p Korn in ber Sircfje belta SJtinerna aufgefteltt warb, dtemenS VII., ber hierauf ben pöpfilicfen Stuhl beftieg, rief 9Jtid)et 2t. wieber nach Korn unb übertrug ihm bie SSoltenbung ber neuen Safrijtei unb ber St.sgorenjbibliothef p glorenj. 3« ber erjten ftnb bie StZonumente ber SJtcbiCeer non ihm gearbeitet, 5 . SS. Sag unb 9?ad)t. Stfir* mifche Seiten folgten, nach beten SSerlauf et p ben frühem noch ben Auftrag be= fam, baS jüngfte ©ericht in ber Siptinifchen dapette p malen. Ungern ging ber 60j5ht:ige Sünfiler an ein SBerf, baS feinem Kuhme gefährlich werben fonnte. dr, ber non Katur zum drnft unb Siefftnn hinneigte, ber unter alten Sichtern fid) am ^ngetoni 289 tiebßen butcß Sante’b ungeheure ©emälbe begeißerte unb bncdfj ein ununterbro= ebenes ©tubium ber 2lnatomie ben »erborgenften SHedjanibmub bet fßlubEeln et= forfcßt b>atte, fucfjte im ©eföf)l feinet Äraft ft'cf) einen neuen Sieg für biefe 2frbeit ju bahnen unb in bem ©d)tecflid)en, in bet Äraft ber Umriffe, in bet Äüfmbeit bet Sewegungen feine Sorganger, ju weld)en »ornehmlich Suca ©ignoretti gehörte, jit überbieten. @o »ollenbete er 1541 ein@emalbe, bab bttrdjauS mißlungen in ber dompofttion, oßne Siürbe im ©mgen, ohne 2(bel unb abenteuerlich im @injet= nen, jwar nid)t ben @d)6nheitbßnn befriebigt, aber überall ben großen unb erfahre: nen Äünßter jeigt unb meßr für ben Äünßlet»erßanb leßtteid) alb genießbar für ©cfüfjl unb ©efd)ma(f beb Stebbjaberö iß. Snbem eb bie menfdßidje ©eßaltin allenSBenbungen, Sagen unb Serfürjungen, unb ben 2fubbrucE beb ©taunenb, beb ©djmeqeb, bet Setjweißung in allen 2lbßufungen barßellt, iß eb alb ein uncr= fd)6pßici)et ©djafs »on ©tubien ju betrachten. 2f.'b legte beträchtliche SBerE'e ber SKaletei waten 2 große ©emalbe: ber Sali beb ß)aulub unb bie Äreußgung beb fPctrub, in ber fPaulinifchen dapelle. Sn ber Silbhauerei arbeitete ec eine Äceuj= abnahme dhrißi, 4Sigttren, aub einem einzigen ©tücü SHarmor. Son feinem dupibo in SDJarmor erjagt man, baß er eine 33et»ollfommnung eineb anbern du= pibo fei, ben'S0?idjet 21. nad) abgcfchlagenem 2Trm nur 3iaufd)ung »ergraben lief, barmt er für eine 2(ntiEe gelten möge. Sener »ertiollEommnete dupibo hat £ebenb= große. Stichel 2(.’b ©tatue beb Sacdjub frfjrieb ßfafael gleid)e Sollenbung alb ben SDWßetmerfen beb ^>f)ibiab ober fPrapiteleb ju. 21. mufte nod) 1546 bie Sortfe|ung beb Saueb ber fPeterbficdje übernehmen, dr »erbeßerte ben fpian baju, worin er aud) biegorm beb gried)ifd)en Äreujeb wählte, bteSribttne unb bie beiben Sluerfdßiffe beb Äreujeb erweiterte, bie Äuppet auf einer feßen SJlauer ßü|te unb eine SSorberfeite nad) bem SSlußer ber SSorijalle beb Pantheon entwarf. 2lbec er erlebte bie 2fubfüf)tung feineb fPlanb nicht, an bem nad) feinem Sobe wie= herum dinigeb geanbert würbe. 2(ufietbem übernahm er noch ben Sau beb dam= piboglio (dapitolb), beb Satnefffdjen fPataßeb unb »ieler anbern ©ebaube. 2Eud) feine architeEtonifchen ©ebüube jeichnen fiel) bttreh ©rofe unb Kühnheit aub; aber in feinen Secßerungen jeigt ftd) oft feine ungeregelte, aubfd)Weifenbe spßantaße, bie bab Ungewöhnliche unb 9leue bem dinfadjen unb ©efchmacEoollen »orßeßt. —• ©eine ©ebidße, bie er nur alb ©piele ber dinbilbungbfraft unb alb 3eit»ertreib anfal), enthalten ebenfallb uiwerEennbare Sewcife feineb großen Ualentb. @ie ftnb mehren Sammlungen einoerleibf, and) einzeln erfdßenen. Sgl. SDlid). 2fngelo 58. alb Sichter in „Seitragen j. ital. fPoefte", 1. dpeft, 1810. ©eine profaifchen Sffietfe (Sorlefungen, Sieben, diccolate, b. h- fcherjhafte afabemifd)e Sorlefungen) beftnben ßd) in ber ©amml. ber „Prose iiorentinc", unb feine Sticfe in Sottari’b „Lettcre pittoriclie". @. bie „Vita di Michelangelo B. scritta da Ascanio Condivi, suo discepolo" (Srom 1553, 4.; Slorenj 1746, Sol., mit guf.); bie neueße 2Eubg. ß)ifal823, mit 2Enm. »on da», be ERofft. 21 n g e l o n t (Sutgi, ©raf), aub Stofinone, lebt ju fparib alb geachteter ©elef)r= ter, WO er 1818 in 2 Sbn.: „Dell’Italia, uscente dcl Settemhre del 1818. Raggiamenti IV, dedicati al italica nazione", ßeraubgab. ©. Slagfchrift im SJlai 1814 ju ©unßen ber dinheit Stalienb nahm ber Äonig »on fPreufsen gnabig auf, wahrenb inSlailattb ber Sud)l)anb(er ©tclla wegen beb Sebitb betfelben »er= haftet würbe. 2flb bie Staliener (wie berSerfaßet fagt) einzig ol;ne Saterlanb blie= ben, entfehloß er ftd) jur weitem 2fubfül>rung feineb SBerfb. dr hat eine 2fbnei= gung nid)t gerabe gegen Sßreid), fonbern gegen jebe frernbe Stegierung feineb Sa= terlanbeb. Satereßant iß feine Sarßellung beb »origen unb jetzigen bürgerlidien, gcfelifcbaftlichen unb wißenfchaftlichen ßußanbeb beßelben. 9leu iß bie aubfüßr* lidie Sefd)teibung beb fRichterfotgb ber lombarbifdjen ©efanbtßhaft nad) ^)arib 1814 an bie alliirten ©ouoeraine unb beren SBinißer, um bie oertjeißene @elbßän= 6on». = Cer. Siebente tfttfl. Sb. I. | 19 290 Angelus Silesius 2£ttgeftcE)t bigfeit ju erflepen. 2orb (üaftlereagp nannte «. X. bie ben Stalienern fi-uf>ev in fPublicationen gemachten 23etfptecpungcn naiö genug „opcre d’imbecillita". Angelus Silesius, ein getfllic^ec S)icf)ter vmb SPZpftifer, piep eigent- licp D. Sodann ©Refftet unb war gu 35reStau 1624 geb. ©r würbe Seibargt Äaifer getbinanbS III., trat 1653 gut romifcp4atpol. Äird)e übet unb fiarb 1677 in einem .Stofter gu 33teSlau. 3art in f. ©efüpten unb feurig in feiner SSegeifte: rung, aber fcpwdrmetifd) überfpannt unb fromm tdnbelnb, gleicht et bem 25iditer ber „Sirup 9tacptigall", gtiebticp ©pee. 25eS 21. ©ileftuS „©perubinifdger 5öaw betSmann" war faft ein ganges Soptp. lang ein in gaplreidjen Ausgaben verbreitetes ©rbauungSbud). ©S etfdpen guerft in ©logatt 1675, jule^t 1736 gu 2Ktonn. 2luperbem pat X. nod) „@eifilid)e .fjirtenlieber" unb eine „SSetrübte fPfpcpe" ge: fd)tieben. 25ie neuere .fiunjtfcpule bat f. 3fnbenien erneuert. 1815 gab -f)eib eine ©ammlung bon@prüd)en beS X ©ileftuS heraus; 1818 beforgte Siang .£ottt eine dpntid)e, unb 1820 erfcpien gu SSerlin bon 33. b. ©. (33arnbagen bon (fnfe?) eine „©ammlung geifllidfjer ©ptücpe aus bem dberubinifcben SBanbetSmann". 20. Xngenepm ift ein ©egenjtanb, ber ein ©efüpl ber Sujl erwecft. 25ieS gefd)iebt befonberS in -£)infid)t auf bie 33or(tellungSEraft butd) 33ollfommenpeit, Stbnung, 25euttid)feit, Söaprpeit, ©d)6nbeit, Oteupeit u. f. w., in ^)inftd)t auf ©efüpl unb SSegeptung burcp baS Xffectreicpe, baS Bdrtlicfje, 3tüprenbe, Seierlid)e, ©rope, SBunberbare, ©rpabene. 25a baS ©innlicpangenepme bon ©mpftnbung, fubjectmet (Einrichtung, Neigungen u. f. w. abpdngt, fo ift eti nichts abfolut ©uteS, b. p. eS papt nidpt für alle 33ernunftwefen; eS ift nichts Sb: jectibeS, baS für alle bernünftige SBefen gelten fbnnte. 25er 9)?enfcp, als ©in-- nenwefen, fann aber ntcpt anbetS als baS Tfngenebme begehren unb baS Unan= genehme berabfcpeuen, unb eS ift ihm pppftfcpcS SSebftrfnip, bie Summe beS Xu genehmen moglicpfi gu bermehren, beS Unangenehmen gu betminbern. — ffieb eher Unterfcbieb jwifchen angenehm unb fd) on in ber Äunft fei, f. ©epon. Xngeftcpt, Xntlip ober ©eftept, biebotberegtdepebeS .SopfeS, bet ©ip ber meifien ©inne, geigt auf feiner Sbctfldcpe fdjon eine SDtenge Organe, wie bie ©tirn, bie Xugenliber unb Xugenbrauen, bie Xugen, bie 9tafe, bie SSBangen, benSSJtunb, bie Sippen, bie .Sinnlabe, bie Bdpne. Unter bergauf, wcldje im ©eftebtgartet, feiner, etnpftnblicper unb freier ift als an anbern Spei: len, ftnben ftep eine 9Renge ingett eingepüllte SDtuSfeln, welche ©influp auf bie Bewegung betraut haben, ferner bemerft man im ©eftepte mepr ©efape unb 9terben als an irgenb einem anbern ditpern Spcile. Unter allen biefen weichen Xpeilen Itöpt man bann enblid) auf bie fnodjerne ©runblage, welche, bie 32f3dpne ausgenommen, aus 14 .Snocpen beftept, bie borgugSweife mit bem Flamen bet ©eftd)tSfnocpen in ber Xnatomie belegt werben. Xuperbem aber tragt auep ein Speit beS Stirnbeins gut SSilbung beS ©eftcptS biel bei. 9htr einet bon allen bie: fen Änocpen, bie untere .Sinnlabe, ift in iptet 33erbinbung mit bem ©cpldfenbeine beweglich, bie übrigen Snodjen finb fefi unter einanber berbunben. Sn allen bie: fen Speilen brueft ftep bie ©emütpsftimmung, ©eifteSfdpigfeit unb mit ©nein SBorte baS pfpcpifdje Sehen beS SSJtenfdpen fept beutlicp aus,, wie bie ^5 pp fi ogmu mit (f. b.) leprt; auperbem aber erpdltbaS @efid)t auep burd) baS Temperament, bitrcp bie fotpetlidien 33erdnberungen unb borgugtiep butep -Sranhpeiten einen fept berfepiebenen XttSbtucE unb mup fept pduftg als Sttittet gut SSeurtpeilung fold)er, Buftdnbe benupt werben, ©djon bie Änod)en tragen bagu bei, bap bie dupere^orm beS ©efkptS bei Spieren unb SDtenfcpen fepr betfd)icben ift. SSci ben erftern finb bie Jtinnlaben weit petborgejogen unb bilben mit ber ©tirn einen fpipen SBintel, bei bem COtenfcpen aber treten bie Äinnlaben befio mepr jutuef, je mepr bie menfdjlicpe Silbung unb ©eponpeit bie Sberpanb gewinnt. 2Cuf biefeS 33erpdltnip bet Äiefet gu ber ©tirn grünbet ftep bie bon fPeter Camper cntbecEte ©eftd)tSlinie, weld;e man 3fngiologte 2fnglicatttfcf)e Streife 291 Auf folgenbe 3frt bilbet: 59lan benft ftd) eine gerabe Sinie, twefdfje an bec S3aftg beg ©chdbclg Pont gtofen $intecbauptgtoche butd) ben dupern ©ehorgattg big an ben unterflen Sheil bet fltafe gezogen wirb. i3iel)t man nun eine anbte gerabe Sinie Pon bec unterflen «Stelle bec fJtafe ober aud) bec SBurjel ber obecn Sdjneibeädhne nad) bec Stirn bin, fo werben beibeSinien einen befto fpi|igern SBintel biiben, jewe= nigec ftd) bie ©eftd)tgbilbung bec Sbiete bec menfchlichen ndbect. bei ben 2Tffen betragt biefec SBinfet nur 45— 60°, ja bei bem £rang=Utang bod) fd)ott 63°, bei bem Pfleger ungefähr 70°, bei bem ©uropdec 75 — 85°. 9J?ecfwürbi= gerweife aber ftnbet man, baf in ben Kttnftmcrfen ber ©riechen biefec SSinbel 90°, ja bei ben Statuen beg Jupiter fogar 100° betcdgt. 34. SCngiologie, bie3fbetn = unb Spmphgefdf(ehre, f. Anatomie. SCnglaifc (engt, country-dance), ein San$ pon lebhaftem ©harabter unb leichter ^Bewegung. ©t perbanft fein ©nffteljen bem fcanj. rigaudon, ift all» malig einfacher geworben unb befdjrdnft ftd? jefct gemeittiglicf) auf 4 Souren. Sie SJtelobien baju ftnb mehr ober weniger fcimelt, befiehen aug 2 SBieberholttngen pon 8 Saften, aug funftlofen SSerbinbungen bet 9totenftguren unb aug gerabjdhligen 3(bfdfcen unb ©infchnitten. Sie gewöhnliche Saftart ift % ober 4. 2fnglefea Ofjenti SOBilliam fPaget, ©raf oon Upbttbge, SJtarquig pon), britifcher ©enerat ber leitetet, ber feiner in ber Schlacht bet 5Baterloo ben 18. Suni 1815; wo er ein SSein pertor, bewiefenen Sapferfeit wegen jum Sftarqttig Pon ?lnglefea erhoben würbe, ©r biente unter SBetlington in Portugal unb Spanien, wo er a(g ©enerallieutenant, tt. b. 31 . ^Oaget, bei mehren ©elegenfjetten ftd) burch ©efd)icflichfeit unb SWutf) augäeidjnete, aud; mehcmalg perwunbet würbe. 93ei feiner Stücffehr nach ©nglanb im 2fug. 1815 führte ihn bie S3ürgerfd)nft Pon Sichftelb im Stiumph nach bem Stabthaufe unb überreichte ihm einen ©hrenbegen. SO?arquig 2tnglefea ft|t im britifd)en Sberhaufe unb flimmte im fPtoceffe ber Ko= nigin für bie «Strafbill. Seine unglütflidje SJerbinbung mit Sabp ©harlotte SSßeileglep, Söellington’g Schwägerin, bie er nach bec Scfjeibung Pon ihrem tarnte ehelichte, ift befannt. ©r würbe S3icefdnig in Stlanb, allein ©nbe 1828 jurücfgetufett, weil er SBellington’g 2fnffd)ten nicht feilte. Tfngticanifche ober cngltfche, aud) hifchofltche Kirche, ijl bie in ©nglanb reformirte Kircbenoetfaffuttg, welche alg einen djauptgrutibfafj cm» nimmt, baf bie fSifchofe Pon ©ott eingefe|t worben, unb baf bie Kirche unter ihnen flehen müffe. Sie fPdpfte übten Pormalg eine grofe ©ewalt über ©nglanb attg unb jogen jdhrlid) fehr bebeutenbe Summen aug biefem Sanbe. Heinrich VIII. entjweite ftd), wegen feiner ©hefd)eibung, mit bem pdpftlidjen Stuhle unb erfldrte ftd) (1531) für bag >£jaupt ber englifchen Kirche. Soch blieb er noch eifrig fatljos lifcf), unb dnbecte, bie Sbetljertfchaft beg fPapfteg in geglichen Singen unb bag 9J?6nd)gwefen auggenommen, nur wenig in ber alten Sehre f. Kirdje. Sie SKefor» mation fanb jwar fd;on unter ihm inggeheim, unb unter f. 9tad)fo(ger ©buarb VI. öffentlich, 33cifali, aber fte warb erfl unter ber Königin © l i f a b e t h (1558) oollig eingeführt, ©lifabeth gab ber Kitchenperfaffung in ©nglanb bie ©eftalt, bie fte noch jefet hat, unb lief bie 3fufftd)t barüber ben @rjbifd)6fen unb SBifdjöfcn. Sh l 'e jJtachfolger, ob fte gleich fortwdhrenb bag $aupt ber Ktrdje geblieben ftnb unb bie hod)fte ©ewalt über fte auggeitbt haben, behielten bod) biefe SSerfaffung bei, weil fte fanbcn, baf bag fonigliche 2fnfehen babutcf) beffer, alg burd) bie mel)t republifa» nifd)e iBerfaffung ber fPregbpterianer, unterftüfst werbe. Sene bifd)6flid)e (epiffo= pale) ober hohe .Kirche ift nun bie in ©nglanb hectfdEjenbe unb wirb allein unter ber ^Benennung ber anglkanifd)en Kirche oerfianben. Surch perfd)iebene ©ebraudte beg aufern ©ottegbienfieg, oorjüglid) aber baburd), baf bie SSifcfjofe bag 9tegt= ment führen, unterfdjeibet fte ftd) oon ber genfer Kird)e, meldjer jfrtefte (gried)ifcl) Presbyter) porfiehen. Siejenigen, welche ftd) in ©nglanb ju ber [extern heben» 19 * 292 JCngouteme (|>ctjog oon) nen, werben baher 9)reSbpterianer, aud) Puritaner — weit fte eine oon ben in bet bifchoflicfen Äitd)e nod) beibef)altenen ©ebrditchen beS fatholifdjen ©otteSbienffeS ganj reine (öerfaffung behaupten — genannt, tiefer retigiofe ©eftengeiji war auch in feinen politifd)en 2fnftchten oerfchieben unb »erfolgte ffcf) gegenfeitig, fowie bie Umftdnbe eS gejfatteten. 2(uS ben oetfdjiebenen firchlicf)en Parteien gingen potitifdje heroor, weld)e bie öffentliche(Ruhein dngtanb mehr als einmal erfd)üt= tert haben. Sn bem ©ct)ofe ber Puritaner entftanben bie Snbepenbenten, welche bie Äirche ebenfo wenig ben Ültefien als ben (Bifcfofen unterworfen wiffen wollten, ©urd) ihre Unterftüfsung betoirfte dromwell bie (Reoolution unter Äarl I. Sn jenen unruhigen Seiten bübeten fleh mehre religiofe ©eften, beren mehr als 20 in dngtanb finb. (Rad) vielen Ädmpfen erhielten bie fPreSbpterianer unter 2ßi(= heim III. (1695) völlige ©ewiffenSfreifjeit burd) bie ©ulbungSacte (Act of toleration). ©eitbem ijl bie bifcl)6flid)e Äirche in dttglanb unb Selnnb, unb bie preSbpterianifche in ©dfottlanb bie hetrfchenbe. 2flle anbre @e!ten werben ge= bulbet unb haben mit dinfdjluf ber (PreSbpterianer, im ©egenfag ber dpiffopa= len, ben allgemeinen tarnen (Ronconfotmifien ober ©iffenterS. 2fngouleme (2ouiS 3fntoine be Sourbon, Jperjog oon), ©auphin feit 1824, (Reffe fiubwig XVIII. unb dlteffer ©ohn beS jegigen ÄonigS oongranf-- reich unb SJlarien SherefienS oonSaoopen, geb. ju (BerfailleS b. 6. 2fug. 1775. dt wanberte 1789 mit f. (Batet aus unb befcbdftigte ftd) bei feinem ©«floatet in Surin, nebft bem^erjog oon(Berrp, f. (Btuber, oorjüglid) mit bem ©tubium ber Tfrtilleriewiffenfdjaft. Sm 2fitg. 1792 trat er in ©eutfdRanb an bie ©pifte eines dorpS oon 3luSgewanberten. ©ie ungunftigen drfolge beS Krieges oeranlajh ten ihn, ftd) mitf. (Batet ju dbinbutg niebevjulaffeni et ging jebodj einige Seit baraufnad) (Btanfenburg, im ^orjogtfjum (Braunfdfweig, jutücf, unb enbtidt) nach (JRitau in (Ruf lanb. $iet oermdhlte er fleh mit ber einigen Tochter ßubwtg XVI. 1801 oerlief er (SRitau unb jog mit feiner ©emahlin unb Subwig XVIII. nad) SBarfchau unter fonigl. pteuf. ©chu(5. 2fber baS bamalige ©pjlem beS ^ofeS oon (Berlin jwang fte 1805 jur abermaligen 2fuSmanbetung nach (Ruflanb, wo fte oon TClepanber I. bie fceunbfchaftlid)f!e2(ufnahme fanben. (Bon hier ging er nad) dnglanb, wo ©raf 2frtoiS unb bie ganje boutbonifche gamilie auf bem einfamett Sanbgute ^artwett beißonbon beifammen wohnte. 3flS 1814 bie oerbünbeten Jpeere gtanfreid)S (Boben betraten, begab ftd) ber (Prinj oon 2fngouleme (2. gebt. 1814) in baS britifd)=fpanifd)e>£>auptquartier su ©t.=Sean be 2us unb erlief fogleich jene berühmte (Ptoclamation an bie ftanjoftfdje Tlrmee („J’arrivc, je suis en France, (lans cette France qui m’cst si chere"). @d)On hatten ftd) bie (Bewohnet oon (Botbeaup gegen (Bonaparte erftart, unb täglich eilten bie eifrigjten (Ropatiffen an bie ©renje, um bem ^erjog if)te ©ienfte anjubieten. ©tefer hielt enbtid), unter bem ©d)uhe beS engl. -fjeerS, am 12. SD2arj feinen dinjug in (Borbeaup. geier= lidj »erhief bet^erjog bemSRaitc oor ben oerfammelten (Bürgern, unter lautem greubengefd)tei, SGergeffenheit alles Vergangenen unb ©lücf für bie Sufunft! ©rei Stage nachher erlief et eine ^roclamation, worin er, (RamenS beS ÄonigS, oorjüglid) Tfbfchaffung ber donfeription unb gehdfftget Abgaben, drmuthtgung beS >^anbe(S unb oollige (Religionsfreiheit oerfprad), aber ju gleicher Seit (Ruhe unb ©rbnung, fonber allen sparteigeijl, oon ben $tanjofen oerlangte. Unermüblid) in feinem difer für ben Äonig, eilte er oon ©tabt ju ©tabt, um (Bürger unb ©oh baten ju gewinnen, unb traf im 9Rat in ^)ariS ein, wo er bie ganje fonigl. $emti= lie oereinigt fanb. dr warb jum ©eneraloberjfen ber Äürafffere unb ©ragottev unb jum 3(bmitaloon ^tanfreid) ernannt. Sm Sehr. 1815 machte er mit feiner ©emahlin eine (Reife in bie mittäglichen (Prooinjcn unb warb überall mit dttfhw ftaSmttS empfangen. 3CUein in (Borbeaup erhielt er am 9. 9Rdrj aus ^)ariS bie (Radjticht oon ber Sanbung (Bonaparte’S, unb jugleicf) mit ber aitögebehnteffen 293 2Cngouletne (^erjogin öon) SSollmacht bie Stnennung jurn ©enerallieutenant beg Äomgreid)g. ©ogIeid) reifte et ab, feine ©emahlin bet SEteue 33orbeaut’g auvertrauenb, unb erricfjtete in $ou= Ion ein neueg ©ouvernement, an beffen ©pige et ben ©rafen Sarnag unb ben 35a= ton von 33ittolleg ftettte. hierauf tücfte et mit einigen Sinientruppen unb National: garben big gegen Sftontelimart vor, mo et am 30. SMtj bie Stapoteonifien fcf)lug. Sann jog et von SJfontetimart gegen SSatence, um Spon ju befegen, unb fd)Iug bei Soriol, auf ben^ofjen vonSivton unb an bet 33rucfe über bieStome, jum jmeiten SOtate bie 2lufrül)rer, rnarb aber am 6. 2fpril bei ©t.=3acqueg angegriffen, big gegen SSatence äuruefgebrangt unb von feinen Gruppen nettaffen. 83otbeaup unb Souloufe fielen ab, et felbft mürbe bei fPort=@t.=Sgprit angehalten unb 6 £a= ge gefangen gefegt, enblid) fteigegeben unb mit feinen ©etteuen auf bag fehroebifebe gat)tjeug ©canbinavia ju Seite eingefefifft. St flieg ju Barcelona ang Sanb unb begab fid) nach SKabrib ju gerbinanb VII. S3atb näherte et fid) mieber bet ftanj. ©tenje, um neub bittet gegen S3onapatte in fßetvegung ju fegen. 5n fPupcerba erfuhr et am 10. Suli, bag ftd) Sftarfeille gegen 23onapatte empört hatte. St fd)tieb fogteid) an ben fonigl. Somite in biefer ©tabt unb ernannte ben ®enerallieu= tenant Sftarquig be SJiviete sum ©ouvetneur. St felbft hatte alte nad) ©pa= nien geftüd)tete granjofen m ein Sotpg vetfammelt unb wollte eben bie ©renje überfdjreiten, als bie Sreigttiffe in ben Stieberlanben Subrnig XVIII. bie Sljote bet Jpauptflabt mieber öffneten. ©ogleid) eilte bet ^etjog von Sotbeaup nad) Sou= loufe, mo et bag fertigt, ©ouvernement miebertjerffellte unb in futjet Seit viele SSatailtone fonigl. grcimill'igen errichtete, melche ju 4jäl)tigen SDienften fid) ver= binblict) machten unb fut i()n bie gelungen ; n ben |)ptenden, in ben tflpen unb an ben Äuften befegten. Stad) feinet gurüeffunft in fParig jttm fPrafibenten beS Söahlcollegiumg beg ©ironbebepatt. ernannt, reifte et mit feinet ©cmahtin am 15. 2fug. nad) SSorbeaup ab, mo et bie ©igungen beg SBaf)lcollegiumg mit einer frafti= gen Siebe eroffnete unb bag SSergnögen fjatte, bie Söahlen nach SBunfd) augfalten ju fetjen. 2Cm 12. Set. marb et jum fPrafibenten beg 5. SSuteau bet fPairgfam= mer ernannt, etfehien aber fo feiten mie bie übrigen grinsen vom £aufe in ihrer CDiitte. fPolitifdjeSdnfereien unb meft nod) berftutmifche©eftengeiffjmifd)enÄa= tholifen unb fProtefianten nötigten ben Äonig halb, biefen $Ptinjen in bie mittag? lidjett fProvinjen ju fenben, mo et nad) einigen tfugbröchen beg fPatteigeifteg bie Stuhe mieberherfiellte. ©eitbem ermatb et fid) in^)atig butd) fein milbeg unb flit= geg Verhalten bie allgemeinffe 23etehrung, fomie butd) bengelbjug in ©panien 1823 (f. ©p anien), mo et als ©enetaliffimug mit Sinjtd)t unb Unpatteilidjfeit hanbelte, bag SSertrauen bet Station unb bie Siebe beg ^jeeteg. 2fngouleme (SJiatie Shetefe Sharlotte, -£>erjogin oon), SDauphtne, Mochtet Submigg XVI., geh. b. 19. Sec. 1778 ju SSetfaitteg, jeigte fd)on früh einen fdjatfen, butdjbringenben SSerftanb, einen fräftigen SBillen unb bie jartefie Smpftnbung für bag Unglücf tfnbrer. Ser ©togfütft fPaul, meldjet als Somte bu Storb gtanfreich bereifte, nahm beim tfbfdjiebe bie 4jdf)rige fPrinjefftn in feine tftme unb fugte fie mit ben SBorten: „Seben ©ie mohh ich metbe ©ie nid)t mieber fehen"! ,,.^etr ©raf", etmiberte bag Äinb, ,,3d) metbe ju 3h tten fommen"! — Sie Sfeoolution brach nu ® > 10.2fug. 1792 matb bie ganje fbnigl. Samitie in einem berSEhfitme begSlempelg eingefpertt. Sie^tinjeffin mürbe imSec. 1795 gegen bie Seputirten, meldhe Sumoutiej ben Sfiteidhern fiberliefett hatte, augge= mechfelt unb nad) 2Bien geführt. 3h r bamaligeg Sinfommen beftanb in ben Sinfen cineg Sapitalg von 400,000 ©ulb., meldjeS bie Stähet^ogin Shtifline vonSffteii^ (»erflotb. ©cmal)lin beg ^>ecjogg 2flbett von ©ad)fen=$£efd)en) ihr vetmadjt hatte. SBaftenb if)teg Tfufenthaltg inSBien hatte Subtvig XVIII. befd)toffen, fte mit bem 'Öerjog von 2fngouleme ju vermahlen; bieggefd)ah b. 10. Sttni 1799 inSSfitau. SerÄaifet vonSKuglanb unterjeichnete ben S3erttag; allein bie politifche2age3fug= 294 Angriff InnbS «otfjigte fämmtliche ÜBourbong im San. 1801, fich nach SBatfchau 5 « flucf>= ten. .£)ier lebten fie big 1805, mo ft'e mit SSewilligung Kaifet ^ItepanberS nad) SJJitau jurückkehrten. ©egen bag ©rbe 1806 aber mürben fie burd) bie «Siege 33o= naparte’g genötigt, nad) ©tglanb jtt flüd)ten. Sh« n füllen ©i£ ju .fjartwell »erließ bie ^Prinjeffin jum erften SJfale auf bie ©ntabung beg fPrinjen Regenten am 4. Sitni 1811, jut ©eburtgfeier ©eorgg III. Ser 2fpril 1814 brachte ifjr enblid) bie Kunbe uon ber Söieberetfjebung ber föourbong auf ben Sfjron yon Stankreid), unb fd)on am 4. SJtai hielt fie mit bem .König ihren ©njug in fPatig. S3ei ber Butüdkefr Stapoleong nach Srattkreid) befanb fie fiep mit ihrem ©emahl in SSotbeattr. Sh« Bemühungen, biefe @tabt bem König ju erhalten, maren uerge-- heng, fie fchiffte fich nach ©ngtanb ein, ging nach ©ent unb kehrte non ba, bei ber neuen Betänberung bet Singe, nad) fParig jurfttf. Angriff. Sebet Kampf jerfällt in 2 Jpauptäufetungen, in Angriff unb SBertheibigung. Sie erflere wirb mit wenigen 3Iugnahmen ftetg bie »ortheiltjaftere fein, baher mahlt fie ber gefehltegelbhetr mo möglich felbft beim Bertheibigungg= friege. @g ifi9tid)tg uerberblichet atg ben 9Sortf)eit berfelben aug ber Jpanbju geben, unb eine ber wtdßigßen Aufgaben, ihn bem ©egnet ju entreißen unb biefen auf bie Bertfjeibigung einjufchranken. Ser Angriff richtet fich junächjt nad; ber Berfaßung unb ©fetlung beg ©egnerg, nad) bem Krieggjweck, nach £>rt, Moment unb Um= jtänben. ©d)on biefe Diückficbten laffen eine Btenge Kombinationen jU, welche bag ©enie benufsen wirb, um bie jebegmalige angemeffene §orm aufjuftnben; bie einfachffe unb übettafd)enbße wirb bie befie fein. Bon ber©emanbtheit unb bem Sftuthe ber Gruppen wirb bie punftliche unb fcfjnelle 3fugfuhrung abhangen. 'Mt 3 fngripformen muffen barauf berechnet fein, ben 3 wed unfehlbar unb 0 011 = ftänbig ju erreichen. Solglid) finb biejenigen bie »orjüglid^ften, mo alle Kräfte jufammenmitfenb gegen ben fPunkt beg ©egnerg geleitet werben können, auf wel-- d)em feine Haltung beruhet. Sß biefer fPunkt jerßört, fo löß fich feine SDfacf)t höd)ffeng noch in yereinjelten SLßibetßanb auf. 85igmei(en kann eg yortheilhaft fein, bie ßbwäcßße ©eite beg Seinbeg anjugreifen, wennbabutch feiner Stacht ber $£o= begftoß gegeben wirb; auferbem ifl biefe fßtapime nicht anjurathen, weit fie jukeb nen entfd)eibenben ©gebnipn führt, bie ßärketn ©eiten ju beffegen übrig läft unb bie Kräfte jerfplittert. Saft immer ift eg entfeheibenb, bie Kraft begSeinbeg ju fpalten unb bie getrennten einzeln ju yernidpn; bie fchledjteße 2 fngrip- form wirb bie fein, welche bie eigne Kraft in lange, fdjwache Sinien augbehnt ober biyergirenb jerfplittert, bie unglückliche enblich beffefjt in halben SDtafregeln, wo man ben jped nicht um jeben ^)reig ju erreichen fucht. 3knßatt bie Kräfte ju fd) 0 = nen, yerliert man fie mit bem S«eck jugteid), unb bieSpfer finb vergeblich gebracht. Sahin gehören fdfjlaffe ©ßütmungen, ohne 9tad)bruck, in bie 2änge gejogene S5e= lagerungen tt. bergt. — Sie feit ben ftüheßen Seiten üblichen Angriffsformen einer ©d)lad)t unterfcheiben bie Taktiker: 1 ) S» bie p a r a 11 e l e; fie fcheint bie natim lid)fte, unb auch ber Angegriffene ftrebt fie ftetg Jo yiel alg möglich fjcrsuftetlen, beim fo lange et fie feftjuhatten yermag, bleibt ihm Uberficht, Sufammenhang unb mög= üd)ft georbnete ©ttmickelung feiner Kräfte; eben barum aber ift fie nicht biebeftc 2fngtipform, weil ft'e ben Bettf)eibiger 51 t lange imBortheil läft. 2) Sie utw faffenbe, mo beibeflöget angreifen, bie Bütte ftd) aber jurückhält; einet fd)mäd)etn fronte begSeinbeg, wo fie nur möglich iß, fcheint fie atterbingg übet; wältigenb; wie umgekehrt 3) mit ber SOTitte vorsurücken unb bie Slüget jurütkju« hatten, ber mancherlei fjtadßheile wegen, bie ing 3fuge fpringen, fdjmerlich ge* wählt werben möchte. 4) ©ibtid) bie yielgepriefene fdftäge, oblique, mo ein Slüget vorrüdt, roährenb ber anbte, ben Seinb nur befdfäftigenb burch ©piegeb gefechte, jurücfgehalten wirb. ©paminonbag, wo nidjt ben ©rftnber biefer gorrrt, wufte fie bod) fd;on fetm yottheilfjaft anjuwenben; et häufte, wälftenb ber jutück* 2Cngfi 2Cnf)alt 295 gehaltene glugel bem geinbe jit thun gab, nacf) unb nad; immer mehr Ärdfte^auf ben bortücfenbw, ben er gegen bie glanfe beg geinbeg leitete, um fie su überwdltU gen, wag aud; trieft teic[;t feflfcflagen bann, fobalb ber geinb feine2fnffalten bage= gen trifft. Sn unfern Seiten fueft man biefe gotm noch anberg augsubrftefen: in= bem man ben geinb befcfdftigt, tagt man burd; entfenbete ©otpg feine glanfe ttm= geijen unb ibjm jugleid; auf tiefer ©eite in ben Üfücfen fallen. Saft er bag ruhig ge= fdjefjen, fo iff er bcflegt. Sie Sefd;dftigung beg geinbeg mdljrenb folc^er ftrategi» fd)en Operationen befielt meift in ©d;einangtiffen ober ©cheinbewegungen, bie man überhaupt Semonfirationen nennt, unb bie beg geinbeg 2fufmerffamfeit oon ben eigentlichen 2lbftd;ten weglenfen unb im Streunt erhalten follen. — Über ben Angriff ber gelungen f. Selagetttng. — gelbberfchanjungen werben mit 2fngriffgcolonnen, wo moglid) bon mehren ©eiten sugleid;, angegriffen, rafcf unb Srdftig erfiürmt. ©ewohnlicf bahnt bag ©ef d)U% vorher ben 2Beg, gerflort bie 5ßetfe unb fucht bie Sefa§ung ju angftigen. 5. 3 ( n <3 ft wirb oft alg ein hoblet ©rab ber gureft betrachtet. 2fnbre befiim» men eg, wie eg fdjeint, richtiger alg eine gurcht, bie mit bem @efül;l beg Unbermo* geng ftd; $u helfen, ober beg ©ebunbenfeing bereinigt ift, — man fonnte fte bie weibliche gurcht nennen, ©ie erfcheint nid)t bloß alg^ein rein pft;d;ifct)et Su- ftanb, burd; pfpefifefe Urfachen bebingt, fonbern aud; häufig burch feanffafte 3u= ftdnbe beg Äorpetg erregt. 3m le|tetn galt rebet man bon körperlicher 3fngft. Unb «ie fte im erffern galle fiörenb auf bie Sebengberticftungen wirft, befonbetg aber ben natürlichen Äteiglauf beg Slutg hemmt, einen 2fnbrang beg Slutg nad; bem ^erjen berurfad;t, bag 2ftl)men befchtberlich macht, fo bringt im anbern jebe bebeu» tenbe ©torung ber Sebengberricftuttgen, bornehmlich im Slutumlauf unb im 3lthemholen, welche hduftg burd; otgattifd;e gehler, -g. S5. ^erjfehler, bebingt ift, ©torung bet 2fb = unb 3Cugfonberungen unb eine bebeutenbe Sfeijung beg 9feroen= fpflemg bag ©efufl ber 2(ngfi fetbor. Sn ber ^ppochonbrie ift biefe 3fngfi etnfjei= mifch, fowie in berSBaffetfcfeu unb in gewiffen 3(rten beg Skhnftnng. ©owie aber bie 2fngfi bag laftige ©pmptorn gemiffer Ätanffeitett ift, fo ift fte bon anbern berSorldufet unb Serfttttbiger. Oft warnt fte bot gewiffen fcfdblichen ©inmit» fungen. — Sie 2t ng ft liebfeit ift eine leichte 2fngft ober bielmefr ein bet2fngft ftd; annahernber Sufianb, oft nur burch ju btel Überlegung unb Sebenflid;feit ent» ftanben. T. 2C n l; a Ü, bag 4?erjogthum, ift, wie faft alle beutfebe ©taaten, aug mef* ren flehten ßdnbetn sufammengefefst. Sie urfprüngliche S5eft§ungbeg f>ergogl. cfjau» feg war SSallenfiebt unb bie ba^u gehörige ©egenb. Sie Jffnen beg .fjaufeg Inhalt nannten fid; Herren bon Salfenftebt (im fpiattbeutfd;en Solen» ober Satenffebt) unb führten im SBappen 5 fd;watse Salten im golbenen gelbe, bag fte aud; bann, alg fte ftd; ©rafen bon 2(gfanien unb gurften su Inhalt febrieben, beibehielten unb eg nach ©aebfen mit herdberbrachten. Ser Seftjjet bon Sallenftebt, ©raf ©jtco, erbte bon feiner SJfutter $ilba, bie aug bem ©efchlechte ber ojllicfen SJiatfgrafcn entfproffen war, 1031 beten beträchtliche 2fllobien swifd;en bet ©Ibe unb ©aale unb hinterlief fte feinem ©ohne 2flbrecfjt, beffen jüngerer ©ohn, Otto, bie anfal» tifefen ©tammguter überfam. SieferOtto feiratfete bie jüngere £od;ter begehet» jogg Sftagnug bon ©ad;fen, ©tife, mit ihr bie 2tnfprüd;e auf bag £etsogtbum ©aeffen, bag et jebod; gegen bie ©uelf=©flen nicht behaupten fonnte, unb nannte fid; juerft ©raf bon 3fgfanien unb 2(fd;ergleben. ©ein @ol;n war ber berühmte 2Clbred;t ber Sdr, bet bie Sauftfj unb bie SÖtarf ©oltwebel 1134 erhielt, burch glutflid;e Ätiege mit ben Stöenben felbige mit ber fOfittelmarf bermehrte unb ber erjtefStarfgraf bon Sranbenburg würbe, ©r erwarb baju noch Orlamttnbe, ^lo^ fauunb beträchtliche ©uter in Thüringen. Son feinen 7 ©ohnert erhielt Otto bie SOfarf Sranbenburg, Hermann bie ©raffchaft Orlamunbe, unb Sernharb bie an» 296 Hn&att ßaltifhcn 2fllobiert mit fPlogfau unb ben thüriitgifchen ©ütertt. 25er ©tamm bec beiben ©tßern ßarb aus, aber S3etnl)arb mürbe bet nähere Stammvater bet jegigen ^Krjoge von 3l'nf)att unb 1180, und) bet HfchtSerEldrung f)einrid) beS Soweit, 4>eräog von ©acgfen, welches er auf feinen äiveiten @of)tt Älbtedß, baS 2fnf)alti= fege aber auf ben altern, t£) e i n t i d), vererbte. Siefer fieintid) führte guetfl: ben 3ä= tei Surft jU 2fnl)alt, unb Unterlief 3 ©ohne; fieintid) ben Setten, meldet 3ffd)erslebeit, ben ^Jarj unb bie thüringifd)en ©fiter für ftd) nahm, unb bie afd)er6= lebettfd)e bis 1316 blühenbe Sittic ßiftete; S5erni)atb, welcher S3allenßebt, S3ern= bürg unb einige ber tl)üringifd)en ©fiter ftberfam unb bet Stifter ber alten bernbur= ger, bis 1468 blüljenben, 2inie mürbe, unb ©iegfrieb, meldet in ber Kf)eilung 25effau, Äothen, ÄoSrnig unb DioSlau überfam. 25ie von biefem Settern geftiftete £inie brachte 1307 bie ^ertfcfyaft 3etbß unb 1370 bie ©raffdgaft Sinbau an ftd), unb teilte ftd) 1396 abermals itt2 3meige: 3etbß, tveld)er 1526 ertofd), unb 25effau, in weld)em ber ©tamm fortblühfe. Soadjim I. aus biefer giniebefam bie fdmmtlidjen atthaltifd)cn Sanber, fo viel bavon nod) übrig ivaren, tvieber jtf= fammen, vereinigte fte in ein ©an^cS unb legte babutd) ben ©runb ju ber nacf)= Ijerigen fßetfaßung biefer Sanber. ©r ftarb 1586 unb fßnterticß 5 ©ohne, von tveld)en 4 fit in baS väterliche ©tbe, 1603, bergeftalt teilten, baß ber altere, Soljann ©eorg, 25eßau; betjtvcite, ©htißiatt, SBernbttvg; ber vierte, Otubolf, Berbft, unb ber fünfte, Submig, Äotljen erhielt; ber britte, 2luguß, tvurbe mit ©elb abgefunben, hoch befielt fld) berfelbevor, baß bei bem Abgänge einer ber 4 Sinien er ober feine 9lad)fontmen in beten 2fntf;eilc folgen follten. 25ieS Segtere ge= fd)«f> 1665 (f. Äotf)en), wo beffen ©ohne beit bamalS erlebigten fothenßbeit 2fntheil erhielten, ©o blühten in bem >£>aufe 2(nf)alt 4 fürftlidje Sinien, bis 1793 bie jetbßet mit bem Sürßen Stiebrid) 2fuguß auSßarb, tvorauf beren 2fntheil bis auf bie 2lllobialljetrfchaft 3ever, welche an bie rufftfche 25pnaßie unb fpaterlßn an bie holßein = gottorp’fche beS fjaufeS Oldenburg gelangte, unter bie 3 Sinien 25ef fau, SSetnburg unb Äotf)en vertl)eilt tvurbe. 2)iefe 3 Siniett beßegcn noch legt unb haben ftdf) burd) baS eingeführte ©rßgeburtSrecht vor tveitern Steilungen bewahrt, fobaß bie nachgeborenen ^Pttnjen mit einer Tfpattage abgefunben werben. 25ie biS= I)er regietenb getvefene fotgenfte Sinie iß jmar im 25ec. 1818 mit bem minberjäh 5 rig vetßotbetten legten jtveige berfelben erloßhen, baS £anb jebod) an bie apana» girt gcwefene Siebenlinie biefeS ftaufeS, 2fnh«lt s fPleß, gefallen, unb alfo in politi« fdjer >f)inftd)t baburd) feine 2fnberung eingetreten. 25ie bet Slebenlinie 2lnl)alt= SSernburg = ©taumburg unter bernburgifcher SanbeSgoheit überlaßen getvefenett 4 2fmter ^opm, geig, SSelleben unb Stofe ßnb nach bereit ©rtoßben im fßlannS-- ßamm 1812 an bie Stnie 33crnburg sutücfgefallen. 5m 2fpril 1807 nahmen bie Sürßen von 2fnf>alt ben fterjogdtitel an. 25aS $aud iß bem beutßgen SSttttbe beigetreten unb gatmitOlbenburg unb ©djwarjburg gemeinßgaftlit bie 15. ©timme in bet SSunbeSverfammlitng; im Plenum führt jebeS ber 3 Raufer eine befonbete ©timme. 5ebeS berfelben hat in feinem 2fntf>eile bie ganbeSgogeit, bod) ßehen alle 3 in einer ©efammtung, nach welcher nicht allein jebet ßinie bie (Erbfolge in ben2fntf)ei= len ber übrigen Vorbehalten, fonbetn aud)bie lanbßanbifd)eS3erfaßung unb baS ba= von abgangenbe ©rebit= unb ©djulbemvefen von bem ©efammthaufe abhängig iß unb unter ber obetn Seitung beS jedesmaligen ©eniorS beS fjaufeS, jcgt begfterjogg von SSernburg, ßegt. 25aS gerjoglite £auS führt einen gemeinfdjaftlidjen S£itet uttb SBappen unb iß ber reformirten 9veligton jugetgan, woju ftd) au^ ber größere Sheil beS EanbeS befennt (©nbe 1825 trat tttbep ber >£)erjog von Äothen nebß f. @emaf)= lininß)ariS jur fatholifcpen Äirche über); bod) ftnbenftd) unter ben ©inw. auch viele Sutheraner unb einige 5uben. 25ie Sanber beS Kaufes Inhalt — äufammen 48 nßJl. mit 130,000 ©., ohne bie mittelb. SSeftgungen — liegen größtenteils jwtfdjen bem ^arje unb ber ©Ibe unb ftrtb von ber preuß. fPtovinj ©achfen einge= 2Cnf>aItifd)e @ncla»enfacf)e 2Cnfer 297 fdjloffen: fruchtbare 2änbc-r mit wof)lh«benben Sewohncrn, bie theilg oom 7fcEer= bau unb ber Vichjucht, im Sernhurgifchen aber auch vom Scrghau ftdj nähren unb nurunbebeutenbeSJJanufacturenunterhalten. (©. Seffau, Setnbutg, Ho = ti)en, 3BorIi&.) ©. ©tenjel’g „vjpanbbud) berInhaitifdjen ©efchidpe", 1821, unb (gegen bie 'Ingriffe oon Vtann, Sdntfd) u. I.) ben Inhang baju, 1824. Inhaitifche @nclaöenfad)e, f. ©nclaoen. I n i d) (?>etet), bet befannte tiroler Sauer, Ipronom unb ©eogtaph, fleb. 1723 ju Sberporfef bei Snfptucf, geff. 1766. Sn ben erften 28 S- feineg 2ebeng war er, gleich feinem SSater, 2anbmann, ber fein gelb felbft bearbeitete, aber jung ein Verehret ber SSiffenfchaften. Sie Sefuiten in Snfptwf bemerkten fein Salent unb gaben ihm Unterricht in 2Jfed)anif unb Vfathematif. Sieg genügte bem jun= gen Spanne, fid) nun auf bag Verfertigen eineg ^»immelgglobug, eineg anbern für bie ©tbe unb uerfdpebenet mathematifdjer Snprumente ju legen. Ilg fein 2ef)= rer, ein Sefuit, mahrnahm, bafj biefe Ivbeiten oorjüglid) geriethen, fo empfahl ..er ihn ber Haifetin SOtaria Sherefta, unb biefe trug ihm auf, eine Glatte vom notb= liehen Sirol ju entwerfen. Ser Ibcrglaube feiner 2anbgleute machte ihm feine Sßejftmgen fd)Wierig; fogar waren fic mit 2ebcnggefaf)t oetbunben. ©nblid) fam bie ©harte jtt ©tanbe, aber man fanb in 5öicn, bap fic ju grop gerathen Ware, unb «erlangte bie Kebuction auf 9 Sldtter. Siefe Umarbeitung mad)te ihm viele SKühe, unb er ftarb «ot ber Vollenbung am 1. ©ept. 1766. 1774 erfchien enblid) bie (5harte u. b. S.: „Tyrolis geographice deliaeata a Petro Anich et Blasio Huever curante Ign, Weinhart". Infarpront (Sohann Safoh), ber Vtorber ©upaog III., war anfangg jPage am fdjwebifdjeit Jpofe, bann Unterofpcier beim 2eibregimcnte, inbergolge gdhnbrich bei ber Seibgatbe. ©ein Vater war Sberplieutenant unb Sitter oom ©chwertorben. ©t hotte einen leibenfd)aftlicf)en unb büfiern ©harafter unb bc= wieg ein fteteg Vtipoergnügen mit ben Vtaf regeln beg Honigg, Junta! alg biefer bie SJtadjt beg ©enatg unb ber ©rofen einfdjrünfte. .fjierju fam nod) iprioathap we= gen eineg verlorenen ^roceffeg. 1783 erhielt er feinen Ibfd)ieb, heitatljete, jog aufg 2anb, fam aber 1790 wieber nach ©tocfholm. ©t vereinigte ftd> tptroit mehren eom Ibel, namentlich mit ben ©tafen $otn unb Sfibbing,. ben greiherren Sielfe unb *Ped)lin, bem Sberplieutenant 2iljef)ortt u. I., unb fie befdpoffen beit Sob beg Honigg. I. bat, ihm bie lugfühtung ju übetlaffen, allein Stibbing unb $otn pritten mit ihm batum; fie loften, unb bag 2oog entfehieb für I. ©ben hatte bet Honig einen 3?eid)gtag in ©efle jufammenbetufen (1792), unb bie Ver= fehworenen gingen bahin. ^>ier fanb fiel) jebod) feine ©elegenheit, ihren ^)lan augjufuhren. Sie Sefclpüffe beg 9feid)gtagg erbitterten fie nur nod) mehr. Ser Honig fam nad) ©tocfholm jutttef; man mupte, bap er ben 15. Vfarj bie 59lagfe= rabc befuchen würbe. Jiner fdjop I. auf ben Honig unb perwunbete il)n tobtlidp. (Vgl. ©uflau III.) ©r warb entbetft, fepgefefct, unb gepanb fein Verbrechen, weigerte ftch jeboch, bie SJlitoerfchworenen ju uerrathen. Im 29. Ipril 1792 5 um Süobe «erurtheilt, warb er mehre Sage mit Stuthen gepcitfdjt unb auf einem Harten aufg ©chaffot gezogen. Überall bewieg er bie gropte 9fuhe, rühmte ftch feiner Shat, unb enbigte fein 2ebcn 31 Sahre alt. Sie ©rafen $orn, Svibbing unb ber Sbctp 2iljehorn würben für immer beg 2anbeg vetwiefen. I u f e t: 1) Sn ber Vaufunjl mancherlei Irtcn gefrümmter Hlammern unb $afen, womit man beim Sauen ©teine, ^>o(§, Salfen, ©dttlen, SSanbe tc. fejler oereinigt. Slad) bem «erfdpebenen ©ebraudje nehmen fie oerfd)iebene 9ia= men unb ©epalten an, inbem fte halb alg ein S, X, Y ober T unb nod) an* betg gebitbet ftnb. 2) Sn ber ©chifffahrt bag Sffierfjettg, weldjeg bepimmt ip, bag ©d)ip auf ben glühen, auf ber ©ee ober im $afen fepjuhalten. ©ie ftnb oon fo oerphiebener ©tope, bap ihr ©ewicht oon 25 — 6000 jPfunb anpeigt L 298 Auflage Änfyloftö Stad) ihrer mannigfaltigen 35efiimmung erhalten fte »erfdfjiebcnc Stamen. Sec ©chipanfer ift eine große eiferne ©tange ober Stuthe, welche unten 2, aud) wol 4 gefrümmte unb mit fpigjugehenben ©djaufeln oerfehene 2(tme erhalt. SJtan fjat auf ben »ottftönbig nuSgerufletcn ©d)ipn q>flidjts ober Stothanfer, bie größten, welche nur in ber außerfiettStoff) auSgewotfen werben; bie mittlern ftnb ber große unb ber fleine SSuganfet, bie fleinern ftnb ber ©tcom = unb ber $lußan-- fer. — Sen ttnber auffegen, heißt ben tlnfer auf ben Kranbalfen, bervotn auSwenbig am ©d)ip beftnblich ift, bringen unb baran befeftigen. — Sen 3fnfer bef leiben, heißt bie ©d)aufeln beS 2fnfetS mit 33tetcrn wegen beS fd)led)ten, b. h- baS 2fnfer nicht fjattenben ©runbeS «erbinben, um ju »erhinbetn, baß baS ©d)iff nic()t fcfjleppt. — Sen tfnfer fappen, heißt baS Sau beS timferS ab= hauen. SieS gefcfjief)t, wenn man dile fjat, um beim ©türm fdjnett in bie hohe ©ee ju ftecfjen, ober weit ein ©djiff einem daper entfliehen ober ein anbteS ©chiff rafcf) angreifen Witt. — 2Cnf!ern, oortl'nfer [egen, 2Cnfer werfen, bebeuten MeSpe= ration beS 2tuSWerfens beStCnferS, um bag ©d>iff fteljenb ju machen. — Sutd) £i cf)titng bcg 2Cnf erg jief)t man fotctjen in bie -fjöhe, unb nun fann bag ©cfjijf fortfegeln. — Sag 2fnfer fd) [epp t ober treibt »orttnfer, wenn eg im 5fnfer= grunb nicfjt fefi liegt, unb berSBinb ober biegtut ober dbbe bag ©d)iff fortführen.— 2Cnüergrunb ifi entweber ©anb, ©d)licf ober ©teingrunb. drfterer, »ermifd)t mit SJtufcheln, halt bag 2fnfer am beften, weniger gut ©d)licfgrunb, am fchledjte« ften ©teingrunb, worin tfnfec unb Saue ftch leicht befdjdbigen unb legtete bred)en. — hinter haben ift ein am Saue befefiigter £aben, womit ber Sfnfer aug bem ©tunbe loSgemad)t wirb. —■ 3f n E e r g e t b ift bie © ebüljr, welche jeber ©c^iffer für bie drlattbniß, auf einer 9?f>ebe ober in einem $afen 2tnfer ju werfen, geben muß. Solches bejah tt nach ©eerechten immer bet ©djiffer, niemals ber SSerftdjerer; eS gehört nid)t ju ben ^jaoereiEoften. — 2fnberred)t ifi bie 33efceiung oon biefem 2fnferge(be. — tfnberftodi ift ein großes ©tücf «gjolg, woran ber ©tiel be$ 2fnferS befeftigt ift. — 2(n?cr = ober Kabeltaue ftnb große, bicfe>£anffei(c, bie an ben tfnter gebunben werben, um mittetfi berfelben baS ©chiff t»or SfnBer gutegen, gewöhnlich 120 Klafter lang. — 3Cn?erwdexter oberenferbuoi) f ft ein großes ©tücf $olj ober aud) eine auf bem 5Bapr fd)Wimmenbe Sonne, um oie Sage beS 2(nferS auf bem ©runbe anjujeigen. Auflage (accusatio), ein Antrag bei bem 9tid)ter auf Einleitung eines ©trafüerfat)reng gegen eine bejtimmte fPetfon, wobei ber 2(nfldget aud^» bie S3e= weife f)crbcifct>affen muß. 3ur 2fntlage ftnb nicht nur Sie, welche burd) ein Söer= brechen befd)dbigt würben, bie nachften SSerwanbten eines ©rmorbeten, fonbent wenn baS S3etbred)en ein gemeinfdjdblidjeS ift, auch atte 2lnbetn berechtigt. Ser ©taat beftettt aud) wot offentlid;c 35eamte (öffentliche 2fnftdger, giScale, Kron= anwalte), welche als 2fnBldger auftreten. Ser in dnglanb übliche 2(nflageproceß (appeal) ift 1819 abgefdjafft worben; fegt werben bie driminalpcocep burd) ©taatSanwölte, jebod) mitäugiehung beS befdjdbigten SheilS (prosecutor), U- trieben. 5m beutfdjen gemeinen Stecht ift ber 2fnülageproceß jwar ungewöhnlich, aber nicht gefcglid) abgefchafft, wag jebod) in oielen Sdnbcrn (Sjtreich, fPteußen u. f. w.) burd) bie befonbere ©efeggebung gefchehen ift. SSom 2fntldger ift öerfchie» ben ber 2fngeber (Senunciant), welcher bie SSerbachtSgrunbe nur bem Stichter am geigt, unb ihm beren SSenugung überlaßt. 2fber auch er muß bie 5Saf)theit feinet Angaben beweifen fönnen, wenn ec ftch nicht ju ^)roceßfofien unb ©träfe tterur= theitt fefjen Witt. Ser SenunciationSproceß mancher Sdnber ift nur ein weniger förmlicher3fnftageproceß. (©. driminalproceß.) ?fnfi)loft §, ©teiftgfeit ber@elenbe, im engem ©inn unbewegliche 33er= einiguttg, SSerwachfung ber ©elenbe. Sa8 Safetn ber Äranfl)eit oerrdth ber 2fugenfd)ein. 3« foldtcr gefetten ftch öiSweilen mißgefialtenbe Krümmungen eini* 299 Anlage ger ©lieber, unb bei bet 2fnbt)lofe ber ©efjorbnocfet Taubfeit, beS Unterbieferge= lenbö Unvermögen ju bauen. Die 2fnbplofe bann ©cfwinben eines ©liebes unb ©lutungen, fPutSabergefcfwulfte u. bergt, veranlaffen, ja ben Tob I;erbeifut;ren. Sm Anfänge biefer Äranbfeiten pflegt bet Ätattbe ©djmerj in ben ©Hebern, ein mef)t ober weniger fiatbeS ©erdufd) bei bet Bewegung, ©efuft bet ©cfwdcfe, Unvermögen, baS ©Heb wie im ©tanbe bet ©efunbfeit ju richten, waf rju= nehmen, ©ine Jfnbptofe entfteft gemeiniglid) aus mefren Utfacfen unb wirbt tfeitS auf ben ganjen DrganiSmuS beS ÄorperS, tfeitS nur auf ein anbploftrteS ©Heb. Die 2bnbptofe ifb bisweilen erblich, baS 2blter unb befonbetS bas mdnnlicfe ©efd}ted)t ifl ifr unterworfener atS baS weibliche. Die wafte 2bnbt)lofe ifi unfein bar. 2fuSfd)weifenbe SBefriebigung beS ©efcjjlecftStriebeS bann ju biefem Seibert mit beitragen. 2£nlag e bebeutet bie ©runblage unb ben Anfang einer ©adje; in ber Tecf)= nib bet fd)bnen Äünfie ben Entwurf vor bet IJfuSfttfrung eines ÄunfitvetbS, in weitem aUe wefentHdfe Tf eile beffetben angegeben ft'nb. 2öollte ein Äunftlet ofne einen folcfen Entwurf fogteid) jur 3buSfui)tung fdjreiten, fo tiefe et ©efaft ein 5Berb ju liefern, baS webet Einfeit fdtte nod) ein fcfoneS ©anjeS auSmacfyte. 3n ber ©artenbunfb feift aber Anlage baS nad) einem ^)lan Angelegte, bie ange= orbnete lanbfdjaftticf e Umgebung. 5n bet *Pft)cf ologie nennen wir Anlage bie in= netn SSebingungen, butd) welche ein menfd)lid)eS .panbeltt ober Seiben mögticf wirb. ©S gibt eine allgemeine menfdfjlicfje Einlage unb eine ittbivibuelle ober per= fontidje. $ebt ftdb> bie Anlage beS SJJienfcfen fo fervor, 5 . 33. in ber Erlernung unb Ausübung einet Äunfi, fo nennen wir bie Anlage aucf Talent (f. b. unb gaf igbeit). Anlage, DiSpofttiondn mebidnifcfet v£unftd)t, ifi ein Buffanb beS ganjen menfcf tiefen ÄorperS, ober eines feiner Drgane, jtt einer Äranbfcit ober ©cftvatfe,- wenn fte aucf nod) nicft epifftrt ober wenigstens nicft bemerfbar ifi. — Das 2flter, baS ©efd;led)t, baS Temperament, baS ©ewerbe, bie SebenSart, bie ©rblicfjSeit, baS ÄHma, bie fpecietle Eigcntf umlief beit beS gefammten DtganiSmuS, bie be= fonbere dufere ©tructur, bie 33erfd)iebenfeit ber anatomifcfcn ©tructur mancfer Drgane, früfet fiberfianbene Äranbfeiten, baS SSetfcfwinben ober 2C«f£)6ren ge= wiffer Siatuvfidnbe, enbtid) gewiffe fertfcfenbe Ätanbf eiten, beforbern ben wirfti= d)en 2buSbrud) ber butd) bie Anlage vorbereiteten DeSorganifation beS gefunben 3ufianbcS. — Da ftd) bie gef ter beS innern DrganiSrauS fetten bttrcf dufere >3ei= d)en, efe ftd) bie Äranbfeit fcfon auSgebübet fatte, verratfen, fo bann man nur fetten bavon allgemeine SKetbmale angeben. 33ei ber befonbern aufetn ©tructur beobad)tete man tdngfi, baf ein großer Äopf auf einem furjen fpalfe eine Tfntage pn ©cflagfluffe, unb baf eine bteine ferufi eine fd)Winbfüd)tige Anlage vet= ratfe. Ungleid) gebaute Drgane, bie mit einanber fo wenig ubereinfiimmen, baf fte ftd) einanber im SSege ft'nb, muffen Äranbfeiten bitten, ba jebeS Srgan ge= wiffermafen eine eigne Säitalitdt f>at, bie in einem Drgan leidster verlegt werben bann als in einem anbetn. ©0 ftnb bie 35ruf!e bem Ärebfe auSgefefjter als bie ©peicfetbrufen. 3m einem giberngeflecfte dufert ftd) ein SSlutflitf leicfter als in fdutigen Tfeilen. Einmal ftberffanbene Ätanbf eiten erneuern fiel) oft wieber, fo ber ©cflagfluf, bie ®icf>t, EngbrujUgbeit, 2 ungenl)ufien, 2 ungenentjtmbun= gen :c. SSerfdjwinbet eine gewiffe Ärdnbtidjbeit, fo entfielt bisweiten getabe butd) bie Teilung einer DeSorganifation eine anberS mobifteirte. ©0 burd) baS 3Ser= fefwinben ber monattiefen Ofeinigung manefe 85lutgefd)wu(j!, unb burcf bie ^>ei= iuttg »on ^autwunben werben innere Tfeüe oerlebbarer. Die ©brofetantage bitbet leidjt Supationcn unb Neigung jum Ärebfe, Änocfenbrudje je. ©emeiniglid) fat eine Äranbfeit mefre DeSorganifationen jugleid) jur Urfacfe. ©efefidte 2brjte wirben, wenn fte ÄranbljeitSgefaften oorauSfefen, ber ©ntftefttng gern entgegen. 300 2fntdnbung ?fnletf)en Einige Äranf^eiten erleibet ber jStenfcl) nur ein SJtal im Seben, unb bie Äunft weijj einige fefjr ju erleichtern unb bewirft bod), bafj fte nicht wieberbehren. Sfnldnbung (SanbanwadjS, 2fltu»ion, 2fnwad)S), eine metbwürbige Erfdjeinung längs ber beutfdjen Äüfte ber jJtorbfee. Sie glut be§ SKeeteS, welche hier unb an ben Ufern ber glüffe, fo weit bie glut hinaufjieigt, 2 S0?ai täglich hincmläuft, fegt nn ber fdjrdgen gladje beS UferS ben fetten ©cf)lamm, ©d)licE genannt, ab. SDBenn fiel) biefer Schlief lange 5af)te erhöht imt unb feiten mehr »om SOTeere überfdjwemmt wirb, fo pflegt man ihn ju bebeidjen. SCnfangS ift bet and bem SJteere ftd) erl)bhenbe S3oben fahl unb unbenarbt. Sie erfte 23egetatioit eines foldjen SSobenS ift bie Salicornia maritima (Stuenbel, Ätücffuf, @taS= fdjmalj, ein faftiger Salat), ©ie bauert fo lange, als fte bie tägliche glut be= jpült. SBirb ber SSoben hoher, fo folgen anbre fPflattjen, j. S3. Poa maritima (©eetiSpengraS, 2(nbel), unb auf fef)r fettem 2(nwad)S Aster tripoleum (Wim-. fternfraut, ©ülte), ein@ewdd)S, 1—6gujjf)od), mit r6thlicf)=btauen SSlumen unb gelben Äelchen, baS ebenfalls bem 2fnbcl, einer guten Nahrung für baS 3finb= «ieh, weicht. SefjtereS hat mehre fleine, hohle/ fnotige tjpalme auf einem ©tengel. Ein foldjeS mit ©raS bewachfenes Sanb ohne S5ebeid)ung, hier unb ba soll ©tet len mit SBaffer, nennt man dpeller, ©toben, 2lufj enbeichSgroben, 33 o 1 1 a n b, unb benu|t folcheS jur SBeibe ober jum $eugeminn. Erft wirb es »on ©anfen, bann »ott ©ci)afen, julegt «on Svittboieh unb gerben beweibet, wenn bie SJtenge bet Sföeibe erlaubt, 2ÜleS ganj fo ju bettu|en, wie eS ber hod)fte Ertrag beS SSobenö bebarf. jgm >£>ersogtbum Slbenbutg ift ber SanbeShert im SSeftfc alles SSorlanbeS, fobalb er eS bebeid)en ober »erpad)ten will, in «fjolftein unb im 33temifcl)en eben= falls, im Sanbe fabeln, im2fmteOtigebüttel, inSftfrieSlanb, an allen glup= ufern, ift baS .fjerfommen »erfdjieben; fogar unterhalt nach einigen Seid)ted)tm ber SanbeShetr ober ber Erwerber beS bebeichten ©robcnS nicht immer ben neu ange= legten Seid). >£jiec unb ba »erliert fogar ein Eigentümer burch 2luSbeid)ung fein Eigenthum am auSgebeidjten Sanbe. Siefer SEhcil ber ©efeggebung »erbient fehl' nach S3illigfeit bearbeitet ju werben, benn baS prüctliegenbe SRarfchlanb »erliert bisweilen fel)t an ©üte bttrcl) eine SSebeiafjung beS 33orlanbeS unb burd) unju= reichenbe SBafferlofung, welche bie Entwdfferung nicht genug befbrbert. Se|t wirb biefer Übelftanb freilich feltener ftattfinben, weil unfere Seichbeamten mel)i grünbliche Erfahrung in ihrem gad>e hüben als »otmalS, wohl aber auf einem fd)on lange bebeichten SSotcn. — 3tfid)t an allen ©teilen am ©ftanbe fd)!idt ftd) SSortanb auf. Es ift aber wegen beS hohen SBattS an ber ganzen Dtorbfeefüftc wabrfcbctnlicl), bafj man fünftig noch »iel mehr als bisher Sanb gewinnen witb. SSon »ielen SBattcn, bie je&t baS SJteer jurßeit ber Ebbe entblopt, wiffen wir, bafj fte einjt Snfeln ober fefteS Sanb waren. Sie Äunjt beS 3Kcnfd)en beforbert inbef ben 3fnwad)S, inbern man burd) baS 2fujienbetd)Slanb, welches bie tägliche glut befpult, mehre parallel laufenbe ©rdben jiel)t unb nad) ber Sanbfeite auS= wirft. Siefe ©rdben füllt ber Ebbcfchlitf halb wieber. 2fud) biefe Erbe wirb wie* ber auögeworfen, bann legt man Sdmme burd) bie niebrigen ©teilen beS 23otlam beS, bamit aud) hier baS Sanb hoher werbe. Surd) gleiche SSorftcht fucht matt jebeS breite ober fd)tnale SSortanb ju erhalten unb ju erhöhen. 21 n lauf, f. 21 bl auf. 2fnleit)en (öffentliche). SBenn ber ©taat ©elb borgt, fo macht er eine öffentliche 2Cnleibe. ES fonnen ndmlid) gälte »orfommen, weldje 2CuSga» ben »erlangen, woju bie orbentlid)e Einnahme beS ©taatS nicht mehr hinreid)t. 2ßentt eS nun in foldjen galten entweber nicht mogltd) ift, bie gewof)nlid)en Eit» nahmen burd) Erhöhung ober S3ermel)rung ber 2fbgabett um fo »iel ju oetgtofern, als eS jur Etreidjung jener ßwede notfjig fein würbe, weil baS SSolf nicht mehr 2(bgaben geben fann als es fdjon gibt, ober weil wenigftenS feine Erwerbmittel 2CnIetyen 301 brtbuccf) fo gefchwädjt werben würben, baß eS in feinem fBetmögen bnbutch jurücf= filme wnb in ber golge nicht mehr fo viel hervorbtingen fönnte, «18 notijig iff, bie btStjotigcn 3f6gaben ju bejahen: fo wirb eS ber Staat rathlich ftnben muffen ju borgen, unb bie fo entffanbene Sdjulb fo lange 51t verjinfen, bis er ffe wieber nach unb nad) abbejaf)ten fann. — SBenn begleichen 3fn(eif)en ju einem 3wecfe beffimmt finb, woburd) bie Mittel ber fProbuction vermehrt, bie 9Jtad)t bcS Staats verfiarft unb bie fgnbuftrie vergrößert wirb, fo ft'nb bie SBirfungen foldjer 2Tn(ei= (jen benen gleich, welche ein inbufiriöfer ©ewerbSmann macht, um fein ©ewerbe ju erweitern unb ju vervollfommnen. ©elingt ihm biefeS, fo wirb er baburd) fein föermögen vergrößern, unb ber@ebraud), ben er von feiner 3fnteif>e mad)t, wirb felbft bie SDfittel hetvorbringen, wovon er baS erborgte dapitat wieber bejahten fann. SiefeS wirb aud) bet galt mit bem Staate fein, wenn er bie angelieljctten (Kapitale verwenbet, um ber Nation erweiterte 2fbfa|jwege ju eröffnen, eS mit anbern reifen Sanbett in föetbinbung ju fe(sen, bie feiner fgnbuftrie ju tfjun geben, ober wenn er bem ^anbel Sicherheit bamit verfdjafft, bie dommunicationSmittel vervollkommnet u. f. w. 2Benn aber ber Staat baS ©elb, was er anteif)et,' ju 3wecfen verwenbet, MefJUchtS gut föermeijrung beS SRationalwohlS beitragen, wenn baS Geborgte in nuljlofen ober unglucflidjen Ätiegen vertfjan ober fonft unfruchtbar verbraucht wirb, fo hoben begleichen öffentliche 2fnleib)ert foigenbe Söirfungen: 1) fie entgehen bie dapitale ber probuctiven Arbeit ober bem ©enuffe unb wib= men fie ber öffentlichen donfumtion, nach beren föerwenbung feine Spur von ihnen mehr übrig iff; 2) ffe vernichten alle 8Sortt)eile, welche mit ben dapitalen h‘tt= ten gewonnen, ober boch alle ©enuffe, welche ber Station baburd) hotten verfchafft werben fönnen; 3) fie legen ber Nation bie Saft auf, bie Sinfen beS geborgten unb vermehrten dapitalS fo lange ju bejahten, bis fie baS dapital felbft wieber bejahten fann; unb 4) baS dapital felbft muß, wenn eS jurücfgejahlt werben foll, von ber Station von neuem hervorgebracht werben. Sie dapitaliffen, welche probuciren helfen, wenn fie ihr dapital Unternehmern leihen unb bann ihre 3infen von ber fßrobuction ihrer dapitale erhalten, werben ttnprobuctive dinwofner, fobalb fie eS bem Staate leihen, unb biefet eS nugloS verthut; benn mm (eben ffe von ben fPtobucten frember dapitale, ba fie vorher von ben fProbucten ihrer eignen lebten. Snbeffen fönnen boch in bem Staate Anleihen nothwenbig werben, unb bann ift nur bie grage, welches bie vortheilhaftejte ©fethobe iff, fie ju machen. — din v^auptunterfchieb unter ben Anleihen befteht bartn, baß bie ^Regierung entweber bie 0tüdjahlung beS dapitalS, baS fie wöl)rcnb biefer Seit verjinfet, ju einer bc= ftimmten Seit verfpricht, ober baß fie fid) bie greiheit Vorbehalt, baS dapital nad) S3elieben ju behalten unb nur bie 3infen bavon regelmäßig ju bejahten. Sm le(j= tern galle verfidjert ffe bem drebitor bloß eine regelmäßige jährliche Diente, fo lange fie baS dapital nicht jurficfbejahlt. S5eibe 2Crten laffen vielerlei nähere S5efiimmun= gen ju. Sie erftere 2frt wirb für ben Staat (eicht befdjwerlid), weil ihm bie 9iücf= jahlung oft ju unredjter 3eit fommt. SnSbefonbere hot bie Dftufjahlung großer Summen baS 9Rad)tfieilige, baß bie -Station, wenn jutöcfgejahlt werben foll, von ber SSaarfchetft entblößt wirb. Saher pflegt man große Anleihen fo einjurid)ten, baß entweber bie SKucfjahlung nur allmalig, in vielen Terminen gefehlt, ober baß fie ganj unbeffimmt bleibt. dS laßt fid; jebod) bie [entere SRettjobe bet 2Citlei= ßen nid;t eher anwenben, als bis 1) ber Staat, we(d;er bcrgleid;en Anleihen ma= cfenwill, fid; fo viel drebit erworben hat, baß ihm bie dapitaliften ihr ©elb unbe= bingt anvertrauen, unb 2) baß fid; große dapitale in ben $anben vieler reichen Seute gefammelt hoben, welche ben größten SSortheil babei ft'nben, biefelben in Staatsanleihen anjulegen, fobaß bie SRachfrage nad) Staatsrenten fo ftarf ge= Worben iff, baß jeber Sntjober berfelben fie leicht wieber für baS dapital, baS ffe ißm foften, verfaufen fann. 2Bie in dngtanb, granfreid), Sftreid) unb anbern 1 302 2CnIcif>en Staaten öffentliche Anleihen in bet $otm von jtoifrenten, Seibrenten, o n t i n e n u. f. w. gemacht werben, wie man 2 o 11 e r i e n baju gebraucht, bann man in biefett Art. nachlefen. Sie SDtetbobe, welche bei einem gut begrünbeten Crebitfpflem al«bie vottl)eilf)afteftebefunben ifl, haben bie einfld)t«vollften Staat«; mdnner barin gefunben, bap fte blop bie richtige S3ejal)lung ber bebungenen $infen auf immer ftdfjerten, bie Stücf jatflung be« Kapital« aber bem SSetieben beö Staat« anheimfiellten. SJtan nennt biefe bie gunbirung«methobe, inwiefern man babei einen beftimmten unb ftdjern gonb« jut ewigen SSejafjlung ber 3infen anweifi. SJtan verfauft babei ben Capitaliften Seicht« al« jährliche Stcntenverfldjerungen. SJtan nennt fte perpetuirlid)e Annuitäten. Sie haben ihren Utfptung in Cnglanb, ft'nb aber nadlet in $ollanb, Sranfreicp, Stuplanb, £>flreich unb vielen anbern Steicpen nachgeahmt. Um nämlich and) für Stücffauf be« Capital« ju forgen, hot man einen Tilgung«; ober Amorttfat io n«fonb« neben unb mit bemjenigen gonb« jugleid) gefliftet, welcher jur 33ejal)lung ber Stenten bient. Siefen ftflafft man ftd) burd) eine Abgabe, bieffogtop ifl, bap bavon nicht nur bie ; Stente, fo lange fte bauert, befahlt, fonbern auch jährlich ein S£f)eil ber Capitatfcpulb ' getilgt werben fann. Siefet 3älgung«fonb« wirb jährlich vergrößert, wenn bie jährlich jurücfgefauften ober burd)« 2oo« eingegangenen Annuitäten bemfelbcn ju= gefdflagen unb ju vermehrter Tilgung ber Sdjulb angewanbt werben. (S. Sil; ' gunggfonb«.) Stad) biefer SJtetbobe borgt ber Staat eigentlich nicht (Kapitale, fonbern er verkauft Stenten unb verfcfafft ftd) burd; biefen S3etfauf ba« benotf>igte ®etb. Um fid) jeboch einen beflimmten fPtei« für ben Stücffauf ju fiebern, fflitf et beim SSerfauf ba« Capital, für weld)c§ if>m bie Stenten wieber abgelaffen werben muffen, ©emeinigtid) feljt er biefen fPrei« auf hunbert fefl. Set Contract, web cfen er mit ben Capitaliften fdfliept, iff folgenber. Cr fagt: 3fd) biete eud) einejäpr; i lid)c Stente von 3— 4—5 u. f. w. an, unb wenn ich folcpe nicht mehr bejahten , will, gebe id) euch 100 bafür. SBie viel gebt if)t mir je&t bafür? Stad) bem SJtarft; preife ber ginfen unb nad) bem ©rabe be« Crebit«, ben ber anleihenbe Staat ge; niept, bieten ihm nun bie Capitaliften 50, 60, 70, 80, 90 u. f. w. Safttt verfefreibt er ihnen 100 mit ber baju gehörigen Stente. ©efefst nun, bie Capitali; ften werben mit ihm einig, il)m für eine jäf>rlid;c Stente von 4, 70 ju geben, fo fe&t ftd) ber Staat ber ©efahr au«, bap er, wenn er bie Stente lo« fein will, für : bie empfangenen 70, 100 jurücfjaljlen mup. Sa er inbeffen ftd) bie gteifeit not; 1 behalten hat, bie 100 nicht eher jurütfjubejal)len, al« wenn er felbft Sujt baju ; hat: fo fud)t ber $£ilgung«fonb« bie Schulb baburdj jtt tilgen, bap et jährlich einen Sheil bet Stenten nad) bem SJtarftpreife jurüeffauft. Steigt nun biefer übet beit S)tci«, ju welchem er feine Stenten verfauft hat, fo wirb er fte mit SSertuft juntd?-- Haufen müffen; fällt aber ber fPrci« berfelben in ber golge, fo fann er fte mit @e-- winn jutücffaufen. SQ3et aber aud) bei biefem ©efchäfte verlieren ober gewinnen mag, ba« SSolf gewinnt baburd) Sticht«. — Cine anbre Art von Contract würbe l e« fein, wenn ber Staat ftd) von ben Capitaliften 100 Skater voll jaljlen liefe unb mit ihnen über bie 3infen einig würbe, bie er ihnen bafür jalflen fülle, unb wobei er ftd) vorbef)terte, ba« Capital ju jebet ihm beliebigen Seit jurücf jujaf)(en. ©efefjt, er fönnte 100 nidfl anber« erlangen, al« Wenn et jährlich 8 bafür ju jafflen ver; fprädje, biefe Stenten fliegen aber im Verläufe von 3 fahren bi« auf 200; fo würbe er leidfl Capitaliften ftnben, bie ihm 100 für 4 jährlid) überlaffen, unb ba= mit fönnte er bie adflprocentigen Kenten einlöfen. SBenn baher ber Staat etwar; tenfann, bap ber fPrei« ber Stenten fleigen wirb, fo tfjut er beffet, ju einer Am leil)e ftd) volle flpirte Capitale bejahten ju (affen unb über bie jjinfen ju verhalt; • beln. g&dflet er aber, bap bie 3tnfen ober bie greife ber Stenten fallen werben, fo ifl e« fein SSortheil, ftd) bie nötfjigen (Selber burd) SSerfauf von Stenten nad) bem SJtarftpreife ju verfchaffen, weil er fte wohlfeit jurüefjufaufen hoffen fann. ; tfmmtfty 3fnna 303 2fucf> in bet 3frt, wie man baS ©elb bei ben Anleihen jufammenbringt, ft'nb fte vetfdpieben. SBenbet man jur Sufammenbtingung bet ©elber birecten Bwang an, fo heif en fte 3 w a n g S a n l e i h e n. SBetben bie angebotenen Sortf)eile als einiges pfotiv gebraust, um bie Gapitaliften ju befiimmen, ifjte Kapitale bem Staate an= juverftaiten, fo fjeifcn fte freiwillige. Sucht man ben Patriotismus babei itt Bewegung ju fegen, fobap bet Seittag baju alS eine, jebod; freie, Pflicht beS Patriotismus vorgejtellt wirb, fo fjeifen fte patriotifd;e. .jpdlt man bie $Erieb= feber beS Patriotismus ober bet ju etlangenben Oiente nid)t für ftarf genug, fo fnupft man nod; Prämien ober Sotteriegewinnjte baran. 2So etn Staat, auper bet 3ientenoerftd)etung, nod; anbre SEtiebfebetn anwettben mup, um bie 2fnleil;e ;u Sfanbe }U bringen, ba ijl eS ein fid;ereS 3eid;en, bap er nod; in fchwadpem Grebit f!el)t, ober bap eS an Gapitalien ju bem gewöhnlichen BinSfupe fehlt. (Sgl. Staatsfchulben.) 51. 2(nmuth, f- ©rasie. %n n «, ber legte jut Regierung gelangte B^eig beS nun gänzlich etlofchcnen Kaufes Stuart auf bem gropbritannifd;en Sfro'ie, würbe geb. jit $Ewicfenf)am bei ßonbon 1664, als ihr ©heim, Karl II., feit 4 5af)ten ben blutigen Shron Karl I. wieber befliegen hatte. Sie war bie jweite $Eod;ter erftcr Gl;e SafobS I., bama= ltgen .fperjogS non 3)otf, mit 3fnna $t;be, 5Eod;ter beS berühmten Glarenbon. Sl;r Sätet war bamatS noch nicht Jur römifchen Kirche ubergetreten, unb fo würbe 2Cnna nach ben ©tunbfdhen ber anglicanifchen Kitd;e erjogen unb 1683 mit bem Prittjen ©eorg, Stüber König GhrijtianS V. von Sdncmarf, vetmdt;lt. 31 (S 1688 bie Partei, welche ben Prinjen von Srattien auffoberte, feinen Sd;wieger= «ater ju entthronen, bie Sbethanb behielt, Ware 3(nna, bie ßieblingStochter 3a= fobS II., gern bei ihrem Sätet geblieben. 2fber fte wuebe v>om ßorb Ghurd;ill, nach* maligem ©rafen von Pfarlborough, gewiffermapen gejwungen, bet Partei beS Siegers beijutreten, unb beflieg, nachbem 1694 ihre Sd;wejter Slfaria unb 1702 beren@emahl, SBilhelmIII., finbetloS verftorben waren, aud; fte felbft fd;on 1699 ihren einigen Sohn, ben jungen efjorjog non ©locefter, butd; ben SEob verloren hatte, ben englifd;en Shron, unb würbe als Königin, bet ihren nur mdpigen ©ei= fteSgaben unb bei ben gropen Greigniffen, an betten ihre Ofegierung fo reid; war, von Pfarlborough unb beffen ©emahlin beherrfd;t. Sie SEoticS waren jufeieben, baS Scepter in ben $dnben einet SEod;tet SafobS II. ju wiffen, unb hofften baS alte gütffenhauS halb in ber mdnn(id;en ßinie jurücEgetufen ju fehen. Sie SöpigS freuten fich wenigfienS, bap bie Königin, treu ber SripelaUtance, ft'd; ber $etrfd;fttcht SubwigS XIV. entgegenftellte, um bie Freiheit GuropaS ju vertl;ei= bigen unb bie Sereinigung ber franjöftfd;en unb fpanifdjen Krone in Gittern «ftattfe ju net'hinbetn. So nahm fte 3fntheil an bem fpanifd;en Grbfolgefriege, in welchem Gnglanb ©ibraltar eroberte, ber einjige wichtige Grwerb biefeS lljöl;= rigen Kriegs. ferner würben unter 3f.’S Oiegierung Gnglanb unb Sd;ottlanb unter bem Ofamen©ropbritannien mit einanber vereinigt, unb fo fel;r aud; bie ■Königin bie SBiebereinfegung ihrer gamilie wünfehte, würbe bod; bie Ofad;fo(ge bem ^aufe Manöver beftimmt. Safob verfud;te vergebens eine ßanbung in Schotte lanb; bie gute Königin 3lmta mupte fogar eine Sefanntmad;ung unterjeid;nen, wobttrd; ein Preis auf feinen Kopf gefegt würbe. Son 17 Kinbern, bie fte gebo= ten hatte, war feinS am Seben geblieben, unb als eine Söitwe von 44 Safjten gab fte ben Sitten ber Parlamente, eine neue ^eirafl; ?tt fchliepen, fein ©chör, vieU leidjt um ber PBiebeteinfefsung ihrer gamilie fein neues .fjinbernif in ben 2Beg $u legen. Sie buchte jegt nur barauf, bie ganje Staatsgewalt tn bie ■pdnbe ber $Eo= ricS jtt legen, weld;e bie Stimmung aller 3 Königtetd;e für ftd; hatten. Sie -perjogin von Sfarlborottgl; verlor ihren Ginflup, ©obophitt, Sunbetlanb, Som= nterS, Sevonfhire, SBalpole, Garnpet würben burd; ^tarlei; (nachmals ©rafen 304 5fnna Swanowna Sfnnabetg von Spforb), SSolingbtofe, Slochefler, SSucfingham, ©eorg @tan»ille unb ©i= moit ^arcourt crfegt, unb bad Parlament aufgelofl. 3)lan befdjlop ben grieben. SWarlborough warb angeflagt, entfett unb »ctmiefen. Snbep frf)eint 2 f., unge-- ad)tet ber ©djritte, itsetetje ft'e öffentlich gegen if>ren 93ruber that, bie Hoffnung, ihm bie fftadpfotge ju fiebern, nicht aufgegeben p 5 aber bie unverfohnlidje geinbfdjaft Srforb’d unb 93olingbrofe’d, non benen Stflerer ben Settern anftagte, bafj et ben fPrätenbcnten begimftige, mürbe i[;r p einem unüberfleiglichen c£)inber= nifi. SSefümmevt, ihren geheimen SBunfd; nicht erfüllt p fehen, »erftel ft'e in einen Suflanb ber ©djwddpe unb Sethargie unb ftaib ben 20. 3uli 1714. Sie 1 3Borte: „0 meintheurer S5ruber, wie beflage id) bid; !" trelcfje fte aufbem©ter= bebette audfprach, enthüllten bad ©eheimnifi ihres gnnäen Sehend. Sie Sfegietung 2 f.’d mar übtigend nid;t nur burch grope 2 ßaffentf)aten audgejeiepnet, fonbern aud; bad golbene Seitalter ber Siteratur. 2fnna Swanowna, Äaiferin non Sluplanb, geh. 1693, bie SEodpter Swan’d, altem S3ruberd »on fPeter bem ©tofen, »ermdf)lte ft'dh mit bent $etjog »on Äurlanb, warb SBitme unb beflieg 1730 ben SEhton ber Soaren auf eine SSeife, bie ©rmapnung »erbient. fPeter II., bed unglücflichen 2flepid ©opn, war in feinem 16. Sabre gefiorben; bie jungen fPrinjen Swan unb SSafrl Solgorucfi) hatten unter bet Seitung bed alten Äanjlerd Sfletmann bie Regierung geführt. Sa biefer fid; fcfjmeidjelte, unter einer gütfltn, ber er ben erfien Unterridjt im Sefen gegeben hotte, fein 2 (nfeben p behalten, bebiente er ftd; feined ganjen ©influffed, um ber «fjerjogin »on Äurlanb bie Ätone p »erfdjaffen. ©r gewann ben Senat unb bie in SJIodfau »erfammelten ©ropett, unb fo warb 2f. ben ben ben SEöchtern fPeterd bed ©ropen »orgepgen, unb bergürfl23aftlSolgortfcfp beauf tragt, ihr bie SBapl ber 92ation befanntpmadjen. 2 fld er bei ihr eintrat, fanb et einen fcfjledjt gefleibefen COIattn im Simmer, bem et ein Seichen gab ju entfernen. Siefer aber war nicht eben geneigt p gehörten, unb ald Solgotudi; ihn bei bem 2 frm nahm, um ihn pt Sartre p fuhren, hinderte ihn 21 .; cd war ©rnfi 3 of)onn »on SMren, ber halb im @dp(je feiner ©ebieterin Shtplanb be= herrfchte. 2 f., bie anfangd »etfprocben hotte, ihren ©ünflling p entfernen unb bie unumfdjranfte ©ewalt ber Sooren einpfd)ranfen, war faum auf ben Shron gefliegen, ald fte S3eibed p erfüllen verweigerte unb ftd) ald ©elbfiberrfdjerin aller Sleupen anfünbigte. S3iren fegte jegt feiner ©brfuebt feine ©reifen. Sie Solgorucfp würben bie erfien Spfer berfelben. ©ie würben tf>eüd hingerichtet, theild »ermtefen. ©leidjed ©d;icffal hotten ihre gireunbe, ungeachtet 2 l.’d fle= hentlicher S3orflellungen. (SSgl. SStren.) Z. jwang bie Ättrlanber 1737 ip!t I 51 t ihrem $erjog p erwählen, unb ernannte ihn flerbenb jum Siegenten wahrend I ber SÖlinberjahrigfeit bed grinsen 5t»an (»on 83raunfchmeig). ©ie flatb 1740. 2tnnaberg, SSergfiabt unb eine ber widjtigflen SHanufacturflabte bed fächfifchen ©rpebirged, am bafalt. SSilberge, ifi eine »on ben mittler» ©tdbten, führt auch unter biefen auf ben Sanbtagen im weitern 2fudfchuffe ben SSorftg, unb enthalt in 644 Raufern etwa 4000 ©inw. 2fld feit 1492 ber S5ergbou in biefer ©egenb, befonberd am ©chrecEen= unb ©chottenberge, auperorbenflich ergiebig würbe, fobap man bie 2 fnlegung einer neuen ©tabt für notljig hielt/ um ber fietd anwad;fenben, vom leidsten ©rwetb gropet 9ieid)tf)ümer gelodten SOIenfchenmenge i Unterfommen ju »erfdpaffen, würbe 1496 im Flamen bed -^erjogd 2 flbert ber ©runbflcin biefer neuen ©tabt gelegt, welche in wenig fahren burch ben^ebel bed reichen SSergbaued »ollenbet ba flanb. 2fnfanglich war ihre SSerfaffung, fowie bie SJIehrtjeit ihrer ©inw., bergmannifch- Späterhin, ald ber 35etgbau fanf, unb SSarbara Uftmann bad ©pigenfloppeln erfanb, wenigflend einheimifd; machte, traten ©ewerfe an bie ©teile bed SSergbaued; bocf> wirb noch jegt Silber, S>nn unb Äobolt gewonnen; auch ifi in ber 9?ähe ein guter SfBarmotbrudf). 2 f(d 2 (lba’d 3fmtaten Xnnotmnation 305 Sprannei bie protefiant. SSelgicc vertrieb, wanberten von bafyet Diele Spofamentirer ein, unb bie ©pißenmanufactur erhielt eine @d)We|ter in ber jefct fo bebeutenben SSanbfabrication. A. liefert weißjwirnene ttnb fd)Watjfeibene ©ptgen, verfdjicbene ©orten ©orl= unb ©cfymeljfpiljen, SSdnber in ben verfffyiebenjfen ©attungen, meijre ©orten granjen, Äleibetbefebungen u. a. ^Pofamentirarbeiten. Sie äaf)l ber *Po= fmnentirer belauft ft'd) bloß für X auf 400 Steiper, 100 ©efetlen u. 200 2ef>rtinge. 1826 würbe jur 100jdt>r. geier beg ©eburtgtageg von 61). g. SBeiße eine 6rjie* f)unggan(ialt für atme Äinber gegiftet. Annalen, gefd)id)tlid)e 3at)rbüd)er, wctd)e bie 33egebenf)eiten eineg gafjteg, bann audf) mefjter Safyre in cf)tonologifd)er gotge enthalten, ofjne Itrfaci) unb golgen ju entwideln ober fonft auf f)iflorifdf>e Äunjt-Anfprud) $u machen. Ser 9fame fommt von ben dltejien Safyrbücfyern bet 9iomer fyet, weldje Annales pontificum ober Annales maximi ließen, unb beten Abfaffung bem Pontifex maxi- mus oblag.— gür Seutfdjlanbg altere ©efd)id)te unb beten tjauftg nod) unbenufete Annalen bürfen wir vom gleiße ber in granffurt jufammengetretenen ©efellfdjäft für beutfdje ©efdjicfyte bie Ausfüllung mand)et Sücfe erwarten. Annaten, ein 3>aljr orbentlidjer 6inBünfte, weldje bem Zapfte non einer geiftlid)en SPfrünbe bei 6rtf)eilung ber SSulle gegeben werben. Sie Concordata Gennaniae 1448 berechtigten ben ^)apft wieber sut-fjebung bet Annaten, welche bag bafcler 6oncitium 1431 unterfagt (>atte. @ie entffanben im 14. 3al)vl). 9lom f>at eine allgemeine Äanjleitape ber ©inf'ünfte aller geiftlidjm spfrünben. Anno, 6tjbifd)of»onÄöln, aug niebrigem ©tanbe geboren, (färb 1075. 9lid)t lange naef) feinem Stöbe entffanb ber „Sobgefang auf ben f)ei(. Anno", ben ju» le|t Dr. ©olbmamt mit einer Einleitung, tlberf. unb gtünblidjen Anmerf. (Seipj. 1816) l;erauggab. 83or if)m fjaben Spifc, ©djilter, ffiobmer unb-fiegewifd) ftdj um bie -fjerauggabe unb ©tBldtung beffelbcn verbient gemacht. Sie politifcfye S5e= beutung beg l)eil. Anno atg-ftanjler Äaifer-£jeinrid)g III. unb nadlet algSKeidjg*. ! vetwefer in ber SUlinberjdfyrigfeit beg Äaiferg -fjeintid) IV., fein fufjner -£)etrfd)erftnn, fowie bie Söürbe feineg geifllidjen SEBanbelg, bie väterliche ©orge für fein ©rjbig» tl)um, ber Eifer, mit bem er bie Sieformation ber Älojler betrieb unb neue Älolfcr unb Äitd)en fiiftete, machten ifn jum ^eiligen, ©ein dußereg 2eben war mit •SSewunberung in bag ©emütf) beg SSolfg eingegangen unb wirfte non ba aug mandje wttnberbare 6rfd)einungen unb 3eid>en, wcldje ben neuen ^eiligen jeigten unb beglaubigten. 2Baf)tfd)einlid) bicf>tete ber ©dnget bag Sieb wenige 3wf)te nad) % A.’g Stöbe. 6r eröffnet erfi bag ^Pantheon ber S3olfggefd)id)te nad) ber beutfd)en SSotfgfage, jugleid) aber bie ©efd)id)te beg erjbifcfjoflictjen ©tul)lg ju Äoln unb feinet 33 S3ifd)6fe vor A., von benen 7 ^eilige waren, unb ifjreg ©iijeg, ber ©tabt Äoln am 9fl)ein. Sann malt er beg ^eiligen weltliche unb geiftlidje 9tegie= rung unb feinen -Stummer übet ben SBafnjinn ber Seutfd)en, ft cf) immer felbjl burcf) innere 3wietrad)t ju bef'dmpfen unb ju jerftoren. Sa er Sag nid)t abjuanbern »ermag, mag ber beutfd)e 9Kannnid)t langer (eben unb ftirbt aug ©tarn über bie Unbanfbarleit feiner Beitgenoffen, beren 9Bot)ltE>dter er nad) feinen -Straften fein wollte. Siefeg Sieb ifl bag einzige bebeutenbe poetifdje Senümal aug ber beutfdjen 9lationalliteratur beg 11. 3al)ti). Annominatton, aud) sparonomafie, ijf eine muftfal. SKebeftgur mit ^infidjt aufSSebeutung, weld)e in einer5Biebetl)0lung, wenn nid)t berfelben Porter, bod) non 3Börtern beffelben ©tammeg, bejfef)t, unb welche ftd) jur fußen 3ierlid)feit ttnb lieblid)en Stdnbelei neigt, aber auch fefjr leidjt in fmbifcfje ©pielerei au gartet, unb baljer mit großer S3orfid)t angewenbet werben muß. S5ei -Slopftocf ftnben. wir: Caß, ben meine (Seele geliebt fjat, | ®en id) liebe, mit oiel meßr Siebe, wie Siebe ber SBrüber. i unb bei Sied: 1 Gono.:8er. Siebente Kufl. 33b. I. f 20 306 Annuitäten Anobifna SBenn ich (tili Me Augen lenfe 2fuf Me abcnMidje ©title, Unb nur benfe, ba& td) benfe, SBill nid)t rügen mit bet SBitte, SSiS ich fte in 9tuge fenEe. Annuitäten, jat>cticf>e9?enten, weiche in befiimmten (gevoofjnticf) t>aEb= jungen) Ketminen anSiejenigen, welche ein Sted)t barauf erworben haben, bejaht werben. Set Starne ifi cngtifd)cn Utfptung« (annuitj). «Sie entfteijen butd) einen Contract, burcf) tveld)en eine Perfon bet anbern »erfidjert, igt eine fotcfye Siente jit bejahten. ^Dergleichen Conttacte fonnen fowot jtuifdjcn Privatperfoncn als jwi= fd)en Stegierungen, unb jwifchen Privatperfoncn tmb Stegierungen gefd)toffen wet= den. Sie gewöf)nlid;ften Annuitäten ftnb testetet Art, fobafj bic Stegierungen bie 3nf)[er, unb bie Privatperfoncn bie Cmpfanger bet Annuitäten ftnb. Sergleidjen Annuitdtenvertrage fonnen entweder auf eine beftimmte Beit ober auf eine ttnbe= ftimmte Beit gefdgloffen werben. Au« etfferet Art cntfpringen 3 e i t r e n t e n, au« leitetet perpetuir ticf>e ober ewige Stenten ober Annuitäten. Sie Beitrenten werben entweber an eine beftimmte Perfon gefnüpft, fobafj fte fo lange bejaljlt wet= ben, al« bie Petfon ober Perfoncn, auf weld)e fte tauten, leben. Sergleichen heißen fieibrenten, wenn ihre 33ejahlung auf bie £eben«bauer ber betreffenben Per= fönen verftchert ifi. Sie Werfen, wetd;e bie £eibrente siegt, braucht nid)t gerabe bie ju fein, auf beten Seben fte lautet, fonbern bie tegtere fann auch eine attbte fein. — Cinc fo(d)e £eibretttenamiuitdt famt bager and) veräußert werben. (S. Scibrente.) Eine anbre Art non Annuitäten bilben bie Kontinen. Stad) benfelbett bilbet eine ©cfellfcgaft, bie fteg nad) Claffen von ungefähr gleidjem Alter eintheilt, einSanje«, unb bejatjtt an ben Staat in glcicggetgcilten Actten ein Capital, welche« er an bie ganje ©efellfcgaft, fo lange noch eine« von bett ©liebem betreiben lebt, bergefialt jtt vcrjtnfen vcrfprirfjt, baß bie ©efeltfdjaft nach beit Siegeln ber SBagrfcheinlkbfeit ber Sange be« menfcglidjen Seben« in ben an fte ju jaglenben Stenten bie lanbüblidjen Binfen be« Capital« unb mit ben Binfett nad) unb nad) ben S5etrag be« Capital« felbft suefiefeegatten mttfi. Sie jährlich ju bc= jaglenbe Stente für ba« ganje Capital wirb altjagrlid; unter bie nod) lebenden ©lies ber ber ©efellfdjaft vertheilt, fobafj bie Stente für jebe« einjelne mit ber 3«gi bet jährlich fterbenben ©lieber proportionirlich tvacgfi, bi« enblich ber Bulegttebenbe bie für bie ganje ©efellfcgaft bejlimmte Siente allein steht, unb mit beffen Kobe bic Stcntenjagtung aufhort. (S. K o n t i n e.) Sie p e r p e t u i r l i ch e n 9t e n t e n ftnb an ba« Capital gefnüpft, wcld)e« dafür befahlt worben ifi, unb werben an Sieben befahlt, ber ftch al« Cigenth'flmer be« Capital« legitimiren fann, fo lange al« bet Staat fleh nid;t wieder in ben 33eftg ber Sbligationen über ba« empfangene Capital gefegt t>at. Seßgalb fann biefe Art von Annuitäten ein ffeter ©egenftanb be« SSerfehp« fein unb von Sebermann erworben werben, ber ba« Sted)t baju an füg fauft. Sie Pietgobe, wie man ben Crebitoren übet bie Annuitäten Sidjergeit au«ffellt, ifi fegr verfrfpieben. Cinige Stegierungen ffellen förmliche Obligationen barübet au«, unb biefe lauten entweder auf bie Stamcn ber ©laubiger ober bloß auf ben Srnguber; anbre tragen bie Stauten ber ©laubiger blojj in ein öffentliche« fßttd) ein, unb Sieber, welcher bie Stenten beziehen will, muß ficf> al« Cigenthümec ber Annuitäten ober al« SSevollmäd)tigter beffelbcn legitimiren. Cinige theilcn mit ben Sbligationen jugleid) 3in«= ober Stentencoupon« au«, welche bie Siegte-- tung an ben befiimmten Kerminen von jebem Singaber baat eintofet. Attbre vertan* gen, bafi jeder ©laubiger felbfi ober btttd) ^Bevollmächtigte bie Stenten gegen £Uiit* tung empfange u. f. w. Sm Privatleben fonnen betgleidjen Annuitäten and; auf ©runbfiücfe ober auf fonfitge SBcife verftegert werben. 51. Annunciatcn, f. gtanciöcaner. A n o b h n a (v. b. grieeg. vö'wi], ber Schmers, tmb dem beraubenden «), fdjmerj* Anomalie TCnotbnuttg 307 ftillenbe Mittel. Sa bet 0c()merj non fefjt »erfd)iebenen Utfadjen entgehen fann, fo muffen natürlich aud) bie Mittel bagegen »etfd)ieben fein. So fann j. 33. ein @d)metj non ©ntjünbung f)ercfif)ten, nnb fühtenbe bittet, laue feud)te Stuf fdjldge, zuweilen felbjt 2 fberlaft, 2 Cbfuf)tungdmittel, ftnb hier fchmeräftillenb. ©in anbted SäJSal finb ed etl)ihenbe Wittel, j. 35. bei 9terüenfd)tt>äd)e «nb .Stampfen. 2fn biefet 9Iucffid)t gehört and) bet liquor anodynus Hoffmanni, obgleich nur un= eigentlich, unter bie fchmerjftillenben SJtittel. 3m engem Sinne oerftanb man fonft unter beit SCnobpttid folctjc drittel, welche butd) ihre unmittelbare 28irfung auf bad Sterüenfpftcm, inbem fte nämlich bie ©mpftnblid)feit beffelben »erminbern, bie ©mpfänglidjfeit für ben fdjmerjhaften ©inbtitcE ju verringern vermögen. Sn ben älteften feiten, als bie 5lräneimittellel)te crft anft'ng aud ifjrer Äinbfjeit ftd) ju er= heben, unb votjuglid) bie Sehre von ben ©iftett unb ©egengiften mehr ald irgcnb ein anbret Sheil ber ^»eilfunft bearbeitet nnttbe, beobachtete man auch bie fdjmerj; ftillenbe ©igenfchaft vieler hierher gehörigen SCrsneifotpet nähet unb machte bähet eine eigne CElaffe aud biefen Mitteln. 2Seil man an bem fchon barnatd gebräud)= lidjen 9J?of)nfaft bie ©igenfcl)aft, für ben Schmers unempftnblid) jit machen, in votjuglid)em ©rabe bemerfte, fo gab man ihm ntd)tmttben erftcn fPlafj in biefer 2 fbtf)eilung ber Mittel, fonbetn man belegte vorjugdwcife alle Sftifchungen, worin bad ©pinnt ftd) befanb, mit bem tarnen Slnobpna. SC n o m a l i c, bie SCbweidjung non bet 3fegel. ©ad SCbtveidfenbe l)eifjt SCn o- malon, anomalifch. CDtan gebraucht biefen SCudbtttcf in ber angegebenen 23e= beutttng in ber ©rammatif, tt>o ed ber SCnalogie entgegengefegt wirb; ferner in bet SCftronomie, um. ben non ber uttgleid)en ©efchwinbigfeit ber Planeten abhängigen SCbftanb berfelben in ihrer 35al)n nom fünfte bet Sonnenferne (ober bem neuern ©ebraud) gemafj nielmehr ber Sonnennähe) ju bejeid^nen. SCnomoer, f. SCrianer. SCnonpm (Anonymus), grted). namenlod, aud) 25er, beffen9Same unbe= fannt tfi, ober ber ftd) nicht nennt, j. 35. ber 23erf. einer anonpmen Sdfrift. — spfeubonpm, falfd)namig, ober ein willfutltcf) angenommener ^fame. Sfnonpme ober ungenannte Sdyiftfteller nerbergen ftd) oft unter einem £rug= ober falfcl)en 9tamen, ben ffe ald SdjriftjCeller beibehalten, auch 11551111 ihr wahrer 9tame längft befannt ift. ©in 9ted)tdfall in Stuttgart hat ffirjlid) gezeigt, baff ed einem ©ritten nicht erlaubt ift, ben angenommenen 9tamen eines anbetn befannten ©d)tiftftelletd, 5 . 23. Heinrich ©lauten, feiner eignen Schrift vorjufefcen. ©ie Äenntntfj ber ano= npmen unb ber pfeubonpmen ©djriftfieller ift bem 23ibliogtaphen unentbehrlid). S. 23atbiet’d „Dictionnaire des ouvrages anonymes et pseudonymes, compo- ses, traduits ou publies en frangais et en latin", mit l)iftor. frit. Sinnt. ( 2 . SfufL, fPatid 1822—24, 3 SXfde.). ©ft halten ©chttftfieller ihren fJtamen aud politifchen ©runben geheim; fo ber unbefannte fPfeubonpm Snnittd (f. b.). Sn ber ©e= fd)icl)te nennt man 25etrugcr, weld)e unter einem fremben 9tamen eine politifcCje Stolle fpielen, fPfeubo, j. S3. bie fPfeubo=Sebaftiane in Portugal, bie fPfettbo= ©mitrp in Stuflanb, ben fPfeubo=2Bolbemat tn 23tanbenburg, ben fPfeubo=Smcr= bis in Werften. Stnorbnung, ald Äunftaudbrucf, ift im Sttlgemeinen bie jebem fffierfe ber fd) 6 nen Äunjt notljwenbige regelmäfjige Sktbinbung feiner $h ei Cc ju einem ©aigen. (f'S gibt eine geiftige unb eine fümlidje SCnorbttung; jene bringt ben Stoff in ben innetn, biefe in ben äupern 3 ttfammenf)ang. ©urd) bie ©inl)eit bed 9 Jtannigfalti= gen fünbigt ftd) ein Äunjiwerf an. SClled SJtannigfaltige in einer Sinheit fieht aber ju einanber in einem breifadjett 23erl)ältnift, entmeber 1 ) ald ©ntnb jur $olge (fubjectiö), Urfache jur fffiirfung (objectio), ober 2) ald Mittel jttm 3mecf, ober 3) ald S£l)eil jum Sl)eil uttb jum ©anjen. 2 öad aller SSetbinbung, ©rbnung unb 2 Ctt= ovbttung jum©runbe liegt, ift alfo bad ©efeg bet Gaufalität unb baS ©efeg berfPro; 20 * 308 Knorganifd) 2fnquetit bu Perron portion, jebcS entweber für ftd; ober beibe in ^Bereinigung. Um erffcteS ©efch aber in Ausübung bringen ju Eonnen, mup nothwenbig in jebem fcboneit ÄunftwerEe ein HouptgebanEe, eine Hauptfigur hetrfcfen, unb biefem aUeö 2(nbre unterge= orbnet fein, unb in biefer Unterorbnung gibt jtd) baS ©efefc bet ©aufatitat zu etEem ncn. ©S begrunbet in SSerbinbung ber ©egenfidnbe bie hoppelte StothwenbigEeit, bap ffe jufammentreten in baS fBerhdltnip atS Utfadje zur SSitEung, als SJtittei Zitm SroecE. 33iS hierher erfd)eint bie Äunjt ber 2fnorbnung als abl)dngig vom 3)to= tioiren; benit motioiren feipt, 2ClleS fo anlegen, bap immer ©ins als aus bem 3fn= bern folgenb erfdjeint. 2fber aud) bie 33ebingungen ber Seit unb beS StaumS muffen berücfftcbtigt werben. 3m seitlichen unb rdumlidjcn fßerhdltnip erfd)eint eineHcrt>orgcbracf>t werbe, Sazu wirb wieber eine eigne 2frt ber 3Cnorbnung erfobert, bap ftd) namltd) 2ftleS ocrfjalte wie Mittel jum Sroeif. SiefeS ijt baS fStotioiren im hohem Sinne. — 3m ber SthctoctE wirb bie 3fnorbnung (dis- positio) oon ber ©rftnbung fowie oon bem UCuSbrucEe unb bem SBortrage unterfd)ie= ben. Sie betrifft hier bie ©intheilung, bie SSeftimmung ber 2fbfd)nitte bet Diebe unb beten golge. 2Cnorgantfcf), bet ©egcnfafc non organifd). (S. Stgan.) 2£rtquettI bu Verton (3fbraham Hpuüuthe), einer bet ausgezeichnet jten Srientaliftcn beS 18. Sahrl)-, geb. ju ^)ariS ben 7. Sec. 1731, ftubirte auf bet Uniocrfttdt bafelbft, bann ju 2fuperrc unb ju 2fmerSfort Sheotogie, fanb ftef) aber bei weitem mehr oon bem Stubium ber h«brdifd)en, arabifchen ttnb perfifchen Spradje angejogen. ©r ging bähet nad) fPariS, wo feingleip auf ber SSibliotpe! bie 3fufmerEfamEeit beS 3fbbe Salliet, 2fuffef)etS ber SJtanufcripte, erregte. Sie- fer machte ihn feinen gteunben beEannt, weld)e bem jungen X in ber ©igem fchaft eines SoglingS für bie orientalifefjen Sprachen einen mäßigen ©ehalt auS= wirEtett. Sufallig fielen ihm einige nad) einem Senb^SStanufcripte copirte SSlättcr in bie Huube. S^t warb Snbien baS Siet feines SebenS. ©r wollte bie heiligen S3üd)er ber Warfen entbecEen. 3m bem Hufen oon l’Srient warb eben eine ©rpe= bition nad) Sffinbien auSgerüfiet, aber bie SSemühungen feiner S5efd)ü|et, il)m 'bie tStitreife auSjuwirEen, fd)lugen fehl. X ging nun ju bem SSerbecapitain, nahm Sienffe unb reifte als gemeiner Solbat, ben Sorniftcr auf bem StücEen, 1754 oon ^aris ab. 3m gerechter S3ewunbetung eines fo feltenen ©iferS für bie SBiffenfdjaften bewilligte ihm bie Stegierung bie freie Steife unb einen ©ehalt. 3u ^onbidjetp attgeEommen, (ernte er bafelbft baS Steuperftfd)e unb ging nad) ©hanbernagor, wo erhoffte baS SanfErit ftubiren ju Eönnen. Allein eine Ärattf* heit unb ber Ärieg jwifdjen granEteid) unb ©nglanb fitorten feine Hoffnung, ©ham bernagor warb eingenommen, unb X, um nid)t ben S'oetf feinet ganzen Steife Zit verfehlen, Eeljrte zu gupe nad) ^onbtdjetp jurücf unb fcf)iffte fid) nad) Suratc ein; aber um buS 2anb Eennen zu lernen, wie er bie Äüfte oon Äotomanbel Eenncn gelernt hatte, flieg er zu Sötahe ans 2anb unb reifte zu gup nach ©urate. H' rt gelang eS ihm, burd) 53eharrlid)Eeit unb UnterwürftgEeit bie 58ebenElid)Eeiten einiger patft'fdjen fPnefier (Sejtour) zu befiegen. Sie unterrid)teten ihn im Smb unb SMjlwi fo weit, bap er ein SSörterbuci) unb einige anbre 3BerEe aus biefen Spva= pen überfein Eonnte. @r befdjlop hwtattf, bie Sprad)en, bie 2Cltertt)ümer unb heiligen ©efef;e ber Hinbu zu SSenareS zu ftubiren, als bie Sinnahme oon fPonbf eben; ihn zur SlücEEel)r nad) ©uropa notl)igte. ©t reifte über Sonbon, befud)te Srforb unb Eam 1762 nad) ^)ariS zurücE, mit einem Sd)ag oon ISO SJtanufcrip-' ten unb anbern Seltenheiten. Ser '2Cbbe SSarthelemp unb feine anbern greunbe wirEten il;m eine *Pcnfion aus, mit bem 2Cmte eines Solmetfc()erS ber morgcnldm Xnfafc Xnf^attung 309 bifchen ©pradten bei bet fonigl. 23ibliotf>ef. 1763 Warb et SRitgtieb bet Xrabemie bet fronen 2Biffenfcf)aften. Segt fing X an, bte fo tnühfam eingefammelten «JRaterialien ju »erarbeiten j eS etfcfyienen ton if)m nach unb nach bet 3enb=2(»efta, bie morgenldnbifche ©efeggebung, feine biftorifdjen «nb gcogtapf)if c O en Unter; fud)ungen übet Snbien «nb fein 2Berf übet ben $anbel. Sn bet $olge fforte bie (Resolution feine Svufje. Sitten ©rdueln ftd) ju entjiehen, btad) et alle feine «Berbinbungen ab, »ctfd)lof ftch in fein Sintmer «nb hotte feinen anbernSreunb at8 feine 23üd)er, feine anbetn Erholungen als bie Erinnerung an feine tfcuern SStaminen «nb Warfen. ©ie gtücfte biefet Sutücfgejogenljeit waren fein SBetf: „I/Inde en rapport avec l’Europe", unb bie nid)t ju entl)üllenben ©efeimniffe („Oupnek’hat", 1804,2 23be., 4.), legtereS bie Überfegung eines perftfd)en XtS= $ugS aus ben 23ebaS ins Sateinifche. XS baS «Rattonalinjfitut an bie ©teile bet »ormaligen 2ffabemien getreten war, ernannte eS X ju feinem fDfitgliebe. ©urrf) anfjaltenbe Arbeiten unb eine höchfi f'arge ©idt erfdjöpft, ftarb et ben 17. San. 1805 ju (Paris. Umfaffenbe ©elehrfamfeit, bie Äenntnif faft aller eutopdifd)en Sprachen unb eine raftlofe T£)dtigfeit waren bei X mit ber lauterften 3Baf)rl)eitS; liebe, einer gefunben fPbUofoph' 6 * einer fettenen Uneigennügigfeit unb bem treff= lichften $2tjen »erbunben. 2f nf a h bebeutet in bet muftfalifdjen Terminologie bieSSilbung ber Sippen beim Xtblafen ber SSlabinftrumente. Stad) ber »etfd)iebenen Einrichtung ber 25laS= inftrumente flnb auch bie Etfobetniffe beS XtfageS »erfchteben. .©er gute Xtfag hangt bafjer »on ber SSilbung unb SSefdjaffenheit ber 3Runbtf)eile, befonberS ber Sippen, ferner »on ©ewofjnung unb Übung bet SRunbftellung ab. ©er 2(nfag ift §. 25. beim glotenblafen feht Wichtig, benn burd) ihn wirb ber Ton »oll ober matt, angenehm ober hart. 2Cnfch«uitng bebeutet im engern unb utfprünglid)en ©inne'eine butch ©eftchtSempffnbung, im weitern ©inne jebe burd) bie Empftnbung irgenb eines ©in= neS unmittelbar erlangte 23or)fellung. bereinigen wir SScibeS, fo erhalten wir «on ihr bie Erfldrung als einer, nicht mittelbar (burd) (BetftanbSbcgriffe) erlangten, fonbern unmittelbar auf ben ©egenffanb bejogenen SSorftellung ober ©innenam fchauung. ©ie ift unter allen Xten ber SJorjfetlungen bie flatfie unb lebhaftere, babei aber auch bie befd)tdnftefte, einjeln, inbioibuell, an baS ©egebene wie an bie ©efege ber ©innlicfjfeit gebunben, unb unfähig, über bie ©rensen ftnnlidjet 2Bahtnef)mb«rfeit hinauSjugehen. ©tefe SBahmehmbarfeit aber ift jwiefadjer Xt, unb wie eS einen dufern unb innern ©inn gibt, fo auch eine nufere unb in= nere 2fnfd)auitng. XleS, was im (Raum ift, »eranlaft dufere Xifchauungen; was hingegen in ber Seit ift, was wir nur als 23erdnberungen in uns wahrnehmen, ©ebanfen, 23ilber ber EinbilbungSfraft, welch? gar weht räumlich ft'nb, ift bet ©egenftanb innerer Xtfd)«uungen. ©a alles Äußere aber SSorfietlung, unb mit hin nothwenbig in irgenb einer Seit ift, fo folgt, bafj alles äujjere auch jugleid) ein SnnereS fei, unb man fann fid) baher räumliche ©egenftdnbe burd) bie EinbiU bungSfraft innerlich »otffellen. Umgefehrt fann baS Snnete, nur in ber Seit 23or= ftellbare, nicht jugleid) aud) ein XtfereS fein, woraus folgt, baf bie (extern SSor= ftellungen feine ©eftalt haben. tfBenben wir baS ©efagte auf bie fefjone Äunft an, beten ©efchdft eS ift, alles Xtfete ju »erinnern unb alles Snnete ju »etaufecn, fo fehen wir baburd) nicht nur ben UnterfSfieb »on fünften ber Seit unb beS «Raums begrunbet, fonbern eS gehen auch ouS biefen beiben nothwenbigen 25ebingungen al= lerÄunjfbarftellung wefentliche ©efege für baS ©arjujfeKenbe unb bie ©arf!ellungS= artbiefer Äunftarten her»or, beten ©rensfd)eibe ftd) baburd) beftimmen taffen wirb. Xid) bie SSirfung eines fd)onen ÄunftwerfS l)dngt groftentheüS »on feiner Xt= fd)aulid)feit ab, unb eS wirb um fo lebhafter wirfen, je mehr ftch bie ©atftellung ber Klarheit ber Xtfchauung nähert, ©ie Xifd)aulidjfeit, worunter wir im 2(11= 310 2fnfd)cutung6tef)re gemeinen bie ©genfcfynft bet Ätarpeit, deutlicpfeit, ©ewippeit unb ÜberjeuguttgS; fraft einet SSorfietlung, ©rfeimtnip u. f. tu. oetfiepen, liegt in einem SBerfe fcpo= tter Äunft einmal in bec gotm beb ©anjen, unb bann indarfielluitg unb 2lubbntcf jebeb ©injelnen. Sene beflept barin, bafi alle Steile auf eine foldje SBeife Betbun= ben flnb, um opne .fjülfe beb ®ebdd)tniffeb unb SSerftanbeb oon ber ©inbilbtutgS: fraft gleicpfam unmerflid) jufammengefapt unb in if>rer golge begriffen werben jit fonnen. Sn ber datfiellung unb im 2fubbtttcf jebeb ©injetnen mup 2fnfcpaulid)= feit Borpanben fein, weil fonfi ber SWangel anÄlarpeit unb Sebpaftigfeit baSÄuttfl= wetf trogen unb matt madjen würbe. dap ift notf)tg mbgltcpfie SSerfmnlidjung im 2 fubbrucf burd) SSeiworter, S 3 ilber, ©leid)niffe, 2 fnfpielungen, SJletappem unb giguren. Sn ber fPpilofoppie rebet man nocp oon einer jöernunftanfdjauung, non einer intcllectuellcn 2fnfcpattung, 2lnfcpauung beb 2lbfoluten unb ©ottlicpeit burd) bie SSernunft. Äant unterfcpeibct Bon ben oben angeführten empitifcpen 2 ln= fcpauungen bie reinen Jlnfcpauungen (ober 2lnfcpauungenapriori), welcpeipnen jum ©runbe liegen, 5. £ 3 . beb Slauntb unb ber Seit. 2 fnfcpaitungSlcpre nennt ^efialojäibie 2 Cnweifung jufeinem SSetfap; rett, bie Äinbet jum SBeroüptfein ber 3aplen= unb SRafoerpdltniffe ju bringen, b. I). 1 jum Unterricht im 0 ied;nen unb in ber ©eometrie, weiter babei barauf aubgept, bie Äinber in @tanb ju fegen, bap fte bie 51t bilbenben ©ropen in allen ihren $£pet= len unb Seätepttngen mit ©elbfltpatigfeit ftnnlicp anfepauen. 6t betoerfffelligt biefe 2 ütfcpauung burd) feine ©inpeitentafel, bie bem 2 luge ein ftttnlidjeS £ 3 ilb Bon ben SSerpdltniffen beb dectmalfpfbcmS gibt, unb burch planmdpigeb SSorjeigen regelma= , piger matpematifdjer giguren unb Äotper, ju beren Ulacpbilbung bie Äinbet ange= 1 leitet werben, ©S ifl anerfannt, bap biefe Sehrart bie befle SSorbereitung ju hohem matpematifepen ©tubien ifl, aber auch alb ©ewopnung ber jugenblicpenSSetflattbeb: fraft jum regelmdpigen denfen hat fte einen gropen 5 Bertp, ben ihr bis jegtmtt diejenigen abfprechen fönnten, bie ipre SBirffamfeit entweber nod) nicht burd) eigne ©rfahrung fennen gelernt hatten ober ftd) bagegen burd) bie S 3 eforgnip einnehmen tiepen, alb werbe bie ftnblicpe ©eele burch bah Ittcfenlofe, flrenggeorbnetegortfcbreb ten biefeb Unterrid)tb in einen SJledpaniSntub eingefcprdnft, bet bab freie ©piel bet Ärdfte hemmen unb ben ©eifl für anbre, an feine fo flrcnge Dlegel ju binbenbe SEBif= fenfd)aft abflumpfen muffe, diefe SSeforgnip erfefjeint jeboep ungegrfinbet, wenn man bebenft, bap bie Äraft burd) Übungen, wobei bab Äinb ftd) ben Unterricptfr fioff burd) eignes S 3 ewuptfein bilbet, unb bet Seprer nur ben ©ang angibt, itttge-- mein gefldrft unb Bon jebem fremben Spange frei werben imtp; unb wab jene ge= nauedrbnung betrifft, bem opnepin ju millfütlicpen >fjetumfcpweifcn beb finb(i= epen ©eifleb boep waptltcp nid)t beffer ©inpalt getpan werben fann alb burd) eine Seprart, bie jut Sfegelmdpigfeit notpigt. 2 fucp pat bie ©rfaprung gtaubwürbiger ©rjicpetbargetpan, bap Äinber, bie man nach bet2fnfd)auungblepreunterrid)tete, wenn fte fonfi niept fiumpfftnnig waren, fiep §ttr ©rlernung jeber anbern SBiffem fepaft fapiger geigten alb anbre, benen man biegertigfeit, matpematifepe 2fufg {RücJftdjt genommen werben, bap eine längere unb ffdrfete Saite einen »iel braftigern Attfhlag erfobert als bie burjen, bünnen bet fwh em .Klänge. @S mup bähet wieberum ein ©leichgewicht in bem »erfd)iebenett Anfhtag ff attfi'nben. Überhaupt mup jeber wahre Virtuos auf Saffinffrumenten bie Sßit= jungen beS »erfdjiebenen Anfd)lags ber Sone bennen unb baher baS technifd)c Verhältnif, 5 . 83. bet tiefen unb hohen Sone unb beS Sprunges »on ber Siefe in bie^) 6 he, in feiner ©ewalt haben, um fein ©efüf)l in ben mannigfaltigflen got= men frei auSjubrücfcn. SieS gilt nid)t nur »on einzelnen Äünftlern, fonbetn noch mehr bei Ausführungen mit 83egleitung. — 2) Sn ber 83a u b u n ff, bie einfache ober hoppelte guge, bie in einer Shütjarge, in einem genfterfreuj u. f. w. auSgefaljt worbeniff, woran baS Shürbtatt ober ber genjterflügel einfd)lägt unb genau papt. Von Vauten tmb {Reparaturen an ©ebduben, Seihen, Säulen, ©analen, Srücfen, 9Rüf)len tc. mäht man Anfd)ldge, bie Quantität unb Qualität ber 2Ra= terialienunbberS3auboften betreffenb. 3) Sn berginan j benntmanSteueran= fd; läge, 4) beim .Kaufen unb pachten .Kauf= unb $p«d)tanfch lag e, beren genaue Ausführung »otlbommene Äenntnip beS Örtlichen »orauSfegt. Anfelm, ©rjbifhof »on danterburp, geb. ju Aojta in |)icmont 1034, Wttrbe 1060 SRond), einige Sahce barauf ^rior, 1078 Abt beS JflofterS Sec in ber Ttormanbie, wohin ihn ber 8 iuf beS berühmten Sanfranf jog, unb 1093, als beffen adjfolger, d'rjbifhof »on Ganterburp in ©nglanb, Weihe Stelle er bis an feinen Sob behauptete. Schatfftnn unb grbmmigfeit jeihnen feine Sd;rift;n aus. SRit Gifet fud;te er nach rwtm gtünblid;en Seweife für baS Safein ©otteS, ben 312 2CnScjat 2Citfon er enblid) in bem nachher fogen. onto(ogifd;en Beweife gefunben gu haben glaubte, beffen ©rftnbet er falfchtid) genannt wirb. 6r fd)lof nämlich non bem Begriffe ei= neS f)6d)flen unb »otlfiommenjien SBefenS auf beffen ©rifleng. Ungeachtet betUtt; gulanglkhbeit biefeS BemeifeS, bet fefjon bamalS in ©amtilo (SDZoncf) gu £OTatmon= tier) einen ©egnet fanb, ifi 2l.’S SSeftreben, eine natürtidjeStjeotogie ober3leligionS= phitofophie ju grünben, für bie bamaligc j3eit feijr wichtig. Sbgleid) nämlich ber ©influf ber Äirdje unb ihrer Sefjrer, namentlich beS geifteSoerwanbten 2luguftinuS, auf f.philofoph. Senfweife nicht gunerfennen ifl, fo gebührt ihm bod) ber9?uhm, bie ©tunbfdfce f. SteligionSphitofophie m beftimmtererbialeftifd;ergorm, mit Schatfftnn > unb Sehen entwicfelt unb baburd) gugleid) ben eigentlichen ©runb gut fcholafiifchen i fpijüofophie Stiegt ju haben. 6t ftatb 1099. S. Schriften „De veritate", „De libertate arbitrii" , f. „Monologium" unb „Prologium" , in Welcher (e(j-- tern er jenen Beweis aufgeflellt hat, erhalten feinen Stahm. W. t 2b n S g a r ober 2b n f ch « r, 2lpofiel beS SlotbenS, weil er baS ©hriflenthum in Sanemarf unb Schweben einführte, ©eb. 800 in ber fPicatbie, unb in ber Älofier- fd)ule su Äotöep gebilbet, würbe er 813 SSenebictiner unb 820£>berlef)tet biefer Sd)U= le. 2buf 2bnorbnung Äaifer SubwigS beS frommen ging er im ©efolge getaufter bd-- nifcher grinsen 826 nebft f. ©ehulfen 2bubibert nadfj Sanemarf unb begehrte nach oft= maligem Sftif lingen unb auSgejfanbenen Verfolgungen im Snnern beS 9ieid)S 830 ben Äonig nebji bem groften SEfjeit ber Station. Stach feiner Siücffeljr 831 jiiftete er su Hamburg eine Metropole unb würbe erfter ®rgbifcfjof bafelbfi. 3ut Befefiis gung be§ (Shril^enthtumS jiiftete er aud; ein [öfter gu Hamburg, als fpftangfchule 1 für ©laubenSboten, unb ein anbreS gu SiameSlol) im ©aterlanbe, wo ihm eine 9J?a= trone Schuh gegeben, ba plünbernbe Sdnen unb Stormdnner ihn 845 aus ^)am= bürg »ertrieben hatten. Söegen Unftd)ei'heitoerlegte er847 benSifj beS ©rgbifchofs »on Hamburg nach Bremen, wo fein 2fnbenfen butd) benStamen einer «£>auptfircf)e erhalten wirb. SamalS unternahm er neue SJtifftonSreifen nach Sanemarf, um Äonig ©rid) I. wiebergugewinnen, unb ging mit beffen ©mpfehlung auch nach Schweben, wo er mit ©rlaubnif beS ÄönigS £>lauS Viele taufte. 2fuch taufte er 858 ben Stadjfolger ©richS. 6t jiarb 865 mit bem 9iuhme, wenn nicht bie erjten, hoch bie folgenreichften Berfudje gur2luSbreitung beS ©hriftenthumS imStorben un= ternommen gu haben. 2Cuch wirb feine Älugheit, bie Sauterfeit unb 3ödrme f. ©iferS für bie ^Religion unb bie Unbefcholtenheit f. SBanbelS oon f. ßeitgenoffen gepriefen. Sie fathol. Äitd)e »eiferte ihn unter ihre ^eiligen. 2f. hat beS h- SBiUegab’S Seben, unb 2fnSgar’S Seben hat beffen Stadjf. Sfembert-befdjrieben, betbe Biogt. aber hat •Sarft. SRifegaeS a. b. Sat. überf. m. 2(nm. (Bremen 1826). 31. 2fn ft d)t begeichnet bie 2frt unb SBeifc, wie ©twaS angefehen ober betrachtet wirb (phpftfeh unb geijtig), ober wie eü oon einem gewiffen Stanbpunfte aus er= fcheint, baher man aud) »on 2fnftd)ten einer ©egenb, einer Stabt rebet. Srnmet wirb babutch ein wechfelnber, gufdlliger, fubjectioer Stanbpunft begeichnet. Sie 2lnficht muf baher auch oon bem Sbjectioen im SBiffen untcrfd)ieben werben. 2C n f o n (©eorge), beffen Stame in ben Sahrbüchetn ber englifd)en Sd£)iff= faljrtSfunbeg langt, geh. 1697 gu Shudborough in Stafforbfhire, wibmete fief früh bem Seewefen. 1716 biente er als Seconblieutenant unter Sohn SlorriS in berDftfee, unb 1717 unb 1718 unter ©eorge Bpng gegen bie Spanier. 21IS 1739 baS SRiniflerium einen Bruch mit Spanien als unoermeiblid) anfah, et= nannte eS ihn gum Befehlshaber einer glotte in ber Subfee, gegen ben^anbet unb bie Slieberlaffungen biefer Station. Sie 2fuSrüflung bef^rdnfte fid) nur auf 5 gtojjere unb 3 Heinere gahrgeuge, welche 1400 SKann führten. 21. »erlieg mit biefem ©efdhwaber ©nglanb am 18. Sept. 1740 unb warb bei bem ^erauSfah 5 ren aus te SJfaire’S Strafe »on fürchterlichen Stürmen befallen, bie ihn 3 Monate lang hmberten, baS Gap £otn gu umfdjiffen. Von ben übrigen Schiffen ge= 313 TCnfpad) Xnfyielung • trennt, erreichte X bic Snfel Suan getnanbej, mo nod) 3 anbre feiner ©d)iffe, jebod) in bern ktäglid)gen Bugonbe, lieber ju ihm fliegen. .Saum aber fyatte ftd) bie 9ftannfcf)aft einigermaßen erholt, als er, unter Xtfgebung be« einen ga()r= jeuge«, »on neuem auStief, mehre fPrifen mad)te ttnb bie Stabt?)apta eroberte unb »erbrannte. 9Iacf)bem er ber reichen jährlichen 59fanitla=©aleone »ergeben« aufgelauert hatte, faf> er ftd) genötigt, nid)t nur einen großen Sfjeil ber S3eute, fonbetn auch bicbeiben anbern Schiffe ju »erbrennen, um ba« einjig nod) übrige (bcn ©enturion) gehörig bemannen ju können, mit melchem er fich nad) 2ti= nian, einer ber SiebSinfeln, rettete. £ier riß ein Stkan ben ©enturion mit ftd) fort. X ließ ein kleine«, auf ber Snfel gefunbene« gafjrjeug »ergtoßetn unb fegelte nad) einigen SBodjen 9tuf)e nad) Sftacao, wo er ben kühnen fPlan entmarf, bie ©ateone »on 3fcapulco megjunehmen. Bu bem ©nbe »erbreitete er ba« ©erüdjt »on feiner Stückkehr nad) ©utopa, richtete aber flatt bcffen feinen Sauf nad) ben ^Philippinen unb kreujte bei bem SSorgebirge Spiritu=Santo. Stad) einem 9Jto= nat erfdgen bie ermattete ©ateone, bie, im SSertrauen auf ihre Überlegenheit, ba« ©efed)t begann. 3fber bie Tapferkeit ber ©nglänber fragte, unb bie ©ateone, beren SBerth fid) auf 400,000 fPf. St. belief, warb genommen; bie früher gemachte SSeute überflieg 600,000 fPf. $tit biefen 9{eid)tt)ümern kam X nad) SDlacao jurück, »erkaufte feine griffe unb behauptete mit Äraft gegen bie chineftfdje 9ie= gierung ju Äanton bie 3ted)te feiner glagge. SSon hier fegelte er unentbeckt butch bie franj. gtotte im ©anal unb langte ^u Spitl)eab am 15. 5uni 1744, nad) einer Xbmefenf)eit »on 3 Sahnen unb 9 9Jfonaten, an. Siefe gefat)t»olle Steife mar für@rb = unb »orjüglicf) für SdjifffahttSkunbe butd) genauere Itnterfudjung unbekannter SKeete unb Äüflen fe£)t ergiebig gemefen, unb bie unter X’« eigner Seitung »erfaßte S3efd)reibung berfetben hat ihre ©rgebniffe ber SBelt bargelegt, miemol ihnen ber eigentlich miffenfd)afttid)e Broeck fehlt. X marb ©ontreabmirat ber meißen, bann SSiceabmiral ber blauen glagge unb fPartamentggtieb. Sein Sieg über ben franj. Xmital Sonqutere beim ©ap gini«terre 1747 uerfchaffte ihm bie fPairfcbaft unb ben ©rab eine« SSiceabmiral« »on ©nglanb. 25er .König erhob ihn jttm SBaron »on Soberton unb 4 Safae nachher jum elften Sorb ber X>mira= litdt. 1758 befehligte er bie glotte »or SSrefl, untergügte bie Sanbttng ber ©ng= länbet bei St.=5Dtalo unb ©hetbourg, unb nahm bie jurückgefcfgagenen Struppen in feine Schiffe auf. ©nblid) 1761 erlangte er bie f)bd)ge SBürbe eine« Xmiral« unb Oberbefehlshaber« ber glotte, melche bie .Königin nad) ©nglanb führen fotlte. ©r fiarb 1762 auf feinem ©ute 59toor=S)atk, ohne Äinber ju hinterlaffen. 2fnfpad) (Snoljbach), ehemal. Sieftbenj ber SJtarkgrafen »on 2Cnfpad)= SSaireuth, je|t chauptfl.be« bairifd)en Stejatkreife« unbSig berÄreiSbefjorben, eine« 3fpprüation«gericht« ic., »on 1016f). unb 13,500 ©., mit einem fdjonen Schlöffe, einem ©pmnafium unb mancherlei gabriken. 5m Sd)loßgarten fleht ba« Senkmat be« hier geb. unb 1796 gefi. Sid)ter« Uj. Xifmerkfamkeit »erbienen bie Anlagen be«©eh.=9fath« ». Senj, eine« ber geiftreid)ften Schriftfleller unfererBeit. Ser legte Markgraf, Äarl 2flepanber, trat forcot bie« gürflenthum (60 nSJt., 300,000 ©.) al« ba« 1709 geerbte SSaireutf) am 2. Sec. 1791 an feinen Sel)n«erben, Ä. grieb= rieh Sföilhelm II. »on Preußen, ab. Seine ©emafjlin mar Sabp ©rasen (f. b.). Ä. griebrid) SfBilfjelm III. überließ 1806 Xtfpad) an grankretd), ba« er gegen Sütidj unb SSerg an Skiern gab, unb trat im titfiter grieben 1807 SSaireutf) an Frankreich ab, ber« fotche« 1809 ebenfall« an Skiern übertrug. Uknfptclung, 2kllufton, in ber Sthetorik eine »on benStebeftguren, melche eine SSorflellung burcl) eine au« einer anbern Sphäre übergetragene bejeid)nen (Sropen), unb begeht in berSSejeidjnung einer allgemeinen Skrgetlung burd) einen einjelnen bekannten ©egenfianb, um bemfelben baburd) mehr £ebf)aftigkeit ju er= theilen. Sn biefet$inftd)t ig bie Xtfpielung meig ein SBetk be« SBige« unb gefällt 314 3fnfpi'ec^«n 2(nfianb burd) bie gut aufgefapte 3tt)nlid)feit ber feeibcn Votfiellungcn, &. 33. bet' ^>rometl)ct= fd)en Äufjnfjeitj et ifi ein neuet ©ato tc. SJian bann «on biefer bilbtictjen 2 (n= jpielung noch eine eigentliche «nterfcf>eiben, welche in einet leifen ^inbeutung auf ©twaS, baS nid)t auSbtücElief) gefügt »erben füllte, bem 2fnbern aber hinjupben= Een übertaffen wirb, befielt. 33eibe 3fcten bet 2fnfptelung beruhen auf Sbecn; affociation, ftnb auch bem bilbenben Mnfiter berflattet, bet fte jeboch mit ungleich größerer S3orftd)t gebrauchen rnufj als bet SiebeEünfiter. 2fnfprechen (»eibmdnnifch), baS richtige2(ngeben beS Sägers bon einet SSilbart, beS ©efchledjtS, beS jflterS unb bet ©tarfe am Seibe Ecaft bet 2fn= fd)auung, ober aus bet gdf)tte unb ©pur eines »ilben STfjictS. Siefe Äunfi fantt faft nur allein in bet freien Statur unter bet Leitung eines Eunbigen fiehtetS mit 33eif)ütfe beS SettljunbeS (fd)»erlid) burd) ©elbfifiubium ol)ne jene ^ulfe) erworben werben, pmat bie Seid)en im ©ebitge unb auf bet ©bene ftd) nid)t oollig gleichen. — SaS 2fnfpredjen auf bie galjtte ober auf bie ©put ifi nur möglich, wenn bie ©put ober bie gdl)tte einen ©inbrucE auf bem 33oben jutucfgelaffen hat. Set SJafenftlj ifi biefem ©inbrucE feht hlttberlich, befio günfiiget bet Steif unb fetbfl bet SEhaufdjlag, am gunfiigfien aber eine (eichte ©cfjneebecfe. SaS Seichen bet gal)ttc grünbet ftd) tf)eils auf bie ©efialtung (gotm) unb ©tdrEe (©tofe beS SErittS), theils auf bie ©tellung bet Stitte in bet gdhrte obet ©pur. Sie Äenntnif? bet ©igcn= thümtidjEettett, bie hierbei obwalten, macht ben Saget fdhrtengeredjt. >^)aar= wilb ifi bie Benennung aller jagbbaren oietfüjjigen Shiete. 33eim 2fnfpred)ett nad) bem tfltetbeS «fjaatwilbeS unb beS geberwilbeS bejeidjnet baS SSeiwort jung btttch- gdngig bie früt)e|ie SebenSperiobe, bis bal)in, wo biefe SBilbart bei erfierm jum erfien SJiale ftd) begattet (brunfiet, begehrt, tollt, ranjt), unb bei bem gebet'; wübe, wenn bie SMwüchftgEeit ober bet 83egattungStrieb_ eingetreten ftnb. 3fnfianb ober bet gute 3fnfianb ifi bie genaue Übereinfiimmung unfetS ganjen ISctragenS in Steben, ©ebdtben unb .fjanblttngen mit unferet perfonlidjett SBürbe unb unfern SSerhdltniffen, 5 . 23. mit 2flter, ©efchled)t unb ©tanb. Sem SBeibe jiemt ©chamhaftigEeit, ©ittfamEeit unb Stad;giebigEeit; bem 2ftter Sffiürbe unb ©rnfi; bem Äinbe natürlidje Unbefangenheit, grohlid)Eeit unb 2fnfcE)mie= gung k. SJtan Eann ben 2fnfianb in ben natürlichen unb willEütlichen eintheileit. ©S gibt gewiffe nothwenbige duftere Seichen, wobutd; gewiffe innere VoHEommen= heiten auSgebrücft werben. Ser Snbegtiff biefer 3eid)en macht ben natürlidjen 2Cn= ftanb aus, ben wir nid)t betnad)ldffigen bttrfen, unb ber unter ben ©ebilbeten aller VolEet als 2(nEünbigttng ber ^umanitat gilt. Ser il;m untergeorbnete willEütlidje beruht auf ©onoention, angenommenen ©itten unb ©ewohnheiten. 2(nfianb in ber SSBeibmannSfpradje: 1) betört, wo ber Saget ftch bet= birgt, um bem SBilbe Abbruch p thun; 2) ber Sagbbetrieb in biefer Verborgen; l)eit. SScbingungen jum glücEtidjen ©rfolg biefer Sagbatt ftnb: a) Äenntnifi beS üßechfelS beS SßiilbeS, welche burd) fleijsigeS 2fbfpüren unb Vorfuchett erworben wirb, inbem bie rnilben Sagbthiere gewiffe faljhaitenbe Ärauter, bie nid)t allcnt= halben wachfen, ihrer ©efunbljeit halber von Seit ju Seit auffudjen. b) ©enaue S3eobad)tung beS SfSinbeS (SBinbjugS). Ser Saget muf ftd) nämlich bei 2ln= naherung beS SöilbcS unter bem SBinbe beftnben. c) 9Jfef)t ober minber forgfame Verborgenheit, »erbunben mit freier 2fuSftdjt unb Bewegung beS ÄorperS. $ier}U benuht man bisweilen bie fogenannte Äanjel ober ©d)irm, ober im Siotfjfall einen 33aum ober ©traud). d) UnermüblidjcS, oft langes garten beS SdgerS. Siahcvt ftd) enblid) baS erwartete 5Bilb, fo ifi VehutfamEeit nothig, bamit ber Sdger ein reines gutes 2fbfommen habe, 2fd)tfamEeit auf ben ©tanbpunEt beS SBilbeS im SJfoment beS 2fbbrücfcnS, fowie auf baS Seidjnen beffetben nach bem ©d)uffe, ün; gefaumte Unterfuchitng beS 2fnfchuffeS, §3etbred)en beffelben ju aller Seit, ©nt; haltfamfeit oon übereiltet golge, wenn eS nad) bem ©d)uffe flüd)tig wirb, ^inju* Anjtecfienbe Äranf£?eitert Anftetf 315 eiten mit Söotftrfjt, wenn eg im geltet jufammen&tirfjt (flürjt), unb im SJfothfall nod) einen Schuf? ju geben, ef)e eg — trag bei einem Ätell = ober gabenfcijitp bet galt jn fein pflegt — triebet jut SSeftnnung fommt unb bann gemeiniglid) auf immev entfliegt. Anffetfenbc .Svartff)eiten (contagiofe) fmbfolche, bie ftd) ron bem crbranften Snbiribuum auf gefunbe 3nbiribuen übertragen laffen unb fjier immer biefelbe Äranfheit triebet erzeugen. Sie Übertragung gefd)ief)t getnohnlid) burd) bag Äranffteitgprobuct, }. SS. ^ocfeneiter, unb batjer finb niete biefer Äranf^eiten nur bann anffeifenb, trenn fte tnitblid) einSprobuct bereitg erjeugt haben, nid;t aber in ihren früheffen spetioben. SSei manchen biefer Äranffteiten i-jf bie mitflidje SSctuhrung eineg foichen patpabeln ©toffeg notfjtrenbig, trenn Anficifung erfolgen fofl, fo bei Ärdge, Spphilig, £unbgtnuth; bei nnbern anftecfenben Äranf feiten bann fetbft bie atmofpharifche Suft bie Anftecf'ung betrieben, fo bei bem Scharlach, benSPfafern, bem anffeienben Sppfjug ic.; h> ec
    ofe et mit einer geheimen SRegotiation beauftragt mar. 3» SSegleitung beg Ko* nigg ron SPreußen machte er ben bamaligen polnifdjen gelbjug mit unb nahm an ben blutigen $auptgefed)ten beffelben Sheü. SRad) bet Abbankung beg lebten Ko* nigg ron fPolen hatte er bie ©renjregulirung im Krafauifchen, unb flieg jum dpof* tatl). £ et nad) wem er SDAtglieb ber Eommifftou jur Siquibirung ber polnifd)en 316 2Cnfanaf(aft§ 2£nfatftifcfye£ Sanb ©chulben unb würbe crfl ©ollegien=, fowie 1801 ©taatgrath- Sn bemf. Sah« würbe er alg @efanbtfd)aftgrath nach SBien gefd)icEt, wo et big 1809 blieb unb wäfwenb biefer Seit 3 3)tal in ben wichtigen Momenten alg ©efchaftgtrdger feineg «fjofeg fungirte. Sm ndcfften Sah« tegulirte er bie ©rcnjen jwifchen öiufilanb unb Bfiteicf). Sn ben benfwütbigen gelbjügen 1812, 1813 unb 1814 war er be= fianbig im ©efolge beg Äaiferg ober beim Hauptquartiere angefiellt, unb wohnte faft alten ©d)lad)ten bcrfetben bei. Sn biefer fPeriobe hatte er eine geheime 9Zego= tiation mit bem gütfien t)on©d)watjenbcrg über bie £5efi'gnaf)me oon 2Barfd;au ju leiten, unb nadjbem er bie fPraliminarartifel ju bem nachmaligen fatifd/fdjen S3et= ; trage abgefd)(offen hatte, würbe er jurn ©ef).=9Jath ernannt. 85eim präget ©on= greffe erfd)ien er alg ruff. 23eool(mdd)tigter; in gleichet ©igenfchaft fungirte er fpäterhin beim Abfchlufi beg franffurter Setritorialreceffeg, unb erhielt bafur, wie für feine Sfjeilnahme an ben übrigen grofen biplomatifd)en SSerhanblungen ber Seit, ftetg neue SSeweife ber ©nabe feineg 9flonarchen. AntanaflafiS, in berOihetori? bie 3Biebert)olung eineg 2ßortg in oer= fchiebener SSebeutung unb alg oerfchiebcnerfRebetheit mit9fad;brucf, 5 . 85. veniam ad vos, si niihi senatus det veniam. An tar, An bar, ein berühmter atabifcher gürft in ber Stifte beg 6. Sah r b- «nb einer »onben 7 fPreigbichtern-bet Araber, beten gefronte ©ebidjte, mit ©olb in ©eibe geflicft, an bag Shoc ber Äaaba geheftet würben. (©. A r a b i f d) e Siteratur unb Sftoaltafat.) ©r fchilbert in f. „SDioallafa" feineftiegetifchen Shaten unb feine Siebe ju 2fbta. Am oollfidnbigfien ift eg oon SKenil (Sepben 1 1816,4.) heeauggegeben worben, fjartmann hat eg nachSoneg ing Beutfdje über= tragen in ben„^>ellffrahtenben^)lejaben am arab. poet. dMtnmcl" (fÜfünfter 1802). Sn bem arabifdjen Stomane „Antar" hat ber 83erfaffet Agmai, ein berühmter ©rammatifer unb Sfjeolog am>£>ofe Arun al Ofafchib’g, im Anfänge beg9.Saf)th-< berjuerfiaug bem SRunbe ber Sxabition bie attarabifchen Saaten fammelte, an 1 A.’g amen unb dpelbenabentetter bie übrigen berühmteren ^)elbentf)aten ber Ara= ber angereiht. Suerfi machte ung Soneg mit biefem merfroürbigen unb anjiehenben Sfomane genauer befannt; bann befchrieb -£>ett 0 . Rammet in ben „gunbgtubeit beg Brientg" (1812) bag »ollflänbige ©pemplar biefeg Sfomapg in ber faiferl. S5i= bliothef ju SBien, auier welchem eg in©utopa noch 6 gibt. Biefer 9foman ffellt bag »olljfdnbigfte S5ilb »on ben ©itten unb ber SebenSweife, ber Benf= unb 83ot= fMunggart, ben Meinungen unb bem Aberglauben bet alten Araber oor ber 3eit 1 beg Propheten auf, unb man erfennt bie ÜEteue beg föitbeg noch je(jt in oielen ,3ü= gen ber heutigen SSebuinen. ©t ift in ber reinften arabifchen ©prad)e gefchrieben, unb gilt baher alg claffifd). ^oetifdfe (Profa wechfelt barin mit reinerfPoeft'e. Übri= geng ift er fo anjiehenb, bap ihn .Senner ber „Saufenb unb einen 9tacht" öorjiefjen. Hamilton, ©ecretair ber britifcljen ©efanbtfcl)aft in Äonftantinopel, hat ihn ing ©nglifche überfe§t. („Antar; a bedoueen romance, translated from the Arabic by Terrik Hamilton", Sonb. 1819, 4 S3be.). Sn fPatig erfd)ien feitbem eine ftanj. Überfehung, unb >£ett». Jammer hat eine beutfdfe öerfptochen. AntarfttfcheS Sanb. Baman benSTorbpolauch benarftifdjenf))ol, non bem ©ternbilb Arftog (35dr), ju nennen pflegt, unb ben antarftifchen ben cnt= gegengefe|ten, b. i. ben ©übpol, fo nennt man auch antarftifche 3one ben ©rb= ftrid), ber in ber ©ntfernung non 23^° um ben ©übpol liegt, ober bie Ealte lid)e 3one. (©. ©rbftridp.) 5Btgher glaubte man, in biefer 3one beftnbe ftch fein Sanb, unb ffe fei baher ganj unwirthbar, ein einziger Bcean, bet ftch bis jum 60° ©. S. etfirecfe. © 0 0 f (f. b.) näherte ftch bem fPote big jum 60°, aber ©iS= maffen unb ©türme trieben ihn surüi. 1820 entbedte ein SBallftfdjfdnget füblid) nom ©ap ^orn unter bem 61° ber SSreite eine gegen 200 englifche SDteiten lange Snfel, bie er Steufchettlanb nannte, ©eitbem ftnb ©nglanber unb Stuffen noch ! 317 3Cnt&u§ 2fntytng (grtebttd) — Äarl) weif«gegenben©übpol»otgebtungen. (©. © ü b p o l a r l d n b e r.) 5 Bahefd)eintid) bürfte auch bort nid)t bie Ädlte, fonbetn bie gtope 3 aljt Snfeln mit feilten ©« 6 = mungen jwifdjen folgen unb bie bafjer fpdt erfolgenbe ©idfchmeljung auf ben ©anbbänfen in fcfymalen 9JfeeceS6ud)ten bad hauptfdcf)lid)fte .jäinbermf bilben, ben ©übpol jemald erreichen ju fönnen. — 25a in biefer fRegion bec Ädlte bec 2Ball= ft'fd) erft feit ein paar Safjven aufgefucht wirb, fo ifi er, nad) langer 9M)e »or SSerfolgung ber 2Renfd)en, fcfjt ja^lreid), unb ba jugleidj ber §ifd)tl)ran ein ge= fitdjter SOSaarenartifel ifi, ber nod) immer im greife fieigt, fo wirb »etmutl)lich aud) ber Sufall einjelne in ben antarftifchen Siegionen bie SBailftfcfe »erfolgenbe ©d)iffer ju ©ntbeefungen führen. 2 trttäud, ber riefcnl;afte ©otyn Sfteptun’d unb ber ©rbe (©da), welcherin einer >^ 6 f)!e in Sibpen wohnte unb jeben anfommenben grembling jum .Kampfe jwang. Sßon feiner SDiutter fietd mit neuer .Kraft »erfeljen, fo lange et ft'e berührte, erfd)lug er alle unb pflanjte ifjrc ©cf)dbet um feine SÖ5of>nung auf. 3lber^)ercu= led, ben er aud) jum Kampfe foberte, merfte fdinc-ll ben Raubet bet Unübetwinb= lid)feit, umfd)lang feinen Seib unb erfiiifte i()n, inbem er ifn fd)t»ebenb in ben Süften hielt. 2 fntebilu»tanifcf), 25ad, wad»orber©ünbf!utwar; bähet bad Sei© alter bed 9Jienfd)cngefd)led)td »ot ber ©ünbjTut bad antebilu»ianifd)e ge= nannt wirb. Utntenor, ein ebler SErojanet. 23eim.£jometetfd)einteraldbcr»erfidn= bige ©teid. ©r Ijerbergte Ufpffed unb SOicnelaud wdljrenb ihrer ©efanbtfdfjaft in Sroja, begleitete ben fPtiamttd auf bad ©d)lad;tfelb ju bem ju fdjliepenben 35ünb= ttif?, unb fd)lug nad) iljap’d unb .fjeftor’d Sweifampf, miernot »ergeblid), »or, bie Helena jurüefäugeben. 25araud »ermuthlict) hat man gefdjloffen, 2f. fei ein @tie= djenfreunb gewefen, unb bie ©nge »on feinem ©errat!) barauf begrünbet. ©t foll ben ©riechen bad spallabium »erfd)afft, »on ber SRauer mit einer Saterne bad Seichen jum ©inbrud) gegeben, ja bad berüchtigte fPferb felbfl geöffnet haben, ©ein £aud blieb bei ber ^lünbetung »erfdjont, t»ad fich aber buvd) bie ehemalige ©aftfreunbfd)aft 3f.’d mit 3)?enelaud erfldrt. ©r fetbft würbe wie 3fnead gerettet unb gleich «hm ©tifter einer neuen 25pnaftie. 25ie 9iacf)rid)ten barüber lauten »er= fd)ieben. 3(m befanntefien ifi bie »on ©irgil angenommene ©age, bap ernebfi feinen ©öhnen nach Shrajien gewanbert, »on bort aber mit ben-fwnetern nach Italien gegangen fei, wo er bie henetifche ^Droyinj am abriatifd)en ©teere mit ©a= ta»ium (©abua) gegrünbet habe. 2fntero§, in ber Sabellehre ber ©ott ber ©egenliebe. 2)ie fpdtere ©ti)tl)e erjdfjtt, bap ©rod, ber ©ott ber Siebe, nid)t eher gewadjfen fei, bid ihm feine ©tut= ter »om ©tard ben ©ruber 3Cnterod geboren habe, ©ine lieblid)e 25id)tung, um an= jujeigen, bap bie Siebe ber ©egenliebe bebarf. ach einigen neuern 2fudlegern ift jeboef) ber 2(nterod eine bet Siebe feinbfelige ©ottljeit, ober bie 2Cntipatl)ie. 3tnthem, f. 2fntipf)onie. 2fntl)ing. I. griebrid), beüannt ald Künfiler unb burd) feine Sebendbe= fd)reibung bed Se(bmarfd)al(d ©uwaroff, beffen Äriegdgefdhrte er war, geb. 31 t © 0 = tpa, unb eine Seitlang ©agenhofmeifiet bafelbfi. ©r burd)reifie 17S3 — 87 einen gropen SEheil »on ©uropa, fam über Äonfiantinopel nad) Sfuplanb unb gewann feinen Unterhalt burd) Unterrid)t in Sprachen unb SEßifjenfchaften unb noch beffer, ald er burd) Snfall bad bamald beliebte ©ilhouettiren »ornahm unb nid)t allein bie ganjegigur, fonbern aud) ©ruppen sufammenffellte. 25iefaifer= lid) rufftfclje bamald aud 5 ©erfonen beflefjenbe Familie traf er fefjr glücblid). 2)ad «Sinnreiche ber ©ruppicungen in Sieblingdfiellungen ber Snbioibuen in »oller ©eftalt machte 2fllen SSergnügen, bie er in feine Sableaup aufnahm, ©r ft(houet= tivte aud) ben@vopherrn, ben ©ropoejier unb anbte fPerfonen, welche 1785—1800 318 tfnftyofogte an ben dpo fen gu Äonftantinopel, ©ien, Vetltn, ^peterSfeurg «. a. eine bebeutenbe Kölle gefpielt haben. 2fuf bet Keife butdf) Polen traf er ben gelbtnatfcfyatt ©uwa= roff an, beffen Viograpt) er warb. Gt blieb bei ihm als Jpatö = «nb Safetgenoffe, bis ©uwaroff beim Äaifer Paul in Ungnabe fiel. £>icS gog aud) 2f. eine Vetl)af= tung gu, ben ©uwaroff gum SKajor unb gu feinem 2lbjutanten beforbert hatte. Kad) ©uwatoff’S S£obe geriet!) er mit beffen Gtrben über ein ©ut, weld)eS biefer ifjm gefchenft hatte, in einen Ptocejj, ben er nerlor. Gr fbarb in Petersburg 1805 in einer fümmetlid)en Sage als nerabfdjiebeterSKajor. 2fuf bem afabemifchen erflcn Vibtiotheffaate in Petersburg hangen non ihm 2 fpretfjenb dl)nlid)e unb.bem tungSnolle Smbleaup, bereit eins bic mathematifdjc unb baS anbre bie phpftfalifche * Glaffe bet 2Cfabemifet barjfellt. ©ein merfwütbigeS ©tammbuch, worin fiel) , feine ©d)attenriffe unb ^anbfdjtiftcn berühmter Perfonen beftnben, fam in bie I $anbe beS D. .£>affing in ©otfja. — II. Äarl, ©enerallieutenant, VruberbeS Vorherigen, biente als Gäbet in einem, in Xtenburg tiegenben, gothaifcfjen 3n= fanterieregimente, fam batauf als Sieutenant in eins bet beutfdjen, in ho(ldnbi= fdjern ©olbe ftel)enben 9fegimenter nad) -fjollanb. 3m ber holldnbifd)cn Kenolm tion 1795 als pialjcommanbant nom Jpaag unb bei Vertreibung bet bei 2llfmaar gelanbeten Gngldnber geicfjnete er ftd) aus. Unter ber fönigl. Kcgierung flanb er in befonbeter ©unft unb würbe ©enerallieutenant unb 2fbjutant beS ÄonigS. Vei bem Bug« gegen ©d)ill unb ber Ginnahme non ©ttalfunb bewies er einen gldnjcn= ben 5D?utf>. Kad) Ginoerleibung ber holldnbifd)cn 2frmee in bie frangSft'fdje ging er , als Vrigabegeneral in biefe über, unb befehligte als ©ioiftonSgeneral 1812 bie fed)Ste Stoifton. Kad) 2fuflofung beS frang. Äatfetreid)S trat et als ©enerallieutc; nant in nieberlanb. SMenfle, blocfirte nad) ber ©d)tad)t bei Söatertoo bie Seftung £e £lueSnop, wcldje am 28. 3uni capitulirte, unb erhielt fpdter baS ©eneralgom «etnement im nieberldnbifdjen £)ftinbien. ©eit 1819 priöatiftrte er in ©otl)a, wo er 1823 geftorben ift. 2(n 11)o lo g t e (griedjifdje). GS würben im 2fltertl)um mehre Vlumenlefen (bieS bebeutet baS ©ort) ober ©ammlungen fleinerer, meiffenS epigrammatifdjer ©ebid)te »on oerfchiebenen Vetfaffetn oeranfitaltet. 23er erfie ©ammiet ber 2frt war Pfeleager, ein ©prer, ber etwa 60 3. oor Gl) 1 '- uuS fremben unb eignen ©ebid)ten eine 2luSwaf)l machte; fpdter traten ein ©IcidjeS Philippus non Sheffa lonid), roahrfdjeinlid) gut Beit Srajan’S, SiogenianuS »on -fjeraflea, ©trato au« ©atbeS, Veibe unter dpabrian, unb 2Cgatf)iaS im 6. 3ahtf). 2fber alle biefe altern ©ammlungen ftnb für uns »erloren gegangen. 3BaS wir nod) beftfccn, ftnb 2 fpdtcre, bie eine non ÄonftantinuS ÄepljalaS aus bem 10. Saht!)-/ ber bei fei= itcr Sefe bic frühem, befonberS bie non 2lgatf)iaS, fel)r benufcte, bie anbre non PlapimuS pianubeS, aus bem 14. Sah^h- / einem SKond) gu Äonftantinopel, ber aber burch feine gefd)madlofe2fuSma£)l aus bet 2fntl)ologie beS ÄephalaS ben biS^ hörigen Vorrath mehr nerflümmelte als nermehrte. 2e|tere ift bie gew6t)nlid)|te. ©ie enthalt 7 Vüd)er, bie, mit 2luSna()me beS fünften unb fiebenten, in lim terabtheilungen nad) alphabefifcfjer Orbnung gerfallen. Kur in einjelnen £l) e > : len flimmtvft'e mit ber 2fntl)ologie beS Äepl)alaS gufammen, bie fich in einem cingi« j gen Gobep erhalten hat, welcher non -fjeibelberg nach Kom unb non ba nad) Paris I fam, jegt aber wiebet in bie heibelberger S3ibliotE>eE gucücfgefehrt ift. Sie neuefte . unb nollftdnbigfte 2fuSgabe btefeS UrtepteS ift non SacobS, Seipg. 1813, 4 Vbe. 2£uS ber pianubifdfjen unb Äonftantinifchen 2fntl)0logie gemifdf)t fmb bie 2fuSg. non Vruncf („Analecta") , ©ttaSb. 1772, 3 Vbe., unb mit SacobS’S Gommentar, Spg. 1794, 13 Vbe. 3m ©eutfcljen iff bttrd) ^»erber’S, ©onntag’S, ©tolberg’S, Vof’S, Gong’S, SacobS’S unb 2fnbrer Überfettungen bie gritd). 2fnthotogic nicht mehr unbefannt, unb bie reiche gülle poetifchcn SebenS, bie in biefeit fleincn ©emäb ben l)errfd)t, bie Burtheit fd)6ner ©efü()le, bie frohlid)e ^eiterfeit, bie reine ©rofe Antfjropognofie 2Cnff)t:opopf)a$ 319 ein« ebetn unb wahrhaft humanen SenfungSart, bic aus if>nm hetootleucftet, hat bie ©emuther unbefangener Sefer mit Berbienter Bemunbetung ergriffen, ©ne ähnliche iatein. 3Cntt)otogie i)aben Sof. ©catigcr, Sinbenbruch u. A. m. gefammett; befteAuSg. b. fPet. Burmann b. 3- (Amfferbam 1759 —73, 2 Bbe., 4.). Sfeicf) an Anthologien ift bie oriental. Siteratur, j. 85. bie arabifefje u. b. 3). „#antafah". Anthropognofie (griedj.), SÖfenfchenfunbe, im ©egenfa($e Bon An= tljtopologie, 3Dtenfd)enlei)re, infofern fte Sentanb beftft. Ser 33Bunfcf> unb baS fßebütfnif, ben SRenfchen, b. h- ftch fetbft, unb inSbefonbere Anbte fennen ju (eenen, warb Berantaffung, bie SRenfcpcnfunbe auf oerfchiebenen ©egen ju fudjen. Ser einzige wahre 2Beg, burep ©tubium ber Anthropologie unb fpfpdjo* logie bah'itt ju fornmen, würbe oft Berlaffen, unbBerfud)t, auf SBegen Bon Auf en (;er, burch ©tubium fbrperltdper Eigenheiten jur ©eelcnfttnbe ober Äenntniß beS innern SRenfd;en ju gelangen. Solchen SSefirebungen patte 5- 35. bie Chiromantie ihr Safein ju banfen; auch pot barin bie oerfeptte Anwenbtmg ber fPhpftognomif unb ber ©chdbellehre ihren ©runb. SRenfcpenfunbe, b. p. Äcnntniß ber SRenfdpen, wie fte ftnb, entwicfelt ft'cp nur aus ber mehr obe‘r minber Borhanbenen Anlage ober bem bunfeln ©efüple, ben innern SRenfcpen ju Berftehen, unb wirb wol am ftdjev= ften burd) Beobachtung ber SRenfcpett auSgebilbet. Antpropolitpen, Berfteinerungen (f. b.) menfcplid)« - Äorpec ober Äorpertheile. Anthropologie, S02enfd>enlehrc, eine SBiffenfcpaft, welche bie pppfO fd)e unb geiftige fRatur beS SRenfcpen umfaßt. Sn neuern Seiten hat man fte als fRatuclepre beS SRenfcpen uon ber 9Raturgefchicbte beffelben abgefonbert. Sh re S5e= hanblitng aber ift Berfdjieben, je naepbem man bie pppfifepe ober geiftige ©eite beS SRenfcpen mehr im Auge gehabt hat, ober beibe ju Berbinben fttepte; ferner nach bem befonbern ©eftcptSpunfte unb j3wecfe, aus unb ju weichem man ben SRenfdjcn betrachtet. Sa man ben 3Renfcpen in einer breifadjen ejpinftcht betrad;ten muß: 1) nach feiner pppftfepen fRatur, 2) nach feiner geijtigen fRatttr, 3) nach Sem, was ec als freipattbelnbeS SBefen aus ft'cp mad;t, fo hat man in erflerer $inftd)t eine fomatifepe ober pppftologifcpe Anthropologie (bie man, weit fte mehr ber e£)ei(= wiffeitfcpaft bient, aud) mebicinifdje Anthropologie genannt hat); ferner eine pfp= d)ifcpe 2fntpropologie (f. 8 ) f 9 d) 0 1 0 g i e) unb eine oerglcicpenbe Anthropologie ober Anthropologie ohne Beinamen angenommen, bie man jebod; mehr als pht(ofoppi= fepe 3öiffenfd)aft bepanbelt. Sie leptere geht uorjuglid) auf eine Äenntniß beS SRenfcpen unb führt jur ricfjtigen SRenfcpenfenntniß (f. b.) pin. Sod) ift fte Berhdltnißmdßig noch am wenigften bearbeitet, ^»artmann, «£>einrotp, b. Ber= ger, ^illebranb haben Betfucpe ihrer Bearbeitung gemad)t. Bgl. ©. ©. ©cpulje, „9)fpchifd)e Anthropologie" (3. A., ©otting. 1826), unb D. dpoulant’S „Antpro= pologie für fRid)tarjte" (SreSb. 1828, 2 33be.). 2lnthropomorpht6mu3, f. Abgötterei. Antpropomorppttcn ob« Aubianer, bie Anhänger beS 2fubiuS ober AubauS, eines SepterS in ©prien, ber, nach ©eptpien uertrieben, bas dptU flenthunt ju ben ©othen brachte unb um 370 n. dpt. ftnrb. Sen Bann ber ortl)o= bopen Äirdje jog ihnen mehr ihr Beharren bei ber alten, mit bem ^afepa ber Sttben gleichseitigen Sfterfeier, ihre Abweichung Bon ben üblichen Büßungen unb ihr pef= tigec ©fer gegen unwttrbige ^rieflet* ju, als ihre anthcopomorphifchc Borftellung Bon ©oft, ben fte fid) in ber ©efialt eines ntenfd)lid)en ÄorperS badjten. ©egen baS ©tbe beS 4. Sahrl). fal) man fte nod) als ©eparatiflen Bon flrengcn ©itten ju (leinen Raufen in ©prien gefammelt, im 5. Snh r h- ocrloren fte ftd). Sie italie* nifdjett ©eiftlid)en ju Bicenja, bie um b. S- 938 wegen ähnlicher Bitbcc oon ©ott Jfnthropomorphiten gefcholtett würben, bilbeten feine ©efte. E. A u 11) V o p o p f )3 (boh uvd-Qionog, ber fÜlenfd;, unb , ich effe), 320 2Cnft!baccf)iu§ 2Cnticf)vift SOfcrtfdjcnfreffer, .Kannibalen. Snbioibuen, aucf) ganje SSobHec haben bie erfdjtecf; , tic^c ©eroofjnfjett, Vlenfchenfleifd) 5U genießen: eine ©gentl)ümlid)feit, welche bem natürlichen Snftinfte entgegen ißt. Vtanche ftnb bucdfj ben junget baju genötigt worben, Anbre bringt bie 9lad)e batjin. Sei Anbetn fd)einen religiöfe Vorurteile biefelbe SOBitfung gehabt ju haben; wenigflenS wirb erjählt, baß bie Vlepicaner bas gleifd) derjenigen fraßen, Wctd)e fte ihren ©oben geopfert Ratten, ©tblid) fd>eint biefe Abfdbeulichfett bisweilen eine wahre Äranffjeit ju fein, weiche ftd) an anbre Ab= Weisungen beS Appetits (f. b.) anfchließf. @0 erwachte in einem Kuhhirten ©olbfchnfibt, ber jufälligetweife jttm Vlötbet geworben war unb bet, um bie Ent= > becfung beS VlorbeS ju »erhinbern, ben ©etöbteten in ©tücfe jerfchnitten fjatte, bei biefer ©elegenheit ber Appetit nad)Vlenfd)enfTeifch, ben er butch ben@enuß beSglei= , fcfjeS beS ©etöbteten, bann aber, als bieS »ersehet war,burd) baS gleifd) eines Kim i beS füllte, weiches et abfrdjttidE) ermorbet fjattc. @.©runer’S„Almanad)fürÄtste", 1782, ©. 312. Sa VoetßiuS führt in feiner ©efd)id;te »on ©chottlanb ein SSei= fpiet an, baß ftd) biefe Kranffjeit einer ganzen l^amitie bemdd)tigte. ©n Stäuber, feine grau unb Kinber würben »erbrannt, weit fte mehre Vlenfchen an ftd) gelocft, getöbtet unb gefreffen hatten. 9Jur eine Sodjter, bie nod) fefjr jung war, blieb übrig, unb fattm t)atte biefe if)t 12. Saht erreicht, als fte beffetben Verbrechens wegen, web d)eS fte aufs neue begangen hatte, aud) hingerichtet würbe, daß eS Völfer gibt, bie baS Steifet) beS getobteten geinbeS »erjehren, $. V. bie 9leufeelänber, ijl befanttf; aber eS gibt feine Völfer, ju beren gewöhnlicher 9lahrung Vtenfd)enfleifd) gehört, . wenn eS nicht bie VattoS auf ©umatra ftnb, wie Tfnberfott (ßonbon 1826) ersäht. 1 die ©raufamfeit ber erjten ©oberer ber neuen SSett — ber ©panier •— reiste bie : gutmütigen 2tmerifanersubatbatifd)et9fad)fud)t, unb man »erleumbete fte, um fte unterbrüefen ju fönnen; fo würben bie Caraiben (f. 2Cnti tten) auSgerotfet. Allein bie neuern SBettumfegter haben jene Vorwürfe »on Varbarei unb Antf)topo= phagie nid)t betätigt, unbfelbftba, wo fte Vötfer antrafen, bie Vfenfchenfteifcß aßen (baS non getobteten geinben), fanftmüthige unb gutfjersige Seute gefunbett. die Gthinefen werben nicht Anthropophagen genannt, obgleich Sebcr weiß, baß itt China ber Kinbetmorb nicht als ein Verbrechen angefeljen unb baß in Kanton Kim berfleifd) auf bem Vfarfte »erfauft wirb. Unter SofephS II. ^Regierung wollte matt entbeeft haben, baß bie Zigeuner einzelne Oteifenbe ermorbet, jerhaeft, eingefaljm unb »erfpeijl hatten! — Übrigens ift Anthropophagie eine alte Varbarei, bei ben ©epthen unb ©auromaten wie bei ben alten Vewohnern Kanaans. 34. AntihacchiuS, f. KhpthmuS. Anticaglie (anticaglia), f. Antif. Anttchnjf. S« ben lebten Saht- »ot©> r - fnüpften bieSnben an i£)re VlefftaSibee bie Vorjtellung »on einem ©egenmefftaS ober 2Biberfad)er ber gweefe beS SDlefftaS $ur SQSoijlfahrt ihres VolfS, ber biefern »or Anfunft beS wahren V?ef= ftaS noch große Sieiben bereiten würbe, die ©triften beS 9?. $£. gebenfen beS AntichriffS als eines ober mehrer falfchen Propheten, bie ftd) für ben wahren <5f>ri* jluS auSgeben unb bie SBclt betrügen würben; nur in ber Apofalppfe wirb er als ein , mächtiger, gegen bie ©)tiftenheit feinbfeliger ^errfd)er gefchilbert. die Chrillen 1 blieben in ben etfien Saht- bei berSbee eines folchen gewaltigengeinbeS betKirdje, I beffen ©fcheinung burd) bie Verfolgungen berfelben angefünbigt, ber nach d)iliaßi* ■ fd)en Meinungen erwarteten Vßieberfunft ©)rijii »orangehen würbe. Vitt bem ©lauben an baS taufenbjährige 9leid), baS, jener Vleinung gemäß, nach ben Ve* ängjUgungen ber Kirche burd) ben Antid)tifi eintreten follte, erhielt ftd) biefe Vor* fiellung fpäterhin in ben mannigfaltigen deutungen unb abenteuerlichen ©nf(et= bungen, bie ihr bie Kird;en»äter gegeben hatten, bis baS S-1000 ohne Eintreffen ber barattf bejogenen Vtcpheseihungen »ergangen unb baherbied)iliafiifche©d)wär= mevei felbjf abgefühlt war. gab bie Auslegung ber Apofalppfe immer noch Antigone 3Cntigonu§ 321 ©elegenfjeit ju «cum S3eted;nungen ber ©rfdjeinung beS 2Cntid)tijfg, bcd) tctigen bie im Mittelalter tljeilg einjeln aufftefjenben, tfjctis in allerlei ©eEten Bereinigten ©egnet ber romifcfyen .£)ierard)ie biefen 83egtijf halb unb am liebften auf ben ^apjt über, in bem nid)t nur bie SBalbenfec, 2 Bicleftten unb«£mfjtten, fonbetn aud) 2 utl)er unb feine greunbe ben tuafyren 2fntid)tifi: erEannten, tueil er ftd) tuibermtb über ©griffum gefegt I>abe, bagegen roieberum bie ^apifien 2utl)er unb anbre 3tefor= matoren mit biefem Site! belegten, ©o lebte bie Sbee beg 2fntid)tijtg alg 33ilb eineg gefdf)tlid)en geinbeg ber malten Äitd)e nad) »erfdjiebener inbit)ibne(!er 2 fitftd)t fort, of)ne je tuiebet allgemeine 2fnetEennung ju getninnen, unb fpielte nod) in ben djilia= ftifd)en Staunten 3ung=©tilling’g, j. S5. in feiner geitfdjrift, „.©er graue Sftann", eine widrige SRolle, bie in ben Sauren ber -fberrfcfyaft Dtapoleong l)äuftg biefem ge= fürchteten SJtann aufgebürbet reurbe. Sogt ftegt bie grofe Partei ber Sbfcuranten ben 2(ntid)tifl in ber SSernunft ober »ielmeljr in bem freimutgigen ©ebraudje ber= felben gegen bie 2 fbfid)ten unb 2 tnmapungen beg ©bfcucantigmug. 2 (bec eben an biefem l)at bie gute ©acfye ber 9Jtenfcf)t)eit, reelle mit bet @ad)e Gf)tijti ©ing ijt, ben entfdpiebcnften unb gefd)äftigffen, tnemt aud), ba biefe @ad)e bie SSürgfdjaft it>reS ©iegg in ftd) felbjt tragt, einen nid)t unübetreinblicfyett geinb. — 2fttd) unter ben Suben erhalt ftd) feit .Beratung Sctufatemö burd) Sitttg bie reun= berlid)e 9 )top!)ejeif)ung eineg Äampfcg, in bem ein ©egenmefftag, fftameng 2 fr= millug, nacf) l)arter S3ebru£>aufeg. ©efd)id)te f. unter 6 t co = f 1 e 6 unb £>bipug. ©opljoEleg bat fte »erf)errlid)t. 2 tntigonu§, einer «on ben gelbfjerren 2 flepanberg, bem biefer nad) feinen erften ©robetungen in 2tften bie ©tattfaltcrfcfjaft »on CpEien unb spijtpgion an» öertraute. 2 t. »ertl)eibigte biefe ^)ro»injen nid't nur mit geringer 5)?ad)t, fon= bem unterwarf aud) nod) SpEaonicn. 2ttg nad) 2t(e»anberg Sofcc bie geibf>erren beffelben feine ©toberuttgen unter ftd) tgeilten, erhielt er ©rofpljtpgien, SpEien unb 9)ampf)ptien. ^erbiEEag, ber alle Staaten 2tlepanberg unter feinet $errfd)aft 51 t Bereinigen fud)te unb bie SgätigEcit beg 2tntigonug furdjtete, flagte tl)n beg Utt= geljotfamg gegen bie 58efef)le beg Äottigg an. 2t. errietl) iljtt, fdjiffte fid) f>eim= lid) nad) ©utopa ein, begab ftd) ju Äraterug unb 2 fntipater, unb gemeinfd)aft= lid) mit 9)tolemdug crfldrten fte bem ^etbiEEag ben Ärieg; flegterer rearb burd) feine eignen ©olbaten ermorbet. 5Jtod) t»ar aber beg *PetbiEEag gelbfjerr ©ttmeneg fefjr mdd)tig in 2 tften. . 2 t. fegte ben Ätieg gegen tljn allein fort, brachte if>n in feine ©cmalt unb lief il)n f)inricl)ten. ©0 mar ec in Eitlem $etr »on faft ganj 2tften getBorben; benn ©eleucug, ber in ©ptien f)errfd)te unb ftd) feinen 2tnma= fungen entgegenjuftellen »erfud)t hatte, t»ar ebenfallg »on if)m überwältigt unb fjatte bei fptolemdug ©d)ug gefud)t. 2 t. bemdd)tigtc ftd) and) beg groften Sfjeilg ber ©d)dge 2 flepanberg ju ©Ebatana unb ©ufa, tuollte aber bem ^tolemdttg, Äaffanber unb 2pftmad)ug nicht 0Jed)nung ba»on ablegcn unb erEldtte fogar bem Äaffanbet ben Ärieg, um, t»ie er fagte, ben Sob ber ©tpmpiag ju r t td)en unb ben jungen 2 tlepanbec, bcr ftd) mit feiner SKutter Otopane ju 2 fmpl)ipolig befanb, 5 U befreien, ©urdt feinen ©tjrgeij empört, »erbanben ftd) alte gelbl)erren gegen il)n, unb tuägtenb Äaffanbcr Äleinaften angriff, rucEten ^)tolemaug unb ©eleucttg in ©ptien ein, t»o fte beg 2t. ©olm ©emetriug fcflugen. ©eleucug nal)tn S5abp= Ion tBieber. Äaum hatte 2f. biefe »orfalte erfahren, alg er juritcEEe!)rte unb ben sptolemäug jum 9tucEjug nbtgigte. ©emetrtug entrif bem ©eleucug Sa= bplon attfg neue. Segt fcfloffen 2 f., ^tolemdug, Spftmad;ug unb Äaffanber einen griebeng»ertrag, in beffen golge fte bis jur aSolljdgrigfeit beg jungen 2 t!epau= ber, ber ben Äoniggtitel führte, bie gdnber bemalten follten, in bereu SSeftg fte Sonorer. (Siebente 2Cufl. Sb. I. -f 21 322 3tnfi? waren. 2Hg «6er Jfaffanbet ben jungen Äbnig fammt feiner Sttutter fjattc ennor* ►- beit taffen, entjünbete fiel) bei Ätieg aufö neue jmifdjen bcn S3emerbern. 2t. naßm ben Äöniggtitel an, mußte aber ben fpian, Ägpptcn ju erobern, aufgeben, ba ein SEßeil feiner flotte burd) ©türme »erloten ging, unb ju ßanbe fPtolemaug jeben ©nfall unmoglid; machte. S3alb barauf »ertricb ber junge iDemetriug ben Äaffan= ber aug ganj ©riechenlanb. Sicfer rief ben 2pflmad)ug um SSeiftanb an, web d;er ftcf> mit einem mddjtigen $eere nach 3fften begab; fjiec fließ and) ©eleucug ju ii)m. 85ei Spfig in ^)t)rpgien fameg (301 ». Gt>v.) jut ©cbladf)t, in meldet ber 84jdl)tige 3t. blieb. ► 2fntif, 2tnti?e. ©eit bie SSilbung ber neuern europdifeben Sßolfer fo weit »orgefd)titten war, baß biefe, in bleibenben 2Bol)nff(jcn unb in ihren gegenfei= tigen föertjdttniffen fejler gegrünbet, einen SSlicf r«t)igcr S3etrad)tung auf bie 5Sil= bung ber fBorjeit wenben unb bie befrudjtenben Äeime einer neuen geiftigen Gntmi» cfelitng in bem 2f[tertl)umenu§geflrcutfinbenunb aufnel)mentonnten, feitbem würbe aud) ben SDenfmäletn gried)ifd)er unb romifdjer Siteratur unb jtunft »or allen nod) befannten Überreflen anbrer Steifer unb Seiten fafl allgemein ber SSorjug juec= : fannt. ©ie mürben alg bag SSebeutenbjfe unb SDauernbfte, worauf ber in bie S3or= jeit gemenbete 25licf immer rul)en blieb unb mol)in er (tetg jurüeffebtte, »otjugg« meife antif (antiguus), b. i. altcrttjümlid), 2fntifen, 2(ltertl)ümer, il)tc Äunbe »or-- ■ jiüglid) 2ftd)do(ogie, unb jene SSolfer felbft bie 3tlten genannt, fjnbejfen mar aitcl) biefe ©djd&ung unb ber »on itjr abhängige SScgtiff ber 2fntife nad) ben Seit- raumen ber neuern S3ilbung »erfd)ieben, inbem fte, halb auf ßtjrfurdßt gegen ba$ ' 20tertbum an bemfelben überhaupt, halb auf 9teugier, ©itelfeit unb ©lanjfudjt gegrünbet, felbft bei ben 85effern anfangs nur einem bumpfen unb blinben 2fn= ffaunen dt>nlicf> su fein fdjien, ober einfeitig mel)r auf bie ©enfmdlcr ber alten Literatur gerichtet mar, welche man leichter überall jur .£>anb haben fonnte, ja ju meieren man aud), mittelfl ber jtterfi ftd) augbilbenben Sbeologie unb SSBijfenfchaft beg romifeben Stecbtg, auf mannigfaltige SBeife bingewiefen mürbe, ©ammlungen «on SSSetfenber gried)ifd)en unb römifdien S3itbf)auerfunfl (fpiaftif), meld)e immer jaljlreidjcr unb bebeutenber mürben, unb ber neubelebte Äunflftnn boten ftd) gegen* feitig bie .fpanb, eine reinere SBürbigung biefer -Denfmale alter ^errlicffeit im 14. unb 15. iucrfl in Italien ju ermeefen unb ju «erbreiten. S3eibe erfl mad)= ten eine bie mid)tigften SBerfe biefer 3frt umfaffenbe SEBiffenfdmft möglich, roeld;e biefelbe nid;t nur »on anbetn ©egenfianben beS 3f(tertl)umg abfonberte, fonbern aud) bag gemeinfd;aftlid)e 83anb, metebeg jene SBerfe felbft ju einem ©aujenocr* binbet, unb bag betebenbe, geiftige fPrincip, welches in Urnen maltet, anerfannte, hiernach bag Gfinjelne mürbigte unb, burd) pbilologifcbe unb f)iftorifd;e Äenntnijj unterjtü|t, erfldrte. SBincfelmann, ein tOtann»on antifem Seifte, wäre«, ber fpdtertjin in JDeutfdjtanb mit biefer 3fnftd)t burdjbvang. Stach jener abgefonberfen $Setrad)tung ber plafiifdjen jfunftwerfe beS gried)ifd)en unb tömifdjen 3tltertf)um6, meld)e ber Vfrcfjdologie im engern©inne, a(S befonberer Sßiffenfdjaft, ihren Uv; fprung gab, mürbe ber 2fu3brucf 2f n t i f e (einer 3fntife, ber 3fntifen) »orjuglid) für bie Senfmdler ber bilbenben Äunft bet ®rted)en unb SRömer gebraudjt, unb bet SSegriff beffelbcn »on ©eiten beg Äunfiroettf)ä unb bet innern S3ebeutung biefer Söerfe immer beftimmter. 2fud) mar eg mieberum erft nad) ©ntmicfelung einer umfaffenben pl)ilofopbifd)en unb gefd)id)tlid)en 2fnfl^t möglich, bag S5anb, mcldjeg bie bilbcr.be Äunft mit ^)oefte unb miffenfchaftlidjer ßiteratur, ja felbft mit bem übrigen religiofen unb politifrfjen Seben jener SSolfer »erfnupfte unb allen biefen 31’ußerungen beg ©eifteg einen gemeinfcbaftlichen dfjaraftar gab, ber Seit unb SSoff »or allen anbern augjcidjnet, bei aller SBannigfaltigfeit unb Sülle ber ©rfcfyeinun* gen mahrjunef)men unb nad;äumeijen; unb hierburd) entjtaub nun ber allgemeine SSegriff beg 2fntifen, meld)eg man betn 9Wobcrnen entgegenjufefen anftng, unb ), 2Cnti! 323 *" burd) 93crgteid)ung bet «(fett tmb neuern Seit unb ihres »erfchicbenen Gl)araFterS ju beflimmen pflegte. GS gab bann eine Seit ber Stachahmung in bcr neuern Äunff, roo man, »on eigner ^»ob>e fdfjon fjerabgefunfen unb in bie poetifche gerne bet 8Scr= gangenfjeit blicbenb, ftd) an »ormatige ©tofjc ju ftugen unb an i^r jtt erbeben bc= mut)t mar; in biefer Seit mürbe jene SJergteichung nur jum unbebingten fSortl)cile beS Antiben angejtellt, gegen meld)eS baS teuere für CRicfjf« geachtet mürbe. @e= genmärtig, mo eine umfaffenbere unb burd) reinere SSegriffe »on Äunji unb Scf)6n= k l;eit gelauterte Äenntnip unb Äritib ber Äunfimetbc beS »orchriftlidjen Altertums f unb ber neuern Seit ftd) immer meiter verbreitet h«t, ft'cbt man aud) allgemeiner ein, bafs eineStl)eitS bie ©erbe ber ©ried)cn unb 0?omer nicht ben SSegriff bei Att= tifen erfcböpfen, menn auch bie ©ehtjahl betfelbett bem Sbeate ber Äuhjt unter allen ©erben beS, AlterthumS am nächfien Fommt, unb bal)er vor allen burd) jenen tarnen ausgezeichnet ju merben uerbient, anberntljeilS bie neuere S3itbung eben= falls eine unübetfel)lid)e ©enge herrlicher unb in ihrer Art vortrefflicher ©rjcugniffe ber Äünfte aufjumeifen hat, melchen bie Überrefte beS AlterthumS als gleicbrelatmc Grfcheinungen beS menfd)lid)en ©eiffeS gegenüberftehen. Allein bie nähere 85e= ftimmung biefeS SSegriffS beS Antiben, meldier bem ©obetncn ober ben Grjcugs ; niffen ber neuern Seit entgegengeftellt mirb, fegt eine genaue Angabe beS UmfangS | unb ber Sauer ber SSilbungSperioben, melche mir mitbiefem SSegrtffe bezeichnen, fomie ber Urfadjen »orauS, melche ben befonbern GharaFter berS3ilbung, burd) - j melden mir beibe abfonbern, herrorgebrad)t haben. Senn foll ber SSegriffbeS AlterthumS einen beftimmten Abfdjnitt ber allgemeinen SSilbungSgcfchidite bejeicl;» nen, fo mufj berfelbe auf eine 5Berfd)iebenheit bet SSilbung gegrünbct fein, burd) melche mehre SSolFer fiel; non ben Nationen einer neuern Seit (bie mir als jmeite .fbauptperiobe bem Alterthume gegenüberftellen unb im Allgemeinen bie Seit ber mobernen Siteratur unb Äunft nennen) abfonbern, unb mir fegen babeisorauS, bajj SSölFcr, fo »erfchieben fte in ihren ©erben etfehetnen, bennod) in Jpinftcbt eines hohem ©efid)tSpunFteS unter einen gemeinfd)aftlid)en SSegrtff gefajit merben Fon= nen, ba überhaupt bie SSolFer nid)t fuc fich beftchen, fonbetn jufammenroirFcnb ein gtofeS ßebett bet ©enfdjheit bilben, baS, mie bas Stcid) ber fflatur, in unjah= lige gtofjete unb Fletnere untergeorbnete unb beigeorbnete Äreife, bis ju ben 3nbi= »ibuert herab verfallt unb fich nach einem feften ©efege ber SSilbung entroicFelt, nad) ► beren Gntfaltung mit mannigfaltige fPetioben anjunehmen berechtigt finb. (Jene a$erfd)iebenheit nun ft'nbet ftd) unleugbar in ben ©erben ber vordjrifllicfpm unb dfjrijllidpen, b. L berjenigen Seit, melche mit ber allgemeiner oerbreiteten dperrfdjaft ber dpriftlicfjen SteligionSanfid)t, bem mit ber fogenannten gtoften SJolfcrmanbetttng eintretenben fßerfalle beS romifdhen 0teid)S beginnt. 9tun Fonnen jmar ©crFe ber. alten unb neuern Seit ftd) mieberum fo ähnlich fein, baff baS Alte in bie neuere Seit" hinüberfpielt, unb umgeFehrt (bähet fiel; aud) biefe Abfdjnitte hiftorifcl) nicht gequälter befiimmen taffen); auchftnben, mie im 9teid;e ber Statur, in ben ©eiffeS= merben ber Smbioibuen taufenbfältige Faum merflichc Übergänge ffatt; aber mir reben hier »on einem herrfchenben GharaFter, metcher biefe SBerfcbiebenhcit grünbet. Stagen mir nun genauer nach biefer S3erfd)icbenheit, fo müffeit mir fogleid) bie . Urfadjen anbeuten, melche jenen beffimmten GharaFter herbeigeführt haben, mo= ^ burd) zugleid) bet SSegriff beS Antiben näher beftimmt merben mirb. ©ir »erflehen aber unter bem Antiben im meiteffen Sinne bie S5efd)affenheit ber SSilbung bet oord)riftlid)en fBötber unferer Gebe, meld;e ft'd) in ben ©erben ber ©iffenfehaft unb äfunft als hertfehenber GharaFter berfelbeit geäußert hat. Sie SSilbung beS ©enfd)en,_ unb bamit aud) bie Guftur ber Selber unb beS ©enfbem gefd)led)tS, fängt an mit bet SSilbung beS äußern SinneS; mir Fonnen bal)et ben erfFen Seitraum berfelben ben Seitraum beS l)etrfd)enben SinneS (SinneSpctiobe) F ntnn en. Surd) bie Sinne aber ift ber ©enfd) in bie Statur »erfenEt, ft'effnbbie 21 * \ . 3Cnti? 324 unmittetbarftcn S5erüßrung§punfte beS ©eiffeS itnb ber Statur, burd) welche nucf) crftcrcr bie Äraft ber leljtetn empftnbet, unb mir fonnen ttnS barauS «Haren, war: um in ber erften SPeriobe baS natürliche SPrincip felbft im menfd)lid)en ©Seifte gteidf)= fam oormaltet unb eine gemiffe .Oberßanb immer bemalten mußte. Sn biefer fPeriote lebte ber SJZenfd) anfangs wie baS Äinb, nod) ungetrennt in unb mit ber Statur, ©obalb er aber mit bem SBachStßume beS SSerjbanbeS ft cf) unb feine 3roecfe »on ißt abfonberte, entjtanb ber .Stampf jroifcßen bem Sintern unb Äußern, unb er fucßte biefen auSjug(eid)en 1) in ber Steligion, in wcldjer ißm wicberum bie Sftacßt bet Statur atS ©ottßeit erfcßien, burd) SSetfoßnung ber Statur, Siaturbienft, weldjer, weil bie Statur aiS unermeßlidje gälte unb SDZannigfattigfeit ber ©rfd)einungen ftd) ißm offenbarte, aud) liotßmenbig Söietgotterei fein mußte, »ielfacß gefaltet, je nad)= bem bie äußere unb innere Statur »erfd)iebcn mar unb bie 2Belt ber ©inbilbungS.- fraft auf jener fid) erbaute; ferner 2 ) burd) bie 2Biffenfd)aft, meldie ftd) attSbet Staturforfcßung erhob unb lange .Seit Stid)tS meiter als Staturforfdjung mar, unb mo fte, jur ßod)ften ©infjeit ßinftrebenb, ftd) über bie »ergotterte Statut erf)ob, groß: tentßeilS bei einer bemegenben .Straft, bie ben ©aufaläufammenßang fd)tießen fotlte, bei einer boßcrn S'totfjmenbigfeit, bie man als gatutn über bie ©Otter fegte, fteßen blieb; enblid) 3) burci) bieÄunft, me!d)e ftd) als Staturnadjaßmung auf mannig: faltigen (Stufen mirffam äußerte. Sn ctud) in ben meßt polpard)ifd)en SSerfaffun: gen geigte fid) bie ^errfeßaft beS StaturprincipS. Sn bem Sehen bet ©injelnen gelt bie männliche .Straft unb bilbete ben £etoen; bal)eraud) bie oorjüglicße -ftocßad): tung bet greunbfd)aft; baS 33erßältniß ber ©efd)led)ter aber mar flüd)tig unb un= gleich, ntehr natürlid)cr als fittlidjer Ärt, nur burd) angeborene Secenj hier uttb ba oerebelt. £>iefeS harten tric für bie ©runbjüge beS Äntifen überhaupt. SEBaS aber bie St u n ft inSbefonbere, ju welcher bieferSeitcatmt uorjüglid) hinneigte, unbn«: menttid) bie bilbenbe, anlangt, welche mit ber Statur in nod) näherer SSerüfjrung fleht, unb bereit SBerfe man tiorjüglidj mit bem ÄuSbtucfe Äntifen bejeießnet, fo nahm biefe befottberS ben C5f>araEter ber Statut in ihrer gülte unb Sftannigfaltigfeit, über welcher gleid)fam beroußtloS bie ©inßeit maltcte, in ftd) auf, unb bie Söcrfe bet Älten tragen mithin ben ©ßarafter ber Statut-werte mehr als bie SBerfe ber neuem 3eit. Allein wie öerfd)icben ben 5)tenfd)en bie Statur burd) ben ©inn erfd)ien, fo »erfd)ieben gefaltete ftd) aud) baS Sehen ber fPßantafte, meld)e auf biefen gegrünbet ijt, unb in biefer .fjinfteßt unterfeßeibet ftd) ber büftere, rät^feChafte (Sgaraftec beS ÄgppterS, ben mir in feiner Äunft bemerfen, unb beS tiefftnnigen, in ftd) gefehlten SttbierS non bem beS heiter um ftd) blicfenben ©riechen. S3lüßenb mar bie fPhan: taffe beS Scfjtern; in gttnfiigen Umgebungen ber Statur, in bürgerlicher greißeit auf erjegett, fonnte er nur baS ©belfte ber Statur in feinem ©cifte fpiegelnb empfangen unb nad)bilben. SDie ©effalteit unb SSilber feiner Äunft erhielten bie ebeln 9tatio= naljüge feitteS SSolfS, unb feine Station erreidjte in -fjinfteßt auf bie finnige SM= ettbuttg äußerer gotmen, welche ju bem SBefen beS ÄunfimerfS geßort, biefe oße, fobaß bamit bie plaftifcße SDarftellung felbft in biefer erften ©ulturperiobe unb bei biefent Sßolfc ißre 33lütße erreid;t gu haben fd)eint. SDentt wäßtenb anbre S3olfer nod) mit bem Sflaterial ber Sarfiellung ju fämpfen hatten, unb in ißren SEBerfen ftd) nur ju einer riefenhaften, ben SJtcnfcßen faßt etbrücfenben ©roße, ober ju einet bttttfeln, räthfelhaften SSebeutfamfeit erheben fonnten, Bereinigten ftd) in berfxtttb beS ©riechen alle SBortßeile einer feßon geübten unb vton jenen Sßolfern empfänger- neu Äunft, unb baS 5Berf ber jfunft ftanb, wie aus bem ©cßoße ber Statur enf= fprungen, leid)t, auS ©inent ©uffe, in gebiegener ©infad;ßeit unb Stuße, inbergtiüe ber ©egenmart lebenb, mie ein üerebelteS Staturroevf, unb in abgefd)loffener ©elb: ftänbigl'eit, an ben Urheber nid)t erittnernb, unabhängig von ißm ftd) felbft crflärettb (unb hierin befteßt feine Sbjectioitat), uor bem Äuge beS SSefcßauetS ba. SOtit bie= fer ©elbflwleugtutng beS ÄünftlevS, meldie mir in ben SBcrfen ber griecßipdfjen Ätnift 2fntif 325 bemetfen, oerbinbet ffct; eine garte Sebeutfamfeit, mit welcherber Gfjarafter jebeS SingeS in beftimmten Umri|fen abgebilbet (worein man ba« ber alten Äunflwerfe fegt, »eil btefe« uotsüglich ber plaftifd>cn Äunft jufommt), bie l)er»or= tretenbe fieibenfrfjaft aber burcf) tfnmuth (©rajie) gemäßigt ift, unb jene reijenbe Unbefangenheit (Staioetät), oermöge beten ba« SBerf nicht i'iber ffch felbji rebet unb reflectirt ober alö Stiftet eine« außer ihm liegenben 3roecfe8 erfeijeint, fonbern mit ben Bugen heiterer ilinblidjfeit unb eine« ruhigen ©rnfte«, fetbfi ohne auf ©ittlich» feit hinäutoirben, feinen reinften Broed in ftd) fetbfl, b.i. in ber SMenbung feiner » gorm trägt, unb bi« in feine äußerffen ©liebet unb gormen gebiegen unb ben @e» f fegen ber tfnfchauung gemäß burchgebilbet iff. ©o ift auch bie hellenifdje itunft nicht einfeitige 5tad)ahmung ber Statut im ©njelnen, fonbern nad; ihrem ©cifte, ffe erhebt ftd> über bie einjelne gtfeheinung bet Statur burch ba« Sbeate, womit ffe bie förderliche SSilbung »erflärt, unb in ihren plaftifchen SBerfen glcid)fam ben ©runbtppu« ber menfd)lichen S3itbung unb ©eftatt, wie .ffe bem finnigen S3etrad)= ter ein eble« 33ilb menfcf)licher IBollenbung äußerlich barftellt, aufgefaßt hat, ober ihm wenigften« am nächfien gefommen ift.- Unb hierin befielt bie (ibeale) SBahrljeit fogenannter antifer gormen. Sa« Sbeal in biefen SBetfen ift ber ©inn ber Statur; ber burchgreifenbe Gharafter berfelben SSetfötpetung be« ©eifligen, we(d)e bie ©in* bilbung«fraftharmonifd) anregt unb bewegt, unb ba« SSollenbetffe ber Statur gleidi* fam für bie ©wigfeit fcjiguhalten ffrebt. Sn biefen Bügen glauben wir ba« SBefen be« tfntifen in ber hellenifchen Äunft *■ bezeichnet ju haben. Sie römifdje Äunft war eine Stad)af)mung unb in ihren bejfern ©tjeugniffen gleichfam Stadjblüthe bet griecfjifcfjcn, beren bebeutenbe SBetfe in 9iom gufammenfloffen, näher befiimmt burch ben ©harafter biefe« ftiegetifcf) ftrengen, aber weniger bilbfamen SSolf«; unb barum wirb biefelbe, infofern fie an jener Stujferhaftigfeit berÄunft, weldje bie gorm ju etwa« tfbfolutem erhob, we= nigften« mittelbar 2(ntl)eit hat, zugleich mit ber hellenifdjen Äunf, wie fd)on bemerft worben, antife Äunft genannt. Siefet engere SSegriff be« 2(ntifen wirb aber aud) bem SSegriffe be« ßlaffifd) en (be« ©tlefenen) glcichgejtellt, infofern man oorjüg* lieh auf bie SSotlenbung ber gorm in ben SBerfen biefe« 2lltectf)umS (ba« man bähet auch ba« ctaffffdje 2flterthum nennt) unb ben hier allgemeiner verbreiteten ©d)ön* heit«ffnn unb reinen Äunftffnn ffef)t, ber fid) in ber ©rftnbung unb S5ehanblung ber gönnen offenbarte, fobaß bie SJlittelmäßigfeit in biefer Sphäre weniger gebulbet f würbe, gerner hat man ba« SBefen be« 2fntifen in biefem ©inne aud) oft mit bem Stamen be« plaftifchen oorzugSweife bezeichnen wollen, unb beibe SSegriffe infofern gleichgefegt, weil, wie angebeutet worben, burch Steligion unb herefdjenbe Statur* anfehauung überhaupt unter allen Mnffen bie plafiifche ober bilbenbe Äunft (im weitern ©inne) »orjüglid) begünjttgt war, ja berfelbe 33ilbung«trieb, bet Stieb nach gütle unb Feinheit ber ©eftaltung, auch in ber Sichtfunj! ffch regte unb ihren ^aupteharafter beftimmte (baher man aud) oon einem piaftifdjen in ber antifen Sichtfunfl rebet). Unb hiernach «erfleht man alfo unter 2(ntifen in«befonbere, im noch engem ©inne, SBerfe ber bilbenben Äunfl ber ©riechen unb Stömer. fiierju würben gehören: bie Senfmälet ber SSaufunft ebenfowol al« ber SSilbhauerei im weitern ©inne (©culptur) unb ber übrigen jeichnenben Äünfte, mithin ©ebäubc v unb Stümmer, 33ilbfäulen, ©erätfjfdjaften, erhabene Arbeiten (S3a«relief«), S)tün= jen, gefchnittene ©ferne, ©emälbe unb Stofaifen. SSorjüglidh aber unb im eng* |ten ©inne, theilS weil ber SDfenfch ffch überall als SJtittelpunft feiner ÄDaiftellun* gen anffef)t unb überall guerft gn bem Scbenbigett hingejogen wirb, theil« wegen ih* re« heroorragenben Äunftwerthe«, werben bie umfaffenben SSorffeltimgen be« Sehen* bigen, hauptfächlich be« Slfenfchen, butd) bie bilbenbe Äunftim engem ©inne (auf bie Malerei bet 3(lten, weld)e un« weniger befannt ift unb auch ber Statur bet ©ad;e nach biefelbe $öhe mit ber bilbenben Äunft erreicht ju haben febeint, 326 Antillen wirb hierbei weniger gefel)en) ilntifen genannt, nämlid) bie ©tatuen, 83aSteliefs unb SBofaiEen, unb bie ©ammlungen betfelben Ejct^en ilntibengalerien, 2lnti£en= " fammlungen. (©. SKufeum.) 23on biefen ilntiEen im engfien ©inne fonbett man bie Eletnern Sarftellungen, 9iebenwet£e unb unbebeutenbern ilbecceflc bet alten, befonberS gtiecfifchen unb tömifcben Äunft unter bem italienifchen tarnen 2lnti= caglicn (anticaglie) ab, für welche man auch befonbere ©ammlungen, j. 33. 9Mttj= cabinette, SaEtpliotheEen jc. errichtete. Übrigens fegt man ben Anfang ber grie= cl)ifcl)cn Äunft, unb mithin ber 2fnti£e in jenem weitern ©inne (baS ©nbe ifi oben im ‘2Hlgemeincn bezeichnet worben), in baS Seitatter beS $omet (f. S3ötti= t ger’S „2fnbeutungen", ©. 44 unb 45), weit bis bahin wenigftenS unfere 33efd)tei= r bungen reidjen. 3Sit ben 2fntiEen im engften ©inne aber, welche wegen ber Keim ' heit ihrer gönnen unb beS ebeltt 2luSbrudS fietS als £Wujf.erwerfe betrachtet unb bem finnigen ©tubium ber Äünftler empfohlen werben müffen, macht man ftd) na-, her begannt burd) bie 3f r ch d o l o g i e (f. b.). Übrigens wirb ber SSegtiff beS 2lntiEen noch beutlidjer burd) ben ©egenfag beS TI o bernen (f. b.) erläutert. T. Antillen, bie jahlteichfie Snfejgtuppe unter allen bis jefct befannten, bic im mepicanifchen SJieetbufen, unweit ber jtüfte ber fpanifdjen fPtooinj SJucatan, anfängt unb in einer bogenförmigen Äette fafi bis an bie Sftünbung beS Stonoco in ©uiana ftd) erfiredt. Ttan begreift fte gewöhnlich, zugleich mit ben SuEaiew ober S3ahama = 3nfeln, u. b. 9t. SBeftinbien (f. b.) im engem ©inne. ©ie werben in bie großen unb Eteinen Antillen geteilt. Set erfiern ftnb 4: ßubtt, Samaica, ©t. Domingo, je|t Jpaiti (ehemals dpifpaniola), unb fPortorico. Sic ^ Eieinen, bie aud) bie ßataibtfchen jgnfeln (f. b.) heißen, werben, ihrer Sage nach < in bie Sn fein im SSßinbe unb unter bem SBinbe (fpan. Isias Barlo- vento unb Sotto vento; engl. Windward- unb Leeward-Isles) unterfd)ieben. Sene, ju benen SJtartinique unb ©uabeloupe nebft öielen anbern gehören, wiewol bie ©ngtänber nur bie am meiften »otfpringenbe Snfel SJarbaboS alSimSEBinbe liegenb betradjten unb banad) benennen, liegen näher nad) borgen ju unb et= halten ben Sfiwinb, ber ben größten $£heil beS SafjteS h> n butch in biefen ©egenben herrfdjt, am elften; bie gnfeln unter bem SOSinbe (laSrinibab, ©utagaou. a.) ftnb biejenigen, ju welchen, ihrer Sage nach, biefer Sfiwinb am fpatefien Eommt. ©in Sheil ber Eieinen Antillen, 60 an ber Bald, unter weldjen ©t. = 5Ehoma8 unb ©t. = ©roip bie wichtigem ftnb, ifi aud) u. b. 91. ber jgungferninfeln befannt. föiele ber Antillen enthalten ©ebirge (ÄalE mit 9)tufd)elgrieS); einige ftnb bloß . nadte Reifen unb baher gar nicht angebaut; mehre ftnb »ul£anifd)en UrfprungS, unb bie föermuthung ifi nidjt unwaf)rfd)einlid), baß fte in ben ättejien Beiten Steile beS fefien ßanbeS auSgemacht unb burd) irgenb ein großes 9taturereigniß ihre bermalige ©efialt erhalten haben, ©ie gehören ju bet heißen Bene; bie große f)t(;e wirbj jebod) burd) bie ©eewinbe abge£üf)lt. SaS .Klima ifi befonbetS ben ©tropäern gefafwlid), fte werben fafi ohne iluSnafjme »on Siebern befallen, bie leid)t töbtlid) werben. Bu ben pf)t)ftfd)en Übeln btefer Snfeln gehören aud) öftere ©bbeben unb befonberS SrEane, bie gewöhnlich »om Suti bis jum Set. ba herrfchen unb bisweilen mit nidjt ju befchreibenber 5öuth bie größten 33er-- wüftungen anridjten. Sagegen ifi bie gruchtbarfeit bet meiften Antillen fetjr groß, ©ie erzeugen ttorjüglid) Buderrohr, ©affee, SSaumwoIle, Snbigo, Biele ^ ©ewütje unb ©übfruchte. Sie 33enöl£erung fämratl. - 33 wefiinb. Snfelit (10,500 □?!)?., baoon bie ber 4 größten 4653 ö9Ji.) wirb ju 2,373,000 ©. angegeben, worunter 514,000 ©uropäer, 670,000 freie farbige Seute unb weit über eine ÜfJtill. lieget. 33on ben erfien ©inwohnetn, ben ©araiben, welche bie ©panier bei ihrer ilnfunft auf ben Antillen fanben, ftnb nur wenige Siefie übrig. Sie ©panier «etnadjläffigten biefe »on ihnen entbedten Snfeln, weil fte nicht oiel eble Süetalle ba fanben, bähet ließen ftd) halb grangofen unb ©nglänber auf ben* 2fntitod)u8 2Cntinomi8mu8 327 fctben ntcbcc. Ser^anbel, ben bie Europäer baf)in treiben, if! von bet größten ©idjtigfeit. 14 Antillen geboren ©roßbritannien, 5 grantreid), 3 Spanien, 3 Sdnemarf, 4 ben (Rieberlanben, 1 Sdjmeben, 1 Gotombien, 1 ifi jum SEt>eit unabhängig, jurn ^ 6riti f^' 1 unabhängig. (S. $ aiti.) 2Cntilochu3, Sohn be» (Refior (man fagt »on ber2fnapibia ober Eutibice), ber Sungfle in bem Jpeere bet ©riechen »ocSroja, tapfer unb muthig, fcfon unb non gemanbtem ©lieberbau, unb beßhalb bem 2Cd)ill, ndcbfi (Patrotto», am meifren lieb unb tpeuer. Scßhalb mürbe er (nad) #omec) au«gerodhlt, bem 2fd)ill be» gestern Sob ju »ertunben. 2Ran rief ihn au» ber Schlacht, unb rafd) flog er hin ju feinem greunb unb meibete mitSChrdnen bieSrauerbotfchaft; er hielt bem faft Ser* jrceifelnben fanftigenb bie #dnbe. Sei bem ©ettfampf ju beS Sobten Eh« em* pfi'ng er ben britten (Preis im ©ettrennen, ben ihm 3td)illeä lobenb erhöhte. Siele tapfere Stojaner erfd)(ug er im Steffen; einft rettete ihn felbft Neptun au« ber ©c* fahr ber @d)lad)t. Enblid) erlag er bei ber Serttjeibigung f. greifen Sätet», ber ihn, bebrängt »om Äthiopier ©enmon, in ber Schlacht ju #ülfe gerufen (Pindar. Pyth. VI), mephnlb ihm ber (Rame (Philopator beigelegt morben ift. Seinen galt {teilt bie ilifdje Safel (Rr. 48 »or. Seit ben greutiben ^atroflo» unb 3fd)i(l »erbun* ben, fommt er auch in ber llntermelt »or. Sa» Übrige ift fpdtere Sage. 44. 3£ntimon, f. Spiefglanj. Äntinomie, ©efefse§ftreit, ober ©efchmibrtgfeit. Äant nennt3(ntino* mie einen ©iberftreit ber ©efeße ber reinen Sernunft unb »erftel)t barunter ben ©iberfprud), in melden bie Sernunft mit fich felbft gerdth, menn ftc bie Sbee be» Unbebingten unb i()t @efe$, meld)e» »om gegebenen Sebingten auf ba» Unbebingtc fchliejjt, auf bie Sinnenmelt anmenbet, inbem ft'e babei entrceber Gtma» annehmen muß, ma» bie grenjenlofen goberungen bet Sernunft nicht befriebigt, als ©eltan* fang, ©eltgrenje, Freiheit, ober Etwa» bem Sccftanbe Unetreid;bare», al» ©eit* emigfeit unb ©rerijenloftgfeit, ©irfungen ohne eine Ie|teUrfad)e unb eine unenbliche (Reihe jufalliger Singe. Saß biefcr©iberfpruch nicht in ben ©efefcen ber Sernunft felbft liegt, jeigt Äant felbft einmal burd) ben tranäfcenbentalen SbealiSmu», nad) meldjem bie Sinnenmelt fein gegebene» ©anje» ift, unb (Ricf)tS ju ihr gehört, al» maS mir mirflkl) erfahren unb nach Setffanbe»gefel,jen in einer möglidjen Erfahrung benfen tonnen; bann burd) Seridjtigung ber Segriffe über bie Seftimmung ber Sernunft unb ihrer @runbfä(je, meld)e nid)t ba» Safein unb bie Sefd)affenf)eit ber ©egenftänbe, fonbetn nur unfere Unterfudjung berfelben befiimmen follcn. 3fntinomi»mu3, ©iberfprud) gegen ba» ©efelj, nannten bie mitten* bergifd)en (Reformatoren bie ©etingfd)dhung be» Sittengefepe», befonbet» be» ÜRo* faifd)en, mcldje ft'd) Sohann 3fgricoIa erlaubte, um bie ©irffamfeit be» Eoans gelium» ober ber ©lauben»lel)re jur Sefferung be» 5Renfd;en befto nadjbu'uflidjet ansupreifen. Siefer 3fgrico(a hatte fd)on 1527 eine fdjarfe Eenfut ber Siftta* tion»artif el 9Reland)thon’S (»gl. 3R e l a n ch t h a n) »erbreitet, moburd) ec bie barin enthaltene Empfehlung fleißiger Vorhaltung be» ©efe^e», unb befonber» berjehn ©ebote, jur Ermectung ber Süße, at»_ einc mit ber Sehre be» Eoangelium» un»er* cinbare unb bem (Papftthumc günfiige Überfd)d(sung be» ©efelje» »erbddjtig ju ma* d;en fud)te. 3mat fah er ft'd) burd) bie ©runbe 3Re!and)thon’ö bei einem jur Sei* legung be» Streif» im Sec. 1527 ju Sorgau »eranjtalteten (Religionägefprddje ge* nöfhigt, feine SReinung jurüctjunehmen unb »or ber^ianb ju fdfroeigen, brad)te ft'e aber bennod) 1537 in einer Si»putation ju ©ittenberg mit neuer heftig feit unb mertlid)en 2(u»fdllen gegen Suther unb, 3Reland)thon mieber auf unb behauptete au»btucflid), weil ber SRenfd) bloß bur^ ba» Evangelium gerechtfertigt meebe, fei ba» ©efe» feiner (Rechtfertigung unb Heiligung gar nicht nöü)ig. Siefe einfei* tige, auf 9Rijj»etffanb be»Serhdltniffe» ber@lauben»(ehre jur Sefferung berul)enbe (JReinung miberlegte Suther in feinen Si»putationen gegen bie ©efehjfi'irmer ober 3Cntinouö 328 Sfntinomer, mie er ft'e nannte, mit überjeugenber Äraft imb betrieb, mie notl)ig t SSorhaltung beg ©efe^eg jut drfenntnijj ber ©ünbe unb jur mirflidjen S5efferung fei. 2flg batauf 3fgricola wibertief, mad)te Sitzet 1539 biefen SBibetruf mit pharfem Sabel ber in £)bec= unb 9lieberfad)fen fdjon gntjtreicf)«« Anhänger . 2fgricota’g befannt. Diefer, hierburch perfonlid) gefranft, protepirte gegen bie i()m oon 2utf>er aufgebürbeten donfequenjen, ging aber, eije ber Ätttfütp »cm ! ©achfett feine @ad)e fdpidpen fonnte, rtaef) SSertin, rco er 1540 eine, ßutijer j «billig befriebigenbe, 3teoocationgfd)rift fjerauggab unb bamit ben fogenannten j antinomigipben ©treit beenbigte. Sebod) mürben f>ierburdj eigentlich nur bie t perfonlid)cn Jpdnbel biefer Sftdnner beigelegt, bagegen bie Stage, ob bie butd) bag dhripenthunt bc§tuc(ftc reine ©ittlidpeit mehr butd) ben ©tauben an bie SSci'heifmngen ber ©nabe ©otteg in dhtipo ober mehr butd) moralifchen Unter: rieht besuirft merbe, noch immer unb vorjüglid) jeljt roiebet ein ©egenpanb tf>eo= Iogifdjer unb pdbagogifcher dontrooerfen ip. 2Ser ben ©eip beg dhripentljumg , richtig mürbigt, wirb ©lauben unb *pgid)tgefül)l alg «njertrennlichc PKotioe i d)riptid)er Sugenb unb SSetuhtgung gleid) wichtig ftnben unb Suther’g 23ccbienft um bie Sfeligiofitat auch barin etfennen muffen, bajs ec in jenem ©tceite ber unter ben eoangelifchen *Prebigern bamalg eittgetiffenen, ber SPoralitat feljr nach= theiligen ©emohnljeit, nur jum ©tauben ju ermahnen unb bie S5efferung ber j ©Sitten baruber ju »ernachlafffgen, nadjbrücflid) ju feuern fudjte. (35gl. 2fgti-- cota, Sofjann.) — ifntinomer, metd)e ben ©ebraud) beg ©ittengefegeä bei bem Unterrichte auch ber Ungebefferten ganj entbehrlich fanben unb, um \ bie .graft beg ©laubeng ^eröotjufjeben, fogac bag Baffer ju rechtfertigen fuchten, ■ hat eg and) unter ben Snbepenbenten in dnglanb ju dtommell’g j3eit ge: geben. 2((g ffrenge Anhänger ber Sehre oon ber unbebingten ©nabenmaljl fpradjen ft'e flttlidjen S3eprebttngen jeben dinfluf auf bie fünftige ©Seligfeit ab. ! gahlteicl) maren ft'e nie unb lebten feit bem dnbe beg nötigen Sahrp. ohne fitd)= liehe Sßetbtnbung. 5h r ® ©tunbfage tfjeilten bie 2fntinomian= ober ^Particulat: SSaptifen. (©. S aufg efinnte.) 31. 2fntinou§, ein junger SSithpnier, ben ^abrian’g an SBahnftnn gren= jenbe Siebe für bie Ättnff «eremigt hat. £>b er in bem ©lauben, fjabrian, beit er auf feinen Pfeifen begleitete, baburd) bag Seben ju erhalten, ober ob er, mübc feiner Sepitnmung, ft'd) in ben Pfil geffürjt habe, tdjjt ftdj nicht beffimmett. ^abrian aber fanb über biefen 33erlup fein PJJaf beg ©djmerjeg. Plicht jufrieben, 1 einem neuentbeeften ©eftirn in ber SSfilchgrajse ben Flamen feineg Sieblingg ju ge= ben, welche Benennung noch gilt, lieg er auch Stempel für ihn errichten, ©tabte nach feinem Planten benennen unb ihn butd) bag ganje Pfeid) gleich als einen ©ott «ereilten. Daher mürbe auch bag SSitb »on ber Äunft auf alle PBeife bärge: pellt unb «eroielfältigt. PJlef)te biefer 2fbbilbungen gehören jum Scheit ju ben fd)ött: gen PBetfen ber Äunp, bie mir aug bem 2(lterthum haben; namentlich bie S3ilb= faule beg 2fntinoug «on 83etoebere auf bem SSatican, gefunben in ben SSäbertt cftabrian’g, unb be8 2fntinoug auf bem dampiboglio, gefunben in ber SSilla d?a= brian’g ju Sittoli. 2fber gerabe über biefe SSilbfduten ftnb bie 2frd)do(ogen fehr »er= • fd)iebener Meinung, unb »iele mollen ft'e nicht für 2lbbilbungen beg 2f. gelten laffctt, fonbern etfennen bie djarafteripifchen Äennjeichen anbrer Heroen ober ©ötter barirr. t Diefer ©treit ip fchmer ju entfdjeiben, ba bieÄünpler, meldfje ben2f. alö ©ott bübeten, baju ©otteribeale mahlten, benen ft'e bieSnbioibualitdt beg 3f. gaben, moburd) benn bie COferfmale «ermifept mürben. Die «aticanifche ©tatue ip mäht' fd)einlid) fein 2fntinoug, fonbern ein -fjetmeg, bie capitolinifpe aber ein f>ermeg= 2fntinoug. „Sn allen flbbilbungen", fagt SBimfelmann «om ?(., „hat fein ©e: ftd)t etmag 5röeland)olifd)eg, feine 2(ugen ftnb immer grofi mit einem guten Um« riffe, fein profil ip fanft abmdrtg gefjenb, unb in feinem SPttnbe unb Äinn ip 2fntiocfyia 2Cntipater 329 (Stwag auggebrüdt, bag wahrhaft fd;on ift". (Sßgl. Sctjejott), „Über ben 2 fn= tinou«, bargejtellt in ÄiBiflbenfntdlern beg 2 flterthumg", 95erlin 1808.) 2Cnttod)ta ober 2fntiod)ien. ©o Riefen mehre Stabte im 2Uterthum. Sie berühmtere b. 91. (jefct2fntafia), bie Kefibenj ber fprifchen Äonige, ber ©eleuci» ben, in2fftcn, amSronteg, war eine bcr «nfef)nticf#en ©tdbte itnb eine fPflege» rin ber SBiffenfchaften. Späterhin war fie ber ©i| beg romifchen Statthalters unb beg Patriarchen non Kften. (Sin anbteg 2fntiod>ia (ad Pisidiam) tag in ©rofphrp» giert, wtÄleinafien, würbe von ben Römern ju einer Kolonie gemad)t unb mar berühmt butd) einen SEempel ber Suna. 2 tntiocf)entfche ©d)ule, f. Äatedjetenfdhulen. 2£ntiochu6, ein 91ame niedrer fprifdjen Äonige, ber in ber romifchen ©e» fcb,id)te ©poche macht. Ser erfte, ber unter b. 91. befannt würbe, ein SJlacebonier unb gelbbett beg Äonigg Philipp, erzeugte mit feiner ©emahlin Saobicebenbetühm= ten ©eleucug (f. b.). Ser ©otm von biefem, 2(. ©oter, führte mehre, wiewol nid)t gans glücflidje Äriege, unb ifl noch wegen ber Siebe ju feiner ©tief» mutter ©tratonifa befannt: eine Siebe, bie er jwar jtt befämpfen fucbte, bie ihn aber in eine tobtlid)e Äcanfbeit flftrjte, big ber fonigl. Seibnrjt ©rafifiratug ben ©tunb berfelbcn wabtnahm unb biefen bem föater entbecfte, welcher barauf, aug gropet Siebe ju bem einjigen ©ohne, ifym in einer feierlid;en Serfammlung feine junge unb fchbne ©emaf)lin abtrat. — ©inet feiner 91achfommen war 21. ber ©tope, ber feinem SSruber ©eteucug ©eraunug alg Äonig von ©prien 224 v. ©f)r. in ber Regierung folgte, ©t jüdjtigte ben 9Jloto, Statthalter von SÖlebim, fd)(ug ben s f)tolemnug fPhilopator, ber if)m ©ptien gan$ übetlaffen mupte, war nic^t minber glücflid) gegen bic Partner, big er enblid) aud) mit ben 91omern in Streit gcriett). Sieg ifl ber berühmte antiod;ifcfje Ärieg, jubemer, in SSereini» gung mit .fmnnibat, grope Sucüjlungen machte. Sa ec aber wenig in bie fpiane biefeg getbherrn einbrang, unb blop ein .£>eer nad; ©ried)enlanb fdjicfte, bag un= thdtig blieb, warb baffelbe juerfl bei Shermoppld, bann mehre 5Kale juc ©ee ge» fd)lagen, woburd) 21. ben 591utf) fo fefjr verlor, baf et ben Kornern nid)t einmal ben Übergang nach Äleinaften flreitig machte, wo fie ben ©ieg bei 5Kagnefta ec= fodjten unb ben 2 f. ju bem fchimpflichflen grieben nötigten. 2 f(g er in ber golge aitg bem Tempel beg fgupiter ©Ipmäug ben ©d)a| entführen wollte, würbe er mit allen feinen Seuten erfchlagen. — ©ein 2. ©ohn 21. ©piphaneg (ber in ber ©efd)id)te ber 9Jtaccabäer alg bet ürgfle SEptann gegen bie Suben aufgeführt wirb) griff ben dgpptifd)en Äonig fptolemäug Pjhitopator an unb belagerte 2 lleranbtien, bag er aber nad) einiger .Seit, fowie gan$ llgppten, verlief, ba ftd) bie Korner beg fPtotemaug annahmen. Shrn folgten noch wehre fptifd;e Äonige unter b. 91. 2fn= tiochug, mitverfd)iebenen83einamen, big enblid) 21 . ilfiaticug von^ompejug vertrieben, unb ©ptien (f. b.) jur tomifchen Provinj gemacht würbe. 2fn tiope, Sochter beg Äbnigg 91pfteug von SEh^en, nad>Corner beg 2ffo= pugfluffeg, berühmt burchganj©riechen(anb wegen ihrer auferotbenttichen©d)bn= heit, ©popeug, Äonig vonSicpum, entführte unb heiratete fie; Spfttg aber, beg Kpfteug 91ad)fo(gcr, welcher biefem verfprochen hatte, if)n an feiner 5Eod)tet ju rachen, erfd)lug ben ©popeug unb führte bie 2 f. gefangen nad; Sieben, wo ec fie feiner ©emahlinSirce übergab, von ber fie auf bag graufamfle gcmiphanbelt würbe, ©g gelang jebod) ber 2 f. ju entrinnen unb ftd) burch ihre ©ohne gerächt $u fehen. ©ie rühmte ftd), aug ber Umarmung beg Jupiter ben 3eff)uS unb 2fmpl)ion geboren ju haben. Übrigeng wirb ihre @efd)id)te fehr verfchieben erjdhlt. 2 (nttparo§, f. 95arog. 2tntipatcr, gelbherr unb vertrauter greunb fPhtlippg von SKacebonien. 2f(eranbec lief ihn, ba ev nad; 2ffien 50 g, alg Statthalter über SHaceboniett jttrücF. ©iewol er biefen Poffcrt ritfjmlid; verwaltete, inbem er ben aufrühterifchett Statt» 330 Antipathie 2Cntip{)ome fjalter oon atyrajien, Sßlemnon, jum ©ehorfam jrnang unb bic nad; Unabhängig; feit flrcbenben ©partaner nad) einem kneten .Kampfe übermanb, fo gelang es bod; 1 ber SlpmpiaS, 2flepanbcrg €0?uttcc, mit welcher er in Uneinigfeit lebte, ihn ihrem ©ohne »erbächtig $u machen. Siefec rief ben A. ju fid; nad; Elften unb ernannte ben KrateruS jum ©tatthaltec pon ÜJtacebonien. 2Cber Aleranbct jlarb, nod; el;c biefe SSetäitberung ins SSSerf gerid;tet morben; X behielt bei bet bekannten SEljeU lung SOtacebonien unb ©ried;enlanb unb mürbe jum SBormunbe beS KinbeS er» nannt, mit metd;em 3?orane, AleranberS SDBitme, fdßmanget ging. Salb barauf hatte ec einen .Kampf mit bem ganzen oerbünbeten ©tiedßenlanb ju begehen; am u fangS mar er unglüeflid;, als abcrSeonattiS unb KrateruS ihm ju fn'tlfe gefom» [ menmaren, untermarfen (Td; bie ©riechen aufs neue, ©iefem Kriege folgte ein anbrer mit fPerbiffaS, ber ebenfalls gtücflid; geenbigt mürbe. X jlarb 317 oot Ghr. in einem hohen Xter, nad;bem er bem fPolpfperdjon bie Sormunbfchaft beS jungen Königs anoertraut hatte. Sie Sefd;ulbigung, baß X ben Alepanber habe oergiften taffen, ijl oöllig uneemiefen. Antipathie ijl 1) ber unmillfütlid; in unS entftehenbe SBiberrcilte gegen einefPerfon, mobei roiroon ihrem unS mißfälligen Äußern auf ihtgnnereS fdjlic» jjen. ©emohnlich ijl itnfer Urtheil babei bunfel unb oermorren, unb oft finb mit j felbjt in bec golge nicht im ©tanbe, baffelbe auf beutliche Scgriffe jurüefjuführen. Aufjet biefer, einer Gingebung ähnlichen, Antipathie gibt eS aber 2) noch eine am bre, melche ffch auf Gtfaf;tungen fiü|t, bie ber aufmerffame 35eobad;ter in feinem Umgänge unb Serfehr mit ben $lenfd;en macht, unb burch bie et bie gertigfeit ec» * mirbt, richtigere ©efuhle bei bem Anblid? eines SJtenfd;en in ftd; heroorjurufen. Siefe beruhen auf ben ©efeljen ber 33ahrfd;einlid;feit. ge öfter ein galt mal;rge» nommen morben, je häufiger ec gugetcoffen ijl, beflo größer mirb bie oernünftige Grmartung, baß er roiebet jutreffen merbe. Sie ©eele rnirb getoiffeemaßen ftd;tba: im .Körper; il;re £eibenfd;aften (affen in bemfelben geroiffe ©puren juttuf, toeldje ftd; unmillfütlid; feigen unb bie herrfchenbe Senf» unb »JjanbclStpeife eines 5Dten» fdjen oerrathen. ©inb nun gemijfe äußere Seichen mehrmals ober oereint mit einer unS miberjlrebenben jJlatur beobachtet morben, fo ermetfen ffe bei ihrer jebeSmaii» gen neuen Gtfdjeinung baS ©efühl ber Antipathie. 3) Sie Antipathie gegen Spiere unb leblofe ©egenflänbe entfleht thcilS auf äl;nlid;e SÖJcife unb aus ähnlichen ©rüm ben mie gegen SKenfchen, theilS aber aus gemijfen Gigenfd;aften, j. S3. Aus* bunjlung u. bgl., bie ein Ginjelner, oetmöge bet eigcntl;ümlicben Stlbung feine« > Körper«, nid;t ertragen fann. Überlegung unb allmälige Angemö(;nung fönnen in otelen gälten Antipathien bec Art fchmäd;en unb fiberminben, nicl;t feiten aber bleiben alleSJlittel frud;tloS, unb man barf biefe überhaupt nur mit $Gocftd;t am toenben, ba mir ben ©runb einer Antipathie oft gar nicht, oft nur bunfel unb um ftcher ahnen fönnen. Xntiphlogiflifche ßhemte, f. Ghemie. Antiphonie, ©egen» ober 5Bed;felgefang, mirb befonberS in ber fat(;oli» fchen .Kirche berjenige ©ptud; genannt, melcher erfl oon einem einjelnen ©änger angeflimmt, unb bann, rcenn bet barauf folgenbe ipfalm oon 2 Gt;ören mechfelS» meife abgefungen morben, oom ganzen Ghor mieber(;o(t mirb. gerner ein ©cfang beS fPciejletS, meld;cn bec Gf)or ober bie ©emeinbe beantmoctet. Sähet Anti» , phonarium ober Antipl;onale baSjenigc große lateinifdje©efangbuef;, toor» aus bie Kanonici unb anbre ©eijllid;e bie Antipl;ona unb auch anbredppmnen, Go!» lecten :c. abfingen. fPfalm 87, 7 bemeijl, baß folcfjc 2Bed;fe[gefänge fefon in bem alten jubifchen GultuS gebräuchlich maren. gtjte Ginführung in bie d;rijllid;e Kiccl;e mirb bemKird;enoatecggnatiuS (im 1. gabt!). nad; Ghr.), feine Ginfühtmtg in bie abcnblänbifd;eKtrd;e inSbefonbere bem AmbrofiuS (f. b.) jugefdjrieben. Am Gnbe beS 6. Sahtl). verfertigte ©regor ber ©roße ein Antiphonatmm ju-r G(;re 3(ntipI;caftS 3Cntijl(;cneä 331 bet 2)?atia imb anbrer ^eiligen. Sn ber eoangelifchen Äirchc tennt man 2 Arten bec Antiphonien. ©ntmcber beftehen fie aug ganjen Siebern, wie bie Sitanei, ober nur auä wenigen biblifd;en SBorten. Biefe leistete 2frt faßt ttjeitS eine Sntona= tion, treidle ber ^rebiger »errietet, tljeiß ein responsorium beg ©borg unb ber ©emeinbe in fiep. Sn ©nglanb nennt man A n t i) e m ober Antiphonen eine 2frt Äirchenmufif, für bie dtathebralfircljen beftimmt. 9Beiblid;e Stimmen fingen 2 Seilen allein, unb bie ganje ©emeinbe fallt bann ftarhet unb frdftiger ein. .fjdnbel hat beren meiste componirt. 2fnttpf)rafi§, eine äBortfi'gut, vermöge melier man ©twag non Bern benennt, mag eg nicht ift. ©o j. SS. foll ber ame $>arjen oon parcerc , fcponen, abgeleitet fein, obgleich fte nichtg weniger atg fd;onenb finb; fo auch bei bem tarnen ber gurien, ©umeniben. ©ewöfjntid; finbet babei eine Sconte flatt. Antipoben, f. ©egenfüpler. Antiqua, bamit bejeid;nen bieSuchbtucber unb ©chriftgiefer bie getab= ftehenben lateinifd;en Schriften oon mannigfaltiger ©röpe, jum Unterfchiebe oon ber fcpiefliegenben (©urfto=) ©cprift. (S. ©d;riften.) Antiquare, biejenigen ©eiehrten, wetd;e fich mit bem ©tubium ber AntU quitdten befd)dftigen, in Stalicn oft gleicljbebeutenb mit ©iceroni gebraucht; bann auch Biejenigen, welche augfcplieplid; mit altern unb gebunbenen Suchern fjanbeln. Sn frühem Seiten hielten bie Suchhmrblungen jugleich ftart'e Sortimente alter Süs eher, wooon bie ber ©Ijeoire unb SSaegbcvge ju Sepben unb Amjterbam, unb bie üongrit|d), ©lebitfd; unb SBeibmann ju Seipjig am bebanntefTen waren; nod; jc£t herrfcht biefe Sitte außertjalb Beutfcplanb. Sn gtanhteid; werben biefe Anti= quare fpottweife oon Bouquin — ein alteg Sud; oon geringem SSetth — Bouqui- nistes genannt. Sn Sonbon finbet man bei Songmau unb Sachington, in sparig bei Sfenouarb, in Sftabrib bei ©ancha, in€?om bei be9fomanig, inglotens bet SJtolini, in Utred;t bei SBilb unb 2fltf>eer unb in Sepben bei Sud;tmang bie ool(jtdn= bigften Säger. 9htr in Beutfdjlanb, wo fiel; ber Sud;hanbel am regelmdpigfien auggebilbet Ijat, haben bie eigentlichen Suchhanbler ben Sertrieb älterer Sud;er ben Antiquaren uberlaffen, oon benen SSSeigel in Seipjig, SReufel in Äobutg, *$äpler unb 9iejtler in Hamburg, ©ommerbrob in Serlin unter bie bebanntejlen gehören. A —s. Antiquitäten, f. Altertümer. Antifpaji, f. 9rhptl;mug. Antifthcneg, Stifter bet cpnifd;en ©ebte, geb. ju Athen in ber 89. B(pm= piabe (424 — 421 o. CI; 1 '-), genop ben Unterricht beg ©ophiften ©orgiag unb trieb bag ©efd;dft eineg 9?hetorg; aber nachbcm er ©obrateg gehört hatte, entfagte er bem eitcln ©d;much ber Serebtfambeit, um ftch gattj bet sphdofopüie ju wibmen. Aug ©obrateg’g Sehren fchöpfte er jenen ©ifet für bie SEugenb unb jenen gewaltigen J?ap gegen bag Safter, woburd; fiep bie oon ihm gegiftete ©d;ule augjeidjnete. ©r fefete bie Sugenb in bag freie ©ntbef>ren unb bie Unabhangigbeit oom Äupern, unb oeradytete 9Ieid;tf;um, SBütben, SSollujf, ja felbji bie SBiffenfchaft. ©t wollte ©eift unb Äötper auf bag ftrenge Sebürfnip befci;rdnben unb trugbahet bein Se* benben, öffentüd; wie ein Settier, einen Buerfacb auf bem 9iüchen unb einen ©tocE in ber £anb, ju erfd;einen. $>lato erfannte ben wahren Sweet biefeg auffallenben Setrageng! „Sch fehe", faßte er ju ihm, „beine ©itelbeit aug ben Söd;etn beineg Stfantelg heroorfd;cinen". Bie ©onberbarbeit beg Setrageng reijtcSiele jurStad;» ahmung. ©ein oor$üglid)ficr Schüler war B i o g c n e g (f. b.). jffienn biefer butch bie gefligbeit unb Sebl;aftigbeit feineg ©eifteg unb butd; bic©igenthümlid;beit feiner Augbrude augge^etdjnet ijf, fo wupte A. fid; mit mehr SBürbe ju betragen, ©t war unoerdnberlid; ein titgenbfjafter Sürger; and; foll er juerjt gewagt haben, bie Anblager beg ©obrateg ju oerfolgen, unb Urfad;e gewefen fein, bap einer oerbannt, 332 Antitf)efe Antoinette (Sparte) ein anbret mit bem SSobe beftraft würbe: eine Angabe, bie jebod) 83artbe(emp in Sweifel jiel;t. ©r mav »on angenehmem Umgang, unb in Jenopbon’S „©aftmabl" voicb feiner mit Sobe gebaut. 9tad) ©ofrateS’S Sobe lief er fld) im ©pnofargeS, einem ©pmnaflum Athens, nieber, wooon, wie man glaubt, bie ©dmle ihren 9t amen erbalten bat. A.’S ©innfptücbe ftnb befannt. ©eine vielen SDßerEe ftnb fdmmtlid) »erloren gegangen, benn bie unter feinem Stamen »otbanbenen SStiefc werben für unecht gehalten. Sie Seit feines SEobeS ift unbefannt. Antitt;efc, ber ©egenfafc, eine Siebeftgur, »ermogc beten man einen ©ebanfen bntcb SScrbinbung mit einet entgegengefebten 33orftellung beroorbebt. Siefe Sigur erfobert©d)arfflnn unb tfl oft »on großer SBirfung, barf aber nicht 51 t häufig gebraucht werben, weil man fonfl in baS ©efudjte fallt, ©ine glücblkbe An= titbefe ift e 6 5 . 83., wenn Seffing in ber S3eurtbeilung eines 35ud)S fagt: „Siefes S3ucb enthalt »iel ©uteS unb »iel 9teueS — nur ©d)abe, baß baS ©ute nid;t neu, unb baS 9teue nicht gut i(!l" SaS Antitbeton fefjen ©inige bloß in bie 83er: binbung confrajiitenber SSorfMungen. (©. ©ontraft.) Antitrinitariev, Srrlebrerunb ©eften, weldjebie Sehre »on bet gott= lieben Sreieinigfeit, wie fle baS niedifebe unb atbanafifebe ©pmbolutn aufflellt, nicht annebmen, unb entweber ben ©obn unb ben heil, ©eift in ber ©ottbeit bem 83ater unterorbnen, ober ©briftum fcblecbtbin für einen 9Jtcnfd)en unb ben heil, ©eift für eine wiUfürlidje fPetfonlicbung ber göttlichen ©eifteSfraft crfldren. Sn ben frühem Seitrdumen ber d)riftlici)en Äircbe waren bie Parteien, bie bergleidjeit behaupteten, febr jablreidj; befonbetS bie Arianer, ©abellianer, fPneumatoma-- cben geboren hierher. Ser 9tame Antitrinitarier fam aber erf! feit bem 16. Sal)rb. ouf unb würbe ben ©ocinianern ober Unitariern, ben 9femon(lranten nad) bem Sehrbegriffe beS ©piScopiuS (flarb 1643), unb einer Sttenge einjelner Stbeologen beigelegt, weldje bie obige 83ebauptung in ihren ©djdftcn gewagt batten. AIS Segnet einer ©runblebte beS ©briftentbumS wollte man bie Antitrinitarier nicht für ©briften ernennen unb in d)rijtlid)en ©taaten bulben; ber fpanifebe ^rotefant SWiguel ©cructuS würbe biefer Äe|ctei wegen auf ©aloin’S 83etrieb 1553 ju ©enf »erbrannt, unb fclbft bie bulbfamen Äonige »on ©nglanb erliefen bie ftrengften S3erorbnungen wiber fle. ©leicbwol bilbeten ein englifdier ©eiftlicber, SEbeopbb luS Sinbfep, 1774 ju Sonbon, unb ein Kaufmann, SBilliam ©briftie 51 t 59?ontrofe in ©djottlanb, unitarifdje ©emeiuben, welche ftd; bttd) ©otteSbienft unb reib giofe ©ebrdudje »on bet berrfdjenben Äird)e abfonberten. Über anbre noebbe» ftebenbe ©emeinben biefeS ©laubenS f. Unitarier. E. Antoinette (tStarie Antoinette Sofepb e Sohanne) »on Sotbringcn, ©tj= herjogin »on Sftreid) unb Äonigin »on grantreicb, geb. 51 t 5Bien ben 2.9to». 1755, war bie £. Äaifer gtanj T. unb ber SJtaria Sbetefla. ©ie empfing eine forgfaltige ©rjtebnng unb erwarb mannigfaltige Äenntniffe. Sie 9tatur hatte ihr in einem feltenen ©rabe Anmutb unb ©cbonbeit »erlieben.' Sn einem Sriefe Sftatia 2b C; rcfla’S an ben künftigen ©emabl 9)t. Ant. beißt eS u. A.: „Sb« ©emablin, lic« ber Saupbin, trennt ftd) eben »on mit. ©owic fle (fetS meine SEBomtc gewefen, fo wirb fle Sb r ©iütf madjen. Saju habe ich fle erlogen, benn idj fal) lange »or= her (cd war feit »ielen Sab«n ©boifeul’S unb ÄaunilfS SieblingSibee gewefen, granfreid) unb Sjtreid) burd) gamilienbanbe öneinanberjufnüpfen), baß fle bie ©efdbrtin Sb«$ Sehend werben würbe. Sch habe ihr Siebe ju ihren Pflichten ge= gen ©ie eingefloßt, bie jdrtlid)fte Anbdnglid)feit an Sb« fPerfon, bie gröfteAuf= merffamfeit für Alles, was ©ie glücklich machen unb Sbnen gefallen bann. S3ov Allem habe id) il)r Semutb gegen ©ott empfohlen, inbem ich überjeugt bin, bap man nie baS ©lücb ber uns anoertrauten 83ölfer madjenwirb, wenn man eS an ©rgebenl)cit gegen Sen fehlen labt, ber bie ©cepter berÄönige gerbricht unb bie thronen jermalmt, wie eS in feinem 9?atbfd)(up befd)loffen ift". Sic Abreife 50t. 333 Antoinette (Sftatte) Ant. »on 5föien erfüllte bie dpauptjtabt mit Stauet; ihre Anfunft in ©ttaöburg unb ihre Steife bi« dompiegne, wo Subwig XV. tmb ber Dauphin fte empfingen, unb bi« SSerfaille«, wo am 16. 58tai 1770 bie Säermählung jbattfanb, gltd) ei= nem Sriumphe. d« ijt fpätetgin bemerft worben, bap unmittelbar nach bem Acte ber $Bermdf)Iung«ceremonie ein-furchtbare« ©ewitter, wie man e« fattm uorljer et= lebt, ganj SSerfaille« unb bie Umgegenb in ©greifen fegte. 5ftod; meljr Seutun= gen erlaubten ffrf> dngftlxcl)e ©emütfjer, al« bei ber geftUd)feit, wcldje bie ©tabt spari« am 30. 59tai jur Seiet ber SSermdt)(ung be« Saupgin« »eranjtaltete, au« SJtangel an »erflänbiget Anorbnung in ber Rue royale eine bebeutenbe Anjaljl »on fPerfonen im ©ebrdnge erbrdeft ober {«treten würben, din dtifettenffreit jwifdjen bem prevot des marchands, etjfem Steprdfentanten ber ©tabt jpari«, unb bem fpolijeilieutenant, eueren »on ©artine«, war Urfarhe biefe« Unglücf«. Setter »erlangte hetfommlid) für biefen Sag ' alle polijcilidje Anotbnungen 511 leiten, dr war unerfahren unb eingebitbet, lehnte alle dinmifdjung be« £ettn »on ©artine« ab nnb — ba« Ungtücf gefd)ah, baS in«befonbere auf ba« neu»ermdl)lte Vaat ben tiefften dinbrutf mad)te. 53 würben tobt gefunben, tmb gegen 300 fd)Wet »er= wunbet. ©0 erzählt 5Beber, ber SJtildjbruber 59t. A.’«, in feinen 1806 unb 1807 in fionbon unb 1822 in fPari« erfd)ienenen „Memoires concernant Marie Antoinette" (in ber „Collection des memoires relatifs a la revolution fran- paisc"). Al« 58t. Ant. nad) bem Sobe Subwig« XV. Königin würbe, ahmte fte ba« SSeifpiel ßttbwig« XII. nad). dinem ©arbeofficier, ber i()t früher mipfallen hatte unb jegt feinen Abfdjieb nahm, lief! fie fagen, er modjte auf feinem Sofien bleiben unb ba« Vergangene »etgeffeit; bie .Königin räd;e nid)t ben Unwillen ber Sauphine. Aud; jegt fuhr fte fort, bttreh 59ti(be unb freigebig* feit bie fierjen ju gewinnen; befonbet« unterfiügte fie in bem fcgrecflicben SBinter »cn 1788 bie Stotljleibenben auf« thdtigfte. Aber um biefelbe Seit reifte fie gegen fiel) ben ftafj ber >£>ofpartei, Weldje Alle« aufbot, um fie bei ber Station »crädjtlich 31 t mad)en. ©ie warb in glugfdjriften angeflagt, bap fie 9tänfe auf Sidnfe fpinne; unb wenn auch »on biefen SSefdjttlbigtmgen feine je erwiefen worben unb »iele fd;on an fiel; unmahtfd;einlid) fi'nb, fo rnup man bod) eingejtehen, baji bie junge, unerfahtene-ifönigin einigen Anlap baju gab. dine grope SSeweglichfeit bergan* tafle gab ihr oft ben ©d;ein be« £eid;tft'nn« unb juweilcn ber 58erffellung; eine an= geborene Unruhe »erleitete fte jur SJetänberung, 31 t neuen 58toben, 31 t ftetem 5Bed)= fei ber Sujibarfcitcn. ©tope ©ummen würben baburch nüglidiern Swecfen entjo= gen. Stod; nad)tl)eiliger für fie war e«, bap fie ihr Anfegen beeinträchtigte, inbem fte fid) ber ffrengen Soffitte entjog. Über ben Sabel, ben man ihr baruber madjte, duperte fi'e ffd; mit dmpftnblid)feit; nun »erbreiteten ihre geinbe, bap fte im f>er= jen eine Sftteidjerin geblieben unb eine gebotene Seinbin ber granjofen fei, beren ©U'icf fie nimmermehr madjen fönne. din dreignip auperorbentlid)er Art gab neuen ©toff ju SBerteumbungen, inbem eS benStamen ber Königin in einem fcgänblidjen Vtoccffe blopjtellte. j3wei SttWeliere foberten bie Zahlung eine« Ungeheuern 5ptei= fe« für ein di>al«banb, ba« auf ber .Königin Stamen gefauft worben war. Sn bet Unterfliegung, welche bie Königin attSbtitcflieh »erlangt hatte, warb bewiefen, bap 58t. Ant. nie ben .Kauf befohlen habe; eine Same »on ihrem SBud)« tmb ihrer Haltung hatte bie Frechheit gehabt, fie »orjuffellev tmb um 58titternad;t int fParf »on Sßcrfaille« einem darbinal ein 9tenbejüou« ju geben. (©. Sa 5Dtotte unb 9t 0 h a n.) Seffenungeachtet gelang e« ben geinben ber .Königin, einen ©datten auf ilir betragen 31 t werfen. Al« dnlonne angefünbigt hatte, bap in ben £inan= jen be« ©taat« ein bcbcufenbcr Au«fad fei, warb bie ©d;ttlb ba»on blittbling« auf bie 5ßerfchwenbung ber J^onigin geworfen, dnblid) mupten bie ©tdnbe be« 9teid;« jttfammenbetufen werben. Sie Königin wohnte ber dröffmmg ber erften ©igttng bei; aber »on bem Augenblicfe an war ihre Jpeiterfeit »erloren. 58alb folgten dt* 334 Antoinette (Sttatie) cignlffe, bic ihren 59?utf) auf biefPtobe festen, ©ie trat mit ihrem ©emaht 6 « bem @afhnal)l crfrfjiencrt, bag bic Seibgatben ju SSerfaitfeö am l.£>ct. ben£fftcie= rcn bec Sinientruppen gaben, unb wo halb, nad)bem bei; ftof ftct; entfernt hatte, bie Cftationatcocarbe befd)impft worben war. JDieg reiste ben ipöbel Bon fPatig gegen bie .Königin nod) mehr auf. 59tan tjiett fte für bie ©eete ber JHeactionSpartei, wel= d)e bamatg bag ^eer gegen iparig unb gegen bie sjtntionaloerfammlung jufammen= 30 g. Am 5. fiürmte ber parifec fPöbel nad; SJerfailteg; am 6 . früh brach er in ba 8 ©d)lof ein, ermorbete einige ßcibgarben ttnb ftief bie mütficnbften Drohungen ge= gen bie .Königin attg. 59?itten in ber5ftad)t hatte if>r ein ©eifilid)er gefcfjrieben : „ütefymen Sie SJtapregeln; morgen früh um 6 Uhr fotten ©ie ermorbet werben!" ©ie befielt it>re 9tul)e unb oerheimtid)te bag ©djreiben. £>ie SBütfjenben brangen inbagjjimmer ber Königin; fte flüdjtete ftd) sum König. Um ben 59torbfcenen ©nhalt 31 t tbun, geigen fi'cf) bec König unb bie .Königin, ifjre beiben Kinber an bet e^anb, auf bem 83alcon. Siefer 2fnbticB mad;t einen augenblicklichen ©nbruck auf bie Stafenben; halb aber ertönt ber allgemeine 9tuf: „9tid)t bie Kinber, bie Köni= gin allein!" ©ie fufjrt aitgenblicflid; ifjren ©ot>n unb ihre Sottet in bie Arme beg Königg unb lehrt auf ben §3alcon surücl. 25iefer unerwartete 59tuth ent-- roaffnete ben ftaufen; ben 25rof)ungen folgte 93eifaügefd;rei. An bemfelben Sage muffe Ant. auf bem fechgftünbigen 2Bege nach fPatig bag entfc^lichfie ©djau= fpiel ertragen. SSor ihrem Söagen trug man auf 5Piken bie .Köpfe 3 Weier ©atbi= flen; trunkene Furien umringten fte mit ben fchrecklkhften SSerrotmfchungen. Alg fte burd) Abgeorbnete beg ©eridjtg, wetdjeg bie ©cf)ütbigen verfolgen unb beftrafen trollte, über bag 93orgefal!ene befragt mürbe, antwortete fte: ,,3d) werbe nie bie Anklägerin eineg Untertanen beg Königg fein"; unb auf eine micberhotte Anfrage: „Sch kjctbc ACtlcö gcfet>en, Alleg gehört unb Alteg rergeffen". 5tt ben etfien 9J?o= naten nach if^et Einkunft ju fPatig wanbte fte 300,000 Sioreg an, um bie »on armen Seuten auf bem Seif>hmtfe seefesten Kleiber cinsulöfen; aber il)re 2Bot)l= thaten konnten bie erbitterten ©emüther nicht befänftigen. Alg Subwtg XVI. 1791 3 U fliehen befdjlof, folgte fte ihrem ©emahl, obgleich fte bag 59?iftingen uot= augfah- 5Bon 93atenneg in bie SSuiletien surückgebradjt, antwortete fte ben &>m= miffarien, bie ihre Erklärung foberten: „25a ber König mit feinen Kinbent absureifett wünfd)te, würbe 9tichtg in bec 533elt midt) h^& en fttnbcrn können ihm ju -folgen. 3d) habe f^t 2 Sahrett gettugfam bewiefen, baf td; ihn nie Berlaffen werbe. 2Bag mich noch mehr ba^tt beftimmte, war bie fefie Übcr 3 eugung, baf ber König Frankreich nie Berlaffen wollte; hätte er eg gewünfdjt, fo würbe ich 2flfeg angemanbt haben eg 3 « nerhinbetn". SDiefem ©türme folgte ein Augenblid ber 9tuhe; im bef kamen ber 20. Suni unb ber 10. Aug. 1792. Auf Alleg gefaft, wanbte bie Königin an bem legten biefer Sage bag Auferfte an, ihren ©emahl bahin 3 U be= wegen, baf er mit ben SBaffen in ber eftanb bem Sobe entgegengehe; mit ihm in bie fftationaloerfammlung geführt, hörte fte bie ©itfegung beg Königg augfptedjen, feine 9ttd)tet ernennen, unb folgte ihm in benSEempel. Wlan hatte keiner ihrer Frauen ertaubt, fte 5 U begleiten. >£ier bewohnte fte mit ihrer $Sod)tec unb berechn 3 effin ©ifabeth bag emsige fjeijbare jUmmet. Sichte ©fengitter Berwahrten bie Fenffer, bie nur ein matteg Sicht hineinfallen liefen. 591. Ant. jeigte jegt bie ganje ©tärke ihres §harakterg. ©tetg ruhig im Kreife ber Stjrigen, flöfte fte ihnen ©it= fagung unb 5Jlid)tad)tung ber Kränkungen unb Seiben ein. Alg Subwig XVI. ifr jagte, baf er Berurtheilt fei, wünfdfte fte ihm ©lück 3 Ubem @nbe eineg fo quab Bollen Safeing unb jtt bem unBergänglichen Sohn, ber eg krönen folle. CRach bem 5Eobe i!)reg ©emahlg ht ben ge* ringffen Seroei« gegen fte führen, unb'mit SJedjt rief ihr Setfheibiger, df)a»eau= ßagarbe: ,,2Ba« mich einjig in Serlegenheit fe(st, ift nidjt, 2fntroorten, fonberti nur eine einzige fd)einbare 2fnf läge ju ftnben". ffiaillt), bamal« Sftaire non fPari«, ber jum Senge» aufgerufen rourbe, hatte ben SJhith, bie Königin gerabeju in Schuh jti nehmen unb ihren blutbürfligen 2(nf i £üger gouquier»5Einniße roegen feiner offenbar falfcheit Eingaben bitter ju tabetn. Sie Äon igitt felbft antroortete auf alte gtagen mitgeftigfeit unb Scftimmtfjeit. 2fu fiebert’8 fd)änblid}e23efd)Ul= bigung, baf fte ifjren eignen Sotjn oerfuhrt habe, antroortete fte mit bem tiefften Unroiden: „SBegen ber Sßöglichfeit eine« foldjen 5Betbred)en« appellire idt an alte SEÜütter". Sie horte if)t $Eobe«urtheil mit nollfommener gaffung unb fcfylief, at« fie nach einer 18fiünbigen Sihung in iijr ©efüngnip jurücbgebracht roar, halb ruhig ein. 2fm attbern borgen um li Uf;r beftieg fte ben Äarrett, ber fte nad) bem Scijaffot führte. So fet)t man aud) ba« 93olf anreijte, fte auf bem 9Bege bafjin jtt beieibigen, f)errfd)te hoch eine tiefe Stille. Sie roar nicht mcl)r bie butch 2fnmuth unbSdjon^eit entjücfenbe Äönigitt; ber©ram hatte ifjreSftge jerftört, unb in bem feuchten ungefunben Wertet hatte fte faf! ein 2fuge verloren. Sfr 2(nblicE fd)ien ben roilben fPobel ju erfchüttern. Um 12 Uhr fam ber Sug auf bem spialje SubroigXV. an. 9R. 2fnt. warf einen langen Slicf auf bie SÜuilerien unb beflieg bann Ijaftig ba« Slutgerüff. 2(18 fte oben roar, roarf fte ftd; auf bie Änie unb fprad>: ,,©ott! erleud;teunb rühre meine genfer; lebt wohl auf immer, meine Äinber, tdj gefjeju Gutem Sätet!" — So flarb ben 16.Set. 1793 gtanfreid;« Äöttigin, in intern faf! oollenbeten 38. Safjce. S. „Marie Antoinette a la conciergerie. Fragm. hist. publ. par le comtc de Robiano" (^)aci« 1824), unb bie „Ment, sur Ia vie privee de Marie Antoinette, Reine de France etc.", non €D?ab. Gampan (ihrer Sorleferin), 5. 2fttfl., fPari« 1823, 4 33be. 2f n 1 0 n (Äarl ©ottlieb ».), berühmt al« beittfd)er ©efd)id)t«fotfd)er unb al« Serbefferer ber ßanbroirthfehaft, geb. ben 23. Suli 1751 ju Sattbatt, rourbe 1774 ju ©örtib in ber Sauft'h SberamtSabnocat. 1774 fdjrieb er ju Setpjig eine gefehlte 2fbl)anblung: „De dato diplomatuni, regum et impcratoruni Gcrmaniac"; 1777 ben „SSerfttch einer ©efd)id)te be« SEempelherrnorben«" (2. 2fufl., Seffau 1781); 1778: „Siptomatifche ffieiträge ju ben beutfdfen @efd)id)ten unb 9fed;= ten"; 1782: „Untcrfud). über ba« ©eljeimnif unb bie ©cbrüttdje ber Sempelf)er= ren"; 1781 bie „Überfefcung unb ben dommentar über fEacituS’8 ©ermanien"; 1783 — 89: „Grj!c finien eine« Serfudj« über ber alten Slawen Urfptttng". ?J?and;c fteine Sdjriften über Sanbroirtfjfcfyaft waren ffiorlüttfer f. „©efdjidfote ber beutfdjett Sanbroirthfdjaft non ben ültefien Seiten bi« ju dnbe be« 15. Sa^rf)." (©otlib 1799-—1802, 3 Sbe.). Seine roid;tigf!en SSerfe ftnb faf! nod) unge= brudt. Sn ber ®efd)icf)tfd)reibung roar fein geiler, bap er ju gern paralteliffrte. Sie oberlaufiber ©efellfdtaft ber 9Biffenfd)aften erbte feine fc^one Sibliotftef unb feine Süatuifcripte. ®r jfarb 1818. 2fntonello non SRtffcnta, f. Ölmalerei. 2fntoninuS ^)iu§ (Situ« 2fureliu« gulniu«), ftammte au« 9!emattfu« in ©allien unb roar ju Saninium in 9fom« 9!ad)barfd;aft 86 n. dfjr. geb. Sein SSater 2ftttelitt« gulniu« Ijotte ba« donfulat betreibet, unb 120 gelangte aud> er jtt^biefer SBürbe. dr roar einer non ben 4 donfulatett, unter roeld)e ^abriatt bte l)ocl;f!e fWagipratur Stalien« tfjeilte, ging bann al« Statthalter (^roconful) 336 Antonimtö bet: 3>pofopf) nacg.Ajten urtb ftieg bei feiner 9?fitffet>c nach 9tom immer mef>r in $abrian’S 9Jet= trauen. SSon feiner ©emahlin gauflina, beS AnniuS SSeruS Xocbter, beren jügel= lofeS Setrggen er mit weifet Sttdfügung ben Sliden bcr 2Belt ju oerbergen fucfjte, {jatte er 4 Ätnbet; alte jiatben, bis auf gauflina, SJlarc Aurel’S nadjmaltge ©attin. 138 warb er oon ^»abrian an ÄinbeSflatt angenommen, wogegen er wie= berum ben 2. SSetuS unb SD?. AnniuS 33eruS (SJtarc 3fttre() aboptirte. 3« bemfeU ben Sagre beflieg et ben SEgton, unb unter igm genofj baS 9ieidf) Singe unb ©lud. 9Jlafiig unb einfad) in feinem fPrioatlebcn, ben Slotgleibenben bülfreid), ein 93et= egrer ber SEugenb unb SBeiSgeit, warb er ber SSater feines SSolfS. Sft wiebergolte er bie fd)6nen SSBorte Scipio’S: „Scg will lieber eines SürgerS 2eben erhalten als taufenb geinbe oernicgten". ©eine weife Sparfandeit fegte ign in ben Staub, bie Auflagen }tt oerminbetn. Sie Verfolgungen bet ©griffen flellte er moglid)fl ab. ©r führte nur wenige Äriege, namentüd) in Sritanniett, wo er baS romifdje ®c= biet erweiterte unb burd) Aufführung einet neuen flauer ben oergeetenben ©infaU len bet Rieten unb «Schotten fleuerte. Set Senat gab ihm ben Seinamen fpius (beS Äinblid^grommen), weil er banfbar baS Anbenf'en -fjmbrian’S, feines jweiten Vaters, burd) ©rbauung eines üEempelS ehrte. geuetSbrünfle, Überfchwemmum gen unb ©rbbebett richteten an mehrenSrten Vermittlungen an; aber feine grei= gebigfeit milberte bie golgen biefet UnglücfSfdlle. ©c ffarb, 74 Sagte alt, nach einer 23jäl)tigen Sfegierung 161. Seine Afdge warb in bem ©rabmale vfjabttan’S beigefegt; bet Senat weihte feinem Anbeuten eine Sattle, bie unter bem Flamen ber ©olonna Antonina nod) oorganben ift. SaS ganje 3ieid) trauerte, unb bie fob genben Äaifer legten ftd) feinen Flamen alS eine Sterbe bei. Sie ©cfd)id)te hat ifjn burd) ben AitSfptud) geehrt: „gafi unter allen ^etrfdjern gat er allein ohne S3ur= ger = unb feinblidjeS S5lut ju oergiejjen gelebt". AntoninuS ber 9)hitofoph (AnniuS VeruS), am befanntefietiunter bem Sftamen 91? a r c Aurel, geb. 121 n. ©gt., beflieg nach AntoninuS fPittS, feines AboptiooaterS, SEobe 161 ben SSgtm gtetwillig theilte er bie Sfegierung mit SuciuS VeruS (f. b. oor. Act.), ben er jum ©dfat unb AugttfluS ernannte unb mit feiner SEocgter 2ttctlla oecmdf)lte. ©rjogen unb unterrid)tet oon fPlrttarch’S 9leffeit SeptitS, bem Sicbner $erobeS aus Athen ur,b bem berühmten Sutiflen 2. Voltn ftuS SKecianuS, gatte er ftd) jttm ©eiehrten gebilbet unb befonbecS bie floifd;e fPf )\- lofopgie liebgewonnen. SBdgtenb feine gelbgetcen, StatiuS fPrifcuS, AuibiuS ©affiuS, SfJiarciuS VeruS unb gronto, bie *Partger fd)lugen, Armenien, S5abp= Ion unb SKebien eroberten unb bie gtojie Stabt Selettcia am SEigtiS jerflotten, rid)tete SfJlarc Aurel fein Augenmerk auf Siom unb bie Seutfd)en. SeneS würbe oonfPeft, -ÖungerSnoth unb Überfdjwemmungen geimge|üd)t, beren golgen er ju oerminbetn fuegte; biefe beunruhigten baS rbmifdje ©ebiet burd) häufige ©infalle, würben aber jurüdgefcglagen. jjugleicg bemühte ft'cl) Vlatc Aurel, bie Sitten beS VolfS unb bie ©ececgtigbeitSpflcge ju oerbeffetn. 9iacg Vecnbigung beS partgifchnt ÄtiegeS hielten beibe Äaifer einen SEriumph unb nahmen ben SEitel sparthtatb an. Salb aber brach eine fürd)tcrlid)e ^3e(! aus, womit bie morgenldnbifd)e Armee alle 2dnbet angeflecft hatte, bttreg welche fte gejogen war. Saju famen ©rbbeben, Überfd)Wemmungen unb ein allgemeiner Aufftanb ber ©renjoolfer »on ©allien bis an baS fegwarje 9Jfeer. Sie beiben Äaifer gingen nad) Aquileja, um mit bem ©in= tritt beS grüglingS bie 59lacf'omannen anjugreifen. ©in Xgeil ber geinbe unterwarf ftd); halb aber griffen Alle aufs neue ju ben 5Baffen. Ad)t Sagre lang würbe mit abwcd)fc(nbem ©lüde gcfod)ten. Sems flarb .169 im erflen Sagte beS ÄtiegeS. 174 brangen bie geinbe bis in Stalien ein, unb ba bie Scgagfammer erfdiopft war, fag ftd) bet Äaifer genotgigt, alles fojlbate ©erdtg beS ^alafteS ju »erfau= fen. Su ben folgenben gelbjügen waren bie 9iomer Sieger. AlS aber 178 bcr Äaifer bei ber Stabt ©ran ben D.uaben entgegenflanb, gerietg er, oon bengeim XntoniuS toon $abua XntoniuS (Sfttatcuö) 337 ben eingefcblojfen, au« Mangel an Söaffet in bie dufjcrffe 9Jotf); ba ertjob fid) ein furchtbarer ©türm; ein 9Ua(sregen erfrifd)te baS $eer, unb bie Duaben mut= ben gefd)tagen. Darauf baten bie SJIatfomannen, bie Duaben, fornie bie übrigen ISarbaren, um grieben. Die Empörung beg fprifeben ©tattbalterg, 2f»ibiu« 6af* fiug, ber ftef) ftgppten unb bie ßdnbet innerhalb beg Sautug untermorfen batte, rief ben Äaifcr »on feinen «Siegen ab; aber noch ef>e er 2ffien erreichte, mar ber Xtfrübret »on feinen 3(nf)dngetn ermorbet morben. SKarcXttel»ersieh arten SEIjeüs nefmern, jog triumpfirenb in 9fom ein unb befdjdftigte fid) mit ben innern 3fnge= (egenbeiten, big neue Angriffe ber fSJJatfomannen ibn notbigten, abetmalg gegen fie ing gelb ju sieben. @t befiegte fie jit »erfd)iebenen 9Kalen, erfranfte aber in ©irmium, unb ftarb (nach Xttel. SSictor) ju Vinbobona im 59. Sabre f. Xterg unb im 19. f. Regierung. — Die beffe Xtgg. ber »on ibm grieebifd) gefebriebenen „83etrad)tungen über fid) felbfi", in t»eld)en er fid) alg einen Xihdnger ber ©toa geigt, ftnb »on Gafaubonug (2onb. 1643), Sftorug (Seipg. 1775) unb ©d)ulj (1802); Überf. »on ©djulj unb Äubn mit Xtmerf. — Dergtofe SKatcug ge= bort ju ben beflen Äaifern, roelcbefRom beberrfebt haben, obgleid) feine fPbrtofo= pbie unb bie natürliche ©rofmutb feineg Gbarafterg ihn nid)t abgebalten haben, bie Verfolgung ber Cbriften (f. b.) in ©allien $u befehlen. 2fntoniu§ »on $Pabua, ber heilige, geb. b. 15. Xtg. 1195 in einer »otnebmen gamilie ju Siffabon, einer ber berühmteren @d)ület beg heil, granj »on 2(ffifi unb ein tbdtiger Verbreiter beg grancigcanetorbeng, bem er 1220 beigetre* ten mar, mürbe auf einer gabrt nach 2ffrifa, mo et SUdrtprer beg d)tijfrtd)en ©lau= beng ju merben münfd)te, an bie Äüffen »on Starten »erfd)lagen unb prebigte mit grojjein SSeifart in Sftontpertier, Souloufe, Sologna unb fPabua, mo er ben 13. Sunt 1231 ftarb. Die »on ihm »orbanbenen 2egenben ftnb »oll Sftdrcben; ein= flimmig rühmen fie aber fein Salent alg ^>rcbiger; nad) ber ßegenbe ftnb felbfi bie gifebe baburd) gerührt morben. Die fatbolifcbe jfitd)e, befonbetg in Portugal unb Starten, »erebtt ihn alg einen ihrer »orguglid)ffm ^»eiligen, unter bie *Papfi ®re= gor IX. ihn 1232 »erfefste. 3u spabua ifi ihm eine Äird)e mit feinem ©rabmale gemeibt, bag ein 9Jieifietfiüif bet Silbbauetfunfi iftf 31. 2fntontu§ (STarcug), ber Srium»ir, ©obn beg *Prdtorg unbGnfetbeg SJebnetg gl. 9t., geb. 68 S- »• Gt)r., war burd) f. SKutter S«üa, eine grau »on auggejeiebneten Gigenfcbaften, mit Gafat’g gamilte »ermanbt. Xtgfdjmeifungen unb ©d)ulben bejeid)nen feine Sugenb. Serebtfamfeit unb Ärieggfunft ju fiubi= ren ging er nach ©riedjenlanb unb folgte »on bort bem Gonful ©abiniug auf einem gelbjug in ©prien. Gr jeigte fornol hier alg in jfgppten, mo er ben ^>tote= mdug Xileteg einfefsen half, »iel CDiutb unb SEbdtigfeit. Die ©olbaten, gegen bie er fid) übetaug freigebig, nad)ftd)tig unb »ertraulid) bejeigte, gemanrten ihn febt lieb. ^ Sn 9tom »erbanb er fid) mit Gurio unb unterftüfste mie biefer bie ^Partei Gdfat’g. Grtuatb Xtgur unb Volfgtribun; aber bureb einige Vorfd)tdge erregte er einen fold)en f)af gegen fid), baf er mit Gurio unb Gafft'ug 2onginug in Gdfat’g 2ager eine Sufludjt fuebte; biefer ©d)ritt marb einer »on ben Vorrndm ben jum SSurgerfriege. Sei bem Xtgbrud)e beffelben (Gdfar gegen fPompejug) marb X »on Gdfar jum Dbetbefeblgbaber »on Starten ernannt; fpdtcr führte er ihm eine beträchtliche Stacht nach Gpirug ju £ülfe. Sn ber pbarfalifd?en ©d)lad)t befehligte er ben linfen glügel unb fam alg Stagiffer equitum unb ©tatt* haltet »on Starten nad) 9?om jurücf. Durd) Tfugfdjmeifungen unb @emalttl)dtig= feiten entmürbigte er [ich fo fe^r, baf Gdfat ihn bei feiner Sfücffebr mit Ädlte be= banbeite. Um biefe 3cit »erbeiratbete er fid) mit beg Globiug SBitme gul»ia, t»eld)e ihn eine 3eitlang begpotifd) beberrfd)te. 3flg Gdfar aug ©panien jutücffam, ge= mann X bureb bie fd)impflid)ffen ©d)meicbeleien feine ©unfi roieber unb marb 44 »or ©b r - f e >tt CÖfitconful.. Damalg marf er fid) am Supercalienfejf offene Gon».=8eic. ©iebente 2fufl. 58b. I. f 22 338 2fntoniu§ (SDJatcuS) lid) gu Eafat’g güßen unb bot ihm 2 S02at ein SDiabem an, bag biefer unter bem Sujaucßgen ber Stenge gurüdwieg. Salb barauf fiel Eafat, unb 3t. würbe baffelbe Scßidfal gehabt haben, wenn nicht 33rutug, ber if)n für bie StepubliE gu gewinnen l)offte, ftd) für il;n »erwanbt hatte. 2tttein 2t. t)iett bem ddfar eine Seidßenrebe unb breitete babei beffen blutigeg ©ewanb aug, woburd) er bab Volt gut 5Butf) unb Stäche entflammte. Sie SJtörber mußten flüchten, unb 2t. I)errfd)te einige Seit mit unumfd)vdnfter ©ewatt. 9tad)bem er ftd) mel)rmaB mit bem jungen £>cta»tug, Eafat’g Eiben, ber nad) ber ^errfdjaft (trebte unb aug spolitd bie Partei beg Senatg ergriff, entgweit unb »erföhnt Ijatte, ging er mit einem Jpeete in bag cigatpinifdje ©allien, beffen ©tattl)alterfd)aft ihm guge= ttjeilt worben, unb belagerte Stutina, bag Secimug Vrutug tapfer »ertheibigte. Unterbeß hielt Eiceto feine berühmten Sieben gegen itjn; ber Senat erfldrte itjn für einen öffentlichen geinb, unb bie beibcn Eonfuln, ^irtiug unb ^3anfa, »on £)c= taoiug begleitet, rüdtett wiber ihn ing Selb. 2t. fdjlug anfangg Sanfa in einer morberifcljen Sd)lacf)t, aber Hirtiug eilte f)ccbei, unb 2t. warb gefd)lagen. 2(llein auch beibe Eonfuln waren geblieben, unb Sctaoiug trat an bie Spi^e beg republifanifchen >^eerg. 2f. floh mit feinen Struppen unter großen Sefd)Wer= ben unb Entbehrungen über bie 2tlpen. Sn ©allien commanbirte Sepibug; 2t. begab ftd) in Strauerfleibcrn in fein Säger unb gewann fchnell bag d)eet für ftd), fobaß bieg feinen 2tnfuf>rer nötigte, ftd) mit 2f. ju oerbinben unb fogar ihm feine Stelle gu übergeben. 2tud) ^piancug unb fPollio oerfiärften feine fPats tei mit ihren feeren, fobaß 2t., ber not futgem Italien alg glücßtling »erlaß fen hatte, an ber Spi|e »on 23 Segionen unb 10,000 Steifem bahin guutcb feinte. Seht ließ Sctaoiug, bet big bahin ftd) nur gum Schein alg 2fnhänger beg Senatg unb Verfechter ber republifanifchen Freiheit gegeigt hotte, bie SJtaSfe falten; er gog 2f. unb Sepibug entgegen unb hotte mit ihnen auf einer flei= nen Snfel beg Steno unweit Vologna (nadh 2fnbern auf einer Snfel beg ^anaroki SÖtobena) bie berühmte Sufommenfunft, wo fte bie römifche SBelt unter fid) tfjrib ten. ^iet befchloffen fte aud) bie 2fd)tung ihrer gegenfeitigengeinbe; Siebet gab bem 2fnbern feine ifntjanger preig. Sarauf gogen bie Striumoirn nad) Storn, unb mit ihnen fam S02orb unb Staub über gang Ställen. 2t. ließ Gtcero’g ^aupt unb red)te Hanb auf berfelben Stebnerbüljne gut Schau fiellen, auf welcher beffen S3e= rebtfamteit fo oft geftegt hatte. 300 Senatoren unb 2000 Stifter tarnen in biefen Verfolgungen um. Stad)bem bie gum .Stiege nötige Summe »on 200 SM Sejiergien (ungefähr 10 SOtill. Sfjoler) herbeigefchafft war, unb bie SEtiumuitn SStagiftratgperfonen auf mehre 3n!)te ernannt hotten, gingen 2t. unb £)cta»iu$ (42 »or Ehr.) n od) SJtocebonien ab, wo bie »ereinigten Streitfrage ihrer @eg= ner, Vrutug unb Eaffiug, ein mddjtigeg Heer bilbeten. Vei ^h'i'PPi befehligte 2t. gegen ben Eaffiug, ber ftd), alg ber blutige Äampf unglüeflid) für ihn aufc gefallen war, »on einem feiner Sfla»en tobten ließ. Sn ber gweiten Schlad)* war er eg »orgüglich, ber ben Vrutug nötigte, benfetben »ergweiflunggoollen Entfd)luß gu faffen. Vei bem 2tnblid beg Seidjnamg aber geigte er tiefe Stuß* rung, bebeefte iljn mit feinem SKantel unb ließ ihn ehren»oll beetbigeit. 2t. ging hierauf nad) ©riechenlanb, bcfud)te gu 2fthen bie öffentlichen Schulen unb gab bie= fer noch in ihrem Verfall glöngenben Stabt Veweife feiner Hochachtung. Von ba ging er nach 2fftcn. Sn Eilicien befahl er ber Königin »on 2tgppten, Cleopatra, ftd) wegen ifjreg ben Sltiunwirn mißfälligen Vetrageng gu rechtfertigen. Sie erfdjien petfönlidf) unb wußte ihn für immer gu feffeln. 2f. folgte ihr nach 2f!epanbtien, wo er in ununterbrochenen Serftreuungen nicht eher wiebet an bie 2ln= gelegenheitcn ber Sßett bachte, alg big ihn bie 92achtid)t »on ben in Stalien groifeßen feiner ©emaßlin gul»ia unb Sctaoiug auggebrochenen geinbfeligfeiten aug fei* nem Staufcße wedten. Eg erfolgte ein furget Ärieg, ber noch »or 2t.’g 2fnf«nft in 339 #ntoniu§ bet ^eilige Italien ju £>cta»iuS’b ©unfien entfcgieben warb. Sulöia’S Sob erleichterte bie 2tubfögnung, welche bureg bie Sertndglung beS 2t. mit £)cta»ia, ber ©djwefler beb £>cta»iub, befiegelt warb. Sie beibert «Herren beb römifegen 9ieid)b machten eine neue Steilung. 2t. befarn ben Srient, Sctaoiub ben Sccibent. Sem fegwa- chen Septbub würbe jum ©djetn 2ffrifa iugetgeilt. Silit ©eptub 9>ompejub, ber bah mittelldnbifd)e SJieer betjerrfd^te, warb ein Vertrag gefcgloffen. 2t. ging hierauf nach 3Ctt>en, machte einen wenig rühmlichen gelbjug gegen bie ?partt)er unb fam bann nad) Italien jurücE. Surch bie Setmittelung berSctaöia herrfd)te, bem 2tnfchein nad), »ollfommeneb (Sinuerftdnbnif jwifegen ben beiben 5£rium= »itn; allein nad) feiner Stücffegr in 2tften ergab ftd) 2(. bem fd)amtofefien Jfeben, »erfegwenbete, baS 3ntere(fe beb ©taatb »erlegenb, ^rooinjen unb ganje Gleiche an Cleopatra, unb übte bie offenbarten Ungerecgtigfeiten. 9lad) einem jweiten fchimpflichen gelbjuge gegen bie 'Partger nahm er ben König »on Armenien, 2frta= »abbeb, ben er ber SEreuloftgfeit befd)ulbigte, burd) aJerrdtfjerei gefangen unb führte ihn im Triumph nach 2(lcjcanbrien. Sctaoiub »erfdumte nid)t, mit Se= jiegung auf 2t.’b Setragen, bab SJlifoergnugen ber Otbmer gegen ihn ju reigen. Ser .Krieg §wifdt>en beiben 92ebenbugletn warb unoetmeiblid), unb beibe fingen an fich ju rüfien. 2t. »erfdumte, unter beftanbigen gefien, feine wichtigen 2fngelegenheiten unb füllte bie Snfel ©amob, ben ©ammelplag feiner Gruppen, mit SHuftfern, ©aufletn unb ©cgwelgern. Son Sctaoia trennte er ftd) öffent= lieh. Siefer SJtapregel muffte allgemeine Sliifbilligung folgen, ba Sctaoia’S (Sbelmutg befannt, unb Kleopatra’S goegfagrenber ©inn allgemein »ert>apt war. (Snblicg erfldrte man ju 9tom ber Königin 2tgppfenb ben Krieg unb entfette 2f. feineb (Sonfulats unb feiner ©tatthalterfd)aft. Sebe Partei fammelte ihre ©treitfrdfte, unb 2t. oerlor in bet ©eefchladf)t bei 2tctium (f. b.), 31 ». Ggr., bie .fjerrfegaft ber SBelt. (Sr folgte fchimpflid) ber fliel)enben Kleopatra. Sab ßanbgeet erwartete ihn »ergebend unb unterwarf ftd) bem ©ieger. Sarauf ging 2t. nach Sibpen, wo ein nicht unbebeutenbeb, »on ihm bafelbfi jurucfgelaffeneS •fjeer feine legte Hoffnung war. Sei feiner 2fnfunft mupte er fegen, bap eb bie Partei beb Sctaoiub ergriffen gatte, unb fein ©d)metj barüber war fo grop, bap man ign nur mit 9Mge am ©elbfimorb ginberte. (Sr fegrte naeg 2Tgppten Sutücf unb lebte in ftnfieret Surucfgejogengeit, bib ebber Kleopatra gelang, ign in igren fPalafi unb ju ber »origen Sebenbweife jurücfjufügren. ,5gre geffe würben burd) SctaoittS’b Änfunft unterbrochen, ber alle Sorfcgldge ber Unterwerfung »er= warf. Sei feiner (Stfcgeinung »ot 2flepanbcien fegien 2t. ben alten SJlutg wieber= juftnben. (St machte einen 2tubfalt an ber ©pige feiner 9feiteret unb fcglug bie feinblicge jutuef; fpdter aber, »on ber dgppt. glotte unb feinem $eere »erlaffett, unb in bem 2frgwogne, »on Kleopatra felbfi »erratgen ju fein, »erlor er aufb neue ben SJtutg. (Sr begab fteg itt ben fPalafi ber Königin, um an igr 9facge ju negmett; fte rettete fteg jeboeg bureg bie glucgt unb tdufegte igtt bttteg bab falfd)e®erüd)t igreb Sobeb. (Sntfcgloffen, ebenfalls $u fferben, fiücjte er ftd) nunmegr in fein eignes ©cgwert (30 »or Ggr.). fpiutarcg erjdglt, 21. gäbe feinen ©flauen (SroS aufgefobert ign ju tobten; biefer gäbe fteg geftellt, alb fei er bereit ju gegot= d)en, gäbe igm gegeifen, bab ©efiegt abjuwenben, unb fei, ftd) felbfi burd)bog= renb, tobt ju feinen gupen gefunfett, worauf benn 2t„ gerügrt burd) biefen Se= Weib »on gelbenmütgiger 2fngdnglid)feit, ftd) in baffelbe ©cgwert gefiürjt gäbe. 2fuf bie 92acgrid)t, bap Kleopatra noeg lebe, liep fteg 2t. ju igr bringen, um in igren 2frmen ju fierben. (Sgl. 2tugufiub unb Kleopatra.) 2tntoniub ber ^eilige, aud) ber ©tope, ©tifter beb KlofierlebenS, geb. 251 ju Koma bet Jperaflea in Sberdgppten, ging, ba er ben 9ieij ber SBiffem fegaften niefennen, wagtfegeinlid) aud) nie (efen gelernt gatte, 285 aub 2fnbacgtb= trieb in bie (Sinfamfeit. Um 305 »ereinigten ffeg megre (Sinftebler mit igm, wobureg 22 * 340 Xnfonomafte ‘tfntmigucä bie conobitifcf>c (flojlcrtidje) Sebengart bec üSlondfe in gemeinfdjaftlidjen Sffioijnum gen entflanb, 311 fam ec nad) Xepanbtien, um unter ben damaligen (St)ciften= »etfolgungen bie Gfre bc 8 SJldrtprcrtbumg ju fucben; ba man ihm aber bas Seben ließ, fct>rte er ju ben Jütten feiner 9J?6ncf)c jutücf. ©pater überlief er biefe Xiflalt feinem ©cbüler fPad)omiug (f. Hl 6 ft er) unb begab ftcf> mit 2 greunben in eine nod) entlegenere Ginobe, wo er 356 ftarb. Saf er fid) nur mit einem härenen Rembe unb einem ©dfaffell beileibete unb feinen Äorper niemals reinigte, ifl glaublicher alg bie feltfamen Gablungen »on feinen Seufelgfdmpfen unb SBunbern, bie ec fetbft befanntgemacft bat, wie ffe in feinem Seben »om b- 2ftf>a= naftug ju lefen ftnb. Xle feine ©dritte jeugen «on bec Übermad;t feiner glübenben Ginbilbung unb feiner bunfeln ©efüfle für religiofc 2ffcetif. Sie 7 SSciefe unb einige anbre afcetifcbe ©djriften, bie bag Xtertbum ibm beilegte, rübren ferner: lid> »on ibm b^'- Gbenfo wenig ifl etweiglid;, baf er SJloncbgregeln aufgefegt, unb ganj ungegrünbet, baf er einen ©eben gefliftet habe; bod) wollen bie Sttöncfe ber fcbi€matifd)en Äird)e im Orient, 5 . 33. 9)?aronitcn, Armenier, Sacobiten, Hopfen unb Xbpffmier, bem angeblid)en Seben beg b- Xitoniug angeboren; fie folgen aber nur bet Siegel beg b- 33afiliug. 2flg Reiliget bec fatbolifeben Hitcfe gilt X »iel. Sag ©ebet um feine gürfpradje foOt befonberg gegen bag nach ifm benannte Xrtoniugfeuer, eine im SJlittelaltec wütbenbe fürchterliche Äranffeit, welche jebeg baoon befallene ©lieb borrte unb fcbwdrjte, alg wäre eg «erbrannt, geholfen bft&tw ©afton, ein'reidjet Gbelmann in Saupbine, ber bei ben an= geblieben ©ebeinen beg b- Xitoniug ju ©t.=2Dibier=la=9J7otf)e eine folcbe Gur für feinen ©ot)n erfleht ^atte, fliftcte aug Sanfbarfeit 1095 bie Rogpitalbrüber* febaft beg b- Xitoniug jur pflege ber Htanfen unb SSefcbüßung ber Pilgrime, beren erftec ©rofmeifler ec war. Siefer Orben erhielt auf ber Hircben»erfamm= lung §tt Giermont 1096 pdpftlicbe 33eflatigung, übernahm 121S bie 9Jt6nd)g» gelübbe unb würbe «on SSonifaj VIII. 1298 ju einer 33rüberfd;aft geregelter Gborberren nach ber Siegel beg b- Xtguflinug mit betSSeftimmung erfldrt, baf ber ©rofmeifler X>t beifen, ju ©t.=Sibicr=la=5Slotbe feinen,©ib -haben unb ©eneral aller Hloftec beg Scbeng fein follte. Sie fPrioren ber Hiojter nannten ftd) Hon» tbure, fpdter fPraceptoren, unb waren bem 2fbt untergeben. Sie Hleibung biefer Xitonier, auch Xitonianer ober Xttonierberren, wie fie nun alg Hanonici fie* fen, war fdjwarj unb mit einem blaugefd)meljten, ber gotm eineg T ftd) naben» ben Hreuje auf ber SSrttfl auggejeiebnet. 3b re urfprünglicbe33eftimmung ba&*n fie alg Gborberren aufgegeben unb fi'd) bem flill befebauenben Seben ber Xibacft ge* wibmet. SBallfabrten jurn ©rabe beg b- Xitoniug unb ©cbenfungen malten fr reid; unb »erfdjafften ihrem Srben eine weite Xtgbreitung. 5b r ^Prdceptor ju Sidjtenburg im fddjfifcbcn Hurbreife war «or ber Hircbenoerbefferung Hanget ber Unioerfitat -Bittenbcrg, unb auch naebb« jaflten fie nod) big in bag 18. Saftl). 30 Hlofter (bie meiften in granfreid)); aber feing berfelben £;at bag 19. Saftf). erlebt. E. 2(ntonomafic ifl betSEtopug ber Siebe, oermöge weldjegman flatt ber Gigennamen eine bejeid^nenbe Gigenfdjaft (wie ber ©obn ber 2lpl;robite für Xnor) fegt, ober einen Gigennamen flatt eineg ©attunggbegriffg, 5 . 33. ein wahrer Giceto fl. Sfebner. 2fntraicjue§ (Gmanuel SottigRettri Saunat), ©rafb’). Siefer im Saufe ber Sleoolution berühmt geworbene ©taatgmann war in 3$i»araig geboren, ©ein Rofmeifler, ber berühmte 2 fbbe SJlattrp, bilbete früh feine Anlagen ju einer gldn= jenben unb binreifenben, bod^ weniger grünblicben 83erebtfamfeit aug. Sen erflen ©ebraud; feiner Talente mad)te er in bem berühmten „Memoire sur les Etats- gencraux, leurs droits et la maniere de les convoquer" (17S8), Worin bec feffellofefle greifeifgfinn, big jur gdnjlidjen SSerbnmmung aller monard)ifcb fn Antwerpen 341 Staaten tmb 3ted>tfcctiQung ber ©mporung, fo fcaftooll ftcf) attSfprach, baf bei bet bamaligen ©ährung bec ©emüther tiefe Schrift einen übcrwiegenben Beifall fanb unb wol mit 9fecf)t als einer bec etffen gunfen betrachtet werben bann, welche bie giamme bec frans. Keoolution entsünbeten. 2ft« ec aber 1789 jum Seputirten bei ben ©eneralffänben ernannt mar, oertheibigte er bie Sorrecf)te beS ©rbabetS, mar unter denjenigen, welche ftcf) ber oorgefdßagenen Bereinigung ber 3 ©tanbe am beftigfien wiberfe|ten, unb ffimmte für eine bie Bfenfd)en = ober oielmef)t S5«r= gertechte feftfepenbe Gonffitution, erklärte inbeffen babei baS Veto beS ÄonigS als eine «nentbef>rlid;c ©tü^e ber 9Kon«tcf)ie. 1790 üerlief er bie Berfammlttng, übet-- fanbte feinen SButgercib mit ©infd)cänbungen, warb als Unruheffifter angeElagt, oertheibigte ftd) bffentlid) unb ging bann nad) Petersburg unb 5Bien, ftets mit bipfomatifcben Aufträgen unb Angelegenheiten befd)dftigt. ©r warb je|t ber eifrigfre Bertf)eibiger ber SDfonarcfie unb ber BoutbonS. Bon 9iuflanb 1798 nad) Italien gefanbt, warb er $u Bfailanb auf Bonaparte’S Befehl oerhaftet; feine ©attin, bie berühmte Öpernfdngerin ©t. = .£mberti, oerfdjaffte ihm SWittel $ut ©ntwekhung. ©r bebrte nach SBien unb bann nad) JKuflanb jurücf, wo ihn Alepanber I. 1803 jum ©taatSratb machte unb in bipfomatifcben Angelegenheiten nach SteSben fdjicbte. .fjier fdjtteb er eine merbwürbige ©d)rift gegen Bonapatte: „Fragment du 18me livre de Polybe, trouve sur le mont Athos". 9fad) Sfltf lanb jurÜcF= gebehrt, fanb er SJfittel, Äenntnif oon ben geheimen Artikeln beS tilftter griebenS ju erhalten, ging bamit nad) ©nglattb unb theilte fte bcm BJinifterium mit, wobttrd) fein ©influf fo bebeutenb würbe, baf ©antting in frans. Angelegenheiten 9fid)tS ohne feine 9Jatf)fd)lage that. 6r unterhielt feine biptomatifdjen Betbinbungen, be= fonberS in granbreid), unb galt allgemein für einen bet gröften Politifcr. Scofs feiner Anhänglichkeit unb feiner vielen Bemühungen für bie Bourbons gelang eS i()m bod) nicht, baS Bertrauen CubwigS XVIII. gans ju gewinnen. 1812 warb er in einem Sotfe bei ßonbon, nebff feiner ©emahlin, burch feinen Schienten Sorenso, einen Italiener, ecmorbet, welcher ftd) gleich nad) ber £l)at ecfchof. Antwerpen (Antorf, Anvers), bie gtofe unb gut gebaute^auptft. einer niebetlanb. Ptooins, bie 1814 aus bem oormaligen €0?arquifat Antwerpen unb ber -perrfdjaft Pfed)eltt, weldje' wahrenb ber frans, ^errfdjaft baS Separt. ber beiben Ofethen auSmachten, sufammengefegt iff unb auf 48 OSt. 330,000 ©inw. sdhlt. Sie ©tabt liegt an ber Scheibe, auf weldjer bie größten @d)iffe mittelfi 8 $aupt= candlen unb 3 oon ben gransofen neu angelegten BafftnS bequem an ihre Äaien ge= langen tonnen, ifl ftarf befeftigt, unb hat eine ©itabelle, über 10,000 dp., worum ter bie prächtige Borfe (bie dltefte in ©uropa), baS SiathhnuS, betSom, beffen ©ewölbe 125 ©ättlen tragen, mit bem hochfien Shurme ©uropaS (444 g.), worin 9fubenS (beffen gamilie aus Antwerpen ftammte) begraben liegt, baS feht weitlam ftge ^)auS ber SfireltnS (ehemalige Ofteberlage ber •fjanfa) u. a.,fehenSwürbig ftttb, unb 65,000 ©.; fte ift ber @i£ eines BifchofS, einer Afab. ber fSiffenfd)., einer SOiatcc = unb Bilbhauerafab., einer mebicinifd) = cl)irurg. ©chule.unb eines ©eearfe= nalS. 3h vc Subriben unb OJfanufacturen in ©pijjen, 3«tfer, Bleiweif, SatfmttS, ©totfen, baumwollenen 3eud)en, ©pifsenswitn ftnb fehr anfehnlid), unb antwerp= net Ofähreibe, fchwarse ©eibenfioffe unb SrucFerfchtoarse überall berühmt. Ser ^anbel nimmt je(st, nachbem bie Scheibe hier mieber geöffnet iff, fehr su, unb 1823 liefen 788 Schiffe ein, barunter 353 auSlänbifche j auch hnt bie ©tabt fd)on wie= ber 100 aller. Bor bem Kriege ber 9f ieberlänber mit ben Spaniern war fte eine bebeutenbere £anbelsftabt als felbff Amßerbam, beffen ©rofe im 16. Sahrh- bucri) ben Betfall «on Antwerpen einen bebeutenben guwad)S erhielt. Samals war bie ©djelbe mit @d)iffen oon allen Ofationen bebetft, beren auf cinmaf 2500 in ihrem pafen lagen unb oft 2ßod)enlang warten muften, ehe fte lofd)en fonnten. 3u Ant= werpen, baS bamalS 200,000 6. jählte, h'ttte bte ^anfa bebeutenbe Ofieberlagen. Xmntte 342 3fnu6tö Stefet blügenbe Bufianb ber «Stabt beEam watjrcnb bet benfmütbigen ^Belagerung »oit 1585 unter bem trügen öon ep«ttna ben etjlen Stof, unb fcfytoanb gdnjlicg, alg im voeflfdtifdjen groben bie Sdjelbe für fte gefcgloffen mürbe. 3ofept)g II. 5ßec= futf), biefen 3mang aufjuCjebeit, mißlang, unb erfl bie granjofen fegten naeg bet ©robetung bet offr. 9?ieberlanbe butd;, mag jener Äaifet für Antwerpen gatte tgun mollen. Sie Scgelbe mitrbe für frei erElart, unb ber $anbel mürbe ftd> nun fcgnell gegoben gaben, menn Napoleon niegt benSrt in einen ©affenplag umgefegaffen gütte. 1S14 mürbe bie Stabt non ben ©nglanbern unb Sacgfen unter ©ragarn ein= gefdjloffen unb »on ©arnot oertgeibigt, ber fte etfi, in golge beg mit ©onfteur abge= fdjloffenen SBaffenftilJjtanbeg, am 5. 9Rai übergab, ©eboren ftnb gier bie betügm= ten Sttaletoan SpE, beibe SEenierg, Sepget, ©taper, glorig unb SSrill. 3C n üb i 3, eine ber oornegmfien ©ottgeiten ber Tlgppter, Xtfangg oeregtte man ign unter ber ©efialt eineg -fpunbeg, naegget in menfcglicger ©eftalt mit einem ^»unbgfopfe, bager ÄpnoEepgalog genannt. Sie Sage nennt ign einen Sogn beg Sftrig, ben biefet, mügnenb, fid) ju ber^ftg gefeilt ju gaben, mitfJlepgtgpg erzeugte. 2Clg Sg® füg giertton burdj ben SotugErans überzeugt, ben Sftrig bei 9lepgtgpg jus tütfgelaffen gatte, fud)te fte bag aug guregt ootSgpgon oon feiner SÖiutter aug= gefegte jftnb auf, fanb eg mit dbülfe einiger ^unbe, etjog eg, unb gatte an igm einen treuen SBacgter unb Begleiter. 21. bemad)t bie ©Otter, mic bet -jpunb bie SOfenfd/en. 2llfo fpiutarcg. 9lad) Siobor begleiteten 2f. unb ©afebon, feine Sbgne, ben Sfttis auf feinen Bügen. 3t. trug einen mit einem .fjunbgfelle übec= äogenen |>etm unb mürbe bager in ber ©efialt eineg tfmnbeg oeregrt. — 9lacg bet aftronomifdjen Sgeotogie bet 3tgppter mar X bet ftebente unter ben 8 ©Ottern bet erfien ©affe, unb begeiegnete, gleicgbebeutenb mit ^ictnieg (bem gemeinen 92a= men beg Planeten SOietcuriug), ben SOiercur. 3tlg biefer mar er benn aud) Stegent einer Sagegfiunbe unb ©eniug ber ffieiggeit. Seine urfprünglicge ©efialt flammt mol aug bem Sgtetbienfie ber 5tgppter ger; gier mar er Scguggeiji bet 3agb, barat mutbeer, nacgBoega, Sdjuggeifiübergaupt, SBücgter bet ©öfter. Sie@tie= tgen fanben ign in igrem -fjetmeg miebet; fo tierfcgmolj et mit biefem. 2fnöille (3ean SSaptijie SSourguignon b’), erfier ©eograpg beg Äönigg, tpenfionnair ber 2ffab. ber gnfegriften unb fegonen Äünfie u. f. m., mar 1697 jit ^3atig geboren, ©ine Sanbcgarte, me(d)e ber Bufall igm alg 12jügtigem Änaben in bie Jöanbc fügrte, mecEte feine Dleigung für bte ©eograpgie. ©r fing an, bie Satt» ber unb ©egenben, beten bie romifegen ©efcgidjtfcgreiber ermaghen, ju entmerfen, unb ridjtete alle feine Stubien auf bie ©eograpgie. ©r lag bie 3(lten nur in bet 3tb-- ftd)t, bie Sage ber Stabte, oon benen fte fpreegen, getaugjubtingen, unb bie ©rem jen ber meiten SReicge, moju mir bie Büge in ber ©efd)icgte ftnben, $u befiimmen. So gatte Er füg frügjeitig umfaffenbe üenntniffe in bet ©eograpgie ermotbettj buteg fte märb er 6a(b ben aügefegertfien ©elegrten beEannt unb ergielt in einem 3(lter pon 22 3. bie ©efiallung alg Eonigl. ©eograpg. 3egt fing er an bie ffflaffe feiner Äenntniffc jü fiegten unb ju orbnen, Unb babutd) etmarb er füg jenen feinen SaEt, ber einem 3nfiinft gleicgt, aber bei b’2f. bag ©rgebnif fdparfffnniger, mit S3erücfftegtigung aller Umfianbe gemaegter föergleicgungen mar. gafi allentgalben fanb fein Scgarfblid bie SBagrgeit auf. Saget gebügrt igm alg ÄritiEer einer bet auggejeugnetflen ^)ldge, unb um fo geteegter, ba bie meifien feiner Meinungen unb SSermufgitngen buteg fpatere Unterfüdjungen an Srt unb Stelle befldtigt root= ben finb. 3m ©anjen gat er 211 ©garten unb fßlane unb 78 3fbganblungen get= auggegeben. 33ot allen oerbient feine ©garte oom alten 2tgppten ©rmagnung. Sein „Orbis veteribus nötus", fein „Orbis romamts" müffen in ben fanben 3lllet fein, melcge bie alte ©efd)icgte lefen; fo aueg feine ©garten oon @allten, 3talien Unb ©tieegenianb. ©in ©leicgeg gilt non ben ©garten becfelbert Sauber für bie mitt= lere Beit- 3(ucg feine ©garten bet neuern Bett leifien 3flleg, mag bie bamalg »ot= 2fmt>eifung 5fnjtef)ung 343 Ijanbenen cfjülfgmittel »erftattefen. ©t mar einfach unb befd)eiben, obgleich für ben Sabel etwag ju empftnblid). Sie natürliche Sattheit feineg Äorperg h in£) erte ihn nicht, täglich 15 ©tunben ju arbeiten, groei Sahre t>ot feinem Sob'e erlagen feine geiftigen Ära ft e bem Älter; fo ftarb er 1782. ©eine hofibate ©hartenfamm= lung hatte 1779 bie ^Regierung gekauft. Änweifung (Äffignntion), ber Äuftrag, melden ber Änweifenbe (Äf= fignant) einem Änbern (bem Äfffgnator) ertheilt, ©twag bei einem Sutten (bem Äf= ftgnaten) ju erheben. ©iehatbieSöirfung, bap berÄngewiefene mit restlicher SBit= fung, fobap ber Änweifenbe eg gegen ft'ch gelten laffen mup, an ben Äffignator jal)= len bann, unb bap ber Äfftgnator für SSerfehen (Setfäumnip im ©infobetn ber an= gewiefenen ©umme, eigenmächtig gegebene 9tachfid)t unb bergl.) haften mup. SSenn ber ©chulbnet feinen ©laubiger auf einen Sritten anweift, fo hat bieg nicht bie Äraft einer gahlung; ber ©chulbner bleibt fo lange verhaftet, big bie gahlung roirblich erfolgt ift, wogegen er bei wirtlicher ©effton nur für bie 9vidf)tigteit bet an= gewiefenen gobetung ju haften hat (f. ©effton), unb wenn biefenorbnnbenift, non feiner Serbinblid)teit frei wirb, ©ne S e l e g a t i o n (f. b.) mad)t tf)n fogleid) frei. Sie Äffignation bann in ber Siegel wiebet weiter übertragen werben. Un= ter Äaufleuten haben bie Äfffgnationen (mandats) nach manchen Sanbeggefefjen bie Äcaft eineg SBechfelg. 37. Änwurf im SRünjWefen, eine 9Rafd)tne, »ermittetfi welcher bie groben SÄünjforten geprägt werben, ©ie befielt aug einem Unter = unb einem £)berftäm= pel, weld)e genau auf einanbet paffen unb burch ©ewidfjt ober irgenb eine anbre Äraft ben jur Äugprägung beg ©elbeg erfoberlichen Stucf erhalten. Änwurf, Äbpufj. gaft alle SRauern werben halb jur mehren Sauer= haftigbeit, halb jum fPufs mit einetSufammenfefung »on@rbe, Äalf, ©ppg, ©lag= ftücten u. f. w. beworfen, ©ine fjauptfadje babei ift, bap bie ©ubftanj, welche bie Sftattet an fid) bilbet, unb bie ©ubftanj, Welche ben Änwutf augmacht, fid) fo com= pact mit cinanber vereinigen, bap Sßerwitterung, ©alpeteraugfcplag unb ©d)tagre= gen bie bidt>te SSerbinbung ber 9Rauer unb beg Änwutfg nicht leid)t wieber jerftoren tonnen. 3u bem ©nbe ift bigweilen ein Änftriel) ober bünner Änwurf einer »crmit= telnben ©ubftanj notlfg, ber bie bidjte SSerbinbung ber eigentlichen Sftauet unb beg Änwurfg erft djemifch möglich macht, ©g ift eine ^auptfadpe für einen gefeilten Ärchitebfen, hierin benÄnwerfern genaue SBorfcftiften ju geben, bie nach ber 2oca= lität unb bem Älima »etfdfeben fein müffen. Än ber ©übfeite ber ©ebäube ift nur bei ungemein fiarben SRauern ber Änwutf wegen ber fffiitterung in unferm Älima ju entbehren. 48. Änjiehnng (Ättraction), bag Seftreben fowol ber SOtaterie im ÄllgemcU nen alg auch ber »erfchiebenen befonbern Äotper, fid) einanbet ju nähern, 33et= binbungen einjugehen unb in benfelben ju »erharren; juweilen aber auch bie ber SRaterie inwohnenbe, babei tpätig werbenbe Äraft. Sie ©tfabrung lehrt, bap biefe ©igenfdhaft aller Materie jubomme. Äud) flüfjtge torper hängen mit ihren Sh«-' len jufammen unb lüften TSiberftanb, wenn man ft'e trennen will, glüfftgfeiten »eteinigen fid) in Stopfen, Stopfen, wenn fie fid) nähern, in gtopere SRafTen. glüf= fige Äorper hängen fid) an fefte, befonbetg an fold)e, bie eine fel)c glatte Sbetflädje haben, j. S. an ©lag. ©ie fteigen ferner in feine Stoischen »on felbft hinauf (f. vf) a a r t o h r e) u. f. w. — fgeber Äorpet, wenn et aufgehoben war, neigt fid), ftei= gelaffen, jur ©tbe unb fällt gegen biefelbe. Ser fonft (entrechte Sleiwttrf nimmt in ber 9tä£>e hoher Serge eine fd)iefe Dichtung an; bag SReer ftrebt gegen ben SRonb an; bet SRonb felbft wirb ftetg nad) ber ©rbe, bie ©rbe nebft ben übrigen Planeten nach ber ©onne hingejogen. 3n bem ganjen Saufe ber |)imme[gf6rper herrfept bag un»erbennbare ©efe| ber gegenfettigen Änjiehung. ©d)on bie gtiecl)i= fepen Ttaturforfcher fpred)en »on ber Ättraction; Äopetnicug unb St)d)o nehmen 344 Sfnjugögelb #olSf)atfe ftc ebenfalls an; Äepler’S fuf>nec, umfaffenbet ©eip wagte juerp ben ©ebanfen, bajj fte allgemein unb in allen Äörpetn gegenfeitig fein muffe 5 DeScarteS fudpe fie, ba fte ju ben fcgenannten uetbotgenen Graften gerechnet würbe, beten feine ec er= bannte, ganj aus bet 3fJatucleb>re ju »erbannen; 9?ewton aber fe^te fte wiebet in i^re 9?ed)te ein unb bepimmte nad) mehrjährigen genauen 58eobad)tungen ifjre ©efe|e. ©ic ju ertlären ip man »ergebend bemüt;t gewefen. Die ©rfd)einung bet 2 lttraction geigt ftd) cntwcbet an Äorpern, wcld)e in betrad)ttid)en ober bod) merE= lieben Entfernungen non einanber abftetjen, unb fyeijjt bann ©raoitation, b. i. allgemeine ©cfjwere, ober (5 0 b) a fi on (Bufantmenhang) (f. b.); wenn fie aber jt»i= fd)en Slteiten eines feficn unb eines pfiffigen ÄorperS pattpnbet, 2t b h d f i 0 n (2ln= hängung). Söenn man aud) nicht alle einjelne Unterabtbeilungen bet2fngieb>ung auf jafjlen unb benennen bann, fo gehören bod) ferner ba()inbied)emifd)en 8 Serwanbt: fd) aftett (f. b.) ( bie magnetifd)en unb eleftrifdjen 2 fnjiel)ungen u. f. w., worfibet bie eingetneii 2frt. .ju »ergleidjen ftnb. DaS .gjauptwerf über bie 2fnjiel)ung bet ^timmelSforpet ftnb 9?eWton’S „Philosoph, natural, principia mathematica", Uber bie 2fnjief)ung, weldje SSerge gegen baS SSIeilotf) auSuben, f. ». Bad): „l/at- traction des montagnes et ses effets sur les fils ä plonib" ( 2 l»ignon 1814, 2 23be.). S3om SBefen ber 2tnjie[)ung hanbeln jfant’S „9Jietaphpf. 2fnfangSgrunbe bcr 5taturwiffenfd)." (3. 2lup., Sleipg. 1800). 2fnjugScjelb, aud) ©njugSgelb (census, s. gabclla immigrationis), eine ©umme, welche in manchen Sdnbent für bie 2tufnal)me in eine ©emeinbe erlegt werben muf?. ©ie f>at nichts Unbilliges, wenn fte mit ben SSortfeilen beS 33utget= ober 87ad)barred)tS (j. 58. 2tntt)eil an ©emeinbenubungen, SEBeiben, ^Salbungen, milben Stiftungen, einträglichen 52a()rungSjweigen) im 5öerf>ältnip fteft. 37 . Ttolier, ein griedpfcher SSölferpamm in Sheffalien, weiter »on 2foluS (^»ellen’S ©ofjne unb Ente! beS Deufalion) feinen ülamett führte, ftd) bafelbp auk breitete unb mehre fleine ©taateit errichtete, ©in SEIfeil »on ihm ging nach Äleiw aften, wo er baS ehemalige SroaS befegte unb ber Sanbfchaft ben ^tarnen jfoliS gab. Sn einen SSunb vereinigt, ber jährlich ju Äuma feine feierlid)e SSerfammlittig hielt, blieben fte eine Beitlang frei, tarnen nad)!)« unter bie >f>errfd)aft bcr Spbiet, bann ber Werfer; würben, naefbem fte mit ^n'tlfe 2(thenS baS perfifche Sod) ahge= fd)fittelt hatten, »on DariuS djtppaSpiS aufs neue unterworfen, unb als irrten bie ©tied)en wieberholt 33eipanb leipeten, entpanb bet berühmte perfifche Ärieg (500 0 . ©fr.). ©>e würben frei, tarnen nochmals unter perftfd)e 58otmdfigteit, bis auf Jllepanbet, unb würben enblid), nad)bem fte »on ben fprifdfen Königen, ben (Jtaefp folgern 2ÜepanbetS in biefem Stjctle ("eines gtojjen 9teid)S, burd) bie 3iömet befreit worben waren, »on ©ulla, ba fte bem ibönig SftithribateS beigepanben, »ölltg uw terjod)t. — Shre Sprache, ber äotifdje Dialeft, war eine»on ben 3 «^auptmunb* arten ber gtied)ifchen, ift Sanb eins ber frueftbarpen; 2(cterbau unb SBieI;jud)t waren itjre »otjuglichpen PJahtungSjweige. TtolShurfc (SBinbharfe), ein ©aiteninprument, baS, bem SBinbe auSge* fefct, Sone »on ftd) gibt. Äitcper fdjeint ber ©rftnber beffelben ju fein. *pope hatte im ©upatfjiuS gefunben, baf bet 3Binb, wenn et auf auSgefpannte ©atten pope, harmonifdje Sötte bet»otbringe. Dswalb, ein fcf)ottifd)ec ©omponip, fanb es bepd» tigt. Er fpannte in einem fcfmalen, etwas hohen unb langen itapen »on troefenem Sannenholje, mit einem Ofefonangboben, fiber2©tege, bie nahe an ben fd)ma= len ©nben einanber gegenüber lagen, 8 — 10 ©armfaiten, alle im ©intlang, nid)t ju bid)t neben einanber auf. Um bem Puftprome ben 25urd)gang ju »erpfaf fett, fann ber obere fdjmale 83oben, wie ein p)u(tbecfel, aufgehoben werben, ber an ben beibett ©eiten nod) glugel hat. Das Snprument wirb hierauf mit ber S(f« nung am ©d)ieber bem SBinbe auSgefelp, weldjet beim Durch promen Sön« her»orbringt. Die tiefpen Sone ftnb bie beS EintlangS; fowie ftd) aber bet #oluö 2Cpel (Sodann JCugujl) 345 SD3inb mehr liefet, entvüicfctt ftd) eine NZannigfaltigfeit non SEönen, bie ungemein reijenb ift. 5ioIu§, bei ^omec beS .pippoteS ©ohn unb König bei- Snfel fitparoS, un giotben »on ©icilien. (Sc foll fcomm unb gerecht unb gegen biegtemben men= fdjenfceunblid) gewefen fepn, ben ©ebraucf) ber Segel getetjct, überbieS aus feinen 83eobad)tungen ben ©inwohnern bie SBinbe mit ©enauigfeit bortjergefagt haben, roeggalb it)n bie gäbet jum SEßinbbeherrfdjet gemacht t>nt. ©pater mürbe feine ®e* fd)id)te auSgefchmücft; Sidjter machten ihn j« einem ©ohne beS 3euS ober Nep* tun unb jttm ©ott beb SDSinbe. Äbgebilbet ftnbet er fid) als bartiger SJfann mit bem ©cepter in ber Jjrtnb, auf einem getfen fifcenb, ober mie ec ben ©cepter in ben gelfen flogt, worauf bie SBinbe hecoorfliegen. Äud) wirb er bargefleitt in einer ©rotte flet)enb, mit einer SOZufchet am Nlunbe unb einem SStafebatg unter ben gfigen. Äon, eine unbeflimmte lange 3«t, auch mol bie ©wigfeit. Sichter brauchen »orjüglid) biefeS 2Bort, unb jwar im Plural: Äonen, ©wigfeiten; baher Äonen lang, eine 9ieif)e »on ©wigfeiten hinbutdg. 3n einem befonbern ©inne haben bie ©no* fliEer biefen SSegriff in ihren Sheogonien pecfoniftcirt. (93gl. © n o f i 8.) Äorta, f. Äbern. Äpanage (apanagium), eine Ärt Äbftnbung, welche bie nad)geborenen 9)tinjen eines regierenben *paufeS, in welchem @rflgeburt8red)t eingefüf)tt ifl (wie jefst allgemein) aus ben SanbeSeinEünften (junachfl aus bem Kammergut) erhalten, um baoon flanbeSmcigig ju leben, ©ic ift fein romifd)er ^)flichttheil unb feefleht jefet meiflenS in ©elb, in bem ©ebcaud) eines fürfllichen ©chloffeS mitSagb unb aud) wol in bem Niegbrauch non Kammergütern mit ®ecid)tsbarfeit, Naturalien u. bgl. 5h re ©rofe richtet ftch nad) ber ©rojje beS SanbeS unb bem ginanjjuflanbe. Sft fie einmal beftimmt, fo geht fie aud) auf bieNad)fommen beSÄpanagirten (au$ einer gefefelicften unb flanbeSmdgigen ©he) über unb fallt in beren ©rmangelung gewöhnlich an ben regierenben cperrn jurttcf, juweilen wad)ft fie ben übrigen Äpa= nagirten ju, wenn etwa für fammtlicge nachgeborene ©ohne eine ©umme im @an= jen, worein fie fid) feilen mttffen, feflgefegt ifl. SBirb ein SanbeStfjeil mit 9Jegie= rungSrechten jut Äpanage auSgefefjt, fo heißt bieS paragium. 37. Apareille, 9Jampe ober Äuffahrt, ifl ber non bem Snnern einer ©tabt ober eines 5Berf$ auf ben SSallgang führenbe ©tbaufwitrf. .gührt berfelbe nid)t auf ben SDBali, fonbern »on ber gläcge, auf welcher biefec aufgeworfen ifl, in ben ©raben hinab, fo heigt ec eine Rasteille. Ä p a 11) t e, eigentlich 2eibenfd)aftS(ofigEeit, fann als 3uftanb, ©igenfchaft ober Naturgabe betrachtet werben. ÄIS 3uflanb wirb fte für eine gdnjliche Unem= pfänglicgEeit beS Nlenfdjen für natürliche Neije genommen; als ©igenfchaft ifl ft'c Äffectloffgfeit, welche bie ©toif'er »on bem Söeifen fobern. ÄIS Naturgabe ifl bie Äpathie ein geringer ©cab »on ©mpfanglichfeit ober Neijbarfeit; in biefern gatte, fagt Kant fehc richtig, ifl fte baS glücflidje ^Dht^gma. Ser bamit Segabte ifl jwar bantm feinSBeifcc, hat aber bod) bie föegünfligung »on ber Natur, bag es ihm leid)ter wirb als Änbern, eS ju werben. Äpel (fjohann Äugufl), geh. 1771 ju Seipjig, wo fein SJSater S3ürgermei= fler war, erhielt feinen frühem Unterricht bitrd) fPri»atlel)rec unb auf ber $EhomaS= fchule. hierauf flubirte er »on 1789 an ju Seipjig unb 3Bittenberg SuriSprubenj unb baneben mit »ielem ©ifcr Natucwiffenfchaft unb fPhilofophie, würbe 1795 Soctor ber 9ied)te, fpdtechin 9Jath$herr unb frarb 1816 an einer JpalSentjünbung bei fonfl fcifchet ©efunbheit. ©ein fraftig männlicher ©eifl mugte butd) mand)c, jum Sheil »erfcgrobene ©emüthSoerhaltniffe ftd) biaburd)Edmpfen, ef>e er baS SBagre »om gaifdjen unterfcheiben unb ben echten SBertg ber Singe Eennen lernte. Äbec beflo entfd)iebener war ec auch allem Niebtigen,. Kleinlichen, Unfreien im 2e= ben feinb, beflo un»crwanbter war fein S3Hcf auf baS -pohc unb SSleibenbe gerichtet, 346 2fpel (3Cnbrca§ gtiebrtcf)) unb bejfo eifriger baute ec bie innere SBelt ber SfBiffenfcpaft unb Äunft an. 5Kit reidjen Äenntniffen, fei)arfern S3eobacptungg= unb SSergleicpungggeifte auggefiattet, wanbte er feine goefdjungen nad) allen ©eiten in bem »eiten ©ebiete ber Statur. 23on feiner fppilofopbie enthalten tpetlg bie leipziger, hatlifche unb jenaer 2iteratur= Leitung, tpeilg bie „Sftuftlalifdje Leitung" jal)lteid)e groben, bie einen tiefen, grünblid) gebilbeten ©eift verratpen. ©eine Ipcifdjen ipoeften finb tpeilg in ben „Gicaben" (1810—12), tpeilg in ben „Beitlofen" (1817) enthalten. j3u bem „@efpenftet= buche" lieferte er augfcplieplicp Novellen im fd)auetlid)en ©tpl, unter »eichen einige, »ie „SerSteifcpüp" unb „Sag jtille Äinb", clafftfd) ju nennen ftnb. 3u berfelben ©attung von Grjeugntffen gehört aud) bag „©otteggeriept", „f))ater Anfelmo’g pein= liehe Älage" unb anbre. Sap ihm aber auch bie Siefen beg ©efüplg ebenfowie ber jarte unb feine ©djetj nid)t fremb »aren, bafüt jeugen „3neg unb ^)ero", „Sie SRonbjteine", „Ser ^apn im Äotbe" u. f.». 2fWe feine Sarftellungen aber jeich= nen ftd) butd) eine fiebere fefie >f)anb, eine fraftige flare Anfcpauung, burep feines Äorn unb ©lütte ber ©praepe aug. ©eine Sragöbien „ipolpibog", „Sie Atoliet" unb „Äallirpoe" rid)tig ju wütbigen, mup man »iffen, bap alle brei brucpftücfliehe Gtgebniffe feineg ©tubiumg unb feiner Anficpt ber antifen Sragöbie ftnb, in bidjs terifcher Sorm nad)bilbticp bargelegt, unb bap eg mit erfterm auf eine 9tad)bilbung im Aefcppleifcpen, mit bem gweiten auf eine im Gutipibeifcpett ©tpl abgefehen fein mochte, bap für bie ©oppoHeifd)e ber „Shemiflofleg" befiimmt »ar, bap enblicp „Äal= lirhoe" ben Übergang aug bem Antifen in bag 9)foberne begegnen foll. Sen ganjen Äreig fd)liept alg fatprifepeg Srama „^»crafleg in Spbien", ber ftd) gang vollendet in feinem 9lacplaffe ftnbet. Aber aucl) bie ^Perioden mobernec Stagif follten alg @e= genffttef in andern Sragöbien erfd)einen, non benen er „Äung von Äaufungen", „gauft" unb ein britteg romantifcheg Srama vollendet hat. S3leibenben9fupm »er= banfte A. einem SBerfe, gubent jeneArbeiten bie jßetanlaffung gaben, »it meinen feine „WettiE" (Seipg. 1814), unb früher burch eine gelungene Abpanblung vorberei= tet. ©in allfeittgeg ©tubium ber SSecgfunfi nad) bem ^ermann’fdjen ?ehrbud;e führte ihn auf bie feinem Siiptet entgegengefepte Satttheorie, bereit 9ticf)tigfeit ftd) ihm bei jebem @d)ritte betätigte; feinem f laten ©eifte fügten ftd) fd)nell unb leidjt bie Sheile gum ©pftem gufammen. ^ermann’g SBiberfprud) blieb von X unbeanfc »ortet, »elchcr ftd) bagegen burch foctgefepte Sorfcpungen von bet SJicptigfeit fei= necSpeorie immer mepr überzeugte, bie ec enblid) na cp lOjaprigem ©tubium in fei* ner „fOtetrit" ber SBelt ausführlich vorgulegen begonnen patte, alg betSob ipn übereilte. 33gl. „3eitgenoffen" (3. S3b.). Apel (Tfnbreag Sriebcid)), ein Kaufmann, welcher in ßeipjig im Anfänge beg 18. Sctprp. lebte unb burch ben naep f. Stamen benannten (jept SReicpel’fcpen) ©arten unb bueep feie Einführung beg fogenannten Sifcpetflecpcng in Seipjig be= fannt geworben ift. Sec Äönig von jpolen unb Äurfürft von ©aepfen, grtebtid) Augufi I., maepte mit bem ©runbftücE biefeg ©arteng ber ©attin beg erwähnten ÄaufmannS ein ©efd)ent unb trug fetbft bem Sberlanbbaumcifter ©epap auf, ben ©arten in ©eftalt eineg §acpetS angulegen, bie man aud) noep jept, tcop ber neuen Umgefinltungen, »eld)e ber jepige SSefipet bem ©arten gab, bemetfen fann. Sie ©tatuen beg Jupiter, ber 3mno, beg SRarg unb ber Sßenug, »elcpe in biefem ®at= ten gu fepen ftnb, arbeitete ber futfacpftfdje SSilbpauer ^Permofcr. 2(. liep in bie» fern ©arten, in welchem man 1723 ben erfien Gaffeebaum in Seipjig blüpen fall, ©eiben = unb SEBollenmanufacturen anlegen, aud) ©ammt, 83rocat unb Samajt bafelbft verfertigen. Gr patte bei feinem frühem Aufenthalte in SSenebig, wo ftd) Sriebricp 2(uguft I. alg Äurprinj bamalg aud) aufpielt, bemerft, bap berfelbebag bort gewöhnliche Sifcperffedjen nid)t opne ®oplgefallen angefepen patte. Sa nun A. wupte, bap ber Äönig im SOtai 1714 nad) ßeipjig fommen würbe, fo über= rafepte et ipn am 10. SRat b. 3. mit einer folcpen 85eluftigung, ju welcper er bie Apettanten Apenninen 347 giftet aus ©enebig »erfchrieben. ©od) je&t tvicb in Seipjig baS gifcherjtechen in jebem 34« am ©artholomduStage gehalten. Apellanten, eine religiöfe Partei, f. UnigenituS. %ptiUS, ber berühmte ©ortraitmalec beS 2fCtert£)um6, mar beS ©pthiaS 6o(jn, roafnfcfyeinlicf) geb. $u .Kolophon. 3u gphefuS erhielt ec baS ©ürgerredjt unb fjeift barum juweilen bec gphefter. gpfjoruS aus gpljefuS mar fein erff er Sei)* rec, bocf) [angeregt bucci) ben 3fuf ber ©icponifchen ©djute, bie frei) burci) ®rünb= Kdjfeit auS^eichnete, fud)te er fpdter, fcfjon als Mnffter »on ©ebeutung, ben Un= terriefjt beS ©amphiluS in ©iepon, wo er mit anbern @d)ületn biefeS ©feifterS ei* nige ©Serie auSfütjcte, bie lange berühmt waren. 3u ©hitipp’S Seiten ging A. nach ©facebonien, unb bort begrünbete ftch roai)rfd)eintid) baS »ertraute ©erhaltnif gwi= fd)en i()m unb bem grofen .Könige, welches ju sielen Anelboten Anlap gegeben bat. £>od) mögen ftd) manche biefer 2lnelboten auf ein jweiteS Sufammentreffen mit Alepanber in gpbefuS belieben, wohin 21. nad) einem lürgetn Aufenthalte in 9ff)0= buS, ÄoS unb Alepanbrien gelommen war. ©einen Aufenthalt ju SRhotuö machte eine Heine Safel berühmt, auf ber er im Atelier beS gerabe abwefenben *protoge= neS einen Urntip mit bem spinfei aufgejeiebnet hatte, fotogenes erlannte bei fet* nec 9füdlet)r an biefem gontour bie 9J?eifierf)anb beS A., unternahm eS aber, ihn burch einen noch fd)önern unb genauem hineingejeichneten ju ubertreffen. A. fommt wieber; man geigt ihm ©rotogeneS’S Seichnung, unb er burchjeichnet aufs neue biefe beiben gontoure mit einem britten, noch feinem, fobap ftd) enblich ber rhobifdje SSÄaler für überwunben belennt. Sie Safel würbe in ber golge nach Dfom gebracht unb fdimt'tcfte ben ©alaft bec gafaren, bis eine geuerSbrunft fte jerftörte. ©ein berühmteres ©ilb, Alepanber, ber ben ©lih h' e ^ »on b«m baS .£>auptlid)t auSging, jfattb in bem Sempel ju gphefuS. Surcf) glitcElid)e ©erlürjung unb .fjellbunlel fd)ien bie Sanb mit bem ©lifse aus ber Safel heroorjuragen. 21.’S 9fuf)m unb Salont blühten am glanjenbffen gegen bie 112. Slpmpiabe. Sod) malte er nach bem Sobe 20epanberS b. ®r. ben .König AntiocfjuS ju wieberljotten Skalen, was auf Slpmp. 118 hinweijf. ©et 5Sob feheint ben Mnftler in .KoS ereilt ju haben, wo eine angefangene ©enuS gegeigt würbe, bie ©iemanb ju soll* enben wagte. Aber ein anbrer gleichnamiger Äünjtlcr mttp in bec Anelbote ge= meint fein, bafj ein A. an bem doofe beS fPtolemduS ju Alepanbrien »on bem ©falet AntiphiluS als Sheilnehmer an einer ©etfdjwörung angeltagt warb, wofür er ftd), als feine Unfdjulb anerlannt war, an feinem dfunjfnebenbuf)lcr unb an bem .König burdh baS ©emdlbe ber ©erleumbung rddjte. Sollen in f. SBorlef.: „2fpclleS unb 2lntiphiluS", im3. ©be. ber „Amalthea", hat erwiefen, bap biefer ApelleS gwifdfjen Dtp mp. 139 unb 144 hatte leben müffen, folglich 100 3. fpdter als ber 3eitge* nojfe 2ClepanberS, wenn nicht überhaupt eine gang anbre gcllacung fet>r »erwiclel* ter Angaben eintritt. A.’S unerreichtes ©erbienfi war bie Anmuth; Alles in fei= nen ©Serien war ©oefte, Stebreij unb Sehen, unb mit Df cd) t würbe baher bie Ättnfr, bie er übte, ars Apellea genannt. — ©SiespiiniuS angibt, malte A. gewöf)n= lieh nur mit 4 garben, bie er burd) einen felbjl erfunbenen girnip in Übereinftim= mung bradhte. t Apenntnen, eine ©ebirgSlette, bie bei ben ©feeralpen unweit ©enua anfdngt, bort ben ©ap ©occhetta bilbet, ftd) burdh 9 anj 3talien bis an bie Äüjfe »on Stranto unb an bie ©feerenge »on ©icilien erficecft, unb 3talien in faji 2 gleiche #dlften, bie öjiliche unb wefiliche, theilt. Sie Apenninen ffnb bis an bie ©ipfel mit ©durnen, befonberS mit Äaflanienbdumen, bcwachfen, beren grud)t in einigen ©egenben ein ^auptnahrungSmittel ber ©ergbewohner ift. ©idbt fo hoch als bie 2llpen, haben bie A. nur einzelne hohe unb (feile gelfenberge, j. ©. bec ©ran ©affo bei 2lqttila in bec ©ro»inj Abrujjo hat 8255, unb ber ©elino 7872 Sup ^öhe. Sie A. ft'nb im ©Sinter mit @cf)nee bebecEt, ber bisweilen fpdt fchmiljt, 348 2C^ertuc 2fpü> unb tiefem baS für baS tjeifeÜ'timaStatienä fo unentbel)tlid)e GiS. Sn ben 71 . gibt eS wenig gtope Später, wenig ©een unb Stufte, befto mehr ©umpfe am Supe it)= rer 33otbetge. — Sie innere Gonftruction ber Äette jeigt eine grojje Ginförmigfeit, inbem bie f>errfd>enbe ©ebirgSart, ein bitter weifer Äalfftein, ftd) in ben »etfd)ie= benften ©egenben auf biefetbc SBeife barftettt. 2fbwcid)enb ift ber nörblict)e mit ben 2flpen jufammenf)ängenbe SEt)eit, fowie aud) ber füblichfte; beibe jeigen eine man= nigfaltige 2fbwecftfelung älterer ©ebirgSarten. b’fud) bieSSorberge unb 5ßorf)ügel ber 2f. jeigen ftttannigfaltigfeit im Snnecn. UrgebicgSartcn festen in bem mitttern St)cite ber Äctte gänftid); in bem obern ftnb ftewenigftenS niefjt häufig, inbem fublidjen erfefteint jebod) ©ranit, ©neiö unb ©timmerfdftefer in bebeutenber 3Ser= bceitung. 3fu$gebreitet unb reid) an »erfdftcbenartigen ©liebem ift bagegen bie Übergangsformation, unb man ftnbet ©rauwaefe, S^onfd)iefer, Äalfftein (j. 58. ben cattarifdpen SJiarmor) unb ©abbro. Gbenfo weit «erbreitet ift ber unter bem 9famen 2fpenninenfalf befannte bkftte Slö&falfftein, welcher wafjrfdjeinlid) ber Sura=Äalfformation angetjört. 9fteid> ftnb bie 2fpenninen ferner an ben jung= ften ©ebitben unb an bem fogenannten »ul f attifdjen Suff, welcher feineSSiU bung einer Sortfdftämmung »ulfanifcher Sftatecicn bureft Söafter unb einem 2fbftfte barauS «erbanft. Gigentlidie «utfanifd)e unb fogenannte Stappgebübe ftnb ber ifpauptfette ber 2fpenninen ftemb; biefe befeftränfen fteft auf ben füböftlicpm 5Et)eil3tatieng, unb nur berfßefu«, bie ertofebenen 58ulfane »on 9femi unb2flbano, fowie ber 2a»aftrom «on 55orghetto, nähern ftd) ben ©renjen ber Äette. Apertur (jur.), Gtöffnung. l)3urttcffall eines £ef>nS an ben 2ef)nöf>mn, wenn ber@tamm beS58afallen ertifdft, ober baS 2ef)n burcf) Sdonie «erwirft wirb. 2) SffnungSredft (jus aperturae),, baS burd) SSertrag erlangte ftiecftt, bap ber Gigenttjümer eines ©dftofteS foldjeS bem S3ered)tigtcn ju jeber Seit öffnen mup. 2fpft Orienten, abgeriftene ©ä(se; in ber SBiftenfd^aft furje ©ä(sc, in welchen ber Hauptinhalt einer 2Biftenfd)aft oorgetragen wirb. 58efannt ftnb rf»ip= pofrateS’S Aphorismen; baljer berAuSbrucf: apt;oriftifd>e ©djreibart, b.i. bie ©eftreibart in futjen, abgebrodjenett ©äßen, wobei ein innerer togifefter 3m fammenftang in ftoftem ©rabe ftattftnben fann. Sie apftoriftifdje @d)reibart wirb befonberS bem «uSfuf)rtid)en, fortlaufenben 58ortrage entgegengefe(st. Sälfdfttd) pnt man bie aphotiftifefte ©djreibart ben fßortcag in Paragraphen genannt, ba bie^m ragraphenbejeieftnung unb Abtheilung hierbei ganj jufällig ift, unb aud) ein auSfitf)t= liehet, grammatifd) fortlaufender SSortrag unter Paragraphen geftellt fein fann. Apftt obi te, bie SicbeSgöttin bei ben ©riechen, gleid)bebeutenb mit 2fpf>ro- geneia, b. i. aus bem ©eftaum beS SReereS entfprungen (bie ©djaumgeborene). — 2fphtobifia, ein ber SSenuS geweihtes Stftf baS an mehren Srten ©riechet» tanbS, am feierlich ften auf ber Snfet Gppern, begangen würbe. AptciuS (9ft. ©abiuS), ein Seinfthmecfec $u ben Seiten beS AuguftuS unb SiberiuS. Gr führte bie lecfetl)aftefte Safel in 9vom, beurfunbete fein ©enie frit bie Äod)funft burd) Grftnbung neuer ©peifen, unb nahm enbtid), ba er feilt gropeS 58ermögen erfchöpft hatte, ©ift, um nidft, wie ec fiirdftete, H lin S crg ftetben ju müften. Auferbem werben nod) 2 2fpiciuS als tömifche ©dftemmet genannt. 2fber baS Äodjbud): „De arte coquinaria", weld)eS unter 2f.’S men «orfommt, rührt «on feinem biefer Srei her, fonbem «on einem GöliuS, weldjer fteft ben fprudjwörtlicften 58einamcn ApiciuS gegeben hof, ftd) Sewegitng ju machen, h^ttc. ©r befaß bie ©abe bet SBeiffa» gung unb feilte biefe aud) ben jfnaben mit, bie um ihn waren. ©S galt als gute ober böfc Sorbebeutung, je nad)bem er in bie eine ober anbre ©apelle ging, ©ein ©eburtSfejf würbe jährlich, wenn ber 9til anjufd)wellen begann, 7 Sage lang gefeiert; eine golbene ©chale warb in ben 9fil geworfen, unb biefcö geft machte felbft bie Ärofobille jaf)m, fo lange eS bauerte. Stoß biefer Sereßtung burfte er nicht übet 25 3af)te leben, wooon bet ©runb wahrfdjeinlid) in ber affronomifchen Sheologie ber figppter lag. Segrabett warb er in einem Srunnen. Socß glaubt SSeläoni in ben Sergen OberägpptenS, weldje baS Shal ber ©rdber ober Pforten bet Könige einfcßließen, in einem ber bortigen gelfengräber ein ©rabmal beS 2fpiö entbeeft ju haben. ©r fanb bafelbft einen foloffalen alabaffetnen, burcßftfßtigen unb ßelltönenben (je^t im britifdjen Sfufeum beftnblidjen) ©atfopßag, innerhalb unb außerhalb mit eingefd)nittenen £ietoglpphen unb gtguten verwert; imSnner» flen beS ©emacßS befanb ftd; ein mit SfSphalt einbalfamirter ©ttetförper. SeS 2lpiS Sob erregte eine allgemeine Sanbtrauer, weld)e fo lange bauerte, bis bie fPrie* fter feinen 9lacf)folger gefunben hatten; ba jebodh baS ffufftnben eines mit ben obi» gen flbjeicßen verfeßenen ©tietS gewiß fehr feßwer war, fo laßt ffd£> annehmen, baß babei von ©eiten ber fPrieffet Settug obwaltete. 2Cpobtftifd) gewiß ijl eine ©rfenntniß, bie eine abfolute 9lotßwenbigfeit bei ft'ch führt, ©ie batf auf feinen ©rfaßtungSgtünben beruhen, fonbern muß ein reineS fProbuct ber Sernunft fein, ba ©rfaßrung feine fjfotßwenbigfeit begrünben fann. ©aßet heißt ein SeweiS apobiftifcb, ber baS ©egentßeil auSfdjließt. — SCp obif tifch er (Äategorifdjer) Smperativ, f. Äant. — 2Cpobiftif nann* ten ©inige bie SJiffenfcßaft von ben notßwenbigen ©runblagen beS 2BiffenS, ober bie philofophifdje ©runbwiffenfdjaft. 2£pofalhpfc, bie Offenbarung Soßannis, beten bunfler ©inn ju fd)wär= merifd)en ffuSlegungen ?fnlaß gegeben hat; baher ber ‘.JCuSbtucf apofalpptifcher Srdumerfür@chwärmer, ©eher, ©eifterfeßertc. (Sgl. SoßunneS.) 2Cpofatafiöfe, SBieberßetffellung in ben vorigenßufianb, aud) ©rfüt» lung beS Setßeißenen, nadl) SfpofTelg. 3, 21. 211S Soßann SMlßelm fPeterfen im Anfänge beS vorigen Saßrß. burd) bie Meinung, baß in einer gewiffen Seit alle Singe in ben ©tanb, in bem fte vor ©ntffeßung beS Söfen waren, wieber gefefst, unb folglid) aud) bie Serbammten nod) Süße thun unb von ben -öodenfttafen er» loft werben würben, tßeologifdje Jpänbel erregte, nannte man btefelben apofataffa» tifeße ©treitigfeiten. *Peterfen gab ber von ihm erwarteten 2fpofataflafe ben 9fa* men „SBieberbtingung aller Singe". (Sgl. ©ßiliaSmuS.) 3Cpo?ri)phtfd)e (a. b. gried). verborgen) Süd)er ffnb verborgene ober unbefannte, fobann untergefdjobene ober uned)te ©djriften, weil ihr wirflid)er Serfaffer ftd) ju verbergen fud)t unb gewöhnlich nicht befannt ißt. 9>n Sejießung auf bie Sibel verffeßt man unter apoftppßifdten Süd)ern fold)e, benen fein göttli» d)er Urfprung beigelegt unb beten Inhalt baher nid)t als eine imtrüglidf)e ©laubenS» unb SebenSregel betrad)fet wirb, wenn aud) übrigens eine fold)e @cßtift nid)t un» ed)t unb ihr Serfaffer nid)t unbefannt iff. 3h°cn flehen entgegen bic fanoni» feßen Schriften, b. h- biejenigen, beten Snßalt als ©laubenS» unb SebenSregel angefehen wirb weil man ihnen einen göttlichen Urfprung jufeßreibt. Sa bie Si* 350 2fpoöittifd)c Suchet beb A. unb N. Seß. Sie apoürpphifchen Suchet beb A. %. fielen in unfetn Sibelaubgaben gewöhnlich am ©nbe bejfelben. Sie apo= frpphifchen Süchet beb 9?. S. abet laßt man gewöhnlich ganj weg. Nian fmbet fie in beb $abticiub „Cod. apogryph." (döamb. 1719, 2 Sbe.). Soch werben manche Schriften beb 91. S., biein ben gewöhnlichen Aubgaben ju ben fanonifchen gerechnet werben, non Sielen alb apoltppßifdje betrautet, 5 . S. bie Offenbarung Sohannib. D. Apollinaubtnuö, in ber chrißlichen Sogmengefchichte bie Meinung, baf ber Sogob (bab SBort ©otteb) bei (Sh r >ß° bie Stelle ber »emünftigen Seele »ertreten, unb bemnad) ©ott ftcb in ihm mit bem menfdjlichen Seihe unb ber finnti: d)en Seele oerbunben habe. 3h 1 ' Urheber, 2fpollinarib, war 362 bib wenig: ßenb 382 Sifchof non Saobicea in Serien unb ein eifriger ©egner ber Arianer. 2 flb SOZenfd) unb ©elehrter ftanb er in großer Achtung unb gehörte ju ben be-- liebteßen Schriftßellern feiner j3eit. Nach ben alten Äirchenhißotifetn foll er nebß feinem Safer, einem Segter ber Sprad)Wiffenfd)aft unb *Prebbpter gl. N., alb Äaifet Sulian ben ©h r 'ßen ben Scgulgebrauch unb bie ©rflarung ber griedßßhen dlafftfer «erbot, Nachahmungen betfelben jum ©ebraud) für bie ßhrißen, }. 58. -ßelbengebidße unb Srauetfpiele aub tjiflovifdjen Stoffen beb Alten Seßamentd, eine ©nfleibung beb Neuen Seßamentb in ^latonifche Sialogen, verfertigt hoben, »on benen jebod) Nidßb mehroorhanben iß. ©tß 371 würbe feine oben angeführte Nieinung befannt unb feit 375 auf mehren Spnoben, unter anbern auf ber allge= meinen Äitd)en»erfammlung ju Äonßantinopel 381, alb ein fegerifcher 3rrtf)uni «erbammt. SnjWifcgen bilbete Apollinarib aub feinen Anfängern ju Antiochien eine eigne ©emeinbe unb fegte ihr ben Sitalib alb Sifchof oor; auch »erbreiteten ßch bie Apollinatißen ober Sitalianer — fo nannte man nach ihm unb jenem SSi= talib feine Anhänger — fchnell in Sprien unb ben angrengenben Sünbern, ettid)= teten mehre ©emeinben mit eignen Sifdjöfen, felbß in Äonßantinopel eine, jetfie-- len aber nach feinem jwifdjen 382 unb 392 erfolgten Sobe in 2 Parteien, beten eine, bie Salentinianer, ber £ef>re beb Apollinarib treu blieb, bie anbre ber $ole= mianer in ben noch grobem 3rttl)um verfiel, ©ott unb ber Seib ©grißi fei ©ne Subßanj geworben, unb bähet bab gleifd) göttlich anjubeten, wefgalb ffeaud) Sarfolatrd, Anttjropolatrü, unb weil fte eine Sermifdjung beiber Naturen in ©fjtißo annahmen, Spnuftaßen genannt würben. Äaiferlid)e Serbote fchrünften ihre »on ber fatgolifchen fonß nicht abweichenbe Neligionbübung 388 unb 397 ein, unb 428 würbe ße in ben Stabten völlig «nterfagt. Sod) verlor biefe niemals jahlreicße Sette ftd) ohnehin um biefe Seit tfjcitb unter bie Sttgobopen, tgeilb fpa= tertjin unter bie Sßonophpftten. Sie Sehre »on ber Sranbfubßantiation unb bie Anbetung ber confecrirten >f)oßie geht »on betfelben Anftcgt aub, welche bie fatf)olt= fege Äitcge ben $)olemianern gum Serbtechen machte. 31. Apollo, Sohn beb Seub unb ber Satona, bie »on ber eifetfüdßigen 3 uno »erfolgt, nach langem Umheritren unb 9tdgigen ©eburtbwehen ihn nebß feiner Swillingbfchweßer, Artemib (Siana), auf berSnfel Selob (f. b.) gebar. 5n ber Nlptgologje erfcheint A. alb ©ott bet Sicgtfunß, Sluftt unb Sßeißagefunjl, alb ©ott ber Arjte, ber Ritten, beb Stdbtebauenb. Äunbig beb Sogenb, töbtete er fegon am fünften Sage nach feiner ©eburt ben Stachen ß)ptgon, erlegte fpdtet mit feiner Scgweßer Artemib bie ifinber ber Niobe tc. Sowol im Sitanen= alb im ©igantentriege half et bem 3 eub. 6 r erlegte bie ©pflopen, weil fte bie Sott: netfeile gefegmiebet, womit 3eub feinen Sogn unb Siebling, ben Abfulap, er: fchlagen. Überhaupt glaubte man »on Sebem aub bem männlichen ©efdßedite, ber burd) fchnellen unb leichten Sob, ohne »orhergegangene Äranfgeit, ber SBelt entrüdt warb, er fei »on Apollo’b Pfeilen erlegt. Alb ©ott beb ©efangeb erfcheint tfpotlobor 351 2(. fd)cn in ben dlteffen Sid)tungen, benn bei olpmpifdjen unb irbifcfyen greu= benmaf)len, an benen bie SDtpmpicc 2d)eU nahmen, fpielt unb fingt cc in ben tan* jcnben Greifen bec Stufen. ©t erfanb bie Äitfjara ober Spra. Starfpag, ber eg wagte auf ber glöte mit U)tn ju wetteifern, würbe befiegt, unb 2t. jogifjm jur ©träfe bie £aut ab. ©inen anbern ©ettffreit t>attc 2t. mit ?>an, wobei jener bie Spta, biefet bie ©prim fpielte. SEmolug f>atte bereits für 2t. entfliehen, ntS Sti= bag bag Urtfjeil »erwarf unb bafür mit »ertdngerten £>f)ren gegiert warb. Saf 2t. bie ©etjergabe befeffen, ftnbenwitin ber „Stia«"» wo berietet ift, bafjerft'e bem Äaltbag öertiet>en, unb in ber „Sbpffee" wirb eineg Sratelfprud)g gebadjt, ben er in 25etpf>i erteilte. 2tuf;et Selpf)i (f. b.) uerbünbigte er aber aucf) ju Sibprna, Ätarog, SEenebog unb spatara bie Suhunft. Sa man bei Stabeln unb ©aljrfagern befonbetg aud) drjtlid)en 9vatt> fudjte, fo wirb baraug etbldtlid), wie 2t. in ber fpdtern Seit aud) alg 2trjt gebraud)t werben tonnte. Stan nannte if)n ben Sater beg 'itgbulap, unb bid)tete, baf er ben 2tgtiepiaben bie $eilbunfi mittfjeite. gabeln Kon bem ^irtenleben 2t.’g waren fdjon ben Seiten djomet’g nid)t fremb, unb Ä«lli= madjug gdb>tt iljn ben wirtlichen $eerbengöttern ju. Sie berubmtejte ©age aug 2C.’g ^irtenleben ift fein Sienf! beim 2(bmet, beffen beerben er eine Seitlang l)ü= tete, nad) ©inigen freiwillig, nach 2fnbecn aber vom Seug wegen beg Storbeg ber ©ptlopen ober beg pptt)ifd)en Stachen baju oerurttjeilt. 2tlg ©tdbteerbauer wirb tt>m bie ©rünbung non ©pcifum, ©prene unb 9tapog auf ©icilien jugefdjrieben. ^omer ergdf)lt, baf er mit ^ofeibon SEtojaS Stauern erbaut, unb alg er oon Sao= mebon um ben bebungenen Sohn betrogen worben, bie ©tabt mitfPejt f»eimge= fud)t habe. 9tad) *paufaniag tjatf er aud) an bem Sau ber Stauern oon Ste= gara, wobei er feine Saute auf einen ©tein legte, ber fortan bei ber Setühtung lautendfjnlid) tönte. 9tad) ben ©dnlberungen ber Siebter unb ben SarjMungen ber Silbner gehört 2f. mit Starg, Stetcut unbSacdjug ju ben unbdrtigen ©öts tern, in welchen bie Urbilber jugenblidjcr Stdnnltd)feit ftd) barfiellen. Sie ifn bejeiefnenben 2lttribute ft'nb: Sogen unb Äöcljer, bie Sitfjer unb bag ^piectrum, bie ©erlange, ber ^irtenftab, ber ©reif unb ber ©d)Wan, ber Sreifuf, ber Sotber, ber Slbautn tc. Sie Sipthengefd)id)te erjdljlt Kiele Siebegabenteuet non if)m. (©. S a p f) n e.) 3« ber fpdtern Seit warb er mit bem $eliog (bei ben 3tö= mern ©ol) oerwed)felt. 2fuper Kielen Stempeln waten ihm bie Snfeln Selog, bie ©tabt Setptji, bie Serge $clifon, Seutag unb fParnaffug heilig. SuOtom würben ihm eigne ©piele gefeiert, bie 2fpoKinarifcl)en, welche in ©tiergefedhten, in feenifdjen unb gpmnaftifdjen ©pielen beflanben. ©in bei ©riechen unb 926= mern fehr gebräuchlicher Seiname beg 2t. ififPhöbug. (©. Stufageteg). Unter ben 2fpollojtatuen beg 2tltertl)umg, bie auf ung getommen ft'nb, ift bie berüfmteffe unb nad) bem Urteile bet Äenner, namentlid) ©inefelmann’g, bag $öd)fte unb Sollenbetfte, wag bie Äunji ferKorgebradjt f>at, ber Kon bem fPaoillon beg Seine: bere im Satican ju 3tom benannte, belKeberifd)e 2fpo(lo, ben man aud) ben pptf)i= fefen nennt, weil man annimmt, baf ber Mnfller ben ©ott bargeffellt habe alg Sefteger beg fPpthon. Siefe 2fnti6e warb ju ©ni)e beg 15. 3af)tb- in ben Stuinen Kon 2tntium gefunben. Surd) ben grieben Kon SEolentino (1797) tarn fte nebft anbern Äunftfcf)d&en nacf) fPatig, Kon wo fte 1815 nad) 3tom jurudgebradjt worben ift. 2tpollobor, ©ofjn beg2tgflepiabeg, ein atfjemfdjet ©rammatifer, etwa 140 gaf)re o. ©fr., ffubirte bie ^)f)ilofopf)ie unter SPandtiug unb bie ©rammatib (im ©inne ber 2tlten) unter 2trijtard). ©r fatte ein 2Betf über bie ©öfter, einen ©ommentar über ^lomet’g ©d)iffgtatalog unb ein Kerftftcirteg ©efd)icf)tgbud) Ker; fapt. Sag mptfologifcfe ©erf, welcfeg wir unter bem SEitel: „Sibliotfjef", angeb= lid) Kon iljm beffgen, ift waf)rfd)einlid) ein fpaterer 2fugjug aug einem gröfetn ©erbe beg 2tpollobor. 2tber aud) fo ift eg für ©öfter = unb d)eibengefcf)id)te fetjr widitia. 352 Xpoüobor XpottontuS Sie beften Xitg. ftnb sott dpepne (2. Xtfl., ©ottingen 1803, 2 Sbe.) unb son Glasier (fParit 1805, 2 Sbe.) mit frans. Überfeg. — 2f p o 11 o b o r f>ie| aucf) ein berühmter SaumeijTer, bet bat Forum Trajani baute. 2fpollobor sott 2ftßen, ein berühmter Später, f. SRaletei. 2tpo llonifon, eine son ben Orgelbauern Sligßt unb SRobfon 1817 soll; enbete große Steßorgel, bie aber aud) burch Glasiatutett, beten 5 neben einanber angebracht fmb, son mehren 5Ruftfern jugleicß gefpieit werben fann. ©ie folt bem SRüljrfcßen «Panßatmonifon ahnlid) fein unb eine majeftatifcße SBirfung ßet»or= bringen, welche burch bie SRannigfattigfeit bet fRegifter fehr gewinnt. ©. 9fie= meper’t „Steife", 2 Stßl. — früher erfanb ber3nftrumentmacher Böller, aut «Reffen = Sarmfiabt gebürtig, ein Snfirument mit 2 Glasiaturen, weichet alt «Pianoforte unb alt fPofttis gefpieit werben fann unb jugleicß mit einem muftfalfe fchen Automaten »erbunben war. 3m 2. 3«ßrg. bec „Setpj. mufif. Leitung' 1 iß et befcßtieben. Siefet 3nftrument hieß 2fpollonion. 2fpollontu$ son «perga in fPampßilien, einer son ben 4 ©cßriftftelletit (Guflibet, Xdjimebet, 2fpolloniut, Siopßantet), bie wir alt bie ©rünberber matßematifdjen SEBiffenfcßaften betrachten muffen. Gr lebte um 2401>. Gßr. unb ffubirte bie SRatßematif ju Xepanbrien unter ben ©eintlern bet Guflibet. S3on feinen sielen mathematifchen Schriften ifr bat Such son ben Äegelfcßnitten (Xitg. Opfotb 1710, Sol.), weld)e Sehre er burd; neue Gtftnbungen unb glücflicße St: flärungen erweiterte, bat berühmtere. — 2fpoltoniut son Ütßobut watnaeß Ginigen ju Xepanbtia, nach X ju fRaufratit um 230 s. Ghr. geboren, begab fieß aber, ba ihn bie Giferfud;t anbrer ©eleßrten in feinem Saterlanbeunaufßorlicß »erfolgte, nacßütßcbut, tso er bie fRßetorif mit fo siel Xttjeicßnung leßrte, unb ftd) burch f c im Schriften fo großen Stußm erwarb, baß bie «Rßobier ihm bat 85flr= gerred;t ertheilten. Gr ging nach Xepanbrien gurudf, um Gratofißenet in bet 3fufftd)t über bie Sibtiotßef biefer ©tabt ju erfegen. Son feinen sielen SBetfett hefigen wir allein bie „Xgonautifa", ein ®ebid)t son mittelmäßigem SJertß, fo großen Steiß auch ber Sichter auf bie Xttarbeitung beffelben serwanbte. Ginjelne ©teilen jeießnen fich jeboch »ortheilhaft aut, befonbert bie Gpifobe son ber Siebe ber «JRebea. Sie beffen Xttg. fmb son Sruncf, ©tratb. 1780, Seipj. 1810 unb Ximerf. 1813 ([egtere nod) unsollenbet). Sgl. SBeicßert, „Über bat Seben unb ©ebießt bet 3(polloniut" (Steißen 1821.) — ‘tlpolloniut son SEpana in Jfappabocien, am Xtfange ber cßtifU. Beitrecßnung geb., Anhänger ber fPptßago* räifd;en fPßilofophie. Ser «Pßonijiet Gutßpbemut unterrichtete ihn in ber ©ram= matif, JRßetotif unb ben »erfeßiebenen philofophifchen Sehren, Gupinet son $e= raflea aber in ber fPptßagoräifchen ^ßilofopßie. X fühlte einen unwiberßeß* lidjen SErieb, ein ©cßüler bet «Pptßagorat, nach ben ftrengen «Regeln feiner Beßre, ju werben. Gt befanb ftd) ju Ägot ein bem 'iftfulap geheiligter Setnpel, wo biefer ©oft ju ©unffen ber Ä taufen SBunber wivfte. X begab ftd) in ben= felben. fPptßagorat’t Sorfcßriften jufolge, enthielt er ftd) aller tßierifeßen fRaß-- rung unb lebte nur son Suchten unb .Krautern, tranf feinen SBein, fleibete ftcß in 3eud)e aut «Pflanjenftoffen, ging barfuß unb ließ fein $aar waeßfen. Sie ^>rie- ffer bet Stempelt unterrichteten ißn unb weißten ißn in ißre 3Rp|ferien ein. 9Ran fagte, baß jftfulap felbfi ißn jum Sougen feiner Guten madjte; boeß ßoren tsit nießt, baß er bamalt SBunbet ju wirfen »erfueßt ßätte. Gr bilbete eine pßitofo* pßifcße ©cßule unb legte ft'cß ein 5jäßriget ©tillfcßweigen auf. «Bäßrenb biefer Beit befueßte er aud) ^ampßilien unb Gilicien, fpäter Xitiocßia, Gpßefutunba. ©täbte. Sarauf befd)loß et, über Sabplon naeß 3»bien ju geßen, umbieSeß: ren ber Stammen fennen ju lernen, unb ba feine ©cßüler ißm ju folgen sertseU gerten, begab et ftd) allein auf ben 2Beg. Gin gewtffer Samit, ber ißm begegnete unb ißn alt eine ©ottßeit betrachtete, warb fein Segleiter unb fReifebefdireiber. Äpolog Äpologte 353 3u Sabylon unteccebete ec fiel) mit ben SKagiecn unb ging Bon ba mit reichen ©e= fdjenfen nad) Sapell«, wo fPhcaocteS, bec Ä einig Bon Sttbien, cegiecte, weichet if)tn ein ßmpfeblungSfd)ceiben an ben ec|ten Scaminen mitgab. Slad) einem Auf= enthalte Bon Monaten fam A. nad) “Babylon jucücf, Bon ba ging ec nach 3o= nien unb befud)te meine (Stabte. Allenthalben ging fein Sluf Boc it>m t>ec, unb bie ßinwohnec jtcomten if)m entgegen, ßc waef bem 33o!fe öffentlich feine Stcagfjcit boc unb empfahl ihm, nad) fPythagocaS’S ßefjce, bie ©emeinfdjaft bec ©ütec. Sen ©phefecn fott ec (Peft unb ßebbeben Boci)ecgefagt haben, bie fpdtec wicflid) eintca= fen. An bem ©cabe beS Achilles bcad)te ec eine 9lad)t attein ju unb gab boc, mit bem ©Ratten beS Reiben eine Unteccebung gehabt jit haben. 3u ßeSboS befpead) ec ffd; mit ben fPcieftecn beb ScphcuS, bie ihm als einem 3aubecec anfangs^ bie Aufnahme in bie heiligen SHyflecien Beeweigecten, einige 3af)ce fpatec abec genodf)c= ten. 3u Athen empfahl ec bem Bolle Spfec, ©ebete unb ©ittenoecbeffecung. Allenthalben, ttootjin ec fam, behauptete ec, bie Sufunft Bochecjufagen unb 2Bun= bec ju thun. ßnbtich fam ec aud) nad) 9tom. Sleco hatte eben SJlagiec aus bec ©tabt Becbannt. A. fühlte, bafj ec in biefec SJlafcegel mitbegeiffen fein fonnte; bieS b^bette ihn jebod) nicht, mit 8 feinec ©efaljcten hinetnjugehen. ©ein Auf= enthalt mac abec Bon fucjec Sauec. ßc eeweefte, fagt ein ©efd)id)tfchceibec, eine junge Scau Born $£obe unb wacb aus bec ©tabt nectcieben. ßc befudjte ©panien, ging übec Italien nad) ©ciechenlanb jucücf, unb Bon ba nad) Ägypten, too 5ßefpa= (tan ftd) feinec juc Sefeftigung feines AnfehenS bebiente unb ihn wie ein Scafet um Slath feagte. Bon ba machte ec eine Steife nach Äthiopien, unb wacb nad) fei= necSlücffehc oon Situs ebenfalls günftig aufgenommen unb übec 9JegtecungSange= legenheiten um Statt) gefeagt. Sei Somitian’S Shconbeffeigung wacb ec ange= flagt, einen Aufjtanb ju Slecoa’S ©unfien in Ägypten erreg tju f)abcn i ec fMte ftd) freiwillig boc ©ecicht unb warb loSgefpcodjen. Sarauf beceiffe ec abecmalS ©cied)enlanb unb tief ftd) in siphefuS niebec, wo ec eine fPytl)agordifd)e ©d)ule ecoffnete unb in einem faff 100jdf)tigen Altec jtacb. 3u ben Bielen SBunbecn, bie Bon ihm erjdf)lt weeben, gef)oct auch, baf ec Somitian’S ßemoebung in bem Augenblicfe, als fte gefdfah, gewuft unb neefünbigt höbe. Sie Reiben (Teilten ihn als SBunbecthdtec bem ©tiftec unfecec Steligion entgegen. SlaoiuS (Phi(ojTra= tuS b. Ält. befdjeieb fein Seben in 8 33bn. fehc lobpeeifenb. Apolog, f. gäbet. Apologetif. ©o Biele Apologien füc baS ßbri(Tentl)um auch feitSujti* nuS u. f. w. gefchcieben woeben ffnb, bilbete ftd) bie Apologetif als theologifd)e 3Bif= fenfehaft hoch ec(T im 18. Sabel). 9Jlan oec|Tef)t bacuntec bie »iffenfchaftlidje Sae= (Teilung bec ©cünbe füc baS göttliche Anfehen beS ßbci(Tentf)umS unb untecfcheibet fte genau Bon bec fPolemif, welche nuc bie Sectheibigung bec ßigentbümtiebfeiten einec befiimmten SleligionSpactei obec ©efte gegen eine anbee jurn 3wecf f>at. Slad) |»ugo ©cotiuS ffnb unter ben neueen Apologeten £ef, Sloffett unb 9feinhacb bie Bocjüglidhjien. AuS ihnen fchopfte Seba 9)layc, bec untec ben beutfd)enÄatt)otifen bie befte Apologetif feheieb. 2BaS ßhateaubcianb in f. „Genie du Christiamsmc" SU geben oecfud)te, lauft auf unwiffenfd)aftlidhe Seclamationen hinaus, benen nuc bec Sleij einec blühenben ©pcadf)e Beifall Becfchaffen fonnte. SaS gcünbtid)fte apo= logetifd)e SBecf neuefTec Seit wac ein bdnifcheS: „Äcifletig Apologetif, ellec BibenS= fabetig Uboifling af ©cunbene foc ÄcifTenbommenS @ubbommcligt)eb", oeb “p. ß. Slüllec (ßhciftlicbe Apologetif, obec wiffenfchaftl. ßntwicfelung bec ©cünbe füc bie ©bttlichfeit beS ßliciflenth.), (Äopenl). 1810). Sann erfchien (-Öamb. 1819) 1>. ©atf’S „SSecfuch eines ^anbb. bec cheifil. Apologetif". 31. , Apologie, Sectheibigung eines 2fngeftagten. Sa bie ©ecid)te bec Alten öffentlich waren, fo beftanben fte aus Sieben füc unb wibec eine fPecfon obec ©ache, in 3eugenBecl)oc unb 2fbftimmung. 'AuS gecid)t(id)en 23ertbeibigungSceben, bie ®om)..Ccc. (Siebente Aufl. SSb. I. f '23 354 Apopf)tf;egma 3fpofltcIbrüber oft wdfwenb beS ©eridjtS niebergefchrieben, oft »on ben Sfebnern felbff genau« ausgearbeitet unb bann 9Ref)ven mitgctfjeitt würben, entffanben 83crtt)eibigungs-- fd)tiften. dergleichen ffnb bie Apologien beS ©ofrateS »on fPlato tmb Senopfjon, benen fie wenigffenS jugefc^rieben werben. 3ene iff eine auSgearbeitetc Sfebe, in ber ©ofrateS felbfi fpredbenb eingeffifjrt wirb, biefe mehr eine ©rjahtung ber Icfsten ©tunben unb Sieben beS SfBeifen, mit ©ntwicfelung ber ©rünbe, warum er ju fierben »orjog, woburd) er mei)r verherrlicht unb über feine Auflager erhoben «= fcheint atö bin cf} eine förmliche 95crtheibigung, beren er ftdj ju bcbienen »erfcf.mdhtf, ©pater fcijrieben bie SR^ctoren jur Übung Apologien, unb liefen bcrgleicfyen »on ilp ' ren ©d}ü(ern arbeiten. 93on biefer Art ffnb bie Apologien beS SibaniuS (im 4. £!). ber 9?eiSf. AuSg.). ©o ging ber Siame ju ben djrifflidjen ©d}riftfiel(ern über, bie vorher Siebner ober g)f)itofopf)en gewefen waren unb einen grofenSljeil ihrer Äunff: auSbrücfe »on bem öffentlichen ©erichtSwefen entlehnten. @ie benannten fo bie ©djriften, welche befiimmt waren, baS ßhrifienthum gegen bie ©inwütfe unb ihn fcfulbigungen ber ©egner, befonbetS ber heibnifchen ^>t>üofDpf)en, ju »ertfjcibigen unb feine 93efenner bei ben Äaifern ju red)tfertigen. Sßon biefer Art waren bie »on ,3uffinuS Sffartpr, AthenagoraS, SertulliamtS, SatianuS, unb bie »etloren ge= gangenen »on SluabratuS, AtiffibcS, SJielito, SJftltiabeS, SheophilttS. Sfjnfii ffnb in ^inffcht beS 3nf)ntteS mehre SBcrfe »on OrigeneS, Clemens »on 5flcpnn= brien, CufebiuS, unter ben Cateinern »on SactantiuS, AtnobiuS, SSfiinuciuS gelip, AuguffinuS beijufügen, wenngleich fie nid)t biefen Siamen führen. SÖian ; muff in ihnen nid)t philofophifche 93ünbigfeit, nidjt ffrenge Auslegung ber heiligen ©dwift fuchen, fonbern bebenfen, bafj bie meiften SSerfaffer, jum SEf>cil früher Sachwalter, ffd) um beS 3wecfS willen aller ber Äünffe ber SSerebtfamfeit bebiem ten, bie in ben offentlidjen ©erichten erlaubt waren. 3. 2fpopb}tb}egma, ein furjgefafter frdftiger ©inn = unb denffptud), wie j. 93. bie ©innfprüche ber fogen. fteben SSBeifcn. Apoplepte, f. ©dhlagflup. !porettPer, f. ©feptifer. ApoftopefiS, Apoftopefe, heift in ber ^>oetif unb Sihetorif bie mit 9fad)brucf »etbunbene Abbrechung eines ©afceS, wobei man alfo einen Shell beS ©ebanfenS unterbrüeft unb bem 3«f)orer ober Sefer jur Crgdnjung überlaßt. 6$ gefchieht bieS j. 95. im 3orn (hierher gehört baS Quos ego beS Sfeptun beim SSirgil)’, unb überhaupt, wenn man in ber ©tarfe ber 'Aufwallung ben AuSbnti nidjt gleich ftnben bann, ober in bem Augenblidie, wo bie Überlegung einfritt unb bie 93eforgniß, etwas UnwürbigeS, AnffößigeS ober SfachtheiligeS jtt fagen. Sie Siömer nannten biefe gigur reticentia. Apoffafte, Apoffat, f. ^arefie. A p o ff e l, ein ©efanbter (a. b. ©riech.: unoanlXtiv). 3n ber grifft. Äinpe heißen Apoffel bie 12 Scanner, welche 3efuS als f. »ertrauteffen, in f. Sehre am be= ffen eingeweihten ©dfüler ju ben »ornehmffen 9Berfjeugen ber Sßerbreitung f. Sehre befftmmte, unb bie baf)er als ©efanbte 3efu nn bie übrigen ÜJJenfchen betrachtet würben. ©.2) , fatthdi,„der9?etigionSglaubeb.Apoffel3eru!c."(193b.,®ött.l826). Sfpoflelbrübev, Apoffelorbcn, nannte ©erfiarb ©agatelli ie pdpfflid}e 25effdtigung erhielt biefe ©efellfdjaft nidjt, »ielmehr erfldrte HonoriuS IV. fie 1286 für aufgehoben. £b= gleich nun »on Snquifttoren »erfolgt, trieben fie ihr fffiefen immer herumfebweifenb A posteriori ?fpotf)eferfunft 356 fort, unb ba ©agatel« 1300 afg Äe&er oerbrannt worben war, fanb ffd) ein an= brer Oberapollei, Sotcino, ein Eluger SWailanber, ber feine auf 1400 ©lieber att= gewacbfene ©d)ar mit ßßeißagungen trößete. ©eit 1304 heftig bebrdngt, muf= ten fie au« oetfcbanjten Sägern einen SertbeibigunggErieg führen, in weitem ft'e über notbgcbrungenen ßidubereien if)re erße Seßimmung ganj oergajten, unb, nad)= bem ft'e ein großes ©ebiet im 9Baitdnbifd)en verheert batten, 1307 von bifd)5ß. Gruppen auf ihrem feffen Serge Bebelfo bei Sercelli überwältigt unb faß gans »er= nid)fet würben, ©olcino ftarb in ben Stammen, ©pater geigten ftcf) SKeße biefer 2fpoßet in ber Sombarbei unb im fubtidjen granfreid) big 1368. Sbre Weberei be= ßanb in ©d)mdbungen auf ben fPapß unb bie ©eißlid)Eeit. E. * A posteriori, f. A priori. 2Epoßolifcf), affe« 2>ag, wag oon ben 2fpoßetn berEommt unb auf fie S3e; jug bat. ©o ftnb apoßolifcße ©driften oonben2fpoßetnoerfa£te ©d)riftett; fowirb bie frühere d)rißtid)e Äirrfje bie apoßolißbe genannt, weif bie2fpoßel fie leiteten unb ber oon ben 2fpofletn auggegangene ©eiß in if>r fortbauert. @o wirb bet römifdje ©tublber apoßotifcbe ©tubf genannt, weif man in ber ßßetnung ßanb, baß ibnber2lpoßelfPetrug gcgrunbethabe.— 2fpoßotifd)e.ßammer beißtjuOfom biejenigeSebörbe, wefcbebiepdpßtid)en©tnEünfteoerwaltet. — 2f p o ß o t i f d) e r © e g e n iß ber ©egen, ben ber ipapß als 92acfjfotger ß)etrt ertbeitt.— 21 p o ß o l i = fd)er Äonig, ap oßof ifdje 9Bajeßdt beißt ber .König o. Ungarn. ß)apß ©pl= oeßetll. gab bem^)ecjog©tepban I. o. Ungarn (1000) biefen Sütel, Weif er nicht nur bie d)tißtid)e 9fefigion in Ungarn fcbr beforberte, fonbern auch g«r 9fad)abmung bet 2(poßel fetbß prebigfe. ©lemeng XIII. erneuerte bag 2fnbenfen biefer Segebenbeit, inbern er bet Äaiferin .Königin 9BariaSbereft'a benSitel apoßotifcbe Königin (1758) beifegte.— 2fpoßolifd)eg © p mb o (um iß ein EutjerSnbnlt beg cf)tiß[. ®tau= beng u. führt biefe33ejeid)nung,weil in ben32lrtiEeln beßelben bie Sehre ber 2fpoße( enthaften iß. ©cbon in ben ßBetfen beg 2fmbroft'ug, ber im Anfang beg 4. 3af)tb. lebte,finbet man bieg apoßofifcbe©pmbolum. fPeter ©napbeug fcfjrieb biebeßdnbige SBieberbotung beßefben ju ©nbe beg 5.3 e m i e (f. b.); 3) bie Kenntniß ber Bubereitung ber ©toße alg ^eil= ober 2(rjneimittel, nad) ©rünben ber ©bemie unb ber ©tElatung ber ©i- fcßeinungert im Serbatten ber ©toße gegen einanber, fPhaa-macte im engem ©inne; mMicb 4) Kenntniß ber Sufammenfefsung unb 9Bifd)ung ber Heilmittel nad) ben ,, SJerorbnungen ber 2ftße, fh’eceptur. 3br praEtifdier Sbeil, bie eigentlidte 2fpotbe-' 23* 356 JCpottyefciEunjl BetBunfl, fcefTeBjt in bet burd) t>in(anglict;c Übung erlangten gertigEeit, ein jebegdpcib mittet, alg reirBlid)eg Äunflerjeugnifj, aug ben baju gehörigen Stoffen, mit ftetet SScjiehung auf bie 2fm»enbung jener Äeuntniffe, hetjlellcn ju Bonnen, jpierfyer ge= l)6rt atfo aud) bic SöaatenBunbe, nötf)ig jur 2fugreaf)l ber beflen unb tauglichem Stoffe ju ben 2frjneimitteln, med)anifd)e gertigfeit in 33ereitung ber uerfdjiebenm Sotmen, in reeteben bie 2frjneimittel bargeftellt unb ben Äranfen ubergeben reerben fotlen u. f. re. Sie ©ntflefjung ber 2fpotheEetEunfl fallt in bie frufjefle Zeit, ba bie ■-ifrgtc angefangen batten, bie Heilmittel felbft jujubereiten unb ben ÄtanBen barju.- reidjen. Späterhin reutbe, befonberg in 2flcpanbrien (300 ö. ©ht\), eine Sremuinj »etfd)iebener Sbcite ber $cilfunft bereirft, fobajj mei)te 2frjte ber bamatigen Seit ftcb btofj mit Zubereitung von 2frjneien befd)dftigten. 92ad)f)er überliefert ft'e biefelbe oft befonbern Scannern, (3?bijotomen), unb Jpeitfunft unb 2fpothcEerfunjt reurben non einanber getrennt. SJfantiaS, ein Schüler beg JperopbituS in 2ftepanbrien, war vielleicht ber SSerf. ber etffen fPh nc ntaBopöe, inbem er ein 33ttd) über bie 33ereitung ber 2frjneimittet, begleichen eins über bie SSÖerBflatt beg 2Crjteg h ei;n uggab. Zeno aug Saobicea mad>te ftcb befonberg burd) ©rftnbung einer SÜlengc »on jufammm= gefegten 2(rjneimittetn befannt. 2fud) dürften befcbdftigten ftd) mit mebicinifdjen 9Biffenfd)aften, unb »orjüglid) mit ber Unterfud)ung unb Zubereitung »on ©iften, ©egengiften unb mancher 2(rjneimittet. So rear j. 33. 2fttatu§, legtet Zeitig »onfPergamug (134». ©f)t.), berühmt reegen feiner mebicinifd)en ®efcf)icflid)feit unb ^flanjenbenntnip. ©g reerben nod) »erfd)iebene 2frjneimittet genannt, bie er erfanb unb bereitete, j. 33. fPflafter aug 33teireeif u. a. m. SOJitfjribat ©upafor, Äonig »on fPontug (»on 123 big 62». ©hr.), erfanb ein ©egengift, bag aug 54 Sngrebtenjien beffanb. .fjetag oon Äappabocien fchtieb in fKorn (49 ». ©hr.) ein SßerB über fPhatmacie. SRufa, ber berühmte Seibargt beg 2(uguftug, empfahl mehre 33ereitungen »on 2frjneimittetn, bie in ber gotge unter f. fftamen gebräuchlich wut-- ben. ©ine große Sammlung »on jufammengefehten 2frjneimittetn ift ung in beg Sctiboniug fiargug (43 nach ©h 1 '-) SöerBe erhalten reorben. SJJeneErateg, Seibarjt beg Seiber u. f. re., rear ©rftnber beg SiachptonpjTaflerg; ferner erfanb Samofai: teg(47nad; ©br.) unb befd;rieb fogar in SSerfen bie Zubereitung mefjrer 2frjneb mittet, Zuhuputoer, fPflaffet u. a. m. fPhito »on Sarfug (23 nach ©hr.) war ber ©rftnber eineg fdjmerjffitlenben SJlittelg, aug Spium, Safftan unb a. Stoffen ju= fammengefebt, bag nach >hw fPhilonium genannt reutbe. 2fgflepiabeg fPharmacion (unter SErajan 97 u. f.) rear einer ber bamatg berühmteren ©rftnber »ieter Zufam-- menfebungen ber2frjneimittel. SiogBoribeg, rea()i'fd)etnlid) unter fftero (34. n. ©!)t,j, iflnod) jebt alg ^PeutjenBenner bcBannt unb hat juerflÄenntnifj »on ber S3crfä(= fdjung »ieter 2frjneimittet unb »on ber S3ereitung »ieler anbern, j. 33. beg 331» reeißeg, ©atmeig, beg reeijjen 92id)tg u. a. m. gegeben. 2fud) ber altere ^Mittiug (big 79 n. ©hr.) machte ftd) burd) $otfcbett in ber 92aturgefd)id)te um bie (Pharmi» cie »erbient. Zu ©alen’g Zeit (160 big 200) befcbdftigten ftd) »iete 2frgte in SJotrt mit Bereitung unb ©mpfehlung Bogmetifd)er (Schönheit beförbernber) SJlittd, Späterhin, atg mitbem 33erfa(t beg römifd)en 9feid)g bie SBiffenfchaften unb Äünjlf bort unb in ben 2fbenbtdnbern überhaupt nad) unb nad) gdnjtid) »erfanBen, blieb man auch, tuag bie fPharmacie betraf, bei Sem flehen, reag bie altern 2frjte gelehrt hatten; 2fbergtaube unb blinber ©mpirigmug nahmen in ber 2frjneiBunbe überE)cmb. 5m Sftorgentanbe hingegen, befonberg in 2ftepanbrien, reo fid) Äunfl unb SStffem fchaft erhielten, reutbe bie ©hemie unb ^hatmacie »on ben 2frabetn mit großem © ; fer bearbeitet. Sie benoten bie gried)ifd)cn Sdjriften, unb »on ihnen rühren viele 23erbefferungen in ber fPharmacie, ja bie erfte ©rünbung ber etgenttidien 2 fpotbefcr; Bunflher. Ser il'haltf 2f(manfur fliftete (754) in fßagbab bie erflen öffentlichen 2fpotheBen. 33iete 33enennungen »on 2(rjneimittetn, j. f8. 2flBohot, Sulep u. f. »y ftnb arabifdjen Urfpntngg. ©g ijf f>ocf>fl reahrfcbeinlid), baff bie »on ber Sbrigfcit 2fpoti)c!ei:!unjl 357 genehmigten 33orfu;tiftcn jur föereitung ber TCrjneimitter (f. S i g p e n f a t o r i e n) «Ott ihnen berühren. ©abot ebn ©abel lieferte um bie Stritte beg 9. Sabtb- crfte Sigpcnfatorium; im 12. Sa^c^). gab 2f6ut ^affan, S3ifcf)of unb Seibarjt bcc Ähalifcnju 35agbab, ein foldjcg Sigpenfatorium beraug, welcbeg in bet golge in ben arabifcben 2fpoti>efen jum «Kuftcr biente. Sicfe ftanben unter ber befonbern 2tuffici)t bei Sbrigfeit, unb auf ©ct)tt>eit unb 58Bof)tfeilf)eit ber 3frjneimittel warb befonberg gefeijen. «So erjdfjtt man oom gelbijerm 2lfff)in, baß er in ben gclbapo= tiefen feineg fetbfi unteifudjt iinbe, ob alle in ben Sigpenfatorien genannten «Kittel vorrdtfjig waren. Sa bie mebicinifcben 2Bi|fenfd;aften aud) im 2fbcnb(anbe mieber aufblüfjtcn, warb bie ©d)ute ju ©alerno gejtiftet, unb in bet golge, befon= berg Bon bem Äaifer griebrid) II. (1238), iljr immer mefjr Tfnfefjen unb ©ewalt Berlieben. ©o be£am auch bag ganje flpotbeferwefen eine gefefclicbe ©nrkbtimg, unb bie TfpottjeEec unb ©pejereibattbler befamen eine 3frjneitape. Kur in gewiffen ©tdbten burften 2lpotbef'en angelegt werben, unb eg würben 2 SKanner Bon -lfm fefjen in großen ©tdbten jur befonbern 2fufftd)t übet bie 2fpotbefen angeftellt. Sn ©egenwart bcrfelben mußten bie wid)tigftcn «Kittel, j. 33. 2l£)eriaf, verfertigt wer= ben, unb 83etrügeveien würben fjact befiraft. 2(ug bem 15. Saftf- ifi nod) ein 3Betf Bon ©alabin Bon Tfgculo, bem Seibarjte beg ©roßconnetableg oonKeapel, berühmt geworben, barin ber «öetf. unter anbern merjwürbigen SSeitragcn jur Äenntniß ber bamaligen 2fpotl)eferbun(t auch ein 33erjeid)niß ber 33üd)er anfütjrt, weldje bie 2fpotl)eber fiel) anfebaffen follen, ferner moralifdje 33erbaltunggregeln unb eine Anleitung gibt, wag fte in jebem «Konatc für befonbere ®efcf)dfte haben. Sag wid)tigfte pljarmaceutifdje 5Berf im ganzen «Kittelalter war aber bag bereitg im 12. Sabtb- bekannte 2Cntibotarium beg ©alernitanerg Kicol. fPrapofttug. Sn grattf= reid) würben erft im 15. S«btb- bie 3(potl)efen unter 3fufftd)t ber ©taatgdrjtc unb gacultdten gefetjt. .König Kart VIII. gab il)nen (1484) junftmaßige gorrn unb ©tunbgcfelje, welche in ben folgonben 3'eiten tl;eilg befefbtgt, tijeilg Bcrmeljrt wur= ben. Sn Seutfd)lanb waten bie 3lpotf>efer nod) bloß 2frjneibdnbler. ©ie bereiteten bie 2frjncicn nid)t felbft, fonbern liefen fle aug Stalien Jommen unb Berljanbelten fte. Sie 2frjte bereiteten aud) felbft ifre Heilmittel. Sie 2(potl)efer waren in.ben meijten ©tdbten jugteid) 3ud?etbdcfcr, unb bie «Kagiftrdte bebungen ft'd) in ißten Gsontractcn mit ißnen bie jaf>rlid)e Siefetung einer gewiffen «Kenge 33acfwerfe auf bie 9fatl)gftube. Sie fParacclftfd)e Keforminber^ieilfunbe (im 16.Scd)rf).) brachte aud) bei ung 33erdnberungen in ber ^)f)armacic tjeroor. ©g würben je(st befonberg Biele d)emifd)e 3ubereitungen in ben jfrjneioorratb aufgenommen; aud) fd)reibt ftd) Bon ba an bet ftdrfere ©ebraud) ber 2frjneimittel aug bem «Kineralreid)e, j. 33. beg ©piefglafeg unb beg Sluecfftlbetg, f>er. Snbeffen würben bie Arbeiten nod) ol;ne ©runfafdge, ohne ©rfldrung ber babei oorfommenben ©tfebeinungen tc. betrieben. 33on ber «Kitte beg 17. Snfrf)- big auf unfere 3titon hoben fid) Katurgefd)id)te unb Katurfunbe, unb mit ifjtten bie ßljemie allmdlig aug bem Sunfel, bag fte umhüllte, woburd) aud) in ber «Pbarmacie mehr £id)t Berbreitet warb. Sie pbar= maceutifd)sd)cmifd)en Arbeiten würben burd) ©aoenbifb’g unb Saooifter’g Berbejfer= tag ©pftem ber ßfernie Beranbert, geregelt unb erfldrt; ebenfo batten bie 2fuffld= rmtgen in ber ^teilEunbe fe|r großen (Einfluß auf biefelben, inbem bie übergroße «Kenge ber «Kittel gefloatet, if>rc 3ubereitung unb «Kifdßung Bcreinfacf>t würben. — 2lpotf)efe (bo nunoStjxi], gadjwerf, SSube), bag ©ebdube, in wcldjem 2frjneU mittel in SJorratb aufbewaßrt, jubereitet unb oerfauft werben. Saju gehört 1) ber SSetfaufglabcn ober bie eigentlid)e 2fpotf>ef'e; 2) bag Saboratorium, wo bie 2frj= neimittel jubereitet, befonberg bie d)emifd)en 2lrbeiten beg ?fpotßefcrg, SefIil(atio= nen u. bergl. Borgenommen werben; 3) Sioäenboben unb SBarrnftube, jum SErocf= nm ber ©ewddjfe unb bet d)emifd)cn 3ubercitung ber «Kittel; enblid) 4) bag «ffiaa= rcnlager unb bie Äellcr, jur gehörigen 3fttfbewaf)rung ber 33orrdtl)e. (5ine ber frü* 358 Apotf)eofe Appellation fjcfien mit Sicherheit befannten Apothefcn iß bie 1409 gegiftete £6wenapotf)ete in Sfeipjig. — ApotheOetgewid)t i(! baöjenige, bcffcn man ftd) in bet 33eßim ; mung be« ©cwidß« bet SDlittel fowol beim 23erotbnen al« bei Subereitung unb.SJib fchungberAtjneimittelbebient. ©«iß faß in ganjSeutfdßanb einerlei unb heißt aud) nürnberger ßJtebicinalgewidß. Sa« wiener 2fpotf)eE'ergeiric[)t ift etwa« fchweter. ©in ©ran (Gr.j.) be«gewol)nlid)en Apottjefergewicht« ißgleich 174f||- Stich tpfem nigötfjeiten be« iotnifct>en Sötarfgewidß« unb tjat ungefaßt bie ©d)Were eine« ©et= ßen= ober eineö ipfcfferforn«. ßwanßg ©tan machen einen ©crupel Qj); fed)ji§ ©ran ober 3 ©crupel madjen eine Srachtne ober ein £luent (5j); vierSrad) : men machen eine halbe Unje ( 5 ß) ober ungefähr ein £otf) (nicht überallganägenau, weil bie ßotfye beb bütgerlidjen ipfunbeb nicht an allen Stfen Seutfclßanb« überein finb); acht Stachmen machen eine Unje (gj), 12 Unjen ein 2fpott)eEetpfunb, welche« beranad) um ein SSiertel leichter ift alb bab gettjotjntidjc ober bürgerliche spfunb, unb aud)Aßgenannt wirb. — Apothefertapetßbiegefe^lidjeS3efltm= mung, mit wie vielem ©ernenn ber Apothefer feine 2frjneimittel vetfaufen bcirf. ©ic- muß eigentlid) jährlich erneuert werben, weil ber ©infauf«ptei« ßeigenb unb fallenb iß. ßßan barf ben Apothefer nid)t gleid) einem anbern .Kaufmann beut= tfjeilen, weil er oielc Arjneimittel vorrätig galten muß, bie nad) längerer ober fflr= jeter j3eit «erberben, folglid) unbrauchbar werben ; auf folctje wirb ihm bähet mehr ©ewinn erlaubt alb auf anbre Söaaren. Auch oon geringem Artifeln, bie jebod) häufig abgehen, wirb ihm ein größerer ©ewinn «erßattet, um fofibare Artifel, bie nod) baju mit ber ,3eit «erlierett, nicht nod) Ijotjcr anfe(sen ju müffen. H. Apotheofe, SSergotterung, eine $eiectichfeit bei ben2flten, burd) welche ein SBenfch in beit 9fang bet ©Otter verfemt warb. Ser ©ebrauch, ©terblid)e, bie ihrem Söotfe wichtige Sienße geleistet, unter bie ©otter ju verfemen, war bei ben ©riechen fet>r alt; vornehmlich waren eb bei ihnen Srafelfptüche, burch weldie »er= biente gelben vergöttert würben. Auf ihren SJtünjen ftnb bie meißen ©tifter ihrer ©olonien unb ©tobte vergöttert, unb in ber gotge eigneten ftd) fogarlebenbedürften auf ihren Senfmäletn ben ©ottertitel ju. Sie ßiomer hatten mehre Sahrhunberte lang nur ben Stomutu« vergöttert unb ahmten bie ©riechen in biefer^inftdßerfl feit ©äfar unb Augußu« nach. $tet gefchah bie Apotheofe in bet Stegei burd) @e< natbbefchlüße unb war mit großen geiertidßeiten verbunben. ©ine ßJtenge Senh mäler finb noch vorhanben, welche romifd)e Apotheofen barßellen. 3ule§t waren fte fo gemein, baß fte ein ©egenßanb ber SSerfpottung würben; wie benn felbß 83e= fpaftan bei einem Anfaße von Sh nmnc h t ' m ©cherj gefagt haben foll: „Sch trete unter bie 3af)l ber ©otter; wentgßen« fehlt nicht viel baran". Appell, ba«burd) bie Srompeten ober Stommeln gegebene 3eid)en, tvot- auf ftd) bie ©olbaten verfammeln. Sn ber Sügerfprache nennt man bie AufmetE* famfeit bet dpunbe auf ben Stuf be« Säger« Appell, unb von einem ^unbe, ber biefen Stuf nicht adßet, fagtman, er habe feinen Appell. Appellation, bie ©rflärung an ben Stichler, baß man fich mit einem (von ihm ober einem ihm untergeorbneten Seichter) gefprochenenllrtheile ober anbrer richterlichen Verfügung nicht beruhige, fonbetn ftd) auf nochmalige Prüfung unb ©ntfeheibung eine« h°h etrt @erid)t« berufe. Sähet bringt bie Appellation bie hi- ‘ung ber ß)toceßverf)anblungen nothwenbig in bie |)änbe eine« hohem Stichler« (fte ii ein bevolutive« Sfedßbmittel), bi« ber ßreitige ß)unft entfdßebentßunb bie ©acht j;,: weitern ißerljanblung wiebet an ben vorigen Stichler jurüefgetviefen wirb, tväip renb bie ©rflärung, baß man nur eine nochmalige Prüfung be« vorigen Stecf)t«ßteit« verlange (Sfevifton, Läuterung tc.), bie ©ad)e in ber .£anb be« vorigen Stidßer« läßt unb nur bie 3ted)t«fraft be« vorigen Au«fptuch« hm^ert (fu«penftv iß), aud) gewöhnlich bie ©inholung eine« jweiten ©rfenntniffe« von einem ©pruchcolle- Appellation 359 gium notbweitbig niadß (Actenretfenbung). Sie Appellationen ftnb entweder gegen förmliche 9vcd)tsfptüd)e gerietet, tüeldje einen ftreitigen fPunft jwifeben ben $ar= teien tedßlid) entleiben (Subicialappellationen), ober gegen eine anbte SSerfugung beg Sticbteig (j. 85. 33otmunbfd)aftgbeßcllung, SSetfagung einet Sonftrmation), W eld)e nuc einen 85efebl, fein eigentliche« Sledßgurtbeil enthalten: Spttajubiciah appellation (auch Stecurg obec 33efd)Werbe genannt). Sie gormtiebfeiten bet Ap= pellationen, welche fonfit üblich waten (Appellationgeibe, bap man nid)t ohne ge= redete Urfadje appetlire; Ablofung beb S3etid£jtS bet Apoßel, bei bem Untetrid)tet, Sinfübtung unb Sußiftcation bet Appellation beijbem Obertidßet), finb neuerbingg in ben meißen Staaten aufgehoben worben (rgl. u. A. für Sacbfen bag SJtanbat rom 13. fStärj 1822), unb man bat nur bie griß $u Sinwenbung betfelben, ge= wohnlich non 10 Sagen, in mandjen Sänbern ron 30 Sagen, beibetjalten. Sn bet Siegel fann ron einet jeben tidf>teclicf?en (5ntfcfjeibung appellirt werben, welche einen wahren S^adjtfteit für ben einen Sf>eil (eine 33efd)Werbe) enthält; biejemgen SSerfm gungen, weldje im Saufe beg ^Oroceffeö immer triebet abgeänbert Werben fonnen, ober an ftd) feinen bleibenben Stadßbeil mit ftd) bringen (blofeSntertocute), ftnb bet Appellation nid)t untettrorfen. Sähet ftnben im pteufißben fPtocep Appellationen nut gegen Sefmitirctfenntniße ftatt. (3Jgl. Appellattonggetid)te.) 37. Appellation (Appeal) hat in bet ©etid)tgfptad)e Snglanbg außer bet getrof)nlid;en SSebeutung nod) eine anbte. Sag englifd)e Sriminalrerfabten iß ein Anflageptocep, in treld)em bet Anfläget feine Anfd)ulbigung e»reifen mup, unb bet Angeftagte nicht retbunben iß, über feine ^anbtungen Siebe unb Antwort ju geben. (Ser beutfd)e Stiminalprocep hingegen fud)t rornebmlid) aug ben eignen Angaben unb ©eßanbnißen beg Angefdjulbigten bie 2Babtl)eit jtt etfotfdjen, unb iß, feinen ©tunblagen nad), pbilofopbifcb tiebtiget alg jener.) Allein biefe Am ftage tritb auf Anfucben beg 35efd)äbigten ron bet Siegietung geführt, unb bet SSeßbäbigte hat auf bie Seitung beffelben weitet feinen Sinßup, alg bap er bem Hronanwatt bie 25eweigmittel liefert. 6g war aber nod) eine anbte Art beg S3er= fal)veng üblich > in weld;em bet S3efd)äbigte, ober ein S3etwanbter beßelben, ben S3e[d)übiget rot bie Scbranfen beg ©erid)tg (bet längs bench) fobette, um ron ihm ©enugthuung ju erlangen, hierbei biep bet Htäger Appellor ober Appellant, bet Angeflagfe Appellee. Siefc Art beg 33etfa()teng fanb ßatt, wenn and) bet am gcblicbe Sbätet fd)on ron ben ©efebwotenen fteigefptocben war, nid)t abet, wenn et (wenn aud) wegen eineg geringem S3erbred)eng, alg et angeflagt worben, j. 85. unrotfä|lid)en Sobtfdßagg ßatt JDtorbg) nerurtljeilt worben war unb eine Strafe erlitten batte. 2Bar et begnabigt worben, fo febüpte ihn bieg nicht gegen bie $Prit>at= anflage, unb wenn et babei nocbmalg fefjutbig erfunben würbe, fo mupte et, ohne bap bet Honig begnabigen fonnte, bie gefehlte Strafe augßeben. Sag Sicdjt bie= fee $Priratanflage bauerte ein 3al)t; wenn alfo bet Siicbter, bag publicum ober bie SSccwanbten mit bem fteifptecbenben Urtheile bet ©efdprorenen nid)t juftieben waten, fo fonnte eine foldje Appellation eingeleitet, aud) bet greigefprod)ene big jum Ablaufe beg Salweg in 83erl)aft gehalten, ober S3utgfd)aft gefobert werben. Übet bie 8)tinatanf(age richtete gewöhnlich eine jWeite Surp, unb eg fehlt nicht an S5ei= fpielen, bap bet Augfptud) berfelben auf Scbulbig gerietet wat, wäbrenb bie etße Surp aug bcnfelben ©rünben freigefprodjen batte. So würbe 1708 S^b- ßJoung etmorbet gefunben, unb man warf 83etbad)t auf Spb. Slaughtetforb, ihren £ieb= habeiv in beffen ©efellfdjaft fte jutefct gefeben worben wat. Sr würbe in bem Affh fengerid)te fteigefptocben, allein bag publicum wat fo ron feinet Sd)Utb überjeugt, bap man eine Subfcription eroffne.te, um bie Äoßen bet ipriratanflage jufammem jubringen. Siefe würbe rot bem Sbetl)ofgerid)t (Kings-, bamalg Queens-Bencli) rerbanbett, Slaughtetforb butcb ein ßrciteg Scboßenuttbeil fd)ulbig befunben unb Eingerichtet. Sin ähnlicher galt ereignete fiel) 1818. Sin jungcg 3Bäbd)en, Sßatp 360 AppeflationSgertcftfe Afhfotb, würbe unter Umjfdnben ermorbet gefunben, wo ber jtdrkjfe 33etbad)t auf einen gewiffen Abraham Sfjornton ftel. (Sr hatte ffe non einem SSallc nad) .fjaufe begleitet unb war kttrj uor bet ßntbeckung beg 2eid)namg, unweit beg S3run= neng, worin biefer lag, bei ifjr gewefen, magetjugab. Beffenungead)tet würbe er freigefprochen, unb nun trat ber SJruber bet ßrmorbeten mit bem Appeal of murder gegen ihn auf. Allein hier machte Sfjorntoit ©ebraud) non einem SJCedfjte, an beffen Bafein man jefct nod) kaum gebaut fjatte; er foberte ben Ankläger jum gerichtlichen 3weikampfe (wager of battle), anfiatt ftd) bem Augfpruche eine« ©d)offenred)tg (wager of law) }u unterwerfen. Seugnen lief ftd) bie formale ©ültigkeit biefeg 9?ecl)tg nicht, unb ber Anwalt beg Anktdgerg erhielt »om ©ericfyt einen fefjatfen 3?erwetg, alg er ftd) beigeren lief, eg unnernünftig unb batbatifd) jtt nennen. Bet Ankldger, ein fd)t»dd)lid)er PJenfd) non 20 Satiren, wagte niefjt, ftd; mit bem atfilettfcfyen Sfjornton in einen Äampf mit bem Äolben einjutaffen, muffte feine 'Anklage jurutfnef)men, unb ber mutt)mafjlid)e SRotber ging abermals frei aug; bod) war bie öffentliche SReinung fo ftark gegen ifjn, bafj er nad) Amerika augwanberte, wo et halb gefiorben ift. Biefer galt war bie SSeranlaffung, nicht blofj ben gerichtlichen jtoeifampf, fonbetn, ba bie Redf)tggelehrtcn barin einig waren, bajj bem Angeklagten bie SSalfl jWifd)en einem jweiten ©djoffenurtheile unb bem Äampfgerid)t burchaug nicht entjogen werben könne, bag ganje Red)t ber Pri»at= anktage abjufchaffen. Bieg gefd)af) 1819 burd) ben Parlamentgact 59 ©eorgg III., L. 46. Babutch fcheint aber eine wefentlid)e Sticke in ber englifchen 9ied)tg= »erfaffung entffanben ju fein. 37. Appellationggerichte. Bie germanifdjen SSerfaffungen kannten ur= fprünglid) nichtg non einer Appellation an einen hohem Richter, fonbern nur wenn ber untere 2ehngf)ett bag Recht ganjlid) weigerte, konnte bie ©adje an bag @etid)l beg hohem, beg Äonigg, gebracht werben, unb wenn bie Schöffen fatfd) urtheiltcn, konnte ihr Urtfjeil gefcholten werben (fausser le jugement in Frankreich), wobei ber Appellant eg nun mit ben »origen Urteilern, unb jwat bem Rechte nach » auf Sehen unb SEob ju tfjun hatte, ßg war ein großer ©d)ritt jur beffem Sehnung, baf bie tegelmdfige Stufung ber Urteile burch einen hohem ©erichtgljof wieber in ©ang kam, weld)eg in Frankreich burd) Ä. Subrnig IX. gefd)ah, in Beutfdjlattb aber erfi mit ßtrid)tung beg 3teid)gkammergerid)tg (1495) eine geregelte SSaftS er= hielt. SSon ben gtunbherrlichen ©erichten ging nun bie Appellation an ben $of ber Sanbegherren, welche bafüt ©erichtgcollegien (4)ofgetid)te, Regierungen, Süffig kanjleien) einrichteten, unb »on ben hohem lanbegf)etrlichen ©erichten an bie Reiche geridjte, bag Reid)gkammergerid)t unb ben Reidhghofratf). Bie Reichgftdnbe fudjten ftd) biefer Unterorbnung ihrer ©erid)te unter bie Reid)ggetid)te möglichfi ju ent}ie= hen; £>|freich mad)te ftd) gleich »om Anfang an »on ber gerichtlichen ©ernalt beg Reid)g gdnjlich frei; bie Äutfürflen follten eg »ermoge alter S3orred)te gleichfalls fein, allein eg waren einmal 3 ©tufen beg Red)tfpred)eng gtunbgefefjlid), unb bic= jenigen, welche nid)t ©erichte ber britten Snftanj (£>ber=Appel[ationggerid)te) att= orbnen wollten, liefen ftd) bie Appellation an bie Reid)ggerid)te wieber gefallen, unb erlangten erft bie Appellationgfreiheit wieber burch eigne kaiferlid)e fPri»ilegien (pri- vilegia de non appellando). Bergleid)en würben aud) anbem Reichgftdnben er= theilt, welche eigne oberfte ©erichte errieten konnten (wie Schweben ju SSBigmar, $ano»er jußelle, äjeffewÄaffelu. a.) ober bafürbieActenoerfenbunganaugmdrtigc ©pruchcollegien einführten. Bie (angfamen gorrnen hei ben Reid)ggerichten unb anbre SRangel ber Reid)gjuftij gaben biefen ifolirenben S3effrebungen Popularität, obgleich ber ©runbfafs, baff ju gdnjlidjet SSeenbigung eineg Red)tgfireitg 3 gleid)= lautenbe ßrkenntniffe erfoberlid) feien, bie Proceffe ing Unenblid)e »erjogerte, unb ber SRangel eineg einigen, feine SBirkfamkeit über alle beutfcbe Sanbe »erbreiten- ben hochffm ©erichtg ber Augbilbung ber beutfehen Red)tg»erfaffung hod)fi nach 2 2fppelfofiottögancf)te 361 heilig geworben iff. Sie Auflöfung bcä bcutfcpcn Sicid)S eermeprte in beit Element @teinten bie SSerwitrung, unb eS iffc eine ber wopltpdtigfien »eftimmungen beS bcutfcpcn 33unbeS»ertragS, bap bie Aufteilung breiev Snfianjen ju einem ©runb= gefepe aller einjetnen Staaten erhoben, aber auep bafüt geforgt tnorben tft, bap nid)t bie Eieinern Staaten für fiep allein Eieine unb unoolljldnbige ©inrid)tungen mad)en Eonnten, fonbem bap ft'e fiep bie fBerpflicptung gefallen liefen, gcmcin-- fcpaftlicpe SberappellationSgericpte ju erriepten. Aud) fic fanben in ber AuSfüp= rung mandje ScpwierigEeit, inbem man bie Unterorbnung ber bispetigen obern SanbeSgerid;te unter ein jum Speit wenigffenS frembeS ©eriept unb bie Sieuerum gen in ber bisherigen Sufiij»etfaffung fo fepr als mögtid) ju befcprdnEen fuepte. Sod) ftnb biefe gemeinfcpaftlicpen pöcpfien ©eriepte nunmepr fdmmtlicp eingeriep* tet: 1) gut SStaunfcpweig, SBalbecE, Sippe unb Scpaumbutg (ungefdpt 360,000 ©ericptSuntergebene) ju SBolfenbüttel, eröffnet am 2. San. 1816. ©erid)tSorb= nung blop als #anbfcprift gebrucEt, 1818. 2) güt baS ©rofperj. Sad;fen=5Bei= mar=@ifenadi, bie übrigen perjogl. fdcpft'fcpen unb fütfil. reupifepen Sanbe ju Senn (©ericptsfprengel 624,000 S.) , eröffnet ben 7. S«n. 1817. fPro»iforifd)e @e= ricptSorbnung »cm 8. Set. 1816. 3) gür bie perjogl. anpaltifcpen unb fürfil. fdjwarjburgifcpen Sanbe (221,000 S.) ju Setbfi, 1. Set. 1817. ©ericptSorbnung ». 8. Sept. 1817. 4) gür 5Sleilbburgpaufen allein lapt alle Sacpen, opneaufben 5Bertp ju fepen, an baS SberappellationSgericpt ju Sena gelangen; inbenübri= gen Säubern fteigt folcpe »on 100 bis auf 500 Splr. ^ierburep iff, mit eini= gen SSerfepiebenpeiten in ben S5enennungen unb fProccpformen, bie ©ericptS»er= faffung in ganj Seutfcplanb gleicpförmig, ber Siegel nadj in 3 Snfianjen eingc= rid)tet. Sn ben $erjogtpumern ^folfiein unb Sauenburg gepört bie Aufteilung eines eignen beutfepen ©erieptspofs britter Snflanj nod; ju ben unerfüllten 3Bün= fepen beS SanbeS. gut bie jweite Snflanj befiepen baS Sanbgericpt unb baS Sbet= geridjt ju ©lüdflabt, »on iuelcpen jmat nod? ein SiecptSmittel (ber Supplication) an bie beutfepe Äanjlei ju Äopenpagen flattfinbet, feboep opne fejle gefeplidje ©in= rieptung beS SnftanjenjugeS. Aus bem ©ropperjogtpum Sitfemburg gepen bie Appellationen itacp Sütticp. Sflreicp pat AppellationSgerid)te ju SBien, Klagcnfurt, giume, ^Prag, SStünn, Semberg, 3ara, SnfprucE, SJiailanb, SSenebig, unb eine oberfle Suflijfielle ju 9öien. (Sie ungarifd)en unb fiebenbürgifd)en Sdnber pabett eine befonbere @ericpts»erfaffung.) S« Altpreupen befiepen für bie untere Snfianj Ämter, Stabfgericpte, KreiSgericpte unb ipattimoniatgeriepte; bie jweite Snflanj wirb bei ben 15 SberlanbeSgericpten ju Königsberg, Snfierburg, 50Aarien= Werber, granEfurt, Stettin, Köslin, S5reSlau, ©logau, Sfatibor, 3Kagbe= bürg, J^alberfiabt, Siaumbutg, SKünfier, S5nberborn unb Äleoe, unb bem Äam-- mergeriept ju S3erlin gebilbet; für bie britte Snfianj ift bie Sieget baS ©epeime Sbertribunal ju S5erlin, allein bie SBirEfamfeit biefeS ©eriepts jur ßrpaltung ber ©npeit in ber Siecpts»crwaltung wirb baburd) fepr unterbrodjen,' bap »iele Sie-- »ifionen pauftg »on einem SberlanbeSgeridjt an baS anbre gepen. Sie prettpifri;en 362 2Cppe(tut> 2£ppetif SK&einlanbe fyaben nod) bie fcanj. ®erid)tgverfaffuttg, unb für biefc ift, ßattbes fcanj. ©affationggerid)tg, burd) bie 23erotbnung vom 20. Sidi 1819 ein Steviftonfc fjof ju 23etlin eingcrid)tet worben. Dag ©ropf)eräogtl)um fPofen bat burd) S3erocfc= mtng vom 9. Sa«- 1817 eine eigne ®erid)tgverfaffung ermatten. 93aicvn E)nt 8 2lppeffationggericf)te ju 2Mnd)en, fPaffatt, 2fmbetg, ffteuburg, 2fnfpad), 33atm bevg, SBürjburg unb Sweibtücben, unb ein £>berappeffationggcrid)t ju SD?ünd)ett. Die Dbetappeffationggeridjte bei einzelnen SSunbeöflaatcn vertreten jugieid), und) 2Bal)l ber Parteien in jebem einzelnen Suffe, bie ©teile eines 35unbeggerid)tg ffa bie ©treitigbeiten ber SSunbegglieber unter einanber. — 3 « Sranfreicf) ftnbett mit 2 eigentlidpe Snftanjcn jlatt, bie Tribunale erfterSnftanj (Äteig; unb 2anbgecid>tc) unb bie 2fppellationggerid)te (Cours royales, .£ofgeticl)te), tveld)e an bie ©teile ber alten Parlamente getreten ftnb. 2 fbcr für bag ganje SJeid) befteljt bag ( 5 affa= tiong=.ß>ofgctid)t, welcfyeg blop über SJid)tig!eitgbefcf)werben ju urteilen Ijat, unb feljr viel baju beitragt, in ber 9Jed)tgpflege ©inf)cit }u erhalten. 37. 2t p p e l i u § (San $enbrinb), nieberlanb. Sinan^minifter, gebürtig aug 9Äib= belburg in Seelanb, fein später ptebiget unb er felbft früher Stotar war. Ginem Spanne, ber ftd) aug ben unterffen ©taatgamtern rafd) ju ben f)öd)ften emporfjebt, ben affe feit 30 Sauren fo oft tved)felnbe ^Regierungen feineg Sßaterlanbeg alb einen fef)t btaud)barcn Sttann beibef)ietten, wirb eg feiten an SSerflcinerern fehlen, ©ein ©pfiem, bie inbirecten 2 luflagen einträglid)er ju mad)en, eine traurige golge ber gropen ©taatgbebütfniffe, erregte, bei bet Abneigung ber großer Sanbeigentljti: mer, l)ol)e ©taatgabgaben vom S5oben ju tragen, fo große Unjufriebenljeit tvie feine ©inrid)tuttgen bei ber ^anbelgtvelt, bie in intern Sntereffe von 2 ganj entgegengefegten ®efid)tgpunften auggel)t. Sn ben Sfieberlanben waren früher bie Abgaben vom ©runb unb SSoben geringer a(g anbergivo. ©in SSerfud? beg ©cneralbirectotb 21 ., bie ©rbfdtaften goget;, a(g eg in granfreid) übtid) getvefen tvar, ju bejteitcrn, fanb baf)er, alg bag ©igentl)uni ju fd)tver verlegenb, in bet 2 frifiofratie ber triebet; lünb. Dcputirtenbammer 1815 ben. fjeftigften SÖBiberfptud), unb alg 2f. fpütet bie $anblunggl;erren mit cr() 6 f)etcn 2 fuflagcn ju belegen vorfd)lug, erlaubte ftctj ber rotterbamer fPobel 1819 tviber biefen SJfann ©peeffe. ©r flarb 61 S- alt im ^)aag im 2fptil 1828. Sfad) if>m warb 33an fEeeft van Dubtiaan ginanjminifter. Appetit (von appetere , begeifert) tvirb im Deutfdjen augfd)tieplid) von bem 33egef)ten ber ©peifen ober ber ©ßlufl gebrandet; im gratis. unb Satein. aber and), um bie Siegungen beg ©efd)led)tgtricbeg bamtt 51 : bejeidpnen; mau fügt algbamt bag SSeitvort venerien ober venereus f)inju. — Die ©p lufi unterfdjeibet ftd) von bem junger baburd), baß bie erftere eine angenehme, ber (egterc aber, welcher affju heftig Dag begehrt, tvag eine längere Seit verfagt tvar, eine unange; neunte ©mpftnbung getvaljrt. Sene brüeft bag Vergnügen am ©ffen, biefer bag S3ebürfnip attg. 2Ran bemerbt bei bem Appetite eine ©rregung ber ©efdpnacfo nerventvarjd)en, eine reicfylidje ©peid)elabfonberung unb oft eine ©rinnetung eit fold)e Dinge, tveldje früfjer mit 2uft genoffen worben waren. @rl)at, wie bet junger, feinen ©i(s in bem ©anglicnfpftem, unb ift alg eine eigentl)ümlid)e "Im fjerung beg ©emeingefüf)lg anättfe^en. ©r tvirb nid;t mit bem junger ättgleb d)er Seit gefüllt, fonbern eg bann bag töergnügen am ©ffen aud; bann nod) fort bauern, wenn bag SSebürfnip fdjott befriebigt worben ift. — SBie anbre ©mpftm bungen, wie affe Sfyatigfeiten beg Drganigmug, fo fattn aud; ber 2 fppetit ftd) auf ftanbbflfte SBeife aupern; l>auftg wirb er geftort unb oft gän^lid) vernid)tet, bid ; weilen äußert er ftd) aud) übet bie SJfapen fjeftig unb wirb bann $eißl)iutger (cynorexia ober bulimia) genannt. S3et bet Slid)tbefriebigung ber Unfälle bed ^teipljungerg fteffen ftd) Df)nmad)tcn ein, unb bod) wirb bag ©enoffene burd) ßt- bredjen ober ©tu^lauglcfjrungen oft fd)ncll wieber auggelecrt. Söigweilen aupertfid) bet |?fppetit aud) baburd) franfl>aft, bap er ftd) mit 511 großer ^eftigfeit auf tfppiani 2fpptug ßtaubiuS ©rafftnuS 363 aeroijTe ©peifen, j. 83. ©ewürje, Äuchen (bie ©elüfte bet ©djwangetn), ober auch auf folche Singe crflrecft, ttcldje eigentlich gar nicht ju ben @peifen gerechnet »erben, g. S5. Äalferbe, Äteibe, S()on, tope« gleifd), 83(ut, Snfeften unb felbjl ©pcremente. 9Ran f)at bie S3emerfung gemacht, bajj in folgen gehlern, roelcbe pica, analacia, cissa ober kitta genannt Werben, ftd) bisweilen ein nüfclichcr Snftinft regt, baf j. 83. Äinber, welche an SWagenfdure leiben, Äreibe, ÄatE ju ftd> nehmen, fowie gattidjte SWenfchcn Appetit nad) fauern Singen t>aben. Ser nachfle ©tunb biefer 2fppctit6fef)ter muf in einer 83er|fimmung beS StcroenfpfiemS gefugt werben, weld)e gewöhnlich non anberweiten ÄranEfyeiten abfjdngig i|f. 34. % p p t a n i (3fnbrea), Später, geb. ju SWailanb ben 23. 9RaU754, flammt auS einer alten abeligen, aber herabgef'ommenen gatnüie. S3on früher Sugenb an geigte er Steigung unb Anlage jur SJtalerei. ©eine 2frmutf) swang ihn, bei Seco= rationSmalern oetfcpicbener SEheater ju arbeiten, wobei eS ihm gelang, bie anatcmi» fd)en unb Seichnenfchuten mit befugen ju fonnen. Sie @efd)dfte feiner 83rotherren führten il;n oon ©tabt ju ©tabt. Ser längere Aufenthalt ju iparma, Bologna unb glorenj gab itjm Gelegenheit, bie SBerfe gtopct Reiftet ju ftubiren unb ftd) einen eignen ©tpl ju bilbcn. ©t befud)te 9iom 3 9M, um immer tiefer in baS beinahe gdnslid) oetlorette ©el;eimnif Sfafael’fdjer greScomalerei einjubringen. S3alb übertraf er aud) in biefem Äunfljweige alle lebenbe s Dfalcr in Stalien unb be= wies feine Äunfl üotjüglid) in bet Äuppel bet Äirdje ©anta SKaria bi ©. ©elfo in fWailanb (f. ben Äupfetflid)) unb in ben 2Banb= unb Setfengemdlben, welche er für ben Statthalter ©rshersog gerbinanb in bejfen Sanbhaufe ju Stonja (1795) oetfct= tigte. S3onaparte ernannte ifjn jum fonigl. Hofmaler, ertheilte il)m ben Stben ber Ehrenlegion unb ben ber cifernen Ätonc, unb ernannte i()n jum Skitglieb beS 5>n= ftitutS ber 9Biffenfd)offen unb Äünfle oon Italien. 2f. malte in ber golge beinahe bie ganse Eaifetl. gantilie, fowie mefjte ©enerate, SOtinifter :c. ©eine fdjonflen SSetfe fmb bie Secfcngemdlbe im fonigl. ^alafte ju SUailanb, Allegorien aus unb auf 83onaparte’S Seben, unb fein Apollo mit ben SStufen in ber 83il(a S3onaparte. Saft alle fPaldfle SMlanbS hoben greScoorbeiten oon ihm. Ser galt StapoleonS wirfte auf A.’S 83erf)ältniffe fel)t nod)tf)eilig; et jtavb ben 8. Stoo. 1817 in be= fdiranfter Sage. Appianuö aus Alepanbria, ©ad)Walter unb 83eforger ber faiferl. ©in= fünfte unter SErajan, »hobrian «nb AntoninuS fPiuS in 9?om, fchrieb eine römifd)e ©efd)id)te oon ben dlteften Seiten an bis auf AuguftuS, in 24 Süd)cm, wooon wir nur ttod) bie $alfte l)aben: ein ungleiches SDBerf, je nad;bem bem ©ompilatot feine Suellen fToffen. Sie bejle neuere AuSg. ift bie «on ©d)Weigl)dufer (Seipj. unb ©traSb. 1785, 3 33be.j beutfd) oon SüleniuS, gtanff. 1793, 1800, 2 S3be.). Apptfd)e ©trafie, bie oon 9?om nad) ©apua führenbe dltejfe unb be= rüljmtejfe ©träfe ber Stomer. ©ie würbe oon 2fppittS ©laubiuS ©raffuS ©öcuS angelegt, als et 313 o. ©f)r. ©enfot war, unb in ber golge bis S5runbiflum geführt, ©ie beftanb aus feht horten, 6ecfigen, genau in einanber gefügten ©feinen, unb man fteht noch gegenwärtig, befonbetS bei SEerracina, bebeutenbe 3?efte berfetben, weld)e ihre treffliche SSauart beweifen. 2fpptuS ©laubiuS ©raffinuS, aus bem angefel)enen patricifd)en ©efd)lecf)te ber ©laubiet, war faum 451 o. ©hr. jum ©onful ernannt worben, als er, obgleich h«« unb ftolj wie feine SSotfahren, bennod), um bie ©unft beS SBolfS i« gewinnen, jum ©rftaunen beS ©enatS ben ©efc6cSoorfd)lag beS SEribunS 5Eeren= tilluS ober SEerentiuS untcrfiüfste, weld)er eine SSeranberung in bet 9?egierungSfotm bejwedte. 2fn bie ©teile ber geto6hnlid)cn SUagiffratSperfonen würben Secemoirn (3ehnmdnner) ernannt, bie ein ®efe|budh (baS nachher genannte ©efeg ber j w 6 tf 5Eafeln,'f. b.) für 9fom entwerfen unb ein Saht lang bie hochftc ©ewalt befleibcn 364 Xppltcafut 2Cppuod)ert füllten. ©r felbfi würbe jitm Seccmoir erwählt, «nb als nach bem erfien Staate bie ©ewalt biefet ©taatsbehorbe noch um ein Saht oerldngert würbe, war et bet ©injige, bem ci burch feinen ©inßuß auf bie botEShäupter gelang, wieber gewählt $u werben, ©ein ©ntfchluß war, bie $errfchaft nie wieber auS ben Rauben 51 t geben, ttnb jut ©rreichung biefeS fpianS oereinigte er ftdj mit feinen 2lmtSgcnoffen. 3n bcmfelbeit 5af)te oerljeerten bie 2fquier imb ©abiner einen Sf)eil beS tomifchen ©ebiets. 25ie Secemoitn warben Gruppen unb sogen ben geinben entgegen. s JRur 21 . unb piuS blieben mit 2 Segionen in 9iom, um bie bereits unrechtmäßigerweife fetjr auSgebehnte SJfadjt bet 25ecemoirn aufrecht su erhalten, alS ein unerwartetes eigniß ffe jtftrjte. X faßte bie fjeftigjle £eibenfcf>aft ju ber Softer bcS SSirgU niuS, eines angefeljenen Plebejers, ber ftd; bei bem $eere befanb. ,25a 21., als ©bemann unb fPatrider, bie bem ehemaligen SßotfStcibun SciliuS oerlobte S3it; ginia nid;t redjtmäßig hefigen fonnte unb ben 3Beg ber betfüfjtung umfonft »er= fud;t hatte, fo gewann er einen feiner CElienten, fRamenS 9R. ©laubiuS, baß biefet an ber ©pige mehret ©egülfen bie SSirginia aus ber öffentlidjen ©d)ule, wo ffe fleh eben befanb, unter bem borwanbe, baß ffe bie Sod)ter einer feinet hcim, unb SciliuS, il)t berlobter, bie oerbrecherifdjen 2fbffd)tm beS X ©in furd)tbarer 2luftul)t erfolgte, unb ber 2)ecemoit war genötigt, SSirginia in ben $dnben ihrer Familie ju taffen, aber er erflürte, baß er am folgen: ben Sage fein Urtheil fprerf)en werbe. birginiuS, oon feinem btuber unb SciliuS herbeigerufen, erfdjien auf bem Sotum, fowie feine Socßtcr, in Srauerfleibetn. ©r führte bie unjweibeutigflen beweife; aber X, im bettrauen auf bie 3«f)l feiner bewaffneten, befahl bennod) bem ©laubiuS, ffcf> ihrer als feinet ©flaoin ju bemächtigen. 25a bat birginiuS ben 25ecemoit um bie ©tlaitbniß, nod>maES bie SBdrterin in bitginia’S eigner ©egenwart befragen }u bürfen, um ftd) wenigftcnS ju feiner beruf)igung, wieerfagte, oon bem bisherigen Srrthum ju überjeugeit. 21 . willigte ein. darauf umarmte ber unglüc 0 licf>e batet feine Sod;ter järtlid), ergriff ploglich baS 502effer eines in ber $Rdhe beffnblichen SteifdjerS unb burchbol)rtc ihre bruft mit ben SOBorten: „©el; frei unb rein, SSirginia, 511 beinet SRuttertmb beinen borfahren". X befahl ihn $u ergreifen, aber birginiuS entfTof ins Säger. 25ie ©enatoren baleriuS unb |joratiuS, weld)e baS SDccemoirat haßten, riefen baS butd? ben SfnblicJ beS SeichnamS empörte bolf jur 9iad)e auf, unb 21. fonnte ben Xtfcuht nur burdj 3«fammenberufung beS ©enatS füllen. 3njWi= fdjen hatte birginiuS baS ©efehehene bem £eere erjählt, welches, 9rad)c fo« bernb, nad) SRom jurüdfehrte. 2 >ie iDecemoirn fahen ein, baß ffe il)te 5 Rad)tnid;t langer behaupten fonnten, unb legten ffe nieber. 25er ©enat befd)loß unoerjüglic!) bie SBieberherfteUung beS Sribunats unb ©onfulatS (305 b. ©tabt, 449 0 . ©l)t.). 21. ftarb im ©efdngniß, wie SioiuS f agt, oon feiner eignen $anb; nad) 2)ioni;$ oon ^alifarnaß ließen ißn bie Sribunen erbroffeln. 2Cud) £>ppiuS, ber als fein SERiü fdjulbiger angeflagt war, entleibte fief); ihre übrigen XntSgenoffen entgingen bet Xtflage bitrch freiwillige berbannung. 2)er niebertrddjtigc ©aubiuS warb, bacc nur als bSerfäcug beS Spranncn gebient hatte, nach b™ bamalS oben Sibitr w- wiefen. Sen Sob ber birginia hat 2 llfteri als Srauerfpiet behanbelt. 2tpplicatur, f. Singetfegung. Appoggiät 0 bejeidpiet in ber ÜJRttfif unb namentlich im ©cfattge ben getragenen, nicht abgefegten borttag, baß alfo bie Sone ohne wahrnehmbare Süden in einanber übergehen unb oerfchmeljen. Saju bebient man ftef) and) bet borfcbldgc (appoggiatura). 2fpproben, f. Saufgräben. tfpril tfjpulcjuS 365 Monatsname, entmeber non ancrirc, öffnen, weit in ib;m bie ©tbe ftdE? ju öffnen fdjeint, um uns mit ifjren ©aben 51 t bereichern, ober, nad) SSarro, von 2fpf)tobite, weit ber tfprit biefer ©öttin befonberS geweiht mar. 2 Cprtlfd;tcfen, eine efjebem gemeine, jeßt aber burct) einen beffern 3eit ; geift verlangte Unfftte. Man mad)te fid) nämlich ben ©paß, am Morgen beS crjten 2(pritS einÄinb, eine bienenbe ober eine einfältige fPerfon irgenb wohin ju fd)iden, um ©twaS ju fjolen ober ju fetjen, maS entmeber gar nicht ober bod) nid)t an bem bejeic^neten Srte ju befommen ober ju feijen mar, unb hatte nun feine greube, wenn bie ©infalt, bie fid) batte anful)ren ober in ben 2 fpri( fd)icfen taffen, auSgelacht mürbe. Sa man im Mittetatter in ber bibtifdjen ©cfdjtdite votbom* menbe ©eenen burd) ©piele 5 U verfinnlid)cn fein SSebenfen trug, fo fefjen ©inige biefen ©ebraud) als eine ungejiemenbe 3fad)äfftmg eines UmftanbeS an, metd)er bei SefuS fBert)öre vorft'et. ©r mürbe nämlid) vom ^5itatuS jum JperobeS unb von Siefem mieber jum ^itatuS gefehlt. Sal)er bie SiebenSart: Semanben vom ^itatuS jum #etobeS (von ©nem jttm 2fnbent, meijtenS jmecECoS) fdjicEen. Saß ju jenem ©pafje ber erfie’2lptil gewählt mürbe, t>at mot barin feinen ©runb, baß fef)t oft in biefem Monat baS Öfterfefl, unb atfo aud) bie ©rinuerung an bie bamit in SSerbinbung ftetjenben ©reigniffe auS bem Sebcn Sefu fällt. 2 fnbre leiten bieS vom Xprilwetter ab. Stad) Jammer ftnbet ein n^ntidjer ©ebraud) in Snbien bei bem ^ulifefte flatt. 11 . A priori, ©egenfab von a posteriori. A priori ©tmaS einfel)en ober bemeifen, tjeijjt, fotdjeS aus ©rimben tf)un, welche ber wirf liehen ©rfaf)rung vor= hergehen ober bod) von berfetben unabhängig, mie 5 .35. bie ©äße ber Mathematif, a priorifd) finb; balpngegen eine ©inftdjt ober ein 33emeiS a posteriori fid) bloß auf bie wirf lid;e, in bem jebeSmaligen gatte gemad)te ©rfahrung grunbet, mie 5 .33. bie Sehren ber 9faturgefchid)te. 3tpfiben. Sie Planeten: unb Äometenbaljncn fmb©(tipfen, in einem 33rennpunfte berfetben fleht bie ©onne, unb in gleidjer 2Crt taufen bie Monbe um itjre Planeten. Ser nächffe unb fernfle fPunft bet ©ttipfen von jenem 35rennpunfte heißen mit einem gemeinfcbaftlid)en gried). Flamen 3fpftbcn, bei ben Planeten unb Äometenbahnen inSbefonbere Sonnennähe (fPcrihelium) unb ©onnenferne (Xphe* tium), in ber S3af)tt beS ©rbmonbeS, ©rbnäfje (Perigäum) unb ©rbferne (Jfpo* gaum). Sie gerabe Sinie, welche bie fünfte ber 3fpfiben verbinbet, bie große 2tpe ber ©ilipfe, heißt bie 3(pftbenlinie. ©ie bemegt ftd) in ber 3rid)tung beS fP(aneten= taufs langfam vorwärts. 3Benn bie ©rbe batjer je§t vom fünfte ber ©onnenferne ausgegangen ift, fo muß ffe mehr atS einen ganjen Umlauf madjen, um mieber ba= hin ju gelangen. Sie i3eit, bie fte baju gebraucht, heißt ein anomatiftifdjeS 3ahr. ©S ift eben bat)er langer als ein tropifcheS. (©. 5af)r.) D. N. % p u t e j u § (2(. SuciuS), gcb. ju Mabaura jn 2(frifa gegen baS ©nbc ber Regierung ^»abrian’S, flammte von angefet)enen ‘Üttern unb blühte um bie Mitte unb in ber jweiten ^älffe beS 2. Sahrt). n. ©t)r. ©r ffubirte ju ©arthago, machte fiel; barauf ju 2 fthen mit ber griedjifchen Siteratur, vorjöglid) mit ber 3 )tatonifd)en ^hilpfoph«/ vertraut, unb ging von ba nach 9fom, mo er, feinen eignen SSBorten jufotge, ot)ne eines SchrerS ^n'ttfe, mit unenblicher 3tn|lrengung bie tateinifde ©praetje erlernte, me(d)er Umftanb bei SScurtheitung feines ©tpts nid)t überfehen Werben batf. ©r machte auS SBißbegierbe große Steifen, auf welchen er fid) in bie vetfehiebenen Mpffetien einmeihen ließ, lebte mieber einige Seit inSfom, ffubirte bie 3ied)tSmiffenfd)aft, fehrte bann in fein SSatertanb jutfttf, heitathete eine reiche Süitme unb lebte fet>r geehrt bafetbff. X mar ein feuriger, rafttoS thätigerunb nidjt farglich mitSBig begabter ©eiff, ben jebod) eine entfd)iebe:te Siid)tung jur Sfjeofophie, Mpftif unb Magie hinbertc fid) voltfommen auSjubilben. ©S fehlt feinem „©olbenon ©fet", einem S?oman in 11 35ud)., Weber an SBih, Saune unb 366 Spulten 2Ccjua Sinta fatprifdjem ©efjalt nod) an anbem poctifcfjett digenfdfjaften. Sen ©toff baju fd^opfte ec aug bem Sucian; aber er änberte ben fPlan unb fegte fjinju. >£>bd)ft merftöörbig ift in biefemSOBerfe biedpifobe ber ^)fpd)e, bie gerbet ben jattejfen unb »ielfeitigften Stornan nennt, ber je erbacfyt worben, unb über beffen ©cgenftanb fdjwerlid) etn>«$ ^ofjereg augjubenfen fein mochte. Surd) ftc allein würbe beg SSfg. tfnbenfen unb f. äßerf itnuergänglid) fein, wäre er aud), wie SSieie behaupten, nur ber Überlieferet. — tluferbem war X SSetf. vieler pf)ilofopt). unb oratorifdjetSfBerfe, non benen wir nod) einige beftgeit. ©eine ©djreibatt ift ntd)trein; er liebt gekaufte SSeiworter, fom berbare Sufammenffellungen, unb fällt juweilen in SMümelei unb ©cfjwulft. Sie beffc tfugg. beS „® olbenen Gfetg" ober ber „SOtetamorpfjofen", ber übrigen^ bag Sei: wort „golben" erft fpäfec, um baburd) benSöertl; beg S3ucf)g ju begegnen, erhalten I;at, ift »onSubenbotp, ütuljnfenu. SSofcfya,Sepb.1786—1823,3 33be., 4. ; beutfd) »onX 9fobe, Seffaul773, 293be. Sie „SRetamorpljofen" l)at (Slmenfjorfimit ben übrigen, grofjtent£)ei[g pfjilof. ©d)riften beS tfpttlejug fjetauggeg,, §ff. 1621. tfpulien, ein SEgeit Sappgieng, »on Sappp, bem ©ohne beg Säbalug, fo benannt, war ber füboftlidjc SEfjeit Italiens? »on bemgtuffe ©itig big an ben SSerg ©arganug. >£ier wofjnten in ben älteften Seiten 3 »erfcfyiebene SBolfer: bie Steffin p'ter ober ©allentiner, bie speufetier unb bie Saunier ober 2fpuler. (©. Stiebufjr’S Unterfud)ungen üb. b. ältejfe ©cfdjidjte biefeS Sanbeg in ber „9?om, ©efd).", SEI), i, ©. 99 fg., »gl. mit 93Jad)gmutf)’g älterer ,,®efd). beg rom. ©taatg", ©. 61 fg. Sie fPeufetier wofjnten füblid) big an ben 2fuftbitSi notblid) big an ben ®atganu$ bie Saunier. Sie altlatcinifdpen ©agen erjagten »on einem Äonig ber Xpulier, Saunug, ber, aug Sllprien »ertrieben, ffdj in biefem Slljcite Stalieng nieberliejj. 3« i(;m lief man uad) ber ©ifte, bie Srrfagrten betreiben beg trojanifdjen Äriegg nad) Italien ju führen, ben 2ftoler Siomebeg fommett, bet, im Äriege mit ben Steffin piern, »on Saunug unterftügt, bann um bie grücfte beg ©iegg betrogen unb ge-- tobtet würbe. Sie alten 9tamen f)at nur bie rSmifdje Sitfytfunfl beibefalten. Sie ®efd)id)te ber 9iomer nennt ung feine Äonigc ber 2fpulier mcijr, aber alg bebeu= tenbe ©täbte 2frpi, Suceria unb Ganufium. Sen gluf tlpulicng, tfuftbug, (jat $oraj, ber ju SJenufia in bemfelben Sanbe geboren war, »erl)errlid)t. Serjweite punifdje Ärieg würbe Saljre lang in 2fpulicn geführt, Gannä (jegt S. dann?), berühmt butd) bie fftiebetlagc ber 9tomer, liegt in biefem Sanbe. Ser fjeutige S)tame Xpuglia ift ein trauriger Überreft ber alten >|>etrlid)feit, bie @efd)id)te unb Sidjtfunft jenem Sanbe gegeben fjat. 2fpuglia ift jegt entoolfert unb ernäfjrt mel)t ©d)afe alg Stenfdjen. $auptft. SEaranto (f. Sarent); Stranto; SSrinbifi (f. SSrunbifium). ©. SEommaftni (D. Sßeftpljal), „©pajietgang burcf)6ala= brien unb Jlpulien" (Äonftanj 1828). 3. 2C q u ä b it c t, SfBafferleitung, ein S3au, bag SOSaffet über SEfyäler unb rtiebnge Sänbereien »on einem Srte jum anbetn ju leiten. Sie 3fltcn führten bergt. Seitun* gen mit großer ®efd)icflid)feit aug, j. S5. ©efojirig in 2fgppten, ©emiramig in SSabplon, ©alomo unb ^igfia unter ben S^rnditen. Sie gropten SBerfe ber 2lrt aber Ijaben bie 9iomet fowol in 9tom alg in ben fProoinsen aufgefül)rt, unb bie Übertefle berfelben gehören jum SEljeit ju ben bewunberunggwürbigften Senfmn= lern ber tömifd)en Saufunft. Set Genfer Jfppiug dlaubiug dtaffug docug, ber Grbauer ber grofen^eerftrafe, bie feinen 9tamen führte, lief ben erften tfquä« buct ju 9?om bauen (appiaaqua). gcontin ja^lt beren 9, fProcopittg 14 unb 9). Sßictor 24. Übet bie SOSafferleitungen ber neuern Seit f. d a n a l. tfquamarin, f. SSerpll. Aquarell, SDtalerei mit SBafferfarben, wobei man bag weifeSPapier in ben SicftjMen burd)fd)einen laßt. 2fqua ÜEinta, Äupferjtedjen in getufd;ter Spanier, woburd) man befow berg Seid)ti«ngen, bie mit bem spinfei in SEufd), SSifter, ©epia tc. »orne^mlid) 367 Aqua SSofatta breiten Waffen fcefjanbett ftnb, glücklich nachahmf. ES gibt bauen mehre Arten. S5ei ber erften wirb bie glatte, nad)bem »orher bie Umriffe auf betreiben rabirt unb eingeägt ftnb, mit feinem gepuderten SOTafiip (Kolophonium) überftebt, bann über Kohlen gewärmt, bamit bet SJtaftip auf ber glatte anfchmetje. Auf biefe Art ent» fielen sroifchen jebem SJJtaflipforrtdtjen unmetblidje Swifdjenrdume, auf welche t)er= nacf) baS ©cheiberoaffer wirben mup. Sei ber Arbeit fetbft wirb fobann roie bei bet fdjroarjen Kunft »erfaßen, nur bap man bei biefer ben ©djaber, bei jener benfPim fet braucht, unb mit einem fchwarjgefarbten 2>icEfirniß, ben baS ©cbeibcroaffer nicht angreift, alte Sichtpartien becft. SaS h öd) fte 2irf>t wirb juerft gebecEt, unb bann bie glatte gedgt, fo lange eS für ben fchwächften Ton ber ©chattenpartien nötf)ig ift. 3ftSbann wirb burd) alle im Originale beftnblicfje Abjtufungen fo lange fortgefah* ren, bis am Enbe nichts auf ber ganjen glatte übrig bleibt als bie ftdrbften ©djat* ten, weldje man jule§t a|t. Siefe Sanier ift bie bejte für ijifforifrf;c unb ard?iteE= tonifd)e ©egenftanbe, foroie hingegen bei 2 anbfd)aften, wo bet Baumfd)lag mcl;r Freiheit beS spinfelS erfobert, bie jroeite gebraud;t wirb. Sei biefer wirb bie glatte, roie beim Stabiren, mit einem guten Aggtunb überjogen; bann arbeitet man mit* telft beS g)infelS mit ©pif= ober Terpentinöl, bem etwas Sampenrup äugefe|t wirb, auf bie gegrünbete glatte roie auf fPapier. SaS Sl erweicht ben Äggtunb, roeld)er ftch mit einer feinen Seinroanb abroifchen laßt, worauf alle mit bemfPinfel gemad;te ©trid)e im Kupfer jum Borfchein kommen. hierauf wirb bie glatte, wie bei ber erftenArt, mit einem feinen SDlaftip überftebt, angefchmoljen unb bann geafjt. SieS SSerfahren bann, je nad)bem im Original mehr ober weniger hinten ftnb, mehrmals roiebei'holt roerb.en. Sutcb eine glückliche Bereinigung beibet Arten laßt fid) bie Harmonie in biefer Sanier bis ju einem hohen ©tabe ber Ausführung erreichen; oorjüglid) bei berSuft, wo oft große Stachen non einer Sinte ootbommen, ift bie erfte neben ber jroeiten tton ber beften Söirfuttg. — 5n Sranbreicl) unb in ber ©d)roeij bebient man ftch auch ber Sioulette hierzu, eines ftdhlernen, auf feiner Sbetflddje rauhen Stäbchens ober SBdl^enS, mit mehren Erhöhungen, welches, wenn eS auf ber glatte hin = unb hergerollt wirb, bie Bertiefungen bartn het'öot* bringt. 9J?att hat fte tton allen ©raben bet ©töpe unb Reinheit ober ©färbe in.f)in= ficht ber Erhöhungen, um halb tiefer, halb flacher in bie fpiatte ju brücken. Bon Seit ju Seit nimmt man mit einem ©djaber baS herausgegrabene Korn htn= weg. — Sie englifchen Aquatintablattcr pflegen auf folgenbc Art gearbeitet 5 « werben. Sic Platte wirb, roie bei ber fdjroarjen Kunft, über unb über rauh 9 e = macht; bie höchften Sichter werben mit bem ©Schaber unb ©rabfiahl h^auSgeho-- ben, unb bie glatte mit ©d)eiberoaffer geübt, roeldjeS mit einem ©laSpinfel auf getragen wirb. — Offenbar fdjickt ftch hie gedoste Spanier beffer ju ben tiefften ©chatten unb ben großen SD?affen, bie Sioulette hingegen beffer ju ben ^alb = unb kleinen ©dfatten unb ben »otbommenbeit ©djraffirungen. Sie Aquatintamanier ift erft feit furjer Seit in Englanb unb Seutfdjlanb aufgebommen; bie Engldnber aber befonberS verlieren, feit ©ilpin berf Ton baju angab, ihre literarifd;en Sterbe mit Kupferftidjcn in biefer Spanier. (©. K u p f er ft e d) e r b u n ft.) Aqua Tofana, ein ©ifttranb, ber ju Enbe beS 17. unb ju Anfänge beS 18. Sah^h- in Neapel auperorbentl. Auffefen gemacht hat, beffen ©efd)id}te aber nod) bunfel ift. Etne@tcilianerin, Tofana, foll bie Erfinberin biefeS Trankes gewe= fen fein. Sobat’S 9tad)rid)ten jufolge roarb biefe Btebea, nacljbem fte mehre hunbert 9Renfd;en gemorbet, obgleich fte bei Entbcck ung ihrer ©rauclthaten ftch in ein Klofter geflüchtet, bennoch erbroffelt. Sagegen»erftchertKepßler, baßftenod) 1730imKer= ber gelebt habe. Ser Tranb felbft wirb als klares gefchmacklofeS SBaffer befchrieben, woöonü — 6 Tropfen hinreidjenb geroefen ben Tob ju geben, berlangfam, ohne ©djmerjen, Entjünbungen, Sueben ober Sicher erfolgte. Allmalige Abnahme ber Är.tfte, Uberbrup beS SebenS, Mangel an Epluft unb beftdnbiger Surft waren bie 368 fuafor ...,. Äquilibtifi folgen baoon, bic batb in oollige 2tbjehrung ubergingen. Saf man ben Sag be 3 Sobeg ()abe oorherbefiimmen bannen, ift eine gäbet. Übet bie Sufammenfegung biefeg ©ifteg ftnb bie feltfamften ©erüchte oerbreitet worben, ©ine Äuflofung oon frpftalliftrtem Ärfenii fcfyeint ber qjauptbefianbtheil gewefen ju fein, welchem man, wahrfdjeinlKh um itm gu oerftecben, nod) irgenb etwas Änbreg b>injufegtc. Äquator (©leicher,Plittellinie). Unter bem .ftimmelgdquator oerfteijtman benjenigert eingebitbefen größten Kt eig ber ^immetsfugel, auf beffen ©bene bie SSelfe ape fenfredjt ftef)t, ber oon ben SBeltpolen überall um 90° entfernt ift, beffen Pole mithin bie SBcltpole ftnb, fowie feine Äpc gugleid; bieSBeltape ift. @r t^eitt bie^im-- melgtugel in bie norbticfye unb füblkhefpalbbuget. S3ci ihrem fdjeinbaren jährlichen Umläufe tritt bie Sonne 2 fötal in ben Äquator, ju Änfang beg grühlingg unb ju Änfang beg $erbfie$. (S. Äq u i n o c t i u m.) Älgbann ftnb Sag unb 9tad)t gleich; baljer ber Stame Äquator (©leicher). Sie Sage ber ©eftirne gegen ben Äquator wirb burd; ihre gerabe 2 tbweid)ttng unb Äufftcigung (f. b.) beftimmt. — Set Äquator, auch Äquinoctialtinie, unb oon ben Seefahrern fdjlerfjt^in bie Stnie ge= nannt, ift berjenige gropte Kreig unfeter ©rbfugel, ber non ben Polen berfelbenin allen Punkten um 90° abftel)t. Seine Pole ftnb bie ©rbpote, unb feine Äpe bie Stb= ape. ©r fallt in bie ©bene beg ^)immetSaquatorS. ÄUe £>rte, bic er burd)fd)neibet, haben beftanbig gleich lange Sage unb €Rdd>te. Surch ihn wirb unfete ©rbfugel in bie norbtiche unb füblidte $albf'ugel getheitt. 9tad) feiner Siidjtung erfolgt bie % lid;e Umbrehttng ber ©rbe. ©r burchfchttcibet baS mittlere Äfrifa, inÄften bteSnfeln Sumatra, S3orneo, ©elebeg tc., lauft bann burd; baö Sübmeer unb burd)fd)neibet Sübamerifa an ber ©tenge oon Serra ft'rma, oon wo er burd; baS SBettmecr bis nad) Äfrifa geht. SDßie man nad) ihm in ber ©eograpfjie bie Sage ber Srte auf bet ©rbe beftimmt, f. unter 33reite unb Sange. — Sie Sittie paffiten beifit, auf ber Seefahrt ben Äquator burdjfchneibcn. Sn ber Stegion beffelben herrfcl)en furchtbare SBinbfiillen, bie mit Stfanen wed)feln. Äquaüiüa, Sefuitengeneral, f. Sefuiten. Äquita, ^auptft. ber Äbtujjo ulteriore II. im ©ebirge beg tfpenning, mit 7500 ©inw. (baS alte tfmiternum, ©eburtSort beg Salluftiug), ift als 33ereini= gunggpunft rnehrer Strafen oon militairifdjer SBichtigfeit unb hat eine ©itabeU», bie 1815 unb 1821 bei bem erften ©rfcheinen ber Sfireichcr capitulirte. (©. Ttbrusjen.) Äquiicja, auch Äglar, jur Seither romifdjen Äaifer eine bluhenbe^nm belgfiabt am abriatifetjen SÖteere unb am SimaouS in Sberitalien; Ptarc Ättrel et« hob fie 16S jur erften geftung beg 9\eidf>ö. Sie war ber Sdjlüffel Statieng gegen •bie SSarbaren unb würbe il)reg 3teid)thumg wegen juweilen Roma sccunda p nannt; auch ntar fte ber Sig eineg Patriarchen, beffen Sioceg 1750 in bie bigthumer Ubine unb ©orj (fpdter Saibach) getheilt würbe. 452 gerfiorte fteÄttil«. Sie ©inwohner hätten fleh auf S’nfeln gefluchtet, wo nachher Penebig erbaut würbe. Spater entftanb hier eine unbebeutenbe Stabt, bie jegt ju bem oftreid). Königreiche Sllprien (Kreig Stieff, griaul) gehört; bie ©inw. (1500) ernähr» ftd) hauptfachlid) non ber wenig einträglichen gifcherei, unb grembe befttchen ben Srt ber bort beftnblidjen romifd)en Älterthumer wegen. Äquilibrift (oon bem lat. aequilibrium , ©leicf)gewid)t, wngeredjtet Stanb) ift ein Sftenfd;, welcher feinen Körper aud; bei ben unnaturltchften Stet lungen unb ben gewagteren S5ewegungen bennoch im ©leid;gewid)t ju erhalten »erficht, ber, ungeachtet er fcheint ganj entgegengefegte SSBirfungen h«oorbrin* gen ju wollen, 5 . fS. ju ftörjcn, hinjufallen, benno^ ftdh aufrecht erhalt unb ben Sd)Werpunbt nid)t »erlieft. Ser Äquilibrift mad)t feine funftoollen SSewe; gungen, Stellungen, Sprünge tc. ocr ben Äugen Änbrer ju ihrer SSeluftigung, „unb jeber Seiltänzer mup jugleid; Äquilibrift fein. Snbien tft bag S 3 atcr(anb ber Äqui : 3iqumoctiatflüme Arabien 369 tibrtftctt, uttb cg grenjt an bag Unglaubliche, wag bie inbifd)en ®(eichgewtchtgEünfl= (ec nach bet ©tsdhlung mehret Oleifcnben leiden. Sap bie granjofen »iel ®efd)icE ju dquilibriflifchen gertigEeiten, unb bap fi'e gtope Mnfllet batin beft&en, iji he* Eannt; auch in Seutfd)lanb fehlt eg nicht baran, *.58. inSBien, S5etlin, Hamburg, Seipjig u. a. SReppldgen. Sie Äquilibriflen werben nicht feiten mit ©aitElern, Safdjenfpietern u. a. ÄunftflucEmachern gleid;bebeutenb genommen. 11. 3E q u i n 0 c 1 1 a l f! ü r m e. gut Seit bet beiben SRachtgleichen reinigen heftige ©türme bie Suft unb wühlen bag SReet fo auf, bap felbft bie £dfen nid)t immer ©chttb gewahren. Anfang unb Sauer biefer SrEane taffen ftch nicht genau ange= ben, fo wenig alg bie ©tünbe biefer ©tfcheinung. _ Riquinoctium, Slachtgleiche, btejenige Seit im 3af)re, wo Sag unb Slacht einanber gleich ftnb ; baher bie Sauer beg Sageg 12 ©tunben betragt, unb bie ©onne genau um 6 Uhr auf = unb um 6 Uhr untergeht. Sieg ifl jwei SRal im Sahre ber gall: im gtühling unb im •fjetbjb, jebeg SRal wenn bie ©onne im Äqua= tor fleht. Sie grühlinggnachtgleiche bejeidjnet ben Eintritt beg girühlingg, bie ^>erbflnad)tgleiche ben beg ^erbfleg ; ju alten anbern Seiten ifl bie Sange beg Sageg unb ber SRacht ungleich, biefer Unterfchieb aber um befio großer, je mehr man ftch bem einen ober bem anbern *Pole nähert, bagegen unter gleichen Steifen allenthalben »on gleichet ©tbfe. Unter ber Sinie »erfchwinbet btefe Ungleichheit gdnälid), h' er geht jebeg SRal an ben Sagen bet SRachtgleichen bie ©onne um 6 Uhr auf unb um 6 Uhr unter. 2fuf ber ung entgegengefe|ten dpalbEugel unferer ©tbe nimmt jwat bie Ungleichheit ber Sage in bemfelben 3Setf)dltnif wie bie SSreite ju, nur bap bort bie Sage junehmen, wenn ffe bei ung abnehmen, unb umgeEef)tt. (©. Frühling, •fmbfl, SotrttcEen ber 9Rad)tgleichen.) Aquitanien, ber lateinifdje SRarne einer romifchen sprooins in ©altien, weld)e bie ©egenben an ber Äüfle beg Sceang »on ber ©aronne big an bie beenden unb oom SReere big Souloufe umfapte. Auguflug erweiterte fte big an bie Soire. Sie Anwohner biefeg wefllicpen Äüflentanbeg heipen bei ben ©eiten AremoriEer unb waren oermuthtid) iberifche, beim SSorrucEen ber ©eiten nach SBeflen gebrdngte ©tdntme; fte trieben ©eehanbel. 5« Aquitanien flifteten bie 2Beflgotf)en nach 412 einfReich; feitbem war eg halb ein Äonigreid), halb ein ^erjogthum, unb hiep (pater ©upenne. Aquipollenj, in ber SogiE bag SSerhaltnip gletchgeltenber Urtheile. ©leich= geltenbe (äquipollente) Urtheile aber ftnb foldje, welche gleichen Inhalt haben, unb ftnb eg in logifebet .ftinftcht, wenn bie SSerfrfjiebenheit berfelben nicht blop im Aug= brude beruht (grammatifch ifl), fonbetn in ber gotm beg ©ebanEeng. ©o ftnb bie ©dbe: Arifloteleg war beg Atepanber Sehrer, unb Aleranber war beg Arifloteleg ©chuler, in logtfcf)er $inftd)t äquipollente ©a(se. Sa nun biefeg SSerhaltnip »on berArttfl, bap, wenn ich beneinen jweicrfotcher r erElare, ich auch ben anbern alg waf)t annehmen mup, unb wenn ich ben einen für falfch erElare, aud; ben anbern für falfch erElaren mup, mithin ©ing aug bem Anbern unfehlbar folgt, unb beibe für einanber gefegt werben Eonnen: fo beruht auf biefem Serhaltniffe bie ©laffeoon unmittelbaren ©d;lüffen, weldje man ©leichgeltunggfchlüffe (ratioci nia immediata ad aequipollentem) nennt. Snbeffen leuchtet btefe ©leidjgeltung nicht immer ohne genaue Untetfuchung ein; Sefstereg ifl ber galt befonbetg bann, wenn bie Sotflellungen, unter welchen bie @d|c gebadht werben, »etfdtieben ftnb. Avabegfe, f. ©rottegEe. A r a b i e n, eine £albinfel (46,778 D9R. mit 12 SKill. ©inw), ber wefl= lichfle Sheil im (üblichen Affen, »om 52.-76° S. unb oom 12.-30° SR. 23., »on ben ©inwohnern halb Arabiah, halb Sfcheffra a( Arab, non ben Süthen unb ^erfern Arabiflan genannt, liegt jwifdjen bem arabifchen unb perftfeheh SReerbufen, tfl notblich von ben gropenSBüflenSraE unb^febeffra, ffibl. »om atabifti)enSReete ®on».=ger. Siebente Kttfl. -S3b. I. f ' 24 370 Arabien umgeben, unb bangt norbweftlicf) burd) bie Canbenge ©ueg mit 3Cfrifa gufammen. ©tattber alten Gintheilung in tag wüfte, felftge (aud) peträifd)e, »on bem fonfl feften ^)etca, bem Stapelplatz be« römifd)=perftfd)en $anbet«, [o genannt) unb glitcftirfje Arabien, bie Stolemau« anfütjrt, nimmt man bie natürliche Kbmarfung an, weldje ba« mitlfloen, SOtanna, SÖ?t)rcf)cn, ©eitjraud), Snbigo, 3Ru«Eatennujis unb »orgüglid) Gaffeebdumen bebedte Küftenlanb »on bem Sinnenlanbe fdjeibet, Welche« au«* einer ©üfte »oll glugfanb mit Dornen unb falgigen Krautern befielt, 5m 2anbe felbft gilt bie Gintheilung in 5 ^rooinjen: 1) Da« 2anb Semen (3,240 □3)2., 3 SJtill. Ginw.) wirb erblid; »on bem Khalifen ober 5mam »on fernen re= giert, ber bie Roheit be« Khalifat« im $aufe £>«man’« anerkennt unb gu ©gantia reftbirt. 1818 hat bet SiceEönig »on Ügppten Semen (worin 3JtoEEa am 5Eobe«= tbor SSabet 3)tanbeb liegt) tributbar gemacht. Der SEribut befiehl in 2000 Gtm. Gaffee. Die £auptft. 2(ben, >£auptmarEt be« ©ummi, liegt in Stummem, 2) Die Sto». Dman unter bem 5mam »on 9Jta«Eate ($afenft., 60,000 G.), bem aud) bie 5nfel ©oEotoral) (befle 2floe) an 2(ftiEa« Küfte gehört. 3) Die ^)ro». 2ad)fa ober #abft'ar, mit @eerdubet=.£>dfen am perfifchen 3Jteerbufen, hat fPetlert.- ftfd)etei. 4) Die Sroöingen 9?ebfd)eb unb 5emama, ba« ©tammlanb unb bet t^auptft'b ber ©af)abi« (f. b.) ober ©ed)abiten mit beten $auptfl. Dertejeh; biefe« 2anb, ober Gentralarabien, hat man burd) SKengin’« „Hist. d’Egypte soui Mohammed Ali" unb eine Gharte »on 5omarb (1823) genauer fennen lernen, 5) Die Sto». $ebfcha«, ba« obere Küflenlanb be« arabifeben Sufen«. $ierifl ba« heilige 2anb bet ©ohammebaner, mit 3ReEEa, SJtebinaic. (f. b.). Unweit bem Shate SRofe«, metEwürbige 3fltertf)ümer »on bem in einer ©teppe unb geifern fd)lud)t entbedten, »on 2a Sorbe b. 5- u. 2inant 1828 befebriebenen Setra ($ptf}. im 2anbe ber alten fJtabathder) unb 5etrafd). Der ^)anbel«hafen Dfd)ibba (5000 G.) ift jwar bet ©i& eine« türf. S«fd)a, allein ber ©djerif »on 3)teEEa führt eigenfc lieb bie Stegierung. 5 n ber fprifien ©üfte liegen bie SRuinen »on Salmpra (f. b.). — 2 fn Arabien« SBefifüften jiehen ftd) hohe ©ebirg«Eetten hin, bie im 92. mit ben fptifdienSebirgen gufammenftoßen unb mit ben oflaftatifcben Urgebirgen in Serbinbung flehen 5 barunter bie Serge ©inai unb $oreb. Son ben glüffen, bie nur burd) große Otegengüffe entflohen unb feiten ba« SRcer erreichen, ijl ber Kftan, ein Küjtenfluß, ber bebeutenbjle; bie nörbticbe ©renge wirb »om Gupbrat berührt. Da« .Klima burd)lauft fafl alle ©rabe ber ©cala: ©egenben, wo e« bie^alftebe$ Sahte« hinburd) regnet, roecbfeln mit foldjen ab, wo ber 5Ef)au Sah« lang ben 92e= gen erfe^en muß; bie größte .Kalte auf ben .fpöhen mit ber brücfenbflen -fnfee in ben Gbenen, feud)te ©inbe mit bem trodenen ©amum, ber, wie in 2ffrifa ber ^»armaO tan unb Ghamftn, leben«gefdbrlid) ift. — DerSoben beftel)t au« ©anbwüften unb ben frudtbarftenGefi'lben; ©eigen, >£>irfe, 9fei«, Küchengewdchfe, Gaffee (meldjet in Arabien, f.-fjeimatf), »on hodjftdmmigen Säumen, in IfmeriEa aber auf nieben flammigem ©ebüfcl) ber bequemem Ginfammlung halber gewonnen wirb), SJlanna, 3uderrohr, Saumwolle, @übfrüd)te, ©enne«' atter, ©ummi, 2Cloe, 3 Rprrf)en, SEabad, 3ttbigo, wohlried)cnbe folget, Salfam ic. ftnb bie reichen Grgeugmlfe Arabien«, ba« aud) Gbelfteine, Gifcn unb anbre ©etalle (©olb au«genommen, ba« jebod) bie 2flten in glüffen unb in ber Grbe gebiegen gefunben haben wollen) beftpt; fowie SJtauIefel, Gfel, Kameele, Süffel, -£>orn»ieh, Siegen, tjerrlidje fPferbe, 2öwen, Spanen, ©agellen, güdjfe, Ifffen, ©ptinghafen, geberoiel) aller 3frt (Selifane, ©traußetc.), eßbare ^eufchreden, ©f'orpioneic. Die Ginwohner beftehen gum größten Sh c ' [e au« ben eigentlichen 2 f rabern, mit eigner ©prache, »on mohammebanifd)er Oieligion unb intereffanten Sieben«* gewohnheiten. ©ie gu ben dltefien Seiten leben bie Araber noch fegt al« 9 tomnben in patriarchalifd)et Ginfad)heit al« Ritten unb 2(derbauer; ein leibenfd)aftlidhe« ©efühl für greiheit, UnabhangigEeit unb Stecht erhalt fte in einer Serfafftmg, bie ?frinfid)t fie ju glücflid)en SWcnfctjen mad)t. ©ab alte „Stiebe fei mit bir!" iß auch jefet ihr gewöhnlicher ©ruß. ,,©ei mitlfommen! wab braud)ß bu?" iß bie 3fnrebe an einen Sremben, bet mit einem ,,©ott Bergett’ eb eud)!" bie SebrungSfoßen abträgt. ©abei treiben fie Stäuberei, jebod) nie auf .Roßen beb ©aßred)tb. ©iefeb fciegerifcf>e SSotf beßfct Biet ®efd;icf(id)feit in gpmnaßifd)en fünften, ©et Araber Ijat eine »ortf)eitf>afte Äörpetbilbung ; nur in ben tjeifen Ebenen färbt feine $aut ftctj braungelb; eine abbärtenbe ©rjiebung, 3teintid)feit unb Sßtäfjigfeit ftcfjern ihn not Äranfbeiten. ©ie nennen fid) auch SSebuinen (ffiebeoi, @6f)ne bet Sßufte, bie Arabes sienitae bei ben 2i(ten), unb unterfd)ei= ben fid) butd) itjre Scbenbroeife oon ben Stauten, bie in Raufern leben, 2( cf erb au aubfd)tie|jlid) unb ©enterbe unb Raubet treiben. 'duftet ben Ureinwohnern finb ©brißen, 3«ben, Stürfen unb 33anianen im £anbe wohnhaft. — ©bemalb war Arabien ber^auptfifc beb pbönijifd)en2anbbanbetb; gegentuättig ift fein 2anb= unb ©eet)anbetfajtganäinfremben^änben; bererßere wirb butd) Äataoanen betrieben, dufben hoben Stuten ber Araber lehrt man dßronomie (mef)r 2fßrologie), 2frj= neifunbe unb fogenannte sptntofopfjie; aurf) ©efdjidjte unb ©id)tfunß werben ge= trieben; bieSebuinen bleiben ganj unmiffenb. Sbre SSerfaffung iß einfach: bie ©berbäupter beißen ©rojj= ©mir, ©mir unb ©d)ed), bie 9rid)ter Äabi. ©er tftrfifdje Äaifer beißt jwar ber ©bewert beb Sanbeb, ber freifinnige Araber fpottet aber bet ohnmächtigen SSefebte beb tiefgefunfenen ^errfeberbaufeb unb geborgt nur, wenn eb ihm gefällt, ©ie ® efcfjicbte ber Araber not Sßtobammeb ift bunfel unb tBegen geringer SBerbinbung mit bet übrigen 3Belt Bon geringem Sntereffe. ©ie Ureinwohner Bon Arabien beißen bei ben heutigen Arabern 35ajabiten, SSertorene. ©ich fetbß (eiten b.iefe tbeitb Born Softan ober Äabtan, tbeitb Bon Sbmael her; bie 9tad)fommen jeneb nennen fid) oorjugbweife Araber, bie beb te^tern SDTojtaraber. ©erStame 3fraber bebeutet 3fbenbldnber (benn bab finb fie ben 2ffiaten); in ©uropa unb 2ffrifa nannten fie fid) ©aracenen, Sßorgenlänber. ©ie ättetn atabifeben @e= fcbid)tfd)reiber Berfieben unter Arabien nur fernen; >$egia$ (bab ßeinige) red)nen fie tbeitb juÜgppten, tbeitb ju ©prien, unb bab übrige Sanb beißt 6ei t^nen bie fprifefe SBüße. ©ie Sürßen (Sobbai) biefer ßänbet waten Bor 2flterb fämmtticb aub bem ©tamme Äabtan, aub welchem bab ©efdjtedjt ber ^omepriten 2000 Sabre lang Aber fernen berrfebte. ©ie 2frabet 2)emenb unb eineb Sfjeilb beb wufien Jfrabienb lebten in ©tobten unb trieben ?(renb weldjer baö mittlere ^>och= ianb (Ütebfdp) ber Schauplag jener ritterlichen, »on arabifchen Sichtern vielfach befungenen gelben war, bis ein begeiferter Mann ihnen burd) Mitteilung feines geuetetferS Einheit unb burd) bie ©nf)eit Stärfe gab. SaS dfpipenthum fanb früh öiele Anhänger; eS gab felbp mehre S5ifd)6fe, bie ben Metropoliten zu SSoSro (in ipaläpina an bet arabifchen ©tenze) anerfannten. Soch fonnte bec uralte Sternenbienp nicht ganz vertrieben werben. Sene SBibetfeglicfp eit ber Araber ge= gen ben römifchen SeSpotiSmuS 50 g eine Menge ber im otthobopen Sprache Ms folgten Äeger zu ihnen, befonberS bie Monopfpftten unb bie im ganzen Sriettfe ' verbreiteten jfteportanet, unb bie ©laubenSfchwätmetei biefer SSertriebenen gab jenen SEBibetptebungen neues geuer. Äudß bie Suben waren feit bec ßerpotung SerufalemS in Arabien fehr zahlreich unb machten fogar, »orjüglid) in fernen, fProfelpten. Sec legte .König bec .fwmeptiten (fjamjariten) war jitbifchen ©lau= benS, unb feine SSetfolgungen ber dlp(P cn jogen ihm (502) ben .Krieg mit bem .Könige »on Äthiopien ju, bec ihm SElpon unb fieben fopete. Sn ber ©leicßgültig: feit, bie fo große 33erfchiebenf)eit ber Seften bei SSielen erregte, liegt bie ^aupt-- utfadp »on bem fdjnellen ©elingen beS Unternehmens Mohammeb’S, einen neuen ©lauben aufzupellen. Mit ißm, ber bie Araber ju weltfpporifcher Söidpigfeit erhob, beginnt ein neuer Äbfdpiitt in bet ©efdpdpe biefeS SBolfS. (S. Mauten unb Ähalif, Ähalifat.) Ärabter, eine aus cfpiplidpn Selpettt in Ärabien in ber erpen Hälfte beS 3. Saht- entpanbene Sefte, weldp bie Meinung aufbrachte, baß bie menfcßlidjc Seele mit bem .Körper zugleich perbe, »etwefe‘unb wieber)auferpehe. SrigeneS wiberlegte unb befebrte fie 246. 3b r Saturn rührte »on ber bamalS herrfchenben ©ewol)nheit her, ftch b’ e Seele als eine fötperliche Subpanj jit benfen. 31 Ärabifdhe Sitevatur unb Sprache. Über bie erpe (Sulfur unb Literatur biefeS ßanbeS haben wir nur einzelne Ängaben. Saß in Ärabien fttif)jet-' tig fPoefie geblüht habe, läßt ftch fdßon aus ben 9?atutanlagen feiner SSetvoftnec fd)tießen, bie man als muthig, tapfer, ju Äbenteuern geneigt, polz unb für beit 9fuhm empfänglid; fennt. Sie in ben fruchtreichen, patabieft'fdpn ©egenbenbeS glüdflidfjen ÄrabienS unter ihren ScheifS umherpehenben 5Pomaben hatten 211W, maSbieOlaturpoeftebegünpigt, lebhafte Gfmpftnbung unb warme ^hautafie. PBare eS außer allem 3weifel, baßbaS ©ebidp „$iob" wirflid) atabifchenUrfprungS fei, fo bewtefe bieS nicht bloß, baß auch bas peträifche Äcabien feine Siebter gehabt habe, fonbern wir fönnten auch ben (Shatafter biefer ipoefte barauS fennen lernen. 9Bit ft'nben barin erhabene SSilber, fühne Metaphern, ©teichniffe unb 9 fatucfd)ilbe= rungen, untermifcht mit räthfelhaften Sprüchen, für beren ÜBotliebe bei beitÄnu bern auch bie Königin » 01 t Saba zeugt. SaS Älterthum ber Ärabern ließe ftch ebenfalls aus f)iob erweifen, welches ©ebidp zugleid) auf natun wiffenfdjaftlidße unb apronomifdp .Kenntniffe fchließen läßt, bie jeboch nur bürftig ffnb. 5Benn übrigens bie Äraber felbp fagen, bis zur Änfunft Mohammeb’S (622 nad) (Slp-) habe ihre Seit bet Unwiffcnfjeit gebauert, fo ip bieS nur »on bem 501®’ gef an eigentlicher ©elehrfamfeit ju »erpehen, benn ohne ©eip war biefe Ration 373 2Crabifdjc fiftetafur unb ©ptacfye öud) »otf)er nid)t. Sefonbetg geirf>netc fte ffd> fcfjon »ot SNohammeb butd) ihre ^)oefie auf eine gldnjenbe SBeife aug. 2(uf ber 5Ö?effe ju SNeffia, unb im 5. Spt'h- nad) ©hr. juSfabh, mürben poetifd)e SBettbdmpfe gehalten, unb bie ©ebidpe, betten ber §)cei6 juerfannt mar, mit golbenen Sud)paben auf Spffug getrieben (NJobababÜith, »ergolbete), unb in bet Äaaba ju SPeffa aufgepangt (PPoallaKtlp aufgefjängte). Sie Sammlung ber PPoallafath enthalt 7 ©ebidpe »on 7 Sp= tern: 2fmraUeig, Sbarafaf), Sofpit, Sebib, 2fntf)ara, 2(mtu ben Äalthun unb .ffateth. SEiefe ©mpftnbung, hoher Schmung ber ©inbilbunggfraft, Neictp tl)um an Silbern unb Sprüdpn, Nationalpolj unb greiheitggeip, ©lut in Nad;e unb Siebe jeidjnen fte aug. („Sie hellptahlenben q)tejaben am arabifcfjen poetifdjen •ftimmel", überf., erläutert unb mit einer ©inleit. »on 2f. 6t). .pattmann, 5Pün= per 1802.) €07it PPohammeb eropete ftp bie gldnjenbfle Seit ber Araber, unb halb barauf auch per Literatur. 2f(g tton ©ott gefanbtcn Propheten ffinbigte er ftp feinen Sanbgleuten an unb legte ©laubeng = unb Sebenglehren in bcm poetifdten $oran nieber. Son 2fbubefr, bem erpen ipalifen nach SPahommeb’g SEobe, mürbe biefe aug einem bogmatifchen unb einem praftifdjenSEljeile bepel)enbeSibelber2fra= bergefammelt unb »on Stljman, bem britten Äfjalifen, berichtigt unb bebanntge= macht. (S. Äoran.) ^tierburd)mürbe bieSdpiftfpradp, bie erfte literarifcf>e9?icf>= tuttg unb ber neue Nationaldprafter ber Araber bepimmt. Sn ihrer glücklichen Sage jroifdpn 2 Pßelttheilen fdpenen bie Araber jmar fehr geeignet für ben .ftans bei, meniger aber für ©toberung, jumal ba im muffen unb peinigen Steile nur umherjiehenbe korben mechfelgmeife »on Zauberei unb Siehjudp lebten. Sem SPohammeb aber mar eg gelungen, ftp ganjArabien juuntermerfcn, ihm eine religiog=mititairifche Serfaffung ju geben unb ben ©eip ber SEapferbeit, ber langp ben Arabern einmohnte, burp einen fchmdtmetifdpn ©ifet für Neligion nod) mehr ju befeuern. 2flg er ohne männliche Nadpommen gepotben mar (632), mdl)l= ten feine Uhn^änget einen Ähalifen, b. h- Nachfolger, unter meldpm ber ©eip ber ©robcrung ftd> ber 2fr ab et ju bemächtigen anftng. Sßie ein reifenber Strom »er= breiteten fte ftd) fdpnetl, unb fdpn 80 Sahte nach SPohammeb’g SEobe erpreßte ftd) bag Neid) ber Tfraber »on 2fgppten big Snbien, »on Siffabon big Samarfanb. PBdhrcnb biefeg Seitraumg befeelte fte nur briegerifdp Sd;mdrmerei, unter beten -fjerrphaft bie jarten Slütfjen beg ©eipeg niemalg geheimen. Sie Seit unb berUm= gang mit gebildeten Nationen »erbrdngten allmdlig biefen hohen Sinn: mit ber Ne; gierung ber Ähaften unb Äunpe. 2fm glattjenben p)ofe 2fl PPanfut’g ju Sagbab fanben fte juerp Unterpüftung; böatun 2fl Nafcfpb aber mar eg (786— 808), ber feinen Sanbgleuten bauernbe Siebe ju ihnen einflopte. ©r rief ©eiehrte aug allen Säubern in fein Nep, bie er furplich belohnte, lief bie PBerfe ber »orjüg^ Ippen gtied). Spiftpeller ing 2ftabifche ftberfe|en unb biefe Überfe|ungen burch »iele2fbfchriften »erbreiten. 2(l5Pamun, ber furj nach ihm regierte, bot bemgried). Äaifer 100 ©tnr. ©olb unb einen bepdnbigen gtieben an, menn er ihm ben Pflo- fophen Seo nur auf einige Seit ju feinem Unterricht überlaffen mollte. Unter feiner Negierung mürben treffliche Sdjulen ju Sagbab, Saffora, Sochara, Äufa (f. 9Po= tenebbi), unb grofe Sibliothefen ju 2C(epanbtia, Sagbab unb Äaf)ira angelegt. Ser Äljalif SPotafem (patb 841) mirbte in gleichem Sinne unb ©eip, unb mit bet Spttapie ber 2fbbaffiben in Sagbab metteiferte bie Spnapie ber Smmajaben in Spanien. PBag Sagbab für 2(fien, mar bie hohe Schule ju ©orbuba für ©uropa, mo überhaupt im lO-Saph- bie 2fraber bie Stühe ber Siteratur mürben. 3u einer Seit, mo gelehrte Äenntnipe fap nirgenbg eine bleibenbe Statte unb ©rmunterung fanben, maren eg bie2fraber, bie ftd) mit2fuffammlung betfelben befchaftigten, unb fte in 3 SBelttheilen »erbreiteten. Salb nach 900 reipe man aug granfreid) unb anbern europaipen Sdnbern ju ben 2frabern nach Spanien, um unter ihnen 374 2frabifd)e ßiteuatuc unb ©ptad)e ^a«ptfdcf)[icf) SJlatpematiE unb SKebicin gu ftubiren. 2fupet dotbuba patten bie Araber in Spanien 14 2ffabemien errieptet, opne bie popern unb bie diementat* fcpulen. Sie patten bafcibft 5 offentlicpe ffiibtiotpefen, unb daftri nennt 17 2lta= bet in Spanien, bie geleptte Keifen unternommen paben. So fcpnelle gottfcpcitte patte biefe, not faum anbertpatb Sfaptpunberten auf ben Äoran, auf fPoefte unb 33erebtfambeit eingefeprdnfte Kation gemad)t, feitbem fte mit bet 2Biffenfd)aft bet ©riecpen fiep befreunbet patte. Sit bet ©eograppie, ©efepiepte, ippilofoppie, %t-, bicin, fPppftT, fKatpematif, namentiiep in bet 2fritpmeti6, ©eometrie unb 2fftrono< mie pat ipr gteip fepr glüeflid; unb nüglicp gewirft, unb noep geugt mand)eS avabb fepe Äunjlmort, g. 85. 3(Imanacp, Algebra, 2flfopol, Wgimutp, 3enitp, Kabit u. a. m., ja felbft bie 3aplgeid)en, beten mit uns bebienen, unb bie man für ipre drftnbung pdlt, »on iptem dinfluß auf bie titerarifepe SSilbung duropaS. — 3m €0?ittelalter »erbanft bie dtbfunbe ben Arabern baS SKeifte. fßotgüglidp erweiterten fte in 3ffdfa unb Elften bie ©rengen bet t>on ipnen bekannten 2Belt. 2m bet nörb* liepen $dlfte »on 2ffrifa brangen fte bis an ben Kiget »or, unb famen weftlid) bis an ben Senegal, bftlid) bis gum dap dorrienteS. S(pon im Anfang iptet drobe* rungen muffen, auf SSefepl bet Äpalifen, bie auSgefanbten gelbpetren bie begwitn* genen Sänber geograppifcp »ctgeid)nen. TfftenS Sänber, föölferfcpaften unb ©gen: tpümlid)feiten waten ipnen gtoptentpeilS begannt; fte erweiterten bie Äenntnip #on iptem föaterlanbe Krähten, non Serien unb fPetften, unb »erfepafften menigffenS einige Kufflatung über bie grope Satatei, baS füblicpe Kuplanb, dpina unb $iii= boflan. KlS geograppifdje Scpriftfleller geiepneten fid) auS: Kl fKarun, Ülbu Sfcpab, Spetif dbrift, Kafftr dbbin, dbn^aufal (feprieb gwifepen 15 unb 21 n. dpt.), Kbulfeba, Utugp S5egp Kbbollatif, unb SßieleS, was bie berühmte* ften unter ipnen, Kbulfeba unb dbrift, beriepten, ifhtoep jept brauepbat unb in piftorifcp = geograppifeper egjinficpt wieptig. — 3apUeidr waten feit bem 8. 5«M. auep bie ©efepieptfepreibet bet Araber, bie jebod) noep lange niept pinldnglid) geprüft unb benupt worben ftnb. SSielleicpt fi'nbet SQSilfen halb mepre Kacpfolger. Set ei* tejfe uns bekannte ©efcpid)tfcpreiber ifi ^teSpam Sbn SJfupameb Sbn Scponiii Ktbpefebi »on 818. Kujjetbem »erbienen S5emetbung: Kbu 2(bba(lap SKopammcb Sbn Kcpmeb, Kbttlppatabfcp, ©eotg Klmafin, Kbulfeba, SSerfaffet einer (tilge« meinen 5Beltgefd)id;te bis auf 1315, SKaftigi, Krabfepap tt. K. Sn ben fpatern piflotifcpen fSBerfen perrfd;t mepr Äalte, Küpe unb dinfaeppeit. — 25ie ^pilo* foppte bet Araber war gtied)ifd)en UrfprungS unb ging pauptfäcplicp »on 2ftifio= teleS aus, bet burd) fte aud; in Spanien unb «on ba im gangen wefflidjen durop« befannt würbe; benn aus bem Krabifcpen überfepte man ipn inS2ateinifd)e. Söiait fann befpalb ben Urfprung bet fcpolajiifcpen fppitofoppie »on ben Krabetn ableiten. Kuf Sialefti! unb SKetapppftf wenbeten fte »orjüglidte 2fufmerffamfeit. fßon ii)> ren ppilofoppifepen Scptiftffellecn ftnb gu bemetfen: 2flfatabi, bet übet bie ^rin* cipien feprieb (954); 2f»icenna (fl. 1036), beraubet anbern ppilofoppifepen@d)# ten, einer £ogib, ^)ppftf unb fKetapppftl, einen dommentar ju beS 2frifioteW SBerfen »etfapte; Sbn SSajap geid;net fiep als Selbftbenfer aus; Xlgaget fdptieb eine Kiebetreifiung aller ppilofoppifepen Spffeme, wogegen ^»appalatp |)apappfl ! lap eine SBertpeibigung petauSgab. >^od)gefcpdpt war »on 2f»etroeS befonbetS bet dommentar übet 2frifioteleS; S5ead;tung »etbient aber auep feine ^atapprafe bet Kepublif ^)laton’S, we(d;et fonft ben Iftabetn wenig befannt gewefen ;u feinfepeint. S3iele berüpmte^pilofoppen waten gugleicp jfrgte, benn »on bet^pilofoppie trennte man bie pppftfalifepen SBiffenfcpaften niept, ju benen aud) bie SKebiein gepotte. Unleugbar paben bie Araber in biefen SBiffenfepaften, ndcpfi bet dtbfunbe, baS SSebeutenbfle geleijlet. 3« 2)fcponbifabur, 23agbab, Sfpapan, girugabab, S5of j fpata, Äufa, S3affora, 2(lepanbtia unb dorbuba würben »om 8. bis gum lt Sftptp. mebieinifepe Sepranftalten errieptet, unb bei bem eifrigen ©tubium, bn* 375 2frabifc£)c ßiteratur tmb «Sprache man biefem gweige bet PBiffenfdjaften wibmete, fonnte eS nicf>t fet>ren, ba£ matt nicpt, obfcpon man im 2Befentlid;en fiep aucp tjier an bie ©rieten bebeutenbe goctfcpritte hätte machen follen. Die Anatomie gewann bucd; fte glicht«, weit bec Äotan 3erglieberuttgen unterfagte, beffo mehc bie SEpetapie; benn fie befafen »ie(= umfaffenbe Äenntniffe in bec Pfrjneimittellcpre, pubirten eifrig bie S3otanif unb fonnen alS ©tftnber bec Gpemie betrachtet werben, wenigPenS paben fte niete ©nt= beefungen barin gemacht, unb Dfcpeber wirb für ben ©tftnber einer Uni»etfa(mebi= ein gehalten. Plucp in ber OPofologie blieben fie nid)t jttrücf unb lehrten mandje Äranfpeit jwecfmäfig behanbetn. 3u ihren berühmten mebicinifcpen Scpriftpellern gehören: Pfparum, ber }unäd)p bie Pocfen befdjrieb, Sapiap Sbn Serapion, 3a= fob Sbn Sfpaf Tftfenbi, SopanneS 3BeS»e, StpajeS, Pflmanfor, 2fti 3bn PlbbaS, 2f»icenna, ber Herausgeber beS ÄanonS ber ©Pebicin, bec lange geit als baS ein» jigeHauptbuch galt, Sfpaf benSoleiman, PlbulfafiS, PfbenBopar, PfberroeS, bec SSerfaffec eines biateftifchen SppemS ber ganzen PPebicin. PZatt fann nid;t in Plbrebe fein, bajt ben Arabern baS SOecbienfl gebührt, auch bie wipenfcpaftlicpe SOiebicin im PZittelalter erhalten unb baS Stubium berfelbett in ©utopa roieber belebt ju paben. PBenn bie pptptf ben Arabern weniger gewann, fo liegt bie Urfache in ber Pitt ber Sepanblung. Um bie Pfripotelifcpen Ptincipien mit ber 83er* pangniflepte beS loran leistet oercinigen ju fonnen, bearbeitete man bie Pppft'f metapppfifd). — Depo mehr leipeten fie in ber PPatpematif, welche »on ihnen bereichert, »ereinfaept unb weitet oerbreitet würbe. 3n ber Plritpmetif führten fte ben ©ebrauep ber 3iffern unb baS Jpinaufpeigen in jepnfaepet Proportion ein, in ber SErigonometrie bie Sinus patt ber ©porben; fte »ereinfadpen bie trigonometri» fdjen Dperationen bec ©tieepen unb erweiterten bie gemetnnüpigete Pfnwenbung ber Ptlgebra. SJiopammeb ben Phtfa unb SEpebit ben Äotrap erwarben fiep barum befonbere üöetbtenpe; Pllpajen fchrieb über bie Dptif; SPafffrebbin überfepte bie ©lemente beS ©uflibeS; Dfcpeber ben 2ffTa lieferte einen ©ommentar über beS pto» lemäuS SEcigonometrie. 33orjüglicp würbe bie Pfpronomie cultioirt, für welche $u 83agbab unb ©otbuba berühmte Sdpulen unb Sternwarten ercidjtet waren. Schon 812 patten Pllpasen unb SecgiuS beS ptolemauS „Pflmagep", bPfeS erpe »ollpän» bige Seprgebaube ber Pfpronomie, ins Pltabifcpe überfept, woraus Pllfatgani 833, unb fpäter Pl»ettoeS PfuSjüge lieferten; Tflbaten beobachtete im 10. Saptp. bie 33e» wegung bet Sonnenerbferne; Pfopammeb ben Dfcpeber Pllbateni beobadjtete bie Schiefe ber ©fliptif unb »eroollfommnete bfc SEpeorie bec Sonne; Pflmanfor lieferte aprottomifdje SEafeln, worin SSeobacptungen über bie Schiefe ber ©fliptif »orfom= men; PllpetragiuS feprieb eine SEpeorie ber Planeten. Die ©eograppie würbe mit SPatpematif unb Pfpronomie in SPerbinbung gebracht unb fppematifcp bearbeitet, befonberS »on Pfbulfeba. ©igentpümlicp ftnb ben Arabern bie ©intpeilung ber ©rbe in 7 Älimate, »iele geograppifd)e SPafie u. bgl. — 33ei allen biefen gortfeprit» ten in ben prengern Pöiffenfdjaften würbe ber ©eip ber Pfrabcc nicht uttempfang» licp für bie Poefie. Pfbu SEemarn fammelte 830 bie größere eftamafap, eine Pfntpo» logie in 10 SSücp., unb 33ocpteri 880 bie fleinere tfpamafap, als OPacptrag jur gröpern. £ietpet gepören aucp bie 7 PreiSgebicpte SPoallef üt. Snbef würbe weiter» ptn bie pöpere orientalifdfje ©igentpümlicpfeit bec arabifepen Poefte immer feltener, ber 5Eon mppifdi=ppperbolifcper, bie Sprad)e minber rein. 3CuSäeicpnung »erbie= nett: PZotenebbi burep feine fanften ©legien in einer clafftfdten Spracpe (f. „Pto= ben ber arab. Dicptfunp »on PJeiSfe", Spj. 1765, unb „PZotenebbi jum erpen PZale ganj überf. »on Sof.». Jammer", Pßien 1823); 2fbu Ssmael Sograi, Sße= per ju S5agbab, butep feine ©legien unb Sieber (f. „OP. beutfeper PPerfur“, 1800, ©t. 1, S. 8); StpielHrtririburcp feine ©efepiepte eines faprenben DvitterS, ,,5DPa» famat" betitelt, in 50 Pfbfcpnitten (f.PPofenmüller, „Über einen arab. PPoman beS •&aciri", Spj. 1801, überf. 1826 »on SRfitfett); Pfbu Dfcpaafar Sbn SEoppail 376 2fmbifcf)eö SReer 2Cracf)noIogie bitfd) f. infcreffontcit ptjitofop^ifdfjcn 3?oman, „Set fftaturmenfch" («6ecf. üoit (5icf;= hont, SScrL 1783). 2fbmai’6 gropet >£>etbenroman: „2lntar’g Seben" (f. 21 n tat), in 35 Sf)ln., wirb nod; big auf beit heutigen Sag in ben ©affeef)dufern ju 3£(eppo ftücfmeife votgelefen. Sie bramatifche auggenommen, ft'nbet man feine ©attung ber fPoeft'e, in welcher bie Araber ffcfj nicht verfudjt hatten; bie Stomanse, ein fe jcugnif beg abenteuerlichen SJittcrgeijfeg bet 4 Nation, mar ihre ©rftnbung. Rcitt Sweifel, bap ft'e baburd) and; auf bie neueutopaifche $Poefte mächtig eingemirft haben; beim von Sem, mag bie ^oefte beg 9J?ittelalterg gut romantifd)en fPoefie machte, gehört ben Arabern fein geringer Sheil. Ser abenteuerliche SJittergcift, bie SDMrdjen mit ihren geen unb Sauberem, ttnb vielleicht aud) bec Steint, ftttb von ben Arabern in unfere abenbldnbifdje fPoefte ubergegangen. @o hat biefe Nation in ber fPeriobe beg SSlittelalterg auf vielfad)e SBeife wohltätig für SSitbung unb Literatur ©uropag gewieft unb viele bleibenbe ©puren ihrer vorübergegangenen $crrfd)aft htnterlaffen. 5S3ie tvichtig baburd) auch i£)te Sprache für ben gelehrten gorfdjer geivorben fei, fpringtvon felbft in bie 2fugcn. 2ßer einen tiefem SSlid in bie ©efd>id>te ber SBiffenfchaften unb 5Dfenfd;h«t tfjun will, fann bicfer Sprache nid;t entbehren. @ie gehört gu ben fogenannten femitifchen SBtunbarten, unter benen ft'e fiel) bucch 2fttcrthum, Sveidt)tf)um unb ©efchmeibigfeit auSjeichnet. Surtf) ben Roran warb fte alg SSücherfprache feftgeftellt, unb furj nach SJlohammeb, weit mel;r aber feit bem 10. Sa^rf)., gab eg unter ben Arabern ©djriftfteller, weltfie bie ©ruttbfdfse ber ©pradje beftimmten, ihre Schönheiten unterfuchtcn unb ihren Sfeichthum in Söorterbücher jufammentrugen. Surd) ben Übergang ber Tftaber nad) ©icilien unb Spanien warb bie arabtfdje ©prad)ein ©uropa befannt. tln= geachtet ft'e aber manche ©puren ifweg 2Cnbenfeng in ben Sprachen jener Sdnbet hinterlaffen f>at, fo ging bod) ihre Renntnip nad) ißertreibung ber SKaurett ben ©utopdern meift verloren. $oftel tveefte bag gelehrte ©titbium berfelben wieberiit gtanfreid), ©pep in Seutfd)lanb. 3m 17. 3al)th. blühte baffelbe in ben Sieben lanben unb würbe feitbem in Seutfdjlanb, <£>ollanb ttnb ©nglanb mit gtopem (Sb fergetrieben. 33on ©rpen,9Jtitf)aelig, Sticharbfon, Sahn, Stofenmüller, be@aci) haben wir fd)dfsengwetthe ©prad)lehten; von ©rpen, ©oliug, ©tggeji, ©ajlell, 55teningfi, SBilmet, ©efeib gute 3Borterbüd)er; von Steigfe, >£>irt, Stofemnub ler, 3«h n / beSacp, ©avarp u. 2f. ©hreflomatf)ien erhalten. .Rieften, Schub teng, goneg, ©ichhorn, Spchfen, ©chnurcer, >f?affe, Äofegarten, -fpejel, SSBahh S)attlug, Stofenmüller, ffiater, 2Cuguftt u. 21. haben (ich burd) gropete 83erbtei= tung, gorfchung unb 2fuglegung bebeutenbe SSerbienfie erworben; ©tunet unb Sprengel haben gegeigt, wie wichtig ihre Renntnip ben 'Ürjten fei. ©nblich vetbie* nen bie Überrejie ber arabifdjen SSaufunft in ©panien unb 2fftifa bie 2fufmetffcim: feit beg Steifenbcn. Sen ©tpl berfelben jtubirte ber franj. 2(td)iteft fP. (Softe 1818 fg. vorjüglid) in Rahira unb in 2Clcpanbtien. Saraug entftanb fein SEBetf: „Architecture arabe, ou monumens du Caire, dessines et mesures" (mit 74 Rpfttt., gol., SPatig 1823). 2frabtfdt)cg SOteev, ein Sheil beg ßftlidjenSceang an ben ©übfüftett Ttrabieng. — 2(rabifd)er Slfeerbufen, f. Stotfjeg SSteer. 2fvachne, Sochter beg sputputfdtbetg gbmon $u Rolophon in gonien, hatte von SPatlag bie Runfi beg SBebeng gelernt unb unterfing fid) ihrer Sehrerin felbft einen SBettftreit angubieten. Umfonft warnte bie ©ottin fte vorher in ©eftalt einer alten grau. Ser SBettficeit begann, unb 21. fertigte ein fttnfireid;eg ©etvebe, bag bie 2iebeggefd)id)ten ber Slpmpier barftetlte. spallag, barübec erjürnt, jerrip bag ©ewebe unb fdjlug ihr bag Schiff um ben Ropf, 21. aber erhing ftch üt jweiflung. Sie ©ottin gab ihr jwat bag Seben, verwanbelte ft'e aber in eine ©pinne. 2frachnologie ober 2franeologie, bie Runft, aug ben 85eweg«n* gen unb 2frbeiten ber ©pinnen auf bie jßeranbetung bet SEBitterung ju fd)ltepen. 377 3frago 2£cafatfd)a 5Binfc baoon ftnbett ftd) fcbott bet i^)linitt8 (H. N. lib. XI, sect. 28); auch wirb baoon in einer 1588 ju ©orlilj etfcbienenen „©migmdbtenben practica" gebcmbelt. Sn neuerer Seit t>at Guatremere=Sigjonoal, eijemat. fOTitglieb ber 2Cfab. ber ©if= fenfdj. 5 « fPatig, mdbrenb einer Smonatl. ©efangenfcbaft, in ber einige ©pin= nen feine einjige ©efellfd)aft rnaren, niete «Beobachtungen über fte ungeteilt, unb 1797 su fPatiS feine ©ntbccfung beö beftdnbigen SSertjättniffe« befanntgemad)t, ba8 sroifdjen bem ©rfdjcinen ober Sßerfd)trinbcn, ber Arbeit ober Siutje, bem mehren ober minbern Umfang ber ©cmebe unb 2(nt)ängefdben ber ©pinnen »erfdjiebener 2lrten unb ben atmofpbarifcben «öeränberungen non fcbonem ©etter auf Stegen, non ber Srocfenbeit jut fltaffe, oorjüglid) aber non ber #ifcc sur Ädlte unb nom größte jum Sbciumetter fiattftnbet. 2ftago (Dominique granpoig), geb. su ©flaget bet fPerpignan ben 28. gebt. 1786, mar fd)on 1804 Setjrer in ber polptecbnifcben @d)u(e. 1805 mürbe et ©e= cretair beg Bureau des Iongitudes. 5Jiit SSiot unb ben fpanifcben GEommtjfarien ©baip unb Stobrigueg feßte er, nad)bem Selambte unb Sßtecbain ben 50?eribianbo= gen §mifd>en Sttnfird)en unb ^Barcelona aufgenommen hotten, biefe ©effung big Sur Snfet gormentera fort. 2flg barnalg ein franjof. £eet in ©panien einrücfte, mürbe 2f. non fpanifcben 93ef)6rben nerbaftet unb btieb mebre ©onate in Stofas. 2flg et non hier jut ©ee nach granfreid) jutücff ehren mollte, brachte ibn ein |?cei= beuter nad) Tilgtet. 1809 nerfcbaffte ibm ber bortige franjof. donful bie greibeit mieber. ©t batte bag ©lücf gehabt, feine Snffrumente unb alle berechnete Sbfer= nationen su retten, ßefctete mad)en eine gortfcfmng ber früher non bem Snjfitut berauggeg. „Base du Systeme metriquc" aug U. b. Sit. „Recueil d’observations geodesiques, astr. etphys., executees par ordre du Bureau des Iongitudes en Espagne pour determiner la Variation de la pesanteur et des degres ter- restres sur le prolongcment du meridien de Paris; red. p. BiotctArago" (4.). — 21. trat an Salanbe’g ©telte in bag «Rationalinjtitut unb 1816 in bie 3. ©ect. bet f. Tlfabemie ber ©iffenfd). ©egenmdrtig befd;üftigt er ftd) mehr mit ber ^bbftf, befonberS mit Unterfudjungen über bie Sbeorie beS £id)tg u. mit bem ©aloanigmug. Tlrctgon, bieÄrone, machtefonftbenjmeitenc^auptbeftanbtbeit©panieng aug unb mar aug ben .Königreichen Tftagon, SSatenciaunb ©attorca, fomiebem gürflentbume ©ataluna jufammengefefjt. SSiö jut SSetmäblung getbinanb beS ÄatboUfdben mit ber caftilianifcben ©rbin Sfabella machte Tftagon ein non ©ajtilia ganj getrennteg Sleid; aug, bag bamalg nicht bloß jene 4 fProninjen, fonbern auch alg Sfebenlanber beibe ©icilien unb ©arbinien umfaßte. 9Iacb gerbinanbg Sobe, 1516, matb eg auf immer mit ©aftilia oereinigt, bie aragonifdben ^roninjen be= bieften aber ihre alten Sßorrecfjto, grcibeiten unb ©efepe, bie fte etfi unter ben S3outbonen, ba fte bet ©elegenbeit beg ©rbfotgefriegeg ftcf> jtt fefi an bie offreicbi= fcbe ©ad;e gefettet batten, faft gdnjlicb oerloren. Sie jefeige $)rooinj Tfragon führt noch ben Sütel eineg jtonigrcid)g. 2fr«S ober 9t af, ein fiatfet SSrannttoein aug 9teig, Sucfetrobt ober bem ©afte ber Äofogmtffe. Ser lefetere, meldet bet bejteiff, fommt aug Satania; anbrer aug @oa. Su ©oa gibt eg breierlei ©orten, nämlich einfache, hoppelte unb 3 ©al abgesogene. Ser hoppelte mirb am meiften gefudjt, obmol et nid;t fo fiarf mie ber batanifdje iff. 2fvafatfcba, eine «Pflanje, beten SSaterlanb bie 2fnbenf ette (bie ©orbitle= ren) ijt, unb bie juetfl in ©anta = ge be SSogota (fjfeugtanaba im fpanifcben ©übamerifa) entbccft mürbe, ©ie ijt nabrbnfter unb nernielfdltigt ftcb f^neller alg bie Kartoffel (Solanum tuberosum), bie befanntlid) in betreiben ©egenb, in ben ©albern bei ©anta=ge be Sogota, in $eru unb ©büe milb mdd)fi. 2fn ®efd)macf uttb gefiigfeit gleicht bie 2frafatfd)a ber fpanifdjen ©allnufj. Ser SSoben erfobert feinen großem ©rab non ©arme unb fftdffe, alg ©utopa barbietet; baber fie in 378 2Cral 2Cranjuej Seutfdjlanb jucrfl in Samberg ober fffiürjburg mit ©rfolg angebaut worben i(f, 5m 19. ©t. beS „Quart, journ. of Science, literat. and thc arts" (ßctbr, 1820) tßeilt Sambert -®le l>re6 übet bic Tfrafatfdja (Heracleum tuberosuni Molinae) «nb übet ibjrcrt 2fnbau in ©nglanb mit. Stterfmürbig ifl, wa« 5«iTie« ©rep Saß fon im 20. ©t. be« „Quart, journ. of Science etc." nnfüi)tt, baß biefe fPflanje auch im ©ebiet »on 9iieber=©ufe, auf ber ©übfeite be« 2ftla«, mach fl, unbtxiit ben 2ftabern 2ftafatfd)an ober 2ltfd)u (b. i. bie butftige SSBurjel) genannt wirb. 3Bi e bat fte ihren SBeg nach 2fmetifa gefunben unb fjier ihren uefprünglicßen 92amtn behalten? Sefaßen bie altem 2ftabet mebt Äenntniffe »on bet Seefahrt, alb men gemeiniglich glaubt? Sber follen mir bie Meinung «on einem öetfunfenenSefllanbe (Atlantis) annehmen, ba« «or feinem Untergang eine Serbinbung jmifdjen 2lftifri unb ©übamerifa »ermittelte? 20. 2fr al, nach fl bem fa«pifd)en 507eere ber größte Sinnenfee 2(fien«, ben bie 2f tten nidjt gefannt haben, ©r liegt in ber ©teppe ber SSurfomanen, (5f>oroarebmier unb Äirgibfaifaden, unb ifl 1124 □ 9)1. groß. ©eine Sänge betragt 45, feine größte Sreite 30 Steilen, ©ein Sßaffcr ifl faljig, wie alle flef>enbe ©ewäffer ohne 2(u«flr6mung. ©r nimmt ben 2fmu (Dpu«) unb ©it (5aparte«) auf, unb enthält eine 9Jlenge »on ©toten, Raufen unb ©eebunben. 5Büfle ©anbfleppen umge= ben ihn, unb feine »erfanbeten Ufer ftnb ohne ^afen. Sie Scrbunflung, unb fein 2fbfluß, fd)eint ihm fein SBaffer ju entstehen, ©r liegt fehr niebrig unb ifl »on sie> len fleinern ©een unb ©ümpfen unb feinen Sergen umgeben. ‘äBat)tfcf)eiti(icf) hing er »orrnal« mit bem fa«pifd>en SSJleere jufammen, beffen oftlidfjeS Ufer »om weftlichen Ufer be« 2fral nur 20 beutfehe SOleilen niebrigen ©anb= unb ©umpfbo: ben« entfernt ifl. Seibe gegeneinanbergefehrte ©nben biefer 9J?eere ftnb fehr feitet. Ser 2fral ifl «oll Snfeln, bie ebenfo unbewohnt ftnb al« feine Ufer. 2fr anb a (Son fjJebto ^)ablo 2lbaraca be Solea, ©rafvon), au« einer auf: gejeidhneten Familie in 2fragonien, geb. 21. Sec. 1718, wibmete ftd) ben SBaffen, ba er aber iel «Seobad)tung«gei)l geigte, ernannte ihn jfatllll. ju feinem ®e: fanbten bei 2(ugufl III., .König «on *J)olen, welche ©teile er 7 5t>h r « lang befleibete. 9lad) feinet Slüdfehr warb et ©eneralflatthalter «on Valencia ; 1765 tief ihn bet .König in golge eine« ju SfJlabrib abgebrochenen 2fufflanbe« jurücf unb ernannte ihn gurrt fPräfibenten be« 91 atl;« «on Gaflilien. 2f. flellte nicht nur bie Srbnung wieber her, fonbetn bewirfte aud) bie Sertreibung ber Sefuiten au« bem König* reid)c. Sod; gelang e« bem ©influffe 9lom« unb ber fPriefler, ben König bahnen bringen, baß et 2f. «on fid) entfernte unb'.ihn al« ©efanbten nach granfreid) fehiefte. 5n fPati« «erlebte 2t. 9 5«h te / lehrte bann nach SBabrib al« ©taatbratl) jurücf unb lebte in einer 2frt Ungnabe, al« bie Königin, unjufrieben mit bem ®ra* fen glotiba Slanca, 1792 ihm beffen *pta(s ertheilen ließ, ©intge SOlonate fpoter würbe er, nicht ohne ben bitterflen ©pott be« ^ofe« unb ber 9lation, burd) Son Sflanuel ©obop (f. 2flcubia) erfe|t. 2f. blieb jwar SSorft^r be« ©taatgratff, ben er in SEfjätigfeit gefefct hatte, warb aber, al« er einfl feine 9Jleinung über ben Krieg gegen gtanfreich auögefprocßen hatte, nad) 2fragonien »erwiefen. >£)ier flatb er 1799, mit ^interlaffung einer jungen SBitme, ohne Kinber. SJlabrib »et* banftihm größtentheil« Sicherheit, Oieinlicßfeit unb bie 2lbflellung »ielcr 9ftißbräud)e, 2£ranjuej, Sillaunb f. Steftbenifchloß (©itio), mit q)rad)tgärten, fchönett Utmengängen unb einem 5agbpatf, in bec fpanifchen fPro»inj Solebo, in einem rei= jenben ©d)attentf)a(e be« Sajo, ber hier ben Sarama aufnimmt, 7 Segoa« (5 9Jiei= len) «on SOlabtib, wohin eine »on getbinanb VI. auf romifd)e 2frt gebaute Äunß= flraße führt, »on ber jebe 5Keile 3 SOftU. Olealen (etwa 190,000 SEhlt.) gefoflet h« s ben foll. Ser $of lebt hier gewöhnlid) »on S (lern bi« ©nbe 5mti, bann fleigt bie 23olf«menge «on 2600 bi« auf SOOO SDlenfdjen. ' ©djon Äarl I. (V.) beflimmte biefe« fdjone 5lh n ^ ä u 2fnlage eine« ©itio. ^>f)ilipp II. grünbete ©dfjlof unb m-dorncteu 3fratuS 379 ©arten, ©eine gtadjfotger, »orjüglicb getbinanb VI., ÄartIII. unb ÄartlV., »e-rfebonerten unb »ergrdperten e«. ©iefßitta ift in t)oUdnbifd}em ©efebmaef gebaut, bat breite unb gerabe ©trafen, bie rerfjftoinftig burd)fcbnitten finb. ©a« ©dtlop bat fd)dne SDtarmortreppen, beliebe ©pieget »on @. Stbefon«, reidje Äunftwerbe unb fowie bie Äircbe unb ba« Älofter niete gute ©emdlbe »on fpanifeben unb itatien. SKeijiem; fef)r reich ifl bie non Hart IV. mit groper «Prad)t angelegte Gafa bei 2a= brabor. ©ab non ben fpanifeben ©idjtern oft befangene 2 franfuej ift feiner @«r= ten, 20 leen unb SBafferbfmfte tnegen berühmt, ©ie ©arten bilben bie gorm eine« ©fern«, ©ie $auptatlee non Utmen ift 6 — 700 ©ebritt fang, 12 gup breit unb bat eine tebenbige Umjdunung. 2flle 70—80 ©dritte finb Siubeptabe in gorm eine« -öeragon mit ©pringbrunnen. Bwdtf Utmenwege flößen in einen runben, gtopen fPtafc jufammen. ©onfl tnaren auch bie bieffge fonigl. ©tuterei, bie SJlauU efet= unb Suffetjudjt, mehre Gultur*, £>bft= unb ©artenantagen in einem guten Buftanbe. Sn ber 9 iäbe ift e. ©uelle, au« ber man eine 2 frt ©tauberfatj gewinnt, ffiefanntifilfranjuejburd) bie Steootution nom 18. fOtdrj 1808. (©. © p a n i en.) ©. bie S5efcf)reib. biefe« ©itio, non^affe, im „Ätonoö" (Seipj. 1816). Aräometer, gr. ©id)tbeit«meffer (für glüfftgf eiten); eine ©enfwage, bp- broftatifebe 5Bageac., ein ©erzeug, mittetft beffen Ginfenfung in glüfftgfeiten, j. 35. fffiaffer, ©ole, SSier, 35ranntwein, man bie fSerbdltniffe ber ©idjtigfeit ober fpeciftfcben ©d)tnere berfetben unb baburd) ihre ©üte beftimmen bann, ©er gtied). fjfame 2frdometer bebeutet ein SJtap bet ©ünne. ©ie Ginrid)fung ber 2frdometer grünbet ftdf> auf fotgenbe ©äfje: 1 ) 2 öenn ein Krdometer non mwerdnbertem ©c= wicht in 2 flüfft'ge Materien eingefenft wirb, fo oerbatten ftd) bie ©iebten biefer SKaterien umgebebrt wie bie Sfaume, um welche ba« 2frdonteter ftd) in biefetben eingetaud)t bat; 2 ) wenn ein Ardometer in 2 flüfft'ge Materien bi« ju gleicher Säefe eingefenbt wirb, fo »erhalten ftd) bie ©id)ten berfetben wie bie ©ewid)te, bie man in beiben gatten bem Ifrdometer bat geben muffen, um e« gteid) tief einjufenfen. Sebet biefer beiben ©a£e gibt eine befonbere Ginrid;tung ber 2(rdometer; auf ben erflen ©ab gtünben ftd) bie 2(rdometer mit ©rabeintbeitungen, auf ben {Weiten ©ab bie 2frdometer mit ®ewid)ten. Sichtete »erbienen ben SSorjug. fügt. 2f. SSaumgartner’« „2(rdometrie, ober 2fnleit. jur Seftimm. b. fpec. ©ew. unb 5 . 33er« fert. genauer 2frdometer für <5f)ptrtifien u. Sechnotogen" (5Bien 1820). 2frarat, ©ebirge in Armenien, befonber« im ^Oafcbatif Grjerum. G« fieigt fafl ganj einzeln au« einer weiten ©bette empor, ob e§ gleich burd) niebrige SSotberge mit bem Saunt« in 33erbtnbung flefjt, unb fein mit ewigem ©djnee bebeefter ©i* pfet, ber bie gotm eine« in 2 ©pigen gefpattenen Butferbut« bat, bietet mit f. jer« rtffenen gelfenflüften unb Kbgrünben einen furchtbaren 2 fnblicf bar. ©eine bdehfee Äuppe (SKaji«) liegt in ber perftfd)en fProoinj Sran unb erbebt ftd) über 12,000 gup hoch, ©ie ift bie erbabenjte ber ganjen ©egenb, baber bie heilige SOtptbe auf berfetben bie 2ftd)e 9toab’8 ftd) tiieberfegen tdpt. 1829 bereifte *Parrot au« ©orpat nebft mehren ©tubirenben ben Tfrarat in naturwiffenfdjaftticber cfjinffcbt. 2fr atu«, gtieeb. ©iebter, geb. ju ©oti (fPompejopoli«) in Giticien, lebte um 270 ». ©bi'- «nb fianb in ©unft bei fPtolemdu« fPbtlabelpbu« unb in fleter greunb« fdjaft mit 2 fntigonu« ©onata«, bem ©ohne be« ©emetriu« fPoliorcete«. fffitr fen« nen ihn nur au« feinem ©ebid)te „Phaenomcna", worin er un« 2ftte«, wa« matt ba« mal« »om Stimmet unb beffen Reichen unb Grfd)einungen wupte unb bannte, in cot* recten unb eleganten fßerfen überliefert, wiewotman Urfacbe bat $u glauben, bap er fetbft nicht 2fftronom war. Sn welchem 2fnfeben biefe« SBerb bei ben Sitten fianb, erfenntmanbarau«, bap Gicero, Cdfar©ermanicu« unb 2f»ienu« e« überfeMen, unb ©ratofibene« u. a. grope 2fftronomen c« commentirten. ©ie beflen SfttSg. ftnb »on gelt (Drforb 1672) unb »on SSubte (Beip*. 1793 — 1801, 2 33be.), welchen ftd) bie neueffe »on fWattbid (gtanff. 1817, 8 .) anreibt, ©eütfd) »on S. £. 33op 380 Araufanen Arbeit ffjeibelb. 1824, mit griedj. SEcpt unb ©rlüut. —AratuSauS ©icpon, ©trat«; beS acbdifcben SunbeS, »on244— 213. A x a u f a n e n. Siefe fübametiEanifd)e Ration von 400,000 ©. im fub!. Steile »on dEf)ile (auf 4000 n]9R.) I;at bis jefet ihre UnabhangigEeit gegen bie ©panier behauptet. 3m 91. »on bem Stoffe S5io = SSio, gegen @. ». b. giuft ©allacallap, gegen £). ». b. AnbeS, gegen 2B. »om jtillen Scean begrengt, leben fte unter einer freien ariftoEratifd)en Stegierunggform, nad) einem gemeinfchaftlfe d)en ©efefc unb -fjerEommen. ©ie wohnen in Sotfern, treiben AcEcrbau unb Siel); gud)t. Seb AtauEanen wollene Stleibung ift ein rbemb unb ein bunfclblauer Sinn; i tel. Auch baS $EBeib bleibet ftch in ben SD2antel unb inbentief fjerabtjangenben SRotf. ©ine >£)ütte ijt beS freien SRanneS 2Bol)ttung. ©eine 9tal)rung ift fajt nur rege: tabilifd). $>olpgamie (jerrfebt hier, unb bodq ift bie ©otae beS SpouSwefenS in roeiblid^er ^>anb. Sie ©pradje ijt »erwanbt mit ber patagonifd)en. Sie gemei= r.cn Angelegenheiten beforgt einer »on ben 4 SEoqui’S (höherer ©tbabel). ©enieft tiefer aber nicht ber allgemeinen Setehtung, fo erfe(ien it>n bie Ulmenen ober bet ©rbabel »on ber unterfien ©(affe; benn »orgügliche Stenntnif? unb SEapferEeit muf bort ber Abel beft'hen, um geachtet gu fein. Ser Heerführer ernennt felbfi f. S3er= , treter, unb biefet ben feinigen. ©o ift jeber untere Stang »om obern abhängig, jeboch nicht »on ber ©entralgewalt. Sei ©efefcen unb Eriegetifchen S?perationöpln= nen hnt jebet AtauEane eine »otfchlagenbe ©timme; fte »erpflichtet jeboch bie soll: giehenbe ©ewalt nicht. SiS 1551 fochten bie Araufanett nur gu S«f unb lernten bamatS erft ben SGSerth ber EReiterei fdjäben. Seht h«&m fte viel EReiteret, unb bei 9Rätfd)en fifet ein Snfanterijt hinter bem EReiter auf bem EPferbe, um fdjnell »or* bringen gu Eonnen. 3n ©djlachten jteht bie EReiterei auf beiben Singeln. (Staat ber Singel befehligt ber gweite SSefef)l6t>aber, Sice = EEoqui. 3« ber SRitte jteijt bie 3nfanterie, 9Rann um ÜRann mit ber Steule ober Sange bewaffnet. Aud) wif fen fte Seuetgemeht gut gu brauchen. ©ie haben Sortruppen unb ein nid)t fogleid) ind ©efecht rücfenbeS EleinereS >£>eer. 9Rit ©ebrüll rueft bet Ataufaner gum Att= griff »or. 3« bem jefcigen Striege ber Snfurrection mit bet Partei beö SRutterfons beb befd)(op ber SEoqui ber Araufanen 9teutralität unb beobachtete fte ehrlich. — Araucana, ein epifcheS ®ebid)t beö ©rcilla (f. b.). A t b e 11, im eigentlidjen ©ittne bie w i 11E ü r l i d) e Anroenbung menfchlidjet Strafte, um baburcf) irgenb einen SwecE auSgufüf)ten. SEBenn man »on ber 2frheit ber ERatur unb ber Spiere rebet, fo wirb ber AuSbrucE uneigentlich gebraucht, ob« inbem man »orauSfefct, baf fowol bie ERatur als bie Shicre bei ihrer SEjatigEeit bie Ausführung gewiffer BmecEe beabfichtigen. Sei bem Segriffe Arbeit wirb to met »orauSgefefct, bajj bie SEhätigfeit SBillEür gut Utfadje habe. Sei bet met# lidjen Arbeit wirb baher jebeSmal angenommen, bajj irgenb eine SEriebfebet bie EEBilb für in Sewegung fege, um bie SEf)ätigEeit ber menfdi liefen Kräfte nach irgenb einem Segriffe gu mobifteiten. 3mmer ift babei eine Sorftellung als Urfad)e im <©picl. Ser allgemeine ©porn gut Arbeit beS fERenfdjen ijt bie Sorftellung-, bajj er ohne j biefelbe feine Sebürfniffe nicht jtillen Eann. Sie Arbeit ijt baher nichts AnbreS tili i bie Ausführung ber Segriffe, beten ©egenfidnbe bie menfehtidjen Sebürfniffe »«> j langen, ober bie ERealiftrung Seffen burch bie in ber ©ewalt bcS SRenfchen beftnb* : liehen Strafte, was ber Serjtanb ftd> als Sebürfnifmittel »orftellt. Sa mm ber SJtenfch fefjr mannigfaltige Sebürfniffe hat, unb biefe ftch mit ber jteigenben ßub tur unb AuSbilbung beS menfchlidjen @efd)lechtS »ermehren, gu jebem Singe redf)t imb langfam hetBOtbtingen fann. ©obalb fxdj aber 9Kef)re in bic nerfd)iebenartigen Arbeiten tf>eiten, ber ©ne bieg, ber 'ifnbre etwas 2fnbreS heroorbringt, fo bann ber ©ne oiel mehr Singe oon einerlei 2frt burd) feine Arbeit fjctöorbringen, als er jut SSeftiebigung feiner S3ebürfniffe nott>ig hat. gnbem SiefeS nun 2lUe tfjun, be= hält gebet Bon ben fprobucten feiner Arbeit übrig, unb inbem fobann ©ner feinen Überfluf ben 3fnbetn gegen ibjren Überfluß übertdft, wirb eS möglich, baf gebet unenblid) Biete Singe geniefen ober unenblid) mannigfaltige 33ebürfniffe füllen bann, beren ©egenjlönbe er nicht felbjl gemacht, fonbern für ben Überfluß ber S>robucte feiner Arbeit oon 3fnbetn eingetaufd)t hat. Arbeit ift bafjcr baS gtofe bittet, wo* butd) alte S3ebütfnifmittet, wie weit fte bie 9latur nidjt ohne Arbeit liefert, hernor* gebracht werben. 5ö3aS aber bie Natur freiwillig hetoorbringt, bann fetten fowie fte es gibt genoffen werben; baS Sfßeifle banon bebarf noch irgenb einer unb oft Bie= terlei Arbeit, ehe es jur Sefriebigung menfd)ticher SSebütfniffe gefdjidt wirb. 3m rohen gujtanbe, wo noch wenig Nlenfcben auf weiten Naumen §erfireut leben unb auf einem günfligen SSoben leicht baS Nothwenbigfle ftnben, hat ber Nlenfdj jwar wenig Arbeit nöthig, um feinSeben fdrglid) ju erhalten. 3eber fammelt bie wilben grücfjte ber Statut, ober tobtet bie S£f>iere, beren gleifd) ihn ernährt, ober beren gell ihn bebeeft, unb bereitet ftd) fokfe Singe ju Nahrungsmitteln unb ÄleibungSflüden juj Seber baut ftd) feine glitte unb fdjafft ftd) aud) wol ein f (eines ©genthum burch feine Arbeit, womit er einen f leinen unb unoollfommenen 2ütStaufd) frember 2lrbeitSprobucte treiben fann. Senn3eber thut, 3eber hat in einem folcfenguftanbe ungefähr Saffelbe: was fotl baher ©ner für ben3(nbern herBorbtingen? 2fud) foflet ihm bie ungefchidte Arbeit, bie er Bereichtet, fo Biel geit unb 2fnjlrengung, baf er nur einen getingen SBorcath feiner 3frbeitSprobucte jtt @tanbe bringen fann. @o= halb aber bie fNettfdjenmenge ftd) in einem Sanbe fo anhduft, baf bie freiwilligen fProbucte ber Natur nicht mehr jur ©ndhrung 3lller f)inreid)en, wirb ber SSerflanb gewedt, auf CNittet ju ft'nnen, um ber ©be auf eine f ünftliche SBeife burch Arbeit mehr Nahrungsmittel abjugewinnen, als fte Bon felbjl liefert, ©njelne eignen ftd). fobann ©tunbflüde ju unb bringen auf benfelben burd) fünfllid)e 2frbeit eine Biel gtöfere Quantität SebenSmittel herBor, als fte unb bie auf benfelben befd)dftigten Arbeiter bebütfen. Siejenigen nun, welche feine folchen ©utnbflüde beft^en, fefjen ftd) bann genötigt, anbre mitten Bon Arbeiten ju erffnben unb folcfe ©üter burd) biefetben hetBorjubrtngen, weldje bie Sanbbeftljet unb Sfanbarbeiter begehren, unb wofür fte geneigt ftnb, ihnen ihren Überfluf an NahrungS = unb SebenSmittetn abjutaffen. SSei einiger ©(tut ber ©efellfd)aft, b. I). fowie in berfetben bie gegen= feitigen 9led)te anerfannt werben unb bie ©fenntniffrdfte ftd) bis ju einem gewijfen ©rabe entwidelt haben, fommt eS halb bahin, baf fein Nlenfd) mehr alles SaS allein oerrichtet, was er jur 83efciebigung feiner SSebürfniffe nötf)ig hat. 3eber be= barf 2lnbret Arbeit regetmdfig, fowie 3fnbre wieber bet fetnigen bebürfen. Saburch entfteht ein wechfelfeitiger 2(uStaufd) ber Arbeit, unb eS erjeugen ftd) unter ben Nlenfchen unenbtich Berfchiebene 3frten Bon Arbeiten, beren jebe anbre Dbjecte her* Borbringt unb anbre Nlittel anwenbet, welche burch bie oerfdjiebenen @efd)idlich= feiten unb Äünjle, bie Natur unb gleif unter ben Berfd)iebenen ©ubjecten erzeugt, möglich werben. Nad) bem Nlafe ber immer mehr junehmenben ©efd)idlid)feit in ber Arbeit bringt nun gebet einen Überfluf Bon fPiobucten feinet Arbeit IjetBor, woBon er nur einen geringen SEheil für ftd) felbfl gebraucht. Sa nun biefeS al(ge= mein gefd)ieht, fo fann gebet bie S)tobucte mehret 3(nbrer geniefen, inbem er un= ter biefe bie fProbucte feiner 2lrbeit bagegen Bettheilt, gebet bebarf nun jur S3efriee bigung feiner mannigfaltigen SSebürfniffe ber Arbeit 3fnbrer ober beten fProbucte; bähet ifl Arbeit ein allgemein begehrter ©egenflanb. gnSbefonbere werben bieje* ttigen SfrbeitSprobucte am hduftgjlen unb in gröffer Nlenge gefud)t, welche allge* 382 Xrbeit meine S3ebürfnipmittel ftnb, unb tuofür S^bcr bie übrigen benötigten SSebütfttip: mittel non 2fnbern leidet eintaufchen fann. $auptfdd)tid) wirb bie menfdfjlidje Arbeit angewanbt1) um bec Statur uti.- mittelbac ober mittelbar allerlei «übliche fProbucte abjugewinnen, fte jufammeln ober burd) (luttut beb ffiobenf unb fünftlicl)e a3eftellung ber Selber tc. ju oermeljteii unb ju netebeln, ft'e in ber SSiefe ber ©be ober beb Sßafferf aufjttfud)en tc.; 2) bie gefunbenen rohen fProbucte für bie menfdplichen 3wecfe brauchbar ju machen ober ifjnetr bie unjdhlig mannigfaltigen Sarnen unb 3ufammenfe(5ungen ju erteilen, woburd) fte gu SSefriebigung ber menfd)lid)en SSebürfniffe gefbpieft werben; 3) bie nü&lidjen SSBaaten batjin ju befötbetn, too fte gefud)t werben, unb fte unter bie 33e= bürftigen ju oertfeilen; 4) biejenigen perfönlichen 23ienfte ju leifien, «riefe ju einem Steife nötfig ftnb. Sn biefe tterfdjiebenen ‘ritten oon Arbeiten tt)eilen fid; bie 9J?enfd)en unb bilben banad) »erfdjiebene ©affen, reelle wiebec in Kiele Unters arten gehalten «erben, ©o tbjeilen ftd) biejenigen, welche fid) mit ©etoinnung ber rofen ^rpbucte abgeben, in Verbauet, Säger, Siftfer, Bergleute u. f. tt. 3Rod) Kiel mannigfaltigere ritten bilben ftd) unter benen, wrid)e ftd) mit bet jBereb* lung biefer fprobucte befd)dftigen (^>anb«erfer, Äünftler, Sftanufacturifieti unb Sabrifanten). SBei bem SSerttiebe bet Sßaaren ftnb bie l)anbelnben ©affen, bie gractjtfafjrer, ©dfiffer u. f.w. tljdtig. ©tblid) bilben biejenigen, welche ftd) mit per; fönltcfen ©ienften befd)dftigen, feft Kielerlei ritten Kon Arbeitern, alb foldje, «rieft gemeine Bienfie für rinbre nerrid)ten, wie bie nerfd)iebenen ©affen oon fDienpbo, ten, biejenigen, welche burd) ihre fötperlid)en ober geiftigen SSalente rinbern allerlei Vergnügen machen, bie, «riefe ftd) mit ber riubbilbung unb bem Unterrichtebrt menfdjlidjen ©efd)led)tb befaffen, enblid) bie, wetdje bem ©taate 25ienfie leifien, bab 9fed)t pflegen, für bie öffentliche ©idjertjeit forgen u. f. tn. Sebe oon biefen nerfd)iebenen arbeitenben ©affen fat ^robucte ober 25ienfte anjubieten, tneld)e mit burd) Arbeiten t)eroorgebrad)t «erben, unb welche bie übrigen ©affen bebürfen, unb inbem fte ihre 2Trbeitbprobucte unb 25ienffe gegenfeitig nertaufefen, fann Sebet bie fProbucte unb ©ienfte aller Übrigen geniepen. riud) ifi flar, bap bab SEöoflfct; finben einet Nation oon bet 5Dienge unb ber SKannigfaltigfeit ber notfanbenen unb immerfort erjeugten rirbeitäprobucte, intoiefern biefelben SSebürfniffe beliebigen, abhangt, unb bap bafer eine Nation um fo beffetbatan fein müffe, je meftuttb je oollfommnere fProbucte ihre Arbeit fernorbringt. 25afer einer fftation auperorbenb lid) Kiel an ber SerKoUfommnung ihrer Arbeiten gelegen fein mup. 25ie bBeroollfommnung bet Arbeit bejieht aber barin, bap fte immer mehr unb immer beffete fProbucte heroorbringt. .fjierju tragen folgenbe Umftdnbe SJteleb bei: 1) 25ie ©nfteft, bie ©efd)idlid)feit unb ber Strip, mit «elchem bie rirbeit betrieben unb womit bie ©egenftdnbe, worauf fie oerwanbt wirb, aufgewühlt werben, ^ierju helfen tt>eilö eine gefbpiefte föertheilttitg bet Arbeiten, fobap ©net nicht oielerlei, fon= bem ein unb baffelbe ^robuct ober wol gar nur einen Shoit bef ^robitctf attffd)liep= lid) unb in SUenge oerfertigt. 25enn baburd) erlangen bie einjelnenArbeiter nid)tnur gröpere Settigfeit unb ©efchicflichfeit in ihrem |?ache, fonbern fte erfpaten auch »iel Seit, welche fonfl auf ben Übergang oon einem ®efd)dft jum anbern netnxtnbf wirb; tfeilb burd) bie S3ethülfe oon Snfirumenten unb 9J?afd)inen (f. b.), burd) welche bie Dfatur jut 9Jtitarbeit nad) SÖegriffett gejwungen wirb. 2) 23ie Hoffnung, bie ^»robucte ber Arbeit leicht gegen anbre erwünfdite 25inge oertaufclten ju fönnen. 3e mehr bähet ein SBolf unter ftd) ober bei anbern benad)barten SSölfern Liebhaber feiner ^)robucte ftnbet, unb je mehr bie anbern jugleid) ihm folche anjubie-- ten haben, bie ef begehrt, beffo gröpere ÖJeije jur fBetoollfommnung ber Arbeit ftnb oorhanben. ©nblid) 3) bap bie Saht 2)«er, welche blop oon ben fProbucten ber tauglichen 2(rbeit jehren : , gegen bie 3ahl 25erer, welche burd) ihre Arbeit ÜbcrfTup erjeugen, nicht ju grop fei. 25cnn wenn ef ju Kiele 9)lüpiggdnger im SSolfe gibt, UfvbetfStyäufct Ufrbettefofjn 383 tt>elcf>c ben acbeitenben (Staffen if)rc sprobucte wegnehmen, ohne ihnen bafür etwa« wieberjugeben, fo mup bie Stiebfeber ju Ufnftrengungen bei bet Arbeit naturtict?ec= weife fetjr gefchwäcf)t werben. Arbeiten ftnb unnüfc, wenn fie ober tf)c 9 >robuct fein menfd)liche« Vebürfnip befriebigen fönnen, ober baju nicht notfwenbig ftnb; n« b li d) ifi jebc Arbeit, bie $ut Vefriebigung eine« menfd)Ucf)enVebürfniffe« bient. SKnn nennt bie Arbeit probuctio, inwiefern fie unmittelbar materielle ©üter tjeruorbringt ober ifjten SBerti) erf) 6 f>t, unprobucti«, inwiefern fie biefe« nicht ti)ut. Sebtere aber fann bod) mittelbar probuctio fein, inwiefern iijr ?>robuct jur Vcr»o(Ifommnuttg ber Ufrbeit ober $ur Entbecfung, Erhaltung ober Vermehrung nü^tiefjer materieiter ©üter Etwa« beitragt; Arbeiter, beren Arbeit überflüfft'g ober unnüfc ifi, ftnb jierile ober unfruchtbare Ufrbeiter. (©. Riapftab beb 2öertf)S.) 51. Uf r b e i 16 h « u f e r ftnb «on Regierungen unb Vereinen errichtete Ufnjbalten, in welchen arbeitblofe Rienfd;en gegen einen mäjjigen Sohn S3efd)äftigung ftnben, inbem bie ©rünber ba« nötige Riaterial anfehaffen unb bie gabricate bann «erhan* beln. ©ie ftnb entweber Ufrmen = (S3efcbäftigung«anjialten) ober @trafarbeit«häu* fet; jene ftnb blop jur Sefrf)äftigung bet Ufrbeit«lofen befiimmt, unb bie Ufrbeiter ftnb entweber freiwillig batin ober werben burch bie Rolijei bahin gebracht; biefe ftnb für Verbrecher befiimmt unb follen ju ihrer Züchtigung unb Veffetung bienen. SJeibe ftnb unfireitig bem ©taate fehr oort^eilfjaft, ba erfiete jur Verhütung beb Vetteln«, festere baju bienen, bie Züchtlinge an Ufrbeitfamfeit §u gewöhnen unb bem ©taate ihre Ernährung 5 U erleichtern. Sie Ufrt ber S3efd;äftigung wirb non örtlichen Um» jiänben befiimmt, «ocUfllem aber barauf geachtet werben müffen, bap fte einfad; unb leicht ju erlernen fei. Sie Rienfdf)lichfeit fobert Verücfflchtigung ber ©efunbheit ber Ufrbeitenben, befonbet« ber itinber, bamit bem ©taate nicht um eine« äugen» bliefliehen kleinen Vortheil« willen Ärüppel juwachfen. 2Ba« bie ©trafarbeit«häu» fet betrifft, fo treten biefelben Rücfftchten ein, nur mit bem Unterfchiebe, bap allen* fall« bie Vilbung mehret ^anbwerfer bartn ju empfehlen fein möchte, bamit ber 3üd)tling, wenn ec feine ©trafjahre überlebt, ein Mittel habe, fid) reblich ju uäh* ren. Einige Regierungen, wie 5 . V. bie baitifche unb preupifche, geben hier nach* ahmung«würbige Veifptele; ja fte laffen fogar «om Ertrag ber Ufrbeiten be« ©traf* ling« Einige« jurücflegen, bamit er beim Ufu«tdtt au« bem -ftaufe einen ©parpfen» nig mitnehmen fönne. (Vgl. bie ©chriften «on 2op unb SBewelb.) Ufrbettälohn, Sa«, wa« ein Ufrbeiter für feine Ufrbeit erhält. Ufrbeit fofiet bem Rienfchen feine üräfte, unb biefe fann er nicht anber« erfegen al« burch Raf)rung«mittel, auch geh™ babei feine Kleiber unb bie^nfirumente, welche er baju nöthig hat, p ©runbe. ©oll bähet berSRenfd; bie Ufrbeit fortgefefct «errichten, fo mup er währenb ber Zeit, ba er arbeitet, Rahtung«mittel unb anbre ©üter haben, womit et bie Vebürfniffe, welche eral«Rienfch hat, befriebigen unb im* mer wieber neue Kräfte jur Ufrbett gewinnen fann. Vringt er nun burch feine Ufr* beit Sa«, wa« er hierzu nöthig hat, unmittelbar felbfi Iferöor, unb bebarf er hierju Rid)t« »on Ufnbern, fo ifi biefe« Rrobuct felbfi ba« Riittel, um feine Ufrbeit immer i fortjufepen. Smmer fegt jeboch biefe« »orauS, bap er fchon im Veft'& eine« Vor* rathe« «on Vebürfnipmitteln ifi, wo«on ec ftd; währenb ber Zeit, bap feine Ufrbeit neue heroorbringt, erhält unb ju neuer Ufrbeit ©tärfe unb Kräfte fammelt. Set Sohn feiner Ufrbeit beftetjt fobann in bem Rrobucte feiner Ufrbeit. Unterbejfen ftn* bet c« ftch: 1) bap nicht jeber Ufrbeiter folche Rrobucte heroorbringt, bie ihm juRah* rungg* unb Unterhaltunggmitteln bienen, unb 2 ) bap bie meifien Ufrbeiten nicht anber« gefchefjen fönnen al« bap baju gewijfe Vebingungett, al« ©runb unb SSo* ben, Riatcrtalien, Vocfchüffe u. f. w., geliefert werben, ©obann aber ijlba« Rro* buct foldjer Ufrbeiten jufammengefefct, inbem mehre Urfadjen baran Sfjeil nehmen. Sa« Rrobuct ifi in folchen Ralfen nicht ganj ba« Rrobuct ber Ufrbeit, folglich fann 384 2Crf>eit§lof)n eg aud) nicpt gang bem Arbeiter gufommen, fonbem eg mup ft cp unter diejenigen »ertpeilen, tx>ctd)c an bet fProbuction beffetben SEpeit genommen paben. da Arbeit ba8 regetmäpigfie unb altgemeinlie SKittel ifi, wobutcp bie menfdblicpen SSebürfttip: mittet bemorgebracpt unb niete SSebucfniffe unmittelbar befciebigt werben, foip aud) Arbeit dagjenige, wag fietg gefügt wirb. SBet Überflup pat, f'ann if)n nicpt anbetg anwenben, wenn er if)n nicpt fetbfi »ergebet, atg bap er bamit Arbeit bejaht, ober *Probucte, bie 2(rbeit gefofiet l)aben; unb wer feinen Überflup pat, bet mup arbeiten, um ftd) bie nötigen SSebürfnipmittet entweber unmittetbar f>eröorjubtin= gen ober fetbige gegen feine Arbeit eingutaufd)en. ©g fann aber bie Arbeit im Hl-. gemeinen umfonft nicht gefdjeben ober lange fortgefegt werben, benn bie Arbeit fofiet bem Arbeiter Äräfte. Soll fte bafjer fortgefegt werben, fomuper, wenn er fetbfi €Jlid>tö pat, bie notpigen SSebürfnipmittet erfjatten, um bie »ertorenen Kräfte gu neuer Arbeit wieberbergufietlen. 2lud) ift bie Arbeit fetbfi etwag Unangenehme« für bie Arbeiter, unb eg würbe fftiemanb Sufi haben anbattenb gu arbeiten, trenn er nicpt regelmäpig ©twag bafur empfinge, bag ibn bagu aufmunterte. diefeä ift bet £obn ber Arbeit, ©obatb nun bie ©efettfcpaft fo weit gebieben ift, bap ftd) in ben fidnben.bet meifien ©lieber Überflup an S3ebürfnipmittetn fammett, unb einige ba»on mehr atg anbre haben, wirb biefer gange Überflup gut SSegaplung non Arbeit angewanbt. ©g bitbet ftcb in bet ©efettfcpaft eine ©taffe non SUcnfdjen, welche bie. arbeitenbe beipt unb in eine grope SJlenge mannigfaltiger Abteilungen jerfaltt, bie ftd) tpeilg gegenfeitig ihre Arbeit begabten, tpeilg »on ben nid)t arbeitenben ©af : fen für ihre Arbeit SSegaplung empfangen, der regetmapige S3reig, ben bie Arbeit erhält, macht ben A t b e i t g t o p n aug. derfelbe beftebt ber ©acbe nach in einer k> ftimmten Quantität »on SSeburfnipmittetn, unb wenn er gteid) nicht unmittetbar in benfelben, fonbem im © e t b e begabt wirb, fo ift bocb waö bicfeg ©etb, welche« ben Arbeitgtopn bitbet, wertb fei, nach feinem anbern SOiapfiabe gu meffen atg nachher Quantität ber SSebürfnipmittet, welche bafur beliebig gu erhalten ftnb. SBennmcnt baber wiffen will, ob ber Arbettglopn in bem einen Qrte ober Sanbe gropet ober f(ei= net ifi atg in bem anbern, fo reicht eg nid)tbin, wenn man weip, bap probet bcrt mehr ober weniger ©etb für bie Arbeit begabtt wirb, fonbem man mup unterfu= d)en, ob für bag ©etb, wetcbeg für bie Arbeit begabtt wirb, hier ober bort mehr ober weniger gleich »wie unb gleich gute SSebürfnipmittet gu erlangen ftnb. da beritt: beitgtobn bic ltrfad>e ber ^ertrorbringung fortgefegter 2frbeit ift, fo ififtar, bap er fo gtop fein mup, atg eg notpig ifi, um nicht nur bie (ebenben Arbeiter, fonbem aud) bie gange ©taffe ber Arbeiter in ihrer gottbauet erhalten, unb ba gut (Srgattung bet t>etfd)iebenen ©taffen unb Arten ber Arbeitet febr »erfdjiebene Quantitäten unb Qualitäten bet SSebürfnipmittet notbig ftnb, fo mup aud) ber Arbeitgtopn bertw: fepiebenen ©taffen unb Arten ber Arbeiter febr »erfepieben fein, der fteinfie Arbeit«: lohn ifi für bie gemeinfie Art ber Arbeiter notbig. die gemeinfien Arbeiter ftnb nämtid) fotepe, gu beten regetmäpiger Verrichtung nur fotepe .Kräfte unb ©efebieb j licpfeiten geboren, bie Dobermann febon »on ber fJiatur erhält, unb gu beten ©rinn: gung er bie geringfien Äofien bebarf. Um ein foldjet Arbeiter gu werben, bagtt ge: j hört nieptg Äünfiticpeg weiter, atg bap ber SOienfd) fo tange, big er biefe .Kräfte burcf) : fein SBacpgtpum erpä(t, ernährt unb gut Arbeit angewiefert werbe, daper tarnt biefe Art »on Arbeit erreicht unb unterhalten werben, wenn ben Arbeitern ein folcber . 2opn gegeben wirb, wooon fte ft'cb fetbfi bei .Kräften erhalten unb ihr ©efcptecW ! fortpflangen unb gu gleichen Arbeitern ergieben fonnen. diefeg ifi aber auch bo« i Süinimum beg 2opneg ber gemeinen Arbeit. Anbte 3frten »on Arbeitern erfobetn , mehr gu ihrer ^emorbringung unb ©rhattung. golglicp mup aud) ber 2opn fotdier fünfitieper unb gufammengefepter Arbeiten groperfein, um fotepe ©taffen »on An beitem gu erweefen unb gu unterhalten, wetepe bie ©efepieftiepfeit paben, bergteiepen Arbeiten gu »errid)ten. gür jebe biefer ©taffen gibt eg gteicpfatlg ein 'tWnimwni Arbeitslohn 385 oon Sohn, ohne reetd)en eine fotdje ©affe oon Arbeitern gar nicht entfielt, unb mit beffen föerminberung fte, wenn fte aud) entfianben ift, balb reieber oerfchreinbet. Unterbeffen gibt ed mehre;Urfad)en in bec menfd)lid)en@efe(ifcbaft, reelche madjen, baf bet g>rei6 bcS Sof)ned einet jeben Art non Arbeit über fein Minimum i)erauf= fteigt, unb anbre, reelcpe machen, bap er reieber jitm Minimum ! erunterfmft. Siefeä ruf)rtnonbevConcurtenjberDtadifcagcunb bedAngebot« (f. doncurren j) her. Da nämlid) Arbeit ein SSebürfnip ift, reelcped Alte notpig haben, bie ©read, bad fte niept felbft mad)en reollen ober tonnen, beft&en reollen, fo tommt ed nur bat-- auf an, 1) ob Arbeiterber Art, reelcpe man fud)t,ootf)anben finb, unb 2) ob Die, reekpe begleichen fud;en, bie SKittel tjaben, fte ju bejahen. 9?un ftnb ba, reo niete 9Ren= fcfjen beifammen ftnb', immer folcfje ba, reetdje gern für Anbre arbeiten. Denn ed ift baS einzige legale Mittel für fte, ftd) il)te SSeburfnifmittel ju erreerben. Unb fobatb ftd) bie ©efellfcpaft fo gefaltet, bap SJtepre in berfelben Überflup ober niepr @ütet paben alä fie felbft netje()ren, ftnb aud) immer reeldje ba, bie Arbeit fudjen. Da nun 2(rbeiter gar niept uorljanben fein tonnen, tnenn fte nicht toenigftend bad Sftinimum, read jttt (Sntflepung unb Unterhaltung biefer Arbeit notbig ift, erf>al= ten, fo muffen Die, reeld)e Arbeit fudjen, bad SOtimmum bed Sofmed jum allerree= nigjten notpreenbig bejahten. 5Birb aber mel)r ‘Arbeit foldier Art gefucf't, unb ed ftnb nicht genug Arbeiter bajunorhanben, fo reirb bieBapl ber‘Arbeiter ober ihr Steif nur burd) einen hohem Sohn oermehrt toerben tonnen, unb ed entffeht baher butd) oermehrte 9tad)frage nad) Arbeit aud) ein höherer Atbeitdlohn. Diefen erhalten nidjt blop bie neu pinjutretenben, fonbern auch bie alten Arbeiter, ba fie burd) fßer= reeigerung ihrer Arbeit einen SEpeil bet 9tad)frage unbefriebigt (affen ret'trben, unb bie Arbeitfucpenben baher and) biefen ben hohem Solm juge(tel)en muffen. Die Bunapme unb bie gropere 53erbreitung bed 9?eid)thumcd unter bem föotfe ift bie Utfadje foreol ber Erhöhung bed Arbeitdlohned überhaupt ald ber 9Seroolltomm= nung unb ber fßeroietfättigung ber oerfcl)iebenen Arten ber Arbeiten, unb bed hohem Sohned ber fimftlicl)en Arbeiten, oergtidjen mit ben gemeinen Arbeiten. Denn ber Sieicptbum befiehl in bem fortbauernben Überfluffe ber ®üter über Dad, read jur SSefriebigung ber nothreenbigen SSebütfniffe bient. SAit biefem Überfluffe fann aber fJtiemanb etread Anbred anfangen, ald ihn juSSejaplung oon Arbeiten enttoeber felbft ober burd) Anbre anjutoenben. Alfo oermehrt ber Steicbtpitm bie Dt a cf frage nad) Arbeit um fo mehr, je mehr er ft'dj audbreitet, unb ber Arbeitdlopn mup notpreem big baburd) gefieigert reerben. Durch ben erhöhten So()n aber reirb bie atbeitenbe ©affe felbft reohlhabenb unb erhält Überflup über bie 92otf)reenbigfeiten bed Sehend. Diefet aber reirb jur Sejaplung neuer SSeburfnipmittel, folglich netter Arbeit, oei- reanbt. Alfo reirb burd) bie Audbreitung bed -fßoplftanbed unter ben gemeinen Arbeitdclaffen nothtoenbig bie 9tadtfrage nach 'Arbeit oermehrt unb baburd) ber At= beitdlohn gefieigert. And) reirb leicht begreiflich, reie ftd) ber höhere fPreid ber ffmft= lidjetn Arten ber Arbeit bilbet, unb ber Sohn für jebe Art reieberum ber ©nreirfung ber ßtoncurrenj audgefept ift. Denn fobalb bie ffiebttrfniffe, ju beren SSeftiebigung nur gemeine Arbeiten gehören, geftillt ftnb, foentfieht, reo Überflup ift, bie 25c= gierbe nad) SSeburfniffen, reeld)e funfilidje ‘Arbeit etfobetn. Diejenigen, reetcfie aber bergleichen Dinge begehren, reerben Die, toe(d)e ©efepief ju fckpen ‘Arbeiten haben, nid)t anberd beftimmen fonnen, ihr ©efepief unb ihre Beit auf bie $erocr= bcingung_ foldjer Dinge jtt reenben, ald reenn fte ihnen mehr bafur bejahten ald i für gemeine Arbeit. Diejenigen aber, reelcpe bergleichen oerrid)ten fönnen, reerben ebenfalld barauf ft'nnen, fünftlicpe Dinge heroorjubtingeh, reelcbe bie Steigern rci= jen, toeil fie reiffen, bap biefe frol) ftnb, für ihre 9c ei cp tl) tim er @ttoad jtt erlangen, read neue angenehme ©npftnbungen in ihnen erreetft. 3e mehr ftd) nun ber ®e= fdjmacf infotchen Dingen audbreitet, unb je mehr ftd) bie fPerfonen oermehren, reeldje Mittel haben, bergleidjen ^robucte ju bejahten, befto mehr reirb ber ^)reid biefer 6ono.=Cfr. (Siebente Aufl. Sb. I. f 25 Arbiter 3S8 2Crbela Dinge unb bet Arbeiten, btc barauf »erreanbt werben, fteigen, 6tS ffcTj bie 3a(j[ bet Arbeiter biefcr2frt roxeber fo »ermebrt, bap ihr Sohn Ijttuntergcbt unb fid) bem 2oi)ne anbrer %rtid)er Arbeitet glcicbfMt, reeldjeg fobann bie ©irfrtng bat, bap mehre »on biefen Arbeitern aug ihrer Stoffe augfdretben, um Streng j« etftnnenunb ju »erfctfigen, wofür fte einen gropern Sofjn hoffen tonnen. Diefer Umfianb »erfjin: bert, bap bet 2opn bet »on ihnen oerlaffcnen 2frt bet Arbeit nirijt tiefer fallt, fonbecn fid) mit ben übrigen üljnlidjen 2frten ber 'ifrbeit irtg ® leidje fteltt tmb bnbei ftet)en bleibt, reennnid)t ber ©oblftanb ber ©efellfdjaft in 2fbnai)tnc gerate, fobap fte einegleidje DunntitntArbeit gu bem bigljetigen greife ferner nidjt begabten fann. (©. g) rctg.) t. Diefe Kegeln gelten,fo lange ber2frbeitglot)n feinem eignen ungebinbetten ©ange übe» ; 1 affen bleibt, ©erben aber f finfilidje ©ittei angereenbet, bemfelbcn eine anbre 9iid)= tmtg gu geben, fo treten natürlidjerreeife aud) anbre ©irfwtgen ein, reie: reenn gewiffe ) arbeitenbe Stoffen bem Sreange unb bet ©erealt ber ?frbeitg£>erren unterreorfen tuet- ! ben, reenn einige gubefonbern Arbeiten prioilegirt werben, ober wenn bie spoligeifidjitt bie SSeftimmung beg Sofing für gereiffe Arbeiten einmifdjt u. f. re. 51. 2frbela, jegtJfrbil, ein Bleiner Sri beg oftlidjen 2fffprieng, berühmt bitrd) bie entfdjeibenbeDdjladjt, bie in feiner Kal)e bei@augamela (331». Sf>r.) 2t(efan= ■ ber b. ©r. bem Datiug lieferte. (©. Jftepanber.) Arbiter t)kfj bei ben Kornern 1) betjenige Kister (judex), reeld;cm ber fDtütor ben Auftrag gab, etnen bei il)m anhängig geroorbenen Kedjtgfheit nadj ; ©runbfagen ber ©illigHeit (cx aequo et bono) gu entfepeiben; 2) biejenige Werfen, ' reeldjet bie ftreitenben Parteien bie ©ntfdjeibung ifjreg Kedjtgftreitg opne obrigfeiu liebe Dagreifdjenfunft, burd) einen ttjeilg unter einanber (compromissum) , tfcitö mit iljm felbft abgefdj'loffenen ©ertrag (rcccptum) übertrugen; enblidj 3) Der, ben ; bie ftreitenben Parteien blop in ber 2fbftd)t gugogen, um einen ©ergleicb unter ihnen 5 « »ermitteln, ot)ne ihm zugleich eine ©ntfdjcibitng ifjreg ©treitg gu übertragen. | ©inem arbitcr in bet erfiern ©ebeutung reurbe »om Orator nur in SSertrauengan= gelegenbeiten (in negotiis bonac fidei), nid;t in ©efdjaften beg fhengen Kedj'tö (in negotiis stricti juris) bie ©ntfdjeibung übertragen. Sn ben legtern 2fngelegert= beiten ernannte ber fPrator einen Kidjter (judex pedaneus) mit bem 'Auftrag, ben Kedjtgftreit nad) einer ibm gegebenen genauen unb ftrengen ©orfdjrift (formula) gu entfefeiben. Sn ber angegebenen breifachen SSebeutung fomrnen bie arbitri r {StumpuX) aud) bei ben 2(tbenienfern »or. ©on bem arbiter iftber arbitrator, J b. i. Der, bem ber entfdjeibenbe Kidjter ein ©utadjfen über eine auf bie @ntfd;ei= bttngSinflup babenbe, auf reiffenfdjaftlidjen ober tedjnifdjcnÄenntniffen berupenbe Stage übertragt, gu unterfd)eiben. ©on bem ©utadjten eineg foldjen fomtenbie Parteien nodj auf ein grünbtidjereg unb beffereg ©utadjten eineg Dritten (auf eint reductio ad arbitriuni boni viri) antragen, ©obalb fte aber burd) ©ertrag (compromissum) bie ©ntfdjeibung einem Dritten übertragen haben, unb »on biefem ber 2tuftrag (burd) bag fogenannte rcceptum) angenommen reorben iff, muffen fte fid) feiner ©ntfdjeibung unterwerfen unb fi'nb baran unabdnberlid) gebunben. \ bann bann bet 2iugfptud) eineg foldjen ©djiebgridjterg (reeldjcg arbitrium, aud) lau dum (jeipt) angefodjten werben, reenn bem ©d)iebgrid)ter offenbarer SSetrug, ; g. ©. ©eftcd'ung, bereiefen werben Sann; nad) ber ©einung »ielet Kedjtggelef)» ten aud) wegen einer ©erlegung über bie -fjalftc (propter lacsionem enormissi- mam). Suftinian fegte einen Untetfdjicb feft greifeben ber ©ntfdjeibung, roeldje bie Parteien unterfd)rieben ober bttrd) gebtttifgigeg ©tillfdjrecigen genehmigt, unb j ber, gegen weldje fte binnen geh« Sagen protefiirt hoben. Scne biep arbitrium ■: homologatum, biefe non homologatum. Die legtere füllte nad) iljm gar feine red)tlid)e ©irSttng haben. Allein ba nadj neuern, gumal beutfdjcn Ked;t8> gtunbfagen, alle nidjt gefegreibrige ©ertrage oljne ©eitereg »etbinblidte Ätoft haben, fo wirb jegt jebe fdjtebgtidjfertidje ©ntfdjeibung reie ein ©ergfeid), «ob Arbiter' 387 tjrtfyer wie biefct* als unabänbetlitf) gültig betrachtet. ©cbtcbSrichter unter ben et>e= maligen beutfcben 9?eid)Sffänben, fegt unter ben SSimbeSjiaaten, werben UluSträge genannt. (©. 21 u § t r a g a l i n ff a n 5 .) Unter fPrivatpetfonen ffnb bie ©dtiebSrid)* tcr and; jefjt fct)r fiblid;. ßS wirb 5 . 23. wenige faufmännifd)e ©ocietätScontracte geben, in welchen nid)t bie 23ejfimmung votfäme, „baf alle unter ben ßompagnonS ober jnlifd)en bem einen ßompagnon unb ben ßrben beS anbern votfallenbe aben bie ©d>iebSrid>ter bie ßntfd)ei= bung ben Parteien einmal begannt gemacht, fo fonnen fte fte nid)t mehr änbern, wol aber Sunfelheiten in ihr erläutern. 2fufgelofi wirb baS gattje fd)iebSrid)tec* liefe SSerhältnip 5 . 23. burd) ben $£ob beS gewählten ©djiebSridjterS, ober eines ber mehren ©d)iebSrid)ter, ourd) baS 2fbleben einer ber fireitenben Parteien (wenn ttidjtetwa bas ßompromtf auf bie beiberfeitigen ßrben jugleid) gerichtet tff), burd) de ffiahl eines anbern ©dhiebSrichterS, burch Untergang ber fireitigen ©acben, bitte!) bie Snfolvenj ber ffreitigen Parteien tt. f. w. 25 * 388 Arbitrage Ardxxnget Arbitrage, SCrbitcagcrcdjnung, tjeiptetne93erglcid)tmgjtveterober mehret 2ßed)fel= ober ©elbcutfe, um ju erfahren, weichet ber vorteilhafte)}» fej, (©. ©urg unb SB edp fei.) Ave (Seanneb’), f. Scanne b’2£rc. Arcabe, Sogenftellung, nennt berS3aufünftler eine9?eipevonS5o= gen, einer immer jttrifcfyen 2 Pfeilern gefpannt. Sie Pfeiler fonnen aud) mit ©dulett ober fPilafiern verwert fein, ©auten allein hingegen, jtatt ber Pfeiler, würben eine SSogenftellung gegen ben guten ©cfdjmacf bilben. Avcanunt, bag ©epeimnip; ingbefonbete ein gepeimeg SRittel ober eine Arjnei, beren SSeflanbtpeile unb Zubereitung geheim gehalten werben. ©oldje Arpeien ftnb ber vielen 9Ripbraud)e wegen ein ©egen|tanb ber mebicinifd;en fPolijei, ArceftlöuS (Atfeftlag), ©tifter ber jweiten ober mittlern Afabemie, geb. ju Titane in Äoltcn im 1. 3- ber 116. Slpmp. (316 V. ©hr.), warb forgfdltig et= jogen unb nad) 2Ctb>en gefanbt, um fiep ber Stijetorif ju wibmen. Aber bie jppilofo: phie batte mehrSveij für i(jn. ©r genop ben Unterricht beg fPeripatetiferg Sheopprap, bann beg fPolcmo, unb ftanb nad; beg Ärateg Sobe an ber ©pipe ber afabemifepen @d)ule, nahm aber bebeutenbe SSerdnberungen mit ben Sehrfdfcen bccfelbcit rot. fPlato unb f. 94acpfolget t>atten jwei Arten ber ©egenftanbe unterfd)ieben: forper= liehe, bie auf bie ©inne witfen, unb fotdje, bie blop vom ©eifte aufgefapt »erben. Sie ©efenntnip bet erffern mad)e, fagten fte, bie Meinung, bie ber anbetn bie SBiffenfcpaft aug. A., bet fid; bem ©fepticigmug näherte ober ihn vielmefr übertrieb, leugnete, bap man irgenb ©twag wiffe, felbft Sag nid)t, bap man9lkptj rniffe. ©r verwarf alg falfdp unb täufdpenb bag Zeugnip ber ©inne unb behauptete Sem gemäp, ber wahre SBeife bürfe nie ©twag behaupten; er fonne vielmehr alle Meinungen auf gleite SBeife befämpfen. Sa ec jeboct) biefe feltfamen ©runbfdje mit ber allen SBefen auferlegten 94otl)Wenbigfeit, ju leben, in Ubeceinflimmung ju bringen fud;en mupte, fo fagte er, bap fte nur auf bie SBiffenfdjaft eine frrenge Anwenbung erlaubten, unb bap man im Sehen ftch an bag SBahtfcpeinliche palten fonne. Übrigeng warerwohlthdtig gegen 94othleibenbe unb eingveur.b berißergnm guitgen. ©in Nebenbuhler Atiftipp’g, theilte er feine Zeit jwifa^en bem Amor, bem 83acd)Ug unb ben SJlufen, ohne je ein öffentliches Amt ju befleibcn. ©r pari» an ubermapigem ©enup beg SBeing, 75 3- alt, im 4. 3- ber 134. Slpmpiabe. 2f r cp a'i § m u g, eine Alterthümlid)feit in ber Sprache, fte beflepe in einem SBorte, einer gorm ober SBenbung. 3m Allgemeinen verbietet bie Sheorie ki ©tplg ben©ebrauch berArcpalgmen; allein in gewiffen ©attungen ber ©chreibatf, befonberg ber poetifdjen, fonnen fte fogar Zierbe fein, ba ihnen oft eine eigentpunP liehe .-traft inwohnt. Arcpangel, ^auptfh. im ©ouvernement gl. 94. (16,225 DSK., mit 170,100 ©inw., barunter Sappen unb im 94. £). 7000 ©amojeben, Septere meift Reiben), liegt 8 SJteiten von ber SOtünbung ber Swina ins weipe S04eer, hat 1900 Jpdufer unb 16,100 ©inw. Sag 1584 bort erbaute ÜJlidjaeldKofiet gab ber ©tabt ihren 94amen. 1553 entbeeften bie ©ngldnber bie gahtt bapin auf bem©igmeere juerft, unb Ardpangel war big jur Anlegung von Petersburg ber einzige ©tapelplap ber rufftfd)en SBaaten. Alg fPetergburg gleichen Stapel erhielt, unbfKiga aud) alg rufftfehet $afen benuljt würbe, fanf bort ber #anbel, big 1762 biefem trefflichen 94orbhafen bie Äaiferin ©lifabeflp alle SJocrecpte M petergburger ^tafeng einraumte. ©eitbem hebt fiel; mit ber madpfenben S5e»ob ferung Sruplanbg .ber ^»anbcl auf ber Swina an ©in= unb Augfuhr immer ntepti unb A. ifi für ©ibirien ber ^auptjtapelptap aller ©in = unb Augfuhr geworben, bet burd; ©anale mit SRogfau unb Aftrachan in 93erbinbung fleht. 3m 3uni oberSuli fominen bort bie fremben glaggen an unb fegeln im ©cpt. ober Set. julept tvieber ab. 3n jenen ©ommermonaten ift bort ein ffeter 97Zarft von gifchcn, gifd.tpran, [ 2Cttf)dotogte 389 Sintg, Äronleinfaat, tpeljwerF, Raufen, ©dhiffSbauhotj, 3Bad)S, ©fen, grobem Sinnen, ©djweinSborften, d)inefifd)ert unb japanifdjen Söaaren, ©aoiar, c£)au= fen ic. Über 200 ©djiffe ftember Singgen laufen bort jährlich ein; 1823 lic= fen 230 aus. ©n gtopeg ^)inbernijj beS vfjanbels ijt bie ©anbbanF »or bem fonft fiebern -fpafen, bie nur 12^ S«P SBaffer f>at. Sie Seffung Stowo^SwieSF fd)ü( 5 t bie Einfahrt 1-eS «gjafenS. Seift ifi bort ein SBerft für ÄtiegSfdfiffe, welche bie ruf= fifdje Sfegierung nirgenbS in it>ren Staaten wohlfeiler erbaut, unb ein treffliches ftieberlagehauS für werjollte frembe 2Baaren. Sm 2fpril bricht ft'cf) baS ©iS in ber SJlfinbung ber Swina, an beten Ufer im 65. ©rab 91. Br. bie Begetation beS ©c= treibeS unb SbfteS jugleid) gänjlid; aufhort. 17 SBerfte «on ber ©tabt liegt baS (Schiffswerft mit 3 Soden. Sn Archanget refibirt ein ©wil = unb SHilitairgouoet- neur, unb ein ©tjbifdjof. Sie AbmiralitätSgebäube unb ©afenten ber SJtatrofcn liegen auf bet Snfel ©olombalSF, welche bet Stuß Äufcffeniba bilbet. 1816 war ber ffiertb ber eingefufjrtcn jollbaten ©ftter 1,138,000 (Rubel, unb ber auSgefuf)r= ten 8,600,000 (Rubel. Sür ben ©chteichhanbel ber ©infuhr ftnb bort bie Futjen Mächte (ber fütjeffe Sag bauert 3 ©tunben 12 SJtinuten) ein natürliches -f)in= bernifj, wahrenb ber Ftwjen ©eefahrtSmonate. Bon hier gehen jährlich viele @rpe= bitionen auf Sffdffang unb Sagb nach Spitzbergen unb 3towaja=@emtja ju 2ßaf= fer, ju ©chlitten im BSinter bis jur £enamünbung unb vielleicht weiter. Archäologie, in weiterer Bebeutung Altertf)umSFunbe überhaupt, weU d;e ben Buftanb unb bie Berfaffungen ber Sßoilet ber alten SBelt Fennen lehrt, ent= »eber im Allgemeinen oberim Befonbent (fjebräifche, jübifche, gtiechifdhe, romi= fdje, beutfehe, gallifche Ardjäologie u. f. w.). Sn engerer Bebeutung: bie 5D3if- fenfehaft«on ben A n t i F e n ober Ä u n ft b e n F m a l e n beSAltertums, als 2Ber= Fen fd)6ner Äunft, unb bann fagt man juweilen Archäologie bet Äunft, bisweilen jebod) auch Archäologie fch(ed)tf)in, weil man gewohnt iff, bei bem blofen Stamen ber Archäologie, im ©egenfah ber Antiquitäten, an bie Äunft ju benfen, wie bei bem Antiquar an ben Siterator, fo bei bem Archäologen an ben Äunffforfcher. SiefeÄunftarchäologieFann ebenfalls eine allgemeine fein, j. 55. ©tieglifc’S „Archäo= logic ber Baufunff", ober eine befonbere einer ober mehret cinjelnen Nationen, ©eltfam Fann eS fefeinen, baff man gewohnlid) nur an einige Stationen beS Alter= tpumS benFt, wenn man »on Archäologie ber Äunft überhaupt fprictjt, an bie Agppter nämlid), ©riechen, ©truSfer unb (Römer, fobap Ard)äologie in engfter, jebodh gewöhnlichfter, Bebeutung erFlärt werben mufj als bie Äunbe »on ben Anti= fen ber Ägppter, ©riedjen, ©truSfer unb (Römer. Set ©runb hietöon (wenn man ihn nicht in einer ©infeitigFeit ber (Philologen auffuchen will) ift, weil man in bem ©tubium ber AntiFc nad; etwas Jpohetm als blofser Äunbe betfelben, nach einer ÄftfjetiFber Äunft beS AlterthumS ftrebte, bie man nur bei einer Station aufftnben tonnte, beten ÄunftwerFe als (Stuftet für alle Briten ba ff elfen, ©ine foldje -Station war bie gtiedfffche, beren ÄunftwerFe man auch hei ber Archäologie, infofern biefe ©tubium ber AntiFe als beS ©laffifch=@ch6nen in bilbenber Äunft beS Altertums, »orjüglich (PlaffiF im engem ©inne fein foll, »otjüglich im Auge hat. Stur batum befd)ränfte man fidh nicht allein aitffie, weil bie »orhin mitgenannten Bolferben ©riechen entweber vorgearbeitet, ober ©influp auf fte gehabt, ober mit ihnen ge= wetteifert haben, ober auf ihrer Balm fortgewanbelt finb. Unb weit man, bie Äunftgefdiichte jener Stationen jufammenfaffenb, gteichfam bie Staturgefchidhte ber Äunft burd) alle Beiträume, »om beginnen bis jum ©ipfel ber Bollenbung hinauf, unb wiebet jur ©ntartung herab, erhielt, fo nahm man bie Archäologie in jener SefdjränFung um fo lieber, unb mit gropetm ©dpein beS SfechtS, als ein abge= fcplopneS ©anjeS. Sie ÄunftwerFe, we(d;e hier in Betrachtung gejogen werben, pnb bie Überrefte 1) ber BauFunft, 2) ber Bilbhauerei, 3) ber SoreutiF, 4) ber 3eid)nen= unb SDtalerfunft, wot)in attdi bie SOtofaiF gehört, 5) ber Bilbgraberei unb 390 Arcf)e 2Crcf)cnf)o4 TKünjfunft, 6) bec archdotogifdjen ©erdthe (Anticaglien). Sicfe Übettcjie finb in Station, Stanfreicb, Spanien, Seutfchlanb, ©nglanb, Stuflanb unb Sdnemarf jerfireut, unb nun auf Steifen fonnte man fte bafjec eigentlich felbji anfcl;auenb ftubiren, wenn nkhtStachforfchungen unb Abbilbungen einigen ©rfafc gaben. Sat ©tjie, beffen ber Ard)dotog bebatf, ift Äenntnijj bet Summe beb »on folchen werfen nod) SSothanbcnen, unb bie Archäologie rnüfjte barum mit einem tegijfri= renben Steile anheben, weldtet ein SSetjeichnif bet Antifen, ihrer SSefchreiburtgen, 2fbgöffe unb Abbilbungen, fowie bet Sfhtfeen, ©alerten, Kabinette, fPaldjte unb Stillen, worin fte fid) beftnben, nebfi einer ®efd)id)te ihrer SBanbettmgett unb Sdjicffale, enthielte. Seiber ift biefer nothwenbige Sheil bet Ardjaologie nod) nicht in feinem ganzen Umfange aubgefühtt. Siefem Steile würbe ftd) anfchliefen bie Äunjtlehre beb Antifen, alb Äunjtgefchichte »orgetragen, worin über Stpl, SSe, thobe, Äunftpraftif unb Sedjnif, ©eift unb SSefjattblung bet Äunftwetfe, nach Aufgabe ber Äunftepochen, Belehrung ertheilt wirb. Sann folgt bie Äunftljef: meneutif, welche Auffd)tüff* gibt übet bie SSebeutung bet alten Äunfi unb Äff lerfabel, über bie Art, wie bei ©rfldtung ber alten Äunftwetfe »erfahren werben mufj, unb bie baju nötigen ^ülfbmittel. tDtpthologie, ®efchid)te unb Altert^ mer bienen hier alb $ütfbwiffenfd)aften. Sie Äunfifritif liefert nachher bie ©runb= füge, nach benen bab Antife alb Antifeb überhaupt p prüfen ift ober alb einet gewiffen ^ertobe ber Äunft angehorig erfannt wirb. Sabei wirb »on ©dftheit unb Unedjtheit, Anfehungen, ©rgdnpngen, Sterfalfdpngen, »on Ur= unb Stad): bilbung u. f. w. gehanbelt. SieAffhetif beb Antifen enblich fe|t bem Stubium bet Ardjaotogie bie Ärone auf. Sie geigt unb ben ©Otter = unb .^eroencpflub alj bie Summe ber SO?enfchf)cit, biefe Äorper alb fid>tbar gemachte Seele in ben matt: nigfalttgfien Sbealen nach ©efdfjledtjt unb 2flter, »on ber erhabenften ©ottlichfcit eineb Beub bib herab auf ben Satpr, wo ftch bieSOienfdhennatur in bab Khietifd)e »erliert. Sie lehrt unb einbtingen in bie dftlwtifchen Sbcm, bie ben Äunftfchöpfui» gen pm ©runbe liegen, Anorbnung, -fjanblung, Aubbtucf berfelben befiimmenb, mad)t aufmerffam auf ben reinen ©efchmatf, bie cble ©infalt, bie »ollfommette 3wecfmdfjigfeit. ©ine alfo angelegte Ardpotogie bürfte allen Anfoberungen an ein ptecfmdfiigeb Stubium berfelben ©enüge leifien. Stod) aber ift fein SBetfto» hanben, welcheb biefer Sbee gang entspräche. SBincfetmann, -ftepne, SSottig«, SBelcfer, Seifen, $irt, 2fgincourt, SJtillin, h<*btn bap »erfdjiebene SSocbereU tungen gemad)t. S. SSecf’b „©tunbtig bet Archäologie" (Seipgig 1815); Änc= giefjetb „©tunbr. b. Alterthumbwiffenfchaften". A v d) e. So nennt 2utf)et in bet 35ibelüberfe|ung bab Schiff ober ben Äafjn, ober bab fchwimmenbe ©ebdube, in welchem Stoal) wdhrenb ber 9toahd)ifd)en §lut ober Sünbflut feinen Aufenthalt genommen hat; unftreitig »on bem lateinifdjcn arca, berÄaften, gebilbet. (S. Sünbflut.) Sn ben Spnagogen.bet Subettfüf)tt bab Schrdnfdjen, in welchem bie ©efefirolle aufbewahrt wirb, ben Statuen bet l)eu ligen Arche. 11.. Atchenholj (Sofann Söilhelm ».), ehemalb^lauptmann in pteufifciieit Sienften, geb. in Sangenfurth, einer SSorftabt Sanjigb, ben 3. Sept. 1741. ©ein Stame war Sohann Saniel; et fanb aber für gut, ftd) SBil^etm p nennen. Aub bem ©abettenhaufe p SSetlin fam er alb Sfftcier (1760) gut prettfs. 2ftmee, biente bei bem Stegiment Vorgabe bib p ©nbe beb ftebenjdhtigen Äriegcb, unb warb alb ^auptmann (1763) »erabfehiebet ober »ielmcf>r caffirt, weil er bem Äonige »on einer ntdft »ortheilhaften Seite, befonbetb alb leibenfchaftlicher Spieler, befannt ge= worben war. ©r ging nun auf Steifen unb faf) in einem Beitraume »on 16 Saften fafi gang ©ittopa. £>ft war bab Spiel unb trüglicher ^anbel feine ©twetbbquellc; überhaupt fcheint ihm fein $h un «nb Treiben in biefer frühem Beit feineb Cehetib auf feine Sßeife pr ©bre ju gereichen. Sn Stalien brach er bei einem unglücflicljen 391 I 2(rd)enI)otj j gälte vom ^Pfiecbc ein S5cin, gebrauchte bie Sd;wefelbäber zu *Pifa-, befielt aber 1 feit biefer Seit eine fletS unrettbar gebliebene Sähmung beS §upeS. 9iacf) ber 2Bie= 1 betfebr nad) ©eutfd)lanb fjiett er fid) in ©reSben, Leipzig, S3erlin unb Hamburg ] I flU f unb lebte »on Sd)tiftftellerei. Sfjne eigentliche gelehrte Äenntniffe, aber i| teEannt mit mehren neuern Sprachen, auSgerüfiet mit einem nidit gewöhnlichen tl SeobacptungSgeifte unb einer feltenen ©efd)icElichEcit zu fragen unb ju fammeln, ||' mit gtoper 9)lenfcben = unb äßeltEenntnip, mit bem Talente, baS SSBidjtige unb !! ßfiaraEteriflifche niept nur glücEüd) aufzufaffen, fonbern and) in einer lebhaften unb il' (jtmanbten Sprache barzuftcllen, unb mit ber ©abe, bem 3eitgefd;macEe gemäp ben !i Snpattunb bie EinEleibung feiner Schriften ju Wahlen, gewann er in wenig Sap= ]f ren ein gropeS publicum unb erlangte auf baffelbe einen entfd)iebenen Einftup. ]f fljon ber Seit an, ba er juerfi als Sd)dftfMer auftrat, fuchte er zugleich feine S3e= |l icfenpeit fehr ju erweitern, unb wupte fte mit ©efchmacE geltenb §u machen, ©en ©runb ju feinet ehrenpollen titerarifchen Saufbahn legte er burd) bie »ielgetefene I geitfehrift: „Siteratur= unb SSolEerEunbe", bie fid) butch Neuheit, 9J?annigfal= tigfeit, meiffenS glüdliche SSapl unb leiste, gefällige SSepanbtung ber @egen= frdnbe »ortheilhaft auSjei^nete. ©en glanjenbffen Erfolg hatte fein, fajt in alle i lebenbe Sprad)en Europas überfegteS 33ud): „Engtanb unb Italien". Un»erEenn= 1. bar ifl Ejier beS SSerfafferS Äunft, auf Effect ju malen, unb fein SSefireben, burd) gefcpicEte Anorbnung unb einen gefälligen SSortrag ben 3?ei§ beS 9feueit zu »etmeh= j! ren unb baS oft ©efagte wieber neu jufagen. Söenn er in ^infid)t auf Englanb ■ baS Sob übertrieb, fo übertrieb er in >£>infid)t auf Stalten ben Sabel unb erlaubte \ pd) oft bie hanbgreiflid)fien PBerbrepungen. AIS gbrtfegung fchrieb er bie „Annalen : bet britifchen ®efd)id)tc" »on 1788 an (Sraunfchw., H nm &- unb Sübing., 20 | S3be., 1789 — 98). 2fuf eine ausgezeichnete SBcife zeigte ftch fein Salent in inter= | efitnter ©arjtellung, »ereint mit bem 33efiteben, ein fchoneS ©anjeS zu liefern, in | feiner, mit foogfältiger SSenugung ber beffen Quellen gcfchtiebenen „©efepichte beS | fiebenjähngenÄriegS",z uec fHm„SerlinerhirtorifchenSafchenbuchfürl7S9",bann >■ erweitert in 2 S3bn., SSerlin 1793. Sn ber „®efd;id)te ber .Königin Elifabetp", welche f er ju bem „Hißorifcpen Ealenber für ©amen" (Leipzig 1798) lieferte, flnb bie 33ege= benljeiten mit fo unoerwanbter Sfüdftcht auf ben Enbzwed auSgewählt, fo cparaE= 5 teriftifcl; gepfeilt unb in einer fo gefälligen, prunElofen Sanier erzählt, bap Eaum ber intcreffanteffe Sfoman bie AufmerffamEeit mehr an fid) gtcljen unb feffeln fann. \ ‘Jfucf; feine „@cfchid)te ©itjfa» SBafa’S, nebff einer ScpUbetung beS SuffanbeS ■j »on Schweben »on ben ältejfen .Seifen an bis an baS Enbe beS 15. Sahrp." (Su= hing. 1801,2 Spie.) enthält eine anjiehenbe ©arjfellung ber OtegierungSgefcpicpte jenes Königs, aber etwas 9leueS »on piftorifepen Anfichten unb 33euttpei(ungen, I »ie aus beS S3erfaffetS 2fnEünbigung neugebraud)tcr -^ülfSmittel zu erwiirtenge= f wefen wäre, ffnbet man nicht, ©ie legten 20 Sahnt feines Sehens wibmete 31. | meiffber politifd)en Sdjriftjiellerei, als Herausgeber ber Seitfcprift „fDfinetoa", jI bie mit 1792 ihren Anfang nahm, unter ben mannigfaltigem Scpicffalen aud) jf nach beS Herausgebers Sobe fortgefegt, unb nur in einzelnen fritifchen Epochen, || wie 1806 unb 1811, eine Seitlang unterbrochen würbe. 9)?it vieler Klugheit | wupte fiep A. als politifcf;er Sournalijl, ber jebeSmaligen Sage ber S5egebenpei= ten gemäp, baS 3fnfehen ber llnparteilid)feit zu geben, ohne eben immer fo!ge= | recht in feinen Urtheilen unb ©runbfägen zu fein. ©effenungead)tet ijf feine | „SÄmetoa", bie oft .in 3000 Exemplaren »erEauft warb, ein an JPufElärungen | ber Seitgefd)id)te, potitifchen jSS.etrachtungcn, SWittheilungen auSlänbifcher 3luf= | füge, Auszügen aus gropern 5SerEen unb wichtigen 3fctenffüden fehr reid;halti= ?| 9^ 5Berf. 9fad) ber 9rüdEel)r »on ^)ariS (im Herbfb 1792) Wählte X abcr= mals Hamburg zu feinem beftänbigen Aufenthalte. Er Eaufte fid) im H°b(tei= ui|dieit an, unb fo fehr auch Eorpetliche Sd)wad)en ihn in. ben legten Sahten nie* 392 Ard)i Ard)üod)u§ berbrücften, unb obgleich manche fBereitelungen unb ©inbufen feine Sufriebenfjeit ftörten, fo blieb er bod) immer tljdtig unb »oll reger SEljeilnaljme an ben gtofen SSegebentjeiten beg Sageg. 9fod) 1810 machte er eine Steife nad) SSetlin, fam nad) einem Aufenthalte »on 6 SUionaten auf feinem 8anbff|e Spenborf unweit Hamburg jutücf, unb jlarb bafelbft ben 28 gebt. 1812, in einem Alter »on 71 Sahnen, an ©ntfrdftung. B. G. A r d) i, ein gried)ifd)eS 2Bort, bag mehren, befonberg firchlidjen, Amtgti: teln »orgefe(st wirb; ifm entfprid)t bie beutfd)e SSotfplbe „@vj", unb eg bejeicfttet einen hohem ©rab ber SSBütbe, »or beten Sitel eg fleht, j. 23. Arcljibur, ©tjhetjog, Ard)iepigfopug, ©tjbifd)of, Ard)ipregbpter, ©rptiefter, Ardfibiafonug, oberfiet Siafonug. Ardjimanbriten, (Stjabte ober ©eneraldbte, helfen biejenigen Äbte in ber gried)ifd)en Äirdje, bie über mehre Äbte unb Älofter bie Aufftd)t führen, weil in ber alten gried)ifthen Äird)e bie Abte SJJanbrd genannt mürben. 3n ©icilim ' nennen ft cf) einige Äbte fo, weil ihre Äloflet urfprünglich »on griecfjifcher Stiftung ftnb unb ber Siegel beg heiligen 23afiliug folgen. Auch bie ©eneraldbte ber unirten ©riechen in fPolen, ©alijien, Siebenbürgen, Ungarn, Slawonien unb SSettebig führen biefen SEitel. E. Ar d)tbiaf onuS. Siefe firchltdje 2Bütbe, welche anfänglich nur ben erfien unter ben Siafonen an einer Äatfjebral» ober SWetropolitanfitche begeichnete, e» hielt fchon im 5 3ahrf).eine S3ebeutung, welche fie über ben Stang ber fPcegbptet erhob unb ben SSifd^ofen nahe ffellte. Sie Atd)ibia£'onen waren feitbem nicftmir ' blof ©ehülfen, fonbern auch 23icarien berfelben in ben Siocefen unb auf ben ßow eilten. Stad) unb nach tarnen bie ©efdjbffe ber bifd)6fl. Sucigbiction, bie Aufftdjt über ben Älerug, bie Äirchen, Älöfrer unb Eird)liehen ©üter, bag SSifttationörecht unb bag Äe&ergericht in ben abenblanbifd)en Sigthümern, an bie Ard)tbiafonen. S3ig in bag 9. 3ah»h- waren fte nur nod) belegirte Sfftcialen ber S3ifd)bfe objttc per= fönliche Amtggewalt, aber theilg bie Unbehülflid)feit unb Unwiffenljeit ihrer ^Drin= cipalen, theilg bie feit bem 8. 3ahrf). aufgefommene ©intheilung bet Siocefen in mehre t’leinere Sprengel ober Ardjibiafonate, benen Archibiafonen »oegefefct würben, machte fte ju felbfidnbigen Äirdjenbeamfen, bie mit Augnahttte beg 2fc chibiafonatred)tg bie »ollige bifchofl. ©ewalt augübten. Sw 11. unb 12. fjafcf). waren fte alg bie einflufreid)ften *Pralaten ber Äitcfe anerfannt unb auf bemSipfel ihrer 5ttad)t. Seit ©ntfiehung ber allgemeinen bifchoflichen ©erichtghofe unter eignen Sfficialen ober ©eneraloicarien im 13. Sahrl). fanf jebod) bag Anfefjeii ber Archibiafonen, unb ihre ©eridjtgbarfeit ging in ben meifien Siocefen im 15. unb 16. Sahrh- an bie neuen ©erichtghofe über. 3m 18. Saht'h- ffnbetmanfie nur noch alg Signitarien in einigen Somcapiteln, unb jegt tfi biefe SBürbe, befow berg wegen Stangftreitigfeiten mit ben Sechanten unb fpropften, in ber fatf)olifd)en Kirche faft überall erlofchen, auch in bie nadh ber fPetiobe Stapoleong wiebet ctrid)= teten Somcapitel nicht aufgenommen worben. 3n ber gried)ifchen Äird)egaf>eg fd)on feit bem 7. Saht'h- feine Archibiafonen mehr, auf er einem einjigen am gtic= djifchen Äaifethofe p Ä'onftantinopel, bagegen bie hohe bifdjbfl. Ä'irche in ©ttglatib noch jefst Ard)ibiaf'onen hat, welche bie Stellöertreter ber 23ifd)6fe in 23eauf|id)ti= gütig ihrer Sprengel ftnb. Sie Archibiafonen in ber e»angelifd)=lutherifd)en £W;e geniefen auf er bemS3orrange »or ben übrigen Siafonen feine befonbern SSotmfe. 3n Hamburg ftnb fie bie ^weiten ©eijilichen an ben effauptfirchen. 31. A r d) t (o ü) u §, griechifdhet Sid;ter, geb. auf ber 3nfel *Parog, blüht« ® 700 ». ©hr. ©«in feurig wilbeg ©emüth rif ihn in ben Strubel politifcher teiungen fort, unb er muftefein 23aterlanb »erlaffen, ©r begab ftdi nad) dXaifug, wo et gegen bie Shrajier focht, aber babei mehr aug Unfall alg butd) geigfeit fein Sd)ilb »erlor. hierauf irrte er in ©riedfenlanb umher, unb bie Spartaner follen ihn »on ihren Choren weggemiefen haben. 3eboch gewann er in ben olpmpifd)ei> 2Crd)tmebcS 393 ©nieten ben StegeSftanj burd) einen f>pmnu« auf ben dpetcule«. Sein Seben fotl ec im Kriege, «acf> 3fnbetn burd^ fÜleuchelntotber »ertöten haben. gmtchtbatet roac 2(. mit ber gebet als mit bent Schwerte. Spfambe«, ber ihm feine 2od)= tet »erfprochen, treulos aber feine Sufage gebrochen tjattc, erljenfte ftd) au« ®cam über bie Satpre, burd) wetdje ber beteibigte Sidjter Stäche nahm. 9Jtit atcicber SSittecfeit »erfolgte er alte biejenigen feiner Mitbürger, bie ba« Unglttcf Ijatten if>m ju mipfatlen. Sein 3fnbenfen würbe in ganj ®ried)entanb fo hod) verehrt, bap man it>n bem -hontet an bie Seite fteltte. SJlan rühmt an feinen itimbifcben ©ebid)ten bie .Kraft be« Stpt«, bie Sebhaftigfeit bet Silber, eine finn= rotte Äurje, erhabene ©efftt)le unb eine frdftige, aber bittere Satpre. 3tber aud) in anbern, hohem lptifd)en ©attungen galt er al« 9Jtu(ler. Seine SBerfe ftnb bi« auf wenige Sruchfltufe für un« »ertöten gegangen, bie »on Siebet gefammett ftnb, geipj. 1812 — 17, xtberf. ». Stolberg unb gerbet. 23a et be« geteilten *Penta= metec« ju f cinen ©ebicfjtcn ftd) bebiente, fo fjeipt biefer bat)er ber ard)ilod)ifd)e 93 er ö: — uu — ou — 3t X d) i nt e b e S, ber berühmtere unter ben alten ©eometern, geb. ju Sprafu« um 287 ». Gtjr., ein 23ert»anbter be« König« doieto, fd)eint fein offertttidjeö 3tmt befteibet, fonbern ftd) ganj auf bie SBiffenfchaften befchranft ju haben. Seine SSetbienfie um bie 2t?atf)ematif »oUfommen ju roürbigen, fef)tt un« eine genaue Kenntnip »on bem 3uftanbe ber SBiffenfdjaft »or ihm; bod) weif man, bap er fte mit ©ntbecfungen »on ()6d)fter SöicftigEeit bereichert hat, auf t»etd)e bie Steuern it)te ®?effungen frummliniget flächen unb Körper gegrünbet haben, ©uflibe« be= trachtet tn feinen ©lementen nur einige biefer ©rofen in S3egief)ung auf einanbet; ober er »ergteid)t fte nicht mit gerabtinigen gtddjen unb Körpern. 3t. hat bie ju biefem Übergange nötigen Sa£e in feinen 3tbt)anbtungen »on ber Sphäre unb bem ßplinber, ben Sphdtoiben unb Kottoiben, unb in feiner Schrift »on ber SKcffttng bc« ßitfel«, entwicfett. 3u noch fchwierigetn S3etrad)tungen hat et ftd) erhoben in feiner Sd)rift »on ben Spiralen, beren Un»erjtdnbtid)feit jeboch felbfl »on Kennern fd)t»er ju befxegen ifi. 3t. ift ber ©injige unter ben 3ttten, ber un« et= wo« ©enügenbe« über bie 5£h e <>tie ber SRechanif unb übet bie .jppbtoftatif über= liefert. , ©c hat juerft ben Sah gelehrt: „bap ein in eine glüfftgfeit getauchter Körper fo »iet an feinem ©ewiefte »ertiert, at« bie Schwere eine« gteid)en 93otu= men« ber glüfftgfeit betragt", unb befiimmte mittelf beffetben, wie »iet 3ufab ber fBerferttger einer Krone, bie ber König $iero au« reinem ©otbe »erlangt hatte, betrügtichermeife fnnjugefügt habe. Sie 3tufIofung biefe« Problem« fanb er, a!« er eben babete, unb fte »erurfadjte ihm fo »iet greube, fagt man, bafj er unbetleibet au« bem 93abe nad)fjaufc eilte, mit bem 3fu«ruf: „ 3d) habe e« ge= funben! id) habe e« gefunben!" Sie praftifdje 5Dted)anif fdheint ju 3t.’S Seiten ebenfalls eine neue 3Biffenfd)aft gewefen ju fein, benn feine 3tupecung, bafj er bie ©tbe umbrehen rootte, wenn man ihm einen fPunft aufer berfetben gäbe, wo er flehen fonne, jeugt »on bem ©nthuftaSmu«, ben ihm bie auperorbenttidjen SSBitfungen feiner 3Rafd)inen eingefloft hatten, ©r ifl ber ©rftnber be« glafd)en= jug«, wahrfd)eintich auch ber Schraube ohne ©nbe u. f. t». 5Bdf)renb ber 93etage= vung »on Sprafu« entwicfelte 3f. fein ganje« latent, um gut 93ert()eibigung feine« Satertanbe« mitjuwirfen. ^oh;bxu«, 2i»iu« unb fptutard) fpred)en au«fut)rlid) unb mit SSewunberung »on ben SKafchinon, bie er ben Eingriffen ber 9tomer cnt= gegenjlettte. Sie metben jeboch Pflicht« ba»on, bap er mitfSrennfpiegetn bie feinb= tiepe glotte in SSranb gefledt habe: eine Sache, bie an ftd) h6ct)fr unmat)rfd)eintid) ift unb nur auf fpdtern 9lad)tid)ten be« ©aten unb Sudan beruht. Sn bemfetben Etugenbticfe, wo bie fRomer, unter 9Rarcet(u«, burd) Überrumpelung ftd) ber Stabt bemächtigten, fap 3f., wie bie Sage crjdhth m 9lad)benfen »ertieft, auf 394 2ftcf)ipefaguö 2Ci*(fenf)olj bem SJJatfte unb hatte allerlei giguvett Pot fiel) in bm ©anb gezeichnet. ©nem romifdjen ©otbaten, ber auf ifjit einbrang, foll et jugetufen tjaben: ,,* 8 ringe mir meine Greife nicht in Unotbnung !" 2fllein bet ro^c Krieger nutete fo wenig barauf," bafj et i(;n fclbff nieberftief. Sa man bic Groberung »on ©prafug in boS / Gppetn ;c.) 2 Crc^itcftonif, 2Crdf)tteftur, f. Saufuttfb. Sfrchitra«, f. ©dule. Ufrdjiö, eine ©ammtung «on fdfjriftlidfjen Utfunben, Welche bie 9?ed)te, SSortechte, 3(nfptüdje, SSertrdge, SSerhdltniffe u. f. td. einet Familie, Gotpora= tion, ©emeinbe, ©tabt ober eineg Steidjs enthalten; auch berSrt, wo berglei; djen Utfunben aufbewahtt werben. Gg gibt bemnach fPrioat; unb öffentliche ober ©taatgarebiue. Ser ben le(stern »orgefefjte S5camte heipt 2trd)iönr. ©djon bei ben dlteffen SSolfern gab eg2frdfji»e. Uftaeliten, ©tiedjen unb Stomer hatten (te in ihren Sempeln, unb audj bie Gfjriften bewahrten anfangg wichtige Utfunben bei ben heiligen ©efafen unb Sfeliquien, big eigne Srte baju angewiefen würben. SaS Stedjt ein von Starent, ein berühmter fPptfjagordet, unb alg wahrhafter SBeifer, grofer SJtatfjematifer, ©taatgmann unb gelbherr feiner Beit berühmt. G'r wibmete fldj 51 t SBetapont bem ©tubium bet ppthagorifdjen g)f>Uofopt)ie. 2flö Bcitgenoffe beg ^tato (96. Sl., 400 «. Gljr.) lebte et 100 Safjte fpdter alg EPptlja; gorag, unb lebte noch, alg SMato nadj ©icilien reifte. Sttan fann ihn baljet nidjt alg Seljrer beg fPbUcdaog betrachten, welcher alter war, noch weniger alg begfPptljn= gorag unmittelbaren ©djüler. 3)?an fdjreibt ihm bie Grffnbung ber analptifdjen SJfetfjobe in ber 3J?athematif unb bießofung mehret geometrifdjen unb medjanu fdjen Probleme ju. 3(uch foll er ein Tfutomat (eine fliegenbe Saube) perfertigt haben. SSielleidjt war er audj Grftnber ber Äategorien in ber ^hdafoph’e. Soch i|t noch ttnentfehieben, ob 2 fri)boteleg aug feinen ©djriften gefdjopft, ober feine ©djrtft über bie 10 Kategorien untergefdjoben ijb. ^oraj beftngt ihn alg einen an ber apm lifdjen Äüftc Grtntnfenen. 2fnf enl;ol j (Johann), cP)iftorifer, geb. 1695 in fdjwebifdj ginnlanb, geft. ju ©tocfholm b. 14.3ulil777. Gin fdjriftlicherTfuffah gegen Sranfreidj unb^lemp (fpdter in SSüfcfjing’g „SKagajin für^tftorie unb ©eograpljie" mitgetljeilt) warUr; fache, bajj er 1738 f. 3fmter oerlor. Smbefj ernannte ihn Ä. ^riebriclj I., ber jugleidj hefftfdjer Sanbgraf war, 1746 jum SSibliotbjefar in Äaffet, unb 20 Sahrc fpdter 2frbennen 2ftco (©rafen non) 395 / 1 ; bet 9?etdt)ScntI) nad) ©tocfbolm äurucf. (5t fcf)rte6 „Memoires concernant j ? Christine , reine de la Suede" (t(mjferbam 1751 — 60, 4 ffibe., 4.). ) 2ftco (©rafen »on). ©d)on unter bem Äurfütfien Pta» ©manuel war bicfe i; | garnütc in Saietn einflufitcid). Unter ber »origen Stegierung würbe fte eS nod) weit i i' me f) C( »ornebmlid) burd) foigenbe 5 ©efcbwifier, wooon 3 in bem blufjenbften Ttlter ; | färben. 1) SO? ap, ©efanbter beSPfalteferorbenS ambaitifd)en>£>ofe. 83on feinet t | ft^ern ©efanbtfd)aft nad) Petersburg bat ber 2fbbe ©eorget Pad)tid)t gegeben, j; gt commanbirte 1809 als bairifdjer ©enerat ein ©otpS gegen bie Siroler unb fiel Ü ton einer feinbticben Äuget getroffen. — 2) Philipp, geb. ju Pfunden b. 19. j f gifpt. 1775, Weicher als ©eneralcommiffait bet bairifdien Prooinj ©d)Waben in J j Ulm b. 29 Pob. 1805 ftarb. ©r »erbanb große ©efcbdftsfenntniß mit ben »orjug* I i lid)fien ©etfteSgaben unb raff lofen gleiß mit bem tiebenSwurbigften, (jumanjten Se= II tragen. — 3) ©rueftine, ©tdftn». 20, vermahlt mit bem PUmflet ©tafen f. (WontgelaS, ftarb 1820 in Stalien. ©S ifl befamtt, baß biefer Pfinijfer feit feiner ’J ( 3}ermdf)lurtg ein minber liberales ©pftem in ber ©taatS»erwaltung angenommen :$ batte. — 4) Subwig, £)betbofmeiffct (unb ©emaljl) ber ©rjl)eräogin Ptarie i! üeopolbine »on Öfireid), SBitwe beS Ättrfftrfien Äarl Sb^ 01 ' »on Saietn. ©eine ( @öf)ne fitsten ben tarnen bet alten ©rafen »on Sogen. — 5) Äar l, Präftbent t M £>bcrappellationSgerid)tS ju PWmdjen unb 9feid)Sratl). Pfan fennt ihn brtrd) fein im 9fcid)Sratl) abgegebenes Sotum ftbet bie Sttben unb burd; ein ©enb* ü ; ftbtciben an ePietrti ». ©paun, worin bie Söunbet beS gutffen ^of)enlol)e in ©djug pi genommen werben, fowie aud) burd) einige 2Borte an baS Publicum.über bie im |; ftoceß wenig angefod)tene ftbeicommiffarifdje Setfugung beS ©rafen »on Satten* | j bad), welche mit Umgebung beS Sattenbäd)’fd>ett PfannSflammeS bie ganje in ] | einem ÜBertbe »on ungefähr 2 Ptill. ©ttlbett beflebenbe ©rbfd)aft bem ©ol)ne beS | ©rafen ». Tfrco jugewenbet wiffen will. h 2Cv q on (Seait (Staube ©leonore »on), ©tftnber ber fdiwimmenben Sat* 11 terien, mit benen ©ibraltar bezwungen werben follte, geb. 1732 ju Pontarlier, If war fftr ben geglichen ©fanb befitmmt; feinSater, ein2(b»ocat, gab aber ber | f)mfd)enben Peigung beS ©obneS für bie ÄriegSwiffenfdjaft nad). ©r warb in bie ; f SJlilitairfdjute §u PJejiereS 1754 aufgenommen, unb baS foigenbe Saht Ptttglieb ) | . beS ©eniecorpS. 3m ftebenjabrigen Äriegc jeidEjnete et ftd> »ortl)eilbaft aus, »or= |* f jüglicb 1761 bei bet Sertbeibigung »on Äaffel. 1774 befam er ben Auftrag, | \ eine ©barte »on bem Sura unb ben SSogefen aufjunebmen, unb um biefeS ©efd)äft i befcbleuttigen, erfanb er eine neue Sufdjmanier, bie »or bet gewöhnlichen »ieie i SSortbeile gewahrt, ©r batte eine unerfcbopfIicbe©inbilbungSbraft unb unerraübete | j Sttdtigfeit. ©r fdjrieb Piel)reS, unb in allen feinen ©d)tiften, bie trog ber fehler* i t; haften ©ebreibart ffcfj angenehm lefen taffen, erfennt man Sfeidjtbum an Sbeen I ; unb 3üge »on einem glanjenben ©enie. 1780 erfanb er bie fdjwimmenben 95at= | \ tetien. 25af ber ©rfolg ben ©rwartungen nidjt entfprad), baran watbefonbet'S j \ hie ©iferfuebt unb ber Pfangel an ©inigfeit unter ben franj. unb fpanifd;en Öfft* eieren ©djulb; benn ©lliot, ber fßertbeibiger »on ©ibraltar, laßt bem ©rftnbet ! f »olle ©ereebtigfeit wiberfabten. Sei bem ©infalle in Jpollanb unter Sumouriej i nahm er mehre Plage, u. a. Sreba. ©t jog fiel) in bie ©infamfeit jtttuef unb | | feftieb hier fein legteS, aber »orjfiglicbjieS SSBerf, baS ©rgebniß aller übrigen: | ; »Considerations militaires et politiques sur Ies fortiiieations". IDer erfte ©on* | S ful brachte ihn 1799 in ben ©enat, unb er jfarb am 1. Suli 1800. 1 f 2Ctbennen, ein PBalbgebirge swifdten ber PfaaS unb ber PJofel im ©roß* | h^jogtb. Supemburg. 3ut Siomeujeit nahm ber 2frbennenwalb einen großen Sbeil | ] l)cn Gallia belgica ein, unb nad) ©dfar reichte er »om Schein bureb baS ©ebict f | her £re»irer bis ju bem ©ebiet ber Sfemier. Pfebv als 20 gluffe unb Sadie ent* 2CrC0, f. Pizzicato. 396 Xrbep Xrembetg (,gjau§) fpringen auf bemfelben. Ser 83ergbau auf ©fett, Äupfer unb ebte SDletaUe stiirb nid?t mehr betrieben. €T?ocf> jefst ifl bort bie Schafgudjt betrdcfjtlicfj, unb bie 3agb fef>r ergiebig. Sen tarnen Xbennen leitet man »on bern celtifcfen 2fr, bei, unb Suamta, EStunnen ©otteg, ab. — Sn einem weitern Sinne nennt man bie ®c= birge, bie »om ehemaligen ftanj.^ennegatt big jur SEJJofel reichen, 2frb ernten, ba= her aud) ein Separf. beg norbofll. gtanBreichg, welcheg auf 80 OM. 266,985 ß. ($auptff. Megieteg) jähtt, »on if)m ben Namen hof »on feiner $auptffabt Xteg ba$ 4>ergogthum SSurgunb mit fPro»cnce, bag im 9. 2fah l 1>- auf Bürge Seit ben Sitd eineg Äonigreidjg führte. (S. 23 u r g u n b.) Aremberg, ehemaligeg 0?cicf)gfurfienthum unb regierenbeg hergoglidje« >f)aug. Ser glecfen unb bag Schlof Xemberg mit 490 Sinnt., wichtigen S3lei= unb SifenmetEen, liegt in ber Sifel gwifchen Äoln, Sittich unb 23tanfenheim, ge= horte ehemalg ^umEurrheinifchen Greife, jebtgumGreife2Cbenaubeg9fegietunggbc= girfg Äobleng, im preuf. ©rofhergogthum Niebetrhein. Sag a u g 2f r e m b erg, ein Sdteig beg .fjaufeg ßigne, »elcheg 1547 burch ^eirath bie bamalige ©raffefaft Xemberg erwarb, war eing ber alten (13) beutfehen gturftenhaufer. Sg erhielt biefe ESurbe 1576 »om Äaifet Marimilian II. unb hotte Si§ unb Stimme auf bem Neidjgtage »on 1582. Ser ©rttnber beg neuen $aufeg Xemberg watfPhiltpp .Hart (ber ältere Sohn Sohetgog EProgper gehörte mit gum Nfjeinbunbe, »erlor aber 1810, burch Napoleong ßiw »etleibitng jeneg ^terjogthumg in granfreich unb SSerg, feine Souoerainetät. Ge »ermählte ftch 1808 mit’ einer Eftichte ber Äaiferin Sofephine, welche ERapoleon jur frang. ^ringefftn erhob, Stephanie Safd)er be la fPagerie, bie ftd; aber »on ihm 1816 fcheiben lief, worauf er ftd) 1819 mit Subomille, beg gitrfien »on Sobfomih ältefier £od)ter, »ermählte. Seit 1815 ift ber -^tergog »on X Stanbegl)crr, wegen 2fremberg unb ERecflinghattfen (im ERegierunggbejttBe Mtmfter, 12 Aiena AteopaguS 397 39,600 E.) unter pteuß., wegen Steppen unter fjano». Roheit; er ift bafjer 2ftit= glieb ber etffen Kammer ber hano». ©tdnbe»ctfammlung. Sem flanbcä^crrt. ©e= biete be«.$ctj. ». A. in $ano»er, ober bem Amte SJteppen (33 DSfR., 39,500 6.), würbe »om König ©eotg IV. am 9. SOTat 1826 bet 9tame ^erjogt^um Aremberg = Vteppen beigelegt. Ser Jperjog fann eine Ehrenmadie halten. @ein @erid)t«ftanb ift bei ber Suftijfanjlei ju SSnabrücE. ©einem >f?aufe ift in peinlichem galle ein ©erid)t«ftanb »on Au«trdgen oberbaS S?ed;t, »on Ebenbürtigen gerichtet ju werben, bewilligt, unb ba« in foldpem gälte etgel)enbe Erfenntniß bann nie bie Eonft«cation, fonbern hödpften« bie ©equefiration ber mebiatifrrten S3e= [((jungen jur golge haben. Sn ben übrigen ©traffallen ift ba« Staat«= unb Eabi= net«minifterium bie auSfdpließüdje 58ef>orbe für alle SKitgiieber beö hctjogl. $aufe«. (Sßgl. ctrcn.) 2fucJ) ift er ©ranb »on ©panten erfter Elajfe. @ammt= liehe Seft (jungen be« cfjerjog« in Seutfcflanb enthalten 45 □$?. (125 £luabrat= lieueö) unb 79,100 Sem. SOtit Einfdpluß feiner S3eft'(jungen in ben fRieberlanben unb in granfreid) hatte ber »orige efjerjog 1809 über 1,700,000 gt. Eint., mei= ften« au« SBalbungen, felbft in ben fPprenäen; gegenwärtig 750,000 ©tbn. Sa« $au« ift fathotifd;, bie gemöhnlidpe fKefibeng ba« ©dptop ElemenSmerth bei 9Jtcp= pen, auch Srüffet. 20. Arena, f. Amphitheater. A r e n b t (Martin griebridp). Siefer burcl) f. tuiffenfd; afttid)en 2Banbetun= gen burch einen großen Europa« berühmt geworbene banifclje ©etehrtc war geb. ju Altona 1769, unb ftarb, »on einem -Dletoenfdplagc getroffen, inbetSWh* »on Sßenebig 1824. Auf bc« ©rafen »on 9te»enttow Empfehlung würbe et 1797 beim botanifdpen ©arten ju Kopenhagen als Eleoe angeftettt; allein feine Vorliebe für AlterthumSforfdjung führte il;n auf bieUnioerfltätSbibliothef, wo et in ftrenger Kalte ©tunbenlang bie Atnaemagnaeanifdjen Sammlungen burdpfal). SBit (am beSl)etrlid)er Unter ftü(sung reifte er 1798 nad) ginnmarf. Norwegen hat er fehr genau burd)forfd)t, u. a. ©egenben, bie »or il)m fein grember betreten batte. Er fotlte lebenbe fPflanjen unb ©amen einfammetn; allein er brachte wenig ober nichts jurücf unb würbe entlaffen. 9?un begann er feine antiquarifd)en ©ammlungen in ütorroegen 1799 unb 1800. Sann l)idt er fiel) längere ßeit in ©daneben auf, in SRoffocf bei SEpdpfen, in $)atiS bei Vtillin, unb in SSenebig. Einen Sheil feinet Rapiere, Seidpnungen unb Ablpanblungen, alle antiquarifchen Snfpalt«, ben9tor= ben betreffenb, hat er in ber Sibliotlpef ju Kopenhagen niebergclegt. Auch hat er in fPati« unb in »erfchiebenen Stabten ©dpmeben«, Seutfd)!anbS unb Sdnemarf« cinjelne Slatter bruefen (affen, ©pater burdpwanberte et bie Schweig, ©panien, Stalien unb Ungarn. Er lebte »on ftemben SSeitrdgen, fdplief oft unter freiem Fimmel unb fannte feine Sebürfniffe ber Scquemlidpfeit. Alle feine fPapiete trug «bei ftd). Sie.Vcrfolgungen, bie er in Neapel, als beS EarbonariSmuS »erbadp= Ug, auSjuftel)en hatte, haben »iel bagu beigetragen, f. Sob gu befd)leutiigen. Areöpagu«, bet altefie unter ben athenienfffdpen ©erichtshöfen, unb jugleid) wegen feine« Anfeljen«, feiner Unbefd)oltenheit unb ©eredptigfcitSliebe ber berühmtefte. Er hatte ben 9Jamen »on feinem VcrfammtungSortc, bem unweit beegeftung gelegenen >£pügel be« 3J?ar«. Sie Stiftung biefe« ©eritfpt« wirb »on Einigen bemEefcop«, »on Anbern bem ©olon jugefefprieben; bodp fdjeint er »on Se^term nur eine beffere Einridptung unb wichtigere Vorredptc erhalten ju haben. 2(u« wie »iel Sftitgliebetn er befianb, laßt ftdp nidpt angeben. Sie ©teilen waren auf 2eben«geit unb würben mit ben abgegangenen Ardponten befe(jt, bie ftd) burd) refclidpe unb eifrige Amtsführung Seffen würbig gemacht hatten. E« warb ju bem 6nbe eine befonbere Prüfung »orgenommett. Arifiibe« nannte ben Avcopag ba« bctligfie ©eridpt ©riedpetiianb«, unb Semoftlpene« »erftdpert, baß er nie ein Urtlpeil 9cfpt'odpctt, womit nidpt beibe Uheile gttfrieben gewefen. Sie Verbrechen, weldpe 398 3(tca ?Creftn (ßljnflopf), greif). von) »or bieg ®erid)t gehörten, waren: »orfafclichet SDtorb, SJcrgiftung, Staub, 9J?oib- brennerei, Sittenlofi'gfeit wnb Steuerungen im Staat unb in ber Stetigion; jugleid) war ihm bie ©otge für bie SSerwaifeten aufgetragen, 2(ud) anbre Staaten @rie= cpenlanbg unterwarfen ifjre Streitigfeiten feinem tfuSfprucfyc. ©eine SSerfamni: tungen fjielt bet 2freopag unter freiem Fimmel unb im 25unfel bet Stadjt. Stad) Erörterung beg gallg würben bie Stimmen gefammett. S3i6 auf {Perif leg befjielt biefcr ©ctid)tgf)of feine gattje Steinzeit; burcf) tiefen aber, ber aud), of>ne2Trchont gewefen ju fein, ft'd) jttm 2freopagiten aufnehmen tief, würbe er juerj!»er(e|t; bocf> behielt er nod) fange fein ‘ifnfetjen, bag' erft nach unb nad) mit bemSSetfaffe 2ftf)en$ fanf. 3£reg, f. SJtarg. 2£retl;ufa, 1) eine»on ben^egperiben (f. b.); 2) eine3tod)terbedSte= reug unb beriDorig, erff eineStpmpt;e ber 3lrteniig, bann eine berftf^mte Sluetle ber Snfet Srtpgia, bie ben »ierten S^eil ber Stabt SprafuS enthielt. SBon ihrer 58er; wanbtung in eine Quelle f. 211p h eu 8. 25a SEfjeoftrit an if>rett Ufern feine gbplfm bid)tete, ifl fie oft jur -SStufe bes Jpirtengefangeg gemacht worben. 2Cretin (2(bam, greif).».), ein baitifcfyet Staatsbicner, geb. b. 24.2fug. 1769 ju Sngoljfabt, trat nad) »ollenbetcn Stubien bet Stechtgwiffenfchaft in Staatgbienffe, wo er unter SStonfgetag big jum S3orftanbe ber biplomatifdjen ®cc= tion fid) emporarbeitete. Er nahm an »iefen ber ;"mid)tigjfen Arbeiten 2(ntf)cil uni) warb, als im gebt. 1817 ber ©taf SIcd)betg bag {Portefeuille ber augwdrt. 2fnge= fegenfjeiten übernahm, an beffert Stelle nad) granffurt gefdjicft, wo er fiel) fomof burd) SJtdpigung al$ aud) bitrd) bie enetgifd)e 33ertf)eibigung ber bairifdjen 33et= faffunggurhtnbe allgemeine 2fcf)tung erwarb. 1819 erlieft er bag ©topfteuj bed SSerbienfforbenS. SBag er bruefen fiep, erfcf)ien nid)t unter feinem Stauten unb in jieljt fid) meiffcntf)cifg auf feine Äunffliebfjaberei, ba er eine bergr6ptenÄupferpid)= fammlungen unb eine bebeutenbe 2(njaf)l »on ©emdtben beftljt. 2C v c t i n (Ehtijfopf), greif).».), Sruber beg ©origen, geb.ju3ngolftabt b.2.25«. 1772, ftubirte §u Jpeibelberg unter ber Seitung beg bam. {Prof., je^igen 3uftijmi= nifletg »on Rentner, fowie narf)f>er ju@6ftingen unb{Pari8; aud) war er feiner Seit mit in bie 3l£uminatengefcf)id)ten »etfTod>tcn. Et trat früh in StaafgbienfTeunb warb 1799 Sanbegb'irectiongratf). Schon 1799 unb 1800 brang er auf 2(bfd)iif= fung ber geubalftanbcunb auf gufammenberufung beg 2anbtagg. S5ei bem Streite bet bairifdjen 2anbftdnbe mit ber Stegierung 1800 unb 1801 war er afg Schrift* {feiler fcfjr tf>atig, warb 1803 nad) 2fufbebung ber Äfoffer afg Stegierunggcoin* 'miffair jur 25urd)fud)ttng bet Äfo{ferbibliotf)efen abgcfd;icft, gelangte 1804 jur Steife bes SSiccprdfibenten ber 2(fabemie ber SBififenfajaften, würbe 1S06 2Dber= bibtiotfjcfar an ber Eentralbibliotfjef ju£Stünd)en, 1807 Sccretair ber erften (Eiaffe ber2f8abemicbcr2Biffcnfd)aften, unb 1809 Stifter beg Eioituerbienfforbeng. <5r gab je§tmitS3abo unbfpdter mit Sd)erer»on 1804—6 ein Sägeblatt, „2futora", l)er= aug, unbfpdter, atggortfefsung begbekannten „Seipjiger allgemeinen literarifdien Slnjeigerg", ben„9 f teuenlifetarifd)en2l'njeiget". genier: „‘tlugfprüdjeberfOtinnege: richte" (1803); ,,©efd)id)te ber Suben in S3aietn" (1803); „'Üttejfe Sagen über bie ©eburt Äarlg beg ©ropen" (1803); „SSeitrage jur ©efdjichte bet SEBünfdjet-- ruthe" (1807); „25ie frühften uniuerfalfjift. golgen ber SSuchbrucEerfunjt" (1809); „SSeitrage jur @efd)id)te unb Siferatur, »orjugtid)- aug ben Sd)d|en ber mündinev S5ibliotl)er" (7S3be. ober42Riefte); „Einleitung jur Sheorie unb grätig ber 3Jine= monif" (1810); „2iteraturber®efd)id)tcS5aierng"(1810); „S2achrichtenjurbau rifdjeti ©efd)id)tc aug nod) unbemittelt, meiffeng auglanbifcljen Quellen" (1811); ,3ahrbud)erber©ered)tigleitgp(Tegein{8aiern" (1813 unb 1818); „@efd)ichtebed 13. ?frt. ber beutfehen Sunbegactc"; „@efprdd;e ftber bie bairifdje SBcrfaftunggitc* funbe" (1818); „SSaivifdlcr 9Serfaffunggfated)igmug" (1819); „2iterarifd)eSS7o= •ii 3Cretino 399 3fretin (©eorg, 'greif). ».) tiatSfd;rift für bairifd;e Staats: unb ©efchäftSmänner" (ISIS imb 1819); „S3ni= rifd;e2nnbtagSseitung" (20$efte, anfangs alS.£>ofäeitung«etfd;tien, bis if)rc9iid)= tung gegen bie SJJiniffer nicht mehr ju «erfennen mar). ©eine 1809 erfd)ienene @d)rift: „Sie $piane Napoleons unb feiner ©egnec inSeutfd;tanb", worin er bie burd) ffuSlänbet bewirften Veränbctungen VaiernS auf eine biefen nad;tf)eilige SBeife be[cud)ten wollte, erregte einen langen unb heftigen ©treit jwifdjen ben ©eteljrten sSh'incbcnS, nadf) beffen Veenbigung 2f. auf l)6d)fie Veranlaffung feine bisherigen jimtcc nieberlegte unb 1811 als erffer 2fppellationSgcrid)tSbirector nad) 92euburg ging; 1813 warb et Vicepräftbent. ©eineglugfdjrift: „©ad;fenunbfPreujjen" (ju ©unftenSacpfenS), machte aufjerorbentlid;e6 2(uffehen unb jogipm nieten Verbruß ju. ©eine 3eitfd;rift„2fllemannia" (1815 fg.) enthielt lcibenfd;aftlid;e3fuSfätte auf hJovbbeutfchlanb. 1819 würbe er in bie ScputirtcnEammcr beim bairifchen £anb= tag erwählt, unb er war in berfelben eins ber wirEfamjten Vfitgticber, obgleid) man ihn anfangs «ecEannte, weil er ftdf> bem dperrn non ^crnthal, ber burd; Ultra: oppofttion ber guten @ad;e fepabete, entgegen fegte. Sit bemf. S. würbe erfOfitglieb ber ©efetlfcpaft für ältere beutfd;e ©efd;id;tSfunbe. ©r fratb ben 24. Sec. 1824 juSDfiindjen als 9>räfibent beS 2fppellationSgerid;tS im Sfegenfreife. 2£retin (©eorg, greif). ».), ein SSruber beS Vorigen, ijt geb^ guSngolffabt 1771, fiubirte ju $eibelberg unb warb 1793 2fbminiffrator bes'SonaumooS: gctidjts, wo er bie ©uttur eines 17 ©tunbeit im Umfang betragenben ©ttmpfcS thätig beforberte. 1796 würbe er jum ^ofEammerratp, 1799 jum 2anbcSbirectionS: bircctor in ffmbetg unb 1806 jum ©trafen: unb SBafferbauinfpector in Sirol et: nannt, wo er in einer jWecEmäßig abgefaßten ScucEfd;rift baS-SSolf über bie beffen SSorbeugungSmittel gegen bie Verheerungen burd; Vergfällc belehrte. 2(IS 1809 bie Snfurrection in SEirol auSbrad;, war er ©encralcommiffair beS ©ifacftteifeS ju Srivcn unb würbe als ofir. ©efangener nad; gänffirepen in Ungarn abgefüprt. 1810 erhielt er «om Äonig »on Vaietn gur Selopnung feiner Verbicnfte ein 2ehn= gut unb ein anfehnlid;cS Saprgelb. ©r lebt jegt auf feinen ©ütern ben SB3iffenfd;af= ten, Äiinffen unb ber 2anbmirtf;fd)aft. Unter feinen vielen ©d;riften, bie größtem tijeils ein praftifcpeS unb »atcrlänbifcpeS Sntereffe haben, nennen wir ben „©eniuS oon SSaiern" (4c£>efte, 1801—4); „Vaiern nad; benVcftimmungen beS gricbenS ton &raipo:gotmio" (1801, 4.); „©ebanEen eines oftr. Patrioten über biefPolitif feines VateclanbeS" (1806); „3eitbebutfmf[e, mit befonberer SRficEftdjt auf SBaicrn" (SKegenSb. 1817—20, 4S3bd;n.), unb ben bead;tungSwcrthen „Ver: fud; eines SefenfionSfpffemS von Vaiern" (SJIegcnSb. 1820, 4.). ftretino (Pietro), einer ber betiil;mtcftcn italicnifdien ©djriftffeller beS 16: Saht'h., uerbanEte ben größten Speit feines VupmS ber tfuSgelaffenpcit feiner Seber. ®eb. ju tfrejjo 1492, ber naturlid;e ©ohn eines ©belmannS, beffen 9ia= men ec nicl;t fuhren burfte (beim ber 9?amef(retino geigt nur feinen ©eburtSort an), itatb er aus einem Viidjinnbctleptling ein ©cpriftjreller, ber fid; bie ©unff ber Äonige erwarb. 5Kan nannte il;n bie ©eißel berfelben, aber er trieb bie ©d;meicpelei bei i()non bis jurVerworfenheit; er felbft hatte übermäßige Vemunbcrcr, trog betVoS= heit unb |)cftigEeit feiner ©afpren. ©benfo fe(;r »on^raplcrei unb ©tolg wie «on Salle erfüllt, ertrug er Vegegnungen, bie man ftd; nur gegen Verworfene erlauben tof; einerfeits ein fo gitgellofer ©cpriftfiellcr, baff man mit feinem 9famen bie Sdjamlofigfeit unb ©d;lupfrigfeit bejeiepnete, fd;rieb er aud; «iele SBevEc ber 2fm tot unb ©rbauung, unb gab legtern ben Vorjtig, wenn eS fein Vortljeit crfo= bette, ©ein Siupm erwarb tl;m ben Veinamen beS ©ottfid;eit, unb er war an= fpntrijSüoll genug, ihn felbff, wie einen Site!, feinem Dfamen beijufugen. ©o lief ft auf fiel; Scnfmönjcn prägen, tt. a. mit ber Snfdjrift: „Divus Petrus Aretinus, Flagellum Principum", unb macl;te bamit mel;ren gärffen ©efchenEe. SEBegen mies ©onettS gegen ben 7fb(aii aus ^frejjo «erjagt, ging er nad; Perugia unb «on 400 2frganbfcf)e Sampe 2frcjett§ ba nad) Stom, wo ec in bte ©ienftc SeoS X. unb fpdtec .fjabrianS VI. trat. SB E; gen 16 fd)dnblid)ec Sonette, bie er auf ebenfo »iel 3eid)nungen »on ©iulio £Ro= mano »erfertigt batte, mupte et 9iom »erlaffen. 3of>ann »ott SObebtci berief ifjn l ju fidt) unb nahm i£)it mit ftcb nad) SRailanb, wo 2f. ©elegenl)eit fanb, fid; ' grang I. gefällig gu madjen. Stacbbem er abermals Stom befud)t, feierte er gu fei= ' nem 35efd)fi&er, Sofjann »on SItebici', gutüd, ber it)n immer mehr ItebgeWattn 1 unb »ecmunbet in feinen fernen ftarb. 1528 lief fid; 2(. gu SScnebig nieber, vdo n : | ftd) mdd)tige gteunbe erwarb, unter benen ber SJifdjof »on SSicenja ifjn fotvot mit ; | bem fPapft auSfobntc als aud) bei Äatl V. fo empfai)i i bap biefer ihm eine golbene , 1 Äette überfci)i(fte. gtang I., ber nicht minber gropmütfjig fein wollte, fdjenfte iijm '• eine dt>nticf)e .Sette. 2(13 aber fpdtec Äarl ihm einen ©nabengebalt »on 200 Sba= lern auSfeljte, hinter welchem Stang gutucfblieb, empfing jener allein alle Sobfprudje, , 1 bie ec bis baljin unter S5eibe geteilt batte. 2(ud) ber egergog »on 2e»e fegte if)m einen anfel)nlid)en ©ebalt aus. 2(uferbem gewann er nad) feiner eignen Eingabe burd) feine Schriften jdl)tlid) 1000 ©olbtbaler, nebft einem Stieg Rapier unb einet glafd)e ©inte. SRicolo granco, ein ebenfo gugellofer, aber ungleid) gelehrterer ©d)riftftcller, half ibm bei feinen 2ltbeiten. 2(.’S 9iuf verbreitete ftd); aus ollen ©egenben Italiens fdjrieb man an if>n unb fud)te it>n auf. ©urd) feine (5rbauungS= fd)tiften föhnt 1 ' er ftd) mit bem tomifeben $ofe aus, unb SuliuS III., ber ebenfalls auS 2fteggo war, warb burd) ein ©onett, baS fein SfanbSmann an ihn richtete, fo gc= rührt, bap ec il)m 1000 ©olbfronen fdjicfte unb t(jn gum ©t.=fPeterSritter machte. ; ©rei Sab 1 '« nachher warb er »on bem dpergog »on Urbino bem fPapfie felbft vorge= . flellt, ber ibn nidtt nur ebrcn»oll, fonbern felbff mit 3dctlidE)feit aufnabm. ©oeb konnte er ben ©arbinalSbut, wonach er eifrig ffrebte, nidtt erlangen, ©ie 2(rt feines SEobeS entfprad) feinem 2eben. ©c batte ©djwejtern ju föenebig, bie ebenfo jugel= loS lebten als er felbft. ©inft erjagte man ibm eins ihrer galanten 2(benteuec, baS ec fo beluftigenb fanb, bap er in ein lautes Sachen auSbrad). ©art'tber »erlor er mit bem ©tuble baS ©leid)gewid)t, fiel gufBoben unb jtarb auf ber ©teile (1556, 1 65 Sabre alt), ©ie Statur bntte ibn febr glüiflid) auSgeflattet. ©ec ©efepmatf für bie Äunfte war il)m angeboren, unb er übte mebre mit ©lüdi. SJtebr ais Md aber liebte er baS©elb, einen guten 3üfd) unb bie SBeiber. — ©eine ffietfe bc= (beben, auper mebren SteligionSfdjriften, in 5 Sujifpielen unb einem SEtauetfpiele, jene »oll Sßib unb ed)t fomifdjer 3üge, biefeS nid)t ohne SSecbienfi, in ben auSge= laffenen „Ragionamenti" nebft ber „Puttana errante", in ben 16 tudilofen „Sonetti lussuriosi", ferner inRime, Stanze, Capitoli, gum SEbeil ßobprei- fungen, gum SEbeü fatprifd) unb fdilttpfrig, unb in einigen unöotlenbeten Epopöen. ©ie 2(fabemi(er bella ©ruSca gdblen 2(. unter bie clafftfcben ©d)rift|Mer ihrer . Station; er »erbient jebod) biefe ©bte weniger wegen ber Sleinbeit als tuegen Kühnheit, ©ewanbtbeit unb ©igentbümlid)feit feines ©tplS. , 2(vganbfd)e 2ampe, f. Sampe. 2( r g e n S (Sean Saptifte, SJtarquiS b’), geb. ben 24. Sunt 1704 ju 2lir. i ©r follte Swrift werben, aber aus Steigung trat er, 15 3. alt, in ben fDtilitait- fianb. ©eine Siebfdjaft mit ber ©d)aufpielecin ©pl»ie bewog ibn, ben ©iettji uttb h.» granfreicl) gu »erlrffen, um ftd) in Spanien mit il)r ju »erbinben. 2(llein ec warb »erbaftet, nad) ber fPro»ence gurüifgebracbt unb batauf mit bem franj. ©efanbtett nach Äonftantinopel gefebidt. ©ein 2(ufentbalt in ber SSftrfei war.burd) 2(bentetter begeid)net. Stad) feiner Stücffebr trat er wieber in bie 2(rmee. 1734 warb er bei bet ; ^Belagerung »on Äebl »erwunbet unb in ber golge »or S^br(rp>pö&uug burd) einen ; ©turg mit bem ^)fevbe jum fernem ©ienjt unfähig. Enterbt »on f. SSater, warb et @d)tiftftc[ler unb ging nad) £>ollanb, um mit befto mehr gceibeit fdjveiben ju fon= ' nett. v.f)ier gab er f. „Lettres juives", „Lettres cltinoises" unb „Lettres caba- listiques" heraus, gtiebrid) II., bamalS nod) Äronpring, wünfebte ben fßerf. , ^ 3frgeitfoit 401 fmitm ju ftmen «nt bei fid) ju fef)en. £)’2(. antwortete, baß ec mit 5 $uß unb 7 3oIi bei griebrid) Söittjetm I. in ©efaljc fei. 9tad) bem SEobe biefcS Äontg« lub itjn gtiebcid) auf« neue ein. 25’2(. ecfctjien in fPotöbam, erhielt ben Äammecl)ettn= fdjlüffet unb bie ©teile eine« 2)irectot« bec fd)6nen SSiffenfcfaften bei betTffabemie, unb warb bet tägliche ©efellfcfjafter be« Äonig«, bec if)n feine« offenen (5t)aca6tecS wegen liebte, aber aud) feine l)t)pod)onbrifd)en Saunen jum ©egenftanbe feiner Stetfeceien machte, gaft ein ©eckiger, verliebte ec fid) in bieScfaufpielecin ©ocfot« unb feiratfjete fte of)ne SSorwiffen griebrid)«, bec iijm biefen ®d)ritt nie gang oergab. ec nach bem fiebenjätjtigen .Stiege gum gweitenSJtale feit f. tfufentijaite infPreu* fen nacf) granfreid) reifte, um f. gamilie gu befucfyen, fanb ec unterweg« eine etbicf)= tete SSerorbnung be« S3ifd)of« oon 2fir oerbceitet, worin ec perfontief) begeidjnet unb a!« ein ©otte&dfterer in ben SSann getfjan mar. £>iefe ©cfytift beunrufjigte if>n an= fang« fef>r, bi« ec an bec Unterfdjcift, in toeld)ec bet Sonig fiatt ©tgbifdjof au« 3Sec= feßenSSifdjof gefegt f)atte, bieöuelle entbedte. 9tad) f. (Rüdfef>c mußte ec metje at« je #on berfatr)rifef>en Saune be« Sonig« ecbulben. 6r erhielt fpatecfjin triebet @rtaub= nip ju einet SReife in bie fProoence, wo ec ben 11. San. 1771 ftarb. gtiebtid) II. lieg iljmin bec9Jtinocitenficd)e ju 2£ip ein£>enfmal eccid)ten. ©eine jafjtreidjen ©cf>cif* ttn, bie gcudjte einet t)attung«lofen greibenferei, f>atten einft ein getoiffe« 2tnfef)en, werben aber jegt, obgteid) auf mannigfache SBeife tefjereid), nid)t mefjr geachtet, weit e« if>nen an ©ebiegenfjeit, ©efdjmact, Stitif unb cebtid)ec Tfbftdjt fefjlt. Tfrgtnfon (SSopet, 9Ratqui« b’), geb. gu*Pari«1771, ©ofjn be«®eneral= lieut. 2(., au« einet bec au«gegeid)netflen Familien im ©taatgbienfie. ©ein 2ftter= tatet trat ^olijeilieutenant, fein ©roßoater lange Scieggminifter, bec ©roßonfel SBiniftec bec au«mactigen Tfngelegenljeiten, trat SSottaire’« gceunb, fPf)ilofoplj unb ^bolitifer. Segtere« betoeifen f. „Considerations sur le gourernement", welchen SRouffeau im „Conträt social" Seifatt fcfjenfte. Subtoig« XV. Höflinge nanm ten ii)n Argenson la bete. Oft fcfjrieb aud) in 2 S3bn. „Loisirs d’un ministre". Seffen @ot)n (SJtacqui« be 9>aulmi) war ©ouoerneuc be« 2fcfenat«, nadlet S3ot= fdjafterin Sßenebig unb ^boten. ©r (unterließ bie Bibliotheque de l’Arsenal oon 150,000 83bn., bie bec ©raf Tfrtoi« nad) feinem 2fbleben faufte. 2bet SRatqui« gab in 80 58bn. „Melanges extraites d’une grande bibliotheque" ferau«, 100 = butd) ec eine perfonlid^e genaue Senntniß be« S3ud)erfd)age« bewdfjrte. 25et jegige ©eputicte bec jweiten Sammet ftubirte in ©tra«bucg in bec ^ertobe bec glud)t be« SRonarcfjen nad) SSarenne«, unb trat fogleicf) in COtititairbienffo feine« SSatetlanbe« al« Safapette’8 2Cbjutant. 3£(8 biefec granfreid) oeclief, ging b'2f. auf feine ©öter, ijeicatßete bie SBitwe be« bringen 23ictor beSroglio, SRuttec be« fPait« beSSroglio, unb befcßdftigte fid) mit bec ©rgiefjung feinet Sinber, mit bec 8anbwirtf)fd)aft in ^Ooitou, »o ec gceunb bec 2frmen unb SWuftec be« tanbwirtl)fd)aftlid)en S3etriebe« fi’it feine 8anb«leute war, unb mit feinen ©ifenfjdmmern im böbecelfaß. 3f[« SSor« fhmb be« 2Baf)lcollegium8 be« Sbepact. SSienne 1803 fanbte ec feine ©lücfwüm fdjungöbeputation an ben Saifer. 1804 würbe ec wiebec ecwdfjlt, unb jwar jum üitgliebe bet ^Deputation an ben Äaifec. 2bie« oeranlaßte feine ©tnennung jum Wfecten be« iDepart. des deuxNethes, wo ec fid) a(8 SSectfteibiger bec oer= fa(fung«mdßigen fßecwaltung geigte unb f. ifbfd)ieb nal)m, al« tbn ba« 9Riniftecium uicf)t untecfiügte. 9iad) bec Sgtonbefieigung Subwig« XVIII. ernannte if>n bie= fec jum ^)rdfecten ber Offjoneinunbungen. @c fd)lug bie ©teile au«, weil $ranf= teitl) nod) feine 33ecfaffung f)abe. SSecufen butd) 2Baf)l 1815 in bie 9feptdfen= tantenfammec, unterjeidßnete er im Suli 1815 ben tote ft, al« bie feemben wippen in ^Dari« ben 9Secfammlung«faal bec fRepcdfentantenfammer fd)loffen. SBaljlcollegium be SSienne leiftete ec feinen @ib mit SSorbefalt be« unoer= dußetlicfjen fRedjt« bec SSolfer, if>re S3erfaffungen wiebec ju dnbetn. 1815 pcote= Intte et wibet bie ©i,nfüf)tung bec ^reootalgecicbte unb oetwatf bie oom SRiniftecium öom>.=8tr. ©iebente Kufl. S5b. I. + 26 402 Argent hach4 Argonauten alg nbtfig befunbenen eitämafregeln. 1816 unb 1817 wiberfefcte etftd) 50tand)em, wag bie Stegierung vorbatte, unb behauptete, baf bie ©eifilicbfeit wib anbre Socaleinrid)tungen von ben ©emeinben unb nicht vom Staate unterhalten werben müften, auch baf feine Augnabmegefefce notfjig feien. 1818 vertbeibigte er ben ©nnibfafe, baf bie ©barte feine ©nabe, fonbetn eine ©infcfranfung bet 9ted)te ber Station fei. ©r rebete fietg im Sinne ber liberalen Äopfe für gemein, nüfcige unb reibet alle privilegirenbe Staafgeinrichtungen unb Augfd) lief ungen alt gemeiner ©oncurrenj. @r behauptete bie ©efdhrlichteit ber ^Privilegien für bie ©eifrltcfjfeit in gtanfteid) unb bie 9tü&lid)feit ber allgemeinen freien ©etreibe, einfuhr; bag ©egentl)eil nannte et eine Prämie für reiche, unfunbige ober mufige ©ut§herren. • 1819 unb 1820 vertbeibigte er bie ©tunbfafje beg ©emeinnü(jigeit in ben Debatten übet bie neuen ©efefe. Argent ha che (franj. jerbaefteg Silber), unebleg SDtetall, bag mit Silber uberjo»eu ifi. Argentan, ein von ©eitner in Schneeberg aug Äobaltfpeife feit 1822 bereiteteg ÄunftmetaU, bag bem Silber ähnlich, ju ©efchirr unb anbern ©erdtfen verarbeitet tvirb. Argipfonteg, f. Argug. Argo, f. Argonauten. ArgolisS, Argolta, bie öjilicbe Sanbfcfaft beg *Peloponneg, bie gegen 9t. an Adjaia unb .Korinth, gegen Storbofl an ben faronifdjen SJteerbufen, gegen 5B. an Arfabien, gegen S. an Safonicn unb gegen Sübwejt an ben argolifdjen SJteerbufen grenzt. 9tad) ihr tvurben bie ©riechen inggefammt bei ben altem Scbriftjtellern häufig 3(rgiver, and) Argolier genannt. djügel unb Serge wedjfeln mit fruchtbaren ©benen unb Scalern. Sag an Senfmalen ber gried). Sltptfotogie vorzüglich teidje ArgoliS warb früh angebaut; 3nad)ug um 1800 unbSanaugtim 1500 v. ©hr. liefen fid) l)'m nieber mit Anfteblern aug Ägypten. ^)iet herrfdjten spetopg, ein Anfommling aug Äleinaften, von bem bie -öalbinfel ben Starnen hat, unb feine 9tachfommen Atreug unb Agamemnon, Abrajt, ©urpfiheug, Siottiebrf hatten hier ihre Staaten; vfjerculeg würbe hier geboten. Am Sumpfe Sema töbtete er bie $pbra, unb in ber ^)ohle Stemea erbrachte er ben Sowen. Seit ben dltejlen Seiten zerfiel eg in bie f leinen Königreiche Argog, SOtpcena, Sirpntl), Srdjene, mione unb ©pibaurog, welche in ber giolge greiftaaten bilbeten. Sie -fbauptf. Ar- g o g hat ihren 9tamen feit 1800 V. ©hr. big je^t behalten. 3h re ®intv. waten it> rühmt wegen ihrer Siebe ju ben fchonen fünften, befonberg gut 9)tufff. $ierunb in Selphi würben ben Stübern Siton unb Äleobig, bie alg ein Spfer ber Siebe fit ihre SJtutter färben, Statuen errichtet. 1825 befanben fidf ju Argog eine ©elefjv • tenfdjule unb eine Sd)u(e beg wechfelfeitigen Unterrichtg. — Stabe bei Argog liegt 92 a p o l i bi Ut o m a n i a (f. b.), bag alte Stauplia, mit einem trefflichen $afeti, bie , wichtigfte geftuitg ber^albinfel. Auf ber Stelle beg jehigen Sorfeg Äaftri am dgdi= fd)en50?eere lag eljemalg bie Stabt ^»ermione, mit einem ben ©tagien geweiften $ai : I ne; gegenüber bieSnfet >fjpbra (f. b.). Sei ber Stabt ©pibaurog am dgdifefen ( STteere, bem©efttnbbtunnenbeg alten©riedjenlanbg, hatte Agfutap (f.b.) feinen , Stempel. 3u Srojene, bem jefeigen Sotfe Samata, würbe Slfefeug geboren. Argonauten, jene Heroen beg griech- Alterthumg, welche, um bag gab beite üßlief ju erobern, eine gefahrvolle Steife burch bamalg unbefannte 59teere nath dtolchig machten. Äfon, König von Solfog in Sfeffaliett, hatte, von Alter entfraf* tet, bie fonigl. SJürbe feinem Sohne Safon übergeben, big berfelbe aber volljährig geworben, feinen>£jalbbruber geling jumSteichgoerwefer ernannt. 2((g bic beflimmte Seit verfloffen war, erfdfienSafon, bag väterliche Steid) jurüeffobernb. geling, bem Anfeh eine «ach bereit, lfm ben Shron einjurdumen, machte ihm nur bieSebingung, zuvor bag golbene $ell jeneg SSibberg, auf welchem ^htptüg unb »pielle (f. b unb Argonauten 403 AtljAttiaS) ben Verfolgungen it)cec ©tiefmutter 3no entflogen waren, von jurüdjuholen, wo eS fPhrppuS, ben SBibbet opfernb, in einem geweiften >£aine aufgehangen hatte. Ser ruhmbegierige Süngling, bie Arglift beS VotfcfjlageS nid)t aijnenb, verpflichtete ft'cf) $ur Ausführung beS Abenteuers, unb bie tapferfien JpeU ben©riedjcnEanbö, gereutes, Äajtor unb ^Pollup, SMeuS, Abmet, SteleuS, 9Se-- (eaget, SrpfjeuS, Setamon, SljefeuS unb fein Sreunb fPirithouS, d^plaS unb riete jfabre, nahmen Sf)eil. Auf einem am Sufe beS VergeS fPelion in Sfjeffalien er= bauten Schiffe, mit tarnen Argo, baS an AuSrüftung unb ©röfe alte frühere 1 übertraf, traten fie, »om Vorgebirge SJtagneffa ab, mit günfiigem SBinbe bie Steife an. Ser fd)ifffahrtfunbige SiphpS lenftebaS ©teuerruber, unb ber weitfd)auenbe üpnceuS fpahte bie ©egenb aus; SrpfjeuS erhob ber ©efdhtren SÄutf) burd) ©pie! unb ©efang in brohenben ©efafjren. AIS ein Ungewitter auSgebrochen war, that er, ber SJtpfterien funbig, nebft anbern ©efdhrten, ben famothrajifeben ©ottheiten ©elübbe, ba legte ficb ber ©türm, unb um ben Seifianb ber ©öfter burd) ein Sßunbet ju beglaubigen, erfd)tenen 2 ©ferne über ben ^duptern ber SioSfuren. (@. Jtajtor.) ©ie erreiebten glüeflieb ben^afen Pon SemnoS, wo fte 2 Saljre perweilten; benn bie fiemnierinnen, auf ber er jürnten Venus Antrieb, »on ihren SJfdnnern »erfchmdht unb burd) thtajifche S5eifd)ldferinnen »erbrdngt, hatten fld) burd) bie ©tmorbung bet Scannet gerdd)t unb hielten bie willfommenen gremb= linge bei fleh jutücf. (Snblid) fd)ifften fte weiter nach ©amothrajien, wo fte, ihrem ©elübbe gemüfi, ft'd) in bie bortigen ©eheimniffe einweihen liefen. Sann lanbeten fie bei SroaS. dbier »erirrte ftcb c^plaS, unb als Hercules, ber ihn auffud)te, ju lange auSblieb, fuljr man ohne Veibe weiter; aud) Selamon trennte ft'd) t>icr. Sar; auf gelangten fie jur ©tabt SpjifuS, wp ber-Sönig fte gaftfrei aufnahm. AIS aber ein ©türm fie in ber Stacht gut Stüdfefw nötigte, würben fte für Seinbe gehalten; eS entftanb ein ©efed)t, in welchem 3afon ben itonig felbff töbtete. Stfjea, bie ©d)uigbttin beS SanbeS, feffelte bafür burd) 3auberbraft bie Argo. SDtan oerföhnte bie j-fürnenbe, fd)iffte fobann öftlid) unb lanbete in SSebrpjien. Von ba tarnen bie Argonauten, burd) einen ©türm an ShrajienS Äüffen oerfd)lagen, nach ©almp= beffa, wo ber wahrfagenbe unb blinbefPhineuS f)errfd)te, ber ben Stemblingen9tatf)= fdjldge unb einen Sßegweifet gab, um fie burd) bie cpandifd)en Seifen ju bringen, bie, »on ben SBinben gefchncllt, ungeflüm in begegnenbem ©chwmtge aneinanber= prallten unb bie burchfegelnben ©d)iffe jerfchmetterten. Vei ben Seifen angelangt, liefen fie nad) sph'neuS’S Statt) eine Saube hinburd)fliegen, welcher fte mit 9)tad)t nadjruberten; SrpfjeuS aber fdjlug feine gither. Sie Seifen fianben feft, unb bie ©efafjr war befiegt. SaS lebte Abenteuer wartete ihrer auf ber Snfel AretiaS (ober Sia). $ier fanben fie bie ©tpmphaliben, Vogel, bie ihre Sehern wie fPfeile abfefoffen, unb gegen welche bie gelben nur burd) ftarfeS SBaffengetöfe ftd) fdjüfen fonnten. 9tad)bem fte biefe Ungetüme vertrieben, trafen fie auf ^Plwpt 118 ’ 8 Sühne, bie »on ÄeteS nad) SrdjomenuS gefenbet, ihr väterliches ©rbe ju holen, »om ©türme hierher oerfd)lagen worben, unb etlöffen bie S3ebröngten, wofür biefe ben gelben mand)e heilfame Äunbe gaben. Snblicb erfd)ien ihnen baS Ufer von ÄoldjiS; fte lanbeten bei Stacht an ber SÄünbung beS fPhaftS. Ser Äönig ÄeteS, von ber Ab-- fid)t bet Sremblinge jttoor unterrichtet, aber ihre S)tad)t fürchtenb, verweigerte nicht gerabeju bie Auslieferung beS golbenen VliefeS, an welchem fein Seben hing» aber er trug bem Safon 3 Abenteuer auf, burch bie er ihn ju oetberben hoffte. Safon follte 2 flammenfpeienbe ©tiere Vulcan’S an eine biamantene tpflugfdjar fpan= nen unb 4 SJtorgen noch nie geaderten, bem SOtarS geweihten SanbeS bamit um= pflügen, bann bie noch übrigen Srachenjdhne beSÄabmuS, bie ÄeteS befaf, in bie ^pflügten Sutchen fden unb biebarauS erwad)fenen geharnifchten gelben tobten; enMici) ben baS golbene Vlief bewadjenben Sradhen bekämpfen unb erlegen. Alle 3 Arbeiten follte er an Grinem Sage oollenben. Sen gelben ju retten, floaten 26* 404 JWgonner 2Mb Suno unb Klineroa bet in Baubetfünjlen erfahrenen Socßter beö AeteS, Siebeai gtü^enbc Siebe für Safon ein, unb gegen baS ffietfprecßen, ffe als rechtmäßige ®e> mahlin in feine ^eimatl) ju fuhren, gab fte ihm eine 9J?tfcßung, womit er floß fab ben, einen ©tein, ben er unter bie furchtbaren ©proffen ber gefdeten Sracßenjäßne werfen, unb Äräuter unb einen Sranf, womit et ben Sracßen einfcßtdfetn foltte. ©o auSgerüflet, swang Safon oot ben Augen beS ÄönigS unb beS oerfammelten böolfS bie furchtbaren ©tiere unter baS Socß unb acferte mit ißnen baS bejeicfncte Selb, fdete barauf bie Bäßne beS Sracßen unb warf unter bie auffproffenbe ge: wappnete ©cßar ben ©tein, worauf fte bie SBaffen gegen ftcß felbfi feßrten unb einanber im wilben Äampfe ermorbetcn. 25a erfd)racE AeteS unb befaßt 2fuffcßub beS leßten Abenteuers. Anbern Katß erft'nnenb, befcßlojjer, 3afon mit feinen ®e= fdßtten ju morben unb bie geweißte Atgo gu oerbrennen. Socß burcß SUebea »on beS ÄönigS Abftdit unterrichtet, eilte jener beiKacßt in ben geheiligten ^ain, naßm, nacßbem er ben Srad)en burcß Baubertrdnfe eingefcßldfert ßatte, baS golbene SJliejj »on ber ©cße, auf ber eS hing, unb begab ftcß mit SWebea unb feinen ©efdßrten eilig su@cßiffe. AIS am folgenbenCKorgen AeteS ben Kaub unb bie glud)t »ernaßm, beflieg et ein ©cßiff, ißnen ju folgen. Am Ausfluß ber Sonau waren fte einanbec im ©eftcßt. Aber auch ßier wanbte SJJebea bie broßenbe ©efaßr ab, inbem fte ißren 83ruber AbfprtuS tobtete unb feine jerfiutften ©lieber am Ufer ßinflreute; bet jam* metoolle Anbticf berfelben feffette ben ungludlidjcn SSater, ber oon ber SSerfolguttg abtieß, um bie blutigen ©lieber beS geliebten ©oßneS ju fammeln. Sa ^ßineu« ben Argonauten einen anbern Kücfweg ju neßmen geratßen ßatte, fcßifften fte jcßt bie -Donau hinauf, trugen bie leidet gebaute Argo oiele Steilen weit über SSerg unb Sßat bis gum Ufer beS abriatifcßen KieereS, unb fcßifften ftcß ßier wieber ein. Sa r ertönte aus bcm bobonifcßen 9J?afie ber Argo ber Stafelfprucß: „Kicßt eßer »erbet ißt bie ©rbe beS SSaterlanbeS füffen, bis Safon unb SJJebea oon AbfprtuS’S SOlorbe loSgefprocßen unb bie Kacßegöttinnen oerfößnt worben", ©ie lenften barauf bie gaßrt nacß bem Jpafen oon Aea jur ©ree, beS AeteS ©eßwefter; aber biefe weigerte ftcß, bie ©d)ulb ju füßnen, unb oerwieS fte beßßalb nacß bem fßorgebirge SKelea. SiefeS auffueßenb, beftanben fte bie ©efaßren ber gräßließen ©cplla unb GßarpbbiS, ber lotfenben ©irenen, unb einen furchtbaren ©türm unweit ber libpfcßen ©anb: bdnfe. Sann fattten fte nacßÄreta, wo ftcß berKiefeSEaloS, ber bie Snfel bewachte, ißrer Sanbung wiberfeßte. ©ine einzige Aber, bie ißn belebte, ging ißm oom Raupte bis jur Serfe unb war unten mit einem ehernen Kagel jugefieeft. SKebea betäubte ißn burcß einen Stauf unb öffnete bie Aber, baß er ftcß oerblutete, ©nbtieß erreich^ ten fte SOleleaS ßeißerfeßnteS SSorgebirge; ißr Skrbrecßen warb gefüßnt, unboßne weitern Unfall tief nun bie Argo in ben -ftafen oon SolfoS ein. ©ie würbe oon 3a= fon auf bem forintßifcßen SftßmuS bem Keptun geweißt, unb in ber Solgeglänjte fte am ©übßimmet als ©efiirn. ©o war ber Bug rüßmtieß oollenbet. fSeoor ßd) aber bie gelben trennten, feßwuren fte einanber wecßfelfeitigen ffieiftanb im .Stiege unb befd)loffen, ju gewiffen Beiten bem Jupiter ju ©ßten gemeinfcßaftlicße Sampf fpiele ju feiern, weteße ber Anfang ber olpmpifeßen ©piele würben. üKebea'S unb Safon’S weitere ©eßief fale f. m. unter b. Art. Sn ber ©rjäßtung oon bet 5RM-' reife ber Argonauten weießen bie Alten feßr oon einanber ab. Siefe abenteuerliche Unternehmung, bie man in bie Sftitte beS 13. Saßrß. o. ©ßr. feßt, wdßlten meßre Sicßter beS AltertßumS ju ißrem ©egenfianbe. Kocß ßaben wir unter SrpßeuS’S Kamen ein ©ebießt biefeS SnßaltS, ein anbreS oon ApolloniuS aus KßobuS, unb eins oon SSaleriuS glaccuS. Ar gönnet SBalb, läuft burcß Sbercßampagne unb Kiebetbar unb iß meiftenS gebirgig. 6r war fo öbe, baß ber fPting oon ©onbe, ber ißn als Apanage 1657 erßielt, unb feine Kacßfommen ißn nur gut Sagb unb wenig jum ^oljfällen B« nußen wußten. Ktenfcßen in folcßen ©egenben anjuftebeln, bie an bie SßaaJ 405 I 2trgo§ 2Cm accttJtcn, fiel b« pringtid)en Söerwaltung nid)t ein. Seflo arger benufcten benfelben bie Salgcontrebanbiter. Um fte non bort gu »erjagen, faufte bie Ätone ben 2ßalb 1784 für 650,000 Stotel Siefer SBatb würbe im unglucElid)en -getbjuge Preu= «ett* 1792 nur gu begannt. %t go$, f. 2(rgolib. 2( t g u e 11 e b (Son 2luguftin), fonigl. fpanifd)et dpmimftet für bab Separt. be6 Snnern (de la gobernacion de la Peninsula), geb. 1775 gu Sübabefella in Jfjlurien, flubirte gu Soiebo unb geiebnete ftd) burd) giüdlidje Anlagen unb eine lebhafte pijantafte and. 97ad) ber SSolIenbung feiner ©tubien mürbe er in Plabrib bei bem ©ecretariat bet Interpretacion de lenguas angefteKt. dibpinofa, ber feine SEalente bemerfte, brauchte if>n gu v»id)tigen ©enbungen nad) Siffabon unb Sotibott. Sei bem 2fubbrud)e beb Unabf)dngigfeitbfriegeb 1808 befanb er ftd) in Gabi} unb rourbe 1812 —14 »on feiner Pro»ing gurn Tfbgeorbneten für bie (5ot= teä gerodfjlt. ©r arbeitete i)iet in ber Gommiffion, roeld)e mit bem (Entwürfe einer neuen ©runboetfaffung beauftragt roar, unb »erfaßte ben berühmten S5erid)t, ben biefe dommiffion bei ber Vorlegung beb ©ntrourfb erftattete. ©ein SEalent er= regte unter ben Siberalen foldje SSerottnbetung, baf er ben Seinamen beb ©ottlid)en unb beb fpanifd;en SEulliub erhielt. Sei ber 9iücfbet)r gerbinanbb rourbe et ben 10. $lai 1814 »erfjaftet unb gefeffelt; er geigte aber im Setf)6t eine foldfje ©efd>icftidf)= feit, baß bie 9fid)ter, obgleich man fte 5 Pfal neu ernannte, in Tfnfefjung feinet SBerurtbeilung ftd) nid)t »ereinigen gönnten, ©nbltd) ergldrte ftcf) berÄonig felbft jurn SRidjter, lief ftd) bie Tfcten »otlegen unb fd)rieb an ben 9fanb berfelben: 3ef)n= jiifjtige j$ud)tl)aubfh:afe im Preftbio gu deuta. 2f. fennte ftd) auf bem 2Bege nad) deuta feine Sequemlichfeiten gewahren; beffenungeacfjtet fdflug er bie »on einigen dnglanbern if)m angebotene ©elbunterfiu^ung aub, roeil er ?Rid)tb »on ben Untertanen einer ^Regierung annehmen wollte, welche, ihrem Setfprechen gumU bet, Spanien nid)t gu feiner greiljeit »erf)olfen fjdtte. SD2it X routben nod) 14 Unglüdbgefdf)rten, barunter fein gteunb Suan 2fl»areg ©uerat, »om .Könige gut Strafarbeit in deuta »erurtljeilt. $ier erwarben fte ftd) burd) ifjr ebleb Verhalten bie allgemeine 2fd)tung beb SSolfb, würben aber »on ben Sef)dtben, unb »orgügtid) ton bem Sifdfof, febt gebrüeft. liefet beroirfte in Plabtib, baf bie nad) deuta oerbannten Siberalen nad) 2flcubia auf SRajotca, einem ber ungefunben Suft wegen faft unbewohnbaren £)rte, gebracht würben, dpier erlitten fte »on bem ©eneral= capitain doupignp eine fo unmenfd)lid)e Sehanblung, baf »on ihnen in 4 5af)= ren 3 ftarben unb 2 benSetfianb »etloren. Sie übrigen waren alle ftanf, alb fie befreit würben, unb haben gurn Sheil ftd) noch nicht wieber erholt, wie ber fortttdbrenb ftdnfelnbe 2C. Sefanntlid) »erfd)affte auch if)«t bie Ummdlgung »on 1820 bie greifet unb bab Portefeuille, weldjeb et aber 1821 wieber abgab, alb ftcf bet Äönig bei droffhung bet dorteb, ben 1. SRdtg 1821, über bie ©d)wdd)e ber epecutioen Ptacf)t begingt hatte. — Sftit 2fugufiin 21. ift nicht gu »erwechfeln bet giitangminijlet d a n g a = 2f r g u e l (e b (f. b.). 2Crgu§, beb 2freflor, ober2(genor, ober Snabfub unb ber Sbntene ©oljn, bet mit hunbert 2fugen, nach Tfnbern am gangen Ä'drper mit 2fugen begabt war (ba= f)et$anopteb), »on benen bie einedjdlffe jtetb wachte, wdhrenb bie anbreim ©d)lafe gefcbloffen war. Sie eiferfüd)tige jgttno beffellte ihn gurn 9Sdd)ter ber unglücfüd)en So (f. b.); allein Ptercur wufte ihn burd) bab ©piel feinet glote eingufd)ldfern, worauf er if)m ben Äopf abf)ieb (baher beb dfetmeb Seinatne: 2(rgiphonteb), mit beffenJfugen 3uno nachher ben ©d)weif beb Pfauen fehmüeffe. ) 2lria, 2freia, Sanbfdjaftbeb alten Perftenb. 9lad) 9fitter’b unb». $am= wet’b Unterfud)ungen muf man unterfcheibcn: a) Sab alte Sfeid) 2(ria ober bab fattb ber 2lrier, drmanen, 2frmanen, weld)eb Sactrien unb Piebien begriff unb in bett äenbfchriften dtieme, ober 2lrieme, ober Srman, in ben ©djahnameh drman 406 2frtabne ober Statt genannt wirb, UUtt ,oum ytimunv ivtvu. ; ©djabnameb in ben „SEBiener Snbtb- bec 2iteratur", SSb. IX) atfo: SSon S., t>on ■ |r r»S»A /itl f Alt. Jptnhtbufc!) ober bem fParopamifug aug big an ben tucfil. Äaufafug, üom ©itjun ?■ big an ben ©upbrat, t;at ftd) bec Sereid) beg alten ©rieme {jingcbefynt, unb 2fUeg, mag mefiüd) bem ©upbrat liegt, 2Tffprien forool algSabplon, liegt auper feinen ©rennen. ©ein oftl. Sljeil ift alfo sWtrien, bet njejtlidje bag eigentliche SKebiett, unb fo mar2(ria ober (Stieme ber gemeinfd)aftlid;e -Jtame beibet, ober baS 2Äebet= lanb im nad)ften ©inne, mepbalb auch ^erobot (VII, 61) bie SJtebet 2ftiet nennt. Siefeg 2ftia ift ber abgefdjloffcne ©djauptafs ber gtopen unb Zeitigen ^anblungen | ber 3enbfd)tiften unb beö perft'fcben ^elbenbudjg (@d)at)namet)). Sutd) Überein; ftimmung ber alteften Utfunben, meint nun Jammer, merbe mtg bie Überzeugung aufgebrungen, biefeg fei bag parabieft'fdje -^od)(anb SJtittelafieng, non meldjem alle ©ultur auggegangen fei. Senn in bemfelben follen fid) aud) bie in ber ©eneft'g fce= jeidjneten 4 gtüffe (Sfd)if>nu, ©il)on ober Sararteg, Sibfdjlet unb grat) mieben j finben. Sn bemfelben fei and) Samten (SSactra, nad) ben Benbbüdjern ©benfretS), i bie dltefte ©tabt ber SBelt, gelegen gemefen, »on wo aug bie (Kultur ftd) mefilid; nad) Sabplonicn, burd) bie ©balbäer, füblid) an ben Snbug, butd) bie SStabntanen, «erbreitet habe. ©pater fei bann gen SB. ©cbatana unb gen 9t. ^efntompplog auf 1 geblüht, unb nad) Untergang beg alten mebifdjen Oteidjg, ^Jerfepolig ober Sftaifir, -1 bie in ben 3enbfd)riften nicht mefjr »orfommt. b) Sie ^rotiinj 2fria in SSactrien. SEBeil in fpdterer Seit einzelne fProoinjen biefen ÜJtamen führten, ftnb »iele SSetwit: rungen entftanben. SOtan »erftebt barunter faitptfadjlid) bie eljemalg ftarf betet i Eerte fPtoöinj, burd) meld)e ber glup Jfriug ober 2friag fließt, unb meld)e notblid) burd) bie ©aripljigebirge »on CEJtargiana, mefilidt »on fPartbien burd) ben 3Ru$bo= ranug, fublid) burd) ben SSagoug non Srangiana gefcf)ieben mar, unb oftlid) an bie sptooinj fparopamifaba grenjte. Sn biefer fProöinj follen bie ©tabte tfrtafoana, eine grope, non tflepanber gebaute ©tabt tflepanbria unb ©ufta gelegen haben. Se^t l)eipt biefe 2anbfd)aft (Sfjoraffan ober bag 2anb ber ©onne. ©botaffan, ber oftl. S^elt »on Äabuliftan ober jffgbaniftan, grenzt norbßftl. unb oftl. an ben i Srug unb an SSulfl), Äabul unb ©eijtan, mefil. an Stadt, tffterabab unb Sa)e= ftan. Ser |u Äabul gehörige Sljeil mit bet ^auptft. .fjerat (100,000 ©inro.) lebt unter ben ©efefsen ber 3ffgf)anen. Ser perftfcfye 3fntf)eil f)at 9Refd)eb jut $auptft. Sag ganze 2anb ift gebirgig; bie 2uft überall gefunb, im ©ebirge faltet. Statut; probucte ftnb SEBein, grüdjte, Äotn, Steig, ©cibe, Snbigo, ©altdpfel, ©odjenille, ^3fetbe, ©olb, ©ilber, Sifen, gefdjdgte ©teine u. f. n>. ©emerbgprobucteftnb Seudje »on ©eibe ober SSaummolle, Seppidje, ©taf)lflingen u. f. m. Sie Sbene ift »oll Stuinen »on ©tabten unb Sergen, bie in ben inlänbifdjen Kriegen jerftort j mürben. Set Spug unb bet Saparteg machen in bet Sreite »on einigen SBeilett an jebem Ufer bie ©bene äuferft fruchtbar. 3mange eine gropete Seoolfeatng bie ©n= , moljner ju fünftlicfen SSBdfferungen bet ©benen, fo mürbe bag 2anb aucf) auper ben Ufern ber $aupt= unb Stebenflüffe fefjr fruchtbar fein. Se&t leben l)ier Surfoma; nen, Sudjaten unb Werfer, unb jum gropten Sljeil nomabifd). Ser^anbelip meift in ben -fjanben ber Sudjaren, bie in gropen ©ara»anen ben ©ütertrangport nad) ©fina unb burd) bie S3ud)atei nad) Stuplanb, ober an bie ^>dfen beg 6aöpi= > 2£rtabne, beg SOtinog unb bet ^)aftpf)ae Soditer. ,9tad)bem ft'e S£b e f cuä I (f. b.) gerettet, »on bem Sreulofen aber auf Stapog »erlaffen morben, erfdjeint if)t, ; mabrenb ft'e ermattet im unruhigen ©d)laf bingefunfen ift, plobtid), »on feinem ©iegegäuge aug Snbien jutücffebrenb, »on feinen ©efdbrten unb Sienetn um= raufd)t, mit jubelnbem ©etümmel, gißten = unb ©pmbelflang, 33aed)Ug, bet SEBonne fpenbenbe, emig jugenblid)e ©ott. ©r erblicEt bie bolbe ©d)ldfedn mit ftttmmem ©rftgunen unb bulbigt ihren Steijen. ©ie etmad)t, umaufimmetin fd)en SOteereg beforgen. 44. tfttauet 407 feine 2lrme gu fmfett. Sie auf ©eben Vergweifelnbe wirb bimmlifd) getrofiet, bie gebeugte über alleg fsrbifcfe erhoben, bie Sraut unb Stiumpbgenofftn beg fanf= tefien SEigerbdnbigetg, eine ftegprangenbe Jpimmelgfonigin. Sbre Ärone »erf ün= bigtnoef) jefct alg leud)tenbeg ©ternbilb, gu welchen ©eligfeiten ihre SSefi^ecin auf* flieg. — 2ftte unb neuere Siebter buben biefen fefonen ©toff »ielfdltig bebanbeit; t$ ftnb mebte ©ernmen übrig, weldje bie ©efd)id)tc ber 'Kriabne batfiellen; auch ifi eine 2ltiabne unter ben ©emdlben »on ^ercufanum. (©. aud) 35 e n b a.) Arianer würben bie'ilttbanger beg aiepanbtinifcbenPregbpterg 2frtuöge= i nennt, ber um 318 behauptete, Cibrifiug, ber ©obn ©otteg, fei bag ebetfie alter aug giidjtS geraffenen Singe, alfo geringer alg ©ott unb burd) beffen freien SBillen bcr»otgebrad)t. Siefe Meinung würbe »on ber ortbobopen Äirdje, weld)e bem @obne ©otteg oollige ©leiebbeit beg SBefeng mit bem Vater (djomouft'a, baber fiomoufianer) gufprad) unb fein Sßerbaltnig gurn SSater nur butcb ben 2litgbcucf I ewige Beugung bejeiebnet wiffen wollte, auf ber ©pnobe gu 'iflepanbria 320, unb 325 auf ber Äitd)en»ecfammlung gu ffticäa »erbammt. Sie 35eftimmungen bet , niedifdjen unb beg barauf gebauten augfubtlid)ern 2ltl)anaftfd)en ©laubengbefennf.- niffeg (©pmbolumg) haben baber in bem ©treite gegen 2ftittg ihren ©runb. (Sr raufte ingroifd)en in bet Verbannung feiner Partei mächtige Anhänger gu »crfcbaf= fen, unb Äonfiantin ber ©rofe wollte eben aug Siebe gum gtieben bie 2ßiebetauf= nähme beg 2friug in bie fatbo(ifd)e Äird)engemeinfdiaft bewerffietligeit, alg biefet 336 plo&lid) fiarb. fJiadj f. SEobe gewann feine Partei bebeutenben 3umad)g, Äon= flantin felbfi lief ficb furg »or feinem SEobe 337 auf ?frianifd)e fffieife taufen, unb bei Äonfiantiug war ber 2frianigmug bie -fwftbeologie, bilbete fiel) feine eigne Situr= gie unb nahm feit 350, wo Äonfiantiug allein berrfebte, aud) im Sccibent über= banb, inbem 9fom ben 2frianifd)en 35ifcbof gelip annebmen mufte. Sie 5Ercn= nungen unter ben 2lrianern felbft bereiteten inbef ber fatfolifdien Äitd)e, bie jene befiänbig im 35ann hielt, ben enblicben ©ieg. 3uerft batten ftd) ihr bie ©emi= arianec ober halben 2frianer, alg beten Anführer 35aftliug »on 3fncpra unb ©corgiug oon Saobicea in ©prien gelten, burd) 35ebauptung einer 2Befengdbnlid)feit beg ©ofjtteg mit bem Vater (djomoiufta, baber ijomoiuftaflen) genähert unb babtttd) ba« Übergewicht am faiferl. dpofe befommen, obgleich SWacebonittg unb bie Pnett= matomadjen (f. © cif!, heil.) gu ihrer Partei gehörten. 9lod) mehr aber trugen jubem ©iege berSctbobopen bie Übertreibungen ber fitengen 2lrianet, 2(etiug unb Sunomiug aug Äappabocien, nebf! ihren gablreid)en 2lnbdngern bei, bie auf ber ©pnobe gu ©irmium 357 burd) bie Vebauptung, baf ber ©obn ©otteg eineg gang onbem SBefeng fei alg ber Vater (baber «£>etetufianer, 2(nomöet), felbft bie ©e= miarianet wiber ftd) auf6radbten unb burd) Sutücffübtung ber Saufe auf eine ein= ltialige Untertaud)ung aud) beim Votfe 2Cnftof erregten. Sen 2lugfd)lag gab Äai= fer Sultan, ber 2fpofiat, beffen Verachtung gegen bag (fbrifientbum allen Parteien gleidie Sulbung »erfiattetc unb feine ©taubengfireitigfeit auffommen tief. 3war erhob ftd) ber Ätianigmug burd) Valeng feit 364 im Srient wieber auf ben Sbton unb bttrfte felbfi big gu ©ewalttbdtigfeiten gegen bie Äatbolifdjen fd)teiten; @ra= tion aber fiellte bie fRube, unb Sbeoboftug bie i)errfd)aft ber 2fttgldubigen wieber ( her, unb bie Parteiungen unter ben 2lrianern felbfi befd)leunigten bag ©nbe ifreg 6influffeg unb 2fnfebeng im romifd)en 9teid)e. ©eit ber erftenftalfte beg 5. Safrl). »eclor ftd) baber bet jfrianigmug in bem Steile beg romifeben 9ieid)g, bet nod) un= tcr ben Äaifern fianb. 35ei ben ©otben, bie bag G!)riftentbum burd) 2ftianer um 340 fennen gelernt batten, blieb er im SBefien bog 0ieid)g E)crtfd)enb, big beg or= tbobopen granfen (Slobwigg ©iege unb bie Äircbenoerbefferung beg wefigotbifdjen ■Sinigg jReccateb ihn am ©nbe beg 5. Sabtb- auch bttt »erbrangten. lim biefelbe 3eit warb ec bei ben ©ue»en in ©panien »ertitgt, bie ifm 100 5ab cc ian.g gebul= tift batten. Sie 35urgunbet, bie ifn 450 angenommen, gaben ihn fefjort im 2fn- 2friost 408 2trie fange be« 6 . Sabtt). auf. ©djwerer hielt e«, bic 58anba(en jum Äatt)o[ici«mm ju belehren. ©ie waten feit 430 firenge 2frianet unb rcupten bie .£errfd)aft i^cet ©efte in Utorbafrifa felbft mit ben graufamften fBerfolgungen gegen bie Äatijclifen geltenb ju machen; erfi Selifar’« ©iege enbigten 534 mit ihrem Sieiche aud) i(j« Trennung von bet rechtgläubigen Äirche. 2 fm längften erhielt fid) bet 2 friani«mu 8 bei ben Songobatben, bie it>n nad) Italien brachten unb ihm bi« 662 treu blieben, ©eitbem mad)ten bie 2 frianec nirgenb« mef)t eine eigne Partei au«, unb trenn bie 2 flbigenfer in granfreid) im 12 . unb 13. 3ahtf). ähnlicher £eljren befcfjulbigt wun ben, unb bie ©eften, treidle oom 16. 3 ah c h- bi« jept unter bem CRamenilntitii: nitarier begriffen »erben, ftd) in ber Sijat ju ber Meinung, bap Gtjriftu« bem 9 Ja= ter untergeorbnet fei, befannten, fo mochten bod) webet Sene nod) ©tefe für 2 fria= ner gelten. E. | 2 fr te in ber SRuft'f (t>on bem ital. aria) bebeutet heutzutage ein au%> ■ führte« ©efangflücf, in welchem ein Iprifcher Sufianb auSgcbrüdt »itb. Sie I 2 frie »urbe juerfi bem taftlofen ©efang entgegengefe&t, »ie er im SKecitatio unb g in bem gehaltenen, langfamen ßljocal vorfommt. ©af)er leitet aud) ©aumaife | ihren fRaraen non bem lateinifchen aera ab. ©ie 2ftie gehörte fonacf) jurgigu: ; ralmufif, unb man nannte baher ba« au«geführte, nid)t d)oralmdpige Sieb fonfl , 2 ftie, gleichviel, ob e« von einer ober mehrenStimmen au«gefüf)rt würbe. 3 « ber neuern Seit »irb aber ootjug«weife ba« von einet ©timme vorgetragene unb mit 3 nfirumenten begleitete (ptifche ©efangftücf 2 frie genannt, »enn e« unterge= »iffen gormen au«gefüf)tt ift. ©o fam e« in gröpetn, geijtlidjen unb weltlichen : SRufifwerfen, 5 58. Kantaten, Oratorien, Opern, ober aud) felbffänbtg inGon= certen vor. Da bie 2frie ein befonber« baju geeignete« Iprifdje« @ebid)t vorauf fe(jt, fo würbe auch biefe« häufig 2 frie genannt. 6 « verlangt »ohllautenbe einfache Ipr. ©tropften. Oer angegebenen SSejtimmung nad) h at bie 2 frie einen ®efuf)l 8 = : juftanb von ; einer geroiffen ©auer, Äraftäuperung unb rein menfd)lid)e« 3 ntere|f< gur ©runblage, ju roeld)em häufig ba« Sfecitativ vorbereiten foll. ©onft fielt ■ man in einet 2frie für nöthig ein SSotfpiel (SRitorneÜ), eine grope bebeutenbe Jpattpb melobie, welche nebff beten 2 fu«füf)tung ben erffen S£heil au«mad)te, einen jroei> ten bütjern unb weniger au«gefithrten SEheil / ber mit bem etfiem einen ©egenfaf bilbete, nad) welchem man fpäterf)in aud) ben erfien 5Eheil wieberholte. ©eit ©luef unb SRogart wich man von biefem Seiften ab, wählte anbte gönnen unb rid)tete fich, wie 5Rojart befonber« tfjat, mehr nad) bem 3 nh ft lte be« SSepte« unb 1 ber Stimmung be« ©ingenben. ©od) fonnte SRojart ben goberungen ber 93ictuoft= tät feiner Seit nid)t ganj wiberjfefjen: inbem er aud) mit ^inftd)t auf biefelbe viele Bravourarien fdjrieb, bie nicht ganj am fpia&e waren, aber nie ganj be« 2 fu«brucf 8 ? entbehren, ©ine anbte gorm ber 2frien ft'nb neuerbing« bie mehr auf SSetjierung L be« ©efang« beredmeten © a 0 a t i n e n (f. b.) ber neuern Staliener geworben, ©egetv | wärtig folgen bie ©eutfdjen entweber biefen nad) ober fd)!agen, bem ©h aca ^ tet f ol: f genb, vetfd)iebene 2 Bege ein. — 2 friette heift eine fleine, b. i. minbet au«ge= \ führte 2 frie, wa« aud) burd) bie jum ©runbe liegenbe einfachere unb leichtere ©e ; | müth«ftimmung bebingt ift. — 21 r i 0 f 0 aber nennt man einen arienmäpigen für-- > gen ©efang, bet bei einzelnen Iprifchen ©teilen eintritt unb ba« 9 !ecitativ unterbricht. | 2 frim«n, f. ©amon. 2 £rimafpen, ein fabelhafte« fßolf, ba« halb nach ©eptf)ien, halb in bie rhipäifchen ©ebirge verfemt unb mit ben ©pflopen verwedjfelt wirb. 2 f r i 0 n, ber ©rfinber be« Oithptambu«, geb. ju fOtethpmna auf £e«bo«, lebte um 625 v. 6 l)t- ©c hielt ftd) am $ofe ^letianbet’« ju ätorintf) auf, unb bt> fud)te bann ©icilieit unb Italien. 3 u Sarent gewann er ben ^3tei« in einem mu- ■* ftfalifchen SBettftreite. 2(18 er mit reichen ©d)ä&en ftd) auf einem forinthifchen ©d)iffe eingefchifft hatte, um ju feinem greunbe ^)ecianbet jurüdjuEehren, be> 409 2Criofo Efrioflo fdjleffen bi« ©chiffet, oon .f?abfud)t geretgt, ihn gu ermorben. EfpoHo ab« offen* batte it>m in einem SEtaume bie if)n bebrotjenbe ©efafjt, worauf Efrion, fefllid> ge= fdjmüdt, ba« ©aitenfpiel in ber Jjartb, auf ba« SSerbed trat unb butd) füfe £iebet bie bergen feiner ©dtjiffSgefdtjrten ju rühren oerfudjte. Die muftlliebenben j) C [pt)ine »erfammelten ftd) um ba« ©d)tff unb laufd)ten feinem füfsen ©ptel unb ©cfang, bod) bie t)abfücf)tigen ©d)iffer blieben ungerührt. 2flS Efrion ba« fab, be* ftijlol er, burcb freiwilligen SEob fid) ihren 9Rötberl)dnben gu entgief)en, unb fiürgte ftd) in bie gtut. Efber ein Delphin nahm ben ©dnget auf feinen Slüden unb trug iljn, rodhrenb er bie fiürmenben Stögen burd) bie 9Had)t feiner SEöne ebnete, un* sedefct bei bcm SSorgebitge SEdnaru« an« 2anb, non wo er ftd) nach Äorintf) be* gab. ©pdter farnen auch bie ©d)iffer gurücf nach Äorintf), unb antworteten, oon ^)ttianber nach Eftion befragt, bafi er geftorben fei. Da trat er ihnen öor Elugen, unb bie ihre« greoel« Überwiefenen lief fPctianber an« Jtreug fd)lagen. Eftton’« £i)ta aber, fowie ber rettenbe Delphin, würben al« ©ternbilber an ben ^immel »nfe&t. ffion Eftion’« ®ebid)ten hat ftd) nur eine ^)pmne auf Sleptun erhalten, Me in Stund’« „Efnaleften" fleht. Efriofo, f. Efrie. Efriofio (Cobooico), geb. gu SJeggio ben 8. ©ept. 1474, flammte au« ein« ebeltt gamilie; fein SSater war SOlitgtieb be« erflen ©erid)t«f)ofe« oon Settara. Sßon 10 Äinbern war er ba« dltefle. ©d)on in feinen Äinberjahren verfertigte et ' Etagöbien, bie er mit feinen Stübern aufführte, unter anbern bie ©efd)id)tet)on 1 fPptamu« unb 5Ehi«be. Efuf bet'©d)ule oon gerrara geicfjnete er ftd) in feinen ßtubien au«, ©ein SSater beflimmte if)n bet 3?ed)t«gelehrfamfeit; abernad)5 mit »ergeblid)em Swang barauf uerwanbten Sahren leiflete ber Süngling auf fte Setjicht, um ftd) gang ben 3Biffenfd)aften gu wibmen. ©t genof ben Unterricht be« gelehrten ©regor oon ©poleto. *piautu« unb SEereng, bie biefer erfldrte, ga* ben ben ©ebanfen gu 2 Suftfpielen, ber „Cassandra" unb ben „Supposti", welche et bamal« entwarf. Cprifche ©ebicbte, in italienifdjer unb lateinifcher ©ptad)e, welche burch ©legang unb 2eid)tigfeit bet ©chreibart ftd) au«geid)neten, machten ihn bem ©arbinal <£>ippolpt oon ©fte, ©ohne be« .fjergog« gereute« I., befannt. ^ippolpt flellte ihn 1503 bei feinem -fjofe an, bebiente ftd) feiner in ben wichtigen Angelegenheiten unb lief ftd) aud) auf einer Steife nad) Ungarn oon ihm begleiten. 9lad) #ercule«’« SEobe fegte Eflfon«, be« ©arbinal« SSruber, al« er ben SEhton be» (■ fliegen hatte, nid)t minber fein gange« Vertrauen in Ef. Efn biefem $ofe begann | unb »ollenbete et, mitten unter Serflreuungen aller Efrt, in 10 ober 11 Sah«« fein gtofe« unb unfierbliche« ©ebicht, ben „Orlando furioso". 1516 war ber t Drucf beffelben beenbigt. Efl« Ef. bem ©arbinal ein ©pemplar baoon überreichte, t foll biefer gefragt haben: „SDleifier 2ubwig, woher nehmt Sh* nur alle bie fPof* I fen unb Eflbernfjeiten ?" — 1517 ober 1518 follte Ef. ben ©arbinal ^ippolpt oon p ©fle auf einer gweiten Steife nach Ungarn begleiten. Da« ungefunbe Ältma unb | bie fchtoad)e ©efunbheit be« Dichter« fd)ienenjihm feine f)inreid)enben ©ntfdjul* ! bigungen, fobaf biefer, ba et auf feiner Steigerung befianb, gdngltd) bie ©unfl ( be« ©arbinal« oerlor, weldje fogar oon Äalte unb ©leichgültigfeit in förmlichen $af überging. Ef. würbe jegt oon bem ebeln unb funfiliebenben cfjergog Eflfon« aufgenommen, ber gwat oertraut mit ihm umging, ihn aber nur fdrglid) belohnte, unb — toa« mehr einer ©träfe al« einer ©unflbegeigung ähnlich faf) — ihm 1521 unb 1522 ben Efuftrag gab, bie in ber gebirgigen unb wilben ©arfagnana au«ge* btochentn Unruhen gu bampfen. @r enbigte glüdlich biefe fchwierige Unternef)* mung unb fehrte nad)|3 Sahren nach gerrara gurüd, wo er ftd) mit ber Efuffüh* tung feiner ©omöbien unb ber legten Sollenbung feine« „Dtlanbo" befdjdftigte unb am 6. Suni 1533, 58 3af)te alt, flarb. Ef. oereinigte mit ben dupetn 83et» i&gen be« SCBuchfe« unb ber ©eflalt einen fanften ©harafter, feine ©itten unb einen 410 2Cdfiduä 2frijlat:c£) liebenSwütbigen ©eifl. (5c war rcidt> gewefen unb liebte ben ©lanj; mufteft'rf) inbef mit ber Erbauung eine« {deinen, aber angenehmen unb bequemen Kaufes f begnügen, über welches er bie SSerfe fegen lief: Parva sed apta mihi, sed nulli obnoxia, sed non Sordida, parta meo sed tarnen aere domus. 2frioflö’$ „Orlando furioso" (berftch 83ojarbo’S „Orlando inamorato" anfcfjlieft unb ohne biefen nicht in allen Steilen »erjlanben werben fann) if! ein »ollenbetcs romantifcheS ßpoS, bad in feiner anbern dtüdficgt irgenb einen Vergleich erlaubt, atS um baburch bie ©gentgüm lief) feiten beffelben aufjuftnben. Unnttg ifl e$, un= terfuchen ju wollen, ob 21., ober Saffo, ober ©ante grof er fei, ba jebet in feinen SBerfen als »ollenbet unb unübertrefflich erfdjeint. gotfdfen wir aber nad) beit heröotjied)enben ©genfehaften, bie 2f. in feinem „Örlanbo" entfaltet hat, fo fin= ben wir einen glänjenben unb unerfd)öpflid)en Sleichtbum ber ©ftnbung, ein raji= i loS wechfelnbeS Seben, »erbunben mit einet bejaubernben 2lnmuth ber ©jäglung; eine rege, fletS neu unb jugenblicf auffirebenbe fPhantafie athmet butd) ba$ ganje 5Betf unb fdjmücft ed mit unoerwelflichen Steigen; babei geigt ftd) eine beroutt-- bernSwütbige itunft in ber Verfettung unb SSerflechtung ber ©pifoben, welche bet ©id)ter, oft mit einer nicht gu »erfennenben (guweilen allerbingS unangenehm fl{= renben) ©dfalfhaftigfeit, unaufhörlich abbriefjt unb wieber anfnüpft, unb fo burdj einanber fchlingt, baf eS fchwer ifl, ben »ollflänbigen Inhalt beS aus 46 ©efängen befleljenben ©ebidftS angugeben. ©iefe ©genfehaften gefellen 21. ben grofen 5Jlei= flern beS ©efanged bei, beten ©tim ein ewig grünenber Sorbet frängt, unbet= warben ihm unter feinen SanbSleuten ben S5einamen beS ©6ttliehen, ber freilich auch bem niebrigen 2fretino gu SEheil warb. 2fufer biefem grofen ©po$ befielt wir oon 2f. einige Suflfpiele, ©atpren, ©apitoli unb ©onette, ferner eine @amm= lung lateinifdber ©ebid)te, in benen fammtlich mehr ober minber fein reiches ®enie , ausgeprägt ifl. ©en beutfdfen liefern ifl bie meiflerhafte, wiemol »ielleicgt etwa« i falte Uberfegung beS „©rlanbo" »on ©rieS, mit welcher bie neuere »on Äarl ©treeb : fuf (558be., ^alle 1818 — 20) rühmlich wetteifert, nicht unbefannt. M. 2fttfläuS, ©ohn beS 2fpollon unb ber Äprene, ben bie 9lpmphenetgogen. 5Kan fd)rieb ihm bie ©ftnbung unb ©nführung ber 33ienengud)t gu (baher SO?e= liffeuS) unb erwies ihm felbfl göttliche ©ftte. ©eine Siebe gut ©urpbice, ber jun= gen ©attin beS ©rpheuS, brachte biefet ben SEob, inbem er ft'e bis gu einem Stoffe »erfolgte, wo fte »on einer giftigen ©cflange gebiffen warb. 3ur ©träfe »erlor et | feine S3ienen, ber SBerlufl warb ihm aber burd) neue ©chwärme erfegt, bie ftd) in ben Seibern ber »on ihm gefd)lad)teten Stinber nach 9 Sagen erzeugten. 6t war ber ©bam beS ÄabmoS unb föater beS 2lftäon. ©eine 5Betmifd)ung mit bem ^rofom nefter 2friftäuS, bet »on 3eit gu Seit wieber auf bet ©be erfrifien, g. S5. als Sehrer beS $omer unb als ©chüler beS IPpthagoraS, erflärt fid) baher, baf eS einen ©d)üler beS fPptgagoraS biefeS 92amenS gab, welcher Stad) folg er biefeS SBeifen war, beffen gangeS Seben man fpäterhin in ein fabelhaftes ©ewanb einhüllte. 2ftiflarch, griedtjifcher ©rammatifer, bet bie ©ebicf>te djomer’S mit bet äuferflen ©chärfe fritifd) prüfte unb einen neuen Sept berfelben feflfleilte, au* welker Utfacfe man llrenge, aber gerechte Äunflrichter 2friflarchen gu nennen pflegt. © war auf ber Snfel ©amothtace geb. unb lebte gu 2Clepanbria um 150 ». Sfi ( - fPtolemäuS fPhilometor, ber ihn fehrfcf)ägte, »ertraute if)m bie ©tjiehung feinet Ätnber an. 9tad)bem er fein Seben auf bie Äritif beS ^Dinbar unb anbrer ©iefter, befonberS beS $omer, gewanbt hatte, ftarb et 72 Sagt alt auf ©ppetn. — 2fri= flar»on ©amoS, geb. 267 ». ©gr., ein berühmter 2fflronom, ber guerft bie Umbrehung ber ©be um bie ©onne behauptete, »on bem wir aud) noch ein üBerb über bie ©rof e unb bie 2fbflänbe ber ©onne unb beS SJtonbed haben. ©et= felbe 2(riflarch Wirb and) für ben ©ftnber ber Sonnenuhr gehalten. 2(rifitbe£ 411 Ävifiibcö, um feiner fitengen 0?ed)tfd)affenl)eit mitten bet ©eredjte ge= 1 nfltm t, mar be« gt)ftmad)u« Sof)n unb flammte au« einer ber angefetjenfien ga= milien 2ft£)enö. 6r mar 3fnfüf)ter feine« Stamme« (^olematd)), al« bietftfye* nienfet mit ben Werfern bei SKaratfyon gufammentrafen. 23er beflefenben (5in= rid)tung gufotge führte jeber fPolematcf) in ber 5Reit)e einen Sag ben £)berbefeljl. 1 aber, ber ben Slacftbeit biefe« 2Bed)fe!« einfai), betrog fimmtltdje fPo(emar= djen, baf jeber feinen Sag bem Slliltiabe« abtrat, unb biefer SRafregel befonbet« mm ber ©eroinn ber Sdf)lad)t gujufchreiben. 23a« Saf)r batauftratet2trcf)on, unb genof in biefem 2(mte einet fo attgemeinen 3(d)tung, baf er babutd) be« St)e= ntiflofie« @iferfud)t erregte. 23a biefer efjrgeijige SJlann ihn nid)t öffentlich an= jugreifen roagte, fprengte et au«, Z. flrebe nad) einer 2(rtron Äönigthum, unb : (,tac()fe e« baijin, baf er butd) ben £>firaci«mu« rerbannt mürbe. SJlan etjdl)lt,. j baf ein gemeiner Sürger, ber in ber Serfammlung, rceldje 2i.’« Verbannung b au«fpracf), ofjne if>n ju fennen, neben if>m flanb, ftd) an ii)n mit ber Sitte P roanbte, ii)m ben Flamen Z. auf feine 5Rufd)el ju fdjtcibett, mit bet er feine Stimme abgeben mottte. „$at bid) Z. beleibigt?" fragte biefer. — „9lein", antwortete jener, „aber id) bin e« mftbe, iljn flet« ben ®ered)ten nennen ju hören." — 6t rerlief bie Stabt, inbem etbie ©öfter bat, fte möchten r«hüten, baf je fein Saterlanb biefe SWaftegel bereue. 2ft« 3 Sah« nachher Jette« mit einem jahttofen ^eere gegen ©tiedjenlanb aufbrach, eilten bie 2Hljenienfer, einen jOiitbitrger, ron bem fte d3ü(fe in ber Sebrangnif ermatteten, juruefjurufen. 9lut ba« SSofl be« Saterianbe« rot 2fugen, begab er ftch auf bie 9lad)rid)t, baf bie griedhifdje glotte bei Salami« ron ber perftfehen umjingelt fei, fogleid) bahin, i; um Sfjemifloble« bie ihm brofjenbe ©efahr angugeigen. ©erüh« nertraute ihm Sijemiflofle«, baf et fid) biefe« ®erud)t« nur al« einer dtrieg«(ifl bebient habe, um il j bie Trennung ber gtiechifeben Seemacht ju rerhinbern. 6r lief ihn Sheil an bem i: f Ärieg«ratJ) nehmen, unb ba man auf ben folgenben Sag ju fchlagen befd)lof, be= ';1 fefte 2i. rorforgenb bie Heine Snfel spfpttalia, mo 23iejenigen eine Zuflucht fan* ben, beten Schiffe mdhrenb ber Sd)tad)t ju ©tunbe gingen. Sn ber Sd)lad)t i| bei 'jMataa befehligte Z. bie 2ftljenienfct unb trug riel ju bem Siege bei. SER an i| glaubt, baf er im folg. S- nodjmal« 2(rchon mar, unb baf et bamal« ba« ©e= ! feb geben lief, moburd) bem SßolEe ber gutritt ju allen Ämtern, felbfl jur 2ltd)on= tenwürbe, rerflattet marb. 2(1« ShemiftoHe« angefunbigt hatte, baf er einen für bie SRepubliE fehr mid)tigen ^)lan habe, ben et aber nicht in öffentlicher SSet- : ). fammlung bebanntmachen fönne, ernannte man Z., um ftd) mit ihm bantbet | ju beratfen. 23er *pian mar, bie fammtlichen in einem benachbarten $afen rer= | fammelten Schiffe bet ©riechen ju oerbrennen, um ben 2(thenienfem bie $etr= : | fdjaft auf bem SEJleere ju ftd)etn. Z. fagte bem SßolEe, baf Sttidjt« rortheilhafter, : | aber auch ?Jlid)t8 ungerechter fei al« ShemiftoHe«’« ^3lan, unb man rermarf ihn J ofne Weitere«. Um bie Sofien be« Äriege« gegen bie Werfer beflreiten ju bönnen, | bewog Id. bie ©riechen ju einet 2(bgabe, bie an gemeinfchaftlich ernannte Se= : { amte entrichtet unb ju 2)elo« aufbemahrt merben fottte. Silan gab ihm, im • | sollen Vertrauen auf feine 9feblid)feit, ben Auftrag, bie Settfeilung ju machen, ; i “«b er etroatb ftd) aud) bei biefem ©efd)<5ft ben Seifatt 2(ller. ©r flarb in einem | fd)J hohen 2(lter, unb,;£roa« feine 9?ed)tfd)affenheit;uttb Uneigennügigbeit am fthönfien bemeijl, fo arm, baf er auf öffentliche Äoften begraben merben mufte. S ßr binterlief 2 Södjter, rneldje ber Staat, bie Serbienfte be« Sater« in ihnen I in ehren, auöflattete, unb einen Sohn, metd)em 100 Silbetminen unb eine ,1 Saumpflanjung gefdjenbt mürben. — Z ri fl Ub e 8 (2(liu8),* ein befannter bRhetor, i gib. 129 in Sithpnien, machte mehre ^Reifen unb lief ftch in n ju baren, bajjetfo: gleich nach 2ttt)«n eilte unb ftd) unter feine ©d)üler mifefte. ßr nahm inbep nidjt alle ©tunbfdfce beffelben an. (5t war, tute biefet, berSReinung, bafj manftef) enthalten muffe von Singen ju fpred?en, bie über bie menfd)lid)e gaffurtgdfraft geben, unb artete ebenfalls bie pbpftfalifd)en unb matbematifdjen SEBiffenfdjaften wenig; aber feine SRoral wich feljr von ber ©ofratifdjen ab unb tuar eine Äunfl be« feinem SebenSgenuffe«. ©eine -£)auptfäge waren: alle ßmpftnbungen bt$ SRenfdjen taffen ftd) auf 2, Vergnügen unb ©chrnerj, jurücf führen. Sa« SSec= gnügen ijl eine fanfte, bet ©cbmerj eine heftige Sewegung; alle lebenbige SBefen fueben ba« ßrffere unb »etmeiben ba« Cegtece. Sa« ©lücfiff nicht« 2fnbte«afö ein fortbauetnbe«, au« einjelnen bßergnügungen jufammengefebte« SJergnügen, unb ba e« ba«3iet aller menfd)lid)en Seffrebungen ift, fo foll man fid) feinet litt be« S3crgnügenS entjieben. Sod) ift babei mit ®efd)macf ju »erfahren, bie ES«: nunft muf un« ftet« in unfern ©enüffen leiten, ©ofrate«, ber tiefe Sehren nidjt billigte, ftritt mit ihm mehrmal« batübet ,.- unb wafjrfcheinlid), um feinem Sabel ju entgehen, brachte 21. einen Sbeil feiner Beit ju Ügpna ju, wo et ftd) audj befanb,; al« fein Sehret ftarb. ßr machte mehre Steifen nach ©icilien unb fanb bort bei Sion»«, bem SEprannen, bie wohlwollenbfie 2(ufnahme. $u dtorintf) locften ihn bie EReije ber berühmten Sa'i« an, unb er trat mit ihr in grofje Söerttau= Iichfeit. 2fl« man ihm »orwatf, bajs er für ein SEBeib fo »iel.©elb »erfdjwenbe, bie fid) bem Siogene« unentgeltlich ergebe, antwortete et: ,,Sd) bejahte fte, baji fie mit ihre ©unft gewahren, nicht, baf fie fte 2fnbern »erfagen foll". (Sinanbre* SRal fagte er: „Sch beftge fie, fte nicht mid)". (@. Sai’6.) -— ©« ift nicht wahrfcheinlid), bafj er, wie Siogene« Saertiu« erjdhlt, nad) feiner Siücffefjt ju 2fthen eine Schule eröffnet höbe, ba wir feinen einjigen feiner ©d)üler fenrten. ©eine 2ei)te warb bluff »on feiner Mochtet 2frete unb »en feinem ßnfel 2lrifiipp b.3. fortgepflanjt. 2fnbre ©prenaifer bilbeten fte ju einet eigentlichen Sehre be« @e= nuffe« au« unb würben baher aud) ■£> e b o tt i f e r genannt. Sie Beit feine« Sobe« ifl unbefannt. ©eine ©driften ftnb verloren gegangen. SBielanb’« hifiorifd)=pf)i : lofophifcher Stoman: „2ftiffipp unb einige feiner Beitgenoffen", gibt un« eine leben* bige, höd)fi anjieljenbe ©dfflberung be« Beben« unb ber in 2lu«übung gebrachten ©runbfdfje be« lieben«würbig Sinnlichen fPhM°f 0: Phen. 2friffofratie (a. b. ©tied).), eine ^errfchaft ober Otegierung ber SSeffen. Unter ben SSeffen ftnb hier nicht etwa bie ©ebilbetffen ober SEugenbhafteften juvet* fiehen, fonbetn bie -23omehmffen, 9?eid)fien, 9Rdd)tigffen im ©taate, weld)e auch »on ben ERömem bie Sptimaten (SSefien) genannt würben. 9Benn ftch nämlich in einer bürgerlichen ©efellfd)aft einzelne gamilien bergefialt hervorthun, baff bie au« ihnen hervorgeljenben Staatsbürger al« eine eblete 9Renfd)enclaffe betrautet werben, baff bähet eben biefe ßblern ein Übergewicht an 2fnfehen, SJeffhthum unb 5ERad)t über bie übrigen SSürger erlangen-, unb baff fte eben barum bie erfien unb wichtigsten ©taat«dmter verwalten, mithin ben Staat felbft regieren, fo finbet «16= bann im ©taate eine 3frifiofratie ffatt. 3m Seutfdjen fönnte man baljer auef) 2fri= flofratie burdj 2fbel«herrfd)aft überfe|en. SBenn man aber von einer arifiofratifd)«' ©taat«verfaffung rebet unb biefelbebermonard)ifchenunb republifanifchen entgegen* fHt, fo ifl bie« eigentlich fhlfd). Senn bie 2fri|iofratie fann aud) in SRonatdjien i 3Wjioftaft5mu6 413 unb SJtepublifen fiattftnben. 2Senn nämlich in einer 9ftonatd)iebie oberften Staat«--, * Weg« 5 unb ^ofdmter nur mit Scannern «on abeliger ©eburt, ober, wie man aud) fagt, ron guter gamilie befejst werben, fo ftnbet in berfelben eine 2friflofratie ftatt, «nb^ä fann gar leicht gefächen, bag ber 9Jtonard) felbft «on einer fotdjen Jftifro* ftatie be^erefefjt wirb, bergeftalt, bag er web er in ber 5Baf)l feinet Siener nod) in feinen anberweitigen ©ntfd)lüffen unb SBagregeln freie $anb bef)«lt. Sie ÜBonar* d)ie oetwanbelt ftd) bann in eine Oligarchie, b. f>. in einen Staat, bet «on eini* gen »omehmen gamilien gu beten eignem äSortheile «ermattet wirb, ©in SBonatd) L- [oute bflger fegon um feine« eignen SSottheil« willen unb jut SSefjauptung feinet ; eigentf)ümlid)en SBurbe e« jum StaatSgefe&e machen, bag jeber Staatsbürger gleiche 2lnfprüd)e auf alle öffentlichen 2fmter habe, gleiche Saften mit ben übrigen i nage unb überhaupt oor ihm ober bem ©efefce gleich fei. 2ll«bann bilbet ftd) neben I berjenigen Jlriftofratie, welche blofj auf bem ©eburtSabel beruht, eine anbre, beten P gtimb berSßerbienftabel ift, unb beibe halten einanber bergeftalt ba« ®leichgewid)t, bag ba« ©taatSwof)l nid)t mehr burch bie erfte gefdhrbet werben fann. 23enn aber jene »on ber ©eburt abhdngige 2friftofratie in einer Otepublif ober einem fogenann* ten Sreiftaate ftaftftnbet, fo geht bie bürgerliche Freiheit unausbleiblich oerloten, inbem bie 2friftofraten ba« 33olf um fo leichter mit beSpotifcher SBillfür behettfehen fönnen, ba fie burd) fein monardhifche« Dfnfehen in ihrem herrfchfüchtigen Streben gejügelt werben. Senn wenn auch etwa bie 2frifiofraten ©inen au« ihrer SBitte §um Oberhaupte be« Staat« mdhlen (wie in ber ehemaligen Stepublif *Po(en ben Äönig ' unb in ben oormaligen 9iepublifen SSenebig unb ©enua ben Soge), fo ift bod) biefe« felbfterwdhlte Oberhaupt gang unb gar «on ihrer SBillfür abf)dngig, unb ber Staat »erwanbett ftd) aud) hi« > n eine bloge Oligarchie. — Übrigen« wirb ba« 2Bort Jtoftofratie juweilen in 83ebeutungen genommen, bie mit ber utfprünglichen mehr ob« weniger oerwanbt ft'nb, §. S5. wenn man «on einer Ufrifiofratie ber Vernunft, ber ®eijtlid)feit, be« ©eiehrten = ober be« ÄaufmannSfianbe« u. f. w. fprid)t. 3fud) nennt man oft ben 3lbel überhaupt ba« ariftofratifche Staatselement im ©egenfafse gegen ben gemeinen Sürger ober ba« übrige SSolf, welche« man bann baSbemo* fratifche ©taatSelcment nennt, weil man bet 2lrifiofratie auch bie S emof ratie (f. b.) entgegenfefct. D. Äriftof ratiSmu«. SBenn man mit Stecht für ben3««f einer jeben Staatöregierung erfennen mujj, bag bem ©eiftigtn bie fjerrfchaft über ba« SEftate* ritlle »erfchafft werbe, fo mug auch «tue jebe ihrem innerften SQSefen nad) ariftofra* tifd) fein. ©« ift einer bet gefährlichften 3rrtf)ümer unferer 3eit, bafj bie Staat«* regiecung bienenb fei unb ben ©efammtwillen be« SSolfe« bei ihrem Söirfen jur 8?id)tfchnur nehmen müffe, wie felbft 3ad)arid („Vom Staate“) b*hjtuptet. Set SBille, nämlich ba« jufdllige, «on Vorurtf)eilen unb Seibenfdjaften eingegebene bedangen ber SSBehrheit be« Volfe«, fann niemals ba« ©efe« ber VolfSentwicfe* limg fein, beffen ©inführung in Sehen unb Shdtigfeit ber ^Regierung obliegt, fon* betn gerabe bie Unterordnung jene« jufälligen ©efammtwillen« unter ein höhere« ®ebot ber Sittlichfeit unb Sugenb ift Sa«, woju bie Sfegierung hinjuwirfen hat. Sie« ift »ielleicht ber einige wahre ©ebanfe in o. fallet'« oermeintlid)er „Cteftau* tation ber StaatSwiffenfchaft“, bag er bem fef>r weit oerbreiteten, tief in ba« SSolf eingebrungenen Vorurteile «on ber bienenben 9tatur ber Staatsregierung gu wi* besprechen fucht; aber biefer ©ebanfe ift webet neu noch antiliberal, benn gerabt diejenigen, welche fjert «on fallet al« Safobiner «erbammt, haben ihn früh« imb helfet al« er felbft ausgeführt. So liegt er bem Unterfd)iebe jum ©runbe, Welchen Stouffeau im „Contrit social“ jWifdjen ber Volonte de tous (wa« bie Solfer wirflich wollen, weldje« auch oft etwa« fehr Ungerechte« unb Ungereimte« fein fann) unb ber Volonte generale (Sem, wa« fte wollen follten, welche« immer to« Vernünftige unb 9Jed)te fein mug) machte, unb ©uijot in f. neuefttrt SBetfe: 1 414 3(rijlofrattSmu§ „Des moyens de gouvemement et d'opposition dans I’etat actuel de la France" (spctriS 1821 ), geigt fef)t gut, baß gerabe biefe Sorflellung Don bet bienenben Statur bet Regierung, Detmöge if>ret allgemeinen Serbreitung unb fogac ißtec In= erfennung Don ©eiten bet obetflen Staatsgewalt, bie Uraft biefer lebten am mei= flen liifjme. 2ßie fefr abet jene Sorflellung in ben Sölfern tjerrfcfjenb geworben fei, geigt ftd) einem aufmecffarnen Seobacftec fafl in allen öffentlichen S3erf)anb: lungen. denn faft überall fpridjt ftd) ein $aß gegen bie Staatsbeamten aus, welche man burchgefjenbS immer mef)t ju bejahten SRiethlingcn ofjne SSÖütbeunb ©h« tjerabgiefjen möchte, anflatt baß gerabe nur burd) ein umgefefjrteS SSerfafjten, i burd) große SSerantwortlid)feit bei bem nötigen 3fnfef)en, bie SRißbtäucfe im StaatSbienfle, worüber man flagt, verbannt werben fönnen. Son jenem ffiafn, baß ber factifdje ©efammtwille eines SolfeS in bet ^Regierung auSgefüfct werben muffe, fyöngen auch eine große 3at)l unrichtiger 2fnftd)ten über bieBufammenfejmng ber SolfSDertretung ab, auf ber einen Seite baS bloße Vertreten nad) Safloctfält: niffen, auf ber anbern ebenfo fef)t baS SSertreten ber jufdtligen einjelnen Sntetef fen ber verfcfiebenen ©laffen ber SSolfer. SSeibeS führt bahin, bem gemeinen S8il> len beS Solls ben Sieg über bie beffere ©inftd)t derjenigen ju »erfd)affen, welche ju Führern ber Sollet berufen ftnb. 2lriflofratifch im Sinne ber 2llten, als ^tn= fchaftber Seffern unbSBeifem, ifl alfo bieSeflimmungunb baSäBefen beS (Staats von ©runb aus, unb bie Stage ift nur, wie bie 2friflofratie georbnet werben fönne, um ihren gmecf, Leitung beS SolleS nach ben Sebürfniffen feiner »ernunftigen { 9fatur, ju erreichen. Sn biefer Sejiehung müffen wir aber fdßon jweietlei «on einanber unterfcheiben, welchem ftd) ein drittes, jwar im Staate nicht öffentlich 2fnerlannteS, aber hoch fef)t tf)ätig SBitfenbeS beigefellt. SeneS ftnb namlicf) bie eigentliche ^Regierung, als Senferin ober Inhaberin beS ©efammtwillenS, unb bie ©efeggebung, als Srgan ber SolfSeinftd)ten, von welchen abhangt, waSal« vernünftiger SBille beS SolleS gelten fönne. das dritte befleiß in bem f)errfd)en= ben ©eifle beSjenigen SheilS ber bürgerlichen ©efellfchaft, welcher burd) feine ju= fälligen SSerfjaltniffe, gamilienoerbinbungen u bergt, fowol auf bie @runbfö|e, nach welchen bie ^Regierung ftd) bitbet unb wirft, als auf bie SReittungen, non welchen bie ©efefsgebung ftd) leiten laßt, ben meiflen ©influß h net, weldje benfelben als bereits oorhanben torauSfefjen. daher waren alle 33en fud)e bet 2Clten, ben Staat auf.eine foldje ibeale 3lriflolratie ju grünben, ebenfo vergeblich als bie 2Bieberf)otung berfelben in neuern Beiten, unb fte führten befbo fhneller jum Setbetben, je weiter baS Solf von jener unerreichbaren ftttlid)® JReife entfernt war. 9Ran muß ftch Dielmehr mit einet approximativen blrijbofra-- tie begnügen, beten ©runbptincip barin befiehl, gewiffe allgemeine S.ualificatio ! nen aufjuflellen, mit welchen, ber ©rfahrung nad), eine höhere ©inftchtunb ein reinerer SBille Derfnüpff ifl. 5lad) bem oetfdjiebenen Stanbe ber SolfScultur muß biefe 2friflofratie auch auf fehr Dcrfchiebene ©rünbe geflüfet fein. Sie wirb bet bem gewaltfamen ättfammenfdjmeljen mehret ffiölfer ftd) eine |3eitlang bei bem 3fci|iofratiömu§ 415 i gtamme bet «Sieget erhalten, fie Wirb auf diejenigen übergehen, welche, au« höhet griilbeten Sßölfern fommenb, al« Sefyrec unb SSohttbätec »on bem banfbaten sßolfe wie SBefen t)6f>erec 2frt geehrt werben. Sie wirb im gortgange bet 8Solf«= entroidelung ftctj mit 2fmt unb SSeftf^ »etfnüpfen unb enblicf) roiebet bal)in jurücf= fef)ten, wo fte auSging, ftd> bloß an bem ©eifligen, an witflidjer befferer ©inftcf)f, an erprobtet Sücf)tigfeit feffhctlten ju (affen. Sie« ifl bet natürliche ©ang bet Singe. ©in fogenannteö ()iftorifd)e« fPtincip, fraft beffen eine 2lriflofratie be= Rauptet werben foll, meldje in ben innetn SSet!)ältniffen be«5ßolfe« feine 83afi« ■ mehr ft'nbet, gehört ju ben naturwibrigen, obroot gewöhnlichen Unternehmungen der fWenfchen, wobitrd) fie »iel »ergebliche SKifmetfWnbniffe, Spaltungen unb in= netlidje iömpfe »eranlaffen. So lange ba« ft'egenbe 8Solf auch ba« fräftigere, ftiegöfuttbigere ifl, fo lange bie hohem ©inftchten unb Äenntniffe ein auSfd)ltef)li= d)t« ©genthum eine« erblichen ober fonff gefchloffenen «Prieflerftanbe« ftnb, fo lange bie Nation in gteie unb Sienflbate getfjcilt ifl, unbunter jenen roie^t ein ftljeil ftch im alleinigen SSeft'h »orjüglidher ©igenfehaften, au« welchen ootjügliche «Rechte »on felbfl folgen, beftnbet, fo lange befleht aud) bie 2lriftofratie. Sowie aber jene Unterfcheibungen allgemach »etfehwinben — unb bie Dlatur flrebt immer bahin, au«jugleichen, wa« ungleich war, unb ba« S3efonbere ber allgemeinen §o:m anjunöhetn —, fowerben aud)biebaraufgebautenariftofratifdten©meid) tum gen ihre Haltung »erlieren, fte werben ben fBölfern unerträglich, unb je größere i Mfte für ihre 3lufred)thaltung aufgeboten werben, beflo oetheerenber, heftiger unb »etberblicher für beibe Sfeile wirb nur ber Äampf, beffen unausbleibliche« Ste= fultat boch juleht ihr gall ifl. Sie ©efd>id)te ber SBölfer befleht größtenteils au« ber ©cfchid?te btefer föerhältniffe, unb bie neuern ©rfd)ütterungen ©uropa« gehen fafl ganj allein au« ihnen fjeroor. ©« ifl unmöglich, weil e« unnatürlich ifl, baß bie größere geiflige Äraft unb SSilbung auf bie Sauer bet geringem untertan fei, unb MleS, wa« bie geiflige SSilbung förbert unb hebt, SBoflflanb unb 9leid)thum, felbfl bie gertigfeit im Söaffenfpiel utfb SOluth, ftnb nur golgen einer fchon ent= wicfelten geifligen Äraft. SSernunftwibrig wirb baher bie 2lrijlofratie, ober fte ar= tet in Sligarchie au«, fobalb fte bie rechtlichen fßotjüge »on ben natürlichen trem nen, jene ohne biefe behaupten, biefe ber erften, welche ihnen »on fftatur gebüh= ren, berauben will, fobalb fte »ererben will, wa« nur butcf) eigne 2lnflrengung er= worben werben fann, unb bem echt ariflofratifchen «Princip ftch entgegenfefct. ßbenbefhatb ifl aud) ber antioltgatd)ifche ©eifl, welcher nicht einem Beitalter ei= gen ifl, fonbern jeberjeit in bem SDZafe her»orbtid)t, al« bie Sligardjie ftch erheben will, webet ein antimonarchifd>er noch ein antiariflofratifd)er. ©r ifl »ieU mehr ber 9Jlonard)ie günflig, inbem er in iljr, ihrer 9latur nad), einen »iel frdf tigern Schuh gegen bie Sligatdjie ju ft'nben hofft al« in ber SSielhetrfdtaft, bie immer jur Oligarchie führt. Sie« beweifl bie ©rfahtung aller Beiten unb SBölfer, inbem ftch biefe fehr oft bet unbefdjränftenlllleinherrfchaft in bie2frme geworfen ha= ben (wie in 9tom, in ©nglanb unter SJ?idf>arb II., in Sänematf, in Schweben »■f. w.), um bem Stucf ber Oligarchie ju entgehen. Sie 2llleinhertfd)aft muß, fobalb fie ftch irgenb eineS-fRegierungSjwecfS bewußt wirb, ju ihren ©elfülfen unb Wienern Siejenigen wählen, welche ju biefem 3werfe am tauglichfleti ftnb. Sie mup bemnach bem S3eamtenfranbe eine ibealariflofratifche 3ufammenfe(sung geben «nb ihn, ohne 9?ücffid)t auf unwefentlidw Singe, au« ben SEüd)tigflen aller S3olf«= daffen wählen. «Sie muß, wenn fte irgenb einen SlegietungSjWecf h at , ihtem SBillen Äraft, ben föolljiehern beffelben 2lnfef)en»etfchaffen, bie Sienflariflofra= tie mit ber im Staate »othanbenen natürlichen llriflofratie in« ©leichgewicft fe«en wtb bie djinbetniffe befampfen, weld)e au« bem eigennüfeigen ©eifle ber Oligar- ä)ie für bie SSolfSentwicfelüng entfpfmgbn; benn Ungered)tigfeit, 3lu«fd)liefung Mn ben gemeinfd)aftlid)en ©ütern ber 9latut unb be« Staat«»erem«, Übermuth 416 2ttifto!rati$nm$ unb ©tolj ftnb allejeit im ©«folge ber Oligarchie. Unglücflicherweife ab« (Aßt ftch bi« ÜRonarchie leicht in b«n Strubel mit t)inabjicfjen, oon welchem j«b« unedjtt Xriflofratie am ©nbe immer eetfchlungen wirb; fie läßt jicf) burch bie ©efellfcfyaft, in njftctjev ft« lebt (ba« oben erwähnte britte leitenbe fPrincip), betboten, bie e$te natürlich« 2frifiofratie mit bet Oligarchie ju oerwechfetn unb biefe ie|t« fit eine ©tüfce be« 2b«ne« ju batten, welch« nur in ber erften ju ft'nben iff. 6« gebt bitS freilich 9 flnj natürlich ja, «eil ber Monarch mit ben ©einigen fiel) jum pecfönfc djen Umgänge bie Häupter aller 2(rten bet 2lriftofratie jugefellen muß, »eich««im Staate antrifft, unb in biefem SBerhältniffe ber SJortheil, ber überwiegenbe ®n* fluß, immer auf ©eiten Oerer fein wirb, welche, fclbfl abgefehen oon bet fr^em 2lu«bilbung bloß gefellfchaftlicher Talente unb Reinheiten be« Umgang«, nie in bin Rail fornmen, bie Stoecfe ber ^Regierung gegen perfönliche Neigungen ju oertheibi* gen, wie bie Rauptet ber SSeamtenarifiofratie fo oft $u tf)un genötigt finb, unb bagegen häufiger ©elegenfjeit haben, burch Oienftleiftungen eine rein petfönlidjt 3lnhdnglichfeit ju beweifen. Oaf)er gibt bet $of, ba bie« S3erf)ältniß auch bann noch eine geraume Seit fortbauert, nacbbem bie 2frifl»fratie aufgehört hat eine naturgemäße §u fein, ber Oligarchie ein fo große« ©ewicht, unb oerwitfelt fid) felbfl unb bie SRonarchie in ein gemeinfcf)aftlid)eä fßerberben. 2luf ber anbern ©eite aber geben auch bie SSefäntpfet ber Oligarchie ju biefem unglütf liehen 3rrthum oft genug 2fnlaß, inbem fie ihre Angriffe mit gegen bie 2Ronard)ie richten, welche fit felbfl in ber engflen fßerbinbung mit ihren ©egnetn ehren unb fchonen follten. ©ie gehen aber felbfl in bie Oligarchie über, inbem fie enttpeber in ber ^Regierung eine Unab= hängigfeit.oon bem oernunftgemäßen ©efammtwiilen einjuführen trachten, welche alle fBerantwortlichfeit be« SSeamtenflanbe« auf}uf)eben fucf)t, ober in ber@efe&ge= bung eine Ära ft aufflellen wollen, welche ftd) oon bem monarchifchen (Elemente frei machen unb eine felbftänbige ©ntwicfelung annehmen will. 3« biefe Söerirrung oerfallen alle biejenig-en Staaten, welche ber ^Regierung ba« unbebingte SSeto ent* riffen haben,_wie in ber franj. SSerfaffung oon 1791, in ber fpanifdjen unb not* toegifchen gefchehen ifl. Oie Utfadje liegt freilich fehrnahe; fie ifl in bem gehen men SBiberflanbe ju fucf)en, melden ber $of auch gerechten 2Bünfd)en ber Station bisweilen entgegenfefct; aber bod) ifl bie ©efafw, baß einem oernunftgemäßen SSe* fdjluffe bie ©enehmigung ber ^Regierung oerweigert werben f önne, bei weitem nicht f6 groß al« biejenige, welche au« ber fiähmung bet 5Regierung«gewalt felbfl ent» fleht. 3n welcher ©eftalt ftd) aber ba« oligarchifche ^Dtincip auch geigen möge, fo ifl e* immer nod) oiel mehr antimonardiifch al« antiliberal ober antipopulair. fefct bem allgemeinen 3wecfe ber ^Regierung ein befonbere« eigennü&ige«3ntereffeßi* niger, ber oberflen ©taat«gewalt eine 9Rad)t entgegen, welche nicht bafjin gerich* tetifl, bieÄraft bet ^Regierung in ber Sahn be« Siechten ju erhalten (einÖienjl, welchen fie nur feiten unb ganj gegen ihre eigne 2lbjtd)t leiflet), fonbern ftch felbft berfelben ju entjiehen unb ftch ihrer ju ihrem alleinigen SSortheil ju bemädjtigen. 6« benimmt ber ^Regierung alle Rreiheit, fowol in ber 2Bal)l ber SSeamten al« in ber SBahl ber SRittel für ben gweef be« Staat«, unb jeber jum SSeffem aufflre» benbeStegent hat immer bamit anfangen müffen, bie oorhanbene unechte fratie }U befämpfen. Oa« antioligard)ifd)e $)rincip hingegen fucht bie Äraft ber Regierung ju oerflärfen, unb fie, inbem eS hierburd) bet Anarchie entgegenwitft, jugleid) oor bem entgegengefefcten SJerberben ber willfürlidjen ^errfchaft §u betraf)* rett. Oenn inbem e« bie allgemeine Räfjigfeit aller Unterthanen ju ben Ämtern unb 2Bürben be« Staat« oerlangt, oinbicirt e« hauptfäd)lid) für bie ^Regierung bie Stet* heit, ftd) ihreOiener ganj allein nach bem SCRaßflabe bet SSraucbbarfeit(eebtari* ftofratifch) |u wählen; burch bie Rornten, welch«, e« für ben ©rwei« ber fPraud)* barfeit aufflellt (fhenge unb wieberholte Prüfungen), fud)t e« ben Sinfluß ber Ra* milienoerbinbungen ju oernichten; burch bie Hierarchie be« Oienfle« unb bie $off* 2Crtjiofmtte>tnuä 417 ttutig ber gjeforbetung ben ©eift pünfflichet Srbnung, ©ubovbination unb leben: bigen Eifert in bemfelben jit erhalten. 3lber nuf ber anbern ©eite wirb biefe 23er< fnffung be§ ffieamtenffanbeS benfelben ju einem fo fraftig unb fdjnellwitfenben ffletfjeuge ber ©ewalt madjen, baß ber ©chritt jum ©efpotiSmuS nur allju leicht fein würbe, unb eSiffbaljet eine SDfilbetung beö monatdjifchen ^>rirtcipS nothwem big, roeldie and) auS anbern ©eftchtSpunffen, einerfeitS in bem ©pffem ber 5öer= antroortlid)feit bet Staatsbeamten, anbrerfeitS in bet 2ütfjlellung einer befo-nbem ®efe&gebungSgewalt, ju ben unerläßlichen SSebingungen einet wohlgeocbneten ©taatSoerfaffung ju rechnen ift. 3fud) bie Regierung foll ft'ch 'über alles Söillfüts lidje unb gufallige ergeben, unb nid)t einen inbioibuellen SBillen, fonbern einen rein oenmnftmaßigen, fidj immer gleich bleibenben unberdnberlidjen, in ihren fmnblungen befolgen. fDurcb bie SSerantroortlichfeit ber : S5eamten wirb bet blinbe, unbebingte @et)orfam, welcher baS SBefen ber 2)efpotie auSmacht, in ben »erfaf , fung$maßigen ; ber echten SJtonarchie öerwanbelt; eS öerfteht jtd; aber,.'baß nicht bloß bie fhiinifter, fonbern, wie in Englanb, auch bie untefgeorbneten Beamten megen offenbaret ©efcfcwibrigfeit ihrer Jpanblungen jur fRechenfchaft gezogen wer= ben fönneft. 2fuch bie nothwenbige innere 3Bütoe unb höhere 5Beil)e beS ©taatS= bienfteS, bäS ech’t=ariffofratifd)e fPrincip beffelben, ift lebiglidj burch “tiefe S3erant= irottlicffeitmtfallen Stufen beffelben ju erreidjen, unb bie $raft bet Regierung ' jum ©uten fjüm Unrechten bebarf eS einer foldjen nidjt) wirb, baburch. im minbe= ßen nicht gefdjWachü Sn ber ©efefjgebung hingegen unb ihrer Trennung non ber [Regierung (fobaß bie leiste 9ticf)tS alS ; ©taatSeinfrdjt, bie’ etffe aber 9tid)iS als ©e= fammtroillcn nufftellen lann, was nicht uon ber anbern bafür ernannt wirb, unb alfo jum geitenbeft ©efetj bie Übetcinftimmung beibet erfobetlidi iff) 'ftnbet jebe natürliche lifriffofratie, weldje ftd) im SSolfc oorfrnbet, ihre eigentliche.©teile, unb I jugleicß baSSpftem ber Sferantwortlrchfeit feinen ©tügpunft. £>h n ? 2anb= unb ; SReicfSfixinbe gibt eS feine Seftfgfeit für bie Seamtenariftofratic, unb feine ©t= : djerljcit-gegen bie S3eamtenoligard)ie. 9lur muß bafür geforgt Werben,, baß aud) : wirfiid) jeb'e natürliche 2Ttiffbfrafie unb feine 3frt ber £)ligarchre einen fpia| .in bem | ®cfe|gebungSraft)e.erhalte, unb baß bie Snfammenfehung beffelben aifo au.d) mit : ben SSergnberüngen ber 3eif gleichen Schritt halte' ©n SEhei’t beS gefe|;gebenben Senats wirb auS biefern ©runbe immer ben fßolfSwahlen übetlaffen/ unb babei bet 2Bn()!betecbtigung unb SBahlfähigfeit bie mbgtichffe 2htSbehnung gegeben wer* ben muffen, um nicht fchon oon unten herauf eine .£)ligard)ie ju organijt'ren,-wekhe ein jeher ©tanb über ben'anbern,-ber mittlere l'ahbeigcnthümer über ben f leinen, ber große über ben mittlern, baS jtäbtifdje ©ewetbe übep' bie £an6wTrthfchaft , bet Sabcifant über ben^anbelSmann uirb ilmgefehrt überad prgreiff, wo nur bie fteinfie ®e(egeriheit baju oorhanbenill.' 5fber burd) föolfSwahletfwirb nicht jebe natürliche flrißofratie ben ihr gcbührenben.?rntbeil an ben fendtoriffhen SSefugnijfeh.erhalten; am erflen rroth bie 2friftofrafic beS ; 9feid).thumS, we.'fd^eS breüm Wenfgffen gegtün* bete ijf, am feltenffen bie ber geiffigen ®il6u‘ng ; , weldje mhn für bie ünentbehrlichffe halten follte. -©ngweig biefet le|ten .mul'immer in- berit’itche anjittreffen fein; ein anbrer wirb fidf im ©tanbe ber. großen ^rünbbeft|er 'fürben rein fcritter wirb butd) perfonlidje ©genfehaftendn gilen '©tanben begtütibef werben fonnen unb beffo unabhängiger oon ©tanbeSünterfdueben werben, je holjerjbie allgemeine S3tl= bung beS fßolfS ffeigt." ©S ift ©adre ber oherfren ©taatSgettalf, biefert ^)aupttl)eil beS ©efelgebimgSratheS (ber ^)air’8fammer)’jmmet ■ jWerfmäß.ig jtt erneuern; für ba« allmälige Offerten ber ßweige, welche im fffiedjfel ber 25tnge ihre Ärg’ft unb SSebeutung oerlieren, forgt bie 9fafur oon felbft. 3)ie Öligafdjie, wirb immer fu* d)en, ber Öfegimmg bieS 'Ofedjt bet ©rnennimg erhlidjer' s pdir§ unb'lebenSlängti« tßcr©enafofen ftreittg jurhadjen, wie tn'Snglanb'mefj’rmalS : o.er'fudjt worben iff; il;r aber geräbe baritm unehtbehrlictj, itm “baS approjtimdfiowcrffänbige ©p= ®on».=ße);. Siebente 3fufl. SSb.'l.' + 27 418 2Mfbmene8 SfrtjIopfyaneS ftem ber naturtidpen 3friffofratie gegen baS Oligarchie 33erberbnijj 511 ft'd)ein itnb mit ben SSeranbetungen ber Beit im ©inflange ju evtjatten. 37. 3Crtjfömene3, ein junger, unternet)menber ^>elb unb 3fnfu()vet bet 9)tef[f ; niec gegen bie Spartaner, 682 0. 6fjr. Sfterfwutbig, aber aucl) fabelhaft ift feine { Srettung aus einer tiefen -£>ot)(e, wohin er non ben Spartanern geworfen worben war, burd) einen gud)S, bem er nad)fletterte ober melmebt in feinem 33aue nad)= ; frod). Ungeachtet feines ^etbenmutfeS unb feiner Äufntjeit formte er bod) nidjt i »erfjinbern, bajj SDteffenien in bcm Äampfe unterlag. [ 2friftö^hane§, ber einjige Suj!fpie!bid)ter bet ©riechen, oon bem wir ji ganjeStude befigen, ber ©ogn eines gewiffen *PbilippuS, unb »on ©cburtein 1 3ftbenienfer. 3(18 Sinter trat er in bem werten Safjre beS peloponnefifcben ÄriegeS j.t (427 0. ©)r.) auf, unb würbe, ba er fid) einige ©cberje auf ben bamalS mdd)%n i Semagogen Äleon ertaubt batte, ton biefem angeflagt, ben Sütel eines athenien= j! fifdjen SSürgerS unrecf)tmdfigerweife angenommen ju t;aben. ©t »ertbeibigte ftd) £ »ot ©ericht blof mit ben befannten Sßetfen Homet’S: ! SJteine SXutter bie fagt’S, er fei mein SSater; bod) felber SBeifi id)’S nid)t; benn non felbji weif Kiemanb, wer ipn gejeuget, unb wußte-, ba biefetbe Klage noch 2 SOfat gegen ifjn erneuert warb, fte jebeS SKal ju entfraften. 3Cn Kleon rächte er fid) in ber golge burd) fein Suftfpicl: „Sie 3iif= ter", in weldjem er felbfl bieSiotle beS Kleon fpiette, ba fein ©chaufpieler ben fSiutf) baju tjatte. SieS3Benige wirb uns »on3(.’S Seben erjdt)lt, ben bie 2ftten nor= jugSweife ben Komifer, wie boomet ben Siebter nannten. 23on 54 Sufifpielen, bie er »erfaßte, befigen wir nod) 11, unb in benfetben ohne Steifet bie Slutfe ber alten Äomobie, bie in feinem (egten ©tücfe, bem „fpiutuS", fd)on in bie mittlere ubergebt; aber um fie in ihrer gölte ju genießen, um nidrt »on ben 3(u$gelajfen= beiten unb Unfittlicbf eiten, mit benen fie reichlich auSgeflattet finb, beleidigt JU werben, bebarf eS eines mit ben ©itten unb 3(nftd)ten beS TdtertbumS febr vertrau: tenSeferS. ©tnem fotdjen werben ihr jierlicb reiner 2CtticiSmuS, bie ©eroanbthrit unb ©orgfatt in ber 3(nlage unb TfuSföbtung unb anbre 23orjöge ber gorm, burd) wetd)e 3b. ft'd) benSfubm ber 5Reifretfd)aft erworben bat, nicht entgehen, ©ein 3Big unb feine Saune finb ebenfo unerfcbbpflid), wie feine Kühnheit ofne ©ren= jeit. Sie ©riedjen waren »on ber geinbeit unb 3bnmutb feiner ©tude bejnubert, unb fptato fagte, bie ©rajien batten ffch feinen ©eifl jur SSofnung auSerfefen, „5Bir", ürtbeitt ein neuer ©elebrter, „bei unfern {Begriffen 001t 3fnffänbigfeit, mödjten bie ©cete beS 3b. eher für ben SBobnftg beS mutbwitbigfien, boSgaftcfttn ©atprS batten, ober ihn wenigftenS mit ©otbe ben ungejogenen Siebling ber @ra= jien nennen". — @t bebiente fid) ber 3ftbegorie, politifd)e ©egenftänbe, foroie bie Safter unb Sgorbeiten feiner Beit anjugreifen. Sn politifebem unb moralifdjem ©inne ift er ein ftrenger SSerfedjter alter 3ud)t, ©itte, Sehre unb Kunff, batet feine 3buSfdtbe gegen ©ofrateS (in ben „SBolfen") unb gegen ©utipibeS (in ben „grofeben" unb anbern Komobien). Sie greibeit bet alten Komöbic ertaubte auf biefem gelbe ber perfbntid)en ©atpre baS Unglaubliche, unb 3(.’S Äufntjeit unb fPbantaffe mad)ten einen fo großartig auSgetaffencn ©ebraud) »on berfetben, bap nid)ts ©ottticheS unb SKenfd)tid)cg, wo eS irgenb eine SSlöße barbot, ihrer cari= firenben fParobie entging, ©etbjl baS atbenifd)e SSotE fdpeute unb fegonte er fo wenig, bafj ereS auf eine b öd)fi jämmerliche 5öeife in feinem alten SemoSpeu fonificirte. Unaufbortid) wirft er ihm feine Sffianfelmötbigfeit, feinen Seidjtfiiin, feine Siebe für @d)meid)eteien, feine tböriebte Seid)tgtdubigfeit unb feine 9ien gungju öberfpannten Hoffnungen »ot; fiatt batöber erjurnt ju fein, belohnten ihn bie 3ftbenienfev mit einem Äranje non bcm heiligen Ölbaum, eine bamalS au= ferorbentlidje Sbrenbejeigung. Siefe ungemeffene greibeit war ber Cbarafter beS alten SufifpietS, welches man lange als eine ©tuge ber Semofratie betrachtete, r \ r XrifbtefeS 419 6i§ baffet6c nctdf) bem peloponneftfcpen Äriege mept eingcfc^rdnft, unb im 3. 388 bucd) ein ©efep »erboten warb, 3emanb auf ber S3üpne gu nennen. SamalS lieferte X unter bem 9tamen feines dltefien ©opneS ben „ÄofaluS", ein ©tücf, iitroelcpem ein junger SÄenfd) ein SO^dbctjen »erfuhrt, unb nacpbem ipre2fbEunft entbecft worben, peiratpet. SSit biefem Sufifpiel beginnt bie neuere Äomobie. 2(., berfcpon fept alt war, fcpeint halb nacpper geftorben gu fein. — Sie befien Ausgaben feiner Sufifpiele ft'nb »on 2. Äüfier (Xnfietbam 1710, gol.), S3erglet (Ämfierbam 1760, 2 S3be., 4.), S3runcf (©traSburg 1781,4 S3be., 4. u. 8.), 3n* oetnijio (Seipgig 1794, 2 SSbe., mit SSecE’S nod) inwoUenbetem ©ommentar). Sie Ausgabe- »on @d)ü(> ijl aud) nod) nid)t beenbigt. ©ingelne ©türfe, wie g. SS. bie „fflotien", ftnb ins Seutfdje übetfept »on SöekEer unb SBoIf. ©ne »ollfidnbige Überfepung ift »on 3. ■$>. SSop (SSraunfcpweig 1821, 3 SSbe.) erfcpienen. 2trifiotefe§, einer ber berüpmtefien ^Ofjitofopfjcn ©tiecpenlanbS unb Stifter ber peripatetifcpen ©cpule, t»argeb. gu ©tagpra in SRacebonien im erffen Sapre bet 99. Stpmp. (384 u. ©pr.). StifomacpuS, fein SSater, rüpmte fid) »on Sltacpaon, bem ©opne beS 2isEulap, gu fiammen; fPpaefiiS, feine Butter, war ebenfalls »on ebler 2fbfunft. Sie Xgneifunbe t»ar erblid) in ber gamilie ber Mepiaben, unb X’S SSater, £eibargt beS ÄonigS XnpntaS, patte ft'd) ipr mit 6tfolg gewibmet. © beffimmte feinen ©opn für biefelbe Saufbapn unb unter* richtete ipn »ielleid)t felbfi in ber XgneiEttnbe unb in bet mit ipr »erbunbenen fPpi= lofoppie. Spne Steifet »erbanEte er feiner erflen ©rgiepung bie Steigung gur 9ta= turgefcpicpte, als beten @d)6pfet er angufepen ifi, ba er guerfi genaue S3eobacptun= genmacpte. 9tad) bem Sobe feiner Xtern ging X a(S lSjdpriger 3&ngling nacf) Atatneagu einem gewiffen fPropenuS, einem gteunbe feiner Familie, welcper »iel ju feiner SSitbung beitrug. ^)ier »erweitte etEurge Seit unb begab ftcp bann nad) 3ftE)en. X »erweitte bieS etfie Sftat gegen 20 3«pte in Xpen, begnügte ficf) in biefer langen Seit nid)t bamit, ben fpiato gu poren, beffen @d)u(e bamalS im groften Stufe fianb, fonbern erbffnete felbfi eine ©cijute ber SSerebtfamfeit, unb trarb.fp beS SfoErateS 9iebenbup(er. SBaprfcpeinlicp »erfaßte er auch einige pfji* lofoppifefe SBerEe, beten Stuf bis gu fppilipp »on iOtacebonien brang. SBenig* fienS feprieb biefer halb nad) XepanbetS ©ebutt, 356 »ot ©pr., ben berühmten SSrief an ipn: „Äbnig fPpilipp »on SJtacebonien bem XifioteleS feinen ©ruf. SBiffe, bap mir ein ©ofm geboren worben; xd) banEe ben ©Ottern, niefjt fowol, bap ft'e mir ipn gegeben, als bap fie ipn gut Seit beS XifioteleS paben geboren wer* ben taffen. Scppoffe, bu werbefi einen Äonig aus ipm bilben, würbig, mir gu folgen unb ben Sftaceboniern gu gebieten". SOTefjre ©djriftfieller beriepten, bap furge Seit oor fPlato’S Sobe X mit biefem gebroden unb fogar eine ©cpule er* tieftet pabe, um mit ber (Platonifcpen gu wetteifern, ©ine gewiffe ©pannung gwifcfjen SSeiben ifi gewip gewefen, aber gu einem offenen Swtefpalt Eam eS nie. K. begeigte feinem 2ef)rer fietS bie größte ©f)rerbietung unb fprid)t überall in fei* nen SBetEen mit £od)ad)tung »on ipm, wenn aud) als Äritifer. 3flS halb nad) ^lato’SSobe bie Xpenienfer fPfjüipp ben Ärieg erEldrt patten, »erlief X 3ftpen unb begab ftd) nad) Xarnea, wo fein §teunb $etmiaS bie ^errfcpergewalt aus* ubte. SSalb barattf gerieft) ^»ermiaS burcp S3erratp in bie ©ewalt beS Xta*' mreSj ber ipm auf bie fcpmad)»ollffe SSeife baS Seben raubte. X, tiefbeEum* itiert über baS unglucElid;e ©d)itffal feines giwtmfreä, fuepte fein 2tnbenEen burcp dne .fjpmne gu »erewigen, bie reiep an poetifdjen ©(ponpeiten ifi, unb peira* tfete beffen fiepte. ©S fdjeint, bap X nad) beS SpetmiaS Sobe einige Seit gu ™itplene lebte; aber gegen b. 3. 343 ». ©pr. berief ipn fPpü'PP an feinen >6of, jjw ipm bie ©rgiepung beS bamalS 13jdprigen Xepanbet gu übertragen. SaS ©njelne ber ©rgiepung ifi uns unbeEannt; wenn wir aber fiepen, wie Xepan* betftef) in ben etfien Sapren feinet Stegicrung waprpaft grop bewies, wie er, fo 27 * 420 müftofeleS lange bie ©d)meid)e(ei it>n nid)t oerberbt batte, feine 2 eibenfd)flften beherrfdjte, voie ec ftctS Jfünfte ltnb 2Biffenfd)aften voertt) hielt, fo muffen wir glauben, baf biefe 6 rjiel)ung nid)t unnüfs gewefen. 9Jlan tonnte 2 f. oiel(eicf)t oorwerfeit, baji et nicht oerftanben habe, 2 t. gegen ben @f)rgeij unb bie 6 roberunggfucf)t 511 «et: wahren; aber 2 t. war ein ©rieche unb folglich ein natürlicher geini) beg ^)erfer= tönigg; fein fpaf hotte" burch bie ©rmorbung beg -fiermiag noch jugenommen; furj bie Eroberung fPerfieng war fdion lange ber 3Bunfd> oon ganj ©rtedienlanb. 2 t. muffte alfo alle feine Salente anwenben, um feinen toniglichen gbgling jm 2 tubfühvung biefeg *piang geneigt unb gefd)icft ju machen, fßater unb ©olm belohnten bie fßerbienfte eineg fold)en £el)terg. fPhiltpp ftellte bie äerflörte fh lv( ' 1 er, wie man fagt, oon bem 2 treopag feiner 2 fnflage wegen nad) 2 fthen gefobert wor= ben war. ©ein dhorafter iff oon (Shrgeij unb Unrebüd)teif nid)t freijttfpred)en. 3 n 2 fnfehung ber Sehren unb ber ©dfule beg 2 f. f. speripatetifefe *pi)ilO ! fophie. 2 f. hotte bei feinem feben feine ©djriften nicht befanntgemad)t; fie fingen erft an einigetmafen befannt ju werben, alg bie fRömet ffch ber fpt)H°f° ; pf>ic wibmeten. 9Rit ber SSibliottjef beg 2tpelliton tarnen aud) bie Urfd)tiften oon 2 t.’g unb Stheophrafi ’8 SSBerten nad) 9fom (burd) ©ulla). v£ier bract)te fie 2 fttbro= nifug oon 9fl)obug in Örbnung unb oerfah fie mit Snhaltganjeigen. ©eitbem würben fie oielfdltig bearbeitet. ung ftnb mehre fehr wid)tige oetloren gegaw gen; bie nod)oorhanbenen ft'nb, nad) bet 2 (uggabe oon griebr. ©plburg ( 5 S 3 be., 4., granffitrt 1587), wcld)e für bie befte gilt, folgenbe: „Organon"; „Rhe- 2Crfabter 421 2fritl;me-tic turica et poctica"; „Ethica ad Nicomachum"; „Ethica magna"; „Politica ct oeconomica"; „Animalium historia"; „De aninialium partibus"; „Phy- sicac auscultationis üb. XIII. et alia opera"; „Decoelo"; „De generationc et conccptione"; „De meteoris üb. IV."; „De mundo"; „De aninia"; „Parva naturalia"; „Varia opuscula"; „Aristoteüs, Alexandri et Cascii problemata": Aristotelis ct Theophrasti metaphysica". 2(ußetbem fd)a(3t man2(udgaben Don ßafaubonud tmb (Dural: bie neuefte, von S5ut)Ec, ift nid)t rollenbet (5 S3be.). il'otaiS gab bed 21’. Woral unb spolitif auf hoffen bet ©inmohnet von ©cio infParid heraus; unb jurn Seffen ber unglücfl. ©cioten überf. Sh« rot f ie 1823 ind grans. 2£ritl)me£if, 9fed)nenfunfl' (a. b. griedp uQidjiog ),bcfcbaftigt fld) mitbem crfien fiaupttheile bet reinen Wathcmatif. Sie betradjtet bie ©roßett nach ber sßtenge, verg(eid)t fte in biefet fiinftcbt unb (ehrt fonad| aud gegebenen (©roßen ober fahlen) eine anbre gefugte ftnben, bie jit ben gegebenen ein beftimmted 93er= ijäitniß hat. £ied gefchieht burd) Bermehrung ober Berminberung, alfo burch SJcchnen. 2Me2(ritl)metif ift fc£)r alt. 3« ©viechenlanb mürbe fte rcrrollfommnet unb ging von bort nad) 9fom unb auf bie a. abenblanb. Söolfer über. Sebodf> mar bie 2ltitl)metiE ber 2(lten nid)t fo braudjbar, ald ed bie uttferige ift. Unter ben neuern Üefjrbudjern biefer SBiffenfchaft jeichnen mir bie »on SBolf, Äafiner, fPafquich, Be= ga, jtlügel, SSi'tfd) n. gifcheraitd. (Bgl. SDtathematif unb 9Jedjnenf unff.) 2(rtud, f. 2(rtaner. 2£rfabien, ber mittlere unb hochffe Sheil bed fPcloponned, bie griedfjifrf>c ©chrneij, gegen 9t. non 2fchaia unb ©icpon, gegen £). non 2(rgotid, gegen ©. »on SJtejfenien unb gegen SB. enblid) non ©lid begrenzt. 2)ad Sanb ift reich an glüffen, Quellen unb Stiften; ed mirb rom ©urotad unb 2(tpheud burd) promt. 8Jtan unterfchieb bie Serge Äpllene, ©rpmanttjud, ©tpmphalud unb Wanntud. S?on feinen elften Semofinetn, ben fPcladgern, hieß bad Sanb früher fPcladgien, nachher tvarb ed unter Spfaon’d 50 ©ohne nettheilt unb erhielt non einem ©nfel beffclhen, 21'rfad genannt, ben 9tamen 2ltfabicn. 3n bergolge mad)ten ftd) bie Eieinen 9!eid;e frei unb ocreinigten fleh burd) einen Bunb. 23ie nornehmlten tnaren Wantinea, tno ©paminonbad ffegte unb' ein ©rahmal erhielt (je(st 2)otf Wonbi), 2egea (jefst SEtipolijja), ßrdjomenud, fPheneud, fPfoplfd unb SOTcgalopotid. 23ie ■flirten unb Stöger bed rauhen ©ehirglanbed blieben lange in bem Sujtanbe ber SBilbljeit. 2fld fte aber nad) unb nad) milbere ©itten angenommen hatten, fingen fte an ißt Sanb ju bauen, unb fanben ©efehmaef an San; unb Bhtfif. 2Dabei blieben fte ftetd friegerifd) unb fochten, trenn fie felbft feinen Ärieg hatten, ald ©ölbnet 2(nbrer. 3f)re fiauptgottlieit mar fPan, ihr fiauptgefchäft Biehjucht unb 2lcferbau; bied gab ben Sbpllenbichtern 2fnlaß, 2frfabien jum ©chauplah tf>rer Sichtungen ju mahlen unb cd phantaftifch audsufd)mücfen; fo marb ed in ber ^oefie ein patabiefifched Sanb, bad cd in ber SBirflichfeit feinedmegd mar. 2trf abter (21’fabemie ber), eine Bereinigung italicnifdjer 23id|ter in Diom, welche in ber leljten fjalfte bed 17. Stöhth- in ber 2(bfid)t errichtet mürbe, ben guten ®efd)maä §u befoibern unb bie italienifd)e 23id)tfun|t ju üben. 23ie gange ©in- tießtung bet ©efellfchaft foll bie Cftachabmung eitted arfabifchen Sbpllenlebend roi= (teilen. 23aher roerben bie Betfammlungen in ©arten gehalten, unb jebed B?it= glieb nimmt einen gried)tfchen ©d)dfetnamen an, mit rcelchem ed in ber ©efellfchaft .genannt mirb, unb unter meldjem auch gemohnlich bie ©ebicfjte einjelner SKitgüeber herausgegeben merben. 23ie ©efebe ber @cfellfd)aft finb nadi bem Wuffer bet romifchen 12 Safcln abgefaßt; bie midfigjTen barunter ft'nb: baß bie ©efellfchaft feinen ^Irotectoc haben foll, unb baß feine ©ebidfc, bie ber Sfeligion unb ben guten Sitten jumiber ft'nb, vorgelefcn merben bütfen. 23ad SJappcn ber ©efellfchaft ift bic ©prinr (bie alte ■öirtenflote), mit giditen unb Sorbern ummunben. 92itr 2)id)> (er unb £>id)terinncn fonnen Witglieber fein. (Sf)emalti ftanb bie ©efellfchaft in 422 Arfefmfter Atfnmgßt Anfeßen, unb man beeiferte ftcf>, in biefelbe aufgenommen ju »erben, »eld)eSje$t nid)t mehr ber gall ift. 9facß bem Stuftet bec $auptgefellfd)aft in 3tom wutbcn in mehren «Stabten Italiens Vereinigungen jtt gleichem Swecf gegiftet. (5 r e S c im= beni (f.b.) f>atSammlungen »onföebicßten ber@efeltfd)aftunb?ebengbefd)tcibun= gen »etfcßiebener Stitglieber berfelben ßerauS'gegeben. 1824 »atb fPapft 2eo XII, unter bem 9?amen Leo Pistate Cecropio «IS Stitglieb ber Atfabier aufgenommen. Arfebufter, bie mit geuergewebren bewaffneten Solbaten ju ber Seit, als nur ein geringer $£ßeil ber ifjeere mit benfelben bewehrt mar. 5 ßre übrige Vewajf [ nung befianb in einet fPicfelßaube unb einem Stoßbegen. 9tacß bem breißigjä()rigeti Ätiege »erlot ftch biefe Benennung. Arfona, bie norbtid)fte Spige Seutfd)lanbS, baS norbopcße Vorgebirge ber Snfel Stög en (f. b.), im Äitd)fpiel Altenfircßen auf bet cfjalbinfel SBitto», befteßenb aus Äreibe, generfteinen unb Verfeinerungen. ^)ier befanb ffdEj einfi bie alte wenbifcße Surg mit bem ^aupttempel beS »on allen norbbeutfcßen Slatoen f)od»erel)tten ©otteS S»ante»it, beffen Sienfie Äönig SDSolbemar I. »on Säm= mar! burcß (Eroberung ber Surg 1168 ein ©be machte. Sie ©egenb ift ebenfo reijenb als fruchtbar. Sie Ufer finb fdjroff afcgefcf>nitten. Auf ber SSSeftfeite ift ein ßoßer, aufgeworfener ©bmall, beffen Äamrn ©nfcßnitte £>at, unb an ber 9 torb= feite eine ©nfaßrt. © biente jurn «Schuß ber Surg 2frfon. SaS Sorf fPutgatb ! »ar bie Unterburg. Sen fd) 6 nen Swtßenmalb naßm bie franj. SenugungScon» i miffton in Stralfunb, im Ätiege ber Sdjmeben mit granfreicß, faßt mit. gn ber SJtäße ber alten ^ertßaSburg in Jpertha’S heiligem -fpain ift nocf) ber tiefe See, bet ju Abluitionen unb ßeimlidjen Spfern biente. Sidfet unb Oteifenbe mallfabrtett i, ßäuft'g baßin unb feßren begeiftert »on ber »iiben ©egenb, in ber 9taße ber üppig= ften Vegetation, gutüd?. Arf »rief ß t (Sir Oticßarb), etfi ein armer Varbier, bann Ver»otlfomm= ner ber Sauntwollfpinnmafchinen unb babutd) ber eigentlidte Segrünbet eines 9Jta= nufactursmeigeS, bem ©roßbritannien eine unermeßliche AuSbeßnung feines 9Baa= ; ren»etfeßtS, unb bem Stillionen Jpänbe Sefcßaftigung »etbanfen. ©nige halten biefen merfwütbigen Stann für ein ©enie erfter@roße, non einem aujjerorbentli= , chen ©ftnbungSgeifte befeelt; Anbte für einen Intriganten, ber eS »etflanbett habe, ftcßSaS anjueignen, mag Anbre etfunben hätten. ®e»iß ift, baß 21. fid) burcß ©efcßicflichfeit aus niebrigen Verßältniffen herauSgeriffen, baß er auf bie AuSbilbung ber Saumwollfpinnntafcßinen in ©tglanb einen großen ©nfluß ge= habt unb perföntieß baburd). ©>te unb Steichtßum erworben hat. © gab 1767 feine Satbierfiube auf unb fam nach bem Stabtcßen Sffiarrington, »o er feine meeßani: fd)e Saufbahn mit einer Art non perpetuum mobile begann. ©n Uhrmad)er, 9ta= mens Äap, rebete ihm aus, biefen ©ebanfen gu »erfolgen, unb brachte ißn auf bie 3bee, fein mecßanifcßeS Salent auf eine SO?afd)tnerie, um Saumwolle ju fpintKtt, anjuwenben. Äa» hatte ftd) feßon felbft mit ber Ausführung einer folcßen fWa= feßine befd)äftigt, ohne jebod) auf große Stefultate baburch gefommen ju fein. Sa ihre beiberfeitigen ©elbmittel nicht hinreichten, ihre fgbeen jur Ausführung ju brin= gen, fo »enbeten fte ftch um Unterftüßung an einen -£)errn Atherton in Sioerpool. j Sbgleid) A. biefem ^>ertn Atherton feines »ernachläffigten Äußern »egen nicht | jufagte, fo buchte Se|terer hoch fo liberal, baß er bie beiben iPvojectmacber nidjt ganjim Stieße ließ, ©ine SJtafcßine fam auf biefe 9Beife 51 t «Stanbe. A. naßm 1769 ein patent barauf (baS 1775 erneuert, 1785 aber bureß einen AuS= , ( fprueß ber ÄingSbencß annullirt würbe) unb baute mit einem >£)etrn Smallet) ein ©abliffement barauf, baS aber fallirte. Se^t ging A. nach Stottingßam, roo et ■ glüdlicßere Serfucße einleitete. .|)iet »etbanb er ftch mit einem Schotten, StamenS t Sale, unb als er um biefe Seit »on anbetn englifcßen gabrifanten angefodjten würbe, pflegte er ju fagen, baß et in bie > 6 änbe eines Schotten ein Staflrmeffec le= ^ Jii’mafoltett 423 gen toollc, baö ftc 2llle tudjtig fd)erett tuerbe. Mein aud) non Sale trennte ft'df) X, unb auf ftcß fctbfl fleßenb, galt er nun 6alb für einen ber reicf)flen ©pinner be6 fanbe^, unb bei feinem Xobc, ben 3. Mg. 1792 in ber oon ißm errichteten großen Xnflalt ©rumforb, fdjafete man fein Söermbgen auf toenigjienö 500,000 IPf. SBenn aud) Äai) bie erfte Sbec ju ben 2(rftorigßt’fd)en ©pinnmafd)inen nid)t abgc= fptocßen toerixn nmßte, fo barf bod) nid)t oerfannt toerben, baß Serjenige, ber eine ro£)e Sbee in ihren ßioeigen aubbilbet unb fie ju allen ben 3'reden anjmoen= benoerßeßt, bereit ft'e faßig ijt, bem erjlcn ©rfinber ober Mgeber weit oorjujießett bleibt, ©eit 2(.’6 3ett ijt in ber SSeßanbtung ber S3aumtooUe, in Sem, toa6 man ba6 Sffiajfermajcßinengarn nennen fann, feine toid)tige neue ©ntbedung ober Sßcrbefferung gemadjt tootben. Um fid) einen SSegtiff oon ben unermeßlidjen gol= gen ju mad)en, bie 2(.’6 ©rfinbung auf bie 2(u6beßnung ber Saumtoollfabrication geßabt hat, genügt c6 anjufüßren, baß oon 1771—80 bie jdßrüdje Sucd)fcßnitt= eiiifußt roher SSaumtoolle au6 5,735,000 ipfunb, oon 1817—21 aber im Surd): (djnitt au6 144 SJiid. beftanb, oon tockßen 130 SE)?ill. ^Pfttnb in ©nglanb oerat= beitet, toenigftenö gefponnett tourben. 2frtap, Saronie in ber oormaligen ©raffeßaft SSutgunb (Franche-Comte), jejit im gurabepart., gehörte früher bem -fjaufe ©ßalon, oon toelcßem bie^)rinjen uonSraitien abfiammen. (©. Stanicn unb Ölaffau.) Siefc unbebeutenbe Sefi|ung machte einen Xßeil ber burd) ben Xob König 2Bilßelm6 III. oon ©nglanb etlebigten oranifd;cn ©rbfißaft au6, unb toarb feitbem, toegen ber 2(nfptud)e be6 peeuß. Kaufes auf biefe ©rbfcßaft, in ben Xitel ber Könige oon Preußen aufgcnom= men. Sit bem 1817 befanntgemad)ten neuen fonigl. pteuß. Xitel fütb Stanien unb SSalengin beibeßatten, Xrlap aber ift toeggebliebcn. Ktmaba, im ©panifeßen eine glotte oon Krieg6fd)iffcn; baßer oorjug3= toeife jene große ©cemacßt (bie fogenannte unübertoinbKdje gfotte), toelcße ^Pßi= lipp II. 1588 gegen ©tifabetß oon ©nglanb au6rü1tete. 2£vmatolicn, oon Mmatolion, grieeß. fSBaffengebiet, bie einem Kapitanp jum @d)uß übergebenen 33ejirfe (13 nad) fPouqueoille) in ben ©ebirgen ©rie= dßettlanbS. ©ie ffnb bie testen greiftatten altgtiecßifcßer greißeit unb ©e(bftdn= bigfeit unb ber unbejtoungene fOiittelpunft ber gtiecßifcßen Station. ©olcße 2(t= matolien gibt e6 befonberä in ben ©ebirgen oon Slfacebonien, ©piru6 unb Xßeffa= lieti, unb bie ben Sttomanen furchtbare greißeit ber fKainotten, 2fgrapßen, ©Idioten, SJtontenegriner unb djferibiten toar auf biefen ©runb gebaut unb be= fefrigt. 2(16 namlicß SD?oßammeb II. bie ©roberung oon ©riecßenlanbju ©tanbe brachte, toar e6 ißnt genug, ba6 flacße 2anb, bie gelungen unb ©eeplaße ju befißeit. Sie natürlichen gelungen ber ©ebirge adjteten toebet er noeß feine gegen Ungarn unb ^Jolen anftürmenben Stacßfolger. Sarum blieb anfang6 ba6 ganje grieeßifeße ©ebirge unbejtoungen. Saßin flud)tete fid) ber unabhängige Xßeil ber Seiooßner, um unter füßneit Häuptlingen, Kapitanpö genannt, ben .Stieg im kleinen fortjufefen. Ser Kapitani) fammelte. in ber Siegel eine @d;ar oon öO — 200 rüftigen Jünglingen unb Scannern, bie fid) ißm auf lieben unb Xob verpflkßteten, unb fiberfiel ben geinb auf©traßen unb in ©tobten, ©o in enb= lofeit Kampf mit bem Unterjocher oenoicfelt, arteten ißre ©treifereien oft in 9?au= bereien au6, boeß hielten bie meijtcn Kapitanpd auf flrengc Unterfcßeibung beS ©ßriflen unb be6 9Jtufelmann6. Sic ^)afd)a6, unoermögenb, fieß gegen bie fitßne 3Jerfd)(agenßeit ber Äapitaitpö ju fd)ü|en, traten gciooßnlicß mit ißnen in Unter: ßaublung. ©egen 3ufagen ftieblicßen S3etragen6 empfingen jene ©olb ober 2cbcn6= mittel unb bie Sberaufficßt über ben Siftrict, ben ißre SBaffen befd)irmten. ©in fold)e6 ©ebiet ßieß bann Mmatolion. 5n bet neuern Seit ßaben ft'd) bie Äapitanp« (Öbpjfeu«, ©oßn be6 2(nbruäjo, fiarb 1826, ^3ercßao6, Xjonfo, Xafto6, ^)i6fo «. 2(. m.) fotool bem 2(1 i s J)afcßa (f. b.) a(6 hierauf ben gegen ißn abgefanbten Armenien 424 SCrmbruj! fPafd)en funptbar gemad)t unb jept größtentpeila an bemgreipeitafampfe bet©rie= cpett gegen bie Pforte SEfjeil genommen. 1 2fr mb ruft, ein epemala gemöpnticpea, feit bei* ©rftnbung bet geuergetvefjre aber im Kriege aua bem ©ebrattep gefommenea Scpießgemepr; ein ftarfer pöljernet ober fidplerner Sogen, ber an einem befonbern ©epaft unb 2fnfd)lage befefiigt, mit bem Spanner gefpannt unb burd) ben am ©djafte beftnblidjen Srücfer abgebrüeft : mürbe. 2CUe irrten ©cfd)offe, bei roeldjen ber Sogen an einem befonbern ©epafte befefiigt mar, nannte man 2frmbrufte, bapet e$ auep SSagenatmbrfifie gab, tveldje auf Äarren befefiigt maren unb von fPfetben gejogen mürben. Sie fleinfte litt 2frmbri'tfie, melcpefleine Äugeln fcpießeit, peißen ©cpndpper. 2fn ben großem wirb | ber ©d)aft, nebfi ben gut Spannung gehörigen ©tücEen, Oiufiung ober baa 5Rflfi= jeug genannt. 2(ucp bie ganje 2frmbruft peißt Sufiung unb iji nad) Serpältnifi ber ©roße entmeber ganje ober tjalbe Oiftfiung. Saa ältefie 2ftmbrufifdiießen nad) 1 bem Söget fdmeibt fiep in Seutfdjlanb von Solealaua I., dperjog von ©d)tveibni$, per, ber 1286 bafelbft eine Sogetfiange errid)ten lieg, 2frme von Spott, f. ffßalbettfer. 2frmee, f. $eete (fieftenbe). 2frmencolonien, £ftlfaanfialten jur ©qieputtg unb Silbung peimatfp lofer ^3etfonen burd) @d)ulunterrid)t unb 2frbeit mittelfi einer baju eingerichteten 2fnfteblung. ©a ftnb tpeila 2f«ferbau=, tpeila SRanufacturcolonien. Sie erfle 3bee, 2ftme, meld)e eineSafi ber großen ©tdbte ftnb unb bafelbfi Sidtta ctmetben, ju colonifirett, entfianb in Jpollanb 1818 burd) eine ©efellfcpaft, an beren ©pipebet tpatige unb volfafteunblid)e ^>rinj griebrid) ber Sieberlanbe fiept, bie ben ipiatt entmarf, burd) 2fctienbie Siittel perbeifepaffte unb bie erfle ©olonie greberifS: o o r b (f. b.) anlegte. 3m Sanemarf unb ©nglanb pat man dpnticpe gefiiftet. Sie 2frmencotoniegreberifagabe in ^tolfiein treibt ®arfen=, £>b|i= unb gelbbau, auep Sienem unb ©djafjuept. ©efpinnfi unb SBeberei verfertigen bie ßoionifteit felbfi. Samit ifi eine 2ftmenfcfule verbunben. Sad) bem 5. 3fapreaberid)te von 1825 befcfjnftigtc biefe (Kolonie 105 2frme. 2fn ber ©pipe iprer Sertvaltung flanb ber ©onferensratp Samiep. Sie ©tfaptung pat ea bereita befldtigt, baß pierbutd) mit geringerm 2fufmanbe ala in ben biaperigen 2Berf= unb Ifrbeitapdufern vetroapt-- lofie Sienfd)en burd) ben 2(nbau müfier Sanbfirecfen an Stbnung, gleiß, @par= famfeit unb ©itte gemöpnt merben fönnen. (Sgl. gellenbetg, .fbofropl, Smen, Sogpt.) Sie erfien Sacpricpten über biefen ©egenfianb gab 2fnbreim ( „#eeperua" 1819. Armenien, eine aftatifepe Sanbfd)aft von 5000 fUS?., bie vormald in j ©roß- unb Äleinatmenien jetftel. Senea, roelcpea nod) jutveilen ben Samen 2ftme* nien füprt, jept SEurfomanien, liegt im ©. bea Äaufafua unb begreift tpeila bie ofc manifcpenfPafd)alifa©täerum, Äara (Iffpaljicp, 1828 von benOiuffen erobert) unb SJan (1593 LUS?., mit 950,000 ©inm.), tpeila bie iranifdie (perftfdje) ^vovinj ©riman, metd)e im grieben 1828 an Sußlanb abgetreten mürbe; biefea, jept 2f(abuli ober Region genannt, gepört ben Samanen ganj unb ifi in bie ^afdialifs SJlerafdje unb ©irnaa getpeilt. 2irmenieit ifi ein rattpea ©ebirgaianb, baa im 91. ; ben Äaubafua jur ©renje pat, in ber SRitte aber von Smeigen bea SEaurua, tvoju bet 2t t a r a t (f. b.) gepört, burepjogen mirb; pier nepmen bie großen Ströme, 6u* pprat unb fEigria, ipren Urfprung; pier fließen bet Äur tt. a. minber betracptlicße gluffe, unb pier breiten fiep bie ©een SBan unb ©euf=fd)a aua. Saa Älimnifl mepr falt ala marm; ber Soben im ©anjen mäßig frueptbar unb mepr jur S3iep= juept ala jttm 2ftferbau geeignet; bod) gebeipen and) bie fd)6nflen ©öibfcücpte; bie i ©ebirge ftnb reid) an ©ifen unb Äupfet. Sie ©inm. befiepen aua eigentlichen üt; t ! meniern; aua Surfomanen, meldje auf ben ©benen nomabiftren; aua menigen manen, ©tied)en unb 3>uben. — Son ber dltefien ©efepiepte biefea Sanbea ifi 2Ctmenictt 425 fcefciimt. fcheint, meijteng «18 SSeute beg ©tegetg, abwechfelnb unter ben 2fffp= tiern, fStebern, Verfem unb SOtaceboniern gefianben gu h«ben. Stad) tflepanberg Süobe warb eS ein Sf)eif be8 fprifchen 3teid)g, 6i8 e8 burd) 2fntiod)Ug be8 ©rogen fjticberlage in bie ^)anbe einzelner Statthalter fiel, wo eg in ®rog= unb Äleinarmes nien geteilt warb. — ©cogatmenien mar mehren 2Cnfed)tungen auggefefct. Stomer unb Partf)er fdmpften lange um baS 9vecf}t ber Sijronbefe^ung; halb {jerrfdjten jjdrtijifdje Surften, baib bie von ben Stomern begunfiigten, big Srajan eg jur rom. frorins machte. Snbeffen befreite Armenien ft cf) attfg neue unb f)«tte mieber eigne Äonigej ein %>artf)erf6ttig, ©apor, trachtete »ergeblid), eg ft cf) unterwürfig ju ma= (fnt; Armenien blieb frei big 650, wo bie trabet eg eroberten, ©obann roed)felten nette33ef)etrfd)er, unter benen ein ®fchittgig=Äf)an, ein Sametlan mären; 1552 enblich eroberte ©eiim 11 . bag Sanb »on ben Werfern; feitbem ift baffeibe gum grog* ten Shell unter türfifcger SSotmdfigfeit geblieben. Äleinarmenien (>atte ebenfallg mehre SSetjerrfcher, unter benen S9?itf>ribat juerfl befannt ift; biefetn nahm cg $ 0111 = pejttg unb gab eg bem Dejotarug u. f. f. föeim föerfalle beg rom. Steidjg im D. non ben fPerfern erobert, fam eg (950) an bie Araber, f)«tte »on biefer Seit an gleidjeg gdjicffal mit ©togarmenien unb warb 1514 »on ©eiim I. jur tütfifchen Prooinj gemacht, ©eitbem wanberten SSiele nach Werften, Snbien, Äonftantinopel u. Slugs lanb aug. Pon ben ©tdbten beg alten 2frmenieng fleht man noch Stuinen, bie einen guten S5aufit)l »errathen. ©0 bie Stuinen ber alten .fjauptftabt 2fni, welche 1319 burd) ein ©rbbeben jerftort mürbe; fo bie ber uralten ©tabt 2frma»ir, bie 1800 5. lang bie Steft'beng ber Äonige mar, hier mohnen nod) einige Samilien. Stad) 3frma= tir würbe tlrtapata (2(rbafchab) amJCrapeg, gut Seit ber ©eleuciben erbaut, bte «fjauptfrabt, »erftel aber fdjon »or bem ©nbe beg 8. 3fahrf). — Die Armenier, ein ernfteg unb mdgigeg 93olf, befd)dftigen ft cf) »otgüglid) mit bem .fpanbel. 3m bet Sfitfei ift er faft gang in ihren $dnben, in ganj'ttfien, attfiec China, ftnbet man Äaufleutetion ihrer Station; auch in bem oftlid;en Cutopa fjftt berUmfianb, bag fie Ggriften fmb, ihnen ©ingang »erfchafft. Säubert fagt »om f)duglid)en Sehen bet djriftiichcn Armenier: ©ie fmb in ihrem Paterlanbe fleißige Sanbbauer, unb bie S«= milien »erehren ben ©reig an ihrer ©pifse, bie Stau ben Ptann, ber ©ohn ben Pa= ter, nie in ber Petiobe ber Patriarchen. Die Station liebt bie tfnfdfffgfeit, menn bie ewige Sefjbe ber pafd)en unb ber Äurben bieg nur erlaubt, ©chon im 4. Sahrh- nahmen bie tfrmenier, burd) ©tegor »on Stagianj befehrt, bag ©hriftenthum an, unb trennten ftd) bei ben monophpfitifchen £dnbetn, «lg ©egner ber d)alcebonifd)en litd)en»erfamm(ung, 536 »on ber gtiecf). Äird)e. Die Pdpfte haben gu »erfd)iebe= nen Seiten, menn fle um ©d)u| miber bie SOtohammebaner baten, »erfucht, fie am ftd)jujiel)en, ohne jebod) ihre bleibenbe unb allgemeine Pereinigung mit ber rom. Äircge bemirfen gu fonnen. Stur in Stalien, Polen, ©aligien, Perflen (unter bem 6rjbifd;of »on Stacbitfcferoan, einer neu angelegten ©tabt am Don, im ruff. @ou= Pernement Sefaterinoglam, beren ©inw. grogtentf)ei(g Armenier fmb) unb in SJtar= feilte trifft man unirte Armenier an, melche bie geiftiiehe Dberl)ertfd)aft beg Papfteg «nerfennen, in ihren ©laubengfahen mit ben Äatholifen ubereinftimmen, aber ihre eigne Äirdjenorbnung beibehalten, ©benfo »erhalt eg ftd) mit ben unirten armeni= fegen Ätoftern auf bem S5erge Sibanon in ©ptien. S3ei bem perfifdjen ©inbrud) im Anfänge beg 17. Sahrh. faffen fleh SSiele genötigt Ptohammebaner gu merben, aber bei weitem ber grogte Sheit ftnb noch Ptonophpflten unb ihrer alten Perfaffung unb Sieligiongübitng treu geblieben; aud) hat bie Pforte fle gegen bie 2fnfd)ldge ber Äatgolifen fortmdhrenb babei gefdjufst. 3fh r 2ehrbegriff unterfd)eibet ftd) befonberg baburd) »om orthobopen, ba jj fte in ©hriff 0 nur ©ine Statur annehmen unb ben ©eijl blof »om S3ater auggehen taffen. S5ei ihren 7 ©acramenfen, bie fte ©ef)eimniffe nennen, haben fte bag ©igentf)ümltche, bag fte bei ber Saufe 3 SJtal befprengen unb 3 fötal eintauchen, unb bie Sitmelung gletd; bamit »erbinben, beim 3(benbmaf)t un= 426 Amenifcfye Siteratuu tiermtfd)ten Pßeüi mit gefäuertem S3rote gebrauchen, weldjeg fte in ben ©eilige: taucht berumteichen, unb bie legte Ölung nur geijilidjenPetfonen gleich «ad) ihrem Sobe gufommen laffen. ©ie »erehten ^»eilige unb ihre gemalten 33tlbet, glaub aber fein gegfeuer. 3 m Mafien thun fte eg ben ©riechen guoor, unb feiern Weniger f?e 1 fe, aber anbad£>tiger alg biefe. 3 hten ©ottegbienfl halten fte in ber Sutfei mei(i beg' 9?acl)tg, bie Pteffc in ber altarmenifchen, bie Prebigt in ber neuarmenifcfjeii ©ptadje. 3h re h'eratd)ifd)e SSerfaffung weicht wenig »on ber gried)ifd)en ab. Sec Äatholifog, bag |>aupt ber Äird;e, hat feinen ©ifc gu ©tfd)miagim, einem Ä(o(let bei ©riwan (-|>auptft. beg perftfdjen, nun vuff. Armenieng) am Ararat, beffen Ättclje ©regor »on Sfagiang gegiftet hat. Sag heilige ©albol, bag er tierfertigt unb an bie ©eifflid)feit »erfauft, unb bie häufigen SBallfahrten ber Armenier nad) ©tfcl)mia= gim «etfefaffen ihm bie Mittel, ben Aufwanb feineg prächtigen ©ottegbienfteg unb feiner SSilbungganfialten 51 t befreiten. 6 t unterhalt bei ftd) ein ©eminatiitm fut ©eiftlidje; bie Patriarchen gu jfonftantinopel u. 3 erufalem, ©tgbifdtofe u. Sifdjcfe ber Armenier werben oon ihm eingefegt, auch alle 33a£)ce in ihren Ämtern beftatigt ober bawon abgerufen. Sie übrigen ©eifllidjen ftnb anSfang unb 83efd)äftigung ben Prieftern ber ortbobopen Äitdje ähnlid); bie Pfond)e folgen ber DtegeC beg heil. S5a= ftliug. Stur bie SSertabetg, weld)e wie Ptondje (eben, bie Pßiffenfchaften pflegen, ©rabe, bie ftd) mit unfern afabemifdjen tiergleichen (affen, erlangen unb Picaiicn ber 58ifd)ofe ftnb, machen alg eigentliche ©eiehrte eine ber armentfdjen Äirdje eigen-- thümlid)e ©laffe tion ©eifiltdjen aug. Sie SBeltprieffer muffen ftd) ein Ptal »eiljeh rathen, bürfen aber feine gweiteSrau nehmen. 3 mAberglauben unb inberAnb% (id)feit an alte formen gleichen bie Armenier ben ©riechen, geichnen ftd) aber btttd) beffere ©itten tior ihnen aug. Überhaupt übettreffen fte alle ihnen tierwatibte mo= nophpfltifche Parteien an SSUbung, [affen bag SSolf bie SSibel (efen, treiben bie fl)eol., hiffor. u. mathemat. 3Biffenfd)aften, beftgen eine nid)t gang arme Stationalliteratiir unb gu 6 tfd)miagim eine SutcFerei, welche prächtige Sibelabbtucfe beforgt. Siefe echten Armenier haben außer ihrem Sanbe unb ber Sürfei, wo fte am jafjlrcidhften ftnb unb ihr Patriard) gu Äonjfantinopel in ähnlichem SSerhältnijj mit ber Pforte fielet, wie ber gried)ifd)e, in Perften gu 3^paf>an, ©djitag u. Sterinfale, in Stuflaitb gtt Petergburg, Plogfwa, Affracfan u. in ben faufaf. ©outiern. ©emeinben, unb ju Sonbon tt. Amfierbam fleine Stieberlaffungen. 3hte ©efammtgahl ift nad) 5BaföI) 1,351,000. @. ätet'Porter’g „Travels in Georgia,Persia, Armeniaancient, Babylon etc. in theyears 1817—20" (2onb. 1821, 4., m. Ä.), u. Amab. 3aubert’g „Steife b. Armenien u. Perften 1805 u. 1806", a. b.grang. (9Bien 1822). E. Armcntfd)e Literatur. Sie Armenier, eing ber ältejfen SSolfet ber ci»i= liftrten SBelt, hüben ftef) mitten unter ben Steoolutionen, bttrd) welche SSarbatei, 25eg= potigmug unb ©toberunggfriege 3 af)ttaufenbe hinburd), feit ben Seiten beg alten Affprieng, ©rtechenlanbg uttb Sfomg big auf bie mongolifd)en, türftfd)en unb pcr[t= fdjen Seiten herab, bag wefll. Aften erfchüttert haben, alg ein gefftteteg SÖolf erheitert unb ihre Überlieferungen, welche big gu ben ©agen ber alten Hebräer hittaufrfb chen, fowie ihre ^Nationalität, im Phpftfchen unb SDNoralifchen treu bewahrt. 3f)t erflet Sffiohnfth, ber Ararat, ift noch jefct bet Ptittelpunft ihres religiofen unb polit. Sufammenhangeg unter ftd), fo fel)t auch ber vfjanbel fte, wie bie 3 fraeliten, unter ben 586[fern ©uropag unb Afteng (©hina auggenommen) gerjfreut hat. Stefe 3«= ftreuung unb ber cpanbelggeift haben ihren ©harafter nicht »erfd)led)tert. ©ie geicf) ! nen ftd) oielmeht burd) feinere 33i(btmg, ©itten unb 9ied)tlid)feit »or ben S3arharen aug, unter beten 3od)e fte leben, felbft »or ben ©ried)en unb 3»ben. Ser ©tttnb biefer merfwürbigen ©rfcheinung liegt wol gunächft in ihrem ©tauben unb in ihr« fitd)lid)en SSetbinbung. Sie ©ultur ber Armenier ifi ein 85eweig mehr, wie wol)t ; thätig bag ©hriffenthum burch eine wol)(geotbnete fird)lid)e gorm auf bie fittliche unb geifüge Silbung eineg SSolfg einwirft, bag feine ©efdjichte unb mit ihr fdw 3£rmenifd)e Sitemtuc 427 gjntionalitdt ftd) ju ermatten toeiß. 3ngbefonbete oetbanken fte bicö bem ßefen bet S3iM, welche bem33olke oon feiner ©eiplicfjkeit burd) Überfebungen, bie in ber tf)eo= togifcf;eit Eiteratuc gefegt werben, in jablreicben 2(bbrücken in bie fjanbe gegeben wirb. Sieg gcfctjicE)t nid)t nur ju ©tfebmiasim, roelcbeg Älopet ber f)auptft'h ihrer Äirtlje unb i£)rcö obetpen ^Patriarchen (Äatbolikog) unb jugleid) bie fppanjfcbule iljrcv fiebrer ifl, wo ftd) eine große SStbetbrucEerei beftnbet unb wohin jeber fromme Armenier wenigpeng ein 9J?al in feinem Sehen wallfahrten muß, fonbern aud) in ben übrigen ©prengeln ber armenifd)en spatriardien, ©rjbifcbbfe u. 33ifd)6fe ju @ig (2fjaS in Gnramanien), Äonpantinopel, Setufalem unb an a. £). m. ©eit kurjem bat ftd) aud) in ber armenifeben ifitdje in Diußlanb, beren ©rjbifd)of feinen @i| in einem ar= menifeijen .ftloper ju3tftracban bat, eineSSibelgefellfcbaft gebilbet, welche bie S3ibet in d)tiftfMer aug ber ootdjripl. Seit, jufammentragen. 3» bem Anfänge beg 4. * 3£>omer in atmenifebe ■pepameter), Sehr., ©prifeben unb ©halb, in bie atmenifebe ©prad)e. Siefe foIT, nach ©irbieb, eine Utfpradje fein; nad)X ip fte ein aug bem ©prifd)en, ©halb., ■fleht, unb 3ftabifd)en gemifdfjteg Sbiom. SSeibe Sfteittungen ftnb richtig. Sag i Ältarmenifcbe, bie gelehrte unb gottegbienpUd)e ©pracbe, ip, wie auch SSater an* nimmt, eine utfprüttglid)e; bag 9Peuatmenifd)e bat ftcb, tat 9Sed)fel ber mancherlei bortbettfcbenbettüBSlfer, aug frembartigen 85eimifd)ungen alg SSotfgfprache gebi(= bet unb jdblt 4 fjattptmunbatten. 3ene, bie ©d)riftfprad)e, oerbanft ihre 2fugbil= bung ber Sibelüberfegung, welche SPegrob mit feinen ©d)ületn, unter benen ftd) » auch ®?ofeg ©boronenftg befanb, auf SSetanlaffung beg Patriarchen Sfaak beg ©ro= ßen, um 411 begann unb um 511 oollenbete. ©in nod) braud)bareg Sßorterbucb beffelben ip bag oon Schroter, „Thes. lingu. armenicae" (2fmp. 1711,4.). ©tp burch PJlegtob erhielt bag 'Ältarmenifdje 7 SSocaljeidjen, ba bie Armenier ftd) oorber . i nur 27 Sßfitlauter bebienten. 3u gleicher Seit errichtete man ©djulen. Sec ootjüg= lithpe Slot ber armenifeben Siteratur fallt in bie Seit ber Trennung bet armenifeben 1 1 litche oon ber gtiedpfeben im 5. Sabrb-/ nad) bem d)atcebonifd)en ©oncilium. ©r ’ Stierte big in bag 10. Sabtb-5 boeb blühte fte nod) im 13. unb erhielt ftcb big 1453. 3u ber toiffenfcbaftl. §orfd)ung bat pe ftcb nie auf eine merkliche PBeife erhoben. Sin eigneg SSerbipnp bat fte um bie ©efd)id)te. Sie foitigl. franj. SSibliotbek ju 428 2frmenfcf)ulen 2fmenwefen S)ariS beftgt bie hijiorifch=armenifchen©chtiftfteller föfiuotljtanbig, tgeilS inSritcf: ttjeitö in ^anbfdjriften. cfjietauS hat ein bei jener S3ibliothef angeftellter armenifdfjct ©elehrter, 3. Wl. (5i)ai)an be Gitbieb, 1806 „Recherches curieuses sur l’histuirc ancienne de I’Asie" gerauSgegeben unb nebji 5SI. 3. ©aint=3Jlartin eine allgcmeitit ©efcgichte Armeniens bearbeitet. 2ftS SSotlaufer etfd)ien baS gegenwärtige jjatqifc werf übet bie atmenifche ©efcgichte, Sanbbefcgreibung unb Siteratur, naetctjeS bet j e = nannte ©aint=5)lartin, SKitgl. beb ftanj. 3nftit., aus ben alten armcnifdien ©cfjtift: jtellen, 3nfci)riften u. a. Guellen jufammenqetragen hat („Memoires historiques et geographiqucs sur TArmenie", fPatiS 1818, 2 33be.). Siefeö SBetf enttjdit ben armenifdien Sept bet ©efd)id)te bet orpetianifcgen ^errfdjerfamilie, t>on einem fPrinjen biefeb ©efcglecgts, bem (Srjbifd)of ©teptjattSrpclian, unb ben Sept betet: menifcgett ©eograpgen, SJlofeS »on Ggotene unb 33artan, nebjl a. SSeitr., inSgcatij. überf. m. 2fnm. Unter ben jegt lebenben arm. ©elegrten nennen mit ben Dr. gobtab in SSenebig unb ben SSibliotgefar ber in Sßenebig beftnblicgen armen. Gongrego: tion beb t). Sajarub, 3of). SSapt. 2fud)er, weither armen. Überfegungen a. b. 5. Seijrfi, »on alten ©cgtiftflellern, j. S5. bem gried). 3uben fPgito, befanntgemadit bat. 3« einem armen. Älofter auf einer Saguneninfel bei fßencbig erfcgeint eine Leitung in armen, ©pradje, roeldjc in ber Seoante unb in Äonftantinopel in Umlauf ift. 20. 2£t men feg ulen, UntetricgtSanftalten für Äinbet unbemittelter 'Ütttui (©. © cg u l e.) 3m engem ©inne geilen in manchen Srten, wie in Seipjig, biejc nigen 2fn(balten fo, welche »on ©eiten ber 2ltmenanfialf (f. Jfrmett wcfen) jum Unterridjte ber Äinber ganj bürftiger 2fItern ber untern ©tanbe errichtet ftnb, ba hingegen bie für bie Äinber »erarmter filtern aub beit mittlern ©tanben »orfiMibf: nen Sehranftalten §r ei fchu len genannt werben. Über bie fogenannten Äleiti: finberfcgulen f. bie aub bem Gngl. überfegte ©djrift beb 3of. SBerthbeimer (2. 3fufl„ Söien 182S). 11. 2Ctm cnw efen, bet Subegtiffbeb3uftanbeb betreuten unb alter2lnfial= ten im ©taate, wobitrd) bie 2trmen nad) ben »erfchiebenen ©tufen ihrer Sütftii): feit jwetfmafsig unterftügt, theilb bie Urfacgen bet 2ftmutg aufgefuegt unb lieb fl entfernt, ober für ben ©tacit am wenigjlen nachtheilig gemadjt werben. Sie 2frmuth hat »etfd)iebene 3lb(lufungen, welche mit bemjenigen Firmen, ber bitrd) 2(rbeit ft'cg reblid) ju nähren fuegt, aber bei alter 2fnfltengung feiner Äräfte unb feines gleifeS nicht fo »kl erwerben fann, alb er für ftd) unb bie ©einigen bebatf, unb aud) bei folchen Ernten ihren Anfang nehmen, bie nod) in SBobmtng unb •fjauSgeratgen einfleineb Gigentgttm befigen; biefe 2fbfhtfungen gehen im etftent gälte herab bib ju ben lieberlichen ^erumftreifern, im legtern aber bib jtt ben= jenigen ültmen, bie nirgenbb ein .Obbad) haben unb in fohlen, auf ©ttapen, in gelbem, ©fallen, SSalbgütten tc. übemadpten. 3ebe ©tufe ber 2fvmuth enthalt mehr ober rninbet SJlangel an sureichenben Mitteln jttr S5eftiebigung bet nothbürftigjlen S5ebürfnijfe beb SebenS unb fd) lieft allen SBoglftanb aub. >^)iec= butd) wirb nun bie SSerfttchung jur S5ettelei, jum üeberlidjen Seben, jum S3c= trüge, enblid) jurn Siebffagl mächtig; bod) ftnb bei Dielen 2ftmen ber £>od)fien ©tufen biefe traurigen ©eftnnungen, welche bie öffentliche Stühe unb ©icfedieit ftören, nid)t immer »orhanben. 21(lein bet Slationalwoglftanb leibet butd) bie 2(rmen hoppelt: 1) weil fte in ber Siegel ihre Äinber fd)ted)t erjiehen unb nicht jur Arbeit gewöhnen; 2) weil bie SEBohlfjabenben unb Sleidjen nicht blof fieen nahten, fonbern ihre öffentlichen Saflen mit übertragen müffen. 2Me Urfadjen unb fiuellen ber 2frmuth ftnb entweber felbfloerfchulbete, a(§ jut gaulljeit unb SKüfiggang unb bie barauS entflehenbe Steigung jur Unocbnintg, }U©piel, juföölletei, SSetfd)Wenbung, SBollufltc., wo auf UttglttcfdfdllcSlidjM jutücfgelegf, fonbern alled ©rworbene fogleid) »ergeubet wirb; ober unuerfcfeuO bete, ald angeborener 5Slangel an ©rwerbSfdbigfeit ober SBattgel an SJerbienflbei 3fmcnn?e|en 429 finfenben ©ewerben unb beim fboherfieigen ber jum Unterhalte nothwenbigen ersten gebenSbebörfniffe j Unglücfdfalle burd; gcuet = unb SBafferdnoth, burd) ffietrug nnb ©iebflahl, @ebred)lic!)feit, i?ran£t>eiten, burd) .Krieg ic.; SOfangel an 2fm fdtfii jur S3efd)aftigung bet 2frbeit(ofen unb Müßiggänger ic. ©d ijl nid)t mog= lief), affen biefen Übeln »orjufommen, allein ed ijl möglich unb aud) wichtiger ©e= genjlanb bet ©taatdöerwaltung, ihnen abjufjeffen. ©ad erjte unb grünblidjjle Mittet, biefen 3 weauptgtunbfa (5 ber Wrmenanflalten muß fein, bie 3fr= mm bloß mit©emjenigen ju unterjlügen, wad ihnen jur SSefriebtgung ber bringcnb= ften Sebendbebürfniffe fehlt, unb wad fte burd) eigne Wnfttengung nid)t ju erwerben im©tanbeftnb. ©ie Wrmen felbjl aber ftnb entweber gefuttb unb flarf, ober fdjwad), itlt, franf unb gebredjlich, ©rwad;fene ober Äinber. 9lad) biefer t>erfd)iebenen förpetlidjen S5efd)affcnheit muffen bie 2frmenanjlalten georbnet werben, ©d bebarf baijer jeber Staat: 1 ) greiwilliger 2frb ei td h auf er (f. b.). 2 ) 3iuangöarbeitö= (hülfet fßerbredjet bürfen, gu 2 fbbüßung ihrer ©träfe, in foldje Raufer butd)aud nid)t atifgenommen werben; fte gehören in bie 3ud)thnufer. 3) 2lrmenf)aufer für folche Werne, bie fid) jwar nod; ernähren fonnen, aber feine Mohnungen höben. 4) Wtmenfranfenhaufer unb ©pitaler für alte, gebrechliche unb franfe Wrme, bie bafelbjl aud) nach ihren Äbrpcrfraften befchaftigt werben fonnen. 5) greifdjulen, in ireldjen bie Äinber nach len Unterrid)tdflunben aud) Wrbeit erhalten, ©nblicl) fi) ginbel= unb 2 Baifent)aufer, wo Wrme if)t'c Äinber jur ©rjiel)itng abgeben fonnen. Bie Äojlen hierju werben j)erbeigefd)afft: 1 ) bitrd; bie Wrbeit ber Wtmen felbjl; 2 ) 430 TCmfelf burd) freimillige, ju gemiffen Seiten fefibefiimmfe, in einem ober jtt>ei Setmittett Zahlbare ^Beiträge; im Piothfalle auch mol 3) bind? fötmlid)e Tlrmenfieuem unb burd) SSefieuerung »on SupuSgegenfianben; 4) burd) fogenannte Ticmenbüd)fm bie bei 23olfSfeierlirf)beiten, Schmaufereien, Äinbtaufen, piochzeiten tc. auggefe|| roerben; 5) Äirchencollecten in offenen, an bie Spuren gesellten 33ecfen; 6) ©djem ; fungen unb Pöermachtniffe für bie Tlrmenanfialten; 7) ^Beiträge non allen Ädufm, \ SSerfdufen unb 9Sertaufd)ungen liegenber ©runbftucüe nacl) S3ethdltnip beb SBettijS ' u. f. t». iDie iöermattung fdmmtlicher Tinfiatten btefec 2frt mirb am befien unb > Zmecfmdpigfien, unter ber Üeitung einet obetn, »on ber ßanbeStegierung ernannten fBeljörbe unb ber SrtSobrigfeiten, einer 2fnjai)t rooijlijabenber Sürger übertragen, melche (ein jeber in feinem SSejitbe) bie ihrer pflege anoertrauten TCtmen genau beobachten, ben ©rab ii)rer p>ülfgbebürftigbeit auSzumitteln fuchen unb übet bie Tfrt unb ÜBeife ihrer Unterjiüfmng 5öorfd)lage thun, unb foiite @bjrenfacf)e fein, nicht aber burd) namhafte SSefoibungen ben TlrmencaffenfonbS auf Äofien ber SSeitragen-- ben fdjmdiern. — <5rfi in ben neueftenSeiten ift man bahin gelangt, ben eigentlichen Sroeif unb baS 2Befen bet Tfrmenpflege fiar unb beutlid) ju ernennen; in ben mei= fielt europdifchen Staaten rnitb biefer mid)tige S'tieig ber öffentlichen SSertnaltung . noch feht»ernad)ldfft'gti £)eutfd)lanb bann, bei feiner Secfiüctelung, in ©adieu foldjet Tfrt nie zur Einheit gelangen, boch gebührt namentlich Hamburg unböb ! benburg ber Stuhm, in biefer p>inftd)t jiterfi bie 33af)n gebroden ju haben. Sn ©nglanb im fogenannten iDartmoormalbe, in ben Otieberlanben in ben an £>eut[d)= lanb grenjenben' SDtooren, in pmljiein im fPinnebergfd)en »erfudjte man2lrmen= ' .• colonien ju grünben. Tiber aupet bem spiane, ben ber eble Stoen in Sdjottlanb auSführte, ifiTllleSnod) im ©ntfiehen. (SSgl. SrebetifSoorb.) Ti r m f e 11 (©uftao £DTori§, ©taf ».), ein vornehmer Sdjmebe, beffen offene licfjeS Seben burd; feltfamen 2Bed)fel beS ©lücEs ausgezeichnet, in feinen gehen mern ^Beziehungen aber bet ©efchidjte beS fd)t»eb. prnfeS angef)6tt unb bahernidft völlig aufgeftdrt ifi. ©ufiao 97?orig, geb. b. 1. Tipt. 1757, ber dltefie beS ©eneraimaj. unb SanbeShauptmannS greiherrn ». Ti., tvutbe in ber tegS= fdjule zu ÄatlSfrona erzogen unb bann als Sdfmbrid) bei ber ©arbe in Stocfpolm , angeflellt. £>urd) feine fchöne ©eftalt unb gefällige formen beS Umgangs, bie et tvol aud) burd) frembe, poetifdje gebern gefchicEt auSjufchmfitfen verftanb, ge* tvann er bie ©unft ©ufiavS III. Schnell beförbert unb mit TütSzeidjnungen üben häuft, betvieS er im .Stiege 1788 — 90 gegen Otuplanb ebenfo glanzenben im Selbe tvie SSorzüge im hoh a ‘ n gefelligen £eben, tvoburd) er immer hol)« ' n ber ©unfi feines ÄönigS fiieg. TilS ©enerallieutenant fdpofj et ben Stieben ju Sßeteld ab, tvutbe von ber ruffifchen Äaiferin mit mehren Srben geziert unb erhielt forttvdhtenb, ja felbfinoch am Sterbebette feines SOionarchen, bie fd)meid)cl£)aftejtm SSemeife fönigtidjer ©nabe. Sum Sbetjtattfjaltet »on Stodpolm ernannt unb burd) ©ufiavS III. Sbermittelung mit bem alten ©efd)led)te ber ©rafen be la®arbie burd) pmiratf) »erbuitbcn, foll er auch zum fPraftbenten eines 9iegentfd)aftSratl)cS tvdhrenb ber üüinberjdhtigbeit ©ufiavS IV. befiimmt getvefen fein, obgleich, ein« 5 frühem tefiamentarifdjen Söerfügung nach, bie $öormunbfd)aft über ben jungen t Äönig bem -Herzog »on Sübermanlanb zufam. SQlöglid), bap hierin ber pap | jtt fuchen ifi, mit tveld)em X nun »erfolgt mürbe. fÜSitflicf) entfette man i|n am 7. Sept. 1792 aller feiner Tfmter unb iffiürben unb fd)icfte ihn als ©efanbten nach 3?eapet. 9Tid)t untvahrfcheinlich mürbe zugleid) »ermutf)et, bap eine unen s miberfe Pieigung beS Herzogs von Sübermanlanb zu einem pmfftöulein, »on S?u= >. benffjolb, von meldier Tf. begünfiigt mar, jenen p)ap bis zu unrcürbiger ©bü ; | terung gefieigert habe, ©emip ifi, bap Ti. unb bie füubenffjolb burd) fd)trtach= ' »olle ®erüc!)te bem öffentlichen Urtijeil preisgegeben, bap fte auf bie entehrenbPe ffieife ins 3ud)thauS vetmiefen mürbe, er aber in Italien gebungenen Sold)« ^ 2frminianer Xrnaufb 431 unb einer förmlichen Siequifftion bet fdjwebifdien SJegietung nur burd) bie $(ud)t entging, jcborf) ald Sanbedoerräthet in contumaciam gebranbmarft unb aller feiner Suter, SBürbcn, ja felbfi feined 2(beld, «erluffig erflart würbe. 97ad)bem er fiel) bid 1799 in ÄDeutfd)(anb aufgehalten fjatte, «ernichtete ©uffa« IV. bied Urtf)eil unb fegte X in ben «origen ©tanb ein. Grd würbe if)tn ber ©efanbt= fcßaftdpojfen am wiener ijofe übertragen unb 1807 bie ffiütbe eined ©enerald ber Infanterie ettheilf. Xd foldjer befehligte er bie fd)Webifd)en Gruppen in Sommern unb 1808 bie Söeftarmee gegen Norwegen. 3m -f) erb ft b. 3. würbe er jum ^)raft= bium bed $ riegdcollegiumd nad) ©tocfßolm berufen unb jum fjain bed Sieicbd et= beben. 1810 erhielt er bie gebetene ©ntlaffung unb lebte ald fPrioatmann in ©tocf= ()o(m. ©ne Verbinbung mit ber berüd)tigtcn ©tafln fPiper «erwief eite iljn aufd neue inpo!ijeilid)c Verfolgung unb »erantaßte ißn, ©d)ug bei bem tuffifd)en ©efanbten ju fadjen unb in tuffifche iDienfte übertreten. >f)ier fanb et günftige Aufnahme, rourbc in ben ©rafenfanb, jum Äanjler ber Unioerfitat Xo, jum s Prdftbenten ber finnifd)en Xigelegenheiten unb jum SJtitgliebe bed großen rufftfdjen ©enatd erhoben. (Sr genoß nun ruljig bid an feinen Sob, ben 19. Xtg. 1814 ju 3ardfoje= @elö, allgemeine Xljtung unb befonberd bie Verehrung ber ginnldnber. 5. JCvmtniancr, f. 9femonfiranten. 2£rmtniu§, f. ^ermann. Xmovtca, ber «or ber ©roberung ©alliend burd) bie 9i6mer gebräuchliche celtifdpgallifcbe fftame bed wefllidjen granfreichd, infonbetfjeit bad nachherige Siretagne. (@. 2fquitanien.) Xmutl), f. 2ftmcnwefen. 2(rnaub (gtanqoid Sbomad Vaatlatb b’), ein fruchtbarer fran$öftfd)er ©cbriftfMer, geb. ju fParid 1719, flubirte bafelbjt bei ben3efuiten. @d)onin feinerSugenb fdjrieb er unter Xibcrm 3 Srauerfpiele, »on benen bad eine, „Coligny ou la St.-Barthelemi" , 1740 gebracht erfd)ien. Voltaire gewann ihn lieb unb unterfiüfste ihn mit ©elb unb Sfatf). griebrid) II. eröffnet^ einen Vtiefwechfel mit ihm, berief it;n fpaterju fid) nad) Vetlin, nahm ihn wohlwollenb auf, nannte ihn feinen Soib unb richtete ein ©ebietjt an ihn, bad fld) mit bertVetfen fchloß: Ddjä l’Apollon de la France S’achemine ä sa decadeuce; Venez briller ä votre tour. Elevez-vous, s’il baisse encore; Ainsi le couchant d’un beau jour Promet une plus belle aurore. Staiifreid)d2(poll, Voltaire, fanb biefe Vergleichung nid)t gar ju fchmeidjelhaft für fid) unb rdd)te ft cf) burd) ©pötteleien über X’d fPerfon unb Verfe. 0fad) ei= nemSahre «erließ X Verlin, ging nad) Sredben, wo er jum Segationdratf) er= nanntwürbe, unb fehrte «on ba in fein Vaterlanb jurücf. Söaßtcnb ber 3chte= efendjeit warb er eingeferfert unb führte nachher ein unglücflid)ed Sehen, ba bei feiner geringen ©patfamfeit webet bie Unterftügung ber Oiegierung nod) feine ge= her ißn oot Vtangel ju fdjügen «ermod)ten. ©r ftarb ju ^Oarid 1805 in bem Xter »on 86 3ah»en. ©eine «orjüglichftcn SSerfe ffnb: „Bes epreuves du Sentiment", „Les delassemcnts de Fhoinme sensible", „Les loisirs utiles" unb einige anbte. ©eine $El)eaterarbeiten hoben feinen SSBertf), unb nur ber „Comte lle Comminges" fam 1790 mit einem augenblicflidjen Veifall aufd Slieater. ©n Sbeil feiner gahlreidjen ©ebidßte erfd)ien 1751 in 3 Vbn. 2frnaulb. Von biefer alten au«ergnifd)en gamilie, bie jur Noblesse de je rohe et de l’epee gel)6rt, ffnb hier audjujeidjnen ; I. Jfnton X, Xmocat ju Ptid feit 1580, ein eifriger Verfechter bet ©adje fieinrichd IV., burd) mehre politifdje Slugfdjriften unb burd) feine fraft«olle unb grünblid)e Vertfjeibigung ber «ninerfitat ju ^>atiS gegen bie 3efuiten 1594 berühmt, ©r jog ftch baburd) ben Jpaß 432 2frnautt bet Sefuiten ju, blieb aber big an feinen SEob (1618) im S3eft(se bet ©pre, bet größte ©ad)walter feinet Seit ju fein., ©eine 20 Äinbet bilbeten ben ©tamm bet fanget beg, 5 anfenigmug (f.Sanfen) in granf'teid), bie£öd)ter unb©ntetinncnolj fRonnen in ortropal befamit ifi, ©in ©opn feinet altepen 3xd)ter, Sfaaü le SRaitre be ©acp, b>iett fiel) ebenfalls p biefet ©efellfdjaft unb fpielte alg Überfefect bet 33ibel, bie ju 2Rong etfd)ien, in bet ©efepiepte beg Sanfenigmug eine wieptige SRolle. — II. 91 ober t X, iperc »ott2ln : billp, älterer ©opr. Xttong, geb. 1588, geft. ju ^Oortrorjal 1674, madjte ftd) butd) religiöfe ©ebiepte, ©rbauunggbüd)et unb bie Überfettungen »onfjofeppug’g jübifdiet ©efd)icl)te unb »on iDaoila’g ©erten alg einet bet correctefien fron^. ©ttjlißen b bannt. Xt ©eip weit überlegen trat ifjm fein jüngfter SStuber III. 2fn t on 31., bet jüngfie unter ben jfinbern beg 2(b»ocaten Xiton 21., geb. ben 6 . gebt. 1612. Unter güprung beg 2 fbtS »on ©t.=©pren, 3 fopann bu föetgiet be £a»tanne, erßen Dbet= pauptg bet Sanfeniften ingranfteid), wibmete er fiel) betSEpeologie unb würbe 1643 unter bie Jboctoren bet ©otbonne aufgenommen. 3 fn bemf. griff et bie 3 e[tii= ten in 2 ©etten: „De Ia frequente communion" unb „La theologie morale des Jesuites", an, »on benen bag erjiere »iele ©treitfepriften »eranlaßte, weil cS bie Sfanfenipifcpen ©runbfdfse auf ben 2 tbenbmahlgenuß anwenbete. 2 lpnlid)e ©frei-- tigfeiten 50 g ifjm fein ©erb: De l’autorite de St.-Pierre et de St.-Paul residente dans le Pape" (1645), butd) bie bntitt üertpeibigte PReinung ju, bajj beibe 2 fpopel gleichen tRangeg unb alg Stifter bet römifepen Äirdje anjufepen träten. j • 9Pad)bem bet Sfanfenigmug feit 1650 ein ©egenpanb öffentlicher Angriffe unb ' bag f3eid)en einer bebeutenben Partei im ©taate geworben t»ar, trat 31. in allen •fhinbeln betfelben mit ben Sefuiten, bem Älerug unb ber 9fegietung, alö 3Bort= . führet ber franj. fganfenipen auf, bie ihn nun alg ihr ^)aupt betradjteten. -ficf« rdnte bewirften 1656 feine Xigpoßung aug ber ©otbonne unb SSerfoIgungen, ; ; bie ihn nöthigten fid) ju »erbergen. 3 fn biefet ©infamfeit fchrieb er eine Sogil nach ©artefianifepen ©runbfdpen unb eine „Grammaire raisonnec", bie lange gefdjapte ©djulbüdier waren, ©nblid) fonnte ec fid), nad) 3fbfcljlup beg fogenannten j gtiebeng jwifdjen bem *))appe ßlemeng IX. unb ben fganfenipen, 1668 triebet öffentlich geigen unb bie .fmlbigungen genießen, bie felbp ber -fjof feinen S3erbien= pen unb Talenten nicht »etfagte. Um feinet Äampflup ©enüge ju (eifiett, griffet nun bie Steformirten in mehren ©teeitfehriften an unb arbeitete mit feinem gteunbe fRicolc bag große ©erf: „La perpetuite de la foi de l’eglise cathol. touchant l’eucharistie" , gegen biefelben aug. 3 u 9iom würbe ihm bafftt bet ©arbinalgput jugebad)t, bod), weil er ihn »erfepmdpfe unb bet £of ihm wiebet utu günpig warb, nicht »etlichen. SSor neuen Sßerfolgungen beffelben, ober vielmehr ber Sefuiten, püchtete er fid) 1679 nad) ben SRieberlanben, befd)dftigte fid) auch in . biefem ©pH mit @treitfd)riften gegen Dfefotmirte unb fgefuiten, unb parb in £ 1 # tigfeit in einem iDorfe bei Süttich ben 9. 3fug. 1694. @r war ein frdftiger, bi« jut : außetpen ©trenge confequenter ©eip, »oll gtünblicper Äenntniffe unb großer ®eb(in* 1 fen, in feinen ©epriften füpn unb heftig big gut S5itterfeit, in ©efapren unerfeptoefflj, ] . unb in feinem ©anbei tabellog. ©ein großeg SSerbienp um bie 9Rotal ber fatpolh fepen Äitcpe ip anerkannt, bod) patte fein ©enie noep weit mepr für Äirdpe unb ©iffenfepaft leipen fönnen, wenn er niept butd) feine ©tellung unb feinen dparaf- ter in eine SRenge »on ©treitigfeiten »erwicfelt worben wate, bie feine taplofe litt’ ratifepe Xpdtigfeit großentpeilg für bie fRadjwelt unfruchtbar machten. 31. _ 2Crnault (’öfntoine ©ncent), geb, ju ^)arig 1766, ein geachteter bramath fdier Sicpter, grünbete feinen 9iuf burd) fein Srauerfpiel „Marius ä Minturne', bag 1791 auf bie 83üpne bam. SSalb barauf eefepien feine „Lucrece". Rach bet Äatapcoppe beg Sprong am 10. 2tug. 1792 unb nad) ben PRorbfcenen beS 2. Ätnault 433 gqit., begab ec ft'd) nad) ©nglanb unb von ba nad) S3ruffel. S3ei f. SRüdfeht reurbe ecalöEmigrant oerhaftet, allein bie2fubfd)itffe erfldrten, bapbab@efehauf benge= lehrten SSerf. beb „SRatiub" nicht anreenbbat fei. <5r fdjrieb jefct einige Spern unb bieStctuetfpiele „©incinnatub" unb „Obcac". 1797 ging er nach Stalien, reo if)m SSonaparte bie ©rganifation ber ^Regierung bec ionifcfen Snfeln übertrug. iDamalb fdjrieb ec, jum Stjeil in SSenebig felbft, f. Srauerfpiel: „Blanche et Mont - Cassin, oulesVenitiens". 1798 fcfjiffte erft'd) mit auf bec glotte nad) Ügppten ein, mußte abetin SRalta bei f. franfen ©chreager, SRegnaub be ©aint-^ean b’2lngelp, jurücf= bleiben. Sie gregatte, auf welcher er ton l)ter nad; gtanfteid) jucudbefcte, warb ton ben ©nglanbern genommen; bodt> 2f. erhielt feine greif)eit reieber unb ging nad) 9)ati$, reo fein SEcauerfpiel: „Les Venitiens", 1799 aufgefüftt reutbe. — Sn bemf.S. reurbe er SRitglieb beb 9lationalinfiitutb unb 1805 SSiceprdfibent beffelben, im Sept. 1808 beiftgenber fRatf) unb ©eneralfecretaic beb Unioerfttätbratfeb bib 1814. 2llb foldjer nahm erSfjeil an ben SSorarbeiten beb „Dictionnaire de l’Aca- demie"; aud) fapte er ben allgemeinen S5erid)t an ben Äaifer übet bie Secennalpreife ab. 9fad) ber2C6ban!ung bebÄaifetb ging er bem Ä einig bib ©ompiegne entgegen; allein im San. 1815 verlor er alle feine ©teilen, bie ihm jebodi in ben fjunbert Sagen fftapoleon reiebergab. @r roar bamalb SRitgliebbec ^Deputation, reelle bie Hammer bet Deputaten an bie 2lrmee bec SSerbünbeten fanbte. SieSrbonnanj beb Hönigb tom 24. Suli oerreteb iljn 20 ©tunben reeit oon fPatib. Sn So Ige ber Drb. oom 17. San. 1816 aber faf> er ft'd) genötigt ju fließen, unb hielt ft'd) halb in SSelgten, halb in-fjollcmb auf. Siefe oierjat)rige SSetbannung unb feine 2fubfd)liepung aub bem 5lationalin|iitute mar vielleicht eine golge bec irrigen 23oraubfe&ung, bap er einer : berSRebactoren unb SJlitarbeiter beb Sournalb: „Le nain jaune", gereefen, ober gleid) nie eine Seile bafur gefdbrieben. ©rjt 1829 rearb er, an fPicarb’b ©teile, oon bet Jlfabemie reieber eingefe^t. ©ein Srauerfpiel „©ermanicub" (uberf. oon Sl). #ell, auch jwei SRal inb Stal.) reurbe 1817 im Theätre franpais ju fPattb bei oot= lem$aufe aufgefuhrt, oerurfadjte aber, reeil bie einanber entgegengefefsten politi= ftfen Parteien im ©tücEe felbfi SSeranlaffung fanben, ihre ©efinnungen laut ju äufern, grope Unruhen im ©chaufpielfjaufe. Sie 2(6ft'cf)t, baburd) bie sUttüdbe* rufung beb SSecf. aub f. SSetbannung ju bereirfen, fdjlug fehl, unb bab ©tucf rearb nic^t weiter gegeben, ©eine gefammelten SBecle erfd)ienen 1818 in SSrüffel, in 6 Sbn., unb eine neue ©ammlung feit 1824 ju fPatib. Snt 9ioo. 1819 erhielt er bieSrlaubnip nach granfreid) jurttcfjuteljren, aud) follte er f. fPenfton reieber be= iiefen. Unter f. SÖSerlen bejieljen ft'd) niedre Sieben unb 2Cbf)anblungen aub bem S- 1804 auf bab öffentliche Unterrid)tbfpftem. 2fud) f>at er gabeln (1812, n. 2fubg. 1815) unb ein Sufifpiel („La ranpon de Duguesclin", 1813) gefdjtieben. ©eine neuefien Srauerfpieie ft'nb: „Les Guelfes et les Gibelins", „Lycurgue" , unb „Guillaume I." , 1826, in Welchem bie ©haraFterifiif fPfilippb U- f e h c gefallen hat. 2(upecbem nahm ec an petiobifchen ©dhriften SEl)^ S- nn &en „Veillees des Muses", 1797, am „Mercure", 1815, am „Liberal" itt 33rüffel oon 3j) 1816—20, reo bie meiflen2fctifel über Siteratur unb fPhilofopfne oon ihm hetrfif) 5 a ttl1 - Sann rear er einer oon ben Olebactoren beb „Miroir des spectacles , des lettres, des moeurs et des arts". 2l(b folcher mupte er fich, toeil man einige 'i(v- tifel in bie S)olitif hmu8otjog, 1821 oor bem 3«d)ttcibunal in oertfjeibigen; K unblbic Übrigen reurben fämmtlid) freigefprod)en. (SSgl. bie SSerhanblungen in ber 83dl. p 9lr. 190 unb 192 beb „Sit. (Sono.=S3l.", 1821.) SRit Soup, S«P «nb 9lotoinb hat er, nad) einem guten fPlane, bie „Biographie nouvelle des contem- porains" unternommen. 2lucf) fd)tieb er eine „Vie politique et militaire de Napoleon" (m. Äpf., gol.). Napoleon bebad)te ihn in f. Sefiamente mit einem Segate 100,000 gt. S3on feinen©ohnen h«t jtd) bec dltefie, Sucien ©mile, ehemaliger ^5rAfect beb 2frbcd)c=25epart., ebenfallb alb S£cauerfpielbid)ter befannt= ®on».=6er. Siebente llufl. SSb. I. f 28 434 Aniauten Ai'nb gemacht, fecfonberS burd) feinen „Siegulub" (1819). Sin angeblidjeb fu'tf)ete3, „fPertinap", foU feinen SSater jurn Serfaffer haben. Arnauten ober Albanefen, einSolb»ermifd)terAbfunft, wahtfcfeim lid) bab UröotE Sllptienb nnb SJtacebonienb, mit ©offen, Hunnen unb ©lawen »ermifd)t, welcfeb fid) im weftUcfen Sijeile »on Siumili lang« ber Äüfte beb nbtia= tifcfen nnb ionifcfen SJteerb verbreitet unb Solonien auf ben neapotitanifcfjen unb ftcilianifcfen Äüften abgefegt (jat. Sfjre ©prache bat fid) nicfjt jur ©d)tiftfprad)e erhoben, ©ie nennen fid) felbft ©fppetaren, non ben Sbmanen werben fte 5frnau= ten genannt, ©ie feiten fid) in mehre ©tamme, unter benen bie ©ulioten (f. b.) jumShtü f)elienifd)en Utfpritngb ft'nb. Son Statur ftarf unb ftiegetifd), roa= ren bie Arnauten bie beften ©olbaten im türE'ifcfen ^)eete. Sffen gegen greunbe unb SBorgefegte, erlauben fie fid), wie alle rofe SSölfer, gegen il)re geinbc j?be : Art Don 2ifi unb Sreuloftgfeit. 25er 2!)tue!, unter bem fie lebten, erf>c.b fie jum ©inn für geeifert. 3» fünften unb ©ewetben haben fie feinen -fjang. ©den unb liefern erfdfeint ihnen nicht fo eften»oll wie bie Sefcföftigung mit ben SQSaffen. 25er Aderbau ift ihnen ein lafiigeb ©efefaft; fie erwerben lieber mit Stuf alb mit ©cfweip. 3ht unruhiger ©eift fapt bie Sinförmigfeit beb griebenb. 25ie höhere Ätiegbfunfi fennen fie nicht, fie bilben nie eine©d)lad)tlinie unb »erflehen fid) nicht , auf bie Sortfeile fefter ©tellungcn. 2)afet »ermögen fie and) nid)t fo viel gegen ■ eutopaifefe rgjeere, alb ihr petfönlicfer SJiuth 'erwarten liefe, ©ie führen bie erle= fenfien ©affen; auf ber Stuft tragen fie eine fflberne Platte, unb ihre Seine ft'nb mit einer Art dpatnifcf befleibet; bie^aare, welche »orn abgefchoren ft'nb, bebetft eine bib auf bie Augenbrauen »orgefefobene SJtüge »on rotfem Sud). — 2flba= nien, einSfeilbertürbifefenfPro»insArnautSilajeti, eingebitgigeb, aberjum 1 ©ein=, £>bft=, 33aumwollen = unb Sabacfbbau fehr gefefidteb Äfifienlanb am , abviatifchen unb ionifegen SD?eere, ift bab eigentliche Sßaterlanb ber Atnauten. Se= rüdjtigt unter ihnen ft'nb bie SJiontenegriner (f. b.) in bem ©ebitge 3)?onte= negro, welche »on ben Sütben nicht haben bejwungen werben fönnen. Auf er 3 3ufunft nuglicge gxücgte tragen. — X lebte julegt am Stgein unb würbe 1818 al« fProf. ber ©efegiegte bei ber in Sonn neuerriegteten Unioer= fitat nngefiellt. dgier würbe et 1819, nebft ben fPtofefforen SEBelcfer, in bie Unterfu* cgungbemagogifdjer Umtriebe (f. Umtriebe) »erwicfelt. Stan nagm feine fPa piere ittSefcglag, unb bie non igm wegen angeblicger Übergegung ber competenten Segotben unb aller gefeglicgen formen eingelegte ^rotejlation, fowie bieffietwen* bungen be« afabemifegen ©enat«, ber bortigen Sufiijbegorben unb be« Suftijmini* ftetium« för bie Stgeinlanbe, fonnten in ber aufjerorbentl. fgorm-bet Unterfucgung feine Xbanberung bewirten. ©eitbem gatte, auf ben Antrag ber SunbeScentralun* terfucgungScommiffton in SOtainj »om 2. Xtg. 1820, weldjer jene fPolijeiacfen ju* gtfegidt worben waren, bie »on bem .König, mit Stucf ftd)t auf bie wegen reoolution* naitet Umtriebe angeorbneten Unterfucgungen, niebergefegte Slinifierialcommiffton bm lO.Sto». 1820 eine ©pecialunterfucgung wiber ign angeorbnet, womit jugleicg bic ©uäpenfton »on feinem Segramte »erbunben war. Sie Unterfucgung nagm gierauf ben 5. Sehr. 1821 in Sonn igren Xifang. Ser bamit beauftragte Snqui* tmf »at ber ^ofgericgtSratg fPape in SBeglar, welker bie gefcgloffenen Xten „jur weitem SSeranlaffung" an bie SJiinifterialcommiffton einfenben follte. ©egen ign wiebergolte jwar bet 2fngeflagte feine fPtotejiation in 2fnfegung ber gericgtlidjen bompetenj, jebod) bewie« er fteg jum Tfntworten bereitwillig. Sie Unterfucgung foilte auf ben Serbad)t gegeimer Serbinbungen gegrunbet fein unb mag fxcg uor= i^lid) auf 21.’« au«gefprocgene gifforifege unb politifcge Sleinungen unb 2fnftd)ten bejogeit gaben. Saturn »erlangte aueg ber Snquirent, baf 21. f. farnmtl. ©dtriffen wtb Gollegiengeffe ju ben Xten gergeben mod)te. „Sie Sergore felbfi", fagt 2f. 28 * 436 2Cwe 2fmf)eim in einer fleinen ©d)rift („Xbgenothigteb SSBort aub meiner ©acf)e"), „fah id) mi^ fdjctt mit bem beginnen ber jweiten ©thutig abjubred)en genötigt. Senn nid)t etwa bloß Xbfd)nft bet fPcotofolle, fonbern auch Sulaffung meinet Unterfdjrift berfelben würbe »on bem -fjerrn Snquirenten mir abgeschlagen". 2f[[ein in ber Siegel bürfen Xbfd)tiften ber ffierhorbprotofolle nid)t gegeben werben, «nb nad) gemeinem 9fed)te iß eb nid)t gefe^tirfj, bie fProtofolle nom Xngefcbulbigten unter: jeidjnen ju (affen. Sähet fei bab S3etfpred)cn unoetbrüd)[id)en ©ttllfcb tu eigen« über biefe Unterfud)«ng irrig, alb »on ihm gegeben, in bie Siegißratur aufgejeid): net worben. 3n feiner oben angeführten ©d)rift, bie, außer anbern Xctetijlutfen, aud) bie »on X am 16. gebt. 1821 eingereichte *Proteßation enttjdtt, erfldrtbec Xigeflagte, baß er „fein geheimer SSünbter, fein (ocfenber Sugenboerführer, fein reoolutionnairer Safobiner fei, fonbern ein freigeft'nnter monarchifcher unb fonigi= fchet SJiann, ber bab auf Sßetfaßungen unb ©efefcen ruhenbe Äonigthum «nb gürßenthum für bie ftttlid)ße unb gtücf(trf)ße gefe((fd)aftlid)e Srbnung hälfe". — Xbarf wieberböorlefungen halten, ©eine „Siebenßunben" (Seipjig 1826) ent: halten eine ffiefchreibung unb ©efdhid)te ber ff)etlanbifd)en Snfeltt unbberStfe ben. ©eine ©djrift: „<5hriftlid;eS unb SEürfifd)eb" (©tuftg. 1828) gibt Ältere Xtffafce unb betrifft bie ^olitif unferer 3eit. 2frnc (Shomad Xtgußitt) betrachten bie Engländer für einen ihrer größten S o nf e ber. Er war geb. gu Sonbon um 1704, ber ©ol)n eineb angefel)enen pejierctb unb erhielt feine erfte SSilbung im Stoncollegium. gür bie 9ied)tper „Rosamond" (nach Xbbifon’b SEept), welche juerfr 1733 ju Sincoln« gnnfolbf gegeben würbe unb grofen S5eifall erhielt. Sarauf folgte gielbing’b fomifcfe 5pe= rette „Tom Thumb, or the opera of operas". 9iod) eigentümlicher unb auf: gcbilbeter erfdßen fein ©tpl in ber SWuft'f beb „Comus" (1738). Sab Sßolf warb burd) bie lebenbigen, muntern unb natürlichen SWelobien, butch bie SBafjrheitunb Einfachheit be« Tfuöbrutf« feljr angefprodjen. Um 1740 heirathete er eine treffe liehe, in italienifcher ©djule gebübete ©dngerin, Edcilie §)oung. S3eibegingen 1742 nad) Srlanb, wo fie ehtenöol! aufgenommen würben. 9lad) 2 3(ti)tett engagirte er ftd) alb Eomponiß, fte alb ©angerin bei bem Srurplanetheater in 2on= bon. gür bie Eoncerte in ben Sßauphaltgdrten componirte et mehre ©efangftüde 1745. Siachbem er nod) 2 Sratorien unb einige Spetn, j. 85. „Eliza", tont: ponirt unb ben 5£itel eineb Dr. ber SEonfunß in Spforb erhalten hatte, «erfudjteet ftd) auc!) mit einer Eompoßtion im ital. ©tpl, nämlich SJlelaßafto’b „Artaserse"; and) biefe gefiel. Sod) war fein Talent mel)r für bab Einfache, Siebltdje, ©anftc unb SbpHifche, alb für bab ©rofe unb Erhabene. Er fchrieb auch Eompofttionen gu ben ©efdngen in ©haffpeare’b Sramen unb mehreSnßrumentalßücfe. X jtotb 1778. ©eine ©chweßer war bie nachher alb SJiabame Eibber berühmte @Ängt ; rin; aud) fein 33ruber ging jur SSüfjne. Xtuhctm, .ftauptß. ber nieberlanb. ^rooing ©elbern mit 1500«tb 8000 Einw., ©ife eineb ©ouöernettrb unb ber ^)rooingialßaaten, woju bie 6tabt 5 Seputirte fenbet, am gufe ber üetuwer SSerge am fRht'U/ m it einer ©d)ifff>t'«dc unb einet bebeutenben c^anbelbfpebition nad)Seutfchlanb, aud) einem^>anbelbgerid)t, einer (atein. ©chule, Äunfifchule, einem ©efangcollegium, einer ©efellfchaft ber 3eid)nen= unb S3aufunß u. einer phpftfal.=iiterar. @efellfd)aft. Sie Umgebungen 2£rntm 437 bicfer Stabt fmb dupcrfl anmutpig. S« bet 9^df>c «on 10 ©tunben gibt eö 3^ (Papier; müf)lcn. 1813 warb bie ©tabt «on ben (Preupen (bem (Bulow’fcpen ©orpS) mit @turm eingenommen unb ber Sccupation HollanbS baburep ber SBeg gebahnt. 2(rntm (Subwig 2fcpim »on), einer ber ppantaftereiepffen unb originetlfien ß^fjter, welche gegenwärtig in Seutfcplanb (eben. ©r (lammt aus ber Ufcrmarf, ijl ben 26. San. 1781 ju (Berlin geb. unb wibmete fiep früher ben 9 r 7atutnoiffen= ftfjnften, in beten ©ebiete er eigentl)ümlid)egorfd)ungen angefiellt pat. ©ein erfleS Sud): „Speotie ber eleftrifcpen ©rfcheinungen", fuept baS Uberfumticpe in alten (Jcfcheimmgen barjutpun, fowie baS ©ecunbaire, worin 2flleS als SRaterie erfd)eint. (Je fud)t alle fcfjeinbarc 3utücfflopung als 3eid)en größerer 2lnjief)ung auSjulegen. Seine (Beobachtungen unb ©rfaptungen ftnb in ben petiobifd)en ©Triften ©ilbert’S, Sdjeeret’S, SBolf’S, niebergelegt unb ft'nben je|t 2lnerfennung. ©pater fdjeint ec burd) (Reifen in mehren Sänbern ben 9Renfd)en unb ifjret ®efd)icpte nahet gerüeft unb in (Berbinbung mit mehren geiftreid^en gteunben ftd) mefjr bem bid)terifd)en Schaffen f)ingegeben ju paben; bod) etfdjicn fd)on «ot feinen (Reifen „Hatlin’S giebeleben" (©ötting.), bem eine (Parallelbiogtappie, „(Rouffeau’S Sehen", ange; hängt ifl, um ein blop menfd)lid)eS Sehen mit einem wiffettfcpaftlicpen ju »erglei; d)en. „Ktiel’S Offenbarungen", ein (Roman, erfd)ien 1804 (©ötting.). ©emcin= fdjaftlid) mit Clemens (Brentano, mit welchem er in dpeibelbctg lebte, erwarb er ftd; ba$(8etbienfl, bie 2fufmerffamfeit berSeutfdjen auf il)te alte (GolfSliebetpoeffe jurucfgeleitet ju haben. (Dies gefd)ah burch bie ©ammlung: „SeS .Knaben 2Bun; ' berhorn" (Heibelb. 1806, 3 (Bbe., neue Tfufl. 1819). Sarauf erfd)ien fein „5Bin= 1 teegarten, eine ©ammlung «on (Rooellen" ((Berlin 1809), unb „Steift ©infamfeit, alte unb neue ©agen unb (Baprfagungen, @efd)id)ten unb ©ebiepte" (ipeibelb. 1809, 4.) (fonjl unter bem (Ramen: „Leitung für ©infteblet"). ©ein (Roman: „Irmutp, (Reichthum, @d)ulb unb (Bupe bet ©rdftn SotoreS, eine wahre ©e= fd)id)tejut lehrreichen Unterhaltung armer gtdulein aufgefchrieben" (2 Spie., (Bet; lin 1810), oerbiente, bap Sean ^Dattl in ben „Tmbelberger Saptbucpern bet Sitcta= tur" barauf bie beutfd)e Sefewelt aufmerffam mad)te, benn er gehört ju ben interef; fanteften Sichtungen biefer 2frt. ©ine ju feefe (Benbung nimmt fein Humor tn: ,Halle unb Serufalem, ©tubentenfpiel unb (pitgerabenteuer" (Heibelb. 1811), unb in bet aud) manches Äöfilicpeentpaltenben: ,,©d)aubühne" ((Berlin 1813). 3u ben »ortrepcpflen SRatcpen unb (Roöellen, bie wir beftpen, gehört bie ©ammlung: „Sfabelle «on Ägppten, Äaifet ÄarlS V. etfle Sugenbliebe", ©rjdhlnng; „SRelnicF, bie #auSprophetin aus Arabien", Jfnefbote; „Sie brei liebreichen ©d)Wefietn unb bet glöiflidjegdrber", ©ittengemdlbe; „Tfngelica bieöenuefetin unb ©oSmuS ber ©eilfpringet", (Rooelle (Heibelberg 1811). ©ein fpdterer, bis je(jt nod) nicht fort; gefeiter (Roman: „Sie Äronenwddjter", (1. (8b., (Berl. 1817) (auch unter bem Sitel: „(Bertholb’S erfleS unb gweiteS Sehen, ein (Roman"), ifl retd) an ben origt= nellflen unb lebenbtgfien ©cpilbetungen. — ©eitt ©cfaufpiel: „Sie ©leichen" ((Berlin 1819), geigt, wie fcpwet eS biefern Sidjter bei bem (Reidithum feiner (Pfan= Y : taffe werben mag, ein gröpeteS poetifcpeS ©anjeS mit ber .Klarheit unb (Rotpwen; f : bigfeit ber Sbee ju gehalten. (Roch ifl ju bemerfen, baf er tpatig beim ©ntftepen :; »on ©d)legel’S „©uropa" unb furge 3eit Herausgeber beS „(Pteufifcben ©orrefpon= ■ benten" gewefen, auch Speit an ben „Heibelbetger Sahtbuchern" unb an Kleift’S f „Kbenbblatte" genommen hat. Tille ©epriften biefeS SidjterS beurfunben einen un= j ; : gemeinen (Reid)tpum «on ^pf>antaft'e, ©efüpl unb ^«mor, mannigfache Äenntnip, r tiefe (Beobachtungsgabe, gdpigfeit lebenbiger ©parafteriftif ; aber bie grope (Rad); : löffigfcit, mit welker er, befonberS in feinen frühem ©epriften, fonbetbaren ©in= d fallen fiep oft gleid)fam unwilifürlidp pingibt, ber bebeutenbe 3fntpeil beS (Bizarren an feinen ©ompofttionen unb bie gormloffgfeit ber tnnetn unb dupern Sarftellung fdjaben ber genialen ©rftnbung unb erflaren uns, warum ein ©cpriftfleller «on 438 2Ctnobtu§ 2 Crnolb (Sofjantt) folgern Salent feine gröfjete fffiiefung auf baS publicum hetöorbringen farni. - ©eit mehren Salven lebt biefer ©chriftffellet abwechfelnb in SSetlin unb auf feinem ©ute SEBiepetSborf bei JDafjme, welches ec feetüirtf)fcf)aftet. 44 , 3b x n 0 b i u 3, bet altere, aud) bet ?lftifaner genannt, war um 300 Sel)w bec33erebtfamfeit ju ©icca fßeneria in Siumibien, unb würbe 303 ©f)#- 9}oti) alS Äatecfjumen fd)tieb et 7 Suchet „Disputationes adversus gentes", worin et bie ißotwürfe bet Reiben gegen baS (Sl)tiftentbum mit ©eijf unb S3elefenl)eit toibeo legte. OiefeS 2Betf üetratf) jwat eine mangelhafte Äenntnifj beS (Sfjtiflentfjumg, ift aber reich an SJiaterialien jut Äunbe bet griechischen unb römifd)en 5JJptf)ologie. 25af)et gehört eg unter bie ©chriften bet lateinifchen Kirchenvater, welche, wie bie SBetfe feine« ©d)ületS SactantiuS, befonberS von sptjilologen gefd>a^t werben. Orelli hat (Seipjig 1816) bie neuejfe unb befle 2(u3gabe beffetben beforgt. 5ßon bem jüngetn 2 f r n 0 b i u S, einem gallifchen ©eijf liehen in bet jweiten $dlfte bes 5 . 3ahrf)., ift nur ein unbebeutenber ©ommentar übet bie fPfatmen befannt, bet bie ©runbfabe bet ©emipelagianet tiertdtf). 31. 3trnotb üon 33ve6cta, ein ©chület 2lbelarb’S, fam »ollneuetSbeen übet Religion unb Kirche um 1136 in feine SSaterftabt jutücE. ©ein hof)et, führtet ©eijf, feine Äennfnijj beS ctjriftlicfjen 2ntettf)umS unb feine falbungSöolle, f)in= tetfenbe S 3 etebtfamfeit als ©eijflichec unb öffentlicher Sef)ter verfdhafften feinen ©ttafreben gegen baS Unwefen bet ^)tiefferherifchaft Sewunbetung unb ©tauben. ©0 regte ec baS SSolf gegen bie ©eijflichfeit auf unb fanb auch '» Scanfreid), wo= f>irt et 1139 flucfjten muffte, jahlteid;e 2fnhanget, benn bie gered;te Unjuftieben= ' heit mit ben bamaligen ©itten unb 2 fnmajjungen bet ©eijflidhen hatte ihm allen u halben S5ahn gemacht. OaS fchnell auflobetnbe geuet bet ©mpörung Sonnte bet 1 •Samt, ben 3nnocenj II. übet ihn unb feine 3fnf)dnger (2lrnolbijfen) auSfptacft, . nicht löfd)en. 3(. prebigte feine Sehre mtgefranft ju gürich in bet ©d>wei} bis 1144, wo et ju Sfom als Solfsführet auftcat unb butd) bie .Kraft feinet Siebe ge= waltthdtige 2fuSbtüche bet Solfswutf) gegen bie geifil. ©ewaltherrfchet öetanlapte. Die tobenbe SJienge, bie er felbjf nicht mehr bdnbigen fonnte, verehrte ihn als ihren 93ater, unb felbjf bet ©enat befchüfjte ihn, bis3fbrianIV, 1155 bie ©tabt mit bem 3 ntetbict belegte. ÄDiefe noch nie erhörte ©chrnach beugte bie Sförner, fte baten um ©nabe, unb 21 . muffe fliehen. 3 m ©ampanien warb et aufgegtiffen, als Keger unb Siebelt ju,3iom verbrannt, feine 2ffd)e in bie $£ibet gejfteut unb fein 3fnf>ang unterbrächt. 2fbct bet ©eijf feinet Sehre erbte ftd) auf bie ©eften fort, bie biefeS unb baS folgenbe 3ahth- entflehen fah- ©. Dr. «£>. gtancfe: „flrnolb von SSreScia unb feine Seit“ (3ürid) 1825). E. Sfrnolb ( 3 oh«nn), ein SMller in bet Sleutmarf, befannt butd) bie ©e= fd)id)te eines metfwütbigen f|)rocejfeS, unter bet Siegietung gtiebtichS II. — 3ft= nolb, bem König petfönlid) befannt, befchwerte ftd) nämlich bei bem fOionatdjm batübet, baji fein ©rbverpöd)ter, bet Jherrv. ©etSbctf, butd) bie 3fnlegung eines neuen $Eeid)S ihm baS jum SJiahlett notf)ige Söaffet entjogen, et gleichwol butd) bie übeteinjfimmenben ©rfenntniffe bet füfirinifeben Siegietung unb beS Kammer; getidhtS in SSetlin jur Zahlung beS S>ad)tjinfeS verurtheilt, unb ba et fold)en nicht erfchwingen fonnte, bie SSiühle ih m abgenommen unb er mit feiner gamilte an ben SSetteljfab gebracht worben fei. 25er König glaubte hierin Ungerechtigkeit unb günjfigung beS £öhern gegen ben Siiebetn ju ftnben unb ben übet bie @ad)e etfo= betten S5ecid)ten bet ©etichtshöfe nicht trauen ju bütfen. ©t übertrug bähet bic ndhere Unterfuchung beS galleS an .Ott unb ©teile einem Obecjfen 0 . $eufing. ®a biefer ftch günjfig für ben SJiüllet auSfptad), fo gab griebtid) bem ©tofsfanjlet». gütff bie ©nttajfung mit ben heftigjfen 33orwürfcn wegen einet unter feinen fingen fd)led)t geführten Sujfijverwaltung, lief bie mit bet Sache befchdftigtgewefenen Kammergerid)tStdthe verhaften unb ein übet baS ©anje aufgenommenes ^wte» Arnotb (Gfjrifiopf)) 439 full öffentlich bekanntmadfen. Ser oom Gtiminalfenat beb .Rattimetgetid)t8 unter tem SSotftge be$ PtinifterS v. 3eblt^ aboerlangte, nad) abermaliger Unterfuchung abgefapte SBeriht fptad) bie gujfijbebienten »on aller Parteilichkeit frei, nichts* beffomeniger fe|te ber Pfonard), als auch ber Pliniffer fid) ffanbhaft weigerte ein anbteS Urtheil ju fallen, felbff feft: baf brci Sfegietungd* unb jwei Äammerge* ridjtöratt)e unb ein guffitiariud tf>rcr ©teilen entfett unb mit einjähriger geffungS* jlrafe belegt werben, fte aud), foroie bet o. ©erSborf, ben SOTuller entfrfjabigen foll= tett. getner erhielt ber neumatf. 9Jegier.=Prdftbent o. ginkenffein ben Abfd)ieb. — I Sie öffentliche Meinung, welche fid) bei biefer ©elegenljeit fehr »ernehmbar aus* , [prach, mupte biefe allgemein gefhdljten Ptdnner über if)r ©hickfal troffen. Sie gntfdjnbigung für Arnotb würbe tnbeffen nid)t eingefobert, ihm vielmehr aus beS ÄöttigS eignet Gaffe GtwaS verabreicht, unb bie »erurtheilten guffijbebienten noch roc Ablauf ber ©trafjeit ihrer $aft entlaffen. (Unter ber ^Regierung gtiebr. 3ßil= ijetotä H. würben fte auf ben ©tunb einet neuen Unterfuchung oollig freigefptodjen, auch bis jur weitern Anjfellung für bie gehabten fßerluffe vorläufig entfhabigt.) j flach Sem, was über bie ©ad)e actenmdpig bekannt worben iff (ogl. Sohm’8„Senk* »urbigkeiten", 1. 33b.), ffehtfo Diel feft: baf, wenn auch vielleidEjt gehler bei berSn* ftuction beS ProceffeS oorgefallen ftnb unb bie Gntfheibung alfo hatte anberS aus* fallen können, felbige boch fern non Ungerechtigkeit ober Parteilichkeit war, bie ' Sichter unfchulbig gewefen ftnb, ber Äonig hingegen non bem Piüllet burd) un= 1! Kare ober falfche Angaben hintergangen worben iff. Senn 4>r. n. ©erSborf iff t>6l= lig berechtigt gewefen, ben Seich anjulegen, Atnolb keineswegs babutcf) in feinem 1 ©enterbe geffort, unb nidjt einmal bem -firn. t>. ©erSborf, fonbern einem ©rafen Schmettau ben Pachtzins ju entrichten fchulbig befunben worben. Sie Plilberung ber ©träfe ber »erurtheilten Seichter macht eS wahrfcheinlich, baf ber Äonig fpater wol felbft eingefehen haben burfte, wie ifjn fein ©eredhtigkeitSeifer hier bis jur £ei= benfdhaftlichkeit unb in ber Sf)at ju weit führte, jumal ba aus bem ©effdnbnif beS Sbetfien cfieuking ftd) ergab, baf betfelbe burd) feinen Aubiteur, bem er bie Unter* fudjung bet ©ad)e übertragen hatte, getdufd)t worben war. Allgemeine ©runb* ; fdbe, bie SSeforgnif, feinem konigl. Anfeljen ju fhaben, vielleicht auch mancherlei anbre Umfidnbe, weldhe ben SSerbad;t ber Parteilichkeit auf bie Suffijbeamten war* fen, mochten ben Plonatchen abhalten, baS einmal gefprochene ©trafurtheil gurucf= junehmen. — Ser Atnolb’fcho Procef iff übrigens nicht nur an fid), fonbern auch in feinen golgen hochft merkwütbig, ba er eS wahrfcheinlich |War, ber in beS ÄonigS Seele ben Gntfhluf ju einer gdnjlid)en Sieform beS 9fed)tSjuffanbeS in feinen Staaten jur Steife brachte. (©. £ a n b r e ch t, preuf., unb G a r m e r.j 5. Arnolb (Ghriffoph), ein als Affronom berühmter 35awet in@ommerfelb bei Seipjig. @t war in biefem Sorfe 1646 geb., ftarb 1695, unb leiffete burd) Selbflunterrid)t in ber Afftonomie fo viel, baf er mit ben berühmteffen ©eiehrten feiner 3eit im 33tiefmed)fel ffanb, non welchem bie -fjanbfebtiften auf ber 9Jatl)S* bibliothek ju Seipjig, wo auch A.’S S3ilbnip ju fehen iff, aufbewaf)tt werben. Auf feinem 5Bof)nbaufe hatte er fid) ein Sbferoatorium erbaut, welches baS Anben* i fen biefes merkwürbigen PlanneS bis 1794 erhielt, ba eS, feinet SSaufalligkeit | wegen, abgetragen werben mufte. Unermübet im S3eobad)ten, entbeckte er mehre Srfdieinungen früher als anbre Affronomen; namentlich bie beiben Äometen 1683 . unb 1686, auf welche et bie leipziger Affronomen aufmerkfam machte. Pod) : weht ^Berühmtheit erwarb er ftd) burch bie ^Beobachtung beS Surd)gangS beS Pler= . kur burd) bie ©onne 1690. Ser (eipjiger Plagijfrat machte ihm bei biefer ©eie- r Senfjeit nicht nur ein ©efhenk an ©elbe, fonbern erlief ihm aud) auf SebenSjeit | olle bie Abgaben, weihe er an benfelben ju entrid>ten hatte. A.’S SSeobad) 5 :■ Wngen waren fo genau, baf fte in einer bamalS erfheinenben ©elehrtenjeitfhrift, k ' n k>en „Actis cruditorum" (f. b.) aufgenommen würben. A. felbff lief brühen: Arnolbi 440 Arnolb (Samuel) „©ottlicbe ©nabenjeichen in einem ©onnenmunber not Augen gefielit" (1692,4. mit Äpf.). 2luf bem Äitchhofe ju ©ommetfelb beftnbet ftd) baS Senfmai biefej aftronomifchen SSauetg, nach beffen Flamen ber berühmte Afttonom ©errötet i brei Stjaiet im SJtonbe benannte. H. > Arnolb (©amuel), D., ein ausgezeichneter SSonfeber, geb. in Seutfcblattb 1739 ober 1740, mürbe gleich in bie fonigl. Gapelle ju £onbon aufgenommett ' unb in SRuftE unterrichtet. ©d)on in feinem 23. 3. trat er mit einer bramatiftfjen Gempofttion auf unb mürbe nachher bei bem Gooentgarbentfeater als Gomponiji angejiellt. $ier fegte er bie SJlujtf ju „The maid of the mill". 92 od) mehr jeicftiett er frei) burch fein Oratorium „The eure of Saul" («onSSromn gebietet) unb butd) ein anbreg, „Abimelech", aug. Siefern folgten bie Oratorien „The prodigal son" unb „The resurrection", mooon befonbetg bag erfte öiel Sluf erhielt. Aucf com= I ponirte er oiele ©efang = unb Smftrumentalftücfe für bie ©artenconcerte. Gr würbe I Soctor ber SOlufif ju Opfotb, 1783 Organifi bet fon. Gapelle, unb lieferte eine I Auggabe oon Jbanbel’g fdmrntl. Sffierfen in 36 -Soliobbn. 1789 mürbe er juiti I Sirector ber 2(fabemie alter 9Ruftf ernannt, 4 3mh re barauf Organift an ber 1 SBefiminjferabtei, auch 1796 Anführer ber jährlichen Aufführungen in ber ©t.= fPautgfird)e jum SSeften ber ©ohne ber ©eiftlicfen. 1798 führte er fein State rium „Elijah, or the vornan of Shunam" auf, morin 52ab. 3Rata fang. \ Gr flarb 1802 unb mürbe an ber notblichen Aujienfeite beg Gfjorg ber 5ßeftminfter= abtei begraben. @o oerfefieben feine Gompofttioncn maten, fo befchrdnft mar fein Talent an Grfmbung. Arnolbi (Johann o.), geb. ju $etborn 1751, fonigl. nieberldnbifdjer ©eheimerrath, ©ohn beg Oberconftfiorialrath$ Valentin Arnolbi, flubirte et|i 3 U Verhorn, fmtnach in ©ottingen bie Sledjte unb bie @efd)id)te, mürbe bann 2te oocat unb bereifte 1775 bie 92ieberlanbe. 1777 mürbe er Archiöfecretair ju Sillen: bürg, 1784 Sttitglieb ber Stentfammer, 1792 auch ber Sanbegtegierung. 3m Sleoolutiongfriege oonfelb. S- an beforgte er bie ÄriegSangelegenheiten bed Sam beg, 1796 erhielt er bag Sirectorium beg billenburget Sanbegarchiög. ©ein £an= beghetr, ber Grbftatthalter, hatte burch bie nieberlanbifche Steoolution 1795 feine gtofen ^augbomainen in ben 92ieberlanben unb im burgunbifeben Äreife »erloten. 1796 bebang fPreufjeng Äönig für jenen gütffen eine Gntfchdbigung in beutfdjen SSigthümern. Set Grbftatthalter münfd)te bagegen liebet nafe gelegene, »ormalg non ben geglichen ©tiftern feinem cfiaufe entnommene Sanbbiftricte, befonberö brt , Srierifdhen, ju erlangen, ^ierju fammelte A. bie SEitel aug bem Sanbegatcfio unb begleitete fte' mit einet ungebrudten Sebuction für ben Gongtefs ju Staftabt. i Ser Gongref? jerfcl)lug fidf aber befanntlid). 1801 berief ihn fein je&iget 2an= begherr nach Berlin, mo biefer felbft beim bortigen £)ofe feine Gntfchdbigung negociirte unb 1804 einen Siractat mit bet bataoifchen ^Regierung megen Gntfd)er ßinie an bie jüngere malrami: fche, h cr jogl. naffauifche, auf S5efehl feineg Sanbegherrn. Soch «ermicEelte iljn bieS in gefpannte SSerhdltniffe mit bem miegbabnet 50linifterium. ©eine wichtigem ■ 5ßerfe ftnb: „Sopogtaphie ber naffau = otanifchen Ednber" im „Journal »en unb für Seutfchlanb", Sahtg. 1790; „SRigcellaneen aug ber Siplomatif unb ©e= s i tftnolbijien 2Ctn§betC| 441 Ätc" (SRarbutg 1798); ,,©efcf)icf)te bet naffau=oranifchen SMnbet unb if>ret Regenten"; ,,5DSit£>etm I., Äönig bet fftiebetlanbe", fowie mehre anbte 2ebeng= befcfmbungen in ben „Seitgenoffen"; „fMftor. Senfwutbigf." (Seipj. 1817). 2£rnolbtfien, f. 2lrnolb non SSregcia. 3£tno ulb (©opfie), eine in ben Rlnnalen bet ©atanterie unb beg SSBifje« fcetufjmte parifer ©cbaufpielerin, geb. ju fParig b. 14. gebt. 1747. 3b c 33fiter e in hotel garni unb lief il)t eine glänjenbe @rjiel)ung geben. Sie Statut be= gabtebiefen ©ebling beg parifer fPublicumg mit einem fet)t empfänglichen ©eifte, einem weichen dDetjen, einer reijenben «Stimme unb fef>t fcfonen 2lugen. ©in 3u= full brachte fte auf« Sheafet, mofel-bf! fte »om 15. Sec. 1757—78 bag 9>ubti= cum entsücfte. Sie fPringefffn »on SJlobena lebte im Älofter Val de gräce. ©g twr bamalg S0?obe, baf Samen »on ©tanbe in bet ©harwoche bie ©ünben beich= teten, weldje fte in ben gaffen begangen ju haben fiel) erinnerten. Sufdlltg bemerfte i bie sprinjeffin eine fefjr fchone ©timme, welche bie 2lbenbmeffe fang. Siefe ©än= getin trat ©opf)ie 2ltnoulb. Set gntenbant bet fonigl. ©apelle erhielt butch bie ^tinjeffin baöon Äunbe unb gegen bet SOfutter SSBillen mufte ©ophie in bie ©apelle (reten, wo biegrau». fPompabour fte fingen horte unb nachher fef)rfentimentalaug= rief: „2(ug folchen Talenten bann eine iprinjefftn werben". Sieg bahnte ©ophie ; benüBeg jut parifet Sper, beten .Königin fte balb würbe, unb fauptfachlicb alg Sfjealire in„©aftoru. ^)o(lut", alg ©phifeim„Sarbanug", alg3phigeniain„3phi= ! genia in 2fulig" glänjte. Sutdf ©d£>ont>eit, butch natutlidfjeg ©piel unb alg fe(>t geifreicf, bejaubette fie 2ll(e unb »erfchwenbete ifjre Sugenb, ihren leibet bigweilen ju freien SBifj unb bie reichen ©efchenfe ihrer SSerehrer mit einer liebengwürbigen Unbefangenheit. 2llle 33otnef)me unb alle ©eiehrte befuchten ihre ©irfel, unter £e(s= fern b’fllembert, Siberot, -£>el»etiug, Sffablp, Suclog unb Stouffeau. ©ie würbe mit SRinon be l’©nc!og unb 3(gpafta verglichen, »on Sorat, Sernarb, 9it)«liereg, fJiarmontel unb ga»art befungen. 3h r 5ßi§ machte }u ihrer Seit folcheg ©lütf, baf if)re munblichen ©pigramme gefammelt würben; fte traf Sen bigweilen fef)tbei= fenb, welchem fte ihre Überlegenheit fühlen (affen wollte, unb hatte bennoch feine geinbe. — Tilg fte ©ullt/g unb ©fjoifeul’g S3ilbnif auf einer Sofe in ber 9fe»olu= tiotiSjeit faf), perffflirte fte ben Sufall burd) bie Ettrjen SDSorte: „C J est la recette et ladepense". ©in ©ecf, ber etwag @d)6neg in ihrer ©efellfchaft fagen wollte, be= merfte: „A present l’esprit court les rues", worauf ©ophie 31. fdjnell erwi= I bette: „C’est un bruit que les sots font courir". 21 [g 1802 ber fPfatrer »on I ©t.:®ermain l’2fuperroig ihr bie lebte Slung reichte, fagte fte ihm plohtid): „Je i suis comme Madelaine, beaucoup de peches me seront remis, carj’aibeau- I coup aime". ©ie ffatb 1802 im nämlichen Sirnmer, in bem ber 2lbmital ©olignp ; ermorbet würbe, unb in bemf. 3. mit ihr bie ©chaufpielerinnen ©lairon unb Su= I tttegnil. gm 2lnfange ber ^Resolution faufte fte ju 2ujard)e bag ^Pfatrfaug, fchu f j c§ in ein fchoneg ßanbfjaug um, mit ber 5lf)ücüberfcbttft: „Ite missa est". — Sh 1 ; btittetSoljn, ©onffant Siooil le be S3rancag, blieb alg Sberfter ber ©ui- ! rafftete in ber ©dfjlacfjt bei SBagram. ! 2lrnSberg, ber3. fRegietunggbejirf in ber preuf. fPtoöinj SBeftfalen, hat ! auf 139 □9JJ. in 14 Greifen 428,000 ©inw. (barunter in 55 ©täbten 104,900 ©m». Ser ©i| ber ^Regierung unb beg Sberlanbeggerichtg iff in ber fchongebauten Äreigflabt gl. Ut. an ber 9fuf)r, m. 3100 ©inw. 3n ber 9fähe ftnb bie Strümmer beg alten ©chloffeg mit bem greifluhl, wo fonffc bie heimliche gern ihre ©ifsungen unter ber ©rbe beg fRachtg hielt, gn bem ganjen 9feg.=35eäirfe herrfdfyt »iel gabtiffleif, i. 58. in ber ©nneperficafe, ju 2lltena, Sferlofn, ffirilon, SSrotfhäufen, Sortmunb «• f. w. Ser 2lcferbau iff weniger ergiebig wegen ber JF)origfeitgpfIid)ten ber fleinen ®cftger unb ber grofen 2lugbehnung unb baher unoollfommenen 83ewirthfd)aftung b« gropen ©utghbfe. 442 Xtnfiein 2Cmfi X r n fi e in (Steif). u.), einet bet Gfjefg beg SBechfelhnufeg 2frnflein unb feie« ju SBien, welcgeg aufet bem SSetfefjt mit Statten unb bet genante, bet in : neueret Seit oor$üglich in 2Bien feinen Stfs genommen, an alten anbetn gtojien ©efcgaften, 5 . 58. an ben Xnleigen bet ofireid). JRegietung, SEfjeit nimmt. Seit beinahe 50 S«t)wn ifi biefeg 4>aug einet bet etfien Sammelpldhe bet gtofett SBett unb beg gefelligen 5ßerEef)tg, ein SJhtfier bet angenehmfien ©afifreiljeit unb Unterhaltung für grembe unb ©nf)etmifci)e. Sie Seele biefeg Äteifeg trat §atitip b. Xtnfiein. Sn SSetlin geb., aber nad) SSBien nerheirathet, befag grau n. X bie glanjenbjfen Gigenfcgaften: @d) 6 nl)eit, Xnmutf), SBifs unb Talente mit auggejeid): netet SSilbung. Sie »otnetjme SBelt non SSien unb bie angefefjenften gtemben trafen in igren Sdlen jufammen unb fanben hier freie unb belebte Unterhaltung. Äaifer Sofepl) II., bet aKeg Xuggeseicgnete lebhaft fchdfcte, bejeigte ihr bei jebet Gelegenheit feine fjulboolte ©eftnnung. Sabei trat Stau non X. auferorbentlic!) tnol)ltf)dtig; fte wirfte in jebem föeteine mit, ben bie Samen Bom erfien Stange in SBien ju wohltätigen Sieden fdgloffen. Snt grcgten©lanseerfd)ien bagXtnjiein’= fche >£)aug jut Seit beg wiener Gongreffeg, unb eg mochte nicht leicht ein ^riwik fyaug ju finben fein, in welchem betfelbe Xbenb mit hunbert anbetn hohen unb au«= gejeichneten fPetfonen ju gleicher Seit, Gonfalni, $atbenberg, SBellington unb 5£al= lepranb Bereinigte. Xlg Stau B. X. Bon einet Steife ingtanfteief unbStalien juröcf= gelehrt war, würbe fte ftanf unb ben 3h r *9 c n entriffen. Shr Xnbenlen lebt fort in bem Äreife ihrer emsigen Socljter, ber geifiteichen SSaronin fPereira. X r p e n t, bet alte frans, borgen ober Xdet. SSt an unterfchieb einen gtojien unb fleinen Xrpent, jener Bon 1344£, biefer oon 900 DSiuthen. SefjtifibieSSe= nennung $ectare an bie Stelle Bon Xrpent getreten. Xrra §, «fjauptfi. beg Separt. $Pag be Galaig, an ber hier fchiffbaren Scatpe, entfjdlt 20,000 Ginnt., eine Xfab. b. Äunfte unb Biele gabrifen (Sapeten, SSatifi, Spifsen u. f. w.). X. ifi ber Sih eineg SStfcgofg. Sie SSefeftigung befiehl t= wall, mehren Staseling unb Sunetten, 2 -fjornmeiden unb ber ein tauglicheg gmtf cd bilbenben Gitabelle mit bontbenfefien Gafematten. Sammtlicbe Sefefiigungen ftnb Bon SSauban Berbeffert ober gans neu angelegt, t^iet brachte ec juetfl feine Se-- naillong an. Gin Sgeil ber ©rdben ifi nag, fowie bie Bon ber Scarpe burd)fhöm= ten SSBtefen mehre gronten 'gut bec^n. Sie Gite (Xltjiabt) ifi Bon la SSille butd) | SDSall unb ©raben getrennt. 1640 eroberten bie gransofen X. unter ben 59tar= fchallen Ghaune, Ghatillan unb SOtellerape. 1654 Betfucgfen bie Spanier unter Gonbe, fte benfelbenwieber suentreigen, allein Üurenne griff bie fpanifchen fiinien an, erflieg fte unb entfette baburdh bie gefiung. 32. X r r e n b e, bie Pachtung für einen ©runbsing. Sn Stuglanb ftnb Xtrenben Ärongütet, welche gewiffen Berbienten ^)ecfonen für einen fehr mdgigen ipaegt »er= f liehen werben. Xtrefi. Set Xugbrucf ifi im otbentlicfen 2Becgfel=, Gisil-- unb Grimtmtl-- ; proeeg befannt genug, weniger ifi eg ber Xrrefipunft bei Schiffen, wenn ein grenn ber ober Ginheimifcher bie Xrrefiation eineg auf ber gagtt begriffenen Schiffes unb feiner Sabung Berlangt, ober butd) Staafgoerfügung ein allgemeineg Gmbargo auf frembe glaggen alg Stetcrfton ober als erfic ftiegettfege SStagcegel Betfügt tritt. Sn Gnglanb berechtigt ber Xtrefi sum Xbanbon, in anbetn Sdnbern nicht. GS wäre u münfehen, bag unfereglugfchifffahrtgcommifftonen hierüber ein allgemeines fegeS Siecht grünben mögen; arg war eS, bag bigger suweilen um fehr unbebeutenbe go= berungen an einen S£t)eil ber Sabung bie Xrrefiation, oft fogar ohne Gaution für ben Schabenfianb ber im Streite beftnblid)en ßabunggintereffenten, auf ein Sdjiff erlangt werben fonnte, bag nur wibtige SBinbe auf bet Stgebe nod) aufgehalten, nachbem eg clarirt hotte. — fßerfegieben ifi in Seutfchfanb bag Sied)t, einen 2fn:tyibäu§ Xtfentf 443 @d)utbncr auf Neffen ober auf Sieifen'su »erljaften, unb wiebetum toecfd)teben, wenn du 2luS 5 ober Snldnbet bie 2ftccflation, wegen liquiber ober illiquibet goberungen, mit ober ofjne Kaution «erlangt, ©emeiniglid) hanbeln f)ter frembe Tribunale fraft beö in Seutfd)lanb nur ju häufigen 9ietorfton3red)tS gegen XtSldnbct ebenfo (Irenge, ober ebenfo tnilbe, alb in bem Vaterlanbe beS ÄlagerS, ber ben Xreji fudit, bie Xrefiation ju bewilligen ober abjufd)lagen bet ben bortigen Stibunalen üblich ij}_ __ 2)ie SOidngel ber allgemeinen SutiSptubenj in biefen unb dhnlidjen gatten (a(fen wünfefen, bafj ber VunbeStag hierüber allgemeine, für ganj Srutfcfjlanb geltenbe, .fjanbelSgefebe auSfpredjen möge. 2(rrl)tbdu§, ©ohn fPhilippd »on ©acebonien unb ber SSdnjerin ^)f)itina, felglicl) ein ^albbruber 2flepanber8, bem er auch bem tarnen nad) in ber Regierung folgte. Sa er burd) ©ift, baS ihm DlpmpiaS batte beibringen taffen, blobftnnig geworben, regierte fiatt feiner fPetbiffaS, bann Xitipater. 9?ad) einer ©d)einregie= iung »oit 6 t 3af)ten lief SlpmpiaS if)n unb feine ©emahtin ©urpbice umbringen. tJCrrta, bie belbenmütbige ©attin beb ©acina fPdtuS, bem, als angeblichem 'dufiiftet einer Verschwörung gegen ben Äaifer ©laubtuS, julefst fein anbrer XiS* weg blieb als bet £ob »on eigner $anb. Sa ergriff fte, bie if)m auf ber giucf)t ge= folgt war, ben Sold;, fiief ftd) benfelben in bie Vtufi unb reichte ibn ihrem ©ernahl mit ben ©orten: „ipötuS, eS fchmerjt nidjt!" 2(rrieregarbe, ber ^aebtrab ober bie 9?adbbut eines $eeteS, ifl im fRütfen beffelben, was bie 2f»antgatbe, bet Vortrab, »otn ifi. Sie Xtieregatbe ijt eigentlich befiimmt, ben jRücf jug ju beden. ©ie muf aus Infanterie mit ©e= fdjfib, aus Sägern ober ©cf)arffd)ühen unb aus leidjter ©aoaterie jufammengefefct ; fein, unb eine ©affenart bie anbre nach ©apgabe ber £)rttid)feit untetfiühen. Sie Gaoaletie wirft in ben Ebenen, bie Infanterie unterfiüfct jene, falls fte gewor= fen werben follte, unb befe|t bie engen fpöffe; bie Saget ober ©charffd)ü(sen aber halten bie feinblidjen ©tteifer ab. 3trrtgbt» -^etjog ». fPabua, einerber burd; baS fonigl. Secretoom 24. 3uli 1815 aus gtanfteid) Verbannten, ©r ifi ein geborener ©orfe unb Verwanbter i bet SSonaparte’fcben gamilie, jeidjnete ftd) als Sbet'fi bei Xtfietlifs unb ©agtam unb feit 1812 als SioiftonSgeneral in mehren ©d)lad)ten, namentlich bei feipjig 1813, unb bei ber Vettfjeibigung beS paffes »on fJlogent 1814 aus. 9iad) feinet I Siüdfetjr 1815 fdjicfte ihn fJiapoleon als auferorbentlidjen dommiffait nad; ©or= ftc«, um bort 21 lleS wiebet auf ben alten gup ju fefjen, unb ertheilte ihm bie ^paitS= würbe. 6t war einer ber blinbeften Xihanger 9lapoleonS unb »otljog bie harten S3e= fehle beffelben noch mit »erfchdrfter ©trenge unb in ber herbefien gotm. ©r i rfldrte üeipjig in ber etfien $dlfte beS getbjugS »on 1813in SSelagetungSftanb unbbrad)te eine l)öd)fi tdfiige unb ebenfo unnü|e allgemeine Vütgerbewaffnung in X'Sfüh- tung. Xtd) bet Überfall beS fiüfsow’fchen ©orpS bei Äifsen (17. Suni 1813) burd) goutnier war X’S ©erf. ©r lebt je(st in bet SombatbeL 2Ctrofuett nannte man in neuern 3e>len in Sfireid) baS Sahlenber ge= jwungenen 9iad)fd)üjje auf bie©taatSobligationen, inbem bieSnhabet berfelben, um fernerhin ben »ollen 3tn6betrag erheben ju fonnen unb bie urfprüngliche ©apU talfummeungefdhmdlert ju erhalten, »erpflidjtet würben, einen gewiffen »erhalt nifmapigen SSefrag nachjujahlen, ber ihnen bann auch »erjinfet würbe. 2Crfdfjtn (türf.), in 3fuflanb ein üdngenmap. 3 X = 1 gaben, ober 7 g. en 9 l -> 1500 X = 1 ©etfi. SebeXfdjin hat 4 Sheile, Viertel ober ©pannen genannt, unb jebeS Viertel 4 ©etfeheef. 2(rfenif, ein ©etall»on lid)tftah(gtauer gatbe, »ollfommen metallifdjcm ®lanj, ber auf ber ftifd)enVruchfIdd)e bem beS unpotirten©tal)lS gleich ifi; an ber ^tftgehen jebodjgatbe unb©lanj fehr fd)nell »erloren.©3 i)i8,3V?al fdjwerer als baS ®«ffer, ifi harter als baS ©iSmuth unb auferorbentlid) fptobe. ©S ifi baS flüch= 444 Xpftnoe Xrtemifta tigffe » 0 « allen Sfletallen, inbem man e« fcf)on in einet Söärme »on 360 ©tob gafjrenheit fublimiten fann; bxc Kämpfe riectjen tote Änoblaud), fdjmecfen fuj^ unb färben ba« Äupfer weiß. S3ct welcher Semperatut ba« Xfenif fluffig t»ttb, ift nod) nid)t gehörig beftimmt — Sa« Xfenifmetall wirb au« ben aufbereiteten ©rjen bittd) eine bloße Seftillation au« thonernen Stetorten mit gut fdjliefenben SSorlagen gewonnen. Sa« 5D?etall fammelt ftd) al« ein frpjlallinifcher Äörpet in ben SSorlagen unb wirb unter bem 9famen gliegenftein, gliegenfobalt, t aud) fogenannter grauet 2Crfenifi mit über. tim häuffgften gewinnt man ba« SfrfeniE im »erfaßten gujianbe; man bebient fid) bap bet glammofen, welche ein große« muffelartige« ©efäß crfji^en, ba« mit einem ©iftfange in SSetbinbung ffefjt. tiefer ift entweber ein tanger, weit fortgefulpter, gemauerter ©anal, ober ein große« geräumige« ©ewolbe, über welchem ffd) nod) mehre Kammern bcffnben. Sa« »erflüd)tigte unb »erfalfte 3frfenif fammeltftc£> al« ©ift= ober 2frfenif met) l in ben gangen unb gibt burd) ein Stafftniren ba« 2frfenifgla« oberba« weiße X, wobei ftdf> in ben ©iftfängen ©ublimat an= fefct. Sa«gelbe2frfentf, funflticfjcS^aufcfjgclb ober2furipigment, erfolgt burdfj ein fublimitenbe« ©d)meljen au« fd)Wefell)attigen Xfenifetjen obet au« ®iftmef>lunb ©chwefel; ba« rotfje3(. oberStealgar au« einem ©emenge »on ©chwefel= unb Xfeniffiefen burd) Sublimation. — Sa« X ift f)äuffg »or= hanben, begleitet »iel bie 3inn= unb Äobalterje unb wirb bei beten JRöfhtttg gele= gentlid) gewonnen. Mit bem Äupfer gibt ba« metattifdje 31. ba« fogen. SEBeiß: fupfer; bie Äalfe werben in ber gdrberei unb aud) ju mineralifd)en gatben ge= braudjt. — Gr« ift ba« ftärffte mineralifd)e ©ift, befonber« ba« weiße ©ublimat. 2frftnoe, f. 3llfmäon. 3frfi«, f. 9?f»»tl)mu«. 2frtaperpe«, feer Stame mehret perfffchen Äonige. 1) X mit bem 5Sei= namen Songimanu«, wegen feiner langen Xme, ber jweite ©ohn be« Xerpe«, ent= ging bem Xtaban unb ben anbern SSerfdjwotenen, bie feinen SSater unb feinen ' ältern SSruber Sariu« ermorbeten, unb beftieg 464 tt. ©l;r. ben Sfjron. Sie em= porten jfgppter brachte et jum ©ehorfam, erfaufte ben grieben mit Xljen ba= burd), baß er ben gtied). ©täbten 2fffen« bie greiheit jugeftanb, herrfcßte frieblid) unb jfarb 425. ©t war ben Suben günfiig unb wirb für ben 2fha«»eru«ber©cßrift gehalten. 2) X, mit bem SSeinamen SJfnemon, wegen feine« ffarfen ®ebdd)tniffe«, folgte feinem S3ater, Sariu« II., im 3. 405. 93ad)bem er feinen SSruber (5t) ru« (f. b.) beffegt, befriegte er bie ©partaner, welche jenem beigeflanben, unb jnxmg ffe, ihm bie gtied). ©täbte unb Unfein 2lften« ju übetlaffen. Sagegen begib fligte er bie 2ltf)enienfet unb wußte überhaupt bie ©riechen unter ffd) in Uneinig: feit ju erhalten. Gfr warb 361 »on. f. ©ohn Sd)U« getobtet. Siefet folgte ihm unter bem tarnen 3) 21. £> d) u «. fTfacfbem et bie 9)f)önijicr unb Xgppter wie: ber jum ©ehorfam gebracht unb große ©raufamfeiten in beiben Sänbern »erbt hatte (in Ägypten ließ er unter Xtbetm ben Xpi« fcf)lad)ten unb fleh jum Sltable bereiten), warb er »on feinem gelbhettn 85agoa« »ergiftet, ber ben 2eict)nam feen Äafien »orwarf unb au« feinen Änochen ©abelgriffe machen ließ. tfrtemiboru«, »on ber@eburt«jfabt feinetSWutter, einerSpbierin, bet Salbianer genannt, ein gtied). ©chriftfteller au« ©phefu« im 2. Sahrl). nach Gfjt. ©r befchäftigte ftd) »iel mitSraumbeuterei, unb nod) haben wir »on if)m2©d)rif= ten barüber, wichtig für Sen, bet ftd) über biefen ©egenfianb genauer unterrichten will, unb aud) wegen mand)er eingefireuten 33emerfungen für ben ^>f)tlologett übet: . haupt merfwürbig. Steuefie fritifefje 2fu«g. ». Steiff (ßeipjig 1805). 3(rtemi«, f. Siana. 3(rtemtfta, .Königin »on .Karten, ©d)Wefier unb ©emahlin be« SNnufo: j lu«, beffen Sob ffe auf bie jdrtti cfjffe 2frt betrauerte unb bem ffe in ihrer däauptft. j 3frtemon SCrtfmttfty 445 Mifantaß ein Senfmat erbauen lief, melcf)ed unter bie 7 Sßunbet ber 2ßelt gerechnet mürbe. Sie erpen ffiitbßauer ®tied)enlanbd h atten baran gearbeitet, sgtiapid, Sf'opad, heoefjared unb SEimotheud machten bie SBergierungen an ben 4 ©eiten bed ©ebäubed; »on fPpthed mar bad 33iergefpann, weldfjeS bie fegelformige @pt(se bepelben gierte. SSitru» glaubt, baß auch ^Prariteled baran gearbeitet habe, gtrtd) Tfrtcmifta’ö SEobe »ollenbeten ed bie Äünpler unentgeltlich, um nicht auch bie (Jf)te iftreS gleißed einjubüßen. ©d bepanb aud einem länglichen SSierecE »on 411 gup im Umfang, 130 g. hoch. Sie ^auptfeite mar mit 36 Säulen gegiert, unb 24 Stufen führten jum ©ingang. X ftarb halb nach ißtem ©atten bei bem Senfmal!, bad fte ihm errietet] butte, 351 ». ©hr. — ©ine anbre 2trtemi= fia, Königin »on ^attfarnaf, mar ed, bie ben Xerped auf feinem 3uge gegen Sriecßenlanb begleitete unb fiel) in ber Schlacht bei Salamis (480 0. ©hr.) burd) i()te©ntfchloffenheit unb .Klugheit audjeid)nete. 2(rtemon, ein (grttehrer im 2fnf. bed 3. Sahrl)., ber bie ©ottheit ©hrijii leugnete unb ihn für einen blofen Menfdfen »on feltener SEugenb erflärte. ©r lebte im Sprenget »on 9lom; feine Anhänger, bie Jlrtemoniten, fdtjeinen ftd> aber nuef) nach Sprien hin «erbreitet ju haben. 9lod) in ber gmeiten «fjälfte bed 3. Saljtf). »erloren fte ftd) unter anbern ©egnern ber SErinitätdlehte. (SSgl. 2Cnt i= t r i n i t a r i e r.) Samuel ©teil trat 1726 unter bem Planten Krtemoniudald Segnet berfelben Sehre auf. 31. Arterien, f. llbern. 2£rtfjritifd) (a. b. ©riech.), mörtlich: mit ©liebetfchmerjen behaftet ober gießtifd). Sie 2frtf)titid, ©icht, ip eigentlid) eine Ktanfheit bed Mannedalterd (f. 2llter) unb hat ihren ©runb in bem angefangenen Stüdgang ober 2lbmärtd= (teigen bed hebend aud ben hohem ©ebieten bed Srganidmud in bie niebern, in bie Spfteme ber Knocßenbilbung unb betKbfonberungen. .ftier äußert ftd) abetbeß= halb aud) bie biefem Xter eigenthümlid)e Äranfßeit bet ©ntjünbung ber ©elenfe, »eiche theild regelmäßig mit Kbfcheibung bed überflüfftgen (gut Knocßenbilbung nicht in ber Menge mehr nothmenbigen) erbigen Stoffd, theild bei mangelnben SHaturfräften unregelmäßig erfdheint unb mieberfehrt, aud) mol anpatt ben über= pfiffigen Änocßenpoff burch bie 2tudfcheibungdrcetfjeuge aud bem Körper gu fd)af= fen, benfelben nur bid unter bie i)aut bringt ober gar im Snnetn ftd) anhäufen unb bafelbp behaupten läßt, moher aldbann bie ©ichtfnoten unb bie innetn Stein= bilbungen mand)er Xt entpehen. 3ut Kudbilbung bet arthritifchen Kranfheit feßeinen 2 Utfachen am meipen gu mieten: fehlerhafte Siät unb Unterbrücfung ber ■fjautaudbünftung. Ser häufige ©enuß bed Pßeind, befonberd fäuetlid)et SBeine, ebenfo ber gemo£)nlicf)e ©ebraud) feßr nahrhafter, fetter, geroürgter unb lecferf)after Speifcn trägt ol;ne Smeifel fomol burd) Überfluß an 9Jaf)rungd = unb erbigen Stofs fen, als aud) burd) bie bad SSlutfppcm erregenbe Sfßirfung biefer ©enüpe jut ©nt= pehung ber Xtßtitid am meipen bei, inbem bet Überfluß an 9lat)rungdpopen «on bem völlig audgebilbeten Körper nicht gebraucht unb »on ben meniger fräftigen S3er= bauungdmerfgeugen nicht »erarbeitet, bagegen bie entgünblicße Xtlage in bem Kno= henppeme »ermehrt unb bid gut mirElicfjen ©ntgünbung getrieben mttb. Sie ar= thritifche Kcanfheit fünbigt ftd) in biefen gatten bei noch »orhanbener PBirffamfeit ber Platurfräfte ald regelmäßig miebetfeljrenbed fP o b a g t a (f. b.) an. ©d entpeßt nämlicl) im grühjahr, im dßetbp, bei Mandjen nod) öfter, ein heftiger Schmerj in ober att bem ©elenf ber großen gußgeße, ber SE£;eil mitb enfgünbet, roth unb ge= fcßmollen. ©emeiniglid) ip gieber bamit »etbunben, menn nämlich bie örtliche ©ntgfinbung auf bad gange Sßlutfppem gurüefmirft. S3ei ber ärmern Menfcßem dape trifft man feiten echt pobagrifeße Ktanfl)eit an; ber Xme, ber im Schmeiße feinod Xtgeftcßtd fein S3rot ißt unb feinen Surp mit einem Krug SBafer befriebigt, Idhp ber Mittelmann, ber bei einer mäßigen Maßtgeit attenfattd ein ©lad S3ier 446 Arthur trinfen fann, Wirb feiten bas fPobagra bekommen; allein t)ier betriefen bann tniebet Übetfüllung mit fcflechten rofjen UtahrungSmitteln, l)d«ftge ©rfdltungen eine 2tn= hdufung Bon fd)led)t »erarbeiteten Stoffen im 33lute unb Unterbrüdiung ber 5luj : fcl)eibung betreiben, baf)er bei gefunfenec MenSthdtigfeit in fold)en gällen mei)t i unregelmdfige artljtitifd)e Sufdlle, betuirtjie£)enbe Schmerjen, Abfehungen »on auf erorbentticher SJtenge erbigee sAajfe in ben ©liebem unb bic auffallenbften ®et: unfialtungcn becfelben entfielen, Sicht unb gluf, ober Arthritis unb 9ffjeu= matiSmuS (f. b.) werben fjduftg mit einanber Berwed)felt, ffnb aber ganjooneta: anber t»erfcf)ieben. 3theumatiSmuS gebort jebem SebenSalter, 2frt£)ritiö nur bem SOtanneSalter an; StheumatiSmuS ifi ein entjünblidjer Suftanb im Spfiem bet 9JiuSfetn unb Sehnen, bei ber 2fctf)ritiS ifi biefer Sufianb im Spftem ber ©etenfe, ©elenffapfeln unb ber Änocfen, folglich ftat bei erfterm ber Schmers feinen @i| mehr in ben SDtuSfeln unb erfireeft ftd) nach beten Sauf, trechfelt aud) mei)c in ihn - fehung beS £)rteS; bei leitetet ifi ber Schmer} in ben ©elenfen unb auf ben d;en hin; ber Oi'heumatiSmuS ifi aud) an fid) nicht mit ben erbigen ©efd)t»nlfien unb Anhäufungen begleitet wie bie ®id)t. SOian hat bei ber [extern fogar beobad): tet, baf ber arthritifche Schweif einen feinen erbigen Staub auf ber ^aut Äranfen jurucfgelaffen hat. SSeibe Äranfheiten fonnen aber juglcid) im »orhanben unb mit einanber oerwicfelt fein; aud) fann 9Ü)eumatiSmug mit ber Seit in Arthritis übergehen, wenn mit bem SBechfel beS Alters bie Äranfheitdanlage j felbfi »on bem 9JtuSfelft)fiem auf baS Änod)enfi)ficm unb beren ©elenfe fortwan= ; bert. Sfi bie 9iatur nicht fraftig genug, einen regetmdfigen AuSbrud) ber @idit }u bilben, ifi ber SOienfd) ju alt, ober wirb bie Äranfheit in ihrem SSetlauf geftorf, fo ergreift fie aud) wot innere Steile, benSOiagen, bieSungen, baS ©efirn, unb erregt oft tobtliche 3ufdlle. Uber bie SSefanblung ber Arthritis unb bie babei jtt beobachtenbe SebenSweife herrfchen noch Biele irrige Meinungen. CDiandje glauben, baf, Borjügltd) bei bem ^Pobagra, gar 9iid)tg }U braunen fei; Anbte hoffen 2Wed Bon bet äufammenfefsung eines abfühtenben SEtanfeS; wieber 2fnbre glauben im Saften unb SEÖaffertrinfen it;r dpeil }u ftnben; Anbre fud)en eS, non Srown’S ein-- feitiger Meinung Berührt, ber baS fPobagra unbebingt in bie ©laffe ber aftl)mi= fchen Äranfheiten fegte, im Artaf. @3 gibt aber fein eigentlidjeS Mittel gegen ©icf)t unb fPobagta als bie forgfdltige SSehanblung eines Borftd)tigen Ar}teS, ber, im SSeftg bet richtigen Anftcf)t Bon ber Äranfheit, baS SebenSalter unb bie £eibeS= befchaffenheit beS Ätanfen, bie Auferungen bet EebenSfrdfte, ben Stanb beS arte: riellen SpfiemS, bie SebenSart unb Sidt, unb enblid) bie 5Ratur ber Unfälle felbfi genau beobachtet. 33ei bem einen ©ichtfranfen fann j. 85.Aberlaf, 2Bafferttin= fen unb ©ebraud) fühlenber Mittel hdeffi notfjig fein, welche einem anbern fdjab-- lid), ja tobtlid) werben fonnen; ebenfo umgefehtt mit erfühenben, fchweiftreiben: ben unb anbern SSJiittelrt. Sb baS in neuerer Seit berühmt geworbene fPrabier’fdie ©ichtmittel ftd) als geilfam bewdhren wirb, muf noch burcf) mehre @rfaf)tungen befidtigt, bie Suldfftgbeit feiner Anwenbung aber in jebem einzelnen Salle oon einem 2Crjte befiimmt werben. H. Arthut ober ArtuS, Surft bet Silurenim 6. Saljrh-: ein attbritifdter fjiationalhelb, beffen ©efchichte bie Ötitterpoefie auSgefchmücft hat, war, nach bem ■M3crid)t ©ottfriebS Bon SOtonmoutf), ber wahtfcheinlid) aus SBiftace’S 9teimd)to: nif, „Brut d’Angleterre", frfjopfte, ber Sol;n ber Sürfiin ^ngarna Bon ßorn= waleS, gejeugt Bon biefer im ©hebrud) mit Uther *Penbragon ober Sberfelbfjetnt ber 85riten, unb geh. um 453 n. ©f)r. Sr folgte 516 feinem SSater in ber Selb: herrnwürbe unb »errichtete jeftt gegen bie Sad)fen, Scoten unb Rieten jene glan= jenben ^clbenthaten, bie ihn berühmt gemacht haben, ©t BermdhWe ftd) mit ber Bielbefungetten ©unnieore ober ©ineoraf ©uanhumara), aus bem Jpaufe ßabor’S, «^»ergogS Bon ©ornwaleS, ftiftete ben berühmten fKitterorben ber Safelrunbe tmb 447 3frtiga§ 2 frti?et bm\dpi »on einem gldnjenben Hofe umgeben, 12 in ^rfeben. darauf [affenifn bie Siebter ©anematf, Sorwegen unb gtranfreid) erobern, bie l)ifpani= fd)en Siefen etfc!)lagen unb naef) Sorn giefjen, non bort aber, wegen ber 3treu(oftg= 1 {eit feine« Neffen 9J?obreö unb feiner ©entafflin, gutücEeilen, bie 2fufrül)rer beft'e-- gett, aber an feinen SBunben 542 auf berSnfel Gamlan, wo man unter Ädntg liemrid) 11 . fein ©rab gefunben fjaben will, fterben. H ume t)dlt bie ©age für f)i= flotifd) begrünbet. 2 Crtiga« (©on Sofe b’), Snfurgentenanfüfjrer am fpiatafirome, geb. gu 5 Rontc= 8 Stbeo um 1755, mar f. fpatt. Gapitain, trat aber, naef) einem Streite mit bem portug. ©ouoerneut gu ©. s ©acramento, 1811 in bie ©ienjte ber eben ; mtflnnbenen tyunta »on S3ueno«=2(pre«, bie if)n gum Süfjret eine« 2frmeecorp« et= nannte, mit welchem er bie fonigl. 3frmee bei 2 a« Niebra« gdnglid) fd)lug. ^ier= i auf unterftü&te er bie 33elagetung non S02onte=aSibeo, inbem er bie 33ewof)net be« 6 |}lid)en fpiataufer« (bet ISanba oriental), ein wilbe« ^irtenoolE, bie ©aud)o«, für bie @«d;e ber Unabhängigkeit bewaffnete. Gr oeranlaftc babitrd) einen SSer= gleid) gwifcfyen bem Gabinet »on {Rio = Janeiro unb ber ^Regierung »on 23ucno«=2fp= xii. Allein halb macfjte ifjn fein ©folg bem ©irector fPupettebon »erbdcfytig, unb f et gerftel mit ber neuen Sepubtif. ©af)et 50 g er ftd) mit feinen Struppen »on 9Ronte=S3ibeo gutücf. ©iefe« Abfall« wegen würbe er »on ber ^Regierung gu S5ue= ttoi- 2 fpre« für etjrlo« erfldrt, unb ein $)rei« »on 6000 f?ran!en auf feinen Äopf ge= feft. Sun trat er al« f?einb bet Sepubltf an bie ©pifse beS ifjm ergebenen $irten= . »olfö unb bemddjtigte fid) ber 93anba oriental. 20lein bie ^ortugiefen unter 2ecor ■ befe&ten im ©ec. 1816 SRatbonabo unb nahmen halb batauf 5Sonte=23ibeo. 2f. füijcte nun mitben fPortugiefen unb ben Struppen »on S3ueno« = 2(pte« einen ®ue; tillafcieg, worin er anfang« »iele 93ortf>eile erkämpfte. 2(llein 1818 würbe er ge= fdjlagen; bod) war ber ©irector ^uperrebon geneigt, ffdf) mit ifjm gu »etgleidjen. ; aber spuperrebon mit ben europ. $Säd)ten gu unterljanbeln unb eine erbliche j; Segievungbform in 33ueno« = 2fpre« ern§ufüt>ren gebacfyte, »ereitelte biefen fPlan ; bie Partei ber ^Republikaner, welche je«t mit 2f. fid; »erbanben. ©a« Qm, .. 1 iwldje« fPupetrebon gegen ifjn abfd)ianger »ertrieb. Sun 50 g ftd) 71. nad) sparaguap gutücf. $iec nahm ! itin ber ©irector grancia, eljemal« fein geinb, mit 2fu«geid)nung auf. 71. wohnte ; feitbem im Itlofter be« l;eil. granci«cu« unb befcfylof bafelbfl fein ftürmifdje« 2 eben l| im So». 1825. — 211« gtelbljerr geid)nete ftd) biefer H'wtenkonig burd) SRutf), I Sdptellblicf unb Stätigkeit au«, ©eine ©ewalt über bie ©aud)o«, bereu er etwa 8000 bewaffnet Ijatte, war unumfd)tdn!t, ba er ganj ib>re wilbe 2 eben«art fid) an= jueignen »erflanb unb alle 33equemlid)feiten be« ci»iltftrten 2eben« »erad;tete. ©er »otf)enfd)enbe -§attg ju einer ungebunbenen, umf)etfd)Weifenben 2eben«art war ba« SBanb, ba« il)n unb feine ©djaren »ereinigte. Gr f>atte feinen feffen 2Bol)nfib, nod) führte et eine förmlidje Segierung. ©ein Hauptquartier befanb ftd) gcwofjn: IM) in bem fleinen ©orfe ^)uriftcacion, am 9Jio = Segto, ba« au« Grbfjütten ober ; «u« ©ejelten »on ©d)fenf)äuten beffef)t. Gr felbjl lief ftd) »on einem abtrünnigen ^tiefer, Sfonterofa, (eiten, ber nad) fPatne’« Sbeen bie reine ©emofratte für bie &e|fe @taat«form f)ie(t. f 2 frtifel, ba« SBort, welche« in einigen ©praefjen bem ©ubflanti» (Haupte ■ «orgefefet ju werben pflegt, unb woburd) biefe« al« felbftdnbig, feiner 2 frt i °^ c ©nttung nad), begegnet wirb. ?San unferfd)eibet baf)et einen befftmmten unb wbefüinimten, richtiger einen beflimmenben unb einen nicf)t beffimmenben 2 frtifel f j™ £>eutfd)en ber, bie, ba«, unb ein, eine, ein), ©ie lateinifd)e unb mefjre anbre : ®prad)en Ijaben ben 2(rtifel nid)t; Wenn er aber au« biefem ©runbe aud; nid)t ju 448 2frtfflette ben wefentlicß notßwenbigen Steilen bet 3fcbc (partibus orationis) gehört, fo iß et boct) bet großen SOJcfjtjat) C bet gebitbeten ©ptad)en unentbehrlich unb E)at ba^et in ben Behrbüchern betfelben einen ^)(a§ unter ben toitElicfjen fogenannten Sebettjeb len erhalten. Sie »on ben ©ptachteinigern oeefueßte Übetfegung: ©efdjlecßtSwott, iji nic^t gu billigen, ba baS ©efd>tedt>t bet SEBörter mit bem 2Ctti£eC 9Rid)tS gu fcfjaffm hat, bet Umjianb aber, baß bet Artifel ftd) nach bem ©efdjlecßte eines SEBotteS dn= bert, nichts ihm ©igentßümlidjeS iff, fonbetn bei bem Pronomen unb Abjecti» auch ffattfinbet. Set Artifel iff übrigens für bie beutfehe ©prad)e befonberS bei; burch wichtig, baß et bie mangelhafte Beugung bet Hauptwörter (Seclination) et= [eben hilft. Artillerie bezeichnet 1) unb eigentlich bie 5Biffenfd)aft, baS fchwete®e= fd)ü| möglich^ gweefmäßig gegen ben geinb gu brauchen, wie feßon baS SDBort 5lt= tilletie (». b. Bateinifcßen ars tollendi, bie Äunff, fchwete .fforper fortgufcßleubeni) etwas ähnliches auSbrücft. Siefe SBiffenfcßaft ift bet Inbegriff einet Stenge an= brer, ohne bie fte nur ©tücfwerf fein würbe, Außer bet genauen Äenntnißbec ©inrießtung aller ©attungen »on ©efcßü&en, StunitionSwagen jc. muß man bie ©rünbe lernten, warum ihre jefeige ©inrießtung, ihre SZaterialien, beten SS«; fertigung unb Aufbewahrung gweefmäßig ftnb. Sem Artilleriffen iff eine eben= fo genaue S5efanntfehaft mit ben Beffar&tbeilen, ©attungen, ber gabticatioti, SBirfung unb Aufbewahrung beS ©cßießpuloerS, berffBeife, wie alle gut £0tuni= tion gehörige Singe angefertigt unb beßanbelt werben, ber Sahn unb jfraft jebec ©attung »on ©efchoffen, ber nottjigen Sabung unb ERicßtung nach ben »etfeßiebt; nen ©ntfernungen, ber SBirfung aller ©chufjarten, unb bie Äunff, Alles bieS gum ©dffeßen felbff gu benußen, unumgänglich nötßig. ©r muß außerbem baS @tet= ciren gu guß unb gu Sfetbe, um feine Beute in biefem militairifchen Abc gu unter= richten, öetffeßen. ©r muß ferner EPfetbe, bie gum SranSport bet ©efcfeüfeeunb gum Berittenmadjen ber reitenben Artillerie gebraucht werben, in jebera ©inne ju beßanbeln, bie ©efd)ütse gu befpannen, mit ihnen gu fahren unb auf jebem Set; rain gu manoeuoriren, aud) plofeltcf) «otfommenbe Befcßäbigungen für ben 2lugen= blich hnili>nt auSgubeffern wiffen, unb mit ber gangen Saftif, befonberS mit bet ©igenfjeit jebeS SetrainS unb berSEBeife, baffelbe am gwetfmäßigffen gut Aufßeb lung r>on ©efchüßen gu benu&en, befannt fein, ©r muß enblid) jeben Settainge-- genffanb mit feiner SSBaffe angugreifen ober gu t>ert£>eibigen im ©tanbe fein unb genaue Äenntniß »om geffungSfriege unb bet gangen gortiffeation haben, befon= , berS aber Batterien unb anbre gelbwetfe gu bauen praftifcß geübt fein, um l)ier= burch »or ben feflen ßpläfen unb burch Aufhellung ber ©efchüfee in benfelben ben Ingenieur bei bem Angriff wie bei ber Bertßeibigung berfelben beffmöglichff gu un= terftüben. Außerbem hat ber Artilleriff oft noch bie Anorbnung ber ganate unb anbret ©ignale gut ÄriegSgeit, bie gertigung ber Bufffeuerwetfe im grieben u. 1 m. gu befotgen. Alles bieS läßt ftch nicht allein burch bie ©rfaßtung nad; unb nad) erlernen, fonbern eS muß baS ©tubium »on HntfSwiffenfcßaften »orauSgeßen. Sie Sfatßematif (befonberS bie Sehre oon ben ©utoen wegen ber Berechnung btt glugbaßn ber ©efchoffe), ShPft? nnb ©hemie gum Berffeßen ber ffBirfung bei SuloerS unb gut Anfertigung ber Sfunition nebff Bubehör, fowie aller geuerroetffc forper, ftnb ßöcßff notßig; bie SJecßanif iff gu benfelben Bwecfcn, gum Berffeßen einerjtidffigen 2ßeorie oom guhtwetf, unb wenn eS gilt, große Baffen gu bewegen, wie bei öielen anbern ©elegenheiten fehr nüfelid). — Bott ber 3Biffenfd)aft trug man baS SEBort Artillerie 2) auf fämmtlicße feßwere ©efcfeüfec übet, bie man cob lectio ebenfalls butd) baffelbe begeießnet. Über eingelne ©attungen ber ©cfcßufje wirb in befonbetn Artif. baS ff&thige gefagt werben. (©. aud) Batliffif, rabel, 35 i ft r u. a.) — Sie ©intheilung ber Artillerie in BelagetungS =, W- ffungS=, grobe ober fchwete unb leichte ober gelbartillerie begegnet feßon bie S3enen= tfrtiflerie 449 nung. (33gl. © e fcf)üfs.) Unbeflimmter ifl bie ©intLeitung in Sinictt =, *Poft'tionS- O unb JReferoeartillerie, obgleich man unter erflerer meifl aud) bie ®efd)ü(se oon Ieicf)= tetm Gatiber, bie, ben Sruppenabtpeilungen beigegeben, bie Sdjlacpt eröffnen unb aufber ganjen Sinie gebraust »erben, unter *PofttionSgefd)üf5 aber bie mehr jur Gntfdjeibung im £ritifd)en Moment anpwenbenben, unter SJeferoeavtillevie . bie unter einem ^Befehlshaber unb an einem fd)icflid)en Orte oereinten Batterien ,| begreift. Stets fütb bie fd)»eren SSatterien, meift aud) einige reitenbe, bei biefer [ gfeferoe beftnblicf). 3) SSerflept man unter Artillerie alle SHannfchaft, bie pr I fSebienung ber ©efdphe gebraud)t »irb, fo»ie alle ©inrichtungen bei berfelben. 3n biefem Sinne bilbet bie Artillerie, im ©egenfafs pm gupoolf unb ber Reiterei, bie britte SBaffengattung jebeä »ol)(eingetid)teten SpeereS. Oie innere ©invid)timg biefeö 3truppentl;eilö t)ier p erklären, ift wegen ber gropen 83erfd)iebenl)eit, bie V faji in allen (Staaten babei flattftnbet, unmoglid); bod) ftttb bie Artitleriflen überall I in Gompagnien, beren Stdrfe jebod) aud) oetfebieben ift, oertljeilt, unb 10, 1.2 bi$ 16 foldjer Gompagnien bilben eine SSrigabe ober ein Stegiment. ©benfo l;at man faft überall 2 $auptabtl)eitungen biefer Söaffe, namlid) gupartillerie unb reitenbe. Oie gupartillerie, bie ftd) pr reitenben gewöhnlich »ie 3 ober 4:1 retfjdlt, bat pr 58ebienung ber ©efcf)ü(se ßeute, bie nach Art ber Snfanterie be= raajfnet unb befleibet ftnb unb ben äJlatfd) p gup machen; bie 9Jtannfd)aft bei ber reitenben Artillerie ift bagegen beritten unb gleich ben ©aoaleriften bewaffnet, r Oer föortpeil bet [entern ift, bap fte fchnell oon einem fPunft p bem anbent, »o man ftepr ©ntfd)eibung bebatf, bewegt »erben unb ben geinb bort überrafdjen I fann. ©eit 1759, wo griebeid) ber ©rope bei CanbSput perft reitenbe Batterien II organiftrfe, hat biefe SBaffe ihre äweefmäpigfeit in jebem gelbpge mehr bewahrt. ]| SieÖftreicher unb, irren wir nicht, bie Skiern, haben als Surrogat berfelben j| einigen leichten Batterien SBagen beigegeben, bie nad) Art ber SBurftwagen einge-- :| rieptet ftnb, unb auf benen bie S3ebienungSmannfd)aft ber ©efdpfce benfelben nad)= I fahrt. 3n neuefter Seit hat felbfi bie leichte gupartillerie, wenigftenS bei ber pveup. t. 'tote, einen Sl)eit beS ©IjarafterS ber reitenben angenommen, inbem bie ©inrid)= i tung getroffen ift, bap fämmtlidje p einem ©efepüfs gehörige SDlannfcpaft tf)eilS | auf ben fPferben ber SSefpannung, tpeilS auf ber $>rope unb Saffette fPlafj pm Sipen ftnbet, unb eS fo möglich wirb, bap biefe ©efdpfce, minbeftenS furje Stre? \ den, mit berfelben Scpnelligfeit als bie reitenbe Artillerie jutücflegen fömten. 9J?an | hat baper auch ben Stuften ber reitenben Artillerie überhaupt angefocf)ten: ein | Streit, in ben einpgehen uns ber 9taum oerbietet. Söenn aud) bie innetn Ginrid)tungen ber Artillerie oerfchiebener Armeen höd)ft ungleich ftnb, fo ftnbet baS hoch nicht bei ben goberungen, bie man an jebe machen ; fann, jiatt, unb man barf nad) ber jeftigen AuSbilbung biefer Sßaffe oon jeber At= tillerie oetlangen, bap ihre ©efd)üße möglid)ft jWedmapig eingerichtet ftnb, b. h- mit ber gdpigfeit, weit unb richtig p fd)iepen, Seicptigfeit, Oauer unb SBoplfeil; heit öerbinben, bap bie SSefpannung gut, baS bap gehörige ©erdth p>ecfmdpig unb bauerhaft unb bie SJtannfcpaft mehr auSgebilbet fei als bie Solbaten anbret Truppengattungen, befonberS aber, bap bie Offtciete unbebingt eine auSgejeid)= nete wiffenfcpaftlidje S5i(bung beft'fjen mttffen. gertigfeit im Sd)iepen, Steffen unb SJlanoeuoriren, burd) befonbere Übungen erlangt, unb genaue SSefanntfcpaft mitmoglicpfl jweefmdpiger gertigung ber SOtunition oerfleht fich oon felbjl. Segt man biefen SÖtapftab bei SSeurtpeitung ber oerfchiebenen eufopaifepen Artillerie an, m fo ftnbet man, bap bie preupifdje ftd) burd) gute @inrid)tung ber ©efepüfse, I hodhflmogliche AuSbilbung ber Seute unb Offtciere unb fehr gute SSefpannung auS; idepnet, wenn aud) »egen ber entfd)iebenen Senbenj bet Sparfamfeit am ©efd)irr, wagen, furj, bem ganjen SPlateriale 9ttand)eS nidpt fo jut gefertigt ijl, alS eS wol feinfollte. Ähnliches gilt oon bem öflreid)ifd)en ®efd)tth»efen, an bem man I «ono^eer. Siebente llufl. Sb. I, f 29 450 2Crtifd)0cfe tfrufpej: bei ber auSgejeichnctfien2tuSbi(bung beSGotpS unb bei grop ec gertigfeit im Steffen bie wegen beS SBttnfdjeS ber 2eid)tigfeit ju furjen Drohte unb bie fdjwndje S3efp an= nung tabelt. Sn neuefiet 3eit foll ein ofitetd). DMetiercorpS, «on einem fibtifh lieutennnt 2ütgujtin commanbirt, wiffenfchaftlid) unb praftifd^ bie engl. Stafeten» werfer eingeljolt unb fogar überholt haben. Sie ru ffi f d) e 2frtitTerie jeichnet fid) burd) fdjone, 1811 neu gegoltene ©efchüpe, burd) oortrefflicheS Material unb eine, wenn aud) nid)t gelehrte, bod) jiitn gelbgebraud) t)intang[id> auSgebUbete SJtannfdjaft au«, ©te feuert rafd) unb gut, obgleid) ber ©tunbfah, bap ein2fr: tillerieofftcier, ber feine ©efdjüfee «ediert, baburd) entehrt ifi, unb bie ©rlaubnif, nad) oerfeuerter Munition baS ©d)lad)tfelb uetlaffen ju bütfen, oft ein ju oorftfy tigeS Benehmen unb übertrieben rafdjeö geuer «eranlapt. Sie fra n j 6 fi fdje 2Crtillerie tjat oon jeher benDtuf gtoper griffiger ©Übung behauptet, unb bio 9Qi(fen= fefjaft «erbanft itjr oiele Beteuerungen. Snbeffen t)inbert bie Grintidjtung, bajj nad) bem ©cfed)te ein befonberer Srain bie ©efcl)ü(se übernimmt, unb bieSt-- bienungSmannfchaft compagnieweife befonberS marfd)irt, bie 93eweglidjfeit bebern tenb, unb bie gemeinfd)afttid)e @tjiet)ung ber Sfftciere nad) einerlei ©runbfä|tit itt ben 2frtilleriefd)Uten gibt ihnen mehr fPebantifdjeS rücfftd)tlid) beS einmal fingt-- nommenen, als fonfl im feanj. dtjaraftec liegt. 3« ben lebten .Kriegen jcidjmtt fid) biefe Artillerie mehr burd) ÄriegSerfahrung unb fet>c gefd)icfte Benujsung beS SetrainS als burd) ausgebreitete ftjeoretifdje Äenntniffe aus. Sie englifdje 31 p tillerie hefigt baS fd)6nfie9Jiaterial unter allen; bod) ifi bieBebienungber@efcf)ü(t weniger gut, ba bie Artilleriefdjulen fd)led)ter als in anbern ©taaten ftnb, unb baS flrtilleriecorpS nur tobte SD?afd)ine ifi, bie baS Befohlene auSridjtet, wdfjtenb eine Gommiffion gelehrter Scanner in SSBoolwid) alle Steuerungen leitet unb gebie-- tet, alfo ben Äopf bilbet, wahrenb bie Artillerie felbfi ben .Körper auSmad)t. S8t< fanntlid) jeicljnet ftd) biefe ffrtillerie burd) bie ©rftnbung ber ßongreoe’fcben Di a f e t e n (f. b.) aus. Snbioibuell ftnb fie ben Briten baburd) nüfclid), bafj fit bie ©lefanten unb fPfetbe ihrer ©egner in Snbien leicht fd)eu machen, bap fte, in ©eegefedjten an bie Safelage beS geinbeS geworfen, bort fangen bleiben unb citl ©chaben anrid)ten, unb bap fte bei Befdpiepung von ©eefJabten bie SUforfer ent= beglich machen, bie auf ber ©ee wegen beS ©chwanfenS ber ©d)iffe fefjr unrichtig treffen unb bie legtern wegen beS ©topeS nach unten bebeutenb befdjdbigen. Sei ben Kriegen in Snbien führt bie engl. Artillerie leichte .Kanonen auf ©lefanten, bie gegen Dieiterei befonberS witffam ftnb. Sie fdd) fi f ch e Artillerie übertreibtfafibit uortcefflichfie ©inridjtung an ihren ©efchügen unb hat für bie 2Biffenfd)aft fetjr viel geleifiet. — Über bie ßiteratur ber Artillerie f. SO 1 ?ilitair li ter a tur. 32. AvttfchocBc (Cynara) , eine fPflanjengattung aus ber 19. ©affeSinne’«. Sie ©eftalt ifi bifieldhnlid), ber bauchige Äeld) befieht aus fleifd)tgen, nuSge* fchnitteneit, in eine ©pi|e auSlaufenben ©djuppen, bie badhjiegetartig übereinam ber liegen; bie Blümchen ftnb einanber gleid), unb bie ©amen idnglid) oiettiftg, mit platt aufftbenbet ^taarfrone. 9Wan hdlt Aften für baS Baterlanb. 93on btt gemeinen 3frtifd)ocfe (C. scolymus) , mit tfjeilS gefieberten, tbeilS ungetheilttn, jiemlid) fiacheligen Bldttern, eirunben Kelchfchuppen unb blauer ober weiper ©tu» the, fennt man 3 ©pielarten: bie grope englifche, bie fiadteltge unb bie glatte3ftti< feboefe, welche alle, oorttehmlid) aber bie leitete, in unfern ©arten als ein gefunbri unb wohlfchmedenbeS ©ernüfe gejogen werben. Ser eigentlid) epbate 2f)ti( ift ber biefe fleifd)ige Blumenboben. Sie Vermehrung gefchiefjt am beften butd) 216* leger non ben ffSurjelfproffen im SOtdrj. Ser oiele ©iweip s unb Sucferftoff btt 'Pflmje mad)t fte fefjt nahrhaft, befonberS für Kranfe. 3h r flüchtige« ! Pn 1,t 'P beförbert ihre Berbaulid)feit. 2ftunheliantfchet SOiarmor, f. SJiarmordtronif. 2(rufpep (#atufpep, unb in bec SJüehtjahl -öatitfpice«) waren bei ben 2Crjneifunbe 3frjt 451 »Jimet'tt gctviffe (Priefler, welche au« ben Dpfettfieren unb ben UingeWeiben bei* fctben bie 3 ufunfi 5 « erforfdjen uorgaben. Äuperbem achteten fte aud) auf bic i [ tat Spfet begleitenben Umjldnbe unb roeiffagten barau«, 5 . S3. au« ber Stamme, j ‘ bem (Rauch, bem Betragen be« Dpferthiere« ic. @ie (lammten au« .fjettutien, nmtben oon (Romutu« in (Rom eingeführt unb bedielten ttjv ?lnfcfjen bi« auf ben laifer Äonflantin (337 n. Gf)r.), ber aKe SBafjrfagerei bei Sobeöflrafe »erbot, gfjte Tfnjafjt belief ftd) julefjt auf 70; it)r Borftefer hiep Sumnms aruspex ober Magister publicus. 2h}nctfunbe, 1) bie Summe »on&enntniffen,beren ber-ifrjt bebarf, um tenfbeiten ihrem ©ntfleljen, Bertauf unb 2 lu«gang nach richtig ju ernennen, »on nnbern ju unterfd)eiben unb ju bebanbetn, um fie ju beiten ober boeb ju tinbern; 2 ) im engem ©inne bie Äenntniffe ber ^frjneien unb ihre 'dnwenbung auf ben f tan- fen Äorper. (©. KR e b i c i n unb Äurt Sprenget’« in« Stans, unb Stal, überf. „löerf. 1 . peagmatifdjen ©efch. ber 2CrjneiCunbe", 5 SEbte., 3.31., £alle 1821—28). 2lrjt, Derjenige, welcher imBeft'h aller sur ©rhaltung ber©efunbbeit unb Jlbivebrung ober ©rfenntnip unb Teilung ber Äranfbeit gehörigen 5Biffenfcf)aften unb ber Äunflfertigfeit fte anjuwenben i(l. Der Befife ber ^eitmiffenfebaft allein 7 maeft ben tbeoretifeben, ber Übergang be« SEBiffen« in wirtliche« -Seiten, oberbod) if ba« ©treten nad> biefem 3iele, ben praftifdjen 2(rst, ben «fpeitfünflter. Der wahre jt Jltjt in biefem ©inne mujj atfo nicht blop im Beftfse ber ^eitwiffenfebaft, fonbern aud; ber #eitfunfl fein. Beibe (leben in gleichem Berf)ältnif, wie ÜBiffenfchaft unb Äun(l (im f) 6 f)ecn ©inne) überhaupt. SBiffenfcfaft erseugt unb leitet bie Sbee, flunft fuebt ,biefe in ber 2Birf'lid)feit berju(lel(en. Die Äun(l mup ba, wo bie ffiiffenfchaft nur allgemeine ©efefje angibt, bie (Regeln für ben bejlimmten Sali ■« fetbfi erfi'nben, taotjuglicf) in ben Salleft, wo ber Berftanb nicht nach einfachen unb } ganj heflimmten ©runbfdften, fonbern nach üielen sufammengefegten unb »erdn= f berlidjen Umflanben fd)liefen, wo er ftd) (latt bet ©ewifbeit oft mit 2Bat)tfchem= lichfeit begnügen mup. Die Äunfl beruht bemnad) auf ©enie, at« bem böd)(len ©rabe fetbflfdjaffenber @ei|le«t[)dtigfeit überhaupt, ober bem barmonifd)en SSerein ton torsüglicbem Berftanb unb tbdtiger @nbitbung«fraft, at« ©cbopferin neuer Sbeen. @egen(lanb ber dpeittunjl i(l ber SRenfcf) al« lehenbe« getflige« SBefen, unb ttclcbe unenbticbe SRannigfaltigfeit beut bie Snbitribualitat ber SRenfdien bar, »eiche 8 Serfd)iebenbeit im ©tanbe ber ©efunbbeit, welche 3fbweid)ungen »on biefem ©tanbe, burd) 2 llter, ©efdhlecbt, dupece ©inptüffe, innere ©ei(le«bewegungen , L beftimmt. $ier gibt bie SBiffenfchaft bem Berjtanbe nur wenige beftimmte, aber | i befio mehr fdjwanfenbe, bebingte, jufammengefehte ©runbfafse; in »otlem SRafe | i mup bie Äraft, au« bem gegebenen Befannten ba« SSerborgene su ftnben, bie | ( Stabe ber SSBahrfcheintichfeit ju meffen unb fdjnell ba« (Richtige su be(limmen, b^* i; »ottreten. Die - 6 eitlun(l erfobert atfo ebenfowot ©enie at« bie Äunfl überhaupt, H juoar in ttotjüglidjem ©rabe, weil ba« Selb ber SBiffenfdjaft hier fd)on fo grof, ; bet Spielraum ber Äunft aber unermeplid) ifl. Die Anlage sum 2frst beruht aber ü uid)t fowol auf ©enie im gewöhnlichen ©inne unb auf einer »orwaltenben befon* * betn Sertigfeit ober ©eifle«fäbigfeit, fonbern »ielmebr auf höherer ©enialität, auf t bem SSerein aller ©eifle«fräfte in »orsügtichem ©rabe, befonber« be« (ßerflanbe« ■, unb ber ©nbi(bung«fraft. Sn (Rücffid)t be« erftern mup ber 2 frjt phtlofophifche«, 7 - in (Rucfftcht be« sweiten bicf)terifd)e« ©enie befi'ben. Der philofophifd)e @ei(l führt i ^ e n 3(rjt oon bem Sichtbaren auf ba« (öerborgene, t>on guten Beobachtungen auf .7 richtige ©d)lü(fe unb enblid) su allgemeinen ©runblagen. Da« Dichtergenie seigt jcV ^ ^. c ' ^ em ^ r ä tc baburd), bap er, wo bie 5Bi(fenfchaft für ben befonbern Salt nicht || *eid)t, butch felbflfcl)affertbe Shdtigfeit ber €inbilbung«fraft ft'ch ba« ( 8 itb bec || «anfheit entwirft, neue Sbeenoerbinbungen fchafft, nidyt nad) bem 2 ehrbud)e ®i(fenfchaft, fonbern für ba« Snbittibuum ben Zeitplan fdmeü entwirft. SBai ' 29 * 452 Ärjt bte 2(ubbilbung beb 2frgteb betrifft, fo begiept fte fiep auf Erlernung bet SBiffettr fcpaft unb Übung ber Äunft. Sie crfletc erfobert bic Einfammlung aller gut 9B» : bicin (f. b.) gehörigen Äenntniffe. Äein SEt>ciI bet 2frgneifunbe unb feine iijter ^ülfbwiffenfcpaften batf bauen aubgefcploffen werben, wenn nicht eine £u, be« Änea« unb bet Ärcufa ©obn, «erlief an bet$anb fein« SöatetS ba« brennenbe SEroja ff. Änea«) unb Eam mit i£)m nad) Stalien. $i et tebtete et au« UnnorftebtigEeit einen ben Äinbern be« 3g)tt£)euS gehörigen ^itfd), unb »erwitfelte baburd) feinen 93ater in einen Ärieg, bet biefem ba« Sieben fofiete. ■ I Gr übernahm batauf bie [Regierung. Al« aber Sauinia, beö Änea« jweite ®( S mafjlin, halb nad) be« 93aterS Sobe «on einem ©ohne entbunben warb unb au« gurd)t »ot A. in bie SBalbet flof), lief et fte jutuefführen, ubergab it)t fteituiilig ba« »dterlicbe 9feid) unb ging mit feinen Anfängern tiefet in ba« Sanb, tto I et bie ©tabt Albalonga erbaute unb ein eigne« Oleid) jliftete, welche« jebodf) nad) j» feinem £obe mit bem lateinifeben, ba« bet Saoinia ©ol>n ©ploiu« bef>etcfd)te, l Bereinigt warb. 2Cfcenbenten, aufjleigenbe 2inie, f. Abfietgenbe fiinie. j Afcenfion, f. Auffleigung. I Afcenfion, ©t. =, Jpet. SRan legte eine ©träfe an unb baute eine ©ebanje. 1821 befd)lof bie [Regierung, biefen SRilitairpofien aud) ferner }u unterhalten. A f c e t e n nannte man ju alten Seiten in ber d)riftticben .Sirdje biejenigert fPetfoneit, welche ftcb fitenger Übungen in ber grömmigEeit befleifigten unb fid) bureb Gntbaltung «on finnlidjen ©enüffen unb burd) willEürlicbe 93üfungen »ot bem grofett Raufen au«ju 5 eid)nen fudjten; bal>er Grbauung«fd)riften, roeldje jur Übung be« ©eiffe« in bet grömmigEeit Anleitung geben, afcetifrfjc ©ebriften beifen. ©cbon «or C5t)rifluö unb ju ben .Beiten ber erften djrifilidien Äircbe gab e« in einem ähnlichen ©tnnc jübifebe A f c e t en (f. G f f d et) unb beibnifebe unter ben 9)biiofoh^ n ©riecbenlanb«, befonber« unter ben ^latoniEern. ©et Au«brucf Afcet ifl «on bem gried). AfEeft«, Übung, entlehnt, welcher bei ben alten ©tiedjen «on bet biatetifeben ©trenge ber Athleten gebraucht würbe, bie ftcb, «m beflöge» fchicEter ju ben Äampffpielen ju fein, »ielet ©enüffe enthalten muften. Über ben (5£)rtcafter ber d)tiftlid)en Afceten unb bie 9feligion«anftd)t, bie fte leitete, »ergl. * ©nofi«, ^eilige, SR6nch«wefcn. E. [ Afdjaffenbuvg, ba« «on bett fRömern angelegte Asciburgum, je|t 2anbgericf)t unb ©tabt im bairifdbenUntermainEteife mit 750dp. unb 6200®., o*" \ 9Rain unb Afchaff, war «ormai« mit feinem ©ebiete Eucmainjifd) unb ber aufentbalt be« mainjer Äurfürflen, in einer fo fd)önen ©egenb unb mit einem fo febönen ©d)ioffe, baf ©uflao Abolfoon ©cbweben, ber eö bei feinem 3uge nach bem [Rhein in SBefih nahm, ftd) wünfehte, fo Id) e« nad) ©djweben an ben SUdferfee ; mitber Au«ftd)t jaubern ju Eönnen. 02ad) bep Au^ofung be« fucmain,iifd)en 1801, würbe Afd)affenburg ber©ommerfi'h beSgurflen 9)rima«, nad)be«gen @rof- 455 ‘2Cfd)e tfcffineS »en granffutt. — 25a« im S3iccecf angelegte ©d)lo§ tjat eine 2iu«ft'dit in ba« 58ad)gau, in ba«©rofßetjogtßum.£>effen unb benSDtain ßinab naeß granffutt. T){n ehemaligen Äurfurften oerbanft e« fein gut botirte« ^ofpital, bem nerftorb. ® r0 ^etjog fein gorfilcßrinfiitut (jeßt fftationalforfclcßranftalt für ganj Saietn), bet bairifdjen ^Regierung, bafj e« jeßt ©iß eine« 2anbgerid)t«, eine« [Rentamt«, eine« Ätei«gericßt« unb eine« fPoIijeicommiffariat« ift, bergemeinfcßaftlicßenSür-- forge feinet oormaligen geiftlicßen Regierung unb ber jeßigen bairifcßeti, bie, fraft bet Übertragung Dftreicß« an Saicrn 1814, al« Sßeil bet (Sntfd)dbigung fit beffen Abtretungen am Snn, in Salzburg unb Sirol je., bet grojjßerjoglid) franffurtifdien folgte, ein rooßleingericßtete« Spceum, ©pmnafium, geifil. ©eminarium, 3nfti= " tut ber engl, grduleiit für bie ßcgießung bet roeibl. Sugenb, pßclloplaftifdje« Gabi= ■ „et, eine 3eid)nen= unb 9J?obelIirfd)ule, Sibliotßef unb ©emdlbefammlung. Da 1 man hier rooßlfeil lebt, fo haben ft'cß »iele penftonirte ©taat«biener bafelbfi ntebet= gelaffen. — Da« Surft entß um Äfcßaffenburg entftanb au« bem Sicebomamte Afcßaffenburg unb »erfd)iebenen eßemal« mainjifeßen Ämtern, au« bem 2fmt Dtb unb bem roürjburgifdjen Ämte Äuta im ©inngrunb. 3mei ßertlicße SBalbungcn, 1 ©peffart unb Sbenmalb, liegen im gurftentßum mit ißrem ^auptumfange unb erlangten eine militairifeße SD?erfroürbigfeit, al« bet greißerr Älbini roibet bie am ; ®ain oorbringenben granjofen ben gtofen Sauernauffianb im Sanbfturm fdjnelt ; unb mit dt folg erganifirte. Äfcße, bet feuerbefidnbige, meßt ober weniger weif ließe ober roeifjgraue SKttcffianb, bet nad) bem oöüigen Setbrennen otganifdret Äötpet übrig bleibt unb i uidjt meßr gefeßieft ift, ba« geuet ju unterhalten. Die Seftanbtßeile bet Äfcße finb, befonber« in dbinft'cßt auf 3ufammenfeßung unb@eßalt, nad) ben uetfd)iebe= itenÄdrpetn, au« benen fte ßerrüßrt, uerfdiieben. Die^Oflanjenafcße befteßt oor^ S neßmlicß au« erbigen unb faljigen SDßeilen, roelcße leßtere man butcb ba« Äu«-- (augen abfonbern bann unb oegetabilifcße« ober fPflanjenalfali nennt. 3e fefter unb bid)ter gemebt eine ^oljart ift, um fo meßr Älfaligibt fte; mancßeÄrdu= ; («geben jebod) meßt al« bie Saume, unb ba« afiige gattenbraut gibt am meifien. Se ttotfener bie ©crodcßfe geworben, befro weniger liefern fte. Da« fPflanjenalfali fuf)tt immer Äoßtenfdure bei ft'd). 6« ift baßer um fo aßenber, je grofjer bie $iße trat, itt roelcßet bie 21fdie entftanb, unb je anßaltenber unb ftdrfer bie Setfalfung be« Jflfali« gefdjaß. Sollig reinigen oon allen frembartigen ©ubfiangen bann man e«nurburd) Ärpftallifation. (Sgl. ipottafeße.) Son gang anbret Sefcßaffenßeit ift bie tßierifeße Äfcße, befonber« bie au« Änocßen geroonnene. 3ßt bleibt ein ge-- »iffet innerer 3ufammenßang; fte entßdlt feine ©aljtßeile, fonbern neben bec ffalfetbe nod) eine eigentßftmlicße ©dure, bie ben fJtamen *Pßo«pßorfdute fößrt. — ©er ©ebraueß ber ^toljafcße ift bebanntlicß feßr groß. ©eifenfteber, Sleicßcr ; u. f. tu. »erbraudien fte in ttngeßeurer Stenge. Äucß gibt fte ein treffließe« Dun* : gungSmittcl ab. Äfcßenfrug, f. Urne. Äfcßermittroocß, ber erfte Sag ber oieqigtdgigen gaffen, roelcße bie £ tbmifeße fiircße bürg nor Sjfem ßdlt. @r ßat biefen Flamen oon bet alten ©erooßn; f ßeit erßalten, ft'd) mit Äfcße ju beflreuen, roelcße« an bie Sufe im ©taub unb in bet 21fcße ecinnertt foll. ®tan pflegte normal« an biefem Sage ju beießten, Fafleietc ft'd) bie gafiett ßittbureß unb ging ßierauf ju Dftern jum Äbenbmaßl. Ä f cß t n e 8, ein berüßmter 9?ebnet ju 2ftßen, geb. um 393, geft. um 323 b. Eßr., brad)te, al« ber ©oßn armer Ältern, feine Sugenb unter bem fpibel ju, mit betn er umßerjog unb an beffen ßfaufeleien, befonber« bei ben S3accßu«feften, Sfieilnaßm. Durcß ben erßaltenen Seifall ermuntert, roarb er ©diaufpieler, er= langte ba« Sürgerrecßt, mifeßte fieß in bie ©taat«ange!egenßeiten, ßdrte ben iptato «ttb Sfofratp® unb roetteiferte halb al« Sfpbner mit Demoftßene«, ben er jeboeß an 456 #fd)9luS ■Straft unb Kachbruck nid)t erreichte, fo »ottheilfjaft er fiel) auef) butcf) glacfUdje SBatjt bet Sßorte, bitccf) 9?etdf)tt>um unb Deutlichkeit bev ©ebanken ausjeichnete. Xlttnalig »etlot er bie ©unff bcö 23olkS itnb fluchtete nach 9fl)obuS unb Samos wo er bi$ an fein ©nbe r()etorifdf>en Unterricht erteilte. SBit haben »on ihm noch 3 Sieben unb 12 S3riefc. Sie flehen in ben Sammlungen non XtbuS, Stephanus unb Sreiske (3. u. 4. 23b.). — XfdjineS, berPhitofoph, ebenfalls auSXthen, bet jum Unterfchiebc »on jenem auch bet Sokratifche genannt mirb, mar ein armer Schüler beS SofrateS. Söir beft'hen unter feinem Flamen nod) 3 ©efptäd)e: „SJ M bet Sugenb", „23om 9icid)thum" unb „33om Sobe", metche jebod) eine fitengere Äritif ihm abfpricht. S3efte XuSg. non 3. 8- Sifdjet, Seipjig 1786. X f ch h l u £, ber SSater beS hohem griechifchen SrauerfpielS, geh. im 3. ober 4. 3- ber 63. Dlpmp. (525 u. ©ht.) ju ©leuftS in Xttika non eblem Stamm. SSon feinen SebenSumftdnben haben mir mangelhafte unb unficherc Siadjridjten. (S t focht in ben glorreichen Schlachten »on Marathon unb Salamis, fah bie Kiefern f mad)t beS DatiuS unb BberjreS untergehen unb mar begeiffert oon bem ffoljen unb ! freubigen ©efühl ber geretteten Freiheit. 5Jiit biefer hohen SSegeifferung bidjtete er i feine Sragobien, in melchen et nach ben rohen Anfängen beS 5£l)eSpiS juerjf bie tra= f gifdje Äunft ju einer mürbigen ©eftalt erhob, fobafi er als ber mähte Schöpfer ber= felbenju betrachten ijf. Sn sollet Stufung (fagtX. Sffl. Schlegel), roie Palla« au« > bem Raupte beS Jupiter, fprang bie Stagobie aus bem feinigen hetoor. ©t befiel-- i ■ beteftemürbig unb gab ihr einen angemeffenen Schauplaft; er erfanb ben fcenifchett Pomp, er belehrte ben ©hör im ©cfang unb SEanj unb trat felbji als Schaufpielet I. auf. ©r entfaltete perji ben Dialog unb befchranfte ben Iprifchen Sheil ber Sragf bie, ber jebod) bei ihm oft noch einen P großen Kaum einnimmt. Die dfjaraftere entmarf er mit menigen kühnen unb ftarfen 3ügen. Seine plane ffnb dujjerff ein= fad), aber großartig. 93ermickelungen unb Xuflofungen kennt er nicht. Xlle feine Dichtungen offenbaren ein hohes unb ernffeS ©emütl). Sfidjt bie fanftereSiuhrunij, baS Schrccfen hetrfdjt bei ihm; baS Haupt bet Pfebufa mirb bem erffarrenben 3u= fchauet entgegengehalten. Seine 23ehanblung beS Sd)icffalS ifl äußerjt herb; in feiner ganjen büffern Herrlichkeit fchmebt es über ben Sterblichen. Der kotl)um beS X. hat gleichfam ein ehernes ®emid)t; lauter riefenhafte ©cftalten fchteiten : barauf einher. ©S fchetnt ihm fafi Überminbung jit foffen, bloße Pfenfdjen ju | fd)tlbern; ©Otter laßt et häufig auftreten, am liebffen Sutanen, jene altern ©öfter, meldjc bie buntein Urkräfte ber Statur bebeuten unb uorldngff in ben SartaruS, unter bie heiter georbnete SQelt hinabgeftoßen finb. Stad) bem Ptaße feinet petfcs nen fud)t er bie Sprache felbff, bie fte fuhren, riefenmdßig anjufdjmellen. Daraus entjfehen fd)toffe Bufammenfefsungen, überlaben mit 23eimorten, im Cprifchen oft 93erfd)lungenheit ber SBortfügungen unb große Dunkelheit. 3« bot Xbenteuerlid;s keit unb ©ranbiofttdt feiner SSilber unb XuSbrücke gleicht er bem Dante unb ©h fl i ; fpeare. 2Bit beftfsen »on feinen Sragobien, beren ©efammtjahl auf 70, »on Xt= betn fogat auf 90 angegeben mirb, nur nod) 7; aber unter biefen, nad) bem 3eugniffe ber Xlten, einige feinet »orjüglichffen SBerke. Sic finb: „Dergefeffelte Prometheus", „Die fteben Heerführer gegen She&en", „DiePerfct", „2(gamem= j non", „Die©hoephoren", „Die ©umeniben" unb „Die Schubflehenben". 5Kif ; * »ergnügt, geringere Stücke ben (einigen »orgejogen }U fef)en, unb namentlich übet ben Sieg beS jungen Sophokles, nad) Xnbetn aber mahrfcheinlidjer, roeil man ihn ber Sfrreligiofttdt anklagte, »erlief X. fein SSaterlanb unb begab ftch nad) Siciliett, mo ihn ber ifonig Hiero fehr eljrenöoll aufnahm, unb er 456 ». 6l)t. in einem 70jaf>rigen 20ter jfatb. Die gefd)dhtejfen 2fuSg. feiner Süetfe ftnb: £onbon 1663 unb 1664, in Sol., »on Stanlet); H fl ag 1745,2 S3be. in 4., »on Pam; u. ^all? 1809—21, 5 23be. (3. 2fufl.), »on Sd)üg. ©injelne Stüde haben u. X auSgeg. 23runcf, Hetmann, 23lomftelb u. X. m. ©ine genügenbe Überf. f. £ [Ä; tffeit 2Cftatifrf)e ©cfcöfdjaften unb SRufecit 457 qobten wi*> n im fetet Sprache noch nid)t. Die Sßctfud)c^on gr. 2. ©tafen »im ©tolbeig, Sonj unb SB.». Jjumbolbt »«bienen jeboef) Srwdhnung. Die erften SBdnbe einer 2(itggabe beg 2(fcht)lug mit einem Gommentar »on 2fug. 2afontaine (feit 1822) »etbienen »egen beg nad) ganj neuen ©runbfafsen »eranberten S£epteg S5eadf)tung. 2£fcn, f. 9lorbifd)e Sftpthologie. 2(§hanti, ein friegerifd^eö fftegetoolf unweit unb auf bec ©olbfuflc »on Guinea, in bec 9?at>e bec britifd)en fftieberlaffung Gape=Goaft=Gaft(e auf Sierra* Seone, 75 Streiten »on ©eorg be ta SKina, bag wir butd) SSowbicfj’g „Mission from Cspe-Coast-Castle to Ashantee" (2onb. 1819), bann butd) 3of. Dupuig’g „ Journ. ofaresidence in Ashantee" (2onb. 1824), fomie butd) ben morbetifdjen Ätieg beffelben im 3.1824 mit ben SSriten, in welchem bet ©ouoerneuc bet genannten brit. Golonie, ©enetal 3J?accatti)p, bag 2eben uerior, fernten gelernt haben. Dag 3?eid) bet 7fSt>anti t»atb »oc etwa 100 Sagten butd) einen glüeflidjen Stöberet auf eine 2frt lel)nf)crtlid)er SSerhdltniffe gegrünbet. St f>at fid) »on 6 — 9° SSt. unb bi$ ju 20° 2. big jum gluffe 33olta auggebreitet. Der SBohnftfc beg Äonigg ift Äu* maffi. Dag ©efeg erlaubt ifjm 3333 SBeiber, ba auf biefer mpffifdjen 3af)l bag 2Bof)l bet Nation becutft. 3fn feinem ©tabe werben feine Äammerbiener unb Jpof= bebienten, übet 100, gefd)(ad)tet, bamit er mit einem ftanbegmafigen ©efolge in bet Unterwelt anbomme. 50?ef)re fftegerftaaten untet eignen gitcften ftnb »on if>m nbfjangig. 3fgf>anti felbft (660 D?07. mit 1 9J?ill. Sin»».) ift ein Stjeil »on SBan* gara, tag auf er jenem nod) 2 Staaten enthält: Dahome unb bag mächtige 33c= nin, bejfen Äonig 200,000 in ben .Stieg fügten fann. Dag frudjtbare SSenin ift in bet ©efittung weiter »orgerüeft als Jfgfjanti. 2Cfiatifdt)c ©efellfc&aften unb Sftufccn, gelehrte 33ereine jut Scforfcbung unb Sammlung aller auf 2(ffeng ©efd;id)te, 92atur =, 2dnbet= unb Söölfetfunbe ftd) bcjieljenben 9fad)tid)ten. Die 3 grofen SScreinigunggpunfte für bie Grforfdjung TfffcnS ftnb 2onbon, fParig unb fPcteigburg. Die Royal asiatic society of Great-Britain and Ireland jdflt 300 SJiitgl., fPrdftbent ift SBpnn, BirectorGolebcoofe. Solebtoofe fatte fte geftiftetunb ben 19.9Kdrj 1823 eröffnet, ©iegtbt „Transactions" fjccattg (2onbon 1824, Vol. 1, 4.). Ähnliche ®efellfd)af= ten fahen ftd) in Elften felbft ju Salcutta (»on beten „Asiatic Researches" 1825 bet 15. 33b., 4., ju Setampuc erfebien), SSombat) unb SSencoolen gebilbet. Seit fflill.Soneg bie gelehrte ©efellfd). in Salcutta (1784) grünbete, f>at bie Stfotfd)ttng bet aftatifdjen 2itetatut 9iiefenfd)titte gethan. Den Sramanen warb bag ©ef)cim= nif ihrer Sangccitlitetatuc enttiffen, unb if)t Bufammenfjang mit bet gtied)ifd)en aufet Bweifel gefept. Die wid)tigfien ^ülfgmittel jum genauem Stubium bet atabifefen unb petftfdjen Sprache unb ifjret Sdjriftffellet würben butd) ben Dtttcf be!anntgemad)t; bie afiatifdje Spracfenfunbe erhielt eine gtofere 2fugbcf)nung; felbft bie ftneftfdje 2iteratur trat aug ifjret 93etborgenf>eif f)et»or. — Die Societe asiatique ju fPatig warb 1822 »on einigen ©elefjrten gefiiftet. Sfrenootftanb ift bet ^etjog »on Stleang. Sie eroffnete if)te Sifsttngen ben 21.Äptil 1823, nad)* bern fte fdjon im 3uli 1822 bie Jpcrauggabe beg „Journal asiatique, ou rccucil de memoircs, d’cxtraits ct de notices relatifs ä l’histoire, ä la philosophie, aux Sciences, ä la Iitterature ct aux Iangues des peuples orientaux" begon* nen batte. Det 2. S5anb erfdiien 1823. Dag bamit »erbunbene SOtufeum würbe 1823 errieftet. Die »otnebmften SJlitglieber unb Jjetauggeber jeneg Sotttnalg ftnb , Socquebcrt, be 9)?ont6tet, Degeranbo, gautiel, ©rangeret, be 2agtange, 4>en Hip pen = unb bem tungufifchen ober od)o§rifd)en ©eere); oontffrifa burch ba«am= btfche ©eer (mit bem petftfcben ©olf) unb ben arabifd)en SSufett ober ba« rottjeÄo> rallenmeer mit ber Sobebpforte; oon ©utopa burd) bcnSSufen oon 2(fom mit bet Strafe oonÄaffa, burd) ba« fchwarje ©eer mit bem 33o«poru«, bem ©amiot= meere unb ben Darbanellen, unb burd) ben gtieef). 2(rdiipe(agu8 Dagegen iff e« oerbunbett mit Jlfrifa burd) bie um ben Sinai herumgelagerten Steppen ber 2anb= enge oon Suez, unb mit (Europa (fei« zur Dfifee hin) burd) bie große ©afferjlrajje ber SBolga, t»eld)e nebft bem Ural in ben Ea«pifd)en See fallt, fotoie burch ben gelfengürtel (wie ihn bie SEataren nennen) be« Ural unb ber ©erchoturen, ber ftch unter 77° 9f. S3r. auf 9iooaja Semlja erhebt, bie ©olgaebene oon bem bofem 3?lad)lanbe Sibirien fcheibet unb burd) einen 31 ft, ben fleinen erzreichen 2fltai, ft'd) an $odf)afien anfd) lieft. 2fften« glachenraum — 768,000 □©. — ber ft'd) rora 43 " 33 ' bi« jum 207° 40' D. S. unb oom 9° S. 85r. bi« jum 78° 9?. S3r., in ber groften SSreite 900 ©eilen unb in ber groften Sange 1750 ©. weit attdbefnt, übertrifft ben oon Europa 4 ©a(. ©an unterfdteibet a) Sübaftett ©atolicn, 31tmenien, Äurbifian, Sprien, Arabien, Werften, Snbien, Dftinbien, Siam, ©alacca, 21nnam, £unfin, ©od)ind)ina, Sao«, ©amboja, ©hin«/ 3«pan); b) ©ittel= ober -föochafien (Haufafu«, SEatarei, 85ud)arei, ©ongolei, SEungufien); unb c) 9iorb= ober 9fuffifd)aftcn (oom 44° 97 S5r. an, Äafan, 21ffrad)an, Stern bürg, Huban, Äabatba, ©eorgien, Smirete, Sibirien mit bemTflpenlanbeDau-- rien unb Äamtfdjatfa). — Die ©itte biefe« ©elttheil«, wahrfcheinlid) ber ciltefc Sanbrficfen unfer« ©rbförper«, hrift -fi)od)aften. ^ier bilbet ber S5ogbo (b. i. bie majeflatifche ^>ohe be«l2(!tai) ben ©ittelpunft aller ©ebitge. 23on bem notblidjen unb fttblid)en SSergranbe biefe« höchften unb groften föinnenlanbe« ber ©rbe (mit ber 400 Stunben langen unb 100 St. breiten, naeften, bürren unb wüfien, halb oon ©lutwinben, halb oon ©interfiürmen fetbfi im Sommer heimgefud)ten S3erg= ebene Äobi ober Sd)amo an ©h' 11 « 6 norblicher ©renje), ba« nur Steppenflüffe unb Sanbfeen (fa«pifd)e« ©eer, 3ftal = , S3aifal= unb mehre 3(lpenfeen) hat, jogenbie erften Stamme ber üBolüer, bem Saufe ber Strome in 4 ^)auptabbachung8linien (9?orb =, Dfi =, Süb = unb Söeftaffen) folgenb, nach allen ©eltgegenbeit au«, ©enigffen« weift bie ©urjeloerwanbtfchaft ber inbifdien, mebifchen, perftfeheu, flawifchen, griechifchen unb germanifdien Stammfpracfen auf ba« weftlidje ^)od;= aften ober Sran hin. 3ene Roheit, bereit Spieen auf bem dp i m a l a t) it (f- b ) ( 35 ° 9f. 33r.) bi« 27,677 engl. Suf anfteigen foll, erreidjten bie gewaltigen glttten nicht, welche oom Süben her, wo fie an bem ©ap ©omorin unb an bem 6ap 9ü> ! mania ftch brachen, nach bem 9)orben ju, wo ba« Dftcap im Dften, Äfchufotdfon *flof im 9forbojfen, unb ba« @i«cap im ©ißmeere bie auf erften Spihen be« S# anbf« würben, bie pfiffe umfloffen. Dagegen zeigen bie Unfein int Dfien (3«» 459 3Cftcn «an, bie Kurilen, bleuten, gotmofa, -fjapnan unb l l iqueo«infetn) unb im ©üb= (©ofotorah, Srmu« u. a.), torjügtid) bie di(anb«gtuppen ju beiben ©ei» ttnbe«Äquator« (f. Snbien) unb bie-fbatbinfeln (KamtfcfatEa, Korea, föotber» unb #mtetinbien, Stabten) fichtbare ©puren ber Setfiötung be« gefitanbe« bet Ur= we (( fcutd) ©affet unb geuer. Sähet im Snnern, an ben Küften unb torjügtid) nuf ben Snfeln fo niete ausgebrannte unb nod) raudjenbe SJutfanc! Sa« innere eröffnet ein ungeheure« ©ebiet für ben wiffenfchafttichen dntbecfungStrieb eine« Aiimbolbt. Senn nod) ffnb (feit SBarco fPoto) nicht genau erforfdjt bie Öuelten» * punfte fajt alter gropen ©tromthaler biefeS ©etttheit« in ben Sergtänbern -jpod;» 1 apen«; bie füblichen Stiefenfüften be« SRuffart, SRuftag (Smau«) unb be« inbi* fd)en, 30,000 □©. gropen Älpentanbe« (SEibet, S3utan, CRepal, Afcfam k.), mit ben ©djneegipfetn be« -fjinbubufcb (SPatopamifu«), Seturtag, Äentaiffe unb be« $imalapa; unb ber nörbtiche .fjöhenjug be« Altai, ber im SRorbofien an ba« ÄönigSgebirge Äangai (Sfchingi«=Khan8 unb ber SRantfcfu heilige«, tom chinef. laifer ÄiemSong befungene« ©tammtanb) ftopt, ba« nach -Korea unb Sapan hin fortfe|t; tno non jenem fübtidjen Atpengürtet bie heiligen ©trome ber -frinbu«, bet Suramputer, ©ange« unb Snbit«, fowie im Sften bie weniger bekannten ©trom» teilet be« Stawatti, 9Renam, Sufian unb 5DZenam=Äom (ober dambobfefa), unb im SBeften ber © u p h t a t unb JE i g r i 8 (f. b.), fdmmtlid) nach ©üben in bie gro« fjtn SSufen be« inbifdjen SReer« ihren £auf nehmen; wo ton biefem nörbtidjen A(= penfraitje ber Sb, Senifei, £ena u. a. m. norbwärt« in ba« diSmeet jitömen; non 1 beiben aber oftwdrt« bie ©tromgebiete be« Amur, -£>oangt)o unb Santfebian in bie Grinbuebtungen be« öfitiefen ober füllen 9Reer« fich fenfen, unb wejiwdrt« ber ©i= j hon (ober 2fmu, bet atte £>ru«) unb ber ©ir=Satja (ober ©ifun, bet alte Sarar= j te«) in ben 3fralfce fliepen. gapt ebenfo wenig fennt man bie wepttichen ©ebirgS« j pöcte, in fRatolien ben £auru« unb in Armenien ben 2frarat, in beten 9tdf)e ber j ©uphrat unb SEigri«, bie atte ©renje ber römifdjen Sriumppe, ihre ©affet fam» | mein. Sefamtter ffnb feit futjem erft jene gclfenpforfen, au« welchen Aften du= ropa betölfette, bie 33ergtf)d(et be« Kaufafu«, au« beren ©chope bet Kuban in ba« fdjttatje, unb ber 2Cra« (2frape8) mit bem Kur in ba« faSpifcpe ©eer firömen. Sie Statur hat in äfften atte ©dja&e ber drbe aufgettjan; bie reichten in Sn« bien; übrigen« ifi bie gütte ihrer ©djopfung in einer fortgehenben ©tufenteiter butcii alte 3 drbgürtel oertheilt. Sn bem heipen, ber butd) feine ©tut bie spflan» jenfdfteju ©ewütj, S3atfam, 3ucfer unb daffee oerebett, mit benen Afien ©efi« inbien bereicherte, erheben ftcb bie Halmen (©ago =, doco« =, Sattel =, @d)itm= patme (bi« ju einer -£6he oon 200 gup; hift tust ber weipe dtefant über alte @du> getpiere empor, unb au« Snbien fam ber ©eibenwurm nach duropa. Sn feinem @d)ope birgt biefet dtbfftid) bie fdionffen Siamanten, bie reinfien perlen, ba« felnpe ©olb, ba« beffe Sinn u. f. w. Sn bem gemapigten drbgürtel, bet unferm ffielttheit bie 2fbfenfer jener erquictenben ©aftpflanjen, be« ©ein« unb ber etftu fdjenben Sbfi = unb ©otbfruchtbdume, fowie bie ©amen ber fornreidiffen ©rdfer, ber wohlfchmecfenbfien ©artenfrüchte (SRohn, Siettig, Äurbip, SRetone u. a. m.) unb ber reijenbfien Stumen (Sutipane u. f. w.) gegeben hat, ifi, ootjügtid) in ben wefitidjen ßanbern, dbenmap mit gütte unb ©chönheit gepaart, ^iet war ba« ?)arabie« bet dttejien ©age. .Spier liegen ba« reijenbe dafd;emir unb bet ©arten I »on SamaScu«; fjiec blüht bie Stofe ton Seticbo (Anastatica) in ber fRdhe ber de» [ bem be« ßtbanon. Sie öfttichen Sdnb'tr berfetben SSreite beft(sen ben Sheeftraudi, ' bie echte Sthabarber u. f. w. dinheimifcf finb in biefem drbftricfe ba« Äameet, bie ttngorajiege, ba« tibetanifefe ©dpaf, ber gafan unb ba« spferb. Sn bem nörb= Ü4en blüht bie Alpenflora Saurien«, unb in bem eifigen 33oben entfeimt bie iWecgartige ftbirifdpe debet, bi« jenfeit« be« 60° atte iBegetation erjiirbt. -|)iet (ebt b(tf fleinfie tietfüfige Slhier, bie jenifeifdpe ©piftmau«, fRod) geben bafelbft 3»-> 460 Aftcn j bet, Hermeline, güdhfe, gifdjoUer je. bei« fd)onfle fPelgtuerf; aacf> baö ©leintcid) liefert reiche ©tje, feltene sprunffieine unb merftoütbige goffilien, g. 58. im hohen li 91 erben ben SSlammutt). (©. S t g a n i f d) e Ü b e r r e jl e.) — Ser fSlenfd) (übet: | haupt300, nad) Anbern 580 SJlill.) tfjeilt ftd) in 3 -fjauptfidmme. Set tat«: f rifd)=faufaftfcf)e, in SBeftaften, jeigt bie fd)6nfte 58ilbung unfetd ©efd)led)t$ in ber cirfaffifdjen gorm; ber mongolifche Stamm ift in Sjlaften, ber malniifdje in ©ubaft'en unb auf ben Snfeln »erbreitet. Sen fofen Slorben bemofjnt bet qjolat: menfd) (©amojebe, $£fd)uftfd)e tt.a.). Stad) Sprache unb «£>erhtnft unterfdjei: bet man 24 ©tamme, gurn SEljeil Überrefle oerfprengter>£otbenoolfet: Äamtfdj«: balen, Sfljafen, ©amojeben, Äotjdden, Kurilen, Aleuten, Koreaner, SJ?on= golen unb Kalmütfcn, CD?anbfd)Uten (SEungufen, Sauren unb 9Jlanbfd)u), gb nen, Üfcherfaffen, ©eorgier, ®ried)en, ©prer unb Armenier, Tataren unb Een, fPerfer unb Afghanen, Tibetaner, e^inbuß, ©iamer, Malaien, Anamiten (in ©od)incbina, Smtfin), SSirmaner, (t^inefen unb Japaner, auferbem biellt: eimnohner ber ofiinbifchen Unfein, Suben unb ©uropder. ^auptfprachen ftnb bi« atabifdje, perftfefe, atmenifebe, turfifd>=tatarifcf)c, t)inbuifd)e, malaitfcbe, mon- go(ifd)e, manbfd)uifd)c unb d)ineftfd)e. 5Bon bem untergegangenen ©ulturoolfe ber Sguren (Uiguren) in ^odjaften f>at ftd) nod) bie Schrift in SEibet ertjatten, fo: wie bie ©anffritfprad)e ber SSraminen nod) in bem inbifcfyen Alpenlanbe, unb ba« alte fPef)ltoi nod) in bem perftfefen ©tenjgcbirge gefprodjen wirb. 9lur bat! malt« 3enb ift gänjlidf) audgeftorben, unb bie 58ilbung ber alten Sberer unb Kollier am Kur unb am fPhaftd (©eotgien unb Smirete) fpurlod untergegangen. Unter beit jefct (ebenben SSolfern 2fftenö ftnb alle gotmen beb gefeltfchaftlicbcn 3uftanbe« »or= hanben, oon ber 3fol)l)cit ber Slomaben bid ju ber weici^lid)(fen Üppigfeit bed Öden- talen; nur nid)t bie gornten ber gefebmaftigen greifjeit unb ber Audbilbttng beb SJlenfcfen ju bem tjotjern gefälligen Ceben. Senn non jeher haben allein ^rieftet unb ©roherer benSrient politifd) geftaltet, unb gtoat bei ofterm 3Bcd)felbet5)ie: uolutionen unb Spnaftien (unter Affptern, Stlebern, ©halbdcrn, fperfent, ©de: d)en, ©prern, fParthern, Arabern, SOlongolen, Salaten, ©elbfchucfen, Sb= manen, Tffgfjanen u. f. tu.) ftetd nad) berfelben Siegel bed blinben ©eforfamb, Sarum t)at bafelbfl bie alte jBeit in allen ihren ©rfd)cinungen bie ^)errfd)aft übet bad Sieue unb 58effere behauptet; am mcifien i(i bad geiftige üeben in ©hin« «nb Sapan erffarrt. 9lod) ift bie ©flauere! ©itte; nod) ijf bad 5ßeib jurn SBetfjetigc bed SUlanned erniebrigt. Sie hertfd)cnbe ©taatdform ift ber in Aftcn entfianbenc Sedpotidmud; bafjer jene funflooll abgejlufte, peinlich ftrenge ©tifette in allen öf= fentlidjen fßerhdltniffen, fotoie bie mit ©raufamfeit oetbunbene, butd) £)pium unb Aberglauben erfünftelte gleichgültige Unemp ftnb liebfeit bed S3olfd gegen bad ©chicEfal: ein faft allgemeiner ©h^tafterjug bed übrigend fo leibenfdhaftlidjen Afta= ten! Snbef I) at ftd) aud) noch, neben rcpublifanifcher ©tammoerbinbung, bie patriarchalifche ©etualt ber ©tamm = unb gamilienhaupter erhalten. Slut ba, reo ber ©uropder ftd) angeftebelt hat, in ©ttb = unb Slotbaften, ift bie bürgerliche ©ul= tut ber abenbldnbifcb=d)riftlichen fffielt im Auffeimen begriffen. ©d)on fat baO ©httfienthum, bad jum Sheil in mehren altern ©eften (f. 9J?atoniten, SOIo= nophpfiten unb ©eften) fehr audgeartet ift, in ganj Affenuiele Anhängerge= funben, oorjüglid) burd) bie oon ©nglanb unb Suplanb aud uerbreitete 58ibelüber: fegung. Slad) bem „Asiatic journal" ift man ndmlid) in 58engalen mit bem Srude ber 58ibel in ber ©anffrit =, ^inbofian =, SKohraU=, Afgfjan =, geling«:, Afchami = , 3öouth=, perftfdhen, ©afd)emir =, atabifchen, 58aloughbp=, <2# unb d)ineftfd)en ©pradje forttudhrenb befchaftigt. Ähnliched gefchieht in ©t.=?e= terdburg für bie mongolifd)=tatarifd)en 5ß6lfer. ©elbft in ©h' na fltbt ed triebet ©htiften; nur nicht mehr in Sapan feit 1637. — Sie tuiffcnfd)aftlid)c 58i(btmg ber aftatif^enSSolfer(Iffironomie unb Aftrologie, ^Ooefte, SJloral, SSfjeologie 461 Äfien fKfdjtägetetjcfainFeit, in ber $eilfunbe rofje Smpirif) ifl grofjtentbeil« nod) mit bcm t eptieffertbume unb mit einem in ba« geben tief eingreifenben, bi« gum Äinbetmorbe [ utib bem Opfertobe in ben glammen gesteigerten Aberglauben »erbunben. 25er 3«= I beffen l)obe ©djrtle ©amarfanb ift, t)errfd)£ im weftlidjen tffien. (SSgt. SS a = Ijabi.) Über gang Stittelafien unb ben oftlicben SSbeit be« norblid)en ift bie lamai= fd)e ober fcl)igemunifd)e Steligion »erbreitet. Sie bramanifebe, beren hohe ©d)ule SBmare« ift, b at fid) grofjtentbeil« auf SSorberinbien befebränft, unb bie fd)amani= fdje auf bie iöoiferfcbaften in Sorbaften unb auf ben ruff. Archipel. 3u 3oroaffer’ö uralter ßet>re befennen fid) nur noch eingelne gamilien in Snbien unb Werften; ba= gegen bat bie Stofaifd)e gasreiche Anhänger in gang Giften, nur nid)t im rufftfeben. Mfommener alb bie geiflig = fittlidje SSilbung ift bie ptjpftfcb = meebanifebe. Stan Senfe an bie inbifd)en ©auEler! Snbbefonbere bat ber ©emetbfleijj gewiffer -£>inbu= {allen ba« Unglaublicbe geleiftet in ©eiben = unb SSaumwollenweberei. SSerübmt finb bie ©barclb »on Safd)emir, bie perfifeben unb fprifeben geberwaaren (©afftan, ßorbuan, <5t>agrm); bie ebineftfeben unb japanifdjen Sopfetroaaren, bie@tabl= arbeiten im turfifdjen 2Cften, bie gaeftuaafen bet Sbinefen unb Japaner unb anbre flunffarbeiten. Allein bet inlänbifcbe $anbel wirb nod) jefet, wie in ber alten Seit, aläbieSoppelinfeln Ormu« unbS3abrain bie ältefte ©eebanbelgfirafje gwifeben bem Orient unb Occibent (»or t(btal)am unb Stofe«) »erbanben unb ber grojje ©aaren= ;ug »on 3«bien burd) S3acttien nad) Äolcbi« ging, burd) Sataoanen (bi« nad) Sta= fariem, Sto«tau unb Äonftantinopel) unb burd) Äüfienfd)ifffabtt betrieben. Ser ffieltljanbel mit Sbina unb Oftinbien ift baber gang in ben £änben ber ©uropäer (Seiten, ^»oltanber unb Otuffen) unb ber Sorbametifaner. ©o beweift ba« gange 33olf«leben, ber religiofe, bürgerliche unb gefellfd)aft[id)e Suftanb ber Orientalen, &n|j, roo bie freie gefellige ©ntwicfelung ber eblern .Kräfte be« Stenfd)en burd) Äa= fiengtvatig, *Prieftergunft unb ©ultani«mu« gebunben, unb t»o ba« geftbalten an Ijerfommlicben formen ©taube, ©efefc unb ©itte geworben ift, bafi ba alle Sul= tur, roie in ©bin« unb Sapan, in eine ftarre Äunftform au«arten unb gule&t bie traft felbft geijilo« oerweifen mufj. Sarum erhob fid) ber .Orientale, ungead)tet ber prad)t»olien ©rl)abenl)eit feiner ©inbilbung«fraft, bennod) niemal« gur An= fdjauung ber ibealen gorm, welche guerft ber freie ©rieche erblicEte, unb ebenbarum bat ber Europäer, ber in feiner geijtigen SSilbung wie in feiner gefellfd)aftlid)en Sbütigfeit ungehemmt fortgefdnitten ift, ben Srucf be« Sri ent« auf ben Occibent überwältigt unb fid) gur $errfd)aft über bie Äüjten unb bie SBilbniffe feine« alten berrii unb Steiftet« emporgefd)Wungen. Suerft flieg ©ried)enlanb, nad)bem e« bie burtfle ©nmbolif be« Orient« burd) Sbealgeftalten gu lebenbiger tfnfdjauung oerflärt batte, bie geiftigen geffeln ber ^rieftet unbOrafel »on ficb; bann aud) bie bürgevlid)en Ketten, weldje ber fPerfer Sariu« für 2ftf)en unb ©parta bereit hielt. Stad; einem 50jährigen Kampfe fduieb ©uropa gum erften Stale nach Simon’« Stiumpfjen (449 ». Sb 1 '-) bem Orient ba« ©efe« »or. Sann »erbreitete fid) grie- d)ifd)e Sultur über ba« gange wefitidje ttfien bi« nad) Snbien t)in, unb bie Keime tiefe« regem geben« bat ber fpätere ©olbatenbefpoti«mu« nod) bi« je(st nid)t gang eiftiefen fonnen. hierauf fämpften 3tomer unb fPartl)er um ben SSeftfs be« Su= pljrat; eine Seitlang »erfudjten e« fogar bie fPcrfer, unter ben ©affaniben, 9tom tie -Öerrfdjaft ber SSelt gu entreißen, ©eitbem ftanb Wien 4 Stal gegen Sutopa auf. Suerft erhoben fid) bie SSolfer ^locbafien«, »on Sbina« ©rengen bi« an ben Sctifd) gurüefgeworfen, um über ba« tfbenblanb bergufiürgen. Stad) einanber btadjen fpunnen, A»aren, S3u!garen unb Stagparen, ol)ite bie fpätern ^orben, tie im füblidjen JKufjlanb unb an ber Sonau fid) oermifd)ten unb untergingen, gu nennen, au« ben fPforten be« Äaufafu« unb au« ben SBilbniffen be« Ural ber»or, um ©ucopa gu unterjod)en; aber tfttila’« unb ber ©nfel tfrpab’« rohe Stacht ger* fiiubte im roilben Serbeerung«tampfe mit ben Seutfdien. Sann griffen bie t(ra= 462 um bet Äonffontinopel, Italien unb granEteid) an; abet Itjccn fanatifdjen Ungeflüm warf Äatl SRartell (732 n. ©pt.) jurücE, unb bet gotpifcp = cpriftlid;e 9?ittermutt) entrifj ipnen bie pprenäifcpe «gjalbinfel. Sarauf rüfiete fiep jwat baS 2fbenblanb ge= gen ben Srient, um bem ©ultan bet ©elbfcpucEcn baS peitige ©rab jit entreißen, unb baS cpriftl. ©uropa lernte jept juerfl 2fften genauer Eennen; «6er basü ©djtrert j allein Eann Eeincn SBelttpeil erobern. (©. dbreujjüge.) SSielmepr fanbte$ocp> ! «fien auf$ neue unter bem 50?ongolen SEemubfcpin (f. Sfd)ingiS = Äpan) feine | 9ieitert)orben nad) allen SBeltgegenben aus; bod) abermals bämmten bie Seutfcpen ben »erpeerenben ©trom mit ipren Seicpen bei Sfiegnip. (©. SBaf>Iftatt.) gu= | lept warfen ftep SEataren unb bie oSmanifdjen SEürEen auf ©uropa. Sieentriffen J (1453) bem auSgearteten Sffromer ben SSoSporuS unb ©tiedjenlanb. 9?ocp fiept ! ! bafelbft 2fffenS Heerlager! ©eitbem warb von biefer ©eite Europa gegen Riffen burd) Seutfcplanb gefepüpt. 3« gleicper $eit erpob fiep ber Sccibentale butep gei= jiigen gortfepritt über bie dltefren SSölEer beS Orients, Werfer, Araber, 3nber, ©inefen. Aulner, ©ompaf unb SrucEfcprift, bie jene befaßen, aber nid)t ju brauepen oerflanben, »ermanbelten fiep burd) ben rafllofen iöeroollEommnungStrieb beS ©uropäerS ju unwibetfleplidjeit 2S affen. 2flfo Eam eS, bap Sfuplanb bieSßolga für Europa gewann, Sibirien entbecEte, ben ©fammftp ber alten unb neuen fct)= tpifd)en ^orben, ben 2fltai, 6ewad)te, unb julept ben ÄauEafuS überwältigte, wäp: renb — feit föaSco ba ©ama (1498, f. ©am a) ben ©eeweg naep Sfiinbien ge* funben patte — bie fPortugiefen, bann bie $oll«nber unb granjofen, bor 2((len aber bie SSriten, burd) ben SDSeltpanbel baS teiepe ©übaften mit europäifepett ®e* fepen unb ©uropa mit ber wunberbaren Sefcpaffenpeit jener Sänber beEanntmad): ten. ©epon in Werften ifl bie eutopäifepe SSolEemrbinbitng ootjüglicp burep @ir ^mrforb SoneS, ©ir ©ore Sufelp, garneS SOlorier unb ben ruff. ©eneral 2)ermo= loff pineingejogen; noip wiberfiept ipr bie mehr als lOOOjäprige Diplomatie be« $ofeS bon ©pina, obgleicp biefeS „pimmlifepe SJeicp beS SBeltallS" ben 9?orbantfs j rifanern williger entgegenEommt als ben SSriten unb Svuffen. 2fm eiferfüdjtigffrn pält Sapan ©uropa bon fiep entfernt: äpnlicp bem fPolareife, baS bis jept bie fo oft fepon berfuepte norböfiliepe Surd)faprt um baS ©iScap perum bereitelt pat. 2lber ' ber gorfcpungSgeifl europäifd)er ©eefaprer burepbringt immer mepr aud) bie oet= fcploffenflen ßänber, feit 50?arco f))o(o, bem SSenetianer (1272), bis auf bie Sri: ten unb Stoffen, welcpe halb im JSecjen bon 2fffen ffd) bie cf>anb bieten werben ober ! baS ©cpwert! — Über 2fffen f. m. SJitter’S „©rbEunbe", übet Äleinaften SJf. fieafe’S „Journal of a tour in Asia minor" (ffonbon 1824). K. 2fftoli (SSonifacio), ©ingleprer, SEonEünfller unb ©omponifl, geb. ju ©ot: reggio im 59?obenefifcpen 1769. ©epon in feinem 8. g. componirte er opne 2fnlei= tung; im 10. erpielt er bon 50?otigi in *Parma Unterricpt in ber ©ompofftiou; im 12 . gab er ju SSicenja 2 öffentlicpe jfEabemien. 9Racp einem 4monatlicpen 2fufentpalt in S3enebig ging et nad) ©otreggio jutücE, wo er als ©apellmeifier ange-- liellt würbe unb SOtoft'EflüeEe aller ©attungen componirte. 3in feinem 18. 3. ging er i naep Surin ju bem Eaiferl. 59?inifler SO?arcpefe ©perarbini, wo et fiep ungefäpr9 | 3apre aufpielt unb ebenfalls biel componirte. Sann begleitete er bie grau beS ge* j nannten 50?arepefe 1796 naep SSenebig unb 1799 naep 9J?ailanb, wo er bis 1813 blieb, 50?ufifbirector beS epemaligen SSicefonigS würbe unb fepr fleifjig componirte, * auep als ©enfore beS mailänbifepen ©onfernatorium meprellnterricptsbücper, j. S5. i „Trattato d’armonia", „Principi elementari", Dialogo sul trattato etc.", j „Preparazione al bei canto, contenenti molti solfeggi d’armonia" feptieb. 83on 1813 an beftnbet et fiep wieberin feiner föaterffabt unb pat, aufet mepren Äitcpen= unb Äammermuftfen, auep wiebetum 12 ©olfeggien für eine Stimme mit Safbegleitung, eine ©labierfcpule in 3 SEpln. u. b. „L’allievo al cem- , balo" , S5eobad)tungen über bie Temperatur ber gnfirumente unb mepre ÜbungS* i Stefanien Äffleptaben 463 frücfe gefctjctcben. ©eine grogern SBerfe finb aufee Italien wenig befannt, follen aber fel)t grünblid) fein. (Sin genaue« jßerjeiebnig feinet SBetfe ft'nbet man in bet „ffeipj. mttftfal. Seitung", 1820, ©t. 40. 2t§fanien, ba« ©tammianb be« ^aufe« Jfnbalt, je(jt bie ©egenb «on 2( f d) e r«l e b e n (Stabt unb Ärei« in bet preug. fProoinj Sacbfen, 3legierung«be* jirf Sttagbeburg, mit 8500 ©inw. in 1180 H-, wo Hopet, ein atmet ©rei« non 70 3-, eine 9fettung«anjlalt für arme 5Baifen unb SSetbtecberEinber um 1820 er* richtete). Inhalt bat mit ben SBaffen unb mit 9leid)«ptoceffen bie« uralte ©tbe j feine« $aufe« nergeben« jurüefgefobert, benn ber weflfälifdje griebe erfannte ba« J gaitje fecularijtrte S3i«tbum Halberflabt bem >^aufe S3ranbenburg ju. ©benfo oer= geben« nerlangte e« non ©eiten Äaifer unb Dfeid)« eine ©ntfdgäbigung innacant werbenben 9feicb«leben für ba« endogene 2f«£anien. ©o(d)e tnurben aber wegen bet alten häufigen ©tboetbrüberungen jur faiferl. 2)i«poft'tion nach bem weflfälifcben t griebett niemal« erlebigt. 25a« fonigl. preug. >^)au«, erbnerbrübert mit bem am baltifdjen gürflenbaufe, bat bie 2lnfprücf)e unb Hoffnungen bet 35pnaftie Tfnbalt nergeblid) unterfingt. 25ie alte S3urg 2f«fanien, nabe bei2ffd)er«leben, ifl tängfl eine j 9luine. ©in fonberbare« ®efd)ic£ «erfolgte bie« gürflenbau«: e« nermoebte nicht i wieberjuetlangen, wa« ihm bie Äircbe entrig, unbmtigte, obgleich ©ine« ©tarn* J me« mit ben alten SDiatbgrafen non SSranbenbutg, beten £ebn unb 20(obium an j ba« Hau« S3ranbenburg = HobenjOllern enblid) fallen feben unb ebenfo ba« alte j ©tammianb an ber fJlteberelbe, (’auenburg unb Habein, an ba« glücflicbete guel* fifdie Hau«. ©« war unglücElicb in gegben, unglüeflid) in ^roceffen, unglüeflid) | in feinen biplomatifcben SSecganblungen ber SJorjeit, unb häufige gamilientbeilun* gen batten gamilienfeitibfcbaft jur golge. 2tfflepiaben, bie 9iacbfommen be« H e ' ( 90 tt« 2fffutap, bienonbeffen ©obnen fPobalirio« unb 9J?ad)aon abfiammtett unb ftd) mit bem Sienfie be« ©ot= te« über ©ried;enlanb unb jfleinaften nerbreiteten. ©ie bilbeten einen ^5riefieror= ben, ber bie in ben Sempeln gemachten ©rfabrungen ber Heilfunfi al« ©ebeimnig erblid) fortpflanjte, unb waren mithin jugleicb 'Ürjte, ©eher unb trieftet, bähet *Plato fagt: Äffulap habe bie Sttitglieber feiner gamilie al« Sebrlinge bet 2frjnei* funjl binterlaffen. ©ie lebten im Sempel be« ©otte«, bereiteten bie Äranfen auf eine bie @inbilbung«£raft anregenbe ffieife auf bie beilenben Sräume unb @otte«er= febeinungen vor, beobachteten forgfaltig ben ©ang ber Äranfbeiten, wenbetenwol felbflaud), wie man glaubt, auger ben im 2(ltertbum gebräud)lid)en S3efpred)um ; gen unb SSefd;wotungen bie eigentlid) magnetifeben ©urmittel an, unb fammelten bie ©rfabrungen, weld)e fte gemadjt batten, ©ie waten fonad) nicht blog bie erflen un« bekannten jfrjte, fonbern in ber Sbat auch ©tifter ber wiffenfd)aftlid)en 2frj= neifunbe, bie au« ihrem .Steife geroorging. 25ie £rben««erfaffung biefe« drjtlicben ©efd)led)t« flammt ohne Zweifel au« Ügppten, woher auch bie in Ägppten eirt^ei* mifd)e 93ac£enfd)lange (coluber Aescul&pii, Linn.), bie man al« fjeilenbe unb 3Baf)rfagerfd)lange anwenbete, bureb ^botttjier juerfl nad) ©pibauru«, bem Haupt* t flpe be« ©otte«, gefommen ifl. Um biefen ©cglangengott fammelte ftd) eine 95rie« flerlajle unb oerbreitete «on ba au« feinen 25ienft (fo fegiefte man in fpäterer-Seit, 292 o. ©br., auch auf bie Sibetinfel nad) Ulom eine folcbe Heilfcglange) unb bie bei bemfelben erworbenen ©rfabrungen unb Äenntniffe, in bie matt'nur bureb feiet* lidten @ib eingeweibt werben fonnte. Anfang« blieb ber ^tieflerorben gamilienors ben, unb bie 2ffflepiaben führten forgfaltig ihre ©efd)lecbt«regifler fort. Jfriflibe« bat biefe« ©öttetgefcblecbt ju ©mt;rna bureb Sobteben «erbetrlicbt. 2fu« bemfelben flammte ber ©tifter ber wiffenfcbaftlicben 5Jlebicin, H^pofrate«, au« Äo«, in beffen Schriften auch jener @ib aufbebalten ifl, weldjen bie Sebrlinge be« Srben« fegrobren mugten (baber jusjurandüm Hippocratis) j fowie ein 2lf£lepiabe« au« | 'Pcufa in SSttbpnien (20 o. ©br.) al« erfler praftifebet 2frjt in 9lom unb Stiftet 464 2ffflepiat>eifcfye Sßexrfe 3lf?utap ber methobifdjen Schule genannt wirb. 3» bet $olge weihte man, wie ©alen berichtet, auch grembe in biefe ©eheimniffe unb in ben Stben ein. — Übrigen« ft'nben tt>ic ben tarnen ber 21ffiepiaben aud) in bec fiiteratur ber ©riechen. (S. bie 21bf)anbl. über bie Fragmente be« 21ff(epiabe« au« SEragilu« in ben „Actis philo- logor. Monacensium", f)erau«geg. oon 2f)ietfd), 1. 33b., 4.$., S. 491 fg.) 21ffleptabeifche 23erfe befielen au« 2 öber 3 Choriamben unb wer: ben biefem gufolge in grofe unb f teine unterfd)ieben. Sen Anfang macht jebe« 9JJaI ein ©ponbäu«, unb ben Schlup ein Sambu«: Kl.-I —uu— II —uu— | o— ©r. -| —uu— || —uu— | | —uu— | u- 5f)t ©harafter iji Iprifd), 21nmutf) unb Ära ft oereinigenb. 23ei .£>orag fommen 5 oerfd)iebene, au« afflepiabeifdjen 23etfen gebübete 23et«mafse oor. ©c gebraust entweber ben kleinem ober ben grofern afftepiabeifefjen 93er« jeben allein, ober Infjt ben fteinern mit bem qlpfonifd>en S3er« wechfeln, ober läfjt auf 3 fleinere afflepia: beifdje einen glpfonifcfyen, ober auf 2 fleinere afflepiabeifdje einen pherefratifdjen unb einen glpfonifdjen 33er« folgen. 21 ff u l ap (bei ben ©riechen 21 f fiep io«), ber ©ott ber ^»eilfunbe. ©inige nennen itjn einen ©ofjn 21pott’« unb ber 21rfinoe, ber Sodjter Ceucipp’«; 2fnbce 21poU’« unb ber Koroni«, ber 2od>ter be« fPhlegpa«. 33erfd)ieben werben aud) bie SBunber ergäbt, welche feine Söiege umringten. 9t ad) ©inigen würbe er oon fei: iter 9Jlutter au«gefe|t, oon einer Siege gefäugt, oon Ritten gefunben unb an einem fd)immernben ©lang um ifjn für gotttief) erfannt. 9tad) 21nbern fjatte Koroni« ju* gleich Umgang mit 3fd)P« gehabt; ber ergürnte 2fpo(f (ober Siana fiatt feiner) tob; tete bie Ungetreue, rettete aber ba« Kinb, ba« ft'e in il)rem Sdjofie trug. Segtere Meinung war bie aligemeinfte unb würbe aud) burd) ba« pi)t()ifd)e Srafel befidtigf. Später brad)te 21poll feinen Sohn gu 6f)iron, ber if>n in ber ^eilfunjl unb 3# unterrichtete. — 3n ber erftern erlangte er einen f)of)en ©rab oon ©efd)icflid)feit, baf er fogar ben 9tuf)m feine« ßtfjrer« oerbunfelte. 9tid)t nur oerljinberte et ber Sebenben äob, fonbern rief felbft 23erftorbene wieber in« Sehen gurütf. Seu« aber, burd) feine« 23ruber« fjßluto Klagen über ^Beeinträchtigung bewogen, erfd)lug mit feinem 23li|e ben 2Bot)ltf)dtev ber 9Jfenfd)en, bie ihm fortan au« Sanfbarfeit gött- lid)e ©fjre erwiefen. 3n«befonbere warb er gu ©pibauru« im ^eloponne« (f. 21r= g o l i«) oereljtt, wo ifjm ein Sempel nebjt einem ^>aine gewibmet war. 21u« bem genauen Stegifter, welche« f)ier über bie merfwürbigjien Äranffjeiten unb beren $t\U mittel geführt würbe, fammelten bie größten Birgte ©rfahrung unb Kenntniffe. 23on ba oerbreitete ft'd) fein Sienfi über gang ©riechentanb unb fam enblid) aud) nad) 9?om. 2(1« hier ein fl bie fPeft 3 3al)te lang wüttjete, würben, auf 21nratf>en be« belphifchen 21poll, ©efanbte gum 21. nad) ©pibauru« gefd)icft. Kaum toa-- ren fte oor bem ©otte erfdjienen, al« unter bem SSilbe beffelben eine ©djlange heroorfam, welche gerabe nad) bem römifd)en Schiffe gueilte. Siefe Schlange, bie man für ben 21. felbft h^lt, würbe mit großer geierlidjfeit nach Stom ge= bracht, worauf bie *Peft nad)ließ. — 21. hatte 2 ©ohne, 9Jtad)aon unb fo: balirio«, aud) 21ff lepiaben, bie im trojanifchen .Kriege al« gelben unb 2(rgte fuß berühmt machten, ©eine $Eöd)ter waren $pgiea, 3afo, fPanacca unb 21gle, oon benen erftere al« ©ottin ber ©efunbheit oerehrt warb. — 3n ben 21bbilbun= gen erfdjeint 21. al« ein bärtiger 9Jtann, mit einem oon einer Schlange umwunbe-- nen Änotenftabe, bem S3ilbe ber ©enefung. fJteben ihm jiet)t ber cfjahn, ba« ©pmbol ber 2Sad)famfeit. £)ft ift er mit bem Sorber 21poll’« gefrönt. Suweilen ftnbet man neben ihm einen fleinen Knaben, Selefphoru«, abgebtlbet, ber eine Sltübe auf bem Kopfe trägt unb gang in einen SOtantel gehüllt ift. — £>ft wirb 21. aud) blofj unter bem 23ilbe ejner Schlange oorgeftellt. (©. ©idler, „Sie roglpphen in bem SWpthu« be« 21ffulap ;c.", Meiningen 1819.) 465 3fSma«tt§f>dufct Sßetn 2CfoVt> XSmannShöufer ©ein. (5c wdchjt untechalb 9JübeSf)etm auf blauem ©djiefec. Sec cotfje t>on einec fleinctt cotfjen SSucgttnbeccebe wicb befonbecS ge= fd)d|t. ©eine Gacmelitfacbe ift ihm ganj eigentümlich- ©ein geuec gebietet fKdßigung im ®emtffe. Sec ebeljte wdd)ft in ben ©einbeegen bec wieSbabnec jfammec unb wicb in ©ieSbaben prn Sljeit neefauft. <5S fott ©itte bec boctigen ScinatweinbecgSbeft'hec fein, bie tcefflicßen cotfjen SEcauben mit ben wenigen nocsüg= ließen weißen jitgleic^ p fettem, ©djon bec Sßm unnecfdlfcßten 50?oflS fojfet oft an Set wnb ©teile 120 —160 ©ulb. Xucß ©efeßmaef unb ©ecud) biefeS ebelffen cotßen 3if)etnwein8 ftnb ganj eigentßümlid). ©cßon bleibt biefer cotße ©ein np 3 obec 4 Saßce unb wicb bann jdßclicl) fcßleditec, inbera fein votfjec gacbejfoff nte= becfcßlagt. ©andje feine fRtjeinweinfennec sieben ben cotßen XSmannSßdufec bem ebelfien SSucguttbec noc. XSmobi, nad) bec hebedifeßen gabelleßte ein bofec ©eiftunb Sdmon beS ©atanS, bec nad) cinanbcc 7 59?dnnec bec ©aca, einec Socßtec Svaguel’S, ju 9cageS tobtete. Sec junge SEobiaS f)ielt ißn auf StafaelS 9iatß bued) ©ebet, bceita= gige (5ntßaltfamfeit non feinec 58caut unb bued) eine auf glüßenbe Äofjten gelegte gifcßlebec non ftd) feen. 9tafael abec naßm if)n gefangen unb bannte ißn in bie ©uften XgpptenS: — SSon biefec Sichtung nennt man X. ben ©ßeteufel, ben fdjabenfeoben unb boshaften Xnftiftcc attec gcojien unb f(einen ©ßejwifie, bie ec mit unecmübtichec SEßatigfeit anpfpinnen bemüht ijt. — Sec 9lame XSmobt bcücft SSecvunffec, föecbecbenSengel, ©ücgengel aus. (5c heißt aud) wo( Xb= babon. Xfo p, bec dttefte gciecßifd)e gabetbidpc, wac nad) bec gewöhnlichen ©age au« fPßcpgien gebüctig unb biente als ©flaue, bis fein legten -^ecc ihm enblich bie gceißeit gab. ©ein Seben fallt in bie ©itte beS 6. Süßt- n. 6l)c. (5c teug pcafti= fd;e ?ebenScege(n ftnnbilblicß meift in ©effalten bec Sßtecwelt noc unb eewaeb ftd) babued) einen Stuf, bec ftd) ubec ©ciecßenlanb unb bie benad)bacten Sdnbec necbcei= tete. ÄcbfuS, Honig non Spbien, cief ihn an feinen £of unb hielt ihn bued) ©ol)tthaten auf immec bei ftd) pct'tcf. 9fuc pweilen untecbcacß ec feinen Xuf= enthalt bafelbjt bued) Steifen nach ©ciedjenlanb, fPerften, Xgpptcn, wo ec a!lent= halben feine lef)cccid£)en Siditungen auSflceute unb bafüc SSeifail unb (5ßce eentete. HcofuS fanbte ihn einfi nad) Stlpßi, mit bem Xuftcage, bem Xpollo p opfern. X. ecjahlte ßiec feine gäbe! »on ben ßin= unb ßetfd)manfenben ©tdben, bie non fern etwas feßeinen unb, in bec Stahe befehen, 94id)tS ftnb. Sie betpfjifcfjen s J>cie= ftcc, wcldte bie Xnwenbuttg banon auf ftd) machten, befcßloffett, ft ci) bued) feinen SEob p ead)en, unb ffncpn ißn non einem getfen ßecab. q>[an«beS, becfßecf. eines fd)ted)ten 9vomanS ubec X, fdjilbect ihn als ftbecauS häßlich unb mißgeftai= tet, unb laßt ißn felbft flottem; allein biefeS 33ilb ftimmt nicht mit Sem übecein, was bie Xlten uns non ihm ecphlen. Xbec aud) bie ©acßcichten bec 2flten non X haben wenig 3ut>ecldfffgeS. Xm wenigften fonnen ißm bie untec feinem 9ta= men noch noebanbenen, non ^)lanubeS guccfl in eine ©ammlung gebcacl)ten gabeln mit etntgec ©ewißheit juyefchcieben weeben; ißc llcfpntng necliect ftd) in baS Sun= fei beS 'illtecthumS, unb nicht unwahcfcheinlid) ift eS, baß fiel) in bec neuen goern StwaS non bem alten Inhalte aufbewahet habe. 5Bon ben altem XuSgaben fmb am gcfdf)dgteffen bie non £encicuS ©tephanuS (S«riS 1546, 4.) unb non -fmbfon (Öpfocb 1718). Sn bec-ncuejten Seit haben ihn beguvia (2 fSbe., glocenj 1S09, unb Seipj. 1810), dfocais (SaciS 1810) unb ©chneibec (SfceSlatt 1811) nad) 'panbfeheiften in fehc necdnbectec ©effalt hecattSgegeben. Xf o p u S, bec 94amc mchcec glujfe in ©ciecßenlanb, non benen bec ad)di= fche unb bootifchc bie becul)mtefen ftnb. (©. Xg in a.) Xfom, ©tabt unb gejtung im ©ounecnement ScfatecinoSlaw, auf einec Snfel am XuSfluß beS Son in baS afowfd)e ©eec (fonft Palus Maeotis, in neuem @om>.=ßec. ©iebettte Äufl. 35b. 1. j- 30 466 2ffpafta Sffpccte gelten and) juweilen Weer »on gabadje genannt.) ©te f>at über 3000 ©int». ©rft 1774 warb 2t. »on ben dürfen für immer an Stuflanb abgetreten. ^ 2ffpafi a war ju Wilet in 3wnien geb.; ihr föater l)ief 2tptod)ug. gtüher hatte eine anbre ©djonheit aug Sonien, Sijargeiia, bag SSeifpiet feltener 58ereini= \ gung potitifct)er unb tviffenfctjaftlidjer Talente mit aller 2fnmuth it>rcS ©cfdgecftg gegeben, unb biefe fdjeint 2t. ftdr jum Wujfet genommen ju faben. 3m 2ft()en mären frembe grauen gleichfam geachtet, beim itjre .Rinbet, wenn fte auch in ber ©tte gejeugt waren, mürben nicht a(g rechtmdfige betrachtet, unb biefer Umftanb trug »iei baju bei, baf man fte in bie Steitje ber 23ui)(erinnen geftellt hat. 2t. be= febaftigte ftd) mit fPolitif unb 33erebtfamfeit, biefen machtigjtcn Waffen ber gtei= jfaaten. 5))[ato gebenft einer fetjr fd;onen Siebe, bie fte jum Sobe ber bei Sechdum gebliebenen 3ttt)enienfer hielt, unb man behauptet, baf fte ben fPetifleg itt ber 85e= rebtfgmfeit unterrichtet habe. 5h r >?>mtg mar ber ©ammelplah ber angefef)enften, i geifioollften unb tugenbljafteffen ^Petfonen ©viedienlanbg, unb ©ofrateg befudite fte oft; ja man befd)U(bigte ihn felbft, baf er eine leibenfchaftlidje Siebe ju ihr ge= fühlt habe. Sem fPerifleg, biefem grofen Wanne, bet eg »erftanb, jttgleid) 58ür= ger unb dfonig einer Stepublif ju fein, mufte fte bie reittfle unb bauerhafteffe Siebe einjuflofert. Wan nannte ihn ben otpmpifchen geug unb feine ^Begleiterin 2ffpafta bie.guno. 5petifleg trennte fielt »on feiner ©emaftin, um 2t. ju heirathen; ^ptut= arch erjählt, baf er fletS für fie bie grofte chelict;e gdrtlidjfeit befaf, unb gemif tonnte eine niebrige unb »erberbte grau ein fold)eg ©efül)l nicht einftofen. Wan befchitlbigt fte, 2 Kriege »eranlaft jtt haben: ben einen }mifd)en ben 2tthenicnfern t unb ©arniern, wegen Wilet, wo fte geboren mar; ben attbern jroifdien ben 2ttt)e= nienfern unb Sacebämoniern, wegen Wegara. jpiutard) rechtfertigt fte wegen bie= feg Unred)td, unb Sfucpbibeg nennt ihren SJamen nid)t, obgleid) er bie Urfacfen beg langen peloponneftfchen Rriegeg mit ben tleinften Stebenumftdnben crjaflt. 92ur ber muthmillige, aber nicht hifiotifdf treue 2triftopl)aued ermahnt jener 33e= fd)ulbigung. Sag athenienftfehe SSolt, bag gegen ben jpetifleg aufgebracht mar, ihn felbji aber nicht anjugretfen wagte, »erfolgte (Diejenigen, bie feine befonbere Steigung, 2fchtung unb Siebe genoffen, unb »erflagteunter 2tnbern bie2t. wegen SJerachtung ber ©ottcr. ^eritleä »ergof mitten im 2freopagug Shranen, al8 er bie 2t. »ertheibigte, unb entmaffnete bie Stid)fer. Wan fagt, baf 2f., bie greuti= | bin beg ©ofrateg, bie ©efdhttin beg ^cfifteö, ber ©egenffanb bet Jpuibigungett j beg 2tlcibiabeS, nach 5Perifteg’g SSobe ihre ©unft einem unbetannten, gemeinen t Wanne, Spfifleg, fd)enfte, ber aber halb »on ihrem ©eifte burefbeungen moeben fei unb in furjer geit einen grofen ©influf in 2(then erlangt habe. Wan fann bt- \ haupten, baf 2t. ©influf auf bie ganje Station hatte, beim in ihrer ©efellfchaft ! würben Sie gebilbet, bie bag Stüber beg ©taateg führten. 3>h c Slamemarfo | berühmt, baf ber junge ©prug feine ©eltebte Wüto nach ihr benannte, um baburcf j ben ©inbtuef ju bejeid^nen, ben fte auf ihn machte, benn ber Stame 2tfpafia be= ! jeichnete bie liebengwürbigfte bet grauen, wie 2tlepanber ben groften gelben. 2ffpecte, in ber ©ternfunbe bie»erfchiebenen ©ttllungen ber ©onne, beg i Wonbeg unb ber Planeten im 3d)ietEteife gegen einanber. ©g gibt 5 2tfpecte: bie ©onjunction ober gufammenfunft, bie Sppofition ober ber ©egenfehein (bie ! ©pjpgien), bet ©ebritt = ober Slrigonalfchein, ber ©eoiert = ober Öuabratfd)ein ‘ (aud) Suabratur genannt) unb ber ©efechfi= ober ©eptelfchein. — Siegufammen= funft (in ben ©alenbern mit bem geichen d angebeutet) ergibt fiel), wenn2fPla= I rieten einerlei Sange haben. ■ 3m biefem gälte ftnb ihre £>rte im Shierfreife nur um i bie ©umme ber Sifferenj ihrer S5reite, nachbem fte ndmltch auf einer ober auf ent= gegengefehten ©eiten bet ©fliptif liegen, »erfd)ieben, unb alfo, ba biefe nie be» trddjtlich ift, wenig »on einanber entfernt. .Spätten fte bei gleichet Sange auch »6l- , lig gleiche 58reite, fo würben fte einanber bebeefen. Sie gufammenfunft beg Won- 467 SCgpet 2C&pern beS mit bet; (gönne rerurfadßt bcn Steumonb; faßt ober auci) tf>re Breite faft ober ganj yufammen, fo entfielt eine Sonnenftnftetniß. 25er tlfironom befiimmt mit= tet|t ber Sufammenfünfte ber (Planeten ben Sauf berfelben, ber ©eogtapß unb ber (Seemann aber bie Sange ber Örter auf ber Gebe. — 23er ©egenfcßein (im Gaten- ber ^jcic 3fffatini »origen: um ben S3efih ber Sörfet würben ttergebticb Saufenbe »on (Streitern geopfert; 2fdpern blieb ben Öjtreidjern uub Gelingen bengxanjofen:' Sefctetedbiente biefen, weiche enblid) bie Hoffnung attfgaben, ftdEj burd) Sprengung ber offteid). Stifte 'oen Steg ju »erfefjaffen, jur Sicherung ifjred 9?ücfjugd auf bie gobauinfel, ben ber 6rjt>er$og nur burd) ©efd)üfsfeuer beunruhigen lief. Sie (Stellung ber Sfranjofen auf berSnfel, ihtbutd) biefen Siücfjug feinedwegd gefchwädjter SWutfy, ber Mangel ber £)ftreid)er an 93rücfenmaterial k . wiberlegen gemtgfam ben be= fannten SSorwutf, baf? bet ©rjherjog feinen Sieg nicht benußt habe. Sen83er= luji ber Sftreicher an lobten, s Ikrwunbeten 2 t. gibt man auf nicht gattj ein Stift* tf;eU ihrer Streiterjahl an; bei ben granjofen foll er bie $älfte berfclben betragen haben, unb fie perloten auch ben SKarfcliall Sanned (f. b.). ©efnngene wut= ben, bei ber gegenfeitigen Erbitterung, nur wenige gemacht. fPet. Äraft’d @e= mdlbe oon ber Schlacht bei 2Cdpetn (im Stwalibenhaufe ju SBien) hat Äarl 9tal)l 1825 geflogen. 23. 2ffp 1)9*1« (gtiech. fPuldlofigfeit), eine 2frt bed Sd)eintobed, welche pon ber Unfl)äfigfeit ber Sungen beginnt, oon ba aber auf $etj unb ©ef)irn ft'd) fort* pfTanjt. Ser baoon befallene äfeenfd) liegt bem 2fnfcheine nach tobt/ o()ne 2ltf)em, ohne ^Puld* unb ^etjfd)lag unb ohne ©mpftnbung. Sie Unterbrechung ober gdrtj= liehe, Aufhebung bed 'Mtmend fann auf »erfd)iebcnc SSeranlaffungen erfolgen, enf= Weber baf bie med)nnifd)e ^Bewegung bei bem ?(ud= unb Cinathmen gehemmt iff, ober bad eigenthümlid)e ©efdiäft ber Sungen unterbrod;en wirb, ©rftered fann burd) Sufammenpteffung bet Stuft non 2fufen, burch ben Eintritt ber 2uft in bie S5ru(fhdhte, burd; Sömtben, burch allsu gro^e Anhäufung beS Sluted in ben 2utt-- gen, fobaf fie ftdcj nicht jufammenjiehen fonnen, gefchehen; Sefstered finbet ftatf, wenn entweber gar feine 2uft in bie £ungen fontmt, wie bei Erflicften, Ertrunfe* nen unb ©ef)ängten; ober wenn bie eingeathmete £uft nicht tauglid) sur Unterf)«(= fung bed gebend iff. H. 2fffaltni (Pietro) aud SKobena, (lubirte in Sfalien bie 2(r;ncifunbe, nahm, eined Sttelld wegen, in ber franj. 2frmee ald dhirurgienmajor Siettfie unb folgte Napoleon nad) Ägppten, fam aber nur bid Saffa. $ier befiel bie ißeft bie ftattj. Sefafumg unb oerminberte fold)e in 40 Sagen um f ber waffenfähigen SUantt-- fdhaft. Sn feinen „Observations sur ja peste" (non 1803) behauptet er, bie ^eft fei nidjt in bem ©rabe für norftdjtige #rjte unb fPfleger gefährlich, ald man gernei* niglid) glaube, inbem er beim ärjtlid)en Sienfl jtd) nur bie notl)Wenbigc 3eit hm- burd; bei ben Äranfen in ihrer 9taf)e aufgehalten unb bann fofort frifche Saft im freien eingeathmet habe. @r erjdl)lt oom Sbetchiturgen S5aron Sarrep, baf er mehre an ber $j)efi oerftorbene Äranfe anatomirt unb bie fPefibeulen aufd genauere unterfucl)t, fowie oom Sbetchtturgen Sedgenetted, baf er ftd> mit bem ©ift einer fPeftbeule burd) bie Sancette 2 SSlutwunben beigebrad)t habe; bennod) waten Seibe non ber $Pefi oetfefont geblieben. Setten „Observations" über bie (Peft fugte er anbre über bad gelbe lieber in Eabij, übet bie bei ben feeren fo häufige 9tul)r uttb über bie in ber Meerenge oen Sicilien unb (Salabrien häufig in ben Sßotfen bemerk bare 2fbbilbung bed ©eftabed gegenüber (niirage) hin^u. (S. F a t a m o r g a n a.) Napoleon ernannte ihn jum etffen Chirurgen bed italienifchen $offfaatd, juni 9fit* ter ber ©hrenlegion uttb ber eifernen Ätone, unb bet Sicefonig ju feinem 2eibd)i= rurgen. 9fod) würbe er Sirector ber $ebammen= unb äßaifenanfi alt in SKailanb, nachher Sbercf)irurg bed bortigen 2fmbrofianifchett Sftilitairfpitatd. Über 2fugen* franff)eifen fchrieb er 1811 ein 5Berf in italienifdjer Spradje, bad feinen 9iuf oer* mehrte; er uitterfud)fe S3eer’d fünffache Pupillen unb tf>eilte bem publicum neue fbperationdmefhoben in 2fugenübeln mit. ferner gab er im ttämlidjen S- hf cnuS: „Novi stromenti di ostetricia e loro uso" , unb empfahl eine »erpollfommnete ?>ange bei ber ©eburtdl'ülfe, nebft »erbeffevten Snürumettfen beim jfaiferfdmitf, 2Cffaö 21ffemannt 469 beten ©ebtaudi eine ßommifflon fad)Oecftdnbigec SJJitgliebec beSSlationalinftitutS eine S3etbeffetung bet bisherigen Spanier nannte. 21ud) bic tufftfdjen geibjüge 1812 unb 1813 machte ec mit unb hatte babei bas UnglucF, einige ©liebet ju et- frieven. ©t lebt jegt in SJJailanb als ein fefjc gead)tetec pcaFtifchcc 21tjt unb ift ßefjrer am flinifd)=d)itutgifd)en Snjiitut. ©ein „^anbbud; bcc 6 l;icurgic" in ita- lienifdjer ©ptadje fanb oiel SSeifall. 21ffaS (SticolaS, ß^enatier b’), geb. $tt SBigan, ftanb als #auptmann bei bem feanj. Slegimente 21 uoetgne unb machte ftd) bued) bie 2 lct, wie ec ftcl) fetbft ’ füc fein Söateclanb aufopferte, bec SSewunbcrung bec Fachwelt wfitbig. Sn bec 3iad)t oont 15. jum 16. Set. 1760 befehligte ec bei ÄloftecFamp, in bec Stahe non ©elbetn, eine gclbwache, unb ging bei 21nbrud) beS Sage« aus, um bie Sofien nad)jufef)en. >ßier traf et auf eine tlbtljeitung feinbltdjec SEtuppen, welche bie feanj. 2 ftmcc überfallen wollte, unb wacb ergriffen, mit bec Storung, baß bec erfie Saut, ben ec auSfprdd;e, ihm baS Seben Fojten wuebe. 25aS SSol)l beS feanj. .ßeeceS (lanb auf bem ©piele; ohne ftcl) einen tlugenblitf jubebenfen, famraelte er feine ganje .Kraft unb tief: „dpietljet, tluoergne, biegeinbe finb ba!" £>ie£)to= fjung wacb fogleid) oolljogen, abec feinen Smecf Ijatte ec erreid)t, benn bec Übec= | fall mißlang. 2 (. wac nicht uecfjeicatljet; man beftimmte abec für immec feinet j gamtlie einen 3af)tgel)a(t oon 1000 SioceS, weld)ec jwar bued) bie Steoolution ! untecbtod)en wacb, abec in bec neueflen Seit wiebec auSgejafjlt woeben iff. ( 2Effaffinen, f. Ssmaeliten. 21 ffecuvanj, fßerftchetung, ein ©lücfSoertcag, oetmoge beffen ©ittet (bec 21 ffecucant) ftd) gegen ben 2 fnbecn oetbinblid) macht, il;m ben @d)ai>en ju erfegett, ben ec an gewiffen ©egenftdnben unb untec gewiffen Umfidnbcn — binnen be= ftimmtcr obec unbefiimmtec Seit — ecleiben mochte. Sie 21bftd)t beS ßegteen babei ift, ftd) auf ben galt eine« möglichen SSerlujtcS ben ©cfag juftdhern; bic 2fbfid)t beS 2fffecucanten hingegen fann entwebec eigennü^ig obec uneigennügig fein. S5eab= fidjtigt ec feinen eignen SBottßeil, fo laßt et ftd), nad) bec mef)t obec weniger 51 t bcfücd)tenben ©efaßc, mefjc obec wenigee fProcente oon bem 533ettf>c bec tieeftefjer- ten ©egenfidnbe bejahten. Siefcc galt finbet in bec Siegel beim 83erftd)ctn bet ©d)iffe ftatt. Uneigennügig tfi bic 21bftd)t beS 2f(fecucanten, wenn biefet aus einem SSecein oon fPetfonen beflefjt, bie ftd) gegenfeitig ilje ©igentfjunt, j. 33. il)te , Raufet ooc geuerfchaben, oerftchetn. Sn biefem g«H toiob oon jebem £bei(nef)= mec mtc nad) Maßgabe beS eingetcetenen ©cßabenS ein oechdltnißmdßiger SSeitcag i gegeben. ©d)on in ben romifdjen ©efegen ,fd)emt oom S3ecftd)ccn bie Siebe ju | fein) allgemein fd)teibt ma-n jebod) biefe ©tftnbung ben Suben ju, bie 1182 aus I geanfeeid) oectcieben wueben unb ftcl), jut Erleichterung unb ©ießetung beS SEtanS- j poctS ißrer eßabfcßaften, bet 21ffecucanjen juetfi gebienten. (©. |5cucrt»ccficf) c = ; cung, SebenSoecftcbecung unb 3ßaacenoetfid)ecung.) 21ffemanni (©tmon), geb. ben 20. gebe. 1752 ju SEripoliS bi ©ocia, gehörte ju ben g-eleßcteffen SJtaroniten neuerer Seiten. SnStom, wo feine gamilie SBürgeccecßt unb patcijifdße ©ßte genießt, ecjogen, erhielt ec 1785 ben S?uf nad) {r ^)abua, wo ec als fPtofeffoc bec orientatifeßen ©peadjett am ©eminac, bann an S; bec Umoecfltdt bis ju,feinem SEobe am 8 . 2fpcil 1821 geblieben ift. SKit bec @tf(a= f cung bec luftfd)=acabifd)en 21ltectf)ümet im ^aufe Slani ju SScnebig („Museo Cu- iico Naniano", SSenebig 1788, 2S5be., gol.) begann ec bie Steiße f. ©djeiften, bie | alle bie ocientalifdje Sitccatuc betceffen. ©eßc gefragt weebett f. „ßcfldcung bec | ! arabifeßen Senlmdlec in ©icilien" unb bie „33efd)teibung eines globus coelestis", mit atabifd)ec ©eßeift, bec ftd; im SShtfeum beS ßavbinal S3ocgia befanb. 3Bitf= fam als Seßrec, wac bec gefällige Sflamt bis ju f. SEobe uitabldffig tßatig. SaS F. ; Snfiitut bec 2Biffenfd)aften oon Stalictt ßatte ifm, wie mefwe gcleßctc ©efell= ; fdjaften, untec feine SJlitgliebcc aufgenommen. 19. 470 Afftento Afffmilation , Affiento (fpan. SSertrag) nannte man bie ^Bewilligung bei fpanifchen SRe= gierung, bap eine frembe Nation, mit AuSfchliefung anbrer, auf eine beftimmte Anjaht non Sagten Stegerfflaoen aus Afrifa in bie fpan. Kolonien in Amerika ge= gen eine gewiffe Abgabe entführen unb f)anbel bamit treiben burfte. @d)on*Pb>= I tipp IV. unb Äarl II. non Spanien fd)loffen mit btrtGngldnbern fowol als f5oÜan= bem einen folgen ipanbelStractat; bann waren bie ©ngldnber bis 1701 in bem al= leinigen 33eft(se beS Affiento. ©ie oetloren ihn, als fPhitipp V. non Anjou auf ben fpan. Sfyron fam, inbem biefer (1702) ber franj. ©uineacompagnie, welche ^ feitbem auch ben Flamen Afflentoconipagnie annahm, ben dpanbel auf 10 3af)te äugejfanb, binnen weldier 3eit fie baS Stecht haben follte, jdfjctict) 4800 lieget beiberiei @efd)led)tS nad) bem feften Sanbe unb ben Snfeln ber ©panier in Ametifa I ju führen. 1713 warb bagegen ju Utrecht mit Gnglanb ber bcfannte Afftento= 1 tractat auf 30 Safjre abgefdjloffen (®rop britannien überlief nachher ben f)anbelbet ©übfeecompagnie), woburdp unter Anberm ben ©nglanbern gefiattet warb, alle 3ahre, wdi)renb beS SractatS, ein fogenannteS fPermifflonS= ober Afflentofcffff non 500 Sonnen mit allerhanb SBaaren nach jenen Golonien ju fd)icfen. 2)iefe$ aber 50 g grope SJtifbrduche unb nieten ©d)leid)banbel nad) ftch, «nb bie 33efd)Wet= ben unb Errungen barüber würben fo ftarf, bajj eS julelst 1739 jum Ätiege jwifepen beiben 3Bdd)ten tarn, wotaufin bem aachnet Trieben 1748 jWat bet engl. Gom= pagnie noch 4 3 ah« jugefianben, allein in ber 2 3 af)te batauf erfolgten ma= briber Gonoention berfelben überhaupt unb für bie nod) rücfftanbigen Afftentojah» ! 100,000 *Pf. @t. netfprochen würben; unb fo nahm bet Sractat fein Gnbe. Affignat, in ber franj. Sieoolution ein 5ßort für Stationalpapier, welches als SRü nje galt. GS würben narnlid) bie erfien 400 SJtill. biefeS fPapietgelbeS, welche bie confiituirenbe SSetfammlung mit ©enehmigung beS ÄönigS (19. 2fpril 1790) machte, auf ben SSerfauf bet eingejogenen geiftlicben ©üter afflgnirt ober an= gewiefen. ©d)on ben 27. Aug. beff. 3. brang SStirabeau auf bie S3erferttgung »on 2000 SJtill. neuer Afftgnaten, unb eS entftanb hierüber ein Streit in bet $ßet[amm= lung. aSorjüglich jetefneten ftch 25ergaffe unb ©upont als SJtirabeau’S Segnet aus; fie fahen ein, bap ber Afft gnatenp tan eine Grftnbung Glaoiete’S (auS beffen ©eprift 9Jtirabeau’S Stebe nur ein AuS}ug war) fei, ftch unb f. Anhänger ;u beteidjetn; bap burch biefen fPlan bie reichen 2ßud)eter in ben SSeft'h bet Stationalgüter gefefst \m- ben würben, unb bap biefe bei weitem nicht hinreiepenb feien, bieAfftgnate, befonberS wenn ft'e oermehrt würben, ju bedien. SJtirabeau fegte ihren ©rünben unter anbetn ben gropen politifchen klugen entgegen, bap jeber S3eflget oon 2ffftgnaten ein notf)= j wenbiget SSertheibiger ber neuen fßerfaffung fei, welche bie Auswechslung ber Af= | ftgnate gegen Stationalgüter oerbürgt hatte. fPethion unterflügte ihn, unb eS würben , aufS neue 800 SJtill. gefdjaffen. 9tacl) unb nad) oermehttemanbiefelbenbiSauf40 SJtilliarben, unb ft'e fanfen plefct auf SticptS herab. (©. 9Jt anbat.) ; Affignatton, f. Anweifung. ; Affignatton, ein tuff. fpapiergelb, warb feit 1769 ju 40 SJtill. Stubel ausgegeben; baS ©inten beffelben feit 1787 hat ben niebrigen Guts ber Deubel oer= urfacht. Sßit Grrid)tung ber SteichSleihebanf würben neue Affignationen auSge= geben. 3m Guts wirb unter Ütubel bet AfftgnationScubel oetfianben. 9Jtan hat fignationen oon 5,10,25, 50,75 unb 100 Stubein. 1809 bezahlte man 4 Stubel Afftgn. für 1 Stubel ©ilbergelb. liefet ©tanb fcpwanfte bis 1818, wo ber ©il= ; berrubel 375 Äopeten ju jtehen fam. 1826 ftanb er 372 Äopefen. Afftmtlatton, jßerdhnlichung, in mebicinifdjer S5ebeutung ein Act ber ©rndhtuug» oermöge beffen ber burch bie S3erbauung aus benStahrungSmitteln bereitete unb aus ben ©ebarmen eingefogene ÜJtüchfaft ben Stoffen beS lebenben thierifchen ÄötperS immer ähnlicher gemacht unb belebt wirb; infefern fönnte man ihn auch Animalifation nennen. 25er Anfang geht fd;on in ben ©efröSbrüfen 00 t 471 Äfitfen ft'ct), wetdje bm 9RUd)faft langer in ftcf) äurücEhalten unb auf eine ^of)ere Stufe bet 2 lnimaltfation bringen. Sie hochffe Stufe berfelben erreicht et, nachbem et butch bie SKünbung beS 33tufigangeS (ductus thoracicus) in bie linfe 3ugufat; »cne ftcf) etgoffen, mit bem Stute in biefer »ermifcht in bie rechte Jperjfammer, oon ba in bie Jungen Eommt unb, mit bem betebenben ©auerfioffgaS begeifiet, alö wirEticfjeS SStut in bie linfe $ersEammer jurucEEehtt, aus meldet et in ben ganzen Äotpet oerbreitet wirb. liefen lebten Sotgang in ben Jungen beseichnet man aud) a(S Slutbereitung (©anguiftcation). 3m flanjenteidE>e finbet eine ähnliche 2lfft= milation fiatt, inbem bie fPflanjen ihre Nahrung aus bet ©tbe unb bem SBajfet jiehen, bie eingefogenen ©äfte butch bie ©aftrohrdjen in bet fPflanje ftcf) öer» theiien, mit ben butch bie Stattet aufgenommenen SEheiten aus bet Juft ftcf) uet= mifchen unb jum 2Bad)Stf)um bienen. H. 2lfftfert f)icfcn I. in granEreicf) unb im untern (normannifchen) Statten bie im dftittelalter gensofjnticfjen Serfammtungen unb ©etichtstage bet Jehnleutc unb freien SKänttet. ©ottfrieb »on Souitlon lief, nachbem et (1099) 3«ufafem eingenommen fjattc, bie Statuten für feine beibert ©crichtöfjofe, baS ^ofgerieft unb baS Janbgericf)t, in fotd)en Serfammtungen entwerfen, wouon bieS metfwut; bige 2lcten|tücE ben Flamen „Assises de Jerusalem" beEam. (•fietauSgeg. franjöf. »on la Shaumaffiere, SoutgeS 1690, got. @. Sernarbi’S „Hist, des droits fraiKj", 1816.) II. 3luS bet Sformanbie Eam bet Sfarne bei bet ©roberung' nach , ©ngtanb unb bejeiebnet noch je^t bie ©etichtstage, wetcf)e bie abgeorbneten 5Kid)ter bcS .Königs jaf)rltcf> in ben ©raffchaften hatten. Heinrich 11 . gab bem 3nfiitut bie grofe 2IuSbcf)nung, baf et ben jfrettenben Parteien bie SBafjt tief, ob fte in ©tgen= thumSfireitigfeiten baS grofe 2lfftfengerid)t ober ein Äampfred)t entfcf)eiberi taffen wollten. SieS grofe 2lfftfengericf)t beffanb aus allen Stiftern (EriegSpfIid)tigen ©utsbefi'hern) bet ©raffchaft, baS Eteine 3lffifengerid)t, weldjeS btof über ben Seffb entfd;ieb, aus 12 freien, ehrbaren SJZämtern. 2fuS ihnen unb in ihnen hat ftd) baS ©efd)HDorenengerid)t(Sd)öffenred)t) auSgebitbet. Sie 12 SÜfitglieber ber 3 oberften engl. ©erid)tSf) 6 fe, beS £>berhofgericf)tS (Kingsbench) , beS Sbectanbgerid)tS (Court of common pleas)u. beS (Schaff;) ÄammergerichtS (Court ofexchequer), reifen jährlich 2 9Kat in ben 40 ©raffchaften ©ngtanbS umher, um biefe ©erid)tS= tage 5 U hatten, gut SSßateS ftnb jtt biefem ®efcf)ä>ft 8 Stiftet beffellt. 3u biefen ©e- richtstagen muffen fich nod) jefet alle griebenSrid)ter ber ©raffchaft unb biejenigeit (Petfonen einftnben, welche 00 m ©heriff (bem Sberamtmann ober Janb»ogt ber ©raffchaft) ju @efd)Worenen »orgefdjlagen ftnb. SZocf) jefst aber gleichen fte allge= meinen SSerfammtungcn bet ©raffdjaft. Sie 9ticf)ter werben feiertid) eingef)ott, mit | ©tocfengeläute empfangen. Sen ®erid)tSftijungen geht ©otteSbienff unb QOrebigt I oorher. Ser »otftfcenbe SJtcf)ter eröffnet biefetben mit einer 3?ebe an baS grofe ©d)of= ; fenrecht, wetd)eS aus ben angefefjenften Scannern bet ©raffchaft erwählt ift. (©ottu, „De l'administration de la justice criminelle en Angleterre", ^3ariS 1820) beutfd) 0 . ^ornthat, 1821.) Sie SJichtet haben bei biefen 2lfftfen .5 »erfdjiebene ©ommifftonen, welche ftd; theitS auf bürgerliche 9Jecf)tSfachen, theitS auf bie ©traf; rcdjtSpflege begehen. Siejenige, »on welcher bie ©etichtstage ben Statuen haben, bie Zlfftfencommiffton, berechtigt fie, ©igentfjumS ; unb SSeftfcfirettigEeiten ju ent; fefeiben, welches aber feiten mehr »orfommt, Weil eine anbre 3lrt ber .Stagen auf; j geEommen ift. Sie ©ommifftott nisi prius gibt ihnen ben ‘dufttag, in Sachen, j welche bei ben Sbergertchten anhängig ftnb, baS 33eweiS»etfahten ju injtruiren (wobei ein ©d)offenrecf)t über bie Stage urteilt, was für bewiefen ju adjten fei), , unb hiernach ju entfeheiben, wenn nicht biefetben früher (nisi prius) bei bem ®e= tid)t felbft »orgenommen werben, dtle, we(d)e aus irgenb einer Urfad)c, ttut nicht iut ©träfe, Eraft eines 9fed)tSfprud)S, ftd) in bem ©efängnijfe bet ©raffdjaft be= ftnben, werben oermoge einer britten ©ommiffton (of goal delivery) in ben tffftfen 472 ‘tffftfen ä«r Unterfucgung gejogen, ober tuen» baju fein ©tunb »organben iff, in greigeit gefegt. Sie wicgtigfle biefet Eontmifftoncn ifl aber bie, wobutcg fte beauftragt werben, bie Unterfucgung wegen ber grobem Verbrechen (föerratg, gclonie, große Stebflagle) »otsunegmen unb nach bem Spruche ber Sutp übet bie Xgatfacgen ju cntfcheiben (Comm. of oyer and terrainer). Enbtid) haben fte bab Siecht ber gtie= benbricgter (Contm. of peace), b. g. ‘fllleb anjuorbnen, wab jur Erhaltung beb Sanbfriebenbnach engl, ©runbfagen gehört. (©. g r i e b e n bg er ichte.) III.Sn ber neuern frans. ®erid)tb»erfaffung ftnb jwat feit 1808 auch 21 fff feng er i ch te, weU ege aber mit ber engl. Einrichtung wenig mehr alb ben Slamen gemein hoben. Sie Strafrechtspflege gehörte jit ben grductoollften ©eiten ber alten flletfaffung. ©te »etbanb bie 2 entgegengefegten Übel ber Sortur, welche oft nur alb ©cgdrfttng bet Sobebfltafe angewenbet würbe, unb beb äfeturtgcilenb sum Sobe auf bloße SSerbücgtbgrünbe. Sie hohem unb niebern ©erlegte granEteid)b seichneten füg burcg einen ©eifl ftnfletet unb babei leichtffnniger ©rattfamEeit aub, wooon bab 18. Sagtg. eine Sleige ber empbrenbften Salle liefert. Sn bet Sieoolution war bie Sieform ber Eriminafoerfaffung eine ber erften Arbeiten ber confritutionnetlen 2)et= fammlung. 5Slan nahm bie englifche Einrid)tung sumSKujler, befonbctb bab Ut= tgeilen über bie SEgatfadjcn burd; ©efcgworene ober ©cgöffen. Sie bürgerliche Su= fliS würbe (nach Aufhebung bet alten Einrichtungen) ben Äreibgeridjten unb 'ifppeb iationbgerid)ten übertragen, für bie Etiminaljufry aber butch bab ©efeg »om 25. gebt. 1791 in jebem Separtement ein Eriminalgeridjt, beflegenb aub einem fPrä= fibenten unb 3 Slatgen, angeorbnet. Äeiner biefet SSeamten würbe non bet Sie= gierung ernannt (fte hotte aber einen Äronanwalt bei jebetn ©eridjte). Sen fPta= ftbenten unb ben offentlidjen 2(nEtdger ernannten bie SEBaglmdnner beb Separfe= rnentb; alb Slicgter bienten bie SJlitglieber bet Äreibgericgte nach ber Steige. Siefe Einrichtung blieb im ©ansen bib sur Eonfttlattierfajfung, in welcher bab Siecht ber Ernennung bem crflen Eonful übertragen würbe. Stttd) bie Eriminalgeticgtbotb= nung von 1808 (Code d’instruction criminelle) würben biefe ftegenben Etiminab geriegte wieber aufgegoben, bie Strafrechtspflege ben 2fppellationbgerid)ten ($ofge= rid)ten) in ber 2frt übergeben, baß bab erfle Urtgeil über bie SulafftgEeit einet Erb minalunterfucgung »on ignen gefallt, für bab öffentliche SSetgor unb bie Entfcheb bung (mit ©efd)Wotenen) aber ein befonbereb ©ertd)t (Cour d’assises) gebilbet wirb, welcgeb aub einem «fjofgeridjtbratge alb fPrdfibenten unb aub ben 4 dlteffen SJIib gßebern beb dlreiS = ober Sanbgericgtb (Tribunals erfter Snfianj), in beffen SSejirS bie ©oege gewiefen ifl, beflegt. Sie fleinen fPoliseinergegen gegoren »ot bie Srtb= »orfleger (Maires) unb biegriebenbriegter, unb bie geringen ©traffdlle »ot bieilteiS= geriegte. — Sab föetfagren eor ben frans. 21ffrfen ift folgenbeb: Sebeb frans. Tribunal ber erflert Snflans gat einen fogenanntett SnflructionSrid)ter. Er untcr= fuegt jebeb Sßerbrecgen, bab igm ber ©taatbanwalt, bie ^oliseibegotbe ober ^)rt= Daten anmelben; er »erfolgt bie ©pur ber $£gat unb beb Sgdtetb, »ernimmt 3cu= gen, erforfegt Utfunben, ergebt 2fugenfd)ein unb protoEollirt jeben föefunb. Sann referirt er am Enbe batüber münblicg bem Srifntnal erfler Snllans in nid)f offmt= lieget ©igung (en chanibre de conseil). ginbet bieb Sribttnal naeg Sgatfacgen unb Umfldnben ben 21ngefcgulbigten unfcgulbig, ober wenigflenb nach ber Sage ber 2fcten bie Übetweifung beb Snculpaten (prevenu) fegt unmagtfd)einUcg, fo erfolgt fofort bie Entbinbung beffelben »otrbet Älage. (ginbet bab Vributtal erfler S»= flang, bajj bet gerügte ©traffall ein einfacher fPoliseifre»el (delit) ifl, fo »etweijl bab Tribunal bab fttnere fßetfagten an bab Sucgtpoliseigericgt, unb im gall einet bloßen poliseilid)en Slüge (contravention) an bie fPoliseibegorbe.) ©cgeinen aber bie »orldufigen Unterfud)ungbactcn ben Verbdcgtigen su gta»iren, fo berichtet, in bem galle eineb fd;weten SSetbrecgenb (crime), b ab Tribunal mit Einfenbung bet 2fcten an bab Sbergeticgt (Cour royale). Sieb beliberirt batübet (en chambre 473 2Cfitfen de conseil) , hört bie 3lbftimmung be« ©eneratprocuratorS, unb ft'nbet baS £>bet= gcrid;t bie angefd)ulbigte Shat criminell unb erweislich, fo erfennt foldße« im S5e= jaßungSfalle ju Stecht, baß bec bisherige Seetüchtige nunmehr als Snquifit (accuse) einer förmlidjen 2lnflage unb Specialunterfuchung über baS genau ju befiimmenbe ; SSerbred)en ju unterwerfen fei (arret des renvois aux assises). Diefe ©imi= ! nalgerichte galten in jebem Departement wenigftenS ein SJtal t>iertetjdf)r[icf) eine : @i&ung, um bie fdmmtlidjen jut gntfdßeibung reif geworbenen ©iminalfalle feit notiger St|ung beftnitiv abjuurtheilen. Da« Snffitut ber @efd)Worenen beruht ! auf ber liberalen Sbee, baß baS Stecht über £eben unb Sob in ber Siegel nid)t in ber 4janb ber eigentlichen Staatsbienet ifi, fonbern einer nach gewijfen gefehlte!) en9tor= 1 men, tfeUS butd) baS £oo« (gewiffermaßen al« Judicium pariuni) au« bet SJiitte be« &olf« berufenen 2luSmal)l gehörig qualiftcirtec Staatsbürger aufgetragen wirb, weldje nad) vollbrad)ter Sifrnng als privaten in bie Steihe ihrer Süitbürger jurficfs treten. Der fPröfect überfenbet wenigftenS 4 Sage vor ©Öffnung ber Jlffifen ( bem föorftfsenben in ben 2iffifen ein fBerjeichniß von 60 jurn 21mte eines @efd)Wo= renen fähigen fPetfonen im Departement. Siebet ©efchworene muß wenigftenS 30 Sahre alt unb im ©enuß alter bürgerlichen Siechte fein, fernerStifglieb be«2Bahl= collegiums ober einer bet 300>f?öd)ftbefieuerten, ober Doctor, Sicentiat ober cot= refponbirenbeS SJtitglieb einer vom Staat anerfannten gelehrten ©efellfchaft, ober Stotar, ober patentirter SSanquier, 2Bed)felagent, Äauf= ober $anbelShetr 1. ober 2. ©affe, 2fbminifirativbeamter mit wenigftenS 4000 Sfr. ©infommen, ober MS= ' penfationSweife befähigt worben fein. 2ibfolut unfähig ftnb bie SJtinifier, fPta= fecte, Unterprdfecte, Siichter, StaatSanwdlte unb ©eiftliehe, unbffjeber, weis 1 eher in bem ©iminalfalle- früher amtlich ober .privatim wirfte. Der vorgebadjte 1 ißocftanb be« 2lffifenl)ofeS fireicht, vermöge beS ihm beiwohnenben pouvoir dis- ’ cretionnaire , aus jener Sifte ber Sechziger 24 ^>erfonen. Zugleich erhalt ber ge= j bad)te fßotfianb eine Supplementarlifte aller jurpfahigen fPerfonen im SigungSs ; orte ber2fffifen, um aus biefen in etwaigen SSerhinberungSfdllen ber übrigen 36 j ©efchworenen fo viele hinjuzufügen, baß wenigftenS 30 ©efchworene ben Sif5un= ' gen perfönlich beiwohnen, fßor biefem 2fffifengeritf)t erfdheintnun ber StaatSan= I roalt als öffentlicher2fnfläget, unb ber von feinem Defenfor begleitete Sutquiftt, > toeldjem vorher bie 2fnflage, bet Sag jut fßethanblung, bie Urfunben in 3fbfrf)tift, bie Statuen ber Beugen unb ber ©efchworenen fd)riftlid) mitgetheilt .worben ftnb. Sowol ber StaatSprocurator als ber 2fngeflagte verwerfen einig e ©efdiworene nach SMeben, unb aus ben Übrigbleibenben ernennt baS 2ooS 12 ©efchworene für ben fßerhanblungSfall. Die ernannten ©efchworenen nehmen Sifc auf einer Sti= bune, bie Shüren bet ©etichtSfifjung werben für baS publicum geöffnet. Stun beeibigt ber iptaftbent bie 12 ©efchworenen; bie Sfcte ber ernannten 2fnflage, bie 2fnElage felbft, bie 2ocalbeftd)tigungSprotofolle unb ©pectifen werben votgelefen. Der Staatsanwalt bezeichnet baS SBefentlichfte in ber Sfnflage, bie Überführung«; ftücfe, unb Die materiellen corpora delicti werben oorgetegt unb nad) ben Umftdn= ben recognoScirt. fßerhöct werben bie erheblich befunbenen frühem Beugen unb bie I ©egenzeugen zwar nad) Anleitung ber frühem föerhörprotoMe; jum ffieweife ber ; Schult ober Unfd)Ulb bient aber bloß bie münblid)e Beugenvernehmung in ben 2Cfft= | fen. 3fber auch bie anbern Siichter außer bem fragenben, bie ©efchworenen, ber ( Staatsanwalt, ber 2fnge£lagte unb fein SSertheibiger, ber als S5efchabigter auf= tretenbe ^rivatu« haben baSÜiecht, bem Beugen fernere fragen ju tl)un. Sfun reben über. baS fßerhanbelte nad) einanber, gemeiniglich 2 3Ral, ber Staat«an= Walt, bieS)rioatpartei unb ber fßertheibiger, unb, wenn er will, aud) b<>r 2(nge= flagte felbft. SOtan vernimmt über zweifelhafte 2fuSbrücfe vielleidjt nodjmal« einen Beugen, erfennt über SncibentpunEte, unb, wenn in ber Si|ung 3flleS fd)on jum Spruche reif würbe, erficht in ber nämlichen Sihung bec ^)rdftbent bie fßerhanb; ! i i 474 2Cffociation lung für gefcßtoften. 3« einem Eurjen SBortrage ßetlt bet ß)raßbent bic 33etoeifc * fite unb reibet: jufammen unb (egt ben ®efcßreorenen fdjrifrticß biegragen oor, reor= ! über ißt ©ereiften ftd> ju erEldten fjat. Sann treten bie ©efeßreorenen pfammen im 33eratf)ung$jtmmer, unb reenn ft'e prüdgefeßrt ffnb, fpreeßen ft'e baSOrefuttat ißter S3eratßung öffentlich aug. $aben bloß 7 oon ben 12 ©efeßreorenen ben 2Tn= gebtagten fcßulbig befunben, fo beliberiren überbie Sßatfrage aueß bie ßfießter, unb tritt bie StJtajorität bet ßfießter ber Minorität ber ©efeßreorenen bei, fo gilt bie bem 3fngeElagten günßigere Meinung. ^Bereinigen ftcf> ferner alte CRidjter pt gtei= fpteeßung beg 2CngeElagten, bieSurt) mag eing gereefen fein in bet ffierurtßeilung f ober nießt, fo rettb bie ©aeße auggefeßt pt 33etßanblung oor bet näd)ßen 2fffife, bie bann beftnitio erEennt. fäat bie ßßeßrßeit bet ©efdjreorcnen ben Angef tagten fteigefptocßen, fo laßt bet fptaftbent ben 2 fngeElagten frei, reenn if>« nießt etrea aud) trgenb eine anbre 2fnftage »erfjaftete. 3ß ber 2fngeflagte für fdptMg erEtärt reot= ben, fo fängt eine eigne SSerßanblung über bieJfntoenbung ber ©träfe unb übet bie etreaige fPrioatgenugtßuung an, unb bieStidjter entfd)eiben hierüber mit 2fngabe ber dntfcßeibungggrünbe. ©egen bieg (5riminaturtf)eiE ftnbet bloß bag (5affations= gefueb ßatt. Ser da ffati ongß of (f. b.) nimmt bieg ©efud) atg gegrumtet an, reenn eine SßidßtigEeit, ein gormalitdtgfeßter ober ber ©ptueß reibet bag flare ©e= feg naebgereiefen reutbe, unb oerreeifet bann pm abermaligen drEenntnijj ben*Pro= ceß an einen anbern 2fftifenßof pt neuen SSetßanblung unb Urtßeitfällung. 37. 2 fffociattoh (SSergefellfcßaftung) ber Sbeen, ober richtiger, ber Söor- j ßetlungen, nennen reit bie ©etbinbung unferer üöorßellungen, oermöge beten fte ßcß einanber unrei tlEürticb etreeden unb auf einanber führen. Sa ftd) baö SSerßältnifi unferer SSorßellungen überhaupt auf ein Aufiereg (bet Seit/ beg Srtg) unb auf ein Snneteg prüdfüßren lafjt, reetcf>eg oon 93erreanbtfd)aft, AßnlicßEeit unb Undßnticßfeit berfetben abbängt, fo iß alte fogenannte Sbeenaßociation oon 2 allgemeinen ©efeßen abhängig, bie man auch Aftociationggefeße nennt, nära= lieb 1) ©efeß bet Seitfolge unb ©lekßjeitigEeit. 83orßellungen, reelcße oft mit einanber oerbunben traten ober nad) einanber folgten, erwecEen einanber reed)fetfei= tig in biefer golge. Saber erinnern gereiffe Srte an gereiffe dreignifte, rectd)e bort oorgefatlen ßnb; gleichzeitig reaßtgenommene dreignifte erinnern an einanber; fo ajtcb Me unmittelbar aufeinanberfolgenben, unb jrear etreeden fie ftd) am leid)te= ßen in ber beßimmten gotge, j. §3. bie ßBorte eineg augtoeribig gelernten ©aßeg, ^ je öfter man ße auf beßimmte SSBeife oerbunben bat. Sieg beßimmt auch unfete gertigEeiten, inbem eine beßimmte golge ber SSorßellungen burd; ©ereoßnßeit leid)t reirb, reag ßd) auch im ^anbeln nad) benfelben äußert, ©o fpielt 5 . S5. ein geüb= ter dlaoierfpteler im SunEetn ober oßne auf bie Saßen p feben, rid)tig, reeit er bie Saßen ßd) in bet beßimmten Sage feßon oft oorgeßellf unb unter ben $änben ge= habt bat. 2) ©efeß ber SSerreanbtfcßaft, 2 fb)nlid)fcit unb dntgegenfeßung ber5Bor= ßellungen. fßaeß biefem ©efeße erroeden unb oerbeutlicßen ft'cß 33orßetlungen (eießt, beten Snßatt ftd) auf einanber beließt, din Snbiüibuum erinnert an bag anbre, reenn eg gereifte Süge mit bemfelben gemein ßat, bag Portrait an bag Sriginal, bag SSejaßenbe an bag gerabe ©egentßeil, baßer aueß bie SBirEfamEeit ber gronie 1 p erEtären. — Sn einem folcßen iöeißättnifte ßeßen ferner ingbefonbere ©uM ject unb fPräbicat, Utfacße unb SBirEung, ©attjeg unb Sßeil, ©attmtg, 2frt * unb Snbioibuum, ftfebenumßänbe unb $auptfacßen, bod) fommt man leießter , oon bem SSefonbern auf bag Allgemeine, atg umgeEeßrt. SBag in einem gereiften ! i n n e r n Bufammenßange ßeßt, bag merEt ßd) leicßt oetmöge biefeg ©efeßeg. Siefe unreißfücticße S3erbinbung unferer Söorßettungen nun iß atg untoiilEüclidjet ©eban= Eenlauf in bet erßen Seit unferg Sebeng unb bei bem Ungebilbeten immer oorßerr= feßenb. 85ei eintretenber Söilbung beg Sevßanbeg tbirb ber nad) 2 (bftcßt unb S*»ed geleitete ©ebanfengang ßerrfdjenb. ©leicßreol reirft jener immerfort, tritt in unfere • 475 Äffonanj Untergattungen ein ttnb befiimmt fa^ butefauS unfere Sr du me. Sebet einjetne sjftenfcf fat aud) feine eigne Sbeenaffociation, b. f. gewiffe SSorfMungen perbim ben ftd) bei einem SnbiPibuum leichter atS bei bem anbern, werben oft Ijetrfdjenb unb bringen manche ©igenfeiten, gevoiffe Meinungen, 9Soruttf>eiCe, Neigungen unb Abneigungen, unter Anberm auch oft bte fogenannten ©tetfenpferbe fjeroor. SiefeS ift ber ©rutib, warum man bie Äenntnif ber Sbeenaffociation bem SÖ?en= fcbenfennet als einen fef>r wichtigen ©egenflanb jufd)reibt, unb warum mancfe sjftenfcfen, wetd)e biefetbe bei anbern erforfrfjt faben unb benufen, über bicfetben oft eine feft gtofe ©ewatt erlangen; benn ft'e gehört ju Sem, was bie ©ewofnfeit in bem Sftenfcfen befefltgt fat. T. Affcnanj, eine muftfatifcfe Ofebeftgur, gteicffam eine ©d)Wefter ber Al = literation (f. b.), benn wiebiefe in einer ©leicffeit ber ©onfonanten in rneften SBortern eines ©afeS befieft, fo bie Affonanj in ber ©infeit ber SSocate. ©ie ifl eigenttid) in bet fpan. unb portugief. ^Doeffe einfeimifcf unb farmonirt feft wofl mit bem ©faraftet biefer an potttonenben SSocaten reifen ©praßen. Sie 25er= fucfe unferer Siebter, bie Affonanj anjuwenben, faben im ©anjen nur baju ge= bient, if re Unanwenbbarfeit in unferer ©ptaefe ju geigen. Sie jweifptbige Affo= nanj fann bei uns in bet {Weiten ©plbe fafl nie anberS atS in bem fhtmnten © ge= bitbet werben, welches wir faum foten; unb aud) bie einfptbigewirb {u fefrpon ben ©onfonanten übertont, als bafj fte befonbere ©mpfeftung oerbiente. AtS AuSnaf= men moeften bie fr eff tiefen Affonanjen in gr. ©cf teget’S „AtarcoS" unb in Apet’S „©efpenfterbuef" (23b. 4) attjufef en fein. Se^tcrer befonberS fat mit Pieter Äunfi fief ber {weifplbigen Affonanj ofne baS ftumme © bebient. Affumptton, $aupt)f. Pon fPataguap (f. b.), ©i(s beS Dr. grancia, 8000 ©inw. Affprten, ein im Tfttertfjum berüfmteS afiatifdjeS Oieid), beffen ©rem jen nieft ju alten Seiten biefelben waten. SaS utfprüngltcfe Affprien grenjte nörb= tid) an ben 25etg EftipfateS in ®rof?atmenien v wefitief an 2ftefopotamien, fübtief an ©ufiana unb ofitief an SfJZebien. Affut fott es gegrünbet faben. Unter ben 9?e= genten biefeS 9?eicfS ftnb oorjüglicf OtinuS (f. b.) unb feine SBitwe unb Sfrom fotgerin ©entitamiS betüf rnt. EKinuS unterwarf fief baS babptonifefe, baS mebU fd) e unb nod) einige anbre Ofeicfe. Unter ©arbanapat (ungefaft 900 S. p. ©fr., nacf 23otnep 717 P. ©fr.) warb ArbaceS, ©tattfatter pon 9)?ebien, $err beS affp= rifefen SfeicfS. ^)erobot, beffen ©taubwürbigfeitföotnep erwiefen fat, beffimmte bie Sauer ber affptifcf cn «fjerrfcf aft in Sbetaften auf 520 5. Sn ber gotge tbfte ft cf baffetbe in 3 Ofeicf e auf, wetefe bie $auptbefianbtf eile beffetben auSgemacf t fatten, unb eS bitbeten ftef aus bemfetben baS mebifefe mit AfTprien unb baS (neue) babptonifefe 9feid). Socf batb erfob ftd) Affprien mit ber -ipauptftabt 92U nioe unter ©atmanaffar pon neuem, inbem SJtebien mit S3abpton bemfetben un= terworfen waten; alleinSJfebien tijj ftd) um 700 (öS, unbbermebifd)eÄonig©para= teS petbanb ft'cf mit Ofabopotafar, ©tattfatter pon SSabpton, worauf SSeibe'606 p. ©fr. fftinioe eroberten unb jerfiorten. AfTprien würbe jeft eine mebifefe ^)to= Pinj, Sabpton aber burcf ebucabnejat’S ©roberungen feit 600 ein mdcftigeS fReicf. ©nbtidf pcrcinigte fammtücfe JReicfe um 550 o. ©fr. bet perftfefe ©r= oberer ©ptuS (f. b.). 2fff, berjenige Sfeit eines 85aumeS, ber nieft unmittelbar pon ber SSurjet, fonbern erft pom ©tamme auSgeft. 2(uS ben Äffen gefen bie Steige unb Sldtter ferpor. 9Bie man baS SEBort ©tamrn bitblid) auf SSotfer unb gamitien anwenbet, fo fagt man auef {. S5.: „Siegamilie tfeitt ftcf in mefreÄjle". Socf finb in bie= fern ©tnne bie ÄuSbrücfe Sweig unb Sinie gebrduef tiefer. Sn bet gorfiwiffenfefaft begreift man bie Äffe unter bem gemeinfef afttidjen 2(uSbtucEe pon Sbergef otj unb fdjeibet bet ber SSereefnung beS SßertfeS eines Saumes ©tamm unb Sbergefot{. 476 3fflarte Stftyetif Sie 9tid)tung bet 2(fte ift an jebem Saume djarabteriftifd) unb gibt auf ben ecften Stieb ein Sterbmal, fte »ott einanber ju unterfdjetben. 3tfiat te, eine fprifdje ©ottin, mabtfchcinlid) fo uiet-ats bie©emele bei ben ©decken unb bie 3bftatotIj bei beit Hebräern, ©ie batte nach Sudan einen grafen, uralten Tempel in ^Pbcimsien. gj n jg e galten fte auch für bie Jperc, nod) 3fnbre für bie 2 (pf)robite. 3tjievt6cu§, ©terndjen (*), bie man im’Sette braucht, umbamitatif untenfieljenbe 2fnmertungen ju oetmeifen. Stau fegt fie ju bem SBorte, auf mel= d)eS ftd) bie 3fnmerbung junad)fi bezieht. 3tud; bezeichnet man Sueben bamit. Sie alten Äritiber bebienten ftd) beS 2CfteriScuS ober beS itteujeS, obelus, um in beit ^anbfcfjriften irgenb eine Unrid)tigbeit beS SEejcteS anjubeuten; 2tnbve bebienten fid) beS ©ternS zur Sfngabe ber ©d)theit unb 9tid)tigbeit. 31 ft [) e n i c, ©cl)wad)e (aud b. gtied). « privativum unb aStvog , Äraft). SieS SBort ift butd) Sromn ’8 Sebrfage in ©ebtaud) geboomten unb bezeichnet über= haupt bei if)m ©d)macf)e bet ©rtegung. ©ie entfielt entmebet, ittbem bie ßtreg= barbeit beS lebenben ÄotpetS butd) bie auf fte ju fchrnad) mirbenben 9ieije zu menig in Sf)atigfeit »et fe(st mitb, bieS ifi bie birecte 3Cfit)enic 5 ober inbem butd) »orf)etge= gangene ju ftarbe OEeije bie ©rregbarbeit «erminbert morben: inbirecte 3tft()enie. Sie afthenifche S3efd)affcnf>eit mirb nach Stomn’S 3fngabe butd) folgenbe (Sinfluffe erzeugt: zu lange bauetnbe Äatte, ftarbe unb lange bauernbe Säarme, fPflanzennafp rung, SBaffer unb vtoafferige ©etranfe, Stängel an öerfdjiebetten ©emoI)nf)eit 6 reijen, Z- S. an geifligen ©etranfen, an ©emürzen, Stängel an Slut, zu fd)mad)eobet ju ftarbe Semegung, Seibenfchaften, 3(njtecbungSfioffe u. f. 10 . Sie »orzüglicbften Zufälle, metd)e bie afthenifd)e Sefchaffcnbeit bezeichnen follen, finb: graft unb ©ebauber, fd)mad)er, voeicher, fleinet unb fef)r fchneller fPulS, Äopffchmetz «on Mangel an Slut, Srrereben, Stängel an Grfjluft, Gbel unb (itbred)en, Setau= bung, ©d)laffud)t, ßuefungen, faule Staune, Slutflüffe, Srüfengcfcbmülfte u. f. tu. Unter bie afthenifchen Äranff)eitSformen follen nebfi mehren anbern be= fonberS folgenbe, nad) bem ©rabebet allgemeinen ©chmache georbnete, geboren: Stagerbeit, ©djlafloftgfeit, Ärage, bie englifdje Äranbheit, Slutflüffe, Unter= btüdung ber monatlichen Stegein, Sutdjfall, bie meiften jtinberbranbheiten, @cor= but, ©id)t, Güngbrüfiigbeit, 2Bafferfud;t, ©pilcpfle, Sahmung, ©chlagfluf, Säed)fel= fteber,_SpphuS, Seft. (©. ©rregungStheorie.) H. 2t fl 6 e 1 1 5 nannte man feit 30ep. Saumgarfen eine befottbere Säiffenfdjaft »on bem ©d) 6 nen unb feinen mannigfaltigen SarftellungSarten, meld)e 00 t biefem Sh«ofopf)en nod) niefjt »orhanben mar, unb ben 3*t>ecE hatte, bie Seurtheilung beS ©chonen auf ein Sernunftprincip zurüdzufübten. Son biefem SEfjeile bet fPbil 131 fophie, als Stetaphpftb beS ©chonen, fotlte bie Sheorie ber Äünfie unb ber jfuitff= fritib abhängig fein. 3(ud) hier ftnben mir, mie in anbern ©ebieten ber ©rbennfnifi, bafj ftd) bie S3i|fenfd)aft erft bann, nadjbem cinegülle mannigfaltiger Setrad)tum gen unb Gfrfaljtimgen ttnb bie lebenbige 3(nfd)auung »orhanben ift, in fpflematifcher ©eftalt entmicbelte unb auSbilbete, inbem erft bann ein *Ptincip beS Sefonbern ge= funben merben bann, menn biefeS felbft burd) feine oetmirrenbe Stannigfaltigbeit baS Sachbenben bazu aufgeregt hat. Sähet aud) bie Siteratur beS mi|fenfd)aftlid)= ften ber alten Solber uns nur jerflreute Setrad)tungen übet einzelne ©egenftänbe jener SBiffenfdjaft unb über einzelne Sarftellungen beS ©chonen (einzelne Äünfte, JTunftgattungen unb Äunftmerbe) in bogmatifd)er ober britifcher ©eftalt barbietef, obgleid) biefe oft, mie bie hierher gehotenben Seiträge etneS 0)lato unb 3(riftoteleS, eine Sebenbigbeit an ftd) tragen, meldje bett SOBerth mandier neuern fp(tematifd)en Searbeitung gar feljr »erbunbeltt. 3(IS aber, inSbefonbetc burd) beS berühmten (Ihr. SBolfS Seftrebungen, bie Shll°f 0 Pf)l e (namentüd) bie Seibnilffchc 3(itftd)t betfelben) in ein ©pftem zu bringen, eine Übcrftd)t beS ©anzen bet s Philofopt)ie unb ' tfjfyettt 477 j| i()tcv 2!f)ci(c'mog(icf) unb nott^rtjcnbig geworben mar, entfianb aud; halb bie 2fuf» !| gäbe, eine St)eoric bed @d;6nen, unb mit ihr gemiffe allgemein gültige ®e= fefee jttr Bilbung unb Beuttl;ei(ung beffelben aufäuftellcn, meiere auf bem SBefen ber „fchonen Grrfenntniß felbft" (bet meld;em tfudbruefe man badSefühlSoetmogen unb bie ftnnliche ©rfenntntß oermechfelte) berufen füllte. 3« biefer Sbjcorte legte ber genannte 23aumgarten, ein Schüler Sßolf’d, ben erffen ©tunb. 25er ©tanb= punft, von metd;em man juetff bei einer foldjen audgütg, mar ein fubjectioer, b. I). man betrachtete bad ©chone junachft nach feiner Söirfung auf ©mpftnbung unb \ ©efühl, ober oon ©eiten ber gal)igf'eiteu unb Srgane, mit toclchen man baffelbe auffaßte. 25a biefe Betrachtung eine allgemeine Sfjcorie beS ©mpftnbungdnctmb= gend ooraudfefjte, fo nannte man biefe 2Biffenfd;aft weil ahrü-yaig, tooBon jener Staute berfommt, Gfmpftnbung, ©efühl, ftnnliche Borftellung unb bie fte begtünbenben Bctmogen bejeidjnet, metd)e nad; ben nod; ttnaudgebilbeten pfi;d;ologifd;cn tCnftdjten ber bamaligen Seit aud; mit bem tarnen niebered ober fmnlidjeS ßrfenntnißoermogen umfaßt unb Bon einanber menig unterfchieben mürben. 25enn meil man eben üermittelff biefed Betntogend bad ©chone ju fennen unb mnl)rjuncl)men glaubte, baß biefed ootjüglid) bad ftnnliche Gfrbenntnißüermb= gen ober bad ©mpftnbungdoetmogen anfpredje, fo fud)te man eine SSBiffenfchaft ju ©taube ju bringen, meld;e bie ©efefse beffelben, befonberd in Begehung auf bad ©dtotte, ebenfo umfaffen füllte, mie bie Sogif bie ©efejje bed Betffanbed ober bed Senfoermögend umfaßt; batjec ju begreifen ift, marum fte Baumgattett eine * SBiffenfchaft ber ftnnlid;en ©rEcnntniß, unb bad ©dtjorte bad ©ittnlichoolUommene, ober bie gdl)ig6eit eined Singcd, Betgnügett in und hetoorjubtingen, nannte, burd; meld)c ©rflärung bad ©d)6ne Bott bem tfngenehnten, unb bie 2Biffenfel;aft oon ber empirifdten Äenntnijj nid)t hinlänglich unterfchieben mttb. Baumgarten fam alfo burd) Bel;anblung unb Betrachtung bed ©mpftnbungdBetmogend auf bad @d;6ne, unb meinte, bie ©efe^e bteferftnnlid; ernanntenBollf?ommenfjeit (bie dflf>o= tifdjett ©efe^e) aud bem Begriffe aller Bollfommcnheiten ableiten ju fonnen. 2Bad er nun aber ald fold;e 2Biffenfd;aft in feinen Borttägen unb ©d;riften (f. Baumgarten) aufffellte, enthielt mehr prabtifd;e Stegein über ©rftnbung unb Beurteilung, tfnorbnimg unb tfudbunf bed @d)6nen in beritunft, oorjügtidj bet Sicht = unb Otcbetunft, ald eine Unterfud)ung über bad SBefen ber Schönheit v überhaupt. Siefed fPrincip ber ftnnlichen Bollfommenheit aber, mcld;ed Baum= ’ garten aufftellte, mürbe oon feinen Stachfolgern immer meiter audgebilbet, tnbetn man bie Statur bed ßmpftnbungdoermogend immer genauer untecfuchte, unb halb auf phpftologifchcm unb,'pf»d)Ologifd)emSBege, melier burd; Socfe’dSenfualfpjtem unb anbrer (Sttglanber (j. 23. Butfe’d) Unterfud;ungen feht gangbar gemorben mar, bie Statur äftl;etifd;er ßmpftnbungen erforfcl)te, halb, oorjüglid; bttreh Batteup, btt Bod unb anbrer gtanjofen .gjeifpiel geleitet, eine SEheorie ber fünfte unter bie= fern Stamm aufjuftellcn oerfuchte, melche jebod;, beuor nicht bie reine 2ffif)etif, rcoBon fte abhängig ift, burd; ein tiefered fPrincip begrünbet mar, nothmenbig fd;manEenb audfallen unb eine emptrifd;e Äenntniß bleiben mußte. Äant, ber bad 1 ganje ©ebiet ber philofophifchett SBiffenfd;aft feiner Beurtheilung untermarf, unb nach bet SJtoglidjfeit einer pl;ilofopl;ifd;cn ©rfenntniß, meldje über bie ©rfahrung \ l)inaudgel)e, fragte, unb nad) beffenllnterfudtungen bie^hüof^m ald einc2Biffcn= fdjaft Bon ben urfprünglidjen Bermogett unb ©efe^en bed menfd)lid)en ©eifted er= fdjiett, unterfdiieb jmar genauer ftnnliche ©rfenntniß unb ©efüi)l; aber er bcfrach= tote bad ©d;6nc immer nod; bloß in feiner SBirfung auf bad ©efühl nnb fiellte fo übet bad ©diotte ben Begriff bed 'iifthetifd;en. Unb menn ihm nun, nachbem er bem Botftellungduermogeit uttb bemBegehrttngduermogen ihre befonbernSheorictt angemiefett hatte, bad ©efül;£doetmbgen übrig blieb, auf melcl;ed bad ©chone alfo ( bejogen mürbe, baß man Boraudfe|te, bad ©chone fonne nur burd; ©efüljl mahr= 478 Äjfyettt genommen werben, fei blof fftr bag ©efühl ba, ober beftehe blof in einet befonbem S3ejiehung auf bag ©efu^t, fo ifi eg begreiflich, wie er frut>erf)in eine foldje 9Biffen= fd£?cift für eine unmögliche halten unb felbft ben 9iamen berfelben »erwerfen fonnte; benn bie Seurtheilung beg Schönen (b. i. JDeffen, wag fetjon ifl) ifl nach jenen 23ot= augfe|ungen empirifd) unb fubjecti». Allein theilg haben fchon bie bebeutenbflen feiner Schüler (j. 33. ber um bie '<Üjthetif »erbiente ^epbenreich) entgegnet, bafj auch bie ©efehmaefgurtheile, ober bag afthetifche SBohlgefallen überhaupt, »on gewiffen urfprünglichen SSebingungen beg ©emüthg abhängig fein muffen, — welche, jur ^Biffenfchaft erhoben, eine ©efdjmacfgtehre werben unb, fofernfiebie ©egenftdnbe nach «hter fSegie^ung auf £uft ober Unluft, ober alg ©egenftdnbe eines allgemeinen unb nothwenbigen SBohlgefalleng ingbefonbere betrachte, fügltd) jfjihetif genannt Werben fonnte; tf>eilg hatte aud) Äant in feiner nachher erfd)iene= nen „Äritif ber Urtheilgfraft" bie ©runbjüge ju einer fokhen ©efchmacfglehre ober Äritif ber dfthetifd)en Urtheilgfraft (beg ©efdjmacfg) wirflid) aufgeflellt, welche nun an bie Stelle ber 2ifif)etif trat, unb worin er bieöefege, nad) welken bet 93etftanb bei bet Seurtheilung Seffen »erfahre, wag butch ftd) felbft gefallt, auf: fuchen wollte. So fchatfftnnig unb treffenb auch Äant’g Unterfuchungen ft'nb, fo weit ft'e fleh mit ben Sßirfttngen beg Schönen unb beg Erhabenen auf bag ©efühl, ober mit bem ©efehmaefe (berlbalb alg djtf)etifd)e Urtheilgfraft überhaupt auf bag Schöne unb ©thabene, halb nur auf bie S5eurtheitung beg Schönen gerichtet fein foll) befdjdftigen, fo wenig erfchöpft hoch bie 3f)eorie beg ©efdjmacfg, ober eine Sehre, in welcher bag Schöne in feinen SSBirfungen auf ung, folglich nur baS ©efühl beg Sd)önen unb ©rhabenen, betrachtet wirb, bie 2lfthetif, alg Sßiffenfdjaft beg Schönen gebad)t. 2fnberntheilg muffte fdjon ber Stanbpunft, »on welchem Äant augging, bie Unterfudjung befdjtdnfen. £>enn inbem juerft gefragt würbe, ob eg allgemeine ©tunbföhe ber Urtheilgfraft gebe, welche bag ©efühl ber Suft unb Unlufl befümmen bei ber f8euttf)eilung beg Schönen, würbe bag Schöne feinem SfBefen nach fchon »orauggefeh't; ftatt beffen trat nun ber allgemeine S3egriff beg 2fflt>ctifchen auf, welcher alleg dasjenige bezeichnet, wag in 83ejiehung auf bag ©efühl ber Sufi unb Unluft »orgefiellt unb baburch Sache beg ©efd)macfS wirb, unb in engerer 33ebeutung, wag lebiglid) burd) feine 35ejief)ung auf bag ©efühl ©egenfianb beg SBoflgefalleng wirb, — in welchen SSegriff fich bag Schöne, nach bem feefdjranf- ten »ulgairen Sprachgebrauche, unb bag ©rhabene feilten, fDic SSerbinbung biefet beiben blieb ungeahnet, weil blof »on einer iBetfchiebenf)eit beg 2lfthetifd;en bie 9iebe war, weicheg alg ©egenfianb ber 33eurtt)eilung betradjtet würbe, unb weit nicht »on bem Schönen felbft, feinem principe unb ber baffelbe berootbringen* ben Äraft auggegangen würbe. 25iefe Äant’fd;e 3fnftd)t würbe »on mehren benfen* ben SDtdnnern feiner Schule auggebilbet unb alg eine 2Biffenfd)aft »on ben ©rün= ben beg dfthetifdjen fffiohlgefalleng bargejiellt. ©egen jene ber Äunft wenig jufa= genbe ilnficht, namentlich gegen bie formale SSeftimmung ber Sd)önf>eit, alg ber Bwecfmdfngfcit eineg ©egenjianbeg ohne SSorftellung eineg Bwecfeg, ftrdubteficf) bet wachfenbe Äunftfmn ur>b bie lebenbigereilnfchauung beg Sdjönen, welche Äant ju fehlen fd)ien. Um fo bringenber würbe bei tdglid)er ©rweiterung beg Äunft: gebi.etg burd; bie SEöerfe grofet Beitgenoffen unb bamit erhöhtem Sntereffe für bie Äunft, bag 33ebütfnif einer unumfdjranften Unterfuchung über bag 3Bcfen beg Schönen unb über bie 33ebingungen, unter welchen eg fiel) bem menfdilüben ©eifte barftellt. ©öthe, Schiller, gerbet, SBincfelmann, Älopftocf, Seffing, Ct/torifs unb -£)einfe wirften theilg burch bie geifioollen ©rgebntffe ihrer ©idjterfraft, theilg burcf mitgetheilte2lnfid)ten, Seurtheilungen unb freie 33el)anbtung mehret ber Äunft an= gehörigen ©egenftdnbe, Schelling burch feine originelle 31'nficht berOlatur, fowie überhaupt burd) eine ^h'iafophiC/ welche, »on bem 2lbfoluten auggehenb, baffelbe aud) in bet Schönheit unb im ©eifte beg Äünftlerg in eigentümlicher ©eftaltung 479 ! i i f i I V I wiebetftnbef, ju einer umfaffenben unb (ebenbigen 3fnftd)t bet Schönheit unb Äunfi. 25enn wenngleich jene große ©ährung, welche burd)Äant’$ 9?eform in ber^Db)itofo= p(jie begonnen, gegenwärtig noch nicht gefüllt worben ift, unb bie Urtheiie über ©cfeU (ing’S Spftem nothwenbig »erfchiebenftnb, fo wirb biefem 2e|tcrn bod) für bte'2tftl)e= tif baS SSerbienjf bieiben muffen, auf bie barftellenbe .kraft beS©eniuS tiefere 9vüh nns tafte hinreifen liefen, unb ftatt einer fPhilofophie Aber baS Sd)öne in fJJatur unb Äunft oft nur leere fPhantafien über bie $unft her»orbrad)ten, i>at jebod) ©djelling (in einer SSorrebe ju f. „fßhil. Schriften" unb in einer Ovebe „Über baS SBcrhält= nif ber bilbenben Äunffe jur fÜatur") fräftig wibetfptodjen. 9fad) unfercr 2fnftcf)t muf bie Üffhetif, als -Philofophie beS Sdhönen, »on bet^bee beS Sd)önen (f. b.) auSgehen, fofern wir fie ber Sbce ber 353af>rf)eit, welche bie theoretifd;c fPhitofophie, wie bet Sbee ber Sittlichfeit unb ©üte, wetd;e bie praftifche ^fjitofop^ic entfaltet, entgegenjfellen, _— unb jwar I. im 2fllgemei= nen, 1) a(S ®?etaphpf(f beS ©d)önen ober reine 2fftf)etif, »on bem 2Befen be$ Schönen — ober »on bem abfoluten Schönen, baS nie erfefeint, aber bem gebil= beten ©eifte alSfjbee bei feinen Urteilen, unb bemÄünftler in ©effalt eines SbealS beim ©djaffen »orfdjwebt, auSgef>en, unb biefe Sbee in bem ©ebiete bet menfd)= liehen ©rfenntnif nadpweifenj tjierauf aber 2) bie »etfehiebenen IDarftellungen be$ Schönen infttatur unb Äunfl nach ih«m SBefen beftiminen unb würbigen, unb in dpinficht auf beibe überhaupt bie Sßirfung beS Schönen auf baS ©emütt) (wo aud) bie ©efchmacfSlehre ihre Stelle ftnbet), in *£>infid>t auf bie Äunft aber inS= befonbere feine £et»orbringung burd) bie fdjaffenbe Äraft beS ÄünftlerS betrachten, bann aber II. im SSefonbetn »on bet SSetfcbiebenfeit ber befonbern fünfte, fofern fie aus berSbee ber ilunft erfennbar iff,unb ihren befonbern ©attungen hanbeln, burch t»eid)e Überftd)t — aud) wol (äfthet.) Shforie bet fd)önen ifunffe ober angewanbte tffthetif genannt— für jebe befonbere 'Üffhetif, ober für bie SEheorien bet einzelnen Äunjfe, bie philofophifche©runblagc gegeben wirb. >f5ürmit haben wir bie haupt= fächlichflen unb in ber ©efd)id)te ber 2(fihetif ©podje madjenben 2fnftd)ten ber= felben angebeutet, mit welchen bie übrigen SBearbeitungen anbrer Genfer mehr ober weniger gemein haben. Überhaupt aber ift bie Xffhetif »erfd)ieben nach bet 3fnftd)t, welche man »on bem Sd)önen hat, »ie[leid)t aud) »on ben herrfdjenben ©effal= ten, in weldjen baffelbe in ber Äunjf eines SfolfS auftritt. -Daher ift: lEjfhctifü) .1) in Weiteffet Sebeutung, n) was in SSejiehung auf baS ©efuhl bet 8uft unb Unluft ffeft, ober junädjft in biefer fubjectioen SSejiehung betrachtet wirb, — waS mithin }>) biefeS ©efuhl, namentlid) baS ©efuhl ber Suft, burd) innere ober äußere 2fnfd)auung entweber erweeft (äfihetifcher ©egen= (tanb, äfthetifche 2fnfd)auung) — bähet rebet man auch »on einer äfthetifdjen 480 tffftda STflractyan j Deuttidjfeit, im ©egenfafse ber logtfrfjen, b. i. »on bet Deutlid)feit, welche burd) i ftntt(idE)e 2frifd)auung ober SScifpiete erlangt wirb — ober bittcf) baffelbe beflimmt wirb (in biefer Beziehung rcbet man t>on einem dflhetifchen UrtfjeU unb »on d(lf)e= tifdfjcr Urtf)eilgfraft, ©efdjmacb im weitern ©inne); 2) in engerer SSebeutung, a) wag unabhängig »on alten anbern ^Beziehungen, tebiglid? burd) bie 3fnfd)aitung 1 feiner bag ©emütf) (»otnehmlid) SSerflanb unb ©inbilbunggfraft) in hatmonifdje ; Slidtigfeit [egenben gorrn Suff ju erregen fdf)ig ifl, ober wag gefallt, ober baö ©d)6ne in weiterer SBebeutung nach .Sant’fcbet SSeflimmung: ber ©egenftanb eine« fjoljern, notljwenbigen 2ßof)(gefallenS. 3m biefer SSebeutxng rebet man aucf) «on dfff)etifd)en, b. i. fotd)en ©efufjlen, welche nid)t burd) ben ©toff (bag WlaU- rielle) ober burd) ben SSegtiff »om SBertEjc ber Dinge., fonbern bloß burd) bie ange= fchaute (hatmonifche), in ftd) »ollenbete gorrn eineg ©egenflanbeg, welche bie Kräfte beg ©etfleg in l)armonifd)e Sfjdtigfeitoerfeht, erregt fxnb; b) wag burd) ein ©efut)t biefer 2frt befltmmt unb »on bemfelben abfjdrtgtg ifl fbafjer nflf)ettfcf)eS SBSohlgefallen, dflljetifcheg Unheil ober ©efd)macfgurtf)eil, dfifjctifdje Urtbeilgfraft, b. i. ©efchmacf im engern ©inne, unb fein ©egenftanb ©efchmacfgobject); 3) trag ju bem .Steife ber 'SifUjetit gehört, ober »on ihr, al§ SDSiffenfchaft beg ©d)6nett, ab= hängig fein unb auf tfjre ©runbfage wenigfteng gurücfgefütjrt werben follte. 9lad) biefer SSebeufttng haben bie llugbrüde dfltl)etifdjeS Urteil, dftf)etifd)eS5eurtl)eilung, Sfecenfion, dfifjettfctje Kritif nod) einen f»ot;ern ©inn, alg Stiele meinen, »ont»el= djen fte bod) fef;r t)d«ftg gebraucht $u werben pflegen. T. 2(fitäa ober Dt)fe (bei ben SRometn 3>uflitia), beg 3eug unb ber Sfjemig Sodjter, bie ©ottin ber ©eredjtigfeit. 3m golbenen SOSeltalter wohnte fte unter ben frommen SD?enfd)en, im augartenben ftlbernen fam fte nur fetten einmal »on ben ©ebirgen herab ; alg aber bag eljerne ©efchledjt ftd) SOSaffen fd)miebete unb ben spflugflier erfd)lug, ba flog fte giriert zum Fimmel, wo fte im Shierbreife alg @tern= jungfrau leuchtet. Denn fpater war fte beflügelt. (23gl. •%> oren.) ©inet anbent gäbet zufolge bezeichnet jebod) bag ©ternbilb ber Sungfrau bie ©rigone, weldte aug 1 SSergtueifTimg über ben Sob it)teg SBaterg, Sfatug, ftd) erfjing, unb »om ßtixi. Zur ^Belohnung ihrer finblidjen Siebe, in jenes ©ternbilb »erfefst warb. 3fffrad)an, ein ruff. Königreich »om 46 — 52° 9t. S3. (14,635 DS02., 2,600,000 ©.), mit 3 ©ouöernementg: tfflradjan (3142 □ s 3Jl., 300,000 ©.), ©aratow, Drenburg, unb ber Provinz Kauiaften. ©g ifl begrenzt im 9t. »on bem Sanbe bet ^Bulgaren unb S3afd)!iren, im @. »om bagpifd)en SOteere, tm 5®. »on I, ber SDSolga, bie eg »on ben 9togaier=Slatatett unb ben bonifdjen Äofacfen trennt, unb im £>. »on einer großen ©ebirggfette, bie eg »on ber großen Sataret fcheibet. Der ©ommer ißt lang unb fefjr heiß, ber SOSinter wahrt 3 SDlonate unb ifl überaus flteng. Der reiche unb fruchtbare SSoben wirb »on ben SEataren nid)t angebaut. 2fuf ber S03eft= unb ©übfeite ber SDSolga ftnb große Reiben, weldie ein fdjoneg, feineg ©alz im Überfluß liefern. — Dielfjauptfl. tlflradjan (65° 42' £>. 2. unb 46° 21' 91. 35.) liegt auf ber SDSolgainfel ©eifja, 6 SDfeilen »om ©influß ber SEBolga in bag fagpifdje SOteer. @ie ifl bet @i(j eineg gried). ©rgbifcl)ofS unb etneö S armen. 93ifd)ofg, h^t 25 gried)., lluther., 2 atmen. Kird)en, 26 fatar. S0leb= t fdjebg, e. inbifchen Sempel, e. ©pmnaftum, e. ^neflerfeminar, e. botanifdien 1 ©arten, »iele gabrifen, fmt mit ben SSorfldbten 1 SDleile im Umfang unb gdfitt | mit ben Armeniern, Sataren, Werfern unb ^tinbug 38,000 ©., ohne bie gtembett, I unb 20,000 ©., bie ber gifdjerei halber bort lange ßeit weilen, in 3800 dp. Die Raufer ftnb «on cPtolz, fchledtt unb unbequem. Die Umgegenb ifl mit ©arten unb SÜSeinbergen bebedt, Die in ber SDSolga hier gefangenen ©tore gehen gefaljen unb im Söinter feifeh faßt burch ganz Slußtanb. Die Saoiarbereitung ifl wichtig. 3Cud) fangt man »iel ©eehunbe, Raufen tc. SSom 3fuli big Det. fmb ^)eufd)recfenfchwdrme nicht ungewöhnlich, ©onfl Ipanbelte Kflradjan nad) Khtwa unb 23od)ara j jebt be= 2Cfiralgeiflet 2ffirokbium 481 [dfrdnft fi'cf) bet $anbel auf Werften unb baS SnnetePvuflanbS, ift aber nicf)t um bebeutenb. ©S fornmen jahrlid) über 60 ©d)iffc unb 7 ©araoanen an. AuSge= fuf>rt rotcb gcber, Seintoanb, Söollenjeud) unb anbte europ«ifd)e2Saaten; bagegen oonfPerfien eingefub>rt gotbgewirfte [eibene Sinben für bie [Polen, [eibene 3eud)e unb ©toffe mit SSaumwolle gemifcf)t, S^eiö, S3aumwolle, Pthabarber unb einige anbte Apothefer= unb ©pejeteiwaaren, ootnehmlid) aber tobe ©eibe. Sie eSpauptfi. ber uratifdjen Äofacfen, UralSfoi (4000 f)ölj. <$). unb 15,000 ©.), gehört aud) ju biefem ©ouoernement. Aftralgeifter. ©cbon bie 9)fagier baebten ftch bie SJtöglichfeit einer S3er= binbung jtt)i[d)en einem immateriellen unb einem materiellen 2$efen, unb [etbft baS Pleite SEefiament [pridjt im ©elfte [einer Seit non böfen ©eiftern unter bem Fimmel unb non einem Surften, bet in bet 2uft berrfdjt. Sie Äirdienoäter mobifteirten baS Samonenwefen cbriftlid). SrigeneS betrad)tete baS Unioetfum als ein belebtes un= ermeflicfeS Sßefen unb gingfo weit, ju behaupten, aud) für bie [ünbigen 2öe[en ber anbern SBeltförper habe ßbrijtuS gelitten, ©olcbe Annahmen Sonnen nidjt auffallen, trenn mir bie Seit berü«ffrdjtigen; eS war genug, bafi ftch ber GEbrijt not aftrologifcbem Aberglauben ju buten ;mufte. 5n ber alepanbtinifdjen ^[dofophie follte baS Seuer eine Sbee unb ein ©eift in ber SJlaterie [ein. SOtan gewinnt 3te= [pect oor ber Sntelligenj unferer Seit, wenn man fold)en Unfinn ber SSorjeit lieft, welche oom ©puf einer weifen grau fid) an einigen-£> Öfen noch nid)t freijumachen t>er[ud)te. ©s gab Sbeologen, welche behaupteten, ©amuetS aftralifd>er ©eift [ei betrete $u ©nbot etfd)ienen, unb bie noch unweifet oerfönbeten, baf oor (5t>riftx ©eburt fein [Prophet ju bem ©rabe oon ©eligfeit gelangt [ei, woju bie ©laubigen nun ju gelangen baS ©lud haben, ©enug oon einer ©ection ber SSetitrungen beS men[d)licben ©eifteS, wenn er ba noch benfen will, wohin [ein SSerftanb nicht ju bringen oermag. Sie [pmpatheti[d)e (Sur bureb bie ©efiirne ftng in ben jüngfien Sagen toieberum an ©lauben unb SSorurtl)eil ju ftnben, um baburd) baS reine Sicht ber 2Bif[enfchaften wieber ju oerftnftern. 9Jtan ffeht fanatifche ©aufler oon ber Jpobe ihrer hpperphpftfehen ©runbfdfe auf ben befdjeibenen Sotfchet nach wab= ren phpftfchenUrfadjen mit Sßecadjtung herabfehen, unb biePteihenfolge oon [ecun= bairen Urfadjen unb Söitfungen übetfpringenb, bem gehaltlofen SPtechaniSmuS ber Platur, wie [te ihn nennen, ein höheres göttliches Seben, baS [te in [einer SSßutjel ergriffen ju haben oorgebett, entgegenfehen. Ser ©iberomagnetiSmuS ber Stau ©tutterheim in ^olftein unb bie [JteEtomantie ber Sem. Senormanb fanb ©tauben beioornehmen unb hoh cc Aufklärung ffd) rühmenben [Perfonen, welches oor 30 fahren gewif weniger ber Sali war. Afirognofie, Äenntnif ber ©ternbilber unb ber baju gehörigen einzelnen ©ferne. (@. SSobe’S „Anleitung jur Äenntnif beS geftimten ^immelS", 9. Aufl., SSetlin 1823, mit einer allgem. -fnmmclScharte unb transparentem Jporijont; unb 2Beftphat’S „Aftrognofte", SSetlin.) Aftrot ab tum (fplanifphdtium, Analemma, SBinfelmeffet), ein 3nfttu= ment, um SfBinfel nach ©raben, tDtinuten unb juweilen auch nach ©ecunben ju meffen. ©S befteht gemeiniglich aus einer hotisontalen ©cheibe oon SDtetall, bie auf ihrem duferften Umfange jene ©intheilung hat. Surch eine befonbere 2Sorridj= tung (PtoniuS) fann bie genauefte ©cfjdrfe in bem Abnehmen ber ftöinfel erreid)t werben. Auf jener ©djeibe ftnb jwei Abfehtineale (Sioptertineale), gemeiniglich mit jwifchenliegenben Sttnröhren, angebracht; eines berfetben fleht fefi, baS an= bre bewegt ftd) um ben PJlittelpunft beS SnftrumentS. Snbern man oon bem ©chei= telpunfte eines fffiinfelS aus nach jWei in ben Pachtungen [einer ©chenfel beftnb= liefen fejten fünften oiftrt, wirb auf ber @d)eibe beS SnftrumentS ein ©tücf S3o= gen abgefchnitten, baS baS 5Dtaf beS SßinfelS ift. Sn bet neuern Aftronomie be= bient man [ich biefeS 3BerfjeugS nicht mehr, wohl aber in ber angewanbten ©eome= Gon». = 8ep. «Siebente 2tufl. 83b. I. f 31 482 Jfftvofogie tfjh'onomie trie. ©ie ©vfinbuttg, bad 2ffliolabium bei ber Schifffahrt anjuwenben, mosten bie 'Ürjte lobend) unb 3ofepl), uab Martin (Beljaim aud (Nürnberg, als 3o= bmm II., .Röntg »on Portugal, bie Angabe eines SWittelS »on ihnen tnnnfdjte, woburd) man ber ®efal)r entginge, ftd) anf bei See juoerirren; ft? (ehrten, wie man burd) baffelbe aud) ohne Magnetnabel auf ber See toiffen bonne, in welcher ©egenb man fei. 2f ft v o (o g i e, Sternbeuterbunfi, bie trügerifd)e Runft, aud ber «Stellung ber ©ejtirne subünftige ©inge, befonbetd bie Sd)icbfale ber Menfd)en, oorl;erj«fa= gen. Sie gehört ju ben ätteften 2frten bed2fberglaubend unb entfprang, wieSSaillp mit »ielet2Baf)rfd)emtid)beit »eimuthet, aud ber 3Bahrnef)mung, baf bie ©efiirne, befonbetd Sonne unb Monb, einen unoerfennbaten ©tnfluf auf bie 3al)redjeiten, bie (Bitterung unb $rud)tbarbeit ber ©rbe haben. ©ied »eranlaf te bie ©ütbilbung, alö ob alle ©eftime nur um ber ©rbe unb um ber Menfchen willen gefd)affcn waren, unb baf fie, ba fte auf bie ©rbe einen ©influf hatten, aud) in 9tücfftd)t bet Men-- fdjen non (Bebeutung fein unb nid)t nur auf bie (Begebenheiten ganjer Söolber, fom bern auch auf bie Sitten unb Sd)icffa(e cinjetrter Menfdjen (Bestehung haben müf-- ten. 2fud einer Sage ber ‘iigppter, baf (Belud eine Kolonie aud. 2(gppten nach 2fften geführt, bie ftd) am ©uphrat ntebergelaffen unb nach 2frt ber Ü'gppter q>riefler ge= habt habe, weldje »on ben öffentlichen Abgaben befreit gewefen unb »on ben (Babt); Ioniern ©halbaer genannt worben waten, fonnte man »ermuthen, baf bie Stenn beuterfunfl eine ©rftnbung ber2fgppter fei, wie benn auch wirflich bei biefen ftd) be= fonberd bie Tf)ebäer ihre ©rftnbung jueigneten. 2fllein bie meiften Seugntffe ber 2flten ftimmen bafür, baf ftd) bie Äfirologie »on ben (Sl>albdetn ju anbern (Bolbem oerbreitet habe, ©ie Stembeuter werben bal)er aud) bet ben alten Scfjrtftflellern burchgängig ©tjalbdi, fonfi aud) ©enethliaci (f. ©enetfjliabon) genannt, unb in bet Solge waren bie (Benennungen ©halbaer, 2fftrolog unb PJatioitatfMer gleid)bebeutenb. (S. ^oroffop.) ©in (Beweid ihres hohen 2Ütectl)umd ijt, baf ftd) bie meinen afirologifchen (Borlferfagungen auf bie Stellung ber Sterne gegen ben ^»orijont grünben, welcfed ber erfie Rreid war, ben mau am dMmmel fennen lernte. 2fud) aud ber Mofaifcfen ©rjdl)lung (V, 18, 10) Idft ftd) auf tf)t hofed 2flter fchliefen. 20d in ben fpatern Seiten bie 2ffirologie aud ©ewinnfucht unb mit (Betrügereien getrieben würbe, gaben fiel) bie2fftrologen ben 94amenMatf)ematiber, unter welchem fte ju ben Seiten ber romifd)en Raifer allgemein befannt waren. Sfr Unfug nahm fo übethanb, baf Tiberiud fte aud 9fom »ertrieb. ©ad ©efefs im ©ober unterfd)eibet jebod) bie geometcifdje Runft »on ber fogenannten matl)emati= fd)en, b. i. affrologtfd)en. So »erwerfltd) bie2f(frologie an ftd) ijf, fo bat fiebern noch mittelbar ber2fftronomie genügt. Sie hat mel)t Tbeünal)nte an ben «fMmmeld-- begebenheiten unb mehr (Beobad)tungen »eranlaft. 3m Mittelalter erhielt ftd) bie Stembeuterei mit ber Sternbttnbe jug(eid) bei ben Arabern, »on benen wirnod) aftrologifd)e Schriften beft|en. ^)ico, ©raf »on Miranbola, ber gegen bad ©nbe bed 15.3af)th- bie 3trtf)ümer ber 'ifftrologie grünblid) beftritt, fanb wenig ©ingang. Selbji im 16. unb 17. 3ab r f>- hatte bie Stembeuterei an gelehrten Mdnnern, wie ©arbano unb fogar Repler, Anhänger. ©ad Ropetnicanifcfe St)(dem unb bie im= mer mehr erwiefene 9?id)tigbeit beffelben haben jwat bad 2fttfeiten ber 2(ftrologie er= fdjüttert; aber bie neuefie Seit leibet bod) an (Kücffallen ber alten RranffK>t/.. ro ' f 3. SB. ^)faffd aftrologifche Schriften: „2((trologie" ((Bamberg 1816), unb „Über (Planeten, Gonjunction unb ben Stern ber brei (ffieifen" ((Bamberg 1821) barthun. Über aftrologifd)e Terminologie »erbreitet ftd) Salanbe’d „2ffironomie", (8b. 1 (2. 2fudg.), S. 497. 2ffhonomte, >^immeld= ober Sternfunbe, bie £el)re »on ben SBeltfor* pern überhaupt unb ihren fdjeinbaren unb wahren (Bewegungen indbefonbete. ©te jffrronomie (»on äare/p, Stern, unb vo/iog, ®efe(s: benn alle (Bewegungen ber I Efjfronontie 483 ! ©eftEorper erfolgen nach unmanbelbaren ©efefjen) foll und alfo tf>eilS mitSemjeni= gen beEanntmad)en, rnad über bie natürliche 33efd)affenf)eit bet SBeltEorper entbecEt tootben ifl; tf)eU« aber, unb »orsüglid), bie fcheir.baren 33emegungen, ©roßen u. f. m. ber ©efiirne beobachten, unb baraud bie rnmetdnbetlidjen ©efefse ihrer tuaf)= ren 33eroegung, ihre Entfernung, ihre Simenftonen u. f. m. herleiten. Sn ffiejttg auf biefen [extern unb hnitptfdd)tid)ern ©egenflanb ber 533iffenfd)aft tf)eilt man ftegemohnlid) in brei große Jpauptabtheilungen, in bie fphdrifdje, t^eorifdje unb phpfifct) e Elflronomie. Sie fphdtifd)eE(flronomie hat ed mit ben erflen f finnlid)en 3öat)rnehmungen bed bpimmcld, mit ber Sage feiner ©eftirne an bet fcßeinbaren $immeldEuget, forool unter ftd) als gegen geroiffe eingebilbete Äceife unb fünfte berfetben, mit berÄenntniß ber »erfchiebenen ©terngruppen, bie fte juSilbern oereinigt unb aud) mol unter bem befonbern tarnen ber "i(flrogno = fie (f.b.) betrachtet u. f. m., ju thun. 9ttan Eönnte fte bie empirifche 2lflrono= mie nennen, meil fte ftd), mit reenigen 3uf)ülfenahmen, auf Sarflellung ber Efrt befdjranEt, mie ber geflirnte Jpimmel ben ©innen bed aufmetffamen 85eobacf)tetd erfdjeint 5 unb fte führt ben SRamen ber f p h d r i fch e n nur, meil ftd) ber ©fernem himmel bemEluge in gorm einer ^>atbl)of)l fuget (sphaera) barflellt. — Sie theotifdje (»on 5£h coi:ie ober fpeculirenbem 9lad)benEen über bie Etfd)einungen fo benannt), theoretifche, ober, im ©egenfa&e bed bloßen Empiridmud jener erffern Xbtheilung, auch mol bie fcientififche Elflronomie, erhebt ftd) »on bem finnlichen ©cpeine ber SSorgdnge am ©ternenhimmel jtt ber hohem gtage: ob f unb meldjc EtEldrung ber fcheinbare SBiberfprttch unb bie Un»er|ldnbIicf)Eeit jened ©d)eined jutaffe? ob ftd) 5.35. bercfjimmel mit feinen dielen Millionen ©fernen »on borgen gegen Elbenb um bie Erbe, ober umgeEef)rt leitete, in entgegengcfehter JRicßtung, um ihre 2Cpe breE)e? ob bie ©onne um bie Erbe laufe, mie ed fcheint, l ober bie Erbe ftch »ielmehr um bie ©onne beroege, mte ed ein tiefered 9Jad)benfen anjunehmen jmingt? u. f. m. ©ie unterfudjt unb beantmortet biefe gragen mit ^)ülfe bet ÜJfathematiE, unb gelangt folchergeflatt bahin, bie mähren S5emegun= gen bet .ffimmeldEorper, namentlich bet 5U unferm ©ottnenfpfleme gehörigen, jubeftimmen, unb, mad für bad bürgert. Seben am michtigften ifl, benSrteined jeben berfelben für beliebige jufünftige fkitpunEte »oraud5ufagen; ©onnen = unb SRonbfinflerniffe (f. b.) nacf) allen ihren Umfldnben 5U berechnen unb für ben Salenber (f.b.) 5unufeen, Sppofttionen unb Eonjunctionen, 33ebecE ungen unb | SBorübergdnge ansugejben, golgerungen bataud für bie £f)eotie ber Planeten unb jftebenplan.eten 5U gieren, unb biefe Sfjeorie baburd) ju einet folgen $ßollfommen= heit 5U erheben, baß 5. 35. bet ©eefaf)tet auf bem fputlofen Scean in tafeln über ben jeberjeitigen gegenfeitigen ©tanb »on 9Ronb unb ©eftirnen fidlere "Einleitung jur Seflimmung feined Srted mtb Sßeged ft'nbet. — Sie phpfifd)e Elftronomie enblid) gibt bad oberfte ©efefs ber »ermicEelten SSemegungett ber ©eftirne an unb lehrt, nad) ben Dtegeln ber 9fted)aniE, alle biefe Erfchctnungen auf bie gegenfeitige Elnjiehung ber SfBeltEorper unb bie Siegel, nad) roetcher biefelbe erfolgt, §urücffüh= ren. 2Ran Eönnte fte mit ber »origen Elbtlfeilung unter einer gemeinfd;aftlid)en 83e; 1 nennung ber fcientififchen »ereinigen. Sftan benfe ftd) ben ©ternhimmel unter bem SSilbe einer Uhr, bie bloße, ftnnlicf) mahrnehmbare sfeigerbemegung ald | ben ©egenflanb ber fpharifdjen, bad ÜldbermerE mit feinem, jene 83emegung er= jettgenben Einfluffe ald ben ©egenflanb bet theorifchen, unb bie gebet hiemdd)ft, bie lebte Urfadje aller 35emegung, ald ben ©egenftanb ber phpftfdjen Elfltonomie. Sn biefen brei Elbtheilungen ifl bad gan^e theoretifche ©pftem ber SBiffenfchaft enf= halten; aber alle bie @efd)icElid)feiten unb ^anbgriffe jur 35eobad)tung, jur S3e= hanblung unb Erhaltung ber nötigen Snflrumcnte u. f. m. machen außetbem nod) ben 3nl)alt ber beobad)tenben, gleidjmie bieÄenntniß ber »ermicEelten aflronomifchen ^Rechnungen ben Snhalt ber rechnenben Elfltonomie, unb beibe 31 * 484 ?(fh'oitomie (©cfcf)id>te) | jufnmmenwieberbie praftifdje, im ©egenfage bet', jene frühem brei 216t()ei= 1 lungen umfaffenben tl)eoretifd)en 21fltonomie aus. Sie 21jltonomen, 5 .58. ' ©djubert, machen alfo einen Unterfdjieb jwifdjen ttjcovetifdjev, als ©i)= ftcm, unb t f) e 01 i f d) e r 21|lconomie, als Unterbegriff. Gtt)mologifd) ifl biefer Untetfdjieb nicht begrünbet. Sie ©efdjidjte bet 21flronomie tjett im graueflen 21lterthume an. ©obalb bie (Wcnfcfen jum geiftigen (Bewufjtfein etroad)t waten, muffe fte bet 21 n= blid beS Sternenhimmels ruhten, unb bie na d) (len (Bebütfniffe jtoangen fte auf bie ‘iBieberfebr bet 3 fa()te$}eiten ( bie SJfonbwedjfel u. f. w. 21d)t ju haben. Sie uns I bekannten dltejlen afltonomifcfen (Beobachtungen ftitb f i n e f i f d) e: eine foldje, beten 9J? 0 n t u c l a (©. 455 beS 1. (BbS. feines unten anjuführenben 2BevEeS) ©•= mafnung tfjut, nämlich eine fefjt nafje 3ufammenf'unft beS ©afutn, Supitev, OJlarS, SÖletfur unb 9)?onb, fallt fa(l brittfalb Saufenb 3al)t »ot unfeter 3eitred)= nung. 21 uch bie <2 £; a l b a e t rühmen ffd) fefr alter afltonom. (Beobadjtungen; in= bef ermdfnt (PtolemduS (f. b.) nur jmeier, etwa 700 0 . (Sfr. »on ihnen beob= achtetet SRonbftnfretniffe. 91od; weniger Söid)tigfeit legt berfelbe 21 fltonom auf bie afltonom. Äenntniffe bet 2lgppter, wiewol baS Srientiren ihrer (Ppramiben nad) ben SBeltgegenben, bie in 'Ügppten aufgefunbenett 21 ) i e t £ r e i f e (f. b.) unb a. Umfldnbe feine fo ganj unyortl)eilf)afte Sbee bauon erweden; — unb was ein neuerer ©efchidjtfdfreiber bet 21 flronomie ((Baillp, f. b.) übet ein, nad) feinet cfnjpotfefe, im mittlern Elften anfdfffg gewefeneS, mit gtünblidjen afltonom. f .ftenntniffen auSgerüfleteS, 33olf beibringt, fcheint fo Wenig begrünbet alS unfere Äenntnif oon bet inbifdjen 21 flronomie. 21 uf eine hofere ©tufe ertjob ftcf> bie ©fetnfunbe in ©riecfenlanb, unb bet griecfjifdjc, 640 »or Gift. geb. 3öclt= weife 21 >aleS (f. b.) berechnete bereits eine ©onnenft'nlletnif. 21 ud) p t f) a 9 0 - raS fdjeint afltonom. Äenntniffe befeffen jit haben. 51ad) ihm führte bet 21theniem ferSEReton (433 0 . (%•) ben berühmten SKonbcpfel »on 19 Saften ein, binnen welcher Seit bie jJfeumonbe wiebet auf bie »origen 2 age beS Saftes jurüdfommen, inbem 19 ©onnenjahre jiemlid) genau 235 SOtonbwechfel (Hunationen) auSmadjett: eine ©ntbedung, weldje man bamalS für fo wichtig hielt, baf man bie betr. 9ted)= nung mit golbenen (Budjflaben eingrub, bähet bie 3 afl eines jeben Jahres > n bies fern (Spiel noch jegt bie golbene genannt wirb, ©ropere §»rtfd)ritte mad)te bie ©ternfunbe jut Seit bet (Ptolemäer; unb wir ftnben, etwa 300 ». (Sfr., Si= mochariS unb 21 ti füll mit btaudjbaren (Planefenbeobachtungen befdjdftigt. (Beit aber überragte fte an pt>Uofopfjifdjcm ©eifle 21 ri flard) (f. b.) »on ©amoS, geb. 267 ». (Sfr., welcher, nach 2trd)imebeS’S ganj unjweifelfaftem 3eugniffe (f. b. merfwürbige ©teile im 21nfange beS 2(renariuS), bie hoppelte (Bewegung bet ©tbe um if>re 2 Cpe unb um bie ©onne lehrte*); — unb etwa 100 Safte nad) ihm beflimmte dp i p p a t d) it S (f. b.) bie genauere Hange beS ©onnenjafreS, bie Chcentricitdt ber ©onnenerbbafn, baS (Rüdgefen ber 91ad)tglcicfen, ja er unter-- nafm fogar ein Sipflenwerjeichnif, „ausus", wie ft'dj ^)liniuSb. 21. („Hist, na- tur.", lib. II, cap. 26) auSbrÜcft, „remetiamDeoimprobam annumerarc poste- ris stellas, coelo in hereditatem cunctis relicto". Sott ftippatd) ab ftnbet fld) eine Hüde in ber ©efebiefte ber 21flronomie bis jum 21nfange beS 2. Saftf- ttunft erfdjeine; allein er fdjeint nicht als Itflronom, fonbern als 9lt>tl)agorder auf biefen ©ebanfen getommen gu fein, roetdje baS geuer (bie ©onne) für ben SfJtittelpunSt ber SBelt hielten. — 3cf berichtige auf biefe S3eranlaffung bie ae= wohnlidje, aber irrige SJleinung, als »erbanfe ÄopernicuS feine SBeltorbnung tiefer ©teile beS ICrenariuS, ba biefeS SBttd) erjl fpüter gebrudf würbe. 485 | Äfhonomie (@cfd)id)te) djcm jufammenftellte, welches untec bem tarnen „2flmagefi", ben il>m bxc 2fca= 1 bet, bie eS im 5- 827 in ihre ©ptache überfegten, beigelegt haben, am befannte: jien ifl, unb welches, als g>totemdtfdjc 2Beltorbnung, trog alter feiner, im 21. 933cttfpflem unfcrS SSBerfeS auSeinanbergefegteit, Strtfjumer, fein 2(m fef)en bis auf bie neuem Seiten herab behauptet bat. SBenig geachtet trat unb blieb bagegen bie 2£fitonomie unter ben [Römern, unb feine afbronomifefe ©ntbeefung ging oon ihnen aus; obwol nicht unbemerft bleiben barf, baß in ©eneca’S „Quaest. nat." (VII, 13) Äußerungen über bie Kometen üotfommen, bie eine« tei= I fern Spalters würbig ffnb; gleichwie anbrerfeitS baS SSerbienft 2fnerfenntniß Der: bient, welches ftch SuliuS ©afar um bie Galenberoetbefferung erwarb, unb worüber baS 9idhere inb. 21. Galenber nachgelefen werben fann. 9)1 it bet SSoN fetwanberung einet: unb bem Untergange ber Älepanbtinifchen SSibliotljeE anbret: feitS aber trat, gleichwie in ben SBiffenfchaften überhaupt, namentlich auch in ber Äfitonomie ein fo gdnjlicher ©tilljianb ein, baß wir ©puren afitonomifchec Stubien unb SDicffungen etfi im 9. Sahrh-, unter ben Ärabern, beten Über: fegung beS ptotemaifchen SBctfeS fchon erwähnt worben ifl, wicberftnben. föon ihren Äfironomen Dcrbienen ber Kljalif 2( l a m a n unb bie Surften 2f l b a t e g n i unb SEhe&itf) genannt ju werben. Äuch unter ben in Spanien eingebrungenen 'Stauten befanben fich arabifche ©eiehrte, welche bie Äfitonomie nach biefem Sanbe DerpfTanjten; unb anbrerfeitS fam, mit bem mohammebanifdhen ©lauben, ju= gleich arabifche ©elehrfamfeit nach Petfien, beffen im Änfangc beS 15. Safjth- regierenber gütfi Ulug:S5eigh in feiner -fjauptjt. ©amarfanb eine 9Setfamm= lung bet berühmteren, bamalS lebenben Äfironomen jufammenberief. 9)tanmuß bie üöecbienfie ber arabifchen ©ternfunbigen nicht überfragen, ba fte ftch bloß an baS ©pfiern beS ptolemduS hielten unb bie 9Biffenfcl)aft mit afirologifcßen SErau: mereien Dermifchten; aber anbrerfeitS barf auch bet 92u|en nid)t Derfannt werben, ben fte theilS burch fcßdgenSwerthe [Beobachtungen ber gipfietne, oon benen befannt: lid) noch gegenwärtig oiele arabifdjc 9tamen tragen, ber ginfierniffe, ber ©d)iefe bet ©fUptif (f. b.) u. f. w., theilS burch ©rljaltung alter, in ihren Überfegungen auf uns gefommenet 9Jlathcmatifer gegiftet hoben. — Unter ben chrijilid) en SSolferfchaften herrfchte wdhrenb biefer Seit größtenteils eine tiefe Unwiffem heit; bocl) warb auch unter ihnen ber Ättbau ber aftronom. 9Biffenfcl>aften wenig: ftenS nicht ganjlid) nernachldfftgt. ©o ließ Kaifet griebrid) II. (jlarb 1250) ben „2l(mageft", ba bie griechifche Urfchrift nicht mehr aufjuftnben war, aus bem Ära: bifchen in baS Sateinifcße überfegen; unb König ÄlfonS von ©aftilien berief, um bie ndmtidje Seit, mehre Äfironomen, mit bemÄuftrage ber [Gerfertigung neuer aftronom. SEafeln, ju ftch, welche Safeln untec bem 9iamen bet 2flfonftnifd)en oiele [Berühmtheit erlangten, aber im 17. 5oh l 'h- bod) feßon um ganje ©rabe oon bem wahren .fjimmelSorte abwid)en. fffiic übergehen mehre weniger berühmte 9?a= men, um ßietndcbfi ben beutfehen 2lfironomen unb 9)iathematifer © e o r g Don Peutbacß ober Bürbach, geb. 1423 im Öfireicßifcßen, einjuführen, ber Der: fchiebene wichtige aftronomifche, namentlich aber ©inuStafeln Don 10 ju 10' het= • auSgab unb einen noch berühmtem ©datier, Soßann 9Jlü Iler aus Königsberg in granfen gebürtig unb bähet aud; [RegiomontanuS genannt, bilbete, oon 1 bem wir bie erften guten unb Dollftdnbigen ©pßemetiben hefigen. SSalb nach ihnen aber ging ber Äfitonomie ein helleres Sicht auf, inbem 1472 fJlifolauSKopet: nicuS (f. b.) geboren würbe, ber ber SBiffenfcßaft ein ganj oetdnbecteS Änfel)ett gab, bie ptolemdifcße c^jppotßefe oerbrangte unb feine, bie Köpernicanifdje, mit getingen 9Robiftcationen noch heute gültige unb allgemein als richtig aner: fannte Sföeltorbnungan ihre ©teile fegte, ©r war eS, ber bet ©onneben Plag im 9Jiittelpunfte ber Planetenbahnen anwies; ber ben f ühnen ©ebanfen faßte, baß bie ©rbe ein Planet fei, gleich 9)?erfur, SSenuS unb ben übrigen Planeten, unb 486 Xjfronomte (®cfd;td)fe) ftd) mit ignen in .Streifen gemeinfcgaftlicg um bic ©onne bewege; unb bet bartgat, baß biefc .Streife (ober, fpdtern SSericgtigungen jufolge, bocg nuc wenig von ber Äreiggeftalt abweicgenben 33agnen), in igter vollkommenen Einfachheit, bievet= wicEeltften Sewegungen bet Ptitplaneten unb namentlich igr, früger völlig ratgfeb gaft gebliebene«, fegeinbareg ©tillftegcn unb Stütfwörtggegen vollkommen et= fidrten. 2Bie oiet ©eiffegfreigeit ju biefem .Stampfe mit taufenbjdgrigen 83orurtgei= len gehörte, können mit, bie mit auf itopetnicug’g ©dfultern ftet>en, kaum mefjc beurteilen; aber fein großer Sanbgmann Äepler pat ung beg Ptanneg ®eift unb ©inn mit wenigen kraftvollen Sügen gejeidjnet, ign „virum" nennenb, „maximo ingenio et quod in hoc exercitio magni momenti est, aniino libro". ©leicg; mol fanb fein ©pftem niegt fogteieg allgemeinen Eingang; unb wagrenb eg 3tf)«= tieug u. X vertgeibigten, fegten igm auggejeicgnetc Tkfironomen Einwenbungen entgegen, unter benen bie Sticgtbemerkbarkeit einer jagtlicgen patallaire ber gip= ffetne, wetd)e bod) aug ber SSewegung ber Erbe notgwenbig folgen ju muffen fcl)ien, bag größte miffenfdjaftl. ©ewiegt gatte. 23er auggejeidgnetffe unter biefen ©eg= nem beg großen Äopemicug war $£pcgo 33 rage (f. b.), geb. in 23anemarf 1546. Er behauptete, bie Erbe bleibe im Piittelpunkte ber SBelt unbeweglich, ber ganje ^immel brege ftd; um fte in 24 ©tunben, unb außerbem befegreibe bet Ptonb fowol alg bie ©onne, mittelfi eigner 33e wegungen, .Streife um bie Erbe, gleicgwie SDterkur fammt ben übrigen Planeten, Epicpkel (f. b.) um bie ©onne. 3Bag SEpcgo gauptfad;licg auf biefe Ertlarunggart leitete, war feine Tfngönglicgkeit an ben wörtiiegen ©inn verfegiebener ©teilen ber SSibel, wo bet Erbe eine gdnj= liege Scuge jugefegrieben wirb; wie wefentlicg er aber aueg ber Söiffenfcgaft bureg Verfolgung biefeg irrtgümlicgen SBegeg gefdjabet gat, fo ift fte igm boeg anbter= feitg unenblicgen 23ank für bie große ©enauigkeit feiner SSeobacgtungen fcgulbig, wekge feinem ©cgüler unb ©egülfen, bem SBürtemberget .Step ler (geb. 1571, gefi. 1631, f. b.) ben 2Beg jur Entbecfung ber befiimmtern ©ejtalt bet Planeten; bagnen unb ber wagten pianetentgeorie eröffneten. Senn nur 8 Minuten Unter; fegieb jwifdjen ben nad; ber Äreiggppotgefe berechneten unb ben non SEpcgo beobad)= teten Srfen beg Planeten SOfarg, welcgen Äepler feinen Unterfudjungen unter; worfen gatte, gaben biefem fegarfftnnigen Tffironemen, wie er fteg ©. 114 fet= ner „Astronomia" *) felbft augbrückt, bie 33eranlaffung „ad totam Astronomiam reformandam" , inbem er baraug bie elliptifcge, jeboeg non Äopernicug’g .Steifen nur wenig abweiegenbe ©eftalt ber Planetenbahnen, in beren einem 33tennpunüte bie ©onne liegt, folgerte, unb, auf ber glorreich betretenen 33agn fortfegreitenb, ferner bartgat, baß, bei jenem elliptifcgen Saufe ber Planeten um bie ©onne, bie, non legterer gu ben erftern gebaegte, gerabe ßinie (b. Siabiug SSector) in gleichen Seiten immer gleich große ©ectoren ber 33agnebene abfegneibet; unb enblicg, baß ft dg bei ber Vewegung bet $auptplaneten fowol alg ber Stebenplaneten bie £Uta; brate ber Umlaufgjeiten vergalten wie bie Sfßürfel ber mittlern Entfernungen vom vfjauptförper: weldje 3 wichtigen ©dge man unter bem Siamen bet .Step; ler’fcgett Siegeln jufammenbegreift. güff um bienamlicge Seit braegte @a= lildi (ftarb 1642, f. b.) eine anbre Vorbereitung für bie halb ju erwartenbe tiefere Unterfliegung ber Pfecganif beg £immelg, bureg feine Entbecfung ber © e= fege beggfltitd, juStanbe; unb wenn bie papifiifcgeÄirdje biefen Pßeltweifen jwang, bie öffentlidg »orgetragtne Segte von ber Bewegung ber Erbe, auf welche *) ®er Sitet biefeg, ben Codex ber tgeorifegen 2Tftronomie entgaltenben, ju fei; ner 3eit oeraltenben Sffierbeg, ift: „Astronomia nova dtrio/.oyijrot, seu physica coelestis, tradita eommentari,s de motibus stellae Martis, ex observationibus Tychonis Brahe: jussu et sumptibus Rudolphi TI. Romanorum imperatoris etc. plurium annorum pertinaci studio elabovata. Pragae, a S. C. M. Mathema- tico Joanne Keplero" (1609, gol,/. 487 3fftt*onomic (®cfd)id)te) et burd) feine, »ermittctfi bei; bamatd eifuubenen gernropro gemadjten, Bcobad); tungen ber anbern (Planetenbewegungen gefommen war, ald fic^ertfct) abjufcpwd; ten, fo tjattc boep tiefer Betfucp, ber beffem (Einfid)t ben SS eg 51 t »ertreten, feinen anbern (Erfolg ald ben, bie £)pnmad)t fotd)er Bemühungen auf bicSdnge überhaupt fennen ju testen. *) Sn ben etfien fDecennien bed 17. Saprp. erfdpienen in eDanjig $ e»e l, bet fid) burd) feine B?ardbeobad)tungen audjeidjnete; in ^tanfreid) Gnf-- fini, ein um bie meprffen Steige ber 2 (flronomic podioerbtenter SJtann, ber feinen Steif unb fein ©treben auf ©opn, (Ente! unb Urenfet »ererbte; unb in #oUanb ^»upgend, bet berühmte (Erftnber ber (Penbelupren unb ber Borldtn fer bed unfierblidjen Siemton in ben Unterfudjungen über bie SJledjaniE beb ^>im= meid. 91 e w 10 n (f. b.) felbft, gcb. 1642, voitfte fajf Md ju feinem 5£obe (1727) ju einet gänzlichen (Rewolution ber phpftfdjen (in ber oben angeführten Bebeutung) tfffronomie, inbem er burd) feine „Principia mathematica philosopliiac natura- lis" ebenfo ber ©efepgeber berBlecpanif bed #immeid mürbe, ata cd£cp= ler in feiner „Astronomia" für bie t^eorifdje geworben mar. Sedcartcd f)atte bie Utfacpe ber Bewegung ber (Planeten um bie ©onne unb bet Trabanten um bie •fauptptaneten in ber wirbetnben Bewegung einer feinen SRaterie gefuept; 9few= ton füllte bie Unjutüffigfeit biefer (ErElatung unb tpat bagegen, mit ber Übet(e= genpeit bed wahren ©enied, bat, baf bie eitiptifche ^lanehenbewegung burd) Me boppette 5D3itfung einer, nach bem anjiepenben Äotper, im umgefeprten Betpält= niffe bed £luabrated ber (Entfernung firebenben, anjiepenben Äraft unb eined ben Planeten urfprüngtich beigebrad)ten ©tofed entgehe, beffen Smpuld, roie fid) er= weifen Idft, im teeren (Raume ewig fortbauert. SRit fftemton war bie ©efehge= bung bed $immeld beenbet, unb (Et unb Äepter haben ben fpdtern Seiten faft nur Me (Erweiterung iDeffen übrig getaffen, wad »on ihnen begrünbet worben ift. Um biefe(Erweiterungen aber erwarben fid) nad) ihnen ber (Engldnbet ■£> allen, na= mentlicp in ber Äometentheotie, Me fjranjofen 58ougue t unb SRaupertuid burd) ihre Bemühungen um bie Beftimmung ber ©eftalt ber (Erbe, ihr Sanbdmann b e l a (E a i 11 e in bet Sehre non ber Siefraction, ber große beutfehe 'dfironom SEobiad €07at;er burd) feine Bionbdtafeln, ber (Engldnbet Brabtep burd) (Entbecfung ber Aberration, be t’Sdte, Sambcrt, (Euter (f. b.) u. 0 . X, gvofeBerbienfie; unb in ben neueffenSeiten haben namentlich Sap in ce burd) feine „Mecanique celeste", unb ©auf burd) feine „Theoria motus corporum coe- lestium" bem »on ORemton errichteten ©ebdube ben ©ipfel aufgefefjt; inbeß 3 ad), Satanbe, SRadfelpne, Beffet, Stberd, (Piajji, (Ende, Setambre, Biot,Arago, SRecpain, ^>erfd)et u. X burch eigentümliche Befirebungen bad ©ebiet ber SBif- fenfdjaften nad) alten ©eiten hm audjubepnen bemüht gewefen ftnb. ©0 leben Jperfcpcfd (Entbediung bed Planeten Utamtd unb feiner SRonbe (1781), ©d)to= ter’d Bemühungen um bie Äenntnifj ber £) 6 erfldd)en bed ßrbmonbed unb ber Be* *i ©leicpwol ftnb fte noch in ber neueflen |3eit mieberpolt worben, unb öffentliche (Blätter tpeiten baruber golgenbed mit: ©egen Anfang bed 3 . 1820 legte bet (Prof, ber 2Cflronomie an ber OTabemte betta ©apienja ju (Rom, -fbert ©ettcle, bie #anb= fchrift feiner afironomifchen Sorlefungen ber SBep&rbe »or unb bat um ®rucEertaub> nif. 9Kan wied ipn ab, „weil er bie (Bewegung ber Gstbe um bie ©onne oertpei: bige", eine Sepre, bie ber rbmifepe -f>of befannttid), als ber (Bibel juwiber, »er= bammt, unb bie fdjon bem unftcrblichen ©alitöi bie ©djmach bed SJBtberrufd jugejo-- gen patte, ©ettele tief fiep inbef niept irre madjen unb wanbt« fid) an bie 3nqui= jftion, mit ber (Bitte, eine bem jepigen 3uflanbe ber aBiffenfcpaft angemeffene @rfla= rang » 01 t fid) 51 t geben. iDiefe entfepieb nun swar, ber ©tud bed (Bitdjed fotte ge-- flattet werben, jugleicp aber crpielt ©ettelc ben (Befept, in einer ltnmerlung, „ber SBaprpeit gemäf", pinjujufügen, baf bie Verfolgung, weldjc ©alitSi erlitten, nkpt fowol feinem ©pflem ald ber non ipm geführten ungebfiprlicpen ©praepe .jujufeprei-- ben fei. ®ad ift aber befanntlicp nicht wapr. 488 2(|lronomie (9?u|en unb Siteratur) nuS, Piajji’S ©ntbecfung bet - CfereS (1801), StberS’S ©ntbecfung bet Pallas (1803) unb S3efta (1807), Jpatbing’S Sntbecfung bet Suno (1804), SlbetS’S unb ©ncfe’S SSeftimmung beS Umlaufes jtoeter Äometen; ferner bie neue fiten @tab= meffungen in gitanfreicp, ©ngtanb, Seutfdplanb, ©cpmeben, bie SSeroottfomm* nung ber aftronom. Snflrumenfe butdp Steidpenbacp k. , in frifcpem 2Cnbenfen; unb bet »ereinte Steif fo »ieter nocp lebenben 2(fitonomen (dpt für bie fortfcpreitenbe XtSbilbung ber 2((!ronomie nicpt mentget gtdnjenbe Erfolge fjoffen. Über ben fftupen biefet »ortrepdpen SBiffenfcpaft mirb eS faum notpig fein fiep ju »erbreiten. „5pr etf)abener ©egenftanb", fagt ein beutfcper fliaturfotfcper (Seglet), „barf nur genannt merben, um ©mpft'nbungen »on ©tofe unb SBürbe ju erregen, unb bie SSegtiffe, bie fie uns »on bem Umfange bet Sßett unb »on ber Pfacpt, 5BeiSpeit unb ©üte ipteS atimdcptigen UtpeberS gibt, muffen aucp SKenfepen »on fonff ftumpfem ©efüple jut S3et»unberung unb Anbetung pinreifen. Sie SSortpeile, bie fie bet menfd)ticpen ©efellfcpaft jut ©intpeitung unb 2Baptnep= mung ber .Beit, jur ». SMnbenau’g «nb SSohnenberget’g „ 2 (ftronom. 3 eitfd)r." anfchliejjt, nod) jefit u. b. 2.: „Correspondancc astronomique,geographique etc. dubaron j de Zach", fortgefefct. 2furf> gibt ©d;umachet inÄopenf). feit 1822 „2f)fronomifd)e 51ad)tid)ten" hetaug. — Ferner ftnbet man bie neueften ^Beobachtungen in bet pa= rifet „Connaissance des tems" unb in bem berliner „3fftronomifd)en 5 bet ©otfje im 8 . 3 ahrh- rwr bem ©chwerte ber ©aracenen jutücf. Seber SÄfiuriet l)ält ft'cf) bat>er für einen freien ^ibalgo. Ser 2 ffturier lebt mefjr non ©aig, ©afta= ( nien, Sbfl, ^afelnüffen, SBilb, Fifd)en, .fjonig unb Söhnen, als »om >£>almge= treibe. Sefio beffer i|t bie ©etbe unb 93iehsud)t. Sl unb ©alj fehlen ganjlrcf). Set SJffiuriet ifi weniger arbeitfam atS ber ©apier unb weniger gefeliig als bet Sigcaper. Sie freien 2(ffurier »ermogen ftdj rticfjt alle in tfjren ©ebirgen ju erndf ) 5 ren uni) bienen baher ben in ihren 3fugen weniger ebeln ©paniern alg Äutfdjer unb SSebiente. Siele Freiheiten genofj bieg 2anb »or ben cafttlifchen fProöinjen fowol in ber eignen Serwaltung alg im Sollwefen. Sie Oreöolution in Spanien ebnete alle folche 33orred)te jur ©leicbheit bet Freiheiten unb Saften. 2fllein feit ©nbe 1823 ift ber «orige 3uftanb hergefiellt. Sie ^auptjt. £)»iebo (6000 ©inw.) hat eine Uniöerfftdt. 3» ©ifjon, $afenjl. (3200 ©inw.), ift bag 3nftituto 2lfhttiano für SOtathematil, SJlincralogie unb ©d)ifffunft. — Ser erftgeborene fPrinj beS Äo= nigg führt feit 1388 ben Stitet fPrinj »on tffturien ober de las Asturias (nad) ber »eraltefen ©intf)eilung in Asturia de Oviedo unb de Santillana). 31 f u n 3 , ein weibmdnnifchet Stfugbtucf für bag ©eiben beg ©ilbeg, bezeichnet, welche Dfahrunggmittel bag 2 Bilb immer ober ju gewiffen Seiten »orjuggweife liebt. 3ffpl, Freiftdtte,'wo SSerbrecher Sicherheit fudjen. S3ei ben Üflten gewdhr= ten Stempel, ©otterbilber, tlltdre je. eine folche 3uflud,'t, unb eg war ein greöel gegen bie ©ötter, einen bahin ©eflüchteten mit ©ewalt heraugjurcifen. Sie SJtif= brauche aber, bie bataug entftanben, gaben bigweilen (Gelegenheit, bie *£>eiligfeit eineg foldjen 2ffp(g nid)t j« adhten, wie bie Sacebdmonier gegen fPaufaniag im Stem= pel ber SOtineroa thaten. Sa man pflegte wol einen auf folche SBeife ©eflüchteten entweber augjuhungern ober Feuer um bie Freiftdtte anjulegen,_um ihn fo jur Flucht ju nötigen. 3eboch hatten nicht alle Stempel unb heilige Srter bag 9Jed)t ber Fveifbafte, fonbetn nur bie baju befonbetg geweihten. Äaifet Sttberiug fd)affte fie, ben Stempel bet 3uno unb beg 3fgtu(ap auggenommen, fajt ganjlich ab. 3e= net heibnifche ©ebtauch ging injWifdjen auf bag ©hriftenthum über; fd)on unter lonftantin b. @r. würben bie chriftltcf>en Ätrchen Freiffatten ber Unglütflichen, weldje bie bürgerliche ®ered)tigfeit ober bte ©ewaltthdtigfeit ihrer Feinbe »erfolgte. Ser jüngere Stheoboftug behnte bieg SSorrecht 431 auf alle ^)ofe, ©ange, ©arten unb Raufer aug, bie jum ©ebiete ber Äitd;en gehörten; auch bie Franken befta= tigten eg, unb bie ©pobe ju Siolebo (681) erweiterte bie Freiftdtten big 30 Schritte 490 Afpmptote TCte non jeber Äirrfjc. ©eitbem galt bteS firchlicpe 0ted)t in ber gatrjcn fatf>otifcf)cn dpru ftenljeit unb erhielt ftd), fo lange bie Unabhängigst beS päpfHkhen ^Regiments bes ftanb, wenigftenS in Italien unangetajtet. dS war als eine ©chupwepr gegen ben wilben ©ecjt bet 3at;rf)unber£e nach bet S3ölferwanberung, bet Alles unft'djet machte, fef>t wohltpätig, aber begteiflichermeife and) eine Söetanlaffung, bie bürgerlichen ©trafen in fttd)lid)e ju uermanbeln, bie tanbeSherrlid)e ©eridptSbarfett ju umgehen unb ben 33ejirf bet geglichen ju erweitern. Saf)er warb cS in ben neuern Seiten non ben meificn Regenten abgefdhafft. E. Afpmptote, in ber ©eometrie eine gemeiniglich gerabe Sinie, bie neben einer anbern brummen Stnie »on unbefiimmter Sange forfläuft, bergeftalt, bap ihre Abftänbe Bon einanber immer fleiner unb Heiner werben, ohne bap ftd) beibe Sinien jemals fdjneiben fönnen (weppalb Seibnip Bortrefflid) bie enblichen ©eijier Afpmptoten ber ©ottfjeit nannte). Sie Afpmptote fann auch einefrumme Sinie fein. Afpnbeton, bie ^Mmoeglaffung ber im profaifchen ©tple fonff erfobetIi= cpen SSinbereorter, infofetn baburch bie Siebe an Eftacpbruif unb Sebenbigfeit ge= winnt. SieS ifi ber^all in benjenigen ©teilen, n>o bie Siebe eine fchnelle $anb-- lung ober einen bewegten Buffanb beS ©emütpS auSbrücft, unb hier wirb alfo je= nes .£>imoeg(affen jur rhetorifchen gigur. Älopftod bringt biefe gigut fafl ju hau= ft'g an. ©o heipt eS („Süefftabe", 7. ©ef.): ©ie fiürmten, ruften, ftanben, weinten, jiaunten, oerftuihten, fegneten. Atalanta. Bwei b. 91 . würben in ber SRpthologie Bon ben alten SD?ptt>o= gtapfjen öfter oerwedhfelt. Sie ©ne war eine Atfabierin, bie Stod)ter beS gafuS unb ber Ätpmene, berühmt als bogenfunbige Sägetin. @ie erlegte mit ihren Pfeilen bie dentauren 3?höbuS unb «|>pläuS, bie ihr ©ewalt anthun wollten, jog mit ben Argonauten nad) Äold)iS unb war nachher bei ber Sagb beS falpbonifcpett dbetS, bem ft'e ben erfien 2Bucf beibrad)te, wephalb SKeleager ihr ben Preis beS ÄampfeS barreidjte. (©. Ä alp b on u. SOieleager.) Sie Anbre war beS ©dt)ö= neuS, jfönigS non ©cproS, Sochter, berührt burd) ihre ©chönheit unb ihre ©chneb ligfeit im Sßettlauf. Sener digenfchaft unb biefet gectigfeit ftd) bewupt, macht ft'e ihren freiem harte S3ebingungen. jgeber follte mit ihr einen SBettlauf beftehen; er lief unbewaffnet noran, ft'e folgte mit einem ©peer. $olte ft'e ihn nicht ein, fo war ft'e bie ©einige; im ©egentljeil war ber SEob fein SooS, unb fein Äopf warb am Biele aufgejfedt. 5öerfd)iebene hatte fdjon ber $£ob getroffen, als ^(ippomeneS, beS PtegareuS ©ofjn, ft'e burd) ber SSenuS efjülfe überliffete. Sie ©öttin hotte ihm einige golbene Apfel gegeben, bie er waprenb beS Saufs, einen nad) bem anbern, ihr in ben 2Beg warf. Atalanta oerfäumte ftd), fte aufjupeben, unb dpippomeneS erreichte Bor ihr baS Biel. 3h re ©pröbigfeit Berwanbelte ftd) jept in fo unmdpigc SSegietbe, bap ft'e fogar ben Stempel ber dpbele, bei welchem bet SBettlauf gehalten worben, entweihte. Sie erjürntc ©öttin Berwanbelte gut ©träfe bie beiben ©at* ten in Söwen; als fold)e jogen ft'e fortan ben SEBagen berfelben. Ate, bei ben@ried)en bie ©öttin bet ©chulb, beS Unrechts unb ber S5e= leibigung, oon ber -fjomer fagt: ©ie ©öttin wirft ja ju Allem, SeuS’S erhabene Softer, bie ©chulb, bie Alles betpöret, ©cptecfenooll; leicht fcpweben bie gtip’ ipr; nimmer bem ©runb auch Stapet fte, nein, pod) wanbeit fte per auf ben Häuptern ber SSänner, Sieijenb bie sötenfcpen jum gepl, unb wenigjtenS ©inen uetjiricft ft'e. AIS fte ben BeuS bei beS ^erculeS ©eburt ju Prahlereien Berleitet hotte, wobutcp er Bon ber eiferfücptigen £>ere überliftet warb, faßte betfelbe ft'e jornig bei ben glän= genben Socfett, fd)leuberte ft'e auf bie drbe unb fcpwur, bap fte nie in ben Slpmp jurücftehren folle. ©eitbem burdjeilt ft'e bte drbe mit ungemeffener ©dpnelle unb waltet überall Berberblid). $ejt'ob nennt fte eine S&od)ter ber dris. Xtettcmen 491 2ftf)ama§ 2C t £ 11« n e n (Atellanae fabulae), aud) ofcxfc^e ©cfjaufpicte genannt, eine Xt luftiger 3wifcgenfpiele (JntermejjoS) bei £tagöbien unb Komöbien, welcge in bem alten 9tom nicgt non ben ©cgaufpielern »on fProfefjton, fonbern non fteigebo= renen tömifdjen Jünglingen aufgefügrt würben. ©ie flammten au« bem alten ofcifcben 2ftella, jwifcgen ßapua unb ffteapoliS, unb waten bie fcgwacgen Xfange unb Überbleibfet einet nationalen italifcgen Komöbie, gmcen ober hoffen mit fatp= rifcger fffiurje. SCtgalia, £ocgter2td)ab’S, König« »onjsrael, unb ©emaglin Joram’S, .Königs non Juba, ein tucglofeS, gerrfcgfücgtigeS SBeib, bie nacg bem £obe igre« ©ol)neS 3tgafja fid) butcg bie grmorbung non 42 fPrinjen aus fönigt. 83lute ben 5Beg jum Sgrone bagnte. ©ie gerrfcgte 6 Jagte; im 7. J. fegte ber #ogeprie= fter Joiaba beS 2tgafja jungen ©ogn, JoaS, ben Jofabeb, bie ©cgwefter Joram’S unb ©attin beS Joiaba, gerettet unb tjeimlicf) im Stempel aufetjogen gatte, wiebet= um auf ben Sgrott feinet födter. Xgalia, fjerbeigejogen butd) ben Sarm beS jßolfS, baS ginjuftrömte, ber Krönung beS JoaS beijuwognen, trat mit ber SJtenge in ben Tempel, wo bie grierlicgfeit nor ftdf) ging. S3ei bem XblicE beS neuen Kö= nigS, ber auf bem Sgrone faf, umringt non ben ^rieftern, Seoiten, ©rojjbeam= ten beS 3teid)S unb bem jaudjjenben SBolfe, gerietg fie aufer ft'd), gerrig igre Klei= ber unb fcgtie Söerratf). Joiaba lief fie fogleid) burd) Trabanten aus bem SSegirf beS SempelS fügten, mit bem SSefegl, Jeglichen niebetjugauen, ber fte »ertgeibigen wollte; an ber S£gür igreS fPalafteS aber warb fte felbfi, ogne ben geringften 3Bt= betftanb, umgebradjt. Sie« gefcfjaf) ungefähr 877 J. n. Ggr. Sie 2fItare beS Saal, bie fie gatte tnieber aufricgten taffen, würben umgeflürgt, unb baS 33ünb= nif mit bem tgerrn, baS bie Xgöttifcge gerriffen gatte, erneuert. (©. 2. 35. ber Könige, ßap. 8. u. 9.) Otacine bearbeitete biefen ©toff. fftadg ßramet’S Übet= fegung componirte ©cgulj bie ßgöte. 2ftgamaS, beS XtuS unb ber ©nareta ©ogn, begerrfd)te einen SSgeil »on Söotien. SDtit fJtepgete »ermaglt, erzeugte er Sjeüe unb fPgtpruS, nacgget non igr getrennt, mit feiner jweiten ©emaglin Jno ben Searcgu«, 9RelicerteS unb bie ©urpfleia. Jno befcglof, ber fftepgele Kinber auS bem Sßege ju raumen, nerur= facgte einen gdnjlicgen SRiftwacgS unb beftadg beS X Xgefanbte jum Srabel, welcge beS UnglücfS Urfacge erfunben follten, baf fte bie Antwort brdditen, ber fJtepgele Kinber müften geopfert werben. Siefen ©ebanfen gatte igr Juno, ber fte als beS 33acd)uS gewefene 3(mme nergaft war, e-ngegeben, um fte ju netbetben. Xet ber argliftige fpian fd)lug fegl; fftepgele rettete igre Kinber mittelft beS golbe= nen 2BibberS, unb bie Xgeorbneten entbecften Jno’S jöerratg, bie beS X Städte nicgt entgangen fein würbe, gatte nicgt ber banfbate SaccguS feine Pflegerin entrücft. 3t. wdgnte fie gingericgtet ju gaben, unb nermaglte ftd) jum britten 9Rale mit Sgemifto, beS Sapitgenfönig« ^ppfeuS Socgter, mit ber er megre ©ögne erjeugte. 3tber Jno trat wiebet auf, gewann feine Siebe aufs neue, unb reijte babutd) Sgemifto jur ©iferfucgt, in weld)et biefclbe befdjlof, ber Jno Kinber ju ermorbett. 3u biefem 3wecf befagl fie, bie Säger »on Jno’S Kinbern mit fcgwat= jen Secfen ju belegen. Jno r miftrauenb, oerwecgfelte bie Se^en, unb bie irre= geleitete Sgemifto ermorbete igre eignen Kinber, worüber fte in SSerjWeiftung ftd) ergenfte. 3fnbre ergaglen: burd) Juno’S 3orn fei X in Siafetei verfallen, gäbe Jno mit igren Kinbern für eine Söwin mit igren Jungen angefegen, in biefem fffiagne ben Scarcg ergriffen unb gegen einen ©tein gefdjmettert, Jno aber oer= folgt, bis fte, ben SJtelicerteS im Xm, ficg ins 5Reer fturgte. SRit 35lutfcgutb belaftet, gäbe barauf X SSöotien »erlaffen unb fei nacg ^)gtgiotiS geflücgtet, wo et 3tloS erbaut unb ftd) nun mit Sgemifto »ermaglt gäbe. fRacg ^)aufaniaS aber wenbete er fid) erft ju 3tnbreuS, bet igm bie ©egenb um ben35erg Sapgpftia abtrat, welcge fpdter an beS fPgrppuS Kinber fam. 492 Xtf)cmaftu§ 2ftf)anafiu§ (bet heit.), ^Patriarch oon Xepanbtia, ein berühmter Äit= rfjenletjrer, geb. in jener Stabt gegen bag 3- 296. Gr erhielt eine cfjrifitirfje (5r= jiefjung, Farn in bag .fjaug beg [)eil. 2ftepanber, nachmaligen ©rgbifdEjofö oon Xer= anbria, beffen ©et>eimfdEjreibet erwarb, begab fi'dt) barauf ju bem heit. 2fntoni«g, führte bei biefem berühmten Xiadjcreten ein afcetifcfyeS ßeben unb Fefjrtc enbtictj nach Xepanbrien pcücF, wo er Siafonug würbe. Ser tjeit. 2ftepanber nahm ifyrt aufbienicaifd)e.Kitd)enBetfamm[ung mit, wo er in ben Xianifchen StreitigFeitcn butd) feine SEalente ftd) bie döod)ad)tung ber Vater erwarb. Gr gatte großen Xu tgeit an ben S3efd)lüffen, bie I)ier gefaßt würben, anb jog babutd) bie Verfolgungen bet Xrianer auf ftd). Sffacf) einem halben Sagte warb er pm Nachfolger bce> geit. 2£tejcanber ernannt. Sie XnFtagen unb Vefcgutbigungen feiner geinbe bewogen ben Äaifer Äonjfantin enb(id), ifjn 334 Bor bie Goncitien »on 5Eprug unb Serufatem notlaben p taffen. X enthüllte ben SSetrug unb fegte feine Nicgter, bie juglcicf) feine ©egner waren, in fo!d>e Verwirrung, baß ber faiferticge Xbgeorbnete ign nur mit 9Jlüge igter äButg entgegen Fonnte. 9J?an begnügte ftd), if)n «bpfegen. Sem nod) fugt er in feinen Xntgoetrichtungen fort; aber ber Äaifer, burd) neue Grbicf)= tungen getdufcgt, netwieg ign nad) Seiet. Siefe Verbannung enbigte nacg'einem Sagte unb einigen Vfonaten Äonftanting SEob. Äonftantiug, Äaifer beg Srientg, rief ben geit. ^atriardjen ptücF. Sein Ginpg in Xepanbtien gtid) einem SEriumpt). Sie Xrianer uerbreiteten jebod) aufg neue fatfege XnFtagen wiber ign, unb 90 Xria= nifefje Vifcgofc nerurtgeitten ign in Xntiocgia. SagcgenerFtartenign lOOortgobofe Vifcgöfe, bie ftd) p 2ftepanbria Berfammetten, für unfegutbig, unb berfPapftSutiug betätigte biefen Xugfptucg unter ber Sußtimmung Bon megt alg 300 p Satbeg Berfammetten Vifcgofen beg Srientg unb Sccibentg. Sempfotge f'etjrte er pnt jweiten VJate ju feinem Sige ptücF. Xtg aber Gonfiang, ber Äaifet beg<£)ccibentg, gefiorben, unb Äonftantiug djert beg ganjen 9?eid)g geworben war, burften bie Xria= ner ftd) wieber gegen X ergeben. Sie nerurtgeitten ign auf bett Goncilictt p 2trteg unb Viaitanb, unb ba ber egrwürbige fPatriarcg nur einem augbrücEticgen Vefegte beg Äaifcrg gegoregen witt, etfegeinen ptbfslicg, alg er ftd) gerabe pt Seiet eineg ge-- fieg in ber Äircge befmbet, 5000 Sotbaten unb bringen in bie Äitcge, um ftd) feinet ju bemdd)tigen. 2fber bie ign umgebenben ©eifitiegen unb SKonege bringen if>n in Sicgergeit. X, pm britten SJtate entfett, flüd)tet ftd) in bie VSüften Xgppteng. Seine Setnbe Berfotgen ign aueg nod) gier unb fegen einen fPteig auf feinen .Kopf. Um bie Ginfieblet biefer traurigen ©egenben, bie feine Nage nid)t nerratgen wollten, Bon ben Nlißganblungen feinet Verfolger p befreien, begab er ftd) in ben nbtlig un= bewohnten SEgeit ber SBüfle, wogin ein treuer Siener igm folgte, ber igm mit 2e= benggefagrNagrunggmittet gerbeibraegte. Sn bieferunjttgdng[id)en ©inobe Berfajjte X eine Vfengeoon Schriften Bott S3erebtfamfeit,um bie ©laubigen in itjrem ©tauben p ffätfen unb bie Äunfigriffe feiner geinbe ju enthüllen. 3lts Julian ber 2fpo= ftat ben 5Et)ron beftieg, ertaubte er ben ortfjobopen Vifdjofcn, juit)renÄirdhenjurücf= jufehren. So fet)rte nad) 6jdt)riger 2(bwefenheit auch X jurücF. Sie Vfitbe, mit ber er ftd) gegen feine geinbe betrug, fanb in ©altien, Spanien, Italien unb ©rie= chentanb 9fad)ahmung unb führte ben Stieben in ber Äird)e juvücf. 2lbet biefer Stiebe warb burd) bag ©efchrei ber Reiben, beten Sempel burch 2f.’g Gifer immer teeret würben, geftort. Sie teilten ben Äaifer wiber ihn auf, unb X mufte, um fein Seben ju retten, nad) Stjebaig flüchten. Ser SEob biefeg Äaiferg unb bie Shronbefteigung Soßian’g führten itjn jwar jurücF; alg inbejj nad) 8 SJfonaten Vateng Äaifer warb, unb bie Xdanet bie Sberhanb gewannen, mufte er aber* matg fliehen. Gr Betbarg ftd) in bem ©tabe feineg Vaterg unb nerweilte ba= fetbfb 4 Vfonate, big Vateng, burd) bie bringenden Vitten [unb Srohungen ber 2f(epanbriner bewogen, ihm ertaubte jutücEpfehten. Von jegt an Berwatteteerfein 3fmt ungeftort, big er 373 fiarb. Von ben 46 3, lebenbiget ©taube, unbegrenjte Stad)= ftentiebe, aufrichtige Scmutt), fofe SSerebffamteit unb eine ftrenge Sebenbroeife gewannen if)m ©hrfurd)t unb Siebe, ©eine ©griffen finb potemifchen, t)ijtori= fdjen unb moratifd)en Snhattg. Sie potemifchen betreffen tjauptfadjiid) bie ge^ heimnifnolten Seiten ber Sreieinigfeit, ber gteifchwerbung Gtjrifti unb ber ©ott= (idjfeit beS fjeii. ©eifteg; bie t)ijtorifd)en finb «on hochfter SBid)tigfeit für bie Äird)engefd)id}te. 3n alten ift bie ©d)reibart butd) Ätarfeit auggejeichnet, unb ber Son angemeffen. ©eine 9?ed)tfertigunggfd)rift an ben Ä'aifet Äon= ftantiug ift ein SJteifterwerf. Sie befte 2tu«gabe ift non SJtontfaucon (fPatig 1698, 3 33be., gol.). 2tl6 eine ©tgünjung betfelben fann bet 2. 33b. ber „S3i= btiotljef ber Äirchenöater" beffetben >£jerauggeberS (1706) betrachtet werben. ©. 9Jtif)ler’g „2ftt)anafiug ber ©rofe unb bie Äirdje feiner Seit" (Sttainj 1827, 2 Styl».). 2ttf)eigmug, ©ottegteugnung, wirb atg Sehre unb 2(nftd)t bem $£heig= mug (ober Seigmug), atg Senfart unb ©efinnung bem ©tauben unb ber 9teligio= ft'tat entgegengefetjt. Sarauf grünbet ftcf> bie Unterfd)eibung jwifdjen tf)eoretifci)em unb praftifchem 2ttt)eigmug; teuerer wirb jebod; paffenber Unglaube unb 3treli= giofxtat genannt. 2tuferbem fann man ifjn in einen ffeptifd)en, welcher bie 97?6g= lid)feit beg Safeing ©otteg jugibf, unb in einen bogmatifdjen eintfjeiten, welcher bag Stichtfein ©otteg ju erweifen »erfud}t. ©g entfpringt aber ber 2tft)eigmug ent= webet aug jenem ©fepticigmug, welcher bie SBafjrtjeit alter menfeftidjen ©tfennfc nif bejtreitet, bag Senfen für ein btofeg ©piet mit SSorftellungen, benen feine ©egenftanbe entfpreefen, erftart, unb leugnet, baf ber SJtenfd) irgenb ©twag mit Sicherheit ju erfennen «ermoge; oberjweiteng aug ber 33erfennung ber tierfchiebe* nen ©ebiete ber menfd)lid)en ©rfenntnif unb bem SSetlangen, ba flauen unb wif= ftn ju wotten, wo bem SWenfcfyen nur ju glauben »ergonnt ift; ober enblid), unb jwar am ofterften, aug bem SBatjne, baf ber SJtenfd) feine höhere, non bem ©inn= tidjen »erfchiebene Statur in ftch trage, baf feine 33egtiffe »on Stecht unb fPflidjt nid)t aug utfprünglichen unb nottjwenbigen 2tntagen feineg ©emütfjg feroorgetjen, fonbern nur jufatlige SBirfungen ber ©rjiehung unb ber bürgerlichen 93ert>dttniffe feien, baf er mithin feine fittlicfye 33efiimmung tjabe. Sa eg vornehmlich bag 33e= wuftfein feiner fjotjern Statur unb fttUicfcn Seftimmung ift, wag ben SJtenfchen ju ©ott führt, unb jwifdjen ber ^)f)itofopf)ie unb ben ©itten jebeg Seitatterg ein wechfelfeitiger, leidjt begreiflicher Sufammentjang ftattfi'nbet, fo ift eg fetjr natür= tief), baf ber 2ttt;eigmug befonberg in ben Seiten beg ©ittenverberbeng ju entftef>cn unb ©ingang ju finben pflegt. Steg war ber galt unter ben ©riechen feit ben Seiten beg fPerifleg, wo bie ebenfo attjeiftifche atg fittenwibrige Sehre Bieter ©ophiften auf ber einen ©eite aug bem Seid;tftnne unb ber ©enuf liebe beg Seitatterg hervor* ging, unb auf ber anbern wieber baju biente, bag Saftet unb ben Unglauben fidjer ju madjen. Sieg war ber galt unter ben Stömern feit ben Sitten 2fugufig, wo feine Sehre mehr ©ingang fanb atg bie Sehre ©pifut’g, welche ©ott unb bie gött* liehen Singe (eugnete, in ber Statur 3tid)tg atg bag SBitfen eineg btinben Sufattg erfannte unb beri ©enuf für bie (e£te SSeftimmung beg SJtenfdjen erflärte. Sieg war bet galt in granfreich in ben Seiten vor ber Steöolution, wo eg ftd) bie ©nep* ftopäbiften unb anbre ©djriftftelter, namentlich ber 33erfaffer beg „Systeme de Ia nature", jum Sweife ihrer fd)tiftjte((erifchen Shatigfeit machten, bie religiöfcn SSegriffe ju beftreiten unb ben ©tauben in ben ©cmüthern ber SJtenfchen ju jerftö* ren. 3Bie weit aber aud) in fotchen Seiten ber 2ttheigmug ftcfi augbreite, nie fann er allgemeine 2fnftd)t werben; benn unabweisbare föebütfniffe beg ©eifteg unb beg 494 ■£erjenS führen ben Sttenfdhen ju ©ott, unb nie bann bcr in folgen SSebütfniffen gegrünbete ©laube, welcher allein ben SSfenfchen mit Sugcnbliebe ju erfüllen unb über baS Sd)icbfal ju erheben oetmag, untergeben. SaS unoetborbene, fugenb; liebenbe f>erj führt ju eben bem ©rgebnip, in meinem bie gotfchung ber weifeften Genfer von SobrateS unb ^)tato bis auf Seibnifc unb Äant geenbigt bat, ju bem ©rgebniffe, baf über bie menfcblicben Singe ein ©ott malte, ben ber SJtenfd) jmar nicht ju flauen, aber im ©tauben ju ergreifen oetmag. — Jöduft'g bat man aber aud) eine 2bnftd)t, welche mit ber gewöhnlichen 33orftellungSweife oon ©ott freitet, 3(tbeismuS genannt. (93gl. Unglauben.) N. 2Ctbem, bie Suff, troelcfje wdljrenb ber ©pfpiration aus ben Sungen, oer; mittelfi berSlafe unb beS SttunbeS, auSgefdfeben wirb. (Sögt. 2bthmen.) 6s gefdjiebt bieS jwar ohne 2Tnffrengung, bennocb aber wirb oor ber fftafe unb bem SOtunbe eine fitomenbe 33ewegung in ber ditpern Suft babutd) bewirbt. Siefe auS= geatbmete Suft ifl ber fraget ber Stimme unb Sprache unb enthalt eine geringere Sftenge SauerftoffgaS, bagegen mehr bohlenfaureS ©aS als bie eingeatbmete. 3fufer= bem aber ftnb bem 2btf)em oiel wdffetige Sünfie, welche ftd) bei einiger Ädlte ber dupern Suft ftdfbar nebelartig a(S .fjauch .iieberfd)lagen, unb anbre Stoffe beige; mifd)t, welche ihren Utfprung ben 2tb fonbetungen in bem SOtunbe, ber Sfafe, ber Suftrohre unb ben Sungen oerbanben. Sie le(5tern bewirben bie Sftobiftcationen beS 3fthemS, welche ftd), wie jebe S3efchaffenf)eit ber ßuft, burch ben @erud) wal)t; nehmen laffen. 3n ber Sugcnb iff bet 2btf)em fduerlich unb fabe; er oerliert biefett ©erud) nach ber f)ubettdtSepod)e unb ried)t oielmehr angenehm. 33enigfenS in ben Momenten berSeibenfdmft erfd;eint ber 2fthem beS geliebten ©egenftanbeS lieb= lid) unb betaufd)enb. 5e alter man wirb, befto mel)r nimmt ber 2ltf)em gewöhn; lieh einen unangenehmen ©etud) an. Ser ftinbenbe 5btl)em aber, als gehler, hangt oft oon ortlid)cn Äranbljeiten ber Cftafe, beS SOtunbeS ober ber Äffwege ab, }. 35. oon 9fafengefd)WÜren unb brebSartigen fPotppen, oon Schwämmchen, 33erfd)toa; rungen beS fJfunbeS, Speidjelfluffen, oom SungenbrebS; bisweilen ifi ber übel; riedjenbe 3btl)em bloft in einet eigenthümlicfjen 2(bfonberung in ben Sungen begrün; bet. 2fuch wirb er oon fd)led)ten 3df)nen, Unreinlid)beit beS SQtunbeS, oon man= d)en Speifen (j. 35. Sfteerrettig, S'rüebeln unb bem auSfchlieplichen ©enuffe beS gleifcheS) unb fieberhaften Äranbljetten erzeugt. bem leljtern galle entfpricht er oft ber ©gentl)ümtichfeit ber Äranbheit. ©nblid) nimmt et wäljtenb ber weiblichen Siegeln, mdhtenb ber Sd)Wangerfd)aft, wdhrenb beS 2Bod)enbctteS unb Stillens eine üble 33efd)affenheit an, welche beiju beitragt, ben SScann, wie eS bie Siatur oerlangt, ju entfernen. Sie fteilung biefeS ÜbelffanbeS muff ftd) nach ben Urfa= d;en richten. 2buferbem wirb Seber, beffen 2bthem übel riecht, gegen 'ilnbre wal)-- renb beS ®efptad)S bie Selicateffe hen cntjTanb bet Unterfc^ieb in 51fros unb ÄatapoüS, ober in bie obere «nb untere (Stabt, ©er Umfang ber gefhtng ober ber 2ffropotiS betrug 60 Stabten unb umfd)lop an= fei)nlid)e ©ebaube. X lag an bem faronifchen Pfeerbufcn, ber oftlidjen Äüjie beS 'Peloponnes gegenüber. 68 mar auf einer $a(binfet erbaut, toeld)e ber i3ufam= menflujj be8 ©ephiffuS unb 3U;ffuS bilbete. Sott ber See, auf ber feine 2ßid)tig= feit mefentlicb beruhte, lag e8 ungefaßt 4 Stunben entfernt. Sitte!) Stauern oon groper geftigfeit unb 2fu8be!)nung mar e8 mit ben 3 $dfen pivauS, Pfunpdüa unb PhaletuS oerbunbett. Ser erffe mttrbe für ben bequemften gehalten unb mar einer ber Stapelpldfce be8 gried)ifd)en $«nbel8; bie Äüflc rings umher mar mit prddjtU gen ©ebduben bebeeft, beren ©lanj mit benen ber ©tabt metteifette. Sie Stauern, meldje bie $dfen mit ber Stabt oetbanben, maren oon Sruchfteinen, unb fo breit, bafi fid) Plagen auf benfelben auSmeicfjen fonnten. Sie XropoüS fd)iop ba8 f)ertlid)ffe an Äunftmerfen ein, ma8 X aufjumeifen batte. Sh l ' e ^aupt^ierbe mar ba8 Parthenon, ober ber Sempel ber Pfütetoa. SiefeS prad;tige ©ebaube, roeld)e8 nod) in feinen Stummem bie Semunberung ber PBelt ijt, mar 217 gup lang, 98 breit unb 65 bod). Son ben Perfern gerfiort, rombe e8 herrlicher oon PerifleS um 444 o. 61)r. aufgebaut. ^)ier ftanb bie Silbfaule ber Pfinetoa oon PbibiaS, biefeS Pieifferftücf ber Silbhatterei, oon ©Ifenbein gebilbet, 46 gup boeb unb reich mit ©olb gejiert, beffen ©etoidjt auf 40 bt8 44 Salente (2000 bis 2200 Pfunb) gefd)d(jtmarb, meld)e, mennman, nad) Sarthelemp, baS Silbertatent }tt 5700 SioteS, unb ba8 Setbaltnif be8 ©olbeS jum Silber roie 1 ju 13 rechnet, nach unferm ©etbe einen 5Bertf> oon 2,964,000 ober 3,260,400 2ioreS (741,000 ober 815,100 Später) hoben fonnten. Sen ©ingang jum Parthenon bilbeten bie Ptopplaen, au8 meipem Pfatmot gebaut. SiefeS ©ebaube lag auf bet 9?orb= feite bet XiropoliS, bid)t babei ba8 ©reebtbeum, ebenfalls oon meipem Pfarmor, beffebenb auS 2 Stempeln, bem ber PallaS, Ptineroa, unb bem beS 9feptun, auper einem anbern merfmürbigen ©ebaube, Panbroftum benannt. 3ra Umfreife beS PfineroentempelS ftanb auch ber ber ©ottin heilige Slbattm. 21uf bet ootbetn Seite ber ffftopoliS unb an jebem ©nbe berfelben fab man bie 2 Sbeater, baS beS Sacd)US unb baS Sbeum; erfiereS für baS eigentliche Scbaufpiel, le|tcreS für mufifalifd)e Unterhaltung, biefeS befonberS mit auSgejeichnetcr Pracht erbaut. Xtd) ber Staat8fcf)af> befanb ftd). in bem hintern S!)eile beS PfineroentempelS. Sn bet untern Stabt jeichneten ftd) ebenfalls mehre herrliche 5Berfe ber Saitfunfl aus, j. 83. baS pbeile, ober bie ©alerie jurXtffMung hifforifchet Silber, fernerber Shnrm ber SBinbeoott XtbtonifuS 6prr()efteS, unbSenfmdler berühmter Pfänner. Stoei ber berrlid)ften S3aumerfe befanben ftd) auper ber Stabt, ber Stempel beS 5E£;efeitö unb ber beS Supiter SlpmpiuS, ber eine auf ber 9torb=, ber ar,bre auf ber ©übfeite ber Stabt. Ser etfiere mar oon borifcher Sauart unb bem Parthenon ahnlid), unb auf ben Pfetopen fah man bie oornehmften Saaten beS alten gelben unb ÄonigS trefflid) abgebilbet. Ser Stempel beS Supiter SlpmpiuS mar oon ioni= fd)er Sauart unb ubertraf faft alle übrige ©ebaube X’S an Prad)t unb Schönheit. Plan hotte unermeplid;e Summen barauf oermenbet; er mürbe nad) unb nach tm= mer mehr oergropert unb oerfchonert, unb enblich oon epjabtian oollenbet; baS Xt= pere jierten ungefähr 120 fannelirte Säulen, 60 gup hoch unb 6 gup im Surd)= meffet tjaltenb. SaS Snnere biefeS ©ebdubeS hotte mol eine holbe Stitnbe im Umfange, dpiet ffanb bie berühmte Statue beS olpmpifd)cn3upiter, gleichfalls oon PhibiaS auS ©olb unb Slfenbein gebilbet. gerner barf baS Pantheon (allen ©Ottern heilig) nkl)t oergeffen merben, mooon baS in 9fom beftnb(id)e ein treues ttbbilb ifl. Xtper biefen SBunbetmcrfen ber Äunft jeigte X nod) anbre Piaffe unb Punfte, metd)e burch bie bamit oerbunbene ©rinnerung bet 9tad)melt emig treuer bleiben merben. Sie altenPhilofophen pflegten ftd) bcfanntlid) nicht in dporfale einjufd)lie= pen, fonbertt hielten ftd) mit ihren Schülern am liebfien im greien auf unb fudfj= 496 2Ctf)en tot bflju fülle abgelegene Klüfte aug. @in folget Wat bie berühmte 2lfabemie, t»o fPlato lehrte, ungefähr 3 Siertelflunben notblid) »on bet ©tabt gelegen, nnb einen Sf)eit beg fPlageg augmachenb, bet Getamtfug hieß. Slan tjatte ben uefprünglicß fumpftgen nnb ungefunben Soben burd) Saumpflanjungm unb Surchleitung fri= fd)en 2Bafferö ju einem angenehmen Suftorte gemacht. Gin folchet Srt war auch bag Spceum, wo 2lrifloteleg lehrte, unb bag burd) il)n ber ©if) bet peripatetifcfen ©djute warb. lpmpiu«, allein e« ifi nid)t gegrünbet. 3Bahrfcf)einlid)er finb ft'e bie überrefte be« alten Söcile. iE)ec Sfjucm bec SBinbe von 2fnbconifu« ßprrhefte« ift nod) ganj übrig, ©eine ©ejtalt bilbet ein 7td)tec£i auf jebev ©eite ift er mit er= tjabener Arbeit bebecft, roeldje einen von ben fkuptminben barftellt; bie Arbeit ift votttefflid). 25a« ©ebdube verbanft feine Schaltung bemUmftanbe, bafe«Stofd)ee eine« 25ecwifd)orben« mürbe, Bon ben 25enfmdlern au«gejeid)netet Scanner, wo= mit eine ganje ©tcafie angefüllt tvar, ift nur ein einjige«, ba« treffliche 25enfmal be« Spfifrate«, erhalten worben; e« befielt au« einem Sufjgefiell, einem runben ©dulenga'nge unb einer Kuppel von forintl)ifd)er Srbnung. Statt t>at e« für ben Ort gehalten, beffen fiel) Semofil)ene« ju feinem ©tubirjimmer bebient habe, allein biefe Meinung ift ungegrünbet. SBa« 2orb Eigin für Erhaltung ber Überrefte altgried). Kunft gethan hat, f. in Eigin unb Eigin’« Starmorbenfmale. Bon bem prachtvollen ©pmnaftum, tve(d)e« fptolemäu« baute, finb nur in einigen verfallenen dauern noch Überrefte ju flauen. 2fufjerl)alb ber ©tabt ivirb bie ttufmerffamfeit gefeffelt burdf) bie erhabenen Srümmer von bem SEempet be« olpm= pifefen Supiter. Bon 120 ©dulen finb 16 übrig; Bilbfdulett finb gar nicf)t metjr vorljanben. Bon ben gufgeftellen unb Snfcpriften fanb man Einige« f>ier unb ba jerftreut, jum SIl)eil unter ber Erbe vergraben. 25er Stempel be« Stjefeu« bagegen ift faft ganj erhalten, bod) iftStandje« baran neuern Urfprung«. 25ie S3ilb= bauerarbeiten an ber 2fupenfeite finb faft gönjlid) verborben; allein bie, welche bie Briefe im Snnem fdjmüden, finb wof)l erhalten, ©ie ftellen bie Saaten be« alten gelben bar. ©ein .Kampf mit einem Eentaur jeichnet fief) befonber« au«. 2tuf ber 2(nl)6f)e, wo ber berühmte ttreopag feine ©jungen hielt, finbet man nod) in ben gelfen gehauene ©tufen, fotvie bie ©ifse ber Seichtet, unb btefen gegenüber bie be« 2tngeflagten unb ttnflager«. 25er -fjügel ift fegt ein türfifd)er Begrdbnifiptah unb mit ©rabmdlern bebeeft. 25er q>npp, ber Becfammlung«pla6 be« Bolf« un= tveit be« ttreopag«, ift faft ganj noch in feinem ursprünglichen Buftanbe. Stan fieht ben in ben Sei« gehauenen Stebnerfiuljl, bie ©ipe ber ©ctjreibec, unb an beiben Enben bie ©ifse berjenigen Beamten, welche ©tillfcfweigen geboten unb bie Ergeb= niffe ber öffentlichen Bethanblungen betanntmachten. 2fud) bie Stifchen finb ju fehen, tvo 25ie, welche vom Bolf eine ©unft ju erhalten wünfd)ten, bie ©efd)enfe hinlegten, bie fte brachten. Stod) lafjt fich bie Stennbahn bejeidfnen, tvo bie gpm-- naftifdjen Übungen gehalten tvurben, unb welche ^erobe« 3fttifu« (f. b.) au« tveifem Starmor erbaute. 25er Sütfc be« 2pfeum« ift nur burd) eine Stenge um= herliegenber ©teine bezeichnet. Ein neuere« -£au« nebft ©arten fleht an ber ©teile ber ttfabemie, in bem Umgreife laffen ftd) bie ©ange ber S«ipatetifer noch je(5t be= Zeichnen, unb einige Ölbdume von hohem 2(lterthume gebieten noch je|t Ehrfurcht. 25ie langen Stauern finb gdnjlid) jeeftört, bod) ft'nbet man ©runbjteine auf ber Ebene. 25er Siodu« hat faft gar Sticht« mehr von feinem alten ©lange, nur wenig ©aulentcümmer ft'nben ftd) hi« unb ba; baffelbe ifi bet Sali bei bem Sh«l«u$ unb bei Stunpd)ia. Söenige -£>anbel«fd)iffe laufen hi« zuweilen ein, weffalb auch ein 3oUh«tt« bafieht. — 25a« heutige 2(tf) i n i a h in 2ivabien hat 1300 12,000 E., barunter 2000 SEürfen; bie ©riechen genoffen einer milbern Befjanblmtg von ben Sürfen al« anberwdrt«. ©ie haben nod) ©puren alter ©itten erhalten, unb wdht= ten fich jährlich 4 2frcf)onten. 25er bafige gciech- Erjbifdfof bejog anfefntliche Einf. 25ie tttropoli« fam 1822 nach langer Belagerung in ben Beft'h ber freien Hellenen. 1825 blühte in 2l. bie hellenifche ©chule unter bem patriot. Stof- ®e. ©ennabio«. Allein nach ber Slucft ber Hellenen vor ben Stauern von 2t. mufte fich bie burd) -junger bejwungene Burg an Stefchib Safdja ben 7. Suni 1827 ergeben, ©rünb; lid)e Sorfchungen über biefen noch > n feinen Srümmetn ebtmürbigen £)rt enthalt Seafe’« „Topography of Athens with sonie remarks on its antiquities" (2onb. 1821, mit e. Ätla«, Sluerfol.). 83gl. ©tuart’« unb Stevett’« Stad)twerf; „25ie eono.rCep. ©iebentettuf. S3b. I. f 32 498 JCtyen Xterthftmer ju XI) en", welkes bet Xd)iteft ©bewarb nrtdfjge&itbet unb, auf Sinfs platten abgebrucft, hetauggegeben bat (Sarmfl. 1824, gt. gol.). Seafe mad)t eg [ wahrfcheinlid), bap ju fPaufaniag'g Seit noch mandje Senfmdler übrig waren, bie bet fPeciobe »or ben perftfd)en Stiegen angefjorten, weil ein fo »orubergehenbet S3e-- ft|,. als BcetpeS erzwang, ihm gerabe nut 3ett gab, bie Sertfjeibigunggwerfe unb bie bauptfacbiicbficn öffentlichen ©ebaube p jerjioten. 2Bdf)renb SbemiftofleS bei bet fperflellung bet ©tabt mehr auf ben Luisen fab, ©imon burd> eignen 9feid)= tbum unb .eine gtop artige Xiftcf)t fctjon bie ^)rac()t beachtete, fd)ien eg Sperifleg »or-- bebalten, Seibe butcb feine Sauwerfe weit p überbieten. Sod) wag ihm mit bem | Tribute bet anbern Staaten möglich geroefen mar, fonnte man in bet golgezeit nicht fortfeben. ©o oft bie Serwaltung bet ©taatgeinfünfte in weife dpanb fiel, fab jWat X feinen alten ©lanj jutüdfehten; aber halb zeigte ftd) bet ©influp bet Silbung, bie »on hier augging,. felbfl bei Solfem, bie in frühem fPerioben nie in bem griecf). ©taatenfpftem beredpet worben waten. Seiber war Xtifa feine 5n-- fei, unb fobalb folglich bie natürlichen dpülfgquellen beg fruchtbaren großen Sftace-- bonieng »on einem frdftigen unb aufgefldrten 58ehetrfd)er entwicfelt worben waren, fonnten bie wiberflrebenben Sntereffen einer SRenge non greiflaaten nicht lange ben flrenggeübten feeren eineg ftiegerifchen Solfg SBiberflanb leiflen, bie oon einem thdtigen, frdftigen unb ehrgeizigen 9Ronard)en geleitet würben, ©eit ©ptla bie SEBerfe beg fPitdug jerftörte, war ber Serfall ber ©eemad)t X’g entfchieben, unb mit ihr ber Setfall ber ganzen ©tabt. ®efd)meichelt burch bie Stiunwim, burd) . c^abrian’g Äunftliebe begunftigt, war X wot ju feiner Seit fo gldnjenb alg unter ben Xttoninen. Sie Fracht oon 8 big 10 3ah c h-nodh »or Xigen, sperifleg’8 SEBerfe wetteiferten in ©rhaltung mit ben neueflen Sauten, unb fpiutard) beroutn bert felbfl, wie bie ©ebaube beg Sftinug, beg SEReneftfleg unb beg *Phibiag, bie fo uberrafchenb fchnell entflanben waren, biefe aller Seit ttoijenbe Neuheit behalten fonnten. EJJirgenb wol ftnbet man fo richtig gewurbigt alg bei Seafe, inwiefern fPaufaniag’g unb ©trabo’g 91ad)ud)ten über ©riechenlanb »on ung beachtet wer-- ben muffen. 2Bahtfd)einlich fah EPaufaniag ©riechenlanb noch ungeplünbert. Sie ERomer, aug 2fd)tung »or einem ©lauben, bem ihr eignet fo »erwanbt war, unb in ber3fbficht, ein SSolf ju gewinnen, bag höhere Silbung hatte alg fte felbfl, trugen ©djeu, bie Stempel ju berauben, wo bie f?ettlid)feit ber Äunftwerfealg 3Beihgefd;enfe aufgehoben war, unb begnügten ftd) mitSwangfleuern, in lippgb’ot zahlbar, wenn aug ©icilien, wegen beg frühem ©influffeg »on ©ar= thago unb ^Ohoniäien, bie Sempetfchdfce felbfl weggebracht würben, ©emdlbe mochten eher zu ^3aufaniag’g Seit »on ihrer ©teile gebracht worben fein. Ser Äunflfammlet S3erfd)leppungen im ©ropen, bie Serzietung Äonftantinopelg ju einer Seit, alg bag ©elbflfd)affen neuer Äunflwetfe ben Saumeiftern nidjt mehr möglich fd)ien, d)rifllid)er ©ifer, ©infdlle ber Satbaren jerflorten nad) unb nad) in X, wag bie Äaifer bigher unangetaflet gelaffen hatten. ERocb nad) Xaticb’ä Seit flanb jebod), wie man glauben barf, ber Äolop ber Xf)ene Epromachog. Um gefdhr 420 warb ber Spaganiämug zu X »ollfldnbig »ernichtet, unb feit Sujlinian felbfl bie ©chulen ber fPhilofophen fd)liepen liep, »erlor ftd) auch bie ©rinnetung an bie SRptfjen. 3lug bem Parthenon warb eine Äird)e ber fPanagia, unb an 2f) C: feug’g ©teile trat ©t. = ©eorg. Ser ©ewerbthdtigfeit, bie fid) noch erhielt, brachte > SRoger »on ©icilien baburd) eine SBunbe bei, bap er bie ©eibenweber mit fich nahm, unb 1456 fiel X in Smat’g $dnbe. Um feine ©djmad) zu »ollenben, erhielt bie ©tabt ber 9Riner»a bag im Orient beneibete Sorrecht, alg ein Ceibge- I binge beg fjatemg »on einem fchwarzen ©unudfjen »erwaltet zu werben. Sag ^)ar= tfjenon warb zur 9Rofd)ee, unb am SfBeflenbe ber Xropolig würben bie Serdnbetum gen »orgenommen, bie burch bie neuern ©rftnbungen beg ®efd)üfcwefeng nothwen- big geworben waren, ©rfl 1687, bei ber Selagerung X’g burd; bie Senetianer tfttyenaöoraS 3&f)et 499 unter £D?oioffni, fcfycint ber Sempel ber ««geflügelten 93ife jerffbct worben ju fein, »on bem nocg fo ffgone Überrefle im britifdien SJfufeum ju fegen finb. Xn 28. ©ept. beff. S. fprengte eine 33ombe bag fPutuermagajin, bag oon ben Surfen im ipartgenon angelegt worben war, unb mit igm biefe immer nocg prangenben Über= reffe oon ^Pgibtag’g ©eniüg. 2Bagrfd)einlid) bannten bie SSenetiancr niegt, wag fie serff orten; biefe SOBitfung beg ©efcgügfeuerg mocgten fte nid)t beforgen. 3flg ©iegeäjeid)en wollten bie SSenetianer, benen bie SSurg am 29. ©ept. geräumt warb, bie Duabtiga ber 9life, bie im wefilid)en grontoit beS ^artljenon ffanb, nad) SSenebig einfdjiffen, aber beim 3fbnegmen ftürjte bie ©tuppe unb serffaubte. ©d)on am 8, 3fptil 1688 warb 3f. aber oon ben SSenetianern wiebet ben Surfen überlaffen, trog ben ©rbietungen ber ©inw., bie bet 9iücffel)tenben wilbe Slacge fürchteten, ©elefrte Sfeifenbe befud)ten feitbem öfter 31., unb ifiten Seriellen unb Seidjnungen oetbanfen wir bag 33erffdnbnif einiger Denfmale, bie in il)ten Überreffen jegt unfenntlid) geworben finb. 2öie wenig bie bort wognenben ©tie= d)en oon ber SSebeutung biefer ©ebdube oerflanben, beweift ©ntftug’g „Turco- Graecia". 23on ignen flammen bie Flamen: Sempel beg unbekannten ©otteg, Saterne beg Demoff geneg ic. — ©g Ware ungerecht, ben Sütfen allein bie 3erffo= vung fo oielet egrwürbigen Überrefle ©d)ulb ju geben. 9Jlit altem fÜfaterial ju bauen, war Sagrgunberte lang ber ©ebraud) ber ©riedjen. Dann ftnb Ofuinen in ber 9tdge fortwdgrenb bewohnter £>rte, oot allen ©eefldbte ber umwanbelnben SSerwüflung batum megt auggefegt, weil bie Seicgtigfeit beg Sßegfcgaffeng bem täglichen 85ebürfnif entgegenfommt. 5«bef blieben felbft in ben jugdngigffen Sgei= len 3ftgeng für ben redeten @ud)er nod) reiche gunbgruben; aber febeg Stagment, bag in 3f. ju Sage fommt, beweifl für ben 3flleg überflügelnben Äunff ftnn unb ©e= fd;maif biefeg Sßolfeg. ©in ©lücf, bag ©teilen, wo ftdfjei*nod) Überrefle grieef). Äunff in SOfenge liegen, batbatifege ©ebdube fo lange überbeefen, big ein beffereg ©cgtcffal ©riedgenlanb befegieben fein wirb! ©. Sgürmet’g „3fnftcgten oon 3ftgen . unb f. Denfmalen, nacg b. 93afur oon igm gej. unb rab." (9lom 1823, 15 331.). ’ 2ftgenagova§, einplatonifcger ^PgUofopg augSitten, welcger jum ©gri= flentgum überging, ifl burd) eine gtted)ifcge 2fpologie für bie ©griffen an ben Äaifer 9Jlatc= 3(utel, bie er um 177 fegrieb, alg einer ber alteffen 2fpologeten befannt. Diefe Lcgatio ober Deprecatio pro Christ, reegtfertigt bie ©griffen gegen bie um ter ben Reiben umlaufenben 33efd)ulbigungen beg 3ftgeigmug, ber SSlutfcganbe unb beg ©ffeng gefcglacgteter Äinber, mit pgilofopgifcgem ©eifl unb in lid)toollem, bünbigem fÖortrag. ßinbner gat 1774 ju Sangenfalja bie neueffe 2fuggabe biefer ffpologie beforgt. 3fucg eine für bie pgilofopgtfcge Sfeligionglegre noeg jegt widrige 3(bganblung über bie 3fuferffegung ber Sobten ifl oon igm oorganben. 31. 2ttgenaug, gried). Sfgetor u. ©rammatifer aug 9faufratig in 3fgppten, lebte ju ©nbe beg 2. unb ju 3fnf. beg 3. Sagrg. n. ©gt. ©r gat ein encpflopdbifd>eg ffierf in ©efptdcggform, „©affmagl ber ©elegrten", ginterlaffen, weldgeg eine reiege, aber ungeorbnete ©egagfammer gefd)id)tl., antiquar., pgilofopg., grammat. k. Äenntniffe iff. Jpauptaugg. oon ©cgweiggdufer (©tragb.glSOl — 7,14 Sbe.). 3ftgene, f. SJfineroa., Ütge , in bet 91 atu r legre, eine auf erfl feine elaffifcge Slüffigfeit, oon ber bie fPgpfif er, um bie ©efege oerfcgiebener ©tfegeinungen in ber 93atur ju beffimmen, annegmen, bap fie buteg ben ganjen SSßeltraum oerbreitet fei. ©rweifen lapt ff cg igr Dafein niegt, wepgalb aueg überbie eigentliche 35efcgafengeit biefer feinftengdüffig; feit niegtg angefügrt werben fann. 93ewton, ber allen gewagten 9Jfutgmapungen ab-' geneigt war, glaubte niegt nur an bag Dafein beg 2ftgerg im fSSeltraume, fonbern er= flarteaugbemfelben ben äufammengang ber Sgeile eineg Äotperg, ben er nad) feiner Meinung burd) einen Drucf ober ©top oerurfaege, unb leitete bag ©efegber©d>were oon igm ab. 9fad) ©ulet ifl ber 2ftger faff 39 SDfill. SOfal bünner unb 1278 SOfal 32 * 500 #t()iopier 2(tf>men elaftifcher al« bie atmofphdcifd)eSuft. — 3n ber © h e m i e bebeutet 'ittfjcc eine feine, burch ff djtige, fcfjr leichte, flüchtige unb entjünblicfye Slüfffgfeit »on meift meifltdjet i Sache unb angenehmem unb bucd)btingenbem ©erucf), bie mittelfl bet ©duren au« 2ftfof)ot ober hdd)ft gereinigtem SSBeingeift erjeugt rnirb unb nad) ber Söerfd)ieben= heit biefer ©duren »erfcf)iebene Warnen hat. SerÄthermirbal«ein jtarf aufbieWer= »en mirfenbe« Mittel gebraucht. Äud) in ben Äünften menbet man ben Äther oielfad) an, j.33. jur Äuflofüng beS etaflifdjen ^arje«, be«Äopal« k. (Vgl. W aphtha.) Äthto pter, ein unbeftimmter Warne, toomit in ben frühem Beiten alle i Völfer »on bunfler ober fchmqtjer Sache, forool in Äffen al« in Äftifa, bejeiepnet mürben. $omet fegt bähet Äthiopier in ben Äufgang unb Wiebecgang. ©pater mürben barunter bie Vemopner Äbpfftnien«, foroie unter Äthiopien Äbpfftnien »er= ftanben. (Vgl. .fjabefcp unb SWeroe.) Sie atpiopifepen SBeiber, meld)e pduftg al« ©ffaoinnen nad) Äonflantinopel »erfauft merben, jeiepnen fid) burch bie ©epon-- heit ihre« Äorperbaue« au«. Ätpiopifcher Scean, ein SEpeil be« gtofen Scean« unter ber Sinie, meftlid) »on Äftifa. Ä t h l e t e n, Ädmpfer, SEpeilnepmer an jebem SBettflreite, mithin auch bie Sungtinge, bie in ben ©pmnafien forperlidje Übungen anflellten, um ftd) abjupdt: ten unb jur Sühtung ber SEBaffen gefepieft ju mad)en. 3m engem ©inne nannte man Äthleten Sicjenigen, bie au« ber Ätpletif ober ©pmnaftif ihr $auptgefcpdft machten, befonber« Winger unb Sauftfdmpfer. 3h cc SSeftimmung mar, bei feierlichen , ©elegenheiten öffentlich ju fdmpfen, unb ihre Seben«t»eife biefem gmeefe gerndp. ©ie mürben mopl genährt unb muffen ftd) ber Siebe enthalten. Ve»or fte aber gu öffentlichen Ädmpfen gugelaffen mürben, unterfuchte man eine« jeben ©eburt, ©it= ten, ©tanb unb Verhalten; ein >£>erolb rief feinen Warnen au« unb foberte 3eber= mann auf, ju fptechen, menn er etma« Wad)tpeilige« »on ihm roiffe. ©eft nad) beflanbener Prüfung, unb nad)bem ber Äthlet einen ©ib gefepmoren, bap er allen ©tfobetniffen genügt habe unb bie Äampfgefefse genau beobad)ten molle, befam er bie ©tlaubnip ju fdmpfen. Sie SPaate bet Kämpfer mürben burch ba« Soo« be-- ‘ fitmmt. Sen ©ieger belohnte nicht nur ber Seifall ber SWenge, fonbern auch Kronen unb Vtlbfdulen. SW an führte ihn im SEriumpp auf, fdjrieb feinen Warnen in bie offentlid)en Verjeidjniffe, nannte bie Slpmpiabe nach ihm, unb Sichter pries fen ihn in Sobgefangen. Äucp bemüligte man ihm Freiheiten, einen Saprgepalt unb bei ben feierlichen ©pielen ben »ornepmften Spialj. Vefonbere (5t)te ermie« ihm feine Vaterflabt, benn alle feine SWitbürger theilten feinen Wupm. Ätpietif, f. ©pmnaftif. Äthmen ift bie Verrichtung be« tl)ierifd)en, mithin auch be« menfdjlicfjen Körper«, bie in einer abmecpfelnben ©ingieljung unb ÄuSftopung »on Suft beflehf unb baher mit abmed)felnber ©Weiterung unb Verengerung ber Vruft »erbunben ift. ©« mad)t mit bem Vtutumlauf, mit bem e« in enger Verbinbung fiept, ben j ©runb be« thierifchen Seben« au«. Ser fjauptfip be« Äthmen« ift bie Sunge, beten ! Vlutgefape burd) bie med)fel«meife Äuffchmellung unb Verengerung ber Sungen= bld«cpen halb angefpannt, halb erfcf)lafft merben, unb meld)e mit ber eingeathmefen i Suft in bie innigfie Verüprung fommen. fhierburd) merben bem Vlute gereifte heil= f fame Sfjetle aud ber eingeathmefen Suft ju=, unb anbre fchdbliche ober nidjt mehr brauchbare abgeführt. 6« ftnbet namlid) beim ©inatpmen eine Serfepng ber at= 1 mofphdtifepen Suft (f. © a«arten) flatt; ba« ©auerfloffga« mirb bem Vlute ju= geführt, bagegen ba« ©tidga« unoeranbert, ba« fopienfaure ©a« aber »ermeprt roieber au«geathmet. ©in ermad)fener SWenfd) athmet bei jebem 3uge 40 Äubifjoll Suft ein, unb mieber^ott bie« in einer SWinute ungefdhr 18 SWal; folglich »erfchludt er in biefer Seit 720 Äubifjoll Suft, mooon ftch 36 Äubifjoll in fohienfaure« ©a« oermanbetn. ©in be« ©auerflcffgafe« ber atmofphdrifchen Suft »erbinbet [ich 2ftf>o£ Atlantica 501 in bet Shmge mit bem ttfeetflüffigen PBafferftoff unb bilbet Sßaffet, voetdjcS in bet ©efiatt Bon fünften mieber mit auggeatbmet mitb, bie bei 40° Ste'aumur ftdjtbar ftnb. ©n anbter Sfjeti beg ©auerftoffgafeg Bereinigt ftd) in bet Sunge mit bem Übetfcbufj an Äoblenftoff imSlute unb bitbet babutd) foblenftofffaureg ©a3, mel= d)e« mit ben rodfferigen fünften jug(eid) auSgefjaudjt wirb. 2fug alten 85eobad); tungen etbettt, baf bag ©auerjtoffgag pnt tt)ierifd)en ?eben unumgang(id) nottjig ifL SBie eg nad) bem ©nannten im .Körper mitte, barübet ftnb bie Meinungen »erfd)ieben. Ptit bem 2(tf)men bangt auch bie tt)iecifd)e 5Sarme pfantmen, metebe roenigfieng bei ben @dugtt)ieren unb ißögein gtojiet ift a(g bie fte umgebenbe Suft. (Sögt. 2C tf) e m.) 3f t b o §, je&t 2fgion £)tog, auch ÜJJonte ©anto, ein hoher SScrg ober bag ©orgebirge einer langen SSergreibe bet Proninj ©alonif in bet europdifd)en Sürfei, tBdcbeg ftd) butd) eine 7 Seiten lange unb 3 Pleiten breite e^atbinfel in ben 3frd)ipet pt)t. Serjteg tief bie eine halbe ©tunbe breite grbpnge, meldje bie £alb= infet mit bem feften ßanbe Berbinbet, burd)graben, um feine gtotte an bie tbeffatifdje jtüfte p bringen. @3 erbebt ftd) gegen 5900 $ufj über ben ©pieget beg Pteereg unb ift Bon ©ried)en bemobnt. 2fuf bem Vorgebirge liegen gegen 20 Ätofter unb eine Ptenge Bon ©nftebeteien, bie jufammen mehr atg 6000 £5rbenggeifttid)e, befonberg ruffifd)e Pt6nd)e Bern £)rben beg beit. 23afttiug, jdblen fetten. 25iefe leben hier in Boltigerlfbgefcbiebenbeit Bon berSBett unb fuhren eine fo ftcenge d(au= für, baf fte fein meiblicbeg SBefen, nicht einmal ein meibticbeg .£)augtbier, um ftd) butben; babei ftnb fte dufjerft arbeitfam, fd)ni6en dpeiligenbUbet, 2fgnu3 Sei unb Paternofter ■, metd)e fte tbeitg in bem auf bem Serge tiegenbenPlarftfTecfenÄatibig obet-Sareng, mo SBodjenmdrfte gehalten treiben, tbeitg auch im übrigen ©ttopa, befonberg inSfuftanb, abfe&en, unb fammetn Itlmofen, um bamit ihre betrdd)ttid)en Abgaben an ben Pafd)a unb bie Pforte begabten p fonnen. Übrigeng unterbatten fte mehre ©djulen; ber heilige 33erg mirb für eine ber berühmteren Unterrid)tgan= ftatten ber ©riechen gehalten, unb ihre 33ibliotl)efen ftnb reid) an literarifeben, be.= fonberg banbfcbriftticben ©d)dgen, bie tbeitg Bor ber Eroberung .Sonfiantinopetg btttd) bie dürfen bingefefafft mürben, tbeilg auch babin gefd)enft, unb tbeitg Bon ben fleißigen Plondjen felbfi gefdtjrieben morben ftnb. Ptancbeg baBon ift jebod) fd)on in bie grofen S5üd)erfammtungen p Parig, 5Bien :c. gemaitbert. Sbte -Sto* fter unb Äircben ftnb bie einigen im ogmanifeben 3teiche, meld)e ©ioefen haben. Ätiologie, f, Pathologie. Atlanten, in ber 85au£unjt ©aulen in Ptannergeftatt, metd)e einem @e= ftrnfe, einem SSorfprunge tc. pt ttnterftübung bienen. (SSgt. Äarpatiben.) Atlantica, Atland eller Manheim, ein merfmürbigeg 5Berf in tatein. unb febmebifeber ©pradje Bon £>. Stubbe cf (f. b.), oolt großer ©etebrfamfeit, att= tiquarifd)er unb bifiorifd)er a5elefenbeit, genialer, aber auch lächerlicher $ppotbefen unb fcbmdrmerifcben SSatertanbgfinneg. 5Bag bie litten Bon ihrer Ktlantig ersdb= ten, menbet Stubbecf in biefem StBerfe auf ©cbmeben an unb behauptet: bie mähte Ifttantig begptato fei ©cbmeben; ©riechen, Stomer, ©tgldnber, 25anen, 25eutfd)e unb Berfcbiebene anbre 336(fec flammten aug ©dbmeben u. f. m. 25ie „Atlantica" ift pgletcf) eine große tppograptjifcbe ©eltenbeit. 25er 1. Sbeit etfd)ien 1675—79 pUpfala. 33on 1684 ftnbet ftd) eine neue Auflage, unb Bon 1699 fine oom lat. SEepte, mooon jebod) nur 3 ©empl. in ben S5ibtiotbefen p Upfata, ©tocfbolm unb .Kopenhagen befannt ftnb. ÄDiefet 2beil enthalt aud) 42 Plane in ^oljfcbnitt unb 2 fpd)ton. Safeln. 2)et 2. Sb- Bon 1689 enthalt auch ein 2ob mehret in= unb augldnbifcben ©etebrten. 25er 3. S^b- 'ft bon 1692. 25er 4. Sb- tft unoolten: bet, unb auch 25ag, mag baoon nod) Borbanben, ift auperft fetten gemorben. 25te 3 erften SEbeitc ftattben untdngft noch in febr hohem Preife. 83om 4. Sb- beftnben ftd) 2fbfdjriften in augldnbifcben S3ibliott)efen. 502 TCtfantiS Jffmofpfydte 3£ tl ötttiö/ bet bm 2frten bet Dfmnc einet Sttfel int atlantifdjertDcean, »on bet iijnen burd) einjetne ©cpiffer, bie ftd) in bah äöeltmeer gewagt Ratten, bunlle Äunbe gefommen «tat. Übet bie Sage betfelben muften ü)te Angaben fe£>t unju. »erldffig fein, ttttb ba ft'e fte in eine ©egenb fegten, wo ftd) in fpdtercr Seit feine Wülfel fanb, fo wat man bet Meinung, bap fie untergegangen fei. Docp »ermutpet man, bap »iellcid)t pponijifcpe obct cartpaginenftfcpe $anbe(bfcpiffe, burd) ©turnte unb ©ttomungen bon ipremSEBegc abgetvieben, an bie ametifanifepe Äüffe »etfcpla= gen worben unb »on bott fpaterpin glücfricp nacl) intern Saterlanbe jutiicfgefebjrt fein fonnten, unb bap alfo unter bctSnfel'2(t(antib bebfPlato, fowie unter bet großen namenlofen Snfel, »on tuelcper Diobor, fpiiniub unb 2frno6iub fpreepen, nii^tö '-dubreb alb bah heutige 2Cmerifa ju »etjfepen fei. 2ftlanttfcpes>3J?eer peipt »on bem2ftlabgebitge baögange€8?eerämifdfjen ben fSBefWüjfen ©uropab unb 2fftifab unb ben Dftfüffen Sfmerifab big jum ©ibmeete. 3ftlaö, eine ©ebirgbfette, weld)e ftd) t'tbet ben größten SEpeil »on9fotb= afrifrt »erbreitet. Der grope 2Cttag jiept ftd) im SJeicpe fülarocco big jut ©apara getunter unb mipt über 11,000 gup $6pc; bet freute 2ftlab flreidEjt aug SSKarocco gegen 9lotboffen big jut nörblicpen Äüfte. Die 5)?ptpologie bet ©riechen fdjuf bieg ©ebitge ju einem Sitanen, einem ©opne beb Sapetub unb bet Älpmene. geub, bet Sutanen Scfteger, »erurtpeüte ipn, bab >£timmelbgew6lbe ju tragen, t»eld)e Dichtung burd) feine pimmelanjfrebenbe ^)ol)e entflanb. ©r t»ar mit SÖ3eiöf>eit be= gabt, unb fpdtere ©agen (egten ipm mannigfaltigeÄenntniffe bei, befonberb in bet Äfironomie. Sftit ber jpieione, beb Sceanub SEodjtet, erzeugte er 7 SEocpter, bie unter bem fftamen pejaben (nad) bem SSater fiepen fte aud) 2ftlantiben) am itinu mc( glühen. flfacp 2fnbetn t»ar et aud) bet SSater bet ^jpaben. % t (a $, $ 11 a n t c n, werben, naep bem pimmettragenben ©iganten, 8anb- u. ©eeefarten genannt, naepbem ©erpatb SDfercator im 16.Saptp. biefen 9iamen p= etff ju Sejeicpnung eineb geogtapp. ©pjfcmb gebraud)t patte. Der neuefte ift ©tie= ler’b^anbatlab. (9t. 3f., ©otpa 1827, 65 Gpart.) — tftlab, ein gefbpettet fen bettet3eud) »on »orjüglicpcm ©lanje, welcper pauptfdcplicp »on bet 3frt, t»ie Äette unb ©infcflag mit einanber »etbunben ntetben, perrüprt. 2lucp ein bergleid)en tt>ol(e= netzend). —3ftlab, bet obere ^albwitbel, gleicpfam bet SErdget beb Äopfb. 2Ctmometer, ein 3Betfjettg, weldjeb bie 3fubbttnftung beb 3Bafferb au«, mipt unb beffen Dauptbeftanbtpeil etn Äeffel »on SBtetall ijf, in welcpem bab JBaffet bib ju einem gennffett ©tabc etpiptwirb. 6b ijf fcft»er, mit betgletcpen SBerfr jeugen richtige Stcfultate ju gewinnen, 9tacp ^allep’b SSerfudjen »etbünffen bei feipen ©ommertagen in Seit »on 2 ©tunben 233 ©tan 2Baffer, bie nad) feinet Sfecfnung - 5 ' T eineb engl. Äubifjollb Dfaum betragen. De ©auffure bebiente ftd) ju feinen S3eobad)tungen eineb anbetnSBet^eugb, bab aub einet in einem 9faf)m aubgefpannten Seinmanb beffanb, unb feine SSeobadjtungen gaben bab 9fefultat, bap, bei einerlei ©tabe beb Sdjetmomcterb unb ^pgtometerb, bie ©tope bet 2(ub-- bünfiung auf ben Setgen, bei 3 9Äal geringerer Did)tigfeit bet 2uft, mefjr alb bab Doppelte fo gtop ift alb itn $£l)ale. ©. be ©auffure’b „SJerfud) über bie^pgrome^ ttie", a. b. granj. (». D. SEitiub), Seipjig 1784. P. S. 2ttmo fpl) dre, Dunfifugel, wirb junddjft bie2uft, in wclcfer uttfet 6tb- ball gleidjfam ju fcftoimmen fd)eint, im toeiteften ©inne aber jebe SSJtaffe feinet elafüfdjer glüffigfeiten genannt, »on roeldjer ein Äorper allentfalbett umgeben ift. 2Ran fprieft bafer »on einet 2ftmofpf)dre bet ©onne, beb SKonbeb, bet Planeten, elefrtifcfet, magnetifeper Äorper u. f. t»., beten Dafein jt»ar nid)t fheng ettoiefett, aber mit mept ober weniger ©tünben waprfcpeinlicp gemaept werben bann, ©ewip ijf eb bagegen, bap unfere ©tbe eine 2ftmofppdre pat, worunter wir, wie aub obt= get ©rfrdrung folgt, bie jfe umgebenbe 2uft= unb Dunfimaffc »etffepen, bie wir baper aud) ßuft- ober Dunftfreib nennen. Sermoge ipret ©djwere ijf bie ?(tmc; 503 Sftmofipfyäte fppdte unäertrenntid) mit bet ©rbe retbunben itnb brücft auf fte nad) bcn ©cfe&en fcprocter elaftifcper glüfft'gfeiten. 5pt gefamnttet Sauf ift iprem ©ewicpt gleicp, reirit aber, wie ber Sauf alter anbern ferneren e(afiifd)cn glüjfigEeiten, ron allen (Seiten. 38itb nun burd) irgenb einen Umftanb an einem Srte ein ftdrferer Sauf rerurfadjt, fo nimmt man befonbere @rfd)einungen unb SBirEungen wapr, bie fo lange fortbauern, bis bad ©letd)gewid)t wieberpergeftellt ift. ©o fteigtj. 33. in ber 9topre einer ff)umpe bad SGSaffer, feiner Statut unb ben ©efepen ber Seltnere juroiber, in bie|>6pe, fobalb jwifdjen bemfetben unb bem in bie $ope gejogenett Kolben ein luftleerer 8taum in ber Stopre entftept. Sie Urfacpe baron ijt bad auf= gehobene ©teidpgewiept, inbem bie 2uft fortwaprenb auf bad auferpalb ber Stowte beftnblidpeftBaffer brücft, innerhalb ber Stopre aber feine ßuftrorpanben ift. Sutd) biefen Stttif wirb bad ffiaffer, trenn bie Stopre lang genug ift, bid 32 gup empoa getrieben. Sied ift bad ©ewicpt, mit welchem bie 2ltmofppdre auf bie drbe brücft, unb welcped ebenfo rielbetragt wie ber Srucf eined 32 gup t)of)en Sceand, trenn ein foldjer übet ben ganzen Stbball rerbreitet wäre, eftieraud ergibt ftep, bap bie 2ltmofppdre auf bem menfcplidjen Äotper, nimmt man biefen ju 32 Suabratfufi an, bei 28 Bott SSarometerfjofje mit einem ©ewicpt ron 34,440 ‘’Pfunb atpt. Saft berCOtenfdp biefen Srucf nkpt empftnbet, fommtbaper, weil bie £uft ipn ron al= len ©eiten umgibt, übetbied auep in feinem Snnern beftnblicp ift, alfo rermoge ip= rer Slafiicitdt ron allen ©eiten unb felbfi ron Snnen nad) tlupcn wirft, unb mit= pin ber über bem Äotper beftnblicpen £uft bad ©leicpgctricpt palt. Sap bie 2ft= mofppdre nid)t einerlei Sicptigfeit pabe, tdpt ftd) fepon bataud rermutpen, baft bie untern SuftfdE)id)ten bie 2aft ber obern mitsutragen f>aben, woburep fte mepr }u= fammengeprept unb bid)fer werben. Sem ©efepe bed SO?ariotte gemdp, nimmt bie Sicptigfeit ber 2ltmofppdre in geometrifeper (Ptogreffion ab, fowie bie Jfpopen in aritpmetifeper iptogreffion junepmen. 33id an bie auperften ©renjen ber 3(tmo= fppdre mag inbep auep bied ©efep nid)t ffattftnben, weil bort bie Suft, frei ron al= lern Saufe, rollig in iprem natürlichen Sufianbe, b. p. opne irgenb eine&tferung ber Gftafiicitdt fein mup. Sie Jpope ber 2ftmofppare ift ron ben *Pppftfern, tpeild ttad) bem Saufe, ben fte audübt, tpeild naep berSdmmerung (inbem anjttnepmen ift, bap bie 2uft, fo weit fte 2id)t jurüefmirft ober ©rleucptung annimmt, ju un= ferm Planeten geport) auf 8 geograppifepe teilen gefepapt worben. Selambre („Astronomie", 3. Sb., ©. 337) ftnbet biefe dpope inbep faft 10 folcpet teilen, wie fte, metfwürbig genug, fepon Äepler im „Epit. Astr.", ©. 73, angegeben pat. Spter ©eftalt naep ift bie tftmofppdre ald ein ©ppdroib ju betradpfen, welcped un= ter bem Äquator wegen ber ununterbrodjenen ©djwungfraft, bie bafetbft ftattft'n= bet, unb wegen ber gropen 33erbünnung berSuft burep bie bafelbft peftig wirfenben ©onnenftraplen fept erpoben ift. Sie conftituirenben SSefianbtpeile ber itbifd)en ültmofppdre ftnb ©tiefftoffgad unb ©auerftoffgad, welcpe fiep überall unb ju allen Seiten in wenig rerdnbertiep quantitatiren S3erpdltniffen (ndmlicp etwa=76:23) rorft'nben, unb wojtt ein geringer tlntpeil ron Äoplenfaute, gleicpwie baneben eine wecpfelnbe SJtenge SBaffetbampf, fammt einem fepr geringen, unbeftimmbaren Sttantum 5Bafferjtoffgad tritt. (33gl. © a d a r t e n.) Tluperbem entpalt fte aber, jtmi Speit in Sampfform, eine Stenge fortgeriffener ©ubftanjen, berjenigeit jtpdblicpen 83eimifd)ungen nid)t ju gebenfen, welcpe unter bem 9tamen ber 5Dtiad= men befannt, iprer Dtatur nad) aber nodp faft ganj unerforfept ftnb. Über bie 2lrt, wie biefe rerfepiebenen 33e)tanbtpeile neben ober mit einattbet beftepen, ftnb rieU faepe ^ppotpefen aufgefiellt worben, unter weldpen bie Salton’fcpe, tneld)e bie cp emifcp e SDtifdpung leugnet, am befanntefien geworben, abetauep am weiften be= (triftenift. — Uber bie Sitcratur ber2ltmofpparologief. b. 3(rt. 2ftmofppdre in ber neuen 2fudg. ron ©epler’d „^Pppft'fal. Sßottetbucpe" (1. 33b., geipj. 1825). ©afftfep ftnb nodp immer be Sttc’d „Recherches sur les modifications de l’at- 504 2ftmofpf)ätifcfyc Suff 2ffolten mosphere" (@enf 1772 , 2 Sbe., 4. ; beutfd), fpj. 1776—78). 2fud) f. m. b. 2(bfd)n. De Ratmosphere in Siot’d „Traite (l’astronomie physique" (2. 2fufl., (Parig 1810, 3 95be.). Übet bie ittmofpbären bcS SRonbed, bet ©onne unb bet übrigen Planeten »gt. m. bie2frt. 2ftmofpf;arifd)e Suff, f. ©adarten. 2( t m ü fp f) a t o I o g i e, bie Sebtc »on bet 2ftmofpf)dte, ihrer S3cfcf>offenf>ett, iijten Seränberungen unb Grfcf)einungen. 2ltna (SRontc ©ibetlo), in ©icilien, bet t)öd)fle »on ben 3 gtofen feuet: fpeienben Sergen in Gutopa, beffen fcnfred)te ^ofje nach ©pattanjani 11,400 g„ nad) ©mitf) 10,874 g. betragt. Sie 2fnftd)t auf bet (Rorbfeite non bem Stioeto beb Gapujinetflofierd Trecajfagne jeigt ben üppigffen Sorgtunb (bie prächtige dactylifera, inbifcfje geigen, 2f(oe, Sorbetbäume, Stangen, ©ranaten) unb bie teid)fie gerne. 2Ran tfjeitt ben Serg in 3 (Regionen; bie er|fe beißt bie angebaute — fte ifi mit ©tabten, Sotfern unb Äioftetn angefüllt unb roitb »on f[einen 2a»a= bergen gebitbet — ; bie jweite bie ^oljs oberSBatbgegenb, berühmt wegen bed üp= pigen 2Bad)gft)umg ihrer Platanen, Äaflanien, Sieben; in bem ©d)atten eine* großen Äaflanienbaumb tjaben lOO^Pfetbe (Raum, bafjer beißt et dei centi cavalli. Sie britte (Region, bie wüffe ober naefte, iff mit Gid unb ©rf>nee bebedt. Se&terer i(t unentbehrlich ju ftifjlenben©etränfen unb beffet als Gid; bet'Ütna »erforgt nicht nur einen grofenSheilStatiend, fonbetn aud) SRatta bamit, unb bet ©cbneebanbel, weichet allein für (Rechnung bed Sifcfjofd »on Gatania betrieben wirb, foll einen fährt, ©ewinn »on 5—6000 SEhtr. abwerfen. — Set 2ftna erhebt ftd) ftchtbar aud ben Urgebirgdmaffen; jebod) finb feine geognof!. Serbältntffe, weit überall mächtige ' Saoafirome eineSecfe bilben, nicht gut ju ermitteln. 5fudbrüd)e fennt man »otGbt. ®eb. 9, barunter finb bie »on 477 unb 121 »otjüglich wichtig; nach Gl)t. finb ed bie »on 1160, 1169, 1329, 1536, 1537, 1669, 1693, 1763, 1787, 1792, 1802, 1809, 1811, 1819. Sie Savcnerguffe, bie mehr aud ©eitenoffnungen atd aud bem Ärater fommen, »erhalten fich inSRenge unb 9Räd) tigfeit ju benen bed Sefuöd, wie gewaltige ©trome ju unbebeutenben gtüffen. — ©. be (Ron’d „Voy. pittoresque en Sicile" (Sb. 4., St. 24) unb ©raß ? d „©icitifche (Reife in b. g. 1808 unb 1809". Um bie Topographie unb (Raturgefd)id)tc bed 2ftna macht ftd) bie }U Gatania feit 1824 befiehenbe ©ioenifd)e 2ffabemie, wetdhe ju Gf)tcn bed (Rif: terd ©iuf. ©ioeni, Setf. einer „Litologia Vesuviana", fo heißt, »erbient, fowie 3B. ©mifh butch f. „Memoir descriptive of the resources, inhabitants and liydrography of Sicily" (Sonb. 1824, 4., mit Äpftn.). tttolien, Sanbfdjaft in ©riechentanb, an ber(Rotbf üfiebed Sorintf).SReer= bufend, fo genannt »on 2ftotud, bed etifdtjen äfonigd Gpeud Stüber, ber, aud Gtid weidjenb, ftd) jum e£tertn bed Sanbed machte. Sad ältere jftolien würbe burd) ben 2fd)etoud »on 2ffatnanien gefchieben unb ging »on ba bid Äatpbon ober jum glufße Goenud, wo ed an Sofrien grenjte. ©üblich waten bad SReer unb norblid) Theffatien bieSrenjen. 2Cld ed burch fpätere Gtobetungen, welche man u.b. (R. 2ftolia Gpifte: fod begriff, erweitert worben, waren bie ©renjen in(R.berStaunbbie2(thamaner in Spitud; aud) Tt)ermopplä, .fjeraflea unb ein grofer TheilTtjeffatiend gehörten baju. Sfilich war Sorien unb bie Äujfe bid (Raupaftud unb Supation baju gefd)tagen. Sad Sanb war rauh unb unfruchtbar unb burd) feine ©ebirge fefi; nad) dperobot unb 2frijloteted waren in ben ätteffenSeiten fogarSowen bafetbft einheimifd). Sie etjlen ä ©tamnwäter ber Ätolier waren Seltenen. Sn flehte Sotferfd)aften getheilt, Ratten fte feine tjpauptfiabt; fte machten ftch, mit Sagb unb (Raub befd)äftigt, burdh (Räubereien ju Sanbe wie jut ©ee furdhtbat; auch behielten fte, atd frei unb feinem anbern Sotfe unterworfen, bie alten toben ©itten am tängften bei. grub fd)on er: j richteten fte ben grofen ä 1 0 1 i f d) e n S u n b, ber fxdf) jtt Therma jährlid) »erfams t melte, aber erfi jut Seit bed ad)äifchen Sunbed merfwätbig warb. SBiber biefen ’ Atomen 2Cttopt)te 505 üccfeanbctt fte ft cf) anfangs mit ben fRömen, bann, als fte metften, bafj bic 5Römet aucf) if)te Untetbriicfung beabftd)tigten, gegen biefe mit 2fntiocf>«S non ©prien; enblicf) hielten fte eS mit ^ecfeuS non ‘Wacebonien unb muffen gulegt baS en 2(iter ftnbet ebenfalls eine eigenthum= lidje 2ftropf)ie fiatt (Atr. infantum) , meijienS eine golge ungefunber, fd)toerer, f(eifitiger Oiahrung, feuchter faiter Suft, wooon juerfi SBurmer, -58erfd)leimung ber erfien 9Bege, Söerjiopfung ber ©efroSbrftfen unb bann bie 2(bmagerung felbji entfieht, bie jwar immer gefährlich, aber bod), wo jene fdjablichen ©infläffe weg= fallen, fehr oft ju heilen ifi. 2fud) einjelne ©lieber pflegt biefe Krankheit ju ergreifen, ©ewohnlich liegt bann ein organifdjcS wibernatutlicheS 58erhältnip, t- 58. gelähmte flieroen ober ein 2fneuriSma, jttm ©runbe, mit beren ©ntfernung baS Übel geheilt wirb. 2f t r o p o S, eine oon ben 5p a r j e n (f. b.). Attacca bejeid)net in ber Sftuftf, bap etn ©a| an ben anbern gleid) am gefchloffen werben folX, j. 58. attacca allegro. Attentat, 1) im (Irimina(recht, 5Berfttd) eine« 5ßerbrecf)enS unb $8or= bereitung $u bemfelben oermitfelfi äuperer $anblungen, bie ftd) fd)on auf bie 2lu«; fühtung bejogen,- wobei aber biefe nod) unterblieb. 3m Attentat liegen juweilen fchort an ftd) felbfiänbige 5ßetbrechen, }. 58. 9)iorb jum Bweck eines nicht oollfuht* ten SiaubeS. 25ie 2ibfiufung jwifd)en bem entferntem unb nähern 2lttentat ifi un= enblid), baher bie 2fuf(iettung befiimmter ©trafgefege für bie 2fttentate fehr fd)toie= rig. 2) 3m ©ioilprocep, eineoonben©efegen oerbotencSBeränberung beS3u- Xtterbom 507 jitinbeS bet Jocm obcv beS SbjectS eines Sied)tsfitteits, biefe fBetdnberung mag mm betrübten »om 9fid)tec, »on hoffen 9ied)tSfptud) mit ©uSpenfloeffect appetlirt mürbe, ober »on einer bcr Parteien, bie ftd) baburd) in ihren (treitigen ©erecbt= famen geEranEt fühlt. ^>flicf>t jum ©cbabencrfah folgt immer aus foidjen 93et= Anbetungen; mand)e ©efefie beflimmett aud) pofitwe, anbre foldje ©trafen, bie bem Stiebtet jur SSeftimmung anfeimgegeben finb. 2ftterbom (Saniel2fmabeuS), SMdjter unb feit 1828 ^>rof. ber ^)f)iCofo= pt>ie jit Upfata, geb. ben 19. San. 1790 im Äircbfptengel 2fSbo tn Sftgotflanb, na()e an ber fmaianbifeben ©tenje, ©obn eine« Sanbgeiftlid)en, wuchs in einer ro= mantifeben, einfamen ©egenb auf. Srdume, Sttardben unb ©agen waren feine ge= fuebtefte Unterbattung unb liebften ©piete. ©d)on in feinem 4. 3. fuebte er dmftg in bet Eieinen 33üd)erfammlttng f. SkterS Stafrung für feinen ©eijl 2(6cr btefet SSorratb war ba(b butcbgclefen, unb Stiebte mehr übrig alSeinpaarbeutfcbefBücbet, we(d)e bet .Knabe fdion lange mit brennenber Steugier betrachtet batte: Hübner’S „©eograpbie" unb fPufenbotf’S „Unibetfalbifforie". fötubfam erlernte ber .Knabe aue biefen SSiidjetn unb mit ttnterftufjung bee SSatetS bie erfien beutfeben SB ortet, Stebenearten unb formen, ©o legte X ben ©runb in ber beutfdjen ©ptadjc, beten Äenntnifj fo wichtigen ©influfj auf feine literarifcbeSaufbabn geübt bat. Sn feinem 9. 3- be^og er bae ©pmnafütm »on Sinfoping, in we(d;er ©tabt einer feiner 9Ser= manbten ifjn mit Sdudjetn, aud) mit beutfeben, »erforgte. ©r tae bamale mit »ieler SeidjtigEeit Söielanb’S ©rjablungen unb mebre gute bijtorifdje S3üd)cr. 2fud) bie 3eitungSlecture jog if)n an, unb bie franj. 9te»olution, bie bamale ftd) inS5onapar= te’e lebenslänglichem ©onfulate ju beruhigen anftng, erfüllte ben Knaben mit re= publiEanifcbem ©ntbuftaSmuS. Sn bem lebten 3^9 bai er auf bem ©pmnaftum jubraebte, Eam ihm jufallig ein ©pemplar »on 93ütget’S ©ebriften in bie $anbe, unb biefer Siebter ergriff ihn fo gewaltig, baß »on ber Seit an bie meiften neuen fd;webifcben Siebter ihm unauefteblid) langweilig febienen, obfebon man ihm bae Zeitalter ©u)ta»S III. ale bae Xtguftifcbe unb golbenc ber uaterldnbifdjen Literatur angepriefen batte. 1805 Eam 21. auf bie Uni»crfttdt Upfala. ©inige jüngere ©e= lehrte, bie, rnae bamale eine feltene ©rfcbeinttng in ©cbweben war, bie beutfebe SU teratur gtünblicb Eannten, nahmen ben 2fnEommling freunblid) auf unb ermuntere ten bae aufEeimenbe Salent bttrd) SJatb unb Sbat. SJlit ihrer Tn'ilfe »erfd)affte er ftd) eine jiemlicb »ollfidnbige Überftd)t ber beutfeben Siteratür unb machte fiel) ihre ©ebafäe bie auf bie neueffett ju eigen. Itnterbeffen erweiterte ftd) 2C.’e ©influf, unb ee fammelte ftd) allmdlig um ihn ein Kreis »on gteunben »on gleichen Sauren, ©efinnungen unb -Steigungen, bie 1807 eine poetifd)=Eritifd)e ©efellfdjaft: „93unb ber 2furora", ffifteten. Sbte 93effrebungen gingen babin, bie »aterldnbifdje Sitera= tut unb »or Xlern bie fPoefte aue ben S3anben ber aEabemifcben ©teiffjeit unb ftanj. 3iercret, in benen fte feit ©ufta»S III. fPeriobe fd)mad)tete, jtt befreien unb jit bem Urquell nationaler fßegeifferung jurücEjufübren. Um biefelbe Seit warb auch bie Siebe ju bem ©tubium ber »aterldnb. ©efcfidite unb 2((tertbümer in ©cbweben wicber aufgeregt, namentlich butd) bie 33cmübungen beS fProf. ©eper, unb biefe Sfidjtung ber gefcbid)ttid)cn ©tubien wirEte wof)lt£)atig in jene poetifeben 9?e»olu= tionSplane ein, ohne fte ju tbeilen. 2fuS. ben mannigfachen ®ebid)ten, ©tubien unb KtitiEen ber Sttitgtieber beS 33unbeS ber 2furora entffanb 1810 in Upfala bie 3eit= fcfjrift „^^oöptjoruö", bie bis 1813 fortgefetjt würbe, ©ie ifi allerbingS ein buntes poetifcb=metapbpftfd)eS ©baoS, unb man ftebt, bafi bie jungen fBetfaffer (aufer X waren fPalmblab, ©(gffrom, ^ammerfEolb unb Jpebborn) noch ju »iel mit ben fPrincipien bcr Kunft unb Siteratür jufd)affen Ratten, um mit bet2fuSübung ins Seine Eommen ju Eonncn. ©ine jugenblid) (eibenfebaftlid)e ^tulbigung ber ©d)(e= gel’fd)en KritiE ttnb ber ©cbelling’fd)en Staturpbilofopbie waltet überall »or; je= bod) ftnb bie 2Cnftd)ten SSeibec EeitteSwegS Elat aufgefafjt. Stach biefer 3ettfd)tift 50B Xtletbom fabelt bie ©egner betenHerausgeber ^>f>oöpt)octficn: genannt. gafi gleichseitig nahm I in ©todholm «n SeitungSblatt: „spolpphem", feinen Anfang. Set Herausgeber, ( 21s?el6f, Dr. bet sphitofophie in 2unb, h ntte ftanblung: „S3ebenfen j bet neuen Schule über bie fdpvebifche Jtfabemie unb ben guten ©efehmaef", haben Sum 3mecfe feines 35latteS fräftig gemtrft, aber auch nicht menig baju beigetragen, bap bie (Erbitterung ber ©egner noch immer hauptfdcf)lich gegen ihn gerichtet if), obfehon er ftch feit Salden aller ^)otcmif entsogen hat. Mit 1813 trat an bie ©teile beb aufhorenben „fPolpphem" bie „©chtveb. £iter.=3eitung" („Svensk Literatur- Tidning"), bie unter Spalmblab’S unb Hammerff olb’S Leitung ju Upfala herauSgeg. mürbe unb bis je^t fortbauert. 21. hat einige vortreffliche Steccnfionen su biefem S3latte geliefert. 1812 gab er sum erjfen €D2ale f. „Hoetifdjen ©atenber" ober SfRufenalmanach („Poetisk Kalender") heraus, ben etffen, ber in ©chmeben er= fchienen ift, unb biefe bichterifche ©ammlung ift bis je£t mit ©tfolg fortegefegt mor= ben. Sie «orgüglichften ^Mitarbeiter fmb, auper 21., ©eper, ^almblab, bet ißer- leger beffelben, ^ebbotn. Sie bebeutenbflen Sichtungen beS Herausgebers in bie= fen ©ammlungen finb folgenbe: „Sie 85lumen", ein ©pcluS von gefühlvollen, muft'fatifd)en Stomanjen, in benen bie jartefTen ©eheimniffe bet Statur unb SMcnfcl)- heit fpmbolifd) bargeftellt finb; „Ser blaue SSogel", Fragmente eines gtopen roman= tifchen ©djaufpielS, baS ber Sidjter in Italien vollenbet hat, unb viele Heinere Sieber, in benen eine tiefglüfjenbe, aber leicht unb gierlid) auSgefprochene ©ef)n= fud)t, befonberS bei ben grauen, ©lud? gemacht hat. 1817—19 hat 21. eine Steife burch Seutfchlanb nach Stalien gemacht, von meiner er eine S3efchreibung heraus* geben mirb. Sn Seutfd)lanb liep et fich baS ©tubiurn unferer *Poefte unb ^h'^ 1 fophie vornehmlich angelegen fein unb juchte butd) perfonlidje 33efanntfchaft mit ben berühmterenSichtern unb ©eiehrten unferS 93aterlanbe8 in ben ©eifi beutfeher 21rt unb Äunfi immer tiefer einsubringen. Sn ^München begrüpte et ©chelling mit beutfdjen Sonetten; er verfuchte ftd) nachher öfter in unferer poetifdjen Sprache, unb nicht ohne ©lüdi. Snt ©ommer 1819 traf er tvieber in ©djtveben ein. Sie greunbe, beten llnterftüfjung biefe Steife möglich niachte, tvollten ihn baburdh tvahrfcheinlich auS bem polemifchen ©trubel erretten, in melchem eine Seitlang feine ©efunbheit unb fein Talent gang unb gar untergeben fchienen. Stefe21bftcht gelang vollfommen. Sm Herbfte 1819 marb 21. nach Verlangen beS Äronprinjen SSfar, auf S3efef)l beS ÄonigS, als 2ef)cer in ber beutfehen Sprache unb Siteratur bei bem Ätonprinsen angefiellt. 33on Upfala, tvo biefet trefflidje junge gürjt ba= ma(S an bem Sehen unb fernen ber ftubirenben Sugenb Sheil nahm, begleitete ihn 21. im SBinter nad) ©tocfholm, unb hat nad)her abmechfelnb in berHauptfiabt unb in Upfala als Magister docens bet Üniverfa(gefd)id)te gelebt, ©ein neuefteS gro= pereS @ebid)t ift ein bramatifd) = ibpllifche8 SMdtchen: „Sie glüclfelige Snfel" („Lycksalighetens ö"; Upfala 1824). ©ine ©ammlung von 21.’S poetifchen unb profaifchen Schriften epiftirt nod) nid)f. ©einet fPtofa matf man früher nicht ohne Utfad)e ein übertriebenes oratorifd)eS Äünfteln vor. Sn feinen neuefien 21t= beiten hat ft'e ftch geläutert unb befcjtigt. Sn feinen philof. ünb djthetifchen ©ch# 509 mtila ten jcigt er fiel) alS ein tieföenfenber Äopf, bet aber in bem ämftgen gorfchen naef; bem ©rgrünben ber Siefen manchmal inS Sunfle ftd) oerliert, jobap ber 2efer it;m ju folgen ermübet. 2fber aud) biefer Sabel trifft mefjr feine früheren Arbeiten, ©eine fPoefte erfcheint überall fubjectio. 9Jlan rühmt in ff)t baS ®emütf)Oolie, ©e= banfenreid)e, unb feine 93erfe gelten als bie rool)l!autenbften ber fdjweb. Sprache, ©eine ©egner, beren £;eftigfter 3ßortfüf>rer ber 33ibliott)efar unb Äanjleirath SBallmarf in Stotffjolm ift, werfen ifjm, unb nicf)t ganj of)ne ©rmtb, baS Spifc* finbige unb ©rübelnbe feiner ^Probuctionen vor, unb bap er in Sefianblung ber ©prad)e, beS 2luSbrucfS unb ber fßetSfotmen, beren er metjre neue in bie Sid)t= funft feines fßaterlanbeS emgefuf>rt f>at (j. S3. bie achtjeilige Stanje unb baS ©onett), ft dt) ju weit oon ber nationalen S3al)n entferne. 29. 2ftttf a, §)rooinj beä alten dpellaS, beren £aupt)fabt, 2ftf)en, einftburd) ©elefjrfamfeit, Silbung unb feine Sitten bie erfte Stabt ber 3Belt war, ift eine .fjalbinfel, welche gegen 9forben mit SSootien, gegen 2lbenb ein wenig mit 2Jle= gariS jufammenhängt, unb ftd) mit bem föorgebirge Sttnium (Gap ©olonna), wo bie 2Ctf>enienfer eine gef!ung#nb einen prächtigen Sempet ber 9J?ineroa erbaut f)at= ten, weit in baS ägäifdje SReet erftreeft. Sie Unfruchtbarfeit beS SöobenS fd)ü(ste baS £anb oor fremben ©inwanberungen, unb bie 3(tf)enienfer rütjmfen ft'di) einer uralten, unoetmifebtett 2(b(fammung. Sie nannten ftd) Söhne beS SobenS, ben fte bewohnten, unb gaben oor, mit ber Sonne jttgleid) entjfanben ju fein. Sie Urbewohner 2ftttfaS lebten in einem rohen 3nftanbe, of)ne33rot, ohne ©he «nb ohne Raufer, in jerfireuten Jütten, bis auf ©efropS, bet um 1550 o. ©f)r. mit einer ©otonie oon SaiS an ber SMnbung beS SftilS nach 2Cttifa farn unb als ihr etjfer eigenttid)er .König genannt wirb, ©r milberte ihre Sitten unb führte fte ju einem genufsoolletn 2eben, inbem et fte ben Ölbaum pflanjen unb oerfdjiebene ©etreibearten bauen lehrtet jugleid) orbnete er bie föerehrung ber ©Otter unb ge= bot, benfelben oon ben grüchten beS 2anbeS ju opfern; er gab ©Ijegefefce, unb befahl bie Sobten ju begraben. Sie ©inwohner, etwa 20,000, theilte er in 4 Stämme unb oermochte fte, ihre 2öohn[t|e einanber ju nähern unb fte gegen räu= berifche ©infälle mit einer Umjäunung ju umgeben. SaS war berUrfprung2fthenS, welches bamalS ©efropia hief. ©iner oon ©efropS’S (f. b.) $Jfad)folgern, ihm gleid) an ©eifl wie an Flamen, grünbete noch ll anbre Stäbte, bie fid) aber in ber golgejeit gegenfeitig befef)beten. ShefeuS oermochte baher fämmtlid)e Staaten, ftd) ju oereinigen, bie einzelnen Sbrigfeiten abjufchaffen unb ©efropia, baS nun 2C t h e n hief, ais ber $auptffabt beS ganjen 2anbeS, bie gefefcliche 3Rad)t über ben gefammten SSerein ju geben, ©r ffiftete baS grope 33olfSfejt, bie spanatfenäen. ©r felbff wollte, als ber ©rfte im Staate, über bie ^Beobachtung ber ©efefse wachen unb baS djeer anführen. SaS ganje SSolf theilte er in 3 ©laffen; bie 8Someh= men, 2(cferbauet unb -£>anbwetfer. 2tuS ber erffen würben bie Öbrigfeiten ge= wählt, weldbe bie ^eiligthümer aufbewahrten unb bie ©efe|e erflärten. 3ngieid) oerfchonerfe unb oergröperte er 2ltf)en, unb lub gremblinge ein, um baS 2anb }u beoölfern. 9lad) ÄobtuS’S Sobe warb 1068 o. ©Ijr. bie fönigl. 5Bürbe abgefchafft, welche, oon ©efropS an, 487 3af)re gebauert hatte; ffatt beS ÄönigS herrfdhte ein ffrdjon, ber fein 2(mt lebenslänglich oerwaltete. 9fad) 316 fahren warb bie 9fe= gierungSjeit ber 3lrd)onten auf 10 3al)te, unb 70 Sahre fpäter auf ©in Sah 1 be= flimmt; bagegen aber bie Saht ber 3frd)onten auf 9 oermehrt. 9tod) fehlte eine förmlidje ©efefcgebung. Ser 3frd)on Stafon erhielt ben Auftrag baju, aber feine Strenge empörte bie ©emütljer, unb So Ion gab 594 o. ©f)r. milbere ©efege unb eine beffere SSerfaffung. Sie SfegierungSform follte bemotratifd) fein, unb ein Senat oon 400 502itgliebern, gewählt aus ben föolfSffämmen, bie ©ewalt beS SSolfS leiten. SaS SSolf theilte er in 4 ©laffen nach bem SSermögen. 2tuS ben 3 erjfen follten bie StaatSämter befe&t, bie 4. aber jur SJolfSüerfammlung gelaffe» 510 »ttifa »erben, «m burd) if)te ©timine g(eid)fa(ig an bet ©efe&gebung SE^ei( ju neh» men. Allein biefe Serfaffung war jufünjtlid), um ju befielen. ^)tfi(iraf, ein Sftann von Talenten, Äühnheit unb ©hrbegierbe, trat fdjeinbar an bie ©pi|e ber armen ©laffe unb bemächtigte ftcf> ber $errfd)aft 2ftb)enö. ©eine Regierung war gldnjenb unb n>ol>ttt)atig, aber feine ©ohne fonnten fie nicht behaupten, v^ipparch warb ermorbet, unb Jpippiag Vertrieben. Äliftljeneg, ein gteunb beg Solfg, bemühte ftd), burd) einige '•ifnberungen in ber ©olon’fd)en Serfaffung fünftigen 9Jtifbrdud)en vorjubauen. ©r feilte bag S3olf in 10 (Staffen unb lief ben ©enat aug 500 (Perfonen beftehen. ©djon bamalg war 2fttifa fleifig ange= baut. Oie SBeinlefen unb ©rnten würben, wie alte Arbeiten biefeS fröhlichen SSoi= feg, bitrch Sanje unb ©efdnge, Sefle unb Opfer gefeiert. Sie attifche SHioIte war burch bie ©orgfalt, bie fie auf bie ©chafjudjt wanbten, unb burd) bie Äunjt, ihr biefd)önjie gatbe ju geben, altgemein berühmt. OerSetg $pmettug (f.b.) gab ihnen ben fofibarften cPionig; ber SSetg Saurium enthielt reiche ©itberminen, bereu ©rtrag jur Unterhaltung ber flotte bejtimmt war. Segt trat bie gtanjenbe Seit beg perftfd;en Äriegeg ein, welcher 2(tf)en auf ben hochften ©ipfel beg 3fnfef)eng erhob. SJUltiabeg vernichtete bei 9Jfarathon, Shemiffofleg bei ©alamig bie $Perfermad)t, jener ju £anbe, biefer jur ©ee; bie greiheit ©ried)enlanbg ging aug einem Äampfe hervor, ber ihr anfangg ben gewiffen Untergang ju bereiten fd)ien, unb begeiferte bie ganje Station. Sie (Rechte beg SSolfg würben erweitert, bie 2frd)onten unb anbre Obrigfeiten ohne Unterfchieb aug allen Solfgclaffen gewählt. 25er Seitraum von ben (Perferftiegen big tflepanber (500 — 336) war für bie ©ntroicfelung ber athenifchen SJerfaffung ber bebeutenbffe unb eigentf>ümlid>fle. Stad) Socfh’ö treffl. SBerfe: „Oie ©taatghaughaltung ber Athener" (2$£f)[e., SSerl. 1817), hatte 3fttifa, nebjt ben Snfeln ©alamig unb Helena, einen gldchenraum von 40 OSR. mit 500,000 33ew,, barunter 365,000 ©ftaven. gür ©tabt unb ^afen nimmt 336cfh 180,000, für bie Sergwerfe 20,000 SB. an. (Simon unb (Petifleg (um 444 v. (Ihr.) führten bie höcf)fieS3lüthe2(tbeng herbei, aber üefjterer legte aud) fchon ben ©runb ju bem nachherigen ©ittenverberbnif unb bem allmöligen SSerfall beg ©taatg. Unter ihm begann berpeloponneftfcheÄtieg, ber mit ber ©tobewng 2ftt)eng burch bie ßacebdmonier enbigte. Oie Übertvunbenen muften fef>r be-- müthigenbe SSebingungen von ben ©iegern annehmen; bod) behielt ber ©taat nod) ben ©djatten feineg Oafeing. @g würben 30 obrigfeitliche (Perfonen eingefegt, welche ben ©taat regieren follten, aber unter bem ©d>uge ber tacebdmonifchen 33e= fafcung SBillfüt unb ©raufamfeit übten. Stach 8 fd)recf(id)en SJtonaten jer= trümmerte Shrafpbul biefe Sprannei, (teilte bie greiheit her unb führte bie alte Serfaffung mit einigen Serbefferungen wieber ein. 3(then ftng aufg neue an, fid) unter ben gtied)ifd)en ©taaten ju erheben, unb war im 33ünbniffe mit ben She-- banern glücflicf) gegen ©parta. Allein biefer neue Seitraum ber 3Rad)t bauerte nid)t lange, ©in gefährlicherer geinb ftanb im Storben auf, (Philipp von 9Race= bonien. 3m phoctfcf>en Kriege hatten bie 2ftf)enienfer fid) ihm wiberfegt. Oafür nahm (Philipp verfd)iebene mit ihnen verbünbete ©olonien weg. Oie ©rted)en griffen ju ben SBaffen; allein bie ©cf)lad)t bei ©hdronea (338) war bag ©rab ihrer greiheit. 2ttf)en, nebft anbent ©taaten ©tied)enlanbg, würbe von SJtacebonien abhängig, gruchtlog verfuchten bie ‘■Kthenienfet nach tdepanber’g Sobe, ihre greiheit tvieberjuerlangen; fie muften macebonifche Sefafjung in ben -fjafen SRunpchia einnehmen. 2fntipater verorbnete, baf nur biejenigen SSürger an ber ©taatgoerwab- tung Sheil nehmen füllten, bie über 2000 Drachmen im Sermögen befafen. Salb barauf würbe 2fthen von Äaffanber eingenommen, ba eg fidh gegen (Phocion’g 3?atl) auf bie ©eite feiner geinbe gefdhlagen hatte. Äaffanbet führte bie Oligarchie wieber ein unb ernannte ben Oemetriug (Phaleteug jum Verwalter beg ©taatg, bet 10 Sah« bemfelben rühmlich vorfianb. 2fber bie 2fthenienfec, bie ihn haften, 511 Ättifa mta weil fie ihn nid)f felbjt gewagt hatten, riefen ben Semetriud (Poliorceted ju fpülfe, welcher bie ©tabt einnahm, bie alte (Berfaffung ttjxebevtjerffellte unb bafür non ben 2lthenienfern mit ben aubfdjmeifenbflen ©hrenbejeigungen überl^uft mürbe. 2C($ er jebod) in ben .Stieg jog, etlofcf) bie 3uneigung beb wanfelmut(;igen (BolEb, bog i()in bei feiner (RüdEeht bie ©tabt »erfdjlop. Allein er eroberte 2Ttf)en, »ergab j ben (Bürgern unb liep ihnen bie greifet, inbem er btop (Befafsungen in (Otunpd)ia unb ben (Pitaud (egte. Siefe mürben in ber golge non ben 2(tf)enienfern nettrieben, bie nun eine 3eitlang. ihre greifjeit behaupteten. 2lntigonub ©onatab untermarf > fie roieber, unb in biefem ßuftanbe blieben fie, bis fie fiep non (ERacebonien lod= ' riffen unb bem ad>aifdjen (Bunbe beitraten. (Radlet »etbanben fie fid> mit ben (Römern gegen Philipp unb behielten unter biefen ihre greifet. 3(18 fie fiep aber oerleiten liefen, bem (JRithribateb gegen bie (Römer beijuftehen, jogen fie bie (Rache (Romd auf fid). ©plla eroberte 3(then unb lief ihm nur einen @d)ein non grei= heit, ben ed bid auf (Befpafian behielt. Siefer Saifet machte ed förmlich ju einer römifchen (Proninj. (Rach ber Steilung bed römifdhen (Reid)d gehörte 2(ttifa jum morgenlanbifchen Saiferthume. ©b mürbe 396 n. 61m. oon 2fEarid), bem ©otpen, erobert, unb bad ßanb nerheert. Sad genauefte unb fdjönjte SupfertnetE über bie 3lltertf)ümer biefed Sanbed finb: „The unedited antiquities of Attica, cora- prising the architectural remains of Eleusis, Rhamnus, Sunium and Tho- ricus, by the Society of Dilettanti" (2onbon, beifiongman unb (JRurtap, 1817, gol.). (@. 2f th ert.) 1 2lttifn, in ber (BauEunjt, ein h«lbed ©todmerf über einem hohemj bod) ift nicht jebeb Joalbgefcpop eine 2lttiEa. liefet (Ramie fommt niept ben jmifd)cn 2 ©tcdmerEen beft'nblicpen $albgefd)offen, ©ntrefolen, fonbern nur benjenigeit, rcelche unter bem Sad)e angelegt finb, ju. Sie über bem ^auptgefimd jtepenben ©elanber rnetben ebenfalld jumeilen, miemol unrichtig, 2fttifen genannt. 2f ttiIa, ©hei, ber ©ohn bed (SRanbrad, eined^mnnen non Eönigl. 2lb= Eunft, folgte feinem Speim (Road 434, unb feilte bad pöcpjte 3fnfel)en mit fei= nem (Bruber (Bleba. Siefe beiben Anführer ber (Barbaren, bie fid) in Ungarn unb ©epthien niebergelaffen hatten, bebrohten bad morgenlanbifcpe Saifertpum unb jmangen 2 (SRal ben fchmad)en 3lf)eoboftuS II., einen fdjimpflichen grieben ju er= faufen. 3h cc SRacpt mürbe allen (Gödern ©uropend unb 2lfienb furchtbar. Sie Hunnen felbft betrachteten ben 21. ald ihren unerfchrodenflen Stieget unb ald 1 ben erfahrenden gelbhertn. Spre Achtung für feine (Perfon ging halb in aberglau= bige ©prfurd)t über, ©r gab nor, bad ©chroert ihred ©cpubgotteb gefunben ju hoben, unb fiolj auf biefe (Baffe, bie feiner 9Rad)t ein pöpereb 2lnfepen gab, bad)te er barauf, fie über bie ganje ©rbe audjubepnen. ©einen (Bruber (Bleba lief er (444) motben, unb ba er norgab, ed fei auf göttliche ©ingebung gefchehen, fo marb biefer (Brubetmotb rnie ein ©ieg gefeiert. 2fld alleiniger ©ebieter eined Etiegerifcpen (GolEd mupte 21., bei bem unbegrenjteften ©prgeij, alle (Golfer in ©epreden fegen unb, mie er fid) felbft nannte, bie ©eifei rnetben, beren ©ott fid) jur 3üd)tigung ber SRenfcpen bebiente. Sn Eutjer Seit breitete er feine $err= i fepaft über alle (GötEer ©ermaniend unb ©epthiend aud, unb bie morgenlanbifd)en I unb abenblanbifcpen Saifet mürben ihm jindbar. Sie (Ganbalen, feine (8unbed= * genoffen, bie Sjtgotpen, bie ©epiben unb ein SEhetl bergranEen bereinigten fid) unter feinen gähnen, ©inige ©efchid)tfchreiber netfichem, bap feine 2Etmee aud 700,000 (JRann be(tauben habe. Sa et bie ((Rächt unb {Reichtpümer (Perfienb hatte rühmen hören, richtete er feinen 3«g bahin. 2Cber in ben ©benen non 2frme= nien marb er gefdjlagen, unb jog fid) jutüd, um feine (Raubfucpt im morgenlan- bifdjen Saifertpume ju füllen. £eid)t fanb er einen (Gormanb jum Äriege, benn alle ©taaten, bie ihm eine reiche (Beute »erfprad)en, maren feine natürlid)engeinbe, unb alle gürften, bie er ju befiegen hoffte, hatten (Bünbniffe gebrodjen. ©o über^ 512 Attila jog er Süprien «nb »erwüfiete alte Sdnber »om fd)tragen bis jum abrtatifcben Sfleere. Sec Äaifer SSheoboft'uS fammelte etn $eer, «m ftd) feinem reifenden Sor-- bringen ju wibecfegen; aber in 3 blutigen ©d)lad)ten erfldrte ftd) baS ©lud für bie Sarbaren. Äonftantinopel »erbanfte feine SHettung blop feiner Sefefiigung unb ber Unwiffenljeit ber geinbe in ber SelagerungSfunfi. SEhrajien, SKacebonien unb ©ried)enlanb erlagen bem wilben gröberer, ber 70 blüljenbe ©tdbte jerfiorte. SheobofiuS mupte bie ©nabe beb Siegers anflefjen, unb burd) Aufopferung ferner ©d)dge gelang eS ifjm, ben grieben ju erfaufen. ©iner non ben Seuten beb A., ©befon, liep ftd) »on einem ©unudpen, ©IjrpfaphtuS, burci) Sefied)ung ju bem Setfpredjen »erteilen, feinen £errn bei ber Sfftcffefjc an bieSonau etmorben ju trollen; aber im AugenbticEe ber Ausführung entging ihm ber SJlutl); er purste ju feineb «jperrn güpen unb befannte bab »erbred)erifd)e Sorfjaben. Silan fürchtete A.’b Stäche, unb Äonjfantinopel jitterte; aber er begnügte ftd), bem Sheoboft'uS »egen feiner Sxeuloft'gEeit Sotwürfe machen ju laffen unb ben Äopf beb ©hrp= fappiuS ju »erlangen. Ser Äaifer »erfianb ftd) ju einem neuen Sribut. A. rid)= tete nun fein Augenmerf auf ©allien. Silit einem Ungeheuern dpeete ging er übet ben £ßt>ein, bie Silofel unb bie ©eine, tarn an bie Soire unb lagerte ftch unter ben Silauem »on Orleans. Sie ©inwohner biefer ©tabt, burd) ihren Sifcpof Agnatt (Anianub) ermutigt, hatten bie erfien Angriffe ber Sarbaren ab, unb burd) bie »ereinigte Silacht bet Störner, unter bem gelbherm ActiuS, unb bet 3ßefi= gotljen, unter ihrem Äönig Sheoborid), »arb A. gelungen, bie Selagerung aufjuheben. ©t jog ftdf) nach ©hampagne jurütf unb erwartete ben geinb in ben ©benen bei ©palonS. Salb trafen bie beiben -fteete jufammen. A., unruhig über ben Aufgang ber ©chladjt, fragte bie SBaptfager, unb ft'e »erfünbigten ihm eine 9lieberlage. ©r »erbarg feine Sefiürjung, burd)tief bie Leihen feiner Ärieger, erinnerte ft'e an ihre Saaten unb jeigte ihnen feine greube über einen neuen Äatnpf unb über bie Selopnung ihrer Shaten. Surd) bie Sieben unb burd) bie ©egenwart ihres Anführers entflammt, waren bie djunnen ungebutbig, ju fdmpfen. SSeibe 4>eere fochten tapfer; enblid) würben bieSleihen berStömer unb ©otpen burcp= brochen, unb fcpon hielt A. ftd) beS ©iegeS gewip, als ber gothifcfe ^}cinj ShoriSmunb, beS Sheoborid) ©of)n, »on ben benachbarten Anhöhen auf bie $un= nen fiürjte: er brachte ft'e in Unorbnung, »erbreitete Sob in ihren Sleihen, unb A., »on allen ©eiten bebrdngt, jog ftch mit SJtüpe in fein Säger jurücf. SieS war vielleicht bie blutigfte ©d)lad)t, bie je in ©uropa geliefert warb, benn nach einigen gleichseitigen ©efd)id)tfchreibern bebecften 106,000 Sobte baS ©chlad)tfelb. 3m Säger liep A. alle feine ©erdthfcpaften unb ©d)dfce auf einen Raufen jufam= menbringen, um im duperften gable ftch mit biefen ju »erkennen. Allein man begnügte ftd), in ber Slad)t ftd) wiebet ju fammeln, erwies bem mühfam aufge= funbenen Seicpnam beS ÄönigS SÜheobotid) (Sietrich) bie lebte ©hre unb rief fei* nen ©ohn SEfw^munb auf bem ©dplachtfelbe jurn Äönige aus. ©o entging A. feinem Untergange. Sie granfen allein fegten ihm nad) unb »erfolgten ihn feitwärtS, bis er über ben Schein war. SJlehr gereijt als muthloS, fud)te A. neue ©elegenheit, Stalien anjugreifen, unb begehrte bie $onoria, ©dhwefter 3Salen= tinian’S III., jur®emahltn. Siefe *Prinjeffin war wegen eines »ertrauten Um= gangS mit ©ugeniuS, ihrem Äammethertn, »om <£>ofe entfernt unb in ein Älofier gebracht worben; ft'e trug bem A. ihre Siebe an. ©r warb um ft'e unb »erlangte bie hdlfte beS Sleid)S als SJlitgabe. Sa biefe goberung abgefchlagen würbe, brang er mit einet furchtbaren S)lad)t inStalien ein. Ser Äaifer jitterte, unb »ergebenS waren bie Sitten ber ©efanbten. A. eroberte unb jerfiorte Aquileja, *Pabua, Sicenja, Serona, Sergamo, unb »erwüfiete bie ©benen ber Sombarbei. Sie ©inwohner flohen auf bie Alpen, Apenninen unb auf bie unbeachteten 3nfeln in ben ©ümpfen (Sagunen) beS abriatifchen SJleereS, wo fteSenebig erbauten. Xftifube 513 £er ätaifer l;nt(c fein ^eer ifjm cnfgcgensufefäcn. SaS tontifdje SSoIS unb bcr (Senat nahmen il)te 3uflud)t 5 « Sutanen unb Sitten. fPapft Seo 1. begab fid) mit ben romifchen ©efanbtett ins feitiblidje Säger, unb eS gelang if>m, ben Stieben 51 t »ermitteln; X fehlte nad) Ungarn jurücb. Sic 9iomet fafjen iijre Diettung für ein SBttnber an, unb bic alten ©)ronifen erzählen, bap bie Storungen beS f;ei(. fPetruS unbfPaulttS ben X gefdjrecbt hätten: eine Segenbe, welche bie Äunfi 9ta= fael’S unb iiflgarbi’ö »erewigt hat. Sa X bie djonoria nidjt jut ©emaplin er= halten fjatte, wollte er fte 511111 5 Weiten SRate mit bem ©djwerte in bet Jpanb fo= ( bern, unb nur ein neuer 3uwad)S ju feinen gat)lreid>en Sßeibetn an ber fronen i Slbifo, mit weld)er er fid) feietlid) »ermäf)lte, liielt ipn ab, feine Störungen ju i erfüllen, © rtberliep fid) bei biefer ©etegenheit allen XtSfdjweifungen ber 2öolluft. tlber als am Sage nad) ber $od) 5 eit bic dpofleute unb Ärieger,. ungebulbig, il)ten Ferrit ju grüpen, in baS Seit btangen, fanben fie bie Slbif'o »crfdjleiert bei bem er= ftarrten Seidjname if>veö ©emal)lS ft'&en. 5öa()renb ber Stacht war er in feinem eig= nen Stute erftiebt (453). Sie 9tad)rid)t »on feinem Sobe verbreitete Srauet unb ©d)tecben im <£)eere. ©ein Äorper warb in 3 ©arge »erfdjloffen,; ber erfte war non i ©otb, ber jweite non Silber, ber britte »on ©feit. Sie ©efangenen, bie baS ©rab ! gemacht Ratten, würben erwürgt. SaS Silb, baS SornanbeS uns »on biefem Sar= barenfönig l)interlaffen, erinnert an feinen tatatifd) = ba[muchifd)en Utfprung. © I fiatte einen biefen Äopf, eine ftumpfe 9fafe, breite ©diultern, einen burjen um förmlidjen 2Bud)S. ©ein ©ang war ftotj, feine ©timme fiarb unb wohltönenb. ©. D ; .klemm, „Xtila, nad) ber ©efd)., Sage unb Segenbe ic." (Seipj. 1827). Xttitube, ein franj. ÄunfiauSbruch, ber, »oriüglkf) in ben Äünfieit, bie Stellung ober Sage lebenbiger giguren, mciftenS in Suftänben ber 9tuf)e, bejeid)net. SBeil bieÄunft, uermoge ifjrcö 3wccF^, nur 6 ebeutungS»olle ©egeuftänbe md()(f, fo muffen biefe Stellungen unb Sagen ber giguren nid;t nur bie gormen ber Äotper unb iljre Serl)attniffc an ftd), ober burd) ben Steij bet garbenbeleud)tung (in ma= letifd)er .fjinftcht) in einem »ortheilhaften unb baS gebilbete Xtge etfreuenben Silbe jeigen, fonbern aud) burd) alles SiefeS einen bebeutungSöollen unb intereffanten Suftanb beS Se,benS mufterl)aft barftellen. ©0 fmb jene ©tellungen in ber Äunfi nicht um ihrer felbft willen ba, unb bütfen nidjt als fold)e auffallcn, fonbern er()ai= ten eine l) 6 ()ere Sebeutung burd) ben ©)arafter bergtguren, welchen fte äugleid) mit unb an ben gormen, benen fte beigelegt werben, bilben follen, ober burd) ben ©um ber djanblung, in beren Sarftellung fte »erwebt fein bonnen. Senn ftc= len fte burd) ftd) fclbft als ©tellungen auf, unb wären fte nid)t etwa blop Sefjt = unb ÜbungSbeifpiele, burd) welche ber Schüler ftd) Seidjtigbeit in ber Sefyanbtung for- perlid)er gormen erwerben will: fo würben fie bem gebilbeten Sefd)auer, ber nid)t blop.botpetlidje Setl)ältniffe fiel)t, fteif unb unerfreulich erfepeinen, ober, wenn fie bcr Sarjtellung einer «fjanbluitg untergeorbnet fein füllten, ben ©intt beS ©am Jen burd) bic gefud)te ScbeutfambeitbeS ©iijelncn notl)i»enbig jerftoren. Sa(;et nennt man im gemeinen Seben nidjt jebe, fonbern »otjüglkl) eine gewalkte, b. i. bebeutfame unb fepone Stellung eines menfdjüdjen ÄorperS, infofern burd) biefelbe ein innerer Suftanb ober überhaupt ein ibealer ©jarabter beS 2Jtenfd)enlcbenS be= jetdjner wirb, ja felbft oft bic Serfjältniffe, aus welchen ber Suftanb heroorgeljt, ■ »erbunben mit Sem, waS junächfi bem Äorper gehört, eine Xtitubc. Sap wir aber biefeS felbft in unferer Sprache mit einem franj. XtSbrucfe bcjeid)nen, fdjeint baper 5 U bommen, weil bie granjofen, wcldje Äant irgettb einmal geborene Sanj* meifier nennt, gerabe in biefem ©tücfe, b. I). wegen ber burd) XtSbilbung il)reS gefellfdjaftlidjen Salents begünjtigtcn feinen XtSt»al)l wohlgefälliger ©tellungen, bis ju betri?iuperfteit, wo bie fSBapl felbft bemerbt wirb unb biefe ©tellungen ins ®e 5 ierte, ©efttdjte unb Unwahre fallen, »on ben beutfd)en unb anbern Solbern 1 neuerer Seit 511 m SJtufter genommen worben ftnb. Xtd) bie Stimib, weldjc mit Gono.dicr. ©ie 6 er.fe ?fufl. Sb. I. -f 33 514 tfttitube 9?cd>t eine belebte (piafiil! genannt werben fann, t>at «ott jetjec 2fttituben gejeigt. Safj aber biefelbcn ju einem ©egettfianbe befonbeter Mnfibatffellung, ju befonbern mimifdjen ober vielmehr pantomimifd)en Runfiwcrfen erhoben worben ftnb, ifi eine ©rftnbung unfercr Seit, welche wir ber pantomimifdjen ©ewanbtfjeit einiger neuern Mnfiletintten «erbanfen. Sie 2111 i t it b e, atd befonbered R u tt fi w e t f, wetd)ed baher «orjugdweife biefen (Jiamen fubjrt, (bellt, oijne (Kitwirfung ber Sptad)e (alfo pantomimifd)) unb (Bewegung (benn fonft wäre ed nid)t eine 2ltti= tube), burd) bebeutfame (Stellungen unb Sagen bed lebenbigen SD^enfdfjenfotperg, einen ibealen Sufianb unb (5£>arafter bar ; baher man fte auch pantomimifdje at. Sa aber, wie bemerbt worben, nicht bie Stellung an fleh bad i Runfiwetf bilbet, fonbern jugteid) bie formen, welchen biefe Stellung gegeben j wirb, unb in <£>inftd)t beö ©eftctjfö unb ber übrigen audbraddfähigen Steile bed 1 Rotperd, bie dienen unb ©efien: fo »erfief)t fiel), bafj eine2fttitube nid)to!jne einen wohlgefialteten, bilbfamenRorper unb ohne bebeutfame SJlienen unb ©ebar* ben gebadet werben bann, unb bafj biefe, wie bie ganje Stellung, auf welche fid; f bie 2lttitube befd)ränft, burd) ben Rorper einige Seitlang fefigehalten werben ntüf« ! fen; benn ber ©enuß bed Runfiwerfd «erlangt eine Sauer. Ser Pantomime aber, ber, wie jebet SOitme, in feinem Rorper jugleid) bad Sarfiellungdmittel feiner Runfi trägt, mujj gäfjigljeit unb (Bilbfamfeit beft^en, feinen Rorper fo ju regieren, bafj er, wie bad ©emälbe ober bie Statue, einen fronen unb geljaltoollen Moment beS Sehend an ber Sberflädje unb ©eftalt feines Rorperd auf mehre2fugenblicbe fefl* juhalten oetmoge. Sie pantomimifdje Stellung unterfcheibet ftd) batjer »on ben übrigen pantomimifdjen Sarfietlungen, in weldjen bie (Bewegungen bed Rorperd für jeben 2fugenblicE wedifetn, ober aud) mef)re 'ifttituben burd) (Bewegung aneiw anbergereifjt fein fonnen, babutd), bafj biefe umfaffenber unb bramatifefer 92a= tut ftnb, jene aber ftd) befefränft, ben (5f>arafter burd) bie im Rorper feftgeljaltene ©ebärbe barjufiellen. Ser ©enufj ber Sfttitube ifi baher aber aud) ber «olle ©ettufi bed Oiomentd, auf weitem ftd) bie pantomimifdje Runfifertigfeit in if>rcr fjochffen (Blütfje, mit befdjränftern (Kitteln, aber mit bejio größerer Rraft jeigt. 3nfo= fern nun bie (Kimif Sufchauer «erlangt, benen fte bie gxücfyte biefed 2tugenblidd bietet, fjat man aud) bie Runfi bet 2fttitube nicht mit Unrecht Schaufiellungd= f unfi, unb ihre Sarfietlungen auch Schauftellungen genannt, nur bajj man bie= fen Flamen nicht mif»er(iehe, unb bad 2fnfd)auen ber Stellung unb ber (BorbereU j tung bed Rorperd ju biefen Stellungen jum SOBefen ber .Runft rechne, ba hoch hierin nur bad 5£echnifd)e biefet Runft ftd) jeigt, beffen fd)nelled (Botlbringen unb ©elin= gen jwar ben (Birtuofen, aber noch nid)t bad Runfiwetf! jeigt. Sähet aud) bad (Berbergen ber (Borbereitung, burd) ben fRetju gebraud)ten (Borhang, jwecHmäfjig ifi, wenn auch ber ©itelfeit bet Runftler weniger angemeffen. Snbent ferner bem Runfiler ein doflume notfjwenbig ifi, nichts jfufered aber am RunfiwerE willlitr-- lich fein barf, «ielmeht jebe gegebene fjorm jit beffen tjinmiefeu foll, mujj auch biefed (Sofiume bem Gharafter bed Sarjufiellenben in jebec f)inftd)t angemeffen fein; ja cd wirb, befonberd wo ed farbig ifi, burd) ben Keij einer fünfilkhett (Be; leuchtung, welche bie (Bebeutung ber ^aupttheile bed ©emälbed »on Stufen hebt, fowie burd) fcenifche Stnorbnung bie Sarfiellung ju bem Sbeale bed ©emälbed ec-- , hoben werben fännen. Seboch behaupten wir bamit nicht, bafj bie (Jlatfjahmung f einjelner Statuen unb ©emälbe nothwenbiger 3wed biefer Schaufiellungen fei; »ietmehr glauben wir, bie Schaufiellung liebe bie 2fhnlid)feit mit bem ©emälbe nur batttm, bamit ber (Siberfptuch jwifd)en ber Sebenbigfeit bed batfiellenben Ror= perd unb bem Starren tn ber Sarfiellung hinter bem ibealifchen Sdjeine ber 9Jia= letei «erfd)Winbe. ferner wirb bie 2fttitube auch befwegen fietd mit bem ©emälbe ober bet Statue oerglichen werben, weil biefe Muffe ed eben ftnb, in welchen wir bad (Beteutenbjie färperlidjer ©rfcheinungen gleichfam aud ber (23ieflich?eit heraud« 1 Attftube 5i5 gehoben, 'Dem fluchtigen Augcnblicf entriffen unb fit (dngeve Sauet aufbewahrt unb feflgef)alten fehen, woburd) biefe Äünfle mit bet gemeinen 5Birflid)feit in ba« Verhdltnif bet ^Ooefte gur ^Orofa beS gemeinen Siebeng treten. Snbem aber ein ©e= mdlbe ober eine ©tatue ein wahrhaft ibealeg Äunftwerf ift, fann auch bie *Panto= mime eg wieberum im (Spiegel ihrer Äunfl auffangen unb auf ihre SBeife barfletlen. Seboch felbfi in biefem Saite fcheint eg nid)t eigcntlid) bie tdufd)enbe Nachahmung beS ©emdlbeg gtt fein, worin bag SBefen unb ber df}f>etifd)e 5ßerth ber Attitube alS Äunftwerf befiehlt, fonbetn bie Satflellung Se(fen, wag in bem ©erndlbe enthalt ten ifl (feineg ©eifleg), wie fehr auch SSeibeg jufammenhdnge. Über ben SSBertf) ber Attitube hat man uetfchieben geürtfjeilt. Sa feboch fjier allein ber dflfjetifdie ©tanbpunft, ber non ben 5been berÄunfl unb ©djönfjeit auggeht, ber rid)tige ifl, fo muffte, wag big jefst noch Äeinem gelungen, ber bigfjer a(g ©egner biefer, jeben funflgebilbeten ©inn anjiehenben Sarflellungen auftrat, bet SSegriff biefer Attituben, »ermbge beffen wir biefelben Sarflellungen beg ©d)ötten unb 58ebeu- tunggoollen in ber feflgef)altenen ©teilung unb ©ebdrbe menfd)[id)et Äörper nennen, wiberlegt, unb bie Unmöglid)feit, burd) biefe angeführten Äunftmittel etwag ©d)ö= neg barguflellen, gegeigt werben, wenn bie Attitube mit 9?ed;t aug bem 91eid)e bet Äunfl uetwiefen werben follte. ©inen »erfd)iebenen Nang ber pantomimifd)en Sarflellungen, gu weldfen bie Attitube gehört, gibt eg allerbingg, nach Snfalt unb Umfang. Senn in $inftd)t beg Umfangeg ft'nb, wie angebeutet worben, bie bramatifchen »on höherm 9tange; auch umfaffen einige nur eine, anbre mehre (perfonen unb ©ruppen. 5n 4>inftd)t beg Snhaltg ft'nb fte bagegen entweber s Ph nn= tafiebilber, in benen bie ©nbilbunggfraft ftd) freier geigt, ober I>ifforifdj; b. i)., tpre ©egenfldnbe finb nad) eigner fPljantafte gefchaffen, ober flellen einen in bet 2Birflid)feit gegebenen @h ni 'after bar, weld;en bie ©egenwart, ®efchid)te, £0?p= thologie ober SPoeft'e barbietet, obwol bie Nlimif, um eine allgemeinere Anerfem nung beg ©inneg ihrer Sarflellungen gu bewirfen, fafl immer an irgenb GttwaS, burd) Vergangenheit ober ©egenwart ©egebeneS, ftd) angufd)tiefjen genöthigt ift. Siefe freiere ©rftnbung geigt ftd) felbfi in ber [extern ©attung baburd), baf baS Satgeflellte feinem beflimmtcn ©pemplare nadjgebilbet ifl, fonbern ben ©fjarafter einer ©taffe non ©rfdjetnungen ober Äunflwerfen einet Seit augbrücft, woburd) bie hiflorifdje Attitube wiebetum in bie (phantafiebarflellung übergeht. Siefe Ättnfl nun würbe gu ©nbe beg »origen 5ahrf). guctfl »on ber bewunberten £abp Hamilton geübt, unb fing, wie alle Ättnfl, mit Nadmhmung beg Vorfanbenen an. Slabp Hamilton wanbte nämlich it)r auggegeidjneteg Nachahmunggtalent, welches fte, wie mehre englifdje ©chaufpieler, auch in ber tdufchenben Nachahmung lebenber Verfos nen (»on ben ©ngtdnbern oorguggweife imitations genannt) gegeigt hatte, bei ihrem Aufenthalte in Italien auf bie Nad)bilbung ber Antifett, fobaf fte balb an mehren bebeutenben Srten, felbfi in Seutfd)lanb, ihre pantomimifd)en Nad)bilbungen am tifer ©tatuen mit bem gröfiten Seifall öffentlich geigte unb Sorb ^amilton t»on ihr fagen burfte, er beftfte in feiner ©attin eine gange ©ammlung »on Anrifen. „3ht Angug beflanb babei", wie ung ergabt wirb, „in einer langen, m ! t einem Vanbe einfad) unter ber Vrufl gufammengefnüpften Sunica, worüber fte einen ©fjawl warf, mit welchem fte alle erfoberltdje Vefleibungen unb Faltenwürfe leicht her= oorbrad)te". Sh« Sarflellungen würben burd) Nefjberg nad)gegeid)ttet unb crfd>ie= nen in biefen Abbilbttngen gu Sonbon. Vielfach erweitert unb erhöht warb biefe Äunflerftnbung burd) bie unter ung berühmt geworbene Stau Senbel = ©cfüg, weis che, burd) einen »orgüglid) gewanbten unb wohlgebauten Äötper begünfligt, unb mit einem ebenfo feinen Veobachtungg = unb Nachahmunggtalent alg einer reis eben unb echt fünjllerifdjen ©rft'nbungggabe auggerüflet, in ihren pantomimifdjen Sarflellungen eine Neil)« herrlicher Atfituben, nicht nur im antifen (dgpptifchen unb grtechifchen), fonbertt auch im neuem (italienif^en unb beutfehen) Äunfljlple 33 * 516 2Ctfractiort Attribut Zeigt. Sd waren biefelben aber nid)t btop 9iad)bitbungen einzelner Statuen unb ©ernalbe, fte fud)te v>ie(mcb>t ben ©eift ber »id)tigpn Verdnbetungen bec antifen 2 )[afiiE unb mobecnett 9J?aterfimft burd) eine lehrreiche 2 £ufeinanberfolge mentet am jietjenben 25ilbec bei- Spthologie unb ©cfd)id)te ftd)tbar ju fd)ilbern, bal)et ein Äun[trid)tec trepnb tton il)r fagt: „Snbem fte SarjMungen ber »erfd)iebenen Stpie bec biibenben Äunji in djronologifcherStbnung folgen (dpt, gefeit bemSflicfe j bed 3ufd)auec6 g[eid)fam bie ^auptjuge einer dlunftgefd)id)te in beweglichen 25il= I bern vorüber, bie ebenfo tet)ureid> fite ben ©eift ald anrautfjig für bad 2 fuge ft'nb". Sabei befifjt fte bad nod) gropete Salent, poetifd)e 2 fttit«ben ju erftnbenunbin ! bem if>nen angemeffenen Stpl barjuftellen, fobap bie Sd)ü (5 fo»ol in $inftd)t ber Sbealitdt ald an 9feict)tbum ber CparaEtere unb ©eftalten, in bec Äenntnip ber ; tnaierifdjen Sßitfung, »eld)e ftd) burd) ungemeine 2 eid)tigfeit in ^anbijabung ber ©etndnbec unb Ufttorbnung einer feijr papttben 25eleud)tung überall an ben Sag legt, il)te Vorgängerin »eit zu übertreffen fdjeint. 2 fud) ifjre 3fttituben finb, ob-- »ol nid)t immer glüeflid), non ^Oeroup unb Kitter (gtanff. a. Wl. 1809) gejcid)= net unb gepdjen, einige aud) in bemSafd)enbud)e „Urania" für 1812 nadjgebilbet unb mit einem anjicfyenbett 2 fuffa$e non 3 . $alf begleitet »orben. Söeniger ©lüif t>a£ S'life Sürger in ber fRacfahmung biefer Sacftellungen gemacht. Unter ben männlichen Äünftlern kennen »ir nur ben (in 2fmetifa oeeft.) «fterrn non Secfenborf (genannt ^)atrib fPeate), »e(d)et feine mimifd)en Stellungen, mit Vorlefungett begleitet, an einigen Srten gezeigt Ijat. T. j 2 fttraction, f. Anziehung. Attribut, 1 ) im allgemeinjten Sinne jebe,- befonberd aber eine efjrennolle ©igenfd)aft, »eldjeSemanbent beigelegt tnirb ober beigelegt »erben fann; 2 ) in ben biibenben Äünften, befonberd in ber 23ilbhauerfunft, eine 2frt bed S p m 6 o l d ober Sinnbilbed (f. b.), »oburd) ein ©egettftanb ober ein 25egriff bezeichnet »itb, unb j»ar ein anfjangenbed Sinnbilb, b. I). ein foldjec ©egenftanb, welcher ald3«= d)en eined 25egrip ober eined f>ifIovtfd)m Umjtartbed mit einer gtgur nerbunbeit »irb, um burd) biefc Verbinbuttg bicSebeutung berfelben »ollfommen audjubrücfeit ober bad VerfldttbntJ berfelben zu erleidjtern. 25er ©ebraud) unb bie 9Roth»enbig= feit ber Attribute in bec biibenben Äunft grünbet ftd) aber auf bie 25efd)rdnftl)eit bec lefjfecit forool in fMnfid)t bed 2fudbrucfd geiftiger ©igenfdjaften unb SSegtiffe, befonberd »o biefe ald etmad Selbftanbiged bargeftellt »erben follen (»ie »enn matt . 5 . V. nicf)t bie Stdrfe einer beftimmten fPerfon, fonbern bie Stdrfe felbft barjtellen »ill), ald aud) in ber Sarffetlung unb fSezeidjmmg befonbererUmftdnbe unb f)iftori= fdjer Sf)atfad)en, »eld)e an ftd) ber ftd)tbaren Sacpllung unfähig, ober bocl) nur in Sarftellungen uott groperm Umfange (burd) Sarftellung einer zufammengefe|teit dpanblung) ffdjtbac gemad)t »erben fonnen. Senn bie 3eid)en ber Sarjielltmg, bereit fiel) bie bilbenbe Äunft bebient, finb an ftd) fdfjon jtt befiimmt, um et»ad ©ei= ftiged ober 3fllgemeined ju bejeidjnen, unb haben bapc nid)t bie SSerffdnblidjfeit, »elcl;e bad SQJort ald 3eid)en bed 25egtip in ber ipoefie beftfct. Selbft bie SO?ett= fctjengeftalt, beren ftd) bie bilbenbe Äunft am meiften bebient, um geizige 6 igen= fdjaften unb Segrife ju oerftnnlidjen, f)at in ftd) felbff eine ju beftimmte, ftnnlid)e Ve= beutung, als bap burd) fte allein eine geiflige ß'igenfdjaft audgebrütft ober ein allgemei= ; ner, metjre @injel»efen umfapnber Vegriff peefonifteirt »erben fonnte (man »ütbe nad) bem gewallten SSeifptele in ber burd) Äraft unb Stdrfe ausgezeichneten Sigw nur ben frarfenSÄann erbiicfen)j in anbrec 9iücfftcf>t ijlfte »iebetum ju allgemein, b. I). nid;t f)inreid)enb, einen befonbern burd) <§5efcf>tcf)te ober ^)oefte gegebenen Gfjarafter ohne bie ©efap einer33er»ed)felung unb eined Vtipoerftanbnipd audjubrürfen, um fo mehr, »emt berfet 6 c auf berfPerfottification eined leblofen©egenpnbed ober eined dollectinbegripd beruht, j. 25. bed Slbptpd, ber Stabt Sredbett. SPan bebarf ba= fter, um ben Sinn ber batgeffefffen giguren 51 ; erfldren, ge»iffer duperer fOfittel, unb t Attribut 517 rodfttt ju bicfem Bmecfe ©egenftdnbe, lüctc^c halb on fid) eine gemiffc innere, notf)- roenbige 5ßetbinbung ober mirktid)e Ähnlichkeit mit ben barjufMenbcn ©egenftum ben unb 58egriffeu haben, halb burd) ©etoot)nl)eit ttnb Übereinkommen mit ihnen j «erknüpft ju toerben pflegen, fic&tere gebraucht man als Beicfyen jener @igenfd)af= j ten unb Umfiänbe, unb fugt fic ber gigtttbei (bat>er Attribute), um babttrd) ben in irgenb einer $inftd)t nod) unbeftimmten ©ittn berfetben 31 t beftimmen, mögliche ' gmeibeutigkeiten ju heben ttnb auf bie toahre 58ebeutung leidster fjirtjufü^iren. ©t= jtere nennt man toefent(id)e, teuere jufaltige ober mittkürtichc (aud) conoentionnel(e) 1 Attribute. SBefentlidje Attribute können unb toerben aud) foldje ©egenftdnbe fein, toetdje, für fid)-attein gefegt, fd)on bejeidjnertb (©innbitber) fein mürben, 3 .58. bie 58iene bad ©innbitb beS gleipeS, ber2ttot)tt bad ©innbitb beS ©d)tafed, ber @d)(am genring, Ärone unb ©cepter. 3m oorsügtid)en ©innc aber unb bem 58$efen beS •Sunftroerfd am angemeffenften toerben Attribute ober anbangenbe ©pmbote biejc= nigen ©innbiiber genannt, toetdje nur burd) SSerbinbung mit einer gigttr bejeief;^ nenb ftnb, ober berfetben gerabe biefe befenberc 58ebeutung geben, für fid) gefegt aber nid>t oerftdnbtid) fein mürben, unb baljer gteid)fam jur gigttt felbfl geboren, 3 .58. bie glügel ber ©enien, ber ginger auf bem SJhtnbe bed ^>arpofrateS, bie 58rüfte ber Statut tc. Senn auf biefe SBeife erfdjeint bad Attribut nid)t atd ein duperet Bufafc, fembern oerfcfjmitst gteichfam mit bet gigut, unb bad Äunfitoetk behauptet fomit bie itjm notfjmenbtge ©int)eit. jUtfaltige ober conoentionnetle Attribute beru- t ()en auf einer 3 ttfdlligen 5Berbinbung, 3 .58. bie ©erlange als ©innbitb ber 2fr^nei= fünft, ber Anker ber Hoffnung, bie 2Bage ber ©ered)tigkeit, ber fPatmstoeig bed gtiebend, bad $10113 atd Attribut bed ©taubend. Aud bem ©efagten toirb auef) tin= teud)tenb fein, toatum bad Attribut oorsttglid) in allegotifdhen unb fpmbotifd)en Sarftetlungen (f. A11 e g 0 r i f d) unb © p m b 01 i f d)) ootjukommen pflegt unb bie giguren fetbft oft 31 t attegorifdjen erhebt; beim biefen Sarftettungen fehlt — toie über* fjaupt ben fPhantaft'ebilbern im ©egenfafse ber t)ijforifd)cn— groptentheitd bie fpre= d)cnbe 3 ttbioibua(itdt, toefhalb fid) ber Äünftter 3 U Attributen 31 t greifen genotttigt ftet)t. Sie 58efiimmung bed Attributd ijt bemnad) nur, bie 58ebeutung eined ®e= genjtanbed erklären 51 t helfen, n'td)t aber für ft'd) ba 5 U fein ober ben d)arakterifti= fd)en Audbtucf bergigur entbehrlich 31 t machen, tooburd) bie toahre 58ebeutung ber= felben t)erabgemürbigt metben trtüp te. Sie gigut mup oictmet)r, fo oiet ed burd) Gattung, fPfypftognomie, .Körperbau, garbe, befonberd aber burd) ©ebarben unb dienen mogtid) ijt, it)ren ©tjaraktcr fetbft ankünbigen, unb ber Äünftter jeigt ft'd) um fo gtoper, je met)t feine giguren ft'd) fetbft erklären, unb eined bentDtunb becfeU ben erft gteidjfam offnenben Attributd entbehren können, ober bod) toenigftend ju bem ©inne bed Attributs infomeit t)inftreben, bap ihnen ber ©tjarakter nid)t erft oon Aupen her ober burd) 58eitoetke gegeben 31 t toerben brattd)t. Satjer 3 .58. nad) gorftert 58emerkung in bet Audgiepung bed Zeitigen ©cifted bie 5Segeifterung fdjon auf ben @e|td)tern ber Apojtet ft'd) malert unb rtid)t btop atd gtdmmdjen übet ihren Häuptern fdpmeben mup. Sft fjat ber ©ebraud) ber Attribute aud) nur in bet pet= f6n(id)en58efd)rdnktf)eit bed Äunftterd ihren ©rttnb, inbep im ©egentfjeite ber ge= «täte Äünftter bie ©djmierigkeiten, metdjen 3 ener nid)t entgegen kann, burd) finn= reiche Anorbnung unb ©tft'nbung natürtid)er SWotioe (too nicht btop «on Sarftet= tung einzelner giguren bie Diebe ijt), 00 t Altem aber burd) d)arakferi|tifd)enAudbtuck überminbet. ©inen eirtjigen galt gibt ed, mo bet ©ebraud) bed Attributs 00 t bet fidjtbaren Sarftettung eined Umfianbed ober einer Jpanblttng, metd)e baburd) be= 3 eid;net metben kann, »orjujie^en ift: menn ndmtid), bei ber gegebenen 2 Bat)(, bic= felben burd) Attribute ansubeuten ober ffd)tbar auSjuful)ren, bie ft'd)tbarc 2 (udfül)= tung unintereffant fein unb ben ©d) 6 nt)eitdfinn bed 3 ufd)auerd beteibigen müpte, ober bie ft'djtbare ^anbtung ft'd) burd) fid) fctbjtnod) nid)t erktdreit mürbe. 5SJo ober ber Äfmfiter bed Attributs bebavf, ba t)at bad mefentlidie ben füortttg 00 c bem 518 Attribut conoentionnellen. Senn wenngleid) bag Attribut nicht tftteg fein fott — weit fonfl bie gtgur 3ticf)tg fein würbe —, fo foll eg bod) ben tfugbrucf unterftühen. ©g ij} aber um fo augbrudigoottet unb (cbenbiger, je wefentlidjer eg ift, unb um fo fdlter unb froftiger, je mef)r eg auf SBittfüt beruht Siefer 3wecE beg tfttributg ecfobert aud) Seutlid)feit unb Ungcfudjtfjeit beffelben. tfud) batin f>at bag tnefentlidje tft= tdbut oor bem conoentionnellen ben Sßorjug: beim jeneg wirb allgemeiner oerftanben, biefeg aber nur ba, wo bie befonbere Übereinkunft ober ©ewof)n£)eit, welche non oet= fdjiebenen (Sitten, eigentf>ümtid)er Senfweife ober zufälligen Umfldnben abfjangt, f)errfd)enb ift. Sie dujicte gorrn beg kunfiwerfg gebietet enbtid), bag Attribut in jebem Satte, felbjf wenn eg ein jufattiges ift, mit ben rdumlid)en SSerljdltniffen bet gigur, ber eg angefjort, in eine wohlgefällige unb tebenbige Übereinjtimmung ju bringen. Sn ber SßSafjt beffelben, rote in ber finnreidjen SSerbinbung mit feiner gigur, jeigt ftd) baljer 3Bi&, ©rftnbunggfraft, ©efchmadi unb bie plaftifd)e ober malerifche tfnorbnungggabe beg künftlerg in einem fjo^en ©rabe, wiewol nicht ju leugnen ift, baff biekünffler hierin meifteng oon bem ©efd)macfe unb Gfjarafter tfjregSSolfeg mcf)r ober weniger abfjdngig finb, inbem, ihnen eine Summe gebraud)= lieber Sinnbilber fd)on butd) i£>re Sprache, Stctigion unb fPoefte überliefert wirb, welche fte jur nahem ©rkldtung ihrer giguren, wegen itjreS allgemeinen SSerftdnb= niffeg, anjuwenben unb felbjt bet eignen ©rft'nbung öotjujiehen befiimmt werben. Ser grofte Sheil ber 2fttribute ift mithin in gemtffem Sinne conoentionnett, unb glüdttid) ift barum ber künjtlcr, beffen Station in ber 5SBaf)l ihrer Sinnbilber ben innern 3ufammenl)ang ber Singe, namentlich bie innere S3erwanbtfd)aft geiftiger unb ftnnlid)er ©egenftdnbe, leicht unb ficher trifft; feine tfttribute werben bebeu= tunggootter fein. Sn biefet •^)infxcf)t ift nun jwifd)en ben Sarftettungen ber antiken unb ber neuernkunff ein bebeutenber Unterfchieb. Senn erjtere, namentlich bie kunfi ber ©riechen, gegrunbet auf eine anfchaulicheSenfweife, welche inbemSinw lid)en bag ©eifiige fanb unb barftellte, unb in engerer SSerbinbung mit bet Statur ben tiefen Sinn berfelben wohl oerjtanb, woburd) aud) fljre kunftwerke ben Schein beg Stothwenbigen unb Statürlichen erhielten, ift aud) in ihren tfttributen bebeu= tunggootter, kräftiger unb natürlicher (fo oerftdrft 5 . 58. fölkj unb Sonneckeil ben tfugbrud? beg^immelgfoniggSupiter); —.bieSteuern aber, bereutfnffd)t mehr auf bem SSerjtanbe beruht, bag ©eiftige unb körperliche fd)drfet trennt,- mithin weniger poctifd) ift, beten Äunft bähet auch mehr oon bem ©eiftigen auggeht unb babutd) mehr attegorifd) wirb, fud)en für bag ©eifiige in allen Sphdten bag Sinn= bilb, unb finb genötigt, ftd) öfter bem blojj Sonoentionnellen ju überlaffen, weicheg bod) meifteng fo oielbeutig unb kalt ift. Sem gried)ifchen unb tomifefen kttnfiiet, beffen ©eftalten an ftd) fchon fo inbioibuett unb fprecfenb waren, fianb auch noch jur ©rflarung berfelben eine SJtenge bebeutfamer unb wohlgefälliger tfttribute, butd) feine Steligion geheiligt, burd) SKpthologie iljm überliefert, ju ©ebote. Sie uit= bilbliche Sfeligionganffcht ber ©hrijfen bagegen begünstigt h' ei 'i n hen künfilet weni= ger, unb bie meifien feiner tfttribute, wofern er fte nicht oon bertfntike entlehnt h at , bleiben witlkürlid) unb oon partiellem SSerfidnbnif; ja felbjf für leitete fehlt bent publicum ber antike Sinn. SDtan oergleibbe nur 5 .58. bie gtiecf)ifd)en ©ottheiten unb ihre tfttribute mit ben attegorifdjen fpetfonen ber Steuern ober mit ber Sarftctt lunq bet ©oangelifren unb SOtartprer, benen halb eine kneipjange (ber heil. tfpotlo= nia), halb ein Sioft (bem heil. Saurentiug), halb einktcuj (bem heil, tfnbreag), ober ein anbreg SOtarterwerbjeug, jur tfnbeutung ihrer fPerfontichkeit, aug ber ßegenbe hergenommen, beigefügt werben mufite. — Ser ©ebraud) ber tfttribute in ber bil= benbenkunft, »or^üglich ber conoentionnellen, macht aber eine Sinologie, b.i. eine Sammlung ber oon alten unb neuern künftlern gebraudjten tfttribute unb Spmbole, fef)t brauchbar, ©ine oollftdnbige gibt eg nod) nirgenbg. ©inen 33et= fud) ftnbet man in bem dffhetifchen 2Bbrtetbud)e oon SEBatelet unb geoegque u. b. 519 Uty S Aubaine (droit d’) 2 fct. Sfonolpgie. — 2Bagübrigensbie fPoefie betrifft, fo wirb aug bem ©efagten einlcud)ten, bafs biefelbe, weil fie hier unmittelbar aubjubrüifcn »etmag, trab bic feilbenbe Äunft wegen ihrer natürlidjen SSefd^ranf£{;ett nur anbeuten fann, ftd) ifjreg sßorjugb unter ben Äünften begeben unb ihre Uöurbe »etgeffen würbe, ohne bocfj bieSBirfung bet bilbenben Äunft ju erreichen, trenn fie burd) ftnnlid)e Attribute, aub ber SRalerei entlehnt, einen ©egenftanb ober Segriff perfonifteiren, ober .gar biefe Attribute unrerbunben anhäufen trollte. Dabet aud) gerbet mit Ked)t bie SSefcfjreibung ber gortuna in ^toraj’b bekannter £)be (I, 35) eine frojfige Compo= i| fition nennt, an toe(d)et bie freier bilbenbe ©inbilbunqgfraft, burd) unb für weld)c ber Dichter fcfjafft, feinen 3fntf>eil nimmt. 33ot biefer foüen nicht neben einanbet 1 beffehenbe unb rubenbe täumlid)e gormen, bie bet ©eift nid)t mit einem SSlicfc, 1 wie am ffchtbaren Silbe, überfdjaucn fann, aufgejahit werben; ror ihr follen »iel= mehr bie ©eftalten gleicbfam entftel)en unb lebenbig witfen. 3 m ©runbe gibt eg alfo in ber «Poefie feine Attribute im engern Sinne, b. i. anhängenbe Sümbilber, tneld)e jur perfonlichen Darftellung ( 5 . S. beg ©lücfg) angewenbet werben müften, weil eg hier feiner ©rflärung, trieinber bilbenben Äunft, bebarf. — ©nblid) heifen 3 ) in bet gogif unb nad) ftrengem philofoph- ©prachgebtauche Attribute fold>e Sejeichnungen, welche alg golgen tnefentlicbet Stterfmale einem Segtiffe immer jufommen, trie $. S. bie Sewegunggfahigfeit bem Segtiffe beg 3ftenfd)en, alg golge feineg wefentlid)en9Kerfmalg, beg thierifdien Äorperg, beigelegt wirb. T. , 3 ftt)g ober ttv>ö, 1 ) ber ©pbele fiiebling, ber, alg et einft bag bet ©ottin gethane ©elübbe ber Äeufchheit gebroden, jur Strafe feineg Setgefjeng ftch felbjt entmannte (f. <5 9 b e l e) j 2) ein Solm beg Äröfug, Äonigg ron Spbien, ein ruhrenbeg Seifpiet ron bet ©ewalt bet finblidjen Siebe, ©t war ftumm; alg er aber in einer Sd)lad)t einen Äticger erblicfte, bet bag Sd)Wert auf feinen Sätet gejücft hatte, > ftrengte er ftd) fo getraltfam an, bafj in bem 2(ugenblicfe bag Sanb feiner 3 «nge ftch loffe, unb er in bie äßorteaugbrad): „©olbat/dobte ben Äto= fug nicht!" ‘tC^fraft (vis caustica), bie ©igenfehaft gewiffer Stoffe, j. S. bet con= centrirtert minetalifchen Sauren, ber ^Italien, beg ungelofchten Äalfg, beg 3trfe= nifg, beg fcharfen Öuedftlberfublimatg, bet Silberfrpftalle, ber Spieftglanjbut= ter unb fogar ber mehreren anbern Salje mit einem metallifchen ©runbtheile, »er= möge wcld)er fte jerftorenb auf organtfehe Äorper wirfen. innerlich witfen fte alg dgenbe, freffenbe ©ifte; äugetlid) auf bie bpaut gebracht, erregen fie fwfdgsn Schmerj, örtliche ©ntjünbungen unb 3fnfreffungen. Die Äraft foldher Stoffe ift alfo eine auflofenbe, b. i. eine Äraft, mittelfi welcher ihre ©tttnbmaffen fiteben, fid) mit ben ^heilen anbrer Äorper ju »erbinben, unb beruht auf ber Serwanbt; fd)aft ber Äorper unter einanber. 3t|funfi, f. Äupferffecherfunp. (3 ff e i n, ein feuerbeftänbigeg Uflfali, bem fein ©ag burd) ungelofd)ten Äalf, unb feine ganje geucf)tigfcit burd) 2fugtrodnung unb burd) bie Schmeljung ettt{o= gen worben ifi. Seine äfsenbe Äraft rührt »on ber Keinheit ber flüchtigen 2llfalien her, welchegolge ber 2 (ugtrocfnung iff. ©r jerftort alle thierifefje, fowol harte alg weidje, Steile in fel)t furjet Seit. Die 3lrt unb 5öeife, wie er »erfertigt wirb, hier anjuführen, würbe ju weitläufig fein. Aubaine (droit d'). 1 ) 3n granfreid) würben bie 5(ug(änber im 5tfit= telalter Albani ober Albini genannt, ©inige leiten biefeg Sßort »on bem Flamen Albanach ab, Welchen ftch noch je^t bie -food)fcf)otten geben, unb eg fonnte fein, baf, wenn biefer Käme allen gülifcfen Stämmen gemein gewefen ober wenigfieng aud) »on benSretaqnern gebraud)t worben wäre, bie germanifd)en Stämme ihn »on biefen auf alle grembe übertragen hätten. Schon bie Komet gefianben ben Iitglänbern feine ©rbfäl)igfeit ju: eine Scftimmung. welche erft Äaifer griebrich I. 520 2Cubcu 2Cuhp bc PJcmtbibier aufhob, inbcm ec allen grcmben baS 9?ed)t ertheilte, ein SEeflament ju errichten, itnb »erorbncte, baß betPad)laß bei - ohne SEeftament ©terbenbcn burd) ben Pt= fchof ihren auswärtigen ©eben jugeffcllt ober, wenn bieS nid)t mbglid) fei, jit ftom= inen 3wecfen »crwenbet werben folle. granfreid) war baS einjige 2anb, in meinem bie gremben nad) bem ©runbfahe befjanbelt würben: Peregrinus Über vivit, servus moritur. Ptan geftattcte ihnen ben ©rwerb aller 2frten »on ©igenthum, ber ©runbftücfe, nur erben f'onnten fie nid>t unb ebenfo wenig »ererben. Pctmögc bcS grembtingSced)tS (droit d’Aubaine) warberÄonig, in beffengtie= ben ober @d)itb fie im 2eben ffanben, nad) il)tem SEobe ifjr cinjiger Srbe. Äein 2cl)nShccc fonntc bieS Otedjt erwerben. ©8 würbe fdjon feut) jit ©unften ber im SRcid>e lebenbeit SSerwanbtcn gemilbetf. ©inige ©fdbte (2pon) befamen jit S3ef6r= berung be8 JpanbelS ba8 Pri»itcgium, bafi bie Pcrlaffcnfdjaft ber bafelbft fterbew ben grcmben bereu auswärtigen ©rben gxt ©ute fam, unb burd) ©taatSoertrdge würbe e8 mit einzelnen ©taaten aufgehoben. (©. ba8 Pcrj. biefer ©taaten in ©djlojer’S „©taatSanjeigen", •£). 31, unb bie fpdtern Pertrdge in PfartenS’S „Rc- cucil des traites".) fDic Pationaloerfammlung hob eS burd) bie Secrete »om 6. 2fuguft 1790, 8. 2fug. unb 31. 3lug. 1791 auf, unb ba e8 in feinem anbetn 2anbc »on ©uropa gegolten hurte, fonbern nur »crgelfungSweife gegen granfreid) auSgeübt worben war, fo beburfte eS nirgenbS einer befonbern Aufhebung. IDieS wußte man in granfreid) aber nicht, »ermechfclte cS mit bem 2fbjugSred)te, unb fo würbe e8 im bürgerlid)cn ©cfeljbucbe („Code Napol.", n. 11) wieberhecgefiellt, inbem man fid) beflagte, bnfi bie übrigen ©taaten, befonbcrS preußen, e8nid)t gegenfeitig aufgehoben l)dtten. 2) 3m ©nglanb gilt jwac fein Droit d’Aubaine, ber grembc fann bort (unter ben Pebinguttgen be8 Jflienact) jcbeS ©ewerbe treiben, unb fein Pcrmogcn'fdllt an feine ©eben, fie mögen fid) beft'nben, wo fie wollen. Pur ©runbftucfe fann er nicht erwerben, weil fie alle lehnbat finb unb alfo nid;t ohne 2ef)n8pflid)t unb ©ib befeffen werben fonnen. Äauft bähet ein gtember ein ©runb= ftücf, fo fallt e8 bem Äonigc nad) 2el;nrecht anheim. IDaoon fann ber Äonig biSs penfiren, inbcm er, wenn ber grembe ben Unterthaneneib leiftct, ben 2cl)n8fct)ler erläßt (ex donatione regis) unb ihm ba$ 9ied)t gibt, 2el)ngütec ju beftfjen. ©in folcher heift Denken. ©ie »olle Paturalifation fann nur »om Parlamente crtheilt werben, unb felbfl biefe gibt bem naturalifirten 2fu8länbet nid)t bie gäl)igfeit ju bütgcrlidjen Ämtern, ©oll auch ba»on (wie etwa bei fremben, in bie fonigl. ga= milie burd) .fpeiratl) cintretenben Prinjcn) eine 2fuSnaf)me gemacht werben, fo muß ba8 Parlament »or ber Paturalifation »on biefer 33efd)rünfung biSpenfiren. 2)aS ©rbrcdjt an ©runbftuifen gel)t nur auf bie Äinber über, wcld)e nad) bet Patura!i= fatioit in ©nglanb geboren finb, ba()er bie fefon »orl)anbenen, wenn fie erbfähig fein feilen, in biefelbe au8brücflich mit aufgenommen fein muffen. (©. Patu= r a l i f a t i o n.) 37. Ä-ubct (iD. g. ©.) , ein frnijofifcher Pperncomponift, meldet jefct in ber Plobe unb eine ber »otjüglidjfien ©tüßen ber Opera comigue in Paris iff. ©eine erftc Dper, burd) rneldjc er aud) in £>eutfd)(anb ©lücf gemacht hut, ijt „La neige" („Ser ©djnee"); feine „Emma" unb feine „Lcocadie" finb nid)t auf ben beutfd)en fBühnen crfd)ienen; f. „Concert a la cour" („Gonccrt am vfjofe") aber unb enb(id) „Le magou" („©er P?attcer") finb fcl)r beliebt geworben, ©eine -Plufif ift elegant, juwcilen grajids; fie erhebt ftd) aber faum über baS ©on»crfa= tionSmdfjigc unb »errdtl) alfo beutlid) baS ©treben ber neuern franj. ©omponiften, pifant unb neu ju fein. 3ut ©tple fudjt ec Sfopclbieu unb bie franj. Ppcrnnutfif mit Droffini ju »erbinbeit. Port feinen SebenSumftduben i]l unS PidjtS befannt. 2Cuhni be Ptontbibier, ein franj. Dritter jtit 3«t Äönig ÄarlS V., weld)cc ber ©age nad) 137J7öon einem ÄciegSgefdhrtcn, Dticharb bc Ptacatce, meuchlings getdbtet, unb beffen Ptorb babucd).entbecft würbe, baß ber ©unb be$ 3fuc£(anb 521 2Cub gcfchlagenen ficf> ffets feinbfeüg gegen beit SKotber betrug. 25er Ä'onig jwang 9Jla= caire, mit bem anfldgetifdjen .f>unbc feine ©ad)e otbalienmafig auSjufechten, unb ber 9Jtorber unterlag. 25iefe Xiefbote ift für bic 58ül)ne ju einem 25rama veratbei* tet worben u. b. S£.: „25er Jpttnb beS 2tubrp ober bet Söalb bei 58onbp", tüctdjeS burd) 3tnlocfung beS fpbbelS bie Gaffen gefüllt unb baS beutfdje Sfjeater ben bei* ; fcnbffen ©atpren blopgeffellt hat. 25er ©tunb von bem Einen wie vonbcm2fnbetn [ liegt barin, bap ber -fntnb, meiff ein breffirter 5pubc(, bie SSüfjne betrat, beflatfdjt, hetauSgerufen unb überhaupt als ©chaufpielct beljanbelt würbe. Et erfd)ien, fo 1 oiel 25eutfd)lanb betrifft, juerft in SBicn auf ben ütcbentheatern, inbem bie #of* tratet ifjrt auöfrfjloffen non ber SEf>eilna^mc am Äünftlerruf)m. 2(bei im @ept‘. I 1816 betrat er bie fonigl. 58üf)ne ju 58erlin, beren fSeifpiel aud) halb bie großer* 1 jogl. ju Söeimar nachahmte. Sefctgebachter Umftanb fjattc bie für biebeutfcheShea* tergefd)id)te merfwütbige golge, bap ©othe bie Leitung biefer Sütjne nieberlegte, noch ef>e ber -£>unb offentlid) crfdjicn, worauf bie SEageSbldtter bic Verfe aus ©d)iU ler’ö ©ebid)t an ®btf)c: Ser (Sd;ein feit nie bie SBirEiidjfcit erreichen, Unb ftegt Statur, fo nutjj bie Äunft entweichen. in biefer 5parobie anwenbeten: Sem fäunbeftall-fett nie bie Siipne gleiten, k Unb Eommt ber $)ubel, mujj ber Sinter meinen. ©citbem fjnt, fo oiel wir miffen, fein ^)oftf>eater weiter ihn jugelaffen, unb nur sprivatunternehmer haben ftd> eine unwürbige ©peatlation ertaubt, von welcher bie ©atpre laut behauptete, bap fic eine acra canina für bie Zeitrechnung ttnferer SSühne begrünben würbe. A. Mnr. 2tucflanb (SBilliam Eben, 58avon), ein Staatsmann, ber unter fpitt’S fKinifrerium gropen Ginflup hatte unb ju ben wichtigfien ©enbungen auf bem fefien Sanbe gebraud)t würbe, ©eine Saufbahn eroffnete er 1778 als Vermittler jwifchcn bem SSJtutterlanbe unb ben infurgirten Colonien. Öbgleid) et non Sorb $owe, ©ir Glinton, ®. 3oh n f tcn unb bem Sotb GarliSlc auf biefer widjtigen ©enbung begleitet würbe, fo entfprad) bet Erfolg bod; ben Erwartungen nicht, bie man non ben Talenten biefer auSgejeichncten Scanner gehegt hatte, unb eS blieb Gnglanb 98d)tS übrig, als bieiUnabhangigfeit ber Xnetifanet anjuerfennen. ©pd= ter hatte 2orb 2fucflanb als fParlamentSglieb einen gropen Ginflup auf bie Sfeform j ber peinlidjen ©efefsc unb mit Jpowatb unb SSlacffbone auf bie Drganifation einet l neuen fpolijcivetfaffung unb beffern Einrichtung ber ©efdngttiffe. 25ann erhielt j et ben wichtigen fPoffen als ©taatSfecrctair von Srlanb unb 1785 bie 2tmbaffabe i am franj. ipofe, um junddjji ben 2fbfd)tup eines SpanbelStractatS ju bewitfen, ber ! 1786 aud) $u ©tanbe fam. SBahrcnb ber ctffen Sah** f l ' nn ä- Sfevolutionä* ' t'riegS hatte er ben widrigen Sofien eines auperorbentl. 3fbgefanbten bei ben ©ene* ralftaaten in ben 9ticber(anben, unb alS folchcr auf bie Sftaprcgeln im ©ebrdnge ber ftd) immer mehr vetwkfclnben Vegebcnbcifcn ben gropten Einfluß. 9?ad) feiner 9iü(ffeht würbe fein betragen vom Parlament einet Unterfudjung unterworfen i unb bajfelbe für vorwurfsfrei erfldtt. Er ftarb 1814. L 2t u c 1 0 r (jur.), 1) ber Urheber eines 83erbred)cnS; 2) ^Derjenige, ber ein ihm f juftdnbigeS 9fed)t auf einen 3tnbern übertrdgt; 3) ^Derjenige, in beffen 32amen ein 2tnbrer hanbelt ober befigt. SBirb Scgtcrer wegen eines ©egenftanbcS, ber nicht ihn, fonbern feinen 2(uctor angel;t, in rcd)tlid)en 2fnfprud) genommen, fo ift et befugt, bie gegen ihn angebradjtc Älage burd) Nennung beS 2fuctorS von fld) abjuwehren. 2tub, Öube, ein ju Vengafen gehöriges, ber brit. = ofiiitb. ©efellfchaft jinS* bares Vafallenreid), an beiben ©eiten beS ©angeS f25 —30° 92.58.), nebff 25uab 3000 □9J2. grop, mit 5 SftiK. Einw.; nad) X hat 2fub allein nur9§pn9J2. ; unb 3 Vfill. Einw. 25aS Sanb iff reidi an Snbigo ic. 25er ©ultan voirJtub un» 522 tfub&uö Xubtenj tcrfjdlt 10,000 Btann brif. Stuppen unb jafjtt von f. ©nfommen, bag 12 502i[f. Sfjater betragt, 4| Btill. Sf)tr. an bie dompagnie, toeidjc in feinem 2anbe bie mid)= tige ©tabtu. Seftung 2fUat>abab alg ©ouverain beftfct. 3n bet heil. ©tabt 2tub am ©oggta flef>t ein berühmter $inbutempel unb 2turengjeb’g grojje S02ofd)ee. Set ©cbat) von 2tub, ©aabet 2tlp, ober £aiber ©cbab, m. b. Sitel: 2tbulmufafpr tc. (ftarb 20. Set. 1827), I>atein 9)tacbtmetf: „Heft Culsum" ober „The sevcn seas, ! «a dictionary and granunar of the persian language, by H. Maj. the king of ; Oude" (7 Bbe., Sol.), in f. Srudetei ju gudnorn 1822 gebrudt, beraugg. unb mehre dremplare beffelben ber offinb. ©efellfd). jurBertbeilungitt dutopa jugepellt. ( Sie Univerptäten ju 3Bien, ©ottingen, SiopocE, .£)atle, geipjig, 3ena, befj gl. bie fönigl. Bibliotfjefen ju Berlin, Sregben unb Btüncben, babon dpemplare erbalten. Ser ©cbab bat bag SBorterbucb, tvelcbeg in 6 Bbn. 22,862 2frtifel unb im 7.Bbe.’ bie ©rammatif enthält, felbp gefammelt unb bag 2Berf von ben ©elebrten f. .fjofes vollenben taffen im 3- ber dpegita 1237 (dbriffi 1821). Qä ip vottpanbiger a(g SJteningfi. ©ne pbilofopbifcbe Bearbeitung beg ©ptacbfd)a|eg nad) eutopäifcbet 5Beife barf man »on bem orientalifd)en fonigl. 2epifograp()en nidp ermatten. — Sie $auptp. unb Stepbenj 2 u cf n om am ©untp bat 300,000 ©mv. 2tubau§, 2tu.biancr, f. 2tntbropomorpbigmug. v 2tubebert (3ean Baptipe) vereinigte in einem hoben ©rabe von Boll= fommenbeit bie Salente eineg Btalerg mit ben Äenntniffen eineg fftaturforfcberg. ©eb. ju SJodjefort 1759, fam er, 18 Sabre alt, nacbfPatig, um bieSeidjnem > unb BtalerfunP ju erlernen, unb bitbete fid) ju einem ungemein gefd)icften 92inia= turmaler. 1789 lernte ibn ©igot b’Srcp fennen, ber, alg ein reicher giebbabet unb Beforberer ber fttaturgefdpcbte im Befpse ungeheurer ©ammlungen, bie fel= tenpen ©tucfe von ihm malen ließ unb ifsn in ber golge nach ©tglanb unb $oI= lanb fd>idte, «ober er eine Sftenge Beiebnungen jurüdbradpe, von benen fürSlU viet’g „©efdpcbte ber 3nfeften" ©ebraueb gemacht tvorben. Siefe Befcbäftigum gen rnedten 2t.’g ©efcbmacE für bie S2aturgefd)id)te, ber halb big gut 2eibenfd;aft flieg. (5t unternahm nun eigne PBetfe, bureb bie er feinen 9Jubm begrünbet bat. Sag erfie mar f. „Histoire naturelle des singes, des makis et des galeopithe- ques" (^Oarig 1800, Sol.), in meldjem er ftd) gleid) gefdpdt alg Beiebner, Äu= pferfteeber unb ©cbriftpeller geigte. Sn Tfnfebung ber Satben, bie für natucbipo= rifd)e ©egenjtänbe fo mefentlid) ftnb, brachte er eg ju einer vorher nicht erreichten Bollfommenbeit. 92idp jufricben, bie verfebiebenen Soeben auf eine einjige glatte aufjutragen, fobaß eine 2trt von ©emälbe bataug marb, gingermeiter, unb be= biente ftd) babei, patt ber Söafferfarben, ber bauerbaftern S(färben. Secner brachte er eg babin, mit ©olb ju btuden, beffen Satben er mannigfach veränbecte, um bie glänjenbpen SBitfungen feiner Borbilbet nadjjuahmen. Sie S2aturge= fd)id)te gemann ungemein butd) feine SBerfe, beten Fracht in ©paunen fegt. ©. „Histoire des colibris, des oiseaux-mouches, des jacaniars et des promerops" t^Parig 1802, Sol.) mitb für bag vollfommenpe 3Berf gehalten, bag je in biefet ©attung erfdpenen ip. 15 ©emplare mürben bavon mit golbenen Buchpaben gebrudt. Äaum hatte bieg Söetf begonnen, alg 2t. neue $Hane entmarf, gube= ren 2tugführung faum bag tängpe geben hingereicht haben mürbe. © parb 1800, alg er faum bie „Histoire des griinpereaux et des oiseaux de paradis" be= gönnen batte. Beibe 5Betfe mürben von Segtap, ber im Beft'b bet SPaterialien unb ber Berfabrunggart mar, rübmlid) beenbigt. Um bie ^erauggabe von 2e= vaillant’g „Bogeln 2tfrifag" batte X grofeg Berbienp; er leitete ben 2tbbrud bet glatten big jur 13. gieferung. 2tubteng, audientia, Berbot unb münbliche Bctbanblung vor einem £ri= bunal. 3m biplomatifcben unb ©taatgvermaltunggftnne: ber Butritt ju 9iegenten unb Jjobecn ©taatgbeamten, halb um für fremde Bfäcbte, halb um bem eignen 3fubiteut Auenbad) 523 SanbeShertn »on Amtsmegen Anfrage j« madjen, ober SSefchmerben als *Pri»at= I mann anjubringeit, ober als AuSjetcbnung ju gemiffen gebilligten 3mecfcn ber ©= ßheinung »ot bem Regenten. — 3n Spanien unb in feinen Kolonien nennt man j bie^Prooinjiatjuftij unb controlirenbe Sel)ötbe jeber anbern SSermaltung Audiencia. ' A u b i t c u t, beim RJilitait ber ben Regimentern, 33tigaben ober Si»ifto= nen beigegebene Surift, bet baS redßtidje ©erfahren bei benfelben leitet, bie Gri= | minal= unb anbre Unterfucbungen führt unb bei ben ÄtiegS = unb Stanbredßen ben Snftructor macht, nad) beffen ©ortrag bie baju commanbirten 25eifr§er ent* i fcbetben. S3ei ben Sußij = unb (üitnlbeljbtben ft'nb Aubitoren junge Seute, welche bei ben Sitzungen jugelaffen merben, um fid) ju ©efchaftSmannern ju bilbenj ffe nehmen an ben ©erhanblungen feinen tätigen Anteil, ausgenommen, menn fte über ein befonbereS ihnen an»ertrauteS ©efcljdft ©eridß *u erßatten haben. Aubitor. 3« ber altern ®erid)tsfprad)e ein SSeiftfser ober Abgeorbneter beS@erid)tb, metdjem bie ©ernefmung ber Parteien übertragen mar; in einem engem Sinne bie Beamten ju Tfbfjorung ber 9fed)nungen. Set Auditeur du Chatelet in gtanfteid) mar ein-fRitglieb biefeS ©eädßShofeS (für bie Stabt fßariS, f. C h a t e I e t), metchem bie fummarifche Snßtuction geringer petfonlkher Red)tS= fad;en (bis }u 50 gt.) oblag. Sn ben 11 SberredjnungSfammern (Chambres des comptes) «on granfreid) theilten ffd) bie fRitgtieber in Conseillers-maitres unb Conseillers - auditeurs , mie bie beutfd)en Kollegien in mirflid)e Rdtl)e unb Aßef= foren. ©on Rapoleon mürbe eine ähnliche Abteilung in ben ©eridßShofen jmi= fchen Conseillers unb Juge-auditeurs eingeführt, melche in ben >£>ofgetid)ten noch befteht. Sn ©iglanb ift biefer Ra me für bie ©eamten ju Abhörung ber Red)= nungen gebrdudßid). Sie SbctredjnungSfammet heißt Office for auditing the public accounts. Sie SRttgliebet ber fpanifd;en ©ericbtSfjofe hießen meißentfieilS Oydorcs. Aud) in ben pdpßlichen ©ehotben fommt biefe ©enennung wor. Sie 12Rdtl)ebet berühmten Rota romana (f. b.) heißen Auditores sacri pala- tii apostolici ober auditores rotae. Sn bem pdpßiidjen ginanjcollegiitm, ber Camera apostoliea , beren ©otßeher ber Garbinal=Ädmmeter iß, befmbet ftd) ein Auditor camerad, meld)er in ben minber midßigen Sad)en bie ©erichtSbarfeit beS Kollegiums auSjuüben hat.' 37. Aue, golbene, »ornralS >ß>elmaue, ein fruchtbares Sdjal, beginnenbun= ter Rorbhaufen, am dbelmfluße in ©ergreifen »on Rorben nach ©üben ftd) §ie= henb. Sie »erliert fld) nad) Rofleben ju im fd)6nen Sfate ber Unßrut. Sie gol= bene Aue iß gleich teid) an Sbßbau, SU unb ©etreibefaaten. Sie grueftbatfett iß fo groß, baß man, um fein ßagerforn ju erhalten, bie Slfaat ber ßBinterfaat »otauSfcficfen muß, menn ber ©oben ju ßarf gebüngt mürbe. __ SSloß Rorbhaufen fdjldgt jdhtlid) aus *Probucten biefeS SfaleS 17,000 Kentner Sl. geringen unb ■Kelbra ftnb Jpauptorte. A tt c rb a cf (Heinrich), ber ©bauet beS nad) ihm benannten Auerbad/fcfen >ßofS in ßeipjig, hieß D. Heinrich Stromer, matb aber, nad) ber Sitte feiner 3«it, mit bem Ramen feines im ©airifefen gelegenen ©eburtSorteS Auerbach genannt. Kr mar 1482 geboren unb «on bem «ßetjoge »on Sadjfen, ©eorg bem ©artigen, nad) Seipjig berufen, mo er 9)tofeffot ber 2£r§neifunbe unb fernad) Senator matb. Kr mar ©net »on Senen, melche fein ©ebenfen trugen, 1519, alSbiebcfannteSiS* putation jmifdjen ©cf unb Sutfer in Seipjig gehalten mürbe, ben Settern ju Säfcfe p laben. 1530 erbaute er ben nad) feinem Ramen benannten $cf, rooju er mehre Raufer faufte. Siefen $of haben »orjüglid) bie mdhrenb ber fReffen inbemfelben auSgeßellten Söaaren berühmt gemacht. Seht jeiefnet er ftd) nicht mehr als ©er* faufSplah aus. 2fucf> bie Säolfsfage trug baju bei, biefeS ©ebdube berühmt ju machen, inbemfteben berüchtigten Abenteurer Sohann (©eorg) gauß (f.b.) 1525, alfoö S. öot SSollenbung beS SSaueS, auf einem gaffe 5Bein, melcfjeS bie fogen. 9Beif fittet 524 Aueröbctg Anfettung batten hetauSjichon fotten, au« bem Äctler biefe« $ofe« reiten [dpt, an iwetefje ®age ©otf)einf. „Sauft" erinnert. 3ne. @tubcbeg5Bcinfc([etSinbiefem<£)ofefief)tman noch 2 alte, auf > 60(5 gemalte Silber, welche fid) auf jene« SÄarctjen bejiet)en. 11 . Auer£>her.g (Surften unb ©rafetttt.), ein oflreid). = Erainifd)cö, ehemals reid) 6 unmittetbare« ©efd)ted)t, ba« f. Flamen führt oon feinem ©tammfebtoffe im €0?ar£tfl. 2fuerSberg, fOfajoratöfjerrfdjaftinSdvricn, biebemdpaufe'fcitl067 gehört. 25er ©tammbaum beffclbcn rcid)t bi« inbaSlO. 5al)r(). hinauf. 25ie ©rafent). AuetSberg ttjeiten fid) in mef)te Sinien. ©ine baoott mürbe 1653 in ben 9ieid;«fiit= fienftanb erhoben, erwarb burd) Äauf bie nachmals gefürf!ete@raffd)aft Stangen in ©djmaben, woburd) ffe ©i|s unb ©timme auf bem fd)wdbifd)cn .Kreistage erhielt. 25en 11. Stoo. 1791 würbe it>r -fierjogStitel oon ben $erjogtI)ümern fStünfietberg unb StanfenKein in ©d)tcfien, bie fte an ben Äonig oon fPreupen oerEaufte, auf ihre ©raffefjaft ©ottfdjee in Ärain übertragen. 2)ie Sürffcnoon AuerSberg ftnb jugteid) Sanbmarfd)d([c unb ©tbEdmmeter in Ärain unb bet winbifdjen SJtarf. 25urd) bie SthcinbunbSacte Eam Stengen unter babifdjc Roheit,’ unb bet Surft gehört batjerju ben babifcfjcn ©tanbe«l)erren. 25a« $auS ift Eattjotifd), unb SBiett beffen gewöhn: lidje Svefibenj. 25er regier. Sutfi 2Bitt)etm, Jperjog ju @ottfd)ee, gefürft. ©raf ju Stengen, ©raf ju 5Bel«, oberfter ©rbtanbEammercr u. oberfter ©rbtanbmarfd)aliin Ärain u. bet winbifd)en SltarE, ift E. E. Ädmmeterunb ©eneratfetbwacbtmeiffer. . ©ein Srubet Äar!, Surft ju AuerSberg, ift E. E. wirft, ©ei). Statt), Obeit)of: unb Sanbjagermeifter, aud) Seibmarfcfyatltieut. aufjer 25ienftcn. ©. ©d) 6 n(eben’S „Ge- ncal. illustriss. familiae Principum, Comituni et Barouum ab Auersberg 1 ' (Staibad) 1681, Sol.). Auerftdbt (©d)tad)t bet), am 14. Oct. 1800, f. 3ena (©d)tad)t bei), ■v Aufbereitung, f. 83ergwetE«Eunbe. Aufenthalt«; ober ©id) er bei tSd) arten, S3efd)cintgungen, weldje in grofen ©tdbtcn ben unoerbad)tigen Swmben, bie nicht blop butebreifen, von ber iPolijei ju ihrer ßegitimation erfheitt werben. 2Baf)renb ber Sveootution führte man fie in Soanfteid) juerft ein, um baburd) ju octf)inbetn, bap Eeine bem bamatigen ©p= ftem abgeneigte f)5erfonen au« ihrer ©emeinbe ftd) weber in« AuStanb ned) tn infut= gifte 25cpartement« begeben unb bort bie SEBaffen wiber bie SrepubtiE führen tonnten. 2)ie gefürdjtete franj. ©icherEjeitSpotijeiif4 fotgtid) bie SD7utterbiefeci 3nfltitutö, weh d)e« jefst fowot in a[SauferStanEreid)befieI)t. 3J?an will babttrd) fotdie Suembe beob= ad)ten, welche etwa im AuStanbe be« ©taat«oberber^5riuaten9{uhcbeeintrdd)tigen unb fid) bep halb uiwermerEt einfd)leid)en möd)ten. Stur wirb ber genommene fPafs oft at« bittet gebraucht, um fd)dbtid)e3nbioibuen mit guter Art wegjufchicEen; auch wirb ber Serb.ad)t oft ju weit unb fctbft auf butd)au 8 ungefdhtlid)eü)?enfd)enauSgebef)nt. A u f c r ft e h u n g bejeid)net theit« bie SöicberetmecEung Sicfu dtjrifii 00 m 2,’obe, theit« bie Eünftig ju ermartenbe SBieberherftetiung be« mci;fd)lic()en burd) ben ijob jerfrörten Seihe«. 25ie ©taubwürbigfeit ber Aufcrftehung £jefu (5t)rifli beruht tfjett« auf bem Seugniffe ber Apoftet, tt)eil« barauf, bap c« ofjne fte nidt)t erEtdrbar fein würbe, wie bie Apoftet, weld)e ftd) burd) ben SEob Sfefü in itjren 3Jtefftanifd)en ©rmartungen getdufd)t gefehen unb baö Zutrauen ju (5f>rifto oer= toren hatten, fid) wieber ju bem tebenbigften ©tauben an bie gött(id)e ©enbung Seftt ©htifti erhoben, ju einem ©tauben, ber ihnen SDhitt) gab, unter ©efatn unb SBerfotgung ba« ©oangetium ju oerEünbigcn. 2Ber baS ©t)rifientf)um Offenbarung, at« eine burd) ©otte« unmittelbare SBirffamfeitgcgrünbcte Anftatt betrad)tet, Eann nidjt« Sefrembenbe« baritt ffttben, bap e« burd) SButtbet gegrüm bet warb, bap fid) bie Sorfehttng, um einen auperorbenttidten 3wccE ju etreid)en, auperorbenttid)er EOtittct bebiente. SBer aber nid)t auf bem ©tanbpunEte be« Offen: bncung«glauben« fte()t, Eann bod) barum bie in bie früf)cfte ©cfd)id)te beS (5£>rifien- ttjum« innigft uerwebte Auferftehung feine« ©tifter« nid)t [ettgnett, obgleich er fte Auffobertt Auffüllung 525 nid)t atS ein SBunber, fonbem als eine butd) natürliche Urfacben bewirkte S5egcbett= beit anfeben wirb. — SSon bec Aufer|tel)ung beS ScibeS bot ber Sbee bet Unfferblidjfeit. N. Au ff o beru, baS, einer geftung jur Übergabe gefd)iel)t burcb einen f))ar= lamentair; man benugt baju S3orfdlte, bie geeignet ftnb, ben S5efel)lSl)aber jur Übergabe geneigt ju mad)en, j. 35. eine wem geinbe gewonnene ©d)lad)t u. bgl. Sen fPartamentair begleitet allemal ein Trompeter ober and) nur ein SEambour, bie bei ber Annäherung gut geftung Appell geben. Ser SSelagerte fenbet bann geivobn- lid) SDtannfdjaften entgegen, welche ben sparlamentair mit werbmtbeneit Augen in ben fPlafs führen. S$on hier wirb et nad) erbaitener Antwort auf biefeibe 2Seife äurudgebraebt. Sie gcinbfeligfeiten pflegen wdbrenb biefet Seit aufjuboren. Äbn= liebe Auffobetungen gefd)el)en an eingefd) [offene SEutppenabtbeilungen, wenn fie fiel) ergeben folten. Aufführung, muftf'alifdje. Sßenn baS fffierE beS Sid)terS unb beS bib= benben ÄünftlerS aus ber ^>anb feines @d)öpferS fertig wor ben 2efer ober 35e= fdjauer tritt unb nur ©mpfdnglid)Eeit von bemfelbcn fobert, um auf ihn feine wolle SSBitfung ju aufern; wenn ein poetifeber Scfer, um bie ©d)önbeiten eines brama= tifd)en ©ebid)tS ju geniefjen, ber ©djaufpielet nid)t bebarf, welche baffelbe dufjer= lieb ju »ergegenwdrtigen jlrebcn; wenn bie ©tatue, baS ©emalbe einmal für alle= mal gefd)affen baftebt, unb jebejJtadjbilbung betfelben ein gweiteS 9öerf, wenn aud) won g(eid)cm Snl)alt, erzeugt: fo erlangt bagegen baS 2BerE beS SEonfeljetS, aud) ttaebbem eS in bem ©eijte beffelben wollenbet unb butd) ftdjtbate Seichen feftgebatten worben iff, fein 2eben erft butd) bie hörbare Ausführung. Seite Seichen auf bem Rapiere haben nur ©imt fttr ben Kenner, ber jßerftanb beffelben urtl)eilt, gefügt auf lange ©tfal)umg unb erworbene 2Biffenfcl)aft, worgüglid) übet bie ted)nifd)e AuSbilbung unb ©efegmdfigfeit beS 2BerfS; bie GnnbilbungSfraft beffelben beftrebt ftd), eS innerlid) gu böten, wermag aber nod) nicht entfebeibenb über feine 2Bit= Euttg aufSbr unb v^erjber SWenge gu urtbeilen. Unb bod) erreicht eS erft feine fßejtimmung, wenn cS burd) bie Sl)ten in baS £erj ber Subötet bringt. 3roifd)en ben SEonfeget unb ben fjoret tritt bal)er ber AuSfüljrenbe (wenn bieS aud) ber 5Eon= feget felbft twdte) als eine britte fPetfon, unb ba bie 2Sirfung beS SEonwerfS immer won ber Ausführung abl)dngt, fo liegt baS ©efd)icf eines muftfalifeben Äunfjjp werES gunad)ft in ben Rauben ber AuSfübtenben. ©onaci) gerfdllt bie SEonfunft felbft in f>inftd)t ber Art ihrer Ausübung in bie SEonfegEunft ober bie Äunft, in SEönen gu bid)ten (b. ()• fie in ber ©inbilbungSEraft gu einem geiftwollen ©angen gu wetbinben), unb in bie muftEalifd)eSarftellungSEunfr,b. i. bieÄunft, baS fo@ebad)te hörbar gu wcrwirflicben. Sie mufifalifdje SarjtellungSEunjt, bie ftd) habet auch in ber Ausübung als eine befonbere Äunft entwideln Eann, ift bodf), was ben SBertb ber Ausübung anlangt, won ber SEonfegung abbdngig unb wirb butd) bie SSorfdjrift beS SEonfefcerS beftimmt. Aber alle ©enauigteit, welche ber SEonfeber hierbei amwenbeit mag, ift nid)t im ©taube, ben ©eift mitjutbeilen, mit welchem fein SBerE aufgefaft werben mufi, wenn eS feine gehörige SBirtung berwotbringen fo«. Ser barfiellenbe SEonEunfUet foll baber gleicbfam 3tad)fcböpfer beS SöerfS fein, inbem et baffelbe won neuem im ©eifte erzeugen muf, um eS bem gerndf aud) in ber Ausführung ju werdufern. @S muf baber jwifdjen bem SEonfeljer unb ibm gleicbfam eine geiftige S5etübrung ftattfinben, wenigstens muf jener eine ge= manbte ßinbilbungStraft befi'ben, um ficf) burcb bie mitgetbeilten 3eid)cn in bie ©timntung ju wetfeben, aus weldier beffen 5Eonfd)öpfung betworging. 3üenn man 526 nun bebenft, wie fetten fchon bec Sßortcag beb ©injelnen ben ©eif! unb Sinn eine« fremben Sonwerfb oöllig wiebergibt, fo if! bie Aubfülftung eine« SSevfb in biefec $inftd)t um fo fchwieriger, je gtöfer bie Seiet ifi, welche eine fotdje Sacflelj lung oereinigt herootbtingen füllen. Siefeb if! bei jebem gröfern muftfalifchen SBerfe bec gall, unb in biefemgall fprirf)t man oorpgbtoeife oon einer Aufführung, b. i. non einer Sarflellung mef)rftimmiger Sonftucfe burd) mehre Sonfünftler, wo= bin not allen bie öffentliche Sarfiellung berScchef!ecfiücfe im weitern Sinne gehört. Samitnun eine foldje 2fuffüh r ung nicht bem Sufalle übetlaffen fei, unb beb Son= fe|erb Sbee nicht an ber UngefchicElidifeit unb Unoertröglichfeit ber ©injelnen fcf>ei= tere, fo bebatf eb eineb SDteijierb in ber Sonfunft, ber, bie Partitur beb aufju= fuhrenben SBerfb oor Augen, bie Ärdfte bet ©injelnen ju biefem gwecfe oereinige, — er heife nun Sirigent, SüuftEbirector, ober nach feiner dufetn Stellung ©apellmetjter, Srchefterbirector, ober nach feiner befonbern gunction ©oncert: meijter (f. b.) ic. Überhaupt bebarfebju einer guten Aufführung eineb guten Sirectorb, eineb guten Scdjefterb unb guter groben. Sie le|tern haben ben hoppelten ßwecf,, 1) bie barftellenben Sonfunpler mit ben technifdjen unb dufetn SSebingungen, welche bei ber gemeinfdjaftlichen Aubführung eineb Sonwerfb jti beobadhtcn jtnb, befanntjumachen; 2) fie ju ubereinftimmenbem unb bem ©fct» raffet eineb Sonwerfb oollfommen angemeffenem SSortrage hinjuleiten. Siefe muftfalifchen SSorbereitungen flnb bafjer auch in bec 3d) at fo wefentlich, baf e« fetten eine gute Aufführung ohne gute groben geben, unb fetten eine Aufführung wefentlidje gehler, bie in ber fProbe nicht fchon abgelegt worben ftnb, oerbeffem wirb. Sa aber bie fProbe jugleid) ben 3wecf hat, bie Stimmung, in welcher ba« SBerf oorgetragen werben muf, }U erwccfen unb fleh in berfelben gleichfam fejiju» fefeen, oon biefer Stimmung aber beffen SBirfung abhangt: fo follte feine Auf* füijrung eineb aud) früher fchon geübten unb bargeflellten SSBerfeb ohne oorljerge« henbe *Probe jtattftnben, inbem ja ohnehin bie gaffungbfraft ber Sarftellenben oer= fd)iebene ®rabe hat. 5Benn nun eine gute Aufführung nicht biejenige ift, in welcher nur fein jtörenber gehler oorgeht, inbem bab taftmdfige Spielen bet oorge= feftiebenen 9loten nod) feinebwegb ben guten SSortrag aubmacht, fonbern oielmeht nur biejenige mufifalifdie Aufführung gut unb aubgejeidjnet genannt werben fann, in welcher ber ©eif! eineb Sonwerfb, im ©anjen unb feinen ^heilen, oollfommen fehlerfrei jur Anfchauung gebrad)t wirb: fo muf eb bab erfte ©efd)dft Seffen fein, welcher muftfalifche Aufführungen leitet, oor allen Singen ben ©eij! unb ©fataf= terbec SSonfiücfe, bie er ben Ärdften feineb Srdfefierb unb bem Socal, in welchem tr auffühtt, angemejfen ju wdhlen hat, genau ju ftubiren unb in ben frohen bat= auf forgfdltig hütjuweifen. ©r hat bähet nidjt nur jebe Abweichung oon bem Sinne beb £>rd)efietb p oerbeffem, jeber ftörenben ©inwirfung ber ©injelnen auf ba« ©anje entgegenjuwtrfen, fonbern aud) biefen Straftet, fo weit eb burch SBorte ober praftifdje jbinweifung auf ben richtigen SSortrag möglid) ift, ju beftimmen ober wenigftenb anjubeuten, unb bem gemaf aud) bie Saftbewegung (juwetlen mit ^)ülfe beb SAetronom) anjugeben. jiur Aufführung aber barf nicht eher gefdjritt ten werben, alb bib bab ©injtubiren in ben groben fo weit gebiehen if!, bajj ftch eine gute Aufführung in ber obigen SSebeutung mit Sicherheit erwarten lagt, gn bem galle, baß jur Seitung beb ©anjen ein ©apellmeifier unb Sftuftfbirectoc (St* chefierbirector ober ©oncertmeifter) jufammenwitfen, hat ©rfterer bie allgemeine fieitung, Sehterer aber bie Leitung beb Srchefietb (juweiten unterf!ü|t noch ein be= fonberer Accompagniji bie Sdnger unb gibt bie Accorbe jum SRecitatio auf bem $)ianoforte an), wobei er ftch nach ben SSefiimmungen beb ©rftern richten muf; benn eine funjtmdfige Aufführung gefiattet feine Soppelhercfdjaft, bie ganje Sftaffe muf oielmehr ein einziger 9BilIe beherrfefen. Sab ^erfonal, welche« ju einer muftfalifchen Aufführung mitwirfen muf, 527 Aufgang ber ©ferne Aufgebot i(l um fo braud)bater, je ine^c bic ©injelnen SRuftffenntniß, namentlich jtenntniß bec Harmonie, hefigen unb babttrd) im ©taube ftnb, bie Abfid)ten bed Sonfegetd unb bie Schönheiten feined Söerfd ju oetffet)en unb bad oon bem ©njelnen ©efo= bette in Übercinftimmung mit bem Sanken $u leiften. 25a aber alte fBorfchrift ben @ei|t bed 93ortragö nicf)t mittheilen bann, fo muffen mit aud) funjufügen: bad sperfonale ber Sarjlellet i|t um fo tüchtiger unb beffer, je weniger fPerfonen barutt= tet beftnblid) fxnb, wcldje bie Äuttff hanbwerfdmäßig betreiben, je mehr bagegen @inn unb ©efüft für bie Sonfunfl unter ihnen oerbreitet ifi, unb bie ©njelnen ftd) ben goberungen bed ©anjen oerfiänbig unterjuorbnen wiffen. Aud lefcterm ©runbe bebarf ed eben nicht einer ^Bereinigung ber er fielt SBirtuofen, um eine gute 2fuffüt>= I rung großer SRufifwerfc — bie eben nicht eigentlich ©oncertfiütfe ftnb — ju ©tanbe ju bringen, ba folchc SSirtuofen, gewohnt, ald Sfteifiet ju gtänjen, fos gar f)öd)ft feiten einer folchen Unterorbnung fähig ftnb. Socf) müjfen wir hierbei aud) einen Unterfchieb jwifdjen Solopartien unb SJiipienpartien machen. Sen erjtern ift überhaupt größere greifet im SBortrage oerftattet, wad oorjüglid) oom Spetnfanger gilt, ber jugleid) ald mimifcher Sarfteller erfcheint. Ser Sirector barfSgtern bähet nur baentgegenwirfen, wo fie oon biefet Freiheit jum 9iad)theil bed ©harafterd unb ber wefentlidjen SSefiimmuttg eined Sonwerfd ©ebraud) machen wollen. Aber fRipienftimmen muffen immer ihre Kattien audführen, wie fte ge= J fd)tieben ftnb i SSerjierungen unb SSerdnbetungen in benfelben ftnb hier am unred)* ten Orte, benn cd iji leicht cinjufehen, baß, wenn jeber ©injelne ftch bie Freiheit nehmen wollte, feine ^Partie nach 83eliebcn ju oeränbern, eine heillofe SRuftf bar= aud entfielen würbe. 3n biefer Schiebung hat bet Sirector auf ©leid)mäßigfeit im SSortrage forgfdttig ju fehen. Sie iöerbinbung biefer ©teichmäßigfeit unb £>tb= nung mit Stetheit unb Audbtucf bed SSortragd macht aber erft bie Aufführung ju einer oollfommenen. Surd, eine foldje erfcheint ein guted Sonftucf, auch bei öftern Söieberholungen, in immer neuen 9iei$en, ein minber guted gewinnt burd) fte an SBirfttng. Jpectfd)te 8 ?bß ftrenge ©enauigfeit unb ©leichmäßigfeit im SSortrage, fo würbe eine Aufführung jwar richtig, aber ohne große SReije fein) wie wenn 5 . 85. bad Saftmaß in allen Steilen bed Sonfiücfd gleichmäßig beobachtet würbe, aber bie feinem Sdhattirungen bed SSortragd fehlten, bie in ber Art ber .£)eröor= bringung ber Sone unb ihrer SSerbinbung, in ben oerfchiebenen ©raben ber ©tätfe unb Sd)Wäd)e, ber dpebung unb ©enfung u. f. w. befiehen unb ftch nicht öorjeid)= nen laffen. Saß aber eine 9Raffc oon Stimmen unb Snftrumenten, wie bad Spiel eined einjelnen geifioollen 93irtuofen, ftch frei unb bod) georbnet bewege, bad iji ber häd)fte Stiumph ber mufifalifdjen Sarfiellungdfunfi, ben bie neuere Seit bei Satjiellung ihrer großen Sonwerfe oft erreicht hat. 44. Aufgang ber ©ferne, baddperoortreten berfetben am ^orijont. 3n golge ber üugelgefialt ber ©rbe ifi biefer Aufgang an oerfd)iebenen Srten feht oer= fd)ieben. Unter bem Äquator gehen alle Sterne unb jwar fenfred)t auf; jwifchen bemfelben unb ben *Poten gehen nur bie Sterne auf, beten nörbliche ober füblidje Abweichung fleiner ifi ald bie Äquatorhöhe. Unter ben fPolen ftnbet gar fein Aufs I gang bet ©eftirne flatt. Sie Seit bed Aufganged eined jeben ©ternd für einen bes [ fiimmten Srt läßt ftch aud ber Sauer feiner Sichtbarkeit übet bem döorijont unb 5 ber Seit feiner dulmination ftnben. (S. Ortus cosniicus.) ■ Aufgebot, 1) in einigen ©egenben Seutfd)lanbd, bie 85eflimmung bed I iPreifed, für welchen man bie feilgebotene Sachefaufen will; fpracbrichtigerfagtman ©ebot; 2) bie burd) bie ©efefje oerorbnete öffentliche SSefanntmadjung jeber ju fd)lies ßenben ©he, bie in Sacbfen unb anbern Säubern an brei auf einanber folgenben Sonntagen oon ber Äanjel gefd)ieht; fte Würbe im 12. 3ahrl). gebräuchlich; 3) bet Vfuftuf ju ben 5Baffen, ben bei außerorbentlichen ©efahren etn SEanbedfürfi an feine Untertanen ergehen laßt; 4) bie auf folche SBeife äufammenbetufene SRaffe felbji, / 528 Auffauf Auflage y A u f f »t u f, baS ©efdyäft desjenigen, welcher bie Söaare oon bem Grjeuger kauft, um fie mit 5Bortf)eil bem SSetbraudjer notebec ju «erkaufen. ©ewöhnlid) bebient ec fiel) baju gewijfer Unterhänbter, Auf= ober Sßotkäufec mit «eräcftlicber Sfebenbebeutung genannt, welche bie einzelnen Ankäufe für it>n befolgen. 6« ift »iel barübet geflritten worben, inwiefern, wieweit unb ob bet allen Sßaacen ber Aufkauf jutäffig fei. da ber Aufkäuf bem S3ertangeu nad) ber SBaarc entgegen: kommt, fo mirft er etwas im Allgemeinen für jebe SSittlyfchaft SMnfdyenSwertheS unb ift gewip nü&licf). 9tur in ben Salten wirb er unsuläfftg, wo er bie fPreiS-- unb 2CrbeitSoerf)ditnijfe fort ober in einen teeren Umtrieb jwifhen ben ©roflyanb-- lern auSartet, um SWanget unb f)ot;e Steurung in altgemeinen SSolkSbebütfniffen ju uerantaffen; biefem mup ffjeilS burdy aßgemeine ©efefce, tfjeitS burd) befonbete SSetfügungen begegnet werben. Aufklärung in geiftiger SSebeutung, fowol bie SSerbeutlichung bec33or= fteltungcn, bie Semanb non einer ©ad)e bat, als aud) ber Buftanb ber ©eelc, wo fie im 95ep|e beutlictjer 23orfellungcn ift. dody foltte man biefen 3ufanb lieber Aufgeklärtheit nennen. 9J?an nennt «orjugSweife denjenigen aufgeklärt, ber «on ben widytigfen Angelegenheiten ber SOfenfdyen, mithin non ben Strebten unb fPfid): ten beS 5Kenfd)en unb non teltgtofen dingen beutlicheunb tidfige 93orf ellungett hat. da nun aber bie deuttidjfeit unb Sticptigkeit ber SSorfteltungcn ihre ©rabe hat, fo kann auch bie Aufklärung ober Aufgeklärtheit in einem hohem unb niebetn ©rabe fattftnben; unb ba nicht in jebem ©taube unb für jebe SebenSart berfelbe ©rab non Aufgeklärtheit moglid) unb erfoberlkh ift, fo mup baS ©efepäft ber Aufklärung mit SSorftcpt betrieben werben, daher unterfcheibet man bie wahre ober edyte Aufklärung non ber falfdyen ober unechten, b. h- ben SSerhältniffen unb Umftdnben, unter welchen ftch einSDtenfch beftnbet, unangemeffenen unb bähet ihm felbft ober Anbern nadfheiligeit Aufklärung. An unb für ftch kann bie Auf= fldrung nicht fpablid) ober gefährlich fein j fie kann eS nur baburch werben, bap man beim ©treben, Anbte aufjuklären, keine Srückftd)t auf il)te Sage nimmt, unb ihnen baher mel)r Sicht gibt, als fie ertragen können, ©old) ein unbebachtfameS ©treben nach SSerbreitung ber Aufklärung peip t A ufklarerei. dteSeinbe ber Aufklärung ««twedyfeln 33eibeS mit einanber, unb pcipen, wiefern fie ber Aufklärung ent= gegenwirken, SSerbunkler ober dbfeuranten. Stuptanb hat einen fftinifer ber Auf klätung; cS wirb jeboch barunter nichts AnbreS als SSotkSbilbung uerf anben. D. Auflage, 1) bie ©efammtjaht ber oon einer druckfcprift gemachten Ab= I brücke, die ©tdrke ber Auflagen wirb in ber Siegel burd) ben Gontract befiimmt, welchen bie SSetf. mit ben SSerlegern abjufcpliepen pflegen. SSon ber richtigen S3e= urtpeilung ber Auflagen nach bem SSebarf beS fPubticumS hangt meifienS baS ©e= lingen einer buchhdnbterifchen Unternehmung, fowie ber ju maepenbe fPreiS einer ©dyrift ah, inbem hei einem S3ucpe, baS ben Abfafj einer fiarken Auflage wapr= fcpemlid) mad)t, ber ^DreiS progrefftu fepr »erminbert werben kann, weil bie Äofen beS Honorars unb beS ©apeS ftch- auf fo «iel Gtpemplare mehr Wertteilen taffen, in= bem hei biefen am ©nbe nur ber *})reiS beS baju gebrauchten Rapiers unb bie Stofen beS drucks felbf in SSctracpt kommen. SBenn baper ber fPreiS eines SSudyS, baS ju 500 Gpempl. gebrudt wirb, weil auf biefe geringe 3apl bie ganjett Stofen beS Honorars, beS ©afseS unb ber Sftüpwaltung wertheilt werben muffen, relatio fod) V fein mup, fo kann er natürlich hei einer Auflage uon 1, 2, 3, 4 unb mehren Saufenden immer progrefftw geringer gefeilt werben, den grammatifchen unb tedy- nifdyen Unterfcpieb ywifdyen Ausgabe unb Auflage heftimmt baS „fpreufifdye Sanb-- tedyt" (Sh-1, Sät. 11, §. 1011 unb 1012) fo, bap, „wenn ein neuer unoeräm berter Ahbtud einer ©dyrift in ebenbemfelhen Formate «eranlapt werbe, fold)eS eine neue Auflage peipe", „wenn aber eine ©dyrift in »eränbertem Formate ober mit S3erdnberungen im Snpalt eon neuem gebrückt werbe, folcpeS eine neue AuS: , Äuffofung Ätifcofifen 529 gäbe genannt werbe". Saffelbe 2anbred)t befbimmt nod), baß, wenn ber Äutor im SerlagSoettrag bie 3t bejbimmt tjabe, e$ bem Serleget freiftef)e, and) ohne auöbiucfticf>e ©inwilligung beSSerf. neue [ Tüfingen ju oeranfbaltett; im umgebenen galle finbe Seitens beS SerlegerS eine jj neue SSeibinbiicbfeit ffatt. — 2) ©in Spnonpm mit 3tb g a b e •, lefcterer 2lu8brucf | - bejeidjnet baS Serhdltniß beS ©eberS beS SerntogenStheileS, bei 5111 Sefbreitung I berStaatSbebürfniffe befbimmt wirb; Auflage aber baS Serhdltniß Seffen, bei if>n fobcit cbei ifjn untet bie ©eher neitfyeilt. (S. Abgaben.) I Äuflofung, inber©l)emie, berSorgang, bei welchem ftcf> bie ©runb= jB‘ jboffe jweiei ungleichartiger Äötpet fo mit einnnbei oetbinben, baß bie notige Ser= einigung getrennt, unb butd) bie neue Serbinbttng ein neuet, anberS als beibe notige, sufammengefegter Äotpet gebilbet wirb. Sied bann nur gefcfyefyen, wenn weniglbenS in einem bei beiben Äorpet bie ©runbfboffe getiennt ftnb; baju aber I ! wirb erfobert, baß einer betfelben in einem flüfftgen ober bampfartigen gujbanbe fei, | ba fefbe Äötpet nicht auf cinanber wirfen. Sie ©hemifer pflegen bett flftfffgen &or= i per baS ÄuflofungSmittel, ben anbern aber, bet fid) bloß leibenb ju »erhalten fdjeint, ben aufgelofben ju nennen. Siefer ißt inbeß keineswegs leibenb, fonbern beibe üben wed)fe!feitig ihre 5El)dtigfeit gegen einanber auS. 2fl(e Äuflofungen finb 5Bitfungen bei Änsichuug jwifchen ben Steilen berÄorpet, ober SBirfungen bei 2(ttraction bei bet Setüfu'ung. Sie treten ein, wenn bie Änjiehung jwifdßen ben Steilen ungleichartiger Äorper fbdtfet als bei ßufammenhang ber Tf)eite jebeS Äor= perS einzeln für fld) ijb, unb bauern bis jur Sättigung (f. b.), beren ©rabe ijauftg »on ber Temperatur abl)dngen. Setmag bie Änsiehung ben äufammenhctng bet Tbeile nur in flftfffgen, nicht aber in feftern Äorpern ju trennen, fo erfolgt nur 2lbl)dfton. SJban unterfdjeibet Äuflofungen auf naffem unb auf trocbenem Sföege. (S. Sßeg.) — Sn bei SJlufif heißt Äuflofung bie nothwenbige jbufenweife | §ortfd)reitung einer Siffonans in ein confonirenbeS Snteröall. Sie Siffonanjen treten bei ihrer 2fuflofung gewöhnlich eine Stufe abwdrtS, unb nur bie fogenannten übermäßigen Snteroallen gehen jur Äuflofung eine Stufe über ft'd). Ser Sdjritt, welchen babei bie ©runbftimme macht, befbimmt baS Snteroall ber Äuflofung. Sei ben tegulair aufgeführten Siffonanjeti, b. t. bei ben in bem fd)led)ten Taft= theile vorbereiteten, fallt bie Äuflofung immer wieber auf ben fddedjteu Tafttheil; bie irregulair, b. i. bie im Sutdjgange gebraudjten Siffonanjen werben auf ber jP guten Taftjeit aufgelojb. Über bie Tfuflofung beS ÄanonS f. b. 2 Cufnehmen, f. Sbeffung. Äufpvofscn, f. .Kanonen. Äufvifj, in ber Saubunfb, bie Seidjnung ber Äußenfeite ober fßagabe eines ©ebdubeS, geometrifd) unb nach »erjüngtem SJbaßjbabe. Slan nennt ihn auch, jum Unterfcfieb eines perfpectioifdjen OviffcS, ben orthographifchen, weil in einer folchen 3^>d)nung alle dpohen unb Steifen beS ©ebdubeS unb feiner einzelnen Theile genau angegeben fein müffen, um ben SSerfleuten jur 9fid)tfd)nur ju bienen. j Aufrollen (einen $lügel in bet Sd)lacf)t) heißt, bie bort fbefienben Trup= pen oon ber Seite tinb im fRüden fo angreifen, baß fte nid)t baju fommen fonnen, V’ eine neue Stellung gegen ben geinb ju bilben, fonbern in Uttorbnung auf bie 9)?itte geworfen werben. Sei ber fonftigen 2fuffie(lung in Sinieit war bieS eher tl)unlid) als je( 5 t, wo bie gew 6 hnlid)e Stellung in 2fbtheilungen nid)t mehr fo fd)Wad)e Sei= ten barbietet. 2 Benn inbefj jlarfe 9Jlaffen baju oerwanbt werben, fo pflegt fleh bod) bisweilen etwas Ähnliches ju begeben, wie j. S. in ber Schlacht bei SBagram, Wo ber oftreid). linfe glügcl bei 3Jfarfgrafen = 9leuffebel oon Saooufi, troff einer fdjnell genommenen Äufflellung cn potence, jurüifgeworfen, unb fo bie Schlad)! ; entfehieben würbe. <§om>.=Ce):. Siebente JCufl. SSb. I. f 34 530 2fufntf)V 2fuffct)vift u f r ti i) x , Sumult (engt, riot), baS Sufammentmifen mehret (Perfoticti, um fiel; itgenb einer obrigfeitlichett 2lnorbnung mit ©ewalt jü tvibetfehen; ein ©taat$= verbrechen, weldjeS jum $od)uetrath übergebt, wenn ber jpnedi beb 2fufvul)vb Um= purj ber ©taatSverfaffung felbp tff. ©d)on biefer SSegriff unterpheibet ben 2fuf= tulpr vom 2fuffinnb, inbem bet erpe mol ber 2fnfang unb bie (Beranlaffung jti bem lefpetn werben fann, aber an fiel) in einer ungeorbneten unb getvaltfamen 3ßibet= fe^lid;f'ei£ befielt, welche, wenn fte langet fortgefeljt unb bet bewaffnete 33iber= ffanb attgemeiner unb heftiger wirb, ben (Kamen ber Empörung ((Rebellion) befommt. 25er 2lufpanb hingegen (bie Snfurrection, f. b.) ip bie Erhebung eines (BolfeS jum geregelten (SBiberpanbe gegen eine für unrcdjtmäfsig auSgege= bene $errphaft. Saijer fann beim 2lufruf)t nie bie (frage non feiner (Redpmäjjig= feit fein, bie 2fufrüt)rer ftnb vor bem bürgerlichen ©efe(s immer ffrafbar (bie 3tnpif= tcr unb 2fnfül)rer mit bem ©djwerte, bie übrigen nach ridjterlidjer Ermäßigung); bet2(ufpanb aber fann in ber Sbee tvenigpenS redptnäßig feilt, infofern er gegen eine unredpmäfjige .f)errfd)«ft gerichtet ip. 25al)et wirb c^ud) ber (Käme (Hebelten, welcher nur non einem ptafbaren Sßiberftanbe gebraud;t wirb, mit bem ber Snfur= genten vertvcchfelt, fobalb baS Uttfeil über bie (Rechtmaßigfeit anfangt menigpenS jweifelhaft ju werben, ©efangene Siebellen haben feinen 'ifnfprud;, als ÄriegSge= fangene behanbclt ju werben, tvolp aber Snfurgenten, welche unter bem ©chufce volferrechtlid)et ©runbfäfse pehen, ba bie ©ereditigfeit ihrer ©ad)e von bem ©otteSurtheil beS 2(uSgangS abhängig gemacht worben ip. 3u bem rechtlichen SSegriff beS 'tfufrutpS gehören wenigPenS 10 (ERenfcben; in Englanb Wirb, fobalb eine (Berfantmlung einen tumuttuirenben Eharafter anjunehmen fd;eint, vermöge ber 2(ufruhracte (riot-act) von 1817 eine(Proclamation Detlefen, baß alte S3er= fammelte ruhig auSeinanbergehcn füllen, bei SobeSptafe. Es muß nun eine ©tunbe Seit gegeben werben, nad) bereit Ablauf bie bewaffnete SHadp gebraucht werben fann. 37. 2C n f f cf> r i f t, Snphcift, inscriptio. 1) 3n äpfetifdpr .fMnpdp, biejenige ©dpift auf einem (Denfmate, welche in pnnmd)er Äürje, b. h- im Sapibatpip, beffen (Bepimmung auSbrücft. 3Dic 2fuffd)riften (tituli) ber (Hontet enthalten nur bie nothwenbigpen (Bepimmungen beS ©egenpanbeS, auf unb vor welchem fte pehen, unb haben ohne (Bejug auf biefen ©egenPanb feine (Bebeutung. Äurj unb fd)6n ftnb 22luffd)riften auf 25enfmä(et griebridjS beS ©roßen, auf baS berliner SnvalibenljauS: ,,Laeso et invicto militi", unb aufs potSbamer 2frmenhguS: „Fritlericus Rex civibus egenis M.D.C.C.LXXIV". ©d)tvulp unb fpißfinbige (SBi&elei gehören nicht hierher. Einfalt unb (Bepheibenheit muß in ben 5(uffd)riftcn vorherrfdjen. 2) Sn atd)äologifcl;er .fnnfidp. 33it haben je^t ber SnpriptionS-- fammlungett viele. Sn SPanfreich grünbete man eine eigne 2ffabemie ber Snfdpif ten unter Üubwig XIV. Sfiue bas 2fuSfd)reiten ber gelehrten ©lieber in verwanbte gädpr beS (KSiffenSwürbigeu würbe baS Sotphen einer ©elehrtengcfellphaft auf einen fehr bej.dpanften ©egenpattb beS 2(lterthumS eine fleinlidp JRegietungSfpie- lerei genannt werben müpen. Unter ben (Römern verfanf auch mit ihter Freiheit ber gute ©efdhmacf ber 2fuf = unb Snphriften: bie @d)meid)elei fuchte burd; 3Bi| ju erfehen, tvaS ilp an (Katürlichfeit abging. 2(m phoitpen nimmt ftef) bie foge- nannte £luahratfd)rift attS. 3) Sn ottl)ographipher ^inficht verfuhren bie Stomer bei öffentlichen Senfmälern mit vieler Sorgfalt, aber aud) bort bebienten fte fiel) bet 3fbfürjung bei befannten ((Borten. Sb c altepeS Alphabet fchloß ftd) mit bem T. 25a§ ae unb oe ging auS bem Sermone rustico in ben Sermonem urltaiium über. (Bor S unb F fprad) man baS N nidit aus unb verlängerte bafür baS O in Con unb baS I in In. Sn (Privatbenfmalern verfuhr ber ©teinmefc oft tvillfürlid; unb uiu adjtfam. 4) Sn biplomatipher ^)inftd)t redjnet man baju in Urfunben alle 3ln= fangSformeln, bann auch bie (Bejeidmungen ber p)etfonen, in bereit (Kamen bie 2Cufjianb 2fuffteigung 531 UrEunben auggefertiget, unb ^Derjenigen, an bte fte befonbet'g geridjtet ftnb. Sie i ©eiftlidjen Ratten im ganzen Mittelalter bie 2Cufnapme bei* UrEunben, baper bie I bamatige grope ©tplallgemeinheit in ber ganjen ©htiftenpeit. 2fi>et man glaube ja 1 nicf)t, bap bie unEunbigen bamaligen fftotarien je fiel) einfallen liefen, einenge= mijfen abmeid)enben ©tpl für »erfepiebene Haften ber Stegierenben ober Dfegierten in Übung ju bringen. 20leg, mag batüber manche SiplomatiE fabelt, ifl blope fpätere f)Ppott)etifcf)e ©oncotbanj ber ©eleprten, melcl)e früher unb je^t bag Mittelalter (bie (Petiobe beg f>6rf>ften ©igennupeg inS Seben eingefüprt) butdiaug ju einem benEem I ben mad)en trollten, rneil 2(riftoteleg’g ©ubtilitäten unter ben bamaligen ©elepr= '! ten ©lüdE mad)ten, bie, attpet ber Religion, nieptg bag menfd)lid)e StacpbenEen , tpeoretifd) TfnjieljenbeS bannten, unb über bag fPraEtifdie nacbjubenEen, bäum beg |. ©eierten mütbig hielten. Mid) ein heller Hopf »on biefer Unfitte beg bamaligen Faprpunbertg einmal ab, fo mürbe er mie eine ©ule »on ben Vögeln beg Sagg, bie nur allein bag Sageglicpt $u erblichen glaubten, halb alg He^er, halb a(g 3ou= berer, halb alg 9Reuerunggfücf)tiget »erfolgt, unb mag er fagte unb that, patung bie bamalige untreue amtlidje unb fircplicpe ©efcbid)te entfleUt genug aufbemahrt. SRur bag ©injige ifl mahr, bap ber ©tolj im Äanjleijipl bem poepffen irbifchen, bem päpftltcpen, immer naher rücEte. Mahr ifl ferner, bap man big ing 10.Saprp., nad) bamaligerßinfachhcit, nur einen Saufnamen führte, big aud) hier bie menfcp= lid)e 3fugäeid)nunggfud)t ptunE»oller in ber Pluralität auftrat, unb bap man »or ; bem 12. ober 13. 5<>h c h- bem chrifiticpen Saufnamen einen Familiennamen beiju= gefellen für etmag ^jeibnifdjeg hielt. Ser ©eiehrte befreunbete ft cf) bamalg mol noch mit bem ^eibentpitm unb feinen ©ebrdudjen; ber Vornehmere, meilerum rciffenber mar, hapte unb »erfolgte 2flleg, mag baraufVejttg heilte, unb ahmte gemif Eein peibnifepeg Veifpiel nad). Sie bamalg mit de beim fRamcn bet Saufe angefügte Formel bejeidjnete gemip nicht bie Familie, fonbern ben 2fufentpaltg=* unb ©eburtgort, maptfcheinlid) megen ber fftamenibentität eineg anbetn, bem 2fugfertiger bekannten Snbiöibuumg. Sem Saufnamen liep man gern bag offene licpe 2fmt folgen, »ermuthlid) aud) nur megen Vejeidjnung einer Ufmtgpanbtunq. Sag Mott dominus bejeiepnete einen Sfllobialbefx^er, niemalg bag 2fmtggut. Sie Formel Dei gratia t»ar anfangg ein Semutl)gtitel, ben Siegenten unb ^Regierte beliebig brauchten. Sie bip'lomatifche ©ubtilität ber neuern 3eit ging fo rneit, bap bie Haiferüt Maria Sperefta eine eigne Unterfudjung «nflellen liep, ob bie nacbge= borenen ©rjpetjoge befugt mären, ft cp »on ©otteg ©naben ju nennen. Hürjet Eonnte bie 2futoEratie hier felbfl ben Sitel beftimmen, ohne Nachfrage beg .£jetfom= meng. — Sie Urfunben im Mittelalter, für Sebermanng ober aud) nur für ge= miffer fPetfonen ober ©orporationen Henntnip, hatten eine ©lekppeit bet ©inlei= tung, bie für bie ©inpeit beg Formularleifleng fpriept, inbem jebe Varietät »on beg 2(ugfertigerg MillEür abhing. Sag Vegrüpen fd)lop fiep an, voeilben ©eifl= lid)en bie apojtolifcpe Vegrüpung berfftadiapmung merth fepien, unb eg ber ©itelfeit ’ fcpmeichelte, mie bie 2fpoflel allgemeinen Unterricht ju ertheileit. j 2Cufjianb, f. Snfurrection. SCufftcigertbe Sintc, f. Stbfleigenbe Sinie. ] 2fuf(fetgung (ascensio). 5n ber ©ternEunbe »erffept man unter g e = taber SCuffteigung eineg ©ejlirng benjenigen Vogen beg ©letdjerg, melcher groU f fepen bem FrüptinggpunEte unb bem SCbmeidjunggfrcife biefeg ©eftirng enthalten » ifl, unter bem Äquator mit ipm zugleich aitfgept ober mit ipm gerabe auffteigt. ü Surd) bie gerabe Sfuffleigung unb 2ibmeicbung mitb ber ©tanb ber ©eflirne am | $intmel ebenfo beftimmf, mie bie Sage ber Örter auf ber ©tbe burep bie Sänge unb I Vreife. Unter fchiefer SCufjletgung »erflept man benjenigen Vogen beg ©lei= I epetg, melcper jmifdjcn bem Ftüplinggpunftc unb bem mit einem ©eftirne jugleid) I? aufgepenben fünfte beg ©leicperg enthalten ifl. 34 * 532 Auftritt Äuge Auftritt, Äufjug, f. ©djaufpiel. Äuge, bad SBerfjeug bcS ©eficftd, meldjed bad S3üb ber dupetn ©egen-- ftdnbe «ermittetft bet baoon fyerfommcnben £id)t|tral)lcn im Äuge aufnimmt. Sag Äuge ober bet Augapfel ift bei bem Sfftenfdjcn jiemlid) fugetrunb, fjart anjttfübleit, !eid)t bemeglid) in betÄugenlpobte unb burd) äettgemebe an Steine JWudfeln unb ()in= tcrrodrtd am ©elptetoen befefiigt. 33etrnd)ten mir bad menfd)lidtc Äuge in feinet natürlichen Sage gerabe »on »otn, fo bemerken mit 1) einen fd)t»arjen tunben gtecfeit in bet SRitte, bicfPupitte; 2) um biefe einen breiten farbigen Äreid, bie 3tiS; 3) auf beiben ©eiten eine mcifegemötbte §(dd)c, bad fogen. 3Bcipe im Äuge. 93etrad)ten mir bad Äuge von bet ©eite, fo bemerfen mit bad bieSrid unb ipupilte bebeefenbe bttrd)-- fidjtige ©emotbe, «on bet fogenannten Jpornt)aut gebilbet. Sad Übrige bed Äug= apfeld ift unter ben Äugenltbetn unb in bet 2fugenf>6f)te «erborgen. @r mirb oon 3 übereinanbertiegenben .fxfuten gebilbet, meldje »erfdjtcbenc gtüffigfeiten ein= fdjtiepen. Sie duperfte $aut ift bie ftdrffte unb f)drteftc, mirb bepfjalb bie harte, and) fefte unb meipe i>aut genannt unb beftefjt aud mehren 93tdttern, ift elaftifd, bief, meip unb umgibt ben ganjen Augapfel. Stur nach Äupen hin »erbünnt fic ft cf) unb mirb uorn ganj burcl)ftd)tig. liefet burd)fid)tige 5Ef>eif fü£>rt ben jRamett Jpornfyaut. ©ie ift ber Äbfdjnitt einer Äuget «on etmad fteinerm Surd)tneffer als bet* •Dtttd)tneffer bed ganjen Äugapfeld unb ft(st gteid)fam auf bem (extern, bähet ftd) biefer aud) bei ber .£>otnl)aut merflid) ergebt, Äm hintern St)ei(e bed Äugapfeld befinbet ftd) eine Öffnung, in ber hatten >öaut, burd) metdjc ber ©ebner», eine gortfefcung bed ©etjirnd, ind Äuge gef;t. Unmittelbar unter ber ff arten liegt bie braune t^aut ober ©efafhaut, bie ihren Änfang «om 9fanbe bed @ef)net»en nimmt unb ftd) bid an bie $ornl)aut crftrecft. ©ie fleht »on Äupen braun, inmenbig aber faft jdjmarj aud. ©egen ben Anfang ber <£)ornf)aut hin «ereinigt fle ftd) burd) ein Seltgemcbe mit ber garten $cai t in ©eftalt eined meipcnÄrctfed, metdjer ber G>iliar= freid genannt mirb, unb in rcetdjem ber nad) Sontana benannte ©trafjlencanal be= ftnblid) ift. SSor bem ßiliarfveife menbet ftd) bie innere Sameltc ber braunen .fäcmt nad) bem Snnern bed Äugapfeld unb bilbet bafelbft biete, fd)bn gefaltete, gefdf= reiche ©treifen, bie mit einem fcfymarjcn Seime rtberjogen ftnb unb bad ©trafjlen* banb genannt merben. Äud bem ©trafflenbanbe entftetjen bie meitcr aufmartd latt= fenbett unb bid an ben 9vanb ber Ärpftaiitinfe reid;enben©traf)(enfafern, melde um bie Ärpftalllinfe f)er einen fd)6n gefrreifton 9iing, ben ©trahlcnforper, bitbeti. j5mifd)en ben ©trafjlenfafern unb ber Hornhaut liegt bie flfegenbogenhaut, beten hintere, mit fehroarjen Sinicn befteibete $ldd)e bie Sraubenfjaut f)eipt. S3eibe ju= fammeti mad)en bie Seid ober ben Äugenfietn aud. Sn ber SRitte biefer burd)fld) ; tigen $aut befinbet ftd) bie Pupille ober Öffnung bed Äugenfternd, aud) @ef>e ge= nannt, moburd) bad 2id)t ind 2tuge faltt. öieSi'id ift tfuperft empfttibtid) gegen bad 2id)t unb befjnt ftc!) aud ober jiefjt ftd) jufanunen, moburd) bie fPupilte »er= grbpert ober »erfleinert mirb, je ttad)bem bad £id)t fdjrnad) ober ftart' ift. 3tn bie braune ^aut fd)Iiept ftd) bie 9te^= ober Sftarftyaut, eine S3erbreitung bed burd) bie l)arte unb braune dpaut ind Äuge getretenen ©ef)tier»eit. ©ie fd)miegt ftd) a(tent= l)atben bid jum gropern Äreife ber ©tratjtenfafcrn ber braunen -£aut an. Öie fo= genannten Slttfftgbeiten ober geuebtigfeiten liegen alte in ber50titte ber befd)tiebenen ^taute ober ftnb »te(mef)r «on ifmen umgeben. Sie erfte f)eipt bie Erpjtattene fjeud); tigfeit ober Ärpfialttinfe, befmbet fid) gleict) t)inter bet ^)ttpi((e unb ift ein tinfenfor= miger, galtertartiger, bod) nod) etmad fefterer Äorper. ©ie liegt in einer burd)» ftd)figen Äapfel unb ijt mit ben ©trafjtenfafern eingefapt. öie mafferige §eud)tig- feit erfüllt ben «orbern 5lf)eit bed Ättged jmifdjen ber ^orntjaut unb ber Äapfcl ber Ärpftalllinfe. ©ie treibt bie ^ornl)attt in bie ^)6t)e, ift bfinnfffifftg unb fefjr burd); ffd)tig. ©ie mirb leidjt micbet erfefst, menn ftc burd) eine Öffnung in ber $orm baut audgcfToffcn ift. Öie glaferne jettd)tigfeit fftlft bie gattje Jpoble ber fRefbaut Äugmijdlfunbc Ä'ugentib 533 aus unb nimmt beit größten 3d)oil beg intietn ÄugeS ein. 23orn ()at fie eine burd) I bic ©eflalt bei Ärpjialllinfe, bie ftc berührt, l)ervorgcbracf)te Vertiefung unb ifi il); | rem 5Bcfcn nad) eine fel;r burd)fid)tige ©aderte, bieauS feinen 3^Ucn beftetjt, in tveldjen bie glüfftgfeit ftcl> beftnbet. Süte baS SUb eines äußern ©cgcnftanbeS in bem Äuge entfiel}!, l)at juerf! Äcpler gejeigt. ©S faxten von jebem fünfte eittcS leud}tcnben ooev evleud)teteit in bie Äugen fallenben ÄotperS nad} geraben fiinien ©traljlcnE'egel auS, bereit ©pi&e auf bem Äorper, bereu ©runbflädje aber auf ber uorbern gldd)c ber djoint)aut ru!}t. Ser ©tral)lcnfegel bringt burd) bie «gjornfyaut jj unb burd) bie tvafferige gcud)tigfcit; ein £l)eil feiner ©trauten tvirb jtvarvonber vorliegenbcn aufgefangen, baS auf bie Pupille fadenbe ßicljt aber trifft bic ÄtpfMlinfe, bringt burd) biefelbc unb burd) bie gläferne geud)tigfcit bis jur 5telj= liaut burd) unb leibet bei feinem Surdjgange burd) vier vetfd)iebene SÄittel, namtid) bie ^jornfyaut unb bie brei geud)tigfeiten, vier S3red)ungen, bis ftd) enblid) bic ©trauten beS ÄegclS in einiger ©ntfernung von ber Ärpftalllinfe in einem fünfte vereinigen. ©s gel)t alfo auf biefe Söcifc im Äuge eben Sag vor, tvaS in einem vet= fmftecten Zimmer gefdiiefjt, in tvcldjem ftd) eine mit einem erhabenen ©lafevctfefyene .Öffnung beftnbet. SÖenn ber SereinigungSpunft ber Sid)tffral)len genau auf bie 9tei)f)aut trifft, fo bilben fie ben fPunft, von tveld)em ftc auSgingen, attfberfclben beutlid) ab. Sa bie Sid)tfha()len auS allen fünften beS fid)tbaren ÄorpcrS ins Äuge fallen, unb alfo baS S5ilb eines jebcit fünftes auf ber Siegljaut bargejiellt tvirb, fo eittffel)t aus ben Silbern aller biefer fünfte jufammen ein umgefebrteS Stlb beS außerlid) beftnblid)en fid)tbaren ÄorperS, tvie in einem vcrfmjferten Bimmer umge= fel)rtc Silber ber ©egenjtanbe auf ber bem ©lafe gegenüber befütblidjen SBanb ent= ftefjen. Änd) iff ber innere, mit ber glafernen geud)tigl!eit angefüllte Dxatim beS ÄugeS einem fold)ctt 3immer völlig äljnlid) unb tvirb burd) ben fd)tvarjen, bie braune -flaut uottSnnett bcfleibcnben unb burd) bic burd)ftd)tige9?e(sf)aut fdjeincitben Seim vcrbunfelt. Sie genaue SBiebervereinigung bet ©trauten, tveld)c auS einerlei fPunft beS ftd)tbaren ÄorperS auSgingen, ifl bie Utfadjc ber Scutiid)fcit beS SilbeS unb ber Seutlid)feit beS ©cfjenS jugleid). Siefc tvirb auf ber 9?cfsljaut geftort, tventt bie SereinigungSpunEte ber Strahlen nidjt genau auf biefelbc treffen, fonbern ent= tveber vor ober l)intcr ifjr liegen. Sn beiben gälten bilben fte ftatf beS fünftes einen ÄreiS ab. SBemt ftd) aber jebet ^unEt beS SilbeS auf ber Sleljfjaut in einen ÄteiS ausbreitet, fo muß notfjtvenbig baS Silb unb folglid) attd) baS ©efjcn un 1 beutlid) fein. SSictvol eigentlid) jebeS Äuge feine eigne, von feiner cigentl)ümlid)en 23cfd)affenf)eit abl)ängcnbe ©efjtveite l )nt, fo nimmt man ftc bod) für ein getvojjn-- licfyeS, gut gebautes Äuge auf ad)t 3oH an. Sag Äuge befifet burd) feine SÄuS; fein jugleid) ein Sermogen, feine ©inridjtung ju änbern unb baburd) aud) auf ftei- itere unb größere Süciten vollfommcn beutlid) ju fef)ett. (©.aud)b.Ärt. £>pl)tf) a U ttt o l o g i e, S l i n b e, © t a a r.) Unter ben altern SöctEen über baS Äuge ftefjt oben an 3mn’S „Descriptio anatomica oculi huniani" (®ott. 1753); unter ben neuem ©ommcrring’S „Äbbilb. beS tnenfd)lid;en ÄugeS" (granf'furt am SÄ 1801, gol.; eilt fd)6ncS Äupfertverf), unb ©djreger’S „Scrfud) einer vergleid). Ättatomie beS ÄugeS" (Seipj. 1810). Ä tt g e n l) e i l f ti n b c, f. £3 p t () a l m i a t r i f. Äugenltb, ber Secfel beS ÄugeS. Sib, ein altbcutfd)e$ SBort, Fjeifjt nad) SBolfe u. a. @,prad)forfd)ern, SecFe, unb barf baljer nid)t mie Sieb (eine ©at= tung lprifd)cr ©ebkljte) mit einem e gefdfrieben tverbett. Siefc beinaf)e Ijalbcirfcl- formigen Äugcnbccfet tverbett in altern ntebicinifd)en Süd)ern tegumenta oculo- rum-unb coopercula genannt, tvoburd) jene beutfd)c Äbleitung um fo rid)tiger er- feljeint. Sie Äranfl)eiteit, tveld)on biefe Sl)ei(e beS ätorperS aitSgefcfst ffnb, ftnb fbenfo jal)lreid) als mannigfaltig; aber aud) ber Sßufseit ber Äugcnliber tff feljr gvoft. ©ie befcljügctt nid)t nur baS Äuge gegen baS ©inbtingen ftember Äorper, 534 Äugemnafs 2fugenpflege unb reinigen baffelbe von ben deinen einbtingenben ntmofp^drifd>en S£)ei(djen, fon= bern fie maßigen auch bad $u fiaefe ©inbtittgen bed Sicf)td, verteilen bie Sf)tänen gleichförmig unb fdf>affen fie aud bem Äuge; ja fte verftärfen fogar bie Äraftbe« ®efid)td butd) bie fie begrenjenben Äugenwimpetn. 11. Äuc;enmaf 3 , f. SJfeffungen. Äugenpflege, badjenige Serhalten, welched man beobachten muß, um bad Sehvermögen fo gut, ald nach Umftänben möglich ift, p erhalten, äßet bie 1 Äugen ju feinen ©efdjäften häufig anftrengen, viel lefen, fd)retben, feine ©egenftänbe * bearbeiten muß, bat babei vorjügltd) bie 3ßal)t ber .Seit, ivann, bie 2frt, tvie man T fie gebrauchen foÜ, unb bie SÖiittel, mit tveldjen man ihnen ju ^)ulfe fommett fann, ju beobad)ten. Sie hefte Seit jurn anftrengenben ©ebraud) ber Äugen ift früh borgend, überhaupt Sormittagd unb am Sage eher als beim Äerjenlichte, Äbenbd ift bie ©ehftaft burd) bie Änftrengung ben Sag hinbutch fefon mehr er= fdfjopft. 9Jian ftrenge bie Äugen nicht lange hinter einanber an, ohne fie bajwifchett jutveilen ruhen unb ftdj erholen ju taffen. Seim ©eben muß man hinlängliche«, bod) nicht ju ftarfed Sicht haben. 3)fan hüte fid), baß bie Sichtftrahlen unmittelbar in bad Äuge fallen. Sei bem ©onnenlidjte vermeibet edSebetmann, tveil bie folgen fchnellunb auffallenb eintreten, unbedeinevorübergebenbeSäbmungbetÄugemtetvm unb fchtvarjen ©taar verurfachen bann. ÄUein auch bie ©trablen eine« Sid)td, baö öftere Stieben ind geuer ift ber ©ehbraft bed Äuged nachtheilig unb vergehet unb vernichtet atlmdlig feine Ütervenfraft. 5Ber baher viel bei Sidjt Äbenbd lefen ober I fd)teiben muß, bebiene fich eines @d)irmd vor bem Sichte ober n&h beffer am .Stopfe über bie ©tim herunter, ©ad Sidjt barf aber nicht gu fchtvad) fein, tveil bad Äuge fich babei ju fehr anftrengen muß, bie ©tragen ju fammeln. ©aber ift bad ©ätn= merlid)t gum ©eben fo nachtheilig für bie Äugen. Äm heften ift bad milbe Sicht bedSaged; nur barf beimSefen, ©djreiben, 9täl)en auf tveißem Seuche u. f. t». bie ©onne nicht unmittelbar auf ben tveißen ©egenftanb fcheinen, tveil burd) bie« ju ftarfe Sicht bie fJtervenfraft ber Dtefeh au t im Äuge ju fefjr gereijt unb baher er= fd)6pft wirb. 2Bet bed Äbenbd gu arbeiten nid)t vetmeiben bann, muß auf bie Äudtvafl ber Seleud)tung bie gehörige ©orgfatt tvenben, tvenn et feinen Äugen \ nicht fd)aben will, ©ie hefte Seleuchtung bed Äbenbd ift bie von einer guten Sampe . ' mit breitem ©od)te. 3bt Std)t ift hdl genug unb bod) milb, gleichmäßig, nicljt . flacfernb. Stöeniger gut ift bad 3öad)dlid)t; eind gibt nicht Wellung genug, mehre ; geben vetfepiebene ©chatten, tvad fdjon unangenehm für bie Äugen ift. Äm tve= nigften tauglid) ftnb bie Unfcblittlichter, theild tveil fie ein unfteted flacfernbed Sicht geben, theild tveil bad ofterd nothige spupen ber ©d)nuppe ben Ärbeiter nothigt, }u oft in bad Sicht felbft ju fepen; fSejbed ift für bie Äugen, jurnat für fold)e, bie fdjon ettvad fchtvad) ftnb, fehr empftnblid). ©ie hefte Ärt ber Seteucptung wäre bie von oben; bod) fann bied nicht Sebermann haben, tveil ed mel)t Äuftvanb macht. Äußerbem muß ber Ärbeiter bad Sicht gut Unten $anb haben unb hoch ftellen; auf biefe SBeife ift bie Seleud)tung auf bem Rapier am vortheilhafteften. ©ad 3üu= mer, in welchem man am Sage arbeitet, follte, ber gleichmäßigen Seleud)tung wegen, nur auf einet ©eite genfter haben. ©et Ärbeitdtifd) muß fo ftehen, baß bie genfter jur Unten dpanb ftnb. >fjat bad 3immer auf mehren ©eiten genfter, fo , bebeefe man bie bet anbern ©eite mit grünen SSorpängett. Äld Ärbeitdäimmet wähle man wo möglid) feind mit her Äudficpt auf eine hellerleucptete, weiß, gelb ober rotp angefteidjene Sßanb; benn Sticptd ift fd)äblid)et für bie Äugen ald eine fotche ftete überreijenbe ©nwitfung auf bie fftervenfraft berffteppaut, jumal wenn bie ©onne auf bie gegenüberliegenbe ©eite fdjeint. ©ie SttUtel, mit welchen man fcpwacpen Äugen $u £ü'fe fommen fann, ftnb erftend Stillen, ©ie grünen ftnb gewöhnlich ft ad), vergrößern unb vetfleinern nicht unb ftnb nur für fotche fPerfonen ^ nttplid), welche empfüiblicpe Äugen'haben unb viel auf weiße ©egenftänbe, j. S, Äugenpunft Äugev (Ätf;anafe) 535 Rapier, Seinwanb u. bgt. trieft, bei ftarfem 2id)te fef)cn muffen. Sie milbem Mop bic 51t ßatfc ©inwitfung beg £id)tS auf bie Äugen. Sie ergaben gefdßißenett (coiioepen) SSrittengldfer, wetd)e nad) ©apgabe ihrer SKunbung bie ©egenßdnbe oergtbpctn, fommen ben weitsichtigen Äugen ju^jutfe, weit fie biefelben in bet Straft, bie Sidßßraften fo ju Bereinigen, bafi Bon ben ©egenßanben ein beutlidßg S 3 Uij, im Äuge entfielen bann, untetßüfsen. Sag ©tag mup gerabe nur fo Biet conoepfein, atg bem Äuge Äraft fehlt, bie ©trauten jit brechen; egbatf atfo nid)t alg SSergroperungggtag auf bag Äuge witfen, fonbetn btop baju tjctfcn, bag SSitb Bon nahen ©egenßanben, bag ofne ©tag unbeutticf iß, ganj beuttid) ju mad)en. Sieg iß'bag 3 eidf>en, baß eg für bag Äuge paffenb ift. Sie fohl gefdßißenen (com caBen) ©tdfer fommen ben fursftdßigen Äugen ju dbittfe, inbem fie bag unbcutlidie SSitb Bon entferntem ©egenßanben beutlicbcr machen. Äud) biefe muffen bem fursficftigen Äuge gerabe anpaffenb fein; fie bürfen ndmlicf nur um fo Biet bic £id)tftraf)len augeinanberßreuen, atg bag furjftdjtige Äuge fte ju fef;t btid)t urib \ bafjer ju batb Bereinigt, unb burfen bafer bie ©egenßdnbe nicht Berfteinern, fon= bcrn nur beuttid) machen. SSei ber Äugtuafl einet SSrittc ift große SBorftdjt 0(1511= I wenben, trenn man feinen Äugen wirftid) babutd) felfen tritt, ipaffenbe SSrilten ! ftnb bem Äuge fefr nufclid), unterftüfjen bag @et)Bermogen unb crteid)tcm bem | Äuge bag Sehen fo fefr, baß ftd) oft ein fcfytradjeg Äuge triebet erholt. Unpaffenbe ©tdfer fdjaben, fte swingen bag Äuge," ftd) mehr anjufirengen, um triebet bem | Hefter ber ©tdfer entgegenjuarbeiten. ©in treitftdjtigeg Äuge, bem man eine ju ! conoepe Sritte gibt, troburcf) bie nahen ©egenßdnbe retgropert werben, swingt 1 man, nod) wcitficftiger unb atfo noch fd)tudd)et su werben, um büßen gefter #u j rerbeffern. ©in fursftcftigeg Äuge, bem man ein 5U concareg, bie ©egenßdnbe I Berfleinernbeg ©tag gibt, swingt man, ftd) attsußrengen, nod) futsftdßiger ju wet= ben. Ättd) mup, wer weitftcftig ß, ft cf) hüten, mit etn'et SScilte, bie ifjm nahe I ©egenftdnbe beuttid) maßt, in bie gerne su fefen; er mup, wenn er 5. 33 . nicht me^r fcfreibt ober lieft, bie Sri Ke fogteid) abtegen, ©in sweiteg ©ittet, ben Äu= gen su -f)ütfe ju fommen, befielt batin, bie 5ieroenfraft berfetben ju erfofen. SOtittelbar gefcpiefjt bieg baburd),bap man bem franffaften Stutanbrange nad) ben Äugen ©infatt ttjiit. Sie ßlerrenfraft. unb bie ©ewatt beg SStutg'ßefen big auf einen gewiffen ipunft mit einanber im ©egenfafe. 3ß bie ßferoenfraft nod) unge= fd)wad)t, fo bet)errfd)t fte bie Bewegung beg SStuteg; umgefeftt erf)dtt bag 85tut= 1 fpßcm ein Übergewicht. SSei ©cftuddje ber Äugen tritt bemnad) and) bag SStut 3 mehr nad) Denfetben; fte befommen nach jeber nur mdpigen Änßiengung ßntje, | Stoffe unb SSrennen. ©an wafche baher bie Äugen mehrmalg beg Sageg, be= I fonberg amÄbenb, mit frifchem SBSaffer, mit einer ©ifcfung ron ©affet unb ©eingeiß ober Äraf. 3ß bie Schwache mit ihren folgen fdjon bebeutenbety fo lege man Äbenbg ©ompreffen, mit einem fuflenben Ättgenmaßer befeuchtet, ober ttod) beßer, halbe fPßaumcn ober gefaulte, etwag auSgefoftte Äpfel, auch gerie= bene ober gebratene unb wieber fatt geworbene Äpfel, ober geriebene ©rbdpfet, auf unb (aße fte wenigßeng einige ©tunben lang liegen. ©. Ä. ©eKer’g „Sid-- tetif für gefunbe unb fcfwadje Äugen" (SSert. 1821). Äugenpunft ober ©effchtgpunft, in ber *Pcrfpectioe berjenige fPttnft auf ber SEafet, wo bie Born Äuge auggehenbe fenfred)te Sinie bie SEafet trißt. Äugenübef, f. Sphtfalmotogie. Äug er (Ätfanafe), gcb. su ß'atiS ben 12. Sec. 1734, ©ptacßgelebtter, war ©eißlichet unb anfangtid) fProf. ber Üihetorif im ©oltegium Bon @t.=9?ouen. Ser S3ifd)of be 9foe mad)te ihn su feinem Dberuicat unb nannte it)n oft sum ©cherj feinen Grandvicairc in partibus Athenicnsium ; fo eifrig trieb ber Äbbe bag ©tubium ber gtied). 2ftterthumcr. Sie ©ißenfehaft bewahrte ihren ©erth in feinem ©hotdfter unb Sehen, SJiitton in S)arig lebte er einfad), befd)eiben unb frei 536 SCuger (SouiS ©imon) Xugerectu »on ßerftreuung unb Sudjt, hob« ju bommen. ©in ntaßigeg Siidommen tfjeüte ec mit feiner bürftigen gamilie. fO?an fagte »on ifjm, baß er nie non einem 93icnfcf)en, unb baß nie Semanb non if)m Sofeg gefprod)en i)abe. Xlg Sllitglieb ber Xfabemie ber Snfdßriften blieb er feinen ©runbfagen ber reblid)ett Sffenlfeit fo'treu, baß et »on allen fWitgliebern ebenfo geliebt alg geachtet würbe. Ser Xugbtud) ber 9Je»o= lution mußte ben SDfann, ber in ©ricchentanb lebte unb geiftig fid) narrte, mit glübenber SSfjeilnatjme entjünben. ©t hoffte Xbftellung bet fd)reienbenfOfißbraud)e unb wahre greil)eit. Siefe ©rwartung fpricßt fid) in melden feiner Schriften attg. ©t fiatb »ot ben ©teigniffen, bie feinen ©tauben bitten wanfenb machen fönnen, ben 7. Sehr. 1792. X.’g Schriften, tl)eilg Überfehungen aug ben alten Sprayen, theild politifchen Snhaltg, finb nebft feinem literarifeben Nachlaß ju 9>ariö 1794 in 29 Sbn. herauggegeben worben. Unter feinen politifd)en Schriften jeichnen ftd) auö: „Projet d’education publique, precede de quelques reflexions sur l’as- semblee nationale'' (1789), unb: „De la Constitution des Romains sous les rois et au tems de la republique" (1792), bag Sßetf eineg 30jdhrigen gleiße«, bag erjl nach feinem Sobe mit bem übrigen Nachlaß etfd)ienen iji. 3. Xuger (üouig Simon), geh. ben 29. Sec. 1772, fonigt. ©enfot feit 1820, jugleid) SKitgl. ber Xfab. bet 3Bi(fenfd). in ^)arig, bann Secretair bet Xfab., au«= gegeichnet algÄritifer, war beg ©enfuramtg wegen bei granfreidjg Ultraliberalen unbeliebt; allein bag Xuglanb ließ ihm mehr ©ereebtigbeit wiberfahren. Unter9fa= poleon unb ber SJepublib biente er in feiner frühem Sugenb in untern Serwaltung«; ämtern, ging aber halb jut Äritib bet Sdjriften feiner gelehrten Sanbgleute unb3eit= genoffen über, wag ihm, weil et freimütig fabelte, mand)egeinbe jujog. Xber feine 9Joten haben »om Anfang an Dielen Seifall bei Senen gefunben, bie einen richtig begrünbeten Sabel ju fragen wiffen. Sie mit 0. »om 3. 1802 — 3 gezeichneten Xrtibet in ber jieitfdjrift „Decade,j>liilosophique" finb »on ihm. 3um „Journal general" unb jum „Spectateur", enblid) JUrtt „Journal de l’empire" lieferte et Seitrage unb bereicherte »iele neue Xugg. ber SBerfe älterer franj. SchriftjMer mit 9loten, bie mancheg Sunfle ober Unrichtige »erbeffern. Sie Sobreben auf Soi= leau unb ©orneille befriebigten felbfi X.’g bitterfle ©egner. Seine legten literarü fd)en fProbucte umfaßten biefPolitib im ©eiffe ber SWinijferialpartei, unb billigt man auch nid)t alle feine Meinungen, fo ad)tet man bod) bie fd)6ne ©abe berSar= ftellung biefeg Schriftftellerg. 3n einem Unfälle »on Schwermut!) enbigte X fein Sehen in ber Seine im San. 1829. Xugeteau (gierte gran?oig dharleg), ^erjog ». Cafiiglione, SDfatfcgall »on granfreich, Sohn eineg grud)thanblerg, geh. ju ^arig 1757, biente alg ©ara= binier in ber franj. Xrmee, ging bann in neapolit. Sienffe, ließ fid) 1787 in Neapel alg gcchtmeifter nieber unb warb »on ba 1792 mit f. Sanbgleuten »erwiefen. ©t biente hierauf alg greiwilliger bei ber Xtrnee in Italien unb fdjwang ftch burd) 5ßer= wegenheit unb ©inficht fchnell empor. 1794 bei ber fPprenaenatmee alg Stigabe= unb 1796 alg Siöifionggeneral bei ber Xrmee »on Stalien angejfellt, erwarb er mi= litairifdjen 9fuhm. ©r nahm bie fPaffe »on SUilleftmo, eroberte am 16. Xpril bag »erfchanjte Saget ber iptemontefet »on ©e»a, mad)te fich jum SWeifter »on ©afale, fiütjte fid) auf bie Srücfe »on Sobi unb erjfürmte fie nebft ben feinbl. Serfd)anjun= gen. Sen 16. Suni ging er über ben fPo unb mad)te bie papftl. Stuppen nebfl bem ©arbinallegaten unb bem ©eneraljfabe ju ©efangenen. 3>n ben er (ben Sagen beg Xug. bam er SRajfena ju $ülfe, unterhielt einen Sag lang bie hartnadigften @e= fechte gegen eine überlegene Stuppenjahl unb nahm bag Sorf ©ajbiglione, »on bem et feinen Jperjoggfitel erhielt. Sen 25. Slug, ging er über bie ©tfd) unb fd)lug bie geinbe big 9co»erebo jurüd. 21 lg am Sage »on Sfrcole bie ©olonneit wanften, et= griff X. bie gähne, ftürgte fid) bem geinbe entgegen unb entfbßieb ben Sieg. Sie gefeggebenbe Serfammlung fchenfte ihm (27. San. 1797) biefe gähne. Sen 9. Xug. tfugiaö 3fug$burg 537 jum S3efcf)töt)afect bcr 17.SfJtilitairbiuifton (Sit), non 9)arib) an ©eneral >£attt)’b ©teile ernannt, Bolljog er bie ©ewaltthat am 18. gructibor unb warb non bem be= cimirten gefehgebenbcn Sorpet alb bet fetter beb ÜBaterlanbeb begrubt. 1799 jum ©eputirten imfRathe ber 500 gerodelt, gab er fein Gommanbo auf; bann erhielt er Dom Gonfut SSonaparte ben Sbetbefehl ber 2Crmee in .fjollanb. Gr führte bab ftan= }6ftfch=bataoifd)e cfjeet an ben 9?ieberrf)ein, um bie Unternehmungen SJtoreau’b ju unterftüfcen, rücfte über granffurt Bor unb traf mit ben faiferl. ©eneralen Berfdjie- bentiid) mit wed)fclnbem ©lüde jafammen, bib bie Sd)lacf)t Bon cfwhenlinben ben gelbjug enbigte. 3m Set. 1801 Born ©eneral Sictor abgelojt, blieb er of)ne 2fn= jiedung bis 1803, wo ec bab bei 33aponne oecfammelte £eet gegen Portugal füf>= ven follte. Sa biefer 3ug unterblieb, ging er nad) ^)arib jutücf, tuarb ben 19.9Jfaj 1804 jumJKeichbmarfchatt unb ©roßofficietbet Ghrenlegion ernannt. SmSuli b. 5. feßiefte ihm ber Sonig non «Spanien ben Srben Satlb III. 3u Gnbe 1805 befef)= ligte er ein Gotpb ber großen 2ftmee in Seutfd)lanb, bab bie }u 93refi unter feinen befehlen Bereinigten Sruppen bilbeten. Gr trug ju ben Betfd)icbenen Gefolgen bei, roelcße ben prebburger grieben herbeiführten, unb befehle im SRdrj 1806 3Be(stat unb bie umliegenben ©egenben, bib ein neuer Stieg iijn im £etbfte be(f. 3. nad) Preußen rief. Sie in ber Sd)lad)t bei G p l a u (f. b.) erhaltenen SBunben notf)ig= ten ihn, nach granfreid) sutüctjufehren. 5n ben eeften Monaten 1811 gab ihm •Napoleon ben Sberbefef)l eineb Xmeecorpb in Spanien. Späterhin fehlte er Bon bort jurücf unb blieb ohne 2fnftellung, bib er im Sud 1813 bab in Skiern aufge= (teilte Qm nach Sachfcn führte, tuo er an ber leipziger Sd)lad)t S£f)oil nahm. 23eim Gintücfcn ber SSerbünbeten in granfreid) follte erSpon bedien. Subtuig XVIII. ernannte ihn jum fPair. 2f. hatte ftd) nach front ©turje 9tapoleonb in einer 33c= fanntmad)ung an feine 2frmee harter Xtbbtücfe bebient; baher erklärte ihn 9tapo= leon bei feiner Sanbung 1815 alb SJercdther. X fprach ftd) nid)tbbefiotBeniger ju ©unjten 9tapoleonb aub, nahm aber an ben neuen Greigniffen feinen tbätigen 2ftt= theil. 9tad) ber (Rücffunft beb Sonigb erfd)ien er wiebec in ber fPaitbfammer, faß mit unter 9tep’b 9tid)tern, tuar batauf einige 3eit ohne Xtfiellung unb ftarb ben 11. 3uni 1816 auf feinem ©Ute la $ouffaie an ber 3Bafferfud)t. 2fugia§,.f. -fjerculeb. 2fug6burg, .fjauptft. im baitifchenSbetbonaufteife, non 1276 bib 1806 eine freie 9feid)bftabt, liegt jwifd)en ber SBertad) unb bem Sed), ift enge unb un= regelmäßig gebaut, hat aber gute ©ebdube, fdjone, mit Springbrunnen Berjierte öffentliche fpiäfce, 3690 •£>. unb 33,500 G., barunter gegen 13,000 Guangelifd;c, unb ift ber Sib beb ©eneralcommiffariatb, beb 2öed)fetappel(ationbgerid)tb unb eineb SSifdjofb. SJterfwürbig ft'nb: ber 93ifd)ofbhof, tuo 1530 bie augbbutgifdje Gonfeffion übergeben tuarb; bab Stathhaub mit bem golbenen Saale, tueld)eb für bab feßonfte in Seittfcblanb gehalten tuirb; bie guggecei (106 (Keine, uon ben ©e= brübern gugger 1519 erbaute unb jttt Sßoßnung für arme Gintuohner ber Stabt beftimmte Raufer), ein Senfmal ber SSftilbthatigfeit jener teidjen augbburg. S3ür= ger; bie Somfird)e; bab 5>tafd)inenwetf, melcßeb bie Stabt mitfffiaffer uerforgt; bab^allgebäube; bab polpted)nifd)e 9fealinftitut; bab 1828 BomSonig ercid)tete fath. StubentemSeminar; bie Äunftfchule unb ©emälbegalerie (wichtig für bie beutfdje Sdjule); bab3eughaub; uiele fOtanufacturen unb gabrifen (Gafico, Seibe, ©olb= unb Silberarbeit, Stücf= unb Schriftgießerei, Uhr* unb 3nfftumenten= . machet je.). Sie Stabt treibt einen beträd)tlid)en 2Bed)fel = unb Spebitionbhanbel, inbem fie bie tuid)tigfien ©efcßdfte mit SDSien unb Italien mad)t unb jugleid) ein Stapelplatz für bie fübbeutfdjen unb Italien. Söaaren ift. Sie augbburg. @olbj= unb Silbertuaaten tuerben im Xtblanbe gefd)ü(st, unb bie fceilid) aud) fabcifmdßig behanbelte Supferflecherfunft ift ebenfallb ein einträglicher 9 f tahrungbjtBeig für bie. Stabt, in welcher man uiele Sehranftalten, $8üd;er= unb Äunftfammlungen unb 538 2fug§burgifcf)e (Sonfeffton Mugurtt gefd)icfte Äünftler aller 2fct finbet. Über 200 f)anbelSbdufet [eben jdOctirf) für 26 ©tili. ©Ibn. in SBaaten unb 2Üed)fe(n um. — Sb 2fugSburg not 'ifnfunft bet 9tömer in ber bortigen ©egenb ben tarnen Samafia geführt habe, ift nietjt ganj erwiefen; gewiß aber, baß ber Äaifet 2fuguftuS, etwa 12 Sabre». ©bt., nach ber 33eft'egung ber SStnbelicier eine ©olonie bafelbft aniegte (Augusta Vindelicorum), welche als ber «Stamm beS blutigen 2fugSbutg anjufeßen ift. 5m 5.3a£)t£>. n. ©ßr. rratb fie t>on ben Hunnen ’oerrouffet, !am barauf unter bie SSotmdßigfeit ber fram fifdjen Äönige unb warb in bem .Stiege Saris beS ©roßen mit Stjaffito oonöaietn abermals faft gdn^lid) jerftört. 9tad) ber Sljeilung beS franbifeben 9teid)S getietl) Augsburg unter bie SSotmdßigfeit ber dperjoge in Schwaben unb erfaufte, bitrd) ^anbet unb ©ewerbe bereits reich geworben, Oon biefen nach unb nad) itjre grei= beit,bie aud) fpdterf>in oon ben Äaifetn beseitigt warb. 5eßt erreichte bie Stabt ben böebfien ©ipfel ibteS SfßoblftanbeS unb war nebft Nürnberg ein ^jauptftapelplafe für ben ^anbel beS nörbl. ©utopa mit bem Süben, bis gegen ©nbe beS 15. 5^4 bie ©ntbeefungen ber fPortugiefen unb Spanier benl SBeltbanbel eine oerdnberte 9?id)tung gaben. 1368 b«tte in golge eines 2(uffianbeS ber untern SSürgerctaffen bie oorber arifiolratifd>e 9icgietung eine bemofratifebe gotm erhalten, bis 160 3. fpdter bie patrijifeben ©efd^lecbter, mit Unterftühung Äaifer ÄariS V., wiebet bie Sberßanb gewannen. — Augsburg ift noch immer ein föauptfig beS beutfdjen ÄunftfleißeS unb ÄunjtfinneS. ^)ier eritfianb 1818 ber polpted)nifd)e ÄteiSoerein. Sie 2eijtungen ber .Sun ft = unb 3nbuftriefd)u(e ffef)t man in ber 'jdibrl. Äunft = unb SnbuftrieauSftellung. (Sögt. Schaßlet.) 2Cuct) ijl hier bie ©ppebition bet „2fl(g. Leitung" (f. S tegmann), nebft bet Sd;nettbrucfpreffe beS greib. o. ©otta. 2fug§burgifcbe Sonfeffton, baS oon ben fProteftanten auf bem JReicbStage ju ÄugSburg ben 25. 5uni 1530 bem Äaifer unb 9ietd) übergebene unb ootgelefene, mit ber Unterfcbrift ber proteft. 9feid)Sftdnbe bekräftigte ©laubenfc befenntniß. fiufber batte baS ©laubenSbefenntniß auf SSefebt beS Äurf. oon Sarfj-- fen, Sobann beS SSeftdnbigen, in Sorgau in 17 2frt. abgefaßt; allein ba fein Stpl ju heftig nun, batte Philipp 9Reland)tbon baffelbe, ebenfalls auf furfürftl. SSefeft unb mit ©inwilügung ber fdmmtlid)en proteft. gürjten unb Theologen, umgeat= beitet. Sie Urfcbrift ift in bem faiferl. oftreicb- 2ltd)ioe beftnblid) unb nad; foldjer bie ju 5Bittenberg 1531 erfcbienene2fuSg. bet augSburg. ©onfeffton abgebrudt. 3» ber golge anbertc SO?eland)tbon eigenmächtig ©inigeS in berfelben ab; biefc oer= ünberte 2fuSg. erfd)ien 1540. 9tun entftanb ein Unterfdjieb jwifefen ber unoeram betten unb ber oeranberten augSb. ©onfeffion; jene tft bei ben Sutberanern, biefe bei ben beutfd;en SReformirtyn angenommen, welche fleh babureb bie ben augSb. ©on= feffionSoerwanbten im 3teligionSfrieben (1555) jugefianbenen 9techte fieberten. S.9totecmunb’S „®efcb. beS augSb. ©laubenSbefenntniffeS nebft SebenSnadjr. k." (cf)anoo. 1828). 2( u g u v n, bei ben Otömern gewiffe ©rieftet, bie aus bem gluge unb ®e= fchrei bet fßogel, aus bem SSlif^e ic. bie fjufunft unb ben SBillen bet ©öfter oet= fünbigten. Sie würben fowol in öffentlichen als ©rioatangelegenbeiten befragt, unb ihr 2Cnfeben wie if)r ©inftuf auf ben Staat waren febt groß. Sürd) baS bloße: „Alio die" („©inen anbern Sag") tonnten fie bie gortfefjung ber 5BolfSoetfamm= lungen bmbetn unb alle gefaßte ©efdjlüffe ungültig machen. 3b rc 2fuSfprücbe, fowie bie2fnjeid)en, nad; benen fie ficb richteten, würben 2fugurien genannt. Öffentliche 2fugurien waren: 1) ^)imme(Serfd)einungen, wie Sonnet unb Sßlif SJtan mertte babei auf ben Srt beS ©ntjtebenS unb 9tieberfabrenS beS a5libftrablS. Ser 2fugur begab fid) an einen erhabenen, oon allen Seiten eine freie 2fuSfid)t gc= wd£)tenben Srt (arx, templum). 9tad) oerriebtetem Spfet unb feierlichem ©ebet fe^te er ftd) mit bebeeftem Raupte, baS ®eftd)t nach Sften gefebrt, unb bejeiebnete mit feinem Stabe (Htuus) bie ©egenben beS Rimmels, in beren ©reitjcn er feine 539 2Cuguft Kugufl II. S3eobad)tungen anjletlen wollte. 3ut ßinfen waren bie glücflid)en, jur Siechten bie unglücf lidjen Knäeid)en. 2) Sie Stimme unb ber ging ber SBogel. Sie 5Bot= perfagungen berSufunft aug Beobachtung ber SSögel fiepen eigentlich Kufpi = eien unb waten fcfjon bei ben ©riechen gew6f>nlxdf), bie fte »on ben ©halbaern ent= nommen Ratten. Stad) unb nad) flieg il)t Knfepen fo pod), bap bei ben Stömcrn in Äriegk unb griebengjeiten nieptg 2Bid)tigeS unternommen würbe, opne bie sßögel, benen man wegen ipteg fleten Umf>erfIiegenS bie Äenntnip bet gepeimften Singe jufcfyrieb, ju»ot um Statt) gefragt ju paben. waren gtütflid>e ober un= glücflicpe, entwebet ihrer Statur nad) ober mit Stücfftcpt auf bie Umjldnbe, unter benen fte ftd) jeigten. Überhaupt jerft'elen bie »orperfagenben SSögel in fotdje, bie burd) ihren glug ©twag anjeigten, unb in folcfje, beten ©efang ober Stimme gt= waö »erfütibigte. Sutd) tpr ©efd)tei gaben ein 2fnjeid>en ber Stabe, bie Ärdpe, bie Stacpteule, berdpapn ;c., burd) ii)ren glug ber Kbler, bie ittöpe, ber Stabe, bet .^abiept, ber ©eiet. Sie beiben leptern waren jtefg unglücflidp; ber Tfbler hingegen glücflicp, jumal wenn et »on ber fiinfen jur Sted)ten flog; bie Ärdije unb ber Stabe waren jur Sinfen glücftid), jur Steckten unglüeflid). 3) Sag greffen ober 3tid)t= freffert ber dpüpnet; jene« bebeutete ©lücf, biefeg Unglücf. SR an bebiente ftd) bet fpüpner »otnepmlid) im Kriege, baljet t>em #eete immer ein fPontifep, einige Ku= guten unb .jparufpieeg (f. Ktufpep), neb|l bem SMattttg mit feinem ^»üf>ner= fallen folgen muffen. — Kuper biefen 3 Krten gab eg nod) gewiffe, »on »ietfüfigen Silieren unb ungewöhnlichen ©otfdllen h'ergenommene Knjeicpen, j. 35. wenn ein Spier übet ben SBeg lief ober an einem ungewohnten Srte gefehen warb, plöplid)eg Sraurigwetben, bag Sliefen, bag SSerfcpütten beg Satjeg auf ben Sifcp tc. Sie Kuguren erf[arten begleichen 3<»d)en unb lehrten babei, wie bie ©öfter wieber ju »erföpnen feien. Sag Stecht ber Kufpteien, b. h- bag Stecht, »on ben ©öttern burd) gewiffe Knjcidjen ben Kuggang einet Ärieggunternepmung ju erforfchen, ftanb nur bem Obetfelbperrn ju; bie Unterbefehlgpaber fod)ten unter feinen Kufpicien, b. h- bie SSerfünbigung, bie Sener erhalten, galt auch ihnen, unb ber glücflidhe ober unglücftiche Kuggang warb Senem allein beigemeffen. Kugujl, im röm. we(d)eg mit bem SJtdrjanftng, ber 6. SJtonat; er hieß baher sextilis, big ÄaiferKugufhtg jumKnbenfett mehret glücfl. ©reigniffe, bie ihm in biefem Sttonate wiberfahren waren, bemfelben feinen eignen Stauten beilegte. Kuguft II. (griebridj), Äurfürfl »on Sachfen unb .König bon (Polen, jwei= ter Söhn Sopann ©eorgg III., Äutfürjlen »on Sachfen, geh. 1670 ju Stegben, befap eine auferorbentlicpe Ceibegflarfe unb ©ewanbtheit; bie forgfaltigfle ©rjie- hung entwirf eite in ihm ben Sinn für alleg Schöne unb für geiflige 33efd)aftigung. Seinem Kufentpalte in granfteid) »erbanfte er jenen feinen Son, ben ©efepmadi für ßufug unb fepöne Äünfle, ber in bet golge ben fdd)ftfchett>?)of nöchft bem 4>ofe ßubwigg XIV. jum gldngenbflen in ©uropa machte. Stad) bem Sobe feineg 23aterg ging er 1691 nad) SBien, wo er mit bem ©rjpetjog Sofepp, nadjperSofepp l > eine enge greunbfepaft fcplop, bie ihn lange an Öftreid) feffelte. Surd) ben Sob feineg altern SSruberg, Sopann ©eorg IV. , 1694, warb et Äurfürjt. K(g folcper übet= nahm er 1695 ben .Oberbefehl beg öftr. .fjeereg gegen bie Sütfen, welche in Sie= benbürgen einjubtingen brohten. Sw Jperbft 1696 »erlief er bag $eer, um 50?it= bewerbet beg burd) SopannSobiegfi’g Sob erlebigten polnifcpenSptong ju werben. SetKbbe »on S^olignac, fran^. ©efanbter in SBatfchau, fud)te ben S)rinjen »on ©onti auf ben poln. Shton ju bringen. Klleg fd)ien biefen ju begünfligen, alg So= hann ^rjepenbowigfi unerwartet ben Äurfürflen »on Sachfen »ermodpte, alg SJtit= bewerbet aufjutreten. Sie ©rften beg Steidjg unterftü|ten allerbingg ©onti, aber K. jlanb mit einem ^eete an ben ©renjen. ©t hatte ftd) burd) ben SSetfauf mehret Stedjte unb Knfprüdje in feinen beutfehen Staaten ©elb »erfchafft, um Stimmen ju erlaufen, unb nahm ju 33aben in Ojlreich (23. SJtai 1697) bie fatt). Steligion 540 Xugujl II. an. ©ec9ieid;Ptag oerfammclte fiep ben 25. 3uni 1697. 2fm 27. Ijattc eine hoppelte [ffiapl flatt. X bcEraftigte bie [einige baburd;, baß ec mit 10,000 ©ad;fcit in iPolen einrücfte. föejlecpung unb gurd;t bienten ipm unb trugen ben (Sieg über fPolignac’P geinpeit baoon. ©o warb X am 15. ©cpt. in ÄraEau geEtont; Cfoiiti inufte ©anjig oetlaffen unb nacp gtanEreicp jutücEEepten. X patte bei feinet Sptonbefleigung oerfprod;en, bie abgetretenen fProoinjen toiebec mit bcm 9lcicpe ju oereinigen; ec oerbanb ft cp bapec mit ©dncmacE unb bem [Peter I. gegen ÄatlXlI., Äonig oon ©cpweben, um Sieflanb wiebcrjuerobcrn. (SSgf. JDltoa.) Xiein bie SSelagetung oon 9Jiga, baP bec ©raf oon ©alberg oertpeibigte, jog fid; in bie Sange; ba fiep nun bie ©eneraljlaaten toegen ber oielen SBaaren, toelcpe bie bpollanbet infRiga patten, bei X für bie ©tabt oertoanbten, fo benupte berfelbc biefeit SSotioanb, um bie SSelagerung aufjupeben. ÄarlXlI. patte ttamlid; ben Äonig oon ©anemarE unter ben SUauern oon Äopenpagen gefd)lagett unb (18. ?fug. 1700) ben gtieben oon Scaoenbal mit ©dncmatE gefcploffen, pierauf bie 9utf[cn beifRaroa gefd)(agen, unb wollte nun in [Polen einbeingen; X niupte bapcc an feine eigne fßertpeibigung benfen. ©t feplop mit [Peter jtt Siefen (8. SJlarj 1701) ein neuep engeP Sünbnip. ©o entjlanb jener mecEioürbige 20jdprige norbifdje Ärieg, in weld;em X XleP tpat, waP bie Ärafte feineö Staat® oermoepten. patte mit feinen treuen ©ad;fen ebenfoiool bie polnifd;e 9Bibetfeplid;Eett alP bie fcpwebifcpe SapfecEeit ju beEämpfen. Äatl, burd; feinen SJfinifler, ben ©rafett o. ^iper, gut becatpen, nannte X einen Sptonrdubet unb trennte beflanbig bie ©aepe bec SfepubliE oon ber beS ÄonigP. X erpiclt baper oon [Polen feine wefent« lid;e Unterflüpung. ©ein .Speer, baP aup 20,000 SOf. ©aepfen unter bem gelb» marfepaü ©teinau bejlanb, warb (19. Suti 1701) an bet ©üna gefd;lagen. ©er Sieger, im SScftp Oon Äut= unb Sieflanb, fapte ben ©ntfd;(uß, X burd; bie [Polen felbfl enttpronen ju taffen. fBergebenP fepiefte X bie ©rafüt ÄonigPtttatf, feine SKaitceffe, an Äarl, um einen günjltgen gtieben ju bewirfen; ffe toarb nicht ein« mal oorgetaffen, unb alP ber polnifd;e fPrimaP felbfl inP fcpwebifd;e Saget ging, um Unterpanblungen ju eröffnen, erflarte ipm Äarl, bap er ben [Polen nid;t eper gric« ben geben toerbe, alb biP fte einen anbern Äonig geroaplt patten. @o begann ber Äarnpf aufP neue, ©ie beiben $eere trafen fidp bei Äliffow jwifdpcn SBatfd;au unb ÄraEau; X patte 24,000 9)1., Äarl nur bie dpa 1 fte; allein gleicp beim Xt« fang bep ©efecptP toupen bie ^Oolert, unb ungeaeptet ber SapferEeit ber ©ad;fen unb X’P Unerfcprodenpeit erfod;t Äarl einen oollflanbigen ©ieg (20.3uli 1702). ©t eroberte ÄraEatt, flütjte aber mit bem [Pfetbe unb oerrenEte fid; beit guß. ©a« burep geioann X Seit/ um fid; neue grettnbe in s polen ju maepen. ©er 9)fini= fler, ben Äaifec Seopotb auf ben 9leicpPtag gefepidt, unterflüpte ipn ebenfallP, unb fo toarb ipm eiit.£jeer oon 50,000 SU. unb ben Unjufciebenen eine fed;Pwo= d;entlid;e grifl juc Unterwerfung jugeflanben. Xlein Septere patten in 5üarfd;au eine ©onfoberatiott gebilbet, bie Äarlit ju unterflüpen im Segriff flanb. ©iefer patte fid; oon feinem ©turje ecpolt unb fd;(ug bcn 1. SJlai 1703 bie 9?eflc beP fdd;fifcpen $eereP bet [PultuPE. hierauf eroberten bie ©d;toeben Sporn, unb ber ju SBarfd;au oerfammelte 9feid;Pratp erEldrte am 14. gebt. 1704 X für tin« fapig, bie polnifcpe Ärone ju tragen, ©ie offentlidpe SJleinung unb ÄarlP SBille bejeid;neten SaEob ©obiePEi jum Sprone; allein SaEob warb nebfl feinem Srubec Äonjtantin, alP fte in ber ©egenb oon SrePlau fiep auf ber 3agb befanben, oon 30 fdd;fifd;en 9icitern überfallen unb alP ©efangene itacp Seipjig gebraept. Sept bot man iprem britten Sruber Xcpanber bie Ärone an; allein biefer lepnte fic ab, unb man wdplte nun am 12. Suli 1704 StaniPlauP SefqinPEi, SBoiwoben ooit Stofen. X oerfud;te halb naepper, and; biefett in 5Barfd;au, baP nur mit 1500 Sßann befept war, aufjupebeit, waP ipm aber miplaitg, obgleid; er bie fcpwe« bifepe Sefapung ju ©efaitgenen mad;te. ©er Xijlrengungen X’P unb ber ipm 541 3(ugufl II. von 9-Vfer }ugefd)icftcn .fjülfe ungeachtet, ftegfe Äarl i'tbcr alte ^irtberntffe, unb ber fcgweb. ©eneral 9ii)enSfi6rb erfocht bei graujfabt bcn 14. Sehr. 1706 einen »ollftdnbigen Sieg über ben facgf. gelbmatfd)all ©rafeit ©djulenburg. Äarl brang in @ad)fen ein. 3f., ber in EPoten beim ruffifcgen £eete geblieben war, fühlte bie fJlotgwenbigkeit, grieben ju fchliegen: allein ^Deter wollte »on feinem grieben wif= fortj baher mußten bie Unterhanblungen geheim bleiben. (©. Ti ttranflabter griebe, ben 24. ©ept. 1706.) Unterbeffen swangen bie Oiuffcit, bie »on bem Wien nid)tg wußten, '11., bcn fcgwebifdjen ©eneral SRarbcfelb anjugreifen. Sie= fer hielt bie »on 7(. ihm insgeheim gegebenen SBinfe für eine ÄriegSlift, unb 7(. er= fod)t bei Äalifd) einen auggcjeidjneten ©ieg, jog triumpgirenb in Söatfdjau ein unb ließ eben baö Te deum fingen, als man ihm Äarlg SSebingungen überbrachte. @o fehr W. »erfliegt fein mochte, »on biefem glücklichen Vorfälle SBortgeil su siegen, fo war bod) berßeitpunkt baju nicht mehr ba. ©acgfcn wäre bei bergortfegttng beS Kriegs auf jeben gall »crheert worben, ©r betätigte alfo ben Vertrag unb befud)te Äarl am 18. Sec. 1706 in feinem Säger ju Ifltranjfdbt. Um feine Semütgigung 1 »olljidnbig }u madjen, nothigte ign ber Sieger, ©taniglaug mit einem ©lückwün= fcgungSbriefe bie Suweleit unb bie Ifrcgioc ber Ätonc $u überfenben. 2f. !egrte nun nad) SteSben jurücE, wo er halb nachher »on Äarl unerwartet einen SSefucg erhielt. Ser ©raf »^ glemming, erfker Sftiniftcr beS Äutfütffen, rietl) igm bei biefer ©e= legenheit, fiel) ber $Perfon feineg geinbeg ju bemdd)tigen; allein 21. »erwarfmit Unwillen biefen 85orfcglag. ©r befdjdftigtc fiel) nun eifrig mit ber innen: 83erwal= ! tung ©acgfenS; feine iPraditlicbe 50 g ihn jebod) ju »ielen WitSgaben hin, woburd) bie ginanjen beö SanbeS jerrüttet würben. 1708 wohnte er unter frembem 9famen bem gelbjug in ben Dlieberlanben gegen bie granjofen bei. 1709 fal) er fiel) nad) fPolen jurüefberufen. Äarl XII., bei fPuttawa gefd)lagen, fonnte ©taniglaug nicht mehr fd)ügcit, unb glemming bearbeitete bie fPoten, um fie unter W’S fdjaft jiirfitfjubringen. 2 f. hob nun ben Süractat »on Ifltranfiabt auf unb ging mit einem cf)eere nad) ^Polett, wo er gut aufgenommen warb; er »erfünbete ben Kn- fl gangern beS ©taniglaug allgemeine aSerjeihung, »ermodjtc ben *Pap)f, bie 9)olen 1 it)reö ©ibeg ber Streue gegen biefen gürfien ju entbinben, unb fuegte burd) eine offentl. S5efanntmad)ung ftd) über biefe ©egritte $u rechtfertigen.. 7(. kam jegt auf feine beiben Sieblinggptane jurücE: ftd) an Schweben ju rdegen unb bie spolen fid) ju unterwerfen, ©t »erbanb fid) aufg neue mit speter ju Shocn. Sarauf liefen > beibe 9)?ouardien, in ^Bereinigung mit Sdnemark, Struppen in Sommern einrüefen. über ungeachtet ber ©rfd) 6 pfung, worin fid) ©djweben befanb, fegte eg biefem Wigriffe lebhaften Süiberftanb entgegen, unb am 20. Sec. 1712 erfodjt ber fchweb. ©eneral ©teinbock bei ©abebufd) einen gtdnjenben ©ieg über bie SBcrbünbeten, i»eld)e bie ©clagmmg »on ffiigmar unb ©tralfunb aufheben mußten. Sie 25eWe= gungen ber Stücken unb SPreußenS ©inmifegung, bag Sommern gefegte, befegaf; tigten im folg. Sagte K. unb *Peter, big 1714 in S3raunfd)weig griebengunterganb= lungett eröffnet würben. Sie übertriebenen Ifnfprüdje llller ließen nur geringe Hoffnung ju einem glücfliegen Ifuggange, alg Äarl XII. auf einmal in ©tralfunb erfegien unb ben Ätieg eifrigft fortjufegen befdjloß. ©in neuer SSunb, »on bem 71. ber »ornegmfle Stifter war, bilbete fid) gegen Äarl. ©tralfunb ergab fid) am i 11. Sec. 1715. ©djweben fegiett feinem Untergange nage ju fein. Ifberbeg , ©rafen ». ©orj Äluggeit, ber mit Siußlanb Unterganblungen anfnüpfte, brachte ]" Uneinigkeit unter bie 2Jerbünbeten, unb ^»eter wollte eben fid) mit Äatl gegen 2l'. »ereinigen, alg ber 5Eob Äarlg 1718 ber ©adie ein ©nbe madite, worauf 3f. mit ©d)Webeit 1719 einen SBaffenflilljlanb fcgloß, welcher 1732 in einen grieben »er= 1 Wanbelt würbe. Sarauf bilbete fiel) in EPolen gegen bie fdd)fxfcgen Struppen eine Confobcration, an bereit ©pige Sebefttgfi, ein ©beimann, jfanb. Sie ©aegfen ? fugen fiel) auf allen fünften angegriffen unb mußten fid) ergeben, ©nblicg warb 542 XugujI III. burd) tyeterg Setmittelung 1716 bet tuacfdEjauec SJSccgteirfj jt»ifcben X unb bet 9?epubtif gefd)loffen. Die fadjftfrfjcn Struppen »erliefen bag Äonigreid), unb X, Setjid)t leiftenb auf bie ffbee, bie Nation mit ©eroatt untermürftg ju meinen, fagt ein berühmter ©efd)id)tfd)reiber, fud)te non jegt an feinen gmeif burd) anbre SKittel ju erteilen. ©r gab ftd) ganj bet 2Seid)(id)feit unb bem 2Bof)lleben bin. ©ein ^)of mar einet bet gldnjenbften unb gebitbetffen in ©uropa. Die ipolen, beten j ©itten ftd) überhaupt jut Xtgfcbroeifung binneigten, ergaben ftd) nur ju fef)t bem j gefährlichen Seifpiele i^reö Äonigg, unb trenn gtofe @taatgbet»egungen bie etffen JRegierungSjabte bejeidjneten, fo bemerfte man in bett legten 3f. gtenjenlofe Üppig: 1 feit unb ©itteneerberbnif. Statt tieft nod) jegt mit ©rffaunen bie Sefdjreibung bet I »on X gegebenen gefie. Xtd) erzählt man, baf et ein Dragonerregiment für 12 fPor^etlanoafen an ben Äonig gtiebrid) SOßilbetm »on fPreufen übetlaffen gäbe. gm bejj t»arb X »on feinen Untertanen febt geliebt; er behauptete mit Söütbe feinen Slang unter ben eutopdifdjen 9J?dd)tcn. gn feinem ©barafter roed)felten gropmm ti)ige ©efinnungen mit begpotifd)en ©etuobttbeiten, ©efd)macf an Vergnügungen mit ben ©orgen beg ©brgeijeg, nnb Untube ftiegerifeber Steigungen mit bet 3Beid)lid)feit eineg tuollüftigen ?ebeng. Der Stob überrafd)te ibn mitten unter gelten unb ©nttoürfen. Xg et nad) SBarfdjau ju einem Steidjgtage reifte, fam bet Stanb an eine fteilte SBunbe, bie et. am Änie batte; et ftarfe bort am 1. gebr. 1733 unb tuatb in Ärafau begraben, ©eine ©emabtin, ©briftine ©betbatbine, Stodjter beg Sttarfgrafen »on S5ranbenburg = jtutmbacb — bie lutberifd) geblieben mar—, bmterlief ibm einen einzigen ©obn, gtiebrid) Xtguft; bagegen batte er »on feinen SDtaitreffen eine grofe Xtjabl Äinbet. Die ©taftn »on Äöniggmarf batte ibm .ben betübmten Sttorig »on ©aebfen geboten. (Sgl. Gofel, ©taftn.) i %uguft III. (gtiebticb), Äurfurft »on ©aebfen unbÄonig »onfPolen, ©obn Xtgujfg II., geb. ju Dregben 1696, folgte feinem Sätet 1733 atg. ( Äurfürft. ©c= gen ©nbe beff. g. t>erfud)te Subroig XV., ©tanigtaug Seftjingfi, mit beffen 3tod)ter er ftd) »ermdblt batte, mieber auf ben potnifdien Stbron ju bringen; abet granfteicb trat ju entfernt, um jut Unterftügung bet SBabl Struppen genug nad) *Polen fcpaf; fen ju fonnen. ©in Sbeil beg polnifd)enX>eIg trennte ftd) »om Söabltage, unb um terftügt »on eine-m tufftfd)en ^teere t»arb 2f. III. junt Äbttig gerodet, jebod) erft 1736 in bem t»atfd)auet griebengeongtejj attgemein atg Äonig anerfannt. Dbgteicb ot)ne bie gtoften unb liebengnutrbigen ©igenfd)aftm feineg SSaterg, folgte et bennod) in duftem Dingen ganj beffen Seifpiele, tnbem auch et ftd) burd) gldnjenbe gefte unb | eine augfd)t»eifenbe Hofhaltung augjeicbnete. 2Cuf ©ematbe unb auf bie Unter; baltung feinet ©apelte »ermenbete er ungeheure Summen, ©eine ßeibenfdjaft mar bie gagb.‘ Die Stegierunggforgett übetliep er feinem erften SOfinifier unb ©ünft= tinge, bem ©rafen ». Srttb l (f. b.), ber gefd)icft genug mar, ben fd)t»ad)en, aber ftotjen unb auf feine SBütbe eiferfüd)tigen SEJ?onard)en in bem ©tauben ju erhalten, baf er allein bie t)dd)fie ©eroalt augübe. SBag Seiber politifdjeg ©pfiem antangt, fo hatten fte üeitt anbreg atg gdnjticbe Xbdnaigfeit »on 9{uptanb. 2f. jog ben 3(ufentbatt in Dregben bem in 9Barfd)au »or, aber burd) feine lange 2tbi»efenbeit aug ^oten »erfanb bie Regierung biefeg ?anbeg in gdnjticbe Untbdtigfeit. Sfiematg iparen bie jährlichen 9ieicf)gtage unruhiger, aber aud) nie smeeftofer burd) ben um beugfamen ©tarrftnn ber SOfitgtieber, bie faft immer ber unbebeutenbfien S3or= tüänbe t»egen augeinanbergingen. 2f. l»at jufrieben, t»enn er nad) bem geliebten @ad)fen jurücHebren fonnte, unb fo blieb 30 igabre jeneg grofse 9fcid) faff aanj ohne 23ert»altung. Sei biefer Sermtrrttng fdjien ^)oten bennod) jufrieben unb glücf; Kd). Xg abet griebrid) II. ©cbleft'en erobert batte, »etbanb ftd) X, burd)biefe fcbnelle Sergtoperung ^reupeng beunruhigt, im Dec. 1742 unb am 13. SJlai 1744, unb in bem Sractate ju 2eipjig »om 18. SDtai 1745, mit ber Königin ». Ungarn. 6r uerpfTicbtete ftd), biefer »ermittelff ber ©elber, t»eld)e ©nglanb unb 543 Xuguft (*g>ei*jog »on = ©otf;a) .fjollanb ihm jablen wollten, 30,000 SK. £ülfbtruppen ju (Mett, unb lief fotdfje in @d)(eflen einrüden, mo fle fid) mit bem offteid). .f>eere Bereinigten, aber bei Sj ot>ert= fciebberg (4. 3uni 1745) eine gartslicfje Kiebertage erlitten. gtiebrid) griff jegt @nd)fen felbfi an, unb bergurff Seopolb »onSeffau frfjtugbeiÄeffelbborfunter bcn SKauetn «on Srebben bab fdd)flfd)e >£>eet abetmalb am 15. Sec. 1745. X verlief feine ^»auptffabt unb rettete feine ©emdlbe unb Porjeltane, »ergaf aber bie @taatbatd)ioe, bie in bie djdnbe beb ©iegetb fielen. Stttd) ben gtieben ju Sreb= ben (25. Sec. 1745) erhielt X im ndd)ffen Saljre ©adffen jurücf. 1756 fab er ficb aufb neue in einen Ärieg mit Pteufen »ermidett. Sa gtiebrid) feine Keutrati= tdtbvörfcfldge ablcfjnte, «erlief et Srebben am 10. ©ept. unb begab ftd) inb Säger bei Pirna, mo 17,000 SK. fdd)flfd)e Sruppen »erfammelt mären, gtiebrid) fd)lof gier bie ©adffen ein, bie fld) am 14. Set. ju ©efangenen ergeben muften. X flüchtete auf ben Äonigbftein unb fpaterbin nad) Polen. — ffner, mo fein Xffeben fdjon »orber nid)t fet)r geachtet mar, fanf eb nach bem SSetluffe ©ad)fenb noch tie= fer. Äatbarinab ©elangung auf ben ruffifd)cn Sl)ron marb für ifjn eine neue Üuelie »ielen SSerbruffeb, ba bie gtofe Äaiferin bie fddffifd)en gürffen, meld)e S3er= biinbete gtanfreid)b gercorben maren, auf alle SQSeife »om polnifd>en SEfjrone ju ent= fernen fudffe. 6b mar baf)er faum ber ljubertbburget griebe gefdffoffen, alb X non Pkrfd)au nad) Srebben jurutffefrte, mo er aber fdjon am 5. Set. 1763 an einem 2(nfalle non ©idff, bie ifjm in bie SSruff trat, ffatb. Xrd) er tjatte, mie fein SSa= ter, oor feiner ©elangung jum polnifcfen Sljrone (fd)on 1712) ju 33ologna bie fa= tbo!ifd)e Keligion angenommen, ©ein ©ol)n, gtiebtid)6f)tiffian, folgte tl)m alb Äurfütff »on ©adffen, unb ©taniblaub Poniatorobfi alb Äonig »on 'Polen. 2fuguff (6mil Seopolb), ff)erjog ju ©adffen = ®otba unb Xtenburg, ber 'fünfte Kadffotger 6tnff beb grommen, ©tammoaterb beb neuern ©. = ©otf)afd)en ©efammtl)aufcb, ein burd) ©eiff unb 6l;arafter aubgejeid)neter gürf}, ©ofjn ffrnftb II. unb 6l)atlotte Xnatiab, einer Prinjeffln »on ©. = SKeiningen, gcb. ben 23. Ko». 1772, ffubirte feit 1788 nebff f. jungem Sruber (unbKadffolget) gtieb= rid) in ©enf (mo bie tutl)crifd)e ©emeinbe unter bem ©d)ufje ber ff)erjoge »oti ©o= tlja ffel)t, bie aud) ben Ptebiger berfelben ernennen). Kad) f. SRücffeljr 1791 bb rte er SSorlefungen über Pbilofopbie, ©efd)id)te, PolttiC' unb Siteratur. ©eit biefet Seit, alb er ftdj felbffdnbig fifflte, fcl)ienen f. Xilagett in ifrer 6igenttjumlid)feit beroorjutreten. griffet ffanben f. auf meibtiffen S3erfef)t, Pug unb reeiblicfe ©piele geridffefen Keigungen mit ber Sebenbart f. ernffen äkterb in grofem SB3iber= fprudje. Sie uon ber früf>crn 6rjief)ung unzertrennliche Kegelmdfigfeit, welffe ge= roiffe ©efcf)dfte an beffimmteßeiten binbet, miberffrebte f. Katur, fomic ftd) biefe aud; nid)t mit ben gertigfeiten unb SQJiffenfdjaften befreunben modjte, bie nur burd) anfaltenben gleif gemonnen metben fonuen. ?(ucl) l)ierin ffanb er f. S3ater gegen= über, bem orbentlidjften unb regelmafigffen SKannc f. Sanbeb, beffen Keigungen fid) »orjügtid) auf biejenigen S03iffenfci)aften geridffet batten, in benen fein ©ol)n feine gortfdjritte mad)en mollte. Suri^ biefen ©egenfab mürbe bibroeilen bab gute Pernefmen jmifdjen Sßater unb ©ol)n geffbrt. 1797 »ermaflte ftd) ber 6rbprinj mit Souife 6t)artotte, Prinjeffln »on Kfecflenburg = @d)merin, »erlot fle aber in ifrem erften PSodjenbette, mo fle ifm eine S., bie je^t regier, ^erjogin »on @.=Äo= bürg, geboren batte; b' el ' nu f 1802 mit dtaroline 2fmalia, Prinjeffln »on ^)effen= faffel, melcbe ©b e finberlob blieb. 2(m 20. 2fpril 1804 trat er, nad) bem 3(bleben f. Sßaterb, bie Kegierung an, moju er bereitb burd) Sbeilnabme an ben ©efduiften beb gef). SKiniffetiumb eingemeil)t morben mar. Unücrr/tcft blieb er 18 3mb r ? b' 11; burd), in einer ffürmifd) bemegten 3eit, bem ©pjlem einer geo.rbneten, gerpdjten unb milben Söermaltung treu, melcbeb in f. Sanbe feit 6tnff bem grommen, bem Urbeber ber SSlütbe beffelben, un»erbriid)lid) befolgt morben mar; unb ohne bie me= fentlidien 6inrid)tungen beffelben ju dnbern, fegte er ihnen bennod) SJieleb ju,.mab. 544 tfugufi («gjerjog »on <3. = ©offxx) ©ewerbe, Sicherheit .unb SebengglücE beförberte. Saber blieb — renb bcr Hetjog für bie eigne Sfonomie allju wenig Sorge trug — ber Gtebit beg 2anbeg auch in ben fd)Wierigften Seiten ungefd)Wad)t; ber ©ot)t|fanb beffelben oer-- mefjrte ftrf); bie gelehrten unb Unterrid)tganfiatten alter 3frt blühten auf; bie alten roiffenfcbaftlidjen unb ilunftfammlungcn würben anfefjnlid) »ermebrt, neue binju= gefügt unb bem ©ebtaud)e geöffnet; bie Stabte oetfd)6nert, bie 2anbftrafen oetbef fert unb neu aufgebaut. SSiele 33etfd)6netungen gingen t>on bem Hetjoge aug, ju anbern bot er bie $anb, unb wie er ftd) felbft ju fcbmücfen liebte, fo fal> er fiel) aud) gern in gefd)inücften unb freunblicfym Umgebungen, unb 9ficf)t6 burfte untergeben, | wag bag Sanb jierte, bie SSilbung ber ©inmobner forberte unb feinem gütffen ©bre ' brad)te. Sag SSerbicnft biefeg Strebeng würbe burd) bie fcfjtuicrigen SSerbaltniffe erhobt, in metetje bag 2anb feit bem Ätiegefftapoleong in Seutfchlanb 1805 geriet!). fPreufen jog bamalg einen Sid;erbeitgcorbon, bei welchem auch bic 2anbet beg Her= jogg befefct würben. Sag Hauptquartier beg ©eneralg 0füd)el mar in ©ott>a. Ser ©eift, meldjer bei biefem Steile beg preup. Heereg einbeimifd) mar, bie 31nmapim= gen ber jungem Sfftciere unb mand)e unbebad)tfame 'gfuferung oon bev>otfieben= ber föefibnabme gab föeranlaffung ju SSerjfimmungen, bie auf bie politifeben 2tn= ftdjten beg Hetjogö ©influp gewannen. Sie33emunberung beg Siegerg t>on'gfufter= liß, in bem er fd)on früher ben Seforberer ber SBiffenfdjaften unb Äunft geehrt batte, rip tbn fort; unb mie in früherer Seit feine ©ropmutter, bie geiffreicbe 2ouife Sorotbea, nidjt ohne ©efabr, ben gropen ©igenfdjafren gtiebrid)g II. gel)ulbigt batte, fo bulbigte er bet ©rope fjfapoleong, nid)t ohne SSBibetfprud) feiner Umge-- bttngen, aber jurn SSeffen beg 2anbeg. 5Kit unerfd)ütterlid)em SSertrauen auf bie ©efinnungen beg franj. Äaiferg bef>arrte er barauf, feine fRefibenj nicht ju ocrlaf fen, unb gewann, alg er in Stegben ftd) unb fein 2anb ihm empfahl, bie ©nnfl beg'Siegerg burd) bie gurdftloffgfeit feineg SSetrageng, bie 2fnmutb feiner 0?ebe, feine treffenben Antworten, unb ohne Smeifel aud) burd) ben 2fugbtucb ber aufricb= tigen SSemunberung, bie er für ihn empfanb. ©rlaffung ber ©ontribution unb fdf)o= nenbeS5el)anblung beg 2anbeg waten bic güitfligen folgen. Sa nun aud) bie offene lieben S3eb6tben ben übernommenen S3erpflid)tungen gemiffenbaft ©enüge leijieten unb jugleid) bag 2oog ber Untertbanen auf alle SBeife erleichterten, fo blieb big jttm Umffutjc beg Äaifertbumg bag freunbfd)afttid)e fßerbaltnip mit ber franj. 9iegie= rung, fomie bie Sufriebenfjcit ber ©inwobnet beg 2anbeg mit ihrer eignen ungejfört. Sn einem Settraume »on 8 Sahnen mar SSecEer'g ©ntfül)rung burd) bie Satelliten 1 beg fPtinjen von ©cEmübl ber cinjige ©emaltfireid), über ben bag 2anb Älage ju führen gehabt bat. 3tt>ar blieben beg Herjogg 33emübungen beiSaoouft felbft ohne ©rfolg; alg aber Napoleon oor ber Sd)lad)t bei 2ügen an ©otba oorttberfam, be- muffte ber Hetjog ben günftigen 21ugenblitf, führte 33ccEet’g grau an ben SSageit beg Äaiferg unb erhielt auf ber Stelle bie ^Befreiung beg in SJfagbeburg ©efain - genen. 3fud) bei bem Üiücfjttge ber franj. Heere nad) ber Sd) lacht bei 2eipjig blieb ©otba »erfrfjont. 9lid)tg mürbe im 2anbe »erlegt, alg mag bringenbe fJlotb gebot. Ser Heejog felbfi octliep feine 9feftbenj nicht, bie mehr alg einer Familie jur fiebern greiftatt biente. Überhaupt mttebe ber Heejog, meldjer bie ©unfi beg Äaiferg nie ju feinem perfonlicfjen 9Sortl)eil benugt hatte, ooit 2fl(en mit Achtung bcbanbelt. 9fad) mieberbergeftelltem gfieben erntete er für bie muffer()aften, jur fBerpfle-- gung unb gortfd)affung ber Sruppen getroffenen 6inrid)tungen ben Sauf ber 5f?onard)en nid)t weniger alg ben feiner Untertbanen ein. 2f!g hierauf ffi\p ernten bie greife ber notbmenbigflen SÖebürfniffe ju einet ungewöhnlichen Hotje hinauftrieben, unb SSiele ben Ärieg mit feinem lebhaften SSerfehr unb bie ©ontü nentalfperre alg bie frudjtbare fWutter blübenber ffabtilen jurücEmünfdjten, l) ntt e ber Herjog, inbern er fid) ber ?fnfobetung einer grudjtfperre ftanbgaft miberfegte, bie greube ju feben, bap fid) bie greife in feinem 2anbc niebeiger alg in ben gefpetr= 545 2ütguj! Ofjeräog üon <3. = ©otfya) feit hielten; unb ba (ugleicß Sttcßtg unterlaßen mürbe, mag bag ©cßir fid) in biefcmßeiträume ber ffioßlftanb beg Sanbeg gehoben unb bie öffentliche SScrmaltung »erbeffert hatte, ©cßon öffnete fid) bie 2(ugftd)t auf forgenfreiere SEage, als ber fjterjog, ber nie etnfr= (ich franf gemefen mar, ben 17. SWai 1822 in ber Slüthe feiner Saßre einer furjen Sruftbranfßeit unterlag. Sbgleid) alg Äinb »on ftdnflicßem 2fnfeßen, ubetmdfjig blonb unb blaß, hatte fid) fein Äötper bod> in ben Saßten ^ er ^ e 'f c glüaut, neigte ftd) jur meiblicßen 9latur. ©ein ©eftcßt mar fd)mad); butch eine 2trt »on Ahnung bemerfte er jebod), mag jiemlich meit »on ihm gefrfjal). 2Bag er einmal in bag 3fuge gefaßt hatte, prägte ftd) ihm unauglöfcßlidb ein, fobaß er nach Saßren noch bie Eleinften ©igentßümlicßfeiten einer ©eftalt, einer Socalität ober eineg Äunftmerfg anjugcben im ©tanbe mar. Sa et »iel lag unb feiten ©tmag »on Sem »ergaß, mag er gelefen ober gehört hatte, fo befaß et eine große SJtenge »on Äenntniffen, ohne fich barum bemüht ju haben, tibermiegenb in ihm maren fPhantafie, ©emütß unb ein lebenbiger, oft fpielenber, bigmeilen auch ficdjenber 2Big. ©r legte ftd) felbft ein auggeseidßneteg Si»inationg»crmögen bei, unb mie oft ihn auch babei ferne ©inbilbunggfraft getaufeßt haben mag, fo mar boeß nidit }u »erfennen, baß er SSieleg mehr jener Äraft alg forgfdltiger Seobacßtung »er- banfte, unb baß j. 33. fein fchnelleg unb ftcheteg 3fuffaffen bet ©igentßümtidhfeiten Jfnbtet aug eben biefet SHuelte entfprang. Siefe ©igenfd)aften, »erbunben mit einem lebhaften ©treben ftd) mifjutßeilen, machten feinen Umgang anjießenb, unb eg mag ihm feiten mißlungen fein, ba ju gefallen, mo er eg münfeßte; aber bie große Sieigbarfeit feineg ©ernütßg fegte ihn ben SSerffimmungen unb fcßnellem ffiecßfel ber Saune aug. ©eine ©ebulb mar fdhnell crfd)6pft: bann ging feine Seh* ßaftigfeit in fteftigfeit über; aber fein 3otn mar furj. Sejfdnbigfeitinperfönlidjen Steigungen rechnete er ftd; jum 9?ußm, unb er bemahrte ben äußern ©dßein bet= felben, auch menn ißr innereg Sehen abgeftorben mar. Unter ben ©igenfeßaften, bie ben ©tenfeßen fcßmücf en, gab er gefälliger 2fnmutß ben Sorjug. greigebigfeit big jum Übermaß feßien ißm eine ber fürftlicßffen SEugenben. Ser .ftetjog unter= hielt mit einigen greunbinnen, meßr nocß alg mit greunben, einen regelmäßigen 83tiefmed)fel. 2flle feine SSriefe ßabett ein originaleg ©eprdge, unb mie fte leer »on ©adjeit unb ©reigniffen finb, fo flnb fte »oll »on ©ebanfen unb tibertafdjenben SBenbungen. fjatte ein dußeteg Sebürfniß bie SSeranlaffung baju gegeben, fo »er= feßmanb biefe halb unter bemhößetnSebürfniffe, feiner fPßantafle oberbem ©trome beg SÖäigeg unb ber 3febe in ftd) Suft ju machen. Saßet mecßfelt aueß SEon unb gatbe feiner SSriefe meniger nad) ben ^etfonen, an bie fte gerichtet ftnb, alg nach feiner eignen Saune; oft ßat er mit ßöcßft berebten unb reich auggeflatteten SStiefen SKenfdßen (SStobeßanbler jum Seifpicl unb ^taarErdugler) beeßrt, benen bie Gigeu= thümlicßfeiten beg fürftlicßen Sßerf. ein Sfdtßfel ober eine SEßorßeit feßeinen mußten. Seit feinem 30. S- befcßdftigten ißtt aueß fcßriftfletlerifcße 'Arbeiten. Sag ©rfte, worin et ftd) »erfudßte, maren ^)ortraitg »on befannten ^)erfonen, an benen man treffeitbe Slicßtigbeit unb 3fnmutß ber Sarfielltmg tüßmte; bann ein größereg 2Berf, „S)anebone" (bie 2fll=Sitft) betitelt, meßr fSfdrcßen alg Sfoman, unoollem bet, aber »on allen feinen ©rjeugniffen »ielleicßt bag eigentßümlichfte. ©ine 2lrt Son».=Ser. ©iebeitte 2fufl. SSb. I. f 35 546 Augujl ($Pm5 üott $Pmtfien) »on ©ette ober ^eraugfoberung gab bem „Sal)re in Arfabien", auch „Äptlenion" betitelt, bag Safcin, bem einjigen ©erfe beg fütfftid)en ©erf., bag im Stucfe erfd)ienen ift*), eine 9teif>e »on Sbpllen ober lanbfd)aftlid)er jlafftrter ©emdibe, bie in 12 Ableitungen, in fProfa, mit eingeflod)tcnen Siebern (»on benen bec Söerf. bie meijben felbft in SKuftf gefegt bat), bie 12 Monate beg griedf). Sabteg barftellen fotten. ©in neueg ©erf mürbe wabtenb beg Äriegg (1806) gemein: febafttieb mit einet geijbteidjen grau angefangen, welcbeg juetfl in ©tiefen, bann alg Sagebud) (aber aud) biefeg an bie gteunbin gerichtet) bag $ofleben einer ©tof: berjogin Anna erjagt unb mit mannigfaltigen ©ejiebungen auf bag eigne geben I unb bie ©erbdltniffe beg ©erf. burd)i»ebt ift. Siefeg ©erf, ju welchem aber bie erwähnte gteunbin nur im Anfänge 2 ©riefe beigefieuert b«t/ mürbe 1807 butcb jufadige Störungen unterbrochen, 3 Sabre barauf triebet aufgenommen, balb aber, nad) »erdnberten dufetn ©erbdttniffen, bei Seite gelegt, ©in neueg ©erf, mit bem Flamen ber „©mitianifdjen ©riefe" bejeiebnet, trat nun an bie Steile beg «origen, ebenfatlg aug ©riefen unb Sagebud) äufammengefefct, reid): haltiger an ©teigniffen, aber noch reidjer an Sd)ilbetungen einer romantifeben 9lt. ©ine Abbilbung btefeg romantifeben fPlageg unb ber ©rdber auf bemfelben beftnbet ftd) in bem 60. ■■ Sabtg. beg „©otbaifeben 4?ofcalenbetg" (1822). Sag ©ilbnifj beg ^ergoggiflnnef) einem ©emdibe »on ©rafft »on Steinla in Hupfer geflocben. — ©icbfldbt in Sena fd)rieb eine „Memoria Augusti ducis Saxoniac principis Gothanorum etc." (2. A., ©otba 1823). — ©lit feinem ©ruber unb 9facbfolget griebrid) IV. erlofd) b. 11. gebt. 1825 ber gotbafdbe Specialajl beg S. = ©otbafd)en ©efammtbaufeg. A it g u ft (gtiebricb ©ilbelm ^einrid)), ^tinj »on ^teufen, geb. b. 19. ©ept. 1779, Sohn beg 1813 geff. fPrinjenAuguffgctbinanb, ©ruber griebrid)g beg ®ro= fien unb ber 1820 gejt. ©arfgtdftn Anna ©lifabetb Souife«. ©ranbenbutg:©d)Webt. 3u ben ©affen erjogen, mar er bei Augbrucb beg Hriegg 1806 ©bef eineg ©rena= bierbataillong, mit bem er an ber Schlacht »on Sena SEbeil nahm, ©emeife »on SEapferfeit gab, allein bei fPrenjlau gefangen mürbe. Sie franj. ©eborben miefen ihm mdbtenb ber Sauer beg Hriegg 9f anep jum Aufentbaltgort an. 9?ad) ber SU- organifation ber preufj. Armee ernannte ihn ber Honig jum ©eneralmajor unb ©b c f ber Artillerie, unb ber ^3rinj bemüh*« ftch, feine Henntniffeinbiefemgad)efo augjm ( bilben, bajj er biefe ©affe in tbeoretifcf)er unb praftifebet^infiebt genau bannte. Sie preufj. Artillerie »erbanfte ibmfd)on bamaB wichtige ©erbefferungen. Alg ©bef ber Artillerie mar er aud) in bem Kriege 1813 big jum ©affenffillflanb tbdtig. Sa er jebod) in biefer ©igenfdjaft nur anjuorbnen batte, ohne jum eigentlichen Hampfe ju *) ©in anbreS: „SSicrgetin ©riefe eines Sartbduferg", ijt eine «on ipm oeran= labte Überfefjung eineg franje. Originals, melier er am ©nbe eine ober jmei ©eiten beigefögt tjot. XußtiflimiS 547 gelangen, fc übernahm ec nad) bem SBaffenffillffanb als ©enerallieutenant baS ßommanbo bec 12. Srigabe, bie bei bem 2. (jfleiff’fd)ett) XmeecorpS in Söhnten ffanb. Xt bec @pil;e biefeS SruppentheilS fod)t ec tn ben ©d)lad)ten »on SreSbeit, Äulm, 2etpjig, SRontmirail, £aon unb (Paris, fowie in »ieten Element ®efecf)ten. 9Rel)tmalS tcugen ec unb bie ©einigen jur Entfd)eibung beS ©iegS bei. 9?od) gcb= jjet warb fein (SBirEett, als ec 1S15 baS Eontmanbo t'tbec baS 2. unb nocbbeutfcf)e XmeecorpS ccfjielt, weldjeS jur Selagecung bec gelungen an bec (ftorbgtenje gcattEreid)S beffimmt war. (Prinj X wid) hierbei, of)ne bie Scuppen ju fe£>r auSjufefsen, »on bem gewöhnlichen ®angc bec Selagerungen ab, ec täufd)te meift bucd) einen falfd)en Angriff, ecoffnete bie ^Parallelen fel)c nabe, ging mit ben 2auf; graben cafd) »or, angffigte bie SBerEe unb bie ©tabt mit einem ffarEen geuec, be= fonbecS auS SG3ucfgefd)ü|s, unb bewirfte bucd) biefe Elttgen unb enecgifd)en 5Jfaf= regeln in Eurjer Seit bie Übetgabe »on SRaubeuge, g>bt£ippe»iWe, SRarienburg, 2ongwp, (Roccot), ®i»et nebft bem SRont b\£>aurS, SfRontmebp, ©eban unb 9)fe= jiereS. Sei ben meijfen biefec Selageruttgen war ec felb ff gegenwärtig, ©o ecwarb f id) bec fpcinj bie tneiffen El)renjeid)en Europas, nid)t als gucftenfohn, fonbecn alS »ecbienter Äciegec. 9facf) bem Äciegenahnt ec ftd) bec Xtillerie auf baS thdtigfte an, focgte für beffecc Einrichtung bec @efd)ü|se, für »orjüglidhe XtSbilbmtg bec Offnere unb Scuppen u. f. w.; ec ijf baljec non bec ganjen preuf. Xmee als bec tüd)tigffe 6l)ef, ben bie preuf. Xtillecie je gehabt f>at, anerkannt. Sec (Pcinj iff je|t ©enecal bec ^nfantecie, ©enecalinfpectoc unb Gl)ef bec Xtillecie, lebt ju Serlin unb heftet bucd) bie Erbfcfaften non feinem Sater unb feinem bei ©aalfelb 1806 gebliebenen Stüber, 2ouiS getbittanb, unffreitig baS groffe (Pci»at»ecm6= gen im ganjen preuf. ©taate. 2CugufftnuS (bec tjetltQc), einec bec berühmteffen 2ebcec bec d)cifilid)en Äird;e, geb. ju Sagaffe, einec Eieinen ©tabt in 2ffciEa, ben 13. 9fo». 354, unter bec (Regierung beS ÄaifcrS Äonftantin, l)at in feinem Suche, bem ec ben Sitet „SeEenntniffe" beilegte, fein 2eben erjählt. ©eine Eltern fcficEten ihn juc Soll= enbung feincc ©tubien nad) Eartl)ago; allein er entfprad) ihren Erwartungen nidjt ganj, ba ec jebeS ernffe unb trocfene ©tubium »erabfcheute unb nur »on folgen Singen angejogen warb, bie baS $ecj befd)^icc gab eb 2 Parteien: bie Partei bcc 9tepttbli= fanec, bie ben Cafar gefinkt patte, unb bie Partei beb 2fntoniub unb Sepibub, bie unter bem föotmanbe, Sencn ju rad)en, ipre eigne 59tad)t }u begutnben ftrebte. JDamalb fiegte bie (entere Partei, unb ber Conful 2fntoniub übte eine faft unbe* fepranfte ©emalt aub. Octaviub begab ff cf) jueeji ju Cicero, ber ft cf) auf feine SStfla bei Cumd juttufgejogen patte, um biefen großen 9tebner, ber noef) immer beim 93ol£e beliebt mar unb ber ben ifntoniub pafste unb fürd)tetc, für fiep ju ge* ! roinnen. Oarauf ging er nad) 9tom, mo ber größte Tpeit ber Sftagiftratbperfonen, | ©olbaten unb SSurgct ipm entgegenbam; nur 2lntoniub mürbigte feine 2 (nfunft feiner 2lufmer£fam£eit. 9tad)bent Octaviub feine 2Cboption auf bie feierlicpfte 2(rt patte betätigen taffen, befud)tc er Xntoniub, bot ipm feine greunbfepaft an unb foberte if>m bie S3erlaffenfcpaft Cafar’b ab, um bie von bcmfelbenaubgefepten fßet* mdeptniffe ju bejahen. jfntoniub mieb anfangs biefe 2 Cnfprud)c fiolj jurücf, an* bette aber halb fein SSenepmen, alb er beb Octaviub 2tnfe£)en immer mepr fieigen, fein eignet aber in gleichem ÜJtaße ftd) verminbern fap. Oauernb fonnte jebod) eine SSerbinbung jmifdjen beiben gleid) f)errfd)füd)tigen Uiebenbuplern nid)t fein. v & cr i ndf)tte gegenfeitig $aß unb ©iferfudjt; aud) mar if)te geinbfdfjaft fo me* nig ein ©epeimniß, bap man Octaviub befd)ulbigte, er pabe 3(ntoniub ermotben laffen mollen. 5Bie hierauf 2 fntoniub in bab ciöalpinifche ©allien 50 g unb SJtutina belagerte, mdprenb er ju S)iom für einen Seinb beb Söatertanbeb erfldrt mürbe; mie Octaviub, bie bamalb mächtige Partei beb ©enatb ergreifenb, bie gegen 2fntoniub gefanbten Confuln begleitete unb nad) bem Tobe berfelbett ben Oberbefehl übernahm; mie er aber in ber golge, alb Sener nebft Sepibub mit einem furd)tbaren ^teere nad) Italien äurücffeprte, ftd) mit it)m aubföpnte; mie jmifdjen ben 3 gelbperren ein Triumvirat gefchloffen mürbe, unb mie fie, nad) ben fd)re -f>errfd)er ju mad)en, unb benupte babei bie gepler feineb SJritpetrfdjerb. SSot S ÄUem ftrebte er, fiep bie Siebe beb fßotfb ju etmerben. Cr jeigte Uttitbe unb ®rofi= | mutp, opne ben ©epein ju paben, alb fftebe ernaep ber pöd)ften ©emalt. föielmepr if erfldrte er ftd) feietlid) bereit, bie ^terrfepaft nieberjulegen, fobatb 2 fntoniub von bem Kriege gegen bie fPattper jurüefgefepet fein mürbe. Cr fepien cb mepr $u ertauben 550 XugujluS a(g ju verlangen, baf man il>ti jum beffänbigen Sribun ernannte: eine 3Bütbe, bie ifn jur f ocfffen SOfadft füfrte. S« nteft er ftd) bem SSotfe näherte, um fo offe= ner erftarte er ftd) gegen Xitoniug. Sefonbetg gelang eg ifm, burd) §5efannt= mad)ung eineg Seftamentg, tvotin 2fntoniug bie mit ber df leopatra erzeugten ©öfne ju feinen Srben errldrte, ben Unwillen bet fRömer gegen benfetben rege ju machen. Siefe Stimmung benufenb, lief Sctavian ber Äonigüt von ji'gppten ben .Stieg etflären unb führte eine bedeutende Ärieggmacft jur ©ee unb ju 2anbe nad) bem ambracifcfen SSReerbttfen, rno 2(gripp a (f. b.) bie ©eefcflacft bei 2f ctium (f. b.) gemann, bie ifn jum Sefertfcf er ber 2Bclt maefte (31 v. Sfr.). Sr verfolgte feU ! neu SRebettbuflet nad) ?igt)pten unb enbigte ben .Stieg, naefbem er ben 93otfd)lag beg 2(ntoniug, if re ©treitigfeiten burcf einen ßmeiiampf ju entfef eiben, vermorfen batte. .Sleopatra unb 2(ntoniug gaben fid) felbjf ben Sob. Sctavian tief fte pracft= voll beftatten. Sin ©ofn beg 2(ntoniug unb ber gulvia ivarb feiner ©ieferfeit ge= opfert, ©leidjeg ©cficbfal fjatte Säfation, ein ©obn Safar’g unb ber .Sleopatra. Title anbre Sermanbte beg ffntoniug blieben verfdjont, unb Sctavian gebrauchte im ©attjen feine 9Racft mit SOfdfigitng. Sr veriveilte 2 Safte im Drient, um bie 2fnge(egenfeiten Xjppteng, ©ried)enlanbg, ©ptieng, .Sleinafteng unb ber Snfeln ju orbnen; bei feiner fRücKefr nad) 9fom fielt er einen breitägigen Sriumpf. S5e= freit von feinen 92ebenbuf lern unb geinben, unb «Jjerr bet SBelt, tvar er einen 2fu= genbücf unentfefieben über bie Tfrt feiner fünffigen ©emalt. Tfgrippa, beffen ©iege ifm bie $errfcfaft getvonnen fatten, rietf ifm barauf SSerjicft ju teijlen; 9Rä= , cenag tvar ber entgegengefeften SReinung, unb biefem, ober vielmefr feinet eignen Steigung, folgte Sctavian. Um bem föolfe ben SBunfcf einjuflopen, ifn alg un= umfefränften Diegenten ju fefen, fcf affte er bie ©efefe beg Sriumviratg ab, ver= fd)6nerte bie ©tabt unb befefäftigte ftd) mit füerbefferung ber tväfrenb ber 93ütget= friege eingeriffenen SRipbrducfe. 3(tn Snbe feineg ffebenten Sonfulatg begab et ftd) in ben ©enat unb erftarte feine Tlbfxcft, bie ^Regierung nieberjulegen. Set ©enat, erftaunt über feine SfRäpigung, befdfmot ifn, bie foeffte ©emalt auef fet= ner ju bef alten. Sctavian gab biefen bringenben Sitten nacf unb fufr fort, butdj ben ©enat ju regieren. Sr erfielt jeft ben Seinamen 21 u g u ft u g, ber bie döofeit feiner *Petfon unb feineg fRangeg bejeiefnete, unb vereinigte nacf unb nacf in ftef bie SQJürbe eineg Smperatorg ober Sberfertn ju SBaffer unb ju £anbe, ber übet Ärieg unb grieben entfefiebj eineg ^toconfitlg übet alle ^rovinjen; etneg beftdn= |: bigen Solfgtribunen, tvoburd) feine fPetfon für unvetleflicf erftart unb ifm ba8 fRecft ertfeilt mar, fid) allen öffentlichen Sefcflüffen miberfefen ju fonnen; enb= . tid) eineg Senforg unb eineg spontifep mapimug ober Öberfaupteg aller religiofen Tlrtgelegenfeiten. Sie ©efefe felbft mürben ifm untergeorbnet, unb bie Seobacfs tung berfetben feiner SÖSillfür anfeimgeffellt. 3« «Ken biefen SSorrecften fügte man nod) ben Sütel eineg Saterg beg Saterlanbeg. ©o grop inbep auef bie ifm vet= liefene ©emalt mar, fo übte fte X boef mit meifer SSRäpigung. Sg lag im ©eifte feiner ©taatgflugfeit, bie alten SRamcn unb formen beijubefalten; bafer vermeigerte et eg fianbfaft, ben burcf ©utla unb Säfar verfapt gemorbenen 92 a= men eineg Sictatorg anjunefmen. X füfrte mefre .Stiege in Tffrifa, Tlften unb befottberg in ©allien unb .fjifpanien, mo er nacf gtopen 2fnftrengungen über bie Santabrcr triumpfirte. ©eine 1 SBaffen untermarfen 2fquitanien, Pannonien, Salmatien, SUprienj fte fielten bie Sacier, 92umibier unb Xfioptet in ©cfranfen. 9Rit ben ^)artfern fd)lop er ein Sünbnijs, bem jufolge fte Xmenien abtraten unb bie bem Sraffu»' unb 2fnto= niug genommenen 2fbler jurüdgaben. 2(m Ji^e ber Xpen errieftete er Senfmä= (er feiner Stiumpfe über bie Sergvotfer, von benen man noef ju ©ufa unb 2Cofta ftolje Überreftc fteft. 5Rad)bem et ju Banbe unb jur @ee bie Srbe berufigt fatte, fd)lop er (bag britte 9Ral feit SRomg Srbauung) 10 v. Sfr. ben Sernpet beg Sanug. Auguftuö 551 2fbec bicfec gtiebe matb, 9 n. ©f)t., burd) bie Kiebetlage beS 33atuS gcfiort, ber 3 £egionen gegen bie ©mummt unter ^ermann (f.b.) nerlor unb ner,imeif(ungS= ooE fid) fclbfl tobtete. Sie Kad)ticf)t biefcS llnglüdS erfchütterte A. tief, ©r lief feinen SSart unb feine dpaare madjfen unb rief oft im äitfetfien Sd)metj: „S jöaruS, gib mir meine Segicnen roieber!" 3nbep mürben bie Seutfcpen burd) 3äbe= riuS in ©djranfen gefältelt. Jödijcenb beS griebenS erlief A. oiele nü(jtid)e S3et= otbnungen unb fteilte bie SJtifbrducfc in ber Söermattung ab. ©t gab bem Senat , eine neue ©efialt, befdjdftigte fid) mit bet SSetbefferung ber Sitten, befonbetS butd) I Segünfiigung ber ©ben, gab SupuSgefege unb flelllte bie ÄriegSjud)t bei ben feeren, fomie bie Dehnung bei allen circenftfcben Spielen miebet fet; et «erfdjonerte Kom, baS et, mie er mit SBafjrfeit fid) rüljmte, aus S3adfieinen erbaut gefunben £>atte unb aus Kfarmor erbaut Unterlief. Aud) machte er Steifen, um, mie öctlejuS fagt, aLCentfjalben bie Segnungen beS griebenS ju uerbreiten; et befudjte Sicilien unb ©rtecfenlanb, Äleinaften, ©ptien, ©aEien ic.; in mehren ©egenben grün-- bete er Stabte unb ©olonien. Sie SSolfer errichteten ihm 2fltdre, unb butd) ein Secret beS Senats matb bem KJonat Septilid ber Karne Auguft gegeben. Brnei SSerfcbmorungen, bie 21.’S fieben bebroften, fefeiterten. ©apio, Kturena, ©gna* tiuS mürben mit bem üEobe bejiraft. ©lüdlidjer mar ©tnna, bem A. Detlef) Siefe ©rofmutf) öermefjrte bie Siebe bet Komet unb oetminberte bie Bald ber K?ip= oergnugten, fobap bem 33ebertfd)er 9iomS KicfitS ju münfdjen übrig geblieben märe, hätte feine gamilie ftd) feinem SDBiEen ebenfo gefügt, mie bie SBelt fid) ifm fügte. Sie Auöfd)meifungen feiner SEod)ter 3utia uerurfaeften ifm grofen Äum= mer, unb er jeigte fid) härter gegen Siejenigen, melcjfe bie ©fjre feiner gamilie »er= lebt, als gegen Siejenigen, bie fein Sehen bebrobt batten. Sie ©efd)id)te fagt, baf er in feinem Atter Bon ber Sioia beljerrfdit mürbe, »ieEeidjt bet einzigen fPetfon, bie er mafrljaft geliebt tjatte. ©r batte feine Sohne unb verlor burd) ben SEob fo= mol feinen Scfjmeflerfofjn, SKatceEuS, alS feine Sodjtcrfofjne, ©ajuS unb SuciuS, bie er ju feinen Kacbfolgern beflimmt batte. Aud) SrufuS, fein Stieffofn, ben er liebte, fiarb früfijeitig, unb SiberiuS, bet SÖrubet beffelben, ber ifjm feiner bofen ©igenfefjaften megen oerfaft mar, blieb ifm aEein übrig. Siefe Bielen SEobeSfäEe, fein fjofjeS Alter unb feine jietS fd)inäd)et merbenbe ©efunbfjeit ermedten in ifm bie ©ebnfuebt nacf) Kufe, ©t unternahm eine Steife nad) ©ampanien, Bon beffen ge= funber Suft er fiel) eine günftige SQBirfung Berfprad); allein fein Übelbefinben nahm ju, unb er fiarb ju Kola (19. Aug. 14 n. ©fjr.) in einem 2flter Bon 76 3. unb im 45. 3- feiner AEeinberrfcbaft. AIS er bie Annäherung feines SEobeS fühlte, foberte er, mie erzählt mirb, einen Spiegel, orbnete fein .ßiaat unb fragte bie Umfiehenben: „v^abe ich meine KoEe gut gefpielt?" Auf bie bejahenbe Antmort fuhr er fort: „So flatfd)t in bie $änbe, fteijfauS!" — SBäre biefer legte Bug aus bem Sehen beS A. juBerläffig, fo mürbe et feinen ©harafter, feine ^3olitif unb felbft fein ©lüd treffenb bejeid)nen. ©emijj ift eS, bap fein S3ettagen fletS abgemeffen unb überlegt mar, unb bap er bie gtope ©abe befap, mitten unter ben Stürmen ber ^)errfd)aft falt unb unerfd)üttert ju bleiben. ©efd)idt feine ^3lane Berbergenb, benu|te er bie ßeibenfehaften mie bie Salente Anbrer, um jene ju etteidien. ©r beffegte SSrutuS burdp Antonius, unb biefen butd) Agtippa. SKehrmalS mechfelte er bie Warteten, nie feine ?)lane, unb mupte eine ^errfdjaft ftd) antragen, ja aufbringen ju taffen, bie fletS baS Biet alter feinet üßeftrebungen gemefen. fKan barf jebod) ju feinem £obe nicht Betfchmeigen, bap er feine SOtacht mit SQJeiSheit gebrauchte unb baS Keid) mit ben Segnungen beS griebenS beglüdtc, nad)bem er eS burch aEe ©djreden be835ür* gerfriegS geführt. Alles ©rope unb ©ute, moburd) feine Kegiecmtg fid) auSjeid)- nete, ging Bon ihm aus. ©t belebte ben 5ldetbau unb begünfligte bie Äünfie. SDtit feinem ©efdjmad unb gemanbtem ©eift begabt, liebte unb fdjafcte et bie SBiffen^ fchaften unb übte bie Sid)tfuaft felbfi, fobap ec nicht unmerth mar, einem Seitalter 552 unb £> 2(ureng=3eb^ feinen -Kamen ju geben, baS in ber©efd)id)te beS 3Renfd)engefchted)tS ftd) burd) gei= füge Gilbung auf baS uortfjeil^aftefte auSjeidmet. ©ein SEob verfemte baS OJeict) in tiefe Stauet; man jafjtte iijn ben ©Ottern bei unb ecrid)tete ibm Sempel unb Jfltate. 21 unb S, Anfang unb 6nbe. 2fud) ©ott wirb (Öffenb. Soh- 1, 8) bas 3f unb S, bet 6rj!e unb berüefcte, genannt. Sn bem gtied). 20phabete, baS aud) mit 21 (20pf;a) anfangt, ifl namtid) nicl)t 3, fonbern ein S (Smega) bet lebte Gucf)= ffabe. Sn einem altern fjalbbeutfcfjen unb fjalblateinifcfjen Siebe: „In dulci ju- bilo", fd) lieft eine Strophe: Alpha es et O (bu bif! baS 2( unb S). grüherf)at= ten fPrebiger, 2frjte unb anbte fPerfonen bie ©eroofjnfjeit, ifjre 6oncepte, SRecepte u. a. fd£jtiftlicf>e 2fuffd&e mit einem afa anjufangen. Sieb 3etd)cn bebeutet nichts 2lnbreS alb u, 2llpha, unb w, Smcga, folglid) wollten fte bamit ungefaßt Sa$ auSbrücfen, waSunfet: 9Rit@ott! fagen teilt. 11. 2t u n o t) (SRatie 6atf)etine Sumelle be Gerneville, ©rdftn von), geb. 1650, ffatb 1705, tj! bie ÜRutter bet geentrtdreben, bie in granfeeid) in ihren Sagen fo viel ©lütf ju rnadjen anfingen. Seicht unb anmutig, aber aud) fef)t rebfelig ifi ihr ©tpl. Sn ben 4 Gbn. „Contes des fees" liegen fafl immer wahre, in ihrer Beit burd) befonbere Umfidnbe intereffant geworbene Gegebenheiten jum ©tunbe, bie fte burd) wifcigen Gottrag unb ft'nnvolle Bufaße bem publicum in ver= fd)6nernbet fRomanform gab. 2tud) liebte fte Sntriguen philofophifd) ju entwicfeln. Siefe Spanier ftnbet man befidtigt in bet „Voyage en Espagne" , in ben „Me- moires de la cour d’Espagne" , in ben „Me'moires de la cour d’Angleterre", in ben „Me'moires historiques de ce qui s’est passe de plus remarquable en Europe depuis 1672 jusqu’en 1679" K.; aber unverjeihlid), fagt ber Äritifet 2tuger, ij! bie fabe ©alanterie, womit mandjet $elb in ihren Sid)tungen auftritt. SaS war aber bamalS -Öofton. ©ne Gegebenheit ihrer @he trug baju bei, ihren ©eifi fo romanhaft ju bilben, wenn bieS nid)t früher bereits bie ©rjiebung ihrer Sante, SER. SeSlogeS, bie unter SubwigXIII. lebte, veranlaft hoben follte, welche ju ihrer Beit für eine feht geiftreidje Same galt. Ser ©rdftn b’2lunot) ©emahl würbe narnlid) als $od)verrdther von 3 feiner Sanbsleute benunciirt, ge= fangen unb in fdjatfe Snquifttion gezogen. 6t war in ©efahr, bei aller Unfchutb jum Sobe verurteilt ju werben, als einen biefer 2tngeber eine töbtlidfe ÄranEheit befiel, bet, um vom Geichtvater SCbfolution ju erhalten, bie Unwahrheit ber gaw jen Senunciation wiber ben ©rafen 2t. mit allen Umflanben barlegte. 2fureng = 3et)b (Bierbe beS ShtonS), geb. ben 20. Set. 1619, erhielt biefen tarnen von feinem ©rofvater Sjehangupr, ber bamalS ben Shron von ^inboftan befaf. '2tlS er 9 Seihte eilt war, f am fein fd)Wad)et unb unglücElidjer Gäter @h a h = Sjehän jur ^Regierung. 2t. E'ünbigte fdjon als Süngling burd) fein ernfteS 2tufereS, burd) fein hduftgeS Geten unb burd) feinen $ang jur ©nfamfeit feine verfteefte Heuchelei unb feine weit hinauSgehenben glatte an. 6t lief ftd) unter bie gaEirn aufnehmen, trug ihre Äteibung unb wollte ftd) nad) 3Rebina jum ©rabe beS grofen Propheten begeben. '-Uber im 20. S- legte er ben Koran, ben er immer unter bem 2trme getragen, bei ©eite, führte mit ©lütf unb ©efd)icflid)feit eine 2tnjaf)l Sruppen an unb erhielt bie @tatthalterfd)aft »on Sefljan. Jpiet wollte er ein)! ben gafirn einen GeweiS feiner Siebe unb grcunbfd)aft geben, bat fte ju einem großen ©afimahle unb nötigte fte, fo fehr fte ftd) auch jtrdubten, neue, anftdnbigere Äleibung anjUjiehen. Sie alten ©ewdnbcr lief er verbrennen, unb man fanb batin eine 3Renge ©olb = unb ©ilberflütfe, bie ihm gute Sienfte thaten, als er mit feinem Gruber .Krieg führte. 6r veruneinigte feine Grübet, unter= brüdte mit $üife beS einen ben anbern unb locbte feinen Gater in baS Snnere fei= neS >£>aremS, wofelbf! er ihn gefangen hielt. Sann lief er einen nad) bem anbern umbringen, beflieg 1659 ben Shron von ^inboflan unb nahm ben Olamen Malern ©upt an. 2ßic gtaufam bie SRittel auef) gewefen waren, beten er ftd) ä ur 533 2Cu tid) 2CuSbru(f) djung feinet gtoecfeS bebient fjatte, fo regierte ec bennorf) mit eielec SSBeiöfjelt, be= förberte ben 5Bohl1tanb feines Solls, faf) fiteng auf bie Setwaltung beS 9ted)tS unb auf Sittlid)feit, unb fucfte feine eigne SSJiacft ju begrünben. 3'?« Söhne, bie »erfucft hatten, fiel) eine Partei im Staate su machen, lief er feftfefcen unb butd) langfam töbtenbeS ©ift fintieftett. 6t führte üiele .Stiege, eroberte @ol= conba unb Sifaput, unb bettrieb nach unb nad) bie SJtaratten ganj aus iftem 58a= terlanbe. 6t ftarb ben 21. gebt. 1707, im 51. 9JcgierungSjaf)te. — 2tutun = i gab ab, feine jefct beröbete Sleftbens, betreibt Seelp in ben „Wonders of Elora" I (2onbon 1824). 9tad) feinem Sobe geriet!) baS fReid) bet CfRongolen in Setfall. 6S btad)en fogleid) Stiege jtoifefen feinen Söf>nen aus, unb mefte etoberte 5Probin= jen fudjten ftef) unabhängig ju machen. JCuricf), -fmuptft. bet fanooetfdjen Sanbbtofiei gl. 31 . ober bet fProbinj I £>ftftieS(anb, mit3400 6., Si& beS oftftief. SvegietungScolIegiumS unb eines 2lmtS, i mit einem protefiant. 6onfifiorium u. e. ©pmnaftum, faf 4 öffentl. Sibliothefen, i pfeifen = u. SabacfSfabr. u. tuid)tige ^ferbemärtte. Son biefet ^)anbelSfiabt führt I bie Srecffurt, ein butd) Stoor unb SWarfd) übet 3 teilen weit gejogenet Sartenca= i nal nach 6mbcn, bem etften £afen beS Sönigr. £anober. 3n 2f. betfammeln ftd) bie fProbinsialftänbe SjtfrieSlanbS, bie mit fo grofem Seifall bet pteuf. Sfegietung unb ihveS SatetlanbeS bie gtofen SanbeSfceiheiten SfiftieSlanbS lange hanbhabten. SaS Sanb würbe unter bet pteuf. Regierung immer blühenbet unb genof einet um befd)tänften $anbelS=, GonfcriptionS--, 2icent= unb 2lccifefceil)eit. Sie ^tooinjial: fiänbe feftieben baS bafür ju erlegenbe Saat butd) Sertheilung aus. 6ine allgemei= nere Sartenfd)ifffaf)rt, ^oljanpjTanjung unb Sereinjelung bet ©emeinheiten fehlt noch bem Sanbe. 2lud) würbe bie Serbinbung bet 6mS, Sippe unb Sfuht mit bem Olheine auf 2C.’S .fjanbel unb 3Bof)ljtanb bortheilhaft wirten. Senn fleine Stabte hebt man nicht butd) örtliche Sorted)te unb Segünjtigungen, fonbern baburch, baf man bie Sanbleute bet Umgcgenb beemehrt unb wohlhabenber mad)t. — 3u bem 2fmte2f. gehört bie Snfel fRorbetnep (f.b.), mit einem Seebabe. 2furifel (Primula auricula), eine mit ben Primeln berwanbte beliebte ©artenblume, wäd)fi in ben füblicfjften ©egenben bon Seutfcflanb wilb aufho= ben Setgen unb an fd)attigen, fernsten Srten. Sutch bie Gultur hat fi'e an Schönheit unb garbenptadjt feht gewonnen. 3h c ©etud) ift angenehm unb lieblich. Sie blüht im ?(ptil unb 9Jtai, oft auch itn $erbfte jum jweiten Stal. ®tan pflanjt fte entweber butd) 3lbfen!er ober butd) Samen fort; leitete 2lrt bet gortpflanjung fobert aber gtofen gleif. 5« einigen ©egenben feift fte 2fu= rifel=Sd)lüffelbtume. 2£utota (gtied). 6oS), $pperion’S unb bet SEI)’« Mochtet, unb Sd)We(tet beS $elioS unb bet Selene. Sie wat mithin eine bet alten (Gottheiten aus bem Sitanengefd)led)te, behielt aber aud) unter ben neuen ©Ottern ihren ©Ions. Sem Sitanen 2lftrauS, einem Sohne beSSriuS, gebar fte bie SBinbe jtephptuS, So= teaS unb 9totuS, ben Storgenftern unb bie ©eftitne. Siefähtt, bon ben göttli= d)en Stoffen SampuS unb *Phaeton gejogen, aus ben Siefen beS SceanS empor, unb hebt mit fffofenftngetn ben Schleier ber9fad)t, bet SBelt teuchtenb, bis bet ©lanj beS SageS fte oetfd)eud)t. Unter ben Sterblichen, beten Schönheit bet ©öttin feffelte, nennen bie Sichter befonbetS Srion, Sitfon ttnb.GephaluS. 2£u§beute, im Setgwefen, bet reine ©ewinn einet ©tube für bie ©ewer= fen ober Seftfser bet Supe, nach 2fbjug aller Soften. Siefet ©ewinn wirb ge= wöhnlid) in SpedcS bejahlt, welche 3fuSbeutetf)aler heifen. 3fuSbruch, bie ebelfte Sorte beS UngarweinS, weld)e aus ben reiffiten, »ot bet eigentlichen Sefe auSgebtochenen Stauben gefeltert worben ift. 2fud) am 5Rhein hat man an einigen Drten baS 3fuSbted)en bet reifen Stauben angefangen, um befonbetS eble üBeine ju erhalten. 554 2ütbtmffung 2Cu§bchnung, f. ©ppanfion. 2t u £ b V u ung, ob fie genau Sem entfprechen, mag bec Sarflellenbe ung burd) fie mitttjeilen wollte. Sieg ifl aber nur aug bem 3ufammenhange erfennbar; bag einzelne SBoct erwecft Slichts in ung alg bie blope 33orflellung, bie, für fid) betrachtet, webet wichtig nod) un= wid)tig ifl, fonbern SSeibeg ecfl burd) bie Skcbinbung wirb, worin fie erfcheint. ©benfo wenig tfl2lugbrucE mit 9iad)brucf ju vermedhfeln, wie fo fjduftg von Senen gefd)iebt, bie 2tugbcucE nur in bem ©tarfen, itraftvollen finben, unb bafjcr einem fPatbog nad)jagen, bag wegen feiner Unnatur f)öd)ft mißfällig wirb. — 5n unfetet ©vfldtung beg Kugbrucfg fegen wir ben 3ufianb bec S3efd)«ffenl)eit, bag 33orübet= ge^enbe bem Se^acrlidjen entgegen, um anjubeuten, bap beim 2tugbrucfenicht bie allgemeine 2frt geifliger 5liittl;eilung, fonbern eine befonbete, non jener etwas untergebene, flattfinbe. 3- 33- wenn wir von einem ©efidjte, von einem S3ift= nip fagen, bap eg 2tugbrucf habe, fo wollen wir bamit nicfytg 2(nbreg fagen alg: Sieg ifl nic^t blop bie allgemeine gjotm eineg menfd)lid)en ©eflchtg überhaupt, fon= bern bie bem Snbioibuum, welchem eg angehört, imvohnenbe ©eele fünbigt fid) in ben 3ügen biefeg @eftd)tg, biefeg SSilbniffeg, an. Semnad) beflanbe ber 2tuS= brucf in 2tnfünbigung von ©eele, unb jebeg SBort, jeber Son, jebe SSewegung würbe ein 2tugbrucf fein, infofern ung babutd) bie ©eele enthüllt wirb. Sie ©eele aber nehmen wir nur wahr in beflimmten 3«jianben. Set 2tugbrucf ifl folglich bie 2fupetung eineg ©eelenjuflanbeg, unb jwar beg 3uflanbeg eineg von einem ©egem flanbe lebhaft gerührten, von ihm burd)btungenen unb begeiferten ©cmüthg. Siefe Üuperung aber mup völlig angemeffen fein, bamit bie dupere Sarflellung ber iw j nern fo cntfpredje, bap genau biefelben Sbeen unb ©efütjle in bem ©eifle unb ©e-- müthe beg empfänglichen 2tnbecn entfleljen, wie fte im ©eifle unb ©emütlje beg Sacflellenben vorhanben waren. Sec 2tugbrucf mup bal)ec in SBejiehung auf ben ©egenflanb genaue SSeflimmtheit unb 2tnfchaulid)feit, in SSejiehung auf ben Sar= flellenben aber SSefeeluttg unb rid)tigen ©mpfinbunggton haben. Sa aber bie S3er= d duperung beg innern ©eelenjuflanbeg, worin bag SBefen beg 2tugbrucfg befiehl im ; eigentlid)en ©inne Sarflellung ifl, fo werben wir auf bie SBirffamfeit ber ©nbib bunggfraft hingewiefen, ohne weld;e wir Weber in jenen 3uflanb fommen, noch einer Sarflellung fähig ftnb. Sen ©egenftanb, welchen wir nicht burd) bie ©im j bilbunggfraft auffaffen, flellen wir ung nicht fo lebhaft vor, bap wir baburd) in ei= | nen befonbern 3uflanb verfegt werben fönnten, unb ohne bie erhöhte Shdtigfeit bet | ©eele in einem foldpen 3uflanbe brdngt ung 9lid)tg, uns eigentlich augjubrücfen. j 21Heg biefeg jufammenfaffenb, fann man fagen, 2tugbrucf fei befeelte Sarflellung eines burd) bie ©inbilbunggfraft aufgefapten ©egenflanbeg, gemdp ber fSefdpaffen-' ; heit unb SBirffamfeit beffelben, in bem 3uflanbe eineg ju lebhafter Shdtigfeit auf= [ geregten ©emütf)g. ©t ifl fdjon feiner Slatuc nad) dflhetifd), unb in allen fd&ö» nett Äünflen nidjt feinem SBefen, fonbern nur ben veefdpiebenen Sarflellunggmit* teln nach vetfd)ieben. Sie jeber Äunft eigenthümlid)en fOlittel beg 2tugbrucfg bes flimmen ihre ©phare. — Sec 2fnatom ©harleg Sßell will ein befonbeeeg Sletvew fpflem alg S3ewirfer beg 2fugbrucfg entbeeft haben. ©. beffen „Essays on the anatomy and philosophy of expression“ (2. Sfufl., Sonb. 1824, 4.). 2£ u ß b ü n fl tt n g, bie burd) ©nwitfuttg beg fffidcmefloffg hervorgebcadjte llmwanblung flüfftger unb feflec Körper in tropfbare elajlifdje glüffigfeiten. ©egt 2Cuöbünfiung 555 man j. 33. SDBaffcc bet aus, fo legen fiel) anfangs SSldSdjen an ben 2Bänben beS ©efäfeS an, meldje nach unb ttad) jur ©berfläche auffieigen unb t>iec jerplahen. jDiefe 33läSd)en ergeben ftcf> um fo tjduftgec, je ftavfec bie Q\%t ift. ©ie machen ben ©arnpf beS SBaffctS aus, bec in bie 2uft fteigt unb boct 2Bolfen bilbet. 2Cbec rtudj im blofen ©onnenfcf)ein unb ohne benfelben in freier 2uft oerbunftet baS 5Ba(fer, fornie jebe anbre glüffigfeit. ©ie allgemeine Urfad)e ber ‘tfuSbünfiung ift bie 2Särme; bei ben «ergebenen ©ubjianjen aber merben oerfd)iebene ©rabe berfelben erfobert. ©aS SBaffer, baS überhaupt ber 2(uSbünftung ftarf unterreot= fen ift, oerbunftet fefjon bei fef>r mäfiger SBärme, unb bei ber Ungeheuern SJtenge, in welcher eS über bie ©tbe oerbreitet ift, läft fid) mit f>ot>ec 3Bahtfd)einttd)feit fcf>lie= fen, baf baburd) bie ioid)tigften SBeränberungen in unferer 2ftmofpl)dre oeranlaft roerben. SJtan fat, um bie 2luSbünftung beS SBaffetS ju meffen, 2CuSbünftungS= meffer, Atmometer (f. b.), erfunben, beren ©rgebniffe jebod) jiemlid) unfidjer geblieben finb. SBenn man annimmt (rnoju bie angefteltten SSerfuche berechtigen), baf bie jährliche Sßetbünfhmg im ©urdjfdtjnitt 30 Soll betragt (b. h- f baf ber ioie= ber in 5Baffer oermanbette ©ampf bie betceffenbe ©berjtäcbe bis ju einer .fjohe oon 30 j3ol£ bebeefen mürbe), fo mürben, bie Sbecflacfe aller ©emdffec auf unferer ©rbe ju 4 SJtill. geogr. GSlf. angenommen, jährlich 200 Äubifmeilen SBaffer in ©ämpfe oermanbelt, melche SDtaffe nod) oergrofert mirb, rcenn man hinjuredjnet, maS bie feuchte ©tbe unb baS ganje SEhier* unb fPftanjenreicf) an mdfferigen Sh e üen auSbünften. 3m Sommer ift allerbiregS bie 2tuSbünffung beträchtlid) ftärfer als im SBinter, bod) ift fie in ber falten SahreSjeit nid)t fo unbebeutenb, mie man auS bet geringen SJtenge beS aisbann fühlbaren SBärmeftoffS fchliefen follte. ©elbft in= nerfalb ber fPolacEtcife hört bie JluSbünftung nid)t ganj auf, benn auch baS fefte ©iS bünffet an ber freien £uft nod) auS. ©ie ßtfeheinung ber tfuSbünftung ju er= Hären, finb jmeierlei -fjppotfjefen aufgeftellt morben, nad) melden fie entmeber nichts tfnbreS als ein geringer ©rab ber üöerbampfung, b. h- ber llmmanblung ber glüfftgfeiten in elafiifche ©ampfe, ober eine mähte tfuftofung ber glüfftgfeiten in bec £uft ift. 2e|tere SJfeinung ift befonbetS oon be 2uc beftritten morben. Stach ifm erfolgt bie tfuSbünftung, inbem ftd) baS SBaffer mit bem Södcmeftoff oerbin= bet, ohne ftd) in bec 2uft aufjutbfen. ©er -öauptgrunb für biefen ©ah ift, baf bei jebec SSerbünftung einer tropfbaren glüffigfeit Äälte erjeugt mirb. Äälte ift nichts tfnbreS als ©ntfernung ober S3ecbraud) beS SBarmeftoffS. SBenn nun bet üBerbünftungen SBärmeftoff oerbraucht, b. I). mit bem oerbünfteten Süaffer oetbum ben mirb, fo muf biefer SSetbraud) nothmenbig eine merflid)e Äälte in ber Stift er= jeugen. Stad) be 2uc tragt auch bie fiuft jur ttuSbünftung nicht nur Stidjts bei, fonbern ifr ©ruef ift berfelben mehr hinbetltd). ©fjue biefen ©ruef mürbe biefelbc SEBaffetmenge mett meniger Sßdrmeftoff jum 3Serbünften erfobern; mie benn bie Grr= fahrung lehrt, baf SEBaffer in luftleerem Staunte fidrfer unb fdjneller oerbünftet, als an bec Bttft, unb, nach ©auffute, bei einerlei ©rabe beS ShetmometerS unb -£>pgto= meterS, bie tluSbünftung auf SSergen, bei 3 SEtal geringerer ©idjtigfeit bet Suft, mefc benn hoppelt fo grof ift als im &h a t c - neueften Unterfuc£)ungen beftim= men jebod) biefe 2lnfid)t näher bafin, baf allerbtngS jur ©ntftehung beS auSbefjm baren ftöafferbunfteS eine auflofen’be Ära ft ber Suft nicht notfig ift, me'il er ftd) fonft nid)t im luftleeren Staunte erjeugen Sonnte; baf fte bagegen aber jur fSemirfuttg einer gleichförmigen SKifd)ung beS SBafferbunftcS mit ber Suft fchlechterbingS erfobert mirb, meil fonft, bei ber 3}etfd)iebenf)eit ber fpeciftfchen ©emichte beiber, noth= menbig eine Trennung erfolgen müfte, mooon bie ©rfat)rung gleichmol Stid)tS lehrt, unb baf man ftd) befhalb alfo gejmungen fteht, bie 23erbinbung beS auSbehnfamen SBafferbunfteS mit ber Suft als eine mahre 3fuflofung bcffelben in bie leftere attäu= fefen. Seite erftere 2fnftcht entmicfelt be Stic in ben „Nouvelles idees sur la me- teorologie" (Sonbon 1786, 2 33be.; bcutfd), SScrtin 1787); rcogegen bie2fuf= 556 2Cu6bünjiung löfung beg Sßaffetä in ber Suft atö Urfacbe bet llugbünfrung namentl. »ertbeibigt wirb »on $ube in f. ©d)tift: „Über bie llugbünfhmg" (Seipj. 1790). Unter 2(ugbün|tung beg t[)ierifd}en unb menfd)lid)en Üörpetg verfielt man 1) biejenige SSerridijtung ber .£>aut, mitteifi meiner in bem bienten 9le|e »on ef)aat= gefdfen betfelben beflimmte fluffige «Stoffe aug bem 33lutc abgefonbert, in Sanft (ober in einen feinen Suft) »erwanbelt unb alg folcberburd) bie Öffnungen betraut (bie fogenannten ©d)Weiplöd)ec, fPoren) auggebaueft werben; 2) juweiten aud) biefe abgefonberten unb burd) bie SEfjatigfcit ber ^>aut aug bem .Körper auggefd)aff= ten ©toffe felbft. Siefer Suft ifl unter ben gercobnlidjen Söerfjättniffen fo fein, bap man if>n mit blopen 3fugen nidit feben fann, baber man it>n aud) bie unmetf, Ud)eKugbünflung nennt; er wirb aber ftchtbar, wenn man bie 3p «mb an ein falte« ©la§ ober polirteg ®?etallbdlt, aud) wenn man bei falter Temperatur flarf au$= bünflet, ober wenn fleh bei nod) mehr »erflärfter Kugbitnflung biefer Suft nicht in ber Suft fd)nell genug auflöfl, fonbern in Tropfen alg ©d)Weip auf ber 4)aut fam= ntelt. Siefe Ifugbünftung burd) bie -£)aut bat bie meifle Ühnlid)feit mit bem aug ben Sungen auggef)aud)ten Sunfl, mit ber Ifbfonberung ber $äute unb iOfembra; nen innerer $6blen beg jforperg, bet Saud) = unb SSruftl)6t)[e, mit benen fte aud) in einigem 3ufammenhang ju ftel)en fdjeint. Siefe 2Bicf)tigfeit leuchtet nod) mehr betoot, wenn man bebenft, bap bie ganje $autoberfläd)e eineg erwaebfenen 3Jfen= fdjen wenigfleng 16 IHgup enteilt unb bephalb bie 9ßenge ber unaufhörlich aufc bünflenben ©toffe febr beträdjtlicf) fein mup, welche« ftef) aud) burd) bie genauen Seobad)tungen beg ©anctoriug (Senebig 1611) »ollfommen betätigt, weldjer einen gropen Theil feineg Sebeng auf bet Süage jubrad)te, unb nicht nur alle ©peU fen unb ©etränfe, bie er ju ffd) nahm, fonbern auch alle Abgänge genau wog unb berechnete, unb baburd) bie Erfahrung machte, bap nicht nur non ben glüffigfeiten, fonbern felbfl »on ben feftern 91abcunggfioffen, welche ber SJlenfd) ju ftd) nimmt, ein beträchtlicher Theil burd) bie llugbünflung wieber aug bem .Körper geht. Sie 2(ugbunftung h«it 2 für bag Seftel)en beg Äorpetbaueg fehr bebeutenbe ©egen= flänbe ju ihrem 3mecf. Ser eine ifl bie Sveinigung beg Sluteg oon gewiffen fd)äb* liehen unb übetflüfftgen ©toffen. 2(uper ben burd) jufüllige Umfiänbe in bie Slut= maffe übergegangenen jufammengefehten ©toffen, oon befonbern 9iahrunggmit= teln, j. 33. 3micbelgewäd)fen u. a. m., werben aug bem Slutc Äol)lenfioff, 3Baf fetfioff unb hauptfadilid) ber Übetfd)up an ©tiefffoff burd) bielfugbünflung mitteifi beg Sßarmefiop in @ag unb Suft »erwanbelt unb aug bem .Körper gefebafft. Sie Umwanblung fogar jufammengefebtet, organifebet, fefier ©toffe in gagfötmige Sfugbünjlung wirb in manchen Äranff)eiten, befonberg im gieber, fo auperorbent= lid) »ermehtt unb befd)leunigt, bap ber flärffle SJtenfd) in wenigen Tagen ganj ab= magern fann, ohne anbetn Abgang alg burd) bie .flaut ju haben. Ser anbre ber Ifugbünflung ifl bie Erhaltung beg gleid)mäpigen SÖSärmegrabeg in bem .Körper unb Serminbetung ber übermäßig ftd) erl)6l)enben .fßlje in bemfelben. Sebet le= benbe .Körper hat feinen eigcntpümlidjen ©tanb ber SSBärme, weicher ftd) im @an= jen genommen gleich bleibt, feine Umgebung mag nod) fo warm ober falt fein. Sie Temperatur beg 9J?enfd)en fleht ungefähr »on 32 big 34° (Steaumur). Sa bei ber Kugbünfiung burd) Serflüd)tigung ber ©toffe (f. oben) »iel SBätmefioff »et= braucht wirb, fo ifl fle ein bebeutenbeg 2lbfüf)lunggmittel für ben .Körper unb eine Ableitung für bie im Snnetn unaufhörlich ftd) erjeugenbe SBärme. 3e mehr äußere 3Bärme auf ben .Körper wirft, ober je mehr burd) anbre Urfacben, j. S. bi&ise ©e= ttättfe, SeWegung, bie innere SBärmeetjeugung »erflärft wirb, beflo »ermehtter wirb bie Ifugbünfiung, unb alfo auch beflo flürfer bie Ableitung ber SPßärme. Sßirft grope Äälte »on 2fupen auf benÄorper, fo wirb bie <£>aut»errid)tung gefd)wäd)t, bie 31'ugbünftung gebt langfamet »on flatten, ber 5Bätmefloff wirb fparfamer »et= braucht, fammelt ftd) alfoimÄorpermehran. Sähet magern bie Sflenfcben gewohn= tfuSfatt 2Cu§gabe 557 (icb im (Sommer ab imb nehmen im SOßinter tvicbcc ju, weil in jenem bie »erftärfte tfuSbünftung mel)r Stoffe aus bem Äörpet auflöft unb fortfd;afft als im SEBinter. 2)of)er fühlt fid) ber SJtenfd) burd) ben Schweiß ab, unb futjit ft'cf? in ber troefenen gieberhihe etquieft, fobalb ein frtttfcfjec Schweiß t>eroorbttd>t. 2Bitb aber bie 2fuS= bünftung auf längere Beit unterbrochen ober bod) geftört, fo muffen aucfi bie gen ba»on höd)ft nad)tf)eilig für bie ®efunbf)eit unb jelbfi für baS Beben beS 9J?en= fd)en werben. Siefe folgen haben großentheilS it)rcn ®runb in bem naf;en 93er= hältniffe beS ®cfd)äftS bet $aut ju ben innetn 3fbfonberungen unb ftnb um fo t>artnacSiger unb »etberblid)er, je anhaltenber bie Unterbrücfung ber VautouSbüm jtung ift. Sie »ermehrte innere SBärrne erjeugt fef>r oft Sieber; aud) werben bie fdjäblichen Stoffe im 33lute anget)äuft, »on weldien baffelbe befreit werben follte, bafjer eS »on feiner natürlichen 93efd)affenf)eit abwcid)t unb als regelwibrigct 9teij wirft. ©nblid) wirb bie Säerridjtung anbret abfonbernben SBcrfjeuge übermäßig »ermehrt, weil fie baS ®efd)äft ber $aut jttrn STheit mit übernehmen; bähet {teilen ftd) nach ©rfältung fo oft Schnupfen, Halsbräune, puffen, auch bebeutenbe itt= nere Sntjünbungen, ferner Sit cd) fall, Harnruhr, 3Bafferfud)t, langwierige 9tt)eu= matiSmen u. bgl. m. ein. Sn phpftologifcher $inftd)t »erbient ©rwäf)mmg SBiU. dtuiffhanf’S „Experiments on the insensible perspiration of the human body" (Bonbon 1795; beutfeh burd) SWichaetiS, fieipsig 1798). 5fuSfaIl. Bur Söertheibtgung einer geftung gehören, wenn nid)t befonbere 9iücfftd)ten jum ©egentheil beftimmen, öftere Ausfälle, um ben geinb entfernt ju holten unb feine SelagerungSarbeiten ju jerftören, wo möglich, nebenbeifie= benSmittel auS ber Umgegenb herbeijufchaffen, ber Unterfiühung an 9Jtannfd)aft ober SOßaffen ben leichtern Eingang ju bereiten ober einen @ntfa(s ju begünftigen u. bgl. m. Sie fönnen, »ornehmlid) in gefd)icfter Übereinfiimmung mit ben Um ternehmungen beS befreunbeten $eereS, gegen bie belageret entfd)eibenb werben. TCm »ortheilhafteften werben fie nach SRittornadjt, bei 9tebel ober 9tegem»etter um ternommen; fie müffen aber fietS auf Überrafd)ung beS geinbeS berechnet unb alfo fehr geheim gehalten werben, ©ent wählt man baju bie entfd)loffenfte, treuefte 5Rannfd)aft unb »ermeibet beim 2fuSrücfen jcbeS ©eräufd). Ser Bwecf beS 2fuS= falls beftimmt bie 3«hl ber 9Jtannfd)aft; häufig wirb fie burd) @efd)üfs unb 9teite= rei begleitet. Sie barf ftd) jebod) in feinem gall ju weit »on ber gefiung entfernen, um nicht abgefd)nitten ju werben, unb beim SRücf jug nie bie SJelagerten in ber SSer= theibigung h'nbetn ober SSetwitrung »erurfad)en unb babutd) ben 3fnbrang beS geinbeS felbfi begünftigen. häufig fud)t man burd) Ausfälle »on geringer Stärfe bie SSelagerer ins Seuer ber geftung ju [oefen ober ju beunruhigen unb ju etmüben. SaS ©enie unb bie unermübetc Süjätigfeit beS geftungScommanbanten wirb bie Ausfälle fo lange als möglid) als baS befte SSertheibigungSmittel ju benitgen wiffen. “JfuSgabe ober Verausgabe eines 33ud)eS tjei^t beffen Stucf unb 95e= fanntmad)ung. Überhaupt »erftebt man unter einer 2fuSgabe in biefern Sinne einen 2fbbrucf unb unterfcheibet bei SOßetfen, bie mehrmals gebrueft werben, ebenfo »tele tluSgaben, eine erfte, jweite, britte u. f. w. 3ft ein SDßetf in feinen »erfd)iebe= nen Auflagen unoeränbert geblieben, fo fann ber Söorjug ber einen »or ber anbern nur in bet großem 9tid)tigfeit unb Schönheit beS SrucfS unb in ber beffern 93e= fchaffenheit beS ipapierS beftehen. 85ei SBerfen, weldje in ben folgenben Ausgaben »erbeffert unb »ermehrt worben, jieht man in ber 9tegel bie jebeSmal neuefie 3tuS= gäbe ben ältern »or. .{Mer unb ba ftnben jebod) Ausnahmen ftatt, woju eS einer befonbern SSücherfenntnip bebarf. SSornehmüd) ficht man bei ben gtiecl)ifd)en unb römifchen dlafftfern auf bie »erfd)iebenen Ausgaben berfelben. 3h r « 2fnjaf)l ift fehr groß, ihr Söettf) beftcl)t öfter bloß in ber Seltenheit. 2fm gefud)teften ftnb bie erften JlitSgaben, editiones principes, weil ftc unmittelbar nad) ^>anbfd)tiften gemacht worben (hierher gehören bie 2(uSgaben beS 15. 3oh r h- < bie tilbini’fchen, 558 Ausgabe Ausgrabungen bie ©iuntini’fd)en); ferner fritifcßc unb mit gelehrten Kommentaren »etfeßene An«: gaben. Anbre roerbcn be® faubetn Srucf® wegen gefcßaht, roie bie Slseoir’fchen in Suobej, bie 83arbou’fcßen, anbre wieber wegen ber fPracßt, wie bie »on S3a8E'er= »ille, Sibot, ffioboni u. f. w. Sie Äenntniß ber Aufgaben, um ifjren SBertb) richtig ;u fcßaben, .Originale »on sjfacßbrucfen u. f. t». getjorig ju unterfcheiben, erfobert ein eigne® ©tubium unb große Übung. Sin »ortrefflicße® -fäülfSmittel jut Äenntniß ber Ausgaben ber bebeutenbftenSSücber iftSbert’8 „SSibliograpßifcße® fiepifon" (2 S3be., Seipjig 1821 fg.). Ausgabe t»irb in bet Ofonomieber Sinnahme entgegengefeßt. Unb fo= wie biefe barin beftetjt, baß man ©elb ober ©üter mit feinem Sigentbume »erbin-- bet, fo befaßt bie Ausgabe barin, baß man ©eib ober Sßaaren »on feinem Sigen= tbum trennt unb folcbe Anbern überläßt. AuSgebtng, in einigen ©egenben Seutfcßlanb® bie Srnäßrung u. bgh, wa§ ftch Altern »orbebalten (auSbebingen), wenn ffe nod; »or ihrem Tobe ben Äin= bern ihr Vermögen überlaffen. Sie® gefd;ieb)f mittelfl eine® gefeblicßen Vertrag®, unb ba® AuSgebing bat alle Sigenfchaften unb folgen eine® folchen. Ausgrabungen. Sie ©efcßicßte ber regelmäßigen Ausgrabungen »on tomifdben Altertbümern beginnt mitbemS3re»e fPapftßeo® X. »om27. Aug. 1515, ba® SJafael ©anjio jum fPrafecten ber Altertb. machte. Sie Söorte biefe® 93efet)l8, noch mehr aber jener freimüthige 33erid)t an 2eo X., ber früher bem geijfteichen ©r. Saffiglicne jugefcßticben würbe, jefct aber burd) SranceSconi al® ein Auffaß be® SKafael anerfannt ift, gaben ben auSreicßenbffen SSewci®, wie barbarifch unb plan= lo® mit ben Überreffen be® Altertbum® in 9fom, bamai® ber ^auptjfabt europäi-- fcher Äuuftbilbung, umgegangen würbe. Sutd) Sfafael’® Anorbnung unb 33eifpiel fam einige Otbnung in bie bisherige SBillfüt. (9R. f. über f. ißerbienffe Siotillo’® ,,©cfd)id)te ber 3Ralerei", I, ©. 98 fg., unb 9fofcoe’8 „Sehen 2eo® X.", jf. 22.) 9fod) war ber SSoben aber ju reidj, al® baß an bie ©teile be® aufraffenben Sufarn-- menlefen® eigentliche Ausgrabungen nad) überlegtem )Ptane hatten treten follen. §(am. SSacca’6 fo »erbienjiltche „Comrn. de monumentis Romanis suo et majo- rum aevo deprehensis" »on 1594, bie Satlo Sea in f. „Miscellanea filologica critica ed antiquaria", 9fom 1790, V, I, @. 51 fg. , bereidjett herausgegeben hat, ifi baßer meßr eine ©efchicßte bet jufälligen Aufftnbungen al® ber geregelten ©caoajioncn. Überhaupt gingen in 9fom bie Ausgrabungen etfl in ben neuern Seiten feßr in® ©roße. Stüber umfaßten ffe einzelne ©raber (ber fftafonen, ber ©ci= pionen k.) unb einzelne SSignen. Söäßtenb ber dperrfdjaft ber Stanjofen würben bie 83äber be® Situ®, bie Arena be® Soloffeum, ber Triumphbogen be® Äonjfantin, ba® S»rum be® Trajan jum Tßeil jugangtg gemacht, jum Tßeil weiter aufgebecft, unb bie Aufbecfung ber Via sacra, be® S3oben® um ben Stiebenstempel unb bie ©äule be® spßeba® angefangen, bie »on ber jeßigen ÜJegierung immer weiter fortge= fegt werben, um ba® alte Sorum »ollig oom Schutte ber Saßthunberte ju befreien. Auf biefem Serum fanb man 1824 ben erffen SJteilenftein, »on welchem ab alle SRcilenfteine auf ben »on 9lom auSgeßenben ^eerjltaßen gejählt würben. 3» ber Sampagna »on 9fom jog^im früheffen bie üöilla be® Abrianu® an; befannt finb bie ©rabungen in ©abii (1792), inäklleja, inOflia, unter Sea’8 Leitung, unb bie einzelnen ju Antium, ba®, fowie Otricoli unb Stiuli (Forum Juiii) beiübine (1817), feßr ergiebig war. Sn ber Ausgrabung unweit Sftonte Saloo in t er @a= bina fanb man bieSfeffe einet ©tatuenreiße ber 9Rufen, 1826 bei S5re8cia jufal= lig ben Tempel be® Jpercule® mit ©tatueit, unb 1828 bei Sorneto ©raber be® al= ten Tarquinii. 95eloßnenb waren bie »erffänbig geleiteten ©rabungen in $ e r cm lanum unb fPompeji (f. b.). Sa® -Sßieberaufleben biefer ©tabte belebte ben Sifer ber cfiumanijten unb Sammler in allen Säubern. 3n Sranfteicß ßatte ^eireSc ben AltertßumSfreunben bureß fein S5eifpiel bewiefen, wie reid; ber SSoben biefe® JCuölegung ?Cw6lteferung 559 I ganbe« für ben echten ©udhet fei. fWontfnucon, ©aplu«, unb oor menig 3<. mid)tig. ©paniett i fd)eint e« non jeher bemSufall überlaffen ju h«ben, bajj fein SSoben @d)dhe lie= fere. Die 9)fofaif oott Staliea mürbe jufdllig entbecft. 3n 2fgppten mar einer bet ' fruf>eflen Sieifenben, ber ©rabungen anffellte, Pietro bella Saile; in ben neuejien Sagen reift bort fein grember, ohne $acfe unb ©paten mit ft cf) ju führen; ©p; rien ift meniget burchmühlt. 3n spetfepoli« unb Sabmot marb öfter gezeichnet al« gegraben. Die ©tabet non 3üum jlörte @r. (5£>oifeul=©oufftet auf, ju bet; felben 3eit, als Corb Hamilton bie Sobtenfldtten ©rofgriechcnlanb« burcf)fud)te. Die frühem Sfeifenben in ©riechenlanb, bie fRointcl, ©pon unb SBheler, butf» ten, rnie eg fd)eint, nur jeichnen (affen, ©rft in neuern Seiten gefianben bie Sür= fen }«/ nach allen Regeln in ber 9tdhe großer Stümmer ben SSoben umjumühten. j Der bebeutcnbfte gunb, ber bort gemonnett mürbe, rnaren bie dginetifdjen ©ta= I tuen beim Sempcl be« panhellenifdjen Seu« unb bie griefe non *Phig at > a - ®eni= get 2fu«beute gab ©icilien, ba« bie 2fufmerffamfeit ber SSriten notjugOmcife am jieht. 3^ar lief ein Saton ©iubica bort eine ganze ©tabt (2lcre) aufbeefen, bod) bejtanb ber ©rroerb btefcS foftbaren Unternehmen« nur in fleinem ©erdthe. 5Bdh= renb aber ©tied)enlanb, 3talien, Äleinafien unb 2fgppten, ja felbft ba« ferne 3n= bien non ben funjfliebenbcn Steifenben burchmühlt unb burd)forfd)t tnotben, be= gnügt man ftd) imfftotbtn non ©utopa nicht, bie Überrefte ber Seiten ber 3f!toot= bern non bem Snfalle ju ermatten. 3n ben 9tieberlanben fornrnt au« bent Stoor eine hölzerne Stücfe au« römifdjer 3eit ju Sage; bei Salzburg ba« a(te3uoa» oium; bei Sonn, bei 9teuroieb Denfmale ber 9fömerhetrfd)aft; *ptof. n. Studfar leitete 1829 2fu«grabungen bei 2ien$ im ^)ufterthale, unb beifftufbotf, mo ba« tömifd)e Loncium geftanben haben foll. ©elbjt ba« alte SBinfrieb blieb nicht um unterfud)t, unb bie ^eibengrdber ber ©d)leftet nidit unbeachtet. Äaifer 2£(e;ram ber hat bie Stummer nergangener 3ah r h im öerte entlang be« fchmarjen Sfeer« unb in Saurien burcf) ben 2frd)dologen, ©taat«rath non Äöhler, entmeber roeiter zu I Sage förbern ober hoch genauer zeichnen unb meffen, bie nicht haltbaren abtra* gen (affen. 19. 2£uSlegung, f. ©pegefe, Jpermeneutif. 2£u«tieferung mirf liehet ober angeblidjet Serbrecher, entlaufener ©f la= nen, Seibeigenet, Ärieg«bienftpfTid)tiger u. X, me(d)e ftcb ber Sejtrafung, ber ©tfüllung einer ^>flid)t, ober aud) einer ungerechten Serfolgung burd) bie glucf)t entzogen haben. ©djon biefe Sufammenfiellung zeigt, baf bie« einer ber nerrcicfelt= flen fünfte be« Sölfet= unb ©taat«red)t« ifl. 2fuf ber einen ©eite fleht bie fPflid)t aller Staaten, ftd) $u ^anbhabung ber ©eredftigfeit Seijtanb juleijfen, auf ber anbem bie Serbinblid)feit, bem Unfcfulbigen @d)it(s ju getnahren unb felbfi bem i grembling nicf)t ohne rechtliche« ©ef)ör unb Urteil ein Übel äusufügen, bejlänbe bie« aud) nur in einer Seraubung feiner greiheit, ftd) einen beliebigen 2lufen U halt«ort ju mdl)len. 9tom geflattcte in feiner frühem beffern Seit einem Seben, ftd> burd) fretmillige Serbannung ber ©träfe ju entjiehen, mie Sette« that. Darin ifl man einig, baf an ftd) fein ©taat fchulbig ift, 2fngefd)ulbigte au«juliefern, unb bie Ofegierungett fttd)en ftd) burd) Sertrdge bie Serfolgung flrafbaret ^)erfonen ju ftchern. ©nglanb fann, oermöge feiner gunbamcntatgefe&e, ber Söegel nad) 9Ue= manb au«tiefem, unb felbjt grembe nur oermöge ber 2(lienbill au« bem Sanbe fd;ajfen, roelche, al« 2lu«nahmegefeb für einige 3af)te gegeben, nunmehr aufge= 560 2fu£>naf)megefe|e hört f)at. 9iur in Anfefjung gemeiner ©erbrechen (SRorb, Siebfialjt, 9?erfäl= fdjung, 6 etcüg(icf)cr ©anfrutt) mürbe jmifdjen ©iglanb, Sranfreich, Spanten, *£ollanb unb anbern allürten Staaten Sranfreich« im Stieben oon AmienS (23. u. 27. 9Jiärj 1802) feie Auslieferung gegenfeitig oerfprodjen; habet aber jut S3ebin= gung gemacht, baß fold)e ©etoeife beigebrad)t mürben, melche hinreichenb mären, ben AuSjuliefernben im Sanbe felbfl ben ©erlebten ju übergeben. ©(eiche ©tunbfdge gelten jmifcfyen ©tglanb unb Otorbamerifa, oermöge be« ©ertrag« oom 9. ©o». 1794; aud) metben fte »on ber englifdjen Sfegierung, rote neuere Salle bemiefen haben, gegen alle anbre Staaten beobachtet. Sieg ftnb offenbar bie tiditigfim Anficbten. ©S muß ein ©erbredjen oorbanben fein, roelcbeS überall unb befonber« nach ben ©efegen be« Staat«, meldet attSliefetn foll, firafbatifi, unb eS müffen gegen ben AuSsuliefernbengefeglicbgettügenbeAnjeigenootgelegtmetben. Sie©eur= theilung beiber fünfte gehört jum 9iid)teramte; baher mitb jut 9ied)tmäßigfeit ber Auslieferung ein ootläuftge« richterliche« Urtheit nötljig. SBegeit Mangel« eine« gemeinen ©erbrechen« fchlug Sranfreich ben Spaniern (1780) bie Auslieferung be« ©rafen Slaoibe«, Preußen ber franj. Regierung (1801) bie Auslieferung ber befPtecp, Smbert ©olome« u. A. ab, melche megen einet ©erfchmötung gegen bie ©onfulatoetfaffunq ju ©aireutb oerhaftet motben maren. ©egen bie Auslieferung be« Sberfien oon ©iaffenbad) erhob ftch im erfien Augenblick bie öffentliche Stimme nur barum, meil er nad) ooreiligen 9?ad)tid)ten ohne rechtliche Prüfung bet ©er= bad)t«grünbe oerhaftet unb ausgeliefert gu fein fchien. Später änberte ftch barüber bie öffentliche Meinung. Anbte ©runbfage ftnb butcb befonbere©ertrage, j. 33. jmifd)en Sranfreich unb ber Schmeij, jmifcfjen Siußlanb unb fPreußen/aufgeflellt morben, melche ftch gegenfeitig bie Auslieferung aller Angefcbulbigten auf bloße SRequifftion unb ohne ©otlegung hinreichenbet ©etbad)tSgrünbe gugeftdfjert haben. Am Ieidjtefien ifi man bet Auslieferung ber SeferteurS, meldje bttrd) (latfelcom oentionen jmifcben befreunbeten Staaten faft immer bebungen rnirb. 37. AuSnahmegefe|e (lois d’exception), ein neuer 9fame für eine alte Sache. SSBenn ber Sufinnb eine« Staats fo oetmorren unb gefährlich ifi, baß bie gercöhnlichen Kräfte unb ©efege nicht mehr für auSreicbenb gehalten metben, fo greift man ju außerorbentlidjen unb fiärfer mirfenben SRitteln. Sie Siörner hatten für foldje Salle bie Sormel, moburd) ben beiben ßonfttln eine größere ©?«d)t einge= räumt tourbe: Videant consules, ne quid respublica detrimenti capiat, unb mentt biefe« nicht hinreichte, ihre Sictatur. SaS Heilmittel mar frfjon bamal« oft fchlimmer alSba« Übel, melche« geheilt metben fottte, unb als bie Sktatoren ju Srittmoirn reipublicae constituendae gemorben maren, ging bie Drepubii! p ©runbe. SeSpotifcbe Staaten brauchen feine AuSnabmegefege, bie öffentliche ©e= malt ifi bort immer oon ben Sd)tanfen frei, melche ihr in ben conjiitutionnellen ©erfaffungen gefegt ftnb. Allein in ben legtern fönnen (toten eintreten, in meldjen bie ©lacht ber Si’egierung oerjiärft metben muß, um fd)nett unb nad)brücfltch mit= fen 5 U fönnen. — Sn ©iglanb befieht in folchen Sagen bie erfie unb midjtigfie SOiaßregel barin, baß ba« HabeaS=(5orpuS=5Red)t für eine befiimmte Seit fuSpenbirt roirb. Sie Regierung fann bann oerbächtige unb gefährliche Seute in ©ertoabtung nehmen, ohne ihnen gerichtlid; benfßroceß machen ju taffen. SiefeSuSpenfton rnirb j aber nur auf eine gemiffe Seit bemittigt, mit beten Ablauf alle fold;e StaatSgefam gene mieber in Stetheit gefegt ober jur förmlichen Unterfuchung gejogen merben >. müffen, unb nun fcbügt bie Sugpenfton bie ©linifter feineSmeg« gegen bie ©itfd)ä= bigung«anfprüd)e ber ©erbafteten. Soch merben gemöhnlich biefe Klagen in einem befonbern ©arlamentSact (indemnity-bill) nkbergefdjlagen, bei beffen ©ethatto lung im Parlament bet ©ebraucb, meld)en bie ©linifiet oon bet betoilligten SuSpem | fion gemacht haben, oon ber ©egenpartei fcharf geprüft $u merben pflegt, ©ne j ämeite ©faßtegel biefet Art ifi bie Alienbitt (f. Sr embenbitl), melche ber 9?egie= I 561 3fu§na^megcfc|c utng eine SEJ?ad^£ übet bie nad) ©nglanb Eomntenben gtemben einräumt, bie if)t nad) bet 33etfaffung nid)t juEommt, befonberb ib)t bie SSefugnip gibt, fte nad) belieben nicf>t nut aub bem Saribc ju weifen, fonbern aud) nad) ©utbefinben auf itgenb einen fPunEt beb fejten Sanbeb ju fd)icfen unb baburd) aubjuliefctn. ©ine 2£rt inbiöibuetler 'Itubnatjmegefejse ftnb bie Strafbiltb, welche in einzelnen galten jlattftnben Eonnen. 23ab Parlament beftgt bab Sted)t, naetdjeb bei einet richtigen Stjeilung bet öffentlichen ©ewalten it>m nid)t juflef)en Sonnte, einjelne Snbioibuen oljne rid)terlid)eb Urttjeil mit ©trafen ju belegen. ©ieb ijl oon feinet eignen rid)ter= liefen gunction, tt>o bie 9feid)bf)etren, bie fPaitbEammer, alb oberftet ®erid)tbt)of hanbelt unb bab dpaub bet ©emeinen alb Kläger auftdtt (wie bei ©ouuetneut .fpaftingb), woljt ju unterfdjeiben. ©ort ftfcen bie Sorbb fötmlid) ju ©erid)t, unb bem 2EngeE(agten wirb oolteb redptlidjeb ®ef)6t ertfjeilt; eb Sann aud) feine SSet= urtbetlung nid)t anbetb alb mit einet 9Jfel)rf)eit oon 12 Stimmen (bie |3at)l bet ©d)6ffen in gewöhnlichen galten) aubgefptod)en werben. 3n biefen ©ad)en ent= fd)eibet btof bab ©betljaub, auf Anträge bet ©emeinen unb ganj ohne 3utl)un beb Äonigb, beffen 3fed)t bet SSegnabigung fogar befd)tdnft ijl. 2fber wenn ein inbioU buelteb Strafgefeg (bill of attainder, ober bill of penalties) gemacht werben folt, fo Eann bet Antrag baju fowot im ©belaufe atb im Unterlaufe gemadit werben; eb ftnbet Eein eigentticfjeb red)tlid)eb Verfahren flatt, fonbern eb hängt non bem 4)aufe ab, wie eb ftd) bie ©ewifheit bet Sttjatfadjen, auf welche bet Strafantrag gegrunbet wirb, »erraffen wüt, unb eb ijl nur eine in bet Sache liegenbe S3iltig= Eeit, baf bem 2tngefd)ulbigten aud) babei ©elegenfjeit ftd) ju oettljeibigen gegeben wirb, ©er S3efd)lup felbfi wirb nad) einfacher 3ftehrf)eit bet Stimmen gefapt, mujj aber oon. beiben dpäufern beb fParlamentb genehmigt werben unb bie 3ufiimmung beb Äonigb erhalten, wie ein anbreb ©efefs. 2t’ud) bei Sumeffung ber Strafe ijl bab ^Parlament nid)t an bab befletjenbe Ofed)t gebunbcn, eb Eann fte großer unb geringer aubfptecfyen, alb bie ©efe^e mit ftd) bringen, unb bab 33egtiabigungbred)t beb Äonigb fallt, wenn er einmal feine 3uflimmung gegeben tjat, ganj fjinweg. ©in fotcfjeb Verfahren, weld)eb S3tacEflone nur erwäljnt, aber, weil eb Eein red)t= tid)eb fei, nidjt weiter abfjanbett, tpat immer etwab fefyr SJer^afteb unb wirb batjer nur feiten angewenbet. 2d)omab SSBentwortf), ©raf 0 . Stafforb, ber beEannte oet= trauteSPfinijlet Äartb I., würbe auf biefent 9Bege jum Sobe oerurttjeilt, unb eb war eine ebenfo ungered)te alb unEluge Schwäche beb Äonigb, baß er feine ßujiimmung ju tiefem Strafgefefc gab. ©affelbe ©erfahren würbe gegen bie Äonigin J820 ein= geleitet, unb ganj abgefefjen oon ihrer Scfjulb ober Unfdjutb, lag fd;on barin ©runb genug, eb ju oerwerfen. — %n gtanEreid) braud)te man oot 1790 feine 2fubnat)me-- gefefse; bie Lettres de cachet (f. b.) waren für 3tlteb gut. ©ic fPatlamem ter würben, wenn fte gegen Eönigt. SSefefjte 58orffeltungen machten unb bie fPttbli= cation berfelben, welche burd) ©inttagung in bie ^Parlamentbregifter bewirft wttrbe, aufhielten, burd) Eonigl. ©jungen (lits de justice), burd) SBerweifttngen nad) einem Eleitten Srte enblid) jum ©efjorfam gebradjt, ober wenn if)r SBibetflanb anljaltenb würbe, aufgehoben, wie in ben lebten 3faf)ren Submigb XV. 31'llein alb bab gered)te Streben nad) gefehlter ©rbnung, burd) SRanget an 2tufrid)figEeit unb SDlafigung oon beiben Seiten, in einen wilben ^ParteiEampf aubgeartet war, waren 2l'ubnal)me= gefege ebenfo oft wirElid) notfywenbig alb blop ergriffen, um ben Sieg ber ^Parteien ju befejligen. 33on ©taatbftreidjen (coups d’etat), alb uttgefeblid)en, aber oieO leidjt notfywenbigen SD2af regeln in einzelnen gälten, bergleidjcn bie ©d)lieputtg ber fftationaloetfammlung, bet 18. gructibor 1797, bie 21ufhcbung beb Stibunatb 1807 u. a. waren, ijl t)ier nicht bie 9febe. 3fber bie Sttbpenfton ber ©onjlitution (felbft ber bemoEratifdjen), bie reoolutionnaire 9?egietung 1793, bie fPetmanenj beb Sfeoolu; tionbtribunalb, waren ed)te 2tubnat)megefebe. fKegetmäpige ^>errfd)aft ber ©efefse war bab toid)ttgfle 23erfpred)en jebet neuen Ofegierung in gtanEreid), bib jefet aber Som>.=ße):. ©iebente JCufl. 33b. I. f 36 562 XufoniuS 3fit§fa£ ip eg nocp oon feiner erfüllt worben. Sie p)repfreipeit würbe meprmalg befcprünft, unb ber orbentlicpe Sauf ber 9led)tgpPege bnrd) ©pedalgeridjtgpöfe gcpört. ©ing bet merfwürbigpen 2fugnapmegefel,je war bag oom 3. Sftdrj 1810 über bie «Staate gcfatigniffc, woburd) bie alten Lettres de cachet fafl ganj wieber eingefaßt wuv= ben. 3war follte ber ©infperrung in ein folcpeg ©efangnip jeberjeit ein S5ertdu beö Supijniiniperg unb ein 58efepl beS ©epeimenratpg oorpergepen, flc and) niept lmt= ger bauern alg ein Sapr; allein eg fehlte an einer ©inrieptung, wie bag >5abeag= ©orpug=9vecpt in ©nglanb, um bie SSefolgung biefer SSebingungett ju erjwingen. 2fudf> unter SubwiggXVIll. Regierung bauerten einefOlcnge'Xtgnapmegefepe fort. 93ergrbeng peipt eg im 2Trt. 3 bet 33crfaffunggutfunbe: „Sie granjofen paben bag 9Jed)t, ipre Sfteinungen beEanntjumacpen unb bruefen 511 laffen, wenn fte bie @e= fepe gegen ben SJlipbtaucp ber fPrepfreipeit beobachten". Surcp wieberpotte 2fug= napmegefebe ifl aber bie ©enfut nicht blop ber politifdjen, fonbern aud) ber wiffem fc^afttidjen Sournale öfter cingefübjrt worben. SSefonberg würbe bag 5Berbted;en, Welcpeg ber ftnpere ©cpmüttnet Souoel an bem ^erjog 0 . SSerrp oerübte, bap be= nupt, bie5prepfreipeit ju befcpränEen unb ben SÖlinipern bie SSefugnip jtt oerfepaffett, PJlenfcpen, welche eineg 58erbrecpcng ober oerbreeperifeperUmtriebe gegen ben jfönig, ben Staat unb bie fönigl. Stunde oetbadpig waten, opne ihnen ben geridptlidpn fProcep madjenju laffen, einjufperren. Siefe ©efepe follten big jum ©nbe bet ©igung non 1820 bauern. Sag ©efeg, bie ©enfut betreffenb, ifl in ber ©igunij non 1820 erneuert worben, unb jwar big auf 3 SJfonate nad) 2fnfang ber ©igutig non 1821; hingegen bag ©efeg wegen bet fBerpaftung oerbaeptiger äRenfcpen ifl fiilIfd)Weigenb aufgehoben worben. 2fucp in Seutfcplanb haben mit ©anb’g fancu tifdjem Söapnpnn 2fugnapmegefege $u banfen (f. Äarlgbaber 58 efep lü ffe), welche eine befonbetc 2Eufftcpt über bie Unwerfttäten unb eine oerfepörfte (ober cr= neuerte) ©enfur mit fiep gebracht haben. 37. 2(itfo nt u§ (SeciugfOlagnug), ber berüpmtepe röm. Sichter beg 4.Saprp., geb. ju 58urbegala (58orbeaup) gegen bag 3-310, flubirte unter auggejeichnetcn Septem unb erhielt ben Septfiupl ber 58erebtfamfeit in feiner 5Baterpabt, non roo aug fein 9vttf ftd) burd) bag ganje fReid) oerbreitete. S3alentinian oertraute ipm bie ©rjiepung feineg ©opng ©ratian an unb ernannte il)n fpöterpin jum Suajlor unb 9 )rafectug ^>rdtorü. 2 Clg ©ratian ben Spton befliegen hatte, bejeigte er ftd) niept minber banfbar gegen feinen Seprer. ©egen bag 3- 370 ernannte er ihn jum ©on= ful in ©allten. 94acp bem SSobe ©ratian’g lebte 2f. auf einem Sanbgute bei 58ot= beaup feinen §reunben, ben 2 Biffenfd)aften unb lanblicpen greuben, unb flatb um 304. Sa SSalentinian ber cprifll. ^Religion sugetpan war, fo ifl eg waprfcpetnlicb, bap 2 (. ebenfalls biefe Steligion befannte; aud) bewiefen bieg mehre feiner ©ebidde. Sie Äritifer finb über ben bid)terifd)en SBertp beg X nid)t einig; unleugbar ip er geipreid) unb gelehrt, aber ©ttp unb 58ergbau haben bei ihm bie SDlangel beg 3eit= alterg, unb feine ßatinitat ip unrein. 9Ran hat oon il)m ©pigramme, SbpUen, SElo= gen, SSriefe in fBerfen tc. Sie gefd)a|tepen 2fugg. ft'nb: ffiorbeaup, 1575—80, 2 SSbe., 4., oon©ouchap; ^atigl730, 4., Säubert; fPartg 1760— 70, 483be., 12. 58gl. ^»eiger’g „2lbhanblung". ©. „Mosella", lat. unb beutfef), nebP einem 2fbrip oon beg Sicpterg Sehen, unb 2fnmerf. oon D. ©. 58öcfing (SSerl. 1828, 4.). 2 fufptcten, f. 2 fugur unb Slugurten. 2 fu§fah, eine bögartige, partnüdige unb gefährliche ^autfranfprit/ e '- gentlid) im fPlorgenlanbe, befonberg in 'ifgppten unb fPalApina ju ^aufe, jeboep fdjon früp buerf) römifepe ^»eere nad) Italien gebracht, unb fpaferpin burcf) bie nach ©utopa äurüdfeprenben Ärcuäfaprer noep mepr im Jfbenblanbe verbreitet, wo er am ©nbe beg 15. Saprp. oetfcpwanb unb ber Supfeucpe ^Ma^ machte. 3Bag bie 2(lten 20 (eg su bem 2 fugfnp red)neten, fdpeinen mepre partnacfige ^autaugfcpläge gewefen jtt fein, welcpe nacpbemÄlima unb ber Sebengweife berföölfer oerfeptebene Sat 5 5Cu§fcf)tttft 2Cufjcntt>ct!e 563 men unb ©rabe bet SSoöattigfeit {>atfcn. 25a« Sotjeichen beffelben war nad; ben verfchiebenenÄlimaten vcrfchieben unb beflanb theil« in alten jenen unbeflimmten 2lu«fd)lägen, Sieden, Siebten unb ©rinben, tf)ei(« unb befonbet« aber in einer bunfeln SRotlje bei- $aut unb be« ® e ft d;t« (bie arge Siotfje genannt). iDet volI= enbeten 2(u«faf5atten ftnb nad) .£en«ler’« Unterfudmngenbrei: 1) bet räubige 2(u«= fab, Septa unb fPfota bei ben ©riedjen, wafjtfcheittlich ^iob’« Äranfljeit; 2) ber weife 2fu«fab, 3araah bei 9Rofe«, Seuce bec ©riedjen, ber in feinem lebten 3eit= raum in bie £epta SEptia ber Kbenblänber übergebt. 25iefe beiben $autau«fd;läge ftnb theil« bunfle berbe SRauben, ober feine weife ftaubige ©rinbe, unb fo bobartig, bap fte nur fef)t fd)Wer eine Teilung julaffen; 3) bet allgemeine fnollige 2fu«fa(j, ©lepfjantiaft« ber ©riechen unb fRömer, ifl jebt noch befonber« auf ben wejltnbis fd)en Snfeln ju ft'nben. @t ifl ber fd)limmfle von allen; e« entfielen wenig 9tau= ben unb ©rinbe auf ber .fjaut, fonbern biefe wirb burdjau«, befonber« im ©eftdtte, in .Knollen umgetoanbelt. ©r fdjeint weniger mit Süden unb Srennen, ba« bei ben anbern unau«fief)tid) ifl, verbunben ju fein, bafjer ihn auch bie Ifbenblänber ben ruhigen 2(u«faij nannten, ifl aber gattj unheilbar. 2fuch in ben fRotblänbern ifl ein eigner 3fu«fab JU .fjaufe, ber ebenfo bö«artig ifl wie ber tropifdje: bie SRabe= fpge. (©. $ aut fr an tfy eiten.) Sn weiterer Sebeutung nennt man juweilen, wiewol fätfd) lid), weitverbreitete anfledenbc freb«f)afte ©efdjwüre auf ber Sber= fläche be« Äorper«, ferner bie Sinnen bei ben ©chweinen, 2(u«fap. — 2)ie 9läu= bigfeit ber Säume, wenn ber ©tarnm mit Sieden überzogen ifl, wirb juweilen, aber uneigentlich, ebenfall« 2fu«fa£ genannt. H. 2fu«fd)nitt, in bet ©eometrie, berjenige 3d)eil einer ©irfelflädje, ber butd) 2 JRabien unb ein ©tüd be« Umfang« (ber ^Peripherie) eingefcftloffen wirb. Ifufjen werfe ftnb alle 58etfe einer Stflung, bie auf erfjalb be« ^aupt* wall« in ober jenfeit« be« ^auptgraben« liegen, ©ie l)aben ben 3n>ed, ben Angriff auf ben -ftauptmall aufjufalten, bie ©pfiffe gegen benfelben aufju; fangen, unb ifm ©eitenvertheibigung ju geben. 2(Ue IfufettwerEe muffen bähet fo eingerichtet fein: i) bap fte bet Scinb angreifen mup, ei)e et jum djauptmade gelangt; 2) bap fte bem >£>auptwall ©eitenvertheibigung geben; 3) bap fte ben auperfjalb be« ©laci« errid)teten Satterien be« Sexnbe« alle ©teilen ber Sutter= mauer be« $auptwall« votlEommen verbeden; 4) vom cfjauptwall au« einge= fefjen werben. 9Reifl, jebod) nid)t immer, ftnb fte einige Sn£ niebriger a!« ber ^auptwall. JDie gcw6fjnlidf)flen 2fupenwer!e ftnb: 1) Die ©rabenfdjere (©rabentenaille), liegt im ©raben jwifd)en 2 Saftion« vor ber ©ourtine unb hat gewöhnlich bie Sonn eine« eingehenben SBinEel«. 2) 2)a« fRavelin (f. b.) (25emtlune). Sieben ihm liegen juweilen 3) ßunetten (Stillen, f. b.). 4) ©ontregarben (©ouvtefacen), liegen jur Sedung ber Sollwetf«facen juweilen inSotm eine« au«gehenbcn SBinfel« vor bem Sollwetfe. Senfeit« be« $aupt= graben«, jebod; butch ihren ©raben mit ihm verbunben, liegen jur Sofihtlxd?er ^infid)t. SJtan b«t in neuern ■Seiten f>auftg biegorm bed ©lücüfpietd angewenbet, um ftd) bedßigentbumd fcbwer ober mit gtopetm SJertuft in baated (Selb ju fe^enber Singe gegen baared ©elb ju entiebigen, unb fo entweber gropetn ©ewinn »on feinem ©gentl)um 51 t jtefyen ober jerrüttete Söermogendumftanbe auf biefe Sßeife wiebet in Örbnung ju bringen. (©. 2 011 e r i e.) 3 >e wichtiger nun bad Übergeben bed ©igentfyumd aud einer dpanb in j bic aitbre ift (befonberd fobalb bied ©igentfyum gtopen SBertl) t>at unb »orjügtid) in I ©runbftücfcn befielt, bic jugteid) einen wefentlid)en 5Jd)eil bed 9tational»ecmogend audmacben), je leidster auf ber anbern ©eite bie Hoffnung auf ein groped ©lüd J bei geringer Aufopferung eine SJfenge SJtenfdjen verleiten bann, ber ©ewinnfud)t Anbrer unwiffenb ju frofjnen, um fo mefjr mup bad Audfptelungdgefdjaft unter Aufftd)t einer redr)tlid)en SSetjorbe fteben. S5ei ber S5eurtf>cilung beffetben ift »ot= jügtid) in ^infidpt ber »orfommenben Snteccffenten ju betradjten: 1) bad SSer= t)ättnif bed Audfp,ielungdgefd)aftd jum ©taate, ober unter weld)en SSebingungen bad ©efebaft nad) allgemeinen Anffd)ten unb pofttioen ©efegen gutdffig unb red)td= gültig ift; 2) bad SSei'bältnip bed Unternebmerd ju ben Sbeitnebmem unb umge= bebrt, fowie indbefonbere bad Sßerbaltnip bed Unternebmerd ju ben 95e»o(lmad)= tigten (Cbttecteurd) unb ju bem ©ewinner, wie auch bed 2 e|tern jur audgefpielten Sache. Stad) biefen 23ejiebungen t;at febon früher ©rolman ben S3erfud) einer ©ntwicbetung bet red)tltd)en Statur bed Audfpietgefd)dftd (©iefen 1797) angeftelit. Umfaffenber unb prattifd) unterridjtenber aber ift: „Sie 9ted)tdtbeoric non bem Audfpieigefcbaft, bargejtellt »on 3>ob. (übt. Sange" (©lang. 1818), in welcher biefed ©efdjdft nicht nur nach feiner ganzen 6 igentbümli felbp tooEjIgefaUtgec gebübet werben bann, woburd) fie ftd) sunt fdjonen Äunpwetf erbebt, fo finb aud) fie einet folcpen Aug: pellung nicht nur wertl), fonbern beibe fonnen aitd) »etbunben Äunpaugpellungen genannt werben. Bet Bwecf biefer Aufteilungen aber leuchtet non felbp ein. Bie PBerfe bet -Siederei, ber bilbenben Äunp unb Diele ©attungen »on Snbuprie: probucten werben in bet Einfamfeit gebiibet unb finb alfo §undcl)fl nur für ben Äünplet felbp ober bod) nur für einige 3Benige»otl)anben. S5ei einem folcben, gleich i fam einfeitigen Bafein ihrer SBerfe fonnen aber biefe Äünpe nid)t wobl gebeiberi. | Bag Jfunpwerf greift in bag Seben ein unb foll aud) fortwahtenb »on bem Seben berührt werben; ja eg wirb erft lebenbig in ber Seele beg Anfcpauenben. Bag wahre PBetf ber bilbenben Äunp unb Malerei foll leben unb fortbilben in ben See= 1 len bet Beitgenoffen ttnb ber 92ad)Welt. Eg muß alfo ang £tdp geftellt werben. Bie Äünplet aber, burd) welche bie Äunp entfteht unb ftd) fortbilbet, bebütfen ein publicum unb müffen mit bemfelben in fortbauernber 3Bed)fetwirfung flehen, nicht bloß, weil fte äußerer Untetpü|ung bebütfen unb biefe nur butd) einen ehtenoollett spreig ihrer 5öerfe, welcher befonberg butd) bag Bufammcntreffen bet kaufet bepimmt wirb, gewinnen fonnen; fte bebütfen aud;) ber Aufmunterung unb Att= regung burd) Urtpeile ber SSetpanbigen, ju ihrer S3ilbung unb jum ©ebenen ber Äunp, ber Auffobetttng ju großen Unternehmungen unb »olfgthümlid)en Aufga= ben — unb biefeg wirb ihnen burd) Augpellungen »ollfommen moglid) ober wenige 1 peng erleichtert. >£iet fonnen jugleid) bie gortfehritte eineg SSotfg in Äunp = unb SnbuPrieprobucten (benn »on biefen gilt mehr ober weniger Ba|fetbe, wo fte nicht für fiel) fepon einen bebeutenben 9htgen gewahren) am heften erfannt werben) piet fann bie lebenbige Sheilnapme bet Beitgenoffen ftd) ermunternb unb aufregettb jum 33effern äußern; piet fann burd) Aufjiellung beg ©leidjartigen ein rühmlicher, ber 5Utnp etfptießlidjer PBett-eifer »orjüglidjerSalente begrünbet werben; piet lernt bet S3egüterte, welcher Ättnpfenner unb Sammler ip, ben Äünpler fennen; piet ip S3elol)nung möglich; piet fonnen ftd) bie Äfinfflcr gegenfeitig »erbiriben unb burd) 33ergleicpung am bepen wahrnehmen, woran eg einem 3eben unter ihnen nod) fehlt, worin ber gemeinfd)aftlid)e ©graftet ihrer ^ernorbringungen bepehe; inwiefern fte bag ©ute ober Sdpecptere ftd) jum SPtuper genommen hüben, ba fonp bie Anetfennung unb Aufregung mandjeg großen Salentg lebtgltcp bem Bufall i überlaffen bleibt, ^ierburd) wirb, in äkrbinbung mit ben im Staate bepepenben Äunpfammlungen, ber ®efd)tnacf beg SSolfg felbp fortbauernb auggebilbet, bag S5effere wirb »on bem Schlechtem, bie tüchtige, bauerhafte 'Arbeit »on bet tau= fchenben leichter unterfcfjieben, unb fo bem wahren Talente feine Laufbahn eröffnet. Bem Supug wirb burd) Jpinweifttng auf bag wahrhaft Sd)6ne madpiger alg burd) SSefehle unb anbre Slaßregeln Einpalt getpan, unb bie Etjeugniffe beg ©ewerb= Peißeg werben immer mehr jur Schönheit erhoben. Aber bann müffen biefe Aug= ; Peilungen aud) nid)t bloße öffentliche Aufpellungen fein. SSor Allem wirb »erlangt, j baß fte unter einer funpft'nnigen, bie Anpalt el)tenben unb erhebenben Aufficpt j pehen. Biefe Aufficpt gehört bem Staate, welcher burd) Anfehen unb Unter: püpunggmittel »or bem *Prt»atmanne auggejeidjnct ip; fte wirb mit 9iecpt ben : SBorpepetn feiner Äunpafabcmien unb Snbuptiefcpttlen übertragen. Benn ber 1 Staat, fofertt ihm bie S3ilbung feiner SSürger überhaupt nid)t gleichgültig fein fann, foll auch ihrer äppetifepen SSübung feine Sorge wibmen. Biefeg gefepiept, wenn et in feinem ©ebiete jerpreute Ärafte unb Talente burd) weife, biefelben richtig wütbigenbe Scanner auf bcnfPunft pinjuleiten fud)t, weldjer ju einem ben 33c: bürfniffen beg SSolfg unb bet Seit angemeffenen hohem Siele führt. Bag Anfehen, weld)eg ber Staat ben Äünpen baburd) »erlebt, baß et für Ermunterung unb 33e= k günpigung bet Talente, für moglidje dpebuttg aller äußern dpinberniffe eineg freien 566 2Cu6fleuer Aufterlifc SBirbenb forgt, Aufgaben ju Senfmälent, oorjügltch bet Bolfbgefcbidjte unb 9?e= ligion, auffteilt, Beratungen unb Berfd)önerungen bet öffentlichen Betfamm= lungertet, bem SBoflftanbe bet Nation angemeffen, anorbnet, Belohnungen beb 2lubgejeid)neten unb SBürbigung beb ©eietjleten butd)Xbftimmung funjterfahrener Stänner »eranftaltet, macht bie .Sanft unb ben ©emecbfleif ju wahrhaft öolfb: thümlichen Xiftalten unb wirft burch ©rnährung Bielec auf bab SSolf jutücf. Sann mufi aber auch bab Aupete biefer mit jebem Sabre wiebetfebtenben Aubfiel: lung beb ßwecfeb rotttbig, bie Xiorbnung bet aufgeftellten SBerfe finnig, ohne SBillfüt unb fParteilicbfeit, bie babel aufjutoetfenben Aufgaben ftnnreid) unb ttef= fenb gewählt, mannigfaltig, bet Äunjtftufe beb Bolfb angemeffen unb bet religio: fen unb übrigen Bilbung nid)t wiberfprecbenb fein. Auch muffen alle duftete Stö: tungen non bet öffentlichen Bebauung entfernt fein, unb Unjtttlicfbeiten, welche ftch laut unb öffentlich äupern, aub biefen Borhallen bet f>ohccn Bilbung «erbannt werben. — Äunftaubftellungen, biefem Sbeale halb mehr, halb minbet nahe, ftn= ben wir in benJpauptfiabten bet gebilbetften ßänber, alb ben SJlittelpunften höhnet unb gefelliget Bilbung, }. B. inSonbon, fPatib, feit 1812 eine Aubjtellung bet SBerfe oaterlanbifcher Äünfilet in SBien, welche fiel) bet Afabemie bet bilbenben Äünfie bafelbfi anfcbliept. Stan f. gr. Scblegel’b „Seutfdpeb SJlufeum" (SD2drj= heftl813); ferner in Berlin, Stebben, Stüncben, Seipjig unb not einiget Beit unter ©öthe’b Seitung in SBeimar. T. Auöfieuer, Aubftattung, Stitgabe, SJlitgtft (dos, im röm. Stecht), Brautfehafj, Brautwagen, Sabjenige, wab Äinbet bei bet Trennung non bet dlterlidjen Familie jur @rtid)tung einet felbftänbigen SBirtbfcbaft, wab befonbetb SEöcbter bei ihrer Berbeiratbung aub bem diterlichen Betmögen erhalten. 3m Wei: tetn Sinne oeeffeht man wol auch batuntet bie gänjliche Abftnbung bet Äinbet. .Sein Sfechtbinftitut hat burch bie Beit, burch bie mannigfaltige Betbinbung bat: übet t>on einanbet abweichenbet ®runbja|e beb römifchen unb beutfcljen Siechtb unb burch bie ©inwirfung non ftatutarifeben Siechten unb Öbfetnanjen eine folche net= fd)iebenartige Aubbjlbung erhalten, alb eben biefeb. Stamentlid) befieben übet bie Betbinblichbeit bet Altern jut Aubfteuer, übet bie ©töpe berfelben, übet bie Pflicht, fie bei gdnjlichet ©rbtbeilung in Anrechnung bringen ju laffen, nicht nut in ben einjelnen Stecbtbfpftemen überhaupt, fonbetn auch für bie nerfchiebenen ©laffen ber bürgerlichen ©efellfchaft bie mannigfaltigften Beftimmungen. — Stoch ftnb 2 befonbereArtennon Aubfteuer ju erwähnen, nämlich bie fajtin ganj Seutfd;lanb hergebrad)te ber möchtet nerftorbener 2ebnbbeff|et unb bann bie früher oft überttie: bene Aubfteuer ber Slofiergeiftlicben non Seiten ihrer gamilien bei bem ©intritt in bie geweihten Blauem. 5. Aubfüfjen heifst in bet Scheibefunfl, aub einem Sörpet bie barin beflnb: liehen auflöblichen SEb>eile burch SBafcben mit SBaffet btnwegfcbaffen, einen .Körper non ben anhöngenben Saljtbeilen burch Blaffer befreien unb reinigen. Aufierltfs, Stäbtcben mit 2000 ßinw. in ber fütfil. Äaunife:9fittberg’: fdjen ^errfchaft gl. St., im brünner .Steife in Blähten, 2 Steilen öftl. non Brünn, an ber Kunftftrape über ©öbing nach Ungarn, ift begannt burch bie S d) l a ch t am 2.Sec. unb ben SBaffenjtillfianb am 6. Sec. 1805. Beibe ft'nb alb SBenbe: punfte in ©utopab Sd)icffal unb Stapoleonb ©rhebung weltl)iftorifd)e ©reigniffe, beten näcbjte golge ber ptebburger griebe, bie ^auptfolge aber ber Untergang beb beutfehen 9ieid)b unb Bceupenb Semüthigung war. Senn ber Sieg bei A. net: eitelte nicht allein Spitt’b gropen fPlan, gtanfrekbS Stacht burch britifd)=ruffifcb= öfireid)ifche Sßaffen in bie ©rennen gurücEjufutjren, welche 10 fjahre fpdter ber parifer getebe ihr anwieb, fonbetn er grünbete auch recht eigentlich, burd) franko f. SiplomatiE nerboppelt, Stapoleonb ©ontinental: unb göberatmfpfiem. — Stapo: leon hatte nach Stach’b ©apitulation in Uim (ben 19. Set.), unaufgehalten bei 567 2Cujlecli£ (@cf)(acf)t bet) i 2ambad) unb SKariajelt non bctx Sfireid)crn unter SKeeroelbt «nb am 11. SJioo. (roo SKortier Jöerluft erlitt) bet Sürnfiein oon beit 9Juffen unter Äutufoff, am 13. Koo. Süßten befcfct unb fogleid) ber Sonaubtüdfe nacl) 5Udt)ren fid) bemächtigt, inbem ber gürft 2fuetdbcrg, roetdjcc fte abbrennen follte, burd) angeblid)e gtiebend= oerhanblungen ftd) täufd)en liep. Sabutd) gcfdjal) ed, bap SKarfdjall Sanned fd)on ! am 15. bad tu[[. ^)eec unter Äutufoff erreichte, ber, um ftd) ju retten, bieKad)= | h ut ucn 6000 SK., tuelchc gürji SSagration führte, aufjuopfern befdplop; bod) j gelang ed biefem entfchloffenen gelbherrn, ungeachtet er oon 30,000 granjofen bei t Hollabrunn am 16. unb bei ©unterdborf am 17. angegriffen tmtrbe, ftd) burd)ju= | fchlagen unb mit bent 9iefie feines Gorpd am 19. ju bern Hmuptheere ju fiopen. Hier mat Äaifer 2(le]canber aud SSerlin am 18. eingetroffen. 2fn bemf. Sage hatte fid) bad jWeite ruff. Heer unter S3upf)ömben mit Äutufoff Bereinigt. 2fld hierauf am 24. SRoo. aud) bie ruff. ©arbett, 10,000 SK. ftarE, angelangt mären, fo be= fchlop matt im Hauptquartiere ber beiben Äaifcr, 2f(epanbec unb granj, juSlmüh, — jumal ba bad Heer in golge eines fd)led)ten SöetpfTegungdfpjiemd an 2ebend.- mittcln SKangel litt — am 27. Sftoo. aud ber nortljeilhaften «Stellung Bon Slfdjatt (8 COfeilen non 2fujietlih) in 5 sparallelcolonneit gegen fßruntt, mo Kapoleon fd)on am 20. fein ^auptquavtier genommen hotte, ju marfd)iren unb il)ra bie ©d)lad)t anjubieten. Allein bie 9fttffen nerloren burd) miebcrl)olte Söerdnbetttngen in ihrem Jfngriffdplane mel)te Sage, unb Kapoleon tdufd)te fte, inbem er nicht nur Unterl)anblungen anfnüpfte, mo gürji Solgorucfi fel)r hohe goberungett machte, fonbernaud), als ob et ben Angriff oenneiben mollte, ftd) jutücfjog, unb um feine Starfe ju Berbergen, bie Sntppen auf einen engen 9iaum jufamntenbrangte. Sa= burd) getBantt er 3cit, hid jum 1. Sec. bad Gorpd unter SBernabottc unb jtnei Si= Bifionen bed SaBou)f’fd)en anftchjttjiehett, tnotauf er fofort fein Heer, an SSrftnn gelehnt, jttt @d)lad)t orbnete unb ben Sieg bed fommenben Saged, bed 5ahred= tagd feiner ütonttng, ben Sruppett oerfünbigte. Sad franj. Heer, in einet Stel= lung, bie Äutufoff nid)t bannte, trat gegen 80,000 SK. jiarE; bad Heer ber SSer= bünbeten jdt)lte gegen 84,000 SK. mit 16,000 ^Oferben, barunter 20,000 SK. Öfireicber. 2fm SKorgen bed 2., um 7 Uhr, begann ber .Kampf. Ser oftreid). ©eneral Süßeprotter hatte bie Sidpofition jur en, unb bet lebte Angriff ber tu|f. ©arben non ben franj. ©arben unb ber Keiterei, bie SKurat befehligte, jutücfge= fd)lagen motben mar, trat bad »erbünbete Heer ben Kücfjug, melden SSagration unb Äienmapt besten, um 1 Ut>r in guter Orbnung nach 2f. an unb ging am 4. über bie SKatd). Sad ©nbe biefer Schlacht mar fo fonbetbar, bap franj. Sruppen »on bem rechten flöget, mit bem Küchen gegen 11 . gelehnt, bieKeffe bed linfen Slügeld ber SBerbünbeten angriffen unb ju bem ©nbe »on benfelben 2fnh6f)en t>ccab= famen, »on rceldjen herab bie 2liliitten am SKorgen gegen fte marfchirt maten. 1 Saburch litt am meiften ber linfe glügel, als er ftd) über bie gefrorenen Seiche bei üobelnih unb Satfdfau unb über einen fdhmalen Samm jog. 3« jenen Seichen follen, ba Napoleon bad (Sid mit Äartätfchen einfehiefen lief, nad) franj. Eingaben einige Saufcnb SKann ertrunfen fein. 3n biefer SBermicfelung mupte ©enerallieut. sptjpbpdjemdfi) mit 113 Sfftcieren unb 6000 SK. bad ©et»ef)t ftreefen. Kacf) Äutufoff’d SBeridjt »erloren bie Kuffen 12,000 SK. Sie granjo= fen gaben ben eignen Sßerlufi ju 4500 SK., bie 3af)l ber am 2. unb 3. gemad)ten ©efangenen aber auf 20,000 SK. unb bie ber genommenen Äanonen, melche gtof= tentf)_eild in bem moraftigen ©oben fieefen geblieben maren, auf mehr ald 150 an. Sie Sjfreicher hatten 5922 SK. an Sobten, SBermunbeten unb ©efangenen »erlo= ren. (Sögt. b. 2(uffa& bed oflreid). H nu ptm. Scf)6nhald über bie Schlacht bei 2Cu= fierlifc in b. „Sfireidj. militair. 3ettfd)r.", 1822, 6. cFjeft, mit e. Spiane.) — Sie Schlacht — mirb behauptet — fjattc »on ben Kuffen entmeber »or bem 1. Sec., j alfo »or Sernabotte’d unb Sa»oufi’d 2fnfunft bei bem franj. Heere, geliefert roet= ben füllen, ober fpäter unb nicht »or bem 15. Sec. Senn ed nahte »on Ungarns ©tenje her, gegen bie Sonau unb SZBien ju dpülfe, ein Heer »on 80,000 SK. unter ben ©rjherjogen Äarl unb Johann, meld)e [ich am 27. Ke», bei 3Binbifd)=Seijfrib in Steiermari »ereinigt hatten (SKaffena mar nämlich am Sfonjo flehen geblieben); jugleich »erfammelte ftd) bad Aufgebot in Ungarn; auferbem mar bereitd am 3. ein neued, 12,000 SK. fiarfed CSotpd Kuffen unter bem ©eneral SSennigfen in £)ber= fchleffen eingetroffen, unb in SBofmen bad SGolf bereit, ftd) in SKaffe ju erheben; enblich ftanben, in Solge bed potdbamer Söertragd ». 3. Ko»., burd) ben bet Äönig »on Spreufen bem peterdburger SSünbniffe beigetreten mar, 180,000 SK. spreufen, Sacbfen unb Reffen geruffet, um, menn Kapoleon spteufend Sßermittelung, auf ben guf bed luneoillet Stiebend, am 15. Sec. nicht annähme, in Ständen »orju= bringen unb Kapoleond SSetbinbungdlinie an ber Sonau ju butd)bred)en, mährenb 80,000 SK. spreufen, KufTen (unter Solfroi), Schmeben, Hanoueraner unb @ng= lanber in Korbbeutfchlanb bie ©renjen ber Kieberlanbe bebtolften; aud) in Italien tonnte burdf bie Sanbung ber Grnglänber unb Kuffen in Keapel eine mitffame Si= »erfion gemad)t merben. Seffenungead)tet bot Sfireid) bie ffanb jum Stieben. 3lm 3. Sec. etfd)ien Surf! Johann ». 2ied)tenftein in Kapoleond Hauptquartier, unb am 4. hatte Äaifer Stanj felbj! eine jmeiflünbige Unterrebung mit Kapoicon bei ben franj. SBorpoflen unmeit bed Sorfed Kafeblomicj bei einet SKüfjle, ju Sarofcfüb, mo beibe SKonatd)en über einen Sffiaffenfiillflanb unb bie @runb= lagen eined Stiebend Übereinfamen. Kapoleond Tfbjutant, ©eneral Saoatp, begleit tete ben beutfeben Äaifer in fein Hauptquartier jutücf, um ju erfahren, ob 3f(epan= ber an bem Sßergleid;e Sheii nehmen molle. Kach ruff. S8erid)ten lief ber SKonard) 1 ihn gar nicht »or fich; bie franj. SSulletind aber erjählten umflänblid) feine 2fubienj beim Äaifer 3lleranber, bie aud) ber Söerf. (ber ofireid). ©en. »on Stutterheim) ber „Materiaux pour servir a Uhist. de la bataille d’Austerlitz" (1806, mit Ko= ten »on einem franjof. Sfftciet, angeblich »on Kapoleon felbfi bictirt) S. 79 et= mahnt. sprinj SSerttjicr u. Surf! Siecbtenftein fdjloffen hierauf am 6. einen 5Baf= fenfiillfianb ab, nach meinem bie franj. 2(tmee ben öfitetd). Äteid, Söenebig, Xufietm ^uSfragalinftans 569 einen S^eil »on SSohnten unb SRafjren, fowie fPtegbutg befefit fjiett, bag rufftfcfje $eet aber in befümmten griffen bie faifert. oflr. (Staaten raumen, in 336f)men unb Ungarn fein 93olfgaufgebot ftattftnben unb f ein frembeg ^)eer bie Staaten beg Jpau= feg Sftreid) betteten foltte. Überbieg (egte Dtapoleon am 7. ben »on feinen Srup= pen befetjten Sanbern eine Ätieggfieuec non 100 DM. gr. auf. Xepanber sog, nad) bem SBunfcfye beg Äaiferg »on Sftreid), feine 3frmee sucttcf, trat jebocf) nicht bem Sßaffenftilljtanbe bei, fonbern fiellte feine #cere in Scf)leffen unb in 9tieber= fachfen jur fBetfügung beg Äonigg »on fPreußen; auch befegten feine Gruppen in Salmatien am 4. €D?dr§ 1806 bag »on Öfireid) angranfreid) abgetretene (5a t = t a r o (f. b.). Ser ÜBaffenftillftanb »on X lahmte ade Streitfrdfte ber oftr. 9Jto= nard)ieunb jcrcig itjre bigfjerigert politifcgen föerbinbungen, fobajj ber preufj. 9J?i= nifter, ©raf »on 4>augwig, reeller, um am 15. Sec. alg Vermittler entfdjeibenb aufjutreten, fd)on imDto». juSBien angefommen roar, »on Napoleon aber erfl am 9. Sec. »orgetaffen würbe, unter biefen »erdnberten Umjfdnben, t»o ihm ber frans. Sfaifer nur bie 5Baf>l jt»ifd)en offenem Äriege ober einer 2flXian§ lief, feiner Snfituc= tion ganj entgegen, ben fo »erhdngniföotlen Vertrag ». 15. Sec. abfdjlofj, t»eld)et spteufjen aug einem Verbünbeten 9vuf lanbg in einen Verbünbeten granfteid)g »er= wanbeite. (Vgl. ßucdjeffni, „Uber ben Dff)einbunb", I, S. 348 fg., unb Scholl’g „Traites de paix", VIII, S. 27 fg.) £)|treid) Unterzeichnete hierauf am 26. Sec. bie harten Vebingungen beg gtiebeng ju fPregbutg (f. b.), burcf) ben eg nicht nur ein Xeal »on 1141 □9Ä. mit 2,785,000 Vewohnern unb 13,610,000 ©Ibn. ©nf. abtrat, fonbern auch feine Verbinbung' mit ber Schweis unb Stalien unb feinen ©nfluf auf bag beutfche.Ofeich uerlor. So warb Dtapoteong £berf)errfd)aft in Italien befejtigt, bie X>hdngigfeit ber gürften Sübbeutfd)lanbg »on bet ^)olitif gtanfreicf)g entfehieben, unb ^»teufen »on feinem Dteutralitdtgfpftem loggeriffen. K. 31 u ft er rt, Sdjalthiere »om ©efchlechte ber Äammmufcheln. Sieuntere Schale ift bauchig, bie obere platt; je alter bie Xtffetn ftnb, mit beffo mehr Schuppenreihen ftnb bie Schalen befegt. ‘ifuferlid) ift ihre garbe grau ober fd)wärslid), inwenbig weif. Sie leben an jfeinigen unb fanbigen 9Jfeereg= ufern, in ben europdifchen unb anbern Vteecen. 9J?an theilt ffe in Vetg=, £ollanb ftnb bie feeldnbifchen, unb in ©tglanb bie »on Gfolcheftet bie »orjügtid^ften. Sn Seutfdjlanb halt man bie holffeinifdjen unb jütldnbifchen, in Station bie fPfaf)lauffetn »on SEriejt unb bie »enetianifd)en Xfenalaujfern für bie heften. — Sie Nahrung ber Puffern foll in Schlamm, Sehmerbe, *Pflanjentheiten unb SfBurmern beftehen; ffe ftnb aber auf Sagjenige befd^ranft, wag ihnen bergufall juführt/ ba ffe ihren SSiohnort nicht »erlaffen fomten. Sefwegen beftnben ffe ftd) ba am heften, wo bie glut 2 SJtat beg Sageg ihnen frifche Dtahrung sufüf)rt. Sm grühjah» ftnbet man ©et in ben Schalen, unb halb barauf etfd)einen »ollfomnten auggebilbete Sunge. Sie junge 3fufter fleht ftch fogleid) an irgenb einen feften Äbrpet an unb gebeiht hier, big ffe burd) irgenb einen Bufall loggeriffen wirb. SSBiewol bie Xtfietn ffd) erft im briften Sah« fortpflanjen, fo »ermehren ffe ffd) bod) auferorbentlicl) fchnell, unb man ftnbet ffe an einigen Stellen im Vteere bei SJfillionen. Solche Samntelpldge nennt man Xtfternbdnfe. Sn (Snglanb unb granfreid) werben ffe auch > n (banalen gezogen. Bur 3eit bet©>be, wo ffe auf bem Srocfnen liegen, fammelt man ffe mit ben cf>dnben; fonfi fangt man ffe mit eifernen Drechen ober Dtegen mit eifernen Dfahmen unb bgl. SBerfseugen. Seutfd)lanb besieht bie meiften Xtftern »on Hamburg, »on wo ffe entweber in Schalen ober auggefiod)en, mit Sals unb Pfeffer eingemacht, »erfanbt werben. 2Cu§trägalinftans. 1) Sec Mangel einer feftenunb ftafloollen ©e= rid)tg»erfaffung in Seutfc£)lanb, welcher feinen »ornehmften ©runb in ber Schwache 570 Aufiralaften bet faifetl. 9flad)t, befonberS nach bem galle bet ^of>cnflaufen, hatte, nötigte biegütfien, ^rdlaten, ©tabte unb Sfitter, oorpglid) im füblichen iDeutfchtanb, p i^rer ©idbcrljeit oielfadße SSetbinbungen p fd)ließen, unb ein toefentlicher Sbeil berfelben mar immer, für ifjce ©treitigfeiten unter einanber @d)iebSrid)ter aufp.- ftellen, oon melden eine gütliche Beilegung ober eine red)tlid)e ©ntfcljeibung einge-- ieitet toerben fonnte. 5)?an nannte bieö AuSträge. AIS enblidß butdjlbie Aner= fennung eines ctbigen 2anbfriebenS (1495) ben gehben unb bet betoaffneten ©elbft-- t)ütfe ein gdnjlidjeS ©nbe gemacht mürbe, mar bamit bie ©rünbung eines allgemci; nen oberften ®erid)tS für ©treitigfeiten unter unb mit ben unmittelbaren Angefjö; rigen beS 9ieid)eS notbmenbig oerfnüpft, unb baS 9feid)Sbammergerid)t fam gteicf)= jeitig 51 t ©tanbe. 25od) bedielten bie ©tanbe noch ihre bisherigen AuStrdge unb baS 9fed)t, auch in 3ufunft betgleidßen oertragSmäßig ,511 errid)ten. ©0 gab eS ge= feblidje (für allegürjfen unb Unmittelbare beS 9feid)S), gemillfürte (butd) §ßet; trage gegrünbete) unb prioilegirte AuSträge, inbem ber Äaifer ben metjfen 9ieid)$.- fiäbten unb anbern Angehörigen beS 9feid)S bergteichen betmüligt hatte. 2) 3m 9fhetnbunbe mürbe bie ©ntfd)eibung bet ©treitigfeiten einer 33unbeSöetfammlung übertragen (9ff)einbunbeSacte, A. 9), meldje nie ju ©tanbe fam. 3) 3m beut; fd)en SSunbe mürbe (Art. 11 bet SunbeSacte) biefe rid)tertid)e ©ernalt für ©frei; tigfeiten gmifdfjen ben SSunbeSgliebern gleichfalls ber S3unbeSoerfammlung über; tragen, melche folche butd) ©ommiffarten aus ihrer £ 02 itte gütlich beiplegen fliehen, für bie nothig merbenbe red)tlid)c ©ntfeheibung aber eine mohlgeorbnete AuSträgab infianj auf|Men füllte. Öfircid) unb fPteußen bemühten fid> fd)on auf bem mienet ©ongteffe, ein bleibenbeS ©ericht für biefe michtigen Angelegenheiten p ©tanbe p bringen ; allein anbre ©taaten pgen eine med)felnbe ©inrichtung oor, melche butd) bie 33unbeStagSbefd)(üffe oom 16. 3uni 1817 unb 0 . 3. Aug. 1820, fomie burci) bie ©chlußacte ber miener SKinifietialconferenjen oom 15. fOfai 1820, Art. 18 — 24, ihre meitere AuSbilbung erhalten hat. SaS 3BefentUd)e beffeht barin, baß ber beflagte Sheil bem flagenben btei unparteiifdje SSunbeSglieber oorfd)lägt, motattS ber Kläger einen p ermahlen hat, melche SOSahlen bei 3ogerung beS bap berechtig; ten SEheileS auf bie SunbeSoetfammlung felbft übergehen. £)aS oberjfe @erid)t beS ermähnen 35unbeSg!iebeS muß aisbann bie rechtliche Söethanblung unb ©ntfcßei; bung beS ©trettS nad) ben bei ihm geltenben ^roeeßnotmen im Flamen unb an ©tatt ber SSunbeSoerfammlung ootnehmen unb baS ©rfenntniß publiciten, möge; gen nur eine Steftitution megen neu aufgefunbener S5emeiSmittel plafftg ifr. gut bie SSolljiehung forgt bie SSunbeSoetfammlung nad) bet ©pecutionSorbnung oom 3. Aug. 1820. 23urcl) bie mienet ©cßlußacte oom 15. 9Jfai 1820 ifi btefer AuStrd; galgeridjtSbarfeit ber S5unbeSoerfammlung noch in Art. 30 bie midjtige AuSbeß= nung gegeben morben, baß fie aud) aisbann eintreten füll, menn Soberungen oon fPrioatperfonen beßßalb nicht befriebigt metben fonnen, rneit bieöerpflichtung, ben; felben ©enüge p leiffen, jmifdjen mehren 93unbeSgtiebern jmeifelhaft ober befirit; ten ift. @d)on ftnb mehre ©treitigfeiten auf biefem SBege entfeßteben morben (pnfdßen Sarmflabt unb 9taffau über bie Sheilung mainjifcher SanbeSfdplben oom DberappellationSgerichte pSftüncßen; jmifchen SSaben, S5aietn unb Reffen über ehemalige furpfaljifd)e£anbeSfd)ulben, Lit. 0 , oom £)berappellationSgerid)te p©elle; jmifeßen fPteußcn, 35aiern, Äutheffen unb granffurt, ©uffentationS; rücffldnbe beS lebten Äutfürft en oon Stier betreffenb, oon bem ÖberappellationS; geriete ju SDarmjiabt), unb mehre anbre ftnb noch anhängig. 37. Aufitalafiett, ber dußerjfe 9forben9leuhollanbS, ben 1824©apit. 33at; lom, oon ©ibnep (f.b.) aus, inSSeftfc nahm, um hier unb auf ben 3 ©chi.ffStage= reifen baoon entfernt liegenben Snfeln fOleloille unb S5atf)utft eine britifcl)e ©olonie anplegen, bie ÄingS;©ooe heißt. 3m roeitern ©inne geben bie SSriten ihren fdmmtl. fJlteberlaffungen in Auftralien ben Flamen Auflralaften. (©. ©. SBenthmorth’S 2fu{li:aliett 571 „Statistical account of the british Settlements in Australasia etc."; 3. Sonbonl825, 233be.) (©. 9teuf)ollanb.) tfufiralien, Australia, bet 5. ßcbtgeil, anfangs ©übinbien, unb me= gen bet SJtenge »on Snfeln, motauS er befielt, ^»o^nefien, Snfelmelt, genannt, f>at f. Flamen non f. füblicfen Sage gegen bie alte SBelt. Set Anfang jur ßnt= betfung biefeS ßrbtfyeitS matb gemacht, nad)bem tlmecifa unb bie ©übfee ben ßu= topdern befanntgemorben maren. SOtagelljaenS, bet bie erfie Steife um bie SBelt un= tetnabm, tjatte bem fpanifc^en 9Jtonard)en, in beffen Sienfle ec aus benportugie= ftfd)en übergetceten mar, »etfptocfyen, burd) eine Steife nad) SSBeften $u ben 9Jtolu£= fenju gelangen, unb entbecfte auf biefer ©eefafrt, am 6. Star} 1521, bie 8a= bronen ober Stationen, eine Snfelgtuppe, bie einen SSeftanbtfeit tüuftraüenS auS= mad)t. 5tagelt)aenS muf bafjer als bet erfte ßntbecfer biefeS ßrbtt)ei(S angefefyen werben, inbem ec bie 33al)n jut tfufftnbung ber aujttatifdjcn Snfelmelt eroffnete. 300 3- »erfloffen, bis bie fdmmtlicf)en Snfeln entbecft mürben, bie man unter bem 9tamen tfufiralien begreift. Stad) ÜJtagelfiaenS festen fpanifdje ©eefafyret bie Sntbecfungen fort, befonbetS tlloaro be Stenbana, ber in bem lebten SSiertet beS 16. Satiri). bie@alomonS = unb SOtarquefaSinfeln entbetfte unb quer burd) bie @ocietdtS= unb gteunbfdjaftSinfctn ful>r, bod) ohne biefelben ju fefjen. Secnam bej be SluiroS, ber itjn auf feiner 3. Steife begleitet Ijatte, naf)m einen füblicfyern Sauf, geriett) in'ben infelreidjften $£f)eil ber ©übfee, unb burd) ifn mürben bie ©o= äetatSinfetn unb baS ^eiligegeiftlanb begannt. Stit bem 17. Saljtlj. begannen bie ßntbecfungen ber ^otlanbec, moburd), auf ec meinen f leinen Snfetn, bie grofte aufiratifcfe Snfel, 9teut)ollanb, befannt unb »on ifnen benannt mürbe, miemol man mit einiger 5Baf)rfd)einlid)feit bie tfufftnbung 9teuf)ollanbS 100 3- früher ben ^»ortugiefen jufcfreibt, beten ßntbecfungen aber »on il)rer ^Regierung »erljeimlidjt unb nad)£)et »etgeffen morben ju fein fdjeinen. SteutjollanbS Äuften: ßbelSlanb, 9tuptSlanb, be SBittSlanb, erfalten nod) bie 9tamen ber tjollanb. ßntbecfer. 25er $olldnber SaSmann unb ber ßngldnber Sampier fegten bie angefangenen ßnt= becfungen fort. Sn ber SOtitte beS 18. Safjtl). maren bie ßngtdnber 33pton, 2Bat= liS unb ßartecet unb ber granjofe 33ougain»ille für bie ndfete Äcnntnif 3fuftra= lienS tljdtig. Unftreitig aber etmarb ftd) bet englifdje SSeltumfegter SameS ßoof (f. b.) »on 1768 bis 1779 um bie genauere Unterfud)itng beS neuen ßcbtfeilS bie groften SSetbienfte, inbem er bie Äunbe »on ben bereits befannten Snfeln berid)= tigte, fcüfjer entbecfte Snfeln roieber auffanb unb als neue ßntbeclungen 9teu= calebonien unb bie ©anbmtd)infeln finjufugte. Stad) ßoof metteiferten @ngldn= ber unb granjofen, ber SBett genauere 33efanntfd)aft mit tlujtratien ju »etfd)affen. Sn neuern feiten Ijaben ßntrecafteaup, ©rant, lafPeproufe, Saubin, gUnbet'S, Ärufenftern unb Äofebuc unfece Äenntnif »on tluftralien bereid)ert. Sljne 3mei= fei liegen in biefem grofen 93teere nod) anbre Snfetn, bie bis jegt fein ßutopdet gefefjen t>at, unb felbft »on ben fdjon entbecften Sdnbermaffen 2luftralienS fennt man blof bie Äüflen. Sie ©übfee ober baS fiille SOteer, jmifdjen tfftenS Sfi= unb tfmecifaS SBeftfüffe, umfaft fammtliclje Snfeln tlufiralienS, melcfye einen Ötaum »on 113 Sangen = unb 70 Sreitengraben einnefmen, inbem fte ftcf) »on 50° ©. 33. bis 25° 9t. 33., unb »om 90° — 280° S. »on gttro erftrecfen. Sen Slad)enin= l)alt fcfdgt man auf 170,000 D^t., mo»on 9teuf)ollanb allein ßutopa faft an ©töfe gleid) fommt. 59tan fann alle biefe Snfdtt jufammen^angenbe 33ecg£et= ten anfefen, bie ftd) aus bem 9Jteete ergeben unb in ber Stidjtung »on 9t. nach ©üboflen, in einer hoppelten Sveit>e, gleid) 39tittet= unb 93orgebirgen, 9teuf>ol= lanb, als ben ©tamm biefec ©ebitge, einfaffen. Sie bem gefllanbe 9teufollanb nad)fte biefer Snfel = ober ©ebirgSfetten beginnt mit 9teuguinea unb enbigt mit 9teufeelanb; bie jmeite Sinie fangt bei ben Sabronen an unb gel)t bis $u ben ©djiffet; unb Sreunbfd)aftsinfetn, »on mo fte eine »on 2ö. gegen S.gef)enbe9via;= 572 Aufträgen tung nimmt. Son btefett faft jufammenhängenben 3mfetrei£)en finb bic ©anb= 1 Wichinfeln ganj getrennt. I Auffratiend Soben ifi fruchtbar, befonberd in ben Snfeln bet Reifen Sone. Sie aud Europa tjtcvfjec Derpfjanjten ©ewächfe fommen fe^r gut fort, ©nige oon benlgnfeln finb niebtig unb fl ad), anbre mit fdjroffen gelfenfüfien oerfehen unb mit©ebirgen, fowolUt = ald g(öfc = unb Safaltgebirgen, angefüllt. Sie höcf)= fien bekannten Serge finb in ben @anbwid)infe(n bet Stauna = 9toa unb in 9teu= I feelanb ber Sic ©gmont, beten ^)6()C an 14,000 gup betragt. Siele biefer Unfein ] finb oudanifchcn Urfptungd, anbre burcf) ÄoralXenttjiere entweber non ©tunb aud t erbaut, ober butd) Anbau an urfptünglicfje SQ?eereöfelfen in bie >f)öf)e geführt, et= ' weitert unb mit Stiffen umgeben worben, woburd) bie Annäherung gefäfjrlid) rff. Sid je&t fehlt ed und noch an Unterfuchungen über bie SSefdfjaffenheit ber ©ebirge Aujtratiend, ba oon Seuhollanb, Neuguinea unb Seufeelanb nur bie Mfien unb bie ihnen nahen Serge oon 9iflturfotfd)ern faum mehr ald im gluge beobachtet werben fonnten, unb in ben anbern 3mfeln ber Aufenthalt ber ©itopäer ebenfalls ?u !utj war, um genaue Unterfudjungen anjuftellen. 3m neuern Seiten hoben bie ©iglänbet einen Serfud) gemacht, oon ber Sftfüfie Seuhollanbd, wo fie ihre Setbrcchetcolonien hoben, in bad innere cinsubtingen. Sad im 2B. oon biefen Kolonien, oon 9t. nach ©• fireidfenbe ©ebirge, bie blauen Serge genannt, hotte wegen feiner (feilen gelfenwänbe, fdjauberoollen Abgrünbe unb immer hoher unb unjugänglidjet ftd) hinter einanbet aufthürmenben Serge bie früher gemachten Serfud)e, mit bem Snnetn begannt ju werben, oereitelt. Enblid) gelang ed im * 9toö. 1813 bem ©iglänber ©oand, bie blauen Serge ju überfteigen, unb 1815 würbe eine ©träfe über biefed ©ebirge oollenbet. Überhaupt ifi man nur 30 beut= fd)e Steilen oon ber SfWüfle aud in bad 2anb eingebrungen, bad fid) hier bid jut SBejifüfie auf 600 beutfehe Steilen erffreeft! Auffallenb ifi in biefem ©btheile ber Stängel an grofen glüffen, wicwol ed ben meiffeit 3mfeln nicht an Sewäfferung fehlt. Sie in Seuhollanb aufgefunbenen glüffe finb fchmale Steerarme, bie ftd) tief in bad 2anb hinein etffrecfen, bie ©atjigfeit bed Steered beibeholten, unb in weldjen aud) in weiter Entfernung 00 m Steere Ebbe unb gtut nod) bemerllid) finb. ©in unbebeutenber Äüfienfluf ergieft fid) in ben tief einbtingenben Steerarm. Set gröfte unter ben neuf)ollänbifd)englüffen ifi ber-fpawfedburp inbetSrocfenbat), ber lOSteilen lanbeinwärtd für bie gröften @d)iffe fahrbar unb bafetbfi 150 Siuthen breit ifi. Senfeitd bet blauen Serge hot rnon ben gluf Stocguorie entbedt, ber fich ' nebfi anbern glüffen in ©ümpfe oerliert. S3af)rfcheinlid) enthält, noch Sflep’d Seridjt, 9tcuhollanb in feinem Innern einen grofen ©ee, gleich bem fadpifchen, in wetd)en fid) bie glüffe ergiefen. Sad Älima Auftratiend ifi, ba ed in ber fjeifen unb in ber füblichen gemäfigten Sone liegt, thelld heip/ bod) im Allgemeinen mit einet weniger brüdenbett -fuge ald in ben afiatifd)en unb afrifanifchen Sänbern um ter gleicher Steife, theild gemäfigt, milb, rein unb gefunb. Aud) finb bie Sänbet biefed ©rbtheild, bie in ber fübtidjen ^aibf'ugel liegen, fälter ald jene in bet nötb* lidjen. Sie ©rjeugniffe Auffraltend finb theild biefelhen ber Cänbet anbret ©btheile unter gl. Sr., theild cigenthümlidjc, j. S. Söget ohne glügel, mit dpaaren fiatt betgebern, oietfüfige Spiere mit Sogelfdjnäbeln, weife Abler u. f. w.; ©äug= tf)rete, mithin aud) Siaubthiere, finb wenig oothonben. Sie einjigen finb: bad Äänguruh (bie ©pringratte), 100 bid 150 Sfunb fd)Wet, ber SSombat (beibe ju ben Seutelthieren gehörig), bad ©djnabelthier, oieÜeid)t bad abenteuerlichfte in ber SSelt, bem bie Satur ju bem Äörpcr eined ©äugtf)ierd ben Äopf ober wenig= ffend ben ©dhnabel eined Sogeid gab, bie ©d)Weiftf)iere, betSingo ober neuhob länbifd)e$unb, bad neuf)ollänbifd)e fliegenbe ©nhorn, bieSeutelmaud, ©d)weine, Jpunbe, hatten, glebetmaufe, SSallft'fdje, ©eebären, ©eclöwen unb ©eeele= fanten. Son ben Europäern finb Sfetbe, Otinboief), ©cfjafe unb Siegen bahnt ‘Kufiralten 573 1 gebracht worben. Unter ben Sogetn, bie pier butcp garbenptadpt unb Sitbung beu I gebern auggejeidjnet ftnb, bemetfen tt>ic niete 2frten non ^Papageien unb sparabieg; «ögetn, ben neupolldnbifd)en Äafuar, wetcper 70 fPfunb trtegt unb ben oftinbi= fd)en an ©rop e unb ©cponpeit bet garben ubertrifft, bie prächtige SRanura, butcp ipven fdjonen ©djwanj bewunbetngmütbig, unb ben fcpwarjen ©cpwan; aud) pat I man rfu'tpner, Stauben unb dnten. 2fn gifcpen, barunter neue ©efd)tcd)ter, ftnb bip Äuffcen fet>r reidj; bcpgteidpen ijf bie 9Rannigfattigfeit bet 3mfe!ten, ber ©cpat= I tpiere ic. fepr grop. fftod) gropct ift bet fReicptpum beg fPflanjenreicpg; in 9feu= t pottanb allein Pat raan nn taufenb neue fPftanjen entbeift. Sod) ftnb bie fteinern gnfetn reid)er an fftaprung gebenben ©ewdcpfen atg SReupoltanb. 5Bir nennen: @ago = , 2frefa = unb docogpalmen, dufatpptug, Saume, bie eine £of)e »on 180 gup unb einen Umfang oon 30 gup erreichen, Äajaputbdume, ©ur.imibdu= me, Srotfrucpt, ©uajaren, $ifang, Äatappanufbdume, Sfotang, Äafuarina= ober Äeutenbdume, woraug bie dinwopnet bie bauerpafteflen SBaffen unb ©erattje machen, fPapiermautbeerbdume, aug beten feinftem Safte 3eud;e »erfertigt wer= ben, ditronen, ^omeranjen, geigen, jJucEertopr, Setetpfeffer, Saumetpfeffer, woraug bag betaufcpenbe ©etrdnb itfoa gemacht wirb, Saumwottenftauben, neu= fcetanbifcper gtacpg, ber einen »ortreffticpengaben gibt, Satatten, 5)amg, 2farong= wurjetn, bie ben .fiauptgegenjlanb ber ganbrnirtpfcpaft auf ben ©anbwicpinfetn augmacpen je. Sutcp bie duropder ftnb europäische ©etreibearten unb ©artenge= t wacpfe, Sbjf, SRanbetn, ©ranatapfel, Sabacf, -öanf, gtacpg unb ^opfert bahin gebracht worben. 2fug bem nodj wenig unterfuditen ©teinreiche fjat man Äupfet: unb difenerj, ©ranit, fPorpppr, Safalt, dhatcebone, 2(cfjate, Sobe ober orientalifcpen fftierenftein, SRarmot, Äatf, ©teinfatj ?c. gefunben. '.tfufita= lien ift duperft gering beüolfert; im Surcpfdjnitte bann man nid)t lOSRenfdpen auf bie Cf®?, redjnen, ba bie 3apl ^ er ©nw. nur auf 3,700,000 gefetzt wirb. @ie hüben 2 ^auptarten, eine negerartige, bie ®apuag genannt, unb eine in Sil= bring unb ©eftatt wenig »on ben duropdern abweid)enbe, bie man ju ber matapU fd)en redpnet. 2fug ber Sermifcpung beiber £auptftdmme ftnb oetfdjiebene 9Ritte(= i arten erzeugt worben. Sie ®apuag bewopnen Uteupottanb, Neuguinea, bie Soui= ftabe, bie ©atomonginfetn, bie neuen cfjebriben, ffteubritannien unb 9feucatebo= nien, unb hoben, befonberg in fReupoltanb, aufgeworfene Sippen unb SBoltpaare wie anbre Sieger, oon benen ft'e ft'ch burd) fehr bünne, magere 2frme unb Seine 1 augseidpnen. Siefe fRegerart ftept ber jweiten, ber matapifepen, anSübungbet weitem nach, öotjügtiep in fReupotlanb, wo bie dinwopnet wibertiepe, affenartige ©eftcptgjüge paben, auf ber niebrigften ©tufe ber forpertiepen unb geiftigen Sit= bung fiepen unb im ßuftanbe ber SEBitbpeit, opne ©taat unb opne fRetigion (eben. Set grope ®htnb mit biefaufgeworfenen Sippen fpringt fajl wie eine ©d^naitjc per= oor, unb bapinter oertiert ft'ch bie platte fleine 51afe. Sie tieftiegenben 2(ugen t>er= ratpen eine tütfifepe Oloppeit, fetten bumme ©utmhtpigf'eit. fRacft ober teiept mit Spierfetten betreibet frtepen fte gifdpe, ftettern auf bie Saume ober erlegen bigwet= len bie (eidpt ju fangenben Äängutupg, unb »erjepren 2fUeg fafl rop; faum baf fte ben Sogetn bie gebern abrupfen. Sie Sewopner ber neuen £ebriben unb «on 97eu= catebonien, bie man gteicpfattg ju ben ®apuag redjnet, »erjepren bag gteifcp iprer erfeptagenen geinbe, paben aber bebaute gelber mit ®ifangg, S)amg= unb 2farong= wurjetn. Ser maiapifd)e ^auptflamm, welcher bie auflratifdpen gnfetn, atg bie greunbfcpaftg:, ©ocietatg=, ©anbwicpinfeln rc., bewopnt, jeidpnet ftep bitrcp bie feponften, regetmdpigflen gönnen aug, beren bie ©eftatt beg SRenfcpen unter irgenb einem ^limmetgjlridjc fdpig ift. Sie Hautfarbe ift bigweiten nid)t bunfter atg bie bet ©panier unb gtatiener, ja einige grauen fap man uotlig weip wie bie fcPon= jlen dutopdetinnen. 3m ©anjen jeigen fiep biefc Snfelbewopner atg gutmütpige, gefettige, fanfte, fröptiepe unb teidjtffnnige 50Renfd)en. Sodp ftimmen bie fReifen= 574 2fufhafocean 2Cu£)t>anbetuttg ben barin überein, baf fte einen Hang jum ©fehlen haben unb ifjre SBeibet unb Töchter ohne gurücfhaltung ben ©uropaetn preisgeben. 2(ud) tjerrfrfjt bei einigen berfelben bie abfe^eulicfje ©itte beS ©enuffeS beS 9Renfchen|TeifcbeS unb ber Tten= fchenopfet. @ie leben in Dörfern, wo man and) öffentliche ©eböube antrifft, «et, fertigen Äat)ne mit funftooller ©djnigarbeit, Söetfäeuge, ©erafffcfaffen unb 2Baf= fen »on ©fein unb ^olj, beren Arbeit man, bei ihrem SRangel an Hilfsmitteln, bewunbetn muß; fte madjen gifchernege, Äörbd)en, ©triefe, fehr feine hatten unb geudje jur Sefleibung ihres ÄötpetS, bie fte fd)ön §u färben wiffen; fte treiben eine 2lrt »on Sanbwirthfchaft, welche »orjüglich im 2fnbau ber iatonSwurjeln, I ber SfamS, audj ber Kartoffeln beffeht, unb leben in einer bürgerlichen SSerbtnbung, beren ©runblage eine 2frt »on fiehnSfpftem ijt. ©te »etehren Haupt = unb Unten ■ götter, fjaben ^riefter unb Opfer, unb hegen fehr ftnnlid)e Hoffnungen in 9fücf: : ftd)t eines anbern üebenS. ©ewöfjnlich ft'nb ihre SRoraiS ober SJegrdbnifgebdube || bie Örter, wo bet ©otteSbienjt »errichtet wirb. ©nglifche SSRifft'onnaite haben bie : : chriffliche ^Religion auf ben ©ocietats = unb ©anbwichinfeln »erbreitet. Unter allen >j biefen Snfutanern ftnb bie Sewobnet ber ©anbwichinfeln (f. b.) burch ifjre 1 SSefanntfchaft mit ben Europäern am weiteften fortgefchritten. 3Cufer biefen Un I einmohnern 2(uftralienS ft'nbet man jefet auch ©uropäer: wenige in ben @anbt»id): infein; über 50,000 in ber »on ben ©nglanbern auf ber Dftfüjte OfeuhollanbS an: gelegten Serbrechercotonie, unb eine geringere gaf)l in SSattbiemenSlanb. Übet: haupt hat ©rofbritannien 1824 alle jwifcfjen bem 129. unb 135.° bet Sange lie: s , genbe Unfein unb Sanbflricfje 2CufiraliettS, nebft 2CpSlep unb ©larence = ©träfe unb 9)ort ©ffmgton auf ber Halbinfel Koburg, in Seftg genommen. Die Hauptbe: ftanbtheile 3fuftralienS ft'nb, auf er »ielen f (einem einzeln liegenben, 9teul)ollanb, SanbiemenSlanb, Neuguinea, bie ÄbmiralitdtSinfeln, fReubritannien, bie ©«: ; lomonSinfeln, bie Königin = ©fatlotteninfeln ober ber Archipel »on ©anta ©ruj, bie neuen ^ebutben ober baS Heiltgegeijtlanb, Ofeucalebonien, fReufeelanb, bie j speiet»;, carolinifchen ober neuphilippinifchen, 9Rarianen= ober Sabronen=, 9Ron= 'j te»erboS = , 5Rutgra»eS =, §ifcher=, greunbfdhaftS:, Stigh$=, ©d)iffer=, ©ocie= tats =, 5RatquefaS = , 2BafhingtonS= unb bie ©anbwichinfeln. @. Haffel’S ,,©tb: befchreibung »on 2fuffralien", SBeimar 1825 (ber 23. Sb. beS „Hanbb. ber neue: fien ©rbbefd)tetb."). 2Cuj!talocean, f. ©übfee unb Ärufenffern. 2fuS»anberung, baS SSerlaffen eines DrtS oberSanbeS für feirte ^)er= fon fowol als auch mit Habe unb ©ut, um anbetSwo feinen SBohnfi'g jtt wählen. ! I 3fuSwanberungSrecht (jus emigrandi), bie Sefugnif, in gewinn galten ungehinbert aus einem Drte ober Sanbe wegäidjen ;u bürfen. DiefeS 9ted)t hatte efebem jeher greigeborene unb gretgelaffene, fobalb eS ifjm an einem Drte unb in einem Sanbe nicht gefiel. Allein ba burch bie 2ütSwanbetung bet ©taat an ©tn: fünften, phpftfehen Kräften unb ®ewerbstf)atigfeit »erliert, fo glaubte man bie 2fuswanberung »erbieten ju müffen, unb erlaubte nur, innerhalb ber ©renjen eines ©taats aus einem Drte in ben anbern §u sieben. Die ©rfahrung feeweift jeboef, baf folche SSerbote nichts fruchten, unb ber einige SSeg, bie 2fuSwanbefung ju jj »erbitten, bejteht barin, baf man baS ©igenthum ber ©inwohner auf baS »otlftön= ,■ bigfte febügt; baf man ihnen ©ewiffenSfreifjeit unb Ausübung ihrer (Religion uw »erlegt »erflattet unb fte nicht, wie »ormalS in granfteich unb ©aljbttrg, burd) l ©laubenSjwang aus bem Sanbe treibt; baf man fte unter bem ©djuge »ernünfti= i ger ©efege, bei geftcherter Freiheit ber ©ewerbe unb beS HanbelS, bie fruchte ifreS . | ^leifeS ungefört genießen läßt; baf man fte ben Sebrüdungen ber Seamten I nid)t preisgibt, unb ihnen enblich baS gutrauen abgewinnt, baf fte webet unbillige j noch willfütlid) ju ertjoftenbe 2fbgaben beforgen bürfen. — Die 2fuSwanberung ober baS freie SBegjietjen in fchulblofer 2(bftcht aus einem SunbeSftaat in ben an- 3fu§n>anbcrung 575 bcvn ift eine 85efitgnip, welche bie SSimbeöocte (2frt. 18) allen Untert^anen bet bentfcfyen S3unbegfiaaten beilegt. 2lÜcitt baft rechtliche Familien, ju >|)unbecten auf einmal, bie geliebte fjeimatb, einen fcfyonen fpimntel nnb einen fruchtbaren 23oben »erlaffen fonnten, um nad) einet Srrfabtt ooll Unglücf in ben fffiüfteneien Siuplanbö ober in ben SSdlbem non 9torbamerifa jtt f erben: bieg tjatte man nad) bem Sieben tton 1814 in bem beruhigten ©ttropa oon 83olfern, bie unter weifen 9legierungen jttfrieben lebten, nid)t ermattet. Unb bod) gefd)ab eg, bap 1815—17 über 50,000 5Jtenfd)en, meifteng aug bem ©tfap, ben 9tbeinlditbetn, SBürtem= i betg unb ber Sdjweij, mit ‘ISeib unb Äinb augjogen, um ftd) in Stuflanb ober ' Storbmnerifa anjuflebelit. 1817 traten allein jit Stuebecf 4143 auggemanberte ©utopder angenommen. Unb toie 83iele ftnb nid)t auf ber See ein £?pfer ber fd)dnblid)jten Staubgier geworben ober bei if)ret 2lnfunft in fdundflidte Sienftbar= feit gefallen, weil fte bie Überfahrt niept bejahten fonnten! 0tid)t Übetoölferung unb bet Stieb, ein ttngemiffeg ©lücf unter fremben ©fernen ju fud)en, fonbern ! mel)t alg bieg, .ffoffnunggloflgfeit, bap eg je beffet tretbe, gurdjt, bap nod) ©djlimmereg berotjfepe, unb gdnslidjec Mangel an 83ertrauen ju ber gürforge ber SKegietungen: biefe Urfad)en l)aben, nebft anbem jum S^eil ftttlidjen Übeln, an benen unfer Seitalter frdnfelt, ganje gamilien in bie obe 5öelt binauggetrieben. ©in ©efübl ber SSerjmeiflung fjat bie 83olfer ergriffen, bap eg feine greitjeit mehr für ben jfrmen gebe, ber unter bem Srucf ber Abgaben unb unter ber 2afi ron 2fr= beiten, felbfl beim niebrigften greife ber erften SSebürfniffe, erliegt, unb ber babei ber ftnftern SSorfiellung ftd} überldpt, bap bie arbeitende Glaffe, ber' jabtreid)fte S^eil beg SSolfg, nid)t für fid) arbeite, fonbern nur für $of=, ©tanbeg= ober.@utg: berren. — Sie 2fugmanbcrung nad) 2fmerifa ift übrigeng fo alt alg bie ©rünbung ber freien Staaten. 2üie juerft bie in ©uropa unterbrüefte Sfeligiongfreibeit bie böiüfteneien 2(merifag angebaut bat, fo treibt ber SBunfd), in einem ßanbe ju leben, wo ben ©runb unb 33oben geringe Abgaben belaften, bie ©uropdet babin. SBentt man bebenft, wie uiel ju bem ©ntfdpluffe gehört, bie .fteimatb, an welche ber SOtenfd) mit ben ftdrfften SSanben ber ©rinnetung, ©ptad)e unb Sitten ge= ftiüpft ift, ju «erlaffen, um unter fremben Stationen ein ungemiffeg ©lücf ju fueben, fo wirb man ber 33eforgnip feinen Staunt geben fonnett, bap bie 2fugman= berunggfud)t jemalg einSSolf ohne btingenbeUrfacbe ergreifen werbe. 9)tan barf alg unumftöplid) gemip annel)tnen, bap bie 3(atgwanbetung, wo fte überbanb nimmt, nie bie Jtranfbeit felbfl, fonbern nur golge unb Spmptom eineg Übels ift, meldjeg feinen Sig in bem SBibetfptud)e bat, worein fid) bie Stegierung mit bem Sinne . beg ÜOolfeg gefegt bat. Söenn eg babin gefommen ift, bap bie 9Kenfd)en glauben, ben ©eboten beg Staatg ol)ne 83etlegung ibreg ©ewiffeng nid)t geborenen 51t fßn= nett, fo mup ibnett freifteben, bem S5ürgerred)te ju entfagen unb in attbetn 2dn= bem eine greiftdtte für il)re religiofen unb politifd)en Überjeugungen ju fueben. ©g mar bie bdrtefte Sprannei, alg Submig XIV. ben Steformirten bie bisherige @(au= bengfreibeit entjog unb bod) aud) ihre 2fugmanberung ju binbern fuebte. ttud) bem ©injelnen f'ann bieg Stecht ber freien 2fugmanberung nid)t gefcbmdlert werben, benn aud) ber ©injelne fann mit feinem fPflidjtgefübl unb ben Staatggeboten in ©ollifton fommen. 2fug ben Pflichten entfpringt bag 9ted)tj fein 3ted’t, bem nid)t bie 9J?öglid)fe;t einer fPfIid)t ttoraugginge: bieg ift einer ber frud)tbarften ©runbfage beg allgemeinen Staatgrecbtg. 25aber gehört eg aud) ju ben funba- mentalen greifeiten beg englifd)en Stolfeg, ft'df) ohne befonbere ©rlaubnip aug bem Sanbe jtt begeben, welche nur, roie ftd) non felbfi öerftef)t, in 2fnfebung 25erer be= fd)ranft ift, meld)e in befonbern Pflichten (SSeamte, ©olbaten tc.) gegen ben Staat fteben unb in einzelnen gdllen burd) ein SQ?anbat: Ne exeat regnum (meldjeg 00m ©ropfanjlet auggeft), aufgehoben werben fann. Sie fParlamentgacte gegen augwdrtige Ärieggbiettfte ftnb mehre SBale wieberbolt worben (j. 85. in S3ejiebung 576 AitSwecfyfetung Ausweichung I auf bic fübametifan. Snfucgenten 1819), aber ft'e fegen feine eigentliche Au«wan= , bevung »orau«. Sbenfo ift jwat ba« Au«wanbern bec äüanufactucarbeiter in I 2Bolle, ©eibe, ©fen jc. burcf) »erfd;iebene ®efe(se (»on 1719, 5. Geo. I., © 27, 1 non 1740, 23. Geo. II., 6. 13, unb 1782, 22. Geo. III., 6. 60) »erboten, allein bie ©träfe befielt für ben Au«gewanberten, welcher nad; erhaltener Auffo= betung nid)t jurücffel)rt, nur in Serluft be« S3urgercetS, für ben SBerber aber in harten ©elbfirafen (3000 Sh Ir. für jeben Angeworbenen, im 2öieberl)0luttg«falle 6000 Shlr.) unb ©efdngnif. Auch bie franj. Serfaffung geftattete roenigftenö ! feit 1789 eine unbefdjranfte Au«wanberung, unb bie ©efefje gegen bie @migran= j ten ftnb nid;t auf bie Serfaffung be« ©taat« an ft'd;, fonbern auf bie feinblid;e Ab= ficht, in weither bamal« bie SKeiffen emigrirten, ju bestehen. Senn bie @mi= granten wollten nicht ihr ^Bürgerrecht in granfteid; aufgeben, fonbern »ielmeht bie neue ©effaltung be« Staat« oon Aufen befampfen, unb babutd) würben ©traf= gefege allerbing«, wenn auch nicht folcfe, wie ft'e potitifd;ec ganaü«mu« eingab, rechtlich begrünbet. ©rünbliche ^Belehrung über bie ©efaljten, welche ben Au«t»anberern in freit» ben Sdnbern beootfehen; OJIafregeln, burd; welche bie Arbeit«fioffe ungehtnbert »ermehrt werben fonnett; Sofung aller fünjtlichen SSanbe, woburd; bie gtofe SDiaffe ber ©üter in wenig *£>dnben gehalten wirb 5 Freiheit b e « : ba« ftnb bie SJiittel, woburd; bieSuft jum Au«wanbern gebdmpft unb bieSluft, imSanbeju ;| bleiben, gewecft werben fann. Verbote be« Au«wanbern« ftnb fo ungerecht aß unflug, unb beuten immer an, baf eine Oiegierung, welche ft'e ertdft, feine rieft» gen S.egriffe Weber »ott ihren Oied;ten noch »on ihrer Seflimmung hübe. CWan »ergleid;e, wa« ^)ert ». Oiottecf in f. ©d)dft: „Über ftehenbe cfteete unb National: milij", »on ben Quellen be« Stucf« unerfd;wingltd;er Abgaben, be« gefunfenen SBofjlftanbe« be« Oidhrftanbe« u. f. w. fagt. Sft aber Überoölferung Utfacfc be« AuSwanbetn«, fo fonnten bie Oiegierungen unter ft'd;, in Serbinbung mit einer @eemad;t, bie ©dchtung »on dolonien, wie in ber alten 3 dt, burd; öffentliche, »om Solfe gewählte SSeamte beforgen laffeti. greie Seteine bec ©tdbte, wiep ben 3eiten ber £anfe, ber Templer, 5ohannitet= unb beutfd;en Oiitter, würben bieS erleichtern. Sie »om greif;. ». ©agern berSunbc«»erfammlung »ocgelegte Senffcfrift „Über bie Au«wanberung bet Seutfdjen" (gtanff. 1817,4.) enthalt mehre -Büttel, wie bie Oiegierungen bie Au«wanberung »erffdnbig leiten foltert. Schon thut bie« bie britifdje Oiegierung in Anfeljung ber Att«wanberer nach Ganaba,- bem Gap unb Oletthollanb. 9J?ef)r noch tft in Oittf lanb juc Unterflügung ber Singe-- wanberten gefd;ehen, nadjbem SETfanget unb Äranfheiten eineSienge btefer Unglück liehen in ben tmgefunben ©teppen »on Sbeffa weggerafft hatten. — Süt ben @e= fahren ber Au« wattberung nad)Amerifa hatfjerr». ©agern bieSeutfdhen burd; ben ^Bericht be« cFtetrn ». gürflenwdrther befanntgemacf)t. Sgl. 2ubw. ©all, „Sieme AuSwanberuttg nach ben herein. Staaten in Oiorbamerifa im Saht 1819" (Stier 1822, 2 Shte.), unb Dr. © Staun’« „Sbeen über bie Au«wanberung nach Arne» rifa" (©otting. 1827). Über bie Au«wanberung nach Sraftlien belehrt ber 1825 »erft. gtepreif in f. „Seite, jur nahem Äenntn. be« Äaifertf). Sraftlien, nebjl ©d;ib berung ber neuen Kolonie Seopolbina" (granff. a. Si. 1824). Sie neueften @rfaf)' rttngen follten jebod; bie Au«t»anberung in btefe«, »on Sielen abftd;tlich empfohlene ■ 2anb ganjlid; wiberrathen. — Unter mehren Sdnbern, wo grofe Oioth gefjerrfcht hat, unb wo bennod; feine Au«wanbetung fiattgefunben, ebenbarum, weil Set* trauen auf bie gütforge »dterlirfjer Oiegierungen ben Stutl) emporhielt, müffen u. a. bie fonigl. unb herjogl. fad;f. unb bie preuf. Staaten genannt werben. Au«v»ebhfciung bec Ätiegägefangenen (f. b.). A u § v» e t d; lt n g (in bec SOiuflf). Sa« gortfd;reiten ber SSJiuftf »on einer Harmonie jur anbetn nennt man im weitern Sinne Wl 0 b u l a t i 0 n. Sebe« gort* 2Cu§tt>eid)img 577 fcbreiten von einet ^avmonie jut anbern ifi ein Accotbenreed;fel; aber nid;t jebet 3fccorbenn?edjfet ifi aud; ein 2Bed;fel bet Äonarten. ©S gibt bal;et eine hoppelte Art ber SJlobulation im reeitern ©inne: entreeber gef;t man non einet Harmonie jti einet anbern fort, bie in berfelben Äonart liegt (©ettfr. SBeber nennt biefeS eine teitereigne ©lobulation), ober ju einet bem notigen Tfccotb ftembartigen Äenart, unb biefe 3frt bet -Blobulation, ober bet Übergang von einet Äonart jut anbetn, ifi AuSreeid;ung, SRobulation im engem ©inne (nach ffßebcr leiterftembe SJlobu-- lation). Sine foldje finbet alfo fiatt in fclgenben 35eifpielen: J_4_l =t '«■ '=■ Siefe SSeifpiele lebten jugleicb 2 fpauptavten bet Ausweichung fennen. Sn bem erflen namlicb ifi ber gortfebritt von betritt, bap man bei bem neuen 3fccorb ben etfien völlig vergift, unb biefe Tfrt bet - AuSreeicbung mag bie vollfommene bei» fen. Sn bem anbern Seifpiete wirb bie erjie Äonart nid;t aus bem £>b te »ertilgt, unb bie ftembe Äonart faum als neu empfitnben, tveldieS immer bet galt ifi, reo eine Äonart vorübergebenb jreifeben bie bertfcl;enbe tritt, unb bicö nennt man eine unvollfommene AuSreeid;ung. Söebet beredmet in f. „Äbeorie bet Äonfegfunfl", bap man auf 46 verfebiebene Arten non einet Äonart jut anbern fortfd;reiten fönne. SS gibt ndm lieb 11 AuSiveid;ungen auS einer butten in eine anbte barte, unb 11. aus einet reeid;eit in bie anbern reeicben, 12 aus einet barten in eine bet 12reei= d)en, unb 12 aus einet reeicben in bie 12 barten Äonarten. Srreügt man nun auch, bap jebe Äonart öerfctjiebene Harmonien bat, von reeldjen unb ju reeld;crt fortgefd;ritten reetben fann (namlid; von jebet bet 14 Harmonien ejnet barten Äom art ju einer ber 14 Harmonien ber 11 übrigen, unb von jeber bet 10 Harmonien einer ÜJiolltonart ju ben 10 ber übrigen 11 SÜiolltonarten; foreie ferner von jeber bet 14 Harmonien einer Surtonart auf eine ber 10 Harmonien ber 12 SJlolltonarten, unb von jeber ber 10 Harmonien einer Sttolltonart ju einer ber 14 Harmonien ber 12 Surtonarten): fo ergeben ftd; im ©anjen 6616 verfebiebene mögliche galle ber Ausweichung. Sie meifien AuSroeid;ungen finb gortfd;reitungen von bem SreU flang 1) ju bem tonifeben Sreiflang einer neuen Äonart, unb jreat von Surtonart ju Surtonart (j. S3. Von C-dur nach G-dur, D-dur, A-dur, E-dur, H-dur, F-dur, B-dur, Es-dur, As-dur, Des-dur), Surtonart jur SJlolltonart (j. S3. von C-dur nad) bem reeid;en tonifeben Sreiflang von D, G, E, A) unb umgefebrt (j. 35. von C-moll nad; bem barten tonifd;en Sreiflang von As, Des, Es, G); 2) bureb ben Sreiflang ber Sominante nad; allen Äonarten, ober 3) burd; ben ^aupts feptimenaccorb. Sie AuSreeid;unb r am leid;teflen offen; bagegen AuSreeicbungen in entfernte Äonarten bem ©ebör auffallenber finb. A6 lein biefeS Auffallenbe fann burd; befonbere Mittel gemilbert reerben, j. 33. bureb d;romatifd;e Ü6ergdnge ber SJletobie, ferner babureb, bap ber Übergang in bie neue Äonart bureb einen mebrbeutigen Accorb (b. i. einen fold;en, ber baS £% Aber bie Äonart, ju welcher er gehört, jreeifelbaft lapt), ober burd; einen foldjen gefd;iebt, tveld;er foreol ber Äonart, von reeld)er man auSgel;t, als aud; ber Äonart, in raeldje man auSreeid;t, jufommen fann; ja, biefeS Auffallenbe, ©rollere gereiffet AuS* §i>iio.j£e?. Sieben ie llitfl. 58b, I. f 37 578 2CuS3cI;i'ung Autenrietf) weidjungen iß oft fogat brr jwecfmüpigße unb wirffamße Auebrucf beS ßürfern unb contraßirenben ©ebanfenS. 5ßaS aber im Allgemeinen ben ©ebraud) ber AuS= meidjungen in einem SEonßücf antangt, fo oerlangt bie ©nljeit beffelben »or Allem jmat eine Ijerrfdjenbe SEonart, b. b. fte «erlangt, bap ein SEonßücf ftch sum gtöpfen $El)cil in einer beßimmten SEonart bewege unb bähet in ber Sieget mit berfelben aud) anfangc unb fdßiepe. Sn biefer 58ejiel)ung fagt man aud), baS SEonßücf gebt au« C, R ic. — obwol ber Anfang nidjt immer fogleid) unb entfd)eibenb bie tjecrfrfjenbe SEonart befiimmt, unb ein ©tücf oft in einet anbern SEonart fdßiejjt als in welcher eS angefangen, j. 58. Duoerturen, bie j« anbern ©tücfen »orbereiten, ober ©tücfe, beren Gnbe mit bem Anfänge, beS 3nl)altS wegen, contraßiten muf, fobap fte etwa in Duc fcljliepen, wenn fte in SDIoll angefangen haben, ober umgefeljrt. Sn ber Siegel, unb wenn nidjt 58ebingungen legterer Art eintreten, ftnbet man baljer jene ©nf)eit, bie fid) befonbcrS burd) Anfängen unb ©cfßiepen in einer SEonart äußert, felbß in 5Seße!)uitg auf mehre ©tücfe, welche jufammengenommen ein größeres ©aiijeS bilben [$. 58. SinaieS (f. b.) ober ganje Dpern], beobachtet. 5ö$ennnun aber eine SEonart ftch bem ©eher als f)enßd)enbe angefünbigt unb eingeprägt hat, fo erfobert bie hatntonifche Sßannigfaltigfeit beS SEonßücfS, nach Sßapgabe feiner ©röpe unb feines umfaffenben (SharafterS, auch AuSweidjungen. Daraus ergibt fiel) aber, baß eS auch Steine SEonßücfe «on leichtem, ruhigem G>haraftet geben fönne, in melden gar feine AuSweidjungen «orfommen (wie j. 58. in flehten ßie= bem unb SEänjen Ausweichungen nidjt wefentlid) ftnb, unb Häufungen berfelben ben Gharafter eines foldien ßßuftfßücfeS oft ganj attfheben), fowie hingegen grö-- pere SEonßücfe ohne ben Sleij berfelben leidjt matt unb einförmig werben würben. Sn ber neueßen Seit hat man ftd) überall fo feljr an biefen 5Hei} gewohnt, bap ber ©efehmaef beS grofcn5PubticumS faß 5Jlid)tS mehr pifantgenug ftnbet, unb man nur immer baraufju ftnnen fdjeint, aud) nod) bie SBüqe ju rottcjen. Die natürlich* ßen unb üb!id)ßen Ausweichungen eines SEonßücfS gehen nun a) in bet Durtonart 1) nad) ber harten SEonart ber Dominante; — biefe nimmt ben crßen 9Jang ein unb wirb mit9fed)t, wegen ihrer nüchßen 5ßerwanbtfd)aft mit ber ^aupttonart, 4?uuptattSmrid)ung genannt, ©ie fommt gewöhnlid) in ber SSÄitte beS ©tücfs «or unb theilt baS ©tücf in 2 Hälften ein. 2) -Slad) ber harten SEonart bet Unterbot minante (ober Duarte), ferner 3) nad) ber weid)en SEonart ber ©epte beS ©tunb* tottS unb ber übrigen SEonarteit, beren tonifd)e Dreiflänge in bet SEonleiter ber $aupftonart liegen. l>) Sn ber ßßolltonart 1) nad) ber harten SEonart ber SEertie, ©epte unb Duinte, 2) ober nach bet weidjen SEonart ber Dominante unb Unterbot ntinante. Sn ben hier angegebenen SEonarten pßegt ein SEonßücf, wenn eS auS= weid)t, am (angjlen jtt «erweilen. Aber bamit ftnb bie AuSmeidjungcn in entfern* tere SEonarten nid)t auSgefdßoffett, — nur bttrfen fte nicht miUfütlid) unb ohne ©rttttb oorfommen; »ielmeht ftnb fte auperorbentlidje ßKittel, bie nur ju auperor* bentlidjen ßBirfungen aufbehalten werben müffen unb ihre SBirfung »etliercn, wenn fte ju oft gebraucht werben. Die Slücffeht eines SEonßücfS ju ber <£aupt= tonatt, in welcher, wie wir oben fagten, gefd)loffen wirb, gefd)ieht gewöhnlich unb am beßen burd) ben Dreiflang ber Dominante ober ben $auptfeptimenaccorb (feiten burd) ben Dreiflang berUnterbominante — plagalifcher ©chlup), weil burd) einen foldien ©d)lup baS ©el)ör »ollfommen beruhigt wirb, befonberS wenn bie Sormel, in welche biefer ©d)lup gefaßt wirb, benfelben in mel)ren Siguten wieber* holt. Die umfaffenbße unb grünblichße SEheorie ber AuSweidjungcn hat ©ott* frieb ßBeber in feiner „SEheorie ber SEonfe|funß" (2. 58b., ©. 333 — 378 fg.) aufgeßellt. 44. AuSjcf)rung, f. Atrophie. Autcnrieth (Sohann Heinrich Setbittanb ».), Äanjler ber Uni«. SEübingen unb ^C>vof. ber Arjnciwißenfchaft, geh. baf. 1772, entwicfelte früh auSgejeid)netf 2futeuit tfutobibaften 579 ©aben für baS gad) naturwiffenfd)aftlid)er ShdtigFcit. gcutige 33orflc(litngSFraft unb ein auferorbcnt(id)eS ©ebdcftnip begünfiigten feine ©tubien. 9Iad)bem er 2)octor geworben, machte er eine Siede mul; SiorbameriFa. SSom gelben Sieber befallen, allein unb ohne dpttlfe, rettete er ftd) felbft burd) einen Fuljnen 3(bcrlaf »omSobe. 9Iad) feiner StücEfefyr würbe er fProfeffor ber 2f.räneiFunbe, befonberS ber Anatomie unb ÄliniF, in Tübingen. ^)ier wirft er unauSgefegt burd) gei(i= »olle SSorträge, fowie burd) eifrige .RtanFenbehanblung. 9Iid)t weniger tf)ätig als ©d)riftjMer, hat er befonberS 3eitfd)tiften, tf)cilS allein, theilS in ©cmeinfd)aft mit Sieil, herausgegeben. 23er üonig non SBürtemberg »erlief) ihm ben Srben beS ßmiloetbienjleS »mb ernannte il)n jum .Ranj(er ber Unioerfitat Tübingen. 2Iuteutl, am ©ingange beS .fjoljeS »on ffioulogne, eine fleine SJieile »on fPartS, bafjer oft literarifcf) berühmte Scanner bort wollten. 9fod) jeigt man bafelbfi baS SanbhauS beS 23id)terS Soileau (f. b.), wo gtanFreichS fd)6ne ©elfter fleifig beim fcoptifdjcn Soileau fcgmauflen. ©infi norn 5öeine im ndd)tlid)en ©d)ffiaufe erwärmt, bejammerten bie fiitcratoren baS jurüefgehenbe Seitatter unb fanben, eS fei ein Unglücf, bajj man geboren worben fei, unb ein ©lücF, eine fo »etborbene SBclt halb ju »erlaffen. 3flle würben eins, ftd) in bie nafje ©eine ju fturjen, unb fd)on wanbeite bie SSlütfje ber franj. ©elef>rten nad) bem gluffe. 23a fiel eS 9Jioliere ein, eine fo fd)6ne ^anblung berühmter Scanner muffe nicht in ndd)ttirf)cr ginfternif oollbrad)t werben. 23ie grof>tid)en gelten inne unb fanben, baf er 9ied)t habe. 23er gemütf)lid)e ©hapelle fd)lug nun uor, ftd) morgen bei Sage ju erfdufen unb jum 9Bal)le jurücfjufchren, um bie nocf) übrigen glafcfen ju leeren. 23er wigige tfnbrieup brachte biefe JlneFbote im „Moliere avcc scs amis, ou le souper d Au- tcuil“ auf bie 33üf)ne. Södfrenb ber 2Frjt ©enbron baS $auS befaf, befudjte fBoltaire biefen feinen greunb unb fegte folgenbe gnfd)rift: „C’est ici Ie vrai Par- nasse des vrais enfans d’ApolIon. — Sous le nom de Boileau ccs lieux virent Hornce; Esculape y parait sous celui de Gendron". — 3«legt befaf 5J?abame •fjeloetiuS als SBitwe biefen ßanbftg unb uerfd)ßnerte ifjn burd) if;re 2fbenbcirfel. 3(lleS, was fRufljatte burcl) Siteratur ober Sfjaten, war bort fietS willfommen, er mochte granjofe ober ein grember fein, grei war bort gebet. 9Jian nannte bie ©efellfdgaft beffjalb „La societe libre des egoLstes". 1798 unb 1799 gefiel ftd) bort Sonaparte fel)t in bet SÖiitte freiftnniger ®?enfd)en unb fpajierte fleifig mit ber berühmten ©igentfümerin in ihrem ©arten, bie feinen fd)on bamals lebhaften ©hrgeij bannte unb ifjm ldd)elnb oorwarf: „Vous ne vous doutez pas combicn on peut trouver de bonheur dans trois arpens de terre". — 3fud) SJionutuente berühmter Sobten ftef)t matt auf bortigem Äird)l)ofe; u. a. »om ^rdft'benten 9iico= lai «on ber Chambre des comptes, unb öon bem alS ©iöilijf unb S3ertl)eibigcr ber 9)ienfd)enred)te befannten Äanjler b’2fgueffeau. 2futf)entifd) heift urfd)tiftlid), was eine fPetfon eigenl)dnbig gcfd)ticben h«t; bann glaubwürbig, gewifj, ed)t. — 2futf>entifcf)e ©efegerf larung, Welche öon bem ©efeggeber felbft ertfjeilt wirb; titre authentique, eine offene lidje, beglaubigte UrFunbe. — 2futf) entica fjeift in ber rümifd)en 9fec^tSwiffen= fdjaft ein 3fuSjug einer 5to»elle (f. ©orpuS guriS), woburd) ein ©efeg beS Go= bep enfweber abgednbert ober ganj aufgehoben ift. ©ie würben »on ben erjicn 83e= arbeitern beS rom. 9iecf)tS im Mittelalter aus einer ^anbfefrift ber fJiouellen (libro -authentico) gejogen, ben abgednberten ©teilen beS ©ober beigefegt, unb ft'nb fo in ben Ausgaben beS ©orpuS gutiS geblieben. 2Fud) einige ©efege ber Äaifcr grieb« tid) I. unb II. fttib auf biefe SBeife eingetragen worben. 2üito ba ge, f. gnquifition. 2tutobibaften (a. b. ©rieef).), ©elbfibelef)rte, 23iejenigen, bie ftd) in irgenb einer Atunft unb 2Biffenfd)aft ol;ne fd)ulgered)te f5eil)ülfe 2fnbret Äenntnif «nb gertigfeit erworben haben. 37 * 580 3fttfocjrapl)ifcf) ?üt topfte 3tutograpI;ifd; ober ttutographa (griech-), -5«tibfd)nften, bie ber Berfaffer felbft gefd)rieben hat, jum Unterfdfieb oon 2lb[d)riftcn. 50?an ad)tet fie f)of>et ats (entere, nicht nur als intereffante Überbleibfel, fonbern and), weit man fie für richtiger unb minber fehlerhaft halten kann als2lbfd)riftenoon fremberHanb. Sfutofratic, Selbjtherrfchaft, ©gengeroalt. 3« ber SRoralphilofophie: ©elbftbeherrfchimg ober bie Herrfchaft bet Bernunft über bie wiberftrebenben 9tet= gungen; in ber (Politik 2llleinbettfd)aft. 2futof rator, ein Selbffherrfcher, ber alle Staatsgewalt in fich bereinigt. (S. Selbftherrfchcr.) Automat, ein fich felbft bewegenber teblofer Äörper, überhaupt jebe 9Jta= fcfjine, welche ihre berocgenbe Äraft in fich oerborgen h*Slt unb fid) alfo oon felbft p bewegen fdjeint. Schon HanS Slottheim um 1581 unb ©hriftoph ©chifler, faft um eben bie Seit, oerfertigten betgleichen Btafchinen; befonberS 2fchilleS Sangein buchet, welcher wegen feinet ©efchicklidjkeit 1610 intfugSburg baS Bürgerrecht erhielt. Seine Hauptarbeiten waren felbftfpietcnbe muftkalifche Snftrumente; et machte fogar eins, welches eine ganjc BeSper oon 2000 Fakten oon felbft fchlug. (50?an fel)e ©tetten’S „Äunjtgefchichte ber Stabt tlugSburg".) Unter bie bewun= betnswütbigjicn tfutomate gehören bie oon Baueanfon (f. b.). ©ie beiben Schwerer, ©ebrübet ©toj (f. b.), haben eS in ber Äunft, tlutomatesu oerfers tigen, nicht weniger weit gebracht. ßinS berfelben (feilt ein Äinb oon 2 oor, baS, figenb an einem (Pulte, feine gebet eintaucht, baS ÜberfTüffige auSfd)üt= tet unb tllleS, was man ihm in frans. Sptadie oorfagt, nieberfchreibt, welches freilich olpe oerfteefte ftienfd)üche Beihülfe nicht möglich iff. ©er Schachfpieler beS Hm - n o. Äempeten (f. b.) gehört nach bem greiherrn o. Staknifs („Uber beit Sd)ad)fpieler beS H m *>. Äempelen unb beffen Ofachbilbung") nicht unter bie 3lu= tomatc, weil nad; ihm bie Hülfe eines (oerffedten) Btenfdjen babei nottjig ift. ©ins ber merfwürbigffen tfutomate ift b#S Hm. o. Äempelen Sprachmafchine, übet welche berfelbe eine oortrefflid)e Sdjtift herausgegeben hat. 3» ben neuejien 2fu* tomaten gehören: Siegmeier’S glötenfpteler, COtdlsl’S unb Äaufmann’S Srompe= ter; oor allen aber oielleicht eine oon bem Bürget grijarb ju Biel für ben bamaln gen erften ©onful Bonaparte oerfertigte antifeBafe, welche ftch bei Berührung einer gebet ju einem ipalmbaume entfaltet, unter bem eine fpinnenbe Schäferin fi|t, S. 9?omerSl)ciufen’S tfrtik. Automat in ber „©rfch=©ruber’fchen ©tcpflopabie". £0?an ogl. überhaupt Bufch’S „Hanbbuch btt ©rftnbungen" (©ifenach 1802, Bb. 1, S. 345 fg.). Autonomie, in bem StaatSred)te, baS 9?ed)t, feine eigne ©efehgebung unb Berwaltung jit hüben; in ber fO?oralpf)ilofopf)ie bie eigne ©efefsgebung beS SBillenS, ober biejettige Befchaffenheit eines oernunftgemafen UBillenS, woburch et ftd> felbft ©efefc ift, ftd) felbft beftimmt, ohne ©influf auferer Sriebfebern. 3h c entgegen ftef)t bie Heteronomie beS UBillenS, wenn berfelbe einer fremben aufer bet Bernunft liegenben goberung folgt. 2CIS Sinnenwefen betrachtet, ift ber COfenfd) freilich ben Staturgefefsen unterworfen, aber als Bernunftwefen (Sfntelligenj) ffef)t er unter ©efefjen, bie oon bet Statur unabhängig, blop in ber Bernunft gegrünbet finb. Unabhängigkeit oon ben beftimmten Urfad)en ber Sinnenwelt ift greil;eit in negatioer Bebeutung, unb mit biefer fleht biefe Autonomie beS BiillenS in unprs trertnlicfjer Berbinbung, mit ihr aber baS allgemeine (Ptincip ber Sittlichkeit; ba» hingegen unter Heteronomie fo unenblich oerfchtebene hppotl)etifd)e goberuitgen unb BeftimmungSgrünbe begriffen ftnb, als es Otatururfachen, Steigungen u. f. w. geben kann, gtei, autonomifch unb ftttlich gutfjanbeln, ift gleichbebeutenb. 2(utopfi e (oon avrog, felbft, unb o-i pig, baS Sehen), bie eigne Beobach« tung irgenb eines StaturgegenftanbeS, im ©egenfafce ber Äenntnip, welche man buvch Betreibung, ©rjdhlung tc. baoon erhalten kann. 3n ber dtaturwiffenfehaft i 3C»anicn 2f»arie 581 überhaupt utib in ber Tfrjneifunfi inbbefonbere ifi bie 2f«topft'e ein 33ttbungbmittel, Vüctcf)eö alle anbte übertrifft; bod) barf bie Tfnweifung habet nidjt festen. 2föanten, Abgaben, Erpreffungen, eine 2frt üon Suftijtprannei in bem ttttfifd)en 3ieid)e. 2£üantgarb.e, fßorfjut, SSortrab, beejenige Sijeit ber SfJlannfdjaft, wel= djen marfd)irenbe Stuppen, ju ibjcev; ©id)etfiellttng gegen ben Scinb, not ftd) t>ev= geben (affen, um nicht burch einen Eingriff überrafdjt ju werben. Sie ©tarfe beb fßortrabb richtet ficf) in ber Siegel nad) ber ©tarfe ber matfd)irenben «£>eerebabtf)ci= (ung unb fann bei einem bebeutenben Eorpb fetbfi wiebet einen aub alten 2Baffen= gattungen jufammengefehten Äorper bitben. Sie Entfernung, in welcher ftd) ber sßortrab non feiner Tfbtheilung ju batten bat, hängt tfjeitS öon ber 9iähe beö beb, tf)eitb t>on ben Umfiänben ab unb »eränbert fiel) mit bet S5efd)affenl)eit beb Settainb. Smmcr gilt bab ©efejt: ber föortrab muf fteinere efMnbetniffe bet matfd)irenben Eolonne aub bem fffiege raumen unb beträd)ttid)erc feinbtidje Äräfte fo lange aufbalten fonnen, bib bie Eolonne ftd) jut ^Begegnung berfetben gefaßt gcmad)t h<ü- 6b ifi baher eine £auptpflid)t ber 2Coantgarbe, ben Seinb jeitig ju etttbecfen unb ihn aub jebem möglichen SSetjiecfe aufjufpüten. Sa Ijierju grofere ©ewanbtfjeit unb ein fd)ätfeter gcifiiget unb pf)pftfd)er Stic? erfobert werben, fo pflegt man ju 3foantcorpb gern bie bewegtid)fien Gruppen ju wählen unb ihnen einen befonberb ju fold)em ©efd)äft geeigneten, erfahrenen Anführer ju geben. Siefer mttp «erflehen ben fogenannten fteinen Ärieg für ftd) gu führen unb alle feine Unternehmungen bem ffauptjwecfe ber matfd)irenben Eotonne gemäß einju= rid)ten. 9lid)t fetten befommt aud) ber üßortrab ben Auftrag, bie Eolonnenwege, wo fte ungangbar ftnb, herjiellen ju (affen, SSerpflegungbmittelherbeijutreiben, 9lad)rid)ten aub^uftreuen tc.; jebcneit aber liegt eb ihm ob, niete'unb gute 9lach* richten »on ber Sage ber Singe einjttjiehen. 5. Avant la lettre, f. ‘ifbbtucF. sparen, eineSSolferfdjaft, iiberbleibfel ber non ben Surfennerbrängten ©d)eu=©d)cn. @ie famcn 100 fpütcr alb bie 23ulgarett in bie ©egenben um ben Son, bab fabpifdje Sftcet unb bie SBolga. Ein Sheil blieb in Eirfafft'en, wo fte noch je|t fortbauern, ein anbrer Sheit brang an bie Son au oor (555), lief ftd) in Saciett nieber, biente unter Sujiinian’b fiteere, h°tf ben Sottgobatbett bab ©epibcnrcid) jcrfiören unb eroberte ailmälig, befonberb unter bem mäd)tigeit ^han SSajan (582), fPamtonien. Unter feinen 9lad)fo(gern bemeiflertcn fte ftd) Salmatienb, brangen in Shüringen unb 3tcitien ein, wo fte mit ben Sranfen unb Songobatben friegten, unb breiteten il)te f)errfd)aft über bie an ber Sonau unb weiter norbwärtb wolmenben ©lawen, fowie über bie S3ttlgaren bib anb fdjwarje 9J?eer aub. 2tber biefe S3o(fer riffen ftd) halb lob, unb Satmatien ging verloren (640). Tlitf fPannonien bcfdjränft, 'würben fte enblich uon Äarl bem ©roßen bc= fügt (796) uttb non ben 9)ldt)ren unb ^ptfcfjcnegcrn aufgeriebett, febaß fte fid) nad) 827 aub bet ©efchichte verlieren. 2(Parie, Äoerte, ^aüerct, ©dtabenunb Sofien, welche ein ©chiff ober feine Sabung treffen, bib eb an feine Sefiimntung gelangt, unb weld)e t>ott ben Eigenthümern beb ©chiffeb (Slhebern) unb ben Eigentf)ümern ber Sabuttg (S8efrad)tcrn) gemeinfchaftlid) nad) «ertragbmäßig ober gefefclid) beflimmten 9Ser= hältniffen getragen werben, aud) einen ©egenffanb ber 9Setftcl)crung aubmadjen. 1) Sie fleine ober orbinatte fbaoerei begreift bie Sofien, wcld;e bab ©d)iff im regelmäßigen ©attge ber Singe ju entrichten hnt, alb ?(nfcr=, Sootfcm, geuer=, 58afen=, fÜdjtergelber tc. ©ie werben nid;t in ben 93etftcf)erungbcontract attfge= nommen. 2) ©toßc ober epfraorbinntre -ftaoerei ifi 3fl(eb, wab jur 2fbmenbung einet ©efahr, welche bab ©duff unb bie Sabtmg gemeinfdjaftlid) bebroht, auf geopfert ober oerwenbet Werben muf, j, 5B. Sßaaren, weld;e jur Srüidjtertmg beb 582 ?{ücl(ino 2£»entumt ©d;iffe8 au8get»orfen werben; Äappcn bet Staffen, ©egel, Saue; uotfdfslkbeS * ©ti'rtnben, um bic ßabung ju retten; Ginlaufen in einen 9tott)bafen; SSBatten auf f Gonoop; SRanjionirung bc8 ©d;iffe8 ober Scrtbeibigung beffelben gegen Äapcr :c. i Siefe ©djdben muffen »on ben Gignertt be6 ©d)iffe8 unb »on ben Sefraditern ge= meinfdjaftlid) nad) SSerfjdttnip be8 5Bertf).8 getragen werben. 3) Particulaire Raserei finb ©djdben unb Äofifn, welche nid)t ©d)iff unb fiabung gemeinfdiaft; lid), fonbern ein8 »on beiben «Kein betreffen, unb bal)et auch nur »on ben 3tf)ebern ober »on ben Sefcad)tern aiiein getragen werben muffen, j. S. wenn einÄapet ©d)iff8geratbfd)aften, ober wenn er SBaaten binwegnimmt, fo trifft bort bet i ©d)abe ba8 ©d)iff allein, f)ier ben Gigentbümer ber weggenommenen Skaten. Älare unb jmedmaßige SSorfdjriften über Raserei unb ©eefdjaben bat ba6 „Preuß. alfgem. £anbrcd)t", Sb- 2, Sit. 8, §. 1760—1933. ©ut bat bic Betriebenen Segriffe Sencde in f. „©pffem be8 3fffecuranä= unb SobmeteiroefenS" ($amb. 1805—21, 5 Sbe.) au8rinnnbergefe(it. Über bie babei »orfommenben Setrüge; reien ber ©d)iffet bat ber Kaufmann Sonnie8 in Hamburg mebre ffeine ©ebriften berau8gegeben („Über 2f»arie groffe unb bic notbw. ?(bbülfe bdufi'ger Stißbrdud)e bei betf.", £amb. 1823). 37. 2böclItno (Furcae caudinae), einPaß, ber jwifdjen ber ©tabt b.9t.unb i Sene»ento im Sbaie bi ©argano liegt. Sic Stömer brangen hier ein, ohne ft'bb ben ; Druden gefiebert ju haben, unb würben »on ben ©amnitern, bie ben ©ebitgSftieg j beffer »erftanben, umzingelt unb, nad) niebergelegten SBaffen, burd) 2fbfüf>rttng unter ba6 ©Ela»enjocb befd)impft unb fo capitulationSmaßig entiaffen (321 ». Gbr.). * ©ebirgSprobucte be8 ©übcn8, bie bort bern mäßigen Sanbmann ba8 Srot oft et; feben muffen, fuge Äaftanien unb SBaiftiuffc an ber Sorbfeite ber Serge, wo fie in jebem Älinta »otjüglid) gegen Sad)tfröfte unb ju frühe Slütbe gefdjü^t finb, liefert bie Umgegenb. Sie finftcc gebaute ©tabt 2(»c(lino mit 11,300 Ginw., im Principato oltra, bat »iele SÖ7acaronifabdfcn > bie ju jenen Saumftüd)fen ben ©ebirg8mai8 ju .£ülfe nehmen, ©ie gehört ben Sürften Gataccioli, bie bort für ihre Nötigen ein gruebtmagajin angelegt haben unb betrdd)tlid)e Girdünfte be; jieben, weil bie bafclbft burd) ba8 weiche SSaffer ber Umgegenb begünffigte $iSr« berei ein cintrdg!id;e8 ©ewerbe ift. 210 e Staria, bei benÄatboIden bie ?(nfangsworte einc8 ©ebet8 jurbeil. Jungfrau, baber aud) bie ganje©cbct8formel2r»cS?aria genannt wirb. 2(»e beißt: ©egrußet feift bu; c8 ift ber Anfang be8 fogenannten englifdjen ®rußc8, mitbem ber I Gngetuor bcrSungftau Staria ctfd)icn, a(8 et ihr »erEünbigte, baß fte bie S02ut= . ter be8 GrlöferS werben würbe (Goang. 2uc. I, 28). Seiner beißen and) fo bie Elfi-- | nen Äugeln be8 OfofenfranjeS, weldje beim 2(»c;S?aria=Seten gefaßt werben. ; 2£oentinu8 (Sobattn), eigentlid) Sburmapr, geb. ju 2fben$berg : (f. b.) 1477, fiubirte ju Sngolftabt unb Paris »orjüglid) ©ricd)ifd) unb 2tltev= i t()um8funbe. Gr würbe 1512 Sebrer ber jungem Stüber be8 ^)erjog8 SBifbelm IV. »on Saiern, lehrte bann auf ben Unmcrfitatcn ju Ärafait unb ju Sngolftabt, be; gleitete ben Prinjen Grnft »on Saiern nad) fjtalicn 1515 fg., würbe 1517 bairu fd)er ^lifforiograpb unb ffarb ben 9. San. 1534 ju 9iegcn8burg. 3f. ift ber Safer berbairifd)en ©efd)id)te. ©. „AnnalcsBojorum", bieju(ebt@unb!ing(2pj.l710, §ol.) bcrauSgab, unb f. „Snirifcfje GbrotriE" (1622) finb au8gejeid)nete SBerfe fei; ne8 3citalter8. 2(ud) burd) feine „Rudimcnta granunaticae latinae" (1512fg.) mad)te ffd) 2(. um bie 5Bicberberftellung ber Philologie in Seutfd)tanb »erbient. 2C»cntutin, bei ben 50?ineralogen eine rötblid) braune 3(bdnberung be8 £Utarje8, we(d)e burd) jarte ©prünge, wobureb bic 2id)tftra!)(cn mannigfaltig ge; brodjen werben, einen ©olbfd)immer erbdlt. Stau finbet ihn in 2(ragon, Seutfcl); lanb tc. Sei ben G()cmifern ein mit Steffingfeilfpdnen vermifd)ter ©!a8fluß, bet bern natüt!fd)cn 2(»enturin gleicht. 2föcnto Mignon 583 1 2£oerno (Arvemus), ein ©ee im Äonigtcid) Neapel, jtoifdgen bem alten 4 Gumaunb fPuteoli; et tffc cirtetrunb, an einigen ©teilen 180 gup tief unb non mdpig (>ot)en $ügeln umgeben, bie mit mächtigen SBalbttngcn bebeett toaren, fo= bap fd;aurigcg Sunfel ben ©ee umlagerte unb bie angegduften2fugbünffungen bef= felben bie £uft oerpefteten. Siefe Södlber ftegen nicht megr, boeg finb bie Umge= bungen beg ©eeg noeg immer ungefunb. Sin alten fetten batte ein milbeg 93olE fid) gierger geflüchtet, bas nur bei 9tacgt ftd; geroormagte. Sie babutd; in gurd)t ge= fegten 9tad;barn gaben bureb il;re(5tjdglungen2(nlaf §u ber gäbet non ben (5immc= I riern, bie in einiger ginjternip lebten. (5g entflanb ber ©laube, bap man hier SEobte aug ber Untermelt gcroorrufe. $omer netfegt baber an biefen ©ee ben Eingang in bie Untennelt unb bie ©eene non ber (5rfd;einung beg Ulpffeg in berfelbcn. 3Sir= gil folgt ibm batin. 9tad;ger gatten aud; in ben>&6glcn an biefem©eegemiffefPtte= fier ihre SBognung genommen, meld;c ©elfter befegmuren unb nur jur fftacgtjeit igt ©eincrbc trieben. Säger tnarb ber 2öalb jurn .fmine ber -£)cfa,te. 2to erroc§ (nerftümmelt aug El>n ober Ibn Ruslid), ber bcrügmteftc fPgi= lofopb bet 2(raber unb beg Mofeg Maimonibeg gebrer, gcb. ju Gorbooa in @pa= nien. ©ein SSater, £>berrid;tcr bafelbff,unterrichtete ibn in bem mogammebanifdjen ©efege unb gab ibm ben SEopgail in ber SEgeologie unb fPgilofopgie 5 um Sebter. ©ein SEalent unb feine Äenntniffc mad;ten il;n jum Dtadjfolger feineg SSaterg; ber Jtönig non SSJtarocco berief it>n alg Äabi in bie ^rooinj Mauritanicn. 2(ber 9tcibcr befd;ulbigten igtt bec2tbmeid;ung non ben ©laubcnglegren, er mürbe feiner 2imtct entfegt unb nad) ©panien oerbannt. (5t ging toicber nad; Gorbooa, tno et bei fei= nem ©cgüler Maimonibeg Unterffügung fanb, mürbe aber auch ba oerfolgt unb flog nad) gej. ^)ier mürbe er non bem ®laubenggerid;te jum SEBiberruf unb öffentlicher S3upe oerbammt. Satauf fegrte er in fein SSatcrlanb jurücf; ber Ägalif 2tlmtm= for fegte ign fpdtcr mieber in feine SBürben ein. (5r ffatb naeg einem tgdtigen 2ebcn 1217 ober 1225 ju Marocco. 21. hielt ben 2lriffotcleg für ben gropten fPgi(o= fopgen unb erläuterte beffen ©djriften mit nur tgcilmeifer 2tbmcicgung non feinen 2tnficgten. 5nbeffen mirften auch alepanbrinifd)c 2fnfid;ten bei igm ein. ©egen bie arabifdjen Srtgobopen, befonberg gegen ben 2tlgajal, trat er alg rationalifti= fd;er SScrtgeibigcr bet fPgilofopgie auf. Man nennt ign unter ben 2lrabern nor= junggmeife ben 2lugleger (beg2friftoteleg) unb gielt fteg fegt an feine atig bem ©pri= fegen gearbeitete Ubctfegung beg 2lriftotelcg. 2fud) gat er eine 2lrt mebicinifd)eg ©pftem gefcgricben. 2(oers>, f. Münjfunbe. 2£nicenna, f. 2(rabifd)e Siteratur. 2(oignon, dpauptft. beg Separt. SSauclufe im füboftlid;en grantreieg, an bet fRgone, enge unb mintelig gebaut, gat eine Menge non .Ritegen unb gciftlkgen ©ebauben, morunter fteg bie grancigcanerfircge augjeidjnet, megre miffenfd)aft= lid;e 2Cnffalten,. morunter ein 2ftgendum unb eine mebicinifd;e SJibliotgef, 2800 |>. unb 24,000 (5into., anfegnlidje ©eibenmanufacturen, ©eibcnfdtbereicn unb anbre gabrifen. Sie ©egenb ift reijenb, angenegm unb duperft frud;tbat an Rom, SSSein, Sliocn, ©raineg b’2lnignon (eine gelbe garbc), Rctmcg, ©umad; unb ben gerrlidjften ©übfrücgten. $ier nerlebtc Petrarca megre Sagte, gier fag et feine Saura, ber er feine fegonften 93ctfe mibmete, unb beten ©rabmal in ber gtancigca= nerfirege befmblid; ift. Sie SHuelle liegt 5 ©tunben non 21. — 2t. mit feinem ©ebiete mar im Mittelalter eine ©raffdjaft, melcge bie Zapfte, bie bercitg bie ©raffegaft SSenaiffTn 1273 nom Ronig Philipp bem Rügnen jum ©efd)enfecrgal= ten gatten, non Soganna, Königin non ©icilien unb ©rdfin non fProuence, 1348 für 80,000 gtoren antauften. Seibe 2dnber regierte ber ^)apjt burd) einen S3ice= legaten unb befap fie big 1790, mo nad) megren ftürmifdgen 2luftritten bie ©tabt mit igrem ©ebiete ftd; an bie franj. 9?epitblif anfeglop unb 1791 formlid; mit igt 584 A vista Ttvet i Bereinigt warb. ©er Papjl tfjaf im Stieben ju Solenttno auf 2f. ttnb 93enaif= : ftn 2Jetjid;t. Hiftorifd; inetEmürbig ift 2(oignon in ber Eatholifdjcn Äird)engc- * fd;id;te, weil Bon 1305 — 77 [(eben päpftc nach cinanber ifjrcn ©tu!;! hiet-- f>er verpflanjt haben: ein Zeitraum, welchen fatljolifrfje ©d;riftftcllcr bie babplo= nifd>e ©efangenfd;aft ber päpftc ju nennen pflegen. Plan ffnbct hier mefjre römi= frfjc 2Elterthümer. A vista, f. V 7 ista. Avocat du Hoi, f. Äronanwalt. SCbB 0 ca tor ien, 2Eb = ober Hcimberufuttgen, weld)C beim 2EuSbrud; eines •Krieges Bon einem Staate erlaffen ju werben pflegen, um feine Untertanen aus bem Sanbe, vornehmlich aber aus bcn KriegSbienften beS geinbcS abjurufen ttnb jur HeimEef)r anjttmahnen. > 2(pe, in ber ©eometrie, bie gerabe Sinie, welche bie ©bene einer frummett j (j. 83. .Kreis, ©liipfe tc.) in 2 gleiche, afjnticfje ttnb auf b'ciben ©eiten ben geta* ben dtjnlicf} liegenbe Steile jerfd;neibct; ferner eine gerabe Sinie, weld;e Bon einem PunEte in ber Peripherie burd; ben PUttelpunEt einer Kugel gejogen wirb, bie 2fpc 1 ber Kugel, unb eine gerabe Sinie, welche aus ber ©pifce eines Kegels auf ben Plit= telpunlt ber ©tunbfladje gejogen wirb, bie 2fpe beS Kegels.— SBeltapc ift bie i| Sinie, welch,e man ftd; burd; bie beiben Pole unb ben Pftttelpunft ber ÜBeltEugcl j gejogen benft. 2tpel, beutfd; 2Cbfa 1 o n, SSifdjof ju 9tothfd;ilb (OioeSEilbe) unb jugleid; ©rjMfcpof in ©änemnrE b. 1158 — 1201, gtop als ©eiftlidier, Staatsmann, Heerführer ttnb @eel;elb, flammte auS einer ber angefehenftcn gamilien unb war Bon früher Sugenb greunb unb Eiliger fKathgeber beS Königs SBalbemar I.,ber ftd; burd) weife Dfegierung unb ftegreidje gelbjüge ben j3tmamen „beS ©ropen" erwarb. 2ClS 21nführer ber Kriegsflotte reinigte 2(bfalou bie bäitifd;en gal;twaffer Bon ben wenbifdjen Seeräubern; er trug ju.bet Eroberung ber Hauptft. ber ffBenben (2 (h cona auf ber Sinei Oiügen) mitfKatl; unb Sljat bei, fowie ju bcn übrigen ©robe= rttngen SBalbemar’S in Pommern unb ben angrenjenbett Säubern. Unter fffialbe= ntar’S ©opn, Knub (Canutus) TI., vernichtete 3f. mit wenigen in ber ©ile gefatm melten ©d;iffen eine grope Kriegsflotte beS pomtuerfd;en JperjogS 33ogiS[av, wel; d;cr bie bänifcpen eroberten Sauber in 21bwefenf;eit beS Königs überfiel, ©er römi= fd;e Kaifer, griebtid; 83arbaroffa, hatte 83ogiSlao gegen ©änentarE aufgereijt, . weil baS Perlangen beS KaiferS, bap bie bänifdjen Könige ihr Oieid; a(S Se(;n Bott t ihm annehmen follten, abgefdjlagen würbe. 2Cllein 33ogiSlao würbe gejwungen, ^ fein Sanb als Sehn von bem bänifd;en König anjitnehmeu. 3m ben Bott bem Kai= fer eingelcitcten Unterhanblungen untcrffüfcten 2f. unb fein SSrubet ©fibern, wie and; 2(nbteaS ©unehem, bie Könige burd; ihr ElugeS S3enehmett, ttnb ©rjfcret legte j hier, wie überall, ebenfo viele ©cfd;icElid;Eeit ju friobltdjcn ©taatSgefdjäften als Phttf; unb ©ntfd;loffenf;cit im Kriege an ben Sag. 2fn ber ©efefcgebung 5Balbe= f mat’Sl., bereit 9SeiSl;eit unb büttbigc Kitrje noch, attdt im 2fuSlanbe, bef'annt j finb, hatte 2f. wa[;tTd;etnlid; vielen Sl;ei(. 2(16 ©rjbifdj'of Bcrbefferte er bie Kir=- ' chenvcrfaffung unb fegte attd; l>tcr ber SSillEür ©djranEett. ©eine SEjatigfeit für 2ElleS, was baS 5ßot;l beS SßaterlanbeS betraf, war unermübet, unb bie Kraft, j womit er, ftetS entfd;loffen, 2El(eS rafd; uolljog, faft ungtaublid;. ©urd; feine Ermahnungen würben bie beftegfen geittbe oft fdjonenb behanbclt; il;m hatte 2Er= cona cS ju verbanEcn, bap eS von ben ©anett nid;t geplünbert wutbe. 2C. war and) ein fel;r gelehrter 23ifd;of. 3iu feiner Sttgenb hatte et ju Paris fhtbirt; ©elehrfamEeit unb ©titbium beförberte er bei ben ihm untergebenen P?önd;en. Um tet feinen 2Ettgen fd;tieb ©apo bie fchäfcbare bänifdie ©hroniE. 2(. mipbrauchle nie feine P?ad;C ober bie ©ttnfl beS Königs, bantm blieb SEBalbcniat ftetS fein treuer greunb. ©nblld; Ift 2f. aud; als ©tifter ber Hauptft. £;änemavfS berühmt. ©amalS 585 3fjciom Kjrum i frflanb baS iefetge i^opcnfjagen aus gjifcbcrfötfenunb getjßctebcnfSifdjöfcnju 9?otf>« I fd>ilb. 2f. bettufte bie «ortf eilf afte Sage $ut 2fufnaf me ber Eleinen ©tabt. 3n bet giafjc beS fPtafcS, reo jeft bas neue ÄönigSfd)loß liegt, eebaute et eine befeftigte ©urg, reeld)e ÄpelfttuS (2fvelburg), foreic bie ©tabt nad) ifm tfpelftabt f>icg. ©tunb unb SJiauern biefet SSurg bienten, erweitert unb «ergtößetf, nadjfet ben Königen «on ©dnemarE als Steffbenj bis inS 18. 3aftf. — 2(. fiatb 1201 im 73. 3-; fein (Stab ftef t man nod) in ©otöe, bantalS ein Älofter in ©eelanb; fein S3ifcf ofSftab unb fein ©direert, reeldjc beibe et nur jut ©fite (SotteS unb beS ÄönigS brauefte, werben ju feinem 2(nbenEen aufbereaf rt. TEpiom, ©runbfaf, ein allgemeiner ©ag, ben ber SSerftanb alS richtig erfennen muß, fobalb et nur ben ©inn unb bie -ffiorte bcffelben «erpft. ©afiti geböten unpeitig biejenigen ©dfe, in benen ©itbject unb fprdbicat entreeber einer; lei ober nur burd) uetfdjiebene SBorte auSgebrucEt ftnb, weil reit nid)t anberS benEen Eöntten, als jebe ©adje fei ©as, reaS fie ift, j. S5. a ifi a; jebe (Stöße ifi ftd) felbft gleitf; ein Sing ift ftd) felbft dfnlid); eilt ©ing Eutin nidjt jugleid) fein unb nidjt fein. u. f. re. ferner geböten bafin bic ©dfee, beten (prdbicat ein SJtcrEmal beS juni ■ ©ubject gereaflten SSegrip entfalt, ofne reetdjeS biefeS nieft gebadjt reerben f'anu. i) ©o ift bet ©af: ©in Stiangel fat btei ©eiten, ein ©runbfaf, reeil baS ©ubject j Stiangel nidjt anberS alS.breifeitig gebadjt werben Eann. 3ebe33etnunftreiffenfdjaft «erlangt einen foldjcn ©runbfag; et ifi bie 33aftS berfelben unb gibt ift bie ft)p= matifrfje ©itifeit. 2tlleS, reaS ju bet auf ifn gegumbeten fffiipnfcfaft geförf, reitb »on ifm abgeleitet; er felbft aber batf nidjt aus bet SBipnfcfaft erft bereicfeit reerben. fffieldjer ©af aber ber abfolut erfte in ber gnnjett menfebiidjen ©rfennt; niß fei, baruber ift »ielfadj gepitten reotben. ©inige fabelt bafi'tr gefjaltcn ben ©ab beS SBiberfprucfS (cS ift unmöglich, baß ©treaS jugleid) ift uttb nieft ifi); 2tnbre ben ©ab: SBaS ift, baS ift; nod) 2Tnbve ben ©ab: ©in jcbcS ©ing ift entreebet, ober ift nid?t; nod; 2fnbre ben ©ab beS jiireidjcnben ©rutibeS (reit fönnen nid)t ofne ©tunb ©treaS für reafr, unb reibet crEannte ©runbe ©treaS für falfd) falten). 20le biefe ©dfe ffnb tttfptünglicf nut®cunbfacta. ©ie faben a(le©aS mit cinanber ge; mein, baß ffc in bet innern ©inridjtung imferer ©enEEraft begrunbet ffnb. 2BirE6n= nett nieft anberS, als bie'Üttßerungen ttnferer ©enEEraft in SSeurtfeilung beS SfBaften biefett ©efefen gemäß cinjuridjten. ©aS ©etneinfame in allen biefen ©afen ifi alfo eine gereifte SiotfreenbigEeit, bie alS fonnellet ©tunbfab beS ganzen ntenfd;= j liefen ©tfenntnißoetmögenS ftd) folgenbermaßen auSfpredjen laßt. fö?aS betftftenfcf »etmöge feinet ganjen innetn ©intieftung nid)t anbetS als reafr benEen Eann, baS 1 ift reafr, unb reaS er nidjt anberS als nieft reafr benEen Eann, baS ift nidjt reafr. tiefer ©runbfaf laßt fiel), fo auSgebefnt, auf alle 2(rten bet SBafrfeit anreen= ; ben, ba fingegen jene ifm nur untergeoebnet ffnb. — ©ie Eritifdje fPfitofopfie ■ nimmt baS SEort 2fpiom in ber jtrengen SSebeittung unb »etfief t batuntec fpntfe= f tifefe ©dfe a priori von unmittelbar, b. i. anfd)auenber@ereißfeit. ©ie befaup= jj tet, baß nur bie SJiatfematif bergleicfen fabe, unb nennt bie 2 friomc ber fPfilo= ! fopfie nur biScurffoe ©tunbfdge, reeil ifre SSafrfeit nid)t burd) 2fnfd)auung be= triefen reerben Eann, unb eS baju «ermittelnber SScgriffe bebarf. j 2p um, ©tabt in Sagte, einem abijfftnifdjen ©taate. SOBeber .fjerobot nod) : ©trabo nennen 2fpum, baS fcfcn im erften 3afcf. nad) ©fr. unb überfaupt nad) ( ber 3cit ber Ptolemäer als bie ^auptpbt eines reieftigen SteicfS, baS burd) 3(btt; |;; liS mit Arabien unb Tftfiopien in SSecbinbung fianb, reieberfolt erredfnt reirb. Sur ' Beit beS fßerf. beS fPeripluS beS rotfen fPtcereS rear 7 (. ber ^auptplaf für ben ©Ifenbeinfanbef. ©ie Sebeutenfeit biefer ©tabt unb ifrer Äonige erfafrett reit 511 = nddjfi burcf einen ©tein (a p u m i t i fdj c r a c m 0 r) mit griedj. 3 nfcf rift, ben . unter uns nad) ©alt, ber ifn aufgefunben fatte, fßuttinann unb fttfebufr burd) geiftveidje ©vfldrungen beEanntgemadjt faben. („®?ufettm ber 21'ltertfumSreipn« 586 Xßfcr fcbafteit »on 2Bolf unb fßuttmann", 2. S3b., ©. 575). Sie jgnßbrift enthalt, mie I ähnliche feitbem aus jenen ©egenben ttnS jugeEontmene, eineXufjählungber3Bohl= ) tfjciten eines großfpted)erifd)cn ÄonigS Xijanaö,*ber fid) für einen Sol)n beS 9Jla r§ , auSgibt, gegen mehre Bon ifjm befiegte Eieine Äonige. 25a$ Sntercffe an bieferSm fdjrift mürbe erhöht burd) bie Xuffd)lttße, bie fte über bie jroeite .fpälftc bec 2£bu= litanifchen gab. (©. Xbulitanifdjer SUatmor.) 25er Ört X, tno fte gc= fttnbcn mürbe, geigt nod) Biete llbecccfte ehemaliger ©rofie. Unter ben $Erum= ntern jeidjnet ftd) ber Ä6nigSßul)l aitö «nb ©ruppeit Bon ÖbeliSEeit, einft 55, bereit einen ©alt für ben fcl)6nßen erElärte, ben er je gefetjen. 9fod) iß betört btttd) i Sßanufacturen in SSaummollenjeuchen unb gutem Pergament lebhaft. 19. Xtpter (igafob), ein Seitgeitoße beS .£>anS ©ad)S unb und) ifjtn ber frud)t= barße bramatifd)e 25id)ter feinet Seit. S3oit feinen ScbenSumßänben tüiffen mit nur fo Biet, bafj er in bem lebten föiettheile beS 16. unb im Xifange beS folgenbeit 3iit;rf). als 9fotar unb ©erid)tSprocurafor ju fßuntbcrg gelebt hat. 9ßad) ©nigctt trat [ßutnbcrg feine SSaterßabt, nad) Xnbetn fam et als ein armer jfnabe baljin unb erhielt etß 1594 baS S3iirgerrcd)t ber ©tabt. 5ßand)eS rnatb feit ben adliger fahren Bon if;m eingeln gebtucEf, ßßand)eS and) mol nur hanbfdjtiftlid) Berbreitet, bis nad) feinem SEobc baS Serßreute u. b. $E.: • „Opus theatricum, ober breijjig aupbünbtigc fchotte homebien unb Sragebien, fampt nod) anbern 36 fdponen unb Eutjroeiligcn gaßnadßSfpiclcn" (Ofurttb. 1618, gol.), jtt einem ©anjen Bereinigt tBttrbe. SBir finben fjicr mol baS ßXeißc Bon 25cm beifammen, maS X. gut Gr= tjolung Bon mftheoollen SerufSarbeiten, tvie fein SSorrebnct bemerEt, ©rnßeS unb 1 SußigeS niebetgefd)rieben; bennod) mag nod) 3Xand)eS als ^janbfctjrift jutucfbe= halten tBorben fein. Xttfjeben galt aber ifr, loaS und in bem ötuefe geboten mitb, gut S3eiut()eilimg ber Xrt unb Äunfl tinferS £>ici)terS f)inreidjenb. ©efdßdße, 25otfSfage unb Segenbe bieten i£)nt bie Stoffe; SioiuS, fpiautuS, baS .^)elbenbud), grifdßin, Soccaccio, ßljronifen, 23olESbud)cr unb g.teidjgeitige 9?ad)rid)ten finb bie Öuellen, auS benen er ßbepft unb bie er in ber Siegel burd) ben ßjfunb beS Qjfp tenfjolbS, ber a(S ß)ro(oguS baS ©tücE einleitet unb als GpiloguS fdßießt, geftcu= lieh aufjaljlt. X.’S SEtagobien finb bialogifüte ©efdßdßcn ohne mähre (5mf)eit ber ^janblung. Xttd) Ött unb Seit mcd)fe(n in ihnen auf baS freieße. ©leid) bie erfte: „9Son@tbauung ber ©tabtüiom", itt 6 Xcten, hebt lange Bor SfomuluS’S ©c= burt an unb gebt bis jtt beffen SEobc, unb toaS fid) im Saufe biefer Seit nur einiger^ maßen für fccnifdje Öatßellung ober bialogißhc S5c{;anb(ung ©eetgneteS oorfmbet, mirb ohne änqßlidje Sorge für planmäßige SJcrbinbung aufgegriffen unb aneinam bergereiht. Gtben fo millEutlid) laufen in ihnen (Stuft unb ©d)crj burd) einanber, unb unoerEcnnbar ifl hier, wie in ben SBcrfcn anbrer gfeid^geitigett Sidßcr, ber Cfinfluß altenglifd;cr Studie, bie ju Xnfange beS 17. 5at)rl). burci; »anbernbe eng= lifd)e©cf)aitfpicler in25eutfd)lanb befannt mürben, auf bie@efta(fung ber beutfdjeit S3ttl)ne. gaff jebeS ©tücb ()at feinen Suftigmadtcr, meifl in bet ^erfon eines S3e= bienten, ber eS fiel; angelegen fein laßt, burd) SOSortfpiele unb berbe 3JolfSmi|e bie etmaige 9iuf)rung ber 3ut)6rer jtt mäßigen. Xtt 9fafd;l)cit ber ^anblung unb beS ÖialogS ift nid)t ju benfen; eine gereifte treuherzige, auf bie Sange cvmübenbe @e= fd)mä(Sgfeit, mie reit fte fd)on bei dpanS ©ad)S bemerEen, gielpt aud> hier baS Unbe= beutenbffe'in bie föreite. öeffenungeaditet laßt fid) unferm 25id)ter bramatifd)eS Salent nidpt abfpredjen. 59fand)e feiner ©tucfe, Borjuglid) unter ben Suftfpielen, finb itt ber Xnlage faß tabelloS. ©eine Sprache iß Ecrttig unb gebiegen unb erhebt fid) an Sicinheit unb Sciditigfeit meit über bie-feiner nadißett SBorganger unter ben Sßeißerfdngern. ßßenn übrigens bie SSegeißcruitg bet Sußigfeit, mie fte X. 5Ö. ©d)legel nennt, aud) bei ibm juroeilcn bie Sittie uberfdjrcitet unb in fcScenninifd)e XuSgelaffenheit unb,tolle ßJoßenreiferei mtSartef, ober roenn bann unb mann ein XuSbrucf, beit tinfere Becfeincrte Sitte verpönt fpett, Xnftop erregt: fobarfbieSin 2Cjen 3fj(ncouut 587 J futcm fkifalter nid)t SBunber neunten, wo bic ©pradje nod) nicht gelernt hatte vor I bem Diatürlidjeit ju errothen, unb Sornehmunb ©eting ftrf> cinanbct in ©efdjmad I unb ©ptad)c naher ffanben alö jegt. SÄetfmürbig ftnb aud) bie von igm fogcnann= ten fingenben ©picle,atS bie etfien roi)cn Setfuche beS ©itigfpielS unter ben Seutfd)en. gebeSberfelbcnbeftehtauS gleich langen, aberin bia!ogifd)e2lbfdge ungleich jerfcf)nit= tenen Ipr. ©teophen, bie alle nad) einer SJTelobic (irteifl: bekannter SÖoIföliebcr) gef«n= gen würben. SiecE’S „SeutfdjcS Sheater" (Sl). 1) gibt aud) 5 2fprer’fd)e ©triefe. 50. '}Cjen, altbcutfd), fpeifen, aud) trdnfen, ober mit ©peife unb Staub cr= \ quiden. ©o fommt cS in ber £ut^er’fd;en Sibelübetfegung, 2. ©am. 13, 15, aud) u. 1 (. im motmfet ©biete vor, in melcf)em verboten mar, „ben in einet S0?ond)6= futtc verffriditen Seufel ju fjoren, ju egen unb 51t trdnfen". 2Cjimutl) eines ©effintS. Ser jwifchen bem ©d)eitclfreife biefeS ©eftirnS unb bem SUcribiatt beS S3eobad)terS enthaltene Sogen beS^orijontS. ©3 iff oftlid), wenn bet ©fern vor, wefflid), wenn er nad), unb = 0, wenn et im 2tugenb(id’e ber ©ulmination felbff beobachtet wirb. 9Kan pflegt mit bem Suabranten einen eingekeilten horizontalen HreiS, ben 2fjimuthalfreiS, juverbinben. SfBirb bann ber jum Dfullpunft beS legtent gehenbe Sheitffrich in bie Sage bet SJlittagSlinie gerüeft, fo hat man zugleich baS tfjimutf) beS ©eftirnS, beffen dpohe über bem^orijonfe bas getntoht beS Sluabranten angibt. D. N. 3fjtncourt, Sorf im Sejirf ©aint=^)ol im Separt. fPaS be ©alais, be= rühmt burd) bie ©d)lad)t am 25. £>ct. 1415. «Heinrich V., Honig von ©nglanb, war, von ©roberungSfudjt getrieben, bei <£>onfIcur gelanbct, hatte biefc gejtung geftürmt unb wollte burd) bie spicarbic nad) Calais matfd)iren, um in ber ©egenb ÜBinterquartiere ju bejiehen. SJlit einet großen DJtad;t rücfte ifjm ber Sauphin cnt= gegen. Siele ©bie begleiteten ihn, unb il)t ©tolj mar fo groß, baß fie bieangebotenc £ü!fe beS $erjog3 vonSurgunb unb ber ©tabt fpariS auSfd)lugen. dpeintid) V. eilte ber ©ommc ju, bie gtanjofen folgten ihm aber nicht nur neefenb, fonbent vertl)eibigten aud) ben Übergang, ben et von 2tbbevi((e bis ©t.=£lucntin vergebens vetfudffe unb erft fffer burd) bie Unachtfamfeit ber ©egner erreichte. Scnnod) fehlte eS bcnCngldtibcrn an2fllcm; fie mären fefir gcfd)tvdd)f, unb ber Honig botba= her ben gtieben unb ©cfabenerfag an. Sie gtanzofen fchlttgcn bieS in ber $off= nung, ihn ju vernichten, aus, unb gewannen aud) micflid) hinter bem glüßdjett Setnoife bie ©traßc nad) Calais eher als bie ©ngldnber. Siefe waren nod) 2000 Sritter unb 12,000 Sogenfdjügeit ftarf unb frellten ftd) zwifegen 2 ©ehbljen in einem Steffen, bie Sogenfd)ügen an ben glügeln, auf. Sor ber grollte würben Pfahle cingeftccft, von benen jeber Stann einen trug. Sie gtanjofen, von bem Connetable b’2flbret befehligt, jdhltenSOOO Dieitcr unb 44,000 anbre Strippen, ©ie (feilten ftd) in 2 Steffen; bic Dritter, von benen nur 2000 ju *Pferbe waren, bcfanbeit fid) im erffen. Sic ©ngldnber fegten fid) juerft inSemegung. Sie ftanj. Diitter eilten il)nen foglcid) entgegen, würben aber von benSogenfdjügeit mit einem folchcn (Pfeilhagel empfangen, baß fie bie gludjt ergriffen, fiel) auf baS erjfc Sreffeit warfen unb biefeS in Unorbnttng brachten. Sic leichtbewaffneten Sogcnfdntgen griffen ju ihren Heulen unb ©treitdpten unb brachen in bic Diesen ber Dritter ju guß ein, bie ftd) wegen ber fdjwercn ipanjet unb ber fehlerhaften ©cbrdngtheit ihrer ©d)lad)torbnung nid)t bewegen tonnten. Salb eilten bie englifdjen Dtittcr ju Jpülfe, baS franj. erffe Sreffeit floh, nud) baS jtveite fonnte bie ungcjfümen ©ieger nicht aufhaltcn, unb halb löfte fid) bie ganje franj. 2frmee völlig auf. Ser ©ieg war fo vollftänbig, als wenige vorher, ©inen Jfugenblid glaubte Heinrich, baß bie fid) fammelnben Raufen bie ©cfladjt erneuern würben, unb burch bie Dtadjcicgt, baß eine ©djar bewaffneter Säuern fein ©epdcb plünbere, nod) mehr gereijt, befahl er, alle ©efangene nieberjumchetn. ©d)on war bet Sefelff voUfüljrt, alS er bic ©runblofigfeit feiner gurd)t einfah. £>cnnod) erhielt baS fiegenbe ^eer bei ber fet: 588 2tjorm 2fäjara nern Söetfolgtmg non neuem 14,000 ©cfangene. 10,000 tobte grattjofeu beeften aupetbem baS Sd)lad)tfelb. Unter ihnen waren bet Gonnetable nebft 6 Jbciäogen unb *prinjen. günf fPrinjen, unter xfjnen bie rfperjogc von SrleanS unb SBourbon, waren gefangen. Sie Engldnber »ertöten 1600 Sobte, unter i()iten ben Jpetjog »on?)otE, beS ItonigS Sf)eim, welken ber $erjog bon'2tlengon, ber, um ben £ob ju fudjen, auf ben Äönig ^cinrid) einbrang, an beffen ©eite tbbtete. Sdjoit f)atte er aud) bem Äönig bie Ärone »om Raupte gefcfjtagen unb bie Jpanb jum jweU tenSKate jttm tobtlidjen Streich erhoben, alö alte 2Cnwefenbe il;n umringten unb mit uieten Streichen töbteten. 9lach ber Sd)(ad)t fegten bie Engldnber ihren SJfatfcf) nad) Calais fort unb fdjifften bann nach Englanb über, um bort eine neue 2ftmee ju einer neuen Sanbung ju fammein. 32. 2fjorcn, b. i. £abid)tSittfeln, eine ©tttppc non 9 portugief. Snfeln im at* lantifcf)cn SOZecvc jmifdjen 2lfrifa unb 2fmeri£a, uon-36—39" 92. 23., jttfammen 53 DSUf. Sie Eint». finb portugief. 2fbftammung unb werben nad) portugief. ©e= fegen regiert. Ser »ulfanifdjc S3obcn ift gebirgig, aber gut bcwdffert unb ungemein fruchtbar; ber höd)fle SSerg, ber $)ic auf *Pico, fleigt 9000 gup b oc 6 empor. Ein heiteres, gefunbeSÄlinm berrfd)t auf biefcnSnfeln, beten eftaupterjeugniffe in2Bein, Äorn unb Sübfrüd)ten befielen; aud) treiben bie Einrn. eine ftarfc 23icbjttd)t, gis fd)erei, einige SUfanufacturen unb einen lebhaften $anbel. Es fel;lt jebod) an einem guten -fpafen. Sie spottugiefen haben biefcSnfeln 1446entbecft, bod) wollen nicber= idnb. Seefahrer fte fd)on früher gefehen haben; batjer bic.öolldnber ihnen ben 9Ja= men ber flanbri fd)cn (fldmifchen) Sn fein beilegen. Sic beipeu S.=9ttiguel (bie gropte) mit 80,000,3,'ercrira mit28,900, ^)ico mit 20,900, S.=Sorgc mit 11,200, gapal mit 22,300, ©tn.^iDfaria mit 5000, ©raciofa mit 7400, gloreS mit 7100 unb Eoroo mit 800 Sinm. Sie $auptfl. 2fngra auf Serceira jd!)lt bereu 15,000. Siefc Snfcl blieb 1828 ber Sonna SDfaria ». SSraftlien treu. Sie 3at)l ber 33ctr. fammtlid)er ajorifcher Unfein wirb oon 2(nbcrn auf mehr als 200,000 gcfd)dgt. % j t) m 11 c n (Ungefütterte) Wttrbcn bie lateimfd)cn El)rifien, b. h. bie rbmifd)= fatholifd)en, non ben gried)ifd)en genannt, weil fic fld) beim Ijeit. 21'benbmabte beS ungefduerten S3roteS bebieuten. 2t jjava (OlicolauS Sofepl), Siittcr non), geb. 1731 ju SSarbanalcS, itt 2fragoniett, jeigte früh einen lebhaften <£>ang ju ben .Rünflcn unb SQSiffenfdjaften, ttr.b biefet »erftarfte ftd) bttrd) feine SSerbinbttng mit bem 9J?a(rr SDiengS, bet in bie Sienfte beS ÄenigS von Spanien getreten war. 21. betrat bie biplomatifche 2attf= bahn, warb in 2tnge(egentjeiten bet fpanifd;cn Jfirdjc als ®cfd)dftstrdgcr an ben ^Papft ElemenS XII. gefd)icft, jeichncte ftd; in biefem Soften fel)t aus unb behaupt tetc fcrtwdhrenb einen gtofenEinflttp auf bie widjtigfJcnffierhanblungen feines $ 0 « feS bei bem pdpftlidjen Stul)lc. SGgl. b.'Sohm’S„Senfwürbigfeiten überSofepl) II. unb 9fom". 1796 warb er bem Eroberer StalienS entgegengefanbt, feine ©nabe ju ©utijlcn OtontS ju erflehen. SSonaparte muffe ihn fogleid) ju mürbigen, unb non biefer ßufammenfunft fd)rieb ftd) ber tiefe Einbruch her, ben auf 2tjjara ber SfJlann mad)te, ber feitbem ber flcte ©egenftanb feiner Scwunberttng war. Sa= malS cntflanb auch feine SBerbinbung mitSofeph 33onaparte. dturj barattf ging 2f. mit einem biplomatifdjcn Gl)ara£ter nad) $patis, wo ihn bie 2fnnef;mlict)Eett ber ©efellfchaft unb bie 2fttfnal)mc, bie man il)m fd)cnfte, für ben föetlufl feinet alten greunbe, einer fd)6nen S3ibtiott>eE unb reichen ©emd(be = ttttb 2fntifcnfamm= lutig entfdjdbigen mttptc. Seine Senbttng nad) gtanfreid) war »on einem mcd)= felnben Steigen unb galten feiner ©unfl am fpanifd)cn .&ofc begleitet. Er warb jurüdberttfen,nad) ffiatcelona «erwiefen, wieber mit bem El)arafter eines S3ctfd)af= terS nach fPariS gefchicft, unb von neuem biefeS wichtigen Sofiens beraubt. Seine fdjoit fei)« erfchüttevte ©efunbheit erlag .tiefen mehrmaligen Stürmen. Et jlavb ju ^atiS ben 26. San, 1804. 35 33aa( 589 ein »eid;er, fanftet Saut, ber mit Öffnung ber Sippen leicht auögcfprochen t»itb. Unter ben .Slangffufen bet biatonifd) d)romatifd)enSonleiter bejeidjnet B ben um einen halben Son crniebrigten Son H, bie flehte Setje juG, bie reine £lumte ju Es. (©.Sott, Sonarten.) SJtan bebient fid) biefeö Sud)ftaben$ auch bei ben 83orjeid)nungen. (@. SSerfe&ungdjeidjen.) ©ietllten bejeichneten in ihrer 9Jtufff mit b biejioeitc©tufe iljteö mit aanfangenbenSonfpftemä, bie einzige Stufe bei ihnen, txjelcfjc 2 um einen fjntben Son oerfd)iebene ©aiten Ijatte. ©ie niebrigere mürbe mit bem fleinen b, bie Ijofjere mit einem großen ober »iereefigen B bejeicfpiet. Sauber (Sofepfj o.), baicifcberOberbetgratl), Stifter be4 Gio.=93erb.=Srb., SOtitgl. ber fönigl. bnir. tlfab. ber SBiffenfd). ttnb oieler auswärtigen, berühmt alä Ingenieur unb SJtecbanifer, geb. ju 9JZ uneben 1763, b>atte SKebicin fiubirt unb in biefer 2Biffcnfd)aft promooirt, entfagte i()t aber unb warb 1798 toegeit f. großen Salente für bie Sedjnologie jum ©ircctor ber CDZafcfyinen unb bc4 SergbatteS er= nannt. 1808 toarb et ©el).=9iatb bei bet ©eneralbirection beö Sergbaucä unb bet ©alinen von Saietn. ©r f>at Steifen nad) ©ttglanb (oon 1787 — 95 unb 1815), granfreid) k. gemacht unb wichtige fffierfe unb Sfuffa^e gefebrieben. ©el)r finn= reiche Sorfcbtäge t>at er getban, bie große 3Baffetmafd)ine ju Sötarlp n>ieberf)er, 5 u= ftellen ober burd) eine anbre ju eiferen. Sefannt finb feit 16 3- feine 2lbf)anblun= gen unb glücftidjen 23erfud)e, bie oon if)m erfuitbenen ©ifenbabnen unb anbre ©r-= (eid)terungen beb SranSportö betreffenb, toobutd) er bie 9)tängel ber engl. ©ifen= bahnen befeitigt b«t. — ©eine Stüber finb ©lernenä Subtoig, ÄanonicuS ju greifingen, unb g r a n j S a o c r. ©er Se^tere, geb. 1765, ift tlfabemifer in 9)tün= eben unb burd) ©ebriften über 3Jtagncti$mu6 unb mebre fleinere pf)ilof.= mpftifd)e ©dbriften befannt. ©r toibmete fid) früber ber SJtebicin, bann ber Staturforfcbung unb fPbilofopbie. 2fud) er ift alb ©berbergratb angejtellt. SS a a f c n, bei ben ©Ziffern, getoiffe 3eid)en, welche anbeuten, entmeber too SCnfubtt unb ©infabrt i]f, ober too fie fid) oor Klippen unb fonftiger®efabr ju buten haben, ©abin geboren bol)egeuerjeid)cn,2Bad)t = unbSeucbttbürme, weld)e an bem ©tranbe unterhalten toetben, unb, auf bet @ee felbft, Sonnen an Äetten ober anbre ©inge. 3u Unterhaltung biefer ©inrid)timgen toirb oon ben ©d)iffenben ein Saafen= ober Sonnengelb bejaht. 2fud) pflegen @d)ipcapitaine, bie in ©eegefabr ein Sau fappen unb einen tlnfer jurücflapn, burd) ein SSaafjeidjen, bab fie am Sau jurücf= laffen, anbern ©eefabtetn bemerflid) ju machen, baß fie ihr ©igentbum am SCnfer noch nicht aufgegeben haben. Saal, Sei, ein babplonifd)er ober pbönijifd)er ©ott, nach SJtünter ber Sonnengott, beffen Segriff bureb bie 3eit unb bie Unoollfommenbeit ber ©prad)e febt oerbunfelt ift. ©inige halten ihn für ben ©tifter oon Sabplonj $erobot nennt ibnbeStflfäoS ©obn; tlnbre nennen ihn einen cbalbäifd)en Stießen. Stach ben ©agen, bie bie ©efd)id)te oon ihm aufbewabrt bat, mochte man ihn für einen außer= orbentlichen 9Jtenfd)en halten, ber ba$ Oteid) Sabplon toeefte unb erhob, unb fpäter= l)in vergöttert toarb. ©aber erzählen aud) einige ©djriftfteller oon ihm, er habe ba$ Sanb urbar unb bctool)nbar gemacht, habe gtüp burd) ©anale oerbuttben unb Sa= bplon (batjer Sabel) mit einer Stauer umgeben, ©ein ©ohn Stinuö, ber große ©roherer, habe il)n nach feinem Sobe für einen ©ott erflärt unb ihm göttliche ©bre ertoeifen lapn. Sticht aber bloß auf Sabplonien unb tlprien befd)tanfte ftch feine SSerebrung, toir finben fie aud) bei ben fPetfern, Spriern :c. Über bie 3lrt ber föer= eßrung beS ©otteS Saal bat man nur toenige unb wiberfpreebenbe 9tad>rid)teh. Unter ben Opfern, toeld)e ihm gebracht mürben, nennt bie Sibel auch 9)tenfd)enopfer, toaö aber tool nur ein ffgürlid)er tfuöbrucf fein möchte, um ben tfbfall oonf3eb 1> ' >a & 590 SBabo 23afn;lonien ju Saat rtuSjubröcBen. — Übrigens bebeutet bet Name Saal ober Set in mehren orientatifchen ©pradjen .£err, unb bejeidjnet bie .fjercfcherwürbe, $. 25. in bet 3 u< ' fammenfehung mit mehren ©igennamen, als Se(=fajar, .£>anni=Sal je. |j Sabo (Sofeph 9Ratia), geb. 1756 5 U @b)rcnbreitflcin, fProf. ber 2ffif>ctif “ ju 9Ründ)en, 1799 ©enfurrath nnb Sntenbant beS bcutfd)en Sl)eatecs bafelbft, Jiß butei) f. bramrttifc()en SBetfe beEamit, bie, »enn fte and) nid)t ju ben »ollenbeten ge= tjoren, borf) non glüdilichen Stalenten if)teS Urhebers jeugen. ©elbft in f. frühem ©tueben, »eiche ber bunten Steife nicht begrunbeter ©eenen einer-£>aupt = unb ©tnatöaction jicmlid) afjnticbj fc^cn, ifi SebijaftigEeit ber ©inbilbungSEraft, frdftU j geS ©efüb)l unb natürtidjer Seruf ju bramat. Arbeiten nicht ju »erEennen. ©pocf)e i mad)te f. Srauerfpiel „Stto »on 2BittelSbad)" (1782), nach ©othe’S „® 6 lj" ba$ erjle JRitterfchaufpiel, »etcheS aufführbar »ar, unbunterbet großen 2fnjahl, bie i()m folgten, »eit fte 9Robegefd)irtacE »urben, fich »ortheilhaft auSjeicfnete. ©pä= terhin »erfud)te ber Sichter mit ©rfolg baS bürgerliche ©chaufpiel; fein „Sürger= glücE" unb f. „9MS" haben ©tuet auf mehren beutfehen Sühnen gemacht. Sie ©ammtung: ,,©chaufpiele»on3. SOt. Sabo" (Setl. 1793,1. Sh.) enthalt: „Ötto »on SBittelSbach"; „Sie CJRalet"; „Sie ©trelifjen"; „Sürgetglücf". „Neue ©chaufpiete" (eb. 1804): „SetfPulS"; „©enua unb bieNache". (5t ffarb 1822. Sabhlonten, je(st 3itaE 2frabi, ein altafiatifcheS 9ieietftenS ©d)icffale, I tüö eS 640 nad) G()r. SKotjnmmeb’5 92ad)folger eroberten unb 33agbab am Sä* griS erbauten (755). ^)ier tvar berSifc ber .Rhatifen, bie^alafu, ein Satar= fürfl, 1258 verjagte. 1534 fiel S3agbab in bie ©etvalt ber türfifdjen ©ieger, benen eS ©hat) 21bbaS 1613 tvicber entriß; 1637 aber fam eS, ttebfi 83abp= lonien, aufs neue unter bie >£>errfd)aft ber Surfen, bie eS nod) beftfcen. ©. beS S3tfd)of D. SRünter „9teligioit bet S3abpiotiier" (Äopcnf). 1827, m. Äpfrn.). ( Übet bie 9tuinen SabplonS, tve(d)e in neuerer Seit bie 2fufmerffamfeit ber , SKeifenben fefjr bcfd)dftigen, enthalt bie genaueren 92acf)rid)ten Glaube 3ame$ Siich’S, 4)?efibcnten ber oftittbifchen Compagnie am^iofe be5^3afd)a ju SSagbab (IVO er 1820 an ber Cholera morbus ftarb), „Mcmoir on the ruins of Babylon" (mit Äpfrn., 3. 2fufT., gonbon 1818). 9rid), Kiebttl)r unb Kerntet nef)= men bie Sage beS alten S3abplon im turfifcfyen $Pafd)alif 85agbab, bei bem Srte $il( ober $fUa an, ber unter 32° 28' 9b. S3r. an ber Sftfeite beS Guphrat liegt unb 6 — 7000 Gimv. enthalt. 3n ber 9bal)e bemerft man unter einer SJfenge Schutt verfallene Gandle. 9Kan ftnbet Sbole, ©erdthe, 3ntaglioS u. f. iv., auch ffeben nod) Knuten von großem ©ebduben. ©ne bavon galten Sella 83a(!e unb Kennet für ben S()urm beS SSeluS. Sie größte £6f)e ift 141 guß, unb bie (Seiten finb nad) ben 4 *£>immclSgegenben geridjtet. ©ne anbre ijf eine @d)loß= ( ruine mit vielen ^»oßlen unb ©angen. Ginc brittc, ein ungeheures Sblongum an ber SEBejlfeite beS Gupl)rat, tvitb von ben Arabern S3irS 9Ümrub genannt. Sicfe ()at Kid) juerjl befd)rieben. Gr halt fie für beit St)urm beS SSeluS, beffeit ©pi£e einfi als ©temtvarte bienen follte. Siefer SJfeinung iff aud) Äer Wörter. Um bie Gntjiffcrung ber feilformigen Snfcfjrifteii hat fid) ©rotefenb verbient gemacht. Sie 33auart ift burd)gdngig von 95acffteinen, fotvie fte .fjerobot befd)reibt. Kur von ber alten ©tabtmauer l)at man feine ©pur entbeeft. Übrigens tragen biefe 9fui= nen tvol ben Gharafter ber(Stoße, aber nicht ben bet ©d)6nf)eit. Sicnod)vor= hanbenen Sierrathen finb plump unb gefd)macfloS. 20. SSaccalattteuS (in alten Urfunben SaccalatiuS) bcjeichnete im SKitteü . alter 1) einen Krieger niebern 9fangeS (bachelier) , ber unter einem 9Jitter ober SSannerherrn ftanb; 2) auf bie ©eiftlid)feit übergetragen, einen ÄanonicuS beS unterjfen KangeS; 3) einen Ganbibaten, ber 3 afabemifche GutfuS unb *Prü= 1 fungen befianben h llttt ’ unb nun felbft Korlefungen ju holten berechtigt tvar, ohne jebod) ben felbjtdnbigcn Socenten beigejdhlt ju tverben, mithin bie ttie= brigjfe afabcmifd)e SBürbe. 92ad) ber crjten Prüfung t)ieß er Baccalaureus simplex, nad) ber j'veiten (biblifdjen) B. currens, nad) bet britteit (philofoptn- fd)eit unb bogmatifchen) B. formatus. Siefer auSgebilbete SSaccalaumtS fonnte nun Sicentiat tverben, b. h. alle 9ied)tc eines gehrerS erlangen. 3» gtanfreid) bejtanb biefe Ginridjtung bis jur 9ievotution, in Gitglanb giltfte noch je|t, unb ber verfafftmggmdßig ereilte SSaccalaureuS tvirb formed bachelor, ber burd) Siplom außerorbentlid) ereilte current bachelor genannt. — 3n granfeeid) muß Serjenige, iveldicr 25accalaureuS tverben tvill, vom 1. Set. 1822 an, tve- nigffenS 1 3ematif in ben fangSgrünben unb 9faturgefd)id)te. 592 23acd)iuS S3acd)u§ SSacd^iuö, S3acdE)euö, f. S3accfyu3 (grtcdj. 2>ionpfoS), ber ©ott beg SBeing, jwar von einer ffetb* liehen Butter geboten, aber bcnnocf) von feiner ©eburt an einet bet himmlifchen ©Otter, ©eine ©efchicbte gehört ju beit verwicfeltfien in bet gtied). SJtpthologie. 3eug fjatte if>n mit bet ©emele (f. b.) gezeugt. Sie fStuttec aber tvatb vor feiner ©eburt ein Spfer beg argliftigen 9iat()eg bet ^)ete. $eug eilte minbefteng bie nod) unreife grud)t feiner Umarmungen ju retten, unb verfd)lof fte big jur geitigung in feine eigne $üfte. Sann ubergab er ben Ättaben bem fjermeg, ber ifjn 31 t 5no unb 2(tf)amag unb in ber golge ju ben Stpmphen von Stpfa in Sninen brachte, tro er gebeii)tid) auftvud)g. 2 flg fein Sebret unb (Srjicfjer wirb fein nachmaliger be= ffänbiger Begleiter ©ilenug genannt. Sn Stpfag Shäletn war eg, tvo S3. aug ben Stauben einen Sranf 311 bereiten erfanb unb bie ^flanjung beg ffikinftodg 1 lehrte. Um feine ©rftnbung nicht auf einen fleinen S 3 e 3 ir? einjufchranfen, burd)> ! 30 g er fajl bie ganse bamalg befannte ©tbe unb breitete .mit feiner 2 Bol)ttbat 3 u= gleich feine Sterehrung aug. ©esogen von Soroen (Jfnbre nennen Panther, Siger ober Suchfe), begann er feine, einem ©iegeggepränge ähnliche Steife mit einem gro* fen ©efolge von SJtännern unb SBeibern, ©ilenen, ©atprn, SJtänabcn. S3egeij}ert butd) bie Stäbe beg ©otteg, laut aufjubelnb, ben Shprfug fdjwingenb, mit Stehen unb ©pheu behranjt, febwärmten unb tanjten fte um il;n her, jaud)jenb fd)oll ihr ©uoc! ©leleug! burd) ©ebirg unb Sl)al, unb in ben jauchjenben Stuf mifd)te ftd) phrpgifcheg Slotengeton unb tvirbelnber fPaufenflang. Sn Sieben wollte man feine 1 ©ottheit nicht anerkennen, unb fPentheug rüflete fidj fogar tviber ihn. 53. befd)Io|t, 1 ben grevel 3 U rächen; eine tvilbc SButl) trieb bie SBeibec aug ben Raufern auf ben SSerg ©ptbäron, tvo fte umberfd)wärmten; ^entl)eug aber tvatb von feinet eignen ©tuttec unb beten ©djmeftern, benen er ein tvilbeg S£)ier fepien, jerriffen. 2fuf ähnliche 2öeifc ftrafte er beg SJtpniag Softer, bie feine gefte nicht feiern woil* ten, mit Staferei unb SSerwanblung. 21 lg er nach Stapog überfegte, gebachten bie tprrhenifdjen ©d)iffer ihn nach Statten 31 t entführen, weil fte aug feinem fPurpur* getvanbe auf einen Stoniggfofm fd)loffen. ©ie feffelten ihn; aber bie geffeln fielen ab, Stehen unb ©pheu umfchlangett bag ©chiff unb hielten eg mitten im fSteere fejf, f ber ©ott verwanbelte ftd) itt einen Sotven, unb bie ©chiffer, von Staferei 1 ergriffen, fügten ftch ing SJteer, wo fte in Selpbine verwanbelt würben. Sagegen belohnte er Siejenigen, bie ihn gafflich unb mit ©befurcht empfingen, 3 . 53. ben SJtpbag (f. b.), ber ihm ben verlorenen, treuen ©ilen wieber jugeführt hatte. — ©eine j| Siebe gewannen SJtebre; aber nur 2frtabne (f. b.), bie er auf Stapog verlajfen J fanb, erhob er 5 U feiner ©emahlin. ©ie warb burch ihn ber Unfterblid)feit tt)eit= haftig. Um ein ©leid)eg feinet SJtutter ©emele 5 U gewähren, flieg er in bie Unter* weit hinab unb führte fte, bie fortan Shpone f)ief, 5 ttm Slptttp. Sn bem furcht* baren ©igantentriege focht ec alg vfbelb unb rettete bie ©Otter vom nahen SSerber* ben. Stach 2fnbern entging ec ber ihn in biefem .Stampfe umringenben ©efahr nur baburch, bafj er ftch in einen Sowen verwanbelte. Sa er alg ©ieger butd) ben Slpmp jauchte, rief ber gerettete 3eug ihm freubig 3 U: „©uanSuie!" („@d) 6 n, mein ©ohn!"), mit welchen 5Borten 53. nad)her gewöhnlich begrüft würbe. 2 (bgebilbet ft'nben wir ihn in ben runben, weichen unb anmuthigen gönnen eher einer fdjonen Sungfrau alg einem Sünglinge ähntid). ©ine ihm eigenthümliche 3 ierbe tft bie ©tirnbinbe; bie langen wellid)ten $aare finb hinten in einen Änoten gefchürst unb mit ©pbeuranfen unb Sßeinlaub umEcänjt. ©ewohnttdj ifi er ganj unbefleibet; 3 uweilen fjat er eine weite Spalla nactjläfffg umgehängtj manchmal hängt ihm aud) ein Stehfell quer über bet 55ruft. Sec bärtige S5. tfi eigentlid) inbifchen ober ägpptifchen Utfprungg. Sie golbenen ^ornec (bag ©pmbol unbe* fiegter Straft) auf bem Raupte pflegte bie 93ilbnerfunft ber ©tied)en 3 U vetfteefen ober lief fte nur wenig vorfchimmern. Sie bem 83. geheiligten gefte fiepen 593 S3acd;i)tibeö 33accio bcüfa $otfa 35 acd)analien, ©ionpft'en, auch im 3(lfgemetneit ©cgien. SScfonbet'S fcicclid) rout= ben fic in 2 ftf)cn begangen, roo man bie Stof)« banad)' jdf)ltc. 2 ßdf)renb ihrer Sauce mac bie geringpe ©eroaltthcitigfeit gegen einen SSütger ein Sobedoerbred)en. Sie großen ©ionpften rourben im gtühlinge begangen. ©ad 2Bicf)tigpe bet Seiet bepanb in einet ^ptoceffton, roelche ben Stiumph beb 33acd)ub oorPellte. (5d et= fd)ten babei berfelbe oben befdjrtebene >3ug oon S3acd)anten unb 33acd)antinnen, bie, oon tt>af)tem ober angenommenem Sßeintaufcfye begeifert, fd)rodrmettb unb tobenb umhersogen unb ftd) bem gugellofcflen Saumei ihrer aufgeregten ©inne überliefern j @ie tonten madftrt, mit ^)irfd)()duten bef leibet unb mit ßpfett bcbvdnjt, unb ttu= | gen in ben «fjanben Scinfgefdprre unb Shprfubpabe. Bitten unter biefem voofyn* finnigen Raufen sogen in fd) 6 ner Stbnung bie öon ben fPftatien (33ürgergemeim ben) abgeorbneten dföre auf. @ie trugen auf itjrcn Äepfen Zeitige .Sorbe, roelche bie (Stplinge ber Stückte, Äud)cn «on oerfchiebener ©efialt unb anbre gebeintnif= Boiie ©pmbote enthielten. ©iefe $)rocefft'on gefefjaf) gerool)nltd) 9fad)td. Sen Sag roibmete man ©chaufpieten unb anbern Sufibarfeiten. ©egon früh 9> n 3 «ton ' n bad Sheater bed fSacdjud, too theild SBcttfireite ber (Shore in Sftuftf unb Sans, tgeilb neue bramatifdje ©tücfe aufgeführt rourben. 3 u 9 nn 5 2 ftf)en hecrfd)te 2 fud= gelaffenheit unb ©d)toelgerei. ©iefe gepe Samen non ben ©riechen ju ben 9io= mern, bie fte mit noch ärgerer j3ügelloft'gfeit begingen, bid ber ©enat fte 187 oor Cl;r. gdnjlich unterfagte. fögl. über ben SSaccgubbienp, bie eleuftnifd)cti 5Pppe= rien, bie Dionysiaca u. f. ro. bie oon bet Acad. des inscriptions et bclles let- ' tres su pXuib gefronte 93reibfd)tift bed baft'gen ©tabtbibliothefard *P. 9P. 3io(le: „Recherches sur le culte de Bacchus etc.“ (^3atid 1824, 3 S3be.). SSacchpltbed, aud Sulid, einer ©tabt ber jgnfcl Äeod, gebürtig, ber legte ber 10 gtofen Spcifec ©riedjenlanbb, roelche ber aletanbrinifche Äanon für clafftfch erstatte. 3fld SSerroanbter bed ©imonibeb unb 3eitgeno|fe bed fPinbat roitb er ald ©id)tec SSeiben an bie ©eite gefegt. 4)iero, an beffen $ofe er lebte, fegagte ihn feht hoch unb 50 g ihn felbft bem $Pinbat Bor. Und ft'nb leibet Bon feinen Siebent, döpmnen, ^)aanen unb ©iegedgefangen nur roenige S5tud;pücfe geblic= | ben, roelche in einigen 2fudgaben bed fPinbat unb in S3runcf’b Xnaleften gefammelt ft'nb j ed ftnben ft'd) manche ©puren oon ihm in ^joras’b ©ben. ©hne fj)inbar’b pürmifchen Ufblerflug su haben, fehlte ed ihm boch roeber an geuer unb Äraft nod) an 2 fnmuth unb gülle. I SSaccio bella $Porta, befanntet u. b. 9i. gra SSartolonteo bi f ©an SOJarco, geb. 1469 su ©aoignano bei fPrato in Sodcana, lernte in glorens bie Tfnfartgdgtünbe ber SKalerci bei Goftmo Sfoffelli, machte fcfjnelle gortfd)ritte unb geroattn burch bad ©tubium bec SBetfc Seonatbo ba Sfinci'd jene fd) 6 tte ttnb grofe Spanier, jene Äraft bed ßoloritd unb Umtiffed, bie feine fpdtern Arbeiten audseid)= net. 3tud biefer j3eit ip fein berühmted gtedcc-gemälbe auf bem ©ottedaefer bed ■£>ofpitalb ©anfa=2Patia=9fuooa, roelched bad jüngpe ©ericht oorpellt unb oon fei= nem greunbe ?(lbertinelli oollenbet rourbe. SSerführt burch bie fPrebigten bed fa= natifchcn ©aoonarola, oerlicf er 2 flled, um ihm su folgen, ttnb fegtof ftd) mit ei= tter. grofen 2 fnsagl Anhänger beffelben in bad Äloper ©an«fOfacco ein, ald biefer toüthenbe 2 fufrugrprebiger mit geroaffneter ^anb nerfolgt rourbe. ©ad Älofter toacb belagert, unb SSaccio that bad ©elübbe, SOfonch su roerben, roenn ec ber ©e= fahr glücElid) entginge. Stt golge biefed ©elübbed nahm er 1500 in bemfelbett Äloper bad Äleib bed heil, ©omtnicud unb nannte ft'd) gra SSartolomeo. Sied Sr= eigttif hatte ihn fo erfchüttert, baf er 4 Sahte feinen ^Pinfet anrührte unb ihn fpa- terl)in nur toiebernahm, um ihn ©egenftanben ber 2 fnbad)t 51 t roibmen. ’ ©ie ®e= malbe, roeld)e er in biefer legten fPetiobe audfüht'te, ft'nb feine oollenbetpen. 9fa= fael tont 1504 nach glorens gefotnmen unb hotte grofen ©inpuf auf bieglanjenben Gefolge gra SSartoiomeo’d. ©iefer lernte bie fPerfpectioe oon feinem jungen greunbe SonB.=Se)t. (Siebente 2Cufl. SBb. I. f 38 594 95acctoccf)i imb gab ihm bagegen Unteramt im dolorit. Ginige Scifjrc naefjfjec 6ef«d>te ^ra Vartolomeo SRichct 2fngeto »nb Sfcifael in 9tom, unb tjatte bie feltene SSefdfjeU I benheit, ihren grofen Talenten burd) bag Vebenntnif, baf ec ihnen nad)flehe, ju hulbigen. 2ftg er nad) gtorenj jurücfgefebrt war, führte er mehre geifliiehe ©c= | mdibe aug, unter benen auch bec heit. CSRarcug unb bet heit, ©ebajlian mären, 2 ©emdlbe, welche bie Vemunberung alter .Senner »erbienen. ©ein ©tpt ifi jirettg unb erhaben, aber babei fefjr anmutig in jugenbtichen Figuren; fein dolorit tjat Äraft unb ©lang; er nähert fid) barin bem SEitian unb ©iorgione, unbinbem Verreiben unb Vetfchmeläen ber Farben weid)t er faum ben heften lombatbifdjen | dotoriften. SSefonberS aber ifi er ein EJReifter im Faltenwurf, ben Seiner vor ihm | mit fo »iel 3ßahrl)eit, gülle unb Seidftigfeit augjufi'thren »erftanb. dr ftarb 1517. ©eine ©djuter waren decd)ino bet grate, Venebetto diamfanini, ©abriet fKufiucci unb gra Epaolo »on EPifiojct, ber feine Zeichnungen erbte, ©eine vortrefflichen Sit: ber finb in ber grofherjogt. ©aterie juglorenäunbimfPalafiEpittibafelbfibeftnblid). 33acctocd)t (gelir Epagcal), drfürft »on Succa unb Epiombino, ©ematjl »on dtifa Vonaparte, ber ©chwefier ERapoleong, geh. ben 18. 5Rai 1762 in dor= fica »on einet ebetn, aber armen gamitie, f'arn alg dabet in fWititairbienffe, unb war Dfftcier, alg Sonaparte bag .fjeer »on Statten befehligte, de heirathete nun beffen ©d)Wefiet, woburct) er Sbecfier beö 26. leichten Snfanterieregimentg unb, ohne ftd), fei eg aug SRangel an gdhigbeiten ober an ©etegenheit, heroorgethan p haben, nach «nb nach EPtdfibent beg ESkflcollegiumg ber Jfrbennen unb 1804 ©c nator würbe. 1805 erhielt ec burch bag feiner ©emahlin jugetheitte gürflenthum Succa unb Epiombino ben gürflentitel. ERad) ben 9?e»olutionen non 1814 tt. 1815 folgte er feiner ©attin in bie Verbannung unb lebte feitbem mit ihr unb f. ©ohne unter 2fuffid)t ber oftreid). 9iegierttng $u SErtefi. — ©. ©emahlin, SERatia 2fnna dtifa Vonaparte, geb. ju2fjaccioben 8. San. 1777 unb in betfonigt. abe: tigen dtgiehungganflatt ju ©t.=di)r etjogen, hatte wdhrenb ber 9te»olution mit ib= rer SRutter ju EJRarfeille gelebt. 1797 »ermdf)lte fte ftch nach bem EHJunfcfe ihrer EERutter, jeboch ohne bie Zufiimmung ihreg Vruberg, beg bamatigen £>bergenerat$, mit bem dapitain Vacciocdfi. hierauf fam fte um 1799 nach fettig unb wohnte bafelbfi bei ihrem Vrttber Sudan, ber in ihr ben ©inn für Epoefie unb Ättnji er: meefte. ©ie »erfammette um fich bie gebitbetfien EERdnner bec ^»auptfiabt, unter benen bet dfjeyalier be SSoufflerg, Saharpe, ber Vicomte dhateaubrianb unb ber SERarquig be gontaneg ftd) befanben. ©egen jebeg auggejeichnete latent grofmti= 1 thig, verpflichtete fte fich befonberg bie beiben Segtern. gontaneg würbe »orjüglicf) auf ihre dmpfehtung non ERapoleon erhoben. Snr ©efuht ihrer geifligen Vorjitge hielt fte ihren ©emaht in einer fehr untergeorbneten Stellung, ©ie regierte eigent: lieh bie gftrftenthumer Succa unb Epiombino, unb atg ©rofherjogin »on Sogcana gefiel fte ftd) in ber fRolle einer Königin. SBenn biefe „©emicamig »on 2ucca", wie ein wieget ©d)riftfletler fte nannte, bie SEruppen mufierte, »etfah if)r ©emaf)l bie ©teile eineg 2(bjutanten. libeigeng fiiftete fte mancheg ©Ute, obtrjol bie Veam: ten, weldje ihr Vertrauen befafen, fte mit mehr difer hatten unterflögen follen. 1814 jpg fte ftd) nadh Vologna äurücf, muffe aber im folgenden S- ihren 2fufant= halt in Dflreid) nehmen. Jfnfangg lebte fte bei ihrer @d)Wejter darotine, bann mit ihrer gamilie, unter 2fuffid)t ber Regierung, jtt SEtiefr, wo fte ftd) ©rdftn dompig= nano nannte, .ftier ftarb dlifa Vacciocd)i am EReroenfieber, ben 7. 3fug. 1820, auf ihrem Sanbgute, Villa Vicentina, unweit SEtiefi. ©ie würbe in ihrem Epalaftc, in ber »on ihr gebauten dapetle unb ©ruft, beigefegt. 2(uch in EErieft war ihr £e= ben burd) SERilbe unb Effioblthätigfeit auggejeidjuet. Ungeachtet fte gewi'tnfd)t hatte» baf ihre Äinber: ERapoleona dlifa, geb. ben 3. Sunt 1806, unb ein ©oh«, unter bie Vormunbfchaft igreg Vruberg «fMeronpmug fommen follten, fo ift bennod) ifir ©emaf)! ber gefegtiche Vormunb berfelben geblieben. S3acf) ($amilie) SSacfyaumont 595 SB a d? (Sofyann ©ebaflian), unter bcn beutfd)en SEonfünfllcrn beS »origen fjaljth. einer ber berühmteren unb ber gröfte biefeS in ber mufifalifdjeit Literatur fo auSgejeidjneten tarnen«, geb. b. 21. Pldrj 1685 51 t Gifenad), (iarb b. 28. Suli 1750 ju fieipjig. Gr legte ben ©runb im Glasietfpielcn ju £)f)tbtuff bei f. altern 58ruber, 3of). Ghtiflopf). 9tad) beffen Sobe flubirte er bie SJluftl ju Büneburg unb lernte in ber herjogt. Gapelle gu cfpatle ben franj. ©efcbniacf in ber Plufif fennen, trat 1703 in bie £Menfle beS ^crjogg »on SEBeimar, bam 1704 nach Sfrnftabt, wo er fid) eis # gentlicf) ju bem großen Gomponiften unb Srganiflen bilbete, warb 1707 Stganifl | 31 t 9Jiül)lf)aitfen, 1708 $oforganifl in SEBeimat unb 1714 Goncertmeifler bafelbfl, ] bann 1717 Gapellmeifler ju Äotfjen, 1723 Gantor unb Plufif'birector an ber St)o= i maSfchule 31 t Beipjig unb 1736 fönigl. furf. fdchf. $ofcomponifl. ©ein Beben f)at i gietfel befd)tieben. 2flS Gla»iet= unb Drgelfpieler fjatte ©eb. SS. in bamaliger 3dt nicht feines ®leid)en. hiermit fretjen feine grofen, i)armoniercid)en Gompofitionen ! in SSerbinbung, weldje eine originelle, »on auSldnbifdjem ©efchmacf unberührte SSegeifierung atljmen unb ootjüglid) religiöfen 3nl;altS finb. ©re befleißen aus crs ijabenen Ghören unb 25oppelcf)6ren (Gantaten unb Ploteften), ferner SrgeU unb Glaoierftücf en in gebunbenem ©tpl. Unter biefen ifl fein „SEBohltemperirteS Glasier" (bejlehenb aus 48 Pralubien unb Sagen aus allen SEonarten) allbefannt. — 25ie aSadj’fdjc Samitie flammte aus PceSburg in Ungarn, weldjeS ©ebaflianS 58ater, Sol). 2TmbroftuS, ber felbfi ein guter Plufifet war, ber ^Religion wegenoerlief, um ffd) in 25eutfd)lanb nieberjulaffen. SJlehr als 50 SEonbünflter finb »on il)t auS= gegangen; ©ebaflian felbfi t>atte 11 ©ohne, fdmmtlicf) als Phtfibet t>ortf>eill>aft begannt. 25ie berühmteren waren: SEBilhelm griebemann, geb. 17103 « SBeimar, ftarb mit bem SEitel eines tjeffensbarmfläbtifdjen GapellmeiflerS 1784 ju SSerlin. Gr war einer ber gröften ^armoniflen unb gefd)icftejlen Srgelfpieler. Plan hat»onif)m bie bebannten 6 Sugen ft'irS Glasier. Äarl Philipp Gmas nuel, 1714 3 U SEBeimar geb. unb 1788 ju Hamburg gefl., bam, nadjbemcräu Beipjig bie 5Ked)tSgelehrfambeit flubirt hatte, als SRuffler in preuf. Sienjle nad) SSerlin unb warb enbtid) Plufifbirector ju Hamburg. Gr bat meijlentljeilS für baS Glasier gearbeitet, auch Plelobien ju ©ellert’S geijll. Biebern hetauSgegeben. 3lm beflen finb f. S3ocalcompofftionen. ©ein „fBerfud) über bie wafre ’Krt, Glasier ju fpielen", ifl nod) immer ein claffffdjeS SBerb in feiner 2frt. Sodann Gl)riflopl) Stieb tief), geb. ju SBeimar 1732, flarb 1795 als Goncertmeifler ju 58ürer SSeilegung äog er fid) ins Prisatleben jurücl, um ganj feiner Steigung jur 25id)tfunfl ju foU gen. ©leid)fjeit beS ©cfdjmaifS, beS GljarafterS unb ber BebenSart fnüpften jwis fd)en it)tn unb Gbapelle eine innige Sreunbfdjaft, unb 58eibe arbeiteten gemeinfd)aff= lid) an jener lieblichen 5Reifebefd)teibung, welche unter ben $5reunben ber tdns belnb anmuthigen Poefie fo sielen SSeifalt fanb. 2(uferbem rühren nod) mehre fröhliche, leichte Bieber soti ihm her, bie aber ju gerflreut finb, als baf man ffe ju 38 * 596 S8adif)tit>fett 93aco (Stoget;) fammeln im Stanbe wäre. Sefevre be at eine Sammlung «eranflaltet; boch wagt er nicht p behaupten, baß alle barin aufgenommene von 58. Ijecrutjren. 58acfi)ut)fen (ober 58aff)upfen) (Subolf), einer ber berühmteren SDlalec ber nieberlanbifdjen Schule, SDleiflet in Seeflücfen, geb. 1631 p (Stubben, ar= beitete bis in fein 18. Saft bei feinem 5ßater, ber Secretair ber ©eneralflaaten mar, als Schreiber, fam bann in ein -fjanbelShauS nach 2Cmfterbam unb fing hier an, mit ber gebet of>ne 2fnmeifung bie ©rf)iffe p jeidpen, bie in bem ^afen an= famen. Siefe 5ßerfud)e fanben 58eifall unb veranlafjten ilp, fiel; ganj ber 9Jla= lerei p roibmen. (Sr nafjm Unterricl)t bei »an (Soerbingen unb erlangte fcurdj | gleiß unb läufiges 58efud)en ber 2Berfifidtten ber beflen Äünfller in furjem eine " außerorbentlid)e ©emanbtljeit unb gertigfeit; aber am meiflen mürben feine gort= fchritte butd) ben (Sifer beforbert, momit er bie Statut flubirte. £>ft beflieg er bei j einem fjerannafjenben Sturme ein leichtes gaf)tjeug unb beobachtete mit faltem j 58lute bie 58emegung ber SBellen, if)re furchtbaren 58ranbungen, ben Sturm, bet I bie Sduffe jerflreute unb jertrummerte. £>ft fegten ihn bie etfchrocEenen 9Jlatto= | fen, trofc feiner bringenben 58orftetlung, ans £anb. 58ollbeS ©efehenen, eilte ec bann, ohne ein äßort p fprechen, ohne burd) irgenb (StmaS ftd) p jerftreuen, nad) -£aufe, unb führte, mit bemunbetnSmütbiger ©cnauigEcit in ben (Sinjelheiten bie früh« entmorfenen Sfijsen aus. SDiefeS muthige Streben verfchaffte feinen ©emdlben ben erjten 9iang in biefer ©attung. SJtehre gürflen befud)ten feine SBerffldtte, unb 5))eter ber ©roße mollte fogat Unterricht bei ihm nehmen. Sie 58ürgermeifter von 2fmflerbam trugen ihm bie 58erfertigung eines SeeftücES auf, 1 baS fte mit 1300 ©ulb. bejahlten unb 1665 fiubmig XIV. uberfanbten. 2>ieS fdjöne ©emalbe ifl nod) in fPariS. 3m allen f. 58ilbetn herrfcht bie dußerfle SQ3n^rf)eit. Seine garben ftnb trefflich, unb fein fpinfelflrid) ifl ganj vorzüglich geeignet, baS SBaffer unb beffen 58emegung nadhpahmen; feine Fimmel ftnb leicht unb unenb= lidj mannigfach. 3lußerbem verfugte ftd) 58. noch in ber £)id)tfunft unb unter.- richtete in ber Schreibfunfl, p beren 58etvoUfommnung er 58ieleS beitrug. Seine cfjeiterfeit unb bie Stdrfe feiner Seele «erließen il;n auch in ben langen Selben nicht, bie feinem ßeben in einem 2llter von 78 S -, 1709, ein (Snbe machten. — Seine ©emalbe merben fletS einen hohen üöertf) behalten. 58ei ber ©emdlbeverfleige» rung beS $ertn 5)). be Smeth in 3lmflerbam, 1810, mürben 4 Stücfe von 58. mit 550, 805, 980 unb 1400 ©ulben befahlt. , 58aco (5Roger), ein englifcher Sttbnd), ber burdfj bie Äraft feines ©enieS ftd) meit über fein Zeitalter erhob, in mehren SBiffenfdhaften bemunbernSmürbige (Sntbedungen machte unb pr (Srmeiterung ber Slealfcnntniffe viel beitrug. (St mar 1214 unmeit Sicheret in ber ©raffchaft Somerfet aus einer alten unb angcfc= henen gamilie geb. £)f)ne allen äußern Ulnftieb folgte 58. bem von ber 5Rat«r empfangenen ©eifle ber gorfdpng unb beftegte alle ddnbetniffe, melche Unroiffen* heit unb Aberglaube ihm entgegenflellten. (Sr bezog bie Univerfitdt Srforb unb ging von ba nad) ber befuchten Univerfitdt 5PatiS, mo er in allen feinen Stubien ausgezeichnete gortfdjritte machte unb bie tf)eologifche Soctormürbe erhielt. 1240 fehrte er nad) (Snglanb jurücf, mo er in ben grattciScanerorben trat unb ftd) ju St : forb nieberließ. £)ie 5Ph>)ftE f^dnt bamalS ber ^auptgegenflanb feiner Arbeiten ge- mefen ju fein: aber biefeS Stubium foberte $ülfSmittel, beren^erbeifchaffung feine 58etm6genSumfldnbe iljm nicht verflatteten. (St fanbgroßmütl)igegreunbe berSBif* fenfdjaft, bie burd) freimillige SSeitrdge ihn in ben Stanb festen, 58üd)er anjufau* fen, Snflrumcnte ju verfertigen unb bie notigen 5ßerfud)ep machen. Snbem ec bie ©eheimniffe ber 9latur unterfuchte, machte er ©ntbeefungen unb leitete bat-- aus SEBidungen ab, bie bem (SinftchtSvollen, ber ihren natürlichen 3uf«mmenl)ang begriff, 58emunberung abnothigten, bem Unmiffenben aber fo außerorbentlid) fd)ie= neu. baß man fte für SSSerfe hollifcher 3auberfunfl anfah. Siefer fffiahn würbe ■ Söaco (Stogec) 597 burd) bie ©iferfudf unb ben .fjaf noch mehr angefad)t, womit bie übrigen ®eifli= d)en beS AfrofterS feine Überlegenheit betrachteten. ©r felbf tabette taut bie Unreif fenheit unb baS Sitten»erberbnif ber ©eiflidjen, befonbetS ber 5Nond)e, unb hatte fogar einen SSrief an ben fPapf gefd)tieben, worin er ihm bie Nothwenbigfeit einet Neform ber ©eiflidfeit »orjiellte. 2frtS Nad)e »erfragte man ihn am $ofe uon Nom fowot wegen feiner »erbdchtigcn ©tunbfAhe als auch wegen ber aufetor= bentlichen Singe, bie er »errichtete, unb bie man für SSBerfc beS SeufelS auSgab. Set • fP apf »erbot ihm, auf ber UnmerfitAt ju (ehren. 35alb barauf »evfchlof man i(;n in ein ©efAngnif, wo jeber menfd)lid)e Umgang ihm abgefchnitten war unb felbf bie Ifnreichenbe Nahrung fehlte. Unter ben wenigen .fjeilfchenben, bie NogetS ©enie bewunbertett unb fein Unglücf bebauerten, war ber ©arbinat, SSifchof »ort (Sabina, pApf liefet £egat in ©nglanb, ber nicht fobalb ben pApf liefen Stuft un= ter bem tarnen GlemenS IV. befliegen hatte, alb er ben ©ingeferferten befreite unb unter feinen Sd)uf nahm. Sa ©IcmenS eine (Sammlung aller feiner Schriften foberte, fchtieb Stöger jenes, fpAterhin unter b. Sü. „Opus majus" gebruefte SSctf, baS et il)m burd) f. SieblingSfcfület, Soh«nn yon 9>atiS, 1267 überfdfefte. Un= ter ©lemenS’S Nachfolger, NicolauS III., erfrarte ft'ch ber ©eneral beS granciSca= nerotbenS, 4MetonpmuS »on ©Sculo, gegen 83., »erbot baS fefm f. Schriften unb erlief einen 33cfehl, if>n einjufetfern, ben ber s papf betätigte. Siefeneue@e= fangenfefaft wahrte 10 Safte; umfonf »erfuefte 33., alS $ieronpmuS »on ©S= culo unter bem Namen NicolauS IV. fPapf geworben war, benfelben burd) eine Jlbfanblung über bie Nlittel, bie Äranffeiten beS 2frterS ju »erfüten, »on ber Un= fdjulb unb Nüflidfeit f. 2frbeiten ju übetjeugen. ©tf nach bem 2wbe NicolauS IV. erlangte et auf SSerwenbung einiger vornehmen ©nglAnbet f. Freiheit wieber. ©c fefete nad) Spfotb jutücf, fd)rieb einen 2fr>tif ber Ideologie unb färb halb bar= auf, nad) (Einigen 1292, nad) 2fnbern 1294. Sbgleid) ein auferocbentlicfet ©cif!, formte ffd) Noger bod) nicht »on allen SSorurtfeilen f. Seit freimachen, ©t glaubte an ben Stein ber SBeifen unb an bie 2(frotogie. Seine Jpaupterfmbung finb bie SSergtbfetungSglAfet. 2fufetbem ftnbett ftd) in feinen Schriften neue unb finnteiefe 2lnftd)ten »on ber Sptif, j. 85. über bie Strahlenbrechung, über bie jefeinbare ©cbfie ber ©egenf Anbe, über ben um SSieteS »ergrof erten Umfang ber Sonne unb beS NtonbeS am ^oeijont. Sagegen ifl er über anbee ©egenflanbe in ben groften Stttl)ümetn befangen. 3SaS er j. 85. über bie conoepen unb concaöeit ©laferfagt, finb offenbar Jpppotfefen, bie auf feinen 83erfud)en beruhen. 2fuS f. irrigen Angaben geht heroor, baf er ben ©ebraud) beS SeleffopS nicht fannte. ©r befap mehre efemifefe ©rftnbungen, welche ©efeimnife für bie bamalige Seit wa= reit, ©r fprieft »on einem unauSlofchlid)en geuer, weiches wahrfcheinlich eine 2frt spfoSpforwar. einem anbern £>rte fagt er, bafs man aus Salpeter unb anbern Stofen ein fünf lid)eS geuer bereiten fonne, baS in ber groften ©ntfernung brenne, unb mittelf beffen fd) Sonnet unb 33lifs nachahmen lafe. ©in Sfeil biefer 9JIU fdjung, »on ber ©tofe eines Solls gehörig gugerichtct, fonne ein ganjeS .fjecr, eine Stabt unter fefreef liefern, «on einer Ungeheuern 33eleud)tung begleitetem Änall »ernichten; unb an einem anbern Srte fagt er befimmt, baf man mit Salpeter, Schwefel unb Ä ofte ben Sonnet unb 33lif nachmachen fonne. Sonad) hatte et fdjon eine Sbec »om Sd)iefpul»er. Sie Ntatfematif, angewanbt auf S3eobad)= tung, betrachtete er als ben einzigen SBeg gut ©rfenntnif ber Natur, ©r fubirte mehre Sprad)en unb fcfjriefe lateinifcf) mit grofer Sierlicffeit unb Älarfeit. ©f= ren»olle ©rwAfnung »etbienen feine ©ntbeefungen ber im ©alenber obwaltenben Srrthümer, ihrer Urfachen, unb feine SSorfcftAge unb Angaben, benfelben abju= helfen, wobei er ber 8Bafrheit fcl)r nahe fam. ©c »erfertigte felbf einen berichtig* teit ©alenber, »on bem nod) eine 2ibfcf)rift auf ber 83oblejanifd)en SSibliothef auf* bewahrt wirb. 598 S3aco »ott SSeculam SBaco (gtnnciS), 58aton Bon SBerulam, einer bet außerorbentlkßflen ©ei= t^cv, bereit irgenb ein 3 citrtt£er ftd) 51 t tüßmen f>at, Oleformator ber ^)f>itofopt)ie burcß Olicßtung auf ©tfaßrung unb ÜJlatur. ©eb. ju Sonbon 1561, gab er t>on frü= (>cfler Ätnbßeit an groben eineg überlegenen ©eijteg. Snt 14. 3. bejog er bie Üni= uerfltät (Sambribge, wo er in allen SBiffcnfdjaften berounberngwütbig fcßnelle gort= . fd)titte machte, ©t jaulte nod) nid)t 16 3nß rc / alg er fcßon gegen bie 2friftoteIifcf)e fPßilofopßie fcßrieb, bie ißm eßer geeignet fdjien, ben ©eiji in ©tteitigüeiten ju Berwicfeln, alg aufjuElären. Der bamalg in ©nglanb befleßcnben Sitte gemäß, bie für bie ©taatgdmter beftimmten Säuglinge ing 2fug(anb, befonbetg ttacf) gtanfrcicß ju fcßitfen, ging ber junge 55. int ©efolge beg ©ir 3fmiag 5Powlet nacf) I 5Parig. Diefcr faßte eine folcße 2lcßtung für ißn, baß et ibjn halb nacßßer mit einet ; wichtigen ©enbung nad; ©ttglanb beauftragte. ©t cntlebigte ftd) betfelben jut 3 u= friebcnßeit ber Äonigin, feßrte nad) Sranfreicß jurucf unb bereifte meßte fPtOBiti: jen biefeS Sanbeg, um bie ©itten unb ©efeße Eennen 511 lernen. 19. 3. alt, fcßrieb ! er ein Sffierf über ben gujianb Suropag, in wcld)ent er bie auffatlenbflen groben feiner früß gereiften UrtfjeilSbraft gab. 25er S£ob f. SSaterg rief ißn nad; ©nglattb SurücE, wo er, um f. ©eburt gemäß leben ju fonnen, fteß für bie 5Rccßtggeteßt: fambeit entfeßieb, unb bag ©tubium ber ©efeße mit folgern ©rfolg betrieb, baß er, nod) nid)t 28 3 - eilt, jum außerorbentl. 9iatß ber Äonigin ernannt würbe. Bitten unter ben Arbeiten, bie er gut 5öerbefferuttg f. äußern Umftänbe unternahm, ucrlot er nie bie fort) gefaßte Sbce aug benötigen, ben 5Plan ber feßolaflifeßen ©tu= bien ju »erbeffern unb für eine gefunbe fPßilofopßie gwecEmäßiger einjurießten. ©eine ©fette war meßt eßrenBoll alg einträglid); f. Talente unb f. SSerbinbung mit bem ©roßfcßaßmeijter 58utleigß unb beffen ©oßn, ©it Robert ©ecil, etflem ©taatgfecretair, fd)ienen ißm bie erjlen 'Ümter ju uetfptecßen; aber bie geinbfdjaft jwifdjen Scßterm unb bem ©rafen ©ffep, ebenfattg 58.’g greunb unb 58efd)üger, uergögerte lange f. 58eförbetung. ©ffep fud)te ifjn burcß bag ©efd)enE eineg Sanb= guteg gu entfeßabigen. 58. aber eergaß halb nadlet, wag er einem fo großmütßi= gen SBoßltßäter feßutbig war, unb Berließ ißn nid)t nur, fobatb er in Ungnabe gefallen war, mit einer burd; fjfticßtg gu cntfd)ulbigenben ÄteinmütßigEeit, fonbent trat fogar, alg ißm ber ^)roceß gemaeßt würbe, unberufen wiber ißn auf. ©egen btefen fcfjdnblidfjen UnbattE erßob ftd; bie allgemeine ©timme, unb wag 55. gu f. Slecßtfertigung etnfttfiren mod)te, er blieb am fjofe bet ©egenftanb beg ^taffeö unb ber ©iferfueßt, unb bie Königin geigte ftd) nid)t geneigt, etwag für ißn gu j tßmt. fJlacß biefen wibrigen ©rfaßtungen feßien er int Parlament ein reblicßeg unb wütbigeg 55etragen anguneßmen. @t war 1593 non bet ©raffeßaft SQitbblefep ing Unterßaug gewählt worben unb ftimmte für bie 5ßolfgpartei gegen bie [TOaß= regeln ber 5D2tttiflcr, wiewol er jletg im iDienfk bet ätrone blieb. Äann etwag f. großen 5Bergel)en entfdßulbigen, fo war eg bie Berrüttung f. iBermogengumftänbe, bie fo groß war, baß er 2 SWal wegen ©d)tilbcn Behaftet würbe. 25ie Slegierung Safobg I. war ifjnt günftiger. Siefer gut ft, ber ein 58efd)ü£er ber 3Biffenfd)aften fein wollte, erßob 55. 1603 in ben ‘-tfbcljtanb. Darauf warb 55. beauftragt, bem Äönige feierlidje 5ßorftcl(ungen wegen bet 58ebrÜ!fungett jumad)en, wel^c ftd) bie Eönigl. SÜeferanten in f. 9fameit ertaubten, unb er uoUjog biefen ?(uftrag mit fo Biel Salent unb ©lücb, baß er fowol bem Parlament alg bem Äonig ©enüge leiffete. Dag ^>aug ber ©emeinen etfannfe ißm eine öffentliche DanEfagung ju, unb 3 a£ob I. ernannte iljn ju einem f. S?ätf>e, mit einem Sflßtgeljalt Bon4095funb, woju ttod) eine ^)enfton Bon 615Pf. fam. ©eine Sage Berbefferte ftd; immer meßr, er fcßloß eine Bortßeilßafte dße, flieg 1617 big jur SDBürbe eitteg ©iegelbcwaßtetg unb warb 1619 junt SorbgtoßEanjler uon ©nglanb mit bem Sitet eineg 58arcng Bon 58etulam, ben et im folg. 3. mit bem Sütel eineg 5ßigcount Bon ©t. = 20ban Bertaufcßte, erßoben. 3eßt hätte er ein gemäcßlidjeg unb glänjenbeg Seben füßren 599 33aco »on SSmtlam fontten, ohne feinen acaStec butd) ^anblungen bet $abfud)t nnb beg (gigennu^cS ju beflecfen. iDennocf) würben grope 33efd)reerben reibet if>n erhoben. Sftan fragte ipn «or bet Äammet bet Pairg an, Ümter unb Prioilegien fuc ®elb unter bem ©taatgftegel ertfjeilt ju haben, 35., bet fiefj niefjt rechtfertigen f onnte unb bag 2luf= fetjen einer gerichtlichen Unterfuchung 51 t «etmeiben reünfd)te, geftatib feine 35er= gef)ttngen, nahm bie ©nabe bet Paitg in 2fnfpruch unb bat, bap bie ©träfe, bie man über ihn «erhängen reetbe, ft'dh auf bie Beraubung beg tjofjcn 2 (mteg befdf>ran= !en mod)te, bag er entehrt habe. 3Rad)bcm er burch ein urnftanblicpeg SSefenntnifj bie Dfid)tigbeit faff aller gegen ihn erhobenen Älagen eingeftanben hatte, «erurtheilte ipn bag ßbethaug, ungeachtet ber SSerreenbung beg Äonigg unb ungeachtet beg 3fn= tpeilg, ben bie Pairg felbffc an einem ihrer auggejeid)net(len SÄitgliebcr nahmen, ju einer ©elbjfrafc oon 40,000 Pf. unb jur ©infetfetung in ben SEoreer auf fonigl. ©nabe. 2 (upetbem rearb er für unfähig erfrdrt, je ein offentlicheg 2 fmt ju befreiben, im Parlamente ju ft'(jen unb ftch nur bem £)rte 51 t nähern, reo ber Äonig -ftof hielte. Unftreitig rear bieg hatte Urtheil geredet für fo grope 9Setbted)en; bennoch müffen reit ju einiger ©ntfcpulbigung betfelben hmjufügen, bap ihre £luclle webet ©eij nod) ^abfud)t, noch eine SSerberbttjeit beg ^(erjeng, fonbern oielmeht eine oon2fn= bem gemipbrauchte ©harafterfdjredche rear. 3 üge oon ©betmutf) unb geftigbeit, bie fein heben ebenfalls aufjureeifen hat, geigen beutlid), bap er bie SEugenb bannte unb fchafete. ©r rearb ihr untreu, reeil eg ihm an Äraft fehlte, bie ungeredjten 3 umu= jungen 2 fnbrer abjulehncn. ©einen ©turj überlebte ec nur wenige Safte unb flatb 1626. — ?flle ©tubien unb 33e(itebungen biefeg oon Statut fo herrlich auggeftat= teten SJJanneg gingen auf eine Ofeform in ben ©pjfemen ber 2 Biffenfd)aften. ©r überfah ben ganjen .Steig ber menfd)lid)en Äenntniffe, unterfudjtc bie 33eäiehungen, burd) welche fte unter einanber «erbunben ftnb, unb fud)te fte nad) ben verfcf)iebe= nen gdhigbeiten beg menfd)lid)en ©eifteg, welche fte uorjuggreeife in 2 fnfprud) nep men, ju otbnen; obgleid) biefeg wegen beg PJangelg einer begrünbeten unb natur= getndpen ©intheilung bet ©eelenfrdfte nid)t gelingen fonnte: benn er theilte bie SBiffenfchaften ein in SBiffenfcfaften beg ©ebdeftniffeg, beg 33erftanbeg unb bet ©inbilbunggftaft. 25ieg führt er in feiner ©nepfropabie ber SBiffenfdjaften (u. b. 97 „De dignitate et augmentis scientiarum") aug. 35. fal) ferner ein, bap in allen Sreeigen ber pofitioen SBiffenfcfaften ber einjige 2Beg jur SBafrheit bie 35eobad)= tung ber 9?atur fei. SBie biefe 33eobad)tung funftmapig 51 t leiten, unb wie burch fte bie 92atur ju befragen fei, hat er an mehren Drten augeinanbcrgefe(jt. ©r behan= beite biefen ©egenfianb in eben genanntem SBerfe unb in bem „Novum organum scientiarum" (n. 2fugg., SBürjb. 1779). ©ein allfeitiger ©eiff hatte bie fdmmt= lid)en SBiffenfchaften fiubirt; erfah, auf welcher 45obe jebe ftanb, reetche falfdjc 3lid)tungen fte genommen, unb wie fte reieber jur Wahrheit jurüdjuführen fei. betrachtet man ihn als PfetaphpftEcr, fo geigt er ebenfo oiel ©charfftnn alg SEiefe itt feinen 2fnftchten oon ber SEfdtigfeit ber ©eelenfrdfte, oon bet SSerbinbung bet SSegriffe, oon ben 35orurtheilen, bie ung oon ber 3Biege an umgeben unb ben ®e= brauch ber 35crnunft htnbern. ©r feiste fef)t beutlich ben uon 3friffoteleg angejfellten unb oon hoefe entwickelten ©runbfafj aug einanber, bap bie SSegriffe beg 9Serftan= beg aug ftnnlichen ©inbtücfen entjfehen. 3frg Phpftler hat er fehr ftnnreidie 2 (nftch= ten aitfgeffellt unb ftd) auf bem 2 Bege ntehrer wichtigen ©ntbeefungen befunben. ©r hatte eine 2 frt oon pneumatifcher 5D7afd)ine erfonnen, mittelft welcher er ber ©tafli= citdt unb ©d;Were ber huft, bie ©alitei unb Sorricelli nach >h m entbeeften, auf bie ©pur gefommen ju fein feheint. SSon ber Jfnjiehttng ber Sorpet, bie Pereton fpdter bereieg, hatte er bie rid)tigfien begriffe, ©g fehlten ihm nur bie 3Setfud;e, um bie ©runbfdhe betfelben 5 U beffimmen. 2 Cudh bie 9 faturgefchid)te behanbelfe er, jebod) nur im 2fbrip, in feinem SBerfe „Sylva sylvarum" u. f. re. Über bie 2frjneiEunbe hat er mehre 2 fuffdfsc gefchrieben, u, a. einen übet bag heben unb ben SEob. Allein 600 SBaben Sabajoj bie (Pbpfiologie »mb ©bemic waren bamalS noch in einem ju unoollfomtnenen 3u= ftanbe, als bap er niefjt in gtope Strtbümer tjattc «etfallen muffen. Sie (RcchtS-- wiffenfebaft batte er nidfjt als blopcr UiedjtSgelcbrter, fonbern and; atS ©efefcgebet unb (Pbitofopb betrachtet. 9J?an bat oon ihm 2fph)otiömcn, cbenfo merkwütbig burd) Sfiefe ber ©ebanfen wie burd) bie Äraft »mb ©enauigkett beS 2fuSbrucfg. Sen ber SKorat banbeit eins feiner fcf)bnfien Werke, „Sermones fideles" betitelt, ein ©d}ab ber ticfjten Äenntnip beS SJtenfcben unb ber mcnfcblidjen 93erfjaltniffe, oorgetragen in einem blübenben, fraftoollen ©tpl. 2ff6 ©efebiebtfebreiber bat er in feiner „©efebiebte Heinrichs VII. u. VIII." nur wenig geteiffet. Son feinet Äennt; nip beS 2fltertbumS aber jeugf fein Werk über bie Weisheit ber 2flten, worin er bie gabein ber alten Seit burd) ftnnreicbe Allegorien erklärt. Sie einzige SGBiffenfdjnft, in ber S. weniger gtünblid)e Äenntniffe befap, war bie Watbematik, unbbiefem fanget ifi es jujufebteiben, bap er, ber alientbaiben bieStttbümerbeSmenfcblicbcn ©eifteö entbedtc unb bie richtigen Schratten anjeigte, baS Äopernicanifcbc ©pfiem beftreiten konnte. Sn biefem fünfte allein ftanb er tiefet als bie aufgeklärten WUm-. ner feiner Seit. Sn allen übrigen Sbeilen ber menfd)lid)en gotfdjung batte er ftd) ju einer $öbe emporgefdjwungen, bap feiner feiner 3eitgeno(fen bie Äraft feines ©e= nies, bie 9iid)tigfeit feiner 2fnfid)ten unb bie Wichtigkeit feiner Arbeiten «ollkommm ju würbigen oermodjte. ©t allein war fein (Richter, unb mit gerechtem ©tolje fagt er in feinem Sejfament: „(Weinen (Jtamen unb meinAnbenken «ererbe id; ben (Ratio; nen beS AuSlanbcS unb meinen eignen (Witbürgcrn, wann einige Seit octfloffen fein wirb". — Sie fdbonffe Ausgabe feiner fdmmtlid;en Werke ift ju Sonbon 1765 in 5 Sbtt., 4., erfd)ienen. ©ie ftnb fbeilS in englifeber, tl)eilS in lat. ©prad)e. Sabajoj (bei b.Wbm. PaxAugusta), bcfejl.Jpauptfi. ber fpanifd)en(ptot>. ©fftemabura, am linken Ufer ber ©uabiana, über welche eine (beinerne Stücke non 22 Sogen führt, unfern ber portitg. ©renje, mit 14,000 ©im«., einer ©tückgiepe; rei u. einem SiStbum. ©ie warb im leisten Äriege oon ben ©ngldnbern 3 (Wal it- lagert. Wad) ber Sertreibung (Waffcna’S aus Portugal unb beffen Drückjuge burd) ©fkremabura mupfe eS eine >£>auptforgc beS brit. gelbberrn fein, Sabajoj, baS bie granjofen feit b. 10. (Wdrj 1811 befapen, fowic©iubab;9fobtigounb Almeiba, wie; berjunebmen. Wad) ber ©robetung oon Sliocnja (16. 2fpril 1811) liep Welling; ton Sabajoj einfd)liepen, mupte aber, ba ©oult jum ©ntfag anrüefte, bie Sclage; rung febon am 14. (Wai aufbeben. Wach ben ©flachten oon guenteS b’Snor unb an bet A l b u b e r a (f. b.) warb Sabajoj am 25.5D2ai jum jweiten (Wale eingefcblof; feit) nach mehren oergebticbcn ©türmen aber hob Wellington, am 16. Suni 1811, bie Selagerung auf. Wad) ©robetung ©iubab=9JobrigoS (19. San. 1812) unter; nahm Wellington mit 16,000 (W. am 17. (Wdrj bie britte Selagerung unb eroberte in ber Wad)t jum 7. 2fpril unb am (Wotgen bie ©tabt, nad) einem motberifdjen Äampfe, mit ©türm. Sie Sefaljung mit bem commanbirenben ©eneral (Philippen warb gefangen. Sie Selagerct oerloren bei biefer Selagerung 72 Sfftciere, 963 (W. an lobten, 366 Sfftdere, 3483 (W. an Serwunbeten. — Sm grieben ju Sabajoj, gefcbloffen jwifcbeu Spanien unb Portugal ben 6. Suni 1801, ocr-- fprad) Portugal feine fpafen ben ©ngldnbern ju ocrfcblicpenj Spanien behielt baS eroberte Slioenja unb beffen ©ebiet an ber ©uabiana. (©. (Portugal.) Sabcn, ©ropberjogtbum, baS oon einem gütffenbaufe beberrfdjt wirb, welches feinen Utfptung aus bem @efd)lecbte ©ottfriebS ableitet, eines >f)erjogS ber Alemannen, bet fein Saterlanb bis an feinen Sob 709 gegen bie Übermadjt bet frdnkifcben Sbetbofmeificr oertbeibigte. ©in Abkömmling beffclben, ©crolb, fowie fein ©obn Sertbolb erfebeinett in Urfunben gegen ©nbe beS 8. Sabt'b- flW ©au= ober Sanbgtafen in ber Saar (bie Sanbgraffcbaft Saar, barin Sonauefd)in= gen, beft^en jefct bie gürften oon gürftenberg unter babifeber Roheit). Späterhin kommt ein Sertbolb (ber oon jenem Sertbolb in ber Saar abftammen foll) als Saben (®efä)td)te) ©caf in SSreiögau oor. ßt ifl bet Söatec bcSjenigen ^erjogS 33eftf)otb, tuctc^oc bnS I ©d)loß geringen im SSretSgau erbaute, unb mit bem bie ununterbrochene 0ieif)e ber Surften aus bem ^aufe B<5f)ringen beginnt. JDiefcr SSertbjotb, ber: oom Äaifer Heinrich III., auf ben ©terbefall beS bejahrten efjerjogS Otto oon ©d)toein= fitrt, bie 2fmoartfd)aft aufbaS £erjogthum @d)toaben befnm, nahm noch bei £eb= jeiten beffclben ben herjogl. Sitel an. 2(IS aber ber Äaifer not Otto ffarb, gab nach Ottob SEobe bie Äaiferin 2fgneS, SSormunberin ihreä ©. Heinrich IV., Schwaben 1 ihrem ßibam, bem ©rafen 9lubolf oon Dtfieinfetben, unb entfd)äbigte SSevtboIb I 1060 mit bem $er$ogtl)um Ädrnthen unb ber SJtarS SSerona, tootauf er bie £anb= I graffchaft über ben SSreiSgau behielt. 1073 nahm ihm jebod) ber launenhafte ^ Heinrich IV. Ädrnthen unb SSerona toiebet. 3«>at oerfofwte er fid), als bie ©ad)= ; fen ihn auf ber $arjburg eingefd)loffcn hatten, fcheinbar mit SSertfjolb unb oer= banfte biefem feine 9fettuttg; als ihm aber bie SSeftegung ber ©achfen gelungen toar, fuchte er fid) S3ertf)olbS burd) SÖteuchelmorb ju entlebigen. ßmport burd) biefe Untreue, erfldrte fid) SSert^olb öffentlich gegen Heinrich unb gab, als man ju gorchheim einen ©egenSaifet todl)!«» Stubolf oon ©chtoaben feine ©timme. Ooch «fjeinrid) befiegte feine gjeinbe unb lief 35ertl)olb nebft ben übrigen fd)todbi= fd)en ©rafen unb Herren nad) bem alemannifd)en ©efefc richten, toobutd) ft* ihre SSBürbe oetlorcn. SSertfjolb verheerte Oftfranfen, ffarb aber »or bem ßnbe biefeS ÄriegeS 1078 unb oererbte ben^erjogStitel nebft feinen ©ütern im SSreiSgau, in bet Ottenau, im ©chtoarjtoalbc unb StfecSatgau auf feinen älteften ©ofn, S3ertf)olb II., bejfen 9tachfommen baS cSperjogthum SSurgunb erhielten, aber nur jum SEhetl be= haupten Sonnten unb 1218, mit 58ertf>olb V., in ber männlichen Sinic auSffarben. Siefen beerbten 2 Sod)ter, oon bencn2fgneS, beS ©rafen oon Urad) ©emahlin, bie meiffen jdhtmgifcbcn ©fiter in Schwaben, nebft gietburg im SSreiSgau, unb 2fnna, beS ©rafen oon Äpburg ©emahlin, bie fd)tocijerifd)en unb burgunbifchen Freigüter erhielt. OaS Übrige fiel bem 3teid)e ju. — SSettljolbS I. ^weiter ©of)n, Hermann I., befaj? fd)on bei feines SSaterS ficbgeiteit $od)berg im 33reiSgau, noogu and) SSaben gehörte, unb nal)m ben SBtarSgrafentitet an. ©pater gog er fid) in ein Älofter nad) ßlugnp gurfief unb ffarb hier noch oot feinem SSater 1074. ©ein ßrbe toar fein ©ohn er mann II., ber fid) guerft fütarf gr af oonSSaben nannte unb ber ©tgmmoater beS nod) jeljt blfihenbcn $aufeS SSaben toatb. ßr ffarb, nad)= bem er ben hof)enftaufifd)en Äaifern, ifonrab unb Stiebtid) I., toid)tige Oienfte ge= ; leiffet hatte unb oon biefett jum ^tergog oon SSerona ernannt toovben toar, 1130. ©ein ©. ^ermann III., ber jenen Sitel behielt, toar ein Siebling Äaifet grieb; rid)S I. unb ffarb auf bem iftett^itge in 2Cntiod)ien, 1190. ©eine ©ohne, $er= mann IV. unb >£einrid), tf)cilten bicSanbe unb ffifteten 2 Sintcn, Setter bie babifdje, Oiefer bie l)od)betgifd)e. Hermann IV. erhielt oomÄaifetgtiebrid)II. für bie burd) feine ©emahlin ererbte ^jdlftc ber ©tabt 33raunfd)toeig bie ©tabtOurlad), ein el)e= maliges ßigenthum ber tftetjoge oon Balingen, atsgreigut, unb ßtttingen als Sehen. SSon feinen beiben ©of)nen pflangte fRubolf ben babifdjen ©tamm fort; bet altere aber, Hermann V., erhielt burd) feine ©emahlin ©ertrub, ^efjogin oon Öjfretd), ein 9ied)t auf biefeS Spcrjogthum, Sam aud) in ben S3eft'h beffelben, toarb jebod) 2 Sah« barauf oergiftet, unb fein ©ohn gtiebrid) mit Äonrabin oon ©d)toa= ben 1268 ju Neapel entbauptet, baher baS >£jauS bie reidfje ßrbfehaft toteber oetlor. 2)od) heirathete ßlifabetl), •ftermannSV. ©d)toeftettod)ter, ben ^>ergog 30bert, 1 Äaifer OfubolfS oon >f)absburg ©ohn, unb biefer erhielt, nadh ber SJfeinung bet bamatigen Beit, mm erft ein oolleS 9ved)t auf Sffreid). — Hermanns V. SSruber, SJfarSgraf 8fubolf oon SSabcn, oereinigte bie >fiettfd)aft ßbetffein mit feinen 2an= ben unb fud)te auch mehre hoheuffauftfehe ©fiter todl)renb beS grofen Btuifd)en= retd)S anftd)sujiel)en; Äaifer 9rubolf I. aber nahm ftc il)m toieber ab. — Sbtti 1 folgte ^»ermann VI., beffen ©ohne Stiebrich unb Oiubolf IV. abermals 2 Sinien 602 SSaben (©efcfyicfyte) ftifteilen. griebrid)S fiinie ftcivb halb attS. Olubolf pflanzte feinen Stamm fort. — i Ste weitere ©efcfjidf>te »on S3aben enthält fortgefefete Stfeilungen, biebemganbe feft fcfdblid) mären. S3on dtjrijbopf) I. (geft. 1527) flammten bie Cinien »on 33a= ben = S3aben unb 33aben = Sutlaci[). SSetnfarb, ber Stifter beS Kaufes 33aben= 83 a b en, führte bie proteftant. Otcligion in feinen Sanben ein. Sein ©nfel fPfilipp fianb unter ber SSotmunbfajaft beb ^erjogb «on SSaiem, meld)er wdfrenb betfel= ben bie e»angetifd)e gefre abfefaffte. ^bbjitipp ftarb 1588, unb baS ganb fiel an feinen SSetter ©buarb, ber ftd) jur fatbotifchen Äircfje beEetjrte. ©buatb befummertc ftd) menig um bie Oiegierung, lebte in ber grernbe unb mad)te bebeutenbe Scfulben. Äaifer Olubolf II. übertrug bafei - bie SBcrmattung beb ganbeS ben^erjogen »on 1 S3aiecn unb Sotfjringen, roeld)em ber SOlarfgraf ©rnfi gtiebrid) »on Sutlad) wibev= fpradj unb baS ganb 1595 in SSeftf nahm; erft 1629 warb cb bem SOlarfgrafen äBilfelnt, ©buarbS Sofn, wieber eingerdumt. — ßbrijlopbb I. ^weiter Sofn, ©rnft (ftarb 1553), mar bet Stifter ber Sinie 83 a b c n = S u r (a d). ©t nahm bie e»angelifd)e 2cE)re an, meld)e »on feinem Sofn Äarl II. im ganjenganbe cingefütjrt marb. Ser Sofn beffelben, ©rnft gtiebrid), regierte bie gattje SHarfgraffcfaft mit uielent Oluijme. (5t ftarb 1604 ofne Äinber. Sein 83tuber, ©eorg griebtid), ber iljm folgte, trat feinem dltcften Sohne, griebtid) V., bie Olegietung ab, mdi)= renb er jelbfi mit einem neugemotbenen -ftriegSfeer gegen Äaifet getbinanb II. unb iur58efcf)ö&ung bebÄurfurjten»onberfPfal{, griebtid) V., ju gelbe jog. 2fuf griebtid) V., ber bie fofengerolbSecfifdjen greigüter erbte, aber nid)t befielt, folgte 1659 griebtid) VI., beffenSofn, griebtid) 3)tagnuS, 1677 bie Oiegierung Aber* nafm. SBegcn beS ©infallS ber granjofen mußte er ftd) bis 1697 ju S3afel auffab ten. Olad) bem tpSmicfet grieben fud)te er ben SSoflftanb beS ganbeS mieberferju; feilen unb ftarb 1709. 3fm folgte fein Sofn Äarl III., ber 1715 bie neue 01eft'= benj .Startstufe erbaute unb jum Jtnbenfcn baran ben Srben ber Steue ftiftete. Sein einziger Sofn griebtid) färb »ot ifm, finferließ aber 2 fPtinjen, »on benen ber ättefie, Äarl griebtid) (geb. 1728), 1746 bie Olegietung antrat. Siefer muferfafte Oiegent, beffert SDlinifter, »on Jpafn unb »on ©belSheim, treffliche 9)li- nifier mären, ftarb, 83 3. alt, ben 10. 3uni 1811 als ©roßfetjog »on SSaben. Über feine 65jdftige Oiegierung f. b. ». Srais ,,©efd)id)tl. Sarftetl." berfclben (ÄarlSr. 1816, 2 33be.). Sa fein dltefter Sofn auf einer Steife in Schweben btttd) einen Sturj mit bem SBagen (15. Sec. 1801) umS geben gekommen mar, fo fiel bie Oiegierung an feinen 1786 geb. ©nfel, Statt gttbwig gtiebrid), ber feit 1806 mit Stephanie gttife 2Cbriennc Olapoleone, einet 2fbopti»tocf)ter OlapoleonS, »et= maflt mar, unb bei feinem ben 8. Sec. 1818 erfolgten Stöbe, ba et feine mdnm liefen 91ad)Ecmmen {unterließ, feines SSaterS SSruber, ben jefigen ©roßferjog, Submig SSBilf. 2(ug., jum 02ad)folger fatte. ©r ift geb. ben 9. gebt. 1763; »er= fer 591atfgraf. Siefer gürft fat feine Äinber, bafer folgen ifm bie bttref baS ^)a= tent »om 4. Set. 1817 mit SitcceffionSfafigfeit ju Sllatfgr. ». S3aben unb groji= ferjogl. 9>rirtjen m. b. St. $ofeit erflarten bisherigen ©rafen ». >£od)berg, bie Sofne beS »orlefcten ©rofjferjogS unb ber ©rdft'n »on >£jod)berg, geb. @eper»ott ©eperSberg (aus e. altabel. reicfSritterfd)aftl. ©efcfledfte, »erm. m. iarl griebr. ben 24. Olo». 1787, in einer nieft morganatifdjen 6fe). Set dltefie »on ifnen, ber Srbfolger, £copoIb (geb. 1790), »erm. ftd) 1819 mit SBilfelmine, berdltcften Stocftcr beS efemal. ÄottigS »on Scfroeben, ©ttfta» IV. — 83iS jum lune»illergrie= ben umfaßten bie babifd)en fidnber 77 □9)1. mit 210,000 ©. 3n biefem grieben mürben 8 DSDl. mit 25,000 ©. ab getreten, aber 60 □9)1. mit 245,000 ©. ermor= ben. Zugleich nafm ber bisherige ©larfgraf am 1. 9)tai 1803 bie dlitrfurftenmurbe an. Sutd) ben pteSburger grieben, ber ben SSrciSgau, baS alte Stammlanb ber ^erjoge »on Safrittgen, mieber an 33aben braefte, burd) ben SSeitritt jum 01fein= bunbe, melcfem SBabenbett großferjogt. Stitel, bie CanbeSfofeit über ben größten 603 93abcrt (2anb) Sfjeit bet fürftenbergifdjen Sanbc, übet feie Sanbgrciffchaft Älettgau, bas gütfien» tfgtm Setningen :c. »erbanE'te, unb burd) bie 1810 mit SÖSürtemberg gemachte Sän= berauStaufd)ung, bic Baben fafi 30,000 neue Unterthanen »erfdjaffte, ift bie ©rofje bet babifdjen Bedungen auf 279 t □$?., jebt m. 1,141,700 6., gefiiegen. ©ie ©tammlanbe (Baben=Baben unb Baben = ©uv(ath) betragen (nad) 2%ug bet 2fb= ttetungen) 51 DÜTt. mit 217,3S1 ©., unb fämmtl. ©rwerbungen würben etwa auf 210 DCK. mit 750,000 (5. gefegt, worin jefeoct;- einige flanbcöEjetrl. Bedungen nicht mit begriffen ftnb. ©aS ©ropherjogthum jählte 1819 8 ©tanbeSherren mit 62 □$?. 2(teat, 196,000 ©. unb einem ©teuercapital »on 139,306,000 ©Ibn., ferner 81 ©tunbljecten mit30 QSDf., 120,000©. unb 99,043,000®lbn. ©teuer» Capital. SRad) 2Cbjug ber jtatibeS» unb arunbhertl. Beftfsungen »erbleiben alfo rein» lanbcShetrl. Bedungen gegen 180 GSitt. m. 690,000 S. unb 535,531,000 ©ibn. ©teuercapital. Bgl. Sulla’S ©harte, >£>cunifd)’S ©harte unb ,,^ifi.»flat. S£a= bellen beb ©rofherjogtl). Baben" (.Karlsruhe 1820). ©ab ginanjgefeh für 1825, 1826 u. 1827 befrimmte bie ©faatScinnahme auf 9,320,280 ©Ibn., t»o»onbie BerwaltungSfojten mit 2,110,465 ©ibn. abgeben. SRadi) bem Bubget »on 1820 t»itb Baben nur 14,605,100 ©Ibn. ©cbulbett haben. (Rad) ber ©d)lad)t »on Seip» jig trat ber ©ropbetjog »on Baben »om Dibeinbtinbc ab unb fd)lof ftd) 1815 bem beutfdjcn Bunbe an, in beffen engerer Berfammiung er bie 7. ©teile hat unb in bet weitern Bunbebuctfammlung 3 ©timmen führt, ©ein ©ontingent »on 10,000 SD?, fteiit Baben jum 8. 2lrmeecorpS. ©er Dtegent war in allen innetn ©taatSangelc» genheiten uneingefd)tän!tcr $ett, allein in ber Urfunbe »om 22. 2lug. 1818 gab ber ©tofh^'ä- Äarl bem Sattbe, bem 13. 2frt. ber beutfd)en BitnbeSacte gemaf, eine lanbffanbifd)e Berfaffung mit 2 Kammern, bie 1825 ben ©efebentwurf wegen ©e= i fammterneuerung ber Kammern unb ber 3jährigen ©auer beS 3wifd)enraumeS »on einem Sanbtage jum anbern un»eraubert annahmen. 3Eupet ber allmalig »orberei» teten unb ben 28. ©et. 1821 »olljogenen ^auptoereinigung ber beiben e»angetifd)= protejfantifdhen .Kirchen ftnb }u bemerEen: bie neue SD?ap = unb ©ewid)tSotbnung I »on 1829; ber neue ©trafienjug »on Sortad) nach ber neuen SKbeinbutcfe unter» halb Bafel u. a. Baben, ein« bet fruchtbarfien Sauber ©eutfdjlanbS, erffreeft ftd) in einer anfehnlichen Sänge, aber wenig betrad>tlid;.en Breite, längs beS 9fl)einftromS, U01t ba an, wo er aus bem Bobenfee tritt, bis jur Bereinigung beS Sftecbars mit bem= felben, unb hübet gröptentbeilS eine frud)tbare ©bene mit vortrefflichen grucbtfelbern unb 523einl)ügetn, wejll. »om Sllwin befpült unb ofll. »om ©ben» unb ©d)watä= walb begrenjt, »on welchen beiben ©ebirgen auch bettäd)tlid)e SEheile ju biefem ©rofberjogthum gehören unb sutBilbung bet febonen ©egenben beffetben beitragen, worunter bie reijenbe Bergftrafe unb baS romantifd)e SD?urgtl)al ffd? auSjcicbnen. .£jauptfäd)lid) gewinnt man ©etreibe in SDfenge, »orjüglid) ©pelj ober ©tnfel, einen auferorbentlidjen ÜberjTufi an Baumfcüd)tcn (in ben warmen ©egenben ber Bergfttape and) SDfanbetn, Äafianien unb wälfrfte Sftüffe), wovon viele auper Satt» beS gehen, Sabacf, Krapp, trefflichen ^)anf unb guten Sffieitt, baoon viele 2lrten auSgeführt werben, ©er affentl)aler, wertl)eimer, bergfträfer unb ber ©eewein ftnb bie be!anntef!en. Se|terer wächft in ben ©egenben beS BobcnfeeS unb wirb unter bie geringem ©orten beS SanbeS gerechnet. 2(ud) bie SSBalbungen beftnben fid) in einem trefflichen 3ufianbe, inbem fte ber »Oriente ©ropbetjog auf alle SBeifc fchonte, wäl)tenb anbre gürften ©eutfchlanbs uetfdjwenberifd) mit ihren SBalbun» gen umgingen, ©ie »eranlajfen, mittelfi gefd)loffener©efellfchaften unb berglüffe SD?urg, Kinjig unb 3u)ein, einen beträchtlichen ^oljhanbel nad) gtanfreid) unb «fjollanb. ©ie Biel)äud)t wirb in ben ©egenben beS ©d)WatjWalbeS ffarf getrieben, unb bie herrfchaftliche ©d)äferei ©ottSau, bei Karlsruhe, trägt jur Bereblung ber ©chafheerben bei, inbem man aus ©panien 5D?erinoSfd)afe hat fommen laffen. 604 SSaben (33äber) Sag 2anb hat in bcm Ämtern feinet ©ebirge öielertei Sftinctalien, jebocf) ©ntj nidjt ! hinreichend 2fuö bem Siijcine wdfcht man ©olb, woraug eljctnalg SSaben Sufaten fcfjfctgcn liep mit bcrümfd;rift: Sic falgent litora Rheni. Sie gabriben ftnb niept hinreichend unb befdjdftigen ungefähr 10,000 fPcrfcncn. Sie meifien ftnb in3)tcm= heim, spforjfjeim unb Sarlgrtthe. SSefannt fütb bie 23ijoutcriefabtifen ju fPfotj= i)t im (fegt 21), weldje jährlich für 600,000 ©Ibn. SBaaren liefern, (litt eigcn= thütnlicher ©emerbäwcig bet ©chwarjwdlbcr ift bie SSerfertigung ijcijecnec Uhren, weld)e faji 700 eigenttidjc ltf)rmad)cr befd)dftigt, bie jährlich über 100,000 Upren , liefern, Set ©igenpanbelbeg2anbeg befielt mept in Äugfuhr bet Staturerjeugniffc ■ aß beS ©ewerbfleipeg, unb wirb burch gute Sunftftrapen unb bie fcfjiffbnren glüffe 9if>ein, Stecfar unb SO^ain beferbett. SBegen bet 2age jmifchen Seutfdjlanb, granf= reich unb bet ©cpweij Ijat SSaben siele SSortheile som 5Eranftto= unb ©pebition$= panbet. Sie Sttehrjapl bet©inm. gehört berbatpol. Sird;c an; bet Otegent be= fennt fiep jut luttjerifcljen. (Über bie neue eoangelifcpe ©emeinbe ju SJtüplpaufcn f. $en p of et.) gut ben Unterricht bet profeftant. Sugenb in ben überall beftepem ben 2anbfd)ulen werben Sepret in bem ©eminarium ju Äatlörufje gebilbet. Sie ge= lehrte SSilbung beforbern bie latent. Schulen, fPdbagogien, ©ptnnaften unb bie Uniserfitdten ju ^tcibelbetg unb greibttrg. Set jept regietenbe ©ropperäog hat beit 3. SJtdrj 1819 bie ©intpeilung be§ ©taatg fo feftgefegt, bap bie 8tefibensftabt Satßrupe ju beinern Sreife gehört, fonbettt unmittelbar bem SRinifterialbcpart. be8 ! Snnern untergeorbnet ift, unb bap bet übrige ©taat au5 6 Steifen beftefjt: 1) Sec SJturg^mb fPftnjfreig mit 11 Ämtern, .fjaitptott Sttrlad;; 2) Sinjigbreig, mit 14 Änt. (barunter Äcpern, ^ornberg, SEribetg unb SSüpl); 3) 5Ereifam= unb2Bie= fenbreig, mit 15 Änt.; 4) ©ec = unb Sonaubreig, mit 15 Ämt.; 5) Stectartreid, mit 14, unb 6) ber SOfain = unb Saubetbreig, mit 8 Änt. ©eitbem mürbe, in golge ber ©onsention mit SSaieut unb Sftreicp (granüfurt, ben 10. Sinti 1819), bie bigf)etige oftreid). ©raffchaft .fjopcngetolbged: (am ©djmarjwalbe, 24 -[I]9)t., 4500 ©., 34,000 ©Ibn. ©inf.) mit SSaben vereinigt, wogegen S3aben (f. Serri= torialpolitib) einen serpdltni'pmäpigen Speilbeg 2bmteg SBertpeitn an Sftreicp abtrat. SSaietn erpob jcboch 1827 eine anbre ©ntfcpdbigunggfobetuttg für ben son S3aben abgetretenen Speil bet ©raffch. ©ponheim. ©. „Über bie 2fnfpr. bet Srone SSaietn an Sanbegtp. beg ©rofperjogtl). SSaben" (SDtanp. 1828). — S5aben hat: 1) ben ^taugorben ber Streue, geftiftet 1715 unb erneuert am 8. SOtai 1803, weis eper in ©ropbreuje unb ©ommanteure abgetheilt, unb beffen Srbengperr unb ©rop= H meifter jebegmal ber ©ropfjerjog ift; 2)benSatl=gricbtich = 9)?ilitaitBeebienftorben, som ©rophergog Sari gtiebriep am 4. 3fpril 1807 geftiftet, beffen ©ropmeifter ber ©tophetjog ift, uttb ber aus 3 ©laffen, ©ropfreujen, ©ommanbeuren unb Stiftern, befteht; 3) bcnSrben beg jdhtinger ßornen, geftiftet ttom ©ropherjog Sari 2ub-- wig griebrid) am 26. Sec. 1812. ©r befiehl ebettfallg aug ©ropbreujen, ©om= manbeuren unb 9?ittcrn, unb hat ben febegmaligen ©ropherjog jum ©ropmeifter. Sßgl. grbr. Sittenberger’g (groph. bab. SKiniftcrialfccret.) „©eogr. ftatift. topogr. Sarfiell. beg ©ropherjogth. SSaben" (Sartgruhe 1826). SB a b c n. Srei burch SSaber berühmte ©tabte: 1) 85 a b e tt in ©djmabett, mit 418 ■£>. unb 3200 ©.; bei ben 9tbmern Civitas aurelia aquensis, fpdterhin gegen 600 3. lang bie SKcftbenj ber Süatfgtafen von SSaben, liegt in einem reijew , ben Sthale, 2 ©tunben oom Dihein. Sag ©d;lop bietet nach allen ©eiten hin bie herrtid)ften 2Cnfid;ten. ©S enthalt eine SSJtengeuntcrirbifdjer ©ewolbe, bie, ber ©age nad), bet gerne jum ©ih gebient haben unb toahrfcheinlich ein SSerf ber Stomer finb. Sie 3lntiquitdtenhallc (Museum palaeo-tcchnicum) enthalt romi- fd)e Senf'mdlet, bie um SSaben her gefunben worben finb. SaS ©onoerfationg* hattg, chebem ein Sefuitenflofier, ift ein Untcrhaltunggort, wo man vorjügltd) ju ©piel unb SSdllen sufammenfommt; eg hat eine herrliche Sage. Sie ©olfcgiat= 23aben (griebe ju) SSabcnfcfje Sanbfldnbe 605 ; obetfPfattfirche jeid£>ttet ftd) bucd) bie SSegtdbntffe bet SÖtarfgrafen aub. ©ed)b "KU ' tarbldtter in berf. ftnb von 2ill nad) ©uibo 9?eni gemalt. SSaben h«t 26 9)tineral= ! quellen. Sie dpauptquelle, von 45° 3ßatme nad) Steaum., liefert in 24 ©tunben 7,345,440 dubibjoll SBaffer. Ser gelb, auö »cldtjem fte^ctootbrtrfjt, ifinod) jum Sfjeil mit carrarifchemf SJtarmor befleibet unb mar wal)tfcf)cinlid) ein Stomerbab. 2fucf) bei bem vormaligen Tfrmenbabe ftnben ftd) Übe treffe romifd)er SSaber. Über , Srajan alb ©tünbet ober üDtitffifter von SSaben u. f. 33erbienffe um bie^efntlanbe 1 (agri decumani, gwifdjen 9vl)ein u. Sonau) f. l)r. 2eid)tlen im 1. 33. ber ©cf)r. ber 7 frei bürg er ©ef. für ©cfd)id)tblunbe. 7(tt ber^ollenquelle, von 50° Sßdtme, brühen bie ©nivol)ner Spiere ;ab. Sab Tftmenbab vor bem gerebbacfyer Sl)ore ift sweefs tndfig eingerichtet. ©. Äblreuter, „Sie SOtineralquellen im ©rofherjogtl). SSaben" (Äartbr. 1820), unb 2(lopb ©cfveiber’b „Hifior. topogr. SSefdqreib." (3 JSfte., gol.) ju ben „2)talerifd)en Änftchten vonSaben unb beffen Umgeb." (j. 33. Sm cenne’b Senfmal bei ©abbad), S3urg'3Binbeat ft'e fid) aub einem Sorfe jum glecfen, enblid) jut ©tabt emporgehoben, unb ift jefjt ©ommertefibens mehret ßrjljeräoge von Sftreicf). Sie vorjitglid)fien ©ebdube finb: bie Äirdjen, bab mit | ©peife= unb daffeejimmern vetfefenc Steboutengebdube, in tveld)em ftd) aud) bie | ©d)aubül)ne beftnbet, bie Raufer ber ßrjhetjoge unb bab (Saftno. Stehen bem fParE beim Sfereftenbabe mit feinen fefjonen Saumgdngen ift ber Äalffelfett, aub welchem bie wohltätige Sitelle hervorfprubett. Siebe)tdnbige3BdrmeberS3dberiff gewöhnlich 27 bib 29° Steaum. Sie feifjeften ftnb ber Urfprung, bab grauem unb gofepfjbbab; in tfllem ftnb berfelben jtvolf. @ie ftnb fo gebaut, baf? jebeb berfelbett 40 bib 150 iperfonen faffen fann. SBer nicf>t gemeinfcf)aftticf) haben tvill, fann aud) ©tunben befommen, tvo er allein habet. Sab gemeinfcf)aftlid)e 35ab tvirb aber vor= gejogen, ba ftd) hier oft bie angencl)mffenS3efanntfchaften anfnüpfen ; vorzüglich gc= fud)t ift bab gtauenbab, beffen ftd) bet Äaifet felbft bebient. 3m (Satvarienberg ftnb Sampfbdber angebrad)t. 3n bem Sl)ereftenbabe habet man nur in Sßannen, unb hier finb aud) SStopfbdbet eingerid)tet. Sie döohle beim Urfprung jeidinet ftd) ba= butdjaub, bap auf ihrem gttf hoben ftd) eine faljigeSOtaffe abfe|t, welche bahnet ©alj .genannt wirb. Sab gewöhnliche 3iel aller Spaziergänger ift bab Heienentf)al. 3e ^ weiter man bab Shal verfolgt, befto romantifd)er unb wilber werben bie SBalb = unb gelfenpartien. Sährlid) fommen 7 — 8000 grembe nach SSaben. ©..©d)enf, „Sie ©chwefelquellen ju 35aben in Stieb. = £) ff r." (2. tfufl., SOSien 1825). — 3) 33 a b c n in ber Schweiz, im (Santon tCargau, an ber Simmat, in einet fefw am genehmen ©egenb. ©djon bie Stomer legten ber Heilquellen wegen hier eine ©tabt an unb bauten ein (Saftell ba, wo je^t bie ©tabt ftef)t. ©pater waren ihr bie, bib 1712 hier gehaltenen eibgenofftfd)en Sagfagungen fehr vortheilhaft. ©ie l;at bie @erid)tbbarfeit über bieSSdber, bie tief unten am Ufer ber Simmat liegen. (Sine breite, mit einet Steihe von -Suchen, dapellen unb 3Bohnl)äufetn befeßte ©träfe führt baf)in. Sie berühmteften liegen auf ber ©tabtfeite unb Reifen bie gropen 33ä= berj bie übrigen, fleinen, liegen auf ber anbetn ©eite ber Simmat. Sie großen 35dbet ftnb öffentlich- 3)erfonen hohem ©tanbeb haben in ben fPrivatbdbem ber ' SBirthbhdufer. Sa bab 33eronabab naher am Urfprung ber Suelten liegt, fo ift beffenSöaffer bab wdrmfle; eb foll biegrud)tbarfeit bergrauen beforbern. ©. SJeber’b „SocalhefchreibungbcbHeilbabeb ju33aben inber©d)weis" (Zürich 1790). SSaben, 9feid)bfriebebafelbflmitgranfrei^, gefchloffenben7.©ept. 1714. (©. Staffabt.) Sabenfche (babifdje) fianbffdnbe. Sn ber fStarfgraffd). 35aben waren ehemalb Sanbffdnbe gewefen, tveld)e, ohne Shednahme bebTfbelb, aub ben ©tdbten, Ämtern unb Tlbteien beffanben. (Ser 2fbel hatte ftd) aud) hier, wicitt 606 25abenfd)e Sanbjldnbe Söürtcmberg, bon bet 2 anbebherrlid)feit frei ju erhalten gemußt, fobap e§ mt wenige tanbfdfftge abelige ©üter gab.) ©eit ber Stifte beb 17. 3«h c &- war aber bie lanbjtänb. Vetfaffung in Verfall gerätsen. 2fucf) in ben neuen ju Vaben ge= fommenen £anbebtl)ei[en, bec Sifeinpfalj, S5ibtl)um Äonftanj, bem 3obanniter= rneifterttjum, waren feine Sanbftänbe, wot;l aber imVteibgau, wo ffc aub ben brci SSdnfen, ber Prälaten, ber 9?itterfcf>af£ unb bet ©tabte nebfl ben jfmteni beftanben. Unter ben Prälaten erfcfitenen ber 5of)annitermeifter, Surft unb ©tanb bebReid)b, bet$ittftabfbon@f.=£3lafien u. a. — Veiben Verf)anblungenäu5Bien 1814 unb 1815 gehörte Vaben ju ben Regierungen, welche ftd>, gegen eine oltge= weine Verpflichtung ber beutfchen Vunbebftaaten, eine repräfentatibe Vetfaffung einjutichten erfidrten. ©b ift befannt, wie lebhaft fie in berSolge bon benUn= terthanen «erlangt, unb wie fie enblich in einem Seitpunfte gegeben würbe, wo bie politifche ©piftenj unb Integrität beb £ unb ber SSahlfähigfeit auf Veftfc gefehen; jeber angefeffene@taatbbfirger unb alle@taatb; beamten fönnen an bet ©tnennung bet Vsahlmänner Sheil nehmen unb SBahlmöw ner werben. Rur 2fbgeorbnete muffen entweber ein fteuerbareb ©apital bon 10,000 ©Ibn. ober ein geiftlidjeb ober weltlidjeb 3fmt hefigen, weld)eb wenigftenb 1500 ©Ibn. einträgt. ©b wäre 51 t wünfchen, bap ber Veamtenftanb auch * n anbern £än= bem nicht burd) 3fubfd)lieptmg bon ben 2Baf)len all ju fef>r bon bem Volfe getrennt unb burd) bie Vebingung eineb beträd)tlid)en ©infommenb aub eignem Vermögen bab petfönlidje Verbienft unb Vertrauen bem Sufalle beb Veftfieb unb feinen einfeitigen Rucfftchten untergeorbnet worben wäre, ffene ©ntfernung beb Veamtenftanbeb bon ber ftänbifdjen Repräfentation ift befonberb aub bem ©runbe nachtheilig, bap fie bab ohnehin nur allju fetjr berbreitete, oft berfchulbete, oft aber aud) unoerbiente SRiptrauen ber Unterthanen gegen bie ©taatbbiener ju rechtfertigen fdjeint. — Siefe S5aben=S3aben (ßubwig SSJlarfgt. t>on) 607 fo sufammengefehten ©tanfce famen jum erffenfSRale 1819 jufammen, mürben aber nach breimonatlicher ©ifung am 28. Suli entlaffen, ba ftd) webet jtxdfdjm bem STOnifterium unb ben ©tänben nod) swifdjen bei - elften itnb jneiten Kammer bet testen eine Übereinftimmung be« ©inne« fatte «geben wollen. Sie l*Red)te bet @tanbe« = nnb @tunbf)etten unb ba« baiübet ergangene Gbict Weiten, wie e« fcbeint, ba« »ornel>mfte ^»inbernif ber Gintracf)t, unb auch b'tt lief ftd) bet eine Sfeil »«leiten, bie ©eftnnungen bet Sfnbent, welche gegen bie Stweitecung bet i @tanbe«»orred)te ftimmten, al« reuolutionnait »erbad)tig ju machen. Sie jweite ©erfammlung 1820 wutbe im 3uli eröffnet, unb obgleich bie gegenfeitige ©tim* ntung im Anfang nidtjt günftig« fdjien (fBerfagung be« Urlaub« für einige Sepu= tirte jut ©tanbeoerfammlung, SSerfjaftung be« Seputirten SBinter »on .fjeibelberg) al« im »origen Sahre, fo hat ftch boch auch hier bie heitenbe unb au«gleid)enbe .Kraft ber Beit erwiefen. Sie beiben Kammern haben fiel) in »ielen wichtigen Singen gc= nähert (Aufhebung ber Überbleibfel bet Seibeigenfdjaft, ©efefs über bieSSerantworf= lid)feit ber SRinifter, SSotffellung gegen bie «Strenge be« Genfurebict«, ©emeinbe* »etfaffung), unb bieStegierung iftgleichfall« »erföfjnenb entgegengefommen. 2fm5. ©ept. würbe biefe s weite iöerfammlung gefd)lojfen. Sie Flamen Suttlinger, SBim ( ter, ». Siebentem, ». 9£ottecf, ». Sßeffenberg u. 21. ffnb burch biefe SSerhanblum j gen Stilen werth geworben, welchen bie ^»«fiellung unb Erhaltung einer wirtlichen I gefeblidjen Srbnung am^erjen liegt. Seibe Kammern haben if)te 33erhanblun= • gen felbft herau«gegebcn. 9Son bet elften .Kammer ffnb 1819 unb 1820 jebe« SRat ' 5 Jpefte (Karlsruhe, bei SRüller), »on ber sweiten Kammer 1819 2 .fpefte unb 1820 unb 1821 7 £efte (KatlSt., bei Staun) erfd)ienen. (SSgl. „fermes", IX, ; 81—139, unb X, 205—248, fowie ba« Sfrclji» für lanbftanbifche Sfngelegenhei' j ten im ©rofhetjogthum SSaben, mitSSeitr., Slbfanbl. unb iöortragen »on ^)au= lu«, SBeffcnberg, ». Sürfheim, ». Siebentem u. 2t., h«tau«geg. »om §)rof. J Karl ». Sfottecf", Karlsruhe 1820, 2 83be.) 37. j ffiabensfBctben (Subwig fffiilhelm I., SRarfgraf».), Gnfel be« SRarf; grafen SBilhelm I. »on S3aben=33aben, geb. ju fPari« b. 8. Slpril 1655, warb »on I Subwig XIV. au« ber Saufe gehoben. Sie fPcinjeffnt». Gatignan, feine 9Rutler, wollte ihn in fPari« erjiehen, aber Später unb ©rof »ater nahmen ihn in einem 2f Iter »on 3 SBonaten heimlich weg, bamit er feine Kinbfjeit unter bem SSolfc jubringen möchte, über ba« er einft regieren follte. ©eine elften KriegSbienfie that er unter ^ SRontecuculi gegen Surenne in bem ^elbjuge im Glfaf, wo biefer grofe gelbherr blieb. Ser ^prinj »on SSaben erhielt ben Stuftrag, ben Stücf jug be« frans. ju beunruhigen, unb er that bie« mit Grfolg, bi« Gonbe ben Sberbefehl «hielt. SSJtontecuculi nahm feine Gntlaffung, unb ber -fberjog »on Sotf)tingen trat an feine ©teile. Subwig befehligte unter biefem bi« sum gxieben »on fRimwegen unb fehlte bann 1678 in feine SÜlarfgraffchaft jutücb. Stl« ber Krieg iwifdjen Sftreid) unb ber Sürfei au«brad), warf er ftd) mit einem Sruppencotp« nach SSBien, ba« bie Surfen belagerten. Setdjeijog »on Sothringen unb ber König »on fPolen, ©obie«= fi, famen biefer ^auptfiabt su^ülfe, unb e« gelang ihm, burd) einen tapfern 3tu«fall ftd) mit ihnen su »ereinigen. Sie ©tabt würbe entfett, bie gefchlagenen Surfen sogen ftd) in Unorbnung surücf, unb Subwig errang mehre 33oitf)ei(e. Gr behielt auch nachher ben Sberbefehl an ber Sonau unb fdflug bie Surfen ben 24. ©ept. 1689 bei fftiffa unb ben 19. Stug. 1691 bei ©alanfemen. 1693 warb ihm ber Sberbefeht ber 9teid)Satmee in Scutfd)tanb gegen bie granjofen übergeben; er nahm ^eibclberg wieber unb ging barauf nach Gnglanb, um ftd) mit bem .König SBilhelm wegen ber KriegSunternehmungen gegen granfreich su »«einigen. Gr «= öffnete ben Selbsug im gtühiahre 1694, fiel in ba« Glfaf ein, taufchte bie 5Bad)= famfeit [be« $ersogS »on Sorge« unb bewie« bie größte Shätigfeit, ungeadjtet er heftig an ber ©iebt litt. Sa burd) ben Sob ©obie«fi’3 1697 ber polnifdje Shrcn 608 83dbec erlebigt war, bewarb er ftd) um tiefe Ärone; aber ber Äurfürft öon ©achfett, gtiebrfd) 2lugufi I., trug ben fPreiS baöon, unb ber SJlarfgraf begab ftd) nach bem Stieben »ott KpSwtf wiebet in fein Banb. 2ltS ber fpanifd)e ßrbfolgeftieg au«; brach, befehligte et bie faiferl. unb KeichSarmee unb eroberte 1702 , ungead)tet beS tapfern SBiberftanbeS, Sanbau. 1703 bewies er fein Talent in ber Scfefti= gungSfunft bttrd) Anlegung bet berühmten Sinien, bie ftd) t>on bem ©ri)watjwalbe burd) Süljl bis ©tollfjofen an ben Kf)ein nuSbefjnten. Socf) war tf)m julefst bas ÄtiegSglücf weniger günflig, woran feine aus Ärdnflid)feit herrührenbe Sel)utfam= feit unb bie fd)led)te Sefchaffenfjeit ber KeichSarmee Utfadhe waren. (5t war einet ber größten ©enerale feiner Seit, unb nie eigentlich beffegt worben. Ofacijbem et 26 Selbjuge gemacht, 25 Selagerungen geleitet unb 13 ©chlad)ten geliefert hatte, ffarb er ju Kaflabt b. 4. San. 1707. 33 ä b er. Sie Kafur lub in Slüffen unb im SReere juetf! baju ein, unb fufjrte benSRenfchen fruf) auf ben ©ebanfen, biefen ©enufi attd) in feine SBofnung jtt oerpflanjen. @d)on bei^omer ftnben wir baS 33ab im >f?aufe als eine gewohnte Sitte. 2flS UlpffeS ben ^alaft ber <5itce betritt, wirb iljm suttörberft baS 33ab ge= rufbet, nad) welchem et mit föfilichen ©ffenjen gefalbt unb mit einem fd)ötten @c= wanbe befleibet wirb. 2fuf gleiche SBeife warb jeber $tembling, ber unter ein gafl= lidjeS Sach einfehrte, juerfi in baS teinigenbe unb non ber ©rmübung ber Keife erquidlenbe Sab geführt, welches baS erfle Gftfobetnijj ber Sewirtbung war. Sit ben folgenben Seiten legte man tbeilS in ben ©ebauben eigne Sabejimmer, ttjeilS aud) öffentliche Sdbet an. Sie öffentlichen waten bei ben ©ried)en meiflentheiK mit ben ©pmnaften oerbunben, weit man fich ihrer nad) ben Übungen ju bebienen pflegte. Sie Komet ahmten in ihrer üppigen Seit aud) hierin ben ©riechen nad) unb erbauten prad)toolle Säber. golgenbe Sefdjreibung pafft auf bie gricd)ifd)en unb römifd)en Säbet jugleid). SaS ganje langlid) gefaltete ©ebaube hatte jwei 2ll'theilungen, bie eine für Scanner, bie anbre für Stauen. S« jeber Sonnte man falt unb warm haben. Sie warmen Säbet in beiben 2lbtfjcilungen fließen an ein* anber, ber -f) ei jung wegen. Sn ber SRitte beS ganjen ©cbdubeS befanb ftd) im Äetlergefchoß baS ^eijäimmer, burd) welches fowot baS SBaffer jurn Saben heip gemacht,. als auch bisweilen ber Sußboben ber aniiegenben helfen Sabfhtben erwärmt würbe. Über bem ^eiäjimmer befanb ftch ein©emad), in welchem 3 fupferncÄeffcl bergeftalt ftufenweife über einanber gemauert waren, baß ber untere unmittelbar über bem Seuer, ber jweite über biefem unb ber britte über bem jweiten ftanb. So hatte man ein fod)enbeS, laues unb faltes SBaffer. Surd) befonbere mit Jahnen oet= fehene Kohren warb baS SBaffer aus biefen Äeffeln in bie baneben beftnblicfjen 35ab= ftuben geführt, ber Abgang aber aus einem SBafferbehdlter fogleich erfe|t. Keben bem Jpeijjimmet waren auf jeber ©eite brei einzelne Simmer für baS heiße, laue unb falte S5ab. Sie Sabeftuben hatten im Sußboben ein gemauertes Secfen, in welchem ftdf> ©effel befanben, unb um welches herum eine ©alerie ging, wo ftd) bie Sabenben, ehe fte ins Sab fliegen, unb bie fte Scbienenben aufhielten. 2luffer= bem befanb ftch in ben Säbern aud) ein Simmer jum ©d)Wi|babe, welches burd) SBätmeröhren gef)eijt warb unb Laconicum hieß. SiefeS Simmer hnttc oben eine Sffnung, burd) welche baSßid)t fiel, unb oon weld)er herab ein ehernerSecfel hing, ben man aufjielfen unb nieberlaffen fonnte, um ttad) Sebürfniß bie .füge ju nerminbern ober wiebet ju »erftdrfen. Sum 3luSf leiben, jum 2lufbewal)ren ber Äleiber unb jum ©alben nad) bem 33abe gab eS befonbre Simmer) ferner ftan= ben nod) ©pajiergdnge, bebeefte Saufbahnen, ©die ju Sallfpielen unb ©arten bamit in Serbinbttng. 2llle biefe Kebengebdube, nebft einer SRenge non Sabeffu= ben, enthielt ein öffentliches Sab, baS mit ben föftlid)ften SRöbeln unb allen jur 2fnnehmlid)feit gehörigen ©egenftdnben auSgeftattet war, in feinem 2lufent aber einem weitläufigen fPalafte glid;. Ser immer l;of)crn ©enüffen naefffpähenbe 609 ®db« Supug bet Siomer erbaute in bet golge eigne Seitungen, um baS Steerftaffer in bie 33aber ju fuhren, bebienfe ftd) beg ©chneeg «on ben ©ebirgen, unb erweiterte biefe 2lnflatten auf eine SBeife, baß fte ung nod) in ihren Übettejlcn ©rftattnen unb Se; toimberung abnothigeit. (©. SBichelbaufen, „Übet bie Sdber beg 2dterthumg", SJtanfjeim 1807.) Unter ben ©uropdetn haben nur bie Oluffen eigenthumlid)eSabeanf!alten, bie oon alten Soldgctaffen bag ganje3af)r Ijinbutcf) befugt werben. dag uuffifdje Sab befielt in einem einjigen ©aale, aug $otj gebaut; in bemfelben erblicht man einen mächtigen metallenen Öfen, mit glußdtcfcln bebecft, tveldje bie .jpifse beg £)fen« glufyenb macht. fRinggumher ftnb breite Sande beftnblid). Seim ©intritt fubjlt man fid> bergeftalt »on ©lut befallen, baß, wer nicht baran gewohnt ift, biefen 3u-- jtanb nur wenige 2fugenblicde ertragen dann, diejenigen aber, bie im ©tanbe ftnb, einige 3eit barin ju bauern, entdleiben ftd) unb ftrecden ftd) auf einer bet Sande ober toietmefjr auf einer batauf gelegten SRatraße aug. SRunmel)r wirb falteg Söaffet auf bie gluljenben Äiefel gegoffen, ein bieder Reifer dampf erbebt ftd), ber ben Sa= benben einfctjließt, auch ibu bergeftalt erl)if5t, baß ber @d)weiß ttbet feinen ganjen Äorper augbrid)t. Son 5 ju 5 ÜRinuten wirb ncueg 3Baffet auf bie Äiefel gegoffen. dag Shermometer fteigt in biefen erbeten dampfen gewöhnlich auf 40—50° Steaum. $at ber Dtuffe auf biefe 2Beife fein Sab genoffen, fo laßt er ftd) noch mit eingeweiebten Strdenruthen peitfd)en, jur Serminberung beg ©cbweißeg mit ©eife reiben unb barauf mit lauem unb enblid) mit daltem SSBaffer wafchcn, non welchem legtern ibm einige ©imer «oll über ben jfopf gegoffen werben. Sn ©rmangetung beg dalten SBafferg fpringt er aud) wol unmittelbar nach biefem ©chwigbabe in ei= nen gluß ober Seid), ober flreift ftd) in ben ©d)nee. der «ornel)me fRuffe genießt nachher ein@etrand aug englifd)em Siete, weißem Söeine, gerofietemSrotc, SucFcc unb ©itronen, unb rußt auf einem Sette aug; ber gemeine hingegen trindt, nach» bem er ftd) im ©chnee abgefühlt hat, einige ©läfct Sranntwein unb geht wicber an feine 2frbeit. diefe Sdber ftnb ein Seburfniß beg Soldg, unb man trifft fte in jebem dotfe. 2fud) in gtnnlanb ftnbet man fte. — Sei ben iffiaten ftnb bie Silber ebenfallg tn allgemeinem ©ebrauche. die Sueben ftnb «ermoge ihrer ^Religion ju wieberl)olten tdglid)en SBafchungen octpflichtet; außerbem muffen ftd) Scanner unb SBeiber unter gewiffett Umftanben unb ju gewiffen Seiten befottberg haben. Sn biefem ©nbe ftnbet ftch in jeber ©tabt mit einer SRofchee auch ein offentlicheg Sab, unb reiche 5))ti«atperfonen beftgen eigne Sabeanftalten, bie mit allen ©egenfldnben aftatifcher Üppigdeit auggefchmücdt ftnb. 2lußer biefen Sdbern hüben bie Sueben nod) bag troedene Sab ber 2(lten. die ©ebdube, bereit fte ftd) bajtt bebienen, ftnb aug ©tein erbaut unb enthalten gewöhnlich mehre Simmer, beren gttßboben aug ■SRarmorplatten befiehl, diefe Simmer werben mittelfl 9l6l)ren geljeijt, weld)e bttrd) bie SSdnbe gehen unb bie Sßdrrne allenthalben hinleiten. 9lad)bem man ftd) entbleibet hat, wiebelt man ftd) in eine baumwollene deebe, gieht Ijoljerne toffeln an, um bieguße gegen hiesige beg gttßbobettg ju fd)ugen, unb geht in bag Sabejimmer. die h e i|^ Cuft ergeugt halb einen allgemeinen ©djweiß; man wirb hierauf gewafchen, abgetroebnet, gedämmt unb mit einem wollenen Sud)e getrieben ; julegt wirb ber ganje Äorper mit einer ©eife ober einer aitbetn ber -fjaut jutrdgltchen ©albe befftidjen. Olad) biefem Sabe ruht man auf einem Sette unb trindt ©affee, ©orbet obpr Simonabe. die turdifd)en grauen haben auf biefe SBeife tägltd); bie SRdntter nid)t fo oft. — Son eigentl)ttmlicher 21 rt ftnb bie Sdber ber Snbier, »on betten 2fnquetii folgettbe Sefchreibung mad)t. der Sabcwdrter flreift ben Sabenben auf einer Safel aug, begießt ihn mit warmem SSBaffer unb beginnt barauf ben ganjen Äorper bcffelben mit einer bemunberngmutbigen ©e* fchicflichdeit ju brüeden, ju preffen unb ju rendett. 2flle ©lieber werben gebel)nt unb auggereedt; ifl er mit einer ©eite fertig, fo fangt er bei ber attbern an: halb bitte Sotto,.6er. Siebente 3(uf(. Sb. I. t 39 er auf ben Sabenben, balb faßt er if>rt bei ben ©djultern, halb laßt er bad SKucf= gcat fragen, inbem er «KeSQJirbet beffelben erfd)üttert, halb führt er fanfte©d)lcu ge auf bie fleifdjigften unb muSEuIofcfien SEtjcite. Darauf nimmt er ein hatened Sud) unb reibt bamit ben ganjen Äorper, bis er faji felbff barüber in ©d)Weiß geratf); er reibt mit Simdffein bie barte$aut an ben §nfen ab, falbt ben Sabenben mit©eife unb 2Bol)(gerücf)en, unb enbigt bamit, baß er if)m ben 5Sart unb bie^aare abfdject. Diefe Sehanblung bauert etwa 3 Sötcrtelflunben, unb man füfjlt ftd) nad) berfelbcn glekhfam neu geboren. ©in 2ßol)lbel)agen oon unaudfpred)lid)em 9?eij bucd)bringt ben Äbrper unb tofl ftc^ balb in einen fußen ©d)laf oon einigen ©tunben auf. — SBeun mir nid)t6 bem 2tb)nlid)cS fennen, fo iff und barum ber ©ebraud) funftlidjer S5äbet feinedtoegd fremb, unb cd gibt je£t wenig ©tdbte ohne 6ffentlid)e.Sabe= anffalten, bie nur nod) ber notigen 5Bol;lfei(l)cit entbehren, um aud) ben Ämtern jugdnglid) ;u fein. Die2frjneifunbe hat bie heilfamen SEBirfungen bed Sabed burdh oielfacße ©rftnbung neuer 58?ifcf;ungen unb 2lrtwenbungdarten ju oermehren gefueßt. 3m 2(llgcmeincn werben bie Sdbcr burd) bie ©tofe, aud benen ffe begehen, burch ben ©rab ber Sffiarme unb burd) bie ©inwirfungdart auf ben Äorpet befiimmt. 58?an bereitet fte aud SBaffer, 50?ild), Söein tc., balb warmer, balb falter, in »er; feßiebenen 2lbflufungen, mifeßt ihnen Ärduter, ©ifen, ©eifeic. ju, wie ed bie 2fb= fußt erfobert. 2fuferbem gibt ed©cb=, ©anb=, 2uft=, Dampf= unb eleftrifcheSaber. ©ie werben balb auf ben galten Äorper, balb nur auf einen einzelnen Sßeil ange-- wenbet. Seßtere ftnb wieber ©turj= ober Saud)= , Doufch = , ©pciß= unb Sropf= bdber; bie 3Birfung betfelben ißt augenblidltd) unb feßr burd)bringenb. Sontra ©turjbabern mad)t man am h«uftgfteit bei Serrüdtßcit unb JRaferei ©ebraud); lefjtere gebraud)t man am meijfcn, um gelahmten Sheilen neued Seben ju geben. — 2lm gcwohnlid)flen oeefteßen wir unter bem Jfudbrudc Sdbec mineralifdie Sdber. Died ftnb fold)e, wojit bad SBaffer in einer eignen 58?ifcßung aud ber ©tbe quillt. (Sgl. Srunncn* unb Sabereifen, Dampfbdber, ©ootbaber, ©eebdber tc.) S a c v t (3ean), aud) Sart, geh. ju Dünfirdjen 1651, ber ©ol)n eine« gemeinen gifeßerd, nad) 2Cnbern aud bem fPfarrborfe ©otban in bem betnifdjen Sberamte 50?ünfter gebürtig, wo feine Familie nod) jeljt lebt, ©c fchwang ftd) unter ffrtbwig XIV. bid {um ßßef b’©dcabre empor. Die ^ollifnber, ©ngldnber unb ©panier nannten ihn ben frnnj6ftfd;en Seufel. Subwigd XIV. 50?arine oer= banfte biefem rauhen ©eentanne ben größten Sheil ber 2ld)fung, welche fte batnald bei anbern Nationen genoß, ©inft war Scan S. in Serfailled, unb berÄontg rebete ihn an: „SeauSaert, icl) habe ©ud) jum Sefeßldßaber eined ©efeßroabeed er= nannt". „Sire, baran haben ©ie wohl getßan", antwortete ber ©eemann. Die ■£>ofTeute lachten über biefc naioe Antwort, aber Subwig fagte ju ihnen: „Diediß bie Antwort eined 58?anned, ber feinen SBertß fühlt". 3ean S. brad)te eine 58?enge ßolldnb.unb engl, ©chiffe auf, oerbrannfe anbre, lanbete suDfewcaftle unb verheerte bad 2anb. 1692 begegnete er mit 3 Ätiegdfcbiffen einer ßolldnb. flotte, bie, mit ©etreibe belaben, aud bem baltifd)cn 58?eere fam; er fd)lug bie ©d)iffe, bie ffe becf= ten, unb nahm 16&auffahrteifcßiffr. 1694, ald ed in granfreid) nn ©etreibe mam gelte, gelang ed ihm, in ben $afen oon Dünfird)en, ungeadjtet ber fJBachfamfeit ber ©ngldnber, mel)rmald ©d)iffe mit ©etreibe einlaufen jtt (affen, ©inj? entriß er eine 2fnjahl foldiet ©chiffe auf bie fußnffc Sfrt ben ©ngldnbctn, in beren -ftanbe fte gefallen waren, unb würbe jur Se(ol;nung in ben 2fbelffanb erhoben. 9?ad)bem ■ er 1698 bie ©ngldnber getdufeßt hatte, bie mit einem 3 58?al flarfern ©efchwaber ben $afen blocEirten, traf ec auf bie ßoltanb. glofte, bie aud ber Sflfee fam unb aud 110 ©egeln beffanb, oon 5 Fregatten gebedt. Salb fiel bie Sebedung nebfi 40 ©chiffen in bie ©etoalt ber gcanjofen; aber ald er biefc fPrifen nad) Dftnfirchm führte, erfd;iencn 13 hollanb, £intenfd)iffe, unb er fal) ftd) genötigt, um einem SSafftnSbai S3agbab 611 ungleid)en Äanipfe ju entgegen, ben grbßfenSßcil feinet - SScute jtt netbtettnen. Set tpdmicfer griebe fegte ben Späten bed tapfent ©ceßelben ein 3iet. ©r 6rad;fe bic (egten Sfaßre feines gebend in Sitttfiwßcn gu unb ftarb bafclbft 1702. 35 aff in 6 b at, bet größte unb notblid)fic notbamerifa>iifd)e offlidje 9Rcer; bttfett, weldßen bet ©teuermann S3afftn 1662 entbeefte, liegt jmifdjen65 — 78° 9t. 35r. Surd) bic 33afftnd = unb Sanidftraße gwifd)cn bem ©ap Cßiblet) an bet Äuffe non Sabrabor unb ©ap garemell ein bet Ät'tfic non SBeftgronlanb firomt bie= fet 35ufen in bad at(antifd)e SReer. tfn bet fiibmeftücßcn ©eite bet Sanidftraße ßat burdf) eine Snfclmaffc bie 93afftndbai 33erbinbung mit bet cm 3Bal(ftfd)cn teilen .gjubfondbai. 2fud biefer 35ai fdjiffte Gapitatn fPattt) 1819, um bie 9torbwcft= paffagegu fud)en. (@. 9torbpolcppebttionen.) S3agbab, «fjauptft. bed turf. fpafd)alifd g(.9t., bet fubl.Sßeil non9Rcfo-- potamien ober 2fl=Sfcßefita, jeßt Stab tfrabi genannt (3200 DSR., 650,000 ©.), unter 44° 24' SD. 2. unb 33° 20' 9t. SSt., liegt größtenteils an bet Sfifeite bed Sigrid, ftbet ben eine 620 guß lange ©d)iffbtucfe gebt. Sad alte SSagbab, bie SReft'bcnj bet Äßalifen mit 2 9Rill. ©inw., lag, jegt in Stummem, an bet SBefb feite bed gluffed. Sad neue ijt mit einet 9Jtauet nott B'egelfteinen, ungefaßt eine beuffeße 9Reile im Umfange, unb mit einem 5 — 6 .Klaftern tiefen ©raben, ber aud bem Sigrid mit SBaffet gefüllt werben bann, umgeben; boeß ftnb bie Äanonen auf ben saßlrekßcnSRauertßürmen alt unb ttnbtaudjbat. Sad ©aftell beftreießt ben Sigrid unb entßdlt ein Bettgßaud, ijt aßet beiit ßaltbatet 9)lag. Sie Raufer, gtof?= tentßeild aud 3iegelfteincn erbaut, ftnb nur 1 ©toefmerf ßod), bie ©traßen un= reinlid), ungcpflafiert unb fo eng, baß bäum 2 $)erfonen neben cinanber reiten fon= ncn. Sie Raufet bet 33ermogenben jeießnen ftd) bureß eine beffere 35auart aud. Sndbefonberc ijt ber spalaf! bed ©tattßalterd geräumig unb ßat pracßtnoll mcublitfe 3immer. Sie offentlicßen 3?dber unb bie ©iffeeßdufet bet ©tabt werben, obwol in fcßlcd)tem ßufianbe, ßduftg befud)t. tfuf ben SRdrbtcn trifft man Sude an gebend-- mittein unb woßlfeile greife. SS. ift eine ^auptnieberlagc für atabifeße, inbifeße unb perftfeße ©rgeugniffe, fotoie für europdifeße SSRanufacturmaaren. ©inen gldtt-- jenben tlnblicb gemaßten bie 33agard mit ißren 1200 gaben, gefüllt mit allen (Haltungen orientalifcßec Söaaren. Sie $auptfabricate bet ©tabt beffeßett in rotßem unb gelbem Seber, welcßed in großem SRufe fießt, aud) in feibenett, baumwollenen unb wollenen 3eud)en. 9Rit .£>ulfe bet ©ngldnbet unb fPerfer ßat bet ^>afcßa eine Kanonengießerci angelegt. 35. ncrjteßt Äleinafien, ©ptien unb einen Sßcil non Europa mit inbifdtett SBaarctt, bie juS3affota eingefußrt, ben Sigrid in 35oten ffromaufwartd gcfdjifft unb buteß ©arananen nad) Sofat, Äonjtantinopcl, 2fleppo, Samadfud unb in bie mefflidjett Sßetle fPerftend gebradjt werben. 2(ud) mit S« 5 tnelen wirb einiger «fjanbel getrieben, ©in engl. fPoftfeßiff geßt gwifeßen SSagbab unb 35affora. Sßiele gtembe fttomen in 35. gufammen, tßeild in-jpanbcldgefdtdfteit, tßeild um bie ©rdbet bet ^eiligen, unter benen ftd) bad bed ^)topßeten @jed)iel be= ftnbet, ju befud)en. Sie ©ommerßige notßigt bie ©nmoßncr, in unfetitbifdjen ©emdeßern Äftßlung ju fud)en; bagegen ift ed im SSBinter fo falt, baß man bet (fieijung bebatf. Sennod) ift bie ©tabt angeneßm, gefttttb unb frei non peffartigen Übeln; bod) leiben bie ©inwoßner ßduftg an $autfranfßeiten. 35. wirb non Sür= feit, Werfern, Armeniern, Suben unb einer geringen '-tfnsaßl non dßtiffen bewoßnt; bie Surfen mad)en 3 93iertßci(e bed ©anjen aud. Sie Suben ftnb auf einen ab; gefonberten ©tabtbejirf befcßrdnft unb in einem dußerft bebrdngten Buftanbe. 9Rit Inbegriff ber Araber, ^ittboffatter, 3(fgßanen unb jfgppter, bie ftd) ßier nufjitßal ten pflegen, mag ftd) bic 33olfdmenge auf 80,000 belaufen. Sie Werfer, bic unter bembefonbertt ©d)ugc ber Sfegierung einen audgebreiteten >^anbcl treiben, ßabett bettSluf ber9fecßtlid)feit, Umftcßt unb ^lufricßtig^eit. Sie ßbßern 93olfdc!affen ftnb gegen grembe ßoffidjer unb aufmerffamer, ald fonft bei ben 9Roßammebanern ber 39* 612 SSaggefen i i Sali jit fein pflegt; bagegen jinb bie untern Glaffen »on allen »orbertfd?enben 2a= 1 ftern bed Srientd angeftedt, übrigens füfjn, unternel?menb unb gut 5ffiiberfe(j[id)f i eit 1 geneigt. £3. warb 766 »om Äl?alifen 2lbu ©iafat 2(lmanfor gegrunbet, in 4 3alp ! ren »ollenbef, unb im 9. 3of?rb- »on dpatun 211 Siafd?ib ju hohem ©lanje erhoben, 1003- fpater aber »on ben Süthen jerfiort. 3m 13.3abrl). warb ed non Sfd?ingid= Ähand ©nhel, fiolahu, erftürmt, ber ben regierenben Äfyalifen um8 2eben bringen ließ unb badÄhalifat»ernid?tete. 25ie9taci?fommenfd?aftbed©ro6ererdwarbl416 butd? Samertan unb 1436 burd? Äara ?)ufef »ertrieben. 3^ folg. 3ai)tf). bemei= ! ftertefid? ©d?ad?3dtnael, bererfte9iegent5perftendaudbem.f>aufe@oft, berStabf. ©eitbenr war fie unaufhörlich ein 3anhapfel5Wifd?en benSürhen unb fPerfetn. Stad? i einer benfwürbigen 58elagerung warb fte 1638 »om türf. Äaifer Jtmurat IV. erobert, unb «ergebend «erfud)te im 18. 3a!?»h- Stabir ©d?al?, fte ben dürfen ju entreißen. Üb. SSagb. f. m. 58uchingham’d „Steife (1816) nad? Sttefopotamienic." (58erl.l828). 58 a g g e f e n (3end, b. i. Smmanuel), ein bdnifd)er Dichtet, ber auch bec beutfdjen Literatur angeljört, geb. ben 15.Sehr. 1764 juÄorfor, hat bie ©efd?id)te f. 58ilbung im „Sabprintl?" (überf. »on G. S- Gramer) fetbfi ergabt. ©t bannte bie ctaff. Siteratur, fcf>rieb lateinifd) unb ftubirte mit ©ifer bie Äant’fdje 5pf?ilofopf)ie. 3()n befeette ein ebier ©ifer für Sicht rfnb 2tufhldrung. ©ein Gf?arahter als f?uniori= ftifd?er Sid?ter, bieSDtifchung bcS Barten mit bem Ärdftigen unb Stiginellen, jeigte fid? fcf?on in f. „.ftomifd?en ©rjafjUmgen" (1785). 35ann trat er in £>ben unb 2ie= bern als 5Did?ter beS ©rfjabenen auf. Älopftoch würbe fein SSorbilb in ber geipd?ett fPoefte, wie SJBiclanb in ber homifd?en ©rjahlung. Äunje componirte 58.’d „-fjallc* i luja". ©ein©6nner, ber fPrinj »on 4?olftein=2fugufienburg, unterftüfste if?n auf einer Steife nad? Sranhteid?, bie 58. mit bem 5Prof. Gramer unb mit grieberifeSStun j 1789 antrat. 2luf biefer Steife faf> er Sßoß in ©utin, ber il?m in ber SStetrib 5Bor= bilb würbe, dhlopftoch in Hamburg, bie $nmiUe Steimarud, ©erftenberg in 2f(tona, unb hnüpfte in 3ena mit Steinfolb eine fortbauernbe Sreunbfd?aft. 3» Sern »er= mahlte et fid) mit bed großen Roller’« ©nhelin, Sophie. 1793 reifte 58. mit f.grau «on Äopentjagen wiebet nad? 58etn, bann allein über 5töien nad? Stalien, wo if)n Setnom bid Stom begleitete. 1796 erhielt et in .Kopenhagen eine 3fnftetlung, bie fein ©inhommen fid?erte; babei reifte er mehrmals nad? fParid, wo bie großartige Söerroidelung aller 5öetl?altniffe feine ^fjantafte mdc^tig ergriff; bann ging er nad? 3talien, wo it?m fein 58ermanbter, -ö. fallet, @d?a(jmeifter ber ital. 2frmee, eine 58il(a bei SJtobena fd?enfte. ©eit 1800 lebte er mit feiner Samilie ganj in 5J)atid. 1811 warb er gum fProf. ber bänifdjen ©prad?e ttnb Siteratur in .Kiel ernannt, er= hielt ben ©harafter cined 3wfüjtatf)fi, nal?m 1814 feine ©ntlaffung unb ging nach .Kopenhagen. Sied war bie Beit feinedSid?terruf?md. ©cfjon 1802 fjatte er in feü nem „Älingflingelalmanadf?" (bei ©otta) bie ©onettenfpielerei gegeißelt; 1803 er-- fd?ienen jit Hamburg „©cbicfjte »on 3- 58aggefen" in 2 £3bn., unb 1808 ju Um- fterbam „^eibeblumen", 2 58bd?n.; unb ebenbaf. fein ibpl(ifd?ed ©pod ,,^artf)e= naid, ober bie 2flpenreife", worin, bei mand?em p^antaftifd?en 2lttdwud?d, bie jar* tefte Staiuetat mit ber erbabenffen 9taturfd?ilberung in wof?lt»nenben ^epametent fid? paart (n. 2fufl. 1819). 58.’d ^auptftdrfe lag in fleinen Siebern unb 3bpllm fomifd?en unb fati?rifd?cn 3nl?altd. 58efannt ijt fein „Sl?cclteb yy , eine geniale 5Ber= fpottung ber 3d?pl?ilofopl)ie. üngebrueft ift fein „Sauft", ein l?alb epifc^er, f)«® bramatifdjer Gpilud »on ©cbid;ten, bie »iele 2fudfdlle, jum Sf?eil perfonüclje, auf bad ultramontanifdjeunb fProfetptenunwefen enthalten; barin beftnbet fid? auchf. „@d?eerenfd?leiferlieb". ftarmlofer unb gartet, bod? ebenfalld reief» an tjumoriftü fd?en SSliifen auf unfere Beit, ift ffi.’d ©ebid?t „3lbam unb G»a" (2pj. 1827). — 3n Sanemarb finb mehre Sieber »on 58., u. a. bad: „2fld id? nod? ein Äinb war", SSolfdlieber geworben, ©ehr gefd?aht finb f. „3ahredgeiten" in banifd?er Sprache. 2>urcf? ©pott unb@ati?re, bie oft perfonfid? waren, reifte er Shlottfd?ldger unb 613 Söaguo 93at)vbt beffen grettttbe fo gegen ftd) auf, bajj ec Äopenljagen »erlieft. Überhaupt griff 23. ! jebe 2Crt »on 2fnmafmng oft mit einer $eftig8eit an, üt bet man ben finblid)=guten | unb im gefeltigen Umgänge bttrd) feinen originellen 5Bi(j ungemein tiebengwürbigen fDidjter nicht erfannte. 2£udE> »erwicfelte if>n feine ungeregelte ^fjantafie unb fein sffianberlebeit, §umal ba ^Rechnen feine Äunft nidf>£ toar, in manche Serlegcnl)eit; enblidf) litt et burd) Unglücfgfdlle manchen SSerluft. Sie ©rofimuth feineg fürftl. ©onnerg in Äopenfjagen »erlief if>n jebod) in fParig nicht. 9fad)bem er gegen f'6t= I perlid)e2eiben inSohmengS.uetlen .fjülfe gefud)t fjatte, reifte er fiber SteCben unb Seipjig nad) bemSaterlanbe ptrücf, ftarb aber fd)ott am 3. Set. 1826 in Hamburg. 1 S a g n o, italienifd): bag Sab; infonberfeit berjenige Srt bei ©atata, in bet j 9tdf)e »on Äonffantinopel, wo bie ©fla»en aufbctoafjrt werben, ©g beftnben fid) fjier 1 griecf). unb 2 fatf). .Siechen, jum ©ebrattd)e ber ©flaoen beftimmt. — 2lud) nennt man ©flaöenbebdltniffe überhaupt S a g n o g. S a t) a m a 6 ober lucapifd)e Snfeln, eine ©ruppe »on 700 Snfeltt unb gel= fentiffen an ber Sanf »on ©rofjbabama, jufammen 257 OSft., mit 17,000 ©. Einige Snfetn liegen an ber San? »cn Äleinbafama, unb einige »or bem ©anal nadf $aiti, ben Antillen unb Guba. 3f)t Sefth ifi für bie ©d)ifffaf)tt nach ben 2fn= litten »on SfBertf). Sbgleid) ben 5£copen nabe, probucircn fte wenig. Ser Soben ift ju bünn, ju faltig unb ju wafferatm, obgleid) fef)t bewalbet. ©nglanb legt gtofjen 5Bertb auf ihren Seftij. Sag Älima b«t 2 feljt gefunbe Sahregjeiten unb feine Srfane. ©ie waren ftarf beoolfert, als bie ©panier fie entbeeften. Siefe verfemten i aber bie Se»6lfetung junt Scrgbau nad; ^)aiti. Sie Snfel 9tew=fPtc»ibence ifl ©i& ber britifefen Dtegietung unb beit eine gefhmg, gort=9iaffau genannt. SJlan J führt Saumwolle, Butfer, gifebe, 2fmbra, ©alp Srteang, garbel)ot$ unb Gaffee aug. '^torbticber gebieb, außer am ©uabalquioir ©panieng, wofelbft bie ©rjielung »erfuebt würbe, testetetbigfjer nid)t. 2fud) biefefgnfeln haben, wie alle britifdje Golonien, il)r Sbet = unb Unterbaug. Sal)ta, »ormalg @.=©al»abot, big 1771 bie^auptft. Srafilieng, liegt an bet 2(Herbeiligenbai, welche bet ^)ortugiefe Gbriftooan Sacqtteg 1503 entbeefte, unb wo juerft Siego Ttlöarej Gorrea ftd) anfxebelte, in einer reijenben Umgebung, bat 13,000 bä. unb gegen 100,000 ©., bäumtet 40,000 SDSeife, ifl ber ©i| eineg ©rjbifcbofg unb Unioerfttat, bot ein fehr gefunbeg Älima, fowie einen ber be= ften ^afen Staftlieng, treibt ben lebhafteren ^anbel mit Sonbon unb Europa (116 ©rofhünbler); aud) ift if>r SSBallftfdjfang am ©übpol fehr bebeutenb. 2fug= fuhrartifel finb bie ^Orobucte aller Sropenldnber, Foflbateg ^>olj, ©ernürj, ©üb= früdjte, Steig, SRaniocf, Siinboiel), Butfer, Sabacf, Saumwolle unb Gaffee (»on fd)led)terer Sualitat alg jener »on tRio=be=5aneiro, weil ber Soben für ben Gaffec= bäum ju fett ift, aber wohlfeiler), heimlich werben ©olb unb Siamanten augge= führt. — Sie ©tatthalterfdjaft b. 9t. (2579 HfSt., 590,000 ©inw., baruntcr 173,000 ©fla»en) am gtufTe ©.=grancegco, wirb »on 9t. nad) ©. »on ben ©ebir= gen ©tio unb ©hampabo bttrd)jogen. S a b r b t (Äarl griebticb), Sheolog, geb. 1741 pt Sifd)ofgwerba im 9Rei)J= nifefen, ffubirte in ©chulpforte unb ßcipjig. 5Rit feltenen gahtgfeiten auggerüftet, tfat er ftd) halb heroor, aber biefe frühen Erfolge erjeugten einen ©eift ber Unruhe unb glüdjtigfeit in allen feinen ©tubien, ber auf feine ganp literarifche Saufbahn einen nad)theiligen ©influf h attc - 1762 warb er Äatechet in Seipjig, unb bei ber Uni»etfitdt alg aujterotb. ^rofeffot ber biblifchen ^h'tolcgit angeftellt. @t hatte , bereitg einige ©d)riften über 3lh c olog!e unb biblifche Äritif herauggegeben, worin bie 9tid)tung feineg ©eiffeg unb bie Meinungen wahrpmehmen finb, bie ihn in ];] ber golge augjeichneten. ©ein Salent alg Äanjeltebner erwarb ihm mehr 9?uhm; f’t allein eine jugenblicbe ?fugfdiweifung nothigte il;n, 1768 Seipjig jtt »crlaffen. ©r begab ftd) nad) Erfurt, wo er eine ©feile alg ^rofeffor ber-^htlofophic «nb ber 614 33af;md)t 33di;u»g hebrdifd)cn erhielt. 1769 erwarb er bie f()cologifd)c Soctormürbe ju ©dangen. Sn ©rfurt fctjrieö er feinen „Söerfuch eines ©pffemS ber bibiifd)en Sogmatif" unb (anonpnt) „SBünfdje eines (fummeit «Patrioten", jmei SÜßerEe, bereit heterobope ©dge il;n in heftige ©treitigleiten »erwicfelteit. Sie tl)eologifche Sacultdt ju SBittenberg uerurtl)eilte feine Sefjrc als fegerifd) ; bagegen bie gottinger theologifcpe gacultdt ein minber ungünfiigeS Urteil fällte unb eine SSercinigung beiber Parteien ju »ermitteln fucl)fe. 9Rand)etlei Unannehmlidjfeiten, »ctbunben mit feiner natürlichen Unruhe, möchten if>m feinen Tlufenthatt in ©rfurt unertrag= tid). ©r ging 1771 nad) ©iefien, i»o et tl)eologifd)e SSorlefungcn fjielt unb mit S3ei= fall prebigte. Tibet feine fjeterobopen SReiniutgen unb ber ^>a(j ber ©eifflichfeit, bie er ju wenig fdjonte, jogen ihm neue Jpanbel ju. ©ein pctfoitlicbcS Setragen, bas nie regelmäßig gewefen, bradjtc ihn in Äurjem um bie offentlid)e Tlcf)tung. 1775 warb er nad) 9Ratfd)linS in ©raubünbten berufen, um bie bort unter bem «Ramm eines fPhitantl)topin be|fel)enbe ©rjichungSanfialt $u leiten, ©r blieb bafelbjt nur 1 Stil) 1 '- Unjufrieben mit bem SBorjlefjcr ber Tlnffalt, ergriff et bie etjfe ©elegem l)eif, fiel) »on if>m loSjumacf)en, unb ging als ©encralfuperintcnbent nad; Sütf= beim im Sü^ffentfjum fieiningen=Sad)Sburg. Tiber attd) hier mar fein Tfufentfjait nur »on furjer Sauer, ©r lief fiel) 1777 baS unbewohnte ©djlofj ju ^eibeSljeim betSBormS einrdumen, um eine bem fPhilanthropin dl;nlid)c Tlnffalt ju erridjten, bie aber, übel organiflrt unb geleitet, nid)t beflogen fbnnte. SSergeblid) machte et eine 9reife nacl) dßottanb unb ©nglanb, um ßcglinge bahin ju führen, ©in Ur= theilSfprud) beS 9teid)S()ofratl)S erklärte ihn für unfähig, irgenb ein gcijilichcS Timt ju »erwalten, unb »erbot il)m, im ganjen 9leid)c ©frnaS im SrucE hermtsjugeber, bc»ot er nid)t bie in feinen frühem Schriften auSgefprodjenen religiofen 5Reinun= I gen mibcrritfen habe. 3ur Safe bicfeS UrtheilS biente bie 2. TluSg. feiner Überfcgting I beS 9T. Stoff., beten erfie bereits angefod)tcn worben. TlllerTluSftdjten beraubt, fanb er eine Sufhtd)t in ben Bdnbctn beS ÄönigS »on fPreujjeit. 1779 ging er nach wo er fein ©laubcnSbefenntnif h etrau8 gat>, in metd)em er weniger als je bie £>rtf)o= borie unb bie ©eifflidjfcit fd)onte. ©eine Sehre war ein reiner SeiSmuS, ber hempb fdd)licl) bie SBtntbcr »erwarf. Tfttch gehörte bie Unjferblichfcit bet ©ecle nicht ju feinen pofttiuen ©dgen. 3« >f>a(le laS et über fPhilofopliie, Of()etorif unb alte ©pradjen ttitb fegte jugleid) feine tl)eologifchen Tfrbeiten fort, ©einStuf »erfdjaffte ih«t 3ul)5rer j aber fein unruhiger, ffrcitfüd)tiger ©eiff jog ihm neue SBiberwfo tigfeitett »on «Seiten ber ©cifflidjen jit. ©r »erlief bie ©tabt, um »ot ben Shoren betreiben einen «ffieinberg ju beziehen, wo er bie 9folle eines ©ajlwirtljS übernahm unb halb ehemalige 3ul)6rec, fo wie «Reugietige burd) feinen Stuf herbeijog. 3wei ©d)riften aber, „SaS SteligionSebict", ein fPaSquill auf baS f'. preuf. UteligionS-- ebict, unb „Sie beutfclje Union", worin ber S3otfd)lag ju einer religiofen Serbinbtmg gemadjt würbe, ber fowol bie Sheologctt als bie ^Regierung beunruhigte, »crmicfcltc ihn in eine Unterfitdjung, in beten g»lge er ju 2jdl)tiger gejfungShaft in 9Ragbe= bürg »eturfl)cilt würbe. Set Äonig fegte bie 3eit auf bie $alfte herab. 25. benagte biefeS Saht, bie ®cfd)id)tc feines Bebens unb feiner SReinungett $u fdjreiben, lebte nad' wicbererlangter Freiheit auf bie »orige SBeife in Jpallc unb ffarb 1792. Unrc= gelmafigfeit, feibff bereitetes UnglücE unb häuslicher .Summer fürjten fein Beben ab. — 33. fprad) unb fchricb mit einnehmenber Beid)tigfeit; cS fehlte ihm, wenn eS barauf ant'am, nicht an geuet unb 9Tacl)brucf. ©ein ©tpl war jierlid) unb fein ntünblidjer SSortrag angenehm, ©eine Söierfe, feibff feine getehrtejtcn, »crratl)eit nur unuolljfdnbige Äenntniffe; eS fehlte ihm att ber SRufje unb ©eiffeSrul)e, ohne bie lein ©tubtum mit STufsen betrieben werben Sann; aber burd) Übung im SiSpu= tireit hntte et ftd) mit gewiffen ©eiten ber Sfjeotogie unb ÄritiE »ertraut gemacht. Sahrrecht, f. Stbalien. S d () 11 n 9* 1) ® 0 ‘tnue Sdhungen Werben gemacht »on Äleic, Tlfche, ©alj, SBatent 615 S3at ©olle, SrtuB, 2of)c, dl)tnarinbe, aromatifd)en .Krautern, and) dampf)«: unter 2fn= tucnbung gemdimtet Bcud)e, gebrannter drbe itnb SMetalle, um bie Stßdrme ber ^iauf unb bei unten liegenben SH;eile ju erhoben, baburd) ©d)merjen ju linbern, Ätämpfe ju beben, bie Ttugbünftung ju oermebten, bie Sl)dtigfeit überfüllter Spmpbgefdße un ^ Me Eebengfraft beg tfibenben Sfjcileö ansuregen. 2) SBarme unb feuchte S3df)utigcn mad)t man mit Seinmanb, Sfattell, fcbnell auggebuuftem 58abe- fcbroamm, Sfjierbtafc, bie man in einen fjeifen Äcduterabfub cintaud)t unb btut= roavm auf ben leibenben Sbeil legt, fobaß if)tt jugleid) bei Qualm berührt; bcn Umfldnben nad) 6df)t man and) mit feuchten Sdmpfcn. ©ollen bie {Bähungen fiatfen, fo braucht man baju gemürjbafte .Krauter, Sittm je. 3) .Kalte S5df)un= gen macht man enttoeber, inbem man bag fdlteffe SStunnenmaffer in einei £)d)fem blafe, ju einem mäßigen Sb e r Safein gaben) allein nad) SDiannert ftnb bie im füblicfyen Seutfd)(anb urfprünglid) anfdfft'g gemefencn Sonaufelten (S3ojer) vertilgt ober auggcttieben morben. Sn bie oerbeerten 5öof)n= ftge betfe(6en — eine SEBüfle um ddfar’g Beit, romifdje £anbfd)aft (SSinbelicien unb Sioricum) feit 2fttgujlug—jogen um bie Beit berSSoIfctroanbetung reingermantfd)e {Golfer ein, unb am dnbe beg 5. Sa£)il). ertoucbfcn aug fßerttlern, Siugietn, Surci= lingen unb ©fpren bie 33 a j o a r i e r, ein {Oolferbttnb gleicf) ben Stanfett, ben 3ftarf= mannen, ©ie breiteten ftcf) oon Siortcum mefilid) aug big jum Sed). Siegengburg mürbe ^auptort. Sicfeg Sanb ()iep bamalg -Sioricum, unb mar, nad) SJtannerf, benSfigotfjen nie untermorfen. Bubem offgotbifd)en9icid)e gehörte bloß bag j. Sb- oon ben aufgenommenen 2f(lemannen bemobnte 9il)ätien, melcbeg bei 2ed) oon 33aiern fdjieb (496). 5ffad) bem Salle bog ojigotbifd)en 9feid)g famen bie granfen in ben SSeftfj oon Sibätien, unb bie SSajoarier, obmol fte eigne fperäoge ober Äb= ttige butten, mürben abhängig oon ben fränfifd)cn Königen in 2(ujlraficit. Siefe 3U>bängigfeit marb aber erfl unter ben .Karolingern befefiigt. Ste SSaietn retteten ißte S3orred)te unb bie ;Sreif)eit, ifjrc Siegenfe unb Selbberren felbft jtt mdl)len; man ift nid)t gemiß, ob fte ißre Surften Könige ober -fjerjoge nannten. Sie ©e= fd)id)te nennt uns um 556 bag ©efd)(ed)t bei 3tgi totfinger, bag big gegen bag dnbe beg 8. Snb l 1>- |?tb jeneu SBürbe behauptete, unb aug ihnen fennen mir ©aribalb, bei ju 9iegengburg feinen ©iß butte. Sbufftlo’gl. (590) ^Regierung mürbe burd) bcn 2fnfang ber Äriege mit bcn flatoifd)en ©tdmmen unb bereit 35un= beggettoffen, ben3(ouren, merftourbig; £)bilo, ber ©cbmiegerfol)n Äurt9Äartel’g, nahm ben fonigl. Sitel formlid) an, marb aber oon feinen ©djmagern Äarlmamt unb ?>ipitt beftegf, alg er ber frdnfifd)en Sberbobeit fid) formlid) entziehen mollfe (743). Unter f. {Regierung tbeilte berdrjbifdjof 35ontfaciu§ biebaicifd)eÄtrd)einbie 4 83igtbümer ©aljburg, '^)affatt, Siegengburg unb Sreifntgen. Sbafftlo II. (748), ber mit bem nachmaligen großen Äart an beffen äktet-g ( s f)ipin), f. Sbeimg, >f)ofe exogen morben mar, mußte biefem Settern auf bem 9icid)gtage ju dompiegtte ben 5ßafal(enetb febmdren, erfldrte aber biefen für ungültig unb oerbanb fiel) mit bem Songobarbenfonige Seftberiug (f. ©d)toiegeroater)unb bem aquitanifeben c^erjoge. de naßm (777) f. ©obn Sbeobor jum SOiitregenten an, fd)loß nach bem Salle ber lombarbifd)en Spnaftie, bereit Ärone Äarl ber @r. ftd) aufgefeßt butte, gegen bic= fen mit ben 2(oaren einen S3unb, mttrbe oon Äarl beftegt, in ber Sotge oon biefem gttfg neue ber oerlegten Sebngtreue befcbulbigt, oon bem Sieid)gtugp ju Sngelbeim 616 SSaietn (®efcf)tcf)te) (788) jum $£obe »cruttljeilt unb »on Karl mit feinet ganzen gamilic in Klofier »er, bannt, wo fein ©efd)lcd)t crlofcf). Karl hob mm auf einem Sanbtage in9?egeng= bürg (788) bie hetjogl. 2öürbe in Skiern auf (obmot eg ben Sütel unb Slang eine« ; ^)eräogtI;umö befielt), beftellte f. ©d)wagcr, ben fd)t«äbifd)en ©rafen ©etolb, jum (Statthalter, unb führte bie fränfifd)c £el)ng»erfaffung in «fjinficfyt bet ©e, rid>t6pflege, bet Sermaltitng öet ©atte burd) ©rafen unb beg -^eerbanncä ein. Sie gamilienbefi(5itngen bet 2fgilo(ftnger mürben fonigl. Kammergüter, bet 3ei)n= ten für bie @eijllid)feit warb eingefufjrt, bet bifcfyofl. Stul)l 5« Satjbucg jum @rj= i biStfjume erhoben, unb an ben ©renjen würben SJtarfgtaffchaften gegen bie fcmb= - licken 9fad)barn (©otben unb SSofjmen) errichtet. 799 warb bet ©nflttß ber Siaab ■ in bie Sonau Saietng ©renje, bag nun, aitjjet bem eigentlichen Saietn, Sitol, ©a^burg, ben größten Sfjeit non Sftreid), bie Sbcrpfalj, Dleubttrg, ©ichftäbt, Klnfpad), SSaireuti), Samberg, Sfürnbetg unb bie ©ebiete non SBeißenbutg, Stotblingen unb Sünfelgbühl umfaßte. Sei bet Sanberttjeitung, bie Kart ber ©r. »ornahm, erhielt fPipin nebft Italien aud) SSaietn, wie St)afftlo II. eg befejfen hatte. Stad) beg Kaifetg Sobe gab Subwig ber fromme, bet einzige feinet Sohne, welcher i()n überlebte, bieg Sanb f. ältejlen ©ohne Sotljar alg Königreich, welches nach beffen Erhebung jut SOZitregentfchaft auf bem Kaifertl)rone (817) an Subtnig (ben Seutfd)en) fiel. Sie weltliche SKacbt bet §Sifchofe hatte bighet ftd) immet mehr befefiigt, unb bie an bie ©teile beg ©tattljalterg eingefe|ten ^fatjgrafcn ge= langten $u großem 31nfehen. Stach Subroigg Sobe (840) warb fein ©ohn Kart mann König non Saiern, woju bamalg auch Kdrnthen, Krain, Sftrien, griaul, Pannonien, Sof)men unb SJtdhven gehörten, ©ein Srttber, Subwig III., folgte ihm (880) burch freie 2Baf)l ber ©tdnbe Saierng in biefem Sanbe, wonon aber Kdrnthen abgetiffen würbe; burch f. Sob (882) fam Saiern an Karl ben Siefen, nach biefem an Jfrnulf (887) unb bann (899) an beffen ©ohn Subwig IV. SSon Karl bem Siefen an machte Skiern einen Sheil ber wieber unter Grinem «Jjerrn »er= ■ einigten ©taaten Karlg beg ©r. aug, litt aber befonberg unter Subwigg Stegierung »iel burd) bie (Unfälle ber Ungarn. •— SJtit Subwig IV. (911) war bag farolingifcße ©efdjlecht auggeflorben, unb 2frnulfII., ©ohnbeg baitifchengelbherrnSuitpolb, feit < 9079Jtarfgraf unb ©eneral,nahm mit Buftimmung beg Sotfeg bie herzogliche SBürte unb fottöeraine ©ewalt an, alg „aug ©otteg Sorfeljung ^erjog ber Saiern unb ber umliegenben fiänber", wie er fleh felbfl fchrieb. Stadh feinem ©treitemitbembeutfd)en König Konrab empfing er «on biefem Saiern alg Sehen. Unter f. Nachfolgern war Saiern bet ©chauplab fortbauernber Kampfe»on2(ußen unb im Snnetn, unter benen wir beg Spfalggrafert 2frnulf «on ©chepern ©mporung gegen ben dperjog Heinrich I. unb ber ©treitigfeiten $einrid)g II. mit Stto unb -^ejito gebenfen. SBie bag beutfdje Neid) felhft oft mehre Könige neben ftd) unb wiber einanber hatte, fo befaß auch Salem mehre SJtale 2 ^erjoge jugleid). Nachbem eg burd) bie enteblfernben Kreuj$üge unb ben ewigen SSechfel ber Herzoge, betten eg »on ben Kaifern halb gegeben, balbgc= nommen worben, einige Sahrfjunberte burd) vielfältig gelitten hatte, erhielt eg, nach ber3(d)tgerflärung .fpeintid)gbeg£6wen (f. b.) berbairifchefPfaljgrafStto >| «on SBittelgb a d), ein Stachfomme beg obengcbachtcn^erjoggJfrnulf ©rafen«. ’i ©chepern (1180); jebod) waren ©teiermarf, bie welftfd)en gamiliengüter unb mel)re ] bebeutenbe Sdnbereien (biefe (extern ju ©unfien ber ©eiftlichfeit) abgeriffen worben. Siefet ^jerjog £)tto „ber ©roßere" (geft. 1183) ijl ber ©tammoater beg noch jefct regierenben cjbaufeg. Unter f. tätigen Nachfolger, Subwig I., warb SaietnS ©ebiet beträchtlich erweitert; aud) erwarb et bie SRheinpfalj. ©r warb (1231), wahrfcheinlich auf 21njtiften beg beutfehen Konigg ^einrid), über beffen ©mpörung gegen f. SSater, Kaifet griebrid) II., ber Herzog ftd) unbilligenb geäußert hatte, er= morbet, unb hatte f. ©ohn, ben fPfnljgrnfen am Schein, Stto ben ©rlaud)ten, jum S^achfolger. Unter biefem machten ftd) bteSifchofe unabhängig; bochwarb 617 SBatcrn (®efcfytd)te) baS ©cfeict beb ©taatb nid)t unbebeutenb nermehct; f. Hinneigung jurn Äaifet jog ihm bcn papfilid)en Sannfitahl ju (ft. 1253). ©eine ©ohne, Bubwig unb Heinrich, regierten 2 .gaf)ce gemeinfdjaftlid); fre feilten (1255) ftd) in ba 6 £anb, fobaf gubwig Sberbaiern, Hcinrid) aber (Riebetbaietn erhielt, fceffen ginie fd)on nach wenig Safjren rnieber auS fiarb; an SSeibe jufammen ftel bie Grbfd)aft beb ungtücflichen Gontabin (non Hofjenfiaufen). Ginet non Bubwigb bciben ©bfjnen, gubwig, gelangte jut Äaifetwütbe (alb Bubwig IV., bcr ffiaiet genannt) (1314) (f. b.). (Dtefer errichtete mit f. SSruberb ©ohnen einen Sheilungbnertrag, gefchloffcn ju (Pania (1329), nad) wctd)em er ihnen bie Unter; unb Sberpfalj überlief, für ftd) aber blof Sberbaiern behielt, worin and) bab SBechfeln ber Äur= fiimme jwifdjcn beiben Sinien rtnb bie Erbfolge betfelben nad) bem Grlofchen beb SJfannbftammeb ber einen ober ber anbern ginie genau befiimmt würbe. S3ermoge biefeb üßertrageb nereinigte bcr Äonig SRapmilian Sfofept) 1799 alle ©taaten ber wittelbbachet Spnafiie. (Rad) bem Grlofchen ber nieberbairifd)en £inie nereinigte Äaifer Bubwig, nad) bem Sßillen ber©tanbe, ganj (Riebetbaiern mit Sberbaiern; bie ifnfprüche bcr (Pfatsgrafen am Scheine unb ber Hetjoge 13011 Öfireid) würben babei nicht beachtet; blof eine 2lbftttbung erhielten fte in ber golge (1348). Äai= fcr gttbwig, gtof alb Äaifer Seutfd)lanbb unb gtof alb (Regent non Saiern, er= warb ftd) um f. ©tammlanb ttnenbliche SSetbienfie; inbem er ein neueb ®efe|= buch für Sberbaiern, eine ©ecid)tborbnung für (Rieberbaietn einführte unb 9Rün= d)cn bab ©tabtredjt erteilte, orbnete er aud) bie innere 33erwaltung. Unleugbar legte er aber burd) f. 3 urinffehung ber pfaljer ginie ben ©tttnb 5 U bem gamilien; jwifl ber pfaljifchen unb bairifcben ginie. Siefct grofe Äaifer, Saietnb fitahlenbet (Ruhm, fiarb b. 11. Set. 1347, mit Hinterlaffung f. 6 ©ohne aub 2 Ghen unb eines reichen Gcbeb, bab nid)t nur aub (Saiern befianb, fonbetn mit bem aud) Stanbenbucg, bie tjollanbifcben unb fcelanbifd)en (Ptoöinjen, Sarol u. f. w., ner= bunben waren. Sod) biefe fProoinjcn gingen burd) Steilungen unb ben 3wifi ber ginien halb nerloren. Sie meifien ber non bcn 6 Stübern gegrünbeten giniett fiatben fchnell aub; nur bie ginie 2Ründ)en nereinigte bab jettiffene Grbe jum Stheil wieber. 1506 nereinigten ftd) bie ober= unb nieberbairifd)en ganbfianbe ju einer ganbfianbfchaft,unbH‘’tä °9 Tflbect II. (non ber münd)nerginie), non ben (Radlet len ber bisherigen oftern Shcilungett für bcn (Regenten unb bie Unterthanen über= jeugt, errichtete, mit Ginwiliigitng f. Sruberb (Söotfgang unb ber ganbfianbe, eine pragmatifd)c ©anction, in welcher bab (Recht bcr Grfigeburt eingeführt unb bie jdh r = liehe TCbfinbmtg ber nachgeborenen ©ohne beftimmt würbe. 2flbert fiarb 1508. — SSon f. 3 ©ohnen (dBilhelm IV., gubwig, Gruft) füllte alfo Sßilhelm bie alleinige (Regierung erhalten; bocf> nach mattd)en ©treitigfeiten fam eb ju einet gemeinfchafO liehen (Regierung äWifdjen SBitf)clm IV. ttttb gubwig, bie non 1515 — 34 bauerte, wo gubwig fiarb, unb burd) ben SBiberfianb, ben beibe gürfien guther’b (Reforma= tion leifieten, ftd) aubjeid)nete. gutl)er’b ergrimmtefierSBiberfadjer, SohannGcf ju Sngolfiabt, lebte unter ihrem ©d)it( 5 e, ben fte notjüglid) aud) ben Sefuitcn ertheiO ten. SBilhelm fiarb 1550; f. ©ohn Tltbert V. (ber ©rofmüthige) folgte ifjm. 2 (ud) er begünfügte bie Sefuiten, war aber ein fchr freigebiger Sefbrbcter aller SBiffenfchaften unb Äünfte. 2fuf ber trienter Äirdjennerfammlung ermächtigte ec f. ©efanbten, auf ben ©enuf beb 2lbenbmat)l3 unter beiberlci ©efialt anjutragen. Sie ganbfianbe erlangten non ihm grofe 58orred)te. Gr fiarb 1579. SSon 3 ©ohnen folgte il)m ber altefie, 9Bitl)elm V. *), genannt ber gtomme, ber fchon 1596 f. ültefien ©ohne SRajcimilian I. bie (Regierung überlief unb ftd) fetbft in flofierliche Ginfamfeit jurücFjog. SfRapimilian, mit feltcncn ©aben aubgefiattet, *) ©ein 2. S3ruber, gerbtttaitb, nerbeirathete ftd) mit ©enefmigung 5ESit£)clmS mit ffltaria ^eterbetfin, ber Sodjter eines 9fentfd)reiberS ju SRündjen. gerbinanbs •Rinber mürben nom Äaifec jtt ©rafen noit SD3artenberg ernannt. 618 Skiern (®e[d)id)te) war bie ©eetc bec gegen bic Union ber (Proteflanten ftd) bilbenben Siga. 5m ©ange beS auSgebtochencn bretf igjafw. .Krieges mürbe (Warimiltan »om Äaifct getbinanb II. (1623) mit ber pfalstfchen Äutwütbe (aud) bem ©rbtruchfefamte) belehnt; S3eibeö mürbe (1628) auf bie ganje 3Bilhelmfd)e Sinie auSgebehnt. fDcrweftfalifdicgtiebe fieberte (Wapimiliatt bie Äurwütbe, ben (Befffs ber £>berpfatj gegen (Bctjichtlcifiung aufbaS wegen 13 (Will. @lb. liquibirter.KciegSfoffen»erpfanbete;Dbct6jfreid), woge» gen für bie pfa(jifd)e Sinie eine neue, bie ad)te Äur, errichtet, unb beffen foiger in SBürben unb Säubern, nad) bem (Stlofdjcn ber 2Bi(()elmfc()cn Sinie, feff= gefegt warb. (Wapimitian ftarb (b. 27. ©ept. 1651) nad) einer 55jdi)t. 3?egie= rung. ©ein ©ofm ^etbinanb (Waria folgte ihm, unb biefem 1679 fein d(te(ier s Prinj, (Wapimilian Gümanuel. 5« bem fpanifchcn ©rbfolgeftiege erfarte fid) ber Äurfürft für granbteid). Wad) ber unglücflicheit ©ci)(ad)t bei 4?öd)jfabt (ober (Blinbheint) warb (Baiern »on bem Äaifet als ein erobertes Sanb bcf>anbe(t, bet Äutfürjl (1706) geachtet unb erf! im grieben ju S3aben (1714) mieber in feine gdnber eingefegt. Wach f. Xobe (1726) folgte ihm Äarl 2Clbred)t in ber Äurwütbe. Obgleich biefer bie pragmatifd^e ©anction Äaifer .Karls VI. unterjeidjnet hatte, fo nahm er benitod) nad) beS KaifcrS Xobe unb bem für ben König »on (Preußen glücftichen Anfänge beS erffen fchleftfdhen Krieges bieganje oftr. ©bfchaft in Jim fptuch *), unterwarf ftd) mit ©ewatt ber (JBaffcn ganj Sbcroffreid), nahm ben Xitel eines ©tjheräogS »on tÖfheid) an (1741), tief ft'd) in bemf. 5. nad) ber Grirn nat)me «on (Prag atS König »on (Böhmen hulbigen unb warb fogar (1742) ju granbfurt jum beutfd)en Kaifer (als KartVIl.) gewählt. 23 od) hier war bet höchfle ©ipfet f. ©lüefs erreidjt. SDßie er »on Sftreid) unb (Böhmen fid) hatte hulbigen taffen, fo tief, nad) ber ptogtidjen SBenbung beS SöaffengtücfS (1743), -(Warta Xhereffa ftd) »on (BaternS ©tanben unb ber Sberpfatj hulbigen. Ungeachtet ber jwifchen it)in, bem Sanbgtafen »on Reffen = Kaffel unb gtiebrid) II. gefd)(offcnen Union (1744) unb ber gortfehtitte, wetd)e bic preuf. (Baffen madjten, fam Karl befonberS butcf) beS öfir. gelbherrn, Karls »on Sothringen, latent unb Übermacht abermals in bie (Berlegenheit, (Baiern preisgeben ju müffen. @r erlebte baS ©ibe beS Krieges nid)t, inbem er am 20. San. 1745 ftarb. ©ein ©ofjn unb 9tad)= folget, (Wapimilian SoTeph III., ber anfüngtid) aud) beit Xitel eines Grrjh cts jogS »onÖftreid) angenommen hatte, »erjohnte ftch mit £>ftreid) einige (Wonate barauf im gtieben ju güffen (22. 2lpril 1745), trat ber ©cwahtleiffttng bet prag= matifdten ©anction bei, fieberte bem ©rofherjoge granj f. ©timme jur Kaiferroahl 5 U, unb erhielt bagegen alle »on Sffreicl) eroberten bairifchen Sanbe jttrücf. (Wapi= mitianSofephmibmete fid) nun ganj bem (Seftrcbcn, fein Sanb gtücflich ju machen. 2ltfetbau, ©ewerbfleif, (Bergbau, ©erid)tSpflege, ^Oolijei, ginanjwcfen unb ©d)u= len würben »on ihm mit gleicher Umfid)t unb regem ©fer bcad)tet; bie 5Biffenfd)af= ten erhielten einen ©tüg = unb (BereinigungSpunft burcl) bie Stiftung ber jlfabemie bet 5Biffcnfd)nften ju (Wttnchcn (1759), unb bie Künjte fanbett an ihm einen groß* müthigen (Befchftfcer. — ?(t(e feit bem (Bcrtragc »on (Pa»ia (1329) beftehenbe ©b= »ertrage mit bem pfäljifchen Kttrhaufe beftatigte er, ber ohne Kinbet war, unb »et= *) @r grünbete f. 2tnfprüd)e auf ben ©he»ertrag jwifdjett fberjog Ulbert V. unb beffen ©emahlin, 2tnna, Äaifer gerbinanbsl. Soihter, worin eS attsbntcfltd) gefeifen haben folt, „baf 2Ctina, ober beren Stadjfommen, alle oftr. Staaten erben follten, wenn getbtnanbs Stamm ohne männliche (ärben auSfierhen würbe". (®iefer (Bertrag war aud) bttrd) gerbtnanbs Seftamcnt betraftigt worben.) Sn SBiett behauptete man bagegen, cS ftefe in jenem SSertrage: „ofitc einige (ärben". epier war baS Stedit offenbar auf SRaria ShereftaS Seite, theilS wegen ber anerkannten pragmatifefen Sanction Äaifer ÄarlS VI., tfeifö weil Staifer gerbinanbl. offenbar Weber als SReidjS* fürft noch als Äbnig »on Ungarn ober Sbljmcn ju einer foldjen SiSpofition berec£)= tigt war. (är beftatigte ben St)c»ertrag im Seftamentc, weil er für feine nadjfte ©eneration »erfügte) an eine fernere tonnte er nid]t benfett. 619 93atent ((Scfcfyicfjte) gönnte nod) notif. Sobe felbft bem Äurfurjfcn Äatl 5£l)oobor non bec^fatj bie9Ied)te beg SJIiteigcnthumg. — ©owol nad) ben SBcrtrdgen bcö 2öittelgbacl)’fd)en $aufeg alg aud) nad) ber SJeffintmung beg wefffalifcßcn gtiebeng gehörte bem Äurfürffen oott ber (Pfalj unffreitbar bie 9tad)fotge in SSaietn, ba mit bem 2Cbfferben miliatt Sofeph.f (b. 30. Sec. 1777) bie 2Bittelgbacl)=bairifd)e ßtnie erlofd). 2fber plo&licl) tcat Öflreicl) mit 2fnfprüd)cn nttf 9liebetbaietnberoor,bie eg nod) nor einer beffimmten Erfldrung mit bcnSBaffen in ber^nnb butdjfegen trollte. Ser finber= (ofeÄaclSbeobor ließ ftd) bereben, eine Übercinfunft ju unterfdjreiben (b.3.unb 14. Satt. 1778), in welcher er auf bie baitifdjc (Srbfdfjaft förmlich «ecjidjtete. Allein ber dperjog non Stneibtücfen (Snf'el beg jcfet tegierenben Äonigg) erfldrte ftd) alg ndch'jter 2lgnat tmb mutmaßlicher gebe, non griebtieß II. baju neranlaßt, gegen jene 33erjid)tleiftung. ^ierbutd; würbe ber bairifd)eErbfolgefrieg neranlaßt, jebod), nod) ef)e eine@d)lacßt geliefert worben war (l)auptfdd)(icf) nad) ber ntffifd)en Erfld= rung wiber Sftreid)), burd) ben tefä)ner gricben (13. 9J?ai 1779) beenbigt. Sem Äurförften non spfatjbaicrn würbe ber SSeft'b S3aiernS, non welchem Sftreid) nur bag Snnniertel mit SSraunau erhielt (38 DÜft.), auf bie pfaljbairifdben d?aug= nertrdge jugeftd)ert unb nerbürgt. Surd) biefe Bereinigung ber baitifchen ßanbe erlofd) jttgleid), nad) ber 33orfd)rift beg mcfffdlifd)cn gtiebeng, bie ad)te Äurwurbe. — Sod) 1784 crtnad)te in SBien ber Sßunfd) nad) bem S3e|f|e 83aierng mehr alg je, unb man fd)lug einen Saufcßplan uor, ber fd)on im Anfänge beg Saht- Sitt @prad)e gekommen war. Äaifer Sofepß Ü- udmlid) ließ bem Mrfurften beit 3fn= trag machen: Skiern gegen bie oflr. OJieberlanbe (mit 2fugfd)luß Supemburgg unb Sfamurg) unb bie (Summe non 3 SDfill. ©ulb. für fiel) unb ben >£>etjog non j3wei= brüefen, unb Annahme beg Sitelg alg Äonig non SSurgunb ju nertaufdjen. Sod) biefe non 9tußlanb begunftigten Unter()attblungen feheiterten an ber geffigfeit beg .fjerjogg non gmeibrüefen, mit tneld)er biejer, ^Preußens ©djußeg gewiß, erfldrte: „baß er nie f. Einwilligung in eine SScrtaufcßung f. altndterlid)en Erblanbe geben werbe". Ser Ernff, mit welchem griebtid) II. ber ©aeße Skierng ftd) annahm, ba er einen folchen Slaufd) nicht nur alg einen S3rttd) beg non ihm mit garantieren tefdjner griebeng, fonbern ßauptfdcßlid) auch alg eine SSerleßung beg reirf)6ner= faffunggmdßigen ©!eid;gewid)tg ber beutfeßen ©taaten betrachtete, nerurfad)te, baß man in ffiBien jene Sbee tnieber fallen ließ unb jugleid) erfldrte: „baß man an einen erswuttgenett ober getoaltfametiSaufdjniegcbachthabeunbnicbenfen werbe". (®gl. Surften btt nb.)— Sfterftourbig warb außerbem Äatl SSßeobotg Sfegierttng noch burd) ben in Skiern entjlanbenenSrben ber Siluminaten (f.b.), ben gegen biefe geführten (Proceß unb ben ftd) tnieber emporbebenben Sefuitigmug; bie fPreß; feeiheit warb unter biefen inttern Äampfen immer mehr beengt, unb eg brol)te eine Seit wahrer SSecffnftcrttng einjubredjen. Sn bem franj. Sfeuolutiongfriege (feilte ber Äur= furft fein Kontingent jur 9teid)garmee. SicfPfalj litt fd)on fehmiel, aber halb (1796) warb SSnietn felbft ber @d)auplaß beg Äriegeg. Bitten in biefer Ärifig (16. Sehr. 1799) ftarb Äarl Slßeobor, ofjne Erben, fobaß mit i()m ber futjbad)ifd)e «Stamm beg pfdljifcljenKaufes erlofd), unb ber ^er^og SWapimiliatt Sofepß (f.b.) non Sweibröcfen jttm Skftfs ber gefammten bairifdjenSanbeunbberÄurwfirbegelangte. — Ser griebe non Suneoille (9. Sehr. 1801) madjte bem wieberauggebrochenen Kriege ein Enbe, unb fein ßauptfdd)lichffcg Ergebniß, bie Abtretung beg linfctt Sfßeinitferg an granfeeid), hatte für Skiern bie wichtigften golgen. Snbemeg auf ber einen ©eite bie fammtlicßett Skftßungen auf bem linfen 9f beinufer netlor, bajtt aber auch nod) feine biegfeitg beg 9t()cing gelegenen pfaljifdjcn Sanbe abtrat, erhielt eg bagegen burd) ben 9feicl)gbeputationghaup/fd)lttß eine Entfd)dbigung, wobei fein ©etninn 99;f (jWl. mit 316,000 E. betrug. Sie potitifeiße 5Bid)tigfeit, weld)c SSaicrn für Sjfreid) wie für granfreid) fjatte, trat beim 3Cugbrud)e beg Äriegeg non 1805 in immer ßellereg Sicht. ?((g Sffrcid) jttm neuen Kriege gegen granfreid) 620 Skiern (®efd)id)fe) ftd) ruflctf, mar igm urttec ben gürften jmifchen bem Snn tmb 9if;ein bet Äutffitft Bon Vaiern «otjüglid) mid)tig. 6g «erlangte «on bemfelben, baß et ogne Jlnftanb feine Sruppen mit bem oftr. ^)cete Bereinigen füllte, inbem eg if)m bie gemünfdjtc Keutralitat «ertueigerte, „bie (iBic Äaifet granj am 3. Sept. 1804 an ben Äut= fürjten fcfjrieb) gtanfrekh felbft auch nur fo lange mirflid) befielen taffen mürbe, alg fte mit feinem Vorteile Bereinbatlid) fei". JDocfj Vaiern fanb eg feinem ©taaffc intereffe nicf)t angemeffett, ftd) Sffreid) hinjugeben. Sei bem 2(ugbtud)e beg & t j e; geg Bereinigte ber Äurfürfi gegen 30,000 2Jt. feiner Sruppen mit ben granjofett, unb bep pteßburget Triebe Berfcf>afftc biefem «Staate eine Vergrößerung Bon 500 □Kt. unb einer Ktill. 6inro., feinem Kegenten aber bie fonigt. SBürbe mit «ollet Souoerainetdt, bagegen biefer SSBürjburg abtraf, meldjeg, ffatt beg an Sffteid) gefallenen Äurfürftentf)umg Saljbttrg, ju einem befonbern Äurfürftenthum erf)o= ben mürbe. Siegt fegte Vaiern (gleich SBürtemberg unb Vabett) fiel) aud) in ben Veflg ber in feinen ©renjen eingcfd;loffenen reid)gritterfcbaftlicf)en Veftgmtgen. 25ag mit granfreid) neu gefnüpftc politifclpe Vanb warb butd) bie Vermahlung ber sprittjefftn Jlugufta, beg Äonigg SEocfjter, mit ©ugett Kapoleon, bem jumVice: bonig Bon Stken ernannten ©tieffogne beg franj. Äaiferg, nur nod) fefiet ge: bnüpft. Unmittelbare golge biefer Vereinigung rnaten bie Vertaufcf)ung Verg* bag Vaiern an Kapoleon abtrat, gegen tbnfpad), roetcheg Preußen an gtanfreid) gegen $ano«ec überlaffen gatte, unb enblic!) ber michtigfie ©d)ritt: bie Unterjeid): nung ber Kgeinbunbgacfe (b. 12. Jguli 1806), in welcher Vaiern ftd) jur ©tefc lung eineg Vunbegcontingentg Bon 30,000 9t. unb bet Vefeftiguttg «on’tfuggbutg j unb Einbau «erpflid)tete. 25em jufolge mußte Vaierng Äönig 1806 an bem Kriege gegen Preußen Shcil nehmen unb 1809 an bem Kriege gegen Sftrcid) (aug beffen 6reigniffen, in Vejiegung auf Vaiern, mir beg ?lufjtanbeg in Sirol gebenfen), , nad) beffen Vecnbigung Vaiern bebeutenbe Vergrößerungen, tgeilg auf Soßen Sftreicgg, tl)ei(g burd) Saufd)Bertrdge mit SBürtemberg unb Söürjbutg erhielt.— 2flg 1812 ber Stieg jmifegen granbteieg unb Kußlanb logbrad), ftelltc Vaiern ba$ gange «ertraggmdßige 6ontingent aufg neue gut frang. 2frmee. Kur unbebeutenbe Stümmer famen Bon 30,000 Vaiern im grühjagre 1813 gutüch. 25od) ftellte Ktapimilian Sofepg, ungeachtet aller ©egmierigbeiten, abermalg frifdjc Sruppen unter bie Vefegle beg fogenannten Vefd)ügerg beg tgeinifdien Vunbeg, alg biefer in ben legten Sagen beg 2bptilg ben neuen gclbgug eröffnete. Kid)t gering mar bet Verluft biefeg ßontingentg, bag unter bem Sberbefeglc beg Ktarfcgatlg Subinot , mit geroogntcr Sapfcrbeit fidj auggeidjnete, bod) in ben Steffen «on Sucbau unb | ©roßbeeren (1813) «iel litt. 25a dnberfc ftd) ptoglicg Vaierng politifd)eg Spftem. I SBagrenb eine franj. Vcobacgtunggarmec bei SBütgbitrg unter 2(ugercau gebilbet ' morben mar, l> atte ein bairifcfjeö Veobacgtungggeer am Snn einet oftr. «fjeeregab« | tgeilung gegenüber ftd) geftellt. Sange blieben beibe Sgeite untgdtig. 25er tlb= marfd) beg 2lugcreau’fd)en6otpg,moburcg Vaiern auf bem «etmunbbarfh^n fünfte preiggegeben mürbe, befcglcunigte ben 6ntfcgluß fciiteg Sonigg. 25er bairifefe • gelbgerr, Vkebe, fcgloß mit bem oftr., grimont, am 8. Set. ju Kieb eine Übet: | einbunft ab, auf mclcfye eine amtliche 6rbldrung «om 15. Set. folgte, nach meldet | ftd) Vaierng Äonig «om 9thetn6ur.be logfagte unb feine Streitbrdftc gegen gtanü reid) menbetc. ßugleid) Bereinigte SBrebe, «ermoge beg Vertragg, tuorin bem Ä6» nig ber bigherige Ednberbefig mit aller SouBerainefdt, unb für bie 2(btretungen, bie er cfma an Sftreid) mad)en mürbe, eine «orthcilhafte tlbrunbung jugefidjert mürbe, mit feinem 6orpS bag oftr., alg ernannter Sber&efctjlö^abec über beibe. 3»i> K ©chlachtbei-^anaufühlten biegranjofen jiterftbieSd)drfebegbairifd)en@d)wertg, unb im ganjen Verfolg beg Ätiegeg big jum grieben «on ^3arig 1814 bemdtjrtcn | Vaierng Krieger ben mol)letrungenen Kttf beutfeher Sapferbeit. Veim 3(ugbrud)c ; beg neuen Äampfeg 1815 trat ber jegige Ädnig, alg dfronptinj, an bie Spigt 1 621 Skiern (Staat) fegfJiationalßeereg. Unterbeffcn hatte berdongreß juSBien, unb namentlid) bieS3e= nrbeitung bet beutfcßenS3unbegacte, fcmie alle btc »erfcßiebenartigenSntereffen, bie auä bem neuerjießenben eutopdifcßen unb ingbefonbere beutfdßen ©taatenfpfieme heroorfraten, bet bairifdfjcn ^Regierung ßinlanglidpe ©elegenßeit gegeben, aud) ißre biplomatifdje Ätmfl ju entmicfeln; SSaiern jeigte ftd> fietg auf bem »on ihm rein auf; gefaßten ©tanbpunfte eineg unabhängigen, fouüetainen ©taatg. Oiacßbem eg, in golge beg patifet griebeng »om 30.9ftai 1814, Sirol unb S3oratlberg an Sfireid?, gegen Übetlafftmg beg ©roßßerjogtßumg SBütsbutg unb 3(fd)affenburg, bereits roieber abgetreten hatte, überließ eg bemfelben »ermöge eineg am 14. 3fptil 1816 (ihgefcßloffenen SSerttagg noch.; 1) bie Sheile beg ^augrucfoiertelg unb bag 3nn= uiertel, foroie ft'e 1809 non Öftreid) an SSaiern abgetreten morben voaten; 2) bag gürftentßum ©aljburg, mit 2fugnaßme ber auf bem linfen Ufer ber ©aljacß unb Saale gelegenen 4 ‘Ümter, unb 3) bag 2fmt S3itg. dagegen erhielt eg: a) ben ganjen feigen Sißeinfceig, fomie b) bie ehemaligen fulbaifchen SSejirfgdmtev ^ammelburg mit Sißutba unb ©aalecf, Srüctenau mit SRolien, bagJfmtSBei; fcrS, auggenommen bie Dörfer SReltcrS unb ^attenrobt, bann einen Shell beg ilmtg SSieberfiein, unb c) bie Suftcßerung, burdp ben babifdpen 9Rain= unb Sau; betfreig unb nach 3fugfietben ber männlichen birecten Sinie beg ©tofßeräogg burdf> bieganje babifdhe Dißeinpfats entfdjdbigt ju rnetben. (©. S3 aben.) Sag .Königreich SSaiern hat 1500 ClSft. (nad? Oiubßart faum 1383) mit 3,800,000 6. (in 208 ©t., 410 gl., 23,462 S. unb 19,962 ein?. $ofen) unb eindpeet »on 53,900 35,800 50t. bilben bag 7.2frmeecorpg beg SSunbegßeerg. ©eine ©taatgfdpulb betrug am 1. Set. 1825 etmag über 111 SRill., am 1. Set. 1828 aber, in golge neuer Übernahme von ©chulbfoberungen, 123,377,000 ®lb. bei 30 502(11. ©lb. (5inf. 3tußer bem SSürgermilitatr mar 1813 eine Oiationalgarbe errichtet morben, bie aug 3 dtaffen beließt, beren erfie bie 9iefer»ebatatllong für bie aettoe 2frmee augmad)t, mdßrenb bie jmeite, bie mobilen Scgionen genannt, inner; halb ber ©renjen in Seiten mitflidjet ©cfaßt bient, unb bie britte nur jur drßaltung ber3tuße unb©icßerßeit innerhalb ber ßanbgeridptgbejirfe »erpflidptet iji. Siedon= jlitution »om 26.502ar ISIS gab bemSanbe eineOiationalreprafentation in 2 Kam; mettr. — Sie grinsen unb fPtinjefftnnen ßaben ben Sitel K. $oßcit. dtbfdßig i|i bie Sinie S3itfenfelb. 583 i Iß e l m, ©oßn beg )Pfatjgr. fgoß. ». SSirfenfelb, ber in Samberg refr'birt, unb feine Oiadpfommen ßaben ben Sitel dpergogl. Surdp; laudpt. — @6 gibt 4 Äronamter (Äron=Sbet(i=^ofmeijier, KromSberfbKam; merer, Kron=£)betji=9Rarfdpalt, Kron=£>bet|i;ipojimeifiet) unb 5 9titter=£)rben: 1) Ser ©t.=$ubettugorben, ber erfie beg SJeicßg, gefiiftet »on ©erßarb, ^erjog ju Sölidp unbSSerg, 1455, jum 2fnbenfen eineg ©iegeg, »om Kurf. Soßann SBilßelm ton ber S)falj 1704 erneuert unb 1808 »erdnbert. Set König iji oberfier Srbeng; meijier. 502ttgliebeu ft'nb bie fPtinjen beg fönigl. dpaufeg, 12 dapitularen, barunter ber ©roßcommentßur unb ©roßfanüet beg Srbeng, bann augmdrtige SDKitglieber, gefrönte .fpdupter ober grinsen aug regietenben Raufern, unb fürfitieße Siitter aug nießt regietenben Raufern. Sie 12 dapitularen erßalten jdßtlidpe, nach ber Seit ißtet dtnennung »erfeßiebene fPenftonen. 2) SerSrben beg ßeil. ©eorg, »om Äurf. Karl Jflbredpt (Kaifer Karl VII.) am 24. 3fpril 1729 gefi., ober — ba man ben Urfprung beg Srbeng in bie Seiten ber Kteu^üge feßen mill — menigfieng ßer= gejiellt. Sec König ifi ©roßmeifier. SOiitglieber finb: 3 ©roßpriore, bloß ^)rin; Jen aug bem baicifd;en ^)aufe, ©toßfreuje aug fürfil. unb grdfl. nießt regietenben Raufern, Gommanbeurg unb Siitter. 2fußerbem ifi nodß ein Srbengbifdßof unb ein Srbeng;@roßfanjler, 3) Ser di»il»erbienfiotben ber bairifeßen Krone, gefi. »om leßtöerft. König am 27.5D?ai 1808 für ^lerfonen, melcße in Gi»ilfiaatgbienfien fid) »m bag 93aterlanb befonberg »erbient gemadjt ßaben. Ser Srben ßat 4 (Slaffen: lSSroßfreuje, 24 Commanbeurg, lOOSi'itter unb bie dlaffe Serer, meld)e bie 622 SJatern («Staat) dioiloctbienffmebaille erhalten. 2(itS ben ©rofifrcujen wirb ein Äattjler unb ein Sd)a|meijler be« StbcnS gewählt. dS foll eingonbs angewiefen werben, aus weis djem für eine bejftmmfe Sfnjaljl non 9)?itgliebern aller diaffen angemeffene jäijrl, dinfünfte gebilbet werben f'onnen. SaS SrbenScapitel wirb jdfjrt. am «Stiftung«; tage (ben 27. SWai) gehalten. Siefer Srbcn wirb, nad) alten diaffen, au cf) an »er.- biente fluSlanber »crliefjen. 4) Ser miUtairifd)e SOlaj^Sofepfj^Stben, ge)t. »om lebtüerjf. Äonig am 1. 9Kärj 1806 für auSgejeidjnete ÄriegSbienffe. Ser Äönig iff ©tofimeijfer beS SrbenS, ber aus ©rojifrcujftt, dommanbeurS unb Drittem be= fleht unb aud) an auswärtige fDlilitairS «erlichen wirb. 33on ben ©roftreujen et= galten 6 jäfjtiid) 1500 ©tb. jeber Pcnffon, »on ben dommanbeurS, bie fämmtlid) ©enerale ftnb, 8 jäljttid) 500 ©üb. jeber, unb «on ben SHittern 50 jäfjrlidj 300 ©ib. jeber «Pcnfton. 5) Ser vfpauSorben «om feil- SDfidjael, geff. am 29. Sepf. 1693 «on Sofepb dlemenS, &iu:f. ju Äoln unb geb. ^etjog »on SSaiern, erneuert »on bem le&töerff. Äonig am 11. «Sept. 1808 unb 6. 2lug. 1810, beffefjt aus 3 diaffen: 15 ©rofjfreujen, we(d)e jugleid) dapititiaren ftnb, 8 2fmtgl)ereen ober dommanbeurS unb 36 Drittem. Um in eine biefer diaffen aufgenommen Werben ju tonnen, wirb eine 2lt)nenprobe erfobert. Ofoclj gibt eS eine diaffe unter ber 33emti= nttng dfjtenritter, in welcfje, nad) ber SBtllfur bcS ©tofimeiffcrS, 5Dfannct «on Ser= bienffen, befonbetS ©elefjrte, oijne DrttcEfictjt auf ©eburt, «Staub unbDfetigion, auf genommen werben tonnen. Ser bermaiige ©rofjmeiffer beS StbcitS ijf Söilfjelm, .fjerjog in SJaiern. Ser efjemai. S3erbiettfforbcn beS pfdij. Soweit, geff. 1768 »om Ättrf. Äati SSfjeobor, ifl burd) bie dinrid)tung bc§ bair. di»il»etbienfforbenS (1808) i für eriofcben ertidrt worben. Ofodj I;at SSatern ben Srben ber heil. dlifabetfj, geff. «on ber Äutfütff in COfaria dlifabetfj, ber fPritijefftnnen unb Jpofbamen »erlichen : wirb unb einen teligiofen Sweet (;at. — Seit 1824 beffefjt ein Sberfjerolbamf. — | Sie SJerfaffung gewährt Sidjerfjeit ber Perfon unb beS dtgcntfjumS, ©cwiffenS; freifjeit unb Pref)freifjeit; bie ßoibeigenfdjaft iff aufgehoben, aiie 3 cljriftlidfje don= fefftonen haben freie SleligionSttbung unb tonnen bie Sfedjfe ber Staatsbürger er= werben. Sie fftationalrepräfentation, wetdje aus Sanbeigcntfjümern, Äaufleuten unb-Sabrifanten beffefjt, wirb in ben Äreifen gewählt; bie 9feid)S»etfamm(utig et; hält »om. Äonig einen Präftbenten; fte theilt ftd) in dommifftonen für bie Sinnn-- jen, bie ©efefcgcbung, bie innere SJerwaltung unb bie StaatSfcfjulbentilgung. Ser 2lbel begreift nacfj SKubfjart 1384 Familien mit 945 abei. ©ütern, bie SJeftfsttngen ber 33 etbl. SJeidjSrätfje nidjt eingerechnet. — Ser Codex juris Bavarici judiciarii ifl feit bem 1. Sunt. 1811 in gefefjlidje Äraft getreten. SaS peiniidje ©efe|butfj wirb jejst einer 2fbänberung unterworfen. 2fudj wirb ein allgemeines ©efegbuefjoor; bereitet. giüt bie StaatSoerwaltung gibt eb einen geheimen Ufatfj, ber aus ben 4 StaatSminiffern, Äronbeamten unb 12 —16 SSRitgf. beffefjt unb übet bie wichtig; j ften innern Angelegenheiten bcS Dveicfjö in 3 Sectionen beratfjfdjlagt. — 2ln bet Spibe jebeS ber 8 Äreife fleht ein ©cnerattreiScommiffair mit einem auSgebreifeten, groftentfjeilS epecutiüen 5BitfungSfreife; außer ihm befleht uodj in jebem Äreife j eine ÄreiSftnanjbeputation. 2flle Untergerichte, Sflunicipalräthe unb ©emeinberdttje | ftnb bem ©eneralcommiffariat untergeben. — Sie Suffijbehorben ftnb: baS Sbeu I appellationSgeridjt, bie 2lppe(lationSgerid)te (für jeben ÄrciS eins) unb bie Unter; getidjfe. — Sic Äird)en»erfaffung ber Äatfjolifen iff butdj baS ben 5. 1811 mit spiuS VII. gefdjtoffene doncor b at (f.b.) organiftrt unb feit bem$erbfl 1821 als «StaatSgefefs promulgirt worben. Sur bie 'proteffanten gibt es ein protejf. ©f= neraiconftfforium. —» Ser^ianbel würbe burd; ben Soil»eretn mit SBürtemberg 1828, fowie burd) bie fCuffjehung ber Sotlffationen auf bem SUain, bis auf bie »on j Settingen, beforbert. — Sw engem Sratfje beS beutfcljen fSttnbeS nimmt SSaiern | bie 3. «Stelle ein unb füfjrt in ber «plcnatöetfammlung 4 Stimmen. — Unter bet Regierung Sftatimilian I. 3’ofeph^ h at SSaiern im 2f([gemeinen eine f)o!je Stufe ber 33aiüot 623 Baißt) ' Sitbung, ln SScrqCctcf; mit Sem, t»aö eS not 20 3. war, erlangt. SBafirenb Sanb* fmuunb ©einerbe ftd> erhoben haben, bie fPotigei in alten ihren Steigen öortrefflitf) 9 f(>anbl)abt wirb, [mb bie ©rjtehungS* unb wiffenfchaftl. SilbungSanfialten«er* belfert worben. Sn Stünchen beftnben ffcf> eine 2ffab. ber Söiffenfd). unb eine ber fcilbenben Äünfte; ferner eine ßenfratöeterinairfchule unb ein lanbwirtl)fd)affl.Set= ein für ganj Saiern. Ser offentl. Unterricht ift planmäßig georbnet. Uninerfttäten fitib ju SJfündjen, ßöürjburg unb ©rlangen. gmt bieÄunftbilbung unb ben (Staats* hausbalt überhaupt hat ber Äonig 2 u b tn i g I. (regiert feit b. 13. Set. 1825) niel ■ getfjan. ©. 9Jt. 3.9tomet’S ,,®efcl)., ©eogr. unb©tati(tifbeSSaiertanbeS", in 3S3bn. (Üftünd). 1825 fg.), unb D. Sgn. 9rubf)art: „Üb. b. ßuftanb beS Äonigr. Söniern, nach amtl. Suetlen" (©tuttg. 1825, 1. Sb., 2. unb 3. Sb. (Sri. 1827), nuef) it. b. S£.: „Üb. bie ©einerbe tc. beS Äonigr. Saiern". Saillot (gierte), eins ber Häupter ber neuern ftang. Siolinfchule, geb. 1771, ftubirte unter Siotti, f am in bie ©apelte beS ©rafen n. ‘ÜrtoiS 1791 unb trat 1803 in baS ©onferoatcrium. Son 1805 — 8 reifte er in bem norbl. ©ittopa unb ertnarb fiel) einen auSgebreiteten muftfalifchen 9fuf, in weld)em er mitÄreuher unb Stöbe wetteifert, ©ein Sortrag ift bühn unb etnff. ©t ift ein fjauptmitarbeiter an ber SJiolinfdjule, inelcl)e jum ©ebraud) beS ©onfernatoriumS in fPariS gebrueft wor* ben ift; inS Seutfd)e überf.: „Siolinfdjule nonüfobe, Äteuger unb Sailtot, ge* orbnet non Saillot" (Spj.). 2fn biefe fdjtiefjen fleh f. „Exercices pour le violon" an. 2lud) hat er mit Seüaffeur, ©atel unb Saubtot eine Siolinfdjule jum ©ebraud) j beb ©onfernatoriumS herauSgeg. unb biefe mit exercices begleitet. S a i 11 p (Sean ©plnain), geb. gu fPatiS 1736. Son feinem Sater, 2fuffef)et i btt fonigl. Silbergalcrie, jum SJtaler beftimmt, folgte er feiner natürlichen Neigung | ju literarifchen Sefdjäftigungen. ©r nerfudjte ftd) juerjt in ber Sidjtfunfi. ©efell* fd)aftlid)e Serl)ältni(fe führten ihn mit Sacaille jufammen, beffen Unterridjt ihn gang für bie 2Cjtconoraie gemann. 1763 trat er nad) Sacailie’S Sobe in bie Tlfabe* mie unb gab bie Serccbmmg vielen non jenem angeftellten Seobachtungen non ©fernen beS SEhietfreifeS heraus; aud) unternahm er um biefe Beit eine grojje 2ft= ■ beit über bie Stabanten beS Supiter, beren Theorie bie 2Cfabemie jum ©egenftanb einer ^)reiSaufgabe gemadjt hatte, ©ein „Essai sur la theoric des satellitcs de Jupiter, avec des tables de leurs mouvemens" erfd)ien 1766. Sann fchrieb er 1771 eine 2fbf)anblung über baS non ben SupitcrStrabanten jurüefgewotfene Sicht, I welches er auf eine fmnrcidje ßöeife ju meffen unternahm. Unter biefen mühfamen Weiten «erlief ihn nicht fein ©inn für bie Siteratur. Seweife banon ftnb feine | fct)ön gcfdjriebonen Sobreben auf Pierre ©orneille, ScibnigK., welche fo günjtig aufgenommen tnurben, baf S. befd)lof, einen wiffenfdjaftüdjen ©egenftanb ju be= I arbeiten, ber, eines fdjonen SortragS fähig, feinen literarifchen 9tuf ftdjetn Sonnte. J 6t wählte bie „®e[d)id>te ber 2fftronomie" (1775—87, 5 Sbe., 4.). ©ie fanb ! allgemeinen Seifall, tnoju nod) bie ©rorterungen mit beitrugen, tneldjc barüber jwi* fd)en bem Sctf. unb Soltaire entftanben, unb S. neranlapten, f. „Lettres sur l’originc des Sciences et sur l’Atlanticle de Platon" hetauSäUgeben. 1784 wählte I bie feanj. Tffabemic il)n an SEreffan’S ©teile ju ihrem Stitgliebe, unb 1785 bie 2ffa= I bemie ber Snfdjriften. 3fud) ernannte ihn bie Seegierung jum Stitgliebe einer ©om* itiiffion, um bie 5Birf ungen beS non SteSmer entbeeften thtcrifdjen StagnetiSmuS : ju prüfen. S. ffattete einen hoppelten Seridjt barübet ab, ben einen für baS fPubti* ; cum, um ihm beit richtigen ©eftdjtSpunft für biefe Sehre anjugeben, ben anbern ; für ben Äonig allein, übet bie wahren Urfadjen beS SDfagnetiSmuS unb feinen ©in* j ffap auf bie ©itten. Seigerer ift erjt fpäter gebrueft worben. — S. genofj um biefe j iSeitbeS »ollftänbigftcn ©lüefs, welches bem Serbien)! unb ber SEugenb in ber all* j 9cwcinenAchtung aufbehalten ift, als ihn bie Steuolution aus feiner frieblicfjen Sauf* | tafm tif. [Paris wählte ihn ben 12, Sfai 1789 jum erften Seputirten beS Sürger* 624 Skireutf; 33airifcE)e Sanbflctnbe jlanbeg für bie allgemeine ©tdnbe»erfammtung; in ber Verfammtung felbfi mürbe er jum etflen fPrdftbenten ernannt, ©r befielt biefen ^pla.%, nadjbem bie ©emeinben fid) alS 9?ational»erfammlung erEldrt Ratten; unb als ber .König ihnen unterfagte, ftd) ju »ecfammeln, mar er eg, ber am 26. 3 funi 1789 im 33a(It)aufe ben SSorfig führte, mo alle 2 fbgeorbnete burd) einen ©tb getobten, nid)t eher ftd) ju trennen, bi? fte Sranfreidf) eine neue Verfaffung gegeben haben mürben. 2(ml6.3ult jum9Jtai\e »on*PariS ernannt, «ermattete S3. aud) biefeö 3fmt mit feiner gemofmten 9febUd)Eeit unbUneigenm&higEeit; aber biefcfPrmattugenben reichten nicht t;in, eine au?geta(fene VolEdmaffe in ©chranEen ju hatten, bie abmcdhfetnb bem ©influffe entgegengefegter Parteien preisgegeben mar. Sie grifimittel, metd;e S3. gut ©rhaltung einer fd>ein= baren 9?ul)e anmanbte, fonnten mot ben 2 (ugbtud) ber ©dfjtung »erjögern, aber nicht erfticEen; »ieUeidjt maren überhaupt bie ©ad)en bahin geEommen, baf aud) ber Eraftigfie SÜöiberftanb vergeblich gemefett mare. ©in cinjigeg SD2at unb bei ber gerechteren Verattlaffung griff er ju geroattfamen Sttafiregetn. Sieg gefchab nad) ber 9tücEEehr beg .König? »on Varenneg. Sie erbeten 9fc»otutionnaire wollten, baf man biefctt 2 tugenbticE betrüge, um feine 2 (b[e|itng augjufprechen. ©ine grofe fOüenge »erfammelte ft'ch (17.S«li 1791) auf bem SOTarSfelbe, um auf bem TCttac beg Vaterlanbeg eine barauf S3ejug habenbe SSittfchrift ju unterzeichnen. SS. begab fid), »on fjfationalgarben begleitet, auf bag SSRargfelb unb befahl ben ' 2 fufcut)tern, augeinanberjugehen; auf ihre Steigerung tief er fte jerfireuen. Sie 9lationat»er= fammtung billigte fein SSetragen; bennod) nahm et am 19.910«. 1791 feine@nt= laffung. sp eti on (f. b.) mürbe fein 9Ead)folger. SS. 50 g fid) ganj »on ben öffentl. Angelegenheiten jurucE aufg 2anb in bie ©egenb »on 9fanteg. 2(1? bie junefrmm ben Unruhen ihm aud) hier feinen ftd)ernAufenthalt gefiatteten, bot ihm fein greunb 2 aplace ju SUJelun 3 ufiud)t in feinem eignen dpaufe an. Snjmifchen maren burd) bie S5egebenheiten beg 31. £07at 1793 bie Umptdnbe »erdnbert morben. ©ine Hk theilung beg re»olutionnairen dpccteS rucEte in SSfelun ein. 2aplace unterrichtete SB. »on ber eingetretenen ©efaht; aber unglucElichetmeife achtete biefer auf bie 5Sat= nung trieft, fonbern Eam bennod). ©leid) beim ©intritt inSDtelun mürbe er erfannf. Vfanfcficfte ihn nach SParig, mo ec am ll.Sfto». 1793 »on bem 9Je»olutionggerid)te jum Sobe »erurtheitt unb am 12 . unter »ielen SUEifhanblungen hingerichtet rcarb. ©r ftarb mit ber tufigfienSaffung. SS.’g Verbrechen maren jene auf bem VEardfelbe ergriffenen 9)fafregeln unb bieSffenfeit, mit meid)er er ftd) über bie ©runbloftgEeit ber miber bie .Königin erhobenen AnElagepunEte geaufert hatte. — 9Ead)gelaffette SSBerEe »on ihm finb: „Essai sur l’origine des fables et des religions ancien- nes", unb ein Sagebud) mafrenb ber erften Seiten ber 9te»olution »om 21.April big jum 2. Set. 1789 (3 SSbe., 1804, beutfef »on SfBeplanb, 2pj. 1805). Satte utf), ^auptft. begSbermainEreifeg inSSaiertt, ©ig ber Kreigbeföt* ben, mit Ausnahme beg AppeHationggeticftg, liegt am rothen SBEain, h ft t fc^öne Umgebungen, breite unb regelmdfige Strafen; mit Inbegriff beg ©tdbtdjenS ©t. = ©eorg am ©ee (mo ein 3 ud)thaug, eineSrrenanftalt, ®lagfd)leiferei, SKarmor= unb ©pielEartenfabr.) unb ber Vocftdbte 860 ■$). unb 14,000 ©., ein Gymnasium illustre, e. fcföneg ©d)lof, e. prad)tigeg Spernhaug, e. 9tatf)hau?, e. ©afetne, e. SJhmje, e. lutf). unb e. reform. Kirche mit einem gut eingerichteten SBaifenfaufe. Sie gabtiEen bearbeiten SSergmerEgprobucte ber ©egenb, SEabatf, pfeifen, Söpfermaaren, Such, 2ebet unb Pergament, ©ine SKeile ba»on liegt bag Suftfdjlof ©remitage; naher bei ber ©tabt bie 2 ttfifcl)löffer ©anSpateil unb SPfantafte, unb baS blüfenbe Sorf AlfcSSaireittl). Über bag gatflenthum SSaireutf (76 □©*.) f. Anfpadi. S5atvtfrf>e 2anbjtdnbe. Sag -öeejogthum SSaiertt hatte » 01 t alten Seiten her 2anbftdnbe. ©. 5gn. Siubfatt’? ,,©efd). ber 2anbftanbe in SSaiern" (d»eibelberg 1816, 2. ülufl. 1819, 2 93be.). 2(ud) hat Eein anbrer beutfeher < 1 , 625 S3airifcf)e Sanbjidnbe 1 (gtaatubctfeinefältereftdnbifd)e93erfaffung einefo reicheCiteratur. S. bie„Samm= Hing baitifdjet lanbftdnb. 55rcif)eitSbriefe" (SSüncßen 1779, 4.); 9knjer’g „SSerf. übet: ben Urfptung «nb Umfang bet lanbftdnb. 9ted)te in Skiern" (1798); bie „ganbtaggöerßanblungen «on 1429—1513", ßetauggegeben »on gr. ». Krennet (Stöncßen 1803 — 5,18 S3be.); 3- 9i. ©. ». Ktennet’g „Tfnteit. jur rtafjem lenntniß bet bair. Sanbtage im Sftittelalter" (SDtüncßen 1805). Sie Stdnbe be= ffanbert awö ben getuofjnlidjen bcei ©affen: ben fPrdlaten, unter meld;en bie 2an= bebuniöerfltdt ben erfreu fPlaß einnahm, unb ju melden eine Sftenge anfeßnlidjet Stiftet unb ein ©roßpriorat beg 3of>anniterorbenS gesotten; bet SKitterfcßaft, beten SSeft&ungen in 900 cfjofmatfen bejtanben, unb bem 23ürgerftanbe bet ßer= jogl. Stabte unb Sftarfte. Kbenfo bebeutenb traten auch iß re Stecßte, melcße aber fräßet alb in anbern ßdnbetn, ßauptfacßtitf) burd) eigne Uneinigfeit bet ©tdnbe, unttieffam mürben. Set tefste Sanbtag mürbe 1669 gef)alten, nur befugt non 47 (Prälaten, 157 nom 3fbe( unb 78 ftdbttfcßen 2lbgeorbneten; ein Tfugfcßuß bet ©tdnbe (bie 2anbfd)aft8oetorbnung genannt unb juetft nur auf 9 Saßte gevodfilt) maßte ftef) an, bieftdnbtfdjenDtecßfe mit 2fuSfd)fuf feiner Kommittenten augjuüben. Sie ©acularifation bet Stifter (1803) mad)te in bie alte SSetfaffung einen unßeil= baten 9tiß, unb 1808 mürben affe alte lanbftdnbifdje Kinricßtungen ganj aufge= hoben. Sie meiften übrigen Steile beg Königrcidßg hatten feßon früher alg felb= ßdnbtge gürftentßümer begfReicßg feine £anb|tdnbe mehr, ober nie gehabt, mie Samberg, SBurjburg, 2(uggburg, greiftngen, Sfegengburg, Speiet u. a. — Sie | Konflitution, melchc für bag Königreich Skiern unterm 1. SSat 1808 befanntge= maeßtmurbe („Kutop. Konftitutionen", 2eipj., 2. Sk., S. 129), enthieft im 4. Sit. bie SSeftimmung über eine neu ju bilbenbe Stationalreprafentation. 3n jebem Steife follten aug ben 200 reichten Kinmoßnetn fteben Seputirte auf fed)g Saßre etwdßlt merbett, metd)c jufammen bie 9reicßgfTdnbe augmaeßen fotften. Siefe Kin= tießtung fam aber md)t jut Sklljießung unb mar nur ein bem Sd)attenbi(be ber irejffdlifchen 9feid)gfidnbe nadjgeaßmteg (Phantom. Saß ft'e nicht ing Seben trat, mar feßon barum fein SSerlujt, metl in biefer Stationalreprafentation bureßaug feine freie Sigcuffton, fonbetn bloß fittmme unb geheime JCbjlimmung ftatlffn- ben foilte. — Ski bem miener Kongreffe ftimmte Skiern mit gegen bie bamaligen SBetfucße,. eine 2frt »on (ftormalöetfajfung für bie Sanbftdnbe aller beutfdjen Staa= ten aufjufiellen, hat aber bag unbefiimmte S3erfpred;en beg 13. 2frt. früher unb in großerm Umfange erfüllt alg anbre Staaten, melcfe ju jener Seit ben San! bet beut: I fcßenSSotfer burd^ ben Kifer »erbient haben, mit meteßemffe ftd) biefer Angelegenheit j Annahmen. Sie baitifeße SSerfaffunggutfunbe oom 26. 9Kai 1818 („Kurop. Gonjtitutionen", 3. S3b., S. 107; Sollinget, „Skrfaffung beS Königreid)g | Skiern, mit ben barin angeführten frühem f. Kbicten unb Sktotbnunqen", SOfütt: d)en 1818, 3 SSbe.), mit ißren lOSkilagen unb ber unterm 17. SOtai 1818 ooran= ! gegangenen neuen Kinrid)tung ber ©emeinbeöerfaffung, begrünbet für bag offent= J ließe Sieben Skierng einen neuen 2lbfcßnitt. Sie umfaßt, menn man noeß bag Kon= : cotbat oom 24. Set. 1817 bamit oetbinbef, alle sjßeile beg öffentlichen 9Jed)tg | «nb iß, mag atuß im Kinjelnen noeß baran ju münfeßen übrig bliebe, im ©anäett ben innern SSerßdltniffen be§ SSolfeg in ßoßem ©rabe gemäß. S3ei ber Sufammen: feßung bet Stdnbc ßat man bad Spftem ber jmei Kammern befolgt, unb eine erfte, ober Kammer ber 9feicß6tdthe,faug ben ^rinjen beS fönigl. ^aufeg (5), ben Krön: beamten beg 9feicßg (3), ben beiben Krjbtfchöfen, ben -fjauptern ber eßemalg reid)g= ßanbifeßen >^dufer (16), einem (oom Könige baju erlefenen) SStfcßofe, bem ?)rds i ßbenten beg proteßantifeßen Konffßoriumg, ben oom Könige ernannten erblicfjen j (15) unb lebengldngltd;en (12) SKitgliebern gebilbet; bie jmeite, ober Kammer bet 3lbgeorbneten, hingegen aug fünf Klaffen jufammengefefst, fobaß ber Saßt Meß auf7000gamilien (alfo ungefaßt auf 35,000 Seelen) ein Tlbgeorbneter fom= ®ont>.:Cejr. (Siebente 3(ufl. SBb. I. f 40 626 95ainfrf>c Sanbfidnbe men folt. Sie fünf ©(affen ftnb 1) bie Siitterfdjaft, ober bic mit ©erichtgbarfeit oetfchenen ©utgbeftber, roelcfeg nur 2fbelige fein fonnen (14 2tbgeorbnete); 2) bie bret Unioerfitdten (3); 3) bie fatljolifche unb protcflantifdje ©eifilid)feit (jene 9, biefe 5 2(bgeocbn.); 4) bie ©tdbte unb SDWrfte (reotuntet Sßündien 2, 2(ugg= bürg unb Nürnberg jebel, bie übrigen 24 gemeinfchafttiche 2fbgeorbnete haben); unb 5) bie Sfimbeigcntfjümer ohne ©eridjtgbarfeit (56). Sie SBaf)len fann man oieiieicft in 'ifnfetjung ber ©tobt = unb 2anbeigentf)ümcr ju complicirt ftnben, ba fte ftd) auf bie ©enieinbeoerfaffung gtünbenunb, mit 2fuSfct)lup alter unmittelbaren Sf)eilna()me ber SSürger, nur in bie 4>dnbe ber SCUagiftrate unb ©emeinbebeoolt-' mdchtigten gelegt ftnb. £iecburd) bann eg in ber golge leicht bafjin frommen, bap fid) in biefen 2(ugfd)üffen bet ©emeinbcn reieber jener unechte Gorporationggeifl ent= reitfett, reeld)er fd)on in ber alten bairifdjen lanbftanbifdjen Serfaffung ben 2(ug: fdjup oerleitete, fid) für etreag SOJefjreg alg b(opeSeooltmrte ober Sejirf ber 2öaf)t fein müjfen. Sßan hat aud) hierin bem falfdjen ^tincip nad)gegeben, bap in ber ©tanbeoetfammlung nur bie jufdlligen inbioibuelten unb corporatioen Sntereffen (bet ©goigmuä), nid)t bie all-- gemeine Silbung unb ©inftd)t beg S3olfg (bie Sernunft), bargeflellt werben müffe. Sie ndcfyjle golge baoon ifi, bap eine fÖZettge oon Scannern in bie ©tdnbeoer: fammlung fomrnen fonnen, reeldje, wenn aud) im Allgemeinen reoflbenfenb unb gefmtben Serftanbeg, bod) oon Sem, reag in ber Serfammlung betauen wirb, feine fjinteicfyenbe Kenntnip haben. Siefe 33emerfung trifft bie meifien neuern ©tdnbeoctfaffungen unb tjat fid) in ber ©tfafrung häufig alg gegrunbet bereiefen, gleid) bem Sebenfen, reeldpeg gegen bic befonbere jal)lreid)e Ofeprdfentation bet ©eiftlidjfeit erhoben werben fann. ©ine weitere golge ift bann eine ebenfo blinbe jJtadjgiebigfeit alg 3Biberfefcltd)feit, je nachbem ben Sorurtf)ei(en unb bem eng= berjigen ©goigmug gefdjmeidjelt ober wiberfprodjen wirb, halb ein S3ef)arren am 3(lten, halb ein unoorjtd)tigeg ^ineinfafren in neue ©inrid)tungen, unb wenn fid) bereinfl in bicfer SKaffc bemagogifdie latente (im unoerfdnglid)en ©inne) entwicfeln, ein allju gropeg Übergereid)t einjelner Scanner. 3fud) ift fd)on oon 3tnbern bemerft worben, bap bie Sermögengbebingungen (10 ®lbn. ©teuerfimplum, reeldjeg ein ©tunboetmögen oon 8000 ®lbn. ooraugfefst) offenbar ju fjod) ftnb unb ganje Siftricte oon ber Steprdfentation augfdfjliepen. Son ben notfjreenbigen ^Rechten ber fReprdfentation, reoju wir bie toefentlidje ©oncurrenj an ©efeggebung unb ©teuer: bereilligung, bag 9?ed)t bet Sefcbwerben unb Sitten (aud) beg Äntragg auf 2fbdnbe- rung ber ©efeije) redjnen, ift ben bairifdpen ©tdnben feing entjogen. — Siefe fo conftituirteSKeprdfentation hat ihren erfien ßanbtag (ber alte breiSafjte reieberfefjrt) 1819 gehalten. 6r rourbe am 4. gebt, butd) eine Siebe oom Sfrone eröffnet, unb am 25. 3«ti burd) 2tb(efung beg oom .Könige erteilten SanbtaggabftfjiebS (oom 22. 3uli) gefd)loffen. Seibe Kammern fjaben ihre Sertjanblungen amtlid) befannt: gemacht; oon ber 2. .Kammer fülten fte 14 Sbe. (9Ründ)en 1819—20), oon ber i. Kammer 1 Sb. (München 1819). ©ine „Sanbtaggjeitung", herauggeg. oon bem 3fppelIationggerid)tgprdfibenten ©tjrpl). o. 2fretin (München 1819, 19 $fte.), ift feinegreegg ein anerfannteg Srgan beg Sanbtagg. Sie £>ffentlid)feit, reomit bie Serljanblungen gepflogen würben, unb ber echte ©cift ber Sieform (weldjeg ber einjige echfeantireoolutionnaire ift), oon bem bie 2. Kammer belebt war, tjatbie^ugen aller Seutfd)en auf biefe wichtigen Sigcufftonen gelenft. ©inegeiffoolteUberfid)tberfelben hat ber „£ermeg" (5. Sb„ ©. 311, 6. Sb., ©. 309,7. Sb., ©. 246, unb 8. Sb., ©. 246) gegeben; ben £anbtaggabfd)ieb hat bie „üfltgem. geit.", 1819, 9fr. 208 unb 209, mitgetheilt. Sie Kammer ber 9ieid)grdtf)e hatte gleid) anfangg in ber Antwort auf bie fönigl. ©roffnunggrebe oon einem gegen ben &hron anwogenben Solfe gefprochen, wogegen fte benfel6en ju befd)ü(sen habe, unb baburch ernenn 5 627 Baizen Bajä ficht ihres Berufs und ihrer Stellung gegen die zweite Kammer zu erkennen gegeben, welche bei dieser großen Widerspruch erregte. Überhaupt wurde in diesem ersten Landtage mehr angeregt als erreicht; denn manche laut ausgesprochene Wünsche (Nachahmung des englisch - stanz. Gerichtsverfahrens) unterlagen damals noch einer reiflichen Prüfung. Der Landtagsabschied versprach künftig mehr Erwägung der ständischen Antrage, als er unmittelbare Genehmigungen ertheilte; er bezeigte Unzufriedenheit mit einigen Schritten der zweiten Kammer; aber im Ganzen schloß er den ersten Act dieser neuen Handlung auf eine würdige und beruhigende Weise, sowie sich in den Standen ein Geist echter Opposition, welche nur den gesetzmäßigen Gang der Staatsmaschine erhalten, nicht aber ihn hemmen will, als herrschend bewiesen hat. Dies war auch der Fall in den Verhandl. des 2. dänischen Landtages von 1822 (vgl. Venturini's „Chronik" d. I.), und auf dem 3. von 1825, dessen Verhandl. R. Freih. von Holzschuher im Ausz. skizzirt hat (Erlang. 1826). Über den 4. Landtag 1828 s. Max Freih. v. Freyberg's (Vorstand des königl. Archivs) „Gesch. der bair. Landstände und ihrer Verhandl." (Sulzb. 1828,1. Bd.) 37. Baizen, in der Jägersprache, Vogel und andre Thiere mit abgerichteten Raubvogeln, z. B. Falken, Sperbern, jagen und fangen. Die Hunde, die dabei zum Aufjagen gebraucht werden, heißen Baiz Hunde. Bajaderen, in Ostindien junge Mädchen von 10—17 Jahren, welche tanzen, singen und kleine Schauspiele aufführen lernen. Sie stehen unter der Aufsicht von Matronen, die in allen weiblichen Künsten, namentlich in der Kunst zu gefallen, erfahren sind. Diese wählen sich aus den niedrigsten Volksclassen die schönsten Mädchen von 7—8 Jahren, lassen ihnen, um sie vor den entstellenden Folgen der Blattern zu bewahren, dieselben einimpfen, und führen sie dann zu den Kenntnissen und körperlichen Fertigkeiten ihres nachherigen Standes an, wo ihre Bemühungen auf nichts Andre« gerichtet sind, als den Reichen und Vornehmen des Landes Unterhaltung und sinnliches Vergnügen zu gewähren. Die Bajaderen sind nach und nach so zum Gegenstand des Luxus geworden, daß sie bei den geringsten Festen erscheinen, um die Gesellschaft mit ihren Künsten zu unterhalten. Hat Einer von den Anwesenden Belieben, die Talente einer Bajadere näher kennen zu lemen, so kostet es ihm nur einen Wink. Für ein Mädchen der besten Art erhält die Matrone, der sie angehört, auf einen Abend 100 Rupien oder Gulden, ebenso viel für eine Nacht, außer dem Geschenk für das Mädchen. Nach dem 17. Jahre, wenn die ersten Reize verblüht sind, pflegen die Bajaderen sich in eine Pagode (Götzentempel) unter den Schutz der Braminen zu begeben, doch nicht um, wie die Freudenmädchen in Europa, aus Buhlerinnen Betschwestern zu werden. Sie setzen vielmehr auch beim Dienst im Tempel ihre vorige Lebensart fort, und was sie durch dieselbe gewinnen, gehört den Braminen, die ihnen Herberge und Unterhalt geben. Übrigens wird dieses Gewerbe in Indien für nichts weniger als unsittlich gehalten. Bajä. Dieses campanische Brighton (Horaz: Julius in orbs «imis kaji» praeluoet ainoeni«), einst der Ort, wo Alles, was in Nom zur guten Gesellschaft gehörte, Landhäuser hatte, der Lieblingsaufenthalt der Ambubajen und Balatronen, liegt jetzt verödet, nur durch Trümmer alter Bäder, welche für Tempel ausgegeben werden, und durch Spuren ehemaliger Paläste, die unter den Wellen des Meeres sichtbar sind, dem Fremden bemerklich. Seinen Ruhm verdankte Bajä den warmen Bädem und seiner Lage am reizendsten Meerbusen, den umkränzende Hügel vor den kältern Winden schützen. „Schon vor den Zeiten der Cäsaren", sagt Wieland, zur Erklärung von Horaz's 15. Briefe des 1. Buchs, „war Bajä der Ort, wo die vornehmen Römer sich berechtigt hielten, den Zwang der republikanischen Heuchelei abzulegen und sich ohne Scheu den Ergötzungen und Wollüsten hinzugeben, die diesen bezaubernden Ort in so bösen Ruf brachten, daß Proper; sein Mädchen nicht schnell genug von dort zurückrufen kann, und Cicero in 628 Bajazet I. Bajus seiner Vertheidigung des jungen M. Eölius für nöthig hätt, sich selbst zu rechtfertigen, daß er einen Menschen in Schutz nehme, der Bajä gesehen hat". Vielleicht haben die Dämpfe seiner heißen Quellen zum Theil die Ungesundheit verursacht, von der man in Eicero's Briefen schon zweideutige Anklagen findet, die jetzt aber bei der Unbewohntheit der Gegend, bei der Versumpfung der Wasserabzügc, in denen Flachs geröstet wird, bedeutend zugenommen hat. Doch unvertilgbar ist der Reiz seiner Lage am Golf, auf dem einzelne Fischerbarken an die Flotten erinnern, die einst, aus dem jütischen und misenischen See auslaufend, hier vorüberzogen, im Angesichts von Puzzuoli, den Inseln und dem hochgelegenen Castelle, einem Werke des Vicekönigs Peter von Toledo. 19. Bajazetl., türkischer Kaiser, folgte 1389 seinem Vater Amurath 1., der in der Schlacht bei Kassova gegen die Serbier geblieben war. Er ließ seinen ältern Bruder Jakob, der ihm den Thron streitig machte, erdrosseln: eine Barbarei, die nachher am türkischen Hofe fast zur Gewohnheit geworden ist. Er machte große und schnelle Eroberungen; daher sein Beiname: der'Blitz. In 3 Jahren eroberte er die Bulgarei, einen Theil von Serbien, Macedonien, Thessalien, und unterwarf sich die Staaten in Kleinasien. Er schloß selbst Konstantinopel 10 Jahre hindurch ein und glaubte es durch Hunger zu bezwingen. Um Konstantinopel zu retten, brachte König Sigismund von Ungarn (nachmaliger deutscher Kaiser) ein großes Heer zusammen, bei welchem sich auch franz. Truppen unter Anführung des Herzogs v. Nivcy, mit 2000 Edelleuten befanden, und griff die an der Donau gelegene Stadt Nikopolis in der Bulgarei an. Allein B. eilte herbei und errang über die verbundenen Ungarn, Polen und Franzosen d. 28. Sept. 1395 einen entscheidenden Sieg. Sigismund entging verkleidet durch eine schleunige Flucht der Gefangenschaft. Die Franzosen, durch deren ungestüme Hitze die Schlacht verloren ging, wurden größtentheils gefangen, und B. ließ sie fast alle hinrichten. Er würde nun wahrscheinlich das griechische Kaiserthum ganz gestürzt haben, wenn nicht Timur (Tamerlan, s. d.) f Besitzungen in Natolien (1400) angegriffen hätte; B. zog ihm entgegen und erlitt am 16. Juni 1402 bei Ancyra in Ga- latien eine gänzliche Niederlage. Er selbst siel in die Gewalt seines Besiegers, der ihn jedoch mit Großmuth behandelte; denn die Erzählung, daß er von Timur in einem Käsig herumgeführt worden, ist ohne historischen Beweis. B. starb 1403, in Timur's Lager in Karamanien; sein Nachfolger war Soliman I. Bajazzo, von dem italienischen Las.-», ein Spaß, und Lasaveia, ein einfältiger Spaß, ist der bei Seiltänzern, Kunstreitern und ähnlichen herumziehenden Gesellschaften gewöhnliche Spaßmacher. Bajonnet, s. Bayonnet. Bajus oder de Bay (Michael), geb. 1513 zu Melin im Hennegau, zu Löwen gebildet und seit 1551 Pros. der Theologie auf dieser Universität, 1563 und 1564 Mitglied der Kirchenversammlung zu Trient, gehörte zu den größten Theologen der katholischen Kirche im 16. Jahrh. Er gründete die systematische Theologie, mit Beseitigung der scholastischen Methode, unmittelbar auf die Bibel und die Kirchenvater. Die Schriften des h. Augustinus hatte er neun Mal gelesen, und bewegte sich daher ganz in dem Jdeenkrcise dieses Kirchenvaters, dessen Lehren von der gänzlichen Unfähigkeit des menschlichen Willens zum Guten und von der Un- vcrdienstlichkeit guter Werke er gegen die gefälligere Moral der Jesuiten zuerst geltend machte. Die Behauptung, daß der Wille des Menschen, so lange er sich selbst überlassen wäre, nur sündigen könne, daß auch die Mutter Jesu nicht frei von Erb-und wirklicher Sünde gewesen, daß jede Handlung, die nicht aus reiner Liebe zu Gott komme, Sünde, und kein Werk der Buße zur Rechtfertigung des Sünders wirksam, sondern Alles allein der Gnade Gottes in Christo zu verdanken sei, und andre Sähe zogen ihm Verketzcrungen von Seiten der alten Statisten und Bakker Balbek 029 besonders der Jesuiten zu, die eS ungeachtet der Gunst, in der B. am spanischen Hofe stand, doch endlich dahin brachten, daß eine päpstliche Bulle 1567 diese Sätze mit andern ihm nur angedichteten Lehren verdammte. Zwar unterwarf sich B., doch dauerten sowol die Verfolgungen gegen ihn als auch die Vertheidigungen des strengen Augustinismus in seinen eignen Verträgen fort, und da die theologische Facultät zu Löwen ganz auf seiner Seite war, blieb er nicht nur im ruhigen Besitze seiner Würden, sondern wurde 1575 noch zum Dechant zu St.- Peter und 1578 zum Kanzler der Universität ernannt, ja der König von Spanien übertrug ihm auch das Amt eines Generalinquisitors in den Niederlanden. Er starb 1589 und hinterließ den Ruhm großer Gelehrsamkeit, reiner Sitten und seltener Bescheidenheit. Seine Augustinischen Ansichten, die man damals Bajanismus nannte, erbten auf die Jansenisten fort, als deren Vorläufer er anzusehen ist, und unter ihren Händen erhielten sie eine dem Jesuitismus und den Mißbräuchen der Papstgewalt furchtbare Bedeutung. Seine Lehre von der reinen, ungetheilten Liebe zu Gott ist aus die Quietisten übergegangen. Seine meist polemischen Schriften hat Gabriel Gerberon 1696, 4., zu Köln herausgegeben. 81. Bakker (Peter Hupsinga), ein holländischer Dichter, geb. 1715, starb 1801, war Mitglied der leydner Akademie der Wissenschaften. Geschätzt wird sein Gedicht auf die Überschwemmung (1740). Seine sämmtl. Werke machen 8 Bde.; darunter 1 Bd. Satyren und Spottlieder auf die Briten. Übrigens war B. ein Freund und Verwandter des niederländ. Historiographcn Wagcnaer, von dessen Leben er Notizen gab. Hight's latein. Gedicht auf den Frühling übersetzte er ins Holländische. Balbao (Vasco Nunez de), gegen 1475 geb., einer von den spanischen Abenteurern, welche die Bahn, die Colombo ihnen gezeigt hatte, verfolgten und ihr Glück in Amerika zu machen suchten. Der spanische Hof ertheilte diesen Leuten die Erlaubniß, Entdeckungen zu machen, ohne sie jedoch besonders zu unterstützen. B. ging, nachdem er sein Vermögen in Spanien verschwendet hatte, nach Amerika, kam auf der Landenge Deinen an und wurde bald der Anführer eines kleinen Haufens Spanier. Es gelang ihm, in dieser Provinz eine Niederlassung zu gründen, indem er die Einwohner theils durch Güte gewann, theils durch Gewalt sich unterwarf. Als er einst mit einem seiner Gefährten über die Theilung einer Summe Gold in Streit gerieth, erbot sich ein Indianer, der die Begierde der Spanier nach Gold bemerkte, ihnen ein Land zu zeigen, wo dieses Metall zu den gemeinsten Geschirren verbraucht würde. Er führte sie an die Küste der Südsee, wo ihnen der Weg nach Peru offen stand. B. wagte jedoch nicht, mit seiner Truppe von 150 Mann Peru anzugreifen. Er begnügte sich, Erkundigungen einzuziehen und im Namen des Königs von Spanien Besitz von dem großen Ocean zu nehmen, dessen unabsehbare Fläche sich vor ihm ausbreitete. Als er 4 Monate darauf nach Darien zurückkam, belastet mit Gold und Perlen, fand er einen neuen Statthalter, Pedrarias, dem er nach Ferdinands Willen gehorchen sollte. B., empört über diesen Undank, fügte sich dennoch und ward im folg. Jahre zum Vicckönig des Südmeers ernannt. Pedrarias söhnte sich zwar scheinbar mit ihm aus, ließ aber bald nachher ihm, wegen vorgeblicher Pflichtverletzungen, den Proceß machen und ihn zum Tode verurtheilen. So ward der verdienstvolle B., 42 I. alt, 1517 enthauptet. Unter ihm hatte sich Pizarro gebildet', der nach ihm die Entdeckung von Peru vollendete. Balbek, Baalbek, das alte Heliopolis (Sonnenstadt) in Eölesyrien auf einem Hügel (Pafch^lik Akre in Syrien), in einem fruchtbaren Thale am Fuße des Antilibanon, 15 —16 Stunden von Damaskus, unter 36° 11/ Ö. L. und 34° 1/N. B., jetzt eine kleine, schlecht gebaute, mit verfallenen Mauern umgebene Stadt, bewohnt von etwa 5000 Menschen, worunter auch Christen und Juden » Balcan Bälde 630 sind. Die Stadt steht unter einem Aga, der sich den Titel eines Emir beilegt. Man findet hier die schönsten Ruinen des Morgenlandes, wovon in der Mitte des 18. Jahrh, eine Gesellschaft reisender Engländer die vollständigste Beschreibung geliefert hat. Schon zu Augustus's Zeiten hatte Heliopolis römische Besatzung. Ob der prachtvolle Sonnentempel, der, noch größtentheils unversehrt, zu den ausgezeichnetsten Überbleibseln des Alterthums gehört, vom Kaiser Antoninus Pius oder von Septimius Severus, auf besten Münzen er sich zuerst zeigt, erbaut sei, ist ungewiß. (S. Jrby's und Mangle's Nachrichten.) Bon 54 hohen Säulen stehen nur noch 6; ihre Schafte sind 54 Fuß lang, halten beinahe 22 im Umfange, und die Gesammthöhe mit Inbegriff des Fußgestells und Saulenkopfes be- trägt72Fuß. Noch sieht man treffliche marmorne Standbilder Jupiter's, Diana's und Leda's, und Abbildungen mehrer römischen Kaiser und Kaiserinnen in erhabener Arbeit und in Brustbildern. Bewundernswerth ist der ungeheure Umfang der Steine, woraus die Mauern des Tempels bestehen; kein jetzt bekanntes mechanisches Hülfsmittel vermöchte sie an ihre Stelle zu bringen. Unter Kaiser Konstantin ward der Tempel vernachlässigt und in eine christliche Kirche umgewandelt. So blieb er, bis er nach dem Einfall der Araber in Verfall gerieth. Der große Palast, als dessen Erbauer gleichfalls Antoninus Pius genannt wird, und mehre andre Tempel sind ebenfalls von vorzüglicher Schönheit. Obeidah, ein Feldherr des Khalifen Omar, eroberte die Stadt nach einer tapfern Vertheidigung. 1401 ward sie durch Tamerlan eingenommen. Ein Erdbeben zerstörte sie 1759 fast gänzlich. Balcan, (d. i. ein schwieriger Engpaß), bei den Alten Hämus (türk. Emineh Slag), ein rauhes Gebirge von Eap Emineh Burum in der europ. Türkei am schwarzen Meere bis Eap S.-Stefano am Meere von Adria, 41—45° Lange. Bei Sulu Derbent (kortu Irajani) trennt sich dies Gebirge von Rhodope und scheidet das Donauthal Bulgariens (s. d.) von Rum Jli. Ein Arm laust von N. aus gegen S. (Berg Athos). Ein andrer Arm durchschneidet das alte Griechenland, und hat die Berge Olymp, Ota, Pindus, Parnaß, Helikon. Die höchste Spitze Orbelos hebt sich 9000 F. über die Meeresfläche. In dem großen, breiten Erdwalle des Balcan gibt es 5 Durchgänge; zwei davon, der Hauptpaß bei Schumla (s. d.), führen nach Konstantinopel. Nach dem Untergänge des griech. Kaiserthums unterwarfen sich die Griechen den Muselmännern nur in den Ebenen und an der Meeresküste. Die Krieger und die Eigenthumlosen der griechischen Nation flohen in die Gebirge, in die Armatolien der kleinen Kapi- tanschasten, und haben den Kampf mit den Paschen der Ebenen bis jetzt fortgesetzt; sie gaben zum Theil dem türkischen Pascha leichten Tribut, und einige sind Mohammedaner geworden. Die Districte, worin die katholische Kirche herrscht, haben die wildesten Bewohner, welche auch den griechischen Kaisern nicht immer gehorchten. Wie aus Asturiens Bergen die gothischen Spanier allmälig das getheilte Reich der Mauren zerstörten, ebenso dürsten, bei wachsender Schwäche des türk. Reichs, die Horden der Arnauten, welche bisher, wie die Schweizer, fremden Nationen ihre Jünglinge in Sold gaben, von den Türken Shypetars genannt, ihren Kapitan finden, unter dessen Führung sie vielleicht ein neues arnautisches militairi- fches Reich, verbunden mit den Griechen der Thalebenen, gründen könnten; nur muß die Eifersucht dieser Armatolien unter sich aufhören, und ein wüthiger Krieger alle kriegslustige Jünglinge des Gebirgs unter seinen Banner zu sammeln verstehen. Bälde (Jakob), geb. zu Ensisheim im Elsaß 1603, gest. 1668 zuNeu- burg an der Donau, Jesuit und Hofprediger des Kurfürsten von Baiern, gehört zu den vorzüglichsten neuern lateinischen Dichtern. Sein Andenken ist besonders durch Hcrdcr's treffliche Übersetzungen in der „Tcrpsichore" wieder geweckt worden. Dieser sagt von ihm: „Starke Gesinnungen, erhabene Gedanken, goldene Lehren Baldui'nlll. Balcaren 631 vermischt mit zarten Empfindungen fürs Wohl der Menschheit und für das Glück seines Vaterlandes, strömten aus seiner vollen Brust, aus seiner innig bewegten Seele. Er sah die jammervollen Scenen des dreißigjährigen Kriegs. Mit verwundetem Herzen tröstete er die Vertriebenen; zugleich suchte er Deutschlands bessern Geist zu wecken und es zur Tapferkeit, Redlichkeit, Eintracht zu ermähnen. Wie ergrimmt ist er gegen die falschen Staatskünstler! wie entbrannt für die gesunkene Ehre und Tugend seines Landes! Allenthalben in seinen Gedichten sieht man seine ausgebreitete, tiefe Weltkenntniß, bei einer echt-philosophischen Geisteswürde. Er ist ein Dichter Deutschlands für alle Zeiten; manche seiner Oden sind von so frischer Farbe, als wären sie in den neuesten Jahren geschrieben". In gleichem Sinne sagt A. W. Schlegel: „Ein tiefes regsames, oft schwärmerisch ungestümes Gefühl, eine Einbildungskraft, woraus starke und wunderbare Bilder sich zahllos hervordrängen, ein erfinderischer, immer an entfernten Vergleichungen, an überraschenden Einkleidungen geschäftiger Witz, ein scharfer Verstand, der da, wo er nicht durch Parteilichkeit oder früh angewöhnte Vorurtheilc geblendet wird, die menschlichen Verhältnisse durchschauend ergreift, große sittliche Schnellkraft und Selbständigkeit, kühne Sicherheit des Geistes, welche sich immer eigne Wege wählt und auch die ungebahntesten nicht scheut: alle diese Eigenschaften erscheinen in Balde's Werken allzu hervorstechend, als daß man ihn nicht für einen ungewöhnlich reich begabten Dichter erkennen müßte". — Unbedeutend sind seine deutschen Gedichte. — Eine Sammlung seiner poetischen Schriften, bestehend aus lyrischen, elegischen, didaktischen, satyrischen rc. Gedichten, ist 1660 zu Köln in 4 Bdn., 12., und zu München 1729, 8 Bde., erschienen; eine Auswahl von I. C. Orell (Zürich 1805, 2. Aufl., 1818). Balduin III., König von Jerusalem von 1143 — 62, ein Muster des Ritterthums, das sich in der Periode der Kreuzzüge aus den Begriffen von Ehre, Recht, Andacht und Minne gestaltete. Die Kreuzfahrer hatten Grafen von Tripolis und Edessa und Fürsten von Antiochicn gestiftet, sogar bis Tarsus in Eilicien erstreckten sich die Lehnsherrschaften der Christen; aber diese Vasallen B.'s waren immer in Aufruhr gegen ihn oder befehdeten einander selbst. Gegen sie und gegen die neuen Scharen der Kreuzfahrer, gegen die Marianer, Tempelherren und Hospitalritter, kämpften ebenso fanatisch, ebenso uneinig unter sich, und dennoch am Ende glücklicher, die saracenischen Helden: Saladdin, Nureddin, Zenghi und Seifeddin. Unter B. sah man sogar Saracenen tapfer zur Seite der Kreuzesfahne fechten. Seine unglückliche Regierung war das letzte Aufstreben des christlich-orientalischen Ritterthums, der dortigen Turniere und Rittcrweihen; das Ende der Lehnsverfassung in geistlicher und weltlicher Hierarchie. B. starb nicht lange vor dem gänzlichen Untergänge seines Reichs. Als man nach dem Tode des Königs seinem großen Gegner Nureddin rieth, während der ritterlichen Leichenbestattung die Staaten des Verstorbenen anzufallen, antwortete dieser: „Laßt uns ihren Schmerz ehren, er ist gerecht, denn sie haben einen König verloren, wie es wenige gibt". Balearen, Name der beiden im mittelländischen Meere, nicht weit von den Küsten von Valencia in Spanien, liegenden Inseln Majorca (spanisch Mallorca) und Minorca (s. d.), welche nebst den pityusischen Inseln, Jvcha und Formentera, das spanische Königreich Majorca bilden, welches auf 83 UM. 275,000 Einw. zahlt. Der griech. Name Balearen ward ihnen gegeben, weil die Bewohner wegen ihrer außerordentlichen Fertigkeit im Schleudern berühmt waren. Die balkarischen Schleuder» zeichneten sich in Hannibal's Heere sehr aus. In der Folge bemächtigten sich die Römer^beider Inseln, dann die Wandalen unter Genserich, und im 8. Jahrh, die Mauren, denen sie Jakob I., König von Aragonien, 1220 — 34 entriß. Sie machten nun ein eignes Königreich aus, das 1375 mit Balk 632 Ballei Spanien vereinigt wurde. Die Engländer eroberten Minorca 1708, verloren es , aber 1782 und überließen es im Frieden (1783) an Spanien. ' Balk, das alteBaktrien, s. Afghanistan. j Ball. Den Grund, warum man ein Tanzfest Ball nennt, findet Nachtigall in folgender alten niederdeutschen Sitte: In den Dörfern versammelten sich die erwachsenen Mädchen am zweiten und dritten Osterfeiertage, um den neuen Frauen, auf deren Hochzeit sie getanzt hatten, einen mit Wolle oder Federn angefüllten Ball zu überreichen. Erst wurde dieser auf einer geschmückten Stange durchs Dorfge- tragen, dann vor dem Hause aufgepflanzt, endlich im Hause selbst der jungen Frau k überreicht, wogegen diese verpflichtet war, der auf eigne Kosten schmausenden Ge- sellschaft und ihren Liebhabern freies Tonspiel zum Tanze zu geben. So viele junge Eheleute da waren, so vielen wurde ein Ball gegeben, und auf jedes Ballgeben getanzt. — Wahrscheinlicher leitet man dieses Wort, sowie das fcanz. bal, woher es wol zunächst in unsere Sprache gekommen ist, von dem barbarisch - lateinischen und italienischen Zeitworte ballare, tanzen, und dem danach gebildeten Hauptworts ball» ab. Dieselbe Abstammung hat das Ballet (s. d.). — Die Bälle sind entweder eu masgno, d. l). die dabei erscheinenden Personen tragen Masken, oder xare, d. h. man erscheint dabei nur geputzt. Ballade, s. Romanze. Ballast (nach dem dänischen Baglast) ist eine Last von Sand oder Steinen, die man in diejenigen Schiffe legt, die nicht Ladung genug haben, um bis znr erfoderlichen Tiefe in das Wasser zu sinken, um so Wind und Wellen Wider- - stand leisten zu können. Bei Stürmen muß oft, wenn das Schiff Lecke bekommt, der Ballast zum Theil ausgeworfen werden, damit das Schiff leichter werde. Wegen der engl. Navigationsacte und der Gesetze andrer Seevölker, die nach jener re- > torsi'onsweise gebildet sind, sind häufig, entweder auf dem Hin- oder Rückwege, die Schiffe Ballast einzunehmen gezwungen, statt für freilich geringe Fracht schwere und wohlfeile Landesgüter ins Ausland zu transportircn. Man zieht Backsteine jedem andern Ballast vor, weil man durch solche die Last beider Seiten des Schiffs kiels gleich vertheilen kann, und alsdann segelt jedes Schiff vor dem Winde schnell. Ballei. Am kaiserl. griechischen Hofe gab es einen Groß-Bajulos, Ober- hofmeister der kaiserl. Kinder. Auch der Vorsteher der fremden Kaufmannschaft scheint Bajulos geheißen zu haben, und da derselbe von den Venetianern ernannt wurde, so ging dieser Titel (Balio) aufden venetianischen Gesandten über. Von Griechenland aus verbreitete sich der Staatsname Bajulus (Ballivus, Bailli in Frankreich, Bailiff in England) in das südliche und westliche Europa und bezeichnete einen Vorsteher. Daher die 8 Ballivi des Johanniterordens, welche den ho- ! hm Rath desselben ausmachten. In Frankreich waren die königl. Baillis in ihrem Bezirk Anführer des Heerbanns, Domainenverwalter und Richter. Allmälig blieb aber dem Amtmann (welcher nach Verschiedenheit des Districts mit unsern Oberamtleuten und Amtshauptleuten verglichen werden kann) nur das erstere Geschäft übrig, daher er kailli ä'epöe hieß, und die Justiz wurde zwar in seinem Namen verwaltet, aber durch einen rechtskundigen Amtsverweser, Lieutenant 6e robe. Auch die Gutsherrschaften, welche mit Obergerichten versehen waren, stellten Baillis an, welche also fast durchaus die erste Stufe der Gerichtsbarkeit bildeten. Von den adeligen Gerichten ging die Appellation an die königl. Ämter, von diesen an die Parlamenter. In den größern Ämtern der bedeutenden Städte hatte Heinrich H. denselben unter dem Namen der Präsidialgerichte eine collegiale Ver- ! faffung gegeben. Da alle Gcrichtsstellen käuflich waren, bei den Untergerichten , an eine Prüfung nicht gedacht wurde (nur die Räthe in den Präsidialgerichten muß- ! ten 25 I. alt, Licentiaten der Rechte und vom Kanzler examinirt sein), und die Amtsbezirke in der Regel sehr klein waren, so stand dieser Theil des Richterstandes BallenstedL Ballet 633 in der tiefsten Verachtung. Die Baillis waren ein stehender Charakter auf der Bühne geworden, wegen ihrer Unwissenheit, ihrer lächerlichen Anmaßungen, ihrer Betrügereien und Ungerechtigkeiten. Die königl. Ämter wurden daher durch eine Verordnung vom 7. Sept. 1770 anders eingerichtet; die gutsherrl. Gerichtsbarkeit ward erst durch die Gesetze vom 4. Aug. 1789 abgeschafft und durch die Kreis- oder Landgerichte (tribunsux i8, Grubenkopf, die beide früher unter dem Namen Ikrenia in einer Gattung vereinigt waren. Aus beiden Gattungen kommt eine Art im menschlichen Körper vor, nämlich 1) M-wnia 8v- lium, der einsame oder langgliedrige Kettenwurm, bei welchem sich die Geschlechtsöffnungen an einer Seite jedes Gliedes finden; er ist der in Deutschland und Frankreich gewöhnlich vorkommende; 2) Lotlirvovepbalu« Iatu8, der eigentliche oder breite Bandwurm, bei welchem sich die Geschlechtsöffnung auf der Fläche der Glieder befindet; er kommt nur in Rußland, Polen, der Schweiz und einigen Gegenden von Frankreich vor und macht weniger Beschwerden. Beide Arten haben oft eine Länge von 20—Z0 Fuß, und gewöhnlich gehen nur einzelne Stücke, nicht aber das Kopfende ab; ehe aber nicht dieses letztere abgegangen ist, erzeugt sich der Wurm immer wieder; auch kommen, was man früher bezweifelt hat, oft wirklich mehre Individuen des Bandwurms in Einem Darmcanale vor. Die Zeichen des Bandwurms sind ein eigenthümliches plötzliches Gefühl von Stechen in der Magengegend, Druck und wellenförmige Bewegungen im Unterleibe, Angst, Kcämpse, Verstimmungen, Ohnmachten ic.; alle diese Zeichen sind aber unsicher, und nur das Abgehen wirklicher Bandwurmstücke ist das einzig sichere Merkmal vom Dasein des Bandwurms. Die Cur muß von einem kundigen Arzte geleitet werden und ist immer schwierig; die vielen Geheimmittel dagegen, wie das Nuffer'sche, Herren- schwend'sche, Mathinu'sche u. s. w., sind unsicher und bedenklich. 16. Bank, eine Creditanstalt, welche an einem bestimmten Orte errichtet ist, um die Circulation und den Tauschverkehr zu erleichtern und zu befördern. Dergleichen Anstalten können verschiedene Zwecke haben und erhalten davon verschiedene Beinamen, als: Gelder oder edle Metalle sicher aufzubewahren oder niederzulegen, wovon ste Deposito- oder Nicderlagsbanken heißen, und zu welchen auch die Zahl- oder Girobanken (s. d.) gehören; werden Banknoten (s. d.) auf den Credit der Bank ausgegeben, welche wie baares Geld umlaufen — Circulations - oder Zettelbankcn; fremde Gelder anzunehmen und wieder zu verborgen, oder auch auf Pfänder zu leihen — Leihbanken u. s. w. Auch lasten sich mehre dieser Zwecke mit einer und derselben Bank verbinden. Indessen foderl jeder dieser Zwecke seine besondern Einrichtungen. Die Theorie der Banken überhaupt findet man gut abgehandelt in Büsch's „Sämmtliche Schriften über Banken und Münzwesen" (Hamburg 1801). (S. Londner Bank, Privatbanken, Staatsbanken» a.) Die ältesten Bankanstalten in Europa hatten die ersten großen Weltkaufleute im Mittelalter, die Italiener. Sie sind in der Revolution der Zeiten alle gewaltthätig untergegangen. Giro- und Zettelbanken wurden die italienischen Banken erst spät. Bis zur Ausleerung der Bank von Genua durch östr. Krieger 1746, die unsers Wissens unerstattet blieb, zahlte Genuas Bank immer. — Alle Banken sind entweder öffentliche oder Privatbanken. Jene sind vom Staate selbst oder doch unter dessen Autorität oder Garantie errichtet; diese aber von Privatunternehmern gestiftet, ohne Gewährleistung des Staates. Solche Privatbanken können den Actionnairen und auch dem Pu- blicum großen Nutzen gewähren, nur müßte ein etwa alternirender, in Handelskenntnissen erfahrener pensionnirter Staatsdicner im Interesse des Publikums eine tägliche Aufsicht führen, daß die den Privatbanken niemals fehlenden Confirma- tionsbedingungcn des Staats stets bei der Geschäftsführung beobachtet werden. — Die öffentlichen Banken sinken und blühen mit dem Handel ihres Staats. Folgende sind in Europa die merkwürdigsten: 1) Altona. Seit Febr. 1819 hat Altona für die Herzogthümer Schleswig und Holstein ein neues Bankinstitut Ihre Aktien bestehen aus den ihr von der dänischen Nationalbank abgetretenen Activis. Die frühere Leihbank wurde gänzlich aufgelöst. Ihr großes Activvermögen Conv. -Lex. Siebente Aufl. Bd. I. f 41 Bank 642 siel 1812 an den Staat. 2) Am ster d am. Zur Gründung des dortigen Waisenhauses liehen von 1528 — 60 die dortigen Kaufleute Geld, welches das Waisenhaus höher nutzte. Der Überfluß der dem Waisenhausc anvertrauten Capitalien gab Gelegenheit zur Errichtung der Bank 1609. Da der Staat sie immer benutzte und bis 1787 reichen Credit hatte, so blühte sie gerade so lange, als die niederländischen Staatsschulden einen hohen Cnrs bei niedrigen Zinsen behaupteten. Vom 1.1802 bis zu derAmalgamation der Niederlande mit Frankreich blühte der Bankcredit abermals, weil das durch Eingriffe des Staats entstandene Deficit gedeckt wurde. Von 1810 —13 schwankte das Bankagio sehr unter Napoleons Scepter, weil weder Hamburg noch Amsterdam ihre alte Bankeinrichtung zu einem Filial der pariser Bank umformen lassen wollten. Der Credit der jetzigen niederländischen Bank steht hoch, weil der Staat diese Einrichtung bisher mit Mäßigung benutzte. Sie läßt seit diesem I. die Wechselkurse in Curantgeld und nicht mehr in Bankwährung anzeigen. 3) Berli n. Die känigl. Verordnung, ck. ,1. Wien den 3. April 1815, wegen Verkehrs der Bank, setzte das Verhältniß zwischen dieser Hauptbank und ihren Filialen in Breslau, Köln, Münster, Königsberg, Elbing, Frankfurt a. d. O., Magdeburg, Memel, Stettin, Wesel, fest. Die berliner Hauptbank ist ein vom Staatsministerium ganz unabhängiges Institut. Ein Chef und das königl. Curatorium leiten solches bloß aufsichtsweise, das eigentliche Geschäft betreibt aber das Bankdircctorium mit dem untergeordneten Personal. Die ältern Hauptbankobligationen sind eine Staatsschuld geworden, und da sie noch nicht zu jeder Stunde mit den Zinse» haben wieder eingelöst werden können, so schwankt ihr Werth zwischen 80 und 90 Proc. 4) Die jetzige dänische National- bank wurde in Kopenhagen am 1. Aug. 1818 errichtet. Sobald die Reichs- bankzettel bis auf20Mi!l. sich vermindert haben, soll diese Papiermünze das einzige gesetzmäßige Numerair sein. Das Privilegium lautet auf 90 I. Sie ist noch zu jung, um beurtheilen zu können, wie sie ferner dem Interesse des Publicums gemäß verwaltet werden wird; hält sie indeß ihre Versprechungen bei der Fundation, so wird sie nützlich sein und dient jetzt dem Publicum allerdings recht sehr. 5) Über die von Ludwig XVIII. im April 1818 bestätigte Franz. Bank, s. d. 6) Hamburg hat eine Giro - und Leihbank errichtet 1619. Sie leiht bloß aus Gold, Silber und Kupfer im Faustpfand gegen niedrige Zinsen, nimmt die Mark Silber fein zu 27 Mk. 4 Schilt, an und gibt sie zu 27 Mk. 6 Schilt, bei baarer Rückzahlung aus. Es war ein Bruch der natürlichen Staatsobliegenheit Frankreichs, Das, was der Staat unter Napoleon zum Staatsbehuf 1813 u. 1814, durch den Civil- und Militairgouverneur Davoust, aus der Bank und andern; Eigenthum dex Kaufmannschaft und der Hauseigcnthümer in Hamburg requirirt hatte, unter der königl. folgenden Regierung bloß mit ^ Mill. Fr. Renten zu erstatten, da doch der erste Staatsbeamte des Reichs in einer berennten Stadt sich des fremden Eigenthums zur Sustentation seiner Militairmacht bemächtigen zu dürfen glaubte, und die Requisitionen nach seiner Anweisung zum Besten des franz. Staats verwandt worden waren. Im alten Frankreich hat die bourbonische Regierung alle Napoleonische Requisitionen richtig bezahlt. Nach hergestellter Freiheit 1815 hat die Bank und ihr Credit sich schnell wiederhergestellt. Das Maximum ihres Baarbesitzes war 47 Mill. Mk. Banco, welches ungefähr einen Begriff von der Größe des Handels und Wcchselvcrkehrs Hamburgs gibt. 7) Londner Bank (s. d.). Es ist eine merkwürdige Erscheinung in der Handelswelt, daß, indeß alle Gläubiger der andern europäischen Banken mehr und weniger im Druck der Zeiten durch die Hand der eignen Regierung oder fremde Gewalt litten, die britische Bank nicht allein die empfangenen Valuta, sondern sogar in einer jetzt um -s bessern Valuta, d. h. in Golde, ihre Schuld abträgt, als worin sie ihre Deposita empfing. Gleicher Zwang traf alle andre englische Privatbanken und Schuldner in der Landcsmünze über- 643 Bank Haupt. Diese Maßregel allein beweist, wie mächtig im britischen Reiche der Reichthum die Regierung in ihrer Verwaltung lenkt. Kein Interesse wäre verletzt worden, wenn die Regierung sogleich nach dem Frieden der Bank die Zahlung in Golde zu dem damaligen Preise des Papiergeldes gegen Gold aufgegeben hätte, und die Nation hatte durch diesen Act der Gerechtigkeit ihre Schuld mit 4 Metall weniger in Zins und Capital entrichten können. Der dagegen eingeschlagene Weg ist der wahre Hauptgrund mancher Verlegenheiten, worin sich jetzt Handel und Gewerbe Großbritanniens befinden. Übrigens ist die londner Bank eine wahre Weltbank, und die quantitative Menge der ausgegebenen Banknoten steht immer im Verhältniß mit dem Circulationsbedürfniß. Sie kann nur fallen durch einen Nationalbankrutt oder durch Heruntersetzung der Staatsschuld, verbunden mit augenblicklichen starken Vorschüssen an die Regierung, bei dem ungeheuern Belang ihres Corporationscapitals. Für eine mäßige Entschädigung hebt und zahlt die Bank die meisten Staatseinkünfte, und namentlich alle Zinsen der Staatsschuld. Ihr Privilegium läuft bis 1832. Seit dem Continentalfrieden hat die Bank den Umlauf ihrer Noten monatlich nach Inhalt der Parlamentsverhandlungcn immer mehr, zur Verlegenheit des Handelsstandcs, beschrankt. Zugleich ergeben diese Verhandlungen klar, daß die Bankdircctorcn ungern die Baarzahlung wieder einführten, die ihnen in der langen Suspension erlaubte, das reine Cvrporationsvermögen der Bank seit 1797 so sehr zu vermehren. Die Bank hat in dieser Periode von 24 Jahren freilich dem Staat oft bis zu 10 und 12 Mill. Pf. St. auf und ohne Schatzkammerscheine, außer dem alten fundationsmäßig consolidirten Bankfonds, vorgeschossen. Die wenigen Nachfragen nach baarer Münze, sobald die Goldzahlung der Bank wieder eingeführt worden war, bewies, wie fest im Glauben der Nation der Credit der Nationalbank steht, und zugleich, daß die Bankdirectoren sehr unnöthig die altere Bereitwilligkeit, unlimitirte Bankzcttel auszugeben, beschränkt hatten. Die Bank beschäftigt an Personal jetzt über 400 Personen. Das Maximum, was die londner Bank jemals zu gleicher Zeit umlaufen ließ, war 54 Mill. Pf. St. Jetzt mag der Umlauf in Zetteln der londner Bank ungefähr die Hälfte betragen. Die sogenannten unnachahmlichen neuen Banknoten, seit Febr. 1820 ausgegeben, haben folgendes Eigenthümliche: Eine gewisse Zahl gerader Linien bilden mit eiförmig gebogenen dünnen Linien verschiedener Excentricität eine Art Schachbret, dessen gebogene Quadrate abwechselnde schwarze und rothe Linien darstellen. Das mathematisch-genaue Zusammentreffen der verschiedenen auf 3 Seiten gefärbten Quadrate wird durch eine Maschine bewirkt, welche auf kleine Platten drückt, die die Noten formen. Selbst der Besitzer dieser Maschine kann die neuen Banknoten, welche jene liefert, nicht nachdrucken, weil er den Schlüssel zu Anordnung ihrer Bestandtheile nicht kennt. Dieser Schlüssel ist nur den Directoren und den ersten Bankofsicianten bekannt. Seit der Einführung dieser neuen Banknoten ist das Verfälschen derselben bisher nicht mehr versucht worden. Es ging bis dahin so weit, daß vom 1. Mai 1818 bis Ende Juni 1821 an falschen Banknoten der Bank von England präscntirt wurden 87,410 Stück » 1 Pf. St., 1953 -r 2 Pf. St., 2497 ä 5 Pf. St., 273 ü 10 Pf. St., 68 ä 20 Pf. St. In den letzten 164 I. wurden wegen überwiesener Banknotenvcrfälschung zum Tode vcr- urtheilt 657 Personen, von denen 241 wirklich hingerichtet wurden. Übrigens mußte die Circulation der Nominalsumme der engl. Banknoten abnehmen, nachdem die Goldvaluta der Umlaufsumme sich um 4 verbessert hatte. 8) Madrid hat eine St. - Karlsbank. Ihr Fonds ist 150,000 Acticn, jede zu 2000 Realen de Vellon. Sie verlieren jetzt 40 — 60 Proc. 9) Neapel hat eine durch ein Decret vom 7. Dcc. 1808 errichtete Nationalbank, welche, ungeachtet der Revo- lutionsvcrsuchc 1820 und 1821, eines festen Credits genießt. 10) Die n o r w e- gischc Rcichsbank zu Christiania. Sie wurde von ihrer Regierung befristet, vor ' 41 644 Bank 1821 ihre Auszahlungen nicht in klingender Münze zu beschaffen. Natürlich wird sie noch manche Schwierigkeiten in einem Staate bekämpfen müssen, der sich erst aus dem Mangel an baarem edrln Metall, in Folge des vieljährigcn dänischen Papiergeldsystems, herausarbeiten muß. 11) Rom hat eine Leihbank unter dem Namen Il-mco Herrschaft ausschließlicher Besitz ausländischer Krieger. Das regierende Kriegs- volk ward durch freiwillige Werbungen in Ländern von gleichem Glauben, mit Ausschluß desjenigen, in welchem es herrschte, unterhalten. Die Miliz behielt sich das Recht der Wahl ihres Oberhauptes vor, und dcr Dey war der Erste unter seines Gleichen, für die Soldaten ein General und für die Landeseinwohner ein unbeschränkter Herrscher. Auch hinderte die algierische Regierung die Ehen ihrer Soldaten und schloß eifersüchtig die Kinder derselben von aller Theilnahme an der Regierung aus, indem sich die Türken die höhcrn Stellen vorbehielten. Daher läßt jedes zweite Jahr die Regierung Schiffe mit Commissarien nach der Levante zum Behufe neuer Werbungen abgehen. Man nimmt die Rekruten selbst unter den Verbrechern in Konstantinopel. Hier verachtet, werden sie sogleich in Algier Effen- dis, mit allem Hochmuth von Emporkömmlingen und Glücksrittern. Ihrer sind nicht über 12—13,000, und doch herrschen sie über mehre Millionen. Geschichte der Barbareskenstaaten. Seit der Einnahme Nordafrikas durch Omar (647 n. Chr.) und andre Heerführer der arabischen Khalifen entstanden an der Küste mehre kleine Staaten. Zeiri, ein vornehmer Araber, erbaute Algier (Aschir) 944 und erweiterte das Gebiet. Der fathimitische Khalif ertheilte der Familie des weisen Zeiri (st. 970) die erbliche Gewalt. Sie regierte unter dem Namen der Zeirithe» bis 1148, i» welchem Jahr Roger, König von Sicilien, dem 654 Barbaresken (Geschichte) Letzten derselben, Hassan Ben Ali, Tripolis und einen großen Theil seines Landes abnahm, worauf sich die Moraviden, Gebieter von Marocco, des Restes bemächtigten. Die Dynastie der Moraviden beherrschte die ganze Küste bis 1269, in welchem Jahre die Ncgcrfürsten Abouhafs ein Reich zu Tunis stifteten. Ludwig der Heilige starb bei der Belagerung an der Pest (1270). Hierauf wurden die Beni Zian Meister des größten Theils des algerischen StaatS, konnten aber nicht verhindern, daß sich die wichtigsten Städte, Oran, Algier, Tunis und Tripolis, zu Freistaaten erhoben, welche durch Vertreibung der Mauren und Juden aus Spanien (seit 1492) sehr volkreich wurden. Um 1494 fingen sie an, sich für ihre Vertreibung aus Spanien durch Seeräuberci zu rächen. Ferdinand der Katholische rüstete sich daher mit ganzer Macht gegen sie. Er eroberte 1506 Oran und andre Städte, machte sich die Regenten von Tunis und Tremezene zinsbar; 1509 nahm er Tripolis ein, unterwarf Algier, und erbaute vor dem Hafen dieser Stadt auf einer Insel ein Castell, welches, mit einer starken Besatzung versehen, den Handel dieser Stadt schützte. Aber nach Ferdinands Tode riefen die Algierer einen türkischen Seeräuber, den oben genannten Horuc Barberoufse, zu Hülfe, der nebst seinem Bruder Khair Eddyn mit einem Geschwader vor Algier erschien. Er wurde von den Einwohnern festlich empfangen, ließ darauf den Emir Selim Eutemi, welcher bisher Algier vertheidigt hatte, erdrosseln und sich 1518 von seinen Türken zum König ausrufen. Jetzt trat in Algier eine solche Tyrannei von Seiten der Türken ein, welche ohne Widerstand mordeten und plünderten, daß die Einwohner sich genöthigt sahen, die Spanier selbst um Hülfe anzuflehen. Aber ein Sturm zerstreute die spanische Flotte. Darauf schlug Horuc Barberousse die Araber zurück und eroberte Tunis und Tremezene. Allein vor Oran erlitt er von dem spanischen Statthalter, Marchese von Gomacez, eine solche Niederlage, daß er mit 1500 Türken auf dem Platze blieb. Da sein Bruder und Nachfolger, Khair Eddyn, keine Möglichkeit sah, sich gegen die Christen und die unzufriedenen Algierer zu behaupten, so übergab er 1519 sein Königreich an den Sultan Soliman, der ihn zum Pascha ernannte und ihm 10,000 Janitscharen überließ. Mit diesen Truppen vertrieb er die Spanier aus der befestigten Insel, welche er 1529 durch einen Damm mit dem festen Lande verband, sodaß die Stadt einen vortrefflichen Hafen erhielt. Er nahm hierauf Tunis mit List, mußte es aber 1535 Karl V. überlassen, der den vertriebenen König wieder einsetzte, 20,000 Christcnsklaven befreite und die Citadelle Goletta für sich behielt. Gegen Khair Eddyn's Nachfolger in der Paschawürde, Hassan, einen Renegaten aus Sardinien, unternahm Karl V., wider den Rath des erfahrenen Doria, im Spätjahre 1541 die Belagerung von Algier mit einer Flotte von 200 Segeln und 30,000 Mann. Die Spanier wollten sich förmlich hier ansiedeln; denn Kaufleute, Handwerker und Weiber, sogar Hofdamen hatten sich mit eingeschifft. Allein den 28. Oct. zerstörte ein fürchterlicher Sturm mit Erdbeben und Platzregen den größten Theil der Flotte und das Lager. Karl mußte Geschütz, Gepäck und einen großen Theil seines zerstreuten Lagers zurücklassen. Er verlor bloß im Sturme 15 Kriegsschiffe, 140 Transportschiffe und 8000 Mann. Eid - Utika, erzählen die Mauren, ein frommer Marabut, schlug das Meer so lange mit seinem Stocke, bis es die Geduld verlor und die Schiffe der Ungläubigen zerstörte. Man errichtete dem Heiligen nach seinem Tode ein Denkmal, und noch jetzt glaubt das Volk, man dürfe nur das Meer mit seinen Knochen schlagen, um eine christliche Flotte durch Sturm zu vertreiben. Dieser Erfolg machte die Barbaren kühn. Der Pascha von Ägypten eroberte 1544 Tremezene, 1555 Bugia und 1569 Tunis, das sich aber 1628 wieder befreite, bis es 1694 zinsbar gemacht, und 1754 zum zweiten Male erobert wurde. Seitdem ist es stets von Algier bald mehr, bald weniger abhängig geblieben. Vergebens erneuerten die Spanier 1703 ihre Angriffe gegen Algier, 655 Barbaresken (Geschichte) , sie verloren sogar Oran 1708. Ebenso vergeblich waren die Angriffe der Eng- ^ länder, Niederländer und Franzosen, doch schlössen zuerst die Engländer seit 1662 Vertrage mit Algier, und züchtigten zuletzt, in Verbindung mit den Niederländern, , den Trotz der Algierer 1816. (S. Sklavenhandel und Sklaverei der ' Weißen.) Allein die Beschränktheit der Mittel, die man zur Bändigung der fanatischen Algierer anwandte, die Eifersucht der europäischen Staaten, Alles trug dazu bei, daß Algier bloß augenblickliche Demüthigungen erfuhr. Die Nordküste von Afrika kann nur, nach völliger Ausrottung der türkischen Miliz, durch ein i verständiges Colonialsystem gerettet werden. Der Übermuth der Barbaresken ist trotziger als je. 1817 wagten sich algierische Seeräuber bis in die Nordsee und nahmen alle Schiffe weg, die nicht einer Macht gehörten, welche ihnen Geschenke schickt, wie Schweden, Dänemark, Portugal, oder mit denen sie Verträge abgeschlossen, wie England, Nordamerika, die Niederlande, Sardinien, Neapel und Frankreich. Zwar haben die Regierungen von Marocco, Algier, Tunis und Tripolis die christlichen Gefangenen nicht mehr als Sklaven, sondern mehr als Kriegsgefangene zu behandeln versprochen (s. Sklavenhandel), allein dadurch ist das Loos der Unglücklichen, die in ihre Hände fallen, nicht besser geworden, die Mißhandlung vielmehr arger. Auch die Flagge der minder mächtigen Staaten wird ungeachtet der Verträge selten geachtet, und noch 1826 liefen aus Algier Raubflotten aus, um spanische, päpstliche u. a. Schiffe wegzunehmen. Auch gegen , die deutsche Schifffahrt kehrte sich oft ihre Wuth. Deßhalb ward in Hamburg ein antipiratischer Verein gebildet und auf dem Bundestage ein Ausschuß ernannt, der zweckdienliche Maßregeln vorschlagen sollte. Die meisten Machte scheinen Englands Schutz zu suchen; nur Baden hat es als eine Nationalsache des deutschen Bundes angesehen, selbstthätig Schiffe zum Schutze des deutschen Handels auszurüsten, wie schon die Hanse es vermochte. Großbritannien und Frankreich federten daher, im Namen aller europäischen Mächte, die Barbaresken 1819 auf, das europäische Völkerrecht als verbindlich zu beobachten. Allein der Krcuzzug, welchen Sir Sidncy Smith, als Präsident des nun aufgelösten antipiratischcn Vereins in Paris, den christlichen Mächten vorschlug, kam nicht zu Stande. Unter den 3 Seeräuberstaaten, Algier, Tunis und Tripolis, ist Algier der Sitz des wildesten Soldatenpöbels. Die willkürlichen Erpressungen des ehemaligen Pascha machten seine Herrschaft so verhaßt, daß die Einw. 1628 Abgeordnete j nach Konstantinopel sandten, welche Achmed I. bewogen, in die Beschränkung der Macht des Pascha einzuwilligen. Man ernannte daher einen Dey als Oberhaupt der Finanzen und ließ dem Pascha nur Gehalt und Rang. Als hierauf die Paschen ihr voriges Ansehen wiederzuerlangen suchten, ließ der Dey, Babu Ali, 1710 den Pascha auf ein Schiff werfen und sandte ihn mit der Erklärung nach Stambul, daß die Algierer keinen Pascha mehr von der Pforte annehmen, sondern sich durch selbstgewählte Deys regieren würden. Achmed III. ernannte jetzt den jedesmaligen Dey zu seinem Pascha, und entsagte dadurch aller Einwirkung in die Staatsgewalt dieser Soldatenrepublik. Seitdem schickt der Großherr nur von Zeit zu Zeit einen Ehiaux oder Bevollmächtigten nach Algier, den man mit großer Ehre empfängt, bewirthet, bewacht und baldigst wieder fortschickt. Aber auch das persönliche Schicksal der Deys war nicht gesicherter als das ihrer Vorgänger. Selten ist einer so glücklich wie Mohammed III., welcher 1791, nach einer 23jähr. Regierung, in einem Alter von 93 Jahren starb. Den letzten, Omar Pascha, der dem Lord Exmouth einen so entschlossenen Widerstand entgegensetzte und ebenso tapfer als klug und thätig war, ermordeten die Soldaten 1817. Sein Nachfolger, Ali Hodja, ein geb. Türke, begab sich daher in der Nacht vom 2. Nov. 1817 mit seiner Familie, seinen Schätzen und den Ministern in das feste Schloß Kiaska oder Eharba, bis in die Mitte des 16. Jahrh, die Residenz seiner Vorfahren, auf 656 Barbaresken (Geschichte) dessen Besatzung er sich ganz verlassen konnte, und hielt die Stadt nebst der unruhigen Türkenmiliz durch 50 Kanonen in Ordnung. Er behandelte die europäischen Consuln und die fremden Kaufleute mit empörender Willkür und Grausamkeit. Sein Nachfolger, Hussein, seit d. 1. März 1818, hat ebenfalls um s. Sicherheit willen jenes Schloß zu s. Residenz gewählt. Der Dey von Algier hat eine unumschränkte Gewalt, obgleich die ersten Staatsbeamten und Offlciere einen Divan bilden. Die Wahl des Dcy hängt ganz von gemeinen Soldaten ab. Sie muß einstimmig sein, daher gewöhnlich eine Partei die andre zum Beitritt nöthigt. Der Gewählte muß die Stelle annehmen. Der neue Dey läßt nicht selten, um s. Anhänger mit Stellen zu belohnen, alle Beamte seines Vorgängers umbringen. Der Dey kann überAlles verfügen, außer über Religionsangelegenheiten. Er hält täglich Gericht, außer Donnerstags und Freitags,wobei sämmtliche Beamte zugegen sind. Alles wird schnell abgethan, und die Urtheile werden auf der Stelle vollzogen. Der vorige Dey bewaffnete die Eingeborenen des Landes, Mohren und Neger, gegen die eignen Landsleute, die türkische Miliz, und erkaufte ihre Anhänglichkeit durch den heiligen Schatz im alten Schlosse, dessen er sich bemächtigt hatte. Die britische Regierung wird von diesen Barbaren mehr gefürchtet als jede andre. Sie beobachten die mit England geschlossenen Verträge-, und in Marocco hat seit dem Vertrage von 1721 der britische Eonsul stets in großem Ansehen gestanden. Auch ist der Zustand der Sklaven,wenigstens in Marocco und Tripolis, stets leidlich gewesen, und ihre Auslösung hat nie Schwierigkeiten gehabt; seit aber auch in Marocco die Sklaverei der Christen abgeschafft worden, sollen Schiffbrüchige u.a. Europäer, die in die Hände der Araber und türkischen Freibeuter sielen, oft ermordet worden sein, wenn man sie nicht in das Innere von Afrika schleppen konnte. Die meisten Christensklavcn sind Italiener; aber auch die ital. Staaten behandeln die gefangenen Mohren als Sklaven. 1827 verlangte Frankreich für s. vom Dey beleidigten Eonsul und wegen andrer Unbilden Genugthuung. Auf dessen Weigerung ward ihm der Krieg erklärt, und Algier 1828 fg. blokirt. — DerStaat von Algier (4218 HjM. mit 2^- Mill. E.) liegt zwischen Tunis und Fez. Nach dem Frieden von 1816 zahlt Neapel jährlich anAlgier24,000 Piaster und gibt für jeden gefangenen Neapolitaner 1000 Piaster (1300 Thlr.) Löse- geld. Die Amerikaner haben sich von diesem Tribute befreit. Denn nachdem sie am 20. Juni 1815 die algierischc Escadre bei Carthagena völlig geschlagen, mußte der Dey einen Vertrag mit ihnen abschließen, in welchem er allem Tribut entsagte und sogar für die aufgebrachten amerikan. Schiffe einen Ersatz von 60,000 Piastern leistete. Über das Verhältniß Algiers zu England s. Sklavenhandel. 10,000 Mann, meistens türkische Miliz, bilden das Heer; im Nothfalle können 100,000 M. zusammengebracht werden. Die Hauptst. Algier (140 Seemeilen von Gibraltar) mit 80,000 Einw., darunter 10,000 Juden, ist von der Seeseite stark befestigt. In den Provinzen, unter welchen Constantine (zugleich die volkreichste Stadt nach Algier, mit alten Denkmälern) an Tunis grenzt, regieren Beys despotisch; die Dörfer haben eigne Scheichs; befiehlt ein Scheich über mehre Dörfer, so heißt er Emir. Über Tunis, Tripolis, das Reich Fez und Marocco, die Landschaften Biledulgerid und Barka s. d. A.— Die Seemacht der sämmtl. nordafrikanischen Staaten ist von jeher, im Vergleich mit den europäischen Flotten, unbedeutend gewesen. — Über die Verberei vgl. man Blaquiere's „Setters kroin tbo Uediterranean vontaininA a civil and politioal account ok 8!viIH 'Iripoli, '1'nnis and Llalta" (London 1813, 2 Bde., mit Kpfrn.); des verst. Richard Tully's (brit. Consuls) anziehende „Karrative ok a ton z-eara rosidonoc at llkripoli; an aocount ok tlie doiucstiv inannor» oktire iiloors, -Vral>8 and 3'urics" (London 1816, 4.); Keating's „l'ravels inLuropa and^krioa,rvitlr a partikular aocount ok Uaroeoo" (London 1816^. 4.) und Macgilks „.Vconunt ok'l'unis" (Glasgow 1811). Ii. Barbier Barcelona 657 Barbier (Anton Alexander), Bibliograph, geb. zu Coulommiers 1765, war bei dem Anfange der Revolution Pfarrer. 1794 ging er nach Paris, wo man ihn zum Mitglieds der Commission ernannte, welche mit der Sammlung der in den aufgehobenen Klöstern befindlichen Gegenstände der Literatur und Kunst beauftragt war. Dies bahnte ihm 1798 den Weg zu der Stelle eines Aufsehers der von ihm selbst gebildeten Bibliothek des eonseil ck'etst, und als diese 1807 auf das Schloß nach Fontainebleau gebracht wurde, ernannte ihn Napoleon zu seinem Bibliothekar. Nach der Rückkehr des Königs erhielt er die Aufsicht über dessen Privatbibliothek. Er starb 1825. Sein treffl. „OataloZue cke la blblivtliegue ,Iu eonseil ä'etst" (Paris 1801—3, 2 Bde., Fol.) istjetzt sehr selten. Sein „vietion- naiie ckes ouvraAes anonymes et pseuäon^mes" (Par. 1806—9, 4 Bde., Z.Aust. 1824) ist durch Anlage, Genauigkeit und eine mit weiser Kürze verbundene bcsiie- digende Vollständigkeit (wenigstens in Hinsicht der franz. Literatur) eins. der besten, welche man bis jetzt über diesen Zweig der Bibliographie hat. Weniger gelungen ist sein: „Ilxsnren vritigue et ooinplement (1e8 ckietionnerire« Hi8torigue8" (1. Thl., Paris 1820), da der enger beschränkte Kreis seiner Studien und Forschungen einem so umfassenden Plane nicht genügen konnte. 52 Barbi« d u B o c a g e (I. D.), Geograph des auswärtigen Ministeriums, Mitglied der Akademie der Jnschr. (seit 1806), geb. zu Paris 1760, genoß d'Anville's Unterricht und trat 1785 als Gehülfe beim Medaillencabinet der königl. franz. Bibliothek in Thätigkeit. Als 1793 die Verhaftung aller Bibliothekbeamten decretirt war, verlor er sein kleines Amt. 1797 wurde er Geograph beim Ministerium des Innern und 1803 beim Depart. der auswärtigen Angelegenheiten, sowie 1809 Professor und 1815 Dechant der Scctivn der Wissenschaften bei der Akademie zu Paris. Zu Choiscul-Goufsier's „Malerischer Reise nach Griechenland" lieferte er die Plane und Charten; 1789 den Atlas zu Barthelemy's „Anacharsts", 1805 eine Denkschrift und eine Charte über den Rückzug der 10,000 Griechen. Er sammelte mit H. von Samte - Croix die historisch -geograph. Denkwürdigkeiten über das Gebirge zwischen dem schwarzen und kaspischen Meere und eine Zahl andrer geograph. Schriften und Charten, unter andern 1816 einen Atlas in 54 Bl. für das Studium der ältern Geschichte. Er starb den 28. Der. 1825. Barbou, eine berühmte Buchdruckerfamilie, die bis in das 16. Jahrh, hinaufsteigt. Die aus ihren Pressen hervorgegangenen Werke zeichnen sich durch richtigen Druck und Zierlichkeit aus. Mit dem Anfange des 18. Jahrh, ließen sie sich in Paris nieder. Hier setzte Joseph Gerard Barbou die Sammlung lateinischer Classiker in 12. fort, welche Antoine Coustelier angefangen. Dieser hatte gedruckt den Catull, Tibull, Properz, Lucrez, Sallust, Virgil, Nepos, Lucan, Phadrus, Horaz, Vellejus, Eutrop, Juvenal und Persius, Martial und Terenz. Barbou, von dem die ganze Sammlung gewöhnlich die Barbou'sche genannt wird, druckte den Cäsar, Curtius, Plautus, Tacitus, Seneca, Ovid, Cicero, Justin, beide Plinius und Livius, und außerdem in gleichem Format einige Neulateiner. Der jetzige Besitzer des Verlags, Auguste Dclalain, hat die Sammlung mit 4 Bdn. vermehrt und verkauft die ganze Folge von 77 Bdn. zu 350 Fr. brosch. und 500 Fr. gebunden. Barcarolles, eine Art Gesänge der Gondelfahrer zu Venedig, zwar nur für den Pöbel, und öfters von den Gondelfahrern selbst componirt, aber von höchst angenehmer Melodie. Die meisten dieser Schiffer haben einen großen Theil von Tasso's „Befr. Jerusalem", ja manche dasselbe ganz inne; sie singen es in den Sommernächten von einer Barke zur andern, und man kann behaupten, daß vor Lasso nur Homer und außer diesen Beiden kein andrer epischer Dichter so in dem Munde seiner Nation gelebt habe und lebe. Barcelona, eine der größten Städte Spaniens, die Hauptst. dcrPro- Conv. - Lex. Siebente Aufl. Bd. I. 1 42 658 Bardale Barden vinz Catalonien, liegt, zierlich gebaut, in Gestalt eines halben Mondes am mittelländischen Meere unter 2° 9^ 57" .Ü. L. und 41° 21/ 44" N. Br. und war schon im Mittelalter ein Hauptplatz für den Handel in diesem Meere. Die Stadt ist gut befestigt und hat auf der öftl. Seite eine starke Citadelle, welche 1715 erbaut ward und mit der am Meere liegenden Schanze San-Carlos eine verborgene Verbindung hat. An der Abendseite der Stadt liegt der Berg Montjouy, mit einem Fort, das den Hafen beschützt. Sie ist in die obere und untere Stadt eingetheilt, und enthält, mit Inbegriff der anstoßenden Stadt Barcelonetta (regelmäßig gebaut seit 1752, mit 10,000 E., meist Schiffswerklcuten, Matrosen und Soldaten), 360 Straßen, 10,260 H. und 140,000 E. Man zählt 30 Calicopressen, 150 Baumwollenmanufacturen, viele Seidenwebereien; auch werden Leinwand, Spitzen, Franzen, Stickereien, Tressen, Bänder, Hüte, Strümpfe, Seife, Stahl-und Kupßerarbeiten, insbesondere treffliche Flinten, Pistolen und Seitengewehre für das spanische Heer, früher auch für Neapel und die amerikan. Colo- nien, in Menge verfertigt. Der Hafen ist geräumig, hat aber eine beschwerliche Einfahrt und ist für Kriegsschiffe nicht tief genug; er wird durch einen großm Damm geschirmt, an dessen Ende ein Leuchtthurm und ein Bollwerk befindlich sind. Die Ausfuhr besteht außer den Manufacturartikeln in Wein und Branntwein; die Einfuhr in franz. und ital. Fabrikwaaren, Getreide, Reis, Bauholz aus der Ostsee, gelbem Wachs aus der Berberei, schwedischem Eisen, Stahl aus Steiermark, Hanf aus Riga und Petersburg, Leinen, Kupfer und Eisendraht aus Deutschland. Ein bedeutender Artikel ist Stockfisch, den die Engländer aus Newfoundland einbringen. Der Gesammtbetrag des Ein- und Ausfuhrhandels, der an 1500 Schiffe (darunter 120 eigne) beschäftigt, wird auf mehr als 10 Mill. Thaler angeschlagen. Die Stadt enthält 82 Kirchen (9 Pfarrkirchen, 27 Mönchs - und 18 Nonnenklöster), e. Universität, mehre öffentl. Bibliotheken, e. öffentl. Naturalicn- sammlung, e. Freischule im Zeichnen, e. Ingenieur-und Artillerieschule, e. Akad. der schönen Wissenschaften, e. Findelhaus, e. großes Hospital, welches 3000 Kranke enthalten kann, e. großes Zeughaus, e. Kanonengießerei, e. Schiffswerft u. s. w. B. ist der Sitz eines Bischofs, Suffragans des Erzbischofs von Tarra- gona, eines Genecalcapitains und eines hohen Gerichtshofes. Das Jnquisitions- gericht ist aufgehoben. Bis zum 12. Jahrh, stand Barcelona unter eignen Grafen, ward aber durch die Vermahlung Raimunds V. mit der Tochter Ramirus H, Königs von Aragonien, mit diesem Reiche vereinigt. 1640 entzog es sich mit ganz Eatalonien der span. Herrschaft und unterwarf sich der franz. Regierung; doch 1652 kehrte es zum Gehorsam gegen Spanien zurück; 1697 ward es von den Franzosen erobert, im ryswicker Frieden aber an Spanien zurückgegeben. Im span. Erbfolgekricge schlug sich Barcelona auf die Seite des Erzherzogs Karl, ward von Philipps V. Truppen unter dem Herzog von Berwick 1714 belagert und nach einem hartnäckigen Widerstände erobert. Um die Einwohner im Zaume zu halten, ward die starke Citadelle an der Ostseite der Stadt aufgeführt. Am 16. Febr 1809 ward Barcelona von franz. Truppen unter dem General Duhesme durch Überrumpelung genommen und blieb im Besitz der Franzosen, bis 1814 sämmtl. Truppen dieser Nation aus Catalonien zurückgezogen wurden, um Frankreich zu vertheidigen. 1821 ward es vom gelben Fieber verheert. 1827 fg. herrschte hier der Gen. - Cap. Graf d'Espanna, nach Unterdrückung der Lgravirulos (s. Spanien) mit blutiger Strenge. Bardale, von dem Stammwort Bar (Schall, Klang, Lied), welches auch in „Barde" vorkommt, ist von Klopstock als altdeutscher Name der Lerche gebraucht worden. Barden, Dichterund Rhapsoden der Celten (Galen, von den Römern Gallier genannt), welche die Thaten der Helden zur Harfe sangen, das Heer zur Bardesanes Bardiet 659 Tapferkeit anfeuerten, demselben zum Kampfe voranfchritten und während der Schlacht die Streitenden beobachteten, um die Thaten der Gegenwart dem Andenken der Nachkommen im Liede zu überliefern. Sie waren so heilig geachtet, daß der hitzigste Kampf stille stand, wenn sie sich zwischen die Kämpfenden stellten. Die Leiten, welche zu Cäsar's Heilen zwischen der Rhone und Garonne wohnten, brachten sie mit nach England. Allein sie wurden von da nach Irland, Schottland und in die umliegenden Inseln gedrängt. Hier, besonders in der nördlichen Spitze Schottlands, erhielt sich ihre Sprache und mit ihr der Bardcngesang am längsten. Ein solcher Barde war Ossian (s. d.). Man nennt die schottischen Barden auch caledonische, und Ossian vorzugsweise den caledonischm Barden, von den frühern Bewohnern Schottlands, den Caledoniern, deren Wohnsitze die Galen einnahmen. Die Barden verschwanden mitdcc wachsenden Herrschaft des Christenthums; ebenso die Druiden oder Priester der Galen, zu deren Orden sie gehört haben sollen. Die alten Sänger der Germanen oder Deutschen werden mit diesem Namen bei keinem griechischen oder lateinischen Schriftsteller des Alterthums bezeichnet, und erst in neuern Zeiten ist es gebräuchlich geworden, die ältesten Sänger der Vorzeit überhaupt, und namentlich der vaterländischen, Barden zu nennen. Rühs in seiner Erläuterung der 10 ersten Capitel des Tacitus meint, die Deutschen hätten keine abgesonderte Dichterclasse unter diesem Namen gehabt, sondern die Sänger odrr Barden, die zur Harfe oder Zither sangen, hätten zu allen Standen gehört. (S. auch Skalden.) Bardesanes, der Gnostiker, ein Syrer, in der 2. Hälfte des 2. Jahrh, in Edcssa, Günstling des Königs Abgar Bar Maann, ist durch die Eigenthümlichkeit seiner Gnosis merkwürdig. Sie war nicht dualistisch, sondern betrachtete das Böse in der Welt nur als eine vorübergehende Reaction der Materie. Alles Leben erklärte Bardesanes durch absteigende Zeugungen oder Emanationen männlicher und weiblicher Äonen; aus Gott, dem unerforschlichcn Grunde aller Substanzen, und seinem Weibe sollten Christus, der Sohn des Lebendigen, und ein weiblicher heil. Geist, aus diesen wieder die Geister oder Bildungskrafte der vier Elemente ausgegangen sein, sodaß hieraus die heil. Acht oder die Gottesfülle entstand, deren sichtbare Nachbilder er in Sonne, Mond und Sternen fand und diesen daher alle Veränderungen in der Natur, sowie den Wechsel menschlicher Schicksale zuschrieb. Der weibliche heilige Geist, befruchtet vom Sohne des Lebendigen, war ihm Schöpfer der Welt, die menschliche Seele, ursprünglich von der Natur der Äonen, nur zur Strafe des Abfalls in den materiellen Leib eingeschlossen, doch der fatalistischen Regierung der Gestirne nicht unterworfen. Jesum, den zur Erlösung der Seelen genannten Äon, hielt er nur für einen Scheinmenfchen und s. Tod für einen Scheintod, seine Lehre aber für das sichere Mittel, die Seelen mit Sehnsucht nach ihrer himmlischen Heimath zu erfüllen und zu Gott zurückzuführen, was gleich nach dem Tode und ohne Auferstehung des irdischen Leibes geschehen sollte. B. verbreitete diese Lehre durch syrische Hymnen und ist in dieser Sprache der erste Hymnendichter. Sein Sohn Harmonius studirte in Athen und suchte seiner Lehre ebenfalls durch Hymnen Beifall zu verschaffen. Doch trennten sich die Bardesanisten nicht förmlich von der rechtgläubigen christlichen Kirche. Sie erhielten sich bis in das 5. Jahrh.> Valentinus stand als Gnostiker dem Bardesanes am nächsten, ohne sein Anhänger zu sein. B.'s astronomische und ethnographische Kenntnisse erfleht man in einem bei.Eusebius („kraepar. evanAel.", Buch 6, Cap. 10) in griechischer Sprache erhaltenen, gedankenreichen'Fragment seines Werks über das Schicksal. Als Mensch lebte er unbescholten. Bruchstücke seiner syrischen Hymnen, die von einer reichen und feurigen Phantasie zeugen, findet man in den gegen dieselben gerichteten Hymnen des syrischen Kirchenvaters Ephraim. 31. Bardiet (auch Bardit — der und das). Diese Benennung ist auf eine 42 * 660 Bardili Baring (Familie) bestrittene Stelle des Tacitus (6erm. 7.) gegründet. Selbst Heyne wagte nicht zu entscheiden, ob dort lmräitus oder barritu« oder baritu» zu lesen sei. Adelung in seiner „Ältesten Geschichte der Deutschen rc." (Leipz. 1806), S. 387, zieht bari- t»8 vor, versteht darunter sehr richtig das Kriegsgeschrei, den Schlachtruf der Germanen, und leugnet, daß es bei ihnen den Namen der Barden gegeben habe. Andre, welche bnräitus lesen, denken an den Bardeügesang in der Schlacht und nehmen daher auch Barden bei den Deutschen an, wohin die Stelle aber auch selbst mit dieser Lesart nicht zu deuten ist. Tacitus spricht auch am a.Ort. (Cap.2und3) von alten Gesängen der Germanen, welche den Ursprung und die Thaten ihres Geschlechts besangen, ohne doch irgendwo diese Sänger Barden zu nennen. Das von Klopstock zuerst gebrauchte Wort Bardict, als Gattung der Dichtkunst, bezeichnet ein Lied, in dem vorgestellten Charakter eines Barden oder ältesten Sängers der Nationalvorzeit gedichtet, besonders ein religiöses und kriegerisches Lied, oder einen Schlachtgesang in dem wildkräftigen Tone der Urzeit, vorzüglich der germanischen Völker, wovon das in Ton und Sitten gebildetere Kriegslied unserer bürgerlichen Zeit sehr verschieden sein muß. Die Dichter, welche zu Klopstock's Zeit das Bardict bis zum Überdrusse erschallen ließen, ahmten in demselben meistentheils die empfindsame WeichheitOssian's, der eben durch Macpherson wieder erweckt worden war, nach, oder ihre Gesänge arteten in kunstloses Gebrüll aus, über welches sich schon H ö l t y (s. d.) und seine Freunde durch Parodien lustig machten. Im Ganzen konnte diese Gattung nicht lange gefallen, weil sie entweder nur Nachahmung eines sehr unbestimmten und nebelhaften Urbildes sein konnte, oder dem gebildeten neuem Leser zumuthete, sich einige Stufen zurückzustellen und die Miene der deutschen Rohheit anzunehmen, welches bei dem Mangel individueller Züge, oder bei der Einmischung einer rohen Mythologie, die erst der Erklärung bedurfte, ohne großen Vortheil zu sein schien. Doch müssen wir diese Ausartungen der neuem Poesie nicht mit den, wenn auch zum Theil mißlungenen, Versuchen Klopstock's und einiger seiner Freunde zusammenstellen. Klopstock nannte seine drei Hcr- mannsdramen Bardiet. Dcnis und Gerstenberg behandelten diese Gattung in lyrischer Form; Kretschmann in epischer. Letzterer bildete sich auch eine Regel für das Bardiet, in welcher er den Bardengesang schon sehr idealisirt, und für das neuere nachgebildete Bardiet Gegenstände bestimmt, die dessen historischen Charakter aufheben müßten. Siehe K. F. Kretschmann's „Sämmtl. Werke", 1. Bd., Leipzig 1734; Klopstock's Aufs. im 8. Bd. s. Werke. 1. Bardili (Christoph Gottfried), s. Deutsche Philosophie. Barezzi (Stefano), Maler in Mailand, hat sich durch die Erfindung bckanntgcmacht, alte FreScogemälde von der Mauer abzunehmen, indem er ein Stück Leinwand, das mit einem besondern Kitt überzogen ist, darauf befestigt, dadurch die Farben loslöst, dann auf eine dazu vorgerichtete Holztafel überträgt, auf welcher sie nach Wegnehmung der Leinwand vollkommen fest aufgetragen bleiben. Im Ausstellungssaale des Palastes Brera sieht man von ihm ein auf diese Art unversehrt auf die Holztafel gebrachtes Gemälde des Aurelio Luino, die Marter des heil. Vincenz. Barfüßermönche, Mönche, die sich keiner Schuhe, sondern einfacher Sohlen, oder gar keiner Fußbekleidung bedienen. In mehren Bettelorden, z. B. unter den Carmclitern, Franciscanern, Augustinern, gibt es Congregationen von Barfüßern und Barfüßerinnen, doch nirgends einen besondern Barfüßerorden. Baring (Alexander), Bankier in London, Parlamentsglied, einer der D>- rectoren der ostind. Comp. und der englischen Bank, ist der zweite Sohn des verst. Kaufmanns und Baronets Sir Francis B. und demselben an Geist, Kenntnissen, Thätigkeit und Handelsglück unter seinen Brüdern am ähnlichsten. Die ausgedehnten Handels- und Wechselgeschäfte des alten Baring'schen Hauses ruhenimi- 68 ! Baring (Familie) stens auf s. Schultern, denn obwol ein Bruder Antheil daran hat, so ist dieser doch nur schlafender Handelsgcnosse, wie ein englischer Ausdruck solche Associes nennt. In Allem, was den Handel angeht, übertrifft ihn im Unterhaus gegenwärtig Niemand an Einsichten; daher man ihm, sobald er aufsteht, um zu sprechen, ?ldn beiden Seiten mit gespannter Aufmerksamkeit zuhört. Er geht dann gerade in die vorhabende Sache ein, schweift nicht vom Punkte ab, verschmäht alles Wortgepränge und überzeugt. Er gehört zur Whigpartei, wie sein Vater und die ganze Familie, aber er entfernt sich weit von den radicalen Reformatoren und warnt vor ihren revolutionnairen Planen. So hat er es mehrmals den Volksrepräsentanten aus Herz gelegt, sich ja nicht zur Antastung der öffentlichen Fonds, d. i. zum Ac- corde oder Staatsbankrutte verleiten zulassen, weil, sobald man Miene machen werde, dem Staatsgläubiger (tumUioIcker) nicht die volle Schuld, sondern nur eine beliebige, weit geringere Summe zu bezahlen, alle Capitalien augenblicklich in die franz. oder amerikanischen Fonds flüchten würden. Sein den Kaufleuten der ganzen gesitteten Welt bekanntes Haus erregte auch unter dem nicht-kaufmanni- schen Publicum Aufsehen, als er sich an die Spitze der großen franz. Staatsanleihe stellte und in dieser Angelegenheit 1818 beim Congresse zu Aachen erschien. Die Bedingungen dieser Anleihe waren, wie man aus den franz. Blättern weiß, äußerst vortheilhast und haben sein Haus zu einem der ersten in Europa erhoben. Wie Neckcr, weiß er die Feder trefflich zu führen, und unter den Schriftstellern über Staatshaushaltung nimmt er einen ehrenvollen Platz ein durch s. „Ingnir)- into tcke vau 808 anck vonseguenoe» ak tliv orcler8 in eouncil" (London 1818). Er und sein Bruder Henry heiratheten zwei Schwestern, die Erbinnen des Nvrdameri- kaners Bingham, deren jede 100,000 Pfund Sterling zur Mitgift bekam. Er hat Kinder und lebt auf einem angemessenen Fuß. - Sein verst. Vater, Sir Fran cis, stammte aus einer uralten Familie in Devonshire und war das Muster eines großen Kaufmanns. Sein Vater, der nach Virginien handelte, ein ihm gleich gesinnter, biederer, schlichter, lediglich an s. Geschäfte denkender und Alles, was davon ableiten konnte, sorgfältig meidender Mann, zog s. Sohn Franz eben deßwegen unter vielen Kindern vor, weil ihn der väterliche Geist beseelte. Franz wurde von s. Lehrer, dem im mathematischen Fache nicht unbekannten Schriftsteller Eoleman, zu einem tüchtigen Algebraisten gebildet, und hatte daher wenig f. Gleichen in Kopfrechnungen und umfassenden Anschlägen, die auf der Stelle gemacht werden müssen. Er war sein ganzes Leben hindurch mit einer starken Taubheit behaftet; indeß wußte man die Wirkung derselben durch die bekannten Mittel zu mildern, sodaß er sowohl den Parlamenlsdeb.atten als den Berathschlagungen in dem ostindischen Haufe mit Nutzen beiwohnen konnte. Wenn er im Parlamente sprach, so unterbrach ihn Niemand, und Pitt schloß keinen Commerztractat, ohne Sir Francis Baring um Rath zu fragen. Man hielt ihn für den ersten Capitalien im Lande. Der König erhob ihn 1793 in den Baronetsstand. Den meisten Einfluß hatte er als Hauptdirector der ostindischen Compagnie, welcher er durch die unerschrockene Vertretung ihrer Reckte große Dienste leistete. Als ihr Freiheitsbrief abgelaufen und die Frage war, ob man das Monopol der ostind. Comp. erneuern sollte, wollten die sämmtl. übrigen Kaufleute im britischen Reiche es abgeschafft wissen. Da überführte Sir Francis die Versammlung von der Ungerechtigkeit und Undankbarkeit eines so waglichen Schrittes mit solchem Erfolge, daß man den Freiheitsbrief mit großer Stimmenmehrheit erneuerte. Als er 1810 im 74.1. starb, behauptete man, er fei damals in Hinsicht auf Kenntnisse, Talente, Ruf und Vermögen der erste Kaufmann in Europa gewesen. Bei s. Tode wurde bekannt, daß er für seine Person zwei Mill. Omnimn von der vorhergehenden Staatsanleihe besaß. Drei Söhne trieben damals die Geschäfte des Hauses. Zwei, Henry und William, waren von der Factorei in Kanton mit großem Vermögen zurückgekehrt. 662 Bariton Barke Die fünfTöchter warm mit sehr ansehnlichen Ausstattungen verheirathct. Überdies hinterließ er an Gütern und Ländereien eine halbe Mill. Pf. Sterl. Von s. Söhnen ist Folgendes bekannt: Der älteste, welcher, als solcher, den Titel und den größten Theil des Vermögens erbte, ist der Baronct Sir ThomasB., welcher auf s. Landgute Stratton-Park einen großen Theil s. fürstlichen Vermögens auf Kunstwerke verwendet und eine Sammlung von Gemälden, Kupferstichen, geschnittenen Steinen rc. hat, welche zu den besten in England gehört. Der dritte, Henry, ist Parlamentsglied und «leepinA partner des Hauses. Er begleitete Lord Macartney an den chinesischen Hof und war nachher in der Factorci der ostind. Compagnie zu Kanton angestellt. Der vierte, William, hatte auch eine Anstellung bei der englischen Factorei in Kanton, erwarb sich dort ein großes Vermögen und heirathcte nach s. Rückkehr eine Miß Thomson. Als er 1820 bei s. Landgute an der Küste von Dorsctshire zum Vergnügen in einem Boote fuhr, schlug dasselbe um, und er ertrank im Angeflehte s. Gattin. Der fünfte, George, wurde auch nach China geschickt, verließ aber den Kaufmannsstand und wählte den geistlichen in der herrschenden Kirche. Da ihm diese nicht Genüge leistete, so ging er zu einer erst seit wenig Jahren aufgekommenen Sekte über (zu welcher auch sein Schwager, der Prediger Kamp in Brighton, gehört) und ließ in Exeter aufs. Kosten eine Kirche bauen, in welcher er predigt. Die zweite T. hat Herrn Labouchäre in Amsterdam, Disponenten und Associe des Hauses Hope und Comp., gehci- rathet. Die dritte ist verehelicht an Herrn Kamp, einen Prediger der neuen Sekte. Die ganze Familie lebt in großer Einigkeit. 62. Bariton (Bardon, Viola di Bordone), ein mit 7 Saiten bezogenes Instrument, an Gestalt fast der Viola d! Gamba gleich; außerdem sind unter dem Halse mehre Drahtsaiten angebracht, welche mit dem Daumen gerissen werden, während jene der Bogen streicht. Es ward um 1700 erfunden, nachher durch Anton Lidl, welcher die untern Saiten bis auf27 vermehrte, und vorzüglich durch Karl Franz zu Wien verbessert, wird aber selten gebraucht. — In der Vocalmusik heißt Bariton (ital. baritono, scanz. basss-taillo) diejenigejStimme, welche sich zwischen Tenor und Baß bewegt, sodaß sie zwar nicht die ganze Höhe des Tenors erreicht, aber auch nicht die volle Tiefe des eigentlichen Basses hat. Barka, ein wüstes, zum Anbau an wenig Stellen taugliches Land an Afrikas Nordküste zwischen Tripolis und Ägypten (4150 (UM., mit 300,000 E.). Es hat einen hoch mit Flugsand bedeckten Kalksteinboden. Das im W. und S. liegende Gebirge Harutscht ist wahrscheinlich vulkanischen Ursprungs. Das Küstenland ist eine osmanische Provinz unter einem Sandschak in der Stadt Barka. Hier liegt Tolometa (Ptolemais) mit griechischen Ruinen. Die Überbleibsel von Cyrene (s. d.) heißen jetzt Grenne. Die Gebirge von Derne mit der Stadt gl. N. stehen unter einem Bey, den der Bey von Tripolis ernennt. Auch der Bey von D. - Bingazi (sonst Berenice) mit den Häfen am Golf von Sydra, sowie die kleine Handelsrepublik Augila im innern Lande stehen unter dem Bey von Tripolis. In der Wüste liegen Tagereisen westlich vom Nil einige bewohnte Oasen. Eine solche ist der wasserreiche Theil der Republik Schiwa, die den Schutz der Pforte anerkennt und an den Pascha von Ägypten Tribut entrichtet. Die Hauptst. Schiwa (Siwah, s. d.) (das alte Ammonium, s. Amm on) hat 6000 E. und Datteln- handel. Im März 1820 besuchte der Ritter Frediani die Oase des Jupiter Ammon und glaubte die Ruinen des alten Orakeltempels wiedergefunden zu haben. Seiner Beschreib, haben der Architekt Gau und der franz. Consul Drovetti in Ägypten widersprochen. Genauer sind die Nachrichten des Gen. Minute li (s.d,). DieEinw. sind meist arabischer'Abkunft, Mohammedaner und zum Theil Straßenräuber. Barke, ein Schiff, das man auf Flüssen zum Vergnügen, auf dem Meere zum Befrachten oder Ausladen größerer Schiffe gebraucht. Auf dem Mittelmeec Barker Barlow 663 hat man zweimastige Barken von 50 Fuß Lange. — Barkasse, das größte Boot, welches Schiffe mit sich führen. — Barkerole (karclleroll») , einmastloses Fahrzeug zum Gebrauch auf der Rhede oder im Hafen, auch eine Gondel. Barker (Edmund Heinrich), einer der berühmtesten der jetzt lebenden englischen Philologen, geb. den 22. Dec. 1788 zu Hollym in Porkshire, wo sein Vater Prediger war, erhielt s. erste Erziehung in Privatanstalten in London und zu Louth in Lincolnshire. Den größten Einfluß aber auf s. gelehrte Richtung hatte Jackson, Oberlehrer der Stadtschule zu Beverley. Von diesem in das Studium der Alten eingeführt, ergriff er dasselbe mit einem Eifer, der ihn von den jugendlichen Er- götzungen der übrigen Schüler entfernt hielt. Die Universität Cambridge, wo er in das Trinitätscollegium trat, sagte ihm weniger zu, weil ihm die mathematischen Wissenschaften, die dort den Vorrang hatten, zu trocken erschienen. Er ging daher s. eignen Weg und lebte mit Griechen, nach der Horazischen Regel, Tag und Nacht. 1809 gelang es ihm, durch ein lat. und ein griech. Epigramm den Preis, Browne's goldene Schaumünze, zu erwerben. Auch besorgte er eine Ausg. der Bücher des Cicero „Oe seneotute" u. „Oo annvitis", welche Z Mal, und von Tacitus's „kermaniit" und „/lArieola", welche 2 Mal aufgelegt worden ist. Ein Bd. „Olrrssieal reorcatiorw", viele Aufsätze im „OlsssiosI Journal" seit dem 3. Stück desselben, eine Abhandlung zum 2. Stück des „ketrospsotive rsviorv" und Recensionen im „Lritislr eritie" beweisen die mannigfache Thätigkeit des Mannes. Am meisten hat s. Namen die Theilnahme an der neuen Ausg. von „Ilenr. 8te- plumi tiiesaurus 6r. 1^." berühmt gemacht. Valpy, der s. Fleiß und s. umfassende Gelehrsamkeit zu schätzen wußte, übertrug ihm diese Arbeit. Er kam durch sie in nähere Verbindung mit dem bekannten englischen Philologen Parr zu Hatten , dessen Rath, Kenntnisse und Verrathe er benutzte. So gerecht die Ausstellungen waren, die echte Gelehrte gegen die zu große Erweiterung des Plans und die Anordnung der Materialien machten, so heftige Ausfälle erlaubte sich auch der Neid auf das Verdienst B.'s. Er sah sich genöthigt, in einer eignen Schrift sich zu vertheidigen und dadurch Valpy's und seinem Unternehmen ungestörten Fortgang zu sichern. Über sein Lob haben deutsche Philologen des ersten Ranges, wie Schäfer, Hermann, Wolf, Sturz, sich laut ausgesprochen. Ein verdienstliches Werk B.'s. ist auch die 1820 bei Gerhard Fleischer in Leipzig unter Schafcr's Besorgung erschienene Ausg. des Arcadius „ve aoventilnis" mit einer „lipistolk vritiea" an Boissonade. Theilnahme an Werken deutscher Gelehrten hat B. bei vielen Gelegenheiten durch schätzbare Mittheilungen von Hülfsmitteln und Bemerkungen bewiesen. Seit 1814 lebt er verheirathet zu Thetford in Norfolk, durch eignes Vermögen und literarischen Erwerb in Stand gesetzt, sich ganz der classischen Philologie zu widmen. Ein Mann von altenglischem Charakter, gerade, edel, unerschrocken, verfolgt er standhaft das Ziel, das er ins Auge gefaßt hat. 3. Barlaam und Josaphat. Barlaam soll ein Eremit gewesen sein und im 3. oder 4. Jahrh, in Asien gelebt haben. Die Legende erzählt viel von ihm und der durch ihn bewirkten Bekehrung eines indischen Prinzen Josaphat. Die Legende soll um 740 durch Joannes von Damaskus in griechischer Sprache aufgezeichnet worden sein. Rudolf von Montfort bearbeitete sie, und kürzlich hat Köpkc diese Dichtung, mit einem Wörterbuche versehen (Königsberg 1818), in alter Sprache herausgegeben. Barlow (Joel), Vers. der „Columbiade", des ersten in Nordamerika gedichteten Epos, ward im Staate Connecticut geb. Nach dem frühen Tode s. Vaters in den Collegien zu Dartmouth und Ncwhaven erzogen, zeigte erst dichterischen Anlagen zuerst durch einen Hymnus auf den Frieden. Im amerikan. Freiheitskriege trat er als Freiwilliger in die Reihen der Vaterlandsverlheidiger. Nach erkämpftem Frieden kehrte er zu den Wissenschaften zurück. Ihn beschäftigte damals die Herausgabe einer Zeitung, die ihn mit den politischen Verhältnissen beider Welttheile 664 Barmen Barnabiten vertrauter machte; zugleich studirte er die Gesetzgebung und Rechtswissenschaften. 1785 unternahm er in Auftragen einer Gesellschaft, die am Ohio Landereien verkaufen wollte, eine Reise nach Europa, um Käufer dafür anzuwerben. Als Freund der franz. Revolution, ward er von der Constitutionsgesellschaft zu London zu ihrem Abgeordneten ernannt, um dem Nationalconvent ihre Glückwünschungsschreiben zu überreichen. In Paris verschlang die Politik s. Zeit. Er schrieb eine Abhandlung über die Mängel der franz. Eonstitution von 1791, welche sein Freund, Thomas Payne, dem Eonvent übergab. Als er selbst vor den Schranken mit s. Sendung erschien, ward er mildem rauschendsten Beifall.empfangen; im Fcbr. 1793 erhielt er das franz. Bürgerrecht. Bei s. Rückkehr fand er bei Pitt, der ihn für einen Geschäftsträger der englischen Jakobiner ansah, keine günstige Aufnahme. B. verweilte nicht lange in England, denn er erhielt von Washington 1795 den Auftrag, die zu Tunis, Tripolis und Algier in Gefangenschaft lebenden Amerikaner auszulösen. B. unterhandelte so glücklich, daß ihm die Regierung s. Vaterlandes öffentlichen Dank zuerkannte. Nach s. Rückkunft in Paris gab er Briefe an s. Mitbürger heraus, worin er in einer kraftvollen Sprache gesunde Begriffe über Regierung und Gesetzgebung, aber auch manche unreife Idee von politischer und bürgerlicher Freiheit vortrug. Später kaufte er sich in der Nähe der Bundesstadt Washington ein Landgut. Hier arbeitete er den Plan für eine große Universität oder polytechnische Schule aus und brachte damit s. Ideen über Nationalerziehung in Verbindung. Allein er fand nicht den zur Ausführung s. Vorschläge nöthigen Gemeingeist und war daher entschlossen, in ländlicher Ruhe eine Geschichte der amerikanischen Revolution und ihrer Folgen auszuarbeiten, als er 1811 die Gc- sandtschaftsstelle in Paris erhielt. In dieser Eigenschaft folgte er 1812 dem franz. Kaiser nach Rußland und starb zu Ende deff. I. in Lithauen während des Rückzugs der franz. Heere. — Seine „Columbiade" (1807 prachtvoll gedruckt zu Philadelphia) wird wegen ihres Reichthums an herrlichen Scenen und würdigen Empfindungen, ungeachtet mancher Fehler, lange eine der schönsten Blüthen des amerikanischen Parnasses bleiben. Eigenthümlich ist die Art der Einkleidung; von der Form andrer Epopöen abweichend, ist der ganze Inhalt als eine Vision dargestellt, welche Eolombo in seinem einsamen Kerker von Valladolid hat. Barmen, ein 2 Stunden langes Thal an der Wupper im preuß. Hec- zogthume Kleve-Berg (im clbecfelder Kreis des Regierungsbcz. Düsseldorf), wird in Ober- und Unterbarmen eingetheilt, und begreift die Ortschaften Gemarke, Wupperfeld, Rittershauscn, Hecklinghausen und Wichlinghausen. B. ist gegenwärtig eine Stadt mit 1640 H. und 19,472 Einw., darunter 10,400 Luther., 7000 Reform., 1800 Kathol., und die übrigen Jsraeliten. Hier sind 15 Elementarschulen , eine Gelehrtenschule und 2 Privaterziehungsinstitute. Eine Mineralquelle und Badeanstalt befinden sich in Unterbarmen. B. ist der Hauptsitz aller Bandmanufactnren auf dem Eontinente; dieser Zweig umfaßt alle leinene, wollene, baumwollene, seidene und halbseidene Bänder von jeder Qualität, ebenso alle Sorten Schnürriemen und Rundkordel; bedeutend sind die Manufacturen von gewebten Spitzen, Nahzwirn, Siamoisen rc. Diese Fabricate werden in alle Welttheile versandt. Zahlreiche Bleichereien und Färbereien befinden sich in diesem überaus reizenden Wupperthale, das in Rücksicht s. Gewerbfleißes in Deutschland nicht seines Gleichen hat. Das Panorama von B. zeigt sich am schönsten auf Dieckmann's Felde und in Wippermann's Garten. Barmherzige Bruder und Schwestern, s. Brüderschaften. Barnabiten heißen die 1536 zu Mailand entstandenen, wie Weltgeistliche schwarzgekleideten, regulirten Chorherren des heil. Paulus nach der ihnen damals eingeräumten Kirche des heil. Barnabas daselbst. Sie widmeten sich der Mission, dem Predigen, der Scelsorge und dem Jngendunterrichte, und hatten in Barnavc Barnevelht 665 Italien, wo sie auf den Akademien zu Mailand und Pavia die Theologie lehrten, in Frankreich, Ostreich und Spanien Häuser, die sie Collegien nannten. In Frankreich und Östreich ward dieser Orden zur Bekehrung der Protestanten gebraucht. Jetzt besteht er nur noch in Spanien und an einigen Orten Italiens. Ich Barnave (Antoine Pierre Joseph Marie), Abgeordneter zu den stanz. Ge- ncralständen, großer Redner, eifriger Anhänger und frühes Opfer der Revolution, war 1761 in Grenoble geboren, Sohn eines reichen Procurators, Protestant. Religion, ward Advocat und zeigte sich, als Abgeordneter des dritten Standes bei der Versammlung der Generalstände, als einen offenen Feind des Hofes. Die Nat.- Vers. wählte ihn zu ihrem Secretair, zum Mitglied des Ausschusses für die Calvinen, zum Mitglied des diplomatischen Ausschusses, und im Jan. 1791 zum Präsidenten. Nach der Flucht des Königs war er fast der Einzige, der ruhige Fassung behielt. Er vertheidigte Lasavette gegen die Beschuldigung des Mitwissens dieses Schrittes und ward nach der Festhaltung der königl. Familie, nebstPetion und La- tour-Maubourg, derselben entgegengeschickt, um sie nach Paris zu begleiten. Der Anblick des erhabenen Mißgeschicks und der Entweihung der königl. Würde scheint ihn erschüttert zu haben. Er behandelte die Gefangenen mit aller ihrem Range und Unglück gebührenden Ehrfurcht und machte einen trockenen Bericht, ohne alle Anmerkung. Von diesem Augenblick an ging eine sichtbare Veränderung in s. Grundsätzen vor. Er vertheidigte die Unverletzbarkeit der Person des Königs und schilderte die Unglücksfälle, die der Republik drohten; er widersetzte sich der Verordnung, welche scharfe Maßregeln gegen die widerspenstigen Priester befahl; er brachte es, wiewol mit Mühe, dahin, daß das auf die Colonien Bezug habende strenge Decret zurückge- nommenwurde. Sein Ansehen sank jetzt immer tiefer, und er ward von der Revolutionspartei ganz aufgegeben. Als nach dem 10. Aug. 1792 die Correspondenz des Hofes in die Hände der siegenden Partei siel, gab man vor, auch Beweises, geheimen Verbindungen mit demselben gesunden zu haben, und er ward den 29. Nov. 1793 gnillotinirt. Barneveldt (Johann van Olden), Großpensionnair von Holland, ein Mann, der mit einem durchdringenden Geiste die einfachsten Sitten verband. Er war 1549 geboren und zeigte früh einen glühenden Eifer für die Unabhängigkeit der vereinigten Provinzen, welche das spanische Joch abgeworfen hatten. Als Generalanwalt der Provinz Holland bewährte er ebenso sehr seine Einsichten als seine Ge- schicklichkeit in Unterhandlungen. Dreißigjährige Dienste und Arbeiten hatten seinen Ruf befestigt. Er, der sein Vaterland vor dem Ehrgeize Leicester's geschützt hatte, durchschaute die geheimen Plane des Moritz von Nassau, den seine Mitbürger zur Würde eines Statthalters erhoben hatten, und faßte ein solches Mißtrauen gegen die Talente und Ansichten dieses Fürsten, daß er selbst das Haupt der republikanischen Partei wurde, welche den Statthalter der gesetzgebenden Gewalt unterordnen wollte. Spanien eröffnete damals unter Vermittlung des Erzherzogs, Gouverneurs der Niederlande, Friedensunterhandlungen. B. erschien dabei als Bevollmächtigter und bewährte in dieser schwierigen Angelegenheit sowol die Talente eines Staatsmannes als die Festigkeit eines Republikaners. Moritz von Nassau, der den Krieg seines persönlichen Vortheils wegen vorzog, wirkte dem Friedensgeschäft entgegen; B., der dies bemerkte, konnte nur durch die dringendsten Bitten der Staaten bewogen werden, seine Geschäftsführung fortzusetzen, und schloß endlich 1609 mit Spanien einen 12jährigen Waffenstillstand, in welchem die Unabhängigkeit Hollands anerkannt wurde. Sein Ansehen stieg jetzt noch höher und reizte das Haus Nassau zu immer größerer Eifersucht. Schon waren die beiden Parteien in hohem Grade erbittert aufeinander, als theologische Streitigkeiten diese Erbitterung noch vermehrten. Um einem Bürgerkriege vorzubeugen, schlug B. eine Kir- chenvcrsammlung vor, welche eine allgemeine Duldung in Ansehung der streitigen 666 Baroccio Barock Punkte festsetzte. Die Staaten gaben dieser weisen Maßregel anfangs ihre Zustimmung, bis später die Ränke der nassauischen Partei sie zu andern Ansichten brachten. Diese stellte die Arminianer als heimliche Freunde Spaniens dar; B. ward in Schmähschriften angegriffen und in der Versammlung der Staaten selbst von dem Volke beleidigt, dessen Abgott Moritz geworden war. Da B. nicht mehr hoffen durfte, den reißenden Strom aufzuhalten, und voraussah, welches Schicksal ihm bevorstehe, dachte er aufs neue daran, sein Amt niederzulegen, doch seine Pflicht und seiner Freunde Bitten siegten auch dies Mal über ihn. Moritz verlangte die Zusam- menberufung einer Generalspnode, unter dem Verwände, den Religionsstreitigkeiten ein Ende zu machen. Auf B.'s Antrieb erklärten sich die Staaten gegen diese Maßregel, deren Folgen nicht zweifelhaft waren. Man hob sogar ohne Moritz's Zustimmung Truppen aus, um die Ordnung in den Städten, wo die Gomaristen sie gestört hatten, wiederherzustellen. Dagegen verdoppelte die nassauische Partei ihre Angriffe und Schmähungen gegen B., welcher zur Widerlegung derselben jene berühmte Denkschrift herausgab, worin er die vereinigten Provinzen aufmerksam auf die Gefahr machte, welche von dort ihrer Freiheit drohte. Indeß ließ Moritz 1618 die Synode zu Dortrccht halten, zu der fast alle calvinistische Kirchen Europas Abgeordnete schickten. Sie verurtheilte die Arminianer mit der ungerechtesten Strenge; für Moritz war diese Verurtheilung die Auffoderung zu noch gewaltsamem Schritten. Er ließ, ungeachtet der Vorstellungen der Staaten, B. nebst den andern Häuptern der Arminianer verhaften, und von 26 erkauften Richtern den schuldlosen Mann, dem sein Vaterland sein politisches Dasein dankte, der um Gnade zu flehen verschmähte, angeblich als Hochverräther zum Tode verurtheilen. Umsonst waren die Vorstellungen der verwitweten Prinzessin von Oranien und des franz. Gesandten, umsonst erhoben seine Freunde und Verwandten laut ihre Stimme; Moritz blieb unerschütterlich. Am 13. Mai 1619 bestieg der 72jährige Greis das Blutgerüst, mit den Worten des Horaz IH, '3, und litt den Tod mit derselben Festigkeit, die er unter allen Umständen seines Lebens bewiesen hatte. Baroccio oder Barozzi (Federico), ein berühmter Maler der röm. Schule, aus Urbino gebürtig, lebte von 1528 — 1612. Er hatte sich in Venedig gebildet und Vieles nach Titian copirt. Wie früher Dieser, so wirkte spater, als er nach Rom kam, Rafael auf ihn. Nachher suchte er auch Correggio's Eigenschaften, aber nicht mit gleichem Erfolg, sich anzueignen. Sein Colorit blieb einförmig. Mengs tadelt, daß er seine Gegenstände beständig so vorgestellt habe, als ob man sie in der Lust, zwischen durchsichtigen Wolken sähe, und daß er die entgegengesetztesten Farben bloß durch die Helle miteinander in Übereinstimmung zu bringen suche. Er ist von Manier schon nicht mehr frei. Unter seine vorzüglichsten Werke rechnet man die Flucht des Äncas oder den trojanischen Brand, von Agostino Caracci gestochen und in der ehemaligen Galerie Borghese befindlich; die Abnehmung vom Kreuze, zu Perugia, und eine Grablegung, von Sideler gestochen. Barock, im Leben und vorzüglich in der Kunst das willkürlich Seltsame, was, aus eigenthümlichen Einfallen des Einzelnen hervorgehend, gegen die allgemeine und natürliche Ansicht verstößt und ins Ungereimte und Närrische übergeht. Man gebraucht diesen Ausdruck daher von gewissen Handlungen und Charakterzügen, von der einer erzählenden oder dramatischen Dichtung zum Grunde gelegten Fabel, von der Art dcS poetischen Ausdrucks, von einer närrisch-seltsamen Compo- sition und Ausführung, oder einzelnen seltsamen und wunderlichen Gestalten in der bildenden Kunst, sowie endlich auch von dem Seltsamen und willkürlich Zusammengestellten in der Tonkunst. Es fallt daher bald mit dem Bizarren (s. d.) zusammen, wenn man es nicht als den höher» Grad des Seltsamen ansehen und als Dasjenige betrachten will, was durch Überladung, Unnatürlichkeit, Buntscheckigkeit und Verworrenheit der Zusammenstellung auffällt und eine fast komische Wirkung Barometer 667 hervorbringt. Ein barocker Geschmack ist sonach der, der das Barocke wählt und liebt. Der Geschmack am Barocken wird herrschend, wenn der Sinn für das Einfache und Natürliche verloren geht, und man zum Auffallenden, Ungewöhnlichen, Überladenen und stark Eontrastirenden, als Reizmittel der Aufmerksamkeit und des Genusses, seine Zuflucht nimmt. Wenn jedoch Einige das Barocke in der Musik insbesondere durch eine in schwer zu intonirenden Intervallen fortschreitende Melodie, durch verworrene Harmonie und einen mit Dissonanzen und ungewöhnlichen Ausweichungen überladenen Satz bezeichnen: so sind damit mehr die Mittel genannt, an welchen sich das Barocke in der Musik vornehmlich zeigt, als diese Art des Barocken selbst erklärt, ja das Erstere würde fast von jeder neuern Musik gelten. — Größere Übereinstimmung findet sowol in Hinsicht auf die Bedeutung als in Hinsicht auf den Ursprung dieses Wortes statt. Nc>ch Nousseau's Vermuthung (im „Dieticmnsiro (lo M>i8igue") , welcher Viele bcigetreten sind, soll dieser Ausdruck aus dem Luroooo oder Laiovo der scholastischen Logik herkommen. Durch öaroeeo wird nämlich eine Schlußart bezeichnet, welche der zweiten Schlußsigur angehört und, von der gewöhnlichen Gcdankensicllung abweichend, etwas sehr Gezwungenes hat, was bei der Verwandlung in die durch jene Buchstaben bezeichnete Schlußart der ersten Figur sich ganz vorzüglich zu Tage legt. Man habe, wird daherbehauptet, den Namen jener Schlußart auf alles Schiefe und von der natürlichen Norm Abweichende übergetragen. Indessen ist doch der Einfluß der logischen Terminologie auf das gemeine Leben nie so groß gewesen, daß eine solche Entlehnung der Benennungen aus derselben sehr wahrscheinlich wäre, zumal da die angegebene Bedeutung jenes Laroveo mit der Bedeutung von barock nur wenige Ähnlichkeit hat. Natürlicher ist es, diesen Ausdruck von dem stanz, barogus abzuleiten, welches Wort das Verschobenrunde oder Schicstunde bezeichnet und besonders von Perlen gebraucht wird, welche von der reinen und schönen Form abweichen, wcßhalb Menage den Ausdruck von dem latein. vcruoa , die Warze, hergeleitet hat. Wenigstens ließe sich hieraus ebenso gut als aus jenem Ausdruck die Übertragung auf Das erklären, was auf eine wunderliche, willkürliche und ans Närrische grenzende Weise von dem Natürlichen und Gewohnten abweicht. 44. Barometer, ein Werkzeug, um den Druck der Luft und seine Veränderungen zu messen. Gewöhnlich besteht es aus einer oben luftleeren und verschlossenen Glasröhre mit Quecksilber. Bei stärkerm Drucke der Luft steigt darin das Quecksilber, bei geringerm sinkt es. Evangelista Torricelli, ein Schüler Galilei's und dessen Nachfolger in dem Lchramte der Mathematik zu Florenz, ist der Erfinder des Barometers. Er kam gegen die Mitte des 17. Jahrh, auf den Gedanken, daß dieselbe Ursache, welche das Wasser nur 32 Fuß hoch treibe und erhalte (s. Atmosphäre) — eine Entdeckung Galilei's — auch das 14 Mal schwerere Quecksilber, und zwar nur Fuß oder 274 Zoll treiben und halten werde. Er schmelzte eine Glasröhre, die einige Fuß lang war, an dem einen Ende zu; durch die am andern Ende noch vorhandene Öffnung füllte er sie mit Quecksilber, kehrte sie dann mit Vorhaltung des Fingers um und setzte sie, indem er den Finger von der Öffnung wegnahm, in ein Gefäß mit Quecksilber. Er fand sich in seiner Erwartung nicht getäuscht. Das Quecksilber floß aus dem obern Theil der Röhre ab und blieb in einer 27^- Zoll hohen Säule stehen. Den bei diesem Versuche leer werdenden obern Theil der Röhre nannte man seitdem die Torricelli'sche Leere. Einiges Nachdenken brachte Torricelli zu der Überzeugung, daß die Erhaltung der Quecksilbersäule von 27^ Zoll von nichts Anderm als von dem Drucke der auf der Quecksilbersäule im Gefäße ruhenden und sich bis an die Grenzen der Atmosphäre erstreckenden Luftsäule herrühre. Während sich Torricelli noch mit diesem Gegenstände beschäftigte, übereilte ihn 1647 der Tod. Die beschriebene Vorrichtung, die das Barometer selbst ist, führt von ihm den Namen der Torricelli'schen Röhre. — Pascal machte sich Tor- 668 Barometer ricelli's Muthmaßungen zu eigen und stellte zu ihrer Bestätigung mehre Versuche an. Einem seiner Verwandten, Perrier zu Clermont in Auvergne, trug er auf, Versuche auf dem Berge Puy-de-Dome anzustellen. Dieser fand dabei, daß das Quecksilber der Torricelli'fchen Röhre auf dem Gipfel des 5000 Fuß hohen Berges über 3 pariser Zoll niedriger stand, als es am Fuße des Berges gestanden hatte; hierdurch wurde unwiderleglich bewiesen, daßnicht „Abscheu vor dem leeren Raume" (korror vsoui), wie man bis dahin geglaubt hatte, sondern der Druck der Luftsäule, deren Höhe und also auch Schwere auf dem Berge abgenommen hatte, die Ausrechthaltung der Quecksilbersäule in der Röhre verursache. Man bemerkte auch das allmälige Fallen der letztem beim Besteigen des Berges. — Schon den ersten Erfindern des Barometers konnte es nicht verborgen bleiben, daß sich der Stand des Quecksilbers in der Torricelli'fchen Röhre fast täglich verändere. Sie schlössen hieraus, daß auch der Druck der Atmosphäre unaufhörlichen Veränderungen unterworfen sein müsse, und daß man mithin jene Vorrichtung zur Wahrnehmung und Bestimmung dieser Veränderungen brauchen könne. Otto v. Guericke war darauf vorzüglich aufmerksam; nach und nach wurden eS Mehre. Man gab bald der Vorrichtung den Namen Barometer, d. i. ein Werkzeug, welches zur Beobachtung der Luftfchwere dient, und sing an, aus dem Steigen und Fallen des Quecksilbers auf Wetterveränderungen zu schließen, wodurch beim großen Haufen der Name Wetterglas veranlaßt wurde. Allein zur Beobachtung und Bestimmung der Witterung kann das Barometer nur insofern gebraucht werden, als gutes Wetter mit trockener, schlechtes Wetter mit feuchter Luft verbunden zu sein pflegt, die Schwere der Luft aber sich nach ihrer trockenen oder feuchten Beschaffenheit verändert. Ob- wol die einfache Torricelli'sche Röhre hinreichte, diese Veränderungen wahrzunehmen, so hat man doch mancherlei Verbesserungen damit vorgenommen. Unter Andern: wird die Torricelli'sche Röhre unten gekrümmt, und an das hinaufgekrümmte Ende derselben ein rundes oder längliches, oben offenes Gefäß angeschmelzt, in welches man das Quecksilber gießt, worauf der Druck der Luft wirkt. Ferner befestigt man die ganze Röhre, nebst dem daran angeschmelzten Gefäß, auf ein Bret und verzeichnet auf dasselbe einen Maßstab, um das Steigen und Fallen des Quecksilbers genauer zu beobachten. Diese Einrichtung hat noch jetzt das gewöhnliche Barometer. Da das Fallen des Quecksilbers in einem gewissen Verhältniß zu der erstiegenen Höhe steht, so kann das Barometer auch zuHöhenmessungen (s. d.) angewendet werden, wozu aber die gewöhnliche Einrichtung nicht ausreicht. De Luc fand, daß in dieser Hinsicht das Heberbarometer, welches seinen Namen von der he- berförmig gekrümmten Röhre hat, die besten Dienste leiste. In diesem Barometer .haben die Quecksilbersäulen in beiden Schenkeln der Röhre gleichen Durchmesser; auch ist an beiden Schenkeln ein Maßstab angebracht. Zu einem genauen Barometer wird crfodert: 1) Daß allein die äußere Luft darauf wirkt, zu welchem Ende die Röhre völlig luftleer gemacht wird; denn erhält sie Luft, so bekommt die Quecksilbersäule nicht die gehörige Höhe, und die Wärme wirkt auf die Luft, mithin auf das Quecksilber. Um alle Luft herauszuschaffen, wird bei Verfertigung des Barometers das Quecksilber in der Röhre stark ausgekocht. 2) Ein genauer Maßstab, und 3) daß das Barometer genau lothrecht hänge. Bei Beobachtung des Barometers muß übrigens das Auge völlig in einerlei Ebene mit dem Stande des Quecksilbers gehalten, und dieser beim höchsten Punkte seiner Rundung gemessen werden. Der Opti- cus Alexander Adir hat einen Barometer erfunden, in welchem die bewegliche Säule von Öl ist, welches in einer Röhre einen gewissen Theil Salpetersäure einschließt, der seinen Umfang nach der Dichtigkeit der Atmosphäre vermindert. Er hat ihm den Namen Spmpiesometer (Druckmesser) gegeben. Eine gründliche Darstellung der verwickelten Lehre von dem Barometer findet man in Körner's „Anleit. zur Verfertigung übereinstimmender Thermometer u. Barometer" (Jena 1824, mitKpf). l Baron (Michel) Baronius 669 Baron (Michel), eigentlich Boyron, geb. zu Paris 1653, Sohn eines Schauspielers, wurde der Zögling und Freund Moliöre's. So sehr er seinen Lehrer als Schauspieler übertraf, so sehr stand er ihm als Schriftsteller nach. Er war von der Natur mit den herrlichsten Gaben ausgestattet und bemühte sich, dieselben durch Kunst auszubilden. Doch fühlte er, daß das Genie sich den Regeln der Kunst nicht sklavisch unterwerfen könne. „Die Regel will", sagt er, „daß der Schauspieler in der Action die Arme nicht über den Kopf erhebe; bringt jedoch die Leidenschaft eine solche Bewegung von selbst mit sich, so ist sie dennoch gut, denn die Leidenschaft gilt mehr als die Kunst". Man nennt ihn einstimmig den Roscius seines Jahrhunderts. 1691 verließ er das Theater mit einer Pension von 3000 Livres, betrat aber dasselbe 1720 als ein Greis von 68 I. aufs neue und fand seinen ehemaligen Beifall wieder. B. hatte eine sehr hohe Idee von seinem Stande; er pflegte zu sagen, die tragischen Schauspieler sollten an den Brüsten von Königinnen gesaugt werden. Nicht weniger groß war seine Eitelkeit; nach ihm sieht die Welt alle Jahrhunderte einen Cäsar, aber es werden Jahrtausende erfodert, einen Baron hervorzubringen. Er starb 1729, 77 I. alt. 1760 erschienen 3 Bdchn. Theaterstücke unter seinem Namen, die jedoch, vielleicht mit Unrecht, nicht alle für echt gehalten werden. Seine vorzüglichsten Lustspiele, die noch jetzt zu dem Reper- torium des Hie-ltre kranysin gehören, sind: „I/Iioinme L bonne8 lortune»", ,,1i» eoquette et lu laus»« prulle" und „I/^närienne", nach Terenz. Baron, ursprünglich auch Varo, ein aus der romanischen Sprache stammendes Wort, einen Mann, auch zuweilen Diener bedeutend; in derLehnsver- fassung des Mittelalters der Besitzer eines entweder allodialen oder eines lehn- baren Gutes, von welchem wieder andre Dienstleute abhängig sein konnten; auch das freie Mitglied einer Gemeinde (8aoüibarone8, die Abgeordneten der 5 englischen Seestädte oder eingue ports), das Mitglied eines Mannengerichts; ein freier und edler Herr. In Frankreich nannten sich die Montmorency Premiers I«rron8 äe Is ekretiente. Nach England kam der Name mit Wilhelm von der Normandie und bezeichnete einen unmittelbaren Kronvasallen, welcher im königl. Hof- und Gerichtstage für seine Person Sitz und Stimme hatte, also auch spater in der Pairskammer des Parlaments erschien. Es war dort die zweite Stufe des hohen Adels, bis die Herzoge und Marquis vor den Grafen, und die Discounts vor den Baronen eingeschoben wurden. In Deutschland waren die alten Freiherren des Reichs Besitzer unmittelbarer Güter oder Dynasten; sie erschienen gleichfalls auf den kaiserl. Hof- und Reichstagen und gehörten zum hohen Adel. Allein diese alten Dynasten gingen schon früh zum Grafen- und Fürstenstande über; die neuen Freiherren bilden nur eine Stufe des niedern Adels, nach den Grafen. In England erschuf Jakob I., um sich Geld zu schaffen, eine neue Classe, kleine Barone oder Baronets von 8oot!a und Ulster in England. Er nöthigte wohlhabende Gentlemen dazu, diesen Titel mit 1000 Kronen zu erkaufen, oder 30 Mann 3 I. lang gegen die rebellischen Jrlander zu stellen und zu unterhalten. 37. Baronius, Baronio (Cäsar), geb. zu Sora im Neapolitanischen den 30. Oct. 1538, in Neapel und seit 1557 in Rom gebildet, einer der ersten Schüler des h. Philipp von -Neri und Mitglied der von ihm gestift. Congregation der Priester des Oratoriums, wurde 1593 Superior derselben, bald darauf auch Beichtvater des Papstes, apostolischer Protonotar und Cardinal, dazu endlich noch Bibliothekar der vaticanischen Bibliothek. Diese Würden verdankte er der päpstlichen Anerkennung des großen Verdienstes um die kath. Kirche, das er sich durch seine von 1580 an bis an seinen Tod (d. 30. Juni 1607) mit unverdrossenem Fleiße ausgearbeiteten kirchlichen Annalen erwarb. Sie entstanden durch s. Theilnahme an Neri's Congrega- tion, in der er Vorlesungen über die Kirchcngeschichte zu halten hatte, und gehören noch jetzt wegen ihres Reichthums an echten Urkunden aus den päpstlichen Archiven 670 BarraS zu denu »entbehrlichsten Hülfsmitteln des Studium- der Kirchengerichte. Vorzüg. lich zur Widerlegung der „Magdeburg. Centurien" geschrieben, tragen sie aber zu stark das Gepräge unhistorischer Parteilichkeit für das Papstthum an sich, als daß auch die Darstellung der Thatsachen und der Gebrauch, den B. von seinen Quellen macht, Zutrauen verdienen könnten. Häufig sind jene entstellt und diese absichtlich verdunkelt oder gar verfälscht, je nachdem der Hauptzweck des Werks, zu beweisen, daß die Lehre und Verfassung der röm. Kirche seit den ersten Jahrh, ganz dieselbe gewesen sei, die sie zur Zeit der Reformation war, und folglich die Protestanten der Vorwurf frevelhafter Abtrünnigkeit vom wahren Christenthum treffe, solche Hülfs- ^ Mittel zu erfodern schien. Ja, um die Anmaßungen und Mißbräuche der Papstgewalt als uralte apostolische Einrichtungen zu beschönigen, erniedrigt sich B. bis zur Mittheilung erdichteter Urkunden und Erzählungen. Die List und Consequenz in der Ausführung solcher Beweise, die Kunst,dcr Anordnung und die faßliche, zwar weder im latein. Ausdruck noch in der Darstellung des Stoffs vorzügliche, aber durch den Ton gründ!. Untersuchung blendende Sprache vermehrt nur die Gefahr der Unkundigen, dadurch ein ganz falsches Bild von der Geschichte der christl. Kirche zu erhalten. Diese„Lnnsles eeolvsisstioi rrObristo nato ack a. 1198, u. 6. Lnronio" (Rom 1588—1607,12 Bde., Fol.) wurden oft nachgedruckt, mit Verbeff. dcs Vfs. zu Mainz 1601 fg., in IL Bdn. Fol., schöner zu Antwerpen 1589 fg., in 10 Bdn. Fol. Doch fehlt in dieser Ausg. die Abhandl. „I)e Uonsrobiu Sioilkso", welche die u. d. N. bekannten kirchlichen Gerechtsame des Königs von Sicilien bestreitet und » daher von dem span. Hofe verboten wurde. Viele, besonders chronologische Fehler des Werks, verbesserte der Franciscaner Anton Pagi in s. vortreffl. Kritik desselben („Oritioa bi^torico-cbronoloAic.'r in -Vnn. karon. ^ntverp." (Genf l705 fg., 4 Bde., Fol.), und auch andre kath. Gelehrte haben s. Mängel gerügt, die der Tadel der Protestanten natürlich am stärksten treffen mußte. Unter den Forts, der Annalen, deren keine der Arbeit des B. gleichkommt, hat Raynaldi (ab a. 1198—1565, Rom 1646 fg., 8 Bde., Fol., fortges. bis 1671 von Laderchi, Rom 1728 fg., 3 Bde., Fol.) die reichhaltigste geliefert. 31. Barras (PaulFranyois Jean-Nicolas, Vicomte de), Mitgl. dcsNational- convents, nachher des vollziehenden Directoriums, geb. zu Fohempoux in der Provence den 30. Juni 1755 aus der Familie der Barras, deren Alter in der Gegend zum Sprüchwort geworden war, diente als Unterlieut. im Regim. von Languedoc bis 1775. Um diese Zeit machte er eine Reise nach Jsle-dc-France, wo einer seiner Verwandten Gouverneur war, und trat in das Regiment von Pondichery; dann diente er auf Sufsren's Geschwader, war 2 Mal in Indien, rettete auf den Maldiven die gescheiterte Mannschaft eines Schiffs und vertheidigte Pondichery. Nach s. Rückkunft überließ sich Capit. B. seinem Hange zu Spiel und Weibern und zerrüttete dadurch sein Vermögen. Die Revolution trat ein; er zeigte sich als Gegner des Hofes und spielte s. Rolle in der Versammlung des dritten Standes, während sein Bruder in der des Adels saß. Den 14. Juli 1789 nahm er Theil an dem Angriffe auf die Bastille, sowie den 10. Aug. 1792 gegen die Tuilericn. Darauf ward er zum Geschworenen bei dem Gerichtshöfe von Orleans ernannt, und im Sept. zum Abgeordneten bei dem Nationalconvent, wo er für den Tod Ludwigs XVl. stimmte. Im Oct. ward er nebst Freron in die mittägigen Provinzen geschickt und zeigte sich zu Marseille minder heftig als dieser. Er bewirkte als Kriegscommissair den Übergang über den Var; auch nahm er unter Dugvmmier Theil an der Belagerung von , Toulon, wo Bonaparte die Artillerie mit befehligte. So fest er s. Ruf als Patriot begründet hatte, so mißfiel er doch Nobespierre. Nur B.'s Drohung, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, hielt Jenen zurück; Robespierrebeschloß, ihn in die große Proscription, mit der er umging, zu verwickeln. B. vereinigte sich daher mit den Ausschußmitgliedern, die ebenfalls ihren Fall nahe sahen und einen Machtstreich Barre 67L versuchen mußten, um ihren Unterdrücker zu stürzen; er spielte auf diese Art eine Hauptrolle am 9. Thermidor (27. Juli 1794), Man gab ihm den Oberbefehl der bewaffneten Macht; er trieb die Truppen Henriot's zurück und bemächtigte stchRo- bespierre's. Den 4. Febr. 1795 ward er Präsident. Am 13. Vendemiaire (5. Oct. 1795), als die royalistisch-gesinntenSectionen gegen den Convent anrückten, erhielt B. abermals den Oberbefehl über die Truppen des Convents und das Bataillon der zu Hülfe herbeigecilten Patrioten. Bei dieser Gelegenheit berief er den Gen. Bona- parte an s. Seite und machte von dessen Diensten trefflichen Gebrauch. In seinem Berichte schrieb er den Sieg diesem jungen Generale zu und erhielt wenige Tage darauf für ihn den Oberbefehl des Heers im Innern. Seine wichtigen Dienste beförderten ihn ins Directorium. Man hat gesagt, daß Bonaparte ihm das Com- mando der ital. Armee zu verdanken gehabt habe. Wie dem auch sei, so fühlte doch B., daß Bonaparte Dem, der ihn zu leiten vermöchte, ein entschiedenes Übergewicht geben würde, und brachte von Carnot das Portefeuille des Kriegsministers an sich. Dieses entzweite Beide, und Carnot neigte sich deßhalb einige Zeit auf die Seite des Rathes, in dessen Mitte sich eine Partei zur Einschränkung der Directorialmacht und besonders der Gewalt des B. gebildet hatte. Die Spaltung konnte sich nur mit dem Sturze der einen oder der andern Partei endigen; die des Rathes sank bei den Ereignissen des 18. Fcuctidor (4. Sept. 1797), wovon B. einer der Haupturheber war. Von diesem Zeitpunkte an regierte er unumschränkt bis zum 13. Juni 1799, wo Sieyes in das Directorium trat. B. wußte dessenungeachtet sich neben Jenem zu erhalten, wahrend Merlin von Douay, Treilhard und Lareveillerc-Lepaux sich genöthigt sahen, ihren Abschied zu nehmen. Er selbst aber ward ein Opfer des 18. Bru- maire (9. Nov. 1799). In einemhöchstungeordnetenBriefe, denernach St.-Cloud sandte, legte er s. Stelle nieder und erhielt aufsein Verlangen vom ersten Consul eine Begleitung, die ihn auf sein Gut Grosbois brachte. Er nahm kein öffentl. Amt an. Nachher verkaufte er Grosbois und zog nach Brüssel, wo er mehre Jahre lang ein ansehnliches Haus machte. 1814 erhielt er die Erlaubniß, sich in das mittägige Frankreich zu begeben. Dann lebte er zurückgezogen zu Chaillot bei Paris, wohlthätig für Arme, und starb den 30. Jan. 1828. 200 Arme folgten seiner Leiche. Man erwartete von ihm Memoiren; allein seine hinterlassenen Schriften wurden auf Befehl der Regierung versiegelt. Barre, im Berg- und Münzwesen: ein länglich viereckiges, mehr oder minder starkes Stück gegossenen Silbers oder Goldes; die länger» und schmälern, mehr stabförmigen Stücke heißen Zain. — Bei der Schifffahrt hatBarre mehre Bedeutungen, z.B. der Ruderstock, oder die Stücke Holz, die um den Mast unter den Mastkörben sich befinden, um diese zu halten ic.; femer eine Sandbank oder eine Reihe Klippen im Meere, besonders an den Mündungen der Flüsse; endlich gewisse gefährliche Wellen längs der Küsten von Guinea in Afrika. Barre, engl. dar, die Schranken, welche die Mitglieder eines Gerichtshofes von Denen absondem, welche Etwas vorzutragen haben oder Etwas anhören sollen. Auch das engl. Parlament hat am Eingänge solche Schranken, und die Nationalversammlung Frankreichs behielt diese Einrichtung und den Gebrauch bei, Alle, von welchen sie Auskunft oder Rechenschaft verlangte, vor ihre Schranken zu fodem. Dieser Eingriff einer Behörde, welche bloß discutiren sollte, in richterliche und exekutive Funktionen hat die Gräuel der Revolution zur Folge gehabt. Die Nationalversammlung herrschte durch den Pöbel von Paris und wurde von ihm beherrscht. Zu der Zeit, als in Paris täglich 50 Menschenleben der finstern Tyrannei Robes- pierre's zum Opfer gebracht wurden, als das Ungeheuer Carricr zu Nantes in einer Nacht 300 unschuldige Kinder ersäufen ließ, hatte die Nationalconvention nicht den Muth, Menschen abzuweisen, welche ihre Arbeiten unterbrachen, um an den Schranken einige patriotische Couplets zu singen. Am 16. März 1794 machte sie 672 Barrvre Barri aber doch einDecret: „(jus dorenavant on n'entondra plus a la darre de I» Convention gue la raison en pro8e". — Von dar kommt Ilarri8tor, die erste Stufe der engl. Sachwalter in den Gerichten, wo engl. gemeines Recht gilt. Dazu werden lange Prüfungsjahre crfodcrt, welche jetzt auf 5 I. herabgesetzt sind. Ein Jeder muß binnen dieser Zeit in den Jurys 1.2 große und 24 kleine Probeproceffe alS Sachwalter durchführen, und wenn er als Barrister angenommen ist, noch 3 Jahre lang bei den Gerichten bloß zuhören (Vavation-Iiarri8tor8) , wenn er nicht aus besonderer Gunst zum Plaidiren aufgerufen wird. Nach 16 Dienstjahren als Barrister kann er die höhere Stufe eines 8orjeant at lav (8ervien8 »4 le^em) erlangen, welche ihn im Range den Obergerichtsräthen gleichstellt und verschiedene andre Vortheile (z. B. größere Sporteln) gewährt. Diese lange Vorbereitung zum Advocatenstande ist eine der wirksamsten Ursachen des ungemein großen Ansehens, welches dieser Stand in England genießt, und eine der vorthcilhaftesten Seiten der engl. Rechtsverfassung überhaupt. 37. Barröre (Bertrand, de Vieuzac), geb. zu Tarbes den 10. Sept. 1755, aus einer angesehenen Familie, erregte als Parlamentsadvocat zu Toulouse durch seinen geschmackvollen und leichten Vertrag Aufmerksamkeit. 1789 kam er als Abgeordneter zu der Generalständeversammlung, wo er seine republikanischen Grundsätze laut äußerte. Dann ward er Mitglied des Eonvents und am 29. Nov. 1792 dessen Präsident. Am 11. Der. ward Ludwig XVI. unter B.'s Vorsitz zum ersten Mal verhört. Er stimmte für dessen Tod. Hierauf ward er eins der thätigsten Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses (s. d.). Um B. ganz kennen zu lernen, müßte man alle Verhandlungen des Eonvents vom 21. Sept. 1792, wo derselbe eröffnet ward, bis zum 27. Juli 1794 (9. Thermidor) aufführen. Es sind wenige Sitzungen vergangen, in denen er nicht die Rednerbühne behauptet hätte. Weil er über alle Maßregeln des Schreckens in schönen Phrasen sprach, nannte man ihn l'^naereon de In Guillotine ! Noch den Tag vor Robespierre's Sturz hielt ihm B. eine Lobrede; als er aber sah, daß der Convent sich gegen ihn erklärte, verließ er ihn, nahm Theil an dem 9. Thermidor und erhielt sich dadurch noch einigen Einfluß. Im März 1795 ward er zur Deportation verurtheilt; er entzog sich derselben aber durch die Flucht. Nach der Revolution vom 18. Brumaire hob der erste Eonsul seine Verbannung auf. Später ließ er ein Journal: »Memorial anti- liritannigue", erscheinen. Seitdem zeigte er sich bei allen Gelegenheiten als einen eifrigen Vertheidiger der Regierung Napoleons, ohne jedoch unter derselben eine bedeutende Rolle zu spielen. 1815 traf auch ihn die Nemesis: er ward gleich allen Uezioilleo , die unter Napoleon bei seiner zweiten Usurpation Dienste genommen hatten, verbannt. Barri (Marie Jeanne Gomart de Vaubernier, Gräfin du), die berüchtigte Geliebte Ludwigs XV., Königs von Frankreich, Tochter eines Commis beim Steuerpachtwesen zu Daucouleurs, Namens Gomart de Vaubernier, wurde 1744 geb., kam nach dem Tode ihres Vaters zu einer Modehändlerin, dann zu der berüchtigten Gourdan, wo man sie nur als Mlle. L'Ange kannte, und ward des Grafen du Barri Maitrcsse, der auf ihre Reize höhere Plane baute. Er leitete es dahin ein, daß sie dem Könige bekannt wurde („dont Io8 nenn etaient Iila8e8 par la de- dauvlie", sagt ein Schriftsteller, der dann fortfährt: „Ve vieuxmonargue, aceon- tume a reneontrer le ro8peetju8gue dans Ie8 br»8 de 808 maitre88«8, rotrouva d«8 joui88anos8 et d«8 ds8ir.8 pre8 d'une komme dune eupeve nouvello pour lui. Il l'aima de tonte 8a tailliere, ot l'empiro d'une vile prontitnee 8»r le 8onverain le plue maje8tusux et le plu.8 impo8ant kut künde par In iubrieite"). Bald trat sie an die Stelle der Marquise v. Pompadour. Es schien dem Könige nöthig, sie zu verheirathen; dies Glück ward dem Grafen du Barri, einem Bruder des Vorigen, zu Theil, und nunmehr ward die Gräfin du Barri öffentlich am Hofe einge Barros Barricaden 673 führt. Bald regierte sie ganz Frankreich; sie stürzte den Herzog von Ehoiseul, dessen stolzer Geist sich nicht vor ihr bengen wollte; sie erhob den Herzog von Aiguillon und unterstützte denselben in seiner Rache gegen das Parlament, welches im 1.1771 aus Paris vertrieben und darauf ganz aufgehoben ward. Man muß jedoch Das, was sie wirkte, mehr den Ränken andrer Höflinge zuschreiben, welche sich ihrer zu bedienen wußten; sie selbst war eine Frau, die mehr das Vergnügen als dieJntrigue liebte. Nach dem Tode des Königs wurde ein Verhaftsbefehl gegen sie erlassen und sie in eine Abtei bei Meaux verbannt. Später erhielt sie Erlaubniß, in ihrem schönen Pavillon unweit Marly zu wohnen. Bis zu Robespierre's Regierung lebte sie während der Revolution ruhig. Allein ihre Reichthümer und ihre Verbindung mit den Brissotisten stürzten sie. Sie ward vor Gericht gezogen, zum Tode verurtheilt und den 9. Der. 1792 guillotinirt. Als sie zum Tode geführt wurde, hörte sie nicht auf um Gnade zu flehen; ihre Augen waren in Thränen gebadet; sie schrie laut und bat das Volk um Mitleiden. Im Augenblicke ihrer Hinrichtung hörte man sie noch ausrufen: „iVIonsieur Is dourresu, eneors un moiuent!" Man hat bemerkt, daß unter allen vom Revolutionstribunal zum Tode verurtheilten Frauen und Mädchen sie die einzige gewesen, die so viel Todesfurcht gezeigt habe. Barrikaden, die in Eil zur Vertheidigung einer engen Stelle, z. B. in der Straße eines Dorfes, in einem Hohlwege, auf einer Brücke, zusammengebrachten Gegenstände, deren Wegräumung dem Feinde Zeit kostet, und die es den dahinter oder in der Nähe postirten Schützen möglich machen sollen, ihn wirksam zu beschießen. Man nimmt Wagen, Eggen, Tonnen, Kasten, Baumstämme, Balken, kurz Alles, was zur Hand ist, und wenn der Feind, besonders die Eavalerie, nur für einen Moment an zu rascher Verfolgung gehindert werden soll, selbst umgeworfene Munitions- und Bggagewagen dazu. Zu den Zeiten der Ligue (12. Mai 1585 unter Heinrich 111.) und der Fronde (26. Aug. 1648) gab es einen historisch-merkwürdigen Tag: la journee «le» I>arriva>Io8 genannt. Vgl. „8vane8 llistoriq." (2. Anst., Paris 1826). ..32. Barrieretractat. Als in Folge des utrechter Friedens Östreich 1715 die spanischen Niederlande erhielt, geschah diese Abtretung von Seiten der Holländer, welche jene Provinzen in Gemeinschaft mit England erobert hatten, unter der Bedingung, daß ihnen zur Sicherung ihrer Grenzen gegen den übermächtigen Nachbar das Recht gelassen ward, in verschiedenen Festungen des Landes (Namur, Dor- nik, Menin, Furnes, Warneton, Ypern und Fort Knocke) eigne Besatzungen und in Dendermonde mit Östreich gemeinschaftliche Besatzung zu haben, und daß Östreich sich verpflichtete, zur Unterhaltung dieser Mannschaften jährlich 500,000 Thlr. an Holland zu zahlen. Der Vertrag, welcher dieserhalb zwischen beiden Mächten 1718 abgeschlossen ward, hieß der Barrieretractat. 1781 ward derselbe, aller Gegenvorstellungen der Generalstaaten ungeachtet, vom Kaiser Joseph II. eigenmächtig für aufgehoben erklärt. Barros (Joan de), der berühmteste portugiesische Geschichtschreiber, geb. zu Viseo 1496 aus einer alten adeligen Familie, zeichnete sich als Page bei dem König Emanuel durch Verstand und Geschicklichkeit so aus, daß ihn der König in einem Alter von 17 I. zum Gesellschafter des Kronprinzen machte. Alle seine Muße wendete er an, um den Sallust, Livius und Virgil zu lesen. Mitten unter den Zerstreuungen des Hofes, im Vorzimmer, schrieb er, 24 I. alt, sein erstes Werk, den historischen Roman „Kaiser Clarimond" (1520), der sich durch die Schönheit der Sprache auszeichnet. B. überreichte es dem Könige, der ihm den Auftrag'ertheilte, die Geschichte der Portugiesen in Indien zu schreiben. Zwar starb der König einige Monate daraus, aber sein Auftrag ward dennoch ausgeführt, und 32 I. später erschien dieses historische Werk. König Johann lll. ernannte B. zum Gouverneur der portugiesischen Niederlassungen .in Guinea und in der Folge zum Oc- stonv.-kex. Siebente A'ufl. Bb. I. st 43 674 Barry Bart neralagenten dieser Lander. Er verwaltete diese Stelle mit Einsicht und Redlichkeit. 1530 schenkte ihm der König die Provinz Maranhon in Brasilien, um dort eine Niederlassung zu gründen. B. verlor aber dabei einen großen Theil seines Vermögens und gab die Provinz dem Könige zurück, der ihn auf andre Weise dafür entschädigte. In einem Alter von 72 I. zog er sich auf sein Landgut Alitem zurück, wo er 3 Jahre nachher starb. Sein Werk: ,,1/^ri» portuxuera", über die Portugiesen in Indien, besteht aus 40 Büchern und wird in diesem Fache immer classisch bleiben. Soltau itt Lüneburg lieferte daraus einen Auszug für deutsche Leser. Außerdem hat er einen Moral. Dialog, „kliopicaneunur", geschrieben, worin er zeigt, wie verderblich es ist, seine Grundsätze zu verlassen, um sich nach den Umstanden zu fügen; allein diesesWerk wurde von derJnquisition verboten. Noch gibt es von ihm cinenDia- log üb. falsche Scham und eine portug. Grammatik, die erste, die herausgekommen ist. Barry (James), Maler und Schriftsteller über die Kunst, geb. zu Cork in Irland 1741, gest. 1806. Sein Vater trieb Küstenhandel zwischen England und Irland, und hatte auch ihn zum Seemann bestimmt, aber sein unwiderstehlicher Hang zum Zeichnen und Malen gewann die Oberhand. Durch eins seiner ersten Ölgemälde, welches den Schutzpatron von Irland, den heiligen Patrik, darstellte, erwarb er sich die Unterstützung des berühmten Burke, der ihn in seinem 23. I. mit nach London nahm und ihn dem sogenannten Athener-Steward empfahl, bei dem er alte Ölgemälde copirte. Dann gaben ihm die Gebrüder Burke die nöthige Unterstützung, um nach Paris und Rom zu gehen, von wo er Ausflüge nach Florenz, Bologna und Neapel machte. Drei Jahre hielt er sich in Italien auf, bildete seinen Geschmack durch das Studium der großen Meisterwerke, lernte sie trefflich beurtheilen ' und schrieb gründliche Kritiken über sie. Unter seinen Erzeugnissen werden Adam und Eva, Venus, Jupiter und Juno aus dem Jda, und besonders der Tod des Generals Wolf am meisten gerühmt. Nach seiner Rückkehr ward er zum Mitglied der kömgl. > Akademie und zum Professor der Malerkunst ernannt. Er arbeitete 7 I. lang an ! den Gemälden, die den großen Saal der Gesellschaft zur Aufmunterung der Künste verzieren. Auch gab er ein berühmtes Werk: „Untersuchung über die Ursachen, welche die Fortschritte der Künste in England hindern" (1773) heraus. Er sucht diese Ursachen in der protestantischen Religion, in dem unruhigen bürgerlichen Sinn der Engländer und in ihrer Vorliebe für das Nützliche in Gewerben und Künsten. So sehr man seine Kritik des Schönen und seine Theorie der Künste bewundert, so sehr hat man die Unrichtigkeit seiner Zeichnung und die Ungeselligkeit seiner Sitten getadelt. Bart, die Haare an Kinn, Wange und Oberlippe, welche eine Auszeichnung des männlichen Geschlechtes sind. Sie unterscheiden sich von den gewöhnlichen Haaren nur durch größere Härte und ihre Form. Der Bart sprießt mit dem Eintritt der Mannbarkeit; früher ist das Gesicht mit einem dünnen Flaum bedeckt, welcher der Keim des Bartes zu sein scheint. Den Zusammenhang des Bartes mit der Mannbarkeit beweist unter Anderm auch der Umstand, daß er sich bei den Verschnittenen gar nicht entwickelt; doch hat die Verschncidung im männlichen Alter den Verlust des vorhandenen Bartes nicht zur Folge. — Die Deutschen sahen nach Cä- f sar's Bericht, und vielleicht mit Recht, die Verspätung des Bartes als günstig für ^ die Entwickelung der Kräfte an. Indeß gibt es Fälle, wo die Verzögerung des > Bartes ein Zeichen von Schwäche ist; diese Bemerkung macht man an Männern von zartem Bau, deren weiße Farbe wenig Lebenskraft verräth. Bei den Amerikanern, die von Natur weichlich und feigherzig sind, besteht der Bart aus wenig einzelnen Haaren, die sie als überflüssig ausraufen. Es ist nicht unwichtig, auf die Verschiedenheit in der Farbe, Dichtigkeit, Anzahl und Länge der Barthaare zu merken, weil diese Eigenschaften mit der Natur der Individuen, dem Klima, das sie bewohnen, ihrem Alter, ihrem Körperzustand und ihrer Nahrung in Beziehung I Bartels 675 ! stehen. Sie sind schwarz, trocken, hart und einzeln bei jähzornigen Männern, die im reifen Alterstehen, ferner bei den Bewohnern heißer und trockener Lander, wie die Araber, Äthiopier, Jndicr, Italiener, Spanier. Dagegen haben Pcrso- ' nen von wässeriger Beschaffenheit, junge Leute, die Bewohner kalter und feuchter Länder, wie die Holländer, Engländer, Schweden, gewöhnlich einen blonden, dichten, wenig krausen Bart. Je nachdem dabei die Umstände zusammenwirken, erzeugt sich eine unendliche Mannigfaltigkeit. Die Nahrung erzeugt in der Beschaffenheit der Haare sehr merkliche Veränderungen. Bei einer guten, kraft- und saft- ' vollen Nahrung ist der Bart weich und sanft; er ist hart und spröde, wenn die Nahrung dürftig, trocken und unverdaulich ist. Die Farbe scheint größtentheils von zufälligen Ursachen abzuhängen. — Im Allgemeinen ist von jeher und bei allen Völkern der Bart als eine Zierde des Mannes, als Zeichen der Weisen und Priester angesehen worden; den Juden verbot Moses das Scheren desselben; bei den alten Deutschen war die Beraubung des Bartes eine streng verpönte Schmach, bei den Jndiern eine schwere Strafe. Noch jetzt ist bei vielen Völkern, besonders im ! Orient, der Bart ein Zeichen besonderer Würde und Hoheit, z. B. bei den Türken. Das gegenwärtig in ganz Europa übliche Abscheren des Bartes schreibt sich von den ^ Zeiten Ludwigs XlH und XtV. her, die Beide noch unbärtig auf den Thron ge- i langten. Damals ließen sich die Hofleute und Bürger scheren, um ihren Königen i ähnlich zu sein, und nachher ward eine, immer allgemeiner gewordene Sitte daraus, ^ welcher sich wenigstens der Vorzug größerer Sauberkeit nicht absprechen läßt; wogegen aber auch wol nicht zu leugnen sein möchte, daß der durch das tägliche Abschneiden des Barthaars so ungemein beförderte Wachsthum desselben dem übrigen Körper nothwendigerweise einen Theil derjenigen Säfte rauben müsse, deren er zu seinem Gedeihen bedarf, daß folglich die Sitte des Bartscherens als eine mitwirkende Ursache der gegenwärtigen Verweichlichung des Menschengeschlechtes angesehen werden könne. Bartels (Johann Heinrich), vi. der Rechte, seit 1798 Senator und seit 1820 Bürgermeister der freien Stadt Hamburg, geb. daselb'st 1761, studwte in Göttingen, machte 1786 eine Reise durch Deutschland und Italien und gab 1787 I — 89 seine ebenso scharfsinnigen als vollständigen, größtentheils neuen Beobachtungen und von den ersten Männern des Landes empfangenen authentischen Nachrichten über das südliche Italien und über Sicilien in den mit allgemeinem Beifall ' vom Publicum aufgenommenen „Briefen über Ealabrien und Sicilien" (2 Bde.) heraus (2. Ausg. des 1. Bds. von 1791), die stets classischen Werth behalten werden. Sie sind, ohne Bartels zu nennen, in Gourbillon's „Vo^sZe :«I'Ltna" (2. Thl., 1820) sehr benutzt worden. — Seine Mitarbeiten an der „Jen. Allg. Lit.- Zeit." und die Muße zu den literarischen Beschäftigungen in den ersten Jahren nach der Heimkehr in die Vaterstadt wurden durch juristische Praxis und durch den Ruf zu der geschäftsvollen Mitverwaltung dieses republikanischen Staates unterbrochen, in weicherer sich durch ausdauernde Thätigkeit und in mehren schwierigen Lagen Hamburgs während der franz. Herrschaft und in der herannahenden Krisis ' ihrer Befreiung, durch männliche Festigkeit in den Verhandlungen, sowol mit den franz. als auch mit andern Militairbehörden auszeichnete. Auch in der franz. Occu- » pationsperiode fungirte er mit Ehre im Hamburgischen Oberjustizhofe und in der Mitleitung der trefflichen Wohlthätigkeits - und der Dcpartementalstrafanstalten, soweit es die damalige Desorganisation vieles Guten erlaubte. — Seit der wiederhergestellten Verfassung dieses Freistaates übernahm er die Verwaltung der städtischen Polizei, in welcher der Senator Abendroth ihm dann 1821 folgte. B. leitete I die Polizei bis zu seiner Erhebung zur Bürgermeisterwürde mit Energie und kluger Umsicht und führte u. A. eine zweckmäßige Medicinalordnung und eine neue Feuer- ! cassenordnung ein. 43 * 676 Barth-Barthenheim Barthvlemy (Jean Jacques) Barth-Barthenheim, ein altadeligcs, dann reichsfrei- und panierherr- liches, 1810 in den östr. Grafenstand erhobenes Geschlecht, das, schon um das I. 856 unter Ludwig dem Frommen berühmt, dem deutschen Orden in Palästina'einen Hochmeister (1206 — 10) gegeben hat. — GrafJohann Baptist Ludwig Eh- renreich v. B arth - Barthenh eim, k. k. östr. Kämmerer und niedcröstr. Re- gierungssecretair, Malteserrittcr, geb. den 5. März 1'784 zu Hagenau im Elsaß, studirte von 1795 —1800 auf dem Gymnasium zu Karlsruhe, hierauf zu Freiburg und zu Göttingcn. Philosophie, Rechts-und Staatswissenschaften, auch Diplomatie waren seine Hauptstudien. 1804 trat er in k. k. östr. Staatsdienste. Hier bemühte er sich, die vorhandenen Gesetze und Anordnungen, welche sich auf die Landesverwaltung bezogen, zu ordnen und für den Gcschastsdienst lichtvoll zusammenzustellen. So erschien 1818 seine Schrift über das politische Verhältniß der verschiedenen Gattungen von Obrigkeiten zum Bauernstande in der ProvinzNieder- östreich, die nicht nur an sich statistischen Werth hat, sondern auch überhaupt bei der Gesetzgebung über den Bauernstand in Deutschland verglichen zu werden verdient. Dann gab er von 1819 — 24 eine „Ostr. Gewerbs- und Handelsgesetzkunde" heraus, welche die oberste Gewerbs- und Handclsbehörde in Östreich als Muster zur Bearbeitung der einzelnen Provinzialgesetzgcbungen über diesen Gegenstand allen Landesstellen der Monarchie empfahl, sodaß bereits auf der Grundlage des Barthenheim'schen Systems ähnliche Bearbeitungen für Galizien, Steiermark und für das Venetianische erschienen sind. Seine „Beitrage zur politischen Gesetz- kunde", die der Graf von B. in freien Heften herausgibt, enthalten meistens Abhandlungen über einzelne Gegenstände der östr. Landesverwaltung, z. B. über die östr. Staatsbürgerschaft, über die Jsraeliten in Östreich, über das freie Gemeindewesen, über den Zustand der Protestanten daselbst u. s. w. Außerdem hat er ein „System der östr. administrat. Polizei, m. Rücksicht auf Östreich unt. d. Enns" (Wien 1829, 1. Bd.) herausgeg., auf welche eine „Östr. polit. Gesehkunde" folgen wird. Dieser fleißige und für seinen Beruf literarifch thätige Geschäftsmann wurde vor kurzem zum Vorstand und Director des Witwen- und Waiseninstituts Herrschaft!. Wirthschaftsbeamten in Niederöstreich gewählt. Barthel, ein aus Bartholomäus zusammengezogener Name. Die sprüch- wörtliche Redensart: „Der weiß, wo Barthel Most holt oder schenkt", hat, wie so manche andre, einem jetzt nicht mehr bekannten Umstände ihre Entstehung zu verdanken. Einige vermuthen, es habe einst einen Mostschenken dieses Namens gegeben, der seinen Gästen eine besonders gute Sorte vorgesetzt habe. Andre meinen, unter dem Barthel sei der am 24. Aug. im Ealender stehende Apostel Bartholomäus zu verstehen. Da nun in der Regel zu Bartholomai noch kein Most zu haben ist, so weiß Derjenige, welcher weiß, wo Barthel Most holt oder schenkt, Etwas, was Andre nicht wissen; er ist also gescheidter als Andre. In manchen Gegenden sind Benennungen üblich, welche aus dem zusammengezogenen Namen eines Heiligen und einem um die Zeit, da dessen Name im Ealender steht, in der Natur oder im häuslichen Leben stattfindenden Umstände gebildet sind, wie: Rosenhans, weil um Johannes (zusammengezogen in Hans) die Rosen blühen; Kornjokel, weil zu Jacob! (zusammengezogen in Jokel) das Korn reif ist; Mostmichel, weil gegen Michaelis die Weinlese beginnt; Hafenbarthcl, weil nach Bartholomäus die Jagd ausgeht. 11. Barthölemy (Jean Jacques), geb am 20. Jan. 1716 zu Eassis, unweit Aubagne in der ehemaligen Provence, erhielt eine gute Erziehung bei den Vatern vom Oratorium zu Marseille und sollte sich bei den Jesuiten zum geistlichen Stande vorbereiten, deren verkehrte Behandlung ihm aber diese Bestimmung so sehr verleidete, daß er alle Antrage zu geistliche» Stellen ablehnte und den Titel eines Abbe bloß annabm, um anzuzeigen, daß er zu diesem Stande gehörte. Von BarthAcmy (Franyois) 677 Jugend auf liebte er das Studium der alten Sprachen, sogar der ältesten orientalischen, und der Alterthümer überhaupt. Sein uncrmüdcter Fleiß und der Scharfsinn, womit er alle Gegenstände der mühsamsten und trockensten Untersuchung erforschte, setzten ihn bald in den Stand, den Gelehrten in diesem Fache neue Entdeckungen mitzutheilen, unter welchen das palmyrenischc Alphabet, das er (1758) bekanntmachte, eine vorzügliche Stelle behauptet. Schon 1747 ward er Mitglied der pariser Akademie der Inschriften, nachdem er bald nach seiner Ankunft in Paris (1744) dem Aufseher des königl. Mcdaillcncabinets zum Gehülfen beigesellt worden ) war. Um diese Zeit machte er die Bekanntschaft des Grafen Stainville (nachmal. ' Minist. Ehoiseul), welcher eben im Begriff stand, als Gesandter nach Rom abzugehen, und B. einlud, ihn dahin zu begleiten. Dieser, seit 1758 Obcraufseher des Medaillencabincts, nahm das Anerbieten an und ging 1764 nach Rom. Er durchwanderte ganz Italien, sammelte neue Alterthumsschatze und beschäftigte sich nach seiner Rückkehr mit gelehrten Arbeiten und mit der Einrichtung des ihm anvertrauten Eabknets, das er mit einer großen Anzahl kostbarer und seltener Medaillen vermehrte. Unter seinen Privatacbeiten zeichnete sich keine durch Gelehrsamkeit und schöne Darstellung so sehr aus als die „Reise des jungen Anacharsis nach Griechenland", an der er von 1757 an 30 I. arbeitete. Er selbst war bescheiden genug, dieses Werk eine unbehülflichc Compilation zu nennen, wahrend alle geistreiche Köpfe Frankreichs und des Auslandes dasselbe mit der größten Hochachtung ^ aufnahmen und die glückliche Darstellungsgabe des Vers. nicht genug bewundern konnten, der die ungleichartigsten Theile des griechischen Alterthums aus verschiedenen Zeiten in ein so schönes Ganzes verwebt und mit ebenso viel Gelehrsamkeit als Geschmack verarbeitet hatte. B., welcher noch in seinem Alter ein vollständiges Verzeichniß des königl. Medaillencabincts ausarbeiten wollte, aber durch die 1788 sich erhebenden Rcvolutionsstürmc daran verhindert wurde, blieb bei seinen eignen Arbeiten stehen und erwartete ruhig den Ausgang der öffentlichen Angelegenheiten, an denen er nicht den geringsten Antheil nahm. 1780 erhielt er eine Stelle in der Avaäemie truntzuiso. Zwar raubte ihm die Revolution den größten Theil seines bedeutenden Einkommens; allein er ertrug diesen Verlust mit Gelassenheit. Am 20. Aug. 1703 ward er von einem Beamten bei der Nationalbibliothek des Aristokratismus beschuldigt und am 2. Sept. verhaftet, jedoch bald darauf in Freiheit gesetzt und wieder unter die Zahl der Bibliothekare aufgenommen. Der Vorfall hatte aber auf seine ohnedies schwächliche Gesundheit die nachtheiligsten Folgen. Als der Oberbibliothekar der Nationalbibliothek, der berüchtigte Earra, am 31. Oct. 1703 guillotinirt worden war, trug man ihm die Stelle an; er lehnte sie aber ab, um seine wenigen Lebenslage ruhig zuzubringen. Er starb am 30. April 1705 mit dem Ruhme eines durchaus rechtschaffenen Mannes, eines vielseitigen Gelehrten und ausgezeichneten Schriftstellers. Barth elem y (Franpois), des Vorigen Neffe, Pair von Frankreich, geb. um 1750, hatte unter der königl. Regierung mehre Gesandtschaften an auswärtige Höfe als Secretair begleitet, war lange Zeit Gesandter am'schwedischen Hofe und wurde beim Ausbruch der Revolution in dieser Eigenschaft nach London gesendet. Im Dec. 1701 ward er nach der Schweiz geschickt, vertrat dort mit Eifer Frank- ' reichs Sache, schloß den Frieden zwischen Frankreich und Preußen in Basel und bald darauf auch mit Spanien und dem Landgrafen von Hessenkassel. Seine Unterhandlungen mit Wickham, dem engl. Gesandten in der Schweiz, hatten nicht denselben Erfolg. 1706 rief ihn ein höherer Posten in sein Vaterland zurück. Man hatte ihn im Rathe der Alten an die Stelle Letourneur's zum Mitglicde des vollziehenden Direktoriums gewählt. Alle Parteien waren mit dieser Wahl zufrieden, und schon wurden Anstalten gemacht, den künftigen Director feierlich einzuholen; der bescheidene B. vermied aber dieses Gepränge und kam in aller Stille 678 Barthcz Bartholomäus in Paris an. Indessen traf auch ihn das Schicksal des 18. Fructidors; er ward am 4. Sepr. (1797) verhaftet und mit Pichegru und Andern nach Cayenne geführt. Nach kurzer Zeit wußte er jedoch mit 6 Andern und seinem treuen Kammerdiener, Le Tellicr, der selbst die Verbannung mit seinem Herrn getheilt hatte, zu entfliehen, woraus er nach England kam und nach der Revolution vom 18. Bru- maire (9. Nov. 1799) Einer der Ersten war, welche wieder zurückgerufen wurden. Bald nachher ward er Senator und Reichsgraf. Während Napoleons Regierung hatte er nie bedeutenden Einfluß. In den Tagen der Abdankung bekam er einige Wichtigkeit als Präsident des Senats. Er ward in der Folge zum Pair ernannt und zum Großofsicier der Ehrenlegion. Graf B. verbindet mit ungewöhnlichen Talenten eine seltene Nechtschaffenheit. Ohne Ehrgeiz suchte er immer dem Vaterlande zu dienen und erwarb sich die Hochachtung aller Parteien. Als Pair hat er sich auf die Seite der Ultras geneigt. Darum trug er im Febr. 1819 auf die Abänderung des Wahlgesetzes von 1817 an. Barthez (Paul Joseph), einer der gelehrtesten Ärzte Frankreichs im 18. Jahrh., geb. am 11. Dec. 1734 in Montpellier, wurde als ein frühreifes Kind bewundert. Nach Vollendung seiner Studien kam er 1754 nach Paris, wo sich ihm durch eine glückliche Eur beim Grafen von Perigord eine glänzende Laufbahn eröffnete, und wo er sich an Barthelemy, Eaylus, Hanaut, Mairan und d'Alem- bert näher anschloß. Zwei Memoires, welche er der Aeallemie lles inscription» et llo, belle» lettre» überreichte, erhielten die ersten Preise. Er nahm an dem „lourna! ' dem Griffel und der Radirnadel. Er hat in verschiedenen Manieren nach Gemäl- ! den jeder Periode und Schule nach und nach an 505 Blätter geliefert. Auch in der ' farbigen Lavismanier hat er sich in Landschaften mit großem Glück versucht. Ein genaues Verzeichniß s. eignen Werke ist von s. Sohne, Friedrich Joseph Adam v. Bartsch, mit dem nicht ganz ähnlichen Bilde s. Vaters in einem Octavbandc 1818 geliefert worden. Als Custos der unvergleichlichen öffentlichen Kupferstichsammlung bei der Hofbibliothek, zu deren Vermehrung er mehre Reisen ins Aus- ! land machte, als Ordner und Rathgcber bei der in ihrer Art einzigen Sammlung ! von Handzeichnungen und Kupfern des Herzogs Albrecht von Sachsen - Teschen, als Rathgeber der hochbcmittelten Sammler in der Kaiserstadt, die alle Seltenheiten seinem Blicke zuerst zur Prüfung vorlegten, konnte er allerdings da als Kenner absprechen, wo Andre nur im Finstern tappen. Durch sein letztes Werk über die Kupferstecherkunst hat er hundert Ungewißheiten und Betrügereien im Verkauf des Unechten statt des Echten auf immer beseitigt. Der erste Theil beschäftigt sich mit , einer kurzen, doch hinlänglichen Theorie der verschiedenen Stichgattungen und fällt am Schluß ein Kennerurtheil über die Vorzüge und Nachtheile einer jeden; dann wird gelehrt, nach welchen Merkmalen man Copie vom Urbilde unterscheiden müsse, und wie man zur Fertigkeit gelange, aus dem Kupferstiche den Meister anzugeben. Auf 11 Kupfertafeln, die in weiser Raumsparung in 113 Figuren die am meisten bestrittenen Kennzeichen berühmter Blätter nach ihrer Echtheit und Unechtheit vorbilden , wird Alles versinnlicht. Mehre nützliche Anhänge dienen zur Erläuterung. Ein alphabet. Verzeichniß der Meister und ihrer vorzüglichsten Werke befriedigt Jeden im Wesentlichsten der Kenntnisse seines Fachs, der kostbare Werke nicht zur Hand hat, und ertheilt Fingerzeige zu weiterer Forschung. Der britische Büchec- und Kunstkenner, Dibdin, gibt im 3. Bde. s. „kililivFrapIiioai, »ntiguarian siul pioturssgus tour" B.'s Bild. Baryton, s. Bariton. Basalt (Basanit), eine Felsart, bestehend aus einem innigen Gemenge rzon Augit, Feldspath und Magneteisenstein, sehr dicht und hart; im Bruche j flachmuschlig und uneben, fein- oder kleinkörnig, mitunter auch erdig. Nicht ^ selten enthält er Blasenraume, die mit verschiedenen Mineralien angefüllt sind, ! auch Einmcngungen findet man in ihm, und endlich geht er auch in andre ihm ver- I Baschkiren Basculcsystem 681 wandle Felsarten über. Durch Einwirkung der Witterung zersetzt er sich leicht, und.aus dem verwitterten Gestein geht ein sehr fruchtbarer Boden, eine fette, schwärzliche Erde hervor, in welcher das Wachsthum der Pflanzen, namentlich des Getreides, üppig gedeiht, und dies in desto höherm Grade, da um den Basalt sich meist viele Feuchtigkeiten sammeln; daher sieht man die Abhänge basaltischer Berge oft bis zur größten Höhe angebaut, auch mit Rasen oder mit Wald bewachsen. — Der Basalt, auf der einen Seite mit den Trachyten (s. d.) zusammenhängend, von der andern in sehr inniger Beziehung mit den Laven der Vulkane, scheint durch Umwandlung andrer Felsarten vermittelst vulkanischer Agentien entstanden; feine Massen haben sich den Weg durch bereits vorhandene Gesteinschichten gebahnt. Im erweichten Zustande wurden sie, wahrscheinlich aus großer Tiefe, durch die durchbrochene Gcbirgsdeckc, durch entstandene Spaltungen und Risse oder durch rundliche Öffnungen in den Berggipfeln emporgehoben, und bei der Abkühlung, beim Übergänge in den festen Zustand, eigneten sich dieselben zum Theil eine Art regelrechter Gestaltung in 4-, 5-, 6-, 8-, Oseitigen Prismen und symmetrischer Gcuppirung an. Daß der Basalt aus einem nassen Niederschlag entstanden sei, glauben gut unterrichtete, vorurtheilsfreie Ecognosten wol nicht mehr. Den Basaltbergen ist durch ihre Gestalt und Verhältnisse eine besondere Auszeichnung verliehen; theils erheben sie sich in der Gestalt von mehr oder minder abgestumpften Kegeln, theils steigen sie mit seltener Schroffheit bis zur scharfen Spitze hinan. Die Oberflache der Berge zeigt kleine Erhabenheiten oder Vertiefungen, oder sie ist besetzt mit bald regellos eckigen, senkrechten, bald aus Säulen bestehenden Felsmassen. Man findet den Basalt vorzüglich in der Eiffcl, im Westerwaldc, Rhön- gcbirge, in Sachsen (bei Stolpen u. an a. O.), in Hessen, Böhmen, Auvergne, auf den Hebriden (Staffa), in Irland (Riesenweg) u. s. w. — Der Basalt ist ein vorzügliches Baumaterial und auch zu Straßenpflastern und Chausseen nutzbar; gepocht unter Kalkmörtel gemengt, vermehrt er die bindende Kraft desselben. Die säulenartigen Stücke verwendet man zu Pfeilern, Ecksteinen, Thür - und Fensterstöcken u. s. w. Die dichter» Abänderungen werden zu Mühl- und Reibesteinen, Mörsern, Trögen, zu Amboßen für Goldschmiede, Goldschlager, Buchbinder u. s. w. verarbeitet; auch bestehen manche Werke der ältern Bildhauerkunst daraus. Die römischen Bildhauer bedienen sich desselben zur Restauration der ägyptischen Bildsäulen aus sogen, schwarzem Granit. Ferner wird das Gestein der GlaS- fritte zugesetzt; für sich allein gibt es ein dunkeles, sehr flüssiges Bouteillenglas. Endlich bedient man sich des Basaltes als Zuschlag beim Schmelzen stcengflüssiger und kalkhaltiger Eisenerze. Baschkiren oder Baschkurt sind ihrer Abkunft nach wahrscheinlich Nv- gajcr, welche Bulgaren unter sich aufgenommen haben; wenigstens ist ihr Land ein Theil der ehemaligen Bulgarei. Vormals zogen sie unter eignen Fürsten im südlichen Sibirien umher; von den sibirischen Khanen beunruhigt, ließen sie sich in ihren jetzigen Besitzungen nieder, breiteten sich an der Wolga und dem Uralfluffe aus und unterwarfen sich dem kasanischen Khanat. Als dieser Staat durch Iwan U. zerstört wurde, fügten sie sich freiwillig unter Rußlands Scepter, empörten sich ledoch nachmals zu verschiedenen Zeiten, wodurch ihr Wohlstand und ihre Volksmenge bedeutend vermindert ward. 1779 machten sie 27,000 Familien aus, die ihre Wohnsitze in den Statthalterschaften Ufa und Perm haben. Sie sind Mohammedaner, meistens mit Pfeilen, Bogen und Lanzen bewaffnet, und leben von der Jagd, Vieh - und Bienenzucht. Aus gegohrener Pferde - und Kameelmilch bereiten sie ein berauschendes Getränk, Kumüß, das sie sehr lieben. Basculesystem, das Schaukelsystem, ein von den fcanz. Ministerien seit den 2 Restaurationen der Bourbons in Gang gekommener Ausdruck, ist einem festcn Verwaltungssystem entgegengesetzt, das nach den Grundsätzen des wahren 682 Basedow Gemeinwohls den Staat verwaltet, ohne auf Parteien und Privilcgirte und ohne auf die Hofgunst Rücksicht zu nehmen. Frankreichs Minister bis zum 1.1822 sind häufig von den liberalen Repräsentanten des Volks und von den Schriftstellern wegen ihres schwankenden Systems getadelt worden, und haben gleichen Vorwurf von den Männern der Ultrapartei hören müssen: daß sie nämlich beständig zwischen den Extremen beider Oppositionen im Volke geschwankt hätten. Im Dcc. 1821 vereinigten sich sogar die Ultras beider Parteien in der Deputirtenkammcr gegen die ! Minister. In der That ist es schwer, nach einem Systeme zu regieren, wenn ! man seine Direktion nicht in einem festen Rechtszustand, sondern in halben Maß- , regeln, und bei Amterbcsetzungen in Rücksichten für vielgeltende Beamten und Eandidaten der Staatsämter, und nicht in Talenten, Thätigkeit und Vaterlandsliebe der sich anmeldenden Bewerber sucht. Ein schwankendes Benehmen eines Ministers in der Vollziehung der Staatsgesetzc beweist, daß dieser sich um jedes Opfer halten will, selbst mit Aufopferung seiner AmtSehre. Basedow (Johann Bernhard), von sich selbst auch oft Bernhard von Nord- albingcn genannt, gehört zu den merkwürdigern Männern seines Jahrh. In Hamburg , wo sein Vater Perückenmachcr war, den 11. Scpt. 1723 geb., besuchte er das dasige Johanncum und studirte in Leipzig Philosophie und Theologie, von wo er als Hauslehrer nach dem Holsteinischen ging, 1753 Lehrer der Moral und der schönen Wissenschaften an der Ritterakademie zu Soroe und 1761 Lehrer am Gym- i nasium zu Altona ward, wo er mehre, wegen ihrer Heterodoxie verbotene Schriften herausgab. Die Erscheinung des „Emil" von Rousseau (1762) begeisterte ihn > mit dem Gedanken, Vcrbesserer des Erziehungswesens zu werden und die Grundsätze Rvusseau's und des von ihm sehr geschätzten Comenius in Ausübung zu bringen. An Talent und Kraft dazu fehlte es ihm nicht, auch sing er das Werk mit Feuer an, und seine Zeit war nicht unempfänglich. 15,000 Thlr. Beiträge von Fürsten und Privatpersonen deckten die Kosten seines Elcinentarwerks, das nach den pomphaftesten Ankündigungen als ein orbis piotuo mit lOOKupf. (v. Ehodowiecky) in deutscher, franz. und lat. Sprache 1774 erschien. Er sollte der Jugend eine Masse Vorstellungen aus der wirklichen Welt geben, um zugleich die Augen zu ergötzen und den Weltbürgersinn zu entwickeln, auf den es B. bei seiner Erzichungs- , Methode abgesehen hatte. Die Musterschule dieser Methode wurde seit 1774 zu ! Dessau, wohin der edle Fürst Franz Leop. Friedr. ihn schon seit 1771 berufen hatte, ^ sein eröffnetes Philanthropin. Doch versprach er mehr als er leistete; sein unruhi- ^ ger, immer mit weit aussehenden Planen und Idealen beschäftigter Geist und eine ^ seinen Mitarbeitern oft fühlbare Herrschsucht ließen ihn nicht ausharren. Schon ^ 1778 verließ er nach vielen Händeln, besonders mit seinem fleißigern, aber eigen- ^ sinnigen Mitarbeiter Wolke, das Philanthropin, fuhr aber mit gleichem Eifer fort, ^ durch viele pädagogische und philosophische Schriften, die mehr nach Popularität als I nach Gründlichkeit strebten, für seine Ideen thätig zu sein, bis er nach öfterm Wech- ^ sel seines Aufenthalts d. 25. Juli 1790 zu Magdeburg starb. Sein Einfluß auf die Denkart seiner Zeit war groß; um die damals anhebende Aufklärung von Deutschland hat er ein entschiedenes Verdienst, und wenn ihm auch die Humanisten die Herabwürdigung der Alten, wozu ihn am meisten der Mangel an eigner gründlicher Gelehrsamkeit verleitete, und eine Menge von Übertreibungen, Mißgriffen und Spielereien mit Recht vorgeworfen haben: so wird ihm doch Niemand streitig machen, daß er durch seine siegende Beredtsamkcit für die von Vielen vergessene heilige Sache der Menschenerziehung Aufmerksamkeit und Begeisterung zu wecken, treffliche Ideen und nothwendige Wahrheiten in schnellen Umlauf zu setzen und die Theilnahme der Regierungen zu gewinnen verstand, obwol er selbst lieber umwälzen und neu schaf- , fen, als ausbilden, ordnen und vervollkommnen mochte. Seine Philosoph, und pädagog. Schriften sind im „Gelehrten Deutschland" verzeichnet. Sein Leben hat Basel (Stadt) Basel (Kirchenversammlung) 683 Meyer beschr. (Hamb. 1791 u. 92,2 Bde.), über s. Methode und Mustcrschule vgl. Philanthropinismus. Bäset, die größte Stadt in der Schweiz, Hauptst. des Cantons gl. N., der auf 13 IHM. 47,500 reform. E. zahlt und 409 M. zum Bundescontingente stellt. Sie liegt in einer schönen Gegend (7° 31" Ö. L. und 47°40"N. Br.),ist im Ganzen wohl gebaut, hat in 2119 H. 16,400 E. und wird durch denRhein in die„mehre" und „mindere" (größere und kleinere) Stadt getheilt, welche durch die 715 rheinl. Schuh lange Rheinbrücke verbunden sind. Zwischen den Bewohnern beider Stadttheile herrschte seit uralten Zeiten cineAbncigung, die noch jetzt nicht gänzlich auszurotten ist. Ehemals war B. eine Reichsst., trat aber 1501 in den Schwcizerbund. Okolampadius, Grynäus, Buxtorf, Wetstein, Hermann, die Bernoulli und Euler wurden hier geboren. Auch Erasmus lebte hier mehre I. lang und liegt in der reform. Domkirche begraben. Zu den Merkwürdigkeiten gehört die 1459 gestift. Universität mit e. trefft. Bibliothek, e. Münzkabinet, c. botan. Garten, e. Gymnasium, e. Künstelnd Natucaliensamml., 15 Gemäldesamml., e. vonJselin 1766 gestift., durch nützliche Schriften ausgezeichnete Gesellschaft zur Beförderung und Aufmunterung des Guten und Gemeinnützigen, die 1824 eine landökonom. Armenschule eröffnete, 1825 ihre 59. Jahresgesch. herausgab und 483 Mitglieder zählte; e. Seminar für Mis- sionacicn, die deutsche Bibelgesellsch., welche Bibeln mit stehenden Lettern druckt und bei jeder Aufl. mehre Hundert an die Armen vertheilt. Zu den Eigenheiten B.'s zahlt man, daß die Uhren um e. Stunde gegen die Uhren a. O. vorgehen, sowie daß die Stadt b is zum März 1826 noch keine allgemeine Straßenbeleuchtung hatte. Die Stadtverwaltung ist in den Händen eines großen Raths von 280 Mitgl., aus deren Mitte der kleinere Rath, bestehend aus 60 Personen, gewählt wird. DerHandelist ausgebreitet, hauptsächlich durch die Erzeugnisse der Seidenbandmanufactur, auch die Fabr. von Seidenzeuchen, Cattun, Papier, Leinwand und Handschuhen, sowie die Bleichereien und Färbereien, sind bedeutend. 1818 hatte der Cant.B. 800,000 Fr. Schulden und 1828 eine baare Ersparniß von 400,000 Fr. In der neuesten Zeit hat die Universität B. besondere Aufmerksamkeit erregt, indem die in Deutschland wegen politischer Gesinnungen gewissermaßen geächteten berühmten Lehrer, wie de Wette, Snell u. A., hier Aufnahme gefunden. (Vgl. „Geschichte der Stadt und Landschaft Basel, von Pet. Ochs"" (Basel 1821 fg., 5 Bde.) und M. Lutz: „Geschichte der Universität Basel"" (Aarau 1826). — Über die Schlacht zu St.-Jakob (1444) s. Schweiz. Basel, allgemeine Kirchenversammlung. Auf der Kirchenversammlung zu Konstanz angekündigt, vom Papst Martin V. und dessen Nachfolger Eugen IV. ausgeschrieben, begann sie den 14. Dec. 1431 unter Vorsitz des Eardinallcgaten Julian Eäsarini von St.-Angelo, um die Ketzereien (die Hussitische zunächst) auszurotten, alle christliche Völker mit der katholischen Kirche zu vereinigen, die Kriege zwischen christlichen Fürsten zu beendigen und die Kirche an Haupt und Gliedern zu reformiren. Doch schon ihre ersten Schritte zu friedlicher Versöhnung der Hussitcn, die Julian mit einem Kreuzheere vergeblich bekriegt hatte, wollte der Papst nicht gutheißen und ermächtigte den Cardinallegaten zur Auflösung des Conciliums. Dieses wies das Ansinnen des Papstes mit scharfer Rüge seiner Hinterlist und Gleichgültigkeit gegen das Wohl der Kirche ab und setzte ungeachtet wiederholter päpstlicher Befehle, es nach Italien zu verlegen, unter dem Schutze des Kaisers Sigmund, der deutschen Fürsten und Frankreichs, seine Verhandlungen fort, die durch Vertheilung der Gegenstände in vier, aus Mitgliedern jedes Ranges und jeder Nation gleichmäßig zusammengesetzte, den Plenarsitzungen vorarbeitende Deputationen einen viel bessern Gang erhielten, als die Abstimmung nach Nationen oder Rangclassen bei frühern Concilien erlaubt hatte. Um sich vor Störungen von Seiten Eugens IV. zu sichern, wiederholte es die konstanzer Beschlüsse von der Berech- 684 Basel (Kirchenversammlung) tigung einer allgemeinen Kirchenversammlung, in Sachen des Glaubens, des Schisma und der Reformation über den Papst wie über die ganze Christenheit zu gebieten, und vermöge ihrer richterlichen Gewalt als Stcllvertretcrin der ganzen Kirche, Ungehorsame jedes Ranges, selbst den Papst, bestrafen zu können, und erklärte alle Emrcden und Kunstgriffe desselben gegen ihr Verfahren für nichtig, Da er Nun Bullen zu ihrer Auflösung erließ, leitete die Kirchenversammlung einen förmlichen Proceß wider ihn ein, setzte ihm Fristen auf Fristen, vor ihrem Gerichte zu erscheinen, und übte, so weit sie konnte, in Frankreich und Deutschland seine Gerechtsame aus. Inzwischen schloß sieimNamen derKirchc mitdenHussiten, derenAbgeordnete den 6. Jan. 1433 mit ZOO Reitern zu Basel erschienen, nach schwierigen Unter- handlungen durch die purger Compactaten den 20. Nov. 1433 einen von dcnCalix- tincrn, der mächtigsten, endlich siegenden hussitischen Partei, angenommenen Frieden ab, worin sie ihnen den Gebrauch des Kelches im Abendmahle bewilligte. Sie ging dadurch freilich von den konstanzer Beschlüssen ab, mußte aber ihrem treusten Beschützer, dem Kaiser Sigmund, durch Nachgiebigkeit gegen die mit Waffen nicht zu bezwingenden Hussiten zum Besitze Böhmens verhelfen. Dagegen vermittelte er ihre Aussöhnung mit Eugen IV., der, gedrängt durch Empörungen im Kirchenstaate, und um seinen Einfluß auf Deutschland und Frankreich nicht ganz zu verlieren, sie und alle ihre bisherigen Beschlüsse in einer von ihr selbst dictirten und bei der 16. Session (5. Febr. 1435) angenommenen Bulle feierlich bestätigte. Stolz auf diesen Sieg über den Papst, wollte sie nun auch über eine Klage Herzog > Erichs von Lauenburg gegen Friedrich den Streitbaren wegen Belchnung mit der sächsischen Kur entscheiden, wurde aber durch Sigmunds Protestation gegen jede , Einmischung in die Reichsangelegenheiten auf ihr Hauptgeschäft, die unter den bisherigen Händeln vernachlässigte Reformation der Kirche, zurückgewiesen. Nur zur Einschränkung des Papstes hatte sie schon in der 12. Session (14. Juli 1434), gestützt auf die altchristliche Kirchenverfassung, einen wichtigen Schritt gethan, indem sie ihm und seiner Curie die von seinen Vorgängern erschlichene Disposition über die Pfründen an Kathedral- und Collegiatkicchen absprach, die freie Wahl zu Capitular- und Kanonicatstellen den Capiteln selbst zurückgab und den Papst zu unentgeltlicher Bestätigung derselben verpflichtete. Zur Reformation des Klerus schritt sie aber erst durch die Beschlüsse, daß Geistliche, Welche Beischläferinnen hielten- und Prälaten, die dies für Geld gestatteten, bestraft, Excommunicirte nicht vor der Bekanntmachung ihres Urtheils gemieden, Jnterdicte nie wegen einzelner Personen verhängt, wiederholte Appellationen wegen derselben Beschwerde nicht angenommen (20. Session, 22. Jan. 1436), Annalen, Gelder für Pallien und Deports (Annalen der Pfarrer an die Bischöfe) unter keinem Verwände gefedert oder entrichtet und als Simonie geahndet, Gottesdienst, Messen und kanonische Stunden von den Geistlichen jedes Standes regelmäßig abgewartet, Störungen der Andacht durch gute Kirchenpolizei abgewehrt, die Narrcnfestc und alle zur Weihnachtszeit in den Kirchen üblichen Ungebührlichkeitcn abgeschafft werden sollten (21. Sess, 9. Juni 1435). Hierauf wurde in der 23. Session (25. März 1436) die Form der Wahl, des Glaubensbekenntnisses und Amtseides jedes Papstes mit Verpflichtung auf die Beschlüsse des Conciliums, und jährliche Wiederholung derselben vorgeschrieben, jede Beförderung der Verwandten eines Papstes verboten und das Collegium der Cardinälc auf 24 verdiente Prälaten und Doctoren aus allen Nationen beschränkt, die durch freie Abstimmung des Collegiums gewählt werden, die Hälfte aller Einkünfte des Kirchenstaats genießen, über die Amtstreue des Papstes wachen und seine Bullen stets unterzeichnen sollten. Übrigens ließ man ihm nur das Recht, die zum Sprengel von Rom gehörigen Pfründen zu vergeben, und schaffte die Verleihung von Anwartschaften auf Kirchenämter ab. Vergebens hatte sich die französische Geistlichkeit bemüht, diese heilsamen Beschlüsse durchzusetzen. 685 Basel (Kirchenversammlung) Der Papst kehrte sich nicht daran. Waren allgemeine Kirchenversammlungen wegen der Schranken, die sie der Papstgewalt zu setzen pflegten, den Päpsten überhaupt verhaßt und oft von ihnen hintertrieben worden, so mußte das Verfahren der basier Versammlung einen hartnäckigen Mann, wie Eugen IV., auss Äußerste erbittern. Er bestürmte die Könige mit Beschwerden über die basier Beschlüsse und benutzte die damals stark betriebenen Anstalten zur Vereinigung der bedrängten Griechen mit der römischen Kirche, um das Concilium aufzulösen. Die Griechen, diesen innern Zwist nicht ahnend, hatten sich gleichzeitig an den Papst und an das Concilium gewendet. Beide wetteiferten nun, einander den Ruhm der Union aus den Handen zu winden, beide schickten Galeeren ab, die die Abgeordneten der Griechen an den Ort der Verhandlungen bringen sollten, und beide bestimmten dazu nach Maßgabe ihres Vortheils andre Städte. Aber die Galeeren der Kirchenversamm- lung kamen, durch Ranke päpstlicher Agenten zurückgehalten, nicht zum Zweck, die päpstlichen Schiffe brachten die Griechen nach Fcrrara, und ein päpstlicher Legat zu Basel, der Erzbischof von Tarent, breitete im Namen der.Kirchenversammlung eine, mit Hülfe ihrer Siegel hinter ihrem Rücken geschmiedete, Verordnung aus, worin nach den Wünschen Eugens Mine oder Florenz zum Verhandlungsorte empfohlen ward. Dieser Betrug zerriß das Band schonender Rücksicht, das die Kir- chenvcrsammlung bisher von neuen Angriffen auf den Papst abgehalten hatte. In der 26. Session (31. Jan. 1437) begann sie wiederum, ihn wegen Ungehorsams gegen ihre Decrete vorzufodern, Contumazerklärungen folgten, und nachdem Eugen sein Gegenconcilium zu Ferrara eröffnet hatte, sprach sie in der 31. Session, (24. Jan. 1438) seine Suspension von der Verwaltung des Papstthums aus. In derselben Sitzung verbot sie jede Appellation nach Rom mit Übergebung der Awi- scheninstanzen, überließ der päpstlichen Disposition nur 1 von 10 und 2 von 50 Probenden an einer Kirche und bestimmte den dritten Theil aller vacant werdenden Kanonicate für graduirte Gelehrte. Die Suspension Eugens schien jedoch wegen der Stärke seines Anhanges so wenig ausführbar, daß einige der Prälaten, die bisher die freimüthigsten und einflußreichsten Sprecher auf dem Concilium gewesen waren, z. B. der Cardinallegat Julian selbst und der große Kanonist Nicolaus v. Cusa, Archidiakonus zu Lüttich, mit den meisten Italienern Basel verließen und auf Eugens Seite traten. Mit desto größerer Festigkeit leitete nun der Erzbischof von Ar- lcs, Cardinal Ludwig Allemand, ein an Geist, Muth und Beredtsamkeit Allen überlegener Mann, als erster Präsident der Kirchenversammlung, die Schritte derselben. Obgleich ihre Zahl gesunken, ihr mächtigster Beschützer, Kaiser Sig- mund, gestorben, und durch ihren entschiedenen Bruch mit dem Papste vielen Fürsten und Nationen selbst ihre Befugnis verdächtig geworden war, erklärte sie doch nach heftigen Debatten, bei denen auch noch einer ihrer Helden, der Erzbischof von Palermo, Nic. Tudeschi, unter dem Namen Panormitanus als der größte Kanonist seiner Zeit bekannt, sich im Auftrag des Königs von Aragonien und Sicilien des Papstes annahm, diesen wegen hartnäckigen Ungehorsams gegen ihre Beschlüsse in der 33. Session (16. Mai 1439) für einen Ketzer und setzte ihn in der folgenden wegen Simonie, Meineid, Verletzung der Kirchengesehe und schlechter Amtsverwaltung förmlich ab. Bei dieser Session (der 34., den 25. Juni 1439) fehlten die Spanier und Italiener bis auf 2, aber der Präsident ergriff ein ebenso sinnreiches als wirksames Mittel, den Beschluß dennoch durchzusetzen. An die Stellen der fehlenden Bischöfe ließ er die in Basel vorhandenen Heiligenreliquien legen und brachte dadurch bei der noch aus 400 größtenteils französischen und deutschen Prälaten, Priestern und Doctoren bestehenden Versammlung eine so tiefe Erschütterung hervor, daß sie einmüthig in Eugens Absetzung willigten. Darauf wählte sie, der Pest in Basel, die ihre Zahl abermals verminderte, nicht achtend, in regelmäßigem Conclave d. 17. Nov. d. I. den Herzog Amadeus v. Savoyen, einen als Eremit 686 Basel (Friedensschlüsse zu) zu Ripaglia am Gensersee lebenden, wegen seiner Frömmigkeit, seines Reichthums und seiner Verbindungen vorzüglich geeignet scheinenden Fürsten, zum Papste. Felix V. — so ließ er sich nennen— fand jedoch nur bei wenigen Fürsten, Städten und Universitäten die gesuchte Anerkennung. DieHauptmächte, Frankreich und Deutschland, »ahmen zwar die basier Reformationsdecrete an, wollten aber in der Streitsache mit Eugen IV. neutral bleiben. Dieser gewann inzwischen durch den Ruhm der mit den griechischen Abgeordneten zu Florenz geschlossenen (von der griechischen Kirche später verworfenen) Union und durch Kaiser Friedrichs III. Freundschaft neues Ansehen, während das von ihm geächtete, von seinen Beschützern verlassene Concilium zu Basel unter seinem unmächtigen Papste immer mehr zusammenschmolz, und nur noch auf die persönliche Sicherheit seiner Glieder und auf Erhaltung eines anständigen Scheines seiner Fortdauer bedacht, nach Zjähriger, durch wenige unbedeutende Beschlüsse unterbrochener Unthätigkeit seine 45. und letzte Sitzung (16. Mai 1443) hielt, worin es sich nach Lausanne verlegte. Zu Lausanne blieben noch einige Prälaten unter dem Cardinal Ludwig Allemand bis 1449 beisammen, in welchem Jahre sie, nach Eugens Tode und der Resignation ihres Felix V., die von dem neuen Papste Nicolaus V. angebotene Amnestie mit Freuden annahmen und das Concilium für geschlossen erklärten. Die basier Beschlüsse sind in keiner römischen Cvnciliensammlung aufgenommen und von den römischen Curialisten für nichtig erklärt worden. Dennoch blieben sie eine Quelle des kanonischen Rechtes für Frankreich und Deutschland, da die basier Reformationsdecrete in die pragmatischen Sanctionen beider Reiche aufgenommen und, soweit sie die Kirchenzucht betreffen, wirklich in Kraft gesetzt wurden. Spätere Concordate haben die Anwendung derselben modisicirt, aber nicht förmlich und völlig aufgehoben. (Vgl. Drutsche Kirche, Gallicanische Kirche.) Keine allgemeine Kirchenversammlung hat zweckmäßigere und tiefer eindringende Beschlüsse zur Verbesserung des Kirchen- regiments und der Kirchenzucht gefaßt, keine mehr gethan, das durch päpstliche Herrschsucht fast vernichtete Amtsansehen der Bischöfe und somit die alte echte apostolische Kirchenverfassung wiederherzustellen, als die basler; nur konnten die Kanonisten, von denen sie fast ganz geleitet wurde, sich von der damals herrschenden Idee eines allgemeinen Episkopats des Papstes noch nicht losmachen, und daher blieben ihre kräftigsten Beschlüsse zur Einschränkung desselben auf seinen ursprünglichen Beruf nur halbe Maßregeln, deren Jnconsequenz ihre ganze Reformation unkräftig machte. Hätte sie ihren Hauptzweck, an die Stelle der päpstl. Monarchie eine hierarchische Aristokratie zu setzen, in Ausführung bringen können, so würde zwar mancher Anlaß zur Klage über den päpstl. Despotismus beseitigt, aber die Reformation durch Luther im 16. Jahrh, dennoch nicht überflüssig geworden sein. 31. Basel, Friedensschlüsse zu, den 5. April und d. 22. Juli 1795. Den ersten unterzeichnete der prmß. Gesandte, nachherige Staatskanzlec, Baron von Herden berg (s. d.), den zweiten der spanische Gesandte, Marquis D. Domingo d'Priarte, beide der Gesandte der stanz. Republik bei der Schweiz, Bürger Werth «lein y (s. d.). Preußen und Spanien trennten sich dadurch von der Coali- tion gegen Frankreich und erkannten die Republik an. Diese behielt die preuß. Provinzen aus dem linken Rheinufer im Besitz bis zum allgemeinen Neichsstieden, und nahm Preußens Vermittelung an, wenn einzelne deutsche Fürsten mit der Republik besondere Friedensverträge schließen wollten. Die geheimen Artikel dieses basler Friedens sind noch nicht bekannt; man kennt nur den Tractat (Basel den 17. Mai 1795), der die Neutralität des nördlichen Deutschlands festsetzte. Hierauf schloß der Landgraf von Hessenkassel einen Tractat mit der stanz. Republik zu Basel den 28. Aug. 1795, nach welchem letztere die hcssenkasselschen Bezirke auf dem linken Rheinufer bis zum Neichsstieden behielt. Spanien bekam durch den basler Basilica Basis . 687 Frieden Alles zurück, was die republikanischen Heere jenseits der Pyrenäen erobert hatten; dagegen trat es an Frankreich den bisher span. Theil der Insel St.-Do- mingo ab. Zur Belohnung für diesen Friedensschluß erhielt der span. Premierminister, D. Eman. Godoi, Herzog v. Alcudia, den Titel: Fürst delaPaz. Basilica, Königswohnung. In den ersten Jahrh. Roms waren die Basiliken prächtige öffentliche Gebäude, von länglich viereckiger Gestalt, gewöhnlich mit korinthischen Säulen und mit Statuen ausgeschmückt, wo sich die Bürger zu Bcrathschlagungen über Gemeinwohl versammelten, Kaufleute ihre Waaren ausstellten, junge Redner in der Deklamation sich übten rc. Konstantin d. Gr. räumte den Christen in Rom einige Basiliken zu ihrem Gottesdienst ein. Daher kam es, daß die ersten christlichen Kirchen selbst den Namen der Basiliken erhielten, und daß man, als in der Folge neue Kirchen erbaut wurden, die Form der alten Basiliken fürsie beibehielt. (S. Domkirchen.) Basilides, s. Gnosis. Basilius, der Heilige, zum Unterschiede von andern Kirchenlehrern gl.N. der Große genannt, geb. 329, 370 Bischof zu Cäsarea in Kappadocien, wo er 379 starb, ragt unter den griech. Kirchenvatern an kirchlichem Ansehen als der vorzüglichste hervor. Die Verdienste, die er sich um die Regelung der Kirchenzucht, des Gottesdienstes und der Verhältnisse der Geistlichkeit erworben, die Menge seiner gehaltreichen Predigten, die Kraft, mit der er bei aller Friedfertigkeit gegen die Arianer kämpfte, und vor Allem seine erfolgreichen Bemühungen zur Beförderung des Mönchslebens, für das er noch jetzt geltende Gelübde und Regeln entwarf und in seinem eignen strengen Leben selbst befolgte, erklären das große Ansehen dieses Heiligen. Die griech. Kirche verehrt ihn als einen ihrer vorzüglichsten Schutzheiligen und feiert sein Fest den 1. Jan.; die Mönche und Nonnen sowol dieser als auch der übrigen orientalischen nicht unirten Kirchen folgen fast durchaus seiner Regel; auch in Italien gab es sonst, und in Sicilien, Spanien, Portugal und Amerika gibt es noch jetzt Klöster dieser Gattung, welche den Orden der Basilianer bilden. Sie tragen schwarze Kleidung und widmen sich nur dem beschauenden Leben. Die vom heil. B. verordneten Gelübde des Gehorsams, der Keuschheit und der Armuth sind die Regel aller Ordensgeistlichen der Christenheit, obgleich er vorzugsweise der Stammvater der morgenländischen Ordensgeistlichen ist, wie der heil. Benedict Patriarch der abendländischen. 17 Basilisk, eine Art gelber, sehr giftiger Schlangen in Afrika. Man hatte daraus ein Wunderthier erdichtet, welches die Gestalt eines Hahns mit bunten Drachenflügeln und einem Drachenschwanze haben sollte. Schon sein Anblick sollte tödtlich sein; man könne ihn, fabelte man, nur dadurch tödten, daß man durch einen vorgehaltenen Spiegel feinen giftigen Blick gegen ihn kehre. Sonst hieß auch eine Art großer Kanonen, oder die doppelten Feldschlangen, Basilisken. Basis, die Grundlage einer Sache, in der Mathematik z. B. die ungleiche Seite eines gleichschenkeligen Dreiecks. Heinrich v. Bülov> führte diesen Ausdruck in die Militairsprache ein. Er faßte nämlich die Idee, den Krieg im höhern Sinne auf mathematische Principien zurückzuführen und so festere Regeln als bisher für die Feldherren aufzustellen. Hierbei spielte die Basis eine Hauptrolle. Er verstand unter ihr eine Strecke Landes, welche durch Festungen unangreifbar gemacht sei, und von der die Operation des Heeres ausgehe. Die Linie, auf der die Operation geschieht, nannte er die Operationslinie; die Festung, vor der sie beginnt, das Subject; den Gegenstand, dessen Eroberung zunächst dicHauptabsicht des Feldzugs ist, das Object. So würde z. B. bei einem Offensivkriege Frankreichs gegen das südliche Deutschland, bei Neutralität Preußens und der Scbweiz, der Rhein von Basel bis Karlsruhe die Basis, Strasburg das Subject, Ulm oder Regensburg das Object, die Straße von Strasburg dahinüber die Operationslinie sein. Da Bülcw 688 Basis Magazine für unentbehrlich hielt, so schien ihm auch die vollkommene Sicherung der Operationslinie gegen Angriffe von der Seite unerläßlich, und er stellte daher den Grundsatz auf, daß die beiden Linien, die man von den Endpunkten der Basis nach dem Object ziehe, bei demselben einen rechten oder noch besser einen stumpfen Winkel bilden müßten. Die alle Gegner verachtende Sprache Bülow's, die Neuheit des Gedankens, oft auch ein Mißverstehen der Sache, am meisten aber Bülow's gänzlicher Mangel an Erfahrung, wodurch er oft in die gröbsten Irrthümer verfiel und den Anfänger in den Kriegswiffenfchaften, der das Wahre von dem blendenden Falschen nicht zu sichten verstand, auf die gefährlichsten Abwege brachte, veranlaßte viele Streitigkeiten über die neuen Grundsätze, und erst die gewaltigen Begebenheiten , welche von 1805 —15 alles Andre in den Hintergrund rückten, brachten auch diesen Streit in Vergessenheit. Die 1814 erschienenen „Fragmente aus den Grundsätzen der Strategie, erläutert durch die Darstellung des Feldzugs in Deutschland 1796", regte die Sache aufs neue an. Der Vers. (Erzherzog Karl) geht in diesem class. Werke im Allgemeinen in die Ideen Bülow's ein, er benutzt von ihm, was gut und wahr ist, verbessert die Irrthümer und Fehler des Unerfahrenen, tragt die ganze Lehre mit einer Klarheit, Bestimmtheit und Kürze vor, die an die geprie- sensten Historiker des Alterthums erinnert, und bringt die Streitfrage so ins Reine, daß wol Niemand, den nicht Parteigeist verblendet, an der Richtigkeit der aufgestellten Grundsätze zweifeln kann. Auch er nimmt an, daß die Basis (nach seiner Definition die Linie, welche mehre nebeneinanderliegende Punkte, bei denen die Kriegsbedürfnisse aufgehäuft liegen, mit einander verbindet) gedeckt sein muß. Sie soll, da die Operation auf Einer Straße gefährlich sein würde, aus mehren durch gute Communication verbundenen, wo möglich befestigten Punkten bestehen, der Basis des Feindes möglichst parallel laufen und sie, wenn es sein kann, sogar übertragen. Entfernt man sich durch Vordringen zu weit von der Basis, so soll man sich eine neue gründen. Der Erzherzog erläutert seine Grundsätze in einem angenommenen Kriegstheater im südlichen Deutschland und durch den eben dort 1796 wirklich geführten Krieg, wo ihm die bedeutendste und ruhmvollste Rolle ward. — Die letzten Kriege haben übrigens die furchtbarste Lehre gegeben, daß der Grundsatz der Basis in der Natur der Sache begründet, ewig wahr und nur früher nicht deutlich genug erkannt sei; die sie nicht achtenden Feldherren sind oft schrecklich bestraft, oder wenigstens gefährdet worden. So drangen die Preußen 1792, ohne die Festungen Metz, Thionville, Landau rc. zu beachten, auf einer Operationslinic vor und waren bei Valmy dem Untergang nahe; so löste sich Jourdan's Armee 1796, da er ohne gehörige Basis zu weit vorgedrungen war, nach einigen unglücklichen Gefechten fast ganz auf; so erstarrten die verhungerten Scharen Napoleons in dem russischen Schnee, da er unterlassen hatte, vor dem Vordringen nach Moskau sich am Dnepr eine neue Basis zu gründen; so bestand der Krieg in der pyrenäischen Halbinsel jenseits Madrid nur aus Parteigängerstreichen großer mobiler Colonnen, die an dem Unterbrechen der Communication scheiterten; so war die kreisförmige Stellung in der Schlacht von Leipzig eine Folge der bei Dresden von Napoleon nicht geachteten Basis, und so waren endlich die Verbündeten 1814 in Frankreich oft der Gefahr der Vernichtung ausgesetzt, und nur die Kühnheit Blücher's, die Beharrlichkeit andrer Generale und der gute Geist der Truppen rettete sie. Man kann zwar einwenden, daß ebenso viele Feldzüge, wo die Basis gänzlich vernachlässigt wurde, ein glückliches Ende nahmen, daß Napoleon 1805 und 1809 nach Östreich, früher mehrmals nach Italien, ohne den angegebenen Grundsatz zu berücksichtigen, vordrang und eben dort die glänzendsten Resultate errang; allein hätte er in einem dieser Feldzüge eine Hauptschlacht verloren, so würde sich die Vernachlässigung schrecklich gerächt haben, und noch fester als dieRegel» der Strategie steht der Grundsatz, nach den Umstände» und nach dem Charakter des Gegners zu handeln und lieber durch 689 Baskerville Basrelief eine rasche und kühne That die Entscheidung herbeizuführen, als durch eine langsame aber sichere Verzehrung an Entkräftung zu sterben. 32. Baskerville (John), englischer Buchdrucker und Schristgießer, geb. 1706 zu Wolverley, in der Grafschaft Worcester, war Schreiblehrer und Lackirer in Birmingham, unternahm aber 1750, neue Schriften zu schneiden, die nach mehrjährigen Versuchen und vielen Kosten zu s. Zufriedenheit ausfielen. Er druckte mit denselben zu Birmingham 1756 s. Virgil in Medianquart, dem von lateinischen Classikern spater der -Horaz, Terenz, Catull, Tibull, Properz, Lucrez, Juvenal und Persius, Sallust und Florus in 2 Suiten, theils Quart, theils Octav, folgten. Diesen gehören auch 2 Ausg. des Virgil (1767, 4., und 1766) an. Außerdem druckte er mehre englische Classiker, z. B. den Milton u. a. Werke, unter denen der Arivsto auszuzeichnen ist. Seine Verdienste um die Buchdruckerkunst sind um so mehr einer rühmlichen Anerkennung werth, als ihm durchaus keine Aufmunterung zu Theil ward. Seine Typen können wegen ihrer Schönheit noch jetzt als Muster dienen, wenn auch durch die Prachtdrucke eines Bodoni und Didot die Erzeugnisse s. Pressen übertreffen worden sind. Sein Virgil und sein Neues Testament (Oxf. 1763, 4.) werden in typographischer Hinsicht ganz besonders geschätzt. B. starb 1775 in einem Alter von 69 I. Beaumarchais kaufte die von ihm nachgelassenen Druckschriften für 3700 Pfund und druckte damit zu Kehl die Prachtausgabe von Voltaire's Werken. B. war ein durchaus rechtlicher, gefälliger, aber finsterer Mann, von schönem Äußern. Er hatte die entschiedenste Äbneigung gegen allen äußern Gottesdienst, den er unter jeder Form für Aberglauben erklärte. Er machte es daher auch s. Erben ausdrücklich zur Pflicht, s. Leichnam nicht auf den Kirchhof und unter kirchlichen Gebrauchen, sondern ohne dieselben in einer aufs. Grund und Boden zu diesem Zweck erbauten Pyramide zu begraben. Basquen, Basken, Vascones (Vase, von Vassoc, d.i. Mann), Bis- cayer, der Name der Cantabrer (Gasconier), eines Volks, das in Spanien an den Pyrenäen wohnte. Wahrscheinlich sind sie Nachkommen der alten Jberier, die vor den Eelten Spanien in Besitz hatten. (Vgl. Wilh. von Humboldts „Etymol.- histor.-geogr. Untersuchungen über die Urbewohner Hispaniens".) Am Ende des 6. Jahrh, ließen sie sich an derNordseite dieses Gebirges zwischen demselben und der Garonne nieder. Nach langen Kämpfen unterwarfen sie sich den fränkischen Königen. Unter den Karolingern wählten sie sich einen eignen Herzog; als aber die Familie desselben erloschen war, kamen sie im 11. Jahrh, unter die Herrschaft von Äquitanien, und mit diesem 1453 an Frankreich. Sie haben ihre uralte Sprache und alten Sitten, z. B. die Nationaltänze, beibehalten. Sie sind sehr gute Seeleute und waren die Ersten unter den Europäern, die auf den Wallsischfang ausgingen , den sie aber seit geraumer Zeit nicht mehr betreiben. Sie bewohnen in Spanien die Provinzen Biscaya, Guipuzcoa und Alava (zusammen 147 UM., 188,000 Einw.); in Frankreich die Depart. Ober- und Niederpyrenäen, Arriege und Obergaronne (etwa 70,000 Seelen). Basrelief (ital. basso relievo), gleichbedeutend mit Relief: mehr oder weniger erhobene Figuren in Stein, Gyps, Thon oder Metall gearbeitet, auf einem flachen Grunde. Eigentlich bezeichnet Basrelief den niedrigsten Grad dieses Hervorragens; Hautrelief den höchsten, wo die Figuren zur Hälfte ihres scheinbaren Umfangs über die Fläche hervortreten. Einen völlig genügenden deutschen Ausdruck dafür haben wir noch nicht. Die Alten und die ihren Grundsätzen folgenden neuern Künstler bedienten sich in ihren Reliefs gemeiniglich nur einer einzigen Fläche; allein die glücklichen Versuche mehrer Neuern, eines Bernini, Algardi, Ängelo, Rossi, haben gezeigt, daß das Basrelief keineswegs in so enge Grenzen beschränkt ist, und daß es durch gehörige Anordnung der Figuren und Beobachtun- Conv.-Lex. Siebente Äufl. Bd. l. si 44 690 Baß gen der Lichter und Schatten sehr wohl eine verhältnißmäßige Täuschung in Rücksicht der Flächen hervorzubringen vermag, wenn auch die Wirkungen der Malerei dabei nicht erreicht werden können. Stellt der Künstler im Relief mehre Flächen dar, so muß er allerdings die Figuren der ersten Fläche weit hervorspringen lassen, dessenungeachtet aber sind sie von einem talentvollen Künstler mit den Figuren der zweiten und dritten Fläche in Übereinstimmung zu bringen, sobald er nur den erfo- derlichen Platz hat. Den Gesetzen der Eomposition gemäß, wird er die Hauptfiguren durch das höchste Licht und den höchsten Schatten herausheben. Aber dieser Hauptschatten wird durch keine kleinen und magern Schattenpartien unterbrochen werden, sondern vielmehr eine große Masse bilden, wodurch er gleichsam geschwächt wird und mit den übrigen in Übereinstimmung kommt. Kleine Lichtfäden, durch jene große Schattenmasse gezogen, würden die Harmonie stören. Die Bekleidungen der Figuren der ersten Fläche müssen also im großen Styl, und an den Figuren selbst nichts von Verkürzungen sein, die, besonders nach vorwärts, von übler Wirkung sind. Die ganzen Figuren der zweiten und folgenden Flächen und jeder Theil derselben müssen weniger hervorspringen, keine so große Massen und feste Dinten bilden wie die erstem. Die Formen müssen je entfernter, desto schwächer und in ihren Umrissen, in Lichtern und Schatten unbestimmter erscheinen; wobei der Künstler die Gesetze der Perspective auf das genaueste beobachten muß, da er die Entfernungen auszudrücken nur wenig Vertiefung hat. Um nicht durch den Schatten, den unvermeidlich eine Figur immer auf die andre wirft, jede Täuschung vernichtet zu sehen, muß er die Figuren so ordnen, daß diese Schatten natürlich scheinen. Bei den Alten findet man Basreliefs in den Giebelfeldern und Friesen der Tempel und Häuser, an Altären, Triumphbogen, Monumenten, z. B. Sarkophagen, auf Schildern, Vasen u. a. Geräthcn von hartem und festem Material. Berühmt sind die von Bröndstedt, Coquerel rc. aufgefundenen Basreliefs in dem Tempel des Apollo zu Phigalia, welche an das brit. Museum für 15,000 Pf. verkauft worden sind. Bekannt sind auch die Basreliefs an der Tra- janssäule. Unter den neuern Basreliefs sind die von Bandurli, Ghiberti und Lucca della Robbia in Florenz berühmt. Das Basrelief dient zur Verzierung von Werken der Baukunst und soll daher immer mit dem Charakter des Gebäudes, zu welchem es gehört, übereinstimmen. Baß heißt in der Musik theils die unterste oder Grundnote eines AccordS (Baßnote), theils die unterste oder tiefste Stimme (Partie) eines mehrstimmigen Tonstücks; endlich die tiefste von den vier angenommenen Singstimmen. Der Baß ist der Grund, auf welchem das ganze Gebäude der Harmonie ruht, und muß daher besonders gut und stark besetzt sein. Der gewöhnliche Umfang des Bas- fes als Singstimme ist vom großen k bis zum eingestrichenen >1 oder e. Wie die Baßmelodie von der tiefsten männlichen Stimme vorgetragen wird, so erfodert dec- selbe'bei der Instrumentalmusik auch die tiefern Instrumente, welche dem Singbaß an Umfang und Ton ähnlich sind, B. Fagott. Vorzugsweise aber nennt man unter den Instrumenten die Baßgeige, und zwar den Eontraviolon und das Violoncello so. Ersterer hat heutzutage gewöhnlich vier Saiten, und geht vom tiefen e (die Stimmung von unten herauf ist e, », ck, Z) bis ins ck und e. Der kleinere Baß (Bassetto oder gewöhnlich Violoncello genannt) wird ebenfalls mit vier Saiten bezogen, fängt in der Tiefe vom großen 6 an (die Stimmung ist v, x, ck, a) und geht bis ins k und Z. Alle Baßstimmen und Baßinstrumente haben ihren eigenthümlichen Notenschlüssel (Baßschlüssel), welcher auch der ^-Schlüssel heißt, weil er auf die Stelle im Liniensysteme gesetzt wird, auf welche die Note, welche das kleine k bezeichnete, soll zu stehen kommen. (S. auch Eontraviolon und Generalbaß.) Bassa Bassompierre 691 Bassa, s. Pascha; unterschieden davon ist B a sch a oder Baschi, ein Oberer, dann der Ehrentitel jedes türkischen Soldaten, den fast jeder Türke dem andern gibt, da sie sich alle als Soldaten betrachten. Bassano, Handelsst. in der venet. Delegation Vicenza, an der Brenta (11° 43" O. L. u. 45° 46" N. Br.), hat geräumige Vorstädte und 9600 Einw. In den 30 Kirchen sind schöne Gemälde. Eine steinerne Brücke, 182 Fuß lang, verbindet die Stadt mit dem großen Dorfe Vicantino. Das Klima ist dem Wein- und Olivenbau sehr günstig. Der Handel mit Seide, Tuch und Leder ist lebhaft, und Remontini's Buchdruckerei liefert schön gedruckte Werke und Kupferstiche. Napoleon erhob B. zu einem Herzogthume mit 15,000 Thlr. jährl. Eink. und verlieh dieses 1809 s. Minister-Staatssecretair Maret. Bei B. schlug Bona- parte am 8. Sept. 1796 den östr. General Quosdanowich. Die Stadt ist mit Bassanelle am SeeBassano, im Kirchenstaate, Hauptort eines Herzogthums des Hauses Colonna, nicht zu verwechseln. Basselisse, s. Hautelisse. Basse-taille, in der Musik, so viel als tiefer Tenor, Bariton (s. d.), die Tenorgeige und Tenorflöte; in der Baukunst etwas erhobene oder halb erhobene Arbeit (s. Basrelief), sowie die Kunst, dergl. Arbeiten zu verfertigen. Bassethorn, das tonreichste unter den Blasinstrumenten, wegen s. krummen Biegung auch Krummhorn genannt und, wie man glaubt, gegen 1770 in Passau erfunden. Später hat es Theod. Lotz in Presburg vervollkommnet. Es ist, genaugenommen, ein größeres Clarinet und gleicht demselben, ungeachtet der Verschiedenheit in der Form, nicht allein in Ansehung der Bestandtheile und des Tons, sondern auch in Hinsicht der Intonation, des Ansatzes und derAppli- ratur, sodaß jeder Clarinettist es ohne große Hindernisse spielen kann. Außer dem Schnabel, vermittelst dessen das Instrument intonirt wird, besteht es aus fünf Stücken, dem Kopfstück (Bim genannt), zwei Mittelstücken, dem Kästchen und der Stürze, welche jetzt gewöhnlich von Messing ist, welche zusammen 15 Tonlöcher enthalten, von denen vier mit offenen und vier mit verschlossenen Klappen versehen sind. Sein Umfang steigt bis drei und eine halbe Octave, nämlich vom großen V bis zum dreigestrichenen o. Es kommt sehr selten im Orchester vor (z. B. in Mozart's „Requiem" und im „Titus", in der großen Arie Vitellias, wo es obligat ist, und in der Arie zum „Figaro" mit zwei obligaten Bassethörnern). Das Bassethorn kann auch als Baßinstrument gebraucht werden. Bassompierre (Fran?ois de), Marsch all von Frankreich, einer der ausgezeichnetsten und liebenswürdigsten Männer unter den Regierungen Heinrichs IV. und Ludwigs XIH., geb. 1579 in Lothringen, stammte von einem Zweige des Kleve'schen Hauses ab. Nachdem er Italien bereist hatte, erschien er am Hofe Heinrichs IV., wo er durch Pracht, Spiel und Galanterie bei den Festen und Lustbarkeiten der Hauptst. glänzte. 1602 machte er seinen ersten Feldzug gegen den Herzog v. Savoyen und focht nicht minder rühmlich im folg. I. unter dem kaiserl. Heere gegen die Türken. Seine Liebe für Frankreich führte ihn dahin zurück, er bewarb sich um die T. des Connetable v. Montmorency, deren Reize Heinrich IV. die heftigste Leidenschaft einflößten. Bassompierre gab den Bitten seines Königs nach und leistete auf die Verbindung mit ihr Verzicht. 1622 ernannte Ludwig XIII. den tapfern B. zum Marschall von Frankreich und gewann ihn so lieb, daß Luynes, der erklärte Günstling, darüber beunruhigt, ihm offen erklärte, daß er auf seiner Entfernung vom Hofe bestehe, wobei er ihm die Wahl ließ, ob er eine Gesandtschaft, den Oberbefehl eines Heeres, oder eine Gouverneurstelle übernehmen wolle. B. entschied sich für einen Gesandtschaftsposten und bekleidete einen solchen nach einander in Spanien, in der Schweiz und in England. Nach s. Rückkehr trat er wieder in die militairische Laufbahn und wohnte den Belagerungen 44* 692 Bassoii Bastard von Rochelle und Montauban bei. Der Cardinal Richelieu, der bald darauf den König und ganz Frankreich seinem Despotismus unterwarf, fürchtete B.'s Kühnheit und vertraute Verbindung mit dem Haufe Lothringen, und nahm, da Jener sich in Anschlage gegen ihn einließ, diese zum Vorwand, ihn 1631 in die Bastille setzen zu lassen, aus welcher er erst 1643 nach des Eardinals Tode befreit wurde. Er starb 1646. B. hatte in s. Jugend Philosophie, Rechtsgelehrsamkeit, Arzneikunde und Kriegskunst studirt. Wahrend s. Gefangenschaft arbeitete er s. Denkwürdigkeiten und die Geschichte s. Gesandtschaften in Spanien, der Schweiz und England aus, die über die Ereignisse jener Zeit viel Licht verbreiten. Basson, s. Fagott. Bassora, (Basrah), Hauptst. des Paschaliks gl. N. in dem südl. Theile von Mesopotamien (Al-Dschesira), jetzt vereinigt mit dem Paschalik Bagdad (44° 46^ Ö. L. und'30° 3lA N. Br.), am westl. Ufer des Schatal Arab, ungefähr 7j- deutsche Meilen von der Mündung dieses Stroms, der für Schiffe von 500 Tonnen Last bis an die Stadt schiffbar ist. Innerhalb der Ringmauern sieht man viele Gärten und Pflanzungen von kleinen Canälen durchschnitten. Dessenungeachtet ist die Stadt unreinlich. Die niedrigen von Lehmsteinen aufgeführten Häuser haben platte Dächer. Die Bazars enthalten die kostbarsten Erzeugnisse des Orients. Die engl. Factorei, das schönste Haus in Bassora, Sitz eines britischen Residenten, führt die Landcorrespondenz zwischen dem engl. Ostindien und dem Mutterland. Die Einw. (50—60,000), meistens Araber, Türken und Armenier, auch Perser und Europäer in ihren Factoreien, sind großentheils arm und arbeiten um geringen Lohn. Die Türken bestehen fast nur aus Beamten oder Militairpersonen; die Kaufleute sind fast durchgehends Armenier. B. ist eine der Hauptniederlagen der Türkei und Persiens für alle indische Erzeugnisse. Einfuhrartikel sind: Seiden- waaren, Mousselin, Tuch, Gold-und Silberstoffe, mancherlei Arten von Metallen, Sandelholz, Indigo, Perlen, Mokkacaffee, Shawls (80,000, das Stück im Durchschnitt 1000 Rubel), Specereien u. s. w. Europäische Waaren sind selten und theuer; unter ihnen haben die engl. Fabricate einen entschiedenen Vorzug. Die Ausfuhrartikel bestehen größentheils aus den eingebrachten Waaren, auch wird ein ausgedehnter Handel mit schönen und starken Pferden geführt. Der Earavancnzug geht nach Persien, sowie über Aleppo und Bagdad nach Konstantinopel. Durch die schädlichen Ausdünstungen beim öfter» Austreten des Flusses wird der Aufenthalt in B. für Fremde sehr ungesund. Die Umgebungen sind mit Rosen zum Destilliren bepflanzt; um die Streifzüge der Araber abzuwehren, hat der Statthalter längs der nahen Wüste eine beinahe 20 deutsche Meilen lange Mauer aufführen und an allen Durchfahrten mit Wachen besetzen lassen. — Bassora, im I. 636 auf Befehl des Khalifen Omar gegründet, ward bald eine der berühmtesten Städte des Orients, um deren Besitz Türken und Perser seit Jahrhunderten gekämpft haben. Jene eroberten B. 1668, diese 1777; im folg. I. wurde B. aufs neue von den Türken besetzt und 1787 von den Arabern; allein dem Pascha von Bagdad gelang es, die Stadt wieder einzunehmen und zu behaupten. Bastard, ein von ungleichen Ältern erzeugtes Geschöpf. Bei Menschen kann diese Ungleichheit nur in dem Range und Stande der Ältern bestehen. Man pflegt indeß hauptsächlich ein uneheliches, natürliches Kind Bastard zu nennen; minder edel ist der Ausdruck Bankert. Unter den Thieren nennt man Bastarde diejenigen, die von zwei Thieren verschiedener Art gezeugt sind, wie z. B. das Maulthier, der Maulesel u. s. w. Die Natur hat allen aus einer solchen Vermischung entsprungenen Gattungen die Fähigkeit versagt, sich weiter fortzupflanzen, wodurch sonst die Thiergattungen und ihre Spielarten ins Unendliche vermehrt werden würden. Übrigens ist zu bemerken, daß nur gewisse Gattungen von Thieren sich mit einander 693 Basti'a Bastille vermischen, andre hingegen, z. B. Hunde und Katzen, durch eine natürliche Abneigung von einander geschieden bleiben. Im Pflanzenreiche versteht man unter Bastarden die unter einen fremden Himmelsstrich verpflanzten und dort ausgearteten Gewächse. Bastia, ehemalige Hauptst. der Insel Corsica (9° 26" 30" Ö. L. und 42" 41" 36" N. Br.), auf einem Hügel im nocdöstl. Theile der Insel, in amphitheatra- lischer Form, übrigens schlecht gebaut, hat enge Gassen, eine starke Citadelle am Meere, einen geräumigen, aber nicht sehr bequemen Hafen. Die Einw. (11,400) treiben einen beträchtlichen Handel mit Hauten, Wein, Öl, Feigen undHülien- fcüchten. Die hier verfertigten Dolche werden von den Italienern sehr geschätzt. 1745 ward Bastia von den Engländern genommen, im folg. I. aber den Genuesern zurückgegeben. Vergeblich ward sie 1748 von den Östreichern und Piemon- tesern belagert; 1768 erfolgte ihre Vereinigung mit.Frankreich. Auf eine kurze Zeit siel sie in die Gewalt der Engländer. Bei der neuen Eintheilung des franz. Gebiets (t791) ward Bastia die Hauptst., jetzt ist Ajaccio die Hauptst. des Depart. Bastille, ein vormaliges Castell in Paris, in welchem Staatsgefangene und andre durch lottros Diese Benennung soll ihren Ursprung dem Bauernkriege zu danken haben, indem die Bauern in ihren Fahnen und Siegeln ein Pflugrad, als das Sinnbild ihres Gewerbes, führten, und einander zugeschworen hatten, ungetrennt zu bleiben, wie die Speichen eines Rades. 704 Bauerstand Bauern gegen den Bischof und die Geistlichkeit auf. Indeß kamen die Unruhen erst 1525 zum völligen Ausbruch. Damals schickten die Bauern ihre in 12 Artikeln abgefaßten Beschwerden schriftlich nach Würzburg und baten um schleunige Abstellung derselben, indem sie sich in Ansehung der Rechtmäßigkeit ihrer Federung besonders auf die Bibel gründeten. Vorzüglich wollten sie 1) ihrePfarrherren selbst wählen; 2) der Zehend sollte nur zur Unterhaltung der Pfarrer eingesammelt; 3) Leibeigenschaft aufgehoben werden; 4) Jagd und Fischerei keine ausschließende Gerechtsame des Fürsten und Adels sein; 5) die Frohndienste billiger bestimmt wer- § den und ein Lehnsherr von seinem Lehnsmann nicht willkürliche Dienste federn u. s. w. Mit Unrecht ward der Prediger Joh. Heuglin von Lindau beschuldigt, die 12 Artikel aufgesetzt zu haben. Dieser Märtyrer der Reformation wurde verbrannt. — Der Bischof versprach diese Federungen zu erfüllen; allein die Bauern, die ihm nur halb glaubten, ergriffen die Waffen, und selbst die Bürger, die er zu Hülfe rief, traten auf ihre Seite. Vergebens schrieb der Bischof einen Landtag ^ aus, um die Unruhen zu stillen, vergebens ließ er einen Anführer hinrichten; die ! Bauern singen nach Ostern 1525 an, mit Waffen gegen Würzburg zu ziehen, so- ! daß der Bischof sich genöthigt sah, nach Heidelberg zu flüchten. Nun durchzogen die Aufrührer ganz Franken; in den Klöstern, Rittergütern und an den Orten, wo man ihnen Widerstand leistete, wurde Alles ausgeplündert, zerschlagen, gemißhandelt, und die Orte selbst in Brand gesteckt. Auch die Stadt Würzburg ergab sich ihnen; die Festung Marienberg aber konnten sie nicht erobern, ungeachtet sie solche mit schwerem Geschütz beschossen. Sie zogen darauf weiter und wurden von den gegen sie ausgesandten Truppen bei Königshöfen und bei Sulzdorf geschlagen. Beide Schlachten kosteten ihnen 9000 Mann, und weil man ihnen Schuld gab, daß sie geschworen hätten, keinen Gefangenen leben zu lassen, wurden ihre Gefangenen niedergehauen. Würzburg mußte sich an die Sieger ergeben, und der Bischof kehrte am 8. Juni 1525 dahin zurück. 189 Schlösser und Burgen nebst 26 Klöstern waren in diesen Unruhen theils zerstört, theils verbrannt worden, und gegen 12,000 Menschen hatten ihr Leben dabei verloren. Auch in Lothringen, am Oberrhein und im Breisgau hatten die Bauern die Waffen ergriffen; in den beiden ersten Ländern wurden sie in mehren Treffen geschlagen, und im Breisgau legten sie bald von selbst die Waffen nieder. So war dieser Bauernkrieg in Franken und Schwaben gestillt, nachdem er über 50,000 Bauern das Leben gekostet hatte, ohne daß sie ihren Zweck, Verminderung ihrer Lasten, erreichten, ! die vielmehr hier und da noch vermehrt wurden. Auf die Unruhen in Franken und Schwaben folgte der Bauernkrieg in Sachsen und Thüringen, den besonders Thomas Münzer veranlaßte. (S. d. und „Die Geschichte des Bauernkriegs", von Sartorius.) Bauerstand, die zahlreichste und nützlichste Classe von Staatsbürgern, welche alle Diejenigen begreift, deren unmittelbare Beschäftigung in Landwirth- schaft besteht, sofern sie nicht durch adelige Geburt, Amt oder besondere Rechte davon ausgenommen sind. Taglöhner und Handwerker auf dem Lande gehören, jene zu Hern Bauer-, diese zu dem Bürgerstande. Auch nach der Geschichte ist das deutsche Wort Bauer, sonst Bawr, Bar (Nach-Bar, d. i. naher Bauer, ein allgemeiner Ausdruck, mit dem jeder freie Landmann, dem der Besitz und die Nutzung eines Grundstücks zustand, bezeichnet ward. Freie Bauern gab es in Deutschland vor und nach Karls des Gr. Eroberungen; durch diese und durch die Unterjochung der Slawen, die indeß nicht sofort Leibeigene wurden, wuchs die Zahl der Leibeignen außerordentlich. Eigentlich reichsunmittelbare Bauern gab es nicht. Die einzelnen Bauern in den ehemaligen Reichsdörfern (z. B. die freien Leute auf der leut- kircher Heide in Schwaben) waren Unterthanen der unmittelbaren Dorfgemeinde. S. Runde's „Deutsches Privatrecht". (Vgl. Leibeigenschaft und Stände.) ^ Baukunst 705 In den russischen Ostseeprovinzen Esthland, Liefland und Kurland hat Alexander I. den freien Bauernstand wiederhergestellt, indem er die Leibeigenschaft nach und nach mit Einwilligung der Gutsherren aufhob. Bürger und Bauern machen, im Gegensatz zu Adel und Geistlichkeit, den dritten Stand (tiero-etat) aus ; allein das Recht, durch Abgeordnete, die er aus seiner Mitte wählt, in der Versammlung der Land - oder Reichsstande vertreten zu werden, besitzt der Bauerstand bisher nur l in Schweden und Norwegen, in Tirol, und seit kurzem auch in Weimar, Hild- ! burghausen, Baiern, Darmstadt, Nassau, Braunschweig, Hanover, Baden und Hcssenkassel; übrigens unterscheidet man Krön- und Kammerbauern, welche dem Landesherrn Grundzins bezahlen und Frohndienste leisten, auch dessen Gerichtsbarkeit unmittelbar unterworfen sind, und Patrimonialbauern, welche ihrem Gutsund Gerichtsherrn jene Verpflichtungen schuldig, folglich dem Landesherrn nur mittelbar unterworfen sind. Nach dem Umfang ihrer Wirthschaft unterscheidet man große Bauern (Anspanner, Hüfner, auch vorzugsweise Ackerleute genannt, die wenigstens eine ganze Hufe — an vielen Orten 30 Morgen Acker — undHalb- ! hüfner oder Halbspänner, die eine halbe Hufe besitzen) und kleine Bauern (Häus- > ler oder Köther, Kothsassen, Kossäten und Gärtner), die nur ein Haus (Kothe), einen Garten und wenig Feld oder Wiese besitzen, aber zur Dorfgemeinde gehören. (Vgl. Frohndienste und Patrimonialgerichtsbarkeit.) S. Buri's „Abhandlung von den Bauerngütern in Deutschland mit Zusätzen von Runde" (1789, 4.); auch Garve's schätzbare Schrift „Über den Charakter der Bauern und ihre Verhältnisse gegen den Gutsherrn und gegen die Regierung" (Breslau 1796, n. Auch). K. Baukunst ist, im Allgemeinen (subjektiv), die methodisch erworbene Ge- ! schicklichkeit, oder (objectiv) das System von Regeln, alle Arten von Gebäuden, nach der Absicht und dem Bedürfniß des Bauherrn, dauerhaft, bequem und schön aufzuführen. Da nun diese Absichten sehr verschieden sein können, so wird die Baukunst !m weitem Sinne, je nach den Gegenständen, mit denen sie beschäftigt ist, eingetheilt in bürgerliche, Kriegs-, Schiffs-, Mühlen-, Wasser-, Brücken-, Straßenbaukunst. Im engern Sinne versteht man bloß die bürgerlich e Baukunst unter ihr, welche für den in der bürgerlichen Gesellschaft lebenden Menschen baut und welche wieder die Häuser-, land- und staatswirthschaftliche Baukunst unter sich faßt. Die landwirthschaftliche bezieht sich auf die Errichtung landwirthschaft- lichcr Gebäude und den Gartenbau; die staatswirthschaftliche begreift Wasser-, Mühlen-, Straßen - und Bergbau und die Errichtung öffentlicher Gebäude. Da mehre dieser Arten zum einzigen Zweck Nützlichkeit haben, so hat man ziemlich allgemein die schöne Baukunst auf die Sphäre der bürgerlichen eingeschränkt, und auch hier vornehmlich die eigentliche Wohnung berücksichtigt. Daß die Schönheit der Baukunst in den Verhältnissen bestehe, ward bei Aufführung des Panionions, dieses Nationaltempels der verbündeten ionischen Städte, in dem damals zuerst aufgestellten Grundsätze ausgesprochen: daß in der Bildung der Theile eines jeden Gebäudes allenthalben Regelmäßigkeit und ein bestimmtes Verhältniß der Theile zu einander erscheinen müssen, dem ähnlich, welches die Natur in der Bildung des menschlichen Körpers beobachtet habe. Hiermit war ein Hauptschritt zur Vollendung der griechischen Baukunst gethan, denn der bis zu einem hohen Grade veredelte Kunstgeschmack gelangte bald zu Wohlgestalt, harmonischer Bildung der Theile, reinerer Schärfe und Zierlichkeit der Durchschnitte, wozu sich schöne Zeichnung und Ausarbeitung der Verzierungen und Sparsamkeit in deren Gebrauch gesellten. Doch nicht bei dem Durchschnitte dürfen wir stehen bleiben. Ein Gebäude ist ein in geometrische Abtheilungen getheilter Raum, gemäß dem Zwecke, wozu es bestimmt ist. Auch dieser eingeschlossene Raum mit seinen Abtheilungen ist in Betracht zu ziehen. Wie verschieden nun die Zwecke des Baues sein können und sind, Conv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. I. -j- 45 706 Baukunst so läßt sich doch seine Zweckmäßigkeit auf zwei Eigenschaften zurückführen: auf Festigkeit und Bequemlichkeit. Die Festigkeit geht auf Dauer und Sicherheit des Gebäudes. Zur Erreichung dieses Zwecks hat der Baumeister auf eine feste Grundlage des Baues, auf die Wahl guter Materialien, die verhältnißmaßige Verthei- lung und tüchtige Verbindung derselben, und endlich auf das Verhältniß zwischen Kraft und Last zu sehen. Die Bequemlichkeit geht auf den Gebrauch des Gebäudes. Ein Wohnhaus muß, außer den allgemeinen Erfodernissen, daß es sich sicher, gesund und bequem bewohnen lasse, für die besondern Zwecke des Besitzers, für sein häusl. Leben und für sein Gewerbe eingerichtet sein, wodurch Lage, Größe, Gestalt und Ein- ! theilung deS Gebäudes bestimmt werden. Festigkeit und Bequemlichkeit aber beziehen sich nur auf die Nützlichkeit; erstwozugleich dem Zwecke eines allgemeinen Wohlgefallens Einfluß auf den Bau verstattet wird, hebt das Gebiet ästhetischer Zweckmäßigkeit an. Wie kann nun Schönheit in einem Gebäude, als einem regelmäßigen, in verschiedene Räume geometrisch abgetheilten Körper, stattfinden? In dem geometrisch abgetheilten Plane liegt die Schönheit eines Gebäudes nicht, wohl aber in dem architektonischen Aufriß; der Plan kann nur zweckmäßig, nie an sich schön I sein, aber in dem wohl geordneten Plane ist eine Grundlage zur Schönheit enthalten , wodurch ihm schöne Verhältnisse möglich werden. Die gefällige Zusammen- stimmung der durch zweckmäßige Einthcilung entstehenden Verhältnisse der Theile > zu einander und zum Ganzen macht die an sich bloß regelmäßige Figur eines Gebäu- ! des der Schönheit fähig, denn die bloße Anschauung des Werks erregt Wohlgefallen , ohne daß wir nöthig haben, an den Zweck desselben zu denken; und jenes gefallende Etwas könnte mangeln, ohne daß die sonstige Zweckmäßigkeit des Gebäudes darunter litte, wiewol ein völlig unzweckmäßiges Gebäude nie schön sein könnte, da die architektonische Schönheit an den Zweck gebunden, durch ihn bedingt und bestimmt ist; wie denn überhaupt jedes Kunsturtheil sich auf objective Zweckmäßigkeit des Werks gründet, ohne daß darum Zweckmäßigkeit und Schönheit einerlei wären. Oben ist gesagt worden, die Schönheit der Baukunst liege in den richtigen, übereinstimmenden Verhältnissen. Dazu berechtigt uns der Grund, daß die Richtigkeit und Übereinstimmung der Verhältnisse gefällt. Allein, was gefällt, ist darum noch nicht schön. Wir unterscheiden demnach und sagen: das Wohlgefallen an jenen Verhältnissen geht auf die Form, das Wohlgefallen am Schönen auf den diese Form beseelenden Geist. Forschen wir aber Dem gemäß nach dem Ausdruck ästhetischer Ideen in der Baukunst, wodurch allein sie in die Reihe der schönen Künste tritt, so ist nicht zu leugnen, daß sich manches Gegründete gegen sie sagen läßt. Zwar hat jede schöne Kunst ihren technischen und ihren ästhetischen Theil, aber bei der Malerei, Bildhauerei, Musik, Poesie ist jener diesem untergeordnet, er ist nur Mittel zum Zweck. Anders ist es mit der Baukunst, welche den Nutzen im Auge hat, und das ästhetische Wohlgefallen nur insofern damit verbindet, als dieses mit dem Gebrauche vertraglich ist. Der Begriff des Gebrauchs ist so wesentlich mit ihren Werken verknüpft, daß sie selbst da, wo sie nicht nützen, sondern nur zieren will, den Schein des Gebrauchs annehmen muß. Ohne ihn würde ihren Werken der Gehalt, die Bedeutung fehlen, sie würden willkürlich, leer und zwecklos erscheinen. Soll aber die Baukunst sich als schöne Kunst erweisen, insofern sie ihre dem Zwecke des Gebrauchs gemäß erfundenen und nach mechanischen Gesetzen ausgeführten Werke, zugleich mit Rücksicht auf Wohlgefallen, durch den bloßen Anblick bildet: so hat sie das Nützliche mit dem Wohlgefälligen zu verbinden. Die Werke der Baukunst haben einen verschiedenen Ausdruck und eigenthümlichen Charakter. Diesen Charakter enthält ein Gebäude, wenn seine Gestalt und Verhältnisse genau den Zweck ausdrücken, wozu es da ist. Durch eine dem Zwecke gemäße Ausführung entsteht er von selbst, kann aber auch geflissentlich von dem Künstler, um der ästhetischen Wirkung willen, stärker aus- 707 Baukunst gedrückt und durch Verzierungen unterstützt und gehoben werden. Unterscheiden wir nun einen logischen und ästhetischen Charakter, so können wir nicht in Abrede stellen, daß die Baukunst des letztem fähig sei. Wer hätte nicht empfunden, daß Gebäude Gefühle der Größe, der Pracht, der Zierlichkeit, der Erhabenheit erregen, daß sie einen ernsten oder erheiternden, einen schaudervollen oder lachenden Eindruck hinterlassen. Ehe wir jedoch genauer zeigen, daß die Baukunst eine ästhetische Kunst sei, wollen wir versuchen, ihre Theorie aufzustellen. Die Baukunst (bloß als Kunst betrachtet) ist die Kunst, Wohnungs -, Sicherungs -, Ausbcwahrungs-, Geschäftsorte, wiefern ihre Form nicht durch die Natur, sondern durch einen willkürlichen Zweck bestimmt ist, diesem Zwecke gemäß darzustellen. Ein architektonisches Werk hervorzubringen, bedarf es demnach einmal der Zusammenstellung im Geiste des Künstlers, und sodann der Darstellung. Dort ist die erste Entstehung der Form, hier Behandlung des Stoffs und der Masse. Der Stoff erfodert Con- struction nach mechanischen Gesetzen, die Form aber ist bedingt durch den Stoff. Die Sphäre der Baukunst geht so weit, als die Gesetze der Mechanik die Construc- tion der Masse gestatten. Die Kenntnisse des Architekten müssen daher Mathematik, vornehmlich Geometrie, Statik und Mechanik, Physik und Chemie, Zeichnenkunst und dazu gehörige Optik umfassen, theils damit er die Masse gehörig behandle, theils damit er eine schickliche Form wähle. Mit diesem Allen aber ist er nur Techniker; ästhetischer Künstler wird er erst, wenn er durch seine Werke ästhetische Eindrücke, deren Masse und Form fähig sind, zu bewirken versteht. Dazu aber muß ihm außer der Fähigkeit, ästhetische Ansichten von der Natur zu fassen, jene schöpferische Kraft inwohnen, die aus freiem Vermögen Werke der Kunst hervorbringt, welche nicht nur einen ähnlichen Eindruck wie die Werke der Natur, sondern selbst einen Hähern im Gemüth zu bewirken vermögen, weil seine Kunst das Zerstreute, wie in einem Brennpunkte gesammelt, durch Vermittelung seines Geistes zurückstrahlen soll. Er wird also Genie in seinen Hervorbringungen sein müssen, denn sein Werk, für das kein fertiges Vorbild da ist, wird nur durch eigne Erfindung möglich. Er geht von einer Idee aus, und zwar von einer ästhetischen, welcher gemäß er Alles in seinem Werke anordnet und ausführen läßt, womit er zugleich die beengenden Schranken objectiver Zweckmäßigkeit überwindet; denn ihn leitet bloß ästhetische Zweckmäßigkeit, durch welche er seine Kunst zur freien, d. h. nicht fremdartigen Zwecken dienstbaren Kunst erhebt, als deren Vollendung ihm vorleuchtet Harmonie der Massen, Formen, Verhältnisse des Lichts und Schattens, als der hier gebrauchten Empsindungszeichen oder Mittel. So wäre denn die Baukunst, in ästhetischer Hinsicht, diejenige bildende Kunst, welche ästhetische Ideen in raumerfüllten organischen Körpern für das Auge darstellt. — Wo die objective Zweckmäßigkeit zu walten anfängt, da scheiden sich daher ästhetische und bürgerliche (d. h. hier mechanische) Baukunst; in Fällen aber, wo die Grenzen in einander überzugehen scheinen, wird man auf das Überwiegende sehen müssen. Wichtiger ist es, die Darstellungsfähigkeit und daraus entspringende eigenthümliche Wirksamkeit der Architektur, in Beziehung auf die übrigen schönen Künste, zu erforschen. Die Darstellungsfahigkeit einer jeden schönen Kunst ist ^ durch ihre Mittel bedingt. Die Architektur ist durch die ihrigen eine Kunst des Raumes; dies unterscheidet sie von Poesie und Musik; sie ist eine bildende Kunst, die aber nicht durch Sinnenschein wirkt, wodurch sie von der Malerei, und keine schon fertigen Vorbilder in der Natur nachahmen kann, wodurch sie von der Plastik unter)chieden ist. Kann sie demnach weder mit der Poesie in allumfassender Dar stellung, noch mit der Musik in Gefühlsübergängen, noch mit der Malerei in Reiz ! und Mannigfaltigkeit, noch mit der Plastik in Bestimmtheit wetteifern, so dürfen ' wir doch nur auf die Ähnlichkeiten sehen, die sie mit jenen Künsten hat, um uns zu überzeugen, daß sie nicht wirkungslos ist. Mit den bildenden Künsten, sofern 45 * 708 Baukunst (Geschichte der) diese auch räumlich sind, hat sie unmittelbare Anschauung und Beschränkung auf einen Augenblick gemein. Was sie gegen die Malerei an Sinnenschein verliert, gewinnt sie an Sinnemvahrheit, die sie mit der Plastik gemein hat; und geht ihr gegen diese Bestimmtheit ab, so gewinnt sie dagegen wieder an Freiheit. Übrigens kann sie nach Art der Malerei Farben und Licht mitwirken lassen, und selbst bis auf einen gewissen Grad, entweder durch Hinzuziehung der Optik oder durch Er- ! wägung der Verhältnisse, mit Sinnenwahrheit Sinncnschein zu desto größerer Wirkung verbinden. Im Ausdruck des Geistigen ist sie übrigens auch an die Zeit gebunden. Daher ihre Ähnlichkeit mit Poesie und Musik als Künsten der Zeit, ^ wiewol jene mit ihren Mitteln nicht zu wirken vermag, was diese mit den ihrigen ! hervorbringen. - Was die Theorie der Baukunst betrifft, so sind für ihren wissenschaftlichen ! und technischen Theil eine Menge Regeln von den vorhandenen Werken abgezogen j und in vielen trefflichen Lehrbüchern zusammengestellt worden. Der ästhetische Theil kann sich nicht eines gleichen Vorzugs rühmen. Ohne die Idee dieser Kunst gefaßt zu haben, ging man nicht über das Vorhandene hinaus, und verfuhr auch dabei höchst einseitig. Die großen Verschiedenheiten, die man in verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Völkern in der Baukunst wahrnahm, machten, daß man beim Mangel an architektonischer Eigenthümlichkeit sich für die Baukunst früherer Zeiten entschied. So in der neuesten Zeit ziemlich allgemein für die griechische Architektur. Aber wenn wir dies ins Auge gefaßt und uns überzeugt haben, daß keine Nation die Kunst allein und ganz besessen habe, daß die griechische Baukunst als schöne im engern Sinne, die ägyptische in ihrer Düsterheit und Größe, die gothische in ihrer Erhabenheit und Feierlichkeit, die maurische in ihrer phantastischen Leichtigkeit, die französische in ihrer Zierlichkeit und Niedlichkeit u. s. w. zu schätzen sei, und bei vorurtheilsfreier Vergleichung aller dieser Bauarten unter einander, werden wir zu einer Theorie der ästhetischen Architektur gelangen und einen Schatz bewährter Regeln erhalten. In allen Fällen aber wird sich folgende allgemeine Regel bewährt finden: Nie darf der Künstler seinen Zweck unter willkürlichen Formen und Zierrathen verbergen, noch weniger um der Zierlichkeit willen die Zweckmäßigkeit aufopfern. Der Zweck muß rein und bestimmt vor Augen liegen, und Alles bis auf die geringste Verzierung in Bezug auf denselben als nothwendig erscheinen. Baukunst (Geschichte der). Die frühesten Wohnungen waren, nach Maßgabe der von der Natur dargebotenen Hülfsmittel und der Bedürfnisse ihrer Erbauer, Hütten, Höhlen und Zelte. Als aber die Menschen aus dem ersten Zustande der Rohheit heraustraten, sich gesellschaftlich vereinigten und den Boden, den sie bewohnten, zu bauen ansingen, dachten sie auch darauf, sich dauerhaftere und bequemere Wohnungen zu erbauen. Man bearbeitete das Holz sorgfältiger und verband die einzelnen Stämme mit einander, bereitete Ziegel aus Lehm und Erde, die man anfangs nur an der Luft trocknete, nachher aber am Feuer brannte, glättete die in der Natur vorhandenen Steinmassen und fügte sie, anfänglich ohne ein Bindungsmittel, zusammen. Nachdem der Mensch Häuser zu bauen gelernt hatte, errichtete er auch seinen Göttem, die früher mit ihm in Höhlen, Hütten und Zelten gewohnt hatten, zur würdigern Verehrung, Tempel, größer und kostbarer als die Wohnungen der Menschen. So entstand die schöne Baukunst, welche sich zuerst an Göttertempeln entwickelte, späterhin auf die Wohnungen der Fürsten und auf die öffentlichen Gebäude überging und endlich, bei immer steigender Versei- ^ nerung und zunehmendem Wohlstände, allgemeines Bedürfniß der Gesellschaft . ward. So trat an die Stelle der armseligen Rohr - und Lehmhütte der stolze Palast, der rohe Baumstamm wurde zur schlank emporstrebenden Säule, und das natürliche Gewölbe einer Felsenhöhle zum prächtigen Pantheon. Alles wurde mit Säulengängen, Hallen, Höfen und allerlei Zierrath ausgeschmückt. Wahrscheinlich 709 Baukunst (Geschichte der) rühren die Grundformen der alten ägypt. und griech. Baukunst vorn Stcinbau her, wie Stieglitz behauptet, nicht vom Holzbau, wie Hirt in seiner „Gesch. der Baukunst der Alten" behauptet hat, da der älteste Bau der Jndier vom Höhlenbau ausging. Zu den ältesten uns bekannten Völkern, bei welchen die Baukunst einige Ausbildung erhielt, gehören die Babylonier, deren berühmteste Gebäude der Tempel des Bclus, der Palast und die schwebenden Gärten der Semiramis waren; die Assyrier, deren Hauptstadt Ninive reich an prächtigen Gebäuden war; die Phönizier, deren Städte, Sidon, Tyrus, Aradus und Sarephta, sich auf gleiche Weise auszeichneten; die Jsraeliten, deren Tempel als ein Wunder der Baukunst gepriesen wird (s. Hirt, „Der Tempel SalomoniS", Berl. 1809); die Syrer und Philister. Doch von allen diesen Völkern ist kein architektonisches Denkmal auf uns gekommen. Von den Jndiern dagegen sehen wir noch auf den Inseln Elephanta und Salsetta unterirdische, in Felsen gehauene Tempel; von den Persern die Ruinen von Pcrsepolis; von den Ägyptern Obelisken, Pyramiden, Tempel, Paläste, Grabmäler; von den Etruskcrn einige Grabmäler und Überbleibsel von Stadtmauern. Der Charakter jener frühern Baukunst war unerschütterliche Festigkeit, riesenhafte Größe, verschwenderische Pracht, welche Erstaunen und Bewunderung , aber kein wahres Wohlgefallen erweckten. Die Griechen zuerst gingen von dem Rohen und Riesenhaften zu edler Einfalt und Erhabenheit über. Diese erste Periode charakterisirt die dorische Säulenordnung. Unter ihnen wetteifern, nachdem die Ruhe von Außen und Innen erkämpft war, die größten Meister, ein Phidias, Jktinus, KallikrateS u. A., von Perikles aufgemuntert und unterstützt. Es erhoben sich der schöne Minerventempcl auf der Burg zu Athen, die Propyläen, das Odeum und andre Prachtgebäude. Gleicher Kunstsinn regte sich im Pelopon- nes und in Kleinasien. Hohe Einfalt verband sich mit majestätischer Größe und Schönheit in der Form. Man wandte die veredelte Kunst nicht bloß auf Tempel, sondern auch auf Theater, Odeen, Sänlcngänge, Marktplätze, Gymnasien an. Neben der dorischen Säule entstand noch die ionische und korinthische. Mit dem peloponnesischen Kriege war die Blüthe der Baukunst dahin. Edle Einfalt ging in Zierlichkeit über. Diesen Charakter trägt die Kunst zu Alexanders Zeiten, der eine Menge neuer Städte anlegte. Immer aber herrschte neben der Zierlichkeit noch strenge Regelmäßigkeit. Nach Alexanders Tode, 323 vor Chr., brachte das stets zunehmende Bestreben nach Schmuck und Putz die Kunst ihrem Falle immer näher. In Griechenland selbst ward sie wenig mehr getrieben, und in Asien unter den Se- leuciden, in Ägypten unter den Ptolemäcrn in einem unreinen Geschmacke ausgeübt. DieRömer hatten in der bürgerlichen Baukunst nichts den griechischen Meisterwerken Ähnliches auszuweisen, wiewol sie schon früher ihren Fleiß an andre Gegenstände der Baukunst, nämlich an Wasserleitungen und Cloaken, gewandt hatten. Das Capital und den Tempel des capitolinischen Jupiter hatten etruskische Baumeister ausgeführt. Bald nach dem zweiten punischen Kriege, 200 vor Chr., aber wurden die Römer mit den Griechen bekannt. Sulla brachte zuerst die griechische Baukunst nach Rom; er, Marius und Cäsar errichteten in Rom und andern Städten große Tempel. Aber erst unter August erhob sich die Kunst zu der Vollkommenheit, deren sie zu dieser Zeit fähig war. Er gab den griechischen Künstlern, die ihr Vaterland mit Rom vertauscht hatten, Aufmunterung und führte, zum Theil aus Politik, viele prächtige Werke der Baukunst auf. Agrippa baute Tempel (das Pantheon) , Wasserleitungen und Theater. Die Privatwohnungen wurden mit Säulen und Marmor verziert. Nicht minder prächtig erbaute man die Landhäuser, deren die reichen Römer oft mehre besaßen. Das Innere ward mit Kunstwerken, in Griechenland erbeutet, ausgeschmückt. Die Wände überzog man mit dünnen Marmorplatten oder malte sie aus und theilte sie in Felder, in deren Mitte Gegenstände aus der Mythologie oder Geschichte vorgestellt, und die ringsum mit den zierlichsten 710 Baukunst (Geschichte der) Einfassungen versehen waren. Diese Einfassungen waren Das, was wir Grotesken nennen. Augustus's Nachfolger verschönerten fast alle mehr oder weniger die Stadt, errichteten die prächtigsten Paläste und Tempel und schmückten (wieHa- drian) auch die eroberten Länder damit; bis endlich Konstantin der Große die Residenz von Rom nach Konstantinopel verlegte, wo denn für Roms Verschönerung nichts weiter geschah. — Als aber die Römer die Baukunst von den Griechen empfingen , war sie bei diesen schon von ihrer Vollkommenheit und Reinheit hecabgc- sunken. Zwar erhob sie sich kurze Zeit in Rom zu ihrer frühern Höhe, artete aber, bei der immer steigenden Prachtliebe der Kaiser, durch Überladung und Spielerei bald wieder aus. Um diese Zeit entstand die römische oder zusammengesetzte Säule, der man sich bei Tempeln und Prachtgcbäuden zu bedienen pflegte. Schon von Nero an, dessen goldener Palast berühmt ist, nahm der Luxus übcrhand; das Äußere und Innere der Gebäude ward überflüssig verziert. Hadrian, der die Künstler möglichst aufmunterte, konnte den edeln Geschmack in der Baukunst nicht zurückführen. Statt das Vorhandene nachzuahmen, wollte man Neues erfinden und das Schone noch schöner machen. Dadurch aber entfernte man sich immer mehr von dem Großen. Jetzt entstanden die Verschröpfungen, die Fußgestclle unter den Säulen, die vielen Basreliefs an den Außenseiten der Gebäude, die Cannelirungen der Säulen, die Verjüngung derselben nach einer krummen Linie, die gekuppelten Säulen, die verjüngten Master hinter den Säulen, kleine Säulen zwischen großen, runde und durchschnittene Giebel, die ausgebauchten Friese. So ward die Kunst von den Zeiten Vespasian's bis zur Regierung der Antonine ausgeübt. Sie lieferte Werke, die zwar immer noch als Meisterstücke angesehen werden können, denen aber doch der große, edle Styl der Griechen fehlte. In den Provinzen war der Geschmack noch tiefer gesunken. Nach den Antoninen verfiel die Kunst immer mehr; man bemühte sich, noch häufigere Verzierungen anzubringen als bisher, welches besonders der sogen. Bogen der Goldschmiede bezeugt. Alex. Severus half ihr als Kenner zwar einigermaßen auf; allein sie versank unter seinen Nachfolgern nur desto schneller und nahte sich allmälig ihrem gänzlichen Verfalle. Die Gebäude aus dieser Zeit sind entweder mit tändelnden und kleinlichen Verzierungen überladen, wie die zu Palmyra um 260 nach Ehr. erbaut, oder grenzen an das Rohe, wie die unter Konstantin zu Rom erbauten. Unter den folgenden Kaisern geschah, wegen der steten Unruhen der Völker, wenig für die Verschönerung der Städte. (Vgl. Byzanti- nischeKunst.) Justinian baute wieder viel. Sein vorzüglichstes Gebäude war die Sophienkirche (s. d.) in Konstantinopel. Die alten schönen Werke der Baukunst sanken durch die Einfälle der Gothcn, Wandalen u. a. Barbaren in Italien, Spanien, Griechenland, Asien und Afrika größtentheils in Trümmer, und waS der Zerstörung entgangen war, blieb unbeachtet. Theodorich, König der Ostgothen, ein Freund der Künste, zeigte sich sorgsam für die Erhaltung und Herstellung der alten Gebäude und ließ selbst viele neue aufführen, wovon noch Überreste in Ra- venna und Verona sind. Wie wir überhaupt diesen Zeitraum als den Scheidcpunkt zwischen alter und neuer Kunst betrachten können, so sehen wir auch jetzt an die Stelle der alten classischenBaukunst mehr und mehr eine neue treten, die sich so weit erstreckt, als die Eroberungen der Gothen durch Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, einen Theil von Deutschland, aber auch nach Britannien, wohin doch keine Gothen kamen. Ob diese neue Baukunst von dem germanischen Stamme, welcher den Namen Gothcn führte, herkam, ist nicht ausgemacht. Wir finden an den unter Theodorich aufgeführten Gebäuden das Bestreben, bloß Einfaches, Starkes und Nationales in dem Äußern der Gebäude (das Innere kennen wir nicht) hervorzubringen. Alle Bauart aber aus der longobardischen Herrschaft in Italien (von 568 an) und die ganze Mönchsbauart jener Zeit hat man fälschlich gothisch genannt und sie nachher, als man das Unrecht einsah, durch den Namen der altgvthischen Bauart 7N Baukunst (Geschichte der) von der eigentlich gothischen, die man nur des Gegensatzes wegen die »eugothische nannte, unterschieden. Die Langobarden hegten keine Achtung für die Alterthümer und mochten sie weder schonen noch erhalten. Was sie bauten, war geschmacklos und fehlerhaft. Ihre Kirchen erhielten im Äußern halbrunde Saulchcn und kümmerlich in einer Reihe längs dem Kranz der Giebel hinaufsteigende Pfeiler, im Innern aber plumpe Pfeiler, durch gewölbte Halbkreise verbunden; die kleinen Fenster und Pforten waren mit Halbkreisen geschlossen; die Säulen, Capitälcrund Bogen wurden nicht selten mit ungereimten Steinhaucrarbeitcn belegt, öfters die Decken der Kirchenschiffe mit Balken und Bretern bedeckt, die erst späterhin in Gewölbe verwandelt wurden und daher zuweilen von Außen aufgeführte Strebe- oder Stühbogcn nothwendig machten. Dieser lombardischcBaustyl bezeichnet den Verfall der Wissenschaften und Künste; er ward im 7. Jahrh, zu Pavia, dem Hauptsitze des lombardischcn Reichs, bei dem Bau der Kirchen St.-Johann und St.-Michael, dann in Parma bei der Johanniskirche und zu Bergamo bei der Kirche St. - Julia, bei der Gruftkirchc zu Freising, bei den Capcllen zu Altcn- ötting in Baiern, zu Egcr und der Burg zu Nürnberg, bei der Schottenkirche in Regensburg und a. m. angewandt. Dann vermischten die aus Konstantinopcl (Byzanz) verschriebenen Baumeister zuerst mit demselben auch den Gebrauch der mit ionischen Fußgcstcllcn und mit den nach ihrer Zusammensetzung gebildeten Capitalen versehenen Säulen, worunter auch gewundene waren. In diesem lombar- disch -neugriechischen Styl sind die Dome zu Bambcrg, zu Worms und zu Mainz, sowie die Kirche Miniato al Monte bei Florenz und der ältere Theil deS strasburgcr Münsters erbaut. Dann fügte man die im Orient gebräuchlichen Kuppeln hinzu; in ihrer Anwendung, sowie im Gebrauche der geschmacklosen Capitäler und der vielen dünnen Säulen und Säulchcn, deren man öfters 2 Reihen aufeinanderstellte, findet man den eigentlichen byzantinischen oder morgenländischen Baustyl. Nach ihm ist außer der Sophienkirche zu Konstantinopel u. a. die MarcuSkirche zu Venedig, das Baptisterium und der Dom zu Pisa, sowie die Kirche St.-Vital zu Navenna erbaut. Die Normannen, die sich in Sicilien festgesetzt hatten, bauten den Dom vonMessina auf den Grund eines alten Tempels, ein großes, aber geschmackloses Gebäude, an welchem man, nach den damit in verschiedenen Jahrh, vorgenommenen Veränderungen, das Sinken und Steigen der Kunst neben einander sieht. Die Vandalen, Alanen, Sueven und Westgothen waren in Spanien und Portugal eingedrungen; die Araber und Mauren vertrieben sie im 8. Jahrh, und zerstörten das gothische Reich. Diese waren jetzt fast allein im Besitze der Künste und Wissenschaften. Saracenische Baumeister traten in Griechenland, Italien, Sicilien u. a. Ländern auf; mit ihnen verbanden sich nach einiger Zeit viele christliche, besonders griechische Meister, und sie stifteten unter einander eine Zunft, die ihre Kunst und Regeln geheim hielt, und deren Mitglieder sich an gewissen Zeichen erkannten. (S. Frcimaurer.) In diesem Zeiträume sind 3 verschiedene Bauarten herrschend: die arabische, eine eigne, nach griechischen Mustern gebildete Bauart; die maurische, in Spanien aus den Überresten römischer Gebäude entstanden, und die neugothische, welche in dem westgothischen Reiche in Spanien durch Dazwi- schenkunft der arabischen und maurischen Baukunst entstand und ihre Periode vom 11. bis ins 15. Jahrh, hatte. Die beiden ersten Bauarten weichen nur wenig von einander ab, vorzüglich zeichnet sich die maurische durch ihre Bogen in Hufeisenform vor der arabischen aus. Sehr verschieden aber ist die gothische oder altdeutsche. Swinburnc gibt folgende Unterscheidungszeichen an: die gothischen Bogen sind spitzig, die arabischen nach einem Cirkelbogen gebildet; die gothischen Kirchen haben spitzige und gerade Thürme; die Moscheen endigen sich in Kugeln, haben hin und wieder schlanke Minarete, die mit einem Balle oder mit einem Tannzapfen bedeckt sind; die arabischen Mauern sind mit Mosaik und Stuck verziert, welchen 1 712 Baukunst (Geschichte der) man in keiner alten gothischen Kirche findet. Die gothischen Säulen stehen oft in Gruppen beisammen und sind ineinandcrgewachfen, worüber entweder ein sehr niedriges Gebälk angebracht ist, auf we'chcm sich Bogen erheben, oder die Bogen stehen unmittelbar auf den Eapitälen der Säulen. Die arabischen und maurischen Säulen stehen einzeln, und wenn ja einige neben einander angebracht sind, um einen sehr schweren Theil des Gebäudes zu tragen, so berühren sie sich doch nie einander; die Bogen aber werden von einem starken und dicken Untcrbogen unterstützt. Trifft es sich in einem arabischen Gebäude, daß 4 Säulen neben einander vereinigt sind, so geschieht dies durch eine kleine viereckige Mauer unten zwischen den Säulen. Die gothischen Kirchen sind außerordentlich leicht gebaut und haben große Fenster, oft mit bunten Scheiben. In den arabischen Moscheen ist meistentheils die Decke niedrig, ihre Fenster sind von geringer Höhe und oft noch mit vieler Bildhaucrarbeit bedeckt, sodaß man das Licht weniger durch sie als durch die Kuppeln und geöffneten Thüren erhält. Die Thore der gothischen Kirchen gehen tief hinein und sind an den Anschlag- oder Seitenmauern mit Statuen, Säulen, Nischen und andern Zierrathen geschmückt; die Thore der Moscheen aber und andrer arabischen, sowie auch der maurischen Gebäude sind flach und auf die Art, wie man die Thore jetzt baut. Überdies bemerkt Swinburne, daß er unter den verschiedenen arabischen Ca- pitälen, die er gesehen, kein-gefunden, das in Absicht der Zeichnung und Anordnung denen gleiche, die man in den gothischen Kirchen in England und Frankreich antrifft. Die maurische Baukunst erscheint in ihrer ganzen Herrlichkeit an dem , alten Palaste der mohammedanischen Monarchen zu Granada, welcher das rothe HauS heißt und eher einem Zauberpalaste als einem Werke von Menschenhänden gleicht. Der Charakter der arabischen Baukunst war Leichtigkeit und Pracht. Reiche Verzierungen und Leichtigkeit in den einzelnen Theilen machen sie dem Auge gefällig. Die neugothische Baukunst, welche dadurch entstand, daß die griechischen Baumeister aus der byzantinischen Kunstschule das Plumpe und Schwerfällige der altgothischen durch den Anschein der Leichtigkeit zu verdecken suchten, erregt die Einbildungskraft durch ihre reich geschmückten Gewölbe, ihre großen Perspectivcn und ihr heiliges, durch gemalte Fenster hervorgebrachtes Dunkel. Sie behielt von der altgothischen Bauart die hohen, kühnen Gewölbe, die festen und starken Mauern bei, verkleidete sie aber durch mancherlei Schnörkel, Blumen, Nischen, durchbrochene Thürmchen, sodaß sie leicht und schwach zu sein scheinen. Man ging in der Folge noch weiter, durchbrach die hohen, ungeheuern Thürme, daß die Treppen in der Luft zu schweben schienen, gab den Fenstern eine außerordentliche Größe und zierte das Gebäude selbst mit Bildsäulen. Dieser Styl, in dem sehr viele Kirche», Klöster und Abteien erbaut wurden, bildete sich in Spanien und verbreitete sich von da über Frankreich, England und Deutschland. — Die Deutschen waren bis auf ! Karl d. Gr. mit der Baukunst unbekannt geblieben. Karl brachte die Kunst aus Italien nach Deutschland, und dies war die damals übliche neugriechische Bauart. Nachher hatte die arabische Kunst Einfluß auf die Kunst der Abendländer; auch zeigte bereits die deutsche Kunst ihre Eigenthümlichkeit in den Spitzbogen und Strebepfeilern u. dgl. Dies wurde mit der neugriechischen Baukunst vereinigt, der man damals noch im Ganzen treu blieb, und hieraus entstand eine gemischte Bauart, die bis in die Mitte des 13. Jahrh, sich erhielt. Nun erwachte die ncugothische oder deuts che Bauart, die wir auch die romantische, weil sie sich durch den romantischen Geist des Mittelalters ausbildete, nennen können, die in Deutschland gebildet , in den Thürmen des Münsters zu Strasburg (s. Münstcr), in dem Dom zu Köln, der Stephanskirche zu Wien, dem Dom zu Erfurt, der St.-Sebaldus- kirche zu Nürnberg, der Elisabethkirchc in Marburg ihre Vollendung erhielt und sich von da nach Frankreich, England, Spanien und Italien verbreitete. Auch die deutsche Baukunst zeigt einen klimatischen und religiösen Charakter, der vorzüglich Baukunst (Geschichte der) 713 in den deutschen Kirchen sichtbar wird. Hoch streben die schlanken Säulenbüschel auf, immer mehre sich fest an einander schmiegend, gleich den Stammen des Hains, in dessen Umschaltungen der alte Teutone seinen Altar baute. Im Helldunkel des Doms muß das Gemüth sich sammeln aus der Zerstreuung des Irdischen, sich, wie der Dom, zu dem Unendlichen erheben und durch Gebet und Entsagung die Weihe zum hohem Leben empfangen. Darum sind auch die Verzierungen an den alten christlichen Kirchen nichts weniger als ein zufälliger Schmuck. Es ist eine religiöse Bildersprache und ein Heiligthum; wo die Monstranz steht, ist sinnbildlich der ganze Tempel im Kleinen wiederholt. In diesen Gebäuden wird Jeder tiefe Zweckmäßigkeit des Plans, kühne, wohlverstandene Anordnungen, unermeßlichen redlichen Fleiß, großen Eindruck der kühnen Massen von Außen, hohen Ernst im Innern, der den Hineintrctcnden zu frommen Gefühlen erweckt, bewundern und ehren müssen. Demnach müssen wir der deutschen Baukunst mehr symbolische als hieroglyphische Beredtsamkeit und Würde, die sich nicht selten ins Seltsame verliert, als selbständige Schönheit beilegen. (S. Costenoble, „Über altdeutsche Architektur und deren Ursprung", Halle 1812; Rumohr, „Fragmente einer Geschichte der Baukunst" in Schlegel's „Deutschem Museum", 1813, Marzh., u.s.f.) In Italien machte man sich erst allmälig von dem ncugriech. Geschmacke los. Im 11. Jahrh, bauten noch griechische Baumeister die Kathedrale zu Pisa und die Maccuskirche in Venedig. Im 12. Jahrh, aber wird ein deutscher Baumeister in Italien, Namens Wilhelm, und im 13. Jakob, mit dem Beinamen Capo (starb 1262), nebst seinem Schüler oder Sohn Arnols angeführt, welche in Florenz Kirchen und Klöster bauten. Von den Kirchen und Abteien ging die ncugothische Bauart auch auf Schlösser, Paläste, Brücken und Stadtthore über. In Mailand wurden 16 Stadtthore von Marmor und viele neue Paläste, in Padua 7 Brücken und 3 neue Paläste, in Genua zwei verschlossene Häfen und eine prächtige Wasserleitung, und die Stadt Asti 1280 fast von Grund auf neu erbaut. Immer mehr erhob sich die Baukunst in Italien, besonders im 14. Jahrh. Galeazzo Visconti endigte die große Brücke zu Pavia und erbaute einen Palast, der seines Gleichen noch nicht hatte. Um dieselbe Zeit ward der bewunderte Dom zu Mailand aufgeführt. Die Markgrafen von Este bauten zu Fercara, und Albert den prächtigen Palast zu Belsiore; in Bononien sing man die große Kirche des heil. Pctronius und in Florenz den berühmten Thurm der Domkirche an. Am vortheilhaftesten zeichnete sich das 15. Jahrh, aus, in welchem sich wieder das Studium der antiken Architektur erhob. Die Herzoge v. Ferrara, Borso und Hercules v. Este ermunterten die Baumeister zum thätigsten Eifer. Herzog Franz verschönerte Mailand mit dem herzog!. Palast, dem Eastel Porta di Giova, dem Hospital und andern Gebäuden; Ludwig Sforza errichtete das Universitätsgebäude zu Pavia und das Lazareth zu Mailand. Die Päpste verzierten Rom, und Lorenz von Medici Florenz mit herrlichen Gebäuden. Man kehrte zu den Denkmälern des Alterthums zurück und studirte an ihnen die schönen Formen und richtigen Verhältnisse. Die berühmtesten Baumeister dieser Zeit waren Filippo Brunelleschi, der zu Florenz die Kuppel des Doms, die Kirche S.-Spirito und den Palast Pitti, außerdem viele Gebäude zu Mailand, Pisa, Pesaro und Mantua errichtete; Battista Alberti, der zugleich über die Baukunst schrieb; Michelozzi, Bramante, der den Bau der Peterskirche begann; Michel Angela Buonarotti, der nach ihm die stolze Kuppel derselben aufführte, und Gio- condo, der Vieles in Frankreich baute und später nebst Rafael ebenfalls dem Bau der Peterskirche vorstand. Diesen Männern, welche die Bahn gebrochen hatten, folgten Andre, die in ihrem Geiste weiter strebten, ein Palladio, Scamozzi, Serlio, Barozzio, u. d. Namen Vignola bekannt. Sie sind die Begründer des noch jetzt in der Baukunst herrschenden Geschmacks. Daß sie indeß ihre Kunst an Werken des Alterthums studirten, die sich schon weit von ihrer ersten Reinheit und erhabenen 714 Baum Baumannöhöhle Größe entfernt hakten, beweisen an ihren Gebäuden die vielen Verschröpfungen, die runden, ausgeschweiften und getheilten Giebel, die gekuppelten Säulen, Fußgestelle u. a. Dinge, welche die Kunst zu Pcrikles's Zeiten nicht kannte. So hatte in Italien eine neue Periode der Baukunst begonnen. Italienische Meister und nach Italien geschickte junge Künstler brachten den römischen Geschmack ins Ausland, der nach und nach an die Stelle des gothischen trat. Seitdem erfuhr die Baukunst in verschied. Landern Europas noch mancherlei Schicksale; sie stieg u. fiel in verschied. Zeiträumen; doch äußert sich in der neuesten Zeit allenthalben ein rühmliches Bestreben, die Kunst ihrer wahren Vollkommenheit näher zu bringen. S. Stieglitz, ! „Gesch. d, Baukunst" (Nürnb. 1828); Hirt, „Gesch. d. Baukunst bei d. Alten" i (Berl. 1827, 3 Th., 4., m. Kps), u. Jak. Murphy, „Üb. d. Grundregeln der gothischen Baukunst", a. d. Engl. von Engelhard (Darmst. 1829, 4., m. Kps). Baum. 1) Gewächse, die mit Stamm u. Ästen mehre Jahre dauern, und deren Wurzel, Stamm u. Zweige holzig sind. Gewöhnlich hat ein Baum Einen Stamm, der sich nur oben in Äste u. Zweige verbreitet, dagegen der Strauch mehre j Stämme aus einer Wurzel treibt, zum Theil auch von unten auf mit Ästen u. Zweigen besetzt ist. Beide Gewächsarten gehen in einander über, und mancher Strauch bildet sich unter gewissen Umständen entweder von selbst oder mit Hülfe des Menschen zum Baum, sowie umgekehrt mancher eigentliche Baum unter Umständen zu einem Strauche wird. Der Baumstamm, sowie die im Bau ihm ganz ähnlichen Äste u. Zweige, bestehen aus verschied. Lagen, wovon die 1. die Rinde, die 2. das Holz und die 3. das Mark genannt wird. So lange der Baumstamm überhaupt oder ein Baumzweig insbesondere noch jung und weich ist, dehnt er sich in die Länge u. Dicke aus; wird er aber allmälig harter, welches von unten nach oben geschieht, so nimmt die Ausdehnung in die Länge immer mehr ab und hört endlich bei vollkommener Verhärtung (Verholzung) ganz auf. Alles völlig ausgebildete Holz dehnt sich weder in die Länge noch in die Dicke weiter aus. Dennoch nimmt sowol der Stamm als die Äste an Dicke zu. Dies geschieht aber durch keine Ausdehnung von Innen nach Außen, sondern dadurch, daß sich neue Holzlagen von Außen ansetzen. Diese Holzlagen bilden sich aus der Rinde, deren das Holz zunächst umgebende Theile (Bast) sich zu ganz dünnen u. feinen Blättchen verdicken, welche den sogen. Jahresring bilden. Wenn man einen von aller Rinde entblößten Baumstamm mit Stroh dergestalt umwindet, daß dieses noch einen Raum zwischen sich und dem Stamme läßt, alles Eindringen der Luft und Sonne aber verhindert wird, so bildet sich nach zwei Jahren aus den gallertartigen Erhebungen, die aus den Fibern des Splints hervortreten, eine neue Rinde. Auch an Höhe und Größe der Krone nimmt der Baum jährlich zu. Dies geschieht aber ebenfalls, wie bei dem Zunehmen an Dicke, durch ein wirkliches Hinzukommen neuer Theile, die sich den alten ansetzen. Die dünnen jährigen Zweige führen nämlich den an ihnen befindlichen Augen oder Blattknospen Nahrungssäste zu, wodurch dieselben zu neuen Zweigen ausgebildet werden, welche sich so lange nach allen Richtungen ausdehnen, bis sie sich allmälig von unten nach oben verhärten. Auf diese Weise lebt oder wachst der Baum fort, bis er allmälig abstirbt.— 2) Eine Anzahl starker, durch Ketten mit einander verbundener Balken, mittelst welcher ein Hafen geschlossen wird. Baumanns höhle, eine natürliche Höhle auf dem Harz, imFürsten- thum Blankenburg, am linken Ufer der Bode, 2 Stunden von Blankenburg und > 4 Stunde von Elbingerode entfernt. Sie liegt in einem Kalkgebirge und besteht aus 6 Abtheilungen (die vielen kleinen nicht gerechnet), welche überall mit Tropfstein oder Stalaktit überzogen sind, dessen erdige Bestandtheile das allenthalben durchdringende Wasser mit sich führt und als kalkigen Stein anseht. Alle 6 Höhlen halten zusammen 758 braunschw. Fuß Länge. Der Eingang ist 136 F. über der ^ Sohle des Bvdethals erhoben. Die erste Höhle von 31 F. Höhe ist die größte und Baumgarten Baumschlag 7! 5 schauerlichste. Überall findet man von Tropfstein gebildete Figuren und Säulen, welche in der dritten Höhle am vorzüglichsten sind, und worunter eine, die sogenannte klingende Säule, wenn man daran schlägt, einen starken Klang von sich gibt. Die Höhle hat den Namen von dem Bergmanne Baumann, welcher sie in der Absicht, Erze darin zu finden, 1672 zuerst besuhr, aber den Eingang, als er zurückkehren wollte, lange vergebens suchte. Nach 2 Tagen fand er ihn, starb aber, von Hunger und Angst entkräftet, bald darauf. Baum garten (Alexander Gottlob), geb. d. 17. Jul. 1714 zu Berlin, ein scharfsinniger u. klarer Denker, aus Wolfs Schule, studirte zu Halle, war daselbst eine Zeitlang außerord. Pros, seit 1740 Pros der Philos. zu Franks a. d. O. und starb in dieser Stadt d. 26. Mai 1762. Er ist der Gründer der Ästhetik als einer systematischen Wissenschaft. Er sah nämlich das Verwirrende der von Kunstwerken und ihrer Wirkung hergeleiteten Kunstregcln ein. Hierdurch unterschied er sich Vortheilhast von den Kunsttheoristen s. Zeit (vgl. z. B. Batteux), denn er suchte die Kunsttheoric selbst wissenschaftlich zu begründen. Die Ergebnisse einer solchen, behauptete er, müßten allgemein gültig sein, welches sie nicht sind, wenn sie sich bloß auf Folgerungen oder Autorität gründen. Man müsse also zu den ersten, allgemeinen, aus der Natur des menschlichen Geistes geschöpften Grundsätzen aufsteigen, wenn eine wahre Philosophie des Geschmacks entstehen solle. In der Schönheit aber bestehe das Wesen aller Künste. So weit war B.'s Behauptung richtig. Die Schönheit selbst aber erschien ihm unter dem Begriffe der Wolf'schen Schule, als sinnlich erkannte Vollkommenheit, sinnlich vollkommene Erkenntniß des sinnlich Vollkommenen. Durch diese Erklärung machte er eines Theils das Schöne bloß zu einem Gegenstände der sinnlichen Empfindung, wobei das höhere Wesen desselben ganz übersehen wurde, andern Theils wurde die Wissenschaft desselben, als Wissenschaft der sinnlichen Erkenntniß (diese Bedeutung hat bei ihm der für dieselbe gewählte Ausdruck Ästhetik), eine von der Logik abgesonderte, in ihrem Wesen aber ganz logische Theorie der Sinnlichkeit oder des sogen, niedern Erkenntnißvermögens. Denn er folgerte aus s. Begriff des Schönen: daß die Regeln der Ästhetik aus den allgemeinen Regeln der Vollkommenheit fließen; und Vollkommenheit ist ihm, wie seinem Lehrer Wolf, Übereinstimmung des Gegenstandes mit seinem Begriffe. Dadurch unterscheidet er aber die logische von der ästhetischen Vollkommenheit, daß ihm jene eine deutlich erkannte, diese eine dunkle Erkenntniß ist, wodurch der Begriff einer Wissenschaft des Schönen wiederum sehr schwankend wird. (S. Ästhc tik.) Die Idee einer solchen Wissenschaft nun stellte er zuerst in s. akademischen Streitschrift „ve nonnulli» all poenra pertinontilms" (Halle 1735, 4.) auf, und 7 I nachher ward er aufgefodert, diese Wissenschaft öffentlich vorzutragen. Aus s. Dictaten entstanden Georg Fr. Meicr's „Anfangsgründe aller schönen Wissenschaften" (3Thle., Halle 1748—50). Acht J. später gab B. selbst s. größeres Werk („^estlretivs", Fkf a. d. 0.1750—58, 2 Thle., und mehrmals) heraus, dessen Vollendung aber sein Tod verhinderte. Nur die Einleitung, worin er den Grund des Ganzen legte, nebst der Hcvristik, ist vollendet. Übrigens hatte er fast überall bei Aufstellung s. Regeln nur die sogenannten redenden Künste vor Augen. (Eine genauere Würdigung der Baumgarten'schen Ansicht findet man in Heyden- rcich's „System der Ästhetik", S. 65 fg., und in Desselben Abhandl.: „Entstehung der Ästhetik, Kritik der Baumgarten'schen rc.", im „N. phil. Magaz." von Abichr und Born.) B.'s übrige philos. Schriften sind weniger berühmt. — Meier, sein obenerwähnter Schüler, hat B.'s Leben beschrieben (Halle 1763). 3'. Baumschlag, in der Natur: der Wurf oder die Lage der Verzweigungen der Bäume mit ihrem Blätterwerk, nach ihrer charakteristischen Verschiedenheit; in den zeichnenden Künsten: die Art der Darstellung derselben, besonders die Darstellung der Belaubungsart. Der Künstler hat dabei den Anfoderungen der Na- 7!6 Baumwerke Baumwolle tur, der ästhetischen Jdealisirung und der Technik Genüge zu leisten. Jede Gattung von Bäumen hat ihre Eigenthümlichkeiten im Stamme, in der Stärke, dem Ansätze, der Stellung der Äste und Zweige, in der Form, Farbe und Stellung der Blätter, und der aus diesem Allen sich bildenden Krone. Einige dieser Eigenschaften sind wieder dem Wechsel unterworfen, z. B. die Blätter und Zweige nach den Jahreszeiten. Ferner hat die nächste Umgebung einen bedeutenden Einfluß auf die Gestalt eines Baumes und seiner einzelnen Theile. Alles dieses kann der Künstler nur durch unmittelbares Studium der Natur kennen lernen. — Es fragt sich aber, wie weit er in der treuen Darstellung der Natur zu gehen habe, da die Erfahrung lehrt, daß man sich oft bei allzu genauer Nachahmung der Natur in Kleinigkeiten des Einzelnen verwickelt, welche die Wirkung des Ganzen stören. Diese Untersuchung weist auf die Ansodcrung der zweiten Art hin. Dem ästhetischen Eharakter aber, welcher hier ausgedrückt werden soll, liegt nämlich der natürliche zum Grunde; ohne das Wahre und Charakteristische kann das Schöne gar nicht zur Erscheinung kommen. Aber eben darum ist an keine bloße Nachbildung zu denken, sondern vielmehr gerade darum, weil der Charakter im Ganzen mit reinster Bestimmtheit sich aussprechen soll, muß der Künstler Nebendinge von dcmWc- scntlichen sondern. Geschickte Technik endlich gehört zur Vollkommenheit. Der Baumschlag soll nicht mästen-und klumpenartig, sondern hohl und luftig erscheinen, d. h. die untere Ansicht von Laubmasscn, die über dem Auge oder Horizonte vorkommen, soll man ebenso deutlich als die hinter derselben befindlichen Massen, rundum, wenigstens zum Theil bemerken. Licht und Schatten, Farbengebung, Perspektive, sind die Mittel zur Erreichung dieses Zwecks, wozu Studium der Natur insofern verhilft, als man das Auge übt, die Natur wie ein Gemälde zu betrachten. Bau m werke, eins der wichtigsten Mittel der Gartenkunst, um ästhetische Zwecke zu erreichen. Der Baum spricht durch sein ganzes Wesen Geist und Gemüth an. Der Gartcnkünstler, der ihn zu seinem Zwecke benutzen will, muß zuvörderst den Unterschied zwischen Baum und Strauch ins Auge fassen, dann sehen, was Jedes einzeln, was es in Verbindung wirkt. Aus Verbindung der Bäume entsteht die Allee, die Banmgruppe, der Hain, der Wald; aus Verbindung der Sträucher entsteht Hecke, Gebüsch, Wildniß, Labyrinth, aus beiden vereint Waldung. Alles zusammen umfaßt die Benennung Vaumwcrk. Seit man, die französische Künstelei in der Gartenkunst verlassend, die Natur selbst zum Muster nahm, ward Bestandheit in dem charakteristischen Ausdrucke der Form der Bäume, Belaubung, Malerei des Laubwerks und der Blüthen, Zeit der Blüthe, Dauer der Belaubung, Beschattung Hauptaugenmerk des Künstlers. Daß verschiedene Bäume durch ihre bloße Form einen verschiedenen Charakter ausdrücken, den auch der entlaubende Herbst ihnen nicht zu rauben vermag, lehrt die gemeine Erfahrung. In ihrer höchsten Vollkommenheit aber erscheint diese ästhetische Eindrucksfähigkeit in der wechselnd gleichförmigen Bekleidung des Frühlings und Sommers. Um also eine Charakteristik des Baumwerks zum Behufe ästhetischer Gartenanlagen zu Stande zu bringen, muß der Künstler sehen auf Stamm, Zwei- gung, Belaubung, Blüthe und Frucht, je nachdem diese bald ästhetische Ideen zu wecken, bald den Sinn durch angenehmen Reiz zu ergötzen fähig sind, wozu in Hirschfcld's „Gartenkunst" treffliche Fingerzeige gegeben werden. Hat er sich eine hinreichende, natürliche Charakteristik dieser Darstellungsmittel seiner ästhetischen Ideen entworfen, so bleibt ihm nur noch übrig, die Anwendung davon zu machen. Diese geschieht entweder im Einzelnen, oder wovon die Hauptwirkung abhängt, in Zusammenstellung mehrer, wobei es vorzüglich ankommt auf die Form der Gruppen, die Malerei des Laubwerks, Licht und Schatten, Alles in Gemäßhcit des eigenthümlichen Charakters einzelner Partien, deren Übergang und Contrast. Baumwolle. Das Gewächs, welches die Baumwolle hervorbringt, ist Baumwollengarne Baumwollenzeuche 717 entweder Baum oder Staude, oder auch wot Kraut, je nachdem die Beschaffenheit des Bodens und Klimas verschieden ist. Die gemeine oder krautartige Baumwollenpflanze ist ein Sommergewachs, hat eine faserige Wurzel, einen aufrechtstehenden, 2 —3 Fuß hohen, etwas rauhen, krautartigen Stengel, der unterwärts braun, oben aber mit schwärzlichen Punkten gezeichnet ist. Das Samenbehältniß hat bei dieser Gattung gemeiniglich nur 3 Fächer und ebenso viele Klappen. Wenn es sich öffnet, quillt gleichsam ein Knaul verwickelter weißer Wolle hervor, womit die Samenkörner festgebunden sind. In Arabien und Pcrsien wächst diese Pflanze wild. Sie wird im Orient, auf Malta, Sicilien, in Apu- lien, Griechenland, Ungarn und Spanien in Menge gebaut. Zur Zeit, wo die Samenkapseln sich öffnen, wird jeden Morgen die Baumwolle gesammelt. Demnächst ist die wichtigste Arbeit das Absondern der anhängenden Samenkörner, welches mittelst einer aus 2 übereinanderlicgenden Cylindern bestehenden Maschine geschieht. Dann wird die Wolle, nachdem sie gereinigt und gut getrocknet worden, in grobe Haardecken gepackt und versandt. Die Baumwolle, welche in Natolien und den benachbarten Ländern gewonnen wird, kommt meistentheils über Smyrna nach Europa, die syrische über Akre und Said. Die in Macedonien gebaute steht der orientalischen nach; sie kommt theils über Salonichi zu Wasser, theils über Semlin zu Lande. Persien gewinnt besonders in Masanderan von der krautartigen Staude viel Baumwolle, die jedoch außer Rußland wenig in Europa gebraucht wird. Von noch geringerer Güte ist die in Italien und Spanien gewonnene. Die bäum- oder staudenartige Baumwollenpflanze hat einen strauchartigen, mehre Jahre dauernden Stamm und wächst in Ostindien auf dürrem Boden wild. In Ägypten, der Levante, auf Cyper», den westindischen Inseln und in Amerika wird sie angebaut. Ihre Cultur ist fast die nämliche wie bei der vorigen; ebenso die Gewinnung und Behandlung der Baumwolle. Unser Klima ist für die Baumwollenpflanze zu kalt. Selbst im Sommer muß sie bei uns im Glashause gehalten werden, außerdem bringt sie nur selten reife Früchte. Die beste und feinste Art wird in Siam und Bengalen, und zwar meist von der baumartigen Gattung gewonnen. Sie kommt wenig oder gar nicht nach Europa, sondern wird in China und Ostindien zu den feinsten Zeuchen verarbeitet. Unter den übrigen Sorten ist die syrische und cyprische die beste; schlechter ist die smyrnische und die in Nordafrika gewonnene. Die westindische soll der ostindischen am nächsten kommen. Baumwollengarne, s. Twist. Baumwollenspinnmaschinen, s. Spinnmaschinen. Baumwollenzeuche. Zu der großen Verbreitung der mannigfaltigen Zeuche aus dieser vegetabilischen Wolle in Europa trug theils die Wohlfeilheit derselben (5 — 9 Groschen das Pfund), theils die Erfindung der Spinnmaschinen bei, wodurch die Bearbeitung der Baumwolle ebenso wohlfeil wurde, als sie die Launen des Geschmacks, durch Anwendung zu jeder Form des Baumwollengewebes, befriedigen konnte. Dies hat den Verbrauch der Wolle und des Flachses, selbst in nördlichen Gegenden, etwas vermindert. Indeß kann Südamerika das deutsche Linnen, von Flachs bereitet, nicht entbehren und ebenso wenig die leichten deutschen Wollenwaaren, die zugleich ihre Wohlfeilheit empfiehlt; aber es ist zu bedauern, daß England bereits durch Handelstractate sich Begünstigungen in seinen Zufubren an Fabricaten aus Flachs, Baumwolle und Wolle verschafft hat. — In Nichts hcn sich die englische und französische Mechanik und Industrie bisher mehr vervollkommnet als in der Anwendung der Spinnmaschinen und der Vorbereitung der Baumwolle für die Spindeln zum feinsten und dünnsten Fließ durch die Vermehrung der natürlichen Spiralkraft der Baumwollenfäden zur elastischen Weiche des Einschlags. Gescheitert sind aber bisher alle chemische und mechanische Versuche, die Baumwolle auch nur im kleinsten Zusatz zur feinen Papiermanufactur zu benutzen. Als vor 718 Bauriffe Bautzen 40 Jahren in England die Baumwollenmanufacturen ansingen, sich so sehr zu heben, konnten die Fabrikanten, ungeachtet aller Ersparung der Menschenhand durch Maschinen, nicht Hände genug für die einfacher gewordene Manipulation finden, daher überboten sich die Fabrikanten um geschickte Arbeiter und erhöhten nicht nur sehr die Wochengelder, sondern setzten, zur Ersparung im Tagelohn, erst die Frauen und hernach selbst die Kinder zur Arbeit an. Dies schuf in dieser Fabrikarbeiterclasse eine kleine Wohlhabenheit und folglich auch einen LuxuS, den sie früher nicht kannten. Als aber immer mehr Baumwollenspinnereien und Spinnmaschinen entstanden und der Gewinn der Fabrikherren siel, verminderten sich die Wochengelder der Arbeiter, und Elend trat an die Stelle der vorigen Wohlhabenheit, ungeachtet die Kirchspiclscassen Denen, die Kinder hatten, beträchtliche Zuschüsse bewilligten. Diese Arbeiter wollten ihre gewohnte Arbeit, und ihr Fabrikherr sein Gewerbe nicht aufgeben. Es krüppeln nun manche Fabriken, obgleich mit abnehmender Geschäftigkeit, fort, weil man immer aufbessere Verkaufspreise hofft, die Baumwolle selbst immer niedriger ankauft und durch Verbesserung der Maschinerie noch mehr die Menschenhand zu ersparen beflissen ist, zumal die englischen Baumwollenwaaren sogar in Ostindien starken Absatz finden. Die Baumwollenweberei traf zuerst die für die Gesundheit aller Weber so wohlthätige Einrichtung, daß das Webcrschiff ohne Berührung des Webers durchs Gewebe läuft. Der Weber kann nun mehr Arbeit täglich liefern und sein Geschäft aufrecht sitzend verrichten, auch breitere Zeuche ohne Unbequemlichkeit weben. In Frankreich hält die Baumwollenweberei sich durch die Ausschließung alles fremden Gewebes gegen Englands Concurrenz. Vgl. Becker (in Ehemnih), Köchlin, Oberkampf und Widmer. Über Baumwollenfabrication hat Bernoulli in Bafel 1825 ein lehrreiches Werk herausgegeben. Baurisse, Entwürfe und Zeichnungen von einem Gebäude, aus denen man sich einen vollständigen Begriff von dessen innerer und äußerer Form und Einrichtung bilden kann, und wonach die Bauleute sich richten müssen, damit das Gebäude der Absicht des Erbauers entspreche. Man hat Hauptriß, Grundriß, Aufriß, Durchschnitte, perspektivische und Deckenriffe. Bause (Johann Friedrich), Kupferstecher in Leipzig, geb. 1738 zu Halle, widmete sich seit s. 18.1. ganz der Kupferstecherkunst, ging 1759 nach Augsburg und kehrte 1 Jahr darauf nach Halle zurück, wo er s. Studien vollendete. Wille in Paris, mit dem er correfpondirte, war sein vorzüglichstes Muster, und dessen Belehrungen dankt er einen großen Theil s. Fortschritte. In Leipzig ließ er sich 1766 nieder und ward in der Folge Professor der Kupferstecherkunst bei der dortigen Kunstakademie, sowie nachher außerordentl. Mitglied der berliner Akademie der Künste. Er hat glückliche Versuche in verschiedenen Manieren gemacht; sein bleibendes Verdienst aber ist die Festigkeit und Reinheit seines Grabstichels. Seine historischen Blätter und vorzüglich seine Portraits, besonders nach Gemälden von A. Grass, sind am meisten geschätzt. Sein ganzes Kupferstichwerk enthält über 200 Blätter. Ein Verzeichniß davon liefert Mcufel's „Künstlerlexikon". Auch machte er Versuche in Aquatinta u. a. Manieren. B. starb 1814 in Weimar. Bautzen, richtiger Budissin, Haupt- und Sechsstadt der Oberlausitz k. sächf. Antheils, auf einer westlich von steilen Felsen bewehrten Anhöhe, an deren Fuße die Spree vorüberfließt. Sie beherrscht eine weite, meist ebene, nur im S. von bedeutenden Bergen begrenzte und größtcntheils von Wenden bewohnte Gegend. Das in den Ringmauern gelegene königl. Schloß Ortenburg ist der Sitz der Oberamtsregierung (seit 1819), als der höchsten Behörde der Oberlausitz, und des damit verbundenen Hofgerichts. Die Stände dieser Provinz halten jährlich 3 Landtage in Bautzen, nehmen aber jetzt auch an den sächf. Landtagen Antheil. Unter den 11,500 meist luther. Einw. gibt es viele Wenden, für welche in einer luther. 719 Bautzen (Schlacht bei) und in einer kath. Kirche in ihrer Sprache Gottesdienst geheilten wird. Das Domstift St.-Petci hat 13 Glieder und 10,500 Unterthanen. Der Dechant ist Bischof in p»r- tidus und das kicchl. Oberhaupt aller Katholiken in der Oberlausitz. Das Stift hat das für die kleine kath.-deutsche Gemeinde hinreichende Dritttheil der Hauptkirche mit dem Hochaltar inne, das Schiff derselben dient der luth. Stadtgemeinde zur Pfarrkirche, und der gegenseitige Duldungsgeist beider Parteien hat in neuern Zeiten jede von diesem Verhältniß zu besorgende Störung zu verhüten gewußt. Auch an dem durch guten Ruf ausgezeichneten luth. Gymnasium und an dem Seminarium nehmen die KatholifchenThcil. DieEinw. verfertigen Tücher, Barchente, Cattune und Strumpfwaaren, mit welchen, wie auch vorzüglich mit Leinwand und Wolle, ein bedeutender Handel getrieben wird. Die bautzner Papiermühle und die Lederfabrik sind bekannt. An den Schlachttagen vom 20. und 21. Mai 1813 blieb, nach einer zum Vortheil Napoleons getroffenen Übereinkunft, die Stadt selbst aus der Linie des Gefechts, und nur ihre öffentlichen Gebäude wurden durch das Beherbergen der Verwundeten auf lange Zeit unbrauchbar. L. Bautzen, Schlacht bei B. und Wurschen, am 20. und 21. Mai 1813. Nach der Schlacht bei Groß-Görfchen (s. Lützen) am 2. Mai war Napoleon im Besitze von Leipzig, hinter ihm lag Wittenberg und seitwärts Torgau. Daher zog sich das Heer der Verbündeten, unter dem Gen. Grafen von Wittgcnstein, welcher sich nicht für stark genug hielt, um die Schlacht mit sicherm Erfolg am 3. zu erneuern, in 2 Colonnen, die Blücher und Vork führten, gedeckt durch die zahlreiche Reiterei und den Nachtrab unter Miloradowitfch, über Dresden, Meißen und Mühl- berg, am 8. und 9. auf das rechte Elbufer zurück. Napoleon, dem es an Reiterei fehlte, rückte nur langsam nach. Er besetzte Dresden am 8. Abends, und die Neustadt am 11. Das Heer der Verbündeten aber nahm am 14. eine durch Natur und Kunst befestigte Stellung bei B. am rechten Ufer der Spree. Zu demselben waren nach und nach an 25,000 M. frische Truppen, theils Preußen unter Kleist, theils Russen unter Barclay de Tolly, gestoßen, sodaß es an 96,000 M. (68,000 Russen und 28,000 Preußen) zählte. Auch Napoleon, der jetzt Meister der Oberelbe von Wittenberg und Torgau bis an die böhmische Grenze war, verstärkte sein Heer durch Sachsen, Würtemberger, Baiern und neue Bataillone (aus Frankreich und Italien) bis auf 148,000 M. Das 3., 5. und 7. Corps (Ney, Lauriston und Reynier), welche anfangs unter Ney von Torgau aus gegen die Marken ihre Richtung nehmen sollten, wurden in dem Augenblicke zurückgerufen, als Napoleon sich überzeugte, daß die Verbündeten bei B. eine Schlacht liefern würden. Bei dieser Starke des stanz. Heeres konnte der Ausgang der Schlacht nicht zweifelhaft sein; allein Preußen wollte für feine Rüstungen in Schlesien Zeit gewinnen; sodann lag es in dem System der Verbündeten, dem Feinde das Terrain so viel als möglich streitig zu machen, und Europa, vornehmlich Ostreich, zu zeigen, daß durch die Schlacht bei Lützen das Heer weder moralisch noch physisch außer Stand gesetzt worden, dem Feinde die Stirn zu bieten. Außerdem wünschten die von Kampfbcgier belebten Truppen, sich mit dem Feinde wieder zu messen; dagegen würde ein fortgesetzter Rückzug, ohne Schlacht, daS Hccr entmuthigt und sein Vertrauen zu den Feldherren geschwächt haben. Also beschlossen der Kaiser Alexander und der König Friedrich Wilhelm in dem russisch-preuß.HauptquartierzuWurfchen, einemDorfe östlich von Bautzen, wo sich auch die Gesandten von England, Ostreich und Schweden befanden, den Feind in der im siebenjährigen Kriege berühmt gewordenen Stellung zwischen Hochkirch (s. d.) und Bautzen zu erwarten. Das Heer war hinter einer zweifachen Reihe von Verschanzungen, in einer Ausdehnung von beinahe 2 Stunden, Vortheilhaft ausgestellt. Der linke Flügel lehnte sich anHochkirchs bewaldeten Bergrücken, der sich oberhalb des steilen Spreeufers bis an die nahe böhmische Grenze hinzieht; das Mitteltressen war durch Sümpfe, verschanzte Dörfer, die Anhöhen bei Burg 720 Bautzen (Schlacht bei) das durch Pallisadirung befestigte B. und das tiefe Bette der Spree gedeckt; der rechte Flügel stützte sich an befestigte Hügel, welche die Übergangspunkte über die Spree beherrschten. Allein dieser Flügel konnte umgangen werden, und seine Verbindung mit den übrigen Armeethcilen war durch eine Menge Teiche sehr erschwert. Da nun Napoleon den Vortheil der Übermacht hatte, so war der Sieg strategisch ihm gewiß. Hatten aber auch die Allürten den Sieg erkämpft, so konnten sie ihn bei ihrer geringen Zahl nicht benutzen. — Schon bei dem ersten Vordringen des stanz. Heeres auf der Straße von Dresden nach Bautzen kar» es zwischen dem Nach- trab unter Miloradowitsch und dem Marschall Macdonald, der den stanz. Vortrab führte, am 11. bei Bischofswerda, und noch mehr am 12. beim Kapellenberge, zu einem hitzigen Gefechte, wobei jenes Städtchen von den italien. Scharen geplündert und gänzlich in Asche gelegt wurde *). Napoleon verließ Dresden, wo er am 16. dem von Östreich an ihn gesandten General Grafen Bubna die Versammlung eines Friedenscongreffes zu Prag vorgeschlagen hatte, erst am 18. Mai. Am 19. überzeugte er sich von der taktischen Klugheit, mit welcher die Verbündeten ihr Lager gewählt und befestigt hatten; allein schon war sein Plan gemacht, den Feind auf seiner rechten Flanke zu überflügeln. In dieser Absicht hatte er bereits am 18. die Division Pery nach Königswartha entsendet, um die Verbindung mit dem von Hoyerswerda heranrückenden Corps des Marschalls Ney zu eröffnen. Dagegen sehten sich von Seiten der Allürten in der Nacht zum 19. 18,000 M. Muffen unter Barclay, und 5600 Preußen unter Bork in Marsch. Barclay stieß am 19. Mittags bei Königs- wartha auf Lauriston und schlug ihn; 2 Stunden später bestand Bork 1 Stunde davon, bei Wcissig, ein heftiges Gefecht mit dem Marschall Ney, den er bis zum Abend aufhielt. Allein die Vereinigung des Z. und 5. Corps und ihre Verbindung mit dem Heere unter Napoleon, wodurch die rechte Flanke der Stellung der Verbündeten gewissermaßen schon überflügelt war, konnte nicht verhindert werden. Barclay und Bork zogen sich daher in der Nacht auf die Hauptarmce zurück, wo Barclay mit 14,000 M. auf dem rechten Flügel sich aufstellte und den Windmüh- lenbcrg vor dem Dorfe Glcina besetzte. Am 20. früh entwickelte sich Napoleons Angriffsplan. Das stanz. Heer ging auf mehren Punkten über die Spree; Oudi- not rückte gegen den linken Flügel der Verbündeten vor; Ney und Lauriston bedrohten den rechten von Weissig her und gingen bis gegen Klix vor, während das 7. Corps unter Ncynier von Kalau her Hoyerswerda erreichte; im Mittelpunkte, wo Soult den Oberbefehl hatte, begann um 1 Uhr Mittags der erste Angriff von Macdonald und Marmont aus die von Wittgenstein und Blücher vorgeschobenen Abtheilungen, welche unter Miloradowitsch und Kleist in und bei B. ausgestellt waren. Erst um 6 Uhr Abends besetzte das 6. Corps unter Marmont die vom Feinde verlassene Stadt B. und bemächtigte sich hierauf am späten Abend der Anhöhen von Niederkayna; am längsten widerstand Kleist auf den Anhöhen bei Burg dem Angriffe des 4. Corps unter Bertrand; doch nach Zurückweisung aller Frontalangriffe mußte er Abends 9 Uhr nach Litten zurückgehen, da ihm nach der Besetzung der Höhen von Niederkayna durch das 6. CorpS eine überlegene Masse des Feindes im Rücken stand. Napoleon war jetzt im Besitze des Spreethals und nahm sein Hauptquartier in Bautzen. Am folgenden Morgen wurde zuerst der linke Flügel der Verbündeten, den jetzt Miloradowitsch befehligte, angegriffen; nach dem heftigsten Gefechte aber, am Mittage, ließen die Franzosen auf dieser Seite vom Kampfe ab. Unterdessen hatte Ney bereits den rechten Flügel der Verbündeten aus seiner gestrigen Stellung zurückgedrängt, sich der Höhen von Baruth bemächtigt und durch die Wegnahme des Dorfes Preititz, im Rücken von Blücher's rechtem Flügel, die Verbindung des Barclay'schen Corps mit Blücher, wel- *) Napoleon versprach den Brandschaden zu ersetzen, und ließ der Stadt ungefähr 25,000 Thlr. anweisen. Bavius Bayard 721 cher das Centrum an den klein-bautzner und krcckwitzer Bergen befehligte, aufgehoben. Zwar nahm Blücher das Dorf wieder; allein mit aller Macht in seiner Fronte angegriffen, wo der Feind den Schlüssel der feindlichen Stellung,, die Anhöhen von Kreckwitz, erstürmte, während auf dem rechten Flügel Preititz wieder verloren ging, und Ney immer weiter in die Flanke und den Rücken von Barclay und Blücher vordrang, sah sich der Letztere in der Nothwendigkeit, entweder sein Mitteltreffen noch mehr durch Truppenabsendungen nach dem rechten Flügel zu schwächen — worauf Napoleon dessen Verbindung mit dem linken Flügel ganz durchbrochen und die Alliirten von der böhmischen Grenze abgedrängt haben würde — oder den Rückzug nach Purschwitz anzutreten. Da nun um dieselbe Zeit das 7. Corps bei Gleina eingetroffen und sogleich in der Richtung nach Weißenberg — in Blücher's Rücken — vorgeschoben worden war, so wagten die Heerführer der Verbündeten es nicht, durch Verwendung der Reserve gegen den nun concentrirten Feind, das Heer einem entscheidenden Schlage auszusetzen, sondern ordneten um 4 Uhr Nachmittags, als sie noch alle Vortheile der Behauptung des Gebirgs auf dem linken Flügel in ihrer Gewalt hatten, den allgemeinen Rückzug an. Das Heer führte denselben, in 3 Colonnen über Weißenberg und Löbau nach Görlitz und Schlesien, in solcher Ordnung aus, daß Napoleon keine weitem unmittelbaren Früchte seines mit vielem Blute errungenen Sieges erlangen konnte. Das Schlachtfeld war mit Todten bedeckt und wurde von 30 brennenden Dörfern erleuchtet. Zwar gab der franz. Bericht den eignen Verlust nur zu 12,000 M. an, allein er bestand nach den Listen in ungefähr 8000 Todten und 18,000 Verw.; die Verbündeten hatten etwas über 8000 M. (nach Andern 12,000 M.) an Todten und Verwundeten verloren, und mehr Gefangene gemacht als der Sieger. Doch um den Siegesmuth seiner Völker zu erhöhen, verordnete Napoleon am 22. Mai, daß zum Andenken der Siege bei Bautzen und Wurschen auf dem Mont Cenis ein Denkmal errichtet werden sollte, das seine Dankbarkeit gegen die Völker Frankreichs und Italiens bezeugte. Er bestimmte dazu die Summe von 25 Mill. Fr. Allein weit mehr hatte die von den verbündeten Truppen bewiesene Tapferkeit und die Klugheit der Heerführer das Vertrauen und den Muth der Deutschen erhöht. Zwar drängte Napoleon dem russ.-preuß. Heere nach; allein am 22. widerstand ihm der Nach- trab, den Miloradowitsch führte, wobei Duroc tödtlich verwundet wurde, und bei Haynau erlitt Ney's Vortrab unter Maison am 26. eine Niederlage von Blücher's Nachtrab. Hierauf zog sich, gegen Napoleons Erwarten, das russisch-preuß. Heer, über welches jetzt an Witgcnstein's Stelle Barclay de Tolly den Oberbefehl übernahm, nicht aufBreslau, sondern seitwärts auf Schweidnitz zurück, wo dasselbe am 29. Mai das verschanzte Lager von Pülzen bezog; Lauriston aber besetzte, nach dem Gefechte bei Mark-Neukirchen, am 1. Juni ohne Widerstand Breslau. Jene drohende und zugleich gesicherte Aufstellung der Alliirten in der rechten Flanke des franz. Heeres, der Verlust, den dieses erlitten, und die fliegenden Corps, welche Napoleons Verbindungslinie mit Frankreich in Sachsen störten, bewogen jetzt den franz. Kaiser, den ihm von den Alliirten nach dem Gefechte bei Haynau angetragenen Waffenstillstand, wozu er selbst, bereits am 18. Mai, die erste Eröffnung an den Kaiser von Rußland gemacht hatte, einzugehen. Dieser kam am 4. Juni in dem Dorfe Pläswitz bei Jauer zu Stande. (Vgl. Russisch-französischer Krieg 1813 fg.) L. Bavius (Marcus) und sein Geistesverwandter Mävius, als zwei elende Versemacher und anmaßliche Kunstrichter noch jetzt berüchtigt. In der neuern Poesie wird besonders Bavius (Bav) als Vertreter des Ungeschmacks, kurzsichtiger Kritelei und schlechter Verskunst verhöhnt. Bayard (Pierre du Terrail, Herr v.), genannt der Ritter ohne Furcht und Tadel, geb. 1476 auf dem Schlosse Bayard bei Grenoble, vielleicht der einzige Conv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. l. -j- 46 722 Bayard Held des Mittelalters, der uneingeschränkt Lob und Bewunderung verdient. Ein- ? fach, bescheiden, ein aufrichtiger Freund und zärtlicher Liebhaber, fromm, mensch- § lich und hochherzig, vereinigte sein Herz alle Tugenden in einem Grade, daß man ohne das einstimmige Zeugniß der gleichzeitigen Schriftsteller versucht sein möchte j' zu bezweifeln, daß je in der Wirklichkeit eine solche Vollkommenheit zu erreichen gewesen. Das Haus Terrail, eins der ältesten in der Dauphin«, war berühmt ^ durch Adel und Ritterthaten. Der junge B., auferzogcn unter den Augen seines Oheims George du Terrail, Bischofs von Grenoble, sog früh in der Schule die- ^ ses würdigen Prälaten die Tugenden ein, die ihn einst auszeichnen sollten. 13 Jahre alt, trat er in die Zahl der Pagen des mit Frankreich verbündeten Herzogs , von Savoycn. Karl VIII., der ihn zu Lyon im Gefolge des Prinzen sah, war > erstaunt über die Geschicklichkeit, mit welcher der Jüngling sein Roß bändigte, j erbat ihn sich von dem Herzog und übergab ihn der Sorgfalt Pauls von Luxemburg, Grafen von Ligny. Die Turniere eröffneten ihm zuerst ein Feld des Ruhms und ! der Ehre. 18 Jahre alt, begleitete er Karl VIH. nach Italien, verrichtete in der > Schlacht bei Verona Wunder der Tapferkeit und eroberte eine Fahne. Zu Anfang ' der Regierung Ludwigs XII. verfolgte er die Flüchtlinge mit solcher Hast in einem Treffen bei Mailand, daß er zugleich mit ihnen in die Stadt eindrang und gefangen ward. Ludwig Sforza ließ ihm seine Waffen und sein Roß zurückgeben, und entließ ihn ohne Lösegeld. Während die Franzosen in Apulien standen, schlug B. ein ! spanisches Corps und machte den Anführer, Don Alonzo de Sotomayor, zum Ge- ! fangenen. Er behandelte ihn Mit Edelmuth; dennoch nahm jener nicht nur wortbrüchig die Flucht, sondern verleumdete noch B., der nach der Sitte jener Zeit ^ seinen Gegner zum Zweikampf foderte und ihn erlegte. Dann, wie Horatius : Cocles, vertheidigte er allein gegen die Spanier eine Brücke über den Garigliano und rettete das franz. Heer, indem er das Vordringen des siegreichen Feindes ver- l zögerte. Für diese tapfere That erhielt er zum Sinnbilde einen Igel mit der Um- j schrift: „Vires »Anrini« UNU8 bsbet". Gleich ausgezeichnet focht er gegen die Genueser und Venetianer. — Als Julius II. sich gegen Frankreich erklärt hatte, zog V. dem Herzog von Ferrara zu Hülfe. Sein Plan, den Papst gefangen zu nehmen, scheiterte; aber mit Unwillen verwarf er den Antrag eines Verräthers. — Schwer verwundet bei der Bestürmung von Brescia, ward B. in das Haus , eines Edelmanns gebracht, der entflohen war und seine Frau nebst 2 Töchtern dem Übermuthe und der Rvhheit der Soldaten preisgegeben hatte. B. war der Schutz der Wehrlosen, schlug die ihm von der dankbaren Familie dargebotene Belohnung von 2500 Dukaten aus und kehrte, sobald er genesen war, in das Lager Gastons zurück, der vor Ravenna stand. Er stimmte für die Schlacht, nahm den ^ Spaniern 2 Fahnen und verfolgte die Flüchtlinge. Gaston, die Hoffnung Frankreichs, kam um, weil er B.'s Rath nicht befolgt hatte. Auf dem Rückzüge von > Pavia ward B. aufs neue verwundet. Man führte ihn nach Grenoble; sein Leben war in Gefahr. „Nicht der Tod schmerzt mich", sagte er, „aber daß ich ! sterben soll auf dem Bette wie ein Weib". — In dem von Ferdinand dem Katholischen begonnenen Kriege entfaltete B. jenseits der Pyrenäen dieselben Talente, denselben Heldenmuth, die ihn jenseits der Alpen berühmt gemacht hatten. Die ^ Unglücksfälle, welche die letzten Jahre Ludwigs XU. trübten, warfen auf B.'s persönlichen Ruhm nur einen noch Hellern Glanz. Im Bunde mit Ferdinand und Maximilian bedrohte Heinrich VIII. von England die Picardie 1513 und belagerte Terouane. Das franz. Heer nahm schimpflich die Flucht. B. bot umsonst mit seiner gewohnten Unerschrockenheit dem Feinde die Stirn; überwältigt von der Mehrzahl, war seine Truppe im Begriff die Waffen niederzulegen. Da erblickte ^ B. in einiger Entfernung einen englischen Ofsicic-r, sogleich sprengte er auf ihn zu, setzte ihm das Schwert auf die Brust und rief: „Ergib Dich, oder ich durchbohre j 723 Bayle Dich". Der Engländer gab ihm seinen Degen; B. reichte ihm sogleich den sei- nigen mit den Worten hin: „Ich bin Bayard und Euer Gefangener, wie Ihr der meinige". Dies sinnreiche und kühne Benehmen ward dem Kaiser und dem Könige von England hinterbracht, welche entschieden, daß B. keines Lösegeldes bedürfe, und daß beide Gefangene gegenseitig ihres Wortes entbunden seien. Als Franz!, den Thron bestiegen hatte, sandte er B. in die Dauphin«-, um seinem Heere den Weg durch die Alpen und Piemont zu öffnen. Prosper Colonna erwartete ihn auf dem Zuge und hoffte ihn zu überfallen, aber B. nahm ihn gefangen. Diese glänzende That war das Vorspiel zu der Schlacht von Marignano, in welcher B. Wunder der Tapferkeit an des Königs Seite verrichtete und den Sieg entschied. Nach diesem ruhmvollen Tage ließ Franz sich von B. mit dessen Schwerte zum Ritter schlagen. Als Karl V. mit einer großen Macht in Champagne eingebrochen war und in das Herz Frankreichs vorzudringen drohte, eilte V. herbei und vertheidigte das schwach befestigte Meziercs gegen alle Angriffe, bis Uneinigkeit die feindlichen Heerführer zum Abzüge nöthigte. B. ward in Paris als der Retter des Vaterlandes begrüßt, der König ernannte ihn zum Ritter des Ordens des heil. Michael und übergab ihm eine Compagnie von 100 M., um sie in seinem eignen Namen anzuführen: eine Ehre, die bisher nur Prinzen vom Geblüt ertheilt worden war. Bald darauf stand Genua gegen Frankreich auf; B.'s Gegenwart unterwarf es. Nach der Einnahme von Lodi aber wandte sich das Glück, und die Heere Frankreichs wurden aus ihren Eroberungen vertrieben. Bonnivet mußte sich durch das Aostathal zurückziehen; sein Nachtrab ward geschlagen und er selbst schwer verwundet; B. sollte das Heer retten. Es kam darauf an, im Angesichts eines überlegenen Feindes über die Sesta zu gehen; B., stets der Letzte auf dem Rückzüge, griff mit Nachdruck die Spanier an, als ein aus einem Doppelhakcn geschossener Stein ihn in die rechte Seite traf und ihm das Rückgrat zerschmetterte. Mit den Worten: „Jesus, mein Gott, ich bin des Todes!" sank der Held nieder. Man eilte herbei. „Setzt mich unter jenen Baum", sagte er, „also daß mein Gesicht den Feind sieht". Dann küßte er, in Ermangelung eines Crucifixes, das Kreuz seines Schwertes, beichtete seinem Stallmeister, tröstete seine Diener und Freunde, empfahl ihnen sein Lebewohl an seinen König und sein Vaterland, und starb von Freunden und Feinden umringt, die sämmtlich Thränen der Bewunderung und Rührung vergossen, am 30. April 1524. Der Leichnam, der in den Händen der Feinde geblieben war, ward von denselben ein- balsamirt, den Franzosen übergeben und in der Kirche eines Minoritenklosters unweit Grenoble beigesetzt. Sein Grabmal besteht in einem einfachen Brustbilde mit einer latein. Inschrift. S. „Uist. rbsert8" (London 1766). Isi Beaucaire, kleine, wohlgebaute Handelsst. Frankreichs mit 8000 Einw., (4° 43' Ö. L. und 43° 48' N. B.) in Niederlanguedoc, jetzt im Garddepartement, am rechten Ufer der Rhone, Tarascon gegenüber, wohin eine Schiffbrücke führt. Sie hat einen bequemen Hafen für Schiffe, welche aus dem 7 Stunden weit entfernten mittelländischen Meere stromaufwärts fahren, und ist berühmt wegen ihrer (1217 von Raimund II., Grafen von Toulouse, gestifteten) großen Messe, welche jährlich am 22. Juli eröffnet wird und 10 Tage dauert. In frühern Zeiten ward dieser Jahrmarkt von Kaufleuten und Fabrikanten aus den meisten Ländern Europas, aus der Levante und selbst aus Persien und Armenien besucht, sodaß jede Waarengattung hier zu finden war, und für die Fremden Tausende von Hütten in einem naheliegenden Thale errichtet werden mußten. Vor 1632 war die Messe von B. von allen Abgaben frei, und der Vertrieb belief sich auf mehre Mill. Thlr.; allein seit dieser Zeit wurden Abgaben auferlegt, welche, zusammengenommen mit den auswärtigen Kriegen und mit den Waarenlagern in Marseille, Lyon und andern großen Städten, die Wichtigkeit derselben sehr verringerten. Noch unbedeutender ward sie während der Revolution, und jetzt beläuft sich der Verkehr, hauptsächlich in Seide, Weinen, Öl, Mandeln, Specereien, Materialwaaren, Leder, Wolle und Baumwolle, nach einer Schätzung von 1816, auf 23 Mill. Fr. Beauharnais (Franyois, Marquis de), geb. zu la Rochelle den 12. Aug. 1756, saß in der Nationalversammlung auf der rechten Seite. Hier widersetzte er sich der Motion seines jüngern Bruders, des Vicomte Alexander, daß man dem König den Oberbefehl der Armeen nehmen solle, und allen Verbesserungen dieses Antrags mit Nachdruck und rief aus: „ll s, point ä'smendenrent aveo Ulionneur". Man nannte ihn daher le is»I Lesulmrn»i8 8»N8 amendenrent. 1792 entwarf er nebst dem Grafen d'Hervilly, dem Baron de Viomenil u. A. den Plan zu einer neuen Flucht der königl. Familie; allein die Verhaftung seines Begleiters, des Baron Ehambon, vereitelte die Unternehmung. In dem Heere des Prinzen Conde zum Generalmajor ernannt, schrieb er 1792 an den Präsidenten der Nationalversammlung, protestirte gegen das Gesetzwidrige des Verfahrens gegen den König, und erbot sich, unter den Vertheidigern desselben aufzutreten. Als Bonaparte Oberconsul geworden war, ließ er ihm durch dessen Gemahlin Josephine einen Brief zustellen, in welchem er ihn auffoderte, im Namen des Ruhms, den er allein noch erwerben könnte, den Scepter dem Hause Bourbon wiederzugeben. In der Folge vermählte die Kaiserin ihre Nichte, die Tochter des Marquis, mit dem Adjutanten des Kaisers, Lavalette (s. d.), und bewirkte die Zurückberufung des Marquis. Späterhin zum Senator und Gesandten am Hofe zu Madrid ernannt, verband er sich 1807 mit dem Prinzen von Asturien (jetzt Ferdinand VH) gegen den Friedensfürsten. Er siel deßhalb bei Napoleon in Ungnade und wurde verwiesen. Durch die Restauration kehrte er nach Paris zurück, wo er den 10. Jan. 1819 gestorben ist. Beauharnais (Alexander, Vicomte de), geb. 1760 auf der Insel Martinique, focht mit Auszeichnung unter Rochambeau im amerikanischen Freiheitskriege, zeichnete sich bei Hofe durch Talent und Liebenswürdigkeit aus, heirathete eine begüterte Landsmännin, Demoiselle Josephine Tascher de la Pagerie Beaumarchais 729 (nachmalige Kaiserin der Franzosen) und war Major beim Ausbruch der Revolution , als er zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt ward. Hier machte er im Namen des Militaircomite's mehre Antrage im philosophischen Sinne, wie z. B. für die Gleichheit der Strafen der Bürger und deren Wählbarkeit zu jeder Stelle im Staate. Bei der Abreise des Königs, am 21. Juni 1791, war er Präsident der Versammlung. Darauf ging er als Generaladjutant zur Nordarmee, wurde 1792 Obergeneral der Rheinarmee und erhielt einen Ruf als Kriegsminister, den er ausschlug. In Folge der Decrete, welche die Adeligen von der Armee ausschlössen, zog er sich nach la Ferts-Beauharnais zurück. Hier gab er, auf eine Anklage von Barlet, „Bemerkungen über die Verbannung der Adeligen" heraus; endlich ward er in das Carmelitcrgefängniß gebracht. Obgleich man ihm eigentlich Nichts zur Last legen konnte, ward er doch zum Tode verurtheilt und am 23. Juli 1794 hingerichtet. Den Tag vorher schrieb er seiner Gattin und bat sie, Sorge für die Kinder zu tragen und seinen Namen wieder zu Ehren zu bringen. Über seinen Sohn, nachmaligen Vicekonig von Italien, s. Eugen,, über seine Tochter Hortensia s. Bonaparte (Louis), und über seinen ältern Bruder, Franqois, Marquis v. Beauharnais, s. d. Beaumarchais (Pierre Augustin Earon de), geb. zu Paris 1732, Sohn eines Uhrmachers, der ihn für seine Kunst bestimmte. Seine ersten Studien verschafften ihm ausgebreitete Kenntnisse in der Mechanik. Bald aber zeigte er die entschiedenste Neigung für die schönen Künste. Anfangs übte er mit Leidenschaft die Musik, durch die er den Grund zu einem dauernden Glücke legte. Er ward bei den Töchtern Ludwigs XV. eingeführt, um ihnen Unterricht auf der Harfe und Guitarre zu geben, ward zu ihren Privatconcerten und bald zu ihrer Gesellschaft gelassen. Auch kam er mit dem reichen Financier PLris Duvcrney in Verbindung. Dadurch befestigte sich sein Credit, und so gelangte er bald durch reiche Heirathen zu einem bedeutenden Vermögen. Darauf bemühte er sich, durch literarische Erfolge seinen etwas zweideutigen Ruf zu heben. „küiAenie" erschien 1767, „Le» lleux rrncis" 1770. Das erste dieser beiden sogenannten Dramen verdient unter den zahlreichen Erzeugnissen dieser Gattung, welche die strengern franz. Kritiker als Zenre Isrino^ant gänzlich verwerfen, noch immer ausgezeichnet zu werden; durch eine Art von Interesse, wovon Diderot in seinem „köre äe tamille" das Beispiel gegeben hatte, erhält es sich noch auf dem Theater; „1,es äeux sinis" hingegen sind längst davon verschwunden. B. hatte bis dahin die Gattung noch nicht gefunden, in welcher er sein Talent in vollem Glänze zeigen konnte. Dies geschah in seinem Proceß gegen die Herren La Manche und Goözmann. Die Streitigkeiten des Ministeriums und der Gerichtshöfe theilten damals die Meinungen, oder vielmehr Alles vereinigte sich gegen das sogenannte Parlament Maupeou. Goözmann war Mitglied desselben. B. faßte auf den ersten Blick alle Vortheile dieser Lage auf. Er foderte von den Erben des PLris Duverney die Bezahlung eines eben nicht unbeträchtlichen Rechnungsrestcs. Hätte er die Thatsachen mit der gehörigen Klarheit auseinandergesetzt und für seine Rechte mit der ihn charakterisierenden eindringlichen Logik gestritten, so würde er seinen Proceß ohne Aufsehen gewonnen haben. Da er aber mit ebenso viel Gewandtheit als Muth die Leidenschaften in Anspruch nahm, verlor er ihn, allein er beschäftigte ganz Frankreich mit sich. Er schrieb nämlich seine merkwürdigen, Memoiren" (Par. 1774,4.). Zum ersten Male vielleicht fand die Bosheit in einer gerichtlichen Streitsache Ko- mödienscenen, Romanenanekdoten, die Galle der bittersten Satyre, die ganze Macht der bündigsten Logik vereinigt. Jene „ülöinoii-os" verschafften ihm einen lärmenden Ruf, der selbst den auf jede Art des Ruhms eifersüchtigen Voltaire beunruhigte und B. eine Gunst des Publicums verschaffte, die allen seinen Werken eine vortheilhafte Aufnahme vorbereitete. Der „Barbier von Sevilla", der halb 73V Beaumarchais auf das erste Memoire folgte, ist ein sehr unterhaltendes Jntriguenstück, in welchem der Berf. auf eine eigenthümliche Weise die ältesten Theaterpersonnagen, schelmische Bediente und Hintergangene Vormünder, verjüngte. Die „Hochzeit des Figaro" zeichnete sich noch mehr aus. Die Zeit hat den Tadel bestätigt in Ansehung der Unwahrscheinlichkeiten des 5. Acts, der Unsittlichkeit mehrer Situationen und des Cynismus des Styls, der von satyrischen Spaßen und ausgelassenen Wortspielen durchgängig entstellt ist; aber die Zeit hat auch die Wirkung des 2. Acts bestätigt, der voll dramatischer Verwickelungen ist, weßhalb das Werk nie aufgehört hat die Menge anzuziehen. Darauf aber beschränkt sich B.'s Verdienst in jeder Art. Kurz vor der Revolution ward er in den Proceß des Banquiers Kornmann verwickelt und fand in Bergasse einen Gegner, dessen männliche und strenge Beredtsamkeit weit über das halb ernst-, halb scherzhafte Talent erhaben war, welches die Goi-zmann, die Marin, die Arnaud u. s. w. zu Boden geschlagen hatte. B. verlor um diese Zeit einen Theil des öffentlichen Wohlwollens, und seine Oper „Tarare" (1787) verschaffte es ihm nicht wieder. 1792 brachte er „H niere eoupable" auf die Bühne, das werthloseste von allen seinen Werken. Seine Absicht war, den furchtbaren Gegner, den er in dem Kornmann'schen Processe gefunden hatte, unter dem Namen Vergaste dem öffentlichen Abscheu preiszugeben, und er verschmähte zu diesem Zwecke die schändlichsten Verleumdungen nicht. B. fand nur noch ein Mal sein wahres Talent wieder in dem Memoire: „Ues six epogus8". Er erzählt darin die Gefahren, denen er ausgesetzt war und ausgesetzt sein mußte in einer Revolution, wo ein berühmter Name, Talent, Reichthum, hinreichende Gründe zur Verbannung waren. Damals besaß er, schon über 60 I. alt, noch die ganze Kraft seiner Jugend; Nichts als die Heiterkeit hatte er verloren. Der Nordamerikanische Krieg, während welchem er den Amerikanern Schiffe mit Kriegsbedürfnissen zuführte, hatte seine Glücksnmstände erhöht, von denen er stets einen edeln Gebrauch machte; der Revolutionskrieg aber stürzte das Gebäude seiner Industrie um. Er hatte schon bei der berühmten Ausg. der Vol- taire'schen Werke, deren sehr unvollkommene Ausführung keineswegs dem ungeheuern Kostenaufwande entspricht, fast eine Mill. verloren. Noch mehr verlor er Ende 1792 durch das Unternehmen, 60,000 Flinten nach Frankreich zu schaffen, deren die Heere bedurften. Nach der Rückkehr in seine Heimath sah er noch nichts- würdigere und nicht minder grausame Tyrannen denjenigen folgen, die man vertrieben hatte. Mißvergnügt mit der Gegenwart, ohne Hoffnung für die Zukunft, müde mit der Revolution und seinen Gläubigern über die Trümmer seines Vermögens zu streiten, starb er 69 I. alt, ohne Krankheit, im Mai 1799. 1802 ist seine Lebensbeschreibung, und 1809 eine Ausg. seiner Werke in 7 Bdn. erschienen. B. besaß eine feurige Einbildungskraft, die sich immer mit voller Energie ihres Gegenstandes bemächtigt, dabei aber so eindringenden Verstand, so treffende Beurtheilungskraft, soviel übersehende Klugheit, daß er seiner Einbildungskraft stets Herr bleibt. Neben diesen Eigenschaften wohnte in ihm ein so vollkommener Geschäftsgeist, daß das Verwickeltste ihn nur wie ein Spiel beschäftigte, und eine Thätigkeit, die Alles aufbot, um den vorgesetzten Zweck zu erreichen. Gab ihm sein Verstand die Mittel an die Hand, so sicherten ihm sein Muth und seine Kraft den Erfolg, zumal da seiner Überredungskraft nicht leicht Jemand widerstand, seine Gleichheit der Laune ihn vor Verzagtheit bewahrte, beständige Gegenwart des Geistes ihn den geltenden Augenblick ergreifen, und Festigkeit ihn beharren ließ. Lebhaft ohne Hitze, empfindsam ohne Schwäche, fröhlich ohne Unbesonnenheit, nie das Spiel seiner Leidenschaften, kalt in Gefahr, stark im Unglück, verlor er auch in der bedenklichsten Lage weder Gleichmuth noch Geistesgegenwart und konnte seine Lage stets übersehen und beherrschen; zu diesem Allen noch eine ausgebreitete Welt- und Menschenkenntniß, Witz, List und Gewandtheit. Streben nach Ver- Beaumont und Fletcher Beaune 731 mögen und Ehrgeiz waren die Haupttriebfedern, die ihn in Bewegung setzten. Sein zur Intrigue geneigter Geist trieb ihn daher zu den gewagtesten Unternehmungen, und er gefiel sich am meisten in den verwickeltsten. Dies ließ ihn auch bisweilen zweideutig erscheinen, indem die Grenzen, wo Witz und Bosheit, List und Tücke ineinanderlaufen, sehr fein, und die Abwege von dem einen zum andern oft unmerklich sind. Daß er als Dichter allein im Jntriguenstück glänzte, ist aus dem Angeführten leicht erklärlich. Beaumont (Francis) und John Fletcher, 2 Schaufpieldichter, von denen Jener 1585 geboren war, zu Cambridge studirte und 1625 starb, Dieser 1576 zu London geboren war und ebendaselbst 1635 an der Pest starb. Von gleicher Neigung beseelt, widmeten Beide sich gemeinschaftlich der Dichtkunst, und da ihre Schauspiele, gegen 50, ohne Absonderung unter ihren beiden Namen erschienen sind (Lond. 1679, und neuerdings 1812, in 14 Bdn.), so ist es jetzt unmöglich anzugeben, was von dem Einen, und was von dem Andern herrührt. Da jedoch Fletcher, der mitsanhaltendcm Eifer fortfuhr, für die Bühne zu arbeiten, Jenen um 10 Jahre überlebte, so können wir annehmen, daß vielleicht die Hälfte der Stücke von diesem allein ist. Nach dem Zeugnisse einiger Zeitgenossen war Fletcher das erfindende Genie, B. dagegen, obwol der jüngere, der ordnende und gestaltende Verstand. Shakspeare diente ihnen zum Muster; sie lassen wie er pathetische und niedrig - komische Scenen mit einander abwechseln, aber die Absicht, ihr Vorbild zu überbieten, bringt zuweilen Mißtöne hervor, wie es ihnen denn bei den ausgezeichnetsten Talenten nur an Mäßigung und Besonnenheit gefehlt zu haben scheint, um das Vollkommenste in ihrer Gattung zu leisten. Der Wunsch, dem Publicum, welches in jener Periode roher Kraft leichter Ausschweifungen als Schlaffheit vergab, zu genügen, führte sie von der reinen künstlerischen Ansicht ab; aber die genaue Kenntniß dieses Publicums und der Mittel, ihm zu gefallen, läßt sie mit Zuversicht auf dem gewagtesten Wege gehen, und dadurch ersetzen sie zum Theil, was an innerer Harmonie und Übereinstimmung ihnen abgeht. Am besten gelingen ihnen komische und possenhafte Scenen, minder die tragischen, die nicht genug dieTiefen der menschlichen Natur ansprechen. Ihre Zeitgenossen zogen sie selbst dem Shakspeare vor, mit der Behauptung, daß durch sie erst die engl. Bühne den höchsten Gipfel erreicht habe. Die unparteiische, nicht mehr vom Rausche des Augenblicks ergriffene Nachwelt hat dieses Urtheil verworfen und Shakspeare die Palme zuerkannt. Man erzähltvon ihnen, daß sie Schenken und Wirthshäuser gern besuchten, um dort die menschlichen Charaktere zu studiren, und daß sie einstmals, als sie an einem solchen Ort über den Schluß eines Stücks gestritten, wobei der Eine auf der Ermordung des Königs, der Andre auf dem Gegentheile bestand, Beide verhaftet worden seien, weil man sie für Leute angesehen, die das Leben des Königs bedrohten. Das aufunsere Bühne mit Beifall gebrachte Lustspiel „Stille Wasser sind tief", ist eine freie Bearbeitung ihres „knie a vike and bave a vife". K. L. Kannegießer hat eine Auswahl ihrer Schauspiele in einer deutschen Übersetzung geliefert. Beaumont (Madame Le Prince de), geb. zu Rouen 1711 und gest. zu Annecp in Savoyen1780, lebte theils in Frankreich, theils in England, wo sie ihre Talente dem Unterrichte der Jugend widmete. Ein einfacher und leichter Styl, eine gefällige Moral, gut gewählte historische Züge, eine glückliche Einbildungskraft machen ihre Schriften angenehm, wiewol Manches darin zu weit ausgespon- nen ist, auch die theologischen Ansichten keinen Werth mehr haben. Sie hat viel geschrieben, Romane und Kindcrschristen. Ihr „NaZarin des entans" war sonst das Hülssbuch aller Gouvernanten und franz. Pensionen. Beaune, offene Stadt im ehemal. Burgund, mit einem Schlosse, jetzt der Hauptort eines Bezirks von 9 Cantons im Deport, der Cüte d'or, liegt in einer angenehmen Gegend unweit der Saone, am rechten Ufer des Bourgeoise. Der Handel 732 Bebung Beccaria (Cesare Bonesana, Marchese de) mit Burgunder- und Champagnerweinen beschäftigt einen großen Theil der 11,000 E. Ein vom Kanzler Rollin gestiftetes schönes Hospital ist bemerkenswerth. Bebung, in der Musik das abwechselnd stärkere u. schwächere Angeben eines ununterbrochen ausgehaltenen Tons, welches durch menschliche Stimme, sowie auf Geigen- u. Blasinstrumentcn möglich ist u. im Gesang den Ausdruck sehr unterstützen kann. Andre verstehen unter Bebung auch das Tremoliren, die zitternde Bewegung mehrer Töne. Jenes wird durch Punkte über den Noten bezeichnet. Beccaria (Giovanni Battista), geb. 1716 zu Mondovi, ging 1732 nach Rom, wo er studirte und dann Grammatik und Rhetorik lehrte; zu gleicher Zeit widmete er seinen Fleiß mit Erfolg der Mathematik. Er ward hierauf öffentlicher Lehrer der Philosophie zu Palermo, dann zu Rom. Der König von Sardinien, Karl Emanuel, berief ihn 1754 als Professor der Physik an die Universität von Turin. Zu eben der Zeit war die Elektricität durch Franklin's und Andrer Versuche ein Gegenstand des allgemeinen Interesse geworden. Er schrieb daher: „Volt' elettrieisino nnturslo oä artiliriale (Turin, 4.). Die Versuche, die dieses Werk über die atmosphärische Elektricität enthält, sind so mannigfaltig, daß Priestley in seiner „Geschichte der Elektricität" behauptet, B.'s Arbeit übertreffe weit alle andre, die vor und nach ihm über diesen Gegenstand unternommen worden seien. Die Akademien in London und Bologna nahmen ihn zu ihrem Mitgliede auf. Er schrieb noch Manches von Werth über diesen Gegenstand. Das Wichtigste: „voll' elettrioiskno »itlürlalo" (1772), enthält Alles, was man bis dahin von der Elektricität wußte. Franklin, der B.'s Arbeiten sehr schätzte, veranstaltete davon eine engl. Übers. 1759 bekam B. vom Könige den Auftrag, einen Grad des Meridians in Piemont zu messen. Er begann die Messung 1760, gemeinschaftlich mit dem Abt Canonica, und machte das Resultat derselben 1774 bekannt. Veranlaßt durch die Zweifel Cassini's gegen die Genauigkeit seiner Messung, schrieb er seine „Vettere «l'un Italiano all un UariFino", und zeigte darin, welchen Einfluß man der Nähe der Alpen auf die Abweichung des Pendels einräumen müsse. Da sein Geist sich unablässig mit seiner Wissenschaft beschäftigte, ließ er sich oft kleine Verletzungen des Wohlstandes zu Schulden kommen, wodurch aber keineswegs die eiligem. Achtung vermindert ward, in der er stand. Er starb den 27. April 1781. Beccaria (Cesare Bonesana, Marchese de), geb. zu Mailand 1735, ward früh durch die „vettres persannes" von Montesquieu zur Entwickelung seines philosophischen Talents angeregt und nachher durch seine, von edlem Feuer für die Menschheit erfüllte merkwürdige Schrift: „vei «lelitti e obere oder große, das andre das untere oder kleine genannt wird. In wohlgebauten Personen von mitteler Größe betragt der Durchmesser des großen Beckens oder die Entfernung der einen Spitze des Hüftknochens von der andern beim männlichen Geschlecht 9, beim weiblichen 11 Zoll. Daß das Becken bei den Menschen wegen ihres gerade aufgerichteten Körpers eine andre Richtung haben müsse als bei Thieren, läßt sich von selbst schließen. In dem Becken liegen ein Theil der dünnen Gedärme, der Mastdarm, die Urinblafe, die innern Zeugungswerkzeuge, die großen Nerven - und Blutgefäße der untem Gliedmaßen und viele Saugadern mit ihren Drüsen. Becker oder Bekker (Balthasar), ein aufgeklärter Theolog, geb. den 20. März 1634 zu Metselawier in Westfriesland, wo sein Vater Prediger war, studirte in Gröningen und Franccker, ward dann Prediger in Osterlittens und schrieb einige kleine Schriften, zog sich aber durch die darin geäußerten Meinungen über einige Glaubenslehren Verfolgungen zu. Man beschuldigte ihn des Socinianismus und Cartesianismus. Er verließ daher seinen Wohnort, ward Pfarrer in Locn und Weesp, dann Feldprediger. 1679 ließ er sich in Amsterdam nieder und erweckte bald durch neue Schriften den Haß seiner Amtsbrüder; denn er schrieb eine Untersuchung über die Kometen, in der er bewies, daß sie weder Vorbedeutungen noch Vorläufer von Unglücksfällen wären, und ein Buch: „ve betoveiäe >Veere^1" („Die bezaubcrte Welt") (Amsterdam 1691 — 93; deutsch, Lpz. 1781 — 82, 3 Bde.), in dem er die abergläubischen Meinungen über die Macht böser Geister, ihren Einfluß auf die Menschen, über Hexen u. a.m. angreift. Diese Schrift setzte alle Federn in Bewegung. Er trug selbst darauf an, daß man sie vor der Synode untersuchen möchte, und schrieb eine Rechtfertigung derselben; aber die Synode verwarf die Meinungen dieses Werks und entsetzte ihn seines Predigtamts. Er starb 1698. Becker (Wilhelm Gottlieb), geb. den 4. Nov. 1753 zu Oberkallenberg im Schönburgischen, gest. den 3. Juni 1813 zu Dresden als k. sächs. Hofrath und Antikeninspector, hat sich als angenehmer Erzähler und Kunstkenner bekanntgemacht. Er studirte von 1773—76 in Leipzig. Seine „Briefe an Elise" und die „Episteln an Gärtner" wurden gern gelesen. Früchte seiner Kunststudicn waren eine Schrift vom Costum an Denkmälern und die Übersetzung von Bardon's Schrift über das Costum. 1776 ging B. als Lehrer an dem Philanthropin nach Dessau, und im nächsten Jahre nach Basel. Hier, in Mecheln's Umgang, bildete sich sein Geschmack an Kupferstichen und seine Kenntniß alter Meister. Er bereiste dann die Schweiz, einen Theil von Frankreich und Oberitalien. Die auf dieser Reise gemachte Bekanntschaft Girardin's veranlaßte ihn, dessen Schrift über die Verschönerung ländlicher Wohnungen zu übersetzen. Auch bekam er von diesem das Bruchstück aus Rousseau's noch geheim gehaltenen Bekenntnissen über den Banddiebstahl, durch dessen Mittheilung er Wieland so heftig erzümte, daß er sich in einem eignen Schreiben deßhalb rechtfertigen mußte. Des großen Meisters Hans Holbein Malereien und satyrische Einfälle hatten B. in Basel vielfach beschäftigt. Eine Folge davon war eine neue Ausg. von Erasmus's „Lob der Narrheit", sowol im Original als in einer Übersetzung, mit den Holbein'schen Federzeichnungen dazu, aufs neue in Kupfer gest. B. erhielt 1782 die Stelle eines 737 Becker (Rudolf Zacharias) Professors der Moral und Geschichte bei der Ritterakademie in Dresden, welcher er bis 1795 vorstand, worauf er die durch Wacker's Tod erledigte Aufsicht über die Antikengalerie und das Münzcabinet unter dem Titel eines Jnspectvrs erhielt, die er bis zu seinem Tode verwaltete und seit 1805 mit der Aufsicht über das grüne Gewölbe verband. Mäßige Amtsgeschäftc erlaubten ihm mannigfaltige schriftstellerische Unternehmungen. Diese wurden nur ein Mal, 1784, durch eine Reise nach Italien unterbrochen. In der schönen Literatur haben wir von ihm eine Reihe unmuthig vorgetragener Gedichte und Erzählungen. Auch erwarb er sich ein Verdienst um die Lesewelt durch die Herausgabe seines „Taschenbuchs zum geselligen Vergnügen" (seit 1794 —1815), durch eine Sammlung Erzählungen, unter dem Titel: „Erholungen". Auch verdienen sein „Taschenbuch für Gartenfreunde", 1795 —1800, seine „Garten- und Landschaftsgebäude" in drei Lief., seine Beschreibungen des seifersdorfer Thals und des plauischen Grundes bei Dresden, mit Hinsicht auf Naturgeschichte und schöne Gartenkunst, rühmliche Erwähnung. In einer besondern Schrift zeigte B., wie das plauensche Thal durch Hinzutritt der Kunst in einen großen Naturgarten umgeschaffen werden könne. Noch mehr Beifall erhielt sein prachtvoll ausgestattetes „Augusteum" (13 Hefte seit 1804), das Dresdens antike Denkmäler auf 154 Kupfert. nebst einem erläuternden Texte enthält. Auch die Schätze des dresdner Münzcabinets gedachte B. in einem eignen Werke bekanntzumachen, und gab vorläufig „Zweihundert seltene Münzen des Mittelalters in genauen Abbildungen mit historischen Erläuterungen" heraus (4.), welches Werk in Ansehung der Genauigkeit der Münzabbildungen Alles übertraf, was bis dahin in dieser Art erschienen war. S. „Becker's Leben" von Hasse, in (Kind's) „Taschenbuch zum geselligen Vergnügen" (1815). Becker (Rudolf Zacharias), Hofcath, geb. zu Erfurt gegen 1757, wurde nach geendigten Universitätsjahren Hofmeister im Hause des dortigen Präsidenten v. Dacheröden, 1782 Lehrer am Erziehungsinstitut zu Dessau, undließ sich 1783 in Gotha nieder. Er bildete sich durch ein rastloses Streben nach nützlicher Zweckmäßigkeit zu einem weltbürgerlichen Volksschriftsteller; in dieser Hinsicht steht er - sowol durch seine vielfältigen schriftstellerischen Unternehmungen, als auch wegen des wahrhaften Nutzens, den er nicht allein unter dem Volke, sondern auch unter den höhern Classen gestiftet haben dürste, vielleicht vor allen deutschen Schriftstellern als der Einzige da. Mehr als 30 I. lang war er als Schriftsteller bemüht, Grundsätze echter Lebensweisheit unter-den untern Volksclassen zu verbreiten. Unter seinen schriftstellerischen Unternehmungen zu diesem Zwecke steht das „Nothund Hülfsbüchlein" (1. Thl. 1787, 2. Thl. 1798), in Vereinigung mit dem „Mildheimischen Liederbuche" oben an, von welchem erstem, nach B.'s eigner Angabe, binnen 25 I. eine Mill. Exemplare gedruckt und nachgedruckt worden sind. Dieser beispiellose Absatz bürgt für die Zweckmäßigkeit des Werks, also für die richtige Ansicht seines thätigen, um das allgemeine Wohl rastlos bemühten Verfassers. B. stellt darin das Beispiel einer zweckmäßig geleiteten Selbstbildung einer vorher verwilderten Dorfgemeinde auf. Nicht minder verdienstlich ist sein „Allgemeiner Reichsanzeiger", der 1791 begann, 1806 wegen der veränderten Lage Deutschlands den Titel: „Allgemeiner Anzeiger der Deutschen" erhielt und jetzt noch fortgesetzt wird. Auch die „Nationalzeitung der Deutschen", welche der 1796 begonnenen „Zeitung für die Jugend" von 1800 an folgte, bewährte die lobenswürdige Absicht und den rastlosen Eifer, mit welchem B. für bürgerliches Wohl und vernünftige Aufklärung noch im Alter zu handeln strebte. Ein unbekannter Anlaß, wahrscheinlich irgend ein freimüthiges Wort im „Allgemeinen Anzeiger", machte B. der franz. Regierung verdächtig und war Ursache, daß er gewaltsamer Weise den 30. Nov. 1811 von Gotha nach Conv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. I. st 47 738 Becker (Christian Gottfried) Magdeburg gebracht ward, wo er eine ziemlich lange Muße zur gänzlichen Umarbeitung seines „Noth- und Hülfsbüchleins" verwandte; erst im Mai 1813 ward er, auf Verwendung des Herzogs von Gotha bei Napoleon, seiner Familie wiedergegeben. Jene Umarbeitung des „Noth - und Hülfsbüchleins" und des „Mildheimischen Liederbuchs" ist seitdem erschienen. Er starb 1822. Die von ihm gegründete Buchhandlung gab 1825 eine neu verb. Originalausg. des „Nothund Hülfsbüchleins" heraus. Becker (Christian Gottfried), ein selbst erfindender oder doch das vom Auslande Eingebrachte nach eigner Ansicht gestaltender Fabricant, Menschenfreund und Wohlthäter seiner Mitbürger, geb. im oberlausitzer Dorfe Obeclich- tenau am 2. Sept. 1772, erhielt von seinem Vater, der dort Prediger war, den ersten Unterricht. Mit seinen Ältern in das gewcrbfleißige Städtchen Mitweida verpflanzt, bekam er Lust zu Fabrik- und Handelsgeschäften, erlernte die Kaufmannschaft in Dresden und wurde Handlungsdiener in Chemnitz um 1792. Dort erblühcte eben durch Einführung der englischen Handspinn- und Krempelmaschinen ein regerer Kunstfleiß. Mit Schraps vereint, gründete er sein eignes Geschäft 1797, zunächst für die damals noch sehr betriebene Fabrication halbseidener bunter Schweizerwaaren, worin B. bald mit den Elberfeldern und Schweizern wetteiferte. Da der das südwestliche Deutschland hart bedrückende französische Krieg dem nördlichen Deutschland für Gewerbe und Fabrik damals noch sehr günstig war, so entstand in Chemnitz der lebendigste Wetteifer für neue Gewerbzweige. Niemand verstand den Zeitgeist und Das, was im Kunstfleiß dadurch begünstigt wurde, besser als B. Seit 1802 wandte sich sein Unternehmungsgeist ganz auf die Verschönerung und Vervielfältigung des Zitz- und Cattundrucks. Wetteifer mit der schweizer und schottischen Druckfabrication, feinere Waaren, Merinodruck, machten B.'s Firma bald zu einer der besuchtesten in der leipziger Messe. Die Continentalsperre vermehrte den Absatz seiner Waaren in dem Norden so sehr, daß er nun die größten Fabrikgebäude begründen und der Vater eines eignen, zuletzt aus einigen tausend Köpfen bestehenden kleinen Fabrikstaats werden konnte, dessen Kinder er durch besonders besoldete Schulmeister in eignen Schulstuben unterrichten ließ. Dabei gab er ihnen eigne Spielplätze. So wurde eine ganz im Geiste großer englischer und schottischer Fabrikherren geordnete Familie im weitesten Sinne gestiftet, die er in Zeiten der Thcurung nährte, durch Musik veredelte, durch mancherlei Auszeichnung ermunterte und durch Erweckung eines sich selbst ehrenden Gemeingeistes in den Besscr- gesinnten über sich selbst erhob. Chemnitz, sowie die Umgegend, gewann ebenfalls dadurch bedeutend an Wohlstand. Das erste Druckgebäude entstand 1804, mehre andre ansehnlichere folgten. Um ganz ungestört seine Plane ausführen und die selbst nicht ohne Eigensinn und mit oft leidenschaftlich ausbrechender Heftigkeit so und nicht anders beliebten Wege der Wohlthätigkeit ohne alle Familieneinsprüche verfolgen zu können, hatte B. nie geheirathet. Aber die Armuth und das im Mangel darbende Talent war Tag und Nacht seinem Geiste nahe. Er konnte hart, scharf sein gegen die ihn zur Unzeit Andrängenden; er kränkte durch Mißtrauen vielleicht auch wol zuweilen Den, der es nicht verdiente. Aber welcher Hülfsbedürftigkeit er ein Mal sein Herz öffnete, der war reichlich und rasch geholfen. Die in seiner Fabrik angestellten Kinder ermunterte, die vom Alter gebeugten oder von Krankheiten gelähmten Arbeiter unterstützte er auf die kräftigste Weise. Zwanzig erhielten seit dem Theurungsjahre 1817 täglich Speisung aus seiner Küche. Sechs älternloscn Waisen, die er nach den Kriegs - und Seu- chenverhecrungen Sachsens 1814 selbst aus Naumburg abholte, wurde er im eigentlichsten Sinne Vater. Sie gingen in dem endlosen Trauerzuge, als am 26. Ort. 1820 seine Hülle zur Erde bestattet wurde, zunächst vor seinem Sarge. 739 Becket Eine besondere Vorliebe hatte er für junge Studirende. Mehre Schüler des chcmnitzer Lyceums bildeten fast täglich seine Tischgenossen und seinen Familien- cirkel. Gingen sie auf die Universität, so erhielten sie ganz im Stillen Stipendien von ihm. Für einige hatte er auch nach seinem Tode gesorgt. Der glänzendste Zeitpunkt für seine gemeinnützige Thätigkeit trat in den Theumngsjahren 1816 und 1817 ein. Da brachte er, rathend, ermunternd, überall selbst mit runden Summen voranschreitend, den Verein zum Kornankauf im Auslande für den erzgebirgischen Kreis nicht nur zu Stande, sondern auch zur wohlthätigsten Wirksamkeit. Er reiste selbst nach Polen und zu den ostseeischen Kornspeichern, Gesundheit und Leben in ungünstiger Witterung hintansetzend, und als nun dem Zurückgekehrten Korn, Gerste, Erbsen zum Verbacken nachfolgte, da stiftete er, allen Bäckern zum Trotz, eine vom Staate genehmigte Backanstalt, die Manchen vom Hungertods rettete. Vom Monat Febr. bis Oct. 1817 wurden täglich 70 Kinder gespeist, die schon vom Hunger entkräftet waren, und in seinem eignen Hause an 200 Arme. Auch sein Testament enthält große Vermächtnisse. Musik gehörte unter seine schönsten Genüsse. Seine Druckerlehrlinge führten Concerte auf, wozu er selbst die Instrumente anschaffte. B. hatte Alles sich selbst zu danken. Lecture, Nachdenken, Reisen, belehrender Umgang vollendeten seine Bildung. Sein stets beschäftigter Erfindungstrieb brachte die gesuchtesten Muster in seine Waaren, die zierlichste Verbesserung in seinen, stets durch Neuigkeit und Güte sich empfehlenden Waarenartikeln hervor. Aber er dachte von sich selbst sehr bescheiden, haßte alle äußere Ostentation, selbst in seiner Kleidung und Wohnung , und fragte vor Allem nach Charakterfestigkeit. Becket (Thomas), berühmt unter d. N. Thomas von Canterbury, geb. zu London 1119, studirte zu Oxford, Paris und Bologna, worauf ihn der König Heinrich II., auf Empfehlung Theobalds, Erzbischofs von Canterbury, zum Großkanzler und zum Lehrer seines Sohnes ernannte. Auf diesem Posten war B. ebenso sehr bemüht, sich bei dem Volke durch seine Freigebigkeit, als durch unbegrenzte Ergebenheit beim Könige beliebt zumachen, sodaß der Letztere, als 1162 das Erzbisthum von Canterbury erledigt wurde, allen seinen Einfluß anwandte, die Wahl zu dieser hohen Würde, mit welcher der Titel und die Rechte eines Primas von England verbunden waren, auf B. zu lenken, der aber kaum das Erzbisthum erlangt hatte, als er sich von einer, dem König höchst unerwarteten Seite zeigte. Von dem höchsten Wohlleben ging er plötzlich zu der Strenge des andächtigsten Geistlichen über und trat zugleich als eifrigster Vertheidiger der kirchlichen Vorrechte gegen den König auf. Dieser berief zur Beschränkung derselben eine allgemeine Versammlung des Adels und der Geistlichkeit nach Clarendon, wo mehre dem Willen des Königs gemäße Bestimmungen gemacht wurden, denen sich B., aus Unvermögen, sich zu widersetzen, anfänglich unterwarf. Als aber der Papst ihnen seine Genehmigung versagte, trat B-, ungeachtet seines geleisteten Eides, laut dagegen auf; Heinrich, um sich an dem Meineidigen zu rächen, ließ ihn verurtheilen, feine Güter einziehen, die Einkünfte des Erzbisthums mit Beschlag belegen, und nöthigte ihn, in Frankreich Sicherheit zu suchen. Dessenungeachtet blieb B. unbeugsam, und Heinrich, dem daran lag, sich mit ihm auszusöhnen , ließ sich nicht nur zu einer persönlichen Zusammenkunft mit ihm auf der Grenze der Normandie herab, sondern demüthigte sich so sehr, dem stolzen Prälaten beim Auf- und Absteigen den Zügel seines Pferdes zu halten. B. kehrte zwar nach England zurück, zeigte sich aber ebenso unabhängig von der königl. Gewalt als zuvor. Eine Äußerung des Unwillens, die der König einst vor seinem Hofe darüber fallen ließ, bestimmte vier Edelleute, sich eidlich unter einander zur Rache zu verbinden. Sie begaben sich nach Canterbury, und ermordeten dort B., der sich zur Abendmesse in die Kirche begeben hatte, am Fuße des Altars. Dies ge- 47 * 740 Beckmann Beda schah 1170. Nur mit vielen Opfern gelang es dem Könige, den furchtbaren Bannstrahl, der für diesen Frevel England drohte, abzuwenden; B. aber ward zweiJ. darauf, als ein Märtyrer des Glaubens, unter die Heiligen vom ersten Range versetzt. 1221 ließ Heinrich III. feine Gebeine in eine eigne Eapelle bringen, wohin Gläubige in großer Anzahl wallfahrteten und fromme Gaben brachten. Jährlich ward ein großes Fest, und alle fünfzig Jahre ein Jubiläum gefeiert. Dies dauerte bis aufHeinrich VIII., der nach seiner Trennung von der römischen Kirche nicht dulden konnte, daß man einem Bischöfe solche Ehre erwies, der der königl. Gewalt entgegengearbeitet hatte. Er bemächtigte sich des reichen, in B.'s Eapelle aufgehäuften Schatzes, ließ den Heiligen vor seinen Gerichtshof laden, und da er ausblieb, als Verräther verurthcilen. Sein Name ward aus dem Ealender gestrichen, die Feier seines Festes untersagt, seine Gebeine wurden verbrannt und in die Winde gestreut. B e ckman n (Johann), fast 45 I. lang Professor der Philosophie und Lehrer der Ökonomie, Technologie, Kameral-und Polizeiwiffenschnft, Mineralogie u. s. w. in Göttingen, wurde zu Hoya 1739 geb., wo sein Vater, Steuereinnehmer und Postmeister, sich nebenbei mit der Bearbeitung eines kleinen Grundstücks beschäftigte. Dies scheint dem Sohne Liebe für die Feldwirthfchaft eingeflößt zu haben. Er verlor seinen Vater frühzeitig. Seine Mutter schickte ihn auf die Schule in Stade und übergab ihn der Leitung des Rectors Gehlen. Er wurde zum Prediger bestimmt, änderte aber in Göttingen 1759, vielleicht auf Holl- mann's Rath, oder durch den Unterricht der Mathematiker Kästner und Mayer veranlaßt, seinen Entschluß und wendete sein Studium auf Naturwissenschaft und deren nützliche Anwendung für den bürgerlichen und Staatshaushalt. 1763 nahm er, auf den Antrag des Geographen Büsching, die Stelle eines Professors der Physik und Naturgeschichte am lutherischen Gymnasium zu Petersburg an. Als aber Büsching Petersburg verließ, legte auch B. seine Stelle nieder und machte eine Reise nach Schweden, um sich eine genaue Kenntniß der dortigen Bergwerke und ihrer Bearbeitung zu verschaffen. In Upsala benutzte er längere Zeit Linne's Umgang und Unterricht. Auf Büsching's Empfehlung ward er 1766 zum Professor in Göttingen ernannt, wo er mehre Werke über Natucwissenschaft und Landwirthschaft herausgab und letztere zuerst in eine wissenschaftliche Form brachte. Sein Ruf zog viele Studirende nach Göttingen. Er starb den 4. Febr. 1811, als Mitglied fast aller gelehrten Gesellschaften Deutschlands und der nordischen Reiche. Man hat von ihm eine Zahl von Lehrbüchern über die verschiedenen Wissenschaften, die er vortrug, unter dem Titel von Grundrissen, Anleitungen u. dgl. Von seinen übrigen Schriften nennen wir die „Geschichte der Erfindungen" (Lcipz. 1780 —1805, 5 Bde.). Beda, mit dem Beinamen Venersbili«, der Ehrwürdige, ein angelsächsischer Mönch und Schriftsteller, geb. 672 zu Girvy im Bisthum Durham, ging schon im 7. I. ins St.-Petcrsklostcr zu Weremouth. Hier ward er erzogen und studirte, ward Diakonus, Presbyter und starb 735, ohne es je verlassen zu haben. Er hatte Alles gelesen und gelernt, was man zu seiner Zeit in lat. Schriftstellern lesen und lernen konnte. Unter seinen Schriften, die alle lateinisch sind und sich über Grammatik, Rhetorik, Mathematik, Physik, Chronologie, Geschichte, , Bibelerklärung u. s. w. verbreiten, ist die wichtigste eine englische Kirchengeschichte von Cäsar's Landung bis zum Könige von Northumberland Ceolulf, 731 n. Chr. Sein „Chroniken" (Jahrbuch der Weltgeschichte) ist merkwürdig, weil B. darin zuerst die ^era 0biist!»n<>. (Jahre von Chr. Geb. an) nach der Bestimmung des römischen Abtes Dionysius Eriguus zum Grunde legte, und diese /Vera dadurch im Occident eingeführt ward. B. verdankte man auch die Beschreibung des verlorenen Dionysianischen Cyklus. Aus seinem Grundrisse der Dialektik haben Alcuin Bcddoes Bedingung 741 und Spätere geschöpft. Seine Werke erschienen sämmtlich zuerst Paris 1521, 3Bde. ,Fol., nachher besonders Basel 1583, 8 Bde., Fol. Beddoes (Thomas), Arzt und Schriftsteller, geb. 1754 zu Schifnal in Shropshire, starb 1808. Von seinem Großvater erzogen, machte er schon auf der Schule glänzende Fortschritte in den classischen Studien; auch auf der Universität Oxford zeichnete er sich nicht allein durch gründliche Kenntniß der alten Literatur, sondern auch durch eine seltene Bekanntschaft mit den neuern Sprachen aus. Die großen Entdeckungen in der Naturlehre, der Chemie und Physiologie zogen ihn unwiderstehlich an. Er setzte seine Studien in London und Edinburg mit Beifall fort. In seinem 26. I. promovirte er zu Oxford, besuchte darauf Paris, um Lavoisier's Unterricht zu benutzen, und ward, nach seiner Rückkehr, zum Professor der Chemie in Oxford ernannt. Hier gab er treffliche chemische Abhandlungen und Beobachtungen über den Skorbut, den Blasenstein u. s. w. heraus. Bald aber fesselte ihn die glänzende Außenseite der franz. Revolution dergestalt , daß er, um seinen Sinn für Freiheit durch Nichts beschränkt zu sehen, seine Stelle niederlegte und sich aufs Land zu einem seiner Freunde, Reynolds, begab. Hier arbeitete er seine Bemerkungen über das Wesen der Mathematik aus, worin er zu beweisen sucht, daß diese Wissenschaft auf der Evidenz der Sinne, und die Geometrie auf Experimenten beruht. Dann erschien seine „Geschichte des Jsaak Jenkins", die darauf berechnet war, der arbeitenden Classe Lebensregeln und Sittenlchren in anziehendem Gewände mitzutheilen. Von dieser trefflichen Volksschrift wurden in kurzer Zeit über 40,000 Exemplare verkauft. Nachdem er 1794 sich verheirathet hatte, machte er den Plan einer Anstalt, durch künstliche Luftarten mehre Krankheiten, besonders die Schwindsucht, zu heilen. Durch des bekannten Wedgwood Unterstützung gelang es ihm, diese Anstalt 1798 eröffnen zu können. Er nahm als Aufseher des Ganzen einen jungen Mann, Humphry Davy, an, dessen nachmaliger Ruhm hier gegründet ward. Indeß zeigte sich, daß der Hauptzweck der Anstalt nicht erreicht werden konnte, und B.'s Eifer erkaltete endlich so sehr, daß er ein Jahr vor seinem Tode sich gänzlich zurückzog, nachdem er eine Menge gründlicher Schriften über die Anwendung künstlicher Luftarten herausgegeben hatte. In den spätern I. seines Lebens erwarb er sich den Ruf des geachtetsten medicinischen Volksschriftstellers in Großbritannien, insbesondere durch seine „Hygiea" in 3 Bdn., ein gemeinnütziges Werk, das sich auch durch eine gute Darstellung empfiehlt. Seine patriotischen Flugschriften, von 1795 — 97, sind vergessen. Bedeckter Weg, der äußerste Wallgang zwischen der äußern Grabenböschung (Contrescarpe) und dem freien Felde einer Festung. Seine Brustwehr, die Feldabdachung, Glacis, läuft allmälig nach dem Felde zu ab. Er verschafft eine sichere Gemeinschaft um die ganze Festung, erleichtert die Ausfälle und ihren Rückzug, auch die Aufnahme von Hülfstruppen, zwingt den Feind, feine Belagerungsarbeiten in einer sehr großen Entfernung anzufangen, erschwert die Annäherung des Feindes und die Errichtung der Breschbatterien, und deckt durch seine Brustwehr die hinter ihm liegenden Werke. Bedingung, im Allgemeinen jede Voraussetzung, unter der etwas Andres vorgestellt wird; so redet man von einer logischen Bedingung, d.i. die Voraussetzung , unter welcher man Etwas von einem Begriffe aussagt oder urtheilt, und von der realen Bedingung, unter welcher ein Ereignis, eine Begebenheit wirklich wird. Aus der erstem entspringen die logisch bedingten Sätze und Schlüsse. In metaphysischer Hinsicht setzt z. B. die Veränderung der Bedingungen etwas Beharrliches voraus, an dem sie erscheinen; eine Begebenheit, eine Ursache, woraus sie entsteht, und das Zugleichsein der Dinge ihre Wechselwirkung. Hier ist das Beharrliche der Grund, welcher vorausgesetzt werden muß, wenn Etwas wechselt; Ursache der Grund, woraus das Entstehen eines andern Dinges begriffen 742 Bedlam Bedürfniß wird. Die Philosophie nennt sie daher Bedingungen, oonäitione« sine quibu« non. Was keine Bedingung weiter hat, ist das Unbedingte. Die kritische Philosophie erkennt drei Arten des Unbedingten: das Unbedingte der Jnhärenz, der Dependenz und der Concurrenz, Seele, Gottheit und Welt. Unter juristischer Bedingung versteht man den Umstand, von dessen Eintritt die Entstehung oder Geltendmachung eines Rechtes abhängig ist; hierauf beruhen die bedingten Verträge, und zwar theilt man hier die Bedingungen in mögliche und unmögliche, im physischen sowol als moralischen Sinne. Jene stehen entweder in unserer Gewalt, oder hängen vom Zufall ab, oder Beides findet zugleich statt. Ferner sind sie entweder verneinend oder bejahend, und in Hinsicht ihrer Wirkung entweder aufschiebend oder aufhebend. Bedlam, s. London. Beduinen, Bedewi, d. i. Bewohner der Wüste, ein zahlreicher mohammedanischer Völkerstamm, welcher die Wüsten Arabiens, Ägyptens und des nördlichen Afrikas bewohnt. Ob sie ein durch ursprüngliche natürliche Abweichungen ausgezeichnetes und aus einem ganz verschiedenen Stamme entsprossenes Volk seien, oder ob ihre scheinbare Verschiedenheit von den übrigen Arabern sich befriedigend aus ihrer besondern Lebensweise herleiten lasse, ist zweifelhaft. Wahrscheinlich ist jedoch dieses Letztere, da ihre Sitten und Gebräuche im Wesentlichen nur wenig von der allgemeinen Form abweichen. Die Beduinen wohnen fern von Städten und andern festen Wohnplätzen in Familien unter Schachs (Scheichs), oder in zahlreichern Stämmen unter Emirn beisammen. Zelte, Hütten, Grotten, Höhlen und Ruinen sind ihre Wohnungen. Mit ihren Heerden und Lastthieren, welche ihr geringes Eigenthum tragen, ziehen sie dem frischen Wasser und der Weide nach. Alle Beduinen sind gute Reiter; viele lieben die Jagd. Gegen Pferde, die sie mit Sorgfalt erziehen, und gegen Schlachtvieh tauschen die friedlichen Stämme ihre Bedürfnisse an Waffen und Kleidern von den Grenzbewohnern der benachbarten Länder ein. Andre Stämme dagegen find so offenbare Räuber, daß eS höchst gefährlich ist, ohne hinlängliche Macht oder ohne einen Sichcr- heitspaß, wie ihn die einzelnen Oberhäupter verkaufen, die Gegenden, wo sie streifen, zu bereisen, zumal da sie nicht bloß plündern, sondern auch morden, wenngleich die Reisenden keinen Widerstand leisten. Dieses Hanges zur Grausamkeit ungeachtet, halten die Beduinen die Rechte der Gastfreundschaft für heilig, und der wehrloseste Feind ist ihres Schutzes gewiß, wenn ihm einmal die Zuflucht gestattet ward. Als Feind betrachtet der Beduine aber Jeden, der nicht sein Bruder, Bundesverwandter oder Schutzgenoffe ist. Stets auf seine Sicherheit bedacht, greift er keine Earavane, kein Lager an, ohne seiner Überlegenheit gewiß zu sein. Der Mehrzahl und dem kraftvollen Widerstände weicht er in schneller Flucht. Ringsum ein Schrecken aller Nachbarvölker, lebt der räuberische Beduine in steter Wachsamkeit, arm, unwissend, wild und roh, aber frei und auf seine Freiheit stolz. Bedürfniß ist das Verhältniß eines Menschen zu Etwas, dessen Abwesenheit oder Mangel ihm unangenehm ist; der Gegenstand, welcher diese Unannehmlichkeit hebt, heißt Bedürfnißmittel oder auch wol selbst Bedürfniß. Einige dieser Bedürfnisse hat die Natur begründet, indem sie den Menschen so geschaffen hat, daß er ohne die Befriedigung derselben entweder gar nicht existiren oder sich doch durchaus nicht wohl befinden kann; dergleichen heißen natürliche Bedürfnisse. Andre bringt der Mensch erst durch Kunst oder durch seinen Willen in sich hervor; dergleichen heißen künstliche oder willkürliche. Es gibt Bedürfnisse der Nothwendigkeit, welche auch unentbehrliche heißen, weil der Mensch, ohne sie zu befriedigen, nicht leben kann, oder sich wenigstens, wenn er sie entbehren muß, übel befindet. Bedürfnisse der Bequemlichkeit oder Behag- 743 Beelzebub Beerdigung lichkeit sind solche, von deren Befriedigung das zufriedene und ruhige Leben abhängt; Bedürfnisse des Wohllebens, deren Befriedigung das menschliche Wohlsein erhöht. Die beiden letztem werden entbehrliche genannt, weil der Mensch auch ohne sie leben kann. Der Grad der Tauglichkeit der Dinge zur Befriedigung der Bedürfnisse heißt ihr Bedürfnißwerth, und da nothwendige Bedürfnisse zu befriedigen für den Menschen wichtiger sein muß als entbehrliche, so haben die Güter der Nothwendigkeit einen großem Bedürfnißwerth als die der Bequemlichkeit, und diese einen großem als die des Wohllebens, obgleich letztere einen großem Tauschwerth haben können. (S. Werth und Tauschwerth.) Beelzebub, hebräisch der Fliegengott, ein Abgott der Moabiter oder Syrer, unter dem in der Bibel der oberste Teufel verstanden wird. Beer (Michel), von Andern MichelBerr genannt, ein jüdischer Gelehrter in Paris, geb. 1784 in Nancy, trat, der Erste seiner Religion, als Advocat auf. Seine Erfolge in dieser Laufbahn waren glänzend; allein er widmete sich bald ausschließend der Literatur, und hatte die Ehre, welche in Frankreich noch keinem Jsraeliten widerfahren war, in die gelehrten Akademien Frankreichs ausgenommen zu werden. Er wurde Mitglied der königl. Gesellschaft äs« -mtiguairek, , der philotechnischen Societät, der Akademien von Nancy, Strasburg, Nantes und Göttingen. Napoleon berief ihn 1807 zu der großen Zusammenkunft jüdischer Notabeln, welche über den zu verbessernden Zustand dieses Volks Rathschläge ertheilen sollten; und dieser Sanhedrin wählte ihn zum Secretair. Bei der Errichtung des Königreichs Westfalen wurde er wegen seiner Kenntniß beider Sprachen als Bureauchef im Ministerium des Innern angestellt. In der Folge erhielt er im stanz. Ministerium des Innern eine Anstellung; auch trug er im pariser Ebenes einen Cursus über die deutsche Literatur vor. Von seinen zahlreichen Schriften führen wir nur ein „bllvA« äs Nr. Obarlo« äs Villero" an. Beerdigung, das Begraben eines menschlichen Leichnams in die Erde. Schädlich ist die Beerdigung in Kirchen und gemauerten Grüften; zu früh ist die Beerdigung, wenn sie vorgenommen wird, ehe man durch hinlängliche Zeichen weiß, ob der Mensch wirklich und nicht bloß scheinbar todt ist, in welchem letztem Falle'er im Grabe zu einem schrecklichen Zustande wieder erwachen könnte. Dies zu verhüten, muß die Sorge einer wohleingerichteten Polizei sein. Schon die ältern Völker bestrebten sich, durch mancherlei Vorkehrungen mit den Todten von ihrem wirklichen Tode überzeugt zu werden. Die alten Ägypter ließen sie einbal- samiren, die Römer schnitten den einen Finger ab, ehe sie sie verbrannten, andre Völker ließen sie vielmals waschen und salben. Wie die Behandlung der Todten bei uns in einigen Gegenden Deutschlands ist, kann es geschehen, daß noch Leben in ihnen schlummert, wann sie begraben werden. Nie sollten daher Beerdigungen stattfinden dürfen, bis sich die gewissesten Merkmale der Faulniß eingestellt haben; wenigstens sollte man im Winter 3 und im Sommer 2 volle Tage warten. Am sichersten wäre es, eine Todtenschau einzuführen, vermöge welcher ein vom Arzt unterrichteter Mann, oder in dessen Ermangelung die gewöhnliche, hierzu besonders unterrichtete und in Pflicht genommene Leichenfrau, dazu angestellt würde, jeden Todten zu verschiedenen Malen genau zu untersuchen, sodaß keiner eher begraben werden dürfte, als bis das Zeugniß des Leichenbeschauers den wirklichen Tod des Verstorbenen bestätigte. In manchen Fällen ist das länger« Aufbewahren des Todten im Hause freilich lästig, auch wol gefährlich, z. B. bei ansteckenden Krankheiten, bei gänzlichem Mangel an Raum im Hause. Daher wäre es sehr zweckmäßig, wenn überall, wie in Weimar, Tvdtenhäuser dazu eingerichtet würden, wohin Jeder seine Todten gleich nach den ersten Stunden bringen könnte, wo im Fall obwaltender Zweifel alle Mittel zu deren Wiederbelebung anzuwenden 744 Beethoven wären, und wo die Verstorbenen bis zum Eintritt der unbezweifelten Merkmale eines wirklichen Todes liegen blieben. (Vgl. Scheintod.) U. Beethoven (Ludwig v.), der größte neuere Jnstrumentalcomponist. Er war zu Bonn geb. d. 17. Dcc. 1770 und der Sohn eines ehemaligen Tenoristen daselbst (nach einer andern in Fayolle's „Lexikon der Tonkünstler" befindlichen Angabe ein natürlicher Sohn des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen). Er wurde zur Musik bestimmt, sowie er auch zur Musik bestimmt war. Denn er setzte schon in seinem 8. I. Alle, die ihn hörten, durch sein Violinspiel, in welchem er sich fleißig in einem Dachstübchen übte, in Erstaunen. Im 11. I. spielte er Bach's„Wohltemperirtes Elavier", u. im 13. setzte er schon einige Sonaten für sich. Diese versprechenden Äußerungen eines großen Talents bewogen den damaligen Kurfürsten von Köln, ihn 1792, unter dem Eharakter seines Hoforganisten, auf seine Kosten nach Wien zu schicken, um sich dort unter Haydn's Leitung im Satze zu vervollkommnen. Unter diesem und in dessen Abwesenheit unter Albrechtsberger machte B. große Fortschritte. Auch bildete er sich hier zu einem großen Pianoforte- spieler, der durch seine freie Phantasie Alles in Erstaunen setzte. Obgleich B. seinen Gönner 1801 verloren hatte, blieb er doch in Wien, wo damals die Musik einen hohen Glanzpunkt erreicht hatte; und als er 1809 an den neuen Hof des Königs von Westfalen berufen wurde, bewogen ihn mehre östreichische Große, und unter ihnen sein Schüler in der Musik, der Erzherzog Rudolf, jetzt Bischof von Olmütz und Card., durch Zusicherung einer jährl. Rente zu bleiben. Von 1801 an hat er seine größten Werke geschrieben. Vor mehren Jahren verlor er durch eine Erkältung, welcher er sich im Feuer des Schaffens im Freien ausgesetzt hatte, die Schärfe seines Gehörs, und war zuletzt fast ganz taub. Er lebte einsam und zurückgezogen in dem Dorfe Mödlingen nahe bei Wien, und ließ nur von Zeit zu Zeit das Schlagen seiner Fittige im Schwünge seiner kühnen Phantasien hören. Am 26. März 1827 starb er zu Wien. B. eröffnete der Tonkunst ein ganz neues Gebiet in der Jnstru- mentalschildcrung. Seine reichen Tongemälde, die er in s. größten Werken, den Symphonien, aufgestellt hat, schildern mit ergreifender Macht und Tiefe das Leben eines freien Geistes in der Natur, der bald mit tiefem Ernste in ihre Stürme blickt und in harmonische Ruhe zurückkehren läßt, bald mit leichtem Humor und munterm Scherz ihren Spielen lauscht, bald mit der Inbrunst eines Geliebten sich in ihr Anschaun vertieft. In ihm vereinigte sich Haydn's Humor und Mozart's Schwermut!); im Charakteristischen zeigte er sich vornehmlich Cherubim geistesverwandt. Aber er hatte, auf dem Wege s. Vorgänger einherschreitend, kühnere Bahnen gebrochen, und die Musik scheint durch ihn das Äußerste gewagt zu haben. Bekannt ist Reichardt's originelle Vergleichung dieser Koryphäen der Tonkunst und über die Stelle, die er B. unter ihnen einräumt. „Haydn", sagt er in seinen „Briefen aus Wien", „erschuf das Quartett aus der reinen Quelle seiner lieblichen originellen Natur. An Naivetät und heiterer Laune bleibt er daher auch immer der Einzige. Mozart's kräftigere Natur und reichere Phantasie griff weiter um sich und sprach in manchem Satz das Höchste und Tiefste seines innern Wesens aus; er war selbst mehr executirender Virtuos, setzte auch mehr Werth in künstlich durchgeführte Arbeit und baute so auf Haydn's lieblich phantastisches Gartenhaus seinen Palast. B. hatte sich früh schon in diesem Palaste eingewohnt, und so blieb ihm nur, um seine eigne Natur auch in eignen Formen auszudrücken, der kühne, trotzige Thurmbau, auf den so leicht Keiner weiter Etwas setzen soll, ohne den Hals zu brechen". Außer seinen großen Symphonien und Ouvertüren, seinen Quintetts, Quartetts und Trios für Streichinstrumente, seinen zahlreichen Claviersonaten, Variationen und andern kleinen Stückchen, in welchen sich der große Reichthum seiner musikalischen Phantasie zeigt, hat er auch für den Gesang, doch minder glücklich, geschrieben. Hierher gehört seine kolossale Oper „Leonore" (in der Umarbeitung „Fideliy" Lesens Befruchtung 745 genannt), einige Missen, einOratorium („Christus am Ölbergc") und Gesänge zum Clavier, worunter die Composttion von Matthison's Ädelaide u. einige Lieder Gö- the's einzig sind. In s. neuesten großen Symphonie aus v-moll Nr. 9 hat er die Massen des Jnstrumentalorchesters mit der Macht der Singstimmcn in dem Schlußsätze zu verbinden gesucht. Dieses u s. große Misse scheinen s. letzten Werke zu sein, da hingegen viele spater erschienene aus früherer Zeit herrührten. S. die Biogr. Ludw. v. B.'s m. Urth. über s. Werke, von Joh. Al. Schlosser (Prag 1828). Lekans heißt eine bekleidete Gliederpuppe, die in Florenz und in einigen andern Städten von Italien beim Carneval, besonders am Dreikönigsvorabcnd (das Wort soll aus epiplianias verstümmelt sein), vom Volke in komischer Proces- sivn herumgetragen wird. Besestigungskunst, s. Fortification, Festung u. Schanze. Befruchtung. Jeder mit Gliedern versehene (organisirte) Körper wird von andern ihm ähnlichen erzeugt. Dies gilt vom Thier - und Pflanzenreiche. Zur Fortpflanzung seines Geschlechts erhielt jeder gegliederte Körper eigne Theile, welche man Zcugungs - und Befruchtungsweckzeuge nennt. Sie sind ebenso verschieden als bcwunderswürdig, und bezwecken, daß der befruchtende Stoff oder Samen mit dem zu befruchtenden Keime in Berührung gebracht wird. Das Geschäft, welches diese Befruchtung bewirkt, heißt Begattung. Bei den Menschen und Saugthieren geschieht nach allgemeiner Annahme die Befruchtung dadurch, daß sich ein oder mehre Bläschen, die den ersten Keim des jungen Geschöpfs enthalten, von dem weiblichen Eierstocke losreißen und durch die Muttertrompete in die Gebärmutter getrieben werden, wo die Berührung des befruchtenden Stoffes mit dem Keime vor sich geht. Wie aber aus dem befruchtenden Keime durch allma- lige Ausbildung die Frucht entstehe, ist eine der schwersten Fragen, die wol Niemand genüglich beantworten wird. Nach der Evvlutions- oder Entwickelungshy- pothefe (f. Epigenesie) liegen die Keime in der Mutter vorrathig, bis sie sich durch den befruchtenden Stoff entwickeln. Ware dies, woher bei Menschen und Thieren die Ähnlichkeit zwischen dem Erzeuger und dem Erzeugten? Warum erzeugen Neger und Weiße einen Mittelschlag? Woher die Bastarde bei Befruchtung von ungleichen Gattungen, die sowol Ähnlichkeit mit dem Vater als der Mutter haben?-— Die Vorstellung, daß die neuentstehenden organisirten Körper durch allmälige Ausbildung hervorgebracht werden, ist unserm Erkenntnißvermögen und selbst den Regeln aller philosophischen Naturforschung weit angemessener als die Lehre von der Entwickelung. Zufolge dieser Hypothese nimmt man an, daß der Zeugungsstoff der Ältern, der an sich ungeformt ist, wenn er zur rechten Zeit und unter den-erfodetlichen Umstanden an den Ort seiner Bestimmung gelangt, für eine in demselben nun zweckmäßig wirkende Lebenskraft, nämlich den Bildungstrieb, zuerst empfänglich wird, kraft dessen bei der Empfängnis die allmälige Ausbildung erfolgt. Durch die bestimmte zweckmäßige Wirksamkeit des Bildungstricbes in den bestimmten dafür empfänglichen Stoffen wird nun die ebenso bestimmte Form und Beschaffenheit aller einzelnen Gattungen von organisirten Körpern erhalten. Die Befruchtung der Gewächse, folglich ihre Erzeugung, geschieht auf eine ähnliche Art, wie bei den Thieren. Die Gewächse haben ebenfalls männliche und weibliche Geschlechtsglieder, die sich mit bloßen Augen sehen und unterscheiden lassen, doch sind bei ihnen diese Theile gewöhnlich nicht, wie bei den Thieren, bleibend, sondern verschieden nach der Befruchtung. Der Samenstaub wird in eignen hierzu bestimmten Gefäßen (den Staubbeuteln) bereitet und aufbewahrt. Sein feinster Theil dringt durch die indem weiblichen Geschlechtstheile, der Narbe, befindliche Öffnung, durch den Griffel oder Staubweg zu dem Eierstock oder Fruchtknoten, und befruchtet die darin liegenden Keime oder Eier auf einmal. Diese Befruch- , tungstheorie der Pflanzen (das Scxualsystem) haben neuerlich Schelver und / 746 Befugniß Begehrungsvermögen Henschel mit Gründen bestritten, welche, ungeachtet manche Beobachtungen dafür zu sprechen scheinen, doch starken Widerspruch gefunden haben. (S. P f l a n z e n.) B e fugniß nennen wir jede Erlaubniß, Etwas zu thun oder zu lassen, besonders die Erlaubniß zu einer Handlung und die daraus hervorgehende moralische Möglichkeit, sie zu verrichten, ja auch die Handlung selbst, deren Möglichkeit durch eine solche Erlaubniß begründet, oder welche dadurch gerechtfertigt wird. Die Erlaubniß selbst kann entweder daraus entspringen, daß durch ein Gesetz eine ge- ^ wisse Classe von Handlungen verboten wird, wodurch die übrigen (nicht verbotenen) erlaubt sind, oder die Befugniß dazu vor Andern ausdrücklich zugestanden wird, wie z. B. durch ein Privilegium, durch einen Vertrag. Ist jenes Gesetz ein Gesetz, durch welches die Vernunft überhaupt das Freiheitsgebiet der einzelnen Menschen gegen einander oder zur ganzen Gesellschaft innerlich oder äußerlich festsetzt, ein Gesetz für die vernünftige Gemeinschaft unter den Menschen in Beziehung aus ihr gegenseitiges äußeres Handeln, d. i. ein Rechtsgesetz, oder ist die ausdrücklich ertheilte Befugniß einem solchen gemäß: so hat der Handelnde einen Anspruch oder Federung an Andre, welche von ihrer Seite eine Verpflichtung, Rechtsverbindlichkeit ist, ihn in einer Verrichtung oder in der Unterlassung einer Handlung nicht zu stören; eine Federung, die, wenn sie Wirkung haben soll, auch gegen den Willen des Andern muß geltend gemacht werden können. Dieses nennen wir aber eine rechtliche Befugniß, oder ein Recht, welches mithin seinem Wesen nach ein Rechtsverhältniß voraussetzt, das erst im Staate vollkommen vorhanden ist. Nicht jede Befugniß ist daher ein Recht, weil nicht jedes Dürfen (jede Erlaubniß) auf einem Rechtsgesetz oder einer rechtlichen Thatsache beruht. Der Freund ist z. B. oft befugt, von dem Freunde, in Beziehung auf ihr gegenseitiges Verhältniß, eine Unterstützung zu verlangen, oder etwas ihn Betreffendes zu thun, was auf keiner Verabredung beruht, und ohne eine solche nimmermehr würde rechtlich, d. i. mit Zwang, gefodert werden können. Doch finden wir im gemeinen Leben die Ausdrücke: ein Recht und eine Befugniß, oft verwechselt und der Rechtsverbindlichkeit gegenübergestellt, besonders wenn von einer Handlungsweise geredet wird, welche durch ein Gesetz im Staate gerechtfertigt ist. 7. Beg, Fürst oder Herr, der Titel gewisser türkischen Beamten, deren mehre unter einem Beglerbeg stehen. Begasse (Karl), seit 1826 königl. preuß. Professor, geb. den 23. Sept. ^ 1794 zu Heinsberg bei Köln, ein ausgezeichneter deutscher Maler, erregte schon in seinem 6. I. durch sein Malertalcnt Bewunderung. Sein Vater hatte ihn jedoch gern zu seinem juristischen Stande gebildet; allein das junge Talent folgte seiner Kunst, und B. erhielt im 15. I. einen Lehrer, der aber bei seiner Mittelmäßigkeit keinen Eindruck auf ihn zu machen vermochte. Der Glanz des pariser Museums zog den 19jährigen Künstler nach Paris, wo er sich den bekannten Gros zum Lehrer wählte. Als preuß. Unterthan ward er 1814 seinem Könige in Paris vorgestellt, der das erste kleine Bild von B. kaufte, ihn zu seinem Pensionnair ernannte und ihm ein größeres Bild für den Altar zu malen befahl. B. wählte Christus am Ülbecge, und in Paris wie in Berlin, wo dies Gemälde die Garnisonkirche ziert, bewunderte man den Glanz der Farben und die Correctheit der Zeichnung. Einen eigentlichen Namen machte sich B. zuerst mit seinem zweiten (11 Fuß hohen) Altarbilde, die Abnahme vom Kreuze, das er auf Befehl seines Königs in Paris malte, von wo er es, nach einem 7jährigen Aufenthalte daselbst, nach Berlin überbrachte, wo dieses treffliche Bild der ncudeutschen Malerschule im Dome aufgestellt ist. 1821 ging B. mit königl. Unterstützung nach Italien; seit 1826 lebt er wieder in Berlin. Begehrungsvermögen nennt die Erfahrungsseelenlehre gewöhnlich ein Hauptvermögen der Seele, welches den Willen und Widerwillen, die Neigun- 747 Begeisterung gen und Abneigungen unter sich begreift. Kant bestimmt es als „das Vermögen eines Wesens, durch seine Vorstellungen Ursache von der Wirklichkeit der Gegenstände dieser Vorstellung zu sein". Dies ist aber kein wesentlicher Theil des Begriffs von diesem Vermögen, weil wir oft Etwas begehren, was wir nicht erlangen noch verwirklichen können. Dadurch ist auch Begehren vom Handeln unterschieden. Es gibt ein vernünftiges und ein sinnliches Begehren. Jenes ist auf das Angenehme und Unangenehme, Nützliche und Schädliche, dieses auf das sittlich Gute gerichtet und wird Wille im engern Sinn genannt. Statt des Ausdrucks: Begeh- rungsvermvgen, der mehr das Unwillkürliche bezeichnet, bedient man sich lieber des Ausdrucks: Bestrebungsvermögen. Begeisterung (Enthusiasmus), der Zustand ungewöhnlicher Regsamkeit des Geistes, namentlich der Einbildungskraft und des Gefühls, in welchem gleichsam ein höherer Geist über den Menschen kommt und in ihm wirkt, unterscheidet sich von der zügellosen und verworrenen Schwärmerei durch die festere Richtung der Geisteskräfte auf einen bestimmten Gegenstand, welcher die Seele so erfüllt, daß der Geist desselben, oder etwas Ideales an demselben, lebendig, aber mit klarem Bewußtsein, aufgefaßt wird und das bewegte Gefühl sich mitzutheilen antreibt; von dem Affect dadurch, daß dieser eine die Besonnenheit raubende Über- wallung des Gefühls, von dem Entzücken aber dadurch, daß dieses eine stillere, sprachlose, jedoch tiefe und durch verklärtere Gebärde sich ankündigende Begeisterung ist. Der Zustand der Begeisterung aber kann unmittelbar durch einen äußern Gegenstand oder durch Ideen und Bilder, welche die Seele erfüllen, bewirkt sein. Auch ist die Begeisterung verschieden, je nachdem sie in einem mehr empfänglichen als selbstthätigen Geiste das bewegte Gefühl nur zur unmittelbaren Mittheilung seiner Regungen treibt, oder das der selbstthätigern und eigenthümlichen Mittheilung fähige Gemüth zu einem in seiner Art vollendeten Ausdrucke des Innern, das ist zur Hervorbringung einer den idealen Gegenstand selbst darstellenden oder seiner Wirkung nach aussprechenden vollkommenen Form anregt. Letztere ist die Begeisterung des Künstlers, die man auch vorzugsweise Begeisterung nennt; und sein Werk, in dieser Begeisterung empfangen, ist somit zugleich der Ausdruck dieses innern vollendeten Zustandes. Hieraus läßt sich auch erkennen, wie die Begeisterung des Künstlers , oder, weil das Vollendete in der Kunst nur durch den Genius hervorgebracht wird, des Genies beschaffen sein müsse und sich äußere. Das Kunstwerk ist ein abgeschlossenes, selbständiges, harmonisches Werk, welches in seiner anschaulichen, vollendeten Form eine Idee auf eigenthümliche Weiss offenbart. Diese Selbständigkeit und Eigenthümlichkeit wird nicht durch Bewußtsein der Regeln, nach welchen die Kunst wirkt, hervorgebracht, sondern setzt eine natürliche, durch Übung zur Fertigkeit erhobene Geistcsfähigkeit voraus, einen bestimmten Stoff zufolge einer leitenden Idee, welche man demselben einprägt, gleichsam zu beleben, welche Fähigkeit, in Hinsicht der äußern Bedingungen der Darstellung, mit spielender Leichtigkeit und, wie eine höhere Naturgabe, den Kunsttrieben der Thiere ähnlich wirkt. Diese Leichtigkeit wird auch durch das völlige Hingeben des Gemüths an den gewählten oder gefundenen Gegenstand befördert, vermöge dessen der hervorbringende Künstler seine äußern zufälligen Umgebungen ganz vergißt und einzig in seinem Werke, wie in einer andern Welt, verweilt. Das Wunderbare dieses Zustandes ist daher das in dem Wesen des Genius begründete natürliche und nur augenblicklich aufgehobene Gleichgewicht einer bewußtlosen Kraft, welche gleichsam instinkt- mäßig bildet und gestaltet, und des Bewußtseins, welches die Idee beim Bilden vorhält. Letztere zeigt sich an dem Kunstwerke durch seine Anordnung und zweckmäßige Einrichtung, in Beziehung auf den ihm zum Grunde liegenden Gedanken, sowie im Gegensatze der Verworrenheit und Zügellosigkeit, welche im Traume und in einem schlechten Werke herrscht; erstere in der Unendlichkeit harmonischer Bezie- 748 Begharden Begleitung hungen, welche das wahre Kunstwerk in sich trägt, ohne einen bestimmten äußern Zweck und Absichtlichkeit in seiner Zusammenstellung zu verrathen. Man kann aber Momente der Begeisterung unterscheiden, obwol niemals als in der Zeit geschieden bestimmen. Denn erstlich faßt der Künstler irgend einen Gegenstand im idealischen Lichte auf, und dieser setzt seine Kräfte in außerordentliche Regsamkeit; dann bildet seine Phantasie die Theile dieses Gegenstandes vollkommen aus, und das innerlich geschaute Bild wird endlich in einem anschaulichen Darstellungsmittel (Sprache, Ton, Gestalt) lebendig und äußerlich; die Fülle der innern Anschauung treibt zur Mittheilung. Jene Regsamkeit der Kräfte aber, die hier das in sich Vollendete so sicher und leicht hervorbringt, daß ihre Erzeugnisse den Künstler selbst überraschen müssen, der sich von diesem Zustande keine Rechenschaft zu geben weiß, hat man schon im Alterthume einer hohem Eingebung zugeschrieben, vermöge welcher der Künstler gleichsam als Werkzeug der Gottheit wirke, und daher auch behauptet, der Künstler werde geboren. Wie nun das wahre Kunstwerk selbst eine lebendige Regel für sich ist, ohne die Regel unmittelbar zu lehren und hervorleuchten zu lassen, so ist des wahren Künstlers Begeisterung keine das schöne Gleichgewicht des Geistes aufhebende Aufwallung, die sich mit Sturm und Drang, durch Thränen und Verzückungen, oder durch andre Wirkungen eines jeglichen Wcinrausches ankündigt, sondern die tiefe, mit Ruhe wohl bestehende Bewegung und der Drang eines harmonischen Gemüthes, dem das Maß des Schönen zur natürlichen Form seines Wirkens geworden ist. Auch leuchtet ein, daß Derjenige, welcher ein reichhaltiges harmonisches Werk hervorbringen soll, einen Reichthum von Ideen und Anschauungen überhaupt schon in sich tragen müsse, welche in der Begeisterung nur leichter und freier zuströmen und sich entwickeln, keineswegs aber überhaupt erst in diesem Zustande ohne Zuthun des Künstlers entspringen; wcßhalb Manche, um ihrem Gedankenmangel abzuhelfen, sich durch künstliche Mittel in Begeisterung zu versetzen streben. Ist aber die Begeisterung des Künstlers nicht nothwendig eine stürmische Aufwallung, sondern tiefe, starke Regung der erzeugenden Kräfte des Gemüthes; so kann sie auch, obwol nicht immer in gleichem Grade, herrschende Stimmung des Künstlers sein. Übrigens ist die Begeisterung des Künstlers auch nach der wesentlichen Verschiedenheit der Kunst und Kunstgattungen verschieden, indem z. B. die bildende Kunst eine hohe Regsamkeit der durch Naturanschauung entwickelten Einbildungskraft, die Tonkunst eine ungemeine Schwungkraft des Gefühles , welche in harmonischen Tönen ihren Ausdruck findet, voraussetzt. Überall aber ist kein wahres Kunstwerk ohne Begeisterung möglich, und insofern ist sie Quelle des Kunstwerks und Grundursache der Kunst. S. des Abbe Bettinelli Werk „Veit' entusiasmo nette bette arti" (Mailand 1769), dann in seinen „Operv"; deutsch von Werthes (Bern 1778), und Fernow in seinen „Röm. Studien". 1'. Begharden, s. Beguinen. Begierden sind durch Sinnlichkeit erregte Begehrungen, besonders wenn sie sich stark äußern und auf eine Verbindung mit einem Gegenstände gerichtet sind, dahingegen der Abscheu den Gegenstand zu entfernen sucht. Beglaubigungsschreiben, s. Gesandten. Begleitung, in der Musik (fcanz. aevmnpagnenrent, ital. svooinpa- gnamento), im Allgemeinen derjenige Theil der Musik, welcher zur Unterstützung einer Hauptmelodie (Solo - oder obligate Stimme) dient. Dies kann durch alle, oder doch wenigstens die gebräuchlichsten, oder auch nur einzelne Instrumente geschehen. Man hat also musikal. Stücke mit Begleitung von mehren und auch eines einzigen Instrumentes. Die Verzeichnung alles Dessen, was sowol die jedesmalige Hauptstimme als auch die dazu gehörige Begleitung, besonders wenn diese von mehren Instrumenten geführt wird, vorzutragen hat, ist in der P artitur (s. d.) -vorhanden. In künstlerischer Hinsicht kann die musikalische Begleitung aus einem 749 Beglerbeg Begrabmßplätze' doppelten Gesichtspunkte betrachtet werden: einmal als Erzeugnis des Tonsetzers, und zweitens als darzustellende Hervorbringung des vortragenden Tonkünstlers. Die Wirkung, welche die Begleitung, als musikalischer Satz genommen, zumachen im Stande ist, beruht auf noch so wenig bestimmten Grundsätzen, daß der Satz der Begleitung vielleicht schwieriger ist als die Hervorbringung der Melodie (Hauptstimme) selbst. Häufig bringt ein musikalischer Gedanke durch die Begleitung eine bald gute, bald schlechte Wirkung hervor, ohne daß der Verstand den Grund von dieser Verschiedenheit klar und deutlich aufzufinden vermöchte. Bis jetzt ^ sind noch immer vorzugsweise die Italiener im Besitze des Verdienstes einer klaren, sich auf wenige Noten beschränkenden und dennoch höchst wirksamen Begleitung gewesen, und in dieser Hinsicht unterscheidet sich die ital. Musik auf eine sehr auffallende Weise von der deutschen und französischen, indem sie die Wirkung der Hauptstimme nie schwächt. Die Franzosen dagegen sind auch in diesem Theil der Com- position bei weitem hinter beiden Völkern zurückgeblieben, weil bei ihnen im Allgemeinen die Menge der Noten auch für die Wirkung derselben gehalten zu werden pflegt. Was nun die Begleitung als Werk des ausübenden Tonkünstlers betrifft, so crfodcrt diese ebenfalls das sorgfältigste Studium und die sinnigste, feinste Ausübung des bildenden Künstlers. Besonders ist die Begleitung der einzelnen Soloinstrumente, wie z. B. der Geige, der Flöte, des Claviers u. s. w., von der höchsten Schwierigkeit und setzt, wenn sie zweckmäßig sein soll, große Einsicht und - Gewandtheit voraus. So machen die ital. Tonsetzcr aus der Begleitung des Flügels zum ganzen Orchester, besonders aber zu dem Recita tiv e (s. d.), eine eigentliche Kunstaufgabe, die sie mit dem angestrengtesten Fleiße zu lösen suchen. Denn da der Zweck aller musikalischen Begleitung kein andrer sein kann und sein soll, als die Wirkung der Hauptstimme zu erhöhen, so geht daraus hervor, daß die Pflicht des Begleiters besonders in der Kunst bestehe, sich jener anzuschmiegen, sie zu unterstützen, keinesweges aber sie beherrschen oder gar unterdrücken zu wollen. Beglerbeg, Fürst der Fürsten, oder Herr der Herren, ist der Titel eines türkischen hohen Beamten, der als Statthalter über eine Provinz, welche alsdann Beglerbeglie heißt, gesetzt ist und verschiedene Sandschaks, Begs, Agas u. s. w. unter sich hat. Die Statthalter zu Sophia, Kiutahya und Damaskus haben vorzugsweise diesen Titel. Begnadigungsrecht (jus a^gratiandi), ein in dem Rechte der Gesetzgebung enthaltenes Majestätsrecht, vermöge dessen dem Staatsoberhaupte zusteht, ^ Strafen, die durch die Gesetze bestimmt sind, in einzelnen Fällen zu mindern oder gänzlich aufzuheben. Der Grund davon ist, weil der Gesetzgeber am besten beurtheilen kann, ob der Zweck eines Strafgesetzes, dessen rechtsgültiger Ausleger er ist, in einem vorkommenden Falle eine Ausnahme erleidet; dieser Grund ist mithin nicht subjectiv (aus der Person des Gesetzgebers hergenommen), sondern objectiv (auf die Person des zu Strafenden sich beziehend). So begnadigt z. B. ein Fürst einen Mann, der sonst große Verdienste um den Staat hat. Begrabniß, s. Beerdigung. j Begräbnißplatze, bei uns: Kirchhof, Gottesacker, Gottcsgarten, i Friedhof. Den Gebrauch, die Todten an gemeinschaftlichen Orten zu begraben, findet man bei den ältesten Nationen. Die Römer hatten ihn in den frühesten Zeiten; späterhin, da die Republik am blühendsten war, wurden die Todten verbrannt und nur die Asche, in Töpfen (urnae) gesammelt, begraben. Die alten ! Deutschen begruben ihre Verstorbenen in den von ihren Priestern geheiligten Hai- ! neu. Mit Einführung der christlichen Religion wurden gemeinschaftliche geweihte ! Örter dazu bestimmt, und nun ward es für Schande gehalten, nicht in die geweihte > Erde zu kommen; daher die Verweigerung des Begräbnisses dahin zu den Strafen des Kirchenbannes gehörte. Schon die Römer hatten den Gebrauch, ihre Begräb- 750 Begriff Nisse wenigstens mit einem Steine zu versehen, auf welchem der Name des Verstorbenen und der Wunsch: Er ruhe wohl (81t Uliterr» lovi«, d. i. die Erde sei ihm leicht), bezeichnet war. Dies erhielt sich auch bei den Christen und pflanzte sich zu den Deutschen fort. Die Begräbnisse in den Kirchen rühren von einem, den Menschen aller Zeiten und Nationen gemeinschaftlichen Hange her, seine Angehörigen noch im Tode zu ehren. Daher wurden schon bei den Ägyptern, Griechen und Römern über die Gräber der Vornehmen oder sonst merkwürdiger Personen Gebäude, Pyramiden , Mausoleen oder Tempel gesetzt, sowie in den christlichen Zeiten kleine Kirchen, die man Capellen nannte. In den ersten Zeiten des Christenthums begrub man die Märtyrer in Felsenhöhlen, die man nach und nach zu geräumigen unterirdischen Gewölben erweiterte und Schlafkammern nannte. Andre schätzten es in der Folge für ein Glück, wenn ihre Gebeine neben der Asche eines Märtyrers ruhen durften. Die Gräber der Märtyrer wurden deßwegen dadurch ausgezeichnet, daß man weiße Altare darüber errichtete. Als die Christen ihre Religion öffentlich ausüben durften, erbauten sie sich Kirchen, und späterhin wandelte man sogar die heidnischen Tempel in christliche Kirchen um. Schon im 4. Jahrh, baute man daher Kirchen über die Gräber der heiligen Märtyrer, und weil man glaubte, daß ein Ort durch die Asche derselben vorzüglich geheiligt werde, so suchte man bei Erbauung neuer Kirchen in den Städten, oder bei Umwandlung der heidnischen Tempel in christliche Kirchen, die Überbleibsel (Reliquien) der Märtyrer sorgfältig auf und begrub solche unter dem Altare der neuen Kirche, um diese dadurch zu heiligen. Der Glaube, daß es ein Glück sei, in der Nähe eines Heiligen begraben zu werden, ward immer allgemeiner unter den Christen. Kaiser Konstantin, der 337 starb, war der Erste, von dem man weiß, daß er sein Grab in einer Kirche, und zwar in der Apostelkirche zu Konstantinopel, bestellte, wozu er, als der Erbauer derselben, wahrscheinlich ein vorzügliches Recht zu haben glaubte. Ihm machten es die Bischöfe bald nach, und endlich kamen alle Diejenigen, welche die Kirche reichlich beschenkten, zu gleicher Ehre. Die Kaiser Theodosius und Justiman untersagten zwar die Begräbnisse in den Kirchen, allein vergeblich; Leo der Weise erlaubte sie Jedermann wieder. Erst in neuern Zeiten überzeugte man sich, wie nachtheilig für die Gesundheit der Lebenden es ist, wenn sie in der Gesellschaft der Todten längere Zeit zubringen sollen, vollends wenn die Leichen in bloßen Särgen stehen bleiben und nicht tief genug in die Erde kommen, wie der Fall meistens in den Grabgewölben in Kirchen ist, wo die Dünste der Fäulniß um so eher aufsteigen und sich in der Luft verbreiten können. Es trug sich zu, daß, wenn solche Be- gräbnißgewölbe geöffnet wurden, nicht nur Die, welche zunächst dabei standen, todt niederfielen, sondern daß es sogar lange Zeit Niemand wagen durfte, in diese Kirchen zugehen, ohne sich gefährlichen Zufällen auszusetzen. Auch wenn sie nicht geöffnet werden, steigt doch, zumal im Sommer bei heißer Witterung, der Lei- chendunst in die Luft und gibt Veranlassung zu Krankheiten. Auch durch Einstürzen solcher Grabgewölbe kann Unglück geschehen, wie z. B. 1775 in der Stadtkirche zu Havelberg während des Gottesdienstes geschah, wo mehre Menschen mit hinunterstürzten. Man hat jetzt beinahe allenthalben das Begraben in Kirchen abgeschafft oder doch beschrankt. Selbst in Neapel und in Rom wurden 1809 die bis dahin allgemein üblichen Begräbnisse in denKirchen verboten, und die Anlegung der Begräbnißplätze außerhalb der Stadt angeordnet. Wie nachahmungswürdig ist die Sitte der herrnhuter Gemeinden, welche aus ihrem Begräbnißplätze einen Garten bilden! Hier mildert der Genuß einer heitern Natur und des Blüthendufts die Wehmuth bei dem Andenken an die Heimgegangenen Geliebten durch den lebendigen Gedanken an den Herrn der Natur und an das unvergängliche Leben des Unsterblichen in uns zur sanften Rührung einer erhebenden trostvollen Hoffnung. 0. Begriff. Wir haben einen Begriff von einer Sache, wenn wir die Merk- 751 Begrüßung male derselben (Dasjenige, was eine Sache dergestalt von der andern unterscheidet, daß der Verstand beide mit einander nicht verwechseln kann) aufgefunden und uns gehörig verslnnlicht haben. Es erhellt aus sich selbst, daß, um Begriffe bekommen zu können, wir des Bewußtseins bedürfen, weil ohne ein solches durchaus kein Begriff möglich ist. Sinnliche Begriffe sind in demjenigen Ergebnisse begründet, welches durch die Wirkung der Gegenstände auf die Sinne hervorgebracht wird. Empirische Begriffe sind solche, die Merkmale in sich fassen, welche sich aufErfah- rungsgegcnstände beziehen. Die reinen Begriffe sind wiederum reinsinnliche Begriffe, deren Gegenstände in der reinen Anschauung liegen, wie z. B. Dreiecke; oder reine Verstandesbegriffe, wie z. B. Ursache. Letztere sind entweder reine Stamm- begriffe des Verstandes (Kategorien, Elementarbegriffe, Prädicate) oder abgeleitete Verstandesbegriffe (Prädicabilien, Schemata), welche letztere durch die Verknüpfung mehrcr Kategorien unter sich und durch Beziehung derselben auf reine Anschauung oder auf Empfindung überhaupt entstehen. Transscendental heißen Begriffe, wenn die Formen derselben so beschaffen sind, daß ihnen kein Stoff in der Anschauung und Erfahrung angemessen sein kann, daß sie mithin alle Möglichkeit der Erfahrung übersteigen und in der SinneMelt kein ihnen entsprechender Gegenstand vorhanden ist, wie z. B. Wesen aller Wesen. Problematisch heißt ein Begriff, wenn weder die Möglichkeit noch die Unmöglichkeit seines Gegenstandes erkannt wird; unmöglich, wenn er sich selbst oder dem Gegenstände widerspricht. Zn Hinsicht auf die Form unterscheidet man 1) die Quantität der Begriffe. Diese begreift die ^ Extension oder den Umfang (Sphäre), welche das Gebiet ist, über welches sich der Begriff erstreckt, und die Jntension (Comprehension) der Begriffe. Letztere ist der Inbegriff aller Merkmale, welche in dem Begriff überhaupt gedacht werden, z. B. ein von 3 Linien eingeschlossener Raum. Hierbei ist die Regel der Logiker zu bemerken: je größer die Jntension, desto geringer die Extension, und umgekehrt. Je mehr Merkmale ein Begriff hat, auf desto weniger Gegenstände erstreckt er sich. 2) Die Qualität der Begriffe betreffend, so sind sie positiv, insofern sie bejahen, negativ, insofern sie Etwas verneinen. 3) Der Relation nach sind die Begriffe absolute, in welchen ein Gegenstand für sich und ohne Beziehung auf einen andern, relative, in welchen das Verhältniß eines Gegenstandes zu einem andern vorgestellt wird. 4) Der Modalität nach, d. i. in Beziehung auf das Erkenntnisvermögen, ist ein Begriff klar und deutlich, oder dunkel und verworren. Die Dcut- j lichkeit aber hat verschiedene Grade. Analytische Begriffe sind solche, welche durch Zergliederung gewisser Vorstellungen, synthetische, die durch Verknüpfung derselben gewonnen werden. Begrüßung nennt man die durch Sitte, Gewohnheit oder stillschweigende Übereinkunft gewöhnlich gewordenen Zeichen, durch die man Andern im Umgänge seine Achtung, Liebe, Ergebenheit oder Wohlwollen zu erkennen gibt. Gruß, Grüßen, kommt von dem plattdeutschen Gröten, groß machen, her. Also: Gott grüße dich! heißt: Gott mache dich groß (beglücke, segne dich)! Bald besteht die ! Begrüßung in gewissen Gebärden, bald fügt man diesen stummen Zeichen der Gesinnung noch eine ausdrückliche Versicherung oder eine Wunschformel bei. Die ! Verschiedenheit geht oft so weit, daß Das, was bei einem Volke als Höflichkeitsbezeigung oder als vorzügliche Artigkeit gilt, bei einem andern für ein Merkmal der Ungeschliffenheit gehalten wird. Wenn man es in den meisten deutschen Ländern für eine Pflicht des Anstandes hielt und zum Theil noch dafür ansieht, Damen die Hand zu küssen, so gilt dieser Handkuß in Italien für ein Zeichen der Vertraulich- > keit, die sich nur die nächsten Freunde erlauben dürfen. Dagegen lassen sich die ! russischen Damen nicht die Hand, sondern die Stirn küssen und würden sich durch ! Unterlassung dieser Sitte oder durch den Handkuß beleidigt fühlen. Statt der in ^ dem protestantischen Deutschland üblichen Grüßformeln: Guten Morgen! Ihr 752 Begrüßung Diener! u. s. 'w. grüßt der katholische Bewohner Deutschlands mit dem vom Papst Benedict XIH. 1728 empfohlenen katholischen Bundesgruß: Gelobt sey Jesus Christus! welcher mit dem Gegengriff: In Ewigkeit Amen! erwidert wird. Der Bergmann ruft dem Bcrgmanne zu: Glück auf! Die unter dem Namen des Sa- lutirens bekannten militairischcn Begrüßungen, welche zu Anfange des 16. Jahrh, bei den Deutschen aufkamen, geschehen durch Berührung der Kopfbedeckung, Senkung der Fahnen und des Degens, oder auch durch Erhebung der Gewehre. Schiffe, welche sich begegnen, grüßen sich durch Abfeuerung des Geschützes, durch das Streichen der Flagge oder durch Erhebung des Seegeschreies u. s. w. Bezeigen wir selbst den vornehmsten Personen unsere Achtung nur durch Verbeugung und Kopfentblößung, so wirft sich dagegen der Russe vor seinem Herrn hin, umfaßt seine Knie und küßt sie. Der Pole verneigt sich bis zur Erde, und der Böhme küßt wenigstens die Kleider Dessen, dem er tiefe Ergebenheit zu erkennen geben will. Fast bei allen Völkern gelten wechselseitige Berührungen als Ausdruck freundschaftlicher Gesinnungen. Händedruck, Umarmung und Kuß sind auch bei nichteuropäischen Völkern Zeichen der Achtung und Liebe. Einige Völker berühren noch andre Theile des Körpers bei der Begrüßung. So drücken die Lappländer, wenn sie sich begrüßen, die Nasen fest an einander. Auf einer der größern Cykladen benetzt man sich die Haare beim gegenseitigen Begegnen, und die Franken sollen sich ein Haar ausgerauft und es der Person, die sie begrüßten, überreicht haben. Der Türke schlägt beide Hände über einander, legt sie auf die Brust und beugt sich mit dem Kopfe > gegen Den, welchen er grüßt. Der Gruß der Hindus in Bengalen besteht darin, daß sie mit der rechten Hand die Stirn berühren und dabei den Kopf vorwärts beugen. Bei einer tiefen Verbeugung legen sie erst die rechte Hand auf die Brust, berühren dann mit dieser Hand die Erde und zuletzt die Stirn. Dabei nennen sie sich unterthänige Sklaven Desjenigen, welchen sie grüßen. Die Bewohner der mani- lischen Inseln beugen den Leib sehr tief, legen die Hände auf ihre Backen, halten ein Bein in die Höhe und die Knie gebogen. Die Insulaner von Lamurzec, auf den neuen Philippinen, fassen die Hand oder gar den Fuß Dessen, den sie grüßen wollen, und reiben sich mit demselben das Gesicht. Auf der Insel Sumatra neigt sich der Grüßende, bittet um den linken Fuß Dessen, den er grüßen will, kniet dann auf die Erde und berührt mit diesem Fuße seinen Wirbel, seine Stirn, Brust und Knie. Zuletzt berührt er mit seinem Kopfe die Erde und bleibt einige Augenblicke ausgestreckt auf dem Bauche liegen. Überhaupt tragen die meisten Begrüßungsar- § ten im Oriente das Gepräge einer sklavischen Denkart. Die uralte Sitte, sich vor vornehmen Personen niederzuwerfen, oft auch ihnen die Füße zu küssen, hat sich daselbst bis auf diesen Tag erhalten. — Bei einem Gastmahle in Persien geht der Wirth seinen Gästen eine Strecke entgegen, bewillkommnet sie mit den ehrfurchtsvollsten Complimenten, läuft dann schnell zurück bis an die Thür seines Hauses und erwartet hier die Ankommenden, um ihnen noch einmal mit denselben Ceremonien seine Hochachtung zu bezeigen. Wenn sich in China 2 Personen zu Pferde . begegnen, so steigt der Niedere vor dem Hähern vom Pferde und läßt stehend diesen ! vorbei. Hier gibt es auch eigne Grüße für Mannspersonen, andre für Frauen- ^ zimmer. Treffen sich bekannte Männer, so schlagen sie die Hände auf der Brust oder über dem Kopfe zusammen, beugen den Kopf ein wenig nieder und sagen dabei: l'sin, l'sin — ein Complimentirwort ohne bestimmte Bedeutung. Bei den Begrüßungen solcher Personen, denen sie höhere Achtung schuldig zu sein glauben, schlagen sie erst die Hände zusammen, heben sie dann in die Höhe und lassen sie endlich bis auf die Erde sinken. Freunde, welche sich nach langer Trennung wiedersehen , fallen wiederholt auf die Knie nieder und beugen sich mit dem Kopfe bis zur l Erde. Dabei sprechen sie: Xn ko? (Ist Alles bisher glücklich gegangen?) oder: ' 1'unx ko. (Das Glück ist auf deinem Gesichte abgebildet.) Frauenzimmer grüßen 753 Begrüßung sich mit den Worten: Van 1o (Alles Glück sei auf deiner Seite). Mannspersonen dürfen aber von ihnen nicht gegrüßt werden. Kinder und Dienstboten fallen vor ihren Ältern und Herrschaften auf die Knie.— In Japan zieht der Geringere vor dem Vornehmem die Sandalen (ledernen Sohlen) aus, steckt die rechte Hand in den linken Ärmel, läßt die so verschränkten Arme langsam bis an die Knie hinabgleiten, geht mit kurzen, abgemessenen Schritten, hin und her wankend, vor dem Andern vorüber und ruft mit furchtsamen Gebärden: (Füge mir kein Leid zu!) In Siam wirft sich der Geringere vor dem Vornehmem zur Erde. Dieser schickt dann einen aus seiner Begleitung, welche bei Standespersonen sehr zahlreich ist, zu ihm und läßt untersuchen, ob er etwas Übelriechendes gegessen habe oder bei sich führe. Ist dies der Fall, so empfängt er von dem Vornehmen einen Fußtritt und muß sich sogleich entfernen. Im entgegengesetzten Falle hebt ihn der Bediente auf. Frauenzimmer, auch wenn sie schon bei Jahren sind, werden mit Namen, von den kostbarsten und schönsten Dingen entlehnt, begrüßt, bei welchen aber nie das Beiwort jung fehlen darf, als: junger Diamant, junges Gold, junger Himmel, junge Blume u. s. w. Wollen Freunde sich ihre gegenseitige Freundschaft zu erkennen geben, so ritzen sie sich ein wenig in die Hand und saugen sich einander das Tröpfchen Blut aus der Wunde. Auf Ceylon bringt man bei dem Gruße die flache Hand an die Stirn und macht dabei eine tiefe Verbeugung. Vor einem Obern wirft man sich auf die Erde und wiederholt dessen Namen und Würde wol fünfzig Mal, indessen der Vornehmere sehr ernsthaft vorüberschreitet und den Grüßenden kaum eines Kopfnickens würdigt. Der gemeine Araber ruft dem ihm Begegnenden zu: 8aläm aleikuin! (Friede sei mit Euch!) ein Gruß, dessen sich auch seit langen Zeiten die Juden bedienten. Dabei legt er die linke Hand auf die Brust, zum Zeichen, daß ihm der Wunsch von Herzen gehe. Der Begrüßte antwortet: VIeikiim esk-Mi»! (Mit Euch sei Friede!) Allein vornehmere Araber umarmen sich 2 bis 3 Mal, küssen sich die Wangen und erkundigen sich 2 bis 3 Mal nach dem gegenseitigen Befinden, wobei jeder seine eigne Hand küßt. Die Araber der nach ihnen benannten Wüste geben sich 6 bis 10 Mal die Hand. In Jemen erlauben die vornehmen Personen, jedoch erst nach langem Weigern, daß man ihnen die Finger küsse. — In Afrika ist die Begrüßung durchaus sklavisch. Abyssinier und andre Nationen fallen auf das Knie und küssen die Erde. Viele Negernationen fassen sich bei den Handen und ziehen sich die Finger so heftig an, daß diese knacken. Die Neger auf Sierra-Leone beugen den rechten Ellenbogen so, daß die Hand an den Mund kommt. Der Begrüßte thut ein Gleiches, sodann wird der Daumen und Zeigefinger zusammengelegt und langsam zurückgezogen. Andre Neger schnippen mit den Fingern, wenn sie Jemandem begegnen, ziehen sich den Kamm aus den Haaren und stecken ihn wieder ein. In Unterguinea ergreift der Grüßende die Finger Desjenigen, welchen er grüßt, bringt sie in eine besondere Lage, drückt sie, schnappt schnell damit und ruft dabei aus: Lkkio! nlrllio! (Dein Diener! dein Diener!) Auf der Goldküste von Oberguinea umarmen sich Freunde, fügen die 2 Vorderfinger der rechten Hand so zusammen, daß sie knacken, beugen den Kopf und sprechen wiederholt: ! auri! (Guten Tag! guten Tag!) Standespersonen rufen nach dem Fingerknacken: Lere! bore! (Friede! Friede!) — Wenn die Mandingos ein Frauenzimmer grüßen, so fassen sie die Hand desselben, bringen sie an ihre Nase und beriechen sie 2 Mal. Der Engländer Snell- grave wurde mit seinen Begleitern von einem Gesandten des Königs von Dahomey, welcher 500 Negersoldaten bei sich hatte, auf ei»e noch sonderbarere Art begrüßt. Die Officiere dieses Corps näherten sich den Engländern mit entblößten Degen, welche sie unter seltsamen Bewegungen und Sprüngen unaufhörlich um den Kopf herumschwangen. Dann setzten sie ihnen den Degen auf den Leib, und nach Wiederholung dieser Capriolen reichte ihnen der Gesandte die Hand und trank ihre Ge- Conv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. I. f 48 754 Beguinen sundheit. Von den reitenden Mauren in Marocco werden Fremde auf eine Art begrüßt, wodurch diese leicht in Schrecken gesetzt werden können. Der Maure reitet nämlich im Galopp auf den Fremden zu, sodaß es ganz das Ansehen hat, als wolle er ihn überreiten. Dann hält er schnell an und feuert unter der Nase des Fremden das Gewehr ab. Personen von gleichem Stande grüßen sich beinahe auf europäische Art. Sie schütteln sich die Hände und küssen sich gegenseitig, besonders wenn sie Freunde sind, Gesicht und Bart. Die Ägypter strecken die Hand aus, legen sie auf die Brust und neigen den Kopf. Von der größten Artigkeit zeugt ein Kuß auf die eigne Hand, welche man dann auf den Kopf legt. Nur den vornehmen Männern, nicht den Frauen, küßt man die Hand. Niedere Ofsiciere halten den hohem bei dem Aufsteigen auf das Pferd den Steigbügel. Im Divan zieht der Niedere dem Höhern einen Pantoffel aus, legt ihn neben sich und empfängt von dem Andern den nämlichen Gruß. In andern Gegenden Afrikas zieht man sich die Kleider aus, fällt auf das Knie, senkt den Kopf bis auf die Erde und bedeckt sich mit beiden Händen Kopf und Schultern mit Sand. Die Äthiopier fassen die rechte Hand Dessen, dem sie ihre Achtung bezeigen wollen, und bringen sie an ihren Mund, nehmen ihm auch wohl die Leibbinde ab und binden sich dieselbe fest um, sodaß der Ändre einige Zeit halb nackend bleibt. Sehr umständlich sind die Be- : grüßungen unter den Völkerstämmen des nordwestlichen Ämerika. Begegnen sich 2 Haufen solcher Wilden, so machen sie, wenn sie etwa 20 — 30 Schritte von einander entfernt sind, Halt, legen sich auf die Erde und bleiben einige Augenblicke ganz still liegen. Hierauf treten die beiden Ältesten jeder Partei hervor und erzählen sich gegenseitig sehr umständlich ihre auf der Reife bestandenen Gefahren, j Sobald diese Erzählungen geendigt sind, fangen sie Alle an zu seufzen. Diese Seufzer gehen endlich in ein abscheuliches Geheul über, in welchem es vorzüglich die jungen Mädchen den Übrigen von der Gesellschaft zuvorzuthun suchen. Mit diesen herzzerreißenden Beweisen der Theilnahme nähern sich beide Theile einander, , aber jedes Geschlecht besonders. Es werden Tabackspfeifen herumgegeben, und das Trauerconcert verwandelt sich bald in fröhliches Lachen. — Die Art, wie sich die Eingeborenen des südlichen Amerika begrüßen, ist kurz. Ihre Anrede ist: ' re Im? (Du!) und die Antwort: L! (Ja!) — Der Wilde auf Neuorleans bricht, I wenn er einen Vornehmen grüßt, in ein lautes Geheul aus. In der Hütte wieder- » holt er den Gruß, indem er die Arme über seinen Kopf in die Höhe hält Und 3 ^ Mal heult. Durch ein abermaliges Geheul dankt er, wenn ihn der Vornehme j durch ein schwaches Seufzen zum Niedersetzen nöthigt. — Auf Otaheite und über- f Haupt auf den Gesellschafts- und Freundschaftsinseln berührt man sich die Nasen- ; spitzen. Dieser Gruß wird dadurch erwidert, daß man die Hand des Grüßenden ! ihm derb an Nase und Mund reibt. Der Otaheiter pflegt auch Dem, welchen er ^ zum Freunde wählt, bald ein Stück seiner Kleidung, bald seine ganze Bekleidung I anzulegen. — Die Bewohner von Neuguinea bedecken ihr Haupt mit Baumblät- ! lern. Dadurch drücken sie nicht nur ihren Gruß aus, sondern diese Bedeckung gilt ' auch als ein Zeichen des Friedens. 11. Beguinen (Begutten), weibliche Personen,die sich, ohne Klosterge- ! lübde gethan und die Regeln eines Ordens angenommen zu haben, zu Übungen l der Andacht und Wohlthätigkeit vereinigten und Gesellschaften bildeten, welche in ! eignen, oft durch Schenkungen bereicherten Beguinenhäusern oder Beguinericn zusammenlebten und sich durch Fleiß, Gottesfurcht, Eingezogenheit und Sorg- , fält für die Jugenderziehung vor andern Laien auszeichneten. Solche Gesellschaften waren seit Ende des 11. Jahrh, in Deutschland und den Niederlanden entstanden und im 12. und 13. Jahrh, sehr blühend. Sie wurden auch von Männern nach- ! geahmt, die sich, auf ähnliche Weise verbunden, Beghardcn nannten. Beide j Gattungen, deren Namen so viel als Beter oder Bettler bedeutet, mußten von ^ 755 Behaim Behandlung der Eifersucht der geistlichen Orden manche Verfolgungen leiden und wurden bisweilen mit den Lollharden (s. Brüderschaften) verwechselt. Sie waren die Pietisten des Mittelalters. Am längsten erhielten sich die Beguinen in Deutschland, wo sie bis zur Reformation unter dem Namen Seelenweiber, weil sie sich der Seel- sorge ihres Geschlechtes annahmen, beliebt waren, und in den Niederlanden, wo man noch gegen Ende des vorigen Jahrh, dergleichen zu Löwen gesehen hat. Unter dieselbe Classe ohne päpstliche Berechtigung und ohne Regel zusammengetretener Gesellschaften gehörten die Neuer und Reuerinnen, Büßende, die im 12. und 13. Jahrh, in Deutschland umherzogen, und die Fraticellen oder Freroten, meist Reste der 1260 aufgehobenen Tertianer vom Franciscanerorden in der Lombardei, welche jedoch bald unterdrückt wurden. Noch jetzt giebt es hier und da in Deutschland Beguinenhäuser, welche jedoch nichts weiter sind als fromme Stiftungen, in denen unverheirathete Personen des weiblichen Geschlechts aus den niedern Bürgerclassen freie Wohnung erhalten und zuweilen auch noch andre Vortheile genießen. L. Behaim (Martin), aus der böhmischen Familie von Schwarzbach, welche sich im 9. Jahrh, in Nürnberg niedergelassen hatte, geb. zu Nürnberg gegen 1430, einer der gelehrtesten Mathematiker und Astronomen seines Jahrhunderts, hatte die Handlung erlernt und reiste in Kaufmannsgeschäften von 1455 — 79, trieb aber nebenbei mathematische und nautische Wissenschaften, worin Regiomontanus sein Lehrer gewesen sein soll. Von Antwerpen ging er 1480 nach Lissabon, wo man ihn mit Auszeichnung aufnahm. Er machte auf der Flotte des Diego Can eine Entdeckungsreise und untersuchte die Inseln an der Küste von Afrika bis an den Fluß Zaire. Auch entdeckte er die Insel Fayal, wo er mehre Jahre lang sich aufhielt und zur Entdeckung der übrigen Azoren beitrug. Dann zum Ritter ernannt, ging er in seine Vaterstadt zurück, wo er 1492 einen Erdgloben verfertigte, der indeß alle Spuren der damaligen Unbekanntschaft mit dem wahren Umfange der Erde an sich trägt. Nach mehren Reisen starb B. 1506 in Lissabon. Ältere spanische Geschichtschreiber behaupten, daß er mehre Entdeckungen gemacht und seinem Freunde Colombo die Idee von dem Dasein eines andern Erdtheils gegeben habe. Robertson (in der „Geschichte von Amerika") und Andre widersprechen dieser Behauptung. Es fehlt an zuverlässigen Nachrichten. Behandlung ist, in Beziehung auf das Ästhetische, die Art und Weise, einem Stoffe, gemäß einer ästhetischen Idee und demnach entsprechend dem Zwecke schöner Kunst, eine Form zu ertheilen. Ist der Gegenstand glücklich gefunden, sagt Göthe, dann tritt die Behandlung ein, die wir in die geistige, sinnliche und mechanische eintheilen möchten. Die geistige arbeitet den Gegenstand in seinem innern Zusammenhange aus, sie findet die untergeordneten Motive: und wenn sich bei der Wahl des Gegenstandes überhaupt die Tiefe des künstlerischen Genies beurtheilen läßt, so kann man an der Entdeckung der Motive seinen Reichthum, seine Fülle und Liebenswürdigkeit erkennen. Die sinnliche Behandlung würden wir diejenige nennen, wodurch das Werk durchaus dem Sinne faßlich, angenehm, erfreulich und durch einen milden Reiz unentbehrlich wird. Die mechanische zuletzt wäre diejenige, die durch irgend ein körperliches Werkzeug auf bestimmte Stoffe wirkt und so der Arbeit ihr Dasein, ihre Wirklichkeit verschafft. Regeln für die geistige Behandlung, welche das Werk des Genies und die Frucht der Begeisterung ist, lassen sich nur finden durch Erforschung derselben an den vollkommenen Werken solcher Künstler, die mit Genie und Begeisterung darstellten. Im Allgemeinen ergibt sich die Federung, ein in sich beschlossenes Ganzes ästhetischer Ideen in organischem Zusammenhange harmonisch und mit lebendigster Anschaulichkeit vor die Einbildungskraft zu bringen. Das Dasein ästhetischer Ideen in des Künstlers Seele wird vorausgesetzt; die Gesetze für die geistige Behandlung sind demnach lediglich auf die Entfal- 48 * 756 Behr Hing derselben gerichtet, welche der auf die Thätigkeit der Einbildungskraft restecti- rende zurückwirkende Verstand vorschreibt. Sucht nun der Künstler die innere Schöpfung seiner Einbildungskraft außer sich darzustellen, so tritt die mechanische Behandlung ein, welche verschieden sein muß nach den verschiedenen Mitteln und Stoffen, deren sich die verschiedenen Künste bedienen. Der Tonsetzer setzt seine Idee in Noten, der Dichter setzt sie in gemessene Worte, der Architekt und Bildner grabt oder haut sie in Stein oder andre Massen, der Maler trägt sie mit Farben auf einen Grund. Für die mechanische Behandlung gibt die Technik Gesetze. Die geistige Behandlung macht eine Darstellung zum schönen Werke, die mechanische zum Kunstwerke: beide machen ein schönes Kunstwerk. Die eine gibt demselben seine äußere, die andre seine innere Zweckmäßigkeit, durch deren innige Verbindung allein die Vollkommenhe-il besteht. Die äußere Zweckmäßigkeit gibt Zusammenstim- mung der Wirkungen, die innere gibt Zusammenstimmung der Theilverhältnisse zum Ganzen. Damit diese bewirkt werde, muß Vollständigkeit, Richtigkeit und Ordnung in dem Kunstwerk sein, welches demnach die Punkte sind, worauf es bei der mechanischen Behandlung ankommt. Die sinnliche Behandlung endlich bezieht sich zum Theil auf das Geistige, zum Theil auf das Mechanische im Kunstwerke, und geht in beiden Beziehungen auf Eorrectheit, als durchgängige Angemesscnheit eines Kunstwerks im Äußern und Innern, der Ausführung und dem Entwürfe, zu dem Gesetze der Schönheit gedacht. Die Eigenschaften, welche ein Kunstwerk dadurch erhält, sind Reinlichkeit im Innern und Äußern, Deutlichkeit und Wahrheit; nur durch erstere wird es lieblich, nur durch letztere faßlich.— Man könnte jene 3 Behandlungsarten ästhetischer Stoffe zu schönen Kunstwerken auch die Behandlung des Genies, des Verstandes und des Geschmacks nennen, welche 3 Geistesvermögen nur im vereinten Zusammenwirken ein Werk schöner Kunst hervorbringen können. Das erste erfindet und entwirft, das zweite regelt die Ausführung und bietet dazu die Mittel dar, das dritte urtheilt so hier wie dort über die Zweckmäßigkeit. Behr (Wilhelm Joseph), k. bairifcher Hofrath, geb. 1775 zu Sultzheim, jetzt Bürgermeister in Würzburg, war von 1799 — 1821 Professor des Staatsrechts daselbst und von 1819 — 21 Abgeordneter der Universität zur zweiten Kammer der dänischen Ständeversammlung. Er hatte in Würzburg und Göttingen die Rechte, hierauf die Praxis der beiden Reichstribunäle in Wien und Wetzlar studirt. Theils durch mündlichen Vortrag, theils durch gediegene Schriften hat er zur Verbreitung der constitutionnellen Lehren in Deutschland mitgewirkt, und durch die Biederkeit seines Charakters selbst bei seinen Gegnern eine hohe Achtung gewonnen. Bei der öfter» Abänderung des deutschen Staatsrechts, in seiner Periode als Lehrer einer Hochschule, prüfte er sorgfältig die neu aufgestellten Grundsätze. Er bemühte sich, die wahren Absichten Derjenigen, welche jene Umwälzung veranlaßten, ins nöthige Licht zu setzen und was daraus folgen würde, freimüthig darzustellen, zugleich aber durch zarte Behandlung keinen Gegner zu reizen. Doch sollen einige seiner vielleicht mißverstandenen Äußerungen nach beendigtem Landtage, besonders auf dem Lehrstuhl, Anstoß erregt haben. Als daher die Stadt Würzburg ihn zum ersten Bürgermeister wählte und er diese ehrenvolle Wahl nicht unbedingt annahm, sondern nur in dem Falle, daß die Regierung ihm gestatten würde, die Bürgermeisterstelle neben der Professur zu verwalten, wurde er als Professor temporair quiescirt und ihm nun freigelassen, die Bürgermeisterstelle anzunehmen. Letzteres geschah, doch äußerte er seine Empfindlichkeit über die Ouiescirung in seiner durch den Druck bekanntgemachten Anrede an den Stadtmagistrat. In seinem neuen Verhältnisse stellte er nun kräftig Verwaltungsmißbräuche ab, leitete gute Einrichtungen und suchte durch seine Zeitschrift: „Unterhaltung des Bürgermeisters mit seinen Mitbürgern", sich als deren Freund und Rathgeber zu bethätigen und die Beichtbrief Beigel 757 Bedingungen des Gemeindewohls redlich zu erforschen. Seine litcrarische Nebenbeschäftigung ist auf Anfertigung eines neuen Systems der Staatswirthschaft gerichtet. Seine frühern bei Merisel verzeichneten Hauptwerke waren auf Berichtigung der allgemeinen Staatsrechtslehrc, theils als Leitfaden zu akademischen Vorlesungen, theils auf Feststellung eines Rechtszustandes im Felde der Politik gerichtet. Über die kurhessischc Domaincnkäufersache urtheilte er den Domainenkaufern günstig. Seine Andeutungen in Beziehung auf die finanziellen Momente der neuen ^ bair. Verfassung von 1818 bahnten ihm, als Kenner einiger Wünsche des Publicums > an den Landtag, wol den Weg zum Abgeordneten der Ständeversammlung. Beichtbrief war ein Brief, worin Jemandem vom Bischof die Erlaubniß ertheilt wurde, sich von einem freiwillig erwählten Geistlichen absolviren zu lasten. Die Geistlichen konnten ihre Schwachheitssünden einem jeden 61 erieo beichten, aber bei Todsünden war allemal der Archipresbyter der gehörige Beichtvater, und dieser mußte bei dem Lrelüdiavono beichten. Die gemeinen Leute beichteten gewöhnlich nur einmal des Jahres, die Reichen hielt man an, daß sie wenigstens alle Monate einmal beichteten. Beichte ist der kirchliche Gebrauch, nach welchem der Ehrist zu gewissen Zeiten, namentlich vor dem Genusse des heiligen Abendmahls, ein Bekenntniß seiner Sünden vor dem Geistlichen ablegt. Die katholische Kirche fodertvon dem Beichtenden das Bekenntniß seiner einzelnen Vergehungen; die evangelische Kirche verlangt bloß ein allgemeines Bekenntniß. Doch stellt es auch diese Kirche ihren Mitgliedern frei, einzelne Vergehungen dem Beichtvater zu offenbaren und das schuldbewußte Herz durch ein solches Bekenntniß zu erleichtern, weshalb die protestantischen Geistlichen ebenso wie die katholischen verpflichtet sind, das ihnen im Beichtstühle Anvertraute unter dem Siegel der Verschwiegenheit zu bewahren. In der evangelischen Kirche ist die Beichte an einigen Orten eine besondere, indem Jeder einzeln das Bekenntniß seiner Sünden ablegt, an andern eine allgemeine, indem diese von Mehren, welche sich zu diesem Zwecke versammelt haben, zugleich geschieht. Da, wo der Geistliche die einzelnen Gemeindcglieder naher kennt, scheint die besondere Beichte zweckmäßiger zu sein, weil sie es dem Geistlichen möglich macht, bei seinen Ermahnungen und Tröstungen besondere Verhältnisse zu berücksichtigen und darum eindringlicher zu sprechen. Durch die Gelegenheit, welche die Beichte dem Geistlichen darbietet, Anleitung zur Selbstp-rüfung zu geben, zu erwecken, zu warnen, zu ermähnen und zu trösten, wird sie ein den Zweck der öffentlichen Religionsübung wirksam befördernder Gebrauch. Die Worte, welche bei dieser Handlung gesprochen werden, pflegen stärker als die Predigt zu wirken, weil sie mehr persönlich sein können, auch von dem zur Andacht erweckten Beichtenden näher auf seinen Zustand bezogen werden. Ferner gründet sich die Beichte auf die sehr wahre i Idee von der Unvollkommenheit der menschlichen Tugend, und befriedigt das Bedürfniß des schuldbewußten Herzens, durch das Bekenntniß seiner Schuld sich zu erleichtern. Darum behielten die Reformatoren diesen Gebrauch bei, obgleich sie wußten, daß er nicht von Christo vorgeschrieben, sondern aus den Anstalten der « alten Kirchenzucht entstanden ist, weßhalb sie auch keine unbeschränkte Nothwendigkeit desselben behaupteten. Daß mit der Beichte, in der katholischen Kirche besonders, mancher Mißbrauch getrieben worden ist, kann ihr nicht zum Vorwurf gereichen, denn es ist das Loos aller, auch der heilsamsten Anstalten, daß sie von dem Wahne und der Leidenschaft entstellt und zu unwürdigen Zwecken gebraucht werden. (Vgl. Buße.) Wie z. B. Beichtvater sich in Staatssachen eingemischt haben, erzählt Greqoire in seiner „nist. dos coiltesseurs (Ie8 emporeurs, des rois ete." i (Paris 1824). ^ ^ N. I Beigel (Georg Wilhelm Sigmund), königl. sachs. geh. Legationsrath und l Oberbibliothekar zu Dresden, geb. zu Jppesheim in Franken am 25. Sept. 1753, Beil Beiram 758 war von 1786—1802 sächsischer Legationssecretair und eine Zeitlang auch Charge d'Affaires am Hofe zu München. Als Orientalist, Astronom und Chemiker hat er in mehren anderwärts eingedruckten Abhandlungen die Resultate seiner Forschungen mitgetheilt, z. B. im ersten Theile von Adelung's „Mithridates" und in Jdeler's Werk über die Sternnamen; noch nennen wir seine Abhandl. überAbul- feda's bis dahin unerklärte Stelle von der Länge von Fostath, in den „Fundgruben des Orients" (Bd. 1, S. 409 fg.), und die Beschreibung des im mathematischen Salon zu Dresden aufbewahrten'arabischen Himmelsglobus in Bode's „Astronom. Jahrbuch" für 1808. Eine Probe seiner metrologischen Forschungen gab er in der Abhandl. über den französ. Metre als materielles Maß betrachtet (in v.Zach's„Mo- natl. Correspondenz", 1803 u. 1804). 1829 wurde er emeritirt. 52. Beil (Johann David), Schauspieler, geb. 1754 zu Chemnitz, erhielt eine sehr mangelhafte Erziehung. Aber die Natur hatte ihn an Körper und Geist Vortheilhaft ausgestattet und ihm einen glücklichen Leichtsinn gegeben. Früh , entzückte ihn die Gewalt der Dichtkunst. Begebenheiten, welche in seiner Va- i terstadt vorfielen, besang er mit komischer Laune. Die Erfüllung seines Wunsches, in Leipzig die Rechte zu studiren, dankte er einem würdigen Ofsicier, der I ihn von jeher geliebt hatte. Die Vorliebe zu Platner's Vortrage setzte indeß sein i Rechtsstudium zurück. Die Zwischenzeit widmete er der Dichtkunst. Aber die ! Launen des Spielglücks gaben bald seinem Leben eine andre Richtung und führten ihn dem Theater zu. Nachdem er bei der Seyler'schen Schauspieler- gesellschaft, welche sich eben in Leipzig befand, vergeblich eine Anstellung gesucht hatte, ging er zu einer Gesellschaft nach Naumburg. Hier spielte er Alte und Junge, Bediente, Fürsten, Bauern und Helden. Die Truppe ging nach Erfurt, j wo ihn der damalige Statthalter, Karl von Dalberg, kennen lernte, welcher ihn ( dem Herzoge von Gotha empfahl. B. ward 1777 Mitglied vom gothaer Hof- » theatec und gefiel ausnehmend. Komische Charakterrollen der zweiten Gattung: Bediente, Bauern, Dümmlinge, gutherzige Bursche, waren sein Fach. 1779 gab der Herzog das Hoftheater auf, und B. ließ sich bei dem neuzuerrichtenden kurfürstl. Theater zu Manheim anstellen. Gegen das Ende seiner Laufbahn ward B. abermals von der Spielsucht ergriffen, die er jedoch bald unterdrückte. E Mißmuth bemächtigte sich seiner Seele und zehrte endlich seine Körperkraft auf. i Er starb 1794 im 40. Lebensjahre. Wir besitzen von B. verschiedene Schau- H und Lustspiele (Zürich und Leipzig 1794, 2 Bde.). Jffland ward sein Biograph; l s. dessen „Theateralmanach" von 1808. k Beilbrief, der schriftliche Vertrag mit einem Schiffszimmermann über ! den Bau eines Schiffs; desgleichen die Verschreibung über Gelder, die zum Schiffs- n bau aufgenommen werden. Beilegen, in der Schiffersprache, die Segel des Schiffes so gegen einan- der richten, daß sich der Wind darin fängt und das Schiff mit gleicher Kraft vor- z wärts und rückwärts treibt, wodurch solches zum Stillstehen gebracht wird. Dies ! geschieht gemeiniglich bei einem heftigen Sturm, oder wenn das Schiff in einer Gegend bleiben soll, wo man kein Anker auswerfen kann oder will. Man mäßigt dadurch nur die Kraft des Windes, macht aber das Schiff von der Strömung um so abhängiger. In solcher Lage ist eine nahe, zumal unter dem Winde gelegene Küste sehr gefährlich.— Beilegen bezeichnet ferner das Hinansegeln an ein andres Schiff, oder das Einziehen der Segel. Beiram, gleichsam das Osterfest der Mohammedaner, welches unmittelbar auf den Ramasan oder Fastenmonat folgt und 3 Tage dauert. Dasselbe nimmt, wie der Ramasan, seinen Anfang, sobald von den dazu verordneten Personen der Neumond verkündigt wird, und hat, als bewegliches Fest, das Eigenthümliche, im Verlaufe von 33 I. in alle Jahreszeiten und alle Monate des I. Beireis 759 zu fallen, weil die Türken nach Mondenjahren rechnen. Es ist gebräuchlich, daß an diesem Feste die Geringern den Vornehmem Geschenke verehren, welche Sitte sich sonst auch auf die Europäer erstreckte, die den Großen der Pforte, den Bassen und Kadis, Geschenke machen mußten. Auch der Großherr pflegt an diesen Tagen Gnaden und Geschenke zu spenden. 60 Tage nach diesem ersten, großen Bekam tritt ein zweites, das kleine Beiram, ein. Sie sind die einzigen Feste, deren Feier die mohammedanische Religion ihren Bekennern zur Pflicht macht. Beireis (Gottfried Christoph), Professor der Naturgeschichte, Physik, Chemie und Medicin auf der Universität Helmstädt, ein gelehrter Sonderling, war in der ehemaligen freien Reichsstadt Mühlhausen den 28. Febr. 1730 geb., wo sein Vater, eine Magistratsperson, sich mit Pharmacie beschäftigte. Von 1750 — 53 studirte er in Jena die Rechte als Brotwissenschaft, aus Neigung aber Mathematik , Physik, Chemie und Medicin. Er machte hierauf 3 Jahre lang Reisen , theils um seine Kenntnisse zu erweitern, theils aber auch, um seine im Felde der Chemie gemachten Entdeckungen ins Geld zu setzen. Diese Reisen, welche übrigens ein undurchdringliches Dunkel deckt, gingen wahrscheinlich durch Frankreich, Italien, die Schweiz, Holland und Deutschland. 1756 kam er zurück und brachte bedeutende Summen Geldes mit. In demselben I. ging er nach Helmstädt und studirte unter dem berühmten Heister die Chirurgie. Nach Heister's Tode ging dessen medicinische und chirurgische Praxis meistens auf ihn über. Der Herzog Karl ernannte ihn 1759 zum ordentlichen Professor der Physik, 1762 zum ordentlichen Professor der Medicin und 1767 zum Hofrath. Ein Jahr darauf erhielt er die Professur der Chirurgie, und 1802 ernannte ihn der Herzog Karl Wilhelm Ferdinand zu seinem Leibarzt. Er starb den 17. Sept. 1809. B. war sehr fromm, hatte viel natürlichen Verstand und einen großen Reichthum an Kenntnissen; er war ein uneigennütziger, sorgfältiger Arzt und nützlicher Lehrer; seine Gespräche waren anziehend; Gelehrte und vornehme Reisende, die ihn häufig besuchten, empfing er mit freundlichem Wohlwollen. Eitelkeit war jedoch die eigentliche Triebfeder seiner Handlungen. Er lebte fast ohne allen Umgang, blieb un- verheirathet und war bemüht, sich ein geheimnisvolles Ansehen zu geben. Sein Haus war mit Sonderbarkeiten und vielen Gegenständen angefüllt, die theils wirklich selten und kostbar waren, theils mit besonderer Geschicklichkeit von ihm dafür ausgegeben wurden. Er zeigte 17 verschiedene Sammlungen von Gegenständen schöner Kunst, der Wissenscbaften, der Natur, Mechanik u. a. m., und hatte sein ganzes Leben und große Summen darauf verwandt, sie zusammenzubringen. Seine Gemäldesammlung enthielt manches kostbare Stück, obgleich er auch Nachahmungen für Originale ausgab, wie z. B. die Nacht von Correggio, und sogar behauptete, von jedem großen Meister die vorzüglichsten Stücke zu besitzen , sodaß seine Sammlung unter allen die reichste sei. Außerdem besaß er die drei berühmten Vaucanson'schen Automate, die von Droz verfertigte sogenannte Zauberuhr und andre Kunstwerke. Von großer Wichtigkeit waren seine physiologisch-anatomischen Präparate, und unter diesen als einzig die LieberiÄhn'schen. Sein Münzcabinet enthielt viele alte Goldmünzen und war von einem ansehnlichen Werthe. Selten und am wenigsten Kennern zeigte er eine durchsichtige Masse, die größer als ein Hühnerei war, und von der er behauptete, daß sie ein Diamant von 6400 Karat Gewicht sei, den alle Fürsten der Erde nicht zu bezahlen im Stande wären. Er erzählte, daß der Kaiser von China dies kostbare Juwel bei ihm versetzt habe, und wußte diese Fabel mit allen Einzelnheiten auszuführen. Nach seinem Tode fand man diese vorgebliche Kostbarkeit nicht mehr in seiner Verlassenschaft. Kunstverständige behaupten, daß es ein madagaskarischer Kiesel gewesen sei. So übertrieben auch der Werth sein mochte, den B. selbst diesen Sammlungen beilegte , so kann man doch nicht leugnen, daß sie ein außerordentliches Vermögen er- 760 Beiwerk Bekker (Jmmanuel) federt haben, und man bewundert mit Recht, wie er dazu gelangen konnte. Um Andern dieses Räthsel zu losen, gab B. vor, daß er Gold zu machen verstehe, und zeigte auch Beweise seiner Kunst. Das Wahrscheinlichste ist, daß er in jener Zeit, wo die Chemie noch in ein großes Dunkel gehüllt war, manche nützliche Erfindung machte, z. B. die bessere Bereitung des Carmins, die er als Geheimniß den Holländern mittheilte, welche sich sehr dankbar dafür bewiesen; femer die Kunst, aus bisher unbekannten Mitteln Essig zu bereiten, die er Andern, unter der Bedingung , daß er Jahre lang einen großen Theil des Gewinns davon zog, lehrte. Er hat einige unbedeutende physiologische Abhandlungen geschrieben. Vgl. über ihn „Zeitgenossen", 8. Heft. Beiwerk nennt man in einem Werke der bildenden Kunst alle Gegenstände, welche, strenggenommen, zur Darstellung des Hauptgegenstandes nicht wesentlich erfodert werden, dem Künstler aber theils zur genauern Bezeichnung des Stoffes, der Zeit, des Ortes und zur Charakterisirung der dabei obwaltenden Ne- benumstände, theils zur Ausführung und Ausfüllung seiner Darstellung dienen. Bisweilen erscheint auch das Beiwerk als Anspielung, wodurch es eine größere Bedeutung gewinnt. In jedem Falle muß der Künstler es dem Zwecke des Ganzen gemäß Wahlen, so sparsam wie möglich damit sein, es weder in Menge noch Ausführung auf Kosten des Hauptgegcnstandes hervortreten lassen, und es so schicklich anbringen, daß es fast nothwendig scheine. Beiwort, s. Adjectiv. — In der Poesie bedeutet das Beiwort (epitlieton, das Hinzugesetzte) denjenigen Ausdruck, der dem Hauptworte beigesetzt wird, um die Idee des letztem zu ergänzen, zu erweitern oder im Allgemeinen auch zu verschönern. Dem Sinne nach kann das ästhetische Beiwort (epitdeton) doppelter Art sein: einmal logisch, wenn z. B. gesagt wird, der starke Geist, in welchem Falle das Beiwort dem Gebiete des Verstandes anheimfällt; zweitens poetisch: dieses gehört in das Gebiet der Phantasie, wo man es das verschönernde Beiwort (epitlioton ornans) zu benennen pflegt. Ein solches ist, wenn gesagt wird: Das rosige Mädchen. Daß die Beiwörter in der Poesie mit Bedeutung gewählt und nicht zwecklos angewandt werden müssen, ergibt sich von selbst; denn so sehr sie, mit Sorgfalt gebraucht, zur Verschönerung und zur Verstärkung des Sinnes beizutragen im Stande sind, ebenso sehr können sie auch, zur Unzeit und zu häufig angewandt, Schwächung oder gänzliche Störung des Ausdrucks verursachen. Beizen heißt bei gewissen Künstlern und Handwerkern dasjenige chemische Verfahren, wodurch man auf der Oberfläche und in dem Zusammenhange der Theile gewisser fester Körper eine bestimmte Veränderung hervorbringt, indem man sie der Einwirkung einer eignen, meistentheils salzartigen Feuchtigkeit auf gewisse Zeit aussetzt, ohne daß dadurch der Zusammenhang der Theile völlig getrennt wird. Bei jeder Beizung dringen die Theile des Beizmittels in den zu beizenden Körper mehr oder weniger tief ein und machen entweder denselben mürbe oder verringern die Neigung zur Fäulniß, z. B. beim Einpökeln des Fleisches der Thiere durch einfachen oder gewürzten Essig; sie machen seine Oberfläche reiner und zur Annahme eines andern Überzuges geschickter, wie beim verzinnten Eisen, oder sie färben die Oberfläche, wie beim Beizen des Holzes durch Scheidewasser. Je feiner oder gröber die Beschaffenheit des zu beizenden Körpers ist, desto gelinder oder schärfer müssen auch die Bestandtheile der Beizmittel sein, um den Zweck zu erreichen. — In der Forstsprache heißt beizen oder balzen, Thiere mit dazu abgerichteten Raubvogeln jagen. Bekker (Jmmanuel), Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Professor an der Universität zu Berlin, ist als Kenner der alten Sprachen, insonderheit der griechischen, durch die wichtigsten Arbeiten Vortheilhast bekannt. Geb. 1785 Bekker (Elisabeth) Bekleidungsmaterialien 76! zu Berlin, genoß er daselbst eines guten Schulunterrichts, besonders von G. L. Spaltung auf dem grauen Kloster. Seit 1803 studirte er in Halle. Hier lehrte F. A. Wolf, dem in B. ein Schüler ward, den er selbst in der Folge für den am meisten befähigtem erklärte, das Vermächtniß seiner philologischen Wissenschaft anzunehmen und weiter zu führen. Nach Zjährigem Fleiße, wobei er auch die neuern Sprachen sich aneignete, erhielt B. den Doctorgrad und wurde 1807 von der preuß. Regierung zu einer philologischen Lehrstelle an der Universität zu Berlin bestimmt, deren Errichtung damals im Werke war, aber erst spater zu Stande kam. Nach Antritt seiner Professur reiste er im Mai 1810 nach Paris, wo er bis zum Der. 1812 blieb und die handschriftlichen Schätze der Bibliothek benutzte, hauptsächlich für den Platon collationirend und für einige Redner und Grammatiker. Die Akademie der Wissenschaften zu Berlin erwählte ihn 1815 zu ihrem Mitgliede und sandte ihn mit dem Auftrage, für die von ihr beabsichtigte Herausgabe eines „6orpu8 iusvriptionunr Araeoarum" die Papiere von Fourmont zu benutzen, wiederum nach Paris, von wo er noch im nämlichen Jahre zurückkehrte. 1817 trat er eine gelehrte Reise nach Italien an, beauftragt, zunächst in Verona, mit seinem juristischen Collegen Göschen die von Nicbuhc in einem Oockox rescriptus entdeckten Institutionen des Gajus ans Licht zu ziehen und sodann eine von der Akademie zu veranstaltende Ausg. des Aristoteles vorzubereiten. Zwei Winter brachte er in Rom zu, im Gebrauche der Bibliotheken ungewöhnlich begünstigt auf Verwendung seines Gastfreundes Niebuhr. Dann hielt er sich in Florenz, Venedig, Neapel, Monte Eassino, Cesena, Ravenna und Mailand auf. 1819 reiste er über Turin nach Paris, brachte den Sommer 1820 in England, vorzüglich in Oxford, Cambridge und London zu, und kehrte sodann über Leyden und Heidelberg nach Berlin zurück. Mit welchem Fleiß und Geiste er an allen diesen Orten wissenschaftliche Schätze eingesammelt, ist aus dem bisher im Druck Erschienenen, wie bedeutend es auch sei, nur unvollständig zu ermessen. Es genüge hier, die „^neo- äotu grasen," Z Bde. grammat. Inhalts; Ausg. von Apollonius Dyskolus „Oe pronomine" (vorher »«gedruckt) und „I)s 8)mtaxi", von Theognis (um 150 Verse vermehrt), von Koluthus, Demosthenes u. a. attischen Rednern, der Bibliothek des Photius, der Schollen zur Jlias ic., anzuführen. Bekker (Elisabeth, Witwe Wolfs), eine Zierde der holländ. Literatur im Fache der schönen Künste. Wenig Schriftstellerinnen verbanden mit einem großen Talent so viel Würde und strenge Sittlichkeit, als es bei Elisabeth jder Fall war. Um so größer war auch die Wirkung ihrer zahlreichen Schriften, von welchen mehre, besonders ihre Romane „Willem Leevend" in 8 Bdn.; „Briefe von A. Blankart an C. Wildschut" und die „Geschichte von Sara Bürgerhart" in der holländ. Literatur für classisch gelten. Sie schrieb, ihre wichtigsten Werke in Verbindung mit einer ihr nah verbundenen Freundin, Agathe Deken (s. d.), und es ist unbekannt geblieben, wer von ihnen den größer» ober geringern Theil an der Zusammenstellung gehabt hat. Müller in Jtzehoe hat einige dieser Schriften ins Deutsche übersetzt. Elisabeth war 1738 in Vlißingen geb. und starb 1804 im Haag. Ihre unzertrennliche Freundin im Leben folgte ihr 9 Tage nachher im Tode. Sie liegen auf dem Friedhof in Scheveningen vereinigt. Bekleidungsmaterialien (beim Fcstungsbau). Bekanntlich bleibt, wegen der natürlichen Schwere der Körper, die mit einer steilen Abdachung aufgeschüttete Erde nicht lange in dieser Form, sondern rollt bald zu einer flächcrn, selten über 30 Grad betragenden Abdachung herab. Da nun aber bei Festungswerken und bei Schanzen die Steilheit der nach Außen gekehrten Böschung des Grabens, Walls und der Brustwehr das Erklimmen derselben erschwert und also die Festigkeit bedeutend vermehrt, so sucht man diese Steilheit durch festere dort angebrachte Gegenstände länger zu erhalten, und nennt diese Dinge die Bekleidung oder das 762 Bel Revetement. Eben dies Verfahren ist bei den Backen (Seitenwänden) der Schießscharten unumgänglich nöthig, da diese fast senkrecht aufgeführt sein müssen und daher leicht einstürzen. Bei Feldschanzen, sowie bei den Brustwehren der Festungen, bedient man sich zu dieser Bekleidung meistens des Rasens, den man in viereckigen Stücken aussticht und durch eingeschlagene hölzerne Pflöcke auf der zu bekleidenden Wand befestigt. Noch dauerhafter sind Bekleidungen von Neisholz. Man bedient sich dieses Materials, indem man es zu Faschinen (s. d.), Schanz- körben oder Flechtwerk verarbeitet, nach und nach an die zu revetirende Flache legt und theils durch eingeschlagene Pfähle, theils durch Anker, d. h. durch lange, nach Art der Stricke zusammengewundene Mieden, die gehörige Festigkeit gibt. Ein andres Bekleidungsmaterial, die Schanzkörbe, sind hohle, 3 — 6' hohe, 2 — 3' starke, nach Art der Körbe geflochtene Cylinder. Sie werden an der zu revetiren- den Flache aufrecht hingestellt und durch Pfähle und Anker auf ähnliche Art, wie die Faschinen, befestigt. Wenn man endlich mit Flechtwerk bekleidet, so schlägt man längs der zu bekleidenden Fläche Pfähle ein, die man durch Anker befestigt und auf Art der Schanzkörbe mit Ruthen umflicht. Wird dies Flechtwerk in einzelne Stücken und zum Fortbringen eingerichtet gemacht, so erhält es den Namen Hürden. In der Eile und im Nothfalle bedient man sich auch zum Revetement der Baumstämme, Breter, Sand-und Wolljacke, Kisten, Fässer u. dgl.; besonders sind erstere zur Bekleidung der Grabenböschungen in Feldschanzen geeignet. Ganz anders ist es dagegen bei Festungen, welche der Zeit und dem schweren Geschütze trotzen sollen. Hier wird eine Bekleidung von festerm Material nöthig. Meistens wählt man dazu Granit oder Ziegel, und nennt die zu diesem Zweck aufgeführten Mauern Futtermauern. Sie bekleiden nun entweder die Böschung des Grabens nach dem Wall zu (Escarpe), oder den ganzen Wall bis an den Fuß, oder auch bis an die Krone der Brustwehr, und heißen hiernach halbe, drei Viertel- und ganze Futtermauern; doch sind die, welche höher als 24 — 30 Fuß sind, da der Transport längerer Sturmleitern sehr schwierig ist, von Überfluß und Verschwendung. Auch die Böschung des Grabens nach dem Felde zu (Eontrescarpe) erhält meist eine Futtermauer. Die Futtermauern werden nie senkrecht aufgeführt, sondern haben, um desto fester zu sein, eine kleine Böschung. Die obere Dicke der Futtermaucr richtet sich besonders nach der Schwere des darauf lastenden Walls. Um die Bekleidungsmauer noch fester mit dem Wall zu verbinden und sie auch haltbarer zu machen, werden hinter ihr etwa alle 18' Strebepfeiler ausgemauert, welche entweder viereckig, oder nach dem Wall, oder auch nach der Mauer zu schmäler als am andern Ende sind und die Festigkeit vermehren. Eine alte von den Deutschen oft angewendete Idee, diese Strebepfeiler zu überwölben und durch den ganzen Wall durchgehen zu lassen, ist in neuerer Zeit von den Franzosen wieder aufgenommen, und die Einrichtung revetement äe äeetmrZe benannt worden. — Es ist ein alter Streit, ob die Futtermauern überhaupt nützlich oder verwerflich sind. Die für sie sprechen, führen die Schwierigkeiten, welche der Stürmende an ihnen findet, die Gegner die großen Kosten, die sie verursachen, und den Umstand, daß die Bresche in einen bloß von Erde in natürlicher Böschung aufgeführten Wall unmöglich ist, an. Beide haben theilweise Recht, und es wird daher auch der Streit, ss lange Festungen gebaut werden, fortbestehen, und Futtermauern da, wo es nicht an Steinefl und an Geld mangelt, gebaut, dagegen da, wo letzteres fehlt, oder das Terrain eine Sicherung durch Wasser gegen den Sturm erlaubt, weggelassen werden, wie z. B. fast alle franz. Festungen, die meist in gebirgigen Ländern zur Zeit des Friedens planmäßig erbaut wurden, Futtecmauern haben, während sie den holländischen, in flachem, wasserreichem Boden, zur Zeit der niederländisch-spanischen Kriege in der Eil und Noth erbauten, fast durchgängig fehlen. 32. Bel, s. Baal. Belagerung Belehnung 763 Belagerung. Der Angriff eines befestigten Platzes kann geschehen ! 1) durch Überfall (Überrumpelung, eoup äe nurin), wenn der Vertheidiger unachtsam ist, oder dem Angreifenden Verrath behüflich wird, sodaß er unbemerkt durch geheime oder unbewachte Zugänge in den Ort dringen kann; 2) durch einen raschen (bruskirten) Anlauf und gewöhnlich damit verbundenen Sturm und i Leiterersteigung (esoalaäe), wenn der Ort nicht stark besetzt oder noch nicht in ge- - hörigen Vertheidigungsstand gebracht ist, oder wenn der Angreifende keine Zeit zu ( verlieren oder Kräfte und Mittel genug zu seiner Absicht hat (neuerdings ist diese s Angriffsart besonders empsohlen'wordcn, vorzüglich wenn sie durch kräftige und -! geschickte Anwendung des Geschützes Unterstützt werden kann); 3) durch Einschlie- ( ßung außerhalb der Schußweiten (Blockiren, s. d.); 4) durch die förmliche Belagerung. Erst schließt das Belagerungsheer den Platz ein, um ihm die Zufuhr und alle Verbindung nach Außen abzuschneiden; man kundschaftet die Ört- H lichkeit, Befestigungsart, Vertheidigungskraft, auch wol die schwachen Seiten aus, ^ um danach den Angriffsplan zu entwerfen, laßt das Belagerungsgeschütz, die er- ^ foderliche Munition und Schanzarbeitszeug herankommen, auch die zur Belage- j rung nöthigen Bedürfnisse (Faschinen, Schanzkörbe u. dgl.) in den Parks fertigen > und bereit hallen. Es ist die Aufgabe des die Belagerung leitenden Ingenieurs, ! seinen Bedarf, seine Zeit, die Widerstandsfähigkeit der Festung und die ihm zu ! Gebot stehenden Mittel genau zu berechnen und den Angriffsplan sowol hiernach - wie nach den Umständen, die sich ihm von Seiten des Feindes entgegenstellen, ein- ! zurichten. Liegen vor der Festung detachirte Werke, so müssen sie erst erobert werden, damit man in einer Entfernung von 500 — 900 Schritten vom bedeckten Wege die Trancheen eröffnen könne. Wenn sie gehörig abgesteckt (tracirt) sind, ^ rücken gewöhnlich in einer Nacht mehre Arbeitercolonnen, mit Faschinen und Schanzzeug versehen und durch Truppen gedeckt, gegen die Festung bis zur Trace vor und graben rasch einen Graben. Jeder Arbeiter legt seine Faschine vor sich, wirft die Erde darüber, und so entsteht eine Art Brustwehr (erste Parallele, j s. d.), ein geschützter Sammelplatz für die gegen die Festung zu richtenden Kräfte. Die Vertheidiger suchen durch Ausfälle und Entgegenwirken aller Art die Arbeiter zu vertreiben, ihre Werke zu zerstören, die Belagerer hingegen sich darin immer s fester zu setzen, Batterien anzulegen und dann durch besonders geführte Laufgräben (s.d.) und neue, die Festung immer enger einschließende Parallelen sich dem Graben zu nähern, während unaufhörlich das Geschütz aus den Ricochet-, Demontir- und Brechebatterien gegen die Besatzung und gegen die Geschosse und >j Werke der Belagerten in Thätigkeit erhalten wird. Hiermit pflegt auch das Bom- ) bardement aus den Mörserbatterien verbunden zu werden (vgl. Batterien), um .. die Besatzung von den Werken zu vertreiben, Werke zu zertrümmern, Gebäude, : Magazine u. dgl. zu zerstören. Aus der letzten Parallele, die schon dem Festungsgraben sehr nahe liegt, bereitet man sich zum Übergang über denselben und legt ) hauptsächlich Brechen (s. d.). Auch kommt hier der Minenkrieg (s. Minen), f wenn solcher nöthig ist, in Gang. Über den Graben geht man in Sappen (s. d.) und ähnlichen bedeckten Gängen, und wenn er mit Wasser angefüllt ist, auf plat- i ten Fahrzeugen, Flößen, Brücken. Je näher man der Festung rückt, desto nöthiger, aber auch schwieriger, werden die Deckungsmittel für jede Verrichtung der Be- > lagerer. Sind endlich die Brechen gangbar, die Werke der Festung möglichst zerstört, die Besatzung und deren Geschütz geschwächt, so erfolgt der Sturm oder die Ersteigung des Walles. 5. Belehnung, die mit gewissen Feierlichkeiten begleitete Verleihung eines Lehens. In der deutschen Reichsverfaffung war ein Unterschied zwischen Thronlehen und andern. Über letztere ward die Belehnung im Reichshofrathe ertheilt, über jene, dergleichen nur Kurfürsten-und Fürstenthümer waren, vom Kaiser in 764 Belem Belfast Person. Unsere souveränen Fürsten nennen die wichtigern von ihnen abhängenden Lehen ebenfalls.Thronlehen. Belem (spr. Belängh), eigentlich Bethlehem, ein Stadttheil oder Quartier von Lissabon; ehemals ein Marktflecken, an dem Platze, wo einst König Ema- nuel, nach Vasco da Gama's erster Rückkehr aus Indien 1499, eine Kirche zu Ehren der Geburt Ehristi gebaut und das berühmte Hieronymitenkloster gestiftet hatte, In welchem sich die prachtvolle, mit weißem Marmor bekleidete Gruft der königl. Familie befindet. Nach dem Erdbeben von 1755 wurde die Begräbniß- kirche wieder im gothischen Style aufgebaut. In Belem rcsidirte sonst die königl. Familie; aber seitdem das Schloß abgebrannt ist, verlegte sie ihren Sitz nach dem 2 Legoas davon sehr einsam gelegenen Schlosse Quelus, das sie bis zu ihrer Abreise nach Rio-Janeiro bewohnte. Das neue königl. Schloß in Belem ist noch nicht vollendet. Es hat eine vortreffliche Lage mit der Aussicht nach dem Hafen und Meere. In Belem haben viele Vornehme und die meisten Geschäftsmänner von den hohem Stellen ihre Wohnungen. Daselbst befindet sich auch die Kirche Nossa Senhora da Ajuda, in deren Nahe der botanische Garten mit einem chemischen Laboratorium und dem Naturaliencabinet liegt. Letzteres enthalt merkwürdige Stufen von gediegenem Kupfer aus Brasilien und ein großes Stück von elastischem Sandstein mit Kalkspathkrystallen. Noch sind bei Belem der königl. Garten sä Huinta M.), welche vonden Umirs, einem Geschlecht der Beludscher, so beherrscht wird, daß 3 Oberhäupter von 3 Herrscherfamilien die Einkünfte theilen. Der älteste führt den Vorsitz und hat den Titel Hakim. Ihre Residenz ist Hydrabad, ein Seehafen mit 15,000 Einw. — Boden , Klima und Oberfläche sind sehr verschieden. Während mehre hohe Gebirge mit Schnee bedeckt sind, ist die Hitze in den Ebenen zur Sommerzeit fast unerträglich. Im Allgemeinen ist das Wasser selten, und die fließenden Gewässer sind wenig mehr als Bergbäche, die sich im Sande verlieren oder als seichte Flüßchen ihren Weg nach dem Meere nehmen. Der Dasti ist der breiteste und soll seinen Weg unter mancherlei Namen über 1000 engl. oder 200 deutsche Meilen fortsetzen. Die Wüste von B. ist ungefähr 65 deutsche Meilen lang und wenig mehr als 40 breit, sie besteht aus klarem Flugsand und ist ungemcin schwer zu durchreisen. Ein großer Theil des Landes, namentlich der östliche, ist bergig, Kohistan ausgeschlossen. Eine große Gebirgskette, die Brahuiksberge, erhebt sich vom Meeresufer bei Eap Monza, oder Mowari, unter 25° N. Br. und 66° 58' L., streicht nordwärts bis über die Grenzen von Beludchistan hinaus und scheint gewissermaßen mit den Hazarah oder den paropamisischen Bergen westlich vor der Stadt Kelat zusammenzuhängen. Verschiedene andre Gebirgszüge durchschneiden das Land in andern Gegenden und Richtungen. Gold, Silber, Blei, Eisen, Kupfer und Zinn finden sich zum Theil in großer Menge. Steinsalz, Alaun, Salpeter und Schwefel haben verschiedene Gegenden in Überfluß. Der Boden ist fruchtbar, und die Gärten in der Nähe der Städte bringen die feinsten Früchte hervor. Getreide wird in Überfluß gebaut. In den nördlichen Gegenden baut man Krapp, Baumwolle und einen Indigo von vorzüglicher Güte. toetiäa wächst zwischen den Hügeln. — B. ist im Allgemeinen kein Holzland; doch gibt es daselbst Bäume von ausgezeichneter Größe und Stärke. Hausthiere sind: Pferde, Maulesel, Esel, Ka- meele, Dromedare, Büffel, schwarzes Rindvieh, Schafe, Ziegen, Hunde, Katzen, Hühner und Tauben. Truthühner, Gänse und Enten fehlen. Unter den wilden Thieren befinden sich Löwen, Tiger, Leoparden, Hyänen, Wölfe, Schakals, Tigerkatzen, wilde Hunde, Füchse, Hasen, Mongus, Bergziegen, Antelo- pen, rothe und andre Elenthiere, wilde Esel rc. Fast alle europäische und asiatische Vögelgattungen sind hier beisammen. — Zwei Völkerschaften theilen sich vorzugsweise in den Besitz des Landes, die Beludcher und die Brahus; zusammen 1,400,000, und mit den übrigen Bewohnern des (nebst Sind) 9554 IHM. großen Landes 2,700,000. Die Beludcher bestehen aus 48, die Brahus aus 74 Stämmen. Beide sind sowol durch ihr äußeres Ansehen als durch ihre Gebräuche von einander verschieden. Die 3 Hauptstämme der Beludcher sind die Nharus, die Rhinds und die Mugschis. Alle sind schlank, wvhlgebildet und thätig, aber von 49 * 772 Belzoni geringer Körperkraft. Ihre Farbe ist dunkel, das Haar schwarz. Alle haben einen Hang zum Rauben, ste fürchten keine Gefahr und sind tapfer im Gefechte. Die Nharus halten das Plündern einer fremden Gegend für ehrenvoll. Ihre Lebensweise zu Hause ist, mit Ausnahme der Städtcbewohner, ein patriarchalisches Hirtenleben. Sie wohnen meistens unter Zelten oder Hütten. — Die Brahus sind von kurzem, stämmigem Wuchs, haben runde Gesichter und flache Züge. Bei manchen sind Haupthaar und Bart braun. Als Nomaden wechseln sie der Weideplätze wegen ihren Wohnort nach Maßgabe jeder Jahreszeit. Frei von dem räuberischen Unternehmen der Beludcher sind ste ein braves, ruhiges und betriebsames Volk. Übrigens sind die Sitten beider Völker in vielen Stücken einander ähnlich. Beide halten ihr gegebenes Wort unverbrüchlich und beide sind gastfrei. Die Hauptstadt Kelat, ein weitläufiger Ort von ungefähr 3750 Häusern mit 20,000 Einw., ist der Sitz des Khan oder Souverains von ganz B., welchem alle untergeordneten Stämme einen gewissen Tribut bezahlen und bei vorfallenden Kriegen Hülfstrup- pen liefern müssen. Die jährl. Einkünfte des Khan betragen etwa den Werth von 250,000 Thlr., ein großer Theil davon besteht in Naturallieferungen. In früheren Zeiten soll der Khan von Kelat 250,000 M. ins Feld gestellt haben. Jetzt mag seine Macht in etwa 60,000 streitbaren Männern bestehen. Die Landeseingeborenen sollen tatarischen Ursprungs sein. Sie bekennen sich zum sunnitischen Islam. Außer ihnen leben eine Menge Diwars (Dehwars) und Hindus im Lande zerstreut. Der jetzige Regent von B., Mohammed Khan, geb. 1781, hat nicht die selbständige Kraft, welche zur Leitung eines halbrohen Volkes unentbehrlich ist. Verschiedene Häuptlinge haben daher das Joch des Gehorsams abgeworfen. Belzoni (Giambattista), aus einer römischen Familie, der Sohn eines armen Barbiers, geb. zu Padua 1778 und in Rom zum Mönch erzogen, verließ diese Stadt, als sie von den franz. Heeren besetzt wurde, und kam 1803 nach England, wo er auf Astley's Theater zu London als Apollo und Hercules auftrat, und sich außer der Kenntniß der engl. Sprache auch tiefere Einsicht in die Wasserbaukunst erwarb, die seit Rom her seine Hauptbeschäftigung gewesm war und später zur Reise nach Ägypten veranlaßte. Nach einem Aufenthalte von 9 I. verließ er mit seiner Frau (einer Amazone an Muth, die sich im Nothfalle den Arabern mit Pistolen zur Wehre setzte), England und ging über Portugal, Spanien, Malta nach Ägypten. Hier lebte er von 1815 —19, anfangs als Tänzer, dann gewann er die Gunst des Pascha, der ihn für seine Plane zu brauchen verstand. B., obgleich oft allein unter den rohen Bewohnern des Landes, setzte sich durch seine auffallende Größe u. Körperkraft in Ansehen; so gelang es ihm, jene von Peter della Valle schon im 17. Jahrh, eröffnete Pyramide in Ghizeh, zu der die Franzosen während ihres Feldzugs den Zugang nicht fanden, und außerdem eine andre, Chiephreme genannt, zu öffnen, dann mehre Königsgräber zu Theben, namentlich jenes so prächtig erhaltene im Thale Bibansel Moluk, das für das Grab des Psammuthis (400 I. v. Ehr.) gehalten wird. Die Zeichnungen, die er davon gegeben, gehören zu den genauesten. Seiner Ausdauer und Geschicklichkeit gelang es 1816, die Büste des Jupiter Memnon, nebst einem alabasternen Sarkophage aus den Königsgräbern, von Theben nach Alexandria zu schaffen, von wo sie ins brit. Museum gekommen sind. Näher der zweiten Katarakte des Nils öffnete er am 1. Aug, 1817 den Tempel von Vpsam- bul, den die beiden Franzosen Cailliaud und Drovetti (stanz. Generalconsul) zwar ein Jahr früher auffanden, den zu erbrechen ihnen aber damals nicht gelang. B. entdeckte in den Ruinen desselben einen bisher nicht gekannten Tempel unter der Erde. Hierauf besuchte er die Küsten des rothen Meeres u. die Stadt Berenice und machte endlich einen Ausflug in die Oase des Jupiter Ammon. Seine Reise nach Berenice ward durch die Auffindung der Smaragdgruben von Zubara belohnt. B. widerlegte Eailliaud's Behauptung, daß derselbe den großen Stapelort von Europa u. Indien Bembo 773 in der alten Welt, das berühmte Berenice, aufgefunden habe, durch spätere Untersuchung an Ort und Stelle, indem er die Überreste jener großen Stadt, 4 Tagreifen entfernt von dem Orte, den Eailliaud für Berenice hielt, wirklich entdeckte. B.'s „Xarrntive vk tiie Operation and recent disooverie8 nitll tiie p^-raiuid» teinpies, tonrbs and exvavations in and Xudia, and ok a journe^ to tiie voast ok tde Ued 8oa, in searod ok tiie ancient Uerenice and anotber to tde oasi« ok dupiter ^mnwn" (London 1821), nebst einem Foliobde. von 44 illum. Kpfrn., wurde mit allgemeinem Beifall aufgenommen. B.'s Vaterstadt, Padua, erwiderte das Geschenk zweier ägyptischen Statuen aus Theben, die im Saal der Universität, genannt della Uagione, aufgestellt sind, durch eine von Manfredini gegrabene Denkmünze. Über die von B. im Bullockmuseum aufgestellten Modelle vgl. Museum. Im Nov. 1823 traf B. Anstalten, um von Benin aus nach Hussa und Timbuctu vorzudringen, als er, auf dem Wege nach Benin, zu Gata den 3. Dec. 1823 starb. Auch er nahm zuletzt an, daß der Nil und der Niger nicht Ein Fluß seien, und daß der Niger in das atlantische Meer falle. B.'s Gattin und Begleiterin gab die Originalzeichnungen ihres Mannes von dem durch ihn eröffneten großen ägyptischen Grabmale heraus (London 1829). 19. Bembo (Pietro), einer der berühmtesten Gelehrten Italiens, welche das 16. Jahrh, verherrlicht haben, geb. zu Venedig 1470, erlernte früh die lateinische, dann zu Messina unter Laskaris die griech. Sprache, kehrte darauf in sein Vaterland zurück, wo er eine kleine Schrift über den Ätna herausgab. Nach dem Willen seines Vaters betrat er die Laufbahn der öffentlichen Geschäfte; aber bald fand er Mißbehagen daran und widmete sich den Wissenschaften und dem geistlichen Stande. Zu Ferrara, wo er seine philosophischen Studien vollendete, verband er sich mit Hercules Strozzi, Tibaldeo und besonders mit Sadolet. Von Ferrara kehrte er nach Venedig zurück, wo sich in dem Hause des Buchdruckers Aldus Manutius eine gelehrte Akademie gebildet hatte. B. ward eins der vorzüglichsten Mitglieder derselben und fand einige Zeitlang Vergnügen daran, die schönen Ausgaben zu corri- giren, .die aus dieser berühmten Druckerei hervorgingen. Er besuchte Rom und 1506 den Hof von Urbino, der damals einer von denen in Italien war, wo die Wissenschaften am meisten in Ansehen standen. Er verlebte hier ungefähr 6 Jahre und erwarb sich mächtige Freunde. 1512 war er Julius von Medici nach Rom gefolgt. Dessen Bruder, Papst Leo X., ernannte ihn zu seinem Secretair und gab ihm seinen Freund Sadolet zum Amtsgenossen. Um diese Zeit machte B. die Bekanntschaft mit der jungen und hübschen Morosina, mit welcher er 22 I. lang in dem zärtlichsten Einverstandniß lebte. Sie gebar ihm 2 Söhne und eine Tochter, die er mit der größten Sorgfalt erzog. Seine vielen Amtsgeschäfte, seine literari- schen Arbeiten, verbunden mit einem vielleicht zu anhaltenden Genuß der Lebensfreuden, hatten seine Gesundheit so geschwächt, daß er zu ihrer Wiederherstellung die Bader von Padua brauchte, als er dort den Tod Leos X. vernahm. Da er bereits hinlänglich mit Kirchengütern ausgestattet war, beschloß er, sich ganz von den Geschäften zurückzuziehen und seine Tage in Padua, dessen Luft ihm wunderbar zusagte, in der Beschäftigung mit den Wissenschaften und dem Umgänge mit seinen Freunden zu verleben. Die Gelehrten dieser berühmten Universität besuchten sein Haus eifrigst, und die Fremden strömten dahin. B. brachte eine ansehnliche Bibliothek, eine Sammlung von alten Münzen und Denkmälern zusammen, die damals für eine der reichsten in Italien galt, und legte einen schönen botanischen Garten an. Den Frühling und Herbst verlebte er auf einer Villa, Bozza genannt, welche von Alters her seiner Familie gehörte. Die Muße des Landlebens wandte er besonders für seine schönwissenschaftlichen Arbeiten an. 1529 ward ihm von Venedig, nach Andreas Navagero's Tode, das Amt eines Geschichtschreibers der Republik angetragen, das er, wiewol mit einigem Widerstreben und unter Ablehnung des damit 774 Ben Benares verbundenen Gehalts, annahm. Zugleich ward er zum Bibliothekar der St.-Mar- cusbibliothek ernannt. Papst Paul 111., der bei einer von ihm beschlossenen Cardi- nalbefördcrung die Augen auf die berühmtesten Männer seiner Zeit warf, ertheilte ihm 1539 den Cardinalshut. Von jetzt an entsagte B. den schönen Wissenschaften und machte die Kirchenvater und die heilige Schrift zu seinem Hauptstudium. Von seinen frühern Arbeiten setzte er allein die „Geschichte von Venedig" fort. Zwei I. , nachher ertheilte ihm Paul 111. das Bisthum von Gubbio und bald darauf das reiche i Bisthum von Bergamo. Mit Ehren überhäuft, starb er 1547 in einem Alter von 77 I. B. vereinigte in seiner Person, seinem Charakter und seiner Unterhaltung l Alles, was liebenswürdig ist. Er war der Wiederherstelle des guten Stpls sowol !> in der lat. Sprache, wo er Cicero, Virgil und Julius Cäsar zu steten Mustern wählte, als auch in der italienischen, wo er besonders Petrarca nachahmte. In Ansehung der Reinheit des Styls war er so streng, daß er, wie man erzählt, gegen 40 verschiedene Fächer hatte, welche seine Schriften nach und nach, sowie er sie immer ! mehr und mehr gefeilt hatte, durchwandern mußten, und erst wenn sie 40 Prüfungen bestanden hatten, machte er sie bekannt. Seine sämmtl. Werke, die vielfach einzeln gedruckt worden, sind 1729 zu Venedig in 4 Bdn., Fol., erschienen. Die wichtigsten sind: „Geschichte Venedigs von 1487 —1513", in 12 Büchern, die er sowol lat. als ital. abfaßte (die erste unverstümmelte Ausg., Venedig 1790, 2 Bde., 4.); „Le prose", Dialogen, in welchen die Regeln der toscanischen Sprache aufgestellt werden; „OU^solani", Dialogen über die Natur der Liebe; „lie riine", eine Sammlung trefflicher Sonette und Canzonen; seine Briefe, so- ' wol die ital. als die latein. geschriebenen; „Oo Vlrgilli Oulios et 1'ersntii k-rbulis Über"; „Osrmina", ebenso geistreich als geschmackvoll, aber zum Theil von einem freiern Geiste, als der Stand des Verfassers erwarten ließ, und einige andre. Ben (hebr.: Sohn), eine Vorsetzsylbe vieler jüdischen Namen, wie z. B. Ben- david, Benasser rc., welche bei den Jsraeliten in Deutschland sich in das deutsche „Sohn" verwandelt hat, z. B. Mendelssohn, Jakobssohn ic.: eine Benennungsart, deren Ursprung in dem altherkömmlichen und in vielen Ländern noch jetzt bestehenden Gebrauche der Jsraeliten zu suchen ist, daß sie keinen Familiennamen führen. Benares, eine fruchtbare Landschaft in der britischen Statthalterschaft ' Bengalen in Hindostan, auf beiden Seiten des Ganges, von 591^ L)M., mit 2 Mill. Einw. Die Hauptstädte sind Benares, Joanpur, Ghazypur und Mir- zapur, nebst den berühmten Festungen Chunar und Bijaghur. Der ehemals unabhängige Rajah oder Fürst ward 1775 von den Engländern zinsbar gemacht, aber schon 1781 nahm der Generalgouverneur Hastings das Land für England in Besitz, vertrieb den Rajah Cheit Sing und setzte dessen Neffen Babu Sing zum Scheinregenten ein, mit Erhöhung des Tributs von 900,000 auf mehr als 2 Mill. Thlr. Die Hauptstadt Benares oder Kaschy am Ganges, unter 25° 18^ 36" N. Br. und 83° Ö. L. von Greenwich, eine der größten indischen Städte, hat keine Mauern, meistens enge schmutzige Gassen, 12,000 H. von gehauenen und Backsteinen, deren manche bis 5 und 6 Stockwerk hoch sind, und 16,000 Lehmhäuser, 580,000 Einw., worunter 7000 Brammen und 50,000 Mohammedaner sind, und wovon 3000 zur Dienerschaft der 3 Hindu - Rajahs gehören, die statt ihrer Herren die nöthigen Opfer und Reinigungen besovgcn. Zur Zeit der religiösen Feste ist die Zahl der Bewohner nicht zu berechnen. B. ist der Hauptsitz der indischen Gelehrsamkeit, wo die Brammen in der Sanskritsprache, in der Astronomie, zu deren Behuf eine Sternwarte vorhanden, und in andern Kenntnissen regelmäßigen Unterricht ertheilen. Die Stadt enthält an 1000 Tempel und Pagoden, von welchen eine uralte als Wallfahrtsort für besonders heilig gehalten wird. Die Hindus glauben, wer in Benares stirbt, kommt unmittelbar ins Paradies. Ein Gegenstand der Bewunderung und ein Denkmal der Mohammedanischen Über- 775 Berich Benda (Georg) macht sowol als der Unterdrückung von Indien ist die prächtige in der Mitte der Hindutempel im 17. Jahrh, von Aurengzeb erbaute Moschee. Die Einw. von Benares sind meistens Kaufleute, deren viele beträchtliche Geldgeschäfte durch ganz Indien, ja sogar bis an die russische Grenze treiben. Baumwollene Zeuche, Shawls, Gold- und Silbertressen, Brokate und Seidenzeuche werden von Benares durch den ganzen Osten ausgeführt; auch ist hier der Hauptmarke für die Diamanten und andre Edelsteine aus den Gruben von Bundelkund. — Der Palast des Rajahs ist zu Ramnaghur oberhalb der Stadt, auf dem gegenseitigen Ufer des Ganges. Das englische Obergericht ist die letzte Instanz der Provinz Benares. Die solchem Obergericht untergeordneten Richter haben Tribunale zu Mirzapur, Allahabad, Bundelkund, Joanpur, Gorukpur und Benares, aber keine Crimi- nalrechtspflege, die über Leben und Tod entscheidet. Bench, Kingsbench oder Queensbench (banon« rsZis, Oberhofgericht), eins der 3 königl. Obergerichte in Westminster, bestehend aus einem Oberrichter (l.orll cbiekjustice) und 3 Richtern, welche 4 Mitglieder mit den Mitgliedern der andern beiden Obergerichtshöfe, des Oberlandgerichts (Oourt ok Oonunon plea») und des Lehnkammergerichts (Court ob Lxclleguer), das Eollegium der 12 Oberrichter Englands ausmachen, und bald collegialisch, bald einzeln die Justiz durch ganz England (mit Ausschluß von Wales, des Herzogthums Lancaster, des Bis- thums Durham und einiger andern Districte) verwalten. Vor die Kingsbench gehören ursprünglich Landfriedensbrüche und andre Criminalsachen; durch eigne Fiktionen (daß Jemand unserSchuldner durch einen Landfriedensbruch gewordensei, z. B. eine ihm geliehene Summe gewaltsam weggenommen habe) werden aber auch bürgerliche Sachen dahin gebracht, sowie sie durch Appellation dahin gelangen. Zur Kingsbench gehört ein großes Gefängniß, aus mehren Häusern und Hofräumen bestehend, innerhalb deren die Gefangenen einer vollkommenen Freiheit genießen, und welches vorzüglich, sowie die Fleet, als Schuldgefängniß gebraucht wird. Benda (Franz), ältester Sohn eines böhmischen Leinwebers, geb. 1709 zu Albenatky in Böhmen, ist als der Stifter einer eignen Violinschule in Deutschland zu betrachten. Er spielte die Geige, aber es gebrach ihm so sehr an allen Hülfsmitteln, daß er sich zu einer Truppe herumziehender Musikanten begab. Unter diesen befand sich ein blinder Jude, mit Namen Löbel, der die Geige mit bewundernswürdiger Kühnheit und Vollkommenheit spielte. Nach ihm bildete sich B. Des unstäten Lebens müde, kehrte er in seinem 18. I. nach Prag zurück, wo er schon vorher Sopransänger an der St. -Nicolaikirche gewesen war. Nachdem er daselbst einige Zeit bei dem dortigen vortrefflichen Geiger Konyczeck Unterricht genossen hatte, unternahm er eine Reise nach Wien und fand daselbst Gelegenheit , den Unterricht des berühmten Franziscello zu benutzen. Von hier trat er nach 2 I. als Capellmeister in die Dienste des Starosten Szaniawski, wo er bis 1732 verblieb, wo ihn der damalige Kronprinz von Preußen (nachmals Friedrich II.), auf Quanz's Empfehlung in seine Dienste nahm. 1771 ward er an Graun's Stelle zum königl. Concertmeister ernannt und starb als solcher 1786 zu Potsdam in einem Alter von 76 I. Von seinen vielen Compositionen hat er nur 12 Solos für die Geige und eins für die Flöte herausgegeben. Unter seine Zöglinge im Gesänge zählt man seine beiden Töchter, die Gattinnen der Capellmeister Reichard und Wolfs. Benda (Georg), zweiter Bruder von Franz, gothaischer Capelldirector, geb. 1721 zu Jungbunzlau in Böhmen, wurde von Friedrich H. bei der zweiten Geige in der Capelle zu Berlin angestellt, trat aber 1748 als Capellmeister in die Dienste des Herzogs von Gotha, wo er sein Talent für Composition, besonders für den Kirchenstyl, immer mehr ausbildete. Der Herzog von Gotha, Friedrich IH., der selbst ein großer Freund der Tonkunst war, ließ ihn 1765 eine 776 Bender Benedict XIV. Reise nach Italien machen, und ernannte ihn hierauf, mit erhöhtem Range, zum Capelldirector. In Venedig traf G. Benda den Capellmeister Schweizer und den berühmten Hasse an, dessen freundschaftlichen Umgang er auf eine ausgezeichnete Weise genoß. Seine Talente hatten seit geraumer Zeit gleichsam geschlummert, denn mit dem Tode Friedrichs III., 1772, hörte die Kirchenmusik in der Hofkirche auf, für welche B. seine vorzüglichsten Werke geschrieben hatte. Jetzt aber begann in seinem Leben eine neue, glänzendere Periode. Schweizer, der damals durch die Composition der Wieland'schcn Oper „Alceste" bekannt geworden war, kam mit der Seiler'schen Schauspielergesellschaft nach Gotha. Durch ihn fühlte , sich B., der sein Talent für die Theatermusik schon durch die Opern „Oiro rioo- ! nosviuto" und „ll buvn marito" bewiesen hatte, aufs neue angeregt, für die Bühne zu arbeiten. B. faßte die Idee zu einem Melodrama und componirte seine ! „Ariadne", eine Idee, die I. I. Rousseau schon einige Jahre früher gehabt und auch in seinem „Pygmalion" ausgeführt hatte. Doch ist erwiesen, daß B. von Rousseau's Unternehmung nichts wußte. „Ariadne" wurde bald in ganz Deutschland und nachher auch in dem übrigen Europa mit schwärmerischem Beifall aufgenommen, und sie verdiente ihn wegen ihrer Originalität, Lieblichkeit und genialen Ausführung. Der „Ariadne" ließ B. in derselben Gattung die „Medea" von Götter folgen, in welcher er jedoch mehre Stellen arienmaßig behandelte. Dann setzte er die Opern: „Der Dorfjahrmarkt", „Wälder", „Romeo und Julie", „Der Holzbauer", „Pygmalion" und „Das tatarische Gesetz". Alle haben zu ihrer Zeit j einen mehr oder minder großen Beifall erhalten. Gegen 1778 suchte B. um seinen Abschied in Gotha nach, weil er seinem Nebenbuhler Schweizer nachgesetzt zu sein glaubte, und beharrte, trotz der Bitten des ganzen Hofes und seiner sämmtlichen Freunde, aufseinem Entschlüsse, worauf er eine Reise durch Deutschland machte, bald aber, seines unstäten Herumirrens müde, wieder nach Gotha zurückkehrte. In diese Zeit fällt seine Reise nach Paris, wohin er 1781 gerufen ward, um dort seine „Ariadne", der man einen franz. Text unterlegt hatte, selbst aufzuführen. Obgleich der Beifall, den diese Arbeit in Paris fand, getheilt war, so kehrte B., doch hinlänglich für seine Reise entschädigt, nach Gotha zurück, von wo er sich , nach Gcorgenthal, einem angenehmen Walddorfe, 3 Stunden von Gotha, 1785 aber nach Ronneburg, und von da nach dem nahe gelegenen Köstritz begab, wo er in der Stille lebte und von der Musik ganz Abschied nahm. Hier starb er 1795 in einem Alter von 73 I. Seine Zerstreutheit, sowie seine ganze übrige Originalität, hat zu mancher anziehenden Anekdote Anlaß gegeben. Bender, moldauisch Tigino (47° 16' O. L., 46° 50' 32" N. Br.), Hauptst. eines Bezirks in der russischen Provinz Bessarabicn am Dniester, an des- ! sen Ufern sie halbmondförmig erbaut ist, halb nach alter, halb nach neuer Art stark ! befestigt, mit Gräben und Wällen umgeben, und mit einem auf der Anhöhe liegenden Eastell, hat 2 Vorstädte, 7 Thore, 12 Moscheen, eine armenische Kirche, dunkle, enge, schmutzige Gassen, 10,000 Einw., worunter 250 armenische Familien, ferner Tataren, Moldauer, Juden u. s. w. Der Handel ist bedeutend, auch finden sich hier Papiermühlen, Gerbereien, Eisenschmieden und eine Salpe- tersiederei. Hier lebte Karl XU. (s. d.) 1709 fg. 1771 erstürmten die Russen unter Panin den Platz, wobei Besatzung und Einw. (an 30,000) niedergehauen > und die Stadt verbrannt wurde. Der Friede zu Kainardschi 1774 gab B. den Türken zurück. Am 15. Nov. 1809 eroberten es die Russen mit geringer Anstrengung. Im Frieden von Jassy fiel es abermals den Türken zu; im letzten Kriege nahmen es die Russen von neuem und behielten es im buchareschter Frieden 1812. Benedict Xiv. (Prosper Lambertini), geb. 1675 zu Bologna aus einer angesehenen Familie, zeichnete sich in seiner Jugend durch schnelle Fortschritte in allen Wissenschaften aus. Mit Vorliebe studirte er den heil. Thomas, legte sich mit Benedictbeum 777 Erfolg auf das kanonische und bürgerliche Recht, und ward zu Rom Consistorial- advocat. In der Folge ernannte man ihn zum kromotor Viäei, wodurch er veranlaßt wurde, ein schätzbares Werk über die bei den Seligsprechungen üblichen Gebräuche zu schreiben (Bologna 1734, 4 Bde., Fol.). Leidenschaftlich für die Wissenschaften, für historische Forschungen und für die Denkmäler der Kunst eingenommen, verband Lambertini sich mit allen berühmten Männern seiner Zeit, u. A. mit dem Pater Montfaucon, der von ihm sagte: daß B. zwei Seelen habe, eine für die Wissenschaften und eine für die Gesellschaft. Er machte sich auch mit . den trefflichsten Dichterwerken vertraut, durch die er seinen Geist erhob und seinen j Ausdruck belebte. Bcnedict XIII. ernannte ihn 1727 zum Bischof von Ancona, ' 1728 zum Cardinal und 1732 zum Erzbischof von Bologna. Allenthalben zeigte i er große Talente und erfüllte seine Pflichten mit dem gewissenhaftesten Eifer. Er widerstand der Religionsschwärmerei selbst mit Gefahr seiner eignen Sicherheit, nahm sich der Unterdrückten an und äußerte sich gegen Clemens Xlk. mit seltener ^ Freimüthigkeit, ohne darum das Wohlwollen desselben zu verlieren. Als nach Clemens's XII. Tode 1740 im Conclave die Umtriebe des Cardinals Tcncin die Wahl verzögerten, und die Cardinäle sich nicht vereinigen konnten, sagte Lambertini mit seiner gewohnten Gutmüthigkeit zu ihnen: „Wollt Ihr einen Heiligen, so nehmt Gotti, einen Politiker, Aldobrandi, einen guten Alten, mich". — Diese hingeworfenen Worte wirkten wie eine plötzliche Eingebung auf das Con- ^ clave, und Lambertini bestieg unter dem Namen Bmedict XIV. den päpstlichen Stuhl. Die Wahl der Minister und Freunde, mit welchen er sich umgab, gereichte seiner Urtheilskraft zur höchsten Ehre. Der Zustand der Kirche und die Lage des römischen Hofes waren dem Scharfblicke und der Klugheit Lambertini's nicht entgangen. Seit der Reformation zitterten die Fürsten nicht mehr vor dem Bannstrahle des Vaticans. Die Päpste hatten ihren Ansprüchen auf die zeitliche Oberherrschaft entsagt, und Lambertini sah ein, daß das Ansehen des päpstlichen Stuhls nur durch Nachgiebigkeit und weise Mäßigung erhalten werden könne. In diesem Geiste handelte er unabweichlich, und so gelang es ihm, selbst unter wider- ^ streitenden Verhältnissen, nicht nur die katholischen, sondern durch Willfährigkeit und Duldung auch die protestantischen Fürsten zufrieden zu stellen. Die Wissenschaften waren ein besonderer Gegenstand seiner Sorgfalt. Er stiftete Akademien zu Rom, erhöhte den Flor der Akademie zu Bologna, ließ einen Grad des Meridians messen, den Obelisk auf dem Marsfelde aufrichten, die Kirche St.-Mar- ! cellin nach einem selbst entworfenen Plane erbauen, die schönen Gemälde in St.- l Peter in Mosaik ausführen, die besten englischen und franz. Werke ins Italienische übersetzen, und auf seinen Befehl sing man an, ein Verzeichniß der Handschriften i der vatikanischen Bibliothek zu drucken, deren Zahl er bis auf 3300 vermehrt hatte. Die Verwaltung des Innern gereicht seiner Weisheit nicht minder zur Ehre. Er gab strenge Gesetze gegen den Wucher, begünstigte die Handelsfreiheit und ver- ; minderte die Zahl der Festtage. Seine Frömmigkeit war aufrichtig, aber aufge- j klärt und duldsam. Er bemühte sich , die Glaubenssätze und die guten Sitten aufrecht zu erhalten, wozu er selbst das löblichste Beispiel gab. Nach einer schmerz- ' hasten Krankheit, während welcher er nicht einen Augenblick die Heiterkeit seiner Seele noch die Lebhaftigkeit seines Geistes verlor, starb er am 3. Mai 1758. Der einzige Vorwurf, den ihm die Römer machten, war, daß er zu viel schreibe und zu wenig regiere. Seine Werke betragen in der zu Venedig erschienenen Ausg. 46 Foliobände. Seine wichtigste Schrift ist die von den Synoden, in welcher man den großen Kanonisten erkennt. Benedictbeurn, ehemals eine Abtei, im Jsarkreisedes Königr.Baiern, 15 Stunden von München, am Fuße des Vorgebirgs gegen Tirol. Das Kloster ward von den drei Brüdern Landftied, Waltram und Eliland, welche aus alt- 778 Benediktiner herzogl. bairischem Geschlecht entsprossen waren, um 740 gestiftet. Die prächtige Stiftskirche ward unter dem Abt Placidus erbaut und 1686 dem heil. Benedict zu Ehren eingeweiht. Bei der Aufhebung der Klöster in Baiern ward auch B. 1804 verkauft. Seit 1805 besitzt es der vormalige geh. Referendar Jos. v. Utz- schneider. Um die Klostergebäude wieder mit Menschen zu besetzen und die Klosterwaldungen zu benutzen, legte Hr. v. U. eine Glashütte an. 1806 errichtete er daselbst eine Kunstglashütte, um das mechanische Institut in München, welches er 1804 mit dem pfalzbairischen Artilleriehauptmann, Georg Reichenbach, und dem Mechanikus, Joseph Liebherr, gegründet hatte, mit dem erfoderlichen Flint-und Erownglas zu versehen. So bildete sich hier in Zeit von 12 I. das berühmte optische Institut, das zu allen astronomischen Instrumenten, die in den Werkstätten der Hrn. von Reichenbach und Liebherr für die meisten Sternwarten von Europa verfertigt wurden, die optischen Gläser geliefert hat. (S. Fraunhofer und Reichenbach.) Wahrend der Eontinentalsperre ward zu B. aus Kartoffeln mit Vortheil Zucker bereitet, späterhin aber dafür eine Rauch - und Schnupftaback- fabrik eingerichtet: eine Anstalt, die gute Tabacke liefert und viele Menschen nützlich beschäftigt. Die Schulanstalt im Ortsgericht B. ist in gutem Zustande und wird von Utzschneider vorzüglich unterstützt. Die von dem aufgehobenen Kloster » noch lebenden Geistlichen haben in einem Theile des ehemal. Klostergebaudes eine ! Freistätte; sie sind gebildete Männer, werden von Utzschneider theils zu ökonomi- I sehen Geschäften, vorzüglich aber bei der Schule verwendet, und erhalten von ihm f kleine Zulagen, um in ihrem Alter bequemer leben zu können. In der Nähe liegt das berühmte Wildbad Heilbrunn. Benediktiner konnten vom 6. bis in das 10. Jahrh, fast alle Mönche im Abendlande genannt werden, weil sie der Regel des heil. Benedictus (s. d.) von Nursia folgten. (Vgl. Klöster und Orden.) Was einzelnen Klöstern in Spanien und Frankreich um diese Zeit von ihren Bischöfen vorgeschrieben worden war, stimmte, wie die Regel des Jrländers Columbanus (geb. 560, gest. 615), im Wesentlichen mit der Regel Benedicts überein, und bei dem Fortgange seines Ordens vereinigten sich jene Klöster und die vom Orden Columban's mit ihm. Monte Eassino bei Neapel, das Stammkloster der Benediktiner, ward das Muster aller übrigen. Damals standen die Klöster ohne gemeinsame Ordensobere noch unter den Bischöfen ihrer Gegenden und wichen in mancherlei Erweiterungen, Schürfungen oder Milderungen der Grundregel von einander ab. Nicht einmal die Farbe der Kleidung war übereinstimmend. Die Eolumbaner hatten sie weiß, wie auch die ältesten der Benedictinerinnen, welche im 6. Jahrh, in Frankreich entstanden. Nach den später erfolgten Vereinigungen trugen sie alle Mitglieder dieses Ordens schwarz, wie der Stifter gekleidet gewesen sein soll. Der Verfall der Klosterzucht seit dem 8. Jahrh, veranlaßte die Verbesserungen Benedicts von Aniana in Frankreich, die erneuerte Einschärfung der alten Regel und zeitgemäße Verordnung auf dem Concilium zu Aachen 817, die besondern Satzungen und Brüderschaften der berühmten Klöster in Frankreich, Deutschland und England, welche sich in der Wildheit jener Zeiten zu Sitzen der Bildung erhoben, und die Stiftung der Clunia- censer, eines neuen Zweiges der Benediktiner, der aus dem 910 gegründeten Kloster Clugny in Burgund hervorging. An die Stelle der bisherigen ungleichen und schwankenden Satzungen gaben die Cluniacenser feste Bestimmungen über die Stunden des Gottesdienstes, über den Gehorsam, die Zucht und die gemeinschaftliche Regierung aller Klöster ihres Ordens, die bald in ganz Europa Nachahmung fanden. Im 12. Jahrh, zahlte ihr Orden 2000 Klöster, deren Üppigkeit öftere Reformationen nöthig machte und die Hauptursache ihres nachmaligen Verfalls wurde. Die Überreste der Cluniacenser vereinigten sich im 17. Jahrh, unter Richelieu's Begünstigung mit den Benedictinerbrüderschaftcn von St.-Vannes Lenoäiotw Benedictrrs (der heilige) ^79 und St.-Maurus, welche letztere 1618 gestiftet, im Anfange des 18. Jahrh. 180 Abteien und Priorate in Frankreich hatte, und durch gelehrte Glieder, wie Ma- billon, Montfaucon, Martsne, zu verdientem Ansehen gelangt ist. Zu der Familie Benedicts gehören die auf den Stamm seines Ordens und auf seine Grundregel gebauten neuen Orden, welche seit dem 11. Jahrh, entstanden sind und sich durch Tracht, Namen und besondere Satzungen von den Benedictinern unterscheiden, z. B. Camaldulenser, die Mönche von Vallombrosa, die Syl- vestriner, Grandmontaner, Earthauser, Eölestiner, Cister- cienser und Bernhardiner, Trappisten und Religiösen von Fonte- vraud. (S. dd.). Ein verfassungsmäßig geordnetes und aristokratisch oder monarchisch regiertes Ganze haben die Klöster von der Regel des heil. Benedict niemals ausgemacht, vielmehr mußten eine Menge Klöster, welche von den alten exemten Benedictinern abstammten, sich auf Befehl der tridentinischen Kirchenversammlung nach und nach zu besondern Brüderschaften vereinigen. Unter diesen verdienen die Benedictiner von Monte Easino, von Monte Vergine, von Mvnte Oliveto, welche sich Olivetaner nennen, in Italien und Sicilicn, wo sie bis jetzt ununterbrochen geblüht haben, von Valladolid mit Montserrat in Spanien, wo sie noch gegenwärtig zu den reichsten Orden gehören, vonHirschau und Fulda mit Bursfeld, welche beide eingegangen sind, und von Mölk in Deutschland wegen der Größe ihrer Besitzungen, der Pracht ihrer Kirchen und der Milde ihrer Regel vorzügliche Erwähnung. Zu der noch jetzt bestehenden und, durch die vom Staate angeordnete Verwendung ihrer Mitglieder und Einkünfte zu gemeinnützigen Zwecken, dem Zeitgeiste angepaßten Brüderschaft von Mölk halten sich die übrigen Benedictinerklöster im Östreichischen, z. B. Kremsmünster, Maciazell, das Schottcnkloster in Wien u. a. m. An vielen der weiblichen Klöster dieses Ordens hat ausschließend der Adel Antheil, weil die Stellen darin den einträglichsten Pfründen gleichen. Das ungebundenste Leben führen die Benedictiner in Sicilien, meist jüngere Söhne vornehmer Familien. In Modena haben sich Benedictiner wieder angesiedelt und ein Kloster mit Einkünften erhalten. L. Lsneäietio,die Weihung einer Sache mit Weihwasser. Leneäietio beaties, der Segen, welcher den Büßenden, wenn sie krank liegen, mitgetheilt wird. Man pflegt ihn auch das Viativum zu nennen. Lsneäictio 8»eer<1o- ta, Iis ist die priesterliche Einsegnung oder Trauung Verlobter Personen. Bene- diction geben, wird vom Papste, von Eardinälen, Bischöfen und päpstlichen Nuntien gesagt, wenn sie dem Volke oder einer Privatperson, in der Kirche oder auf der Straße, mit dem Zeichen des Kreuzes, den Segen ertheilen. Der Papst gibt die feierliche Benediction drei Mal m Jahre, nämlich am Gründonnerstage, am Osterfeste und am Himmelfahrtstage. Benedictus (der heilige), der Gründer des ersten occidentalischen Mönchsordens und daher der abendländischen Mönche) geb. 480 zu Nursia in Umbrien (im jetzigen Kirchenstaat), ging im 14. I. schon in die Einsamkeit einer 40 Meilen von Rom in der Wüste Subiaco gelegenen Höhle, und entwarf 515 eine Regel für seine Mönche, die zuerst in dem von ihm lauf dem Monte Easino bei Neapel, in einem Hain des Apollo, nach Zerstörung des Tempels, 599 gestifteten Mönchskloster eingeführt, und dann, da sie vernünftiger und wohlthätiger als die vorigen war, nach und nach.dieRegel alles abendländischenMönchsthums ward. Die Äbte von Monte Easino erlangten in der Folge bischöfliche Gerichtsbarkeit und eine gewisse Patriarchie über den ganzen Orden. B. wollte die Geschaftslosigkeit verbannen und verordnete daher, außer dem Werke Gottes (wie er Gebet und das Lesen geistlicher Bücher nannte), Unterweisung der Jugend im Lesen, Schreiben, Rechnen, im Christenthum, Handarbeit (worunter Handwerker und Künstler aller Art) und Ökonomie des Klosters. Kleidung und Leibespflege waren strenge, doch 780 Benevento Benjowsky nicht übertrieben. B. ließ eine Bibliothek anlegen, wozu die alten gebrechlichen Brüder (oräo soriptoriua) Handschriften abschreiben mußten. Dadurch half er, ohne gerade eine solche Absicht zu haben, die literarischen Kenntnisse vom Untergänge retten. Denn obschon er nur das Abschreiben religiöser Bücher verstanden hatte, so ward dies doch in der Folge auf classische Werke aller Art ausgedehnt; und dem Benedictinerorden verdankt die gelehrte Welt die Erhaltung großer litera- rischer Schätze. L. Benevento, Herzogthum in der neapolitanischen Provinz Principato Oltra, 44- H>M., m>t 20,348 Einw., welches mit Stadt und 8 Dörfern seit dem 11. Jahrh, dem päpstlichen Stuhl gehörte. 1806 schenkte Napoleon es seinem Minister Talleyrand, der daher den Titel eines Prinzen von Benevento annahm. 1815 erhielt es der Papst zurück. Ausgeführt werden Hornvieh, Getreide, Wein, Südfrüchte und Wildpret; die Staatseinkünfte betragen nicht über 6000 spanische Thlr.; dennoch empörten sich die Einwohner 1820, was auffallend war, da sich sonst solche Enclaven in der Regel nicht übel befinden. In den frühesten Zeiten gehörte der weit ausgedehntere Staat von Benevento zum Lande der Sam- niter. Die Lombarden erhoben ihn 571 zu einem Herzogthum, welches noch lange nach dem Fall des lombardischen Königreichs unabhängig blieb. Später fiel es in die Hände der Saracenen und der Normannen. Nur die Stadt und deren heutiger Bezirk blieben von den letztem verschont, weil Kaiser Heinrich III. dieselben dem Papst Leo IX. zur Ausgleichung wegen einiger abgetretenen Lehnrechte aufBamberg in Franken überließ. Die befestigte Stadt Benevento (32° 27^ L., 40° 6" Br.) auf ^ einer Anhöhe zwischen den Flüssen Sabato und Ealore, welche sich unweit derselben vereinigen, hat 13,900 Einw., 8 Kirchen, 19 Klöster, 3 Collegiatstifte, ein Erzbisthum (seit 969) und mehre Fabriken von gold - und silbcrplattirten Waaren, Leder und Pergament. Der Getreidehandel ist beträchtlich, die fünf Messen aber sind unbedeutend. Wenig Städte in Italien verdienen wegen ihrer Alterthümer so viel Aufmerksamkeit als Benevent. Beinahe jede Mauer besteht aus Bruchstücken von Altären, Grabmälern, Säulen und Gebälken. Unter Andern zeichnet sich der prächtige, wohlerhaltene, 114 erbaute Triumphbogen Trajans aus, jetzt unter dem Namen des goldenen Thors (kort» aurea) ein Stadtthor von Benevento. Die Hauptkirche ist ein finsteres Gebäude im altgothischen Styl. Bengalen, s. Indien. Bengel (Johann Albanus), ein berühmter Theolog, geb. den 24. Juni i 1687 zu Winneden im Würtembergischen, studirte zu Stuttgart und Tübingen, machte eine gelehrte Reise und ward 1713 Prediger und Professor zu Denkendorf. Die griech. Sprache war ein Hauptgegenstand seines Unterrichts. Besonders beschäftigte er sich mit den Kirchenvätern und dem N. Test. 1741 wurde er Rath und Propst zu Herbrechtlingen, 1747 in den weiten und 1748 in den engen Ausschuß der Landschaft gezogen, 1749 Prälat zu Alpirsbach. Er starb am 2. Dec. 1752. B. war der erste lutherische Theolog, der die Kritik der Schriften des N. T. in ihrem ganzen Umfange mit dem Scharfsinn, der Geduld und Reife des Urtheils behandelte, die eine solche Arbeit erfodert. Besonders hat er sich um die Berichtigung des Textes große Verdienste erworben. Weniger Werth haben seine Bemerkungen , in welchen er sich zuweilen durch Neigung zum Mysticismus hat irreleiten ; lassen. Seine Auslegung der Apokalypse hat ihm bei Einigen den Ruf eines be. geisterten Propheten, bei den Meisten aber den eines Schwärmers erworben Seine Sitten und sein Eharakter wurden allgemein geschätzt. Benjowsky (Moritz August, Graf v.), ein Mann von rastloser Thätigkeit und von außerordentlichen Schicksalen, geb. 1741 zu Werbowa in der Neutraer Gespannschaft in Ungarn, wo sein Vater General in kaiserl. Diensten war, diente dem Hause Ostreich als Lieutenant im siebenjährigen Kriege bis 1758) wo ihn ein Benningsen 781 l 1 i l Oheim, den er beerben sollte, nach Lithauen rief. Nach seiner Mutter Tode ge- rieth er mit seinen Stiefschwestern in Streit, weßhalb er auf Reisen ging. Er stu- dirte nun in Hamburg, Amsterdam und Plymouth die Schifffahrtskunde. Daraufging er nach Polen, trat der Eonföderation gegen die Russen bei, ward Oberster, Befehlshaber der Cavalerie und Generalquartiermeister. Von den Russen 1769 gefangen, kam er 1770 nach Kamtschatka. Auf der Fahrt dahin rettete er in einem Sturme das Schiff, das ihn trug; dieser Umstand verschaffte ihm bei dem Statthalter Niloff eine gute Aufnahme, dessen Kinder er in der französischen und deutschen Sprache unterrichtete. Hier verliebte sich Aphanasia, Niloff's jüngere Tochter, in ihn; B.'s Talente vermochten ihren Vater, den Grafen in Freiheit zu setzen und ihn mit derselben zu verloben. Während dessen hatte er aber schon den Plan entworfen, mit mehren Mitverschworenen aus Kamtschatka zu entfliehen. Aphanasia erfuhr sein Vorhaben; aber sie verließ ihn nicht, sondern warnte ihn, als man damit umging, sich seiner Person zu bemächtigen. In Begleitung Aphanasiens, die ihm unveränderlich treu blieb, obgleich sie jetzt erfahren hatte, daß er verheiratet sei, verließ B. Kamtschatka im Mai 1771 mit 96 Personen. Er segelte nach Formosa, dann nach Macao, wo viele von seinen Begleitern starben, unter ihnen auch die treue Aphanasia. Endlich kam er nach Frankreich und ward hier bestimmt, auf Madagascar eine Niederlassung zu gründen: ein Unternehmen, dessen Schwierigkeit er vorhersah, besonders da der Erfolg ganz von dem Willen der Beamten von Jsle de France abhing, an die er wegen des größten Theils seiner Ausrüstung und Unterstützung verwiesen war. Im Juni 1774 kam B. in Madagascar an, gründete eine Niederlassung zu Foul-Point und gewann die Achtung verschiedener Völkerschaften, die 1776 ihn zu ihrem Ampansacabe oder König ernannten; wobei auch die Weiber seiner Gemahlin (die er schon in Frankreich aus Ungarn hatte kommen lassen) den Unterwerfungseid schworen. In der Folge reiste er nach Europa, um der Nation einen mächtigen Verbündeten und Handelsaussichten zu verschaffen. Allein bei seiner Ankunft in Frankreich ward er durch die Verfolgungen des franz. Ministeriums genöthigt, in kaiserl. Dienste zu treten, in welchen er 1778 im Gefecht von Habelschwerdt gegen die Preußen commandirte. 1783 suchte er in England eine Expedition nach Madagascar zu Stande zu bringen. Er fand bei londner Privatleuten, und vorzüglich bei einem Handelshause zuBaltimore in Amerika Unterstützung. Jm Ock. 1784 reiste er ab, ließ aber seine Gemahlin in Amerika zurück und landete 1785 auf Madagascar. Als er hier aber Feindseligkeiten gegen die Franzosen anfing, schickte die Regierung von Jsle de France Soldaten gegen ihn. In einem Gefecht den 23. Mai 1786 ward er von einer Kugelln die Brust tödtlich verwundet. B. hat seine Begebenheiten französisch beschrieben. William Nicholson hat dieselben aus der Handschrift englisch übers. herausgegeben; wir besitzen mehre deutsche Übersetzungen, u. A. von Georg Förster (Leipz. 1791,2 Bde.). Seine Witwe, geb. Henschel aus der Zips, starb den 4. Dec. 1825 auf ihrem Gute Vieska bei Behko. Den einzigen Sohn B.'s haben auf Madagascar die Ratten gefressen. Noch leben Kinder von seinen beiden in die Häuser Szakmary und Ooskay verheira- theten Töchtern. Kotzebue hat diesen merkwürdigen Mann auf die Bühne gebracht. Benningsen (LevinAugust,Freiherr.v.), russ. GeneralenEhef, geb. 1745 zu Banteln im Hanöverschen, trat in russ. Kriegsdienste und lieferte 1807 die Schlachten bei Eylau und Friedland. Nach dem tilsiter Frieden zog er sich auf seine Güter zurück. 1813 führte er eine russische Armee, genannt die von Polen, nach Sachsen, nahm an der Schlacht von Leipzig Theil und blokirte Hamburg. In der Folge war er Gouverneur im südlichen Rußland, endlich ließ er sich in seinem Vaterlande nieder und starb den 3. Oct. 1826. Er ist Vers. der „Gedanken über einige Kenntnisse, die einem Ofsicier der leichten Cavalerie nöthig sind" (Riga 1794, Wilna 1805). Auch hat er Denkschriften über seine Zeit hinterlassen. 782 Benno Benno (der heilige), geb. 1010 zu Hildesheim aus dem Geschlechte der Grafen von Woldenberg, wurde 1028 Benedictinermönch im Kloster St.-Michael daselbst, 1051 Kanonicus des Stifts Simon und Judä zu Goslar und Lehrer der jungen Kanoniker desselben. Heinrich IV. erhob ihn 1066 zum Bischof von Meißen und begünstigte ihn durch wiederholte Schenkungen an Landgütern für seine Kirche. Dennoch nahm B. an der Verschwörung der ihm verwandten sächs. Großen gegen den Kaiser heimlich Theil, daher ihn Heinrich nach der Schlacht an der Unstrut auf seinem Zuge durch Meißen 1075 als Gefangenen mit wegführte. 107-6 entlassen und in sein Bisthum eingesetzt, aber bald neuer Untreue verdächtig, da er auch von dem Gegenkaiser Rudolf Schenkungen angenommen hatte, mußte er 1078 Meißen abermals verlassen und Heinrichs Gefangener bleiben, bis dessen Zug nach Italien ihm 1081 die Freiheit wieder verschaffte. Auch nun hielt er es mit Heinrichs Feinden und wohnte 1085 der Synode zu Quedlinburg bei, die unter dem Vorsitz eines Legaten Gregors VII. dessen Bann gegen den Kaiser bestätigte. Eine zu derselben Zeit in Mainz unter Heinrichs Einfluß gehaltene Synode entsetzte mit andern Empörern auch Benno seines Amtes, und Gregor VII., dem er anhing, starb 1085. Daher wendete er sich nun reuig an den vom Kaiser eingesetzten Gegen- papst, Clemens III., und erhielt dessen Verzeihung. Von Nom begab er sich zu dem ihm als Nachbar schon früher befreundeten Herzog Wratislaw von Böhmen, admi- nistrirte bei dessen Krönung zu Prag und erlangte, da der von Clemens 1085 an seine Stelle gesetzte Bischof Felix in Meißen 1086 oder im folg. I. starb, durch Wratislaw's Vermittlung sein Bisthum und die Gunst des Kaisers wieder, wie eine Schenkung desselben -an die Kirche zu Meißen 1098 beweist. An diese letzte Rückkehr B.'s nach Meißen knüpft Einser in seiner durch ältere, die historischen Angaben in diesem Art. begründende, Urkunden oft widerlegten „Vita Lennunio" (Lpzg. 1512, Fol., C. XIX), die sehr unwahrscheinliche alte Sage, der Schlüssel zur Domkirche in Meißen, den B. bei seinem Abzüge 1085 in die Elbe geworfen habe, um dem excommunicirten Kaiser Heinrich den Eingang in diese Kirche zu versperren, sei eben, da er auf dem Wege nach Meißen 1088 bei einem Wirth an der Elbe eingesprochen, von diesem in einem zur selbigen Zeit gefangenen großen Elbfische gefunden worden. Doch war B.'s Recht auf sein Bisthum, wofür die Legende sich solcher Beweise bediente, von ihm selbst besser begründet. Schon in den ersten Jahren der Verwaltung desselben hatte er viel für die Bekehrung der heidnischen Wenden in seinem Sprengel gethan. Nun fand er ihn durch die unaufhörlichen Heereszüge in Sachsen so verwüstet, daß er sich vor allen Dingen der Herstellung und Verbesserung des Ackerbaus befleißigte und dadurch den Wohlstand seiner Untergebenen wieder in Aufnahme brachte. Sein Versuch, den liturgischen Gesang in Meißen auf römische Art einzurichten, hatte keinen Fortgang; überhaupt wurden ihm die letzten Jahre seines Lebens durch Streitigkeiten mit seinen Capitularen und den Markgrafen von Meißen verbittert, daher er meist auf dem Lande lebte. Er starb den 16. Juni 1107. Handschriften unerheblicher allegorischer Erklärungen der Sonntagsevangelien, eine Anweisung zum Briefschreiben und Briefe, die ihm zugeschrieben werden, bewahrt die Bibliothek in Wolfenbüt- tel. Kein Schriftsteller seiner Zeit erwähnt die Wunder, welche die spätere Legende auf seine Rechnung gebracht hat. Erst 1270 wurden seine Gebeine in die Domkirche zu Meißen versetzt und dabei Krankenheilungen gerühmt, die sie bewirkt haben sollten. Die Wallfahrer erhielten seit 1285 an seinem Grabe 40 Tage Ablaß, woraus Papst Calixt III. 1405 100 Tage machte. Eine jährliche Gedächtnißfeier stiftete ihm ein meißner Kanonicus und Archidiakonus über die Lausitz, Konrad Pouse, 1366 in Meißen und 1377 in Bautzen. So kam die Verehrung dieses neuen Heiligen in Gang, doch erst 1523 versetzte ihn Papst Adrian VI., nachdem seit 1498 das Capitel zu Meißen, Herzog Georg von Sachsen, Kaiser Karl V. Benserade Bentharn 783 und andre Fürsten Bitten und schweres Geld dafür in Rom verwendet hatten, unter die Heiligen, vorzüglich um dem durch die Reformation in Sachsen gesunkenen Katholicismus eine neue Stütze zu geben. Allein nach Herzog Georgs Tode 1539 wurde der dem heil. B. gewidmete Dienst nebst andern katholischen Gebrauchen in Meißen abgestellt. Seine Gebeine kamen erst nach Stolpen, dann nach Würzen in Verwahrung, bis 1576 München sie aufnahm. Daselbst ruhen sie in einer prächtigen Capelle bei der Kirche U. L. Fr. und genießen große Verehrung, weil diese Stadt ihn zu ihrem Schutzpatron erwählt hat. 31. Benserade (Jsaakv.), Dichter am Hofe Ludwigs XIV., geb. 1612 zu Lyons - la - Foret, einer kleinen Stadt in der Normandie, schrieb Theaterstücke und verfertigte eine Menge sinnreicher Verse für den König und Andre. In der ersten Hälfte der Regierung Ludwigs XlV. begünstigte noch der Hof, und wer sich nach dem Hofe bildete, die galanten Lieder, Rondeaux, Triolets, Madrigale und Sonette, deren Inhalt artige Einfälle und Tändeleien, besonders aber Galanterien waren, die man im gezierten Hofstyle den Damen sagte. Niemand hatte es in dieser Kunst so weit gebracht als B., der deßwegen vorzugsweise Is poete äe 1a eour hieß. Er empfing dafür so viel Pensionen, daß er einen ungewöhnlichen Aufwand -nachte. Des Hoflebens überdrüssig, zog er sich auf sein Landgut Gentilly zurück und starb 1691. Bensley (Thomas), Buchdrucker in Fleetstceet zu London, theilt mit Bulmer den Ruhm, der erste typographische Künstler Englands zu sein. Zuerst zeichnete er sich durch seinen Druck der engl. Übersetzung von Lavater's „Physiognomie" (London 1789, 5 Bde., 4.) aus und schritt auf dem rühmlich betretenen Wege mit eben solchem Eifer als Glück fort. Die schönsten Erzeugnisse seiner Ofsicin sind die Macklin'sche Prachtausgabe der engl. Bibelübersetzung (1800 — 15, 7 Bde., Fol.) und die Prachtausgabe von Hume's „Geschichte von England" (1806, 8 10Bde., Fol.), beide mit ausgezeichneten Kpftn. Unter seinen Drucken in kleinerm I Format zeichnen sich Ausg. des Shakspeare (1803,7 Bde.) und Hume (1803, ! 10 Bde.) aus, mit meisterhaften Holzschnitten. Auch hat er mehre gelungene Per- ! gamentdrucke geliefert und zuerst die von König und Bauer erfundene Druckmaschine bei Elliotson's engl. Übersetzung von Blumenbach's „Physiologie" (London 1818) angewandt. 52. f Bentham (Jeremias), Rechtsgelehrter, geb. 1735, ist nie als Advocat t aufgetreten, auch hat er seine Hauptwerke nie selbst herausgegeben, sondern ein > Freund, Dumont aus Genf, hat sie aus seinen Manuscripten ins Französische übersetzt und theils in Paris, theils in London drucken lassen. Dahin gehört: ,,3'raites tion st ä'une vuv »I'un eorps eoinplet äs äroit; terinines par un essai sur I'in- llvence lles teinps st «les lieux lelstivsmont aux lois" (Paris 1802, 3 Bde.) si und „lileorie »les peines st »les revoinpenses" (Lond. 1801, 2 Bde.). B. ist s ein Anhänger der Parlamentsreform und einer durchgreifenden Verbesserung der Civil- und Criminalgesetzgebung. Sein „IraAmenton Government", nach Black- s! stone, erschien anonym 1776, und mit seinem Namen, London 1823. In Frank- - reich haben seine gelehrten Bemühungen mehr Beifall gefunden als in England und - Deutschland. Eine kleine Schrift über die Preßfreiheit (London 1821) ward von ! ihm an die spanischen Cortes gerichtet, als sie über diesen Gegenstand verhandelten, ä und in einer andern („Hirse tracts relative to tlie spanisl» an»l portuAuose ak- - lairs", Lond. 1821) widerlegt er die Unentbehrlichkeit einer Pairskammer für Spa- ! nien, sowie Montesquieu's Satz: daß die gerichtlichen Formen der Schutz der Un- « schuld seien, indem gewisse Formen vielmehr nur den Schuldigen zu statten kommen, st (Sehr wahr, wol die meisten kommen dem Verbrechen zu gut). Das neueste Werk f des 88jährigen Mannes ist: „11>s art ok packinA" (Lond. 1821), d. i. die Kunst 784 Bentheim Bentley Geschworene zusammenzubringen, wie man sie gerade nöthig hat, um nach Belieben verdammende oder lossprechende Urtheile zu erhalten. Seme frühere Schrift: ! „bl88Li sur la tavtigue cke8 a88emblee8 IeAi8lutive8", aus des Verfassers Papieren von Etienne Dumont (Genf 1815) herausgegeben, und deutsch: „Taktik oder Theorie des Geschäftsganges in deliberirenden Versammlungen" (Erlangen 1817), enthalt nützliche Bemerkungen. Seine „Introckuot. to tbe prineiple« ok invral8 anä leZinIatioa" (Lond. 1823, 2 Bde.) verbreitet sich mit Tiefe und gedankenreicher Kürze über die wichtigsten Gegenstände der Regierungskunst. Zanobelli hat B.'s Theorie der gerichtl. Beweise ins Jtal. übers. (Bergamo 1824, 2 Bde.). 37. Bentheim, Grafschaft in Hanvver, (24° 8^ bis 24° 57^ Ö. L. und 52° ^ 15^ bis 52° 4 durch Erlegung einer gewissen Summe auszulösen. Aber dessenungeachtet unterwarf es Napoleon 1807 der Oberherrschaft des Großherzogs von Berg und vereinigte es 1810 ganz mit Frankreich. Gegenwärtig besitzt Hanvver die Landeshoheit, und der Fürst von Bentheim-Steinfurt, welcher 1823 die Pfandsumme bezahlte, ist wegen Bentheim hanöv., und wegen Steinfurt preuß. Standesherr. Preußen hatte ihn 1817 in den Fürstenstand erhoben. (Vgl. Standesherren.) Bentivoglio (Eornelio), Cardinal und Dichter, geb. zuFerrara 1668, aus einer Familie, die in der ehemaligen Republik Bologna die höchsten obrigkeitlichen Ämter bekleidete. Ihn zogen zugleich schöneKünste, schöne Wissenschaften, Philosophie, Theologie und Rechtskunde an. Schon in Ferrara begünstigte er alle dortige wissenschaftliche Anstalten. Papst Clemens Xl. ernannte ihn zum Hausprälaten und zum Secretair der apostolischen Kammer und sandte ihn nach Paris - 1712 als Nuntius, woselbst er in den damaligen Umtrieben über die Bulle liniZe- nitu8 während Ludwigs XIV. letzter Lebensjahre eine wichtige Rolle spielte. Ganz anders über die Bulle dachte der Regent, Herzog von Orleans, der weder die Bulle noch den Nuntius und seine wissenschaftliche Bildung schätzte. Der Papst versetzte ihn deßwegen nach Ferrara, bis er ihm 1719 den Cardinalshut ertheilte und ihn bald in Rom in seiner Nähe, bald als 1>eZatu8 a lateie in Romagna, oder als Nuntius in Madrid fungiren ließ. 1732 starb B. in Rom. Die Dichtkunst beschäftigte die Erholungsstunden des gelehrten Cardinals. In Gobbi's Sammlung, Bd. III, und in andern seiner Zeit findet man hübsche Sonette von ihm. Statius's „Thebaide" übersetzte er ins Jtal. unter dem Nameu Selvaggio Porpora. In den ! Kunstanstalten hielt er gern öffentliche Reden, unter welchen seine Vertheidigung^ ^ rede für den weltlichen Nutzne und die kirchliche Moralität der Malerei, der Bildhauerkunst und der Architektur, gehalten in der Zeichnungsakademie zu Rom 1707, von der Akademie der Arkadier im 2. Bd. aufgenommen worden ist. Bentley (Richard), einer der gelehrtesten und genialsten Kritiker, Sohn eines Gerbers oder Hufschmieds, geb. d. 27. Jan. 1662 in Oulton bei Wakesield in der Grafschaft Bork, zeigte früh außerordentliche Talente, mit einem seltenen Fleiß verbunden. Er besuchte die Schule von Wakesield, studirte seit 1676 zu Cambridge, 785 Benzel-Sternau wurde 1681 Schulhalter zu Spaling, dann Begleiter des Sohnes des Dr. Stil- lingfleet nach der Universität Oxford, und hierauf Capellan desselben Principals als Bischofs von Worcester. Vor seinem 24. I. hatte er sich ein alphabetisches Verzeichnis aller hebräischen Wörter in der Bibel mit ihren chaldäischen, syrischen, latein. u. a. Bedeutungen zusammengesetzt. Da Robert Boyle, einer von den Söhnen des Grafen Cork, ein Vermächtnis für eine bestimmte Anzahl Predigten, die jedes Jahr zur Vertheidigung der natürlichen und geoffenbarten Religion gehalten werden sollten, gegründet hatte, wurde B. 1692 gewählt, den Willen dieser Stiftung zu erfüllen. Er arbeitete 8 Reden aus, deren Gegenstand die Ungereimtheit des Atheismus ist, wobei er sich auf die philosophischen Ideen Newton's stützt, und selbst einige von Locke angenommen hat. Diese mehrmals aufgelegte Schrift ist in verschiedene Sprachen übersetzt worden. 1693 oder 1694 erhielt B.dieAufsicht über die königl. Bibliothek zu St.-James. 1697, als Grävius denKallimachus herausgegeben hatte, schickte ihm B. eine große Sammlung von Bruchstücken dieses Dichters, nebst seinen Bemerkungen; in demselben Jahre schrieb er, in Folge der Wot- ton'schen Schrift über die Gelehrsamkeit der Alten und Neuen, eine Abhandlung über die Briefe des Themistokles, Sokrates, Euripides, Phalaris und über die Fabeln des Äsop. Boyle, Grafv. Orrery, hatte 2 I. vorher die Briefe des Phalaris herausgegeben und sich in der Vorrede über Bentley's Ungefälligkeit beklagt, der ihm eine Handschrift von der St. - Jamesbibliothek nur auf so kurze Zeit vergönnt hatte, daß er sie nicht benutzen konnte. Um sich über diesen Angriff zu rächen, bewies B. die Unechthcit der Briefe. 1700 ward er Lehrer an dem Trinitycollegium zu Cambridge. Er verzichtete aus das Kanonicat von Worcester und wurde das I. darauf zum Archidiakonus von Ely ernannt. Während er sich hier in die ver- drüßlichsten Streitigkeiten verwickelte, setzte er seine gelehrten Arbeiten fort und gab 1710 seine kritischen Bemerkungen über 2 Lustspiele des Aristophanes und unter dem Namen kkileleutlieru« läpsierwi« seine Verbesserungen der Bruchstücke des Menander und Philemon, seinen Horaz (1711, 3. Ausg., Amsterdam 1723) und 1726 feinen Terenz und Phädrus heraus, welcher letztere aber von Hare in der berühmten „klpistola eritiva" scharf durchgenommen wurde. Seine Ausg. des Horaz, die noch jetzt für die beste gelten darf, lst als sein vorzüglichstes Werk zu betrachten. In seiner Ausg. des „Verlorenen Paradieses" von Milton hatte er ohne Rücksicht Veränderungen vorgenommen und dadurch manche Eigenthümlichkeit und Schönheit verwischt. Er starb 1742. S. B.'s trefflliche Biographie, von F. A. Wolf, im 1. Bd. der „Literar. Analekten" (Berlin 1816). Benzel-Sternau (Karl Christian, Graf v.), geb. zu Mainz 1750, war 1812 fg. Geheimerrath und Ministerialdirector für das Depart. des Innern im ehemal. Großherzogthum Frankfurt; früherkurerzkanzl.Staatsrath zu Regcnsburg, lebte nachher in der Schweiz, jetzt auf seinem Gute Emrichshofen bei Hanau. Er ist einer der ausgezeichnetsten humoristischen Schriftsteller unserer Zeit und Geistesverwandter I. Paul's. Seinen Ruhm begründete „Das goldene Kalb" (eine Biographie, 1802 — 4, 4 Bde., in der ersten Ausg.); dann folgten die „Lebensgeister aus dem Klarfeldschen Archive" (Gotha 1804); „Gespräche im Labyrinth" (3Bde., 1806); „Der steinerne Gast" (1808, 4Bde.); die Zeitschrift „Ja- son" (von 1808—10); „Der alte Adam, eine neue Familiengeschichte" (Gotha 1819,2 Bde.) u. a. — Mannigfaltigkeit und schwelgender Reichthum an Bildern und Vergleichungen, üppiger Witz, Feinheit und Beobachtung, tiefe Weltkenntnis , die sich vorzüglich in Ausmalung der Charaktere und Einwebung feiner Bemerkungen und kräftiger Sittensprüche zeigt, dunkle Mischung von Scherz und Ernst sind seinen Werken ebenso eigen als die mangelhafte Erfindung und eine oft nach Witz jagende, räthselhaft dunkle und spitzfindige Behandlung seiner Gegenstände, welche nebst dem Seltsamen und Überladenen der Composition den reinen Conv.-Ler- Siebente Aufl. Bd. I- s 50 786 Benzenberg Benzoö Genuß nicht selten stört. Er und sein Bruder traten am 19. Aug. 1827 in Franks, a. M. zur Protestant. Kirche. Benzenb erg (Johann Friedrich), geb. den 5. Mai 1777 in Schöller, einem Dorfe zwischen Elberfeld u. Düsseldorf, der einzige Sohn eines Landpredigers, studirte in Marburg Theologie, dann in Göttingen, unter Lichtenberg und Kastrier, Physik und Mathematik. Hier stellte er mit Brandes (jetzt in Leipzig) Beobachtungen über die Entfernung, die Geschwindigkeit und die Bahnen der Sternschnuppen an. B. machte hierauf in Hamburg, in dem dortigen Michaelisthurme, Versuche über das Gesetz des Falles, über den Widerstand der Luft und über die Umdrehung ( der Erde mit fallenden Bleikugeln. (Vgl. Bewegung der Erde.) Von Hamburg begab er sich nach Paris, wo er vorzüglich Fourcroy und Hauy hörte. Nach s. Zu- rückkunft wiederholte er s. in Hamburg gemachten Versuche über die Umdrehung der Erde in einem Kohlenschachte der Grafschaft Mark bei einer Fallhöhe von 260 Fuß. 1805 ernannte ihn der Kurfürst von Baiern zum Professor der Physik und Astronomie an dem Lyceum zu Düsseldorf; auch wurde ihm die Leitung der allgemeinen Landesvermessung, welche seit 1801 zum Behuf eines neuen Katasters im Gange war, übertragen. Er gründete zugleich eine Schule für Landmesser, entwarf eine Landmesserordnung, die eingeführt wurde, und schrieb für jene ein „Lehrbuch der Geometrie". Die Regierungsveränderungen im Bergischen brachten diese Arbeiten und B.'s öffentliche Verhältnisse in Stockung; er ging deßhalb 1810 nach der Schweiz, wo er sich viel mit Höhenmesser: mit dem Barometer, wofür er neue > Tafeln hatte drucken lassen, beschäftigte. Nach seiner Zurückkunft gab er sich mit Versuchen über die Gewinnung des Zuckers aus inländischen Pflanzen ab. 1815 bot er nach Napoleons Rückkehr dem Grafen Gneisenau feine Dienste zu einer allgemeinen Landesbewaffnung auf dem linken Rheinufer an, die indessen durch die Schlacht von Waterloo überflüssig wurde. B. ging um diese Zeit nach Paris, wo er seine erste politische Schrift: „Wünsche und Hoffnungen eines Rheinländers" schrieb, die vorn König und dem Staatskanzler Preußens günstig aufgenommen wurde. Auch schrieb er viel und im Geist der damaligen Zeit im „Rhein. Mercur", später „Über Verfassung", wobei ihn vorzüglich Möser's Ideen leiteten. In Berlin nahm er Antheil an dem in Hamburg erscheinenden „Deutschen Beobachter". 1817 wohnte B. einer Versammlung der 3 Oberpräsidenten der westl. Provinzen in Godesberg bei, welche sich auf die Katasterarbeit bezog, und sammelte hier die ^ Materialien zu seinem Werke über das Kataster, das 1818 erschien. Um diese Zeit fand sich B. bewogen, „Über Provinzialverfassung" mit besonderer Rücksicht auf Jülich, Berg und Kleve zu schreiben. Zu Ende 1820, wo er wieder in Berlin war, schrieb er eine Brochure über die Verwaltung deS Staatskanzlers. Bald darauf ließ er eine ähnliche Schrift über den König selbst erscheinen, die jedoch höchsten Orts nicht günstig aufgenommen wurde und für den Verleger unangenehme Maßregeln nachsichzog. Früher hatte B. „Über Preußens Geldhaushalt u. Steuersystem" geschrieben. Außerdem war er stets eine der Stützen des „Westfälischen Anzeigers", besonders unter der Redaction des v. A. Mallinckrodt, wobei er dem westfäl. Publicum durch eine gewisse selbstgefällige Keckheit und geniale Derbheit, ! die von mancherlei Kenntnissen unterstützt wurde, zu imponiren wußte, weßhalb ^ er der Schrecken aller Philister im Sprengel dieses Blatts war. Gegenwärtig lebt s B. ohne Anstellung auf einer Besitzung in der Nähe von Krefeld. j Benzoe, der an der Luft ausgetrocknete milchige Saft aus dem Stamme ! des 8t)-r»x bennoin, eines in Ostindien, Siam und Sumatra wachsenden Baums. Wir erhalten die Benzes in Form röthlich gelber, durchsichtiger, aromatischer Massen. Die Benzoösäure ist ein Bestandtheil vieler Pflanzen, besonders in aromatischen Balsamen, in der Vanille, im Bibergeil, im Harn der Kinder und aller von Kräutern lebender Thiere, ja die jetzige Kunst vermag solche zu bilden. Sie ^ Beobachtung 787 macht einen Übergang in die Harze und in den Campher, bildet durchsichtige, weiße, ^ nadelförmige Prismen, hat einen scharfen Geschmack und, besonders etwas er- ? wärmt, einen aromatischen Geruch. In Alkohol und in Äther ist sie leicht auflös- ( lich. Auch concentrirte Mineralsäuren lösen die Säure auf, ohne sie zu zersetzen. Die Sublimation der Säure aus Benzoöharz, in feine Spießchcn, nannte man ehemals Benzol-blumen. Beobachtung ist der Zustand der gespannten Aufmerksamkeit, in welchem man die Gegenstände auf sich einwirken läßt, um das Eigenthümliche und Un- >, terscheidendL derselben genau kennen zu lernen. Beobachten heißt die Natur und - das Verhalten eines Gegenstandes mit Aufmerksamkeit betrachten und wahrneh- , men. Hieraus geht hervor, daß alle Beobachtung mit Absicht verbunden und auf i Erfahrung, d. i. gewisse Kenntniß der Erscheinungen, gerichtet ist, welche man durch dieselbe zu gewinnen sucht, ja daß die reine Erfahrung nicht ohne Beobachtung erworben wird. Ferner leuchtet ein, daß zur Beobachtung, wenn sie dieses Ergebniß hervorbringen soll, nicht nur ein Gegenstand, welcher in dem Kreise der Erfahrung liegt, sondern auch von Seiten des Beobachtenden ein feiner Sinn, d. i. ein leichtes und richtig geübtes Wahrnehmungsvermögen, mit gesunden Sinnen (wenn von äußerer Erfahrung die Rede ist), ferner Unbefangenheit, Leidenschaftslosigkeit und ein gewandtes Nachdenken, welches das Wahrgenommene zu vergleichen, zu unterscheiden und ihm seinen gebührenden Platz in dem Gebiete der ganzen Erkenntniß anzuweisen fähig ist, erfodert werde. Wo diese Ersodernisse in einem hohen Grade vorhanden und durch Übung und Ausbildung zu einem besondern Talente, das Eigenthümliche der Dinge leicht, sicher, vollkommen und genau aufzufassen, entwickelt und verbunden sind, da redet man von dem Beobachtungsgeiste. Die gemeine Beobachtung, d. i. die Beobachtung zu Zwecken des gemeinen Lebens, unterscheidet sich von der wissenschaftlichen dadurch, daß letztere me- , thodisch, d. h. nach bestimmten und leitenden Grundsätzen, angestellt werden muß, welche aus dem Wesen der Wissenschaft, zu deren Behuf die Beobachtung gemacht wird, hervorgehen, und daß sie auf das Auffinden allgemeiner Gesetze, sowie auf Unterscheidung des Wesentlichen und Zufälligen ausgeht. Auch ist sie verschieden nach den verschiedenen Gegenständen und Gebieten der Erfahrung. So ist z. B. die Beobachtung ästhetisch er Gegenstände hauptsächlich von einer ruhigen oder lebendigen Einbildungskraft und von einem regen, zarten Gefühle abhängig; einer ! andern Beobachtung femer bedarf der bildende Künstler, einer andern der Ton- - künstler, Dichter, Staatsmann, Naturforscher u. s. w., um in seinem Kreise etwas Zweckmäßiges zu wirken. Die Kunst insbesondere setzt Beobachtungen zwar voraus; aber der geniale Künstler bildet nicht durchaus und unmittelbar abhängig - von der Beobachtung, sondern nur mittelbar. Die Beobachtung entspringt in ihm aus einer regen Theilnahme für die zu beobachtenden Gegenstände der Kunst und > Natur, oder aus irgend einem bedeutsamen Gesichtspunkt derselben, ist ohne Ängstlichkeit und Zwang und trägt dem Künstler früher oder später herrliche Früchte, indem die gewonnene Wahrnehmung, in den sclbstgeschaffenen Kreis seiner Ideale unvermerkt aufgenommen, in die Darstellung verwebt, oder in eine höhere Anschauung verwandelt wird und dem sinnigen Beschauer aus dem Werke des t Künstlers mit bedeutungsvoller Wahrheit, obwol in einem höhern Lichte, entge- ! gentcitt. Zur glücklichen Verarbeitung der Beobachtungen in der Kunst aber gehört s Freiheit, Geschmack und Witz. Auch hat die Beobachtung der Natur und der i Kunstwerke verschiedene Vortheile. Der ästhetische Kritiker aber bedarf L zur richtigen Beurtheilung gegebener Kunstwerke, nebst den leitenden Ideen der d Kunsttheorie und Ästhetik, auch der vielseitigen Beobachtung, um denselben sowol an sich, als im Verhältniß zu andern Werken ihrer Gattung den gebührenden Platz anzuweisen. — Eine besondere Art der Beobachtungen wird durch Versuche oder 50 * 788 Bepunkten Berchtesgaden Veränderungen bewirkt, welche man mit einem Gegenstände vornimmt, um ihn in verschiedenen Lagen und von verschiedenen Seiten zu betrachten und dadurch das Wesentliche von dem Zufälligen genauer abzusondern. Darum unterscheidet man auch oft Versuche von Beobachtungen und setzt für die letztem, obwol etwas willkürlich, voraus, daß der Gegenstand in seinem ruhigen, von dem Beobachter nicht veränderten Zustande betrachtet werde. — Gute Regeln über die Kunst des Beob- achtens findet man in Senebier's Schrift „8ur I'nrt d'observer et ,Ie krire oder der in selbigem vorkommenden Lagerstätten durch Schorfen, Überraschen und ! Bohren mit dem Erdbohrer; 5) Arbeit auf dem Gestein; 6) Grubenbauvcranstal- s tungen und Betrieb; 7) Grubenausbau durch Zimmerung oder Mauerung; 11. in ! den technischen Theil: 8) Wetterlehrc; 9) Wasserwirthschaftslehre; 10)Berg- masckinenlehre; 11) Förderungslehre; 12) Wafferhaltungslehre; 13) Aufbereitungslehre. Berge, beträchtliche Erhebungen der Oberfläche unserer Erde, sowieauch andrer Planeten. Die Hügel unterscheiden sich von ihnen durch geringere Größe. Mehre Berge zusammen, die eine Fläche bedecken, heißen Gebirge; Berge, die in meilenlangen Reihen fortlaufen, Bergketten oder Bergrücken. Selten werden ! einzelne Berge in ebenen Gegenden angetroffen. Die Vertiefungen zwischen den Bergen werden Thäler genannt. Die Seeküsten sind insgemein die niedrigsten Stellen des festen Landes, das von ihnen her sich allmälig erhebt, sodaß gemeiniglich der mittlere Theil eines ganzen Festlandes der höchste und mit ansehnli- > chen Gebirgen bedeckt ist. Die Hauptgebirge hängen mittelst großer Bergketten ^ über der ganzen Oberfläche zusammen. Das Uralgebirge, das Asien und Europa ^ scheidet und einen Arm gegen das weiße Meer nach Novaja Semlja sendet, hängt l mit dem Sewobcrgrücken zusammen, der die Grenze zwischen Norwegen und ! Schweden und einem Theile von Rußland macht. Ein andres Gebirge erstreckt sich ! aus dem nördlichen Indien bis nach Tibet und Kaschemir, woselbst es die höchste § Gegend nicht allein von Mittelasien, sondern auch von der ganzen bekannten Erde bildet, nach W. durch Persien und nach O. durch Ehina hinläuft. Von der höchsten Landhöhe Nordasiens, beim Gebirge Berghdo, welches die Wohnsitze der Kalmücken von denen der Mongolen scheidet, geht eine Bergkette unter dem Namen Mussart südlich nach Tibet, eine andre zieht sich westlich u. d. N. Alak durch : die Steppen der freien Tatarei und der Bucharei und kommt mit dem Uralgebirge . zusammen; eine dritte lauft ostwärts u. d. N. Khanghai, in der Mongolei, wen- i det sich dann und bildet Korea und die Klippen und Inseln gegen Japan hin; eine s vierte Hauptkctte macht das alkäische Gebirge, welches Sibirien vom Jrtisch bis zum Amur begrenzt. Dic Nebcnzweigc dieser hohen asiatischen Gebirge sind unzähl- ! bar. Zwischen dem kaspischen und schwarzen Meere liegt der Kauka sus (s. d.). Er sendet Zweige durch Kleinasien bis nach Arabien, die den Taurus, Libanon und Sinai bilden, andre um das schwarze Meer nach Europa. Vom sckwarzen Meere 798 Berge erstreckt sich zwischen der Moldau, Walachei und Siebenbürgen das Karpathenge- birge, welches durch Polen und Ungarn streicht und in Schlesien mit Deutschlands Gebirgsländern zusammenhangt. Das Sudetengebirge läuft zwischen Böhmen und Schlesien hin und sendet nord- und westwärts durch die Lausitz nach dem sächsischen Erzgebirge und dem Voigtland einige Zweige. Das Fichtelgebirge und der Thüringerwald, mit dem Eichsfelde und dem nördlich gelegenen Harzgebirge verbreiten sich durch die Mitte von Deutschland. Europas höchste Länder sind die Schweiz und Sa- vopen, deren Alpen (s.d.) mit den benachbarten Bergreihen Deutschlands, Italiens und Frankreichs zusammenhängen. Ein mit ihnen verbundener Zweig, die Apenninen, durchschneidet ganz Italien bis Reggio hin und reicht, wahrscheinlich unter dem Meere fortlaufend, bis zu den Gebirgen Afrikas. Die rhätischen Alpen gehen zwischen Graubündcn und Mailand, die tridentinischen zwischen Tirol und dem Vene- tianischen, die norischen zwischen Tirol und Salzburg, und die karnthischen zwischen Kärnthen, Krain, Friaul und Zstrien. Westwärts erstrecken sich Alpenzweige durch Frankreich; die Pyrenäen bilden den Grenzwall und die Höhenzüge der hispanischen Halbinsel. In Afrika ist der Atlas das berühmteste Gebirge. Man unterscheidet den großen und kleinen Atlas. Jener, der vielleicht mit Arabiens Bergreihen zusammenhängt, läuft westwärts nach der Berberei, die er von Biledulgerid scheidet ; dieser reicht von Tunis bis Gibraltar. Außerdem laufen längs den Ufern des NilS niedrige Bergreihen durch Oberägypten, Nubien und Habesch hin nach unbekannten Gegenden des Innern von Afrika, wo sie mit den Mondbergen zusammenhängen. Von da mögen sich Bergketten in das südliche Afrika erstrecken, mit denen vielleicht die Schneebcrge landeinwärts vom Vorgebirge der guten Hoffnung verbunden sind. Amerika hat nächst Asien die höchsten Gebirge. MitdenEor- dilleren (s. d.), längs der Westküste von Ehile und Peru, stehen andre Bergketten in Verbindung, die sich durch das übrige Südamerika erstrecken. Von ihnen geht eine Kette durch die Landenge von Panama nach Nordamerika, wo sie längs der Westküste gegen Mitternacht läuft und verschiedene Zweige landeinwärts oder nach Osten sendet, die im höchsten Norden wahrscheinlich mit den Bergreihen des nördlichsten Asiens zusammenhängen. — Die höchsten bekannten Berghöhen sind die Spitzen des Himalaya in Tibet (besonders der sogenannte weiße Berg) bis 26,862 Fuß, wenn die Messungen genau sind. Die senkrechte Höhe des Gipfels über der Meeresfläche ist, bei einer von dem engl. Obersten Erawfurd gemessenen Spitze des Mustaggebirges in Mittelasien 4166, die des Ehimborasso nach Humboldt 3267, des Mauna Kräh auf den Sandwichinseln 3066, des Eayambeorm in Südamerika 3030, des Antisana desgl. 2950, des Pitchincha desgl. 2430, der Stadt Quito, des höchsten von Menschen bewohnten Orts, 2462, nach A. jedoch nur 1462, des Montblanc 2426, des Ophyr auf Sumatra 2306, des Louzira im franz. Departement der Oberalpen 2258, der Aiguille d'Argentiöre 2094, des Corne du Midi 1945, des St. - Gotthardt 1650, des Ätna 1632, der Furka 973, des Brockens 546, des Thals von Chamouny 524, des Mont Cenis 970, der Stadt Genf 188 Toisen (zu 6 par. Fuß). — Die Höhe dieser Berge ist unbedeutend im Vergleich mit der großen Masse der Erde, deren Kugelgestalt durch sie nicht wesentlich verändert wird; denn der Ehimborasso verhält sich zum Erddurchmesser noch nicht wie 1 zu 1000. Im Allgemeinen haben die Berge eine Kegelgestalt, d. h. sie steigen vom Fuße allmälig in die Höhe und bilden oben einen mehr oder weniger spitzigen Gipfel. Den Rücken eines Gebirges nennt man die schmalen, auf der Oberfläche zugerundeten Massen, die bei einer Zuschärfung Gebirgsrücken, bei kreisförmiger Vertiefung zwischen 2 solchen Erhöhungen Sattelrücken und bei fortlaufender Vvrragung >über die andern Kamm heißen. Die abnehmende Höhe zu beiden Seiten des Gebirgsrückens heißt der Abfall. Erhabene Punkte, die sich zuweilen an den Abfällen zeigen, nennt man Gebirgshöhen, welche, 799 Berge wenn es Ebenen sind, Plateaus heißen. Beträchtliche Vertiefungen oder Aushöhlungen werden Mulden, und Einbiegungen, besonders gegen den Fuß des Gebirges, Busen genannt. Die Begrenzung eines Gebirges nach der Lange nennt man Enden. In Ansehung der Hohe theilt man die Gebirge in Hochgebirge (die höchsten Bergreihen), Mittelgebirge (die Abfalle) und Vorgebirge, oder das hügelige Land am Fuße. Gebirge, die bei ihrem Ansteigen in die Höhe einen Winkel von 45 ° bilden, heißen sanfte, und diejenigen, die diesen Winkel übersteigen, jähe Gebirge. Hauptgebirge nennt man Gebirge, die eine Ausdehnung in der Lange von 50 Meilen haben, Gebirge mittlerer Größe haben eine Ausdehnung von 30 —10 Meilen, und unter 10 Meilen lang heißen kleine Gebirge. In Beziehung auf die Richtung, nach welcher sie fortlaufen, nennt man die Gebirge Bergzüge, wobei der nach einerlei Richtung fortlaufende der Hauptzug, andre aber die Mittel-, Seiten - und Nebenzüge heißen. Alpengebirge, dergl. die Gebirge in der Schweiz und in Savoyen sind, bestehen aus einer ungeheuern Sammlung der verschiedensten Berge, die in mehre gleichlaufende Ketten geordnet sind. Von diesen Bergketten befindet sich die höchste in der Mitte der ganzen Gebirgsmasse; die sich anschließenden nehmen im Verhältniß ihrer Entfernung von der Hauptkette immer mehr an Höhe ab. Dazwischen durchlaufende Thäler trennen die einzelnen Bergthäler und Berggipfel. Die höchste Kette ist mit steilen Felsen besetzt, welche allenthalben, die steilen Abhänge ausgenommen, mit Eis und Schnee bedeckt sind. Zwischen den Felsenmaffen, die in Gestalt von Pyramiden u. dgl. die höchste Bergkette krönen, befinden sich Thäler, in welchen, weitste zu hoch liegen, der Schnee und das aus dem halbgeschmolzenen Schnee gebildete Eis selbst im Sommer nicht wegthaut. Tiefer herab laufen zu beiden Seiten der Hauptkette große, und breite Thäler, welche im Sommer mit schönem Grün bedeckt sind und zum Theil, wenn ihre Höhe nicht zu groß ist, Getreide und Obstbäume tragen, zum Theil zu Weideplätzen dienen. Nach diesen begrünten Thälern erstrecken sich von den obersten Felsthälern Schluchten herab, die, wie jene, mit ewigem Eise ausgefüllt sind und Gletscher (s. d.) heißen. Diejenigen Bergketten, welche sich zunächst an die Hauptkette anschließen, von der sie durch tiefe, begrünte Thäler getrennt werden, bieten dieselben Erscheinungen, nur nach einem kleinern Maßstabe, dar. Ihre Gipfel bestehen nämlich auch aus Fclsenspitzen mit Schluchten, die selbst im Sommer Schnee und Eis tragen, und dann folgen wieder begrünte Thaler. Je weiter sich die Ketten von der Hauptkette entfernen, desto niedriger werden sie. Alles gewinnt einen minder rauhen Anblick. Die einzelnen Berge erscheinen abgerundet auf ihren Gipfeln, mit schönem Grün bedeckt, und verlieren sich allmälig in die Ebene. Lander mit hohen Gebirgen bieten im Sommer in verschiedenen Höhen die Erscheinungen verschiedener Himmelsgegenden innerhalb eines sehr beschränkten Raumes dar. Man steigt allmälig aus den blühendsten, entzückendsten Thälern, welche mit Getreide, Obstbäumen und Weinreben prangen, zu den mit duftende Alpenpflanzen und an den Abhängen mit Nadelholz bedeckten Tristen, sieht da« Wachsthum immer mehr und mehr abnehmen, bis eS endlich, sowie alles organische Leben, aufhört, und die Kälte das Weiterbringen verhindert. Diese Grenze ist nach der Lage des Landes sehr verschieden; sie liegt um so höher, je heißer, und um so tiefer, je kälter das Land ist. Daß die Lust auf Bergen kälter sein müsse als in Ebenen, erhellt aus dem Gesagten. Die Ursachen davon scheinen nicht allein darin zu liegen, daß die Sonnenstrahlen in niedrigen Ebenen stärker wirken und heftiger zurückprallen, sondern es kommt unstreitig auch die größere Dichtigkeit der Lust in Betracht, die stärker erwärmt wird als die dünnere Lust auf Bergen. Daß die Bergluft reiner sei als die gewöhnliche, ist allerdings wahr; daß sie aber auch gesünder sei, gilt nur für eine mäßige Höhe. In beträchtlichen Höhen fühlt man sich ungemein beschwert, und ein fast unnennbares Übelbefinden, verbunden mit großer 800 Bergen Bergen-op-Zoom Kraftlosigkeit, bemächtigt sich des ganzen Körpers, welches Saussure aus dem veränderten Drucke der Luft auf die Gefäße und aus ihrer dadurch erfchlafften Elasticität herleitet. Das Innere der Gebirge ist nur so weit bekannt, als es sich bei dem Bergbau dem Bergmanne aufdeckt. — Vgl. Denaix's „Hblesu orograpbigue ile I'Lurope" (Paris 1826, 2 Bde.). Bergen, bei der Schifffahrt, bezeichnet die Rettung der durch Schiffbruch verloren gegangenen oder wegen Sturms über Bord geworfenen Waaren und Güter. Leute, die sich darauf verstehen, fischen sie auf oder holen sie aus dem Grunde des Meeres heraus. Ihnen gehört ein Theil von diesen geborgenen Gütern. Von einem Schiffe, welches unbeschädigt in einem Hafen oder an dem Orte seiner Bestimmung anlangt, sagt man, es fei geborgen. — Bergegeld: 1) das Absin- dungsgeld, welches die Schiffsleute und Eigenthumsherren für die durch Schiff- bruch verunglückten und ans Land geworfenen Güter der Obrigkeit eines solchen Gebiets, als ein Abzugsgeld, entrichten müssen; 2) das Geld, welches Denen gegeben wird, die Etwas von den Gütern eines gescheiterten Schiffs aufgebracht, in Verwahrung genommen und gerettet haben. Dieses Bergerecht ist vorn Strandrechte sehr verschieden. Bergen, Stiftsamt im Königreich Norwegen, welches im O. an Agger- huus, im N. an Drontheim, im S. an Christiansand und im W. an die Nordsee grenzt, 22° 55" — 25° 5' Ö. L. und 59° 34' — 62° 39' N. Br., enthält 656 UM., 2 Ämter, 1 Baronie, 5 Vogtcien, 7 Propsteien, 57 Kirchspiele, 180 Kirchen und Eapellen, 184,000 E., sodaß 283 Menschen auf 1 IHM. leben. Die befestigte Hauptst. Bergen, mit einer Citadelle (Bergenhuus), die ansehnlichste Mtadt in Norwegen, liegt am Ende des Meerbusens Waag, der tief in das Land hineingeht und einen guten, rings mit hohen und steilen Felsen umgebenen Hafen bildet. Den Zugang auf der Landseite macht die felsige Umgebung beschwerlich. Das Klima ist wegen der geschützten Lage verhältnißmäßig mild, aber regnicht. Bergen ist wohlgebaut, doch sind des Felsengrundes halber manche Straßen krumm und uneben. Die Stadt hat 2200 H., 21,000 E., eine deutsche und 3 dänische Pfarrkirchen, einen Bischof, ein Nationalmuseum, eine latein. Stadtschule, ein durch den Bischof Pontoppidan gestift. Seminarium für 12 Zöglinge, welche in den höhern Wissenschaften unterrichtet werden, eine Schifffahrtsschule, ein Hospital für Scorbutkranke, die bei dem gewöhnlichen Genuß von geräuchertem oder gesalzenem Fleisch und Fischen hier nicht selten sind, u. a. gemeinnützige Anstalten. Die Bewohner der mittlern norwegischen Küste bringen ihre Erzeugnisse, Breter, Masten, Latten, Brennholz, Theer, Thran, Häute ic., vornehmlich getrocknete Fische (Stockfisch) nach Bergen, um sie gegen Getreide und andre Lebensbedürfnisse zu vertauschen, welche die Engländer, Niederländer und Deutschen dahin bringen. Bergen handelt dabei nur mit 100 eignen Schiffen. — 1445 legten hier die deutschen Hansestädte eine Factorei und Waarenhäuser an; auch genossen eine Zeitlang die sogenannten deutschen Handwerker in Bergen des Schutzes der Hanse. Aus jener Zeit schreiben sich noch her: die deutsche Kirche, die einzige in Norwegen, das deutsche Armenhaus und das deutsche Comptoir. Dieses letztere bestand aus etwa 60 Waarenspeichern, welche die deutschen Factoren bewohnten; jetzt sind solche fast sämmtlich Eigenthum bergenscher Bürger, die sie als Waarenlager benutzen. Die Straßen von hier ins Innere pflegen nur im Winter mit Schlitten befahren zu werden. Bergen ist der Geburtsort des Dichters Holberg. Bergen-op-Zoom (ehemals eine Markgrasschaft, die von Pfalz- baiern an Frankreich, und im pariser Frieden an die Niederlande abgetreten wurde), im Herzogth. Nordbrabant, eine starke Festung, durch welche der Zoom (spr. Sohm) fließt, der sich in die Osterschelde ergießt, mit welcher die Stadt ein guter Hafen verbindet. Sie hat 5600 Einw., ein altes Schloß, 3 Kirchen, ein Zeichnen - und 801 Berger Berghem Architekturinstitut, Sardellensischcrei, und liefert feine Töpferwaaren. Die Spanier belagerten diesen Platz 1586 und 1622 vergeblich, die Franzosen nahmen ihn 1747 nach fast dreimonatlicher Belagerung durch Kriegslist, gaben ihn aber im aachner Frieden 1748 ziemlich verwüstet zurück. Am 30. Jan. 1795 siel er mit andern Holland. Festungen wieder in die Hände der Franzofen, und ein Regiment Engländer, welches die Festung besetzt hielt, ward kciegsgefangen. Die Franzosen behaupteten während der Dauer des Kriegs das Garnifonrecht. Ein Sturm, welchen Sir Th. Graham (nachmals Lord Lyredoch) am 8. März 1814 an der Spitze eines engl. Truppencorps auf diese Festung unternahm, ward mit außerordentlichem Verlust zurückgeschlagen. Berger (Ludwig v.), herzogl. oldenburg. Kanzleirath, ein Opfer dex stanz. Tyrannei im I. 1813, geb. zu Oldenburg, wo sein Vater an der Spitze der Regierungskanzlei stand, hatte in Göttingen die Rechte studirt. Er liebte aber auch das Studium der Geschichte, der Politik und Poesie selbst im juristischen Geschäftsleben, welches ihn bald nach Eutin und dann wieder nach Oldenburg führte. Als Richter bewies er sich bei der gründlichsten Sachkenntniß mit durchdringendem Scharfblick durchaus pflichtmäßig und rechtschaffen. Seine vielseitige Bildung sprach sich in seinen Briefen aus, die er auf seinen Reisen in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Italien schrieb. Während der drückenden Franzosenherrschaft verharrte er treu im Dienste seines Vaterlandes, hoffend auf einen neuen Zustand der Dinge. Als die Russen 1813 sich näherten, griffen die Bewohner Oldenburgs zu den Waffen; die stanz. Behörde flüchtete, hatte aber vorher eine Regierungscommisston eingesetzt, in welcher v. Berger und Fink Beisitzer waren. Diese Commission ward vor das Kriegsgericht in Bremen, unter dem Vorsitze des Gen. Vandamme gezogen, das die beiden edeln Männer, obgleich der Ankläger nur auf Gefangnißstrase antrug, zum Tode verurtheilte. Sie sielen, von stanz. Kugeln durchbohrt, den 10. April 1813. Mit welcher Klarheit, Festigkeit und Macht der Sprache v. B. das Poffenspiel von Gericht, welches über ihn gehalten ward, in seiner ganzen Erbärmlichkeit entlarvte, ist kräftig beschrieben in der Schrift: „Fink's und Berger's Ermordung", von Gildemeister in Bremen. Oldenburgs Fürst hat die irdischen Reste der beiden patriotischen Märtyrer in seiner Residenz beerdigen lassen. Bergerac, ein lieblicher stanz. Wein, der an den Ufern der Dordogne gebaut wird. Es gibt eine weiße und eine rothe Sorte. In Frankreich erhält er hier und da auch den Namen xetit Oknmpagne. Berggerichte, die zur Verwaltung der Berggerichtsbarkeit von dem Landesherrn eingesetzten Behörden, welche gewöhnlich den Bergämtern, d. h. denjenigen Behörden, welche Namens des Landesherrn, oder des Inhabers des Bergregals, den für frei erklärten Bergbau zu administriren haben, beigegeben sind. Jahrhunderte sprechen für die Jurisdiction derselben in eigentlichen Verg- und Hüttensachen; der beste Beweis aber für die Zweckmäßigkeit derselben liegt in der Natur der Sache selbst. Zu der Jnstruction und Entscheidung der Bergwerkssachen gehört, außer den Kenntnissen des gemeinen Rechts, auch noch die Kenntniß der Bcrgwerksgesetze und Observanzen und eine Kenntniß der Bergwerks- technik, die der gewöhnliche Civilrichter selten besitzen wird. Berghem (Nikolaus), geb. 1624 zu Hartem, erhielt den ersten Unterricht im Malen von seinem Vater, Peter von Hartem, der ein sehr mittelmäßiger Maler war. Dann setzte er unter van Goyen, Weeninx d. Ä. seine Studien fort. Man erzählt, daß er einst, von seinem Vater verfolgt, in die Werkstätte des van Goyen geflohen sei, der, um ihn zu schützen, seinen Schülern zugerufen habe: „Berg hem" (verbergt ihn); dieses sei die Veranlassung seines neuen Namens geworden. Liebe für seine Kunst und die Nachfrage nach seinen Gemälden, sowie Conv.-Lcx. Siebente Aufl. Bd. l. ^ 51 802 Bergisches Buch Bergmann die Habsucht seiner Frau, waren Ursache, daß er außerordentlich fleißig arbeitete. Eine ungemeine Leichtigkeit machte ihm die Arbeit angenehm. Um Kupferstiche, die er sehr liebte, kaufen zu können, mußte er oft Geld von seinen Schülern borgen, welches er nur dadurch zurückzahlen konnte, daß er seine Frau über den Ertrag seiner Gemälde tauschte. Auf diese Weise gelangte er zu einer reichen Sammlung. B.'s Landschaften und Thierstücke sind eine Zierde der ersten Galerien. Ihr Reiz besteht in einer leichten und heitern Manier, einem hinreißenden Kolorit, natürlichen und zugleich genialen Gruppen. Obgleich er seine Werkstatt fast nie verließ, so hatte er doch bei einem langen Aufenthalte auf dem Schlosse Benthem die Natur genau beobachtet. Die strengere Kritik könnte ihm allerdings eine zu große Leichtigkeit zum Vorwurf machen, weniger Kunst und eine größere Einfalt in Nachahmung der Natur und einen fleißigern und richtigern Umriß der Thiergestalten verlangen; aber diese geringen Fehler B.'s werden durch so viele Vorzüge verdeckt, daß man ihn mit Recht in die Reihe der größten Landschaftsmaler stellt. Er starb 1683 zu Hartem. Karl Dujardin und Glauber waren seine Zöglinge. In der Auction der Gemäldesammlung des Bankiers P. de Smeth in Amsterdam (1810) wurden 4 Gemälde von B. um 800, 1000, 1625, 2500 holländ. Gulden verkauft. Bergisches Buch, s. Concordienformel und Symbolische Bücher. Bergmann (Torbern Olof), Naturforscher und Chemiker, geb. am 9. März 1735 in Katharinberg, in der schwedischen Provinz Westgothland, erhielt nach vielen Schwierigkeiten von seiner Familie die Erlaubniß, sich ganz den Wissenschaften zu widmen. Damals strömten Schüler aus allen Gegenden zu Linne mach Upsala. Zu diesen gesellte sich 1752 auch B. und erregte durch Thätigkeit, Scharfsinn und Entdeckungen, die durch seine Kenntnisse in der Geometrie und Physik erleichtert und vervielfältigt wurden, dieses berühmten Mannes Aufmerksamkeit. 1758 ward er Dr. der Philosophie und zum Lehrer der Physik in Upsala ernannt. Als der berühmte Wallerius seine Entlassung federte und erhielt, meldete B. sich zur Professur der Chemie und Mineralogie. Seine Mitbewerber beschuldigten ihn, daß er von diesem Gegenstände nichts verstehe, weil er nie Etwas darüber geschrieben hatte. Sie zu widerlegen, verschloß er sich einige Zeit in ein Laboratorium und trat mit einer Abhandlung über die Fabrication der Alaune hervor, die noch jetzt für ein Hauptwerk gilt. Er ward nun 1767 Professor der Chemie und trieb diese Wissenschaft mit aller seiner Kraft. Er erfand die Bereitung künstlicher Mineralwasser und entdeckte in dem mineralischen Wasser das geschwefelte Wasserstoffgas. Man verdankte ihm die Angabe der Kennzeichen, wodurch sich der Nickel von andern Metallen unterscheidet. Eine Menge von Mineralien untersuchte er chemisch und verfuhr dabei mit einer bisher ungewöhnlichen Genauigkeit. Er gab eine Classification der Mineralien heraus, in der die Hauptabtheilungen nach ihrer chemischen Natur und die Unterabtheilungen nach der Verschiedenheit ihrer äußern Form gemacht sind. Hierzu erhielt er besonders Licht durch die früher gemachte Entdeckung über die geometrischen Verhältnisse, die unter den verschiedenen Krystallisationen desselben Stoffes stattfinden, sich von einer Grundform herleiten lassen und durch Ansetzen ähnlicher Theilchen nach bestimmten und leicht zu berechnenden Gesetzen geschehen. Seine Theorie der chemischen Verwandtschaften hat bis auf die neuesten Zeiten in Ansehen gestanden, und durch Berthollet's allgemeinere Begründung derselben zwar nähere Bestimmungen, aber keinen Umsturz erlitten. B. erhielt den Wasaorden und schlug den Ruf nach Berlin aus, den er von Friedrich d. Gr. erhalten hatte. Er starb, erschöpft durch seinen Fleiß, im 49. Lebensj. 1784. Unter seinen Schriften stehen obenan: „Opusoula pl>^». er olivm." (Stockholm 1779, Bergprofil Bergrecht 803 3 Bde.) und seine „Physikal. Beschreibung der Erdkugel" (aus dem Schweb, durch Röhl, 3. Auch, Greifswald 1791, 2 Bde.). Bergprofil. Jeder Berg oder Abhang erlaubt 3 Ansichten: eine, wo der Beschauer auf der Hohe oder Abdachung, die andre, wo er ihr gegenüber, die dritte, wo er ihr zur Seite steht, den Berg also im Profil betrachtet. Die letztere Art der Ansicht ist die geschickteste, um die Abdachung gehörig zu beurtheilen und sie bildlich darzustellen. Für den Baumeister, den Ökonomen, besonders aber für den Soldaten ist das Bergprosil wichtig, da die größere oder geringere Steilheit einer Terrainstrecke die Anlage von Chausseen und Wasserleitungen, die Cultivirung des Bodens, den Marsch und besonders die Aufstellung von Truppen, und namentlich von Geschütz begünstigt oder erschwert. Bei der Baukunst sah man dies schon von jeher ein, und eine nach richtigem Nivellement entworfene Prosilzeichnung belehrte den Architekten vollkommen, wie er seine Ideen nach der Beschaffenheit des Bodens einzurichten habe; in der Kriegskunst dagegen übersah man lange die Wichtigkeit der genauen Kenntniß der Abdachung, und noch Friedrich der Große hatte höchst unklare Vorstellungen davon. Erst in neuerer Zeit begriff man, daß eine klare Ansicht des Terrains dem Artilleristen, dem Ingenieur und dem Ofsicier der Generalstabes von gleich großer Wichtigkeit sei, und man brachte besonders dadurch Licht und Bestimmtheit in die Sache, daß man die Horizontalebene, welche stillstehendes Wasser überall bilden würde, als Grundebene annahm, mit der oder mit deren Parallellinien verglichen, jede Abdachung einen Winkel bilden muß, den man den Abdachungs-, Neigungs- oder Böschungswinkel nennt und gleich andern Winkeln durch Grade bezeichnet. Da es nur zu besondern Zwecken wichtig ist, zu wissen, ob dieser Winkel ein wenig größer oder kleiner ist, so übersieht man im Allgemeinen die geringen Differenzen und bezeichnet die Steilheit nur von 5 zu 5 Grad, sodaß man von Abdachungswinkeln von 5, 10, 15, 20, 25° u. s. w., nicht aber von 7, 9, 13, 22° spricht. Major Lehmann (s. d.), der sich um die Ausbildung dieser ganzen Lehre die größten Verdienste erwarb, ging noch weiter und entwarf eine Theorie der Situationszeichnung, nach der Das, was bisher nur durch Entwurf von Bergprosilzeichnungen anschaulich gemacht werden konnte, nämlich welche Gradation ein Abhang hat und welche Truppengattung folglich ihn passircn und auf ihm fechten könne, schon durch Ansicht eines Planes, bei dem sich der Zeichner stets senkrecht über dem darzustellenden Gegenstände gedacht hat, klar wird. Er erreicht dies dadurch, daß er die Striche, welche auf einem Plane den Abhang eines Berges bezeichnen, bei steilen Abdachungen schwärzer und dichter, bei flachem feiner und weiter macht. Ganz weiß bezeichnet die völlige Ebene, ganz schwarz die Abdachung von 45°, als-die stärkste, welche, wenn die Senkung nicht Felswand und also gar nicht zu passiren ist, vorkommen kann; dünne weit von einander entfernte Striche die Abdachung von 5", stärkere und dichtere die von 10°, noch dichtere die von 15° und so fort von 5 zu 5° bis 45°. Das Ganze gründet sich auf mathematische Prinzipien und auf den Satz, daß das Auge, sobald es in einiger Entfernung über einer Gegend schwebt, die Abhänge, je steiler sie sind, auch desto dunkler, die Ebene aber am allerhellsten sehen wird. Anfangs fand die neue Methode vielen Widerspruch; man glaubte, daß sie zu schwierig zu erlernen und auszuführen sei. Bald sah man indessen, daß junge Leute nicht längere Zeit zu Erlernung dieser Zeichnungsmethode brauchten als zu der einer andern, und daß Plane, nach dieser Manier entworfen, im Felde die ersprießlichsten Dienste leisteten. 32. Bergrecht, der Inbegriff der Gesetze, durch welche die Rechte und Verbindlichkeiten bei dem Bergbau bestimmt werden. Es gehören hierher nur die Zwangsrechte und Verbindlichkeiten, welche sich auf das Mein und Dein erstrecken, nicht aber Bergcommerzial-, Bergpolizeigesetze u. s. w. Der Gegenstand des 51 * 804 Bergregal Bergrechts ist der Bergbau in seinem ganzen Umfange, und es gehören zu solchem nicht nur die zum Bergbau erfoderlichen und überhaupt dabei interessirten Personen, sondern auch die dazu über und unter Tage befindlichen Platze und Räume, die zur Fortsetzung desselben unumgänglich nothwendigen Hülfsmittel, überhaupt alle daraus entstehende Rechte und Verbindlichkeiten. Die Berggesetze betreffen entweder den Bergbau im Ganzen oder nur einzelne Gegenstände desselben; sie sind entweder für einzelne Bergreviere und Provinzen eines Landes oder für ein ganzes Reich gegeben; sie sind entweder Landes - oder subsidiarische Gesetze. Zu den Gesetzen, welche den Bergbau überhaupt betreffen, gehören die Bergordnungen, weil solche der Regel nach alle rechtliche Verhältnisse, welche bei dem Bergbau vorkommen, bestimmen; zu den speciellen hingegen diejenigen Verordnungen, die entweder einzelne Metalle und andre Mineralien oder einzelne Gegenstände betreffen, z. B. Patente wegen des Freischürfens, Zinn-, Eisenhütten, Wald-, Kohlenordnungen, Hammerfreiheiten u. s. w. Vorzügliches Ansehen haben die ältern Erkenntnisse und Gutachten in Bergwerkssachen, weil sie von Kollegien und Amtsstellen abgefaßt worden sind, die sich hauptsächlich mit Bergprocessen beschäftigt haben, und bei welchen die Bergobservanzen und Gewohnheiten in fortwährendem Andenken geblieben sind. Gleiche Autorität haben auch die ältern Bergrechtslehrer; beide ersetzen Das, was in die geschriebenen Gesetze nicht aufgenommen worden und doch bergüblich geblieben ist, und dienen hier und da zur Erklärung dunkler Stellen der ältern Gesetze. Die Berggesetze sind größten- theils kasuistisch abgefaßt; sie enthalten einzelne Fälle und deren Entscheidung, ohne den Grund des Gesetzes anzugeben. Die eigentlichen Rechtsgrundsätze lassen sich daher nur aus der Zusammenstellung mehrer Falle abstrahiren, und aus solchen andre, nicht speciell angeführte entscheiden. Ohne die Kenntniß des gemeinen bürgerlichen Rechtes und des Processes ist in Bcrgsachen nicht fortzukommen. Bei der Entscheidung einer solchen ist zuerst auf die besondern Verträge, ferner auf besondere Gesetze und Verordnungen, oder auf die Provinzial-Berggesetze, oder auf Landesgesetze, oder endlich auf die allgemeinen Grundsätze des Bergrechts und auf die Bergwerksgewohnheiten Rücksicht zu nehmen. Sollten Fälle eintreten, wo alle diese Gesetze keine Auskunft ertheilen, so ist es keinem Bedenken unterworfen, daß auch allgemeine Nechtsgrundsätze des Natur - und bürgerlichen Rechts als Entscheidungsquellen angewendet werden können; oder daß dergleichen Fälle der gesetzgebenden Gewalt zur Abfassung eines neuen Gesetzes vorgelegt werden müssen. Wo ältere und revidirte neuere Bergordnungen zugleich vorhanden sind, da ist die neueste zu berücksichtigen. — Man theilt das Bergrecht gewöhnlich in das Bergstaatsrecht-, Bergprivatrecht, peinliche Bergrecht und in den Bergproceß ein. Das Bergstaatsrecht begreiftdas Bergregal (s. d.). Das Bergprivatrecht umfaßt die Rechte und Verbindlichkeiten der Privatpersonen in Hinsicht auf den Bergbau, und es wird daher in demselben nicht nur bestimmt, welche Befugnisse den Bergbauenden auf ihr erworbenes Eigenthum zustehen, sondern auch, welche Verhältnisse zwischen mehren Bergbauenden, zwischen den Bergbauenden und den Grundbesitzern, zwischen den Bergbauenden und den Bergarbeitern eintreten. Das peinliche Bergrecht umfaßt das Verfahren bei Vergehungen und Verbrechen, welche bei dem Bergbaue und bei dem Bergpersonale verübt worden sind. Es gibt jedoch keine allgemeinen Bergcriminalgesetze, sondern es wird im peinlichen Bergrecht nach der inqedem Lande bestehenden Erimi- nalgesetzgebung verfahren. Der Bergproceß endlich ist das gerichtliche Verfahren in streitigen Bergwerkssachen. Der Bergproceß richtet sich im Ganzen nach den Gerichtsordnungen jedes Landes; es findet aber überall ein summarisches, d. i. ein kurzes und einfaches Verfahren statt. Bergregal, Bergwerksregal, dasjenige Recht des Landesherr», Bergxcgal 805 vermöge dessen es ihm frei steht, auf dem Grund und Boden der Unterthanen Bergwerke anzulegen. Die eigentliche Erwerbungsart dieses Regals ist langwieriger, durch die Gesetze anerkannter Besitz. Welche Mineralien zu den Regalien gerechnet werden, bestimmen allein die positiven Gesetze. In Böhmen und Mahren erstreckt sich das Regal nur auf Gold und Silber; in den meisten Provinzen des preuß. Staats, in Hanover und Braunschweig dagegen auf alle Mineralien, mit Ausnahme derjenigen, welche in ihrer natürlichen Gestalt sogleich zum ökonomischen Gebrauch, bei Künsten und Handwerken, oder zum Bauen genutzt zu werden pflegen. Als Regel kann angenommen werden, daß alle Mineralien, welche Metalle enthalten, zu den Regalien gehören, ebenso Salzquellen, Steinsalz und Edelsteine; allein hinsichtlich der übrigen Mineralien laßt sich diese Vermuthung für die Regalität nicht aufstellen. Das Bergregal wird hier und da auch an Privatpersonen verliehen und daher von dem Landesherr», der im Besitze aller Hoheitsrechte ist, nicht selbst administrirt. — Der Inhaber des Bergregals hat folgende Befugnisse: a) die zum Regal gehörigen Mineralien aufzusuchen und solche innerhalb des berechtigten Bezirks allenthalben und auch auf fremdem Grund und Boden, jedoch gegen Entschädigung der Grundbesitzer, durch den Bergbau zu gewinnen; I>) die gewonnenen Mineralien und das durch den Bergbau erschrotene Wasser, erstere zu seinem Nutzen, das letztere hingegen zum Vortheil des Bergbaues zu verwenden; o) die zum Betriebe des Bergbaues und zur Aufbereitung der Erze erfoderlichen Tagegebäude, Wasserleitungen und Teiche, Gehsteige und Fahrwege anzulegen; ck) die zum Schmelzen der Erze und zur Zubereitung der Metalle und übrigen Bergwerksproducte nothwendigen Hüttenwerke aufzurichten. Da übrigens der Bergbau nach Regeln der Kunst durch Sachverständige geleitet werden muß, so steht v) dem Besitzer des Bergregal« auch die Anstellung dieser Beamten zu. Aus dem ausschließenden Eigenthums der zum Regal gehörenden Mineralien folgt nun auch f) die Befugniß, jeden Andern vom Bergbau abzuhalten, und Z) die Befugniß, den Bergbau und andre aus dem Regale fließende Rechte, unter gewissem Vorbehalt, an Privatpersonen zu überlassen. — Die höchste Staatsgewalt hat außerdem dafür zu sorgen, daß Nichts zum Nachtheile des allgemeinen Besten veranstaltet, sondern dasselbe so viel als möglich befördert werde; deßhalb steht ihr a) das Recht der höchsten Aufsicht; b) die gesetzgebende Gewalt; e) das Recht der Privilegien und «!) das Recht der richterlichen Gewalt zu. Nächst diesen allgemeinen Hoheitsrechten werden noch andre bloß nutzbare Regalien beim Bergbau wirksam. Dahin gehört: e) das Münzregal, mittelst welches die gewonnenen edeln Metalle auf die für den Staat Vortheilhafteste Weise gemünzt werden können; f> das Wasserregal, indem der Bergbau nicht ohne Wasser bestehen kann, und solches öfters aus Flüssen und Strömen, welche zum Staatseigenthume gehören, herbeigeführt werden muß; endlich Z) das Forstregal, wegen des zum Grubenbau und zum Schmelzen der Erze erfoderlichen Holzes. — Überläßt der Landesherr die Ausübung des Bergregals an Privatpersonen, so geschieht dies durch die Fceierklärung des Bergbaues und durch Specialverleihungen; beim freierklärten Bergbau steht es Jedem frei zu schürfen, d. h. Lagerstätten nutzbarer Mineralien aufzusuchen, die gefundenen zu muthen, d. h. sich dieselben auf einen gewissen Distrikt zur Bebauung von der vorgesetzten Bergwerksbehörde einräumen zu lassen, und den Bergbau zu betreiben. Durch die landesherrlichen Rechte des Metallkaufs und des Schlägeschatzes hat der Staat dafür gesorgt, daß, wenn auch Privatpersonen oder Gewerke den Bergbau treiben, das im Lande gewonnene Gold und Silber den Münzstätten nicht entzogen werden könne. Weitere Reservate des Landesherr» bei dem freigegebenen Bergbau sind die unter dem Namen Zehend, Quatember-, Receß-, Verschreib-, Fristgelder u. s. w. bekannten Abgaben. Verschieden von der Fceierklärung des Bergbaues ist die Specialverleihung dessel- 806 Bergstraße Bergwerke den mittelst eines Berglehens, indem der Bergherr eine oder mehre Privatpersonen mit einem unvermessenen Felde, d. h. mit einem nicht genau begrenzten Di- strict und mit den daraus zu beziehenden Nutzungen von einem oder mehren Mineralien gegen die bergrechtlichen Abgaben erblich belehnt. — Verschieden hiervon ist wieder die Verleihung des Bergregals, indem dasselbe gewissen Personen unter dem Vorbehalte der Landeshoheit und der Oberlehnherrschast überlassen ist, wie z. B. Standesherren, mediatisirten Fürsten u. s. w. Bergstraße, ein fruchtbarer Strich Landes diesseits des Rheins, der einen herrlichen mit Nuß- und Kastanienbäumen und mit Weinreben besetzten Weg am Odenwalds und Melibocus, die östlich liegen, von ungefähr 6 Meilen, von Darmstadt bis an das Stift Neuburg, eine halbe Stunde von Heidelberg, bildet. Bergwerke, Orte, welche zur Gewinnung und Zugutemachung nutzbarer Mineralien durch Kunst eingerichtet sind. Gegenstände des Bergbaues sind alle nutzbare Mineralien im weitem Sinne, die irgendwo unter der Erde in großem Massen befindlich sind und gesucht werde». Nach den Regeln, die bei der Gewinnung derselben in Anwendung kommen, werden die Mineralien in der dreifachen Rücksicht als Bergwerke, Gräbereien und Steinbrüche behandelt. Als Bergwerke werden alle Mineralien behandelt, welche auf Gangen, Lagern, Flöhen, Stöcken, Stockwerken und Putzenwerken vorkommen, und Gold, Silber, Platin, Quecksilber, Blei, Eisen, Kupfer, Zinn, Zink, Galmei, Wismuth, Kobalt, Arsenik, Mangan, Spiesglanz, Molybdän, Reisblei und andre metallische Substanzen enthalten; ferner Schwefel, Braunkohlen, Steinkohlen, Erdharze, Alaun und alle schwefelsaure Verbindungen mit einer metallischen Grundlage. Man benennt die Bergwerke gewöhnlich nach den Substanzen, welche gewonnen werden sollen, und sagt z. B. Gold-, Silber-, Eisen-, Blei-, Steinkohlen-, Alaun-, Salzbergwerke rc. — Man unterscheide: 1) die Bergwerke in den ältern Gebirgen; 2) die der Flötzgebirge; 3) die des aufgeschwemmten Landes oder der Allu- vioncn. l. Die Bergwerke der ältern Gebirge liegen in weniger gebirgigen Gegenden, deren Ganzes nur einen geringen Theil der festen Erdoberfläche bildet, und von denen die bedeutendsten folgende sind: 1) Bergwerke der Cordil- leras im ehemaligen spanischen Südamerika. Wenige Gegenden sind so berühmt durch ihren Mincralreichthum als diese Gebirgskette. Die wichtigsten Bergwerke sind Silbcrbergwerke, allein es gibt auch einige Gold-, Quecksilber-, Kupfer- und Bleibergwerke. In Chile, besonders in der Provinz Coquimbo, sind einige Silberund wichtige Kupferbergwerke vorhanden; die von Potosi (Buenos-Ayres) lieferten seit 1545 bis zu unsern Zeiten für 1440 Mill. Thlr. Silber; jetzt aber, in der Tiefe, sind die Erze arm. Auch sind in Buenos-Ayres Kupfer-, Blei- und Zinnbergwerke im Betriebe; letzteres sind jedoch Seifenwerke. Auf der entgegengesetzten Seite der Kette, in einer niedrigen Ebene, befinden sich die Silbergruben von Huantajaya, berühmt durch die großen Massen gediegenen Silbers, welche sie ehedem lieferten, und von denen eine 8 Cntr. wog. In Peru sind 40 durch ihre Gold- und Silberbergwerke jetzt besonders berühmte Districte; das Gold findet sich besonders in der Provinz Huailas und Pataz, und das Silber in den Distrikten von Huantajaya, Pasco und Chota. Die Gruben von Pasco, welche vor 25 Jahren jährl. mehr als für 2 Mill. Piaster producirten, wurden (wie die meisten in Südamerika) sehr schlecht betrieben, bis 1816 Bergleute aus Cornwall dahin kamen, welche die vielen Grundwasser durch Dampfmaschinen mit hoher Pressung gewältigten. Die Gruben der Provinz Chota liefern jetzt jährl. 67,000 Mark Silber. Das Quecksilberbergwerk von Huancavelica in Peru ist das einzige dieser Art in der neuen Welt. In der Provinz Huantajaya kennt man endlich auch Steinsalzbergwerke. Nördlich von der Provinz Chota ist der metallische Reich- Bergwerke thum der Cordilleras nicht so bedeutend. In Neugranada gibt es einige Silbergruben, in Caracas zu Aroa eine Kupfergrube, die jährl. 7—800 metr. Cntr. (L 200 Pf.) Metall liefert, und in Santa-Fe Steinsalz- und Steinkohlenniederlagen. — Lbwol Mexico sehr vielartige Lagerstätten hat, so wird bis jetzt^doch nur vorzüglich das Silber gewonnen. Die Bergwerke liegen fast alle auf dem Rücken oder an den Abhängen der Cordilleras und bestehen aus 3000 Gruben, welche auf 4—5000 Lagerstätten bauen und in 8 große Reviere (Reales) getheilt werden können, welche von Süden nach Norden zu folgende sind: ») das Revier von Oxaca, an der südlichen Grenze von Mexico, welches außer den Silberbergwerken das einzige Goldbergwerk dieses Staates enthält; d) das Revier vonTasco, 12 —16 Meilen südwestlich von Mexico; o) das Revier vonBiscania, ungefähr 12 Meilen nordöstlich von Mexico, enthält die sehr reichen Gruben von Pachuca, Real del Monte, Moran; cl) das Revier von Zimapan enthalt außer vielen Silber-, auch Blei- und Arseniklagerstätten; e) das Revier von Guanaxato, welches die reichsten Mexicos, und u. a. die Bergwerke von Guanaxato, Catorce, ZacatecaS, Sombrerete umfaßt; erstere bauen auf dem berühmten Gange derVetaMadre; er ist 20 — 24 Lachter (a64 Fuß) mächtig und auf einer Länge von 6400 Lach- tern von 19 Gruben bebaut, die jährl. für ungefähr 7 — 8 Mill. Thlr. Silber liefern; die Grube Valenciana allein für 2 Mill. Thlr.; die Gruben dieses Reviers geben die Hälfte der ganzen Silbererzeugung Mexicos. In der Nähe dieses Reviers bauet man auch auf Kupfer mit einer jährl. Production von 2000 metrischen Ctcn.; ebenso auf Zinn und auf Quecksilber, t) Das Revier von Neugalicien, in welchem die reichen Gruben von Balanos liegen; x) das Revier von Durango und Sonora; Ii) das Revier von Chihuahua. Noch gibt es außerhalb dieser Reviere in Mexico einige Bergwerke. — Der Betrieb aller Bergwerke Südamerikas war bis jetzt sehr schlecht und durchaus ohne alle Regeln der Kunst; neuerlich sind in England und auch am Rhein Actiengesellschaften zu einem bessern Betriebe derselben entstanden. 1826 aber hatte der Erfolg den Erwartungen jener Capitali- sten noch nicht entsprochen. Man hatte vielen unwissenden Subjecten die Leitung des Berg- und Hüttenwesens anvertraut. — Nach den Angaben des Hrn. A. v. Humboldt betrug die Silberproduction des ehem. span. Südamerikas zu Anfang dieses Jahrh. 3,259,153 Mark mit einem Geldwerthe von ungefähr 454 Mill. Thlrn. Preuß.; davon lieferte Mexico 2,196,140 Mark, Peru 573,958 M., Buenos-Ayres 463,098 M. und Chile 25,957 M. — Die vorzüglichsten Goldgewinnungen im ehem. span. Südamerika sind Seifenwerke oder Wäschereien, von denen die vorzüglichsten am westlichen Abhänge der Cordilleras, in Neugranada, von der Provinz Barbacos bis zum Isthmus von Panama, in Chile und an den Ufern des Meeres von Californien, oder am östlichen Abhänge in dem obern Thale des Amazonenflusses sich befinden; die Wäschereien von Neugranada liefern zugleich das Platin. Die ganze Goldproduction der Bergwerke und Wäschereien im ehemaligen span. Südamerika betrug 42,575 Mark, mit einem Geldwerthe von ungefähr 9 Mill. Thlrn. — 2) Die Bergwerke Ungarns mit Inbegriff der in Siebenbürgen und im temeswarer Bannat bilden 4 große Districte: ») der nordwestliche, welcher die Bergreviere von Schemnitz, Kremnitz, Königsberg, Neusohl, Schmölnitz, Bethler, Rosenau u. s. w., die vorzüglich Gold, Silber, Kupfer, Blei rc. produciren; I>) der nordöstliche, welcher die Bergwerke Nagybanya, Kapnik, Felsöbanya, Wiszbanya, Olaposbanya und Ohlapos umfaßt, die alle Gold, sowie das Revier von Marmarosch, welches besonders viel Eisen liefert; e) der östliche District, in welchem die Bergwerke von Nagyag, Korosbanya, Vö- röspatak, Boitza, Csertesch, Fatzbay, Almas, Porkura, Botschum und Stonischa bemeckenswerth sind, die vorzüglich Gold und Kupfer liefern; bei Vayda-Hu- niad und Gyalar sind wichtige Eisenwerke; ä) der südwestliche District, oder die 4 !> L I ii 808 Bergwerkes x Bergwerke des temeswarer Vannats, liefern in den Gegenden von Oravitza, Mol- dawa, Szaska und Dognaczka Silber und Kupfer und in den Gegenden von Dombrawa und Ruchersberg Eisen, Quecksilber und Kobalt. — Auch außerhalb dieser 4 Distrikte enthält Ungarn andre Bergwerke, welche auf Steinkohlen und Steinsalz bauen, letzteres besonders an den Ufern der Donau, der Marmarosch und der Nera. Die ganze Production Ungarns beträgt: 5200 Mark Gold, 85.000 M. Silber, 18 — 20,000 metrische Cntr. Kupfer, 3 — 4000 metrische Cntr. Blei und ungefähr 30,000 metrische Cntr. Eisen. — 3) Die Bergwerke des Altai (s. d.) sind sehr bedeutend; sie bilden die Reviere von Kolywan (Hauptort), von Zmeof(oder Schlangenberg), Tcherepanofski, Smenofski, Nokolaiski, Phi- lipofski rc. mit einer ungefähren jahrl. Production von 3000 M. Gold (jetzt mehr), 60.000 Mark Silber, einer bedeutenden Menge Kupfer, Eisen und Blei. — 4) Die Bergwerke des Ural (s. d.) liegen in größerer oder geringerer Entfernung um Katharincnburg; die von Tourinsky liefern jahrl. an 10,000, und die von Goumechesski 20,000 metrische Entr. Kupfer. Die sehr bedeutende und in der Gegend von Balgodat und Keskanar besonders wichtige Eisenproduction belief sich über eine halbe Mill. metrische Cntr. Bei Beresofs wurden 500 Mark Gold gewonnen, allein jetzt ist diese Goldproduction weit bedeutender. — 5) Bergwerke der Vogescn und des Schwarzwaldes. In den erstem findet man nur Eisenwerke, im letztem Silber zu Badenweiler, Hochberg und Wolfach, ungefähr 1800 Mark, Blei am erstem Ort 400 metrische Cntr. und Kobalt zu Wittichen. Außerdem Eisen an verschiedenen Orten. — 6) Die Bergwerke des Harzes. ») Silber-, Blei- und Kupferbergwerke rc. des Oberharzes, in der Umgegend von den Bergstädten Klausthal, Zellerfeld, Lautenthal, Wildemann, Grund und Andreasberg; b) Gold-, Silber- und Kupferbergwerke bei Goslar; o) Kupferbergbau bei Lauterberg; ) in die gemeine Baukunst, welche sich mit der Anlage der Tagegebäude beschäftigt: b) in die Wasserbaukunst, welche den Teich- und Grabenbau lehrt; o) in die unterirdische Baukunst, deren Gegenstände die Grubenzimmerung und Mauerung sind. V. Das Bergrecht (s. d.). VI. Der historische Theil: 1) Bergwerksgeschichte; 2) Bergwerksgeographie und Bergwerksstatistik. Bering (Vitus), russischer Scecapitain, geb. zu Horsens in Jütland, wurde, als ein geschickter Seemann, von Peter dem Großen bei der kaum entstandenen Marine zu Kronstadt angestellt. Seine Talente und seine Unerschrockcn- heit, die er in den Seekriegen gegen die Schweden bewies, erwarben ihm die Ehre, zur Leitung einer Entdeckungsreise ins Meer von Kamtschatka gewählt zu werden. Er reiste von Petersburg den 5. Febr. 1725 nach Sibirien. 1728 untersuchte er die nördlichen Küsten dieser großen Halbinsel bis 67° 18^ N. Br. und bestätigte, daß Asien nicht mit Amerika zusammenhänge; ob aber die Kamtschatka gegenüberliegenden Küsten auch wirklich Küsten des festen Landes oder nur dazwischen liegender Inseln wären, sollte B. durch seine Reisen entscheiden. Am 4. Juni 1741 8!2 Berings- oder Cookssiraße Berkeley lief er abermals mit 2 Schiffen von Ochotzk aus und landete an der nordwestlichen Küste von Amerika zwischen 35 und 69° N. Br. Stürme und Krankheit hinderten ihn, seine Entdeckungen fortzusetzen; er wurde weit ab auf eine wüste Insel geworfen. Schnee und Eis bedeckten das unwirthbare Land. B. ward gefährlich krank und starb hier am 8. Dec. 1741. Man hat der Meerenge zwischen Asten und Amerika den Namen Beringsstraße (auch Aniangenannt), und der Insel, auf welcher er starb, den Namen Bcringsinsel gegeben. S. Müller's „Vo^azes et cleoouv. kütes par Iss Kusses" (Amsterd. 1766). Berings- oder Cooksst raste, Meerenge zwischen der Westküste von Nordamerika und der Ostküste von Asten. (S. Bering.) Nach Eapitain Eook hat die Meerenge unterm 66° N. Br., wo sie am schmalsten ist, nicht mehr als 10 deutsche Meilen in der Breite. Weiter hinauf weicht das Land gegen N. O., gegen O. und W. N. W. zurück, sodaß die Entfernung unterm 69° mehr als 75 deutsche Meilen beträgt. — Auffallend ist die Ähnlichkeit beider Lander, nördlich von der Meerenge. Beide sind ohne Holz. Die Küsten sind niedrig, aber tiefer in das Land hinein erheben sich beträchtliche Gebirge. Die Wassertiefe in der Mitte der Straße betragt 29—30 Faden und nimmt gegen beide Küsten hm langsam ab, nur daß bei gleicher Entfernung vom Lande die See an der amerikanischen Seite seichter als an der asiatischen ist. Berkeley (Georg) oder Berkley, Bischof zu Eloyne in Irland, berühmt durch seinen Idealismus (s. d.), nach welchem die Annahme der äußern Körpcrwelt ein Wahn ist, der Mensch nur seine Vorstellungen und Empfindungen wahrnimmt und in Hinsicht seiner ursprünglichen Vorstellungen von Gott, dem Geiste aller Geister, abhängig, in Hinsicht seiner Handlungen aber frei ist. Geb. 1684 zu Kilcrin in Irland, wurde er 1707 Mitglied des Dreieinigkeitscollegiums an der Universität zu Dublin, reiste 1713 und 1714 in Italien bis Livorno und war später auf einer Reise des Briten Anhe nach Italien, Sicilien und Frankreich dessen Begleiter. 1721 ward er Hofprediger des Statthalters in Irland, Herzogs von Grafton, und trat schon vor seinem 20. Jahre mit Beifall als Schriftsteller auf. Seine philosophischen und mathematischen Schriften, unter welchen insbesondere seine „Theorie des Sehens" von dem Scharfsinne ihres Verf. die glänzendsten Beweise ablegt, erwarben ihm einen großen Ruf. Durch ein Vermächtniß der Mistreß Vanhomrigh, der berühmten Vanessa, welche durch ihre Liebe zu Swift so bekannt geworden ist, erhielt sein Vermögen einen bedeutenden Zuwachs. Nun machte er seine „Vorschlägezur Bekehrung der amerikanischen Wilden zum Christenthums durch dieGründung einer Lehranstalt auf den bermudischenInseln" bekannt. Diese Schrift erregte einen solchen Eifer für B.'s Unternehmen, daß die angesehensten Personen beträchtliche Subscriptionen veranstalteten, sodaß B. nach Niederle- gung seiner Stelle in Gesellschaft gleichgesinnter Personen sich nach Rhode-Jsland einschiffte, um daselbst zur Unterhaltung seines Collegiums Ländereien anzukaufen. Da aber nachher die verheißene Unterstützung des Parlaments ausblieb, scheiterte seine Unternehmung, nachdem er 7 Jahre seines Lebens und einen bedeuten'oen Theil seines Vermögens darauf verwandt hatte. Er schrieb nun noch eine Menge Schriften Philosoph., religiösen und staatswirthschaftl. Inhalts. Gegen sein 60. Jahr befiel ihn eine Nervenkolik, von welcher er sich durch den Gebrauch des Theerwassers zu heilen suchte, auch deßhalb 2Abhandlungen über den Nutzen dieses Wassers herausgab. Bald darauf starb er plötzlich 1753 zu Oxford. B. wird als ein fast in allen Fächern des menschlichen Wissens bewanderter Mann geschildert, der überdies Allen, die ihn kannten, Verehrung für seinen moralischen Charakter ab- nöthigtc, weshalb auch Pope, sein beständiger Freund, von ihm sagte, er besäße alle Tugenden, die unter dem Himmel zu finden wären. Seine berühmtesten philos. Schriften sind: ,,3'iestise on tiie prinviples ok iniman knorvIolFe" (London Berlichingen Berlin 813 1710); „Hirse ilialogue» lieNveen H^Ias anll kliilonous" (London 1713); „-Ileipllron or tbe ininute pliilosopber" (London 1732). Seine „^Vorles" erschienen London 1784, 2 Bde., 4., voran seine Biographie von Arbuthnot. Berlichingen (Götz oder Gottfried von), mit der eisernen Hand, geb. zu Jaxthausen, ein tapferer Ritter des Mittelalters. Ihn erzog sein Vetter Konrad v. Berlichingen, den er 1495 auf den Reichstag nach Worms begleitete. Götz trat zum Heere des Kurfürsten Friedrich von Brandenburg, diente dem Kurfürsten von Baiern in dem Kriege gegen die Pfalz, und da er in demselben seine Hand verloren hatte, ließ er sich eine eiserne machen, wovon er den Beinamen erhalten hat. Er zog sich nun auf sein Schloß zurück und bekam hier Handel mit seinen Nachbarn, die in Fehden übergingen, in denen er sich durch seine Tapferkeit furchtbar machte; aber ebenso sehr erwarb er sich durch seine Biederkeit Ächtung. Als er dem Herzog Ulrich v. Würtemberg gegen den schwäbischen Bund beistand, ward er 1522 gefangen genommen, und nachdem der Herzog aus seinem Lande vertrieben worden war, mußte er sich selbst durch ein Lösegeld von 2000 Gldn. freimachen. ! > Als der Bauernkrieg ausbrach, nöthigten ihn die Aufrührer, sie anzuführen; aber nach 4 Wochen ward er von neuem gefangen genommen und konnte seine Freiheit 1 nur unter dem Versprechen einer gänzlichen Unthätigkeit erhalten. Er starb den 23. > Juli 1562. Man hat von ihm selbst eine Beschreibung seines Lebens, die 1731 u. 1775 in Nürnberg, und 1813 zu Breslau zum dritten Male gedruckt worden ist. l Dieses Bucff enthält ein treffliches Gemälde des geselligen Lebens und der Sitten des Mittelalters und hat Göthe den Stoff zu s. schönen Schauspiel d. N. geliefert. - Berlin, Hauptstadt des preuß. Staates, erste königl. Residenzstadt und ! Sitz der höchsten Landescollegien, in der Provinz Brandenburg, an der Spree, ' 127 F. über der Mecresfläche, 31° 2" 30" L., 52° 31" 14" Br., ist eine der größten und schönsten Städte in Europa. Sie hat über 4 Stunden im Umfange, 931,935 ÜiRuthen, und besteht aus 6 Städten: dem eigentlichen Berlin, Köln " an der Spree, Friedrichswerder, Neu- oder Dorotheenstadt, Friedrichsstadt (die seit 1714 die königl. Residenzstädte heißen) und der seit dem 3. Dec. 1828 soge- > nannten Friedrich-Wilhelmsstadt (der neue Stadttheil vom Unterbaume bis zum Oranienburger Thore), und 5 Vorstädten: Louisenstadt (welche ihren Namen erst in den neuesten Zeiten erhalten hat), Königs-, spandauer, stralauer und außerhalb der Mauern oranienburger Vorstadt. B. hat 133 Straßen, 91 Gassen, 22 öffentliche Plätze und Märkte, 15 Thore, 27 Pfarrkirchen, 37 Brücken u. f. w.; im J. 1817 waren hier 7133 Häuser mit Einschluß der Kirchen, der öffentlichen (174) , und Fabrikgebäude (61), auch Ställen und Scheunen (483). (1822 waren in der Feucrsocietät 6540 Privatwohnhäuser mit 54,055,375 Thlrn. versichert.) Am Ende des 1.1825 hatte Berlin 220,000 Einw., unter diesen etwa 3700 Juden, 4000 Katholiken und über 10,000 Reform., mit Inbegriff des Militairs. 1) Im eigentlichen Berlin, mit 39 Straßen (1163 von Markgraf Albrecht dem Bär erbaut), von der buschigen wüsten Gegend so genannt, in der sich holländ. Ausgewanderte ansiedelten, bemerkt man das königl. Posthaus, das Rathhaus, das l Stadtgerichthaus, die allgemeine Kriegsschule, das Eadettenhaus, das Gymnasium zum grauen Kloster, das Joachimsthalische Gymnasium, die luther. Pfarrkirche St.-Nicolai (die älteste Kirche Berlins), die Marienkirche (mit einem 286 Fuß hohen Thurme, dessen Aufsatz unter der Regierung Friedr. Mlh. H. von Langhaus ausgeführt ist und zu dessen besten Arbeiten gehört), die reform. Parochial- kirche (mit einem Glockenspiele), die neue stanz. Kirche, das Friedrichswaisenhaus (1818 für 1009 älternlofe Kinder, mit einer Kirche und der königl. Kuhpockenimpfung, wo seit 1802 25,332 Kinder und Erwachsene unentgeltlich geimpft wurden), die Garnisonkirche, die Judensynagoge, das Landschaftshaus, das königl. sogenannte Lagerhaus, früherhin kurfürstl. Residenz, dann Sitz einer sehr bedeuten- 814 Berlin den Tuchmanufactur, welche größtentheils das Fabricat zur Bekleidung der Truppen, besonders das Tuch für die Ofsiciere lieferte, jetzt Sitz mehrer königl. Eassen und Bureaux), der neue Markt. — Die Vorstädte des eigentlichen Berlin sind: die Königsvorstadt, wo die neue Königsbrücke und das Arbeitshaus am Alexandersplatz; die spandauer Vorstadt, wo die spandauer u. Monbijou- (Hercules-) Brücke, das königl. Lustschloß Monbijou, die Thierarzneischule, der Schiffbauerdamm, das große Hospital la Charite, mit dem das klinische Institut verbunden ist (1816 mit 5144 Kranken, worunter 419 Geisteskranke), die neue königl. Münze u. s. w., und vor dem oranienburger Thore die Eisengießerei, wo vorzügliche Gußwaaren von allen Gattungen nach Bestellung geliefert werden, das königl. Jnvalidenhaus, welches an Ofsicieren, Soldaten, Frauen und Kindern an 1000 Seelen unterhält; und die stralauer Vorstadt, wo Zuckerraffinerien und mehre Kunstgärten. Außerhalb der Mauer liegt die rosenthaler Vorstadt oder Neuvoigtland mit 4 Straßen. 2) In Köln an der Spree, das schon bei seiner Erbauung diesen Namen von den Kollnen (Pfählen) führte, auf welchen die von Albrecht dem Bär gedrängten Wenden zwischen Sümpfen und Morästen ihre Gebäude errichteten, mit 25 Straßen, die von 2 Armen der Spree eingeschlossen werden, zeichnen sich aus: die lange Brücke, 160 Fuß lang, steinern, auf 5 Bogen ruhend, und mit der kolossalen, trefflichen, von Schlüter modellirten und von Jacob! gegossenen ehernen Bildsäule des großen Kurfürsten Friedr. Wilh. zu Pferde geziert; das königl. Schloß, 460 Fuß lang, 276 F. breit und 101^ F. hoch, mit der Bildergalerie, der Kunst- und Natu- ralienkammer, Münzsammlung :c.; der Lustgarten, mit der trefflichen von Scha- dow verfertigten Bildsäule des Fürsten Leopold von Dessau, die Domkirche, die königl. Reitakademie, der neue Packhof rc. Ein Theil von Köln heißt Neuköln und besteht aus 4 Straßen längs der Spree. Hier ist die königl. Salzniederlage (Salzhof), der Spittelmarkt rc. Z) Der Friedrichswerder mit 19 Straßen ist von dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm d. Gr. angelegt worden. Merkwürdig sind: die Hauptmünze, das Adreßhaus (wo Geld gegen Pfand ausgeliehen wird), das Fürstenhaus, die werderschc deutsche und stanz. Kirche (ein langes Gebäude, welches nur inwendig durch eine Scheidewand getrennt wird), der große Packhof (Mauth- gebäude), das Friedrichs- und stanz. Gymnasium, mit einem theol. Seminar, der Palast, welchen der König bewohnt, das prachtvolle Zeughaus, in dessen Hofe die berühmten Köpfe sterbender Krieger, von Schlüter in Hautrelief gearbeitet, den Fensteröffnungen als Schlußsteine dienen, das königl. Gießhaus, das von Schin- kel erbaute neue Wachtgebäude, bei welchem die Bildsäulen von Scharnhorst und Bülow stehen, und bei welchem 3 Stück erobertes Geschütz von dem größten Ca- liber aufgefahren sind rc. 4) Die Neu- oder Dorotheenstadt, ebenfalls von Kurfürst Friedrich Wilhelm d. Gr. angelegt und nach seiner zweiten Gemahlin benannt, hat nur 5 regelmäßige Straßen, unter diesen die prächtige Straße „unter den Linden", 2088 Fuß lang und 170 Fuß breit, mit dem schönsten Spatziergange in der Stadt, und einem Theil der 4250 Schritt oder 890 Ruthen langen Friedrichsstraße. Merkwürdig sind: das Universitätsgebäude (sonst der Palast des Prinzen Heinrich),, die nach Art des Pantheon zu Rom erbaute katholische Kirche, die dorotheenstädtische Kirche, das Opernhaus, die königl. Bibliothek, das Akademiegebäude, zum Museum bestimmt, mit einer Sternwarte, deren Plattform 84 Fuß über dem Steinpflaster der Straße erhaben ist, der pariser Platz rc. Vor dem brandenburger Thor, welches 195 F. breit in der Form des Propyläum zu Athen, jedoch nach einem weit größern Maßstabe von Langhans 1789 erbaut ist und die berühmte Victoria in einer Quadriga trägt, welche die Franzosen 1807 entführten und die Preußen 1814 von Paris zurückbrachten, befinden sich der sogenannte Thiergarten, ein Wald, der 880 Morgen Landes einnimmt und außer den mannigfaltigsten Spatziergängen das Lustschloß Bellevue, den großen Excrcirplatz und 815 - - Berlin s mehre Landhäuser reicher Privatmänner enthält. Da auf der einen Seite besonders 1 Juden Grundstücke erworben haben, so pflegt dieser Theil Neujerusalem genannt i zu werden. 5) Die Friedrichsstadt, von Kurfürst Friedrich HI. (König Friedrich I.) ! 1688 angelegt, übertrifft die 4 übrigen Residenzstädte an Größe und hat 23 breite Straßen, unter denen die Wilhelmsstraße, 530, die leipziger, 400 Ruthen lang, und die schon erwähnte Friedrichsstraße sich auszeichnen. Merkwürdig sind: der Gendarmenmarkt , der Wilhelmsplatz, ein 190 Schritt langes und 90 Schritt breites Viereck, mit den marmornen Bildsäulen der Generale Schwerin, Winterfeld, Seyd- litz, Keith und Ziethen; der dönhossche und leipziger Platz, der Platz von Belle- Alliance (sonst das Nondel), die Jerusalemskirche, die böhmische Kirche, die Drei- saltigkeitskirche, die franz. und neue Kirche mit 2 berühmten Thürmen, der ehemals anspachische Palast (jetzt der Louisenstiftung eingeräumt), die königl. Porzellanfabrik, das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium mit der Realschule (einer höher« Bür- > gerschule, 1816 650 Schüler), das Collegienhaus (wo die Gesetzcommission, das Obertribunal, das Kammergericht, das Pupillencollegium und das brandenburgi- sche Lehnsarchiv sind), die Gold- und Silberfabrik, die Bank, das Haus der See- handlungsgesellschaft, das Komödienhaus, welches 1817 abbrannte und dessen Wiederaufbau nach Schinkel's Anordnung geschah, verschiedene prächtige Privat- gebäude rc. 6) Die Louisenstadt (ehemals köpenicker Vorstadt) besteht größtentheils aus Feldern und Gärten. Vor dem kottbuser Thor, auf der waldigen Anhöhe, Ha- senhaide, war der erste deutsche Turnplatz. Auf dem Kreuz-, sonst Tempelhofer- berge vor dem Hallischen Thore sieht man das 1820 errichtete Kriegsdenkmal von Eisen. B. zählt an 100 öffentliche und 50 Privatschulen für den ersten Unterricht der Kinder; an Bürger- oder Mittelschulen 10 öffentliche, 60 Privat- und 13 Spe- cialschulen; an höh ern Bildungsanstalten 5 gelehrte Schulen, 7 höhere Special- schulen und die Universität (s. d. fg. A.). Außerdem besitzt B. verschiedene Akademien und gelehrte Gesellschaften, namentlich die k. Akad. der Wissensch., die Akad. der bildenden Künste, mechan. Wissenschaften und Baukunst, mit den dazu gehörigen Kunstschulen, die naturforschende, die medicinisch - chirurgische, die pharmaceutische, philomatische, die physisch-Medicin. Gesellschaft, die Gesellschaft für die deutsche Sprache und den Künstlerverein. Ferner sind hier ein Antikenmuseum, gestiftet 1820, die k. medicinisch-chirurg. Akademie für das Militair, die k. medicinisch-chi- rurg. Pepiniere, die k. Thierarzneischule, 2 Seminare zur Bildung von Land- und Stadtschullehrern, das Seminar für Missionarien zur Bekehrung der Heiden in Westafrika, Taubstummen-und Blindeninstitute, eine jüdische Freischule, eine Forstakademie, eine Singakademie, eine Militairschwimmschule, eine Bibelgesellschaft, eine Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden, ein Gartenbauverein, eine Anstalt für künstliche Mineralwasser u. s. w. In B. sind viele wohlthätige Anstalten, da ungefähr 12,000 Arme ohne Hülfe nicht bestehen können. Unter Anderm verpflegte der weibliche Wohlthätigkeitsverein durch 32 auf- sichthabende Frauen, im Dec. 1816, in 180 Familien an 1200 Arme. Die wohlthätigste Anstalt ist das von dem Kriegsrath Kranz 1794 errichtete Bürgerrettungsinstitut, das verarmte Bürger, um ihnen emporzuhelfen, bedeutend unterstützt, und bereits unter seinen Mitgliedern mehre seiner ehemaligen Pfleglinge zählt. B. zählte 416 Schriftsteller nach einem Verzeichnisse von 1825; es hat beträchtlichen Handel und Fabriken, eine königl. Bank, eine königl. Seehandlungsgesellschaft, Assecuranzgesellschaft rc., einen Weltmarkt, an 300 Spinnmaschinen auf Wolle und Baumwolle mit 29,000 Spindeln, 4834 Weberstühle für Tücher, seidene, wollene, baumwollene, leinene Zeuche, Teppiche u. s. w., 1181 Gänge für seidene, wollene und leinene Bänder, 326 Posamentirer, 44 Zeuchdruckcreien, 66 Färbereien, 5 Zuckerrafsi'nerien, 4 Fabriken von lackirten Blechwaaren, die Porzellan- und Steingutsabriken mit 411 Arbeitern, die königl. Bronzefabriken, bedeutende 816 Berlin (Universität) Gold- u. Silberwaarcnmanufacturen, schone Tischlerarbeit-, Petinet-, Strohhut-, Blumen- u. Federfabriken; gegen 25 Buchdruckereien, 8 Pulvcrmühlen rc., die wichtigen, zum Verkaufe geordneten Kunstsamml. des Hrn. Jacob:. S. „Wegweiser durch Berlin u. Potsdam u. d. umlieg. Gegend", im Ausz. nach Friedr. Ni- colai's großer Beschr. (6. Aufl., Berl. 1829, m. Kpfrn. u. Chart.), und den „Berliner Nachweiser" von Gädicke (Berl. 1828). Berlin (Universität), gegründet 1809. Zu ihr gehören: der botanische Garten außerhalb der Stadt bei Schönberg, das anatom. Theater, das anatom. und das zoolog. Museum, das theolog. und Philolog. Seminar, das Mineralien- cabinet, klinische Institut, eine Entbindungsanstalt u. s. w. Im 1.1826 studir- ten zu B. 1640, darunter 400 Ausländer. Sie hat über 90 Lehrer. Der König, stets freigebig, wo es die Wissenschaften und den öffentl. Unterricht gilt, hat nicht nur neue Hülfsmittel herbeigeschafft, sondem läßt auch für die bessere Benutzung der schon vorhandenen zweckmäßige Anstalten treffen. Die vor einigen Jahren von ihm erkaufte Giustiniani'sche Galerie, mit andern Bildern vermehrt, steht in dem Universitätsgebäude 2 Mal in der Woche dem Publicum offen. Für die einzelnen bedeutenden königl. Sammlungen ist ein gemeinschaftliches Museum errichtet worden, in welches auch die Kollersche Antikensammlung und die ägypt. Alterth. von Minutoli und Passalaqua kommen. Das Münzcabinet und das Antiquitätencabi- net auf dem Schlosse, die Gypsabgüsse und die Antiken in den Gartenhäusern des Schlosses Monbijou, besonders die Abgüsse der Elgin'schcn Monumente und der äginetischen Bildwerke, sowie die Bildergalerie, bisher auf dem Schlosse, bilden reiche Bestandtheile desselben. Die naturhistor. Sammlungen werden außerordentlich vermehrt und mit großer Gefälligkeit gezeigt. Der botanische Garten, früher schon durch Willdenow sehr wichtig, wird, unter der Direction des Pros. Link und der Aufsicht des botanischen Gärtners Otto, durch die besondere Fürsorge des Ministers Altenstein immer bedeutender. Für Verschönerung des Gartens hinter dem Universitätsgebäude und zum Gebrauch bei kameralist. und technolog. Vorlesungen entstand eine kleinere botanische Anpflanzung, und ein Winterhaus für die Pflanzen. Die königl. Bibliothek wird sehr vermehrt. Man hat vielen Raum durch veränderte Ausstellung im Innern und durch Wcgschaffung unwissenschaftlichen Apparats gewonnen. Seit Willen (s. d.) Oberbibliothekar geworden, ist die Summe von 36,000 Thlrn. außergewöhnlich zur Vermehrung der Bibliothek angewendet worden. Im untern Geschoß ist ein Lesecabinet für gelehrte, größtentheils ausländische Zeitschriften errichtet, hauptsächlich zur Benutzung der Professoren der Universität und der Gymnasien. In der thcol. Facultät sind Schleiermacher, Neander, Mar- heinecke u. A. geschätzte Namen. Bernstein, der einen Theil der de Wette'schcn Vorlesungen übernommen hatte, ist nach Bres lau versetzt worden. Seine Stelle als Orientalist nimmt Bopp ein. Nach v. Savigny sind in der jurist. Facultät Biener, Homeyer, Klenze, Gans, v. Lanzizolle zu bemerken; früher war Hasse, 1829 istHollwegnach Bonn gegangen. V. Gräfe, Horn, Hufeland, Rudolphi, Osann, Rüst, Link u. A. bilden die medic. Facult. In der Philosoph. Facult. lehren Gesch. F. Wilken und v. Räumer; altdeutsche Literat. v. d. Hagen; Kunstlehce Toelken und Hirt; Mathematik Dirksen und Jdeler; Politik und Staatswirthsch. Hoff- mann; Physik und Chemie Hermbstädt, Mitscherlich, Erman und Oltmanns; Botanik Hayne; Mineralogie Weiß; Zoologie Lichtenstein; Philologie Boeckh, Bckker, Lachmann u. s. f; Astronomie Encke. Der außerord. Pros. v. Henning soll den Anfängern das Verstehen des ideenreichen Hegel erleichtern. Der Geograph Ritter verbindet mit seiner ordentl. Professur bei der Universität das Amt eines Lehrers an der Kriegsschule; ebenso der Mathematiker Dirksen. Die Akademie der Wissenschaften hat dem Professor Böckh die Herausgabe des „Oorpus Insoriptionum Kraeoarum." übertragen. An der neuen Ausgabe des Aristo- 817 Berliner Blau Bern teles auf Kosten der Akademie hat Pros. Bekker den größten Antheil. Beträchtlich ist die Zahl der außerordentlichen Pros. und der Pcivatdocenten. S. Hitzig's „Gelehrtes Berlin im I. 1825" (Berlin 1826). Berliner Blau, ein Farbenmaterial, das eine reine dunkelblaue Farbe, einen matten Bruch, weder Geschmack noch Geruch hat, in Wasser, Weingeist und Äther unauflöslich ist und durch die Auflösung der atzenden Alkalien zersetzt wird. Die Erfindung dieser Farbe wurde 1704 von dem Farbenfabrikantcn Diesbach in Dippel's Laboratorium zufällig gemacht, indem er einer mit Alaun und Eisenvitriol bereiteten Cochenilleabkochung, in der Absicht, Cochenillelack zu bereiten, Kali hinzusetzte, über welches Dippel thierisches Öl abgezogen hatte, und dadurch den bekannten blauen Niederschlag erhielt. Dippel, welcher fand, daß das Kali durch die Behandlung mit thierischem Öl die Eigenschaft erhalten hatte, das Eisen blau zu färben, bereitete es bald auf einem einfachern Wege, indem alle thierische Stoffe und selbst alle vegetabilische, welche an Stickstoff reich sind, zur Verfertigung dienen. Alle Stoffe zu diesem Fabricat müssen nur im Zustande der Reinheit angewandt werden, oder die Reinigung wird hernach sehr kostbar. Der Alaunzusatz gibt diesem Blau mehr Körper und eine hellere Farbe. Dieses Blau ist ein inniges Gemenge von blausaurem Eisenoxyd (52 Theile braunrothes Eisenoxyd und 48 Theile Blausäure). Der Zusatz der Alaunerde steigt von 20 auf 80 Procent. Je mehr Alaunerde dieses Blau hat, desto geringer ist seine Güte. Berme, der einen oder einige Fuß breite Zwischenraum, welcher bei einer Schanze zwischen Brustwehr und Graben gelassen wird und das Herabrollen der sich von der Brustwehr lösenden Erdstücke in den Graben hindern soll. Gewöhnlich sind auf der Berme Sturmpfähle angebracht. Ist dies nicht der Fall und die Brustwehr so nied.rig, daß der Stürmende über dieselbe wegschauen kann, so bringt die Berme mehr Schaden als Nutzen, indem der Ängreifende, einmal dort angekommen, das Gewehr auf die Brustwehr legen und in die Schanze hineinschießen kann. In Festungen wird die Berme gewöhnlich mit Dornstrauchen besetzt, wodurch der stürmende Feind dort aufgehalten wird. Bern, der größte Canton der Schweif (173 IHM, 338,000 Einw., darunter 40,000 Kathol., 250,300 Reform.), mit der Hauptstadt gleiches Namens. Schon im 12. Jahrh, umgab Kuno von Bubenberg den kleinen Ort Bern, bei der Feste Nydeck, mit Graben und Mauern, und der Herzog v. Zahringen, welchem Nydeck gehörte, gab der neuen Stadt Gesetze, worauf dieselbe im 13. Jahrh, immer mehr bevölkert ward. Hier suchte der niedere Adel der umliegenden Gegend Schutz gegen die Bedrückungen des höher», wozu noch Landleute und besonders Bürger aus Freiburg und Zürich kamen. Kaiser Friedrich 11. erklärte die Stadt 1218 zu einer freien Reichsstadt und bestätigte die Freiheiten derselben durch eine alte Urkunde, die noch im dortigen Archive aufbewahrt und die kaiserl. Handfeste genannt wird. 1288 wurde B. von Rudolf von Habsburg belagert, aber nicht genommen, und 1291 fochten die Werner, unter Anführung Ulrichs v. Bubenberg, gegen ihren eignen feindlich gesinnten Adel, welchen Ulrich von Erlach befehligte. V. ward nun eine Freistätte für alle Diejenigen, welche von Östreichs Adel gedrückt wurden, wodurch die Stadt selbst zu einer Macht gelangte, die den Neid der übrigen Städte und des eignen Adels erregte. Beide schloffen daher ein Bündnis mit einander, um B. zu vertilgen. Allein ihr Heer von 18,000 M., welches 700 Herren mit gekrönten Helmen und 1200 Ritter anführten, wurde von den 3 Mal schwachem Bernern, unter Anführung Rudolfs von Erlach, am 21. Juni 1339, bei Laupen gänzlich geschlagen. Nach diesem Siege ward die Stadt sehr erweitert, worauf sie 1353.in den ewigen Bund der Eidgenossen trat, in welchem sie die Stelle nach Zürich, mithin die zweite im Bunde, erhielt. Bis zu Ende dieses Jahrh, vergrößerte B. sein Gebiet theils durch Kauf, theils durch Erobe- Couv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. I. st 52 818 Bern rung. Nachdem 1405 der größte Theil der Stadt abgebrannt und darauf regelmäßig wieder aufgebaut worden war, begannen die langen Kriege mit Östreich, Mailand, Burgund und Savoyen, aus denen allen die Eidgenossen als Sieger hervorgingen und in welchen B. das Aargau eroberte. 1528 nahmen die Berner die Kirchenverbesserung an. In dem darauf folgenden Kriege mit dem Herzog von Savoyen eroberte B. das Waadtland. Die eroberten Lander wurden durch Landvögte verwaltet, die auf den Festen wohnten. Von nun an bis zum 5. März 1798 waren der Wohlstand und Reichthum B.'s in stetem Wachsthums, und auf die öffentliche Verwaltung wurden große Summen verwendet, welche dies aufs deutlichste zu erkennen gaben. Der Flächeninhalt des Eantons betrug damals 236 IHM., mit 380,000 Einw. An jenem Tage zogen 30,000 Franzofen gegen B. Zwar führte wieder ein Erlach 18,000 Berner und 8000 andre Eidgenossen ins Feld; aber die Tage von Morgarlen, von Laupen, von Murtcn begeisterten sie nicht zum Siege; die Eidgenossen ermordeten auf dem Rückwege ihren eignen Anführer. B. öffnete zum ersten Mal dem Feinde seine Thore und verlor ungefähr die Hälfte seines Besitzstandes, indem der nördliche Theil zu dem jetzigen Eanton Aargau geschlagen und aus dem südwestl. (p-i^s «ie Vaull) der jetzige Eanton Waadt gebildet wurde. Durch die Beschlüsse des wiener Eongreffes wurde jedoch der größere Theil des Bisthums Basel dem Eantone Bern zugetheilt. Nach der neuern Verfassung des Eantons wird die souveraine und oberste Gewalt, ausgeübt durch Schultheiß, Kleine und Große Räthe der Stadt unkt'Republik Bern, bestehend aus 200 von der Stadt B. und 99 von Städten und Landschaft gewählten Mitgliedern. Die 200 der Stadt B. werden aus dem Mittel der regimentsfahigen Bürger, die das 29. I. zurückgelegt haben, durch ein aus den Mitgliedern des kleinen Raths und einem Ausschusse des großen Raths bestehendes Wahlcollegium gewählt. Die 99 Mitglieder aus Städten und Landschaften werden theils von den Städten durch ihre Ortsbehörden, theils von jedem der 22 Amtsbezirke durch ein aus seinem Mittel zusammengesetztes Wahlcollegium, theils unmittelbar von dem großen Rathe selbst gewählt. Zwei Schultheiße haben abwechselnd, jeder ein Jahr lang, denVor- sitz im großen und kleinen Rathe. Der große Rath hat die gesetzgebende, der kleine Rath die vollziehende Gewalt. Dieser besteht aus den beiden Schultheißen, 23 Mitgliedern u. 2 Heimlichem, u. wird von dem großen Rathe aus seiner Mitte gewählt. ! Der nördliche Theil des Eantons ist hügelig mit schönen Ebenen und Thälern und hat einen fruchtbaren, sorgfältig angebauten Boden, der zum Getreide-, Wein - und Obstbau benutzt wird. Hier ist das Emmenthal, eines der schönsten, fruchtbarsten und reichsten Thäler der Schweiz, wo die Rindviehzucht vortrefflich ist und die bekannten emmenthaler Käse verfertigt werden. Schöne Gebäude, gute Kleidung und Fröhlichkeit zeugen von dem Wohlstände der Bewohner dieses Thales. Der südliche Theil des Eantons hingegen, das Oberland (wozu die Hauptthäler Hasli, Grindelwald, Lauterbrunnen, Kander, Frutigen, Adelboden, Sim- men und Saanen mit zahlreichen Seitenthälern gehören), nimmt am Fuße der hohen Bergreihe gegen Wallis seinen Anfang und zieht sich bis aufihre vbersteHöhe. Die tiefsten Thäler bringen gutes Obst hervor, sind fruchtbar und angenehm; höher hinauf sind vortreffliche Alpenweiden, dann folgen kahle Felsen, ausgedehnte Gletscher, der Ouell prächtiger Wasserfälle und die höchsten Gebirge der Schweiz, als das Finsteraarhorn, die Schreck - und Wetterhörner, der Eiger, die Jungfrau. Die Einw. des Oberlandes nähren sich vorzüglich von der Viehzucht. — Der Hauptzweig des Gewerbfleißes besteht in Leinwand - und Tuckmanufacturen, vorzüglich im Emmenthal. Die Staatseinnahme beträgt 1,800,000 schweizer Fr. (36^ — eine Mark feinen Silbers). Der Eanton stellt zum Bundesheere 5824 M. und zahlt als Beitrag 104,080 schw. Fr. — Bern (1062 H., mit 17,620 Einw.), eine der wohlgebautesten Städte in der Schweiz, liegt auf einer Anhöhe und Halb- Bernadotte Bernburg 819 insel, auf 3 Seiten von der Aar umflossen. Die Straßen sind meistentheils gerade, breit und gut gepflastert, und die Häuser zum Theil mit Arcaden versehen. Merkwürdig sind: das gothische große Münster, die Heiligegeistkirche, die akademischen Gebäude, die Insel oder das schön gebaute Krankenhaus rc., die Akademie und mehre wissenschaftliche Vereine. Insbesondere hat sich die ökonomische Gesellschaft große Verdienste um die Verbesserung der Landwirthschaft und die Kenntniß der Schweiz in naturhistor. Hinsicht erworben. Die Schweizerische geschichtforschende Gesellschaft, unter dem Vorsitze des Werner Schultheiß von Mülinen, hat mehre die Vorzeit Berns betreff. Chroniken, als die von Justinger (bis 1421) 1819, die von Schachtlan 1820, und die von Anshelm (bis 1526) 1825 herausgegeben. Die 1802 gest. Galerie der vaterlandischenNaturgeschichte enthält die Säugcthiere, Vogel, Schmetterlinge, Insekten, Kräuter der Schweiz. Die öffentliche Bibliothek besitzt sowol an gedruckten Büchern als Handschriften große Schätze. Außerdem haben mehre Privatpersonen Kunstsammlungen, die den Fremden meistens offenstehen. Gewerbfleiß und Handel sind lebhaft; die Fabriken liefern Wollen- tuch, gedruckte Leinwand, Seidenzeuch, Strümpfe rc. Wenige Städte haben schönere und besser unterhaltene Spatziergänge, z. B. einer der beliebtesten ist die mit großen Kosten aufgefahrene und mit 4 Baumrcihen besetzte Platteforme, worauf das Münster steht. Die nach der Aar zu gehende Seite erhebt sich 108 Fuß über diesen Fluß, welcher hier einen schönen Fall bildet, der dem des Rheins bei Laufen zwar nicht an Höhe, wol aber an Breite gleich kommt. Bernadotte, s. KarlXIV. Johann. Bernard (Pierre Joseph), eines Bildhauers Sohn, geb. zu Grenoble 1710, gest. zu Choisy bei Paris 1775, studirte bei den Jesuiten zu Lyon, dann diente er zu Paris bei einem Notar als Schreiber. Hier ward er dem Marquis de Pezay durch einige Gedichte bekannt, folgte diesem 1734 in den ital. Feldzug, ward von dem Marschall v. Coigny als Secretair in Dienst genommen und von Ludwig XV. zum Schatzmeister der Dragoner und spater zu seinem Bibliothekar in Choisy ernannt. 1771 verlor er durch einen Schlagfluß Gedächtniß und Jdeenver- bindung und blieb in diesem Zustande bis an feinen Tod. Unter den Dichtern der Freude und des Lebensgenusses, deren die Franzosen so viele besitzen, wird B. mit Achtung genannt. 1737 brachte er die Oper „Kastor und Pollux" auf die Bühne, ein Meisterstück lyrischer Dramatik. Rameau's Musik trug noch mehr zu ihrem allgemeinen Beifalle bei. Früher gearbeitet, allein erst 1762 herausgegeben, ist sein Gedicht: „Phrosine und Melidor", in 4 Gesängen, welches ebenfalls großes Lob erhielt. Nach seinem Tode, allein seinen Freunden früher mitgetheilt, erschien: „I/srt tUmmer", zum Theil nach Ovid. Dieses Gedicht lehrt mehr die Kunst zu genießen als zu lieben; denn der Vers. geht nur auf das den Sinn Ergötzende, wozu er öfters die Einbildungskraft, niemals das Herz in Anspruch nimmt. Voltaire hat B. Ie gentil genannt. B.'s Werke erschienen gesammelt zu Paris 1796. Bernardin de St.-Pierre, s. St.-Pierre. Bernburg (Anhalt-) (16 (IM., 7St., 1 Mfl., 50D., 38,400E.), ist eins von den 3 anhaltischen Herzogthümern, welches 1665 an Joachim Ernsts fünften Sohn, Ludwig, dessen Nachkommen es jetzt besitzen, kam, nach Aussterben der zerbster Linie 1793 aber, deren Lander die übrigen 3 Linien 1797 unter sich theilten, noch einen Zuwachs erhielt. (S. Anhalt.) Die Einkünfte schätztman auf450,000Gldn. DasBundescontingent ist370M. Derjetztregie- rende Fürst, Alexius Friedrich Christian," geb. d. 12. Juni 1767, succed. d. 9. April 1796, verm. 1794 mit Maria Friederike, T. des Kurf. v. Hessen-Kassel, geb. 1768, von ihr geschieden im Aug. 1817, residirt zu Ballenstedt, nahm nach f. Beitritt zum Rheinbünde d. 30. April 1807 den Herzogstitel an. Das reg. Haus ist reformirt. 1820 vereinigten sich Reform, und Luther, in eine evangel. - christl. 52 * 820 Bernhard (v. Clairvaux) Bernhard (Herz. v. Weimar) Kirche. Durch die Verordnung vom 22. Juli 1826 trat Anhalt-Bernb. dem preußischen Zollsystem bei. DieHauptst., Bern bürg an der Saale, mit einem herz. Schloß, hat 4800 Einw., Fabriken und Weinbau. Die Nebenlinie Anh.-Bernb.- Schaumburg-Hoym, von F. Lebrecht, zweitem S. des F. Victor Ama- deus, erlosch 1812 im Mannsstamm; sie hatte die Güter Zeitz und Belieben zu einem Paragio erhalten, und außerdem durch Hcirath die Grafschaft Holzapfel nebst den Herrschaften Schaumburg und Laurcnburg eigenthümlich erworben. Das Paragium siel an die Hauptlinie zurück. Die L des letzten Fürsten, Hermine, Gemahlin des Erzherz. Joseph v. Östreich, starb 1817. Ihr Erbe in Schaumburg und Laurenburg oder in der Grafschaft Holzapfel, ist ihr Sohn, der Erzherz. Victor. Seiner Mutter Schwester, Emma, ward 1823 mit d. Fürst. v. Waldeck vermahlt. Bernhard (von Clairvaux), der einflußreichste Geistliche des Mittelalters, geb. 1091 zu Fontaines in Burgund, aus adeligem Geschlecht, Mönch 1113 in Citeaux, wurde 1115 erster Abt von Clairvaux bei Langres. Strenge Lebensweise, einsame Studien, ergreifende Beredsamkeit, freimüthige Sprache, der Ruf eines Propheten machten ihn zu einem Orakel des christlichen Europa. Man nannte ihn den „honigflicßcnden Lehrer" und s. Schriften „einen Fluß des Paradieses". Die Lehre von der unbefleckten Empfängnis Marias verwarf er. Um den Erster- cienserorden (s. d.) erwarb er sich Verdienste. Er vorzüglich beförderte den Kreuzzug 1146 und stillte die damals in Deutschland von Mönchen erregte Währung gegen die Juden. Jede Erhebung zu höhern Würden lehnte er ab und war immer nur als Abt s. geliebten Jerusalems, wie er Clairvaux zu nennen pflegte, in aller Demuth der freimüthigste Sittenrichter der Geistlichkeit, der Rathgeber der Päpste, unter denen ihm Jnnocenz II. die Erhaltung des Jnvestiturrechts in Deutschland und Eugen III. seine Bildung verdankten, der Schiedsrichter der Fürsten und Bischöfe, und seine Stimme galt auf den Kirchenversammlungen wie eine göttliche. Der kalten Spcculation und Dialektik der scholastischen Philosophen hielt seine strenge Rechtgläubigkeit und wol bisweilen schwärmende, doch immer auf thätiges Christenthum dringende Mystik ein heilsames Gegengewicht, wenn auch seine Unduldsamkeit gegen Abälard und Gilbert von Porree keineswegs gebilligt werden kann. Luther sagt von ihm: „Ist jemals ein gottesfürchtiger und frommer Mönch gewesen, so wars St.-Bernhard, den ich allein viel höher halte denn alle Mönche und Pfaffen auf dem ganzen Erdboden". B. starb 1153 und wurde von Alex. III. 1174 heilig gesprochen. Vgl. Aug. Neander, „Der heilige Bernhard und sein Zeitalter" (Berl. 1813). S. Schriften gab Pros. Silbert, a. d. Latein, überf, Wien 1820, heraus. Bernhard, Herzog von Weimar, Feldherr im dreißigjähr. Kriege, geb. am 6. Aug. 1604, von 8 S. des Herzogs Joh. von S.-Weimar der 4., ward von s. Mutter, Soph. Doroth., und von dem als Staatsmann und Geschichtschreiber geschätzten Hortleder trefflich erzogen. Er ging in holländische Dienste, die beste Kriegsschule damaliger Zeit, wo Prinz Moritz von Nassau (der Schöpfer einer bessern Taktik), dessen Bruder Friedrich Heinrich, der Marchese Spinola und andre große Generale gegen einander fochten. B. nahm später Dienste unter dem dänischen Heere, welches der Markgraf v. Baden - Dnrlach in Holstein gegen die Kaiserlichen befehligte, und befand sich mit auf dem Friedens- congresse zu Lübeck 1629. Als Gustav Adolf nach Deutschland kam, vereinigte sich B. mit ihm und war bei dem Sturme auf Wallenstein's Lager bei Nürnberg (24. Aug. 1636) zugegen. In der Schlacht bei Lützen (6. Oct. 1632) befehligte er den schwedischen linken Flügel, rächte Gustav Adolfs Tod, und obgleich selbst hart verwundet, schlug er doch den rechten Flügel der Kaiserlichen in die Flucbt. Der Kanzler Oxenstjerna, schwedischer Kriegsdirector in Deutschland, übertrug ihm nach des Königs Tode den Befehl über die Hälfte des Heers. B. nahm 1633 Bernhardi 821 Bamberg, Kronach, Höchstadt und Eichstädt ein, aber der Versuch aufJngol- stadt mißlang; er bemächtigte sich ferner der Städte Regensburg und Straubingen und vereitelte Wallensteiws Absichten. Er ward von der Krone Schweden zum Herzog in Franken erklärt. Seine zu große Lebhaftigkeit war Ursache an der Niederlage (24. Aug. 1634) bei Nördlingen (s. d.). Er selbst entkam nur mit Mühe der Gefangenschaft. Oxcnstjerna's kluges Benehmen und B.'s Tapferkeit glichen den begangenen Fehler bald wieder aus. Frankreich verband sich nun genauer mit Schweden und schloß mit B., der nach Paris reiste (16. Oct. 1634), einen besondern Vertrag. B. verpflichtete sich, für 4. Mill. Liv. 18,000 M. am Rhein gegen Östreich aufzustellen. Er führte nun den Krieg in der Rheingegend, eroberte die Festung Zabern im Elsaß, breitete sich in Lothringen und Burgund aus und schlug die Kaiserlichen in verschiedenen Gefechten. Im Anfange 1638 belagerte er Rhcinfelden unweit Basel. Ein östr. Heer kam zum Entsatze herbei und griff ihn in seinem Lager am 18. Febr. unvermuthet an. B. mußte der Übermacht weichen, sammelte aber seine Truppen bald wieder, griff (21. Febr.) die Östreicher, die es nicht erwarteten, an und erhielt einen vollkommenen Sieg. Mehre kaiscrl. Generale wurden gefangen, und die Festung Rheinfelden mußte sich (13. Mai) ergeben. Hierauf unternahm er die Belagerung von Breisach, das ihm zur Behauptung des Elsasses nothwendig war. Ein kaiserl. Heer unter dem General Götze kam zum Entsatz herbei, ward aber von B. am 30. Juli mit großem Verluste geschlagen. B. eroberte nun verschiedene kleine Orte und setzte die Belagerung von Dreifach fort, das sich jedoch erst, nachdem er die Östreicher noch einige Mal geschlagen hatte, aus sehr billige Bedingungen ergab, die B. in seinem Namen, ohne Frankreich dabei zu erwähnen, unterzeichnete. Der Besitz des Elsasses, das ihm Frankreich schon vorher unter gewissen Bedingungen überlassen hatte, war ihm nun gesichert; aber er verlangte auch Breisach als Zubehör vom Elsaß. Er besetzte alle von ihm eroberte Platze mit deutschen Truppen und ließ eine Münze mit dem sächsischen und breisackiscken Wappen schlagen. Umsonst versuchte man von Seiten Frankreichs, BreUach dem Herzog zu entreißen, indem man ihm den Antrag machte, neben seinen Truppen auch franz. in diese Festung zu legen; der Herzog schlug sowol dieses Anerbieten als auch eine Einladung nach Paris, sowie die Heirath mit einer Nichte des Cardinals Rickelieu, der Herzogin v. Aiguillon, aus. Dagegen trug er auf eine Heirath mit der Prinzessin Rohan an, welche aber der franz. Hof nicht zugeben -wollte, um die Partei der Hugenotten nickt zu verstärken. Es ist wahrscheinlich, daß Rickelieu geheime Mittel angewendet habe, Frankreich von dem Herzoge, als einem durch seine wachsende Macht furchtbaren Nachbar, zu befreien. Denn dieser verfiel in eine Krankheit, die so geschwind zunahm, daß er am 8. Juli 1639 sein Heldenleben endigte. Die meisten gleichzeitigen Schriftsteller vermuthen, daß ihn Richelieu habe vergiften lassen; der Herzog selbst zweifelte nickt, daß er Gift bekommen habe. Gleich nach seinem Tode kamen franz. Bevollmächtigte, welche seine Truppen in franz. Dienste nahmen; dem Marschall Gue- briant ward der Oberbefehl derselben übergeben. MitB. siel zwar eine der mächtigsten Stützen der Protestanten, allein seine Nachfolger Ban er und Torstensohn (s. d.) verfolgten dessen Siegesbahn, und Frankreich selbst nahm zum Vortheil der Protestanten ernstlichem Antheil an dem Kriege. B. verband mit Anmuth im Betragen Verstand und Tapferkeit, eine Scelenstarke, die auch durch widrige Vorfälle nicht erschüttert werden konnte; sein einziger Fehler war zu große Hitze, die ihn bisweilen zu nicht genugsam überlegten Unternehmungen verleitete. „Herz. Bernh. d. Gr. v. S.-Weim. biographisch bärgest." von v. Bernh. Röse (1 Th., 1828). Bernhardi (August Friedrich), geb. zu Berlin 1768, faßte schon als Gymnasiast auf dem Joachimsthal Neigung zu den Alterthumswissenschaftcn, und studirte Philologie in Halle als Mitglied des von Wolf dirigirten philol. Seminars. 822 Bernhardt Die große Verehrung für Wolf machte ihn zum eifrigen Philologen; dennoch blieb er seinem Wunsche, Schulmann zu werden, treu und behielt fortgesetzt die Pädagogik im Auge. Trotz der Anlage zu einer gewissen Vielseitigkeit heftete sich sein Geist doch vorzugsweise auf die Sprache und auf das Geheimniß ihrer Con- struction, gleichsam die Mathematik der Sprache. Daher verließ er schon die Universität mit dem festen Entschlüsse, künftig wo möglich eine allgemeine Grammatik zu schreiben. Mit Rücksicht auf diesen Vorsatz las er Prosaiker und Dichter. Den Lehrerstand trat er als Schulamtscandidat beim werderschen Gymnasium an, dessen Rectorat Gedicke bekleidete. Hier machte er die Bekanntschaft mit Ludwig Tieck, der damals Gymnasiast der ersten Classe war. Trug er aus dem Umgang mit diesem jüngern Freunde eine ganz neue Ansicht der Dichtkunst davon, so blieb er doch fortwährend damit beschäftigt, seine Gedanken über Sprache zu entwickeln und auszubilden; aber die Blicke, die er nun in neue Gebiete zu thun anfing, wurden jenem Vorsatz Vortheilhaft. Auch das Theater hatte B. schon in seiner Jugend angezogen; der Verkehr mit Tieck führte ihn mit großem Eifer, aber von verändertem Standpunkt aus, darauf zurück. Je mehr nun B. ein großes Gewicht auf des Letztem Urtheil legte, um so mehr bildeten sich zwischen beiden Freunden lehrreiche Gespräche, deren Früchte zum Theil in den Theateranzeigen in der „Deutschen Monatsschrift" (Berlin 1790 fg.) niedergelegt sind. Nach dieser Zeit lernte B. die Schwester Tieck's, Sophie, die Vers. der „Wunderbilder und Träume", näher kennen und verheirathete sich mit ihr. Die Ehe ward aber nach einigen I. wieder aufgelöst, nachdem sie 2 Söhnen das Leben gegeben hatte. Damals machte sich B. durch eine Sammlung komischer Erzählungen und dramatischer Darstellungen voll feinen leichten WitzesundgesellschaftlicherIronie bekannt,welche in 3 Bändchen u. d. T. „Bambocciaden" (Berlin 1797 — 1800) erschienen. Sie enthalten zum Theil Arbeiten, die gemeinschaftlich mit Tieck entstanden und aufgeschrieben sind. B.'s Ruhm als Sprachforscher begründete die 1800 heraus- gekommene „Sprachlehre", 2 Thle., die von einem nicht gewöhnlichen kritischen, philosophischen und grammatischen Sinne zeugt. Er deutet darin an, daß sich die Sprache ansehen lasse als ein fertig gewordenes Gebilde, und als ein wirkendes Wesen. Jenes ist ihm die streng grammatische Seite mit der feststehenden Regel; dieses die historische, bei welcher die Rege! in stetem Übergang zur Analogie und Anomalie anzutreffen ist. Das, was beide Seiten vermittelt und umfaßt, ist ihm die philosophische Grammatik. Er fühlte vollkommen das Dasein von etwas nicht sowol Stehendem oder Ruhendem als vielmehr Ständigem in der Sprache, und zugleich dessen Veranderungsfähigkeit. Daher war es ihm möglich, auf der einmal gelegten Grundlage fortwährend fortzuarbeiten. Von seiner liter.-kritischcn Zeitschrift 1801, „Kynosarges", die allein aus seiner Feder fließen sollte, kam nur das erste Stück heraus, hierauf erschien B.'s größere Sprachlehre (1. Thl., „Reine Sprachlehre", 1801; 2. Thl., „Angewandte Sprachlehre", 1803). Dann folgten 1805 die „Anfangsgründe der Sprachwissenscbaft". An seine Bekanntschaft mit Tieck hatte sich die mit Fichte und den beiden Schlegel geknüpft. Was er aus dem Umgang mit diesen Männern im Gebiete der Poesie, Philosophie und Kritik gewann, das verarbeitete er in sich für die Aufgabe, die er sich gesetzt hatte. Für das Fach der Pädagogik, womit er sich fortwährend beschäftigt hat — denn er ist gegen 30 Jahre Lehrer und Erzieher gewesen —, leistete er ungleich weniger als für die Grammatik. Erst als ihn sein Amt als Director des werderschen Gymnasiums und der Realschule und Consistorialrath zu verpflichten schien, sich öffentlich als Pädagog zu zeigen, trat er 1808 mit einem Programm auf, welches derLehrart von Pestalozzi das Wort redete. Aber fast seine sämmtlichen Programme, insofern sie sich auf Erziehung beziehen, sind Constructionen pädagogischer Hypothesen, die pvn einer Willkürlichkeit ausgehen, aber in der wissenschaftlichen Darstellung den Bernhardiner Berni 823 Schein einer begründeten Nothwendigkeit davongetragen haben. Derselbe, der srüherhin eine Mathematik der Erziehungskunst gesucht, wollte späterhin bei Gelegenheit des Befreiungskrieges 1813 beweisen, daß die Erziehung den jedesmaligen nationalen und staatsmaßigen Anfoderungen und Bedürfnissen sich anschließen müsse. — Er starb im Mai 1820. Bernhardiner, s. Eistercienser. Bernhardsberg (der große St.-), zwischen Wallis und dem Thal Aosta, hat eine Höhe von 10,380 Fuß. Auf seiner Spitze ist die Grenze zwischen Wallis und Piemont. Über ihn geht die Straße vom Genfersee, durch das walliser Land, in das Thal von Aosta. Der kleine St.-Bernh. (6651 F. hoch) trennt Piemont von Savoyen. Über diesen zog Hannibal. Ein savoyischer Edelmann, Bernhard v. Menthon, der von 923—1008 lebte, baute hier 962 zum Besten der Pil- gcime nach Rom 2 Hospitien, das eine auf dem Mont Joux, wo ein Tempel deS Jupiter stand, das andre auf dem über die grauen Alpen führenden Wege, an der Stelle, welche Colonne Jou heißt, von einer steinernen Säule, welche der Gegenstand einer abgöttischen Verehrung war. Von heiligem Eifer beseelt, stürzte Bernhard die Säule und den Tempel um und erbaute aus ihren Trümmern die Hospitien des nach ihm genannten großen und kleinen St.-Bernhard. Er vertraute die Sorge für beide Anlagen Mönchen des Augustinerordens, welche, mit fast beispielloser Selbstaufopferung, die edelmüthigste Gastfreiheit gegen die Reisenden bis auf die Zeiten Karl Emanuels Hl. von Sardinien übten. Dieser König gerieth über die Ernennung des Propstes mit den Schweizercantonen in Streit, zog die Güter ein und übergab die Verwaltung der Hospitien regulirten Ehorherren vom Augustinerorden, die mit gleicher Menschenliebe und Ergebenheit ihren frommen Beruf üben. Auf der wüsten Höhe (7668 Fuß) des Hospizes des gr. St.-Bernhard, die für den höchsten bewohnten Punkt in Europa gehalten wird, herrscht fast ein ewiger Winter; man sucht umsonst einen Baum oder Strauch, der Glanz des Schnees blendet das Auge des Wanderers. Mit Hülfe der Klosterknechte geleiten die heldenmüthigen Geistlichen die mit Brot und Wein versehenen Reisenden, und leihen oder schenken Armen, um sie vor Frost zu schützen, Kleidungsstücke, die in Verrath gehalten werden. Es gehen jährl. gegen 9000 Menschen über den Berg, die im Hospiz Erholung finden. An Tagen, wo Stürme und Schneegestöber wüthen, machen sich die Geistlichen, von Hunden (Marons genannt) begleitet, auf den Weg, um Verunglückte aufzuspüren. Ist keine Rettung möglich, so wird der Leichnam in das Todtengewölbe gebracht, wo er, in ein leinenes Tuch gehüllt, so lange auf einem Tische liegen bleibt, bis ein andrer Verunglückter seine Stelle einnimmt. Dann wird er an die Wände zu den übrigen Todten gestellt, deren Verwesung wegen des Frostes so langsam vor sich geht, daß oft Todte nach Jahren noch von ihren Freunden wieder erkannt worden sind. Neben dem Todtenhause ist eine Art Kirchhof, auf den die Gebeine gelegt werden, wenn sie sich zu sehr im Gewölbe anhäufen; denn das Begraben ist unmöglich, weil rings um das Hospitium nichts als nackte Felsen sind. In der Kirche befindet sich das Denkmal Desaix's, der in der Schlacht von Marengo siel. Der erste Eonsul hatte befohlen, ihn zu balsamiren und ihm eine Ruhestätte auf den hohen Alpen anzuweisen. Das Denkmal von Marmor stellt Desaix in halb erhobener Arbeit dar, wie er, verwundet, vom Pferde seinem Adjutanten Lebrun in die Arme sinkt. Auf der Klostertreppe steht seine marmorne Bildsäule. Gegenüber ist eine schwarze marmorne Tafel, auf der die damalige Republik Wallis mit einer goldenen Inschrift den Übergang des Imperators über den Bernhard (15. Mai 1800) geehrt hat. Seit kurzem hat man durch in Europa gesammelte Beiträge die Wohnungen der 9 —10 Geistlichen gesünder eingerichtet. Berni (Francesco) (auch Bema und Bernia), ein Dichter des 16. Jahrh., geb. gegen das Ende des 15. Jahrh, zu Lamporecchio im Toscanischcn, aus einer 824 Bernigeroth ' ! edeln, aber armen florentinischen Familie, kam nach Florenz und 19 I. alt nach Rom zu dem Cardinal Bibiena, seinem Verwandten. Da ihm dieser, wie er selbst sagte, weder Gutes noch Böses erwies, so war er endlich genöthigt, als Secretair sich zu dem Bischof von Verona, Ghiberti, zu begeben, welcher päpstl. Kanzleipra- sidcnt war. In Erwartung vortheilhafter Verhältnisse trat er in den geistlichen Stand, aber der Überdruß, den ihm die Geschäfte seines Amtes einflößten, veranlaßte ihn, Zerstreuungen zu suchen, welche dem Prälaten mißfielen. Es hatte sich zu Rom eine Gesellschaft junger Geistlichen gebildet, wie B. von heiterer Stimmung und scherzhafte Dichter, welche, um ihre Liebe für den Wein und ihre Sorglosigkeit zu bezeichnen, sich i Vizxnchuoli (Winzer) nannten. Unter ihnen waren Mauro, Casa, Firenzuola, Capilupi u. A. Sie belachten Alles und bespotteten in Versen die ernstesten und selbst die traurigsten Dinge. Die Verse B.'s waren die anziehendsten und hatten einen so eigenthümlichen Ton, daß sein Name der Gattung, in welcher er sie abfaßte, verblieben ist (maniera bornosca oder hornlosere). Als 1527 Rom von den Truppen des Connetable von Bour- bon ausgeplündert ward, verlor B. seine ganze Habe. Er machte darauf mehre Reisen mit seinem Gönner Ghiberti nach Verona, Venedig und Pavua. Endlich, müde zu dienen und begnügt mit einem Kanonicat der Domkircbe von Florenz, das er seit mehren Jahren besaß, zog er sich dahin zurück. Aber die Gunst der Großen, die er zu entbehren nicht stark genug war, versetzte ihn in eine schwierige Lage, in welsier ihm die Ausübung eines Verbrechens zugemuthet wurde, deren Verweigerung ihm das Leben kostete. Alexander von Medici, damals Herzog von Florenz, war in offener Feindschaft mit dem jungen Cardinal Hippolyt von Medici. B. war mit Beiden so vertraut, daß es zweifelhaft ist, wer von Beiden ihm den Antrag machte, den Andern zu vergiften. Gewiß ist, daß der Cardinal 1535 an Gift starb. Am 26. Juli 1536 starb B.; und endigte er, wie man versichert, durch Gift sein Leben, so fällt das Verbrechen auf den Herzog Alexander. B. gilt noch jetzt in der burlesken attung für das beste Muster. Er wird oft ! sehr bitter; in seinen Satyren verbindet er nicht selten die Gemüthlichkeit des Horaz mit der Lauge des Juvenal. Die hö dste Ausgelassenheit aber ist an allen seinen Werken zu tadeln und nur damit zu entschuldigen, daß er seine Verse nur für seine Freunde schrieb, und daß sie erst nach seinem Tode gedruckt wurden. Die bewunderungswürdige Lei l tigkeit, die seine Werke auszeichnet, war die Fcuwt einer großen Anstrengung, indem er fast alle seine Verse mehrmals umarbeitete. Man > sagt Dasselbe von Ariosto, und doch sind dies die beiden ital. Dichter, deren Verse die fließendsten und leil testcn sind. B. s rieb auh die lat. Spraüe sehr rein und verstand gut griechisch. Vorzüglich sind seine „Kims Huriesche" und sein „Orlando inamorato, coiuposto Aia dal 8iA. Lojardo conto di 8candiano, e 1778. Mit dem Herzoge v. Angouleme ward er vom Herzog von Serent erzo- ! gen und entwickelte früh schon Züge einer freundlichen Gutmüthigkeit, steter Gei- I stesgegenwart und einer hohen Kunst, dem Charakter der Umgebung gemäß zu spre- ! chen. Mit seinem Vater floh er 1792 nach Turin, machte mit ihm und unter Condö ! seine ersten Feldzüge am Rhein und wußte damals schon sich bei den Soldaten beliebt zu machen. Mit seiner Familie zog er nach Rußland und 1801 nach England, wo er abwechselnd in London und Hartwell lrbte, stets mit Planen zur Wiederherstellung der Bourbons beschäftigt. Die Stunde der Befreiung schlug endlich 1814, ! und B. landete am 13. April im Hafen von Cherbourg, von wo er die Städte Ba- ^ jeux, Caön, Rouen rc. besuchte, überall Soldaten und Nationalgarden für die Sache der Bourbons und mehr noch für seine Person zu gewinnen wußte, reiche j Almosen austheilte und Gefangene befreite. Den 21. April hielt er seinen Einzug in ' Paris, wo er sich populair machte, indem er Handelsleute, Fabrikanten und Kunst- ! ler besuchte. Am 15. Mai ward er zum Generalobersten ernannt und erhielt eine ; Civilliste von 1,500,000 Fr. Vom 1. Aug. an bereiste er die Depart. des Nordens s und die Festungen in Lothringen, Franche-Comt« und Elsaß. Als Bonaparte I von Elba her gelandet war, gab ihm der König den Oberbefehl über alle Truppen in und um Paris. Alle seine Schritte, diese treu zu erhalten, waren vergebens; er mußte zwischen dem 19. und 20. März mit den Haustruppen sich nach Gent und Alost zum König zurückziehen, bis die Schlacht von Waterloo den Rückweg s nach Paris öffnete, wo er am 8. Juli eintraf und seinen Oberbefehl über die Haus- i Berserker Berthier 831 truppen in die Hände des Königs niederlegte. Im Aug. ward er zum Präsidenten des Wahlcollegiums der nördl. Departements ernannt; hierauf schwor er in der Sitzung der Kammern zu Paris den Constitutionseid und ward zum Präsidenten des vierten Bureau ernannt; allein er zog sich vom öffentlichen Leben zurück. Damals brütete schon Jahre lang ein gewisser Louvel (s. d.) über den Plan, durch die Ermordung des Herzogs das Haus Bourbon zu vertilgen. Dieser Fanatiker siel den Prinzen, als er den 13. Fcbr. 1820 aus der Oper kam und in den Wagen steigen wollte, mörderisch an und versetzte ihm eine tödtliche Stichwunde. Der Herzog bewies bis zu seinem Tode (am 14. Febr. früh um 6 Uhr) die größte Standhaf- tigkeit und christliche Ergebung. Man hatte ihn in den Versammlungssaal des Opernhauses getragen. Hier tröstete er seine Gemahlin: „UenaAvr-vous pour I'entsnt gue von« pvrtkL dans votre sein !" Dann ließ er die Kinder rufen, welche er vor seiner Vermählung in London gezeugt hatte, und empfahl sie seiner Gemahlin, hierauf bereitete er sich zum Tode, vergab seinem Mörder, beichtete und empfing die Sacramente. Wohlthätigkeit, Dankbarkeit und Edelmuth waren Hauptzüge in dem Charakter dieses Prinzen, dessen Tod ganz Frankreich in die größte Bestürzung versetzte. (S. Chateaubriand's „Neinoires toucbant I» vie «t Is mort ll» (luv tle Kerl-)?", Paris 1820.) Der Herzog hinterließ von seiner Gemahlin Karoline Ferdinande Louise, ältesten Tochter des nachmal. Königs Franz I. v. beid. Siciiien, mit der er sich den 17. Juni 1816 vermählt hatte, nur eine Tochter, Louise Marie Therese von Artois, Mademoiselle de France, geb. den 21. Febr. 1819. Desto größer war die Freude des königl. Hauses und der Nation, als die Witwe des Herzogs den 29. Sept. 1820 von einem Prinzen entbunden wurde, der den Namen Heinrich, Herzog v. Bordeaux (Henri Okarle« isieräinsnä visuäonne ä'.lrtois, kotit-iils ele l?rrrnov) führt. (Vgl. Chambord.)— So wenig übrigens Louvel's Mordthat mit einem Verschwörungsplane zusammenhing, indem man durchaus keinen Mitschuldigen entdecken konnte, so brachte sie dennoch durch feindselige Anschuldigungen die Parteien aufs neue in Bewegung und veranlaßte mehre Ausnahmegesetze. (S. Frankreich.) Das Opernhaus, bei welchem das Verbrechen begangen, und in welchem der Herzog gestorben war, wurde niedergerissen, und eine Denkfaule auf diesem Platze errichtet. Man erbaute ein neues Operngebaude auf einer andern Stelle. Berserker, Arngrim, ein Enkel des achthändigen Starkaders und der schönen Alfhilde, war nach der skandinavischen Sage ein gefürchteter Kriegsheld. Er verachtete Panzer und Helm und ging, gegen die Sitte seines Zeitalters, ganz ungeharnischt zu jedem Kampfe. Deßhalb wurde er genannt Berserker, d. i. nach Jhre's „Klossar.", Barhemd, Barpanzer. Seine Wuth ersetzte seine Waffen, er glich im Kampfe einem Rasenden. Mit der Tochter des Königs Swafurlam, den er im Kampfe getödtet, zeugte er 12 Söhne, ebenso keck und wild als er selbst. Diese erbten den Namen Berserker und seine Kampfeswuth. (Vgl. „Vorzeit", hcrausg. von Vulpius, III, 1, S. 45, und Gräter's „Bragur", 1. Bd., S. 179; 2. Bd., S. 103.) Man hat dann den Namen Berserker auf wilde, ungeschlachte und wüthige Menschen übergetragen und jede wilde Kampfeswuth oftBerserker- wuth genannt. Berthier (Alexander), Fürst von Neufchatel und Wagram, Marschall, Vicecvnnetable von Frankreich rc., geb. zu Paris den 30. Dec. 1753, Sohn des Gouverneurs vom Kriegsgebäude, ward jung im Generalstabe angestellt, diente in Amerika und focht mit Lafayette für die Freiheit der Verein. Staaten. In den ersten Jahren der Revolution ward er zum Generalmajor der Nationalgarde von Versailles ernannt und zeigte dabei eine sich stets gleich bleibende Mäßigung. Den 28. Dec. 1791 ward er bei des Marschalls Luckner Armee Chef des Generalstabs, ging 1793 gegen die Vendee und 1796 mit dem Grade eines Divisionsgenerals 832 Berthold zur italienischen Armee, wo er als Chef des Generalstabs viel zu den Erfolgen dieses Feldzugs beitrug. Im Oct. 1797 schickte ihn der General Bonaparte nach Paris, dem Directorium den Friedensvertrag von Campo-Formio zu überbringen. Im Jan. 1798 erhielt er den Oberbefehl des Heers in Italien, und von dem Directorium den Auftrag, gegen den römischen Staat zu ziehen. In den ersten Tagen des Febr. zog er in Rom ein, schaffte die päpstliche Regierung ab und errichtete ein Consulat. Aus Anhänglichkeit an den Gen. Bonaparte folgte er diesem nach Ägypten als Chefdes Generalstabes. Nach seiner Zurückkunft ernannte ihn Bonaparte nach dem 18. Brumaire zum Kriegsminister. Darauf ward er Obergeneral der Reservearmee, begleitete 1800 Bonaparte nach Italien und trug zum Übergänge über den St.-Bernhard und zum Siege bei Marengo bei. Er unterzeichnete den Waffenstillstand von Alessandria, richtete die provisorische Regierung von Pie- mont ein und ging mit einer außerordentlichen Sendung nach Spanien. Dann übernahm er das Kriegsministerium wieder, welches unterdessen Carnot geführt hatte. Nach der Thronbesteigung Napoleons begleitete er im Juni 1805 den Kaiser zur Krönung nach Mailand und ward im Oct. zum Chefdes Generalstabs der großen Armee in Deutschland ernannt. Den 19. Oct. unterzeichnete er mit Mack die Capitulation von Ulm und am 6. Dec. den Waffenstillstand von Austerlitz. 1806 begleitete er den Kaiser in den französisch-preuß. Feldzug und unterzeichnete im Juni 1807 den Waffenstillstand von Tilsit. Seitdem legte er die Kriegsministerstelle nieder, ward zum Viceconnctable von Frankreich erhoben, vermählte sich 1808 mit Maria Elisabeth Amalia, Tochter des Herzogs Wilhelm von Baiern- Birkenfeld, geb. 1784, und, blieb der Begleiter Napoleons auf allen seinen Reisen. In dem Feldzuge gegen Östreich, 1809, zeichnete er sich bei Wagram aus und erhielt den Titel eines Fürsten von Wagram. 1810 vollzog er, in Napoleons Auftrag, die Brautwerbung und Übernahme der Erzherzogin Marie Louise, T. Kaiser Franz I. Später erhob ihn Napoleon noch zum Generalobersten der Schweizertruppen. 1812 befand er sich bei der Armee in Rußland als Chef des Generalstabs und bekleidete diesen Posten auch 1813. Nach Napoleons Absetzung verlor er sein Fürstenthum Neufchatel, behielt aber seine übrigen Würden und stand bei Ludwig XVIII. in Gunst und Vertrauen, den er nach Bonaparte's Wiederkehr in die Niederlande begleitete und sich dann zu seiner Familie nach Bamberg begab, wo er am 30. Mai ankam. Man glaubte wahrend seines Aufenthalts in Bamberg eine tiefe Schwermuth an ihm bemerkt zu haben. Am ersten Juni 1815 Nachmittags, als eine Colonne russischer, gegen die franz. Grenzen ziehender Truppen mit ihrer Feldmusik in Bamberg einrückte, endete er durch einen Sturz aus einem Fenster im dritten Stock des Schlosses sein Leben. (S. „Nein. «I'41ex. Lsrtkier, kr. >Ie iXeukeimtel et «lo Wagr.", Paris 1826.) Er hat einen Sohn, Alexander (geb. 1810) und 2 Töchter hinterlassen. Berthold, der zweite Apostel des Christenthums unter den Lieflandern, erhielt als Abt des Cistcrcienserklosters Loccum in Niedersachsen, da der erste Mis- sionnair und Bischof bei jenem heidnischen Volke, Meinhard, 1196 gestorben war, von dem Erzbischof Hartwig zu Bremen und Hamburg den Auftrag zur Mission in Liefland und die bischöfliche Würde. Er suchte nach seiner Ankunft in Vxküll an der Düna, dem Sitze der ersten Christen in Liefland, die Letten durch Milde zu gewinnen, wurde aber bald von ihnen vertrieben und, da er mit Kreuzfahrern aus Niedersachsen nach Liefland zurückgekommen war und, durch die Wildheit der Letten genöthigt, Gewalt brauchte, in einem Treffen derselben mit den Kreuzfahrern 1198 umgebracht. Letztere siegten und erzwängen die Bekehrung der Letten, die jedoch, sobald das Kreuzheer sie verlassen hatte, wieder zum Heidenthum übergingen. Erst dem Nachfolger Bertholds, Albrecht, gelang es mit Hülfe der Schwertritter, Liefland zu erobern und die Letten an christliche Gebrauche zu gewöhnen (Vgl. Liefland.) Bertoli 833 Berthollet Werth ollet (Claude Louis, Graf), Mitgl. der Akad. der Wissenschaften zu Paris, London, Turin, Hartem rc., einer der ersten theoretischen Chemiker unserer Zeit, geb. zu Talloire in Savopen den 9. Dec. 1748, studirte Medicin zu Turin, ging 1772 nach Paris, wo er mit Lavoisier in Verbindung kam, wurde 1780 Mitgl. der Akademie der Wissenschaften, erhielt 1794 eine Professur an der Normalschule zu Paris und ward 1796 nach Italien geschickt, um dort verschiedene Denkmäler auszuwählen, die nach Frankreich geschafft werden sollten. Er folgte Bonaparte nach Ägypten und kam 1799 mit ihm zurück. Nach dem 18. Brumaire ward er Mitgl. des Erhaltungssenats, dann Graf und Großofficier der Ehrenlegion. 1804 gab ihm Napoleon die Senatorie von Montpellier. 1813 erhielt er das Großkreuz des Ordens der köunion. Aber am 1. April 1814 stimmte er für die Errichtung einer provisorischen Regierung und dieAbsetzungBonaparte's. Ludwig XVIIl. ernannte ihn zum Pair; Bonaparte dagegen überging ihn 1815, daher trat er nach Ludwigs XV1H. zweiter Rückkehr wieder in die Pairskammer. Unter den Erfindungen und neuen Verfahrungsarten, womit er die Wissenschaften und Künste bereichert hat, sind die wichtigsten das Auskohlen der Gefäße zur Aufbewahrung des Wassers auf Schiffen, das Apprctiren des Leinenzeuchs u. a., vorzüglich aber das Bleichen von Pflanzenstoffen durch übersaure Salzsäure, welches seit 1786 in Frankreich im Großen mit Erfolg angewendet worden. Außer verschiedenen Abhandl. in den Sammlungen der Akademie und des Instituts, hat er einige größere Werke geliefert, unter denen s. „Lssai cke «tutigue okiiiuigus" (1803, 2 Bde.; deutsch von Bertholdy, Berl. 1811; auch ins Engt. und Jtal. übers.) als das wichtigste und überhaupt als eins der schönsten Denkmäler unsers Zeitalters anzusehen ist. Die so zusammengesetzten Erscheinungen der Chemie sind darin den strengen und einfachen Gesetzen der Mechanik unterworfen. Großen Antheil hat er auch an der Reformation der chemischen Nomenclatur und Herausg. des darüber 1787 zu Paris erschienenen Werkes „IVIetlwcke geist in ihren Fingern zu haben vermeinen, in jeder Somnambule eine Begeisterte sehen und ihren Aussagen ein oft nur allzu offenes Ohr und ein zu leichtgläubiges Herz schenken. Auch Diejenigen, welche, des Lebens Zweck in müßige Beschallung setzend, des Menschen Pflichten vernachlässigen, des Menschen Thun für Nichts achten und unmittelbare Hülfe in allen, wenn auch selbst verschuldeten, Bedrängnissen von oben erwarten, sind wenigstens auf dem geraden Wege, ebenso besessen , zu werden, wie es die Propheten und Wundcrthäter schon sind. Besitz, im weitem Sinne, dasjenige Verhältniß einer Person zu einer Sache, vermöge dessen es ihr nicht nur physisch möglich ist, fortdauernd über dieselbe, und zwar in eigner oder fremder Person, nach Willkür zu verfügen (physischer oder eigentlicher Besitz, Naturalbesitz, Jnhabung, stetenti»), sondern auch die Absicht, dieselbe ausschließend zu behalten («nimus äetinensti), mit dem Bewußtsein jener physischen Möglichkeit fortdauernd verbunden ist (Mentalbesitz, in- tellecbucller Besitz). Auch wird oft der Gegenstand, welcher besessen wird, Besitz genannt. Der Besitz ist aber an sich noch kein Recht zu besitzen, sondern nur ein > Factum, und als solches überhaupt ausschließende Verfügung über eine äußere ! Sache, welche mit der Bemächtigung entsteht. Dadurch unterscheidet sich der Besitz (possessiv) auch vom Eigenthume («loininium). Das Eigenthum setzt ein bestehendes Rechtsverhältniß unter Menschen voraus, welches erst im Staate vollkommen stattfindet, in welchem Jeden, ein Besitz rechtlich zuerkannt wird. Unter Voraussetzung des Eigenthums ist der Besitz ein Recht des Eigenthümers (jus pos- i siävnäi), welches er auch, unbeschadet seines Eigenthumsrechts, auf Andre übertragen kann, und welches mehre einzelne Befugnisse (sich mit Gewalt im Besitze zu behaupten, retentio, die besessene Sache von jedem dritten Besitzer zurückzufedern, rei vinilicatio) umfaßt. Da aber so der Besitz ein Theil und natürliches Zeichen des Eigenthums ist, so gewählt er auch im Staate, er mag erworben sein wie er wolle, im streitigen und zweifelhaften Falle dem Besitzer einen Vorzug gegen Jeden, der seinen Anspruch oder sein Eigenthum an der Sache nicht beweisen kann, und Jener wird, bis zum Erweise des Gegentheils, für den Eigenthümer gehalten. Auch gibt überhaupt die Dauer eines Zustandes, die Gewöhnung an denselben und Besprechen Besteck 841 die durch Länge der Zeit fester gewordeneAneignung und Verbindung der Kraft und Gewalt mit einem Gegenstände — kurz, die allen Anspruch lahmende Gewohnheit, selbst da, wo der Besitz mit Rechtsgründen bestritten werden könnte oder ungern zugestanden wird, demselben einen solchen Schein der Ehrfurcht, daß man mit ! dem Dichter sagen kann: „Wer im Besitz ist, ist im Recht, und heilig wirds die s Menge ihm bewahren". I'. l Besprechen, s. Magie. Bessarabien, seit dem Frieden von Bukarescht 1812 mit der Pforte, eine , russische Provinz, 44° 10' — 48° 30' L. L., 45° 15' — 48° 13' N. Br., am l schwarzen Meer, zwischen dem nördlichen Arm der Donau, dem Pruth und dem Dnicstcr (891 üjM., 430,000 Einw.), ist ein ebenes Land, das viel Getreide erbauen kann, hier und da Holz- und Wassermangel hat und meistens zur Schaf- und Pfcrdewcide benutzt wird. Die meisten Einwohner sind Walachen, Zigeuner und Tataren. Am Dnjester liegen die Festungen Ehotzym, Wender (in der Nahe Warnitza, wo Karl XII. von 1709—1712 sich aufhielt) und an der Mündung Akicrman (Convention mit der Pforte, 5. Oct. 1826); am nördlichen Donauarm die Festung Ismail und Kilia nova. Die Hptst. Kischenew, der Sitz eines griechischen Bischofs, hat eine große Baumschule. Die Bevölkerung steigt durch die einwandernden Polen, Preußen, Würtemberger, Franzosen, Baiern u. s. w. (schon 8300, meistens Lutheraner). Die Regierung unterhält in Bessarabien ein beträchtliches Grenzheer, welches viele Handwerker in Kriegsbedürfnissen hierher zieht. Bessel (Friedrich Wilhelm), Astronom und Professor der Astronomie in Königsberg seit 1810, geb. am 22. Juli 1784 in Minden, trat, 15 I. alt, als Lehrling in eine der ersten H andlungen in Bremen. Hier erregte der Verkehr mit dem Meere bei ihm die Neigung zur Geographie, spater zur Nautik. Dies veranlaßte ihn, sich aus Büchern einige mathematische Kenntnisse anzueignen. Da er bald zur Astronomie überging, so leitete ihn diese zu fernern Studien. Er verwandte dazu die Nachte, indem die Tage andern Geschäften gehörten. Eine astronomische Arbeit verschaffte ihm O lbers's (s. d.) Bekanntschaft, welcher von nun an sein Nathgcber wurde. 1806 ging B., auf Olbers's Empfehlung, nach Li- lienthal zu Schröter und fungirte dort 4 Jahre als Jnspector der der göttingischen Universität gehörenden Instrumente. Von hier nach Königsberg berufen, baute er 1812 —13 die Sternwarte, welche, in diesen Unglücksjahren entstanden, ein ewiges Denkmal des Geistes der prcuß. Regierung bleiben wird. Bis 1819 war die königsberger Sternwarte mit engl. Instrumenten ausgerüstet, in diesem Jahre gewahrte aber das Ministerium ihr die Mittel, sich mit neuen Reichenbach'schen Instrumenten von der höchsten Vollkommenheit zu versehen. Außer seinen ununterbrochen fortgesetzten Beobachtungen und zerstreuten Abhandlungen lieferte B. noch in seiner Schrift über den Kometen von 1807 eine Theorie der Störungen dieser Himmelskörper und „ kAmirunentrr »»tronomias pro nnno 1755": ein Werk, welches die Resultate aus Bradley's Beobachtungen enthält und für jene Zeit begründen soll. Vesscl zeichnet sich in seinem Verfahren durch die strenge Untersuchung der Grundbestimmungcn aus. Für die feinern Beobachtungen, in Bradley's Zeit, bearbeitete er den ganzen Schatz der Bradley'schen Beobachtungen , um dadurch den Grund für jene Epoche festzustellen. Für unsere Zeit suchte B. durch eigne Beobachtungen und durch strenge Kritik der Methoden und Instrumente die nothwendige Sicherheit herbeizuführen und überhaupt im Vaterlande des Kopernicus den Sinn für mathematische und astronomische Wissenschaften wieder zu wecken. Von Bessel's „Astronomischen Beobachtungen auf der Sternwarte zu Königsberg" erschien die 12. Abtheil., vom 1. Jan. — 31. Der. 1826, Königsberg 1827, Fol. Besteck, in der Schifffahrtskunde, der vom Steuermann auf der See- 842 Besteuerung Bestimmung des Menschen charte bemerkte Ort, wo dieser vermeint, auf der See zu sein. Die Seefahrer nennen daher ein Besteck machen, wenn sie den Ort, wo sie zu sein muthmaßen, auf der Seecharke bezeichnen. Man legt nämlich zwei gewöhnliche Compaffe oder eine Windrose von durchsichtigem Horn auf die Charte, und bemerkt den Punkt der Länge und Breite auf der Charte, in dem sich nach den Aufnahmen des Steuermanns im Augenblicke das Schiff befindet. Solches pflegt alle 3 Stunden zu geschehen. Zu dem Ende muß ein Jeder, wenn er vom Steuer abgelöst wird, in seinem Tagebuche, nach Schifferweise, den Besteck aufzeichnen. Besteuerung. Das Recht der Besteuerung ist ein Regierungsrecht und fließt aus der Nothwendigkeit, den Aufwand der Staatsverwaltung zu decken. § Die Bedürfnisse, welche diesen Aufwand verursachen, sind die Erhaltung des ! Regenten und seines Hofstaats, die Besoldung der Beamten, die Errichtung und Erhaltung aller Anstalten, welche entweder die Wohlfahrt oder die Sicherheit des i Staats nach Innen und Außen erfodcrn. Die Regierung ist verpflichtet, diese Be- '! dürfnisse den Kräften des Staats angemessen einzurichten, und berechtigt, die ( Kosten aus dem dazu bestimmten Staatsvermögen, und insofern dieses nicht zu- reichend ist, durch vertheilte Beiträge aus dem Vermögen der Privatpersonen zu ziehen. Diese Vertheilung, welche von der Regierung ausgeht, ist die Besteuerung. Ihr steht in einem verfassungsmäßigen Staate das Recht der Stcuerbewil- ligung gegenüber, welches die Stände, als Repräsentanten des Volks, ausüben, ! indem sie das von der Regierung vorgelegte Steuergesetz (Budget), wodurch der Staatshaushalt auf eine bestimmte Zeit nach Einnahme und Ausgabe angeordnet wird, prüfen und genehmigen. Es ergibt sich aber daraus zugleich, daß auf dem ursprünglich rechtlichen Standpunkte nur von einer gleichen Besteuerung gesprochen werden kann. Diese ist aber in der Wirklichkeit nur von einem verhältnismäßig gleichen (dem Vermögen der Einzelnen proportionirten) Beitrage jedes Staatsgliedes zu den Kosten der Staatsverwaltung zu verstehen. Eine gleiche Besteuerung trifft alle Stände in gleichem Maße; die ungleiche aber macht Ausnahmen, die auf die Fortdauer sehr drückend werden können. (S. Steuerfreiheit.) Man hat gegen die gleiche Besteuerung hauptsächlich vorgebracht, daß durch sie 1) der Adelsstand , dessen Bestimmung es fei, einen Mittelstand zwischen Volk und Regenten zu bilden, zum Bauernstand herabgesetzt, 2) Verlust des Capitalvcrmögcns verursacht werde, und 3) daß größere Güter (des Adels), in Vergleich mit kleinern, minder einträglich seien. Allein durch diese Einwürfe kann die ungleiche Besteuerung nicht zur rechtlichen Norm erhoben werden, obschon es auf der andern Seite gerecht und weise ist, bei Aufhebung der ungleichen Besteuerung aufdie erworbenen Rechte einige Rücksicht zu nehmen. Im Übrigen muß die Besteuerung so eingerichtet sein, daß die Steuern die Einzelnen so wenig als möglich drücken und das Stammvermögen nicht angreifen, die Erhebung derselben so wenig als möglich Kosten verursache und der Willkür der Einnehmer entzogen sei. S. Spath, „Neueste Grundsätze einer möglichst guten,Steuerregulirung" (Stuttg. 1816), und Kröncke, „Über die Grundsätze einer gerechten Besteuerung" (Heidelb. 1819). Über die Arten der Besteuerung s. Abgaben, und von der Geschichte der Steuern, vornehmlich in Beziehung auf Deutschland, die Art. Steuern und Steuerfreiheit; für die allgemeine Geschichte der Steuern aber möchte noch hinzuzufügen sein: C. Dietr. Hüllmann, „Ursprung der Besteuerung" (Köln 1818). 44. Bestimmung des Menschen. Wozu bin ich da, und was soll aus mir werden? Diese Fragen sind unstreitig die wichtigsten, welche der Mensch sich selbst vorlegen kann. Die Antwort darauf kündigt ihm seinen Beruf oder seine Bestimmung an, welche überhaupt nichts Andres ist als der vernünftige Gebrauch, den er von seinen Kräften machen soll, oder schlechthin der Zweck seines Daseins. Der Mensch hat Neigung und Kräfte in seiner Natur, die unaufhörlich nach Etwas 843 « Bestimmung des Menschen s ringen. Dieses Ziel seines Bestrebens nennt er ein Gut, weil er glaubt, durck den i Besitz desselben seinen Zustand zu verbessern. Auf diese Weise begehrt er Gesund- I heit, Reichthum, Schönheit, Ansehen u. s. w. Diese Güter aber sind veränder- p lich und hinfällig, und obgleich sie den Zustand des Menschen eine Zeitlang ver- ' bessern oder zu verbessern scheinen, so kann doch ihr Genuß nicht fortdauern. Der Grund davon ist, weil sie nicht vollkommen in der Macht des Menschen stehen, und alles Bemühen, ihnen eine stete Fortdauer zu geben, vergeblich ist. Die Stoiker bezeichneten sie daher als Dinge, welche als nützlich vorgezogen zu werden i verdienen. Sie machen die äußere Bestimmung des Menschen aus, inwiefern ! derselbe ein Glied der Sinnenwelt ist. Bei dieser äußern Bestimmung, welche nach Epikur's System darin bestand, sich das Leben möglichst angenehm zu machen, 1 blieb dieser Philosoph stehen. Er würde Recht gehabt haben, wenn der Mensch 4 nur ein Sinnenwesen wäre. Allein als ein moralisches Vernunftwesen bemerkt der ! Mensch in seinem Innern höhere Neigungen einer moralischen Natur. Seine mo- t ralische Natur bestimmt den Preis der Güter nicht nach der Annehmlichkeit des " sinnlichen Lebens allein, sondern nach vernünftigen Bestimmungs- und Erkennt- j nißgründcn, in welchen eben das Vermögen besteht, das obere Begehrungsver- ! mögen zu lenken. Die bloße Annehmlichkeit des sinnlichen Lebens kann das mora- ^ lische Vernunftwesen unmöglich befriedigen, denn es hangt von zu vielen Bedin- ? Zungen ab, über welche der Menfch nicht Herr ist. Die praktische Vernunft hin- ! gegen stellt das Gesetz der Sittlichkeit als das höchste, nothwendige und unbe- i dingte Gesetz auf, worauf sieb alles Handeln beziehen muß. Es lautet: Du sollst - alle deine Pflichten aus uneigennützigen Absichten, nach allen deinen Kräften erfüllen; du sollst allenthalben, so weit deine Kräfte reichen, nach Tugend streben. Sie erlaubt ihm als einem Sinnenwefen den Genuß der Sinnenfrcuden, jedoch nur mit der Einschränkung, daß der Genuß mit Tugend und Pflicht bestehen könne. ! Da nun für den Menschen nichts Höheres gedacht werden kann als die tugendhafte Pflichterfüllung, so muß auch hierin sein höchster und letzter Zweck, d. h. seine Bestimmung, bestehen; nur daß darunter zugleich die intellektuelle und ästhetische Entwickelung begriffen gedacht werden muß. Der Mensch aber ist ein endliches, - eingeschränktes Wesen. Zwar hält ihm die Vernunft das Sittengesetz und dessen strenge uneigennützige Foderung unablässig vor; allein wegen seiner Endlichkeit j und weil er mit Sinnlichkeit umgeben ist, bleibt die durchgängige Reinigkeit seines Willens und die Erreichung einer durchgängigen vollendeten Sittlichkeit für ihn nur ein Ideal. Möglich aber und darum Pflicht für ihn ist die Annäherung zu diesem Ziele, und zwar eine Annäherung ins Unendliche. Dadurch erhält seine sittliche Thätigkeit ein unbegrenztes Feld, auf welchem dieselbe unaufhörlich fortschreiten kann. Dieses Fortschreiten heißt sittliche Veredlung. Der Mensch ist j zwar nicht moralisch gut geboren, sein Bestreben aber muß sein, seinen Willen nach - und nach der sittlichen Güte so nahe als möglich zu bringen. Höher kann Nichts l gedacht werden, und dies kann er durch seine Freiheit bewirken. Der Besitz dieses ^ seines ihm möglichen sittlichen Kraftgebrauchs ist moralische Starke, ein für ihn unverlierbares Gut. So wäre denn die Frage: Wozu bin ich da? damit beantwortet: dich sittlich zu veredeln. Der Mensch, der außer dem obern Begehrungsver- mögen zugleich ein sittliches besitzt, dessen Gegenstand das größtmögliche Wohlsein, welches man Glückseligkeit nennt, ist, darf zwar nach dieser Glückseligkeit streben, aber nur insofern, als sie mit der Tugend und Sittlichkeit vereinbar ist. Demnach besteht die Bestimmung des Menschen in seiner sittlichen Veredlung und dem der- ^ selben angemessenen Grade von Glückseligkeit; und wiewol ein Mensch, welcher j diesen Grad von sittlicher Güte seines Willens erreicht hat, nicht frei ist von den Unannehmlichkeiten und Beschwerden des Lebens, die außer seiner Macht liegen, , so tröstet ihn doch stets der Gedanke, seine Pflicht möglichst erfüllt zu haben, 844 Bestreichen Betel Bestreichen (flankiren) heißt eine aufgestellte Truppe, ein Festungswerk oder eine Dersa-anzung von der Seite beschießen. Des nächtlichen Feuers und Gebrauchs der Kanonen wegen müssen bei der Vertheidigung zweier befestigten Linien, welche einander bestreichen sollen, selbige senkrecht auf einander stehen. In diesem Falle ist die Vertheidigung rechtwinklig; machen aber die beiden Linien einen spihi- I gen Winkel mit einander, so ist sie einbohrend. Jene vertheidigt den Graben und hindert also den Übergang über denselben; diese beschießt die Bresche, d. i. den hier eindringenden Feind im Rücken. Geschieht die Vertheidigung mit den gewöhnlichen Flinten, so dürfen die Linien nicht über 250 Schritt lang sein. BestucheffsRiumin Alcxei, Grafv.), russ. Reichskanzler, geb. zu Moskau 1693, starb 1766. Er begleitete als Eavalier die russische Gesandtschaft zu dem utrcchter Frieden, ward Minister am englischen Hofe, hierauf kaiscrl. russischer Oberkammerjunkcr und Gesandter am dänischen Hofe. Die Kaiserin Anna machte ihn zum Geh.-Rath und Cabinetsminister. Er kam, nachdem er dem Herzog v. Kurland wahrend der Minderjährigkeit des Prinzen Iwan die Regentschaft ausgewirkt hatte, und dieser entsetzt worden war, in Verhaft. Die Kaiserin Elisabeth aber setzte ihn auf freien Fuß, erhob ihn in den Grafenstand und machte ihn zum Reichsvicekanzler. Er bewies sich auf diesem Posten als einen Freund des Hauses Ostreich und brachte, vermöge seiner Abgeneigtheit gegen das preuß. Haus, 1756 das merkwürdige Bündniß zwischen den beiden Kaiserhöfen zu Stande, leitete auch den Krieg wider Preußen ein. Die Unpäßlichkeit der Kaiserin ließ ihn ihren Tod befürchten; ersuchte, wie man glaubt, ihre Erbfolgcverordnung umzustoßen, den Großfürsten, Peter Federowitfch, von dem er gehaßt wurde, von der Thronfolge auszuschließen und dieselbe auf den Prinzen Paul Petrowitsch zu bringen. In dieser Absicht schrieb er an den General Apraxin, der die russischen Truppen befehligte, daß er unverzüglich mit dem Heere aus Preußen zurückkehren möchte; Apraxin that solches gerade nach der für die Russen so glücklich ausgefallenen Schlacht bei Großjagerndorf. Die Kaiserin erholte sich indessen wieder und erfuhr den Rückzug ihres Heeres. B. wurde nun 1758, als des Hochverraths schuldig, aller seiner Würden entsetzt und auf einen ihm gehörigen Flecken, Goretowo, verwiesen. Seine Verbannung wahrte auch unter der Regierung Peters II l. fort. Katharinall. setzte ihn 1762 mit vielen Gnadenbezeigungen wieder in seine vorigen Würden ein, brauchte ihn aber nicht in Staatssachen. Wahrend seiner Verbannung schrieb er: „Auserlesene Sprüche aus der heil. Schrift, zum Trost eines jeden unschuldig leidenden Christen zusammengetragen" (auch ins Deutsche überseht). Betel, in Ostindien, eine rebenartige Pflanze, welche zum Pfeffergeschlecht gehört. Die Früchte wachsen auf langen schwanzförmigen Ähren. Merkwürdig ist diese hochrankende Pflanze mit ihren langen scharf zugespitzten siebenner- vigen Blättern von sehr bitterm Geschmack mit einem rothen Safte deßwegen, weil sie einer Mischung den Namen gegeben hat, welche in jenen Landern häufig gekaut wird und deren Hauptbestandtheile aus den Blättern der Betelpflanze (piper- betel, L.) bestehen. Sie werden mit Tabacksblättern, gelöschtem Kalke, und mit der Arekanuß, welche erstere (Pinang, Cardamomen, Nelken) viel Gallsäure enthalten soll, zusammengesetzt. Männer und Weiber von allen Ständen führen diese Mischung in einer besondern Büchse bei sich und bedienen sich ihrer unaufhörlich. So reichen die Ostindier einander die Betelbüchse, wie die Europäer die Tabacksdose zum Zeichen der Freundschaft dar; der Geringere darf den Vornehmem nicht anreden, bevor er nicht Betel gekaut hat. Das Bctelkauen überhaupt, in gewissen Fällen unterlassen, wird für grobe Unhöflichkeit gehalten. Übrigens stärkt der Gebrauch des Betels die Speicheldrüsen und Verdauungswerkzeuge, sowie er überhaupt die Hautausdünstung vermindert und dadurch der Schwächung vorbeugt, welche in den heißen Ländern aus der zu häufigen Ausleerung des Schweißes zu 845 Beten Bethlehem entstehen pflegt. Der Betel färbt nicht allein den Speichel, sondern auch die andern Ausleerungen backsteinroth und zerfrißt bei zu häufigem Gebrauch die Zähne. Beten, so viel als bitten, mit dem Unterschiede, daß beten sich nur auf die Gottheit, von der man Etwas bittet, bezieht. Auch in der griech, lat. und stanz. Sprache findet jene Verwandtschaft bei den gleichbedeutenden Wörtern statt. In einem tiefern Sinne aber ist beten nur der christlichen Religion eigen. (S. Gebet.) Die Griechen und Römer, wie alle heidnische Völker, breiteten die Hände beim Beten aus, eben weil sie beteten, um zu empfangen. Diese alte Art zu beten behielten die Christen anfangs bei, veränderten aber, als die Staurodulie einriß, diese Haltung, indem sie, um die Kreuzigung des Heilandes zu versinnbilden, die Arme gleich weit ausspreizten, wobei sie sich oft bei Stunden langen Gebeten die der Unterstützung bedürftigen Arme durch ihre Diener stemmen und halten ließen. Später legte man auch die Arme kreuzweise über einander u. ahmte so die orientalische Bitte der Unterthänigkeit u. Demuth nach; dann hob man bloß die übereinandergelegten halb hohlen Hände, bis es endlich zu unserm jetzt üblichen Händefalten kam, das im Alterthume sowol ein Zeichen des tiefsten Schmerzes als der Herabwürdigung war. Unter vielen Nationen, wie bei den heutigen Griechen, ist es auch gewöhnlich, sich beim Beten nach Morgen, der Gegend des heiligen Grabes, zu richten. 22. Betfahrt heißt das Pilgern zu einem Liebenfrauenbilde, wobei geopfert wird. Betfahrten sind öffentliche Processionen, wo die Bilder der Heiligen mit Gesang, Fahnen und Kreuz durch die Felder getragen werden, zur Erhaltung der Früchte. Da dieses gewöhnlich 3 Tage vor Himmelfahrt geschieht, so hat diese Woche den Namen Betfahrt- oder Betwoche, und die 3 Tage vor Himmelfahrt haben den Namen Bettage bekommen. Bethesda, Teich im jüdischen Lande, dessen Name Ort der Barmherzigkeit bedeutet. In den 5 Hallen oder bedeckten Gängen desselben hielten sich viele Kranke auf, welche, nach Johannes Berichte (C. 5), auf die Bewegung des Wassers warteten, um sich darin zu baden. Nach der Meinung der Juden ward diese Bewegung durch einen Engel bewirkt, der zu einer gewissen Zeit in den Teich stieg; und der Kranke, welcher nach dieser Bewegung zuerst in das Wasser kam, wurde gesund. Das Wasser dieses Teiches scheint ein roth gefärbtes mineralisches Wasser gewesen zu sein, das seine Heilkraft von dem rothen Schlamme, der auf dem Grunde lag, erhalten hatte. Fing die eine Zeitlang verstopfte Gesundheitsquelle wieder an zu sprudeln, und benutzte der Kranke dieselbe, ehe die Bewegung aufhörte, so bewies sie Heilkraft. Noch jetzt braucht man die Redensart: am Teiche Bethesda liegen, im bildlichen Sinne, besonders von den Eandidaten des Predigtamts, welche einer Anstellung sehnlich entgegensehen. Bethlehem, 1) der Geburtsort Christi, ein Dorf (ehemals eine Stadt) in Syrien, oder genauer: in Palästina, welches einen Theil von Syrien ausmacht, im Paschalik Damaskus, eine Meile südlich von Jerusalem, an einem ganz mit Weinstöcken und Ölbäumen bedeckten Berge, wohin eine Wasserleitung führt, welcher jedoch nicht mit dem in der Bibel erwähnten Ölberge zu verwechseln ist, mit 300 H. und 2400 griech. und armenischen Einw., welche hölzerne Rosenkränze und mit Perlmutter eingelegte Crucifixe für die Pilger verfertigen und sehr guten weißen Wein bauen. In einer reich mit silbernen und krystallenen Lampen ausgezicrten Grotte, unter dem Chor einer hiesigen Klosterkirche, wird ein mäßiges Becken von Marmor gezeigt, welches die Krippe sein soll, in welche Christus als Kind gelegt worden. — 2) Bethlehem, die Hauptniederlassung der evangel. Brüdergemeinde in Nordamerika, eine 1741 gegründete Stadt in der pennsylvani- schen Grafschaft Nordhampton am Einfluß des verschiedene Mühlen treibenden Manakissy-Creek (Bach) in den Leheigh, 11 Meilen nordwestl. von Philadelphia, 75°14"W. L., 40°37^N. B. von Greenwich, mit einer schönen Kirche, 100 846 Bethlen Bethmann steinernen H. und 1436 Einw., welche deutsch sprechen und Manufacturisten sind; Sitz eines Bischofs. Die 3 verschiedenen Häuser für unverheirathete junge Männer, Mädchen und Witwen zeichnen sich durch die in ihrem Innern herrschende fast klösterliche Zucht aus. In die damit verbundenen zweckmäßigen Kostschulen i werden auch Kinder andrer christlichen Glaubensverwandteu aufgenommen. — j 3) Bethlehem, s. Bedlam, im Art. Lond on. > Bethlen (Gabriel), gewöhnlich, nach derMungarischen Gewohnheit, die Taufnamen den Familiennamen nachzusetzen, Bethlen Gabor genannt, geb. 1580, aus einem angesehenen oberungarischen, auch in Siebenbürgen begüterten Geschlechte, welches die protestantische Religion angenommen hatte. Bei den Unruhen in Siebenbürgen, während der Regierungen Sigismunds und Gabriels , aus dem Hause Bathori, wußte Bethlen sich unter den Großen des Landes Freunde zu machen; und nach dem Tode der beiden unglücklichen Fürsten, 1613, gelang es ihm, sich mit türkischer Hülfe zum Fürsten von Siebenbürgen erwählen zu lassen, da das Haus Östreich damals nicht in der Lage war, seine Ansprüche auf dieses Land gegen ihn zu behaupten. Als 1619 die böhmischen Stande sich gegen Östreich auflehnten, verband sich B. mit ihnen- drang mit einem starken Heer in Ungarn ein, eroberte Prcsburg, bedrohete Wien und ließ sich am 25. Aug. 1620 zum Könige von Ungarn erwählen. Als jedoch das Glück den kaiserl. i Waffen günstig geworden war, machte Gabor mit Ferdinand Frieden und verzichtete auf das Königreich und den königl. Titel, wogegen ihm 7 ungarische Ge- spannschaften nebst der Stadt Kascheur überlassen und die schlesischen Fürstenthü- l mer Öppeln und Ratibor zugesagt wurden. Aber schon 1623 griff der unruhige ^ Fürst wieder zu den Waffen und drang mit 60,000 M. bis gegen Brünn in Mähren vor, ward aber, als die Vereinigung mitden Truppen des Herzogs Christian > von Braunschweig nicht gelang, bewogen, 1624 einen Waffenstillstand einzuge- , hen und, unter den vorigen Bedingungen, aufs neue Frieden zu schließen. Ein wiederholter Friedensbruch, den B. 1626 mit dem Grafen von Mansfeld verabredet hatte, blieb ebenfalls, da Letzterer von Wallcnstein geschlagen ward und, von allen Hülfsmitteln entblößt in Siebenbürgen ankam, ohne weitere Folgen. Am5. Nov. 1629 starb Gabor, im 50. I. seines unruhigen und thatenreichen Lebens, mit Hinterlassung eines Testaments, worin er sein Land und seine kinderlose Witwe, eine geb. Prinzessin von Brandenburg, der Obhut des römischen Kaisers Ferdinand 1l. empfahl, übrigens den türkischen Kaiser zum Vollstrecker seines letzten Willens ernannte, und Jedem derselben, sowie dem römischen Könige, Ferdinand III., ein schönes Pferd mit kostbarem Geschirr und 40,000 Dukaten an baarem Gelde vermachte. Bethmann (Fcicderike Auguste Konradine), verehelicht gewesene Unzel- mann, war eine der ersten Zierden des berliner Nationaltheaters, geb. den 24. Jan. 1766 zu Gotha, wo ihr Vater, Namens Flittner, herzogl. Beamter war. Nach dem Tode desselben verheirathete sich ihre Mutter mit dem Schauspieldirector Großmann. Dieser ging mit seiner Familie 1779 in die Rheingegcnden, wo sich j die Tochter mit Hrn. Unzelmann, dem noch jetzt in Berlin lebenden, durch sein reiches Talent allgemein beliebten Komiker, verheirathete und die Bühne betrat. Ihre angenehme Stimme machte, daß sie sich zuerst in der Oper versuchte, die sie auch späterhin nie ganz aufgab. Bald erhielt sie durch Gesang und Spiel in muntern und naiven sowol als empfindsamen Rollen großen Beifall und ward nebst ihrem Gatten nach Berlin gerufen, wo sie sich nach und nach zu einer der ersten Schauspielerinnen, welche Deutschland besessen hat, ausbildete. 1803 ließ sie sich von ihrem Gatten scheiden, um sich mit dem ebenfalls in Berlin angestellten Schauspieler Bethmann zu verheiraten. Sie starb 1814. Eine wahrhaft schöpferische Phantasie, ein tiefes und zartes Gefühl, ein scharfer Verstand vereinigten Betonung Bettelwesen 847 sich in ihr mit einem mehr zarten als starken Körper, einer ausdruckvollen, doch nicht schönen Gesichtsbildung, und einer Stimme, welche durch Biegsamkeit und Wohllaut geschickt war, das Gemüth im Innersten zu bewegen und mit seltener Vollkommenheit die leisesten Abstufungen des Gefühls und des Gedankens zu bezeichnen. Sie gehörte unter die seltenen Erscheinungen unserer Bühne, deren Talente sich allseitig zur Vollendung entwickelt hatten, besonders seitJffland ihr Muster ward. Zm Trauerspiel strebte sie mit Glück nach jener edeln Einfachheit, welche die Herrschaft des Geistes über die Sinnlichkeit, der Menschheit über die Natur offenbart, ohne daß sie dem Ausdrucke der Gefühle und Leidenschaften das Geringste vergab; sie stellte wahrhaft veredelte Natur dar. Ihre Fürstin in der „Braut von Messina", Jphigcnia, Maria Stuart, Phädra, Orsina u. s. w. beweisen dies zur Genüge. Im Lustspiel standen ihr überall die heitern Grazien zur Seite, und mit dem schalkhaftesten Muthwillen wußte sie die Sitte gebildeter Menschheit unnachahmlich zu vereinen. Ihr höchster Triumph war das Naive. Ihr Spiel war überall voll Seele und unverkünstelter Natur, ihr feiner Takt in Auffassung alles Dessen, was zur Darstellung einer Persönlichkeit gehört, bewundernswürdig. Sie verstand die dem Schauspieler so wichtige Kunst, sich nicht nur passend, sondern ideal und charakteristisch zugleich zu kleiden, so vollkommen, daß sie immer eine anziehende Erscheinung gewahrte. Ihre Deklamation verdiente als Muster aufgestellt zu werden, denn gleich entfernt von steifem Prunk und affectirter Betonung, sowie von falsch verstandener Natürlichkeit und nachlässiger Behandlung der Rede, ging sie den schönen Mittelweg des Schicklichen. Betonung, s. Accent. Betrug. Die vorsätzliche Erweckung einer irrigen oder unrichtigen Vorstellung bei einem Menschen, um ihn zu einem Entschlüsse zu bestimmen, heißt ein Betrug. Da der Betrogene geradezu gegen seine Bestimmung behandelt und zu einem Mittel des Betrügers herabgewürdigt wird, so geht daraus schon von selbst hervor, daß ein Betrug unsittlich ist. Insofern der Betrug in juridischer Hinsicht die Verletzung des Rechts auf Wahrheit ist, so versteht es sich von selbst, daß nach reinen Rechtsbegriffen für Denjenigen, der den Betrug verübt, kein Recht erworben wird, obgleich die bürgerlichen Gesetze dem Betrüge nicht immer zu steuern im Stande sind. Bei der Wirkung des Betrugs kommt übrigens viel darauf an, ob der Betrug mit der Absicht, Andern zu schaden oder nicht, verbunden ist. Bcttelmönche, s. Orden. Bettelwesen. In Staaten, wo ein zweckmäßig eingerichtetes Armenwesen (s. d.) besteht, wird der Nothleidende selten oder nie in den traurigen Fall kommen, selbst von Thür zu Thür gehen und seine Mitbürger um Hülfe ansprechen, d.h. betteln zu müssen. Es wird für ihn gesorgt durch Arbeit oder Unterstützung aus den dazu bestimmten Fonds, und er ist meist allein schuld, wenn er der Sorgfalt der Behörden gar nicht oder nicht hinreichend theilhaftig wird. Hiervon kann man sich überzeugen, wenn man sich näher von diesem Gegenstände des Gemeinwesens unterrichten und ungegründetcn Klagen nicht einseitig Gehör geben will. Dem Bettler von Profession hingegen ist an dieser Einrichtung nichts gelegen. Zu faul zur Arbeit, gefällt er sich in dem Elende seines Zustandes, den er wol gar noch listig in grelleres Licht zu stellen weiß, um das Mitleid Andrer zu erregen und sie um ihren Beistand zu betrügen. Er zieht die tiefste Schmach und Herabwürdigung, die gewöhnlich auch mit Lastern aller Art und einer gewissen Ungebundenheit verschwistert zu sein pflegt, der Mühe vor, Etwas ehrlich und rühmlich zu erwerben. Er ist mithin ein Gegenstand für die Aufmerksamkeit der Polizei und sollte nirgends geduldet werden. Die Erfahrung zeigt, daß an Orten und in Gegenden, wo die eigentliche Bettelei gestattet (gewissermaßen privilegirt) ist, und je mehr und öfter gegeben wird, sich auch desto mehr die Bettler, Vagabonden, Faulenzer u. dgl. häufen, 843 Bettinelli Beurtheilung die Milde ihrer Mitbürger mißbrauchen und einen gefährlichen Übelstand in der bürgerlichen Gesellschaft bilden; daß im Gegentheil da, wo Niemand betteln darf, zuletzt jeder Verarmte einen Erwerb findet und keine Bettler sind. Der Menschenfreund hat daher das Armenwesen von dem Bettelwesen wohl zuunterscheidcn, u. indem er dem Zuge seines Herzens folgt, vorher zu untersuchen, ob s. Milde gut ange- brachtoder obsienichtgar, anstatt zu nützen, schädlich werde. (Dgl.Almosen.) 5. Bettinelli (Saverio), Literator, geb. zu Mantua 1718, studirte unter den Jesuiten daselbst und zu Bologna, trat 1736 in das Noviciat dieses Ordens, und lehrte von 1739 — 44 die schönen Wissenschaften zu Brescia. Schon hier machte er sich durch einige für Schulübungen abgefaßte Poesien bekannt. In Bo- logna, wo er Theologie studirte, fuhr er fort, sein dichterisches Talent auszubilden, und schrieb für das Theater des Collegiums seine Tragödie „Jonathan". 1757 ward ihm die Dircction des adel. Collegiums zu Parma anvertraut; er leitete hier besonders die historischen und poetischen Studien und die theatralischen Übungen, i Acht Jahre verweilte er daselbst, während welcher er jedoch mehre Städte Italiens ! besuchte. Hierauf machte er längere Reisen durch Deutschland und Frankreich, und ward überall mit den geistreichsten Männern bekannt. Endlich kehrte er nach Be- > rona zurück und verblieb daselbst bis 1767, beschäftigte sich mit Predigen und Unterricht und bekehrte, wie Pindemonte in s. „koesie cninpestri" sagt, die Jugend in der Kirche zu Gott und in seinem Hause zum guten Geschmack. Nach der Aufhebung der Jesuiten, 1773, kehrte er in sein Vaterland zurück, wo er seine literari- ^ schenArbeiten mit erneutem Eifer wieder vornahm. Er gab mehre Schriften heraus, ' unter denen verschiedene waren, durch die er auch die Gunst der Frauen sich zu erwerben suchte, namentlich s. „Briefwechsel zwischen zwei Frauen", s. „Briese auLes- bia über die Epigramme", und endlich s. „Vicrundzwanzig Gespräche über die Liebe". 1799 begann er eine vollständige Ausg. seiner Werke (Venedig 1801,12 Bde., 12.). Noch als ein Greis von 90 I. behielt er die Fröhlichkeit und Heiterkeit seines Geistes und starb endlich 1808 mit der Fassung eines Philosophen und den Empfindungen eines religiösen Mannes. Außer seinen bereits erwähnten Werken führen wir noch an die auch in Deutschland bekannte Abhandlung „Hol entbudasma ckeUe belle srti", „kisorAiinento negli stuäj, nelle srti e nd eostumi elopo il inille" (3 Bde.), ein oberflächliches Werk, dem es jedoch nicht an neuen und richtigen Ansichten fehlt. Die „I-ettere «lieei lli VirAllio »Ali ^roacli" (1 Bd.) machten dagegen das meiste Aufsehen. Die darin ausgesprochenen Ansichten über die beiden großen Lichter am poetischen Himmel Italiens, besonders über Dante, verwickelten ihn in viele Streitigkeiten. Seine „koede" (3 Bde.) enthalten 7 poe- inetti, 16 Briese in Versen, Sonette, Canzonen u. s. w. Ohne sich darin als großen Dichter zu zeigen, ist er immer zierlich und geistreich. Voran geht eine Abhandlung über die ital. Poesie. S. „Vita äell Xbbate 8av. Lettiuelli", vom Ritter Gianfr. Galeone Napione (Turin 1819). Bettung, in Festungen und Verschanzungen, die aus Balken, Bohlen, < oder im Nothfall aus Bretern bestehenden Unterlagen für das Geschütz, damit sel- ! biges die für die Nichtigkeit nothwendige feste und gleiche Stellung behalte. Oft nennt man auch Lager, worauf andre Dinge gelegt werden, Bettung, z. B. im Wasserbaue die Grundlage einer Schleuse u. s. w. Beurtheilung überhaupt ist die Bestimmung der Wahrheit und des Werthes oder Unwerthes einer Sache nach Gründen. Die Urtheilskraft, insofern sie nicht bloß Begriffe formell verbindet oder trennt, sondern das Wahre und Unwahre, Gute und Böse, Nützliche oder Schädliche rc. eines Gegenstandes erkennt ! und durch Urtheile bestimmt, wird Beurtheilungskrast genannt. Die Beurtheilung ! fodert daher Einsicht in den Gegenstand und oft mancherlei Kenntnisse, sowie die Fertigkeit im Urtheilen überhaupt. — Im Naturrechte rechnen Einige das Recht n Beutel Bevölkerungspolitik 849 der Beurtheilung unter die Majestätsrechte. Da ist es nämlich das Recht, über ! einen einzelnen Fall zu bestimmen, ob er in dem Gesetze bestimmt sei oder nicht. Dieses Recht, sagen sie, ist nicht in der richterlichen Gewalt begriffen, denn diese ist nur das Recht, einen bestimmten Fall zu beurtheilen. ! Beutel ist bei den Türken die Summe von 500 Löwenthalern oder 250 Laubthalern, und wird darum so genannt, weil alles Gold und Silber, das in den Schatz des Serails kommt, in lederne Beutel gethan wird. Bevölkerung ist die in einem Lande wohnende Menschenzahl in Vergleich mit dem Flächenraume, den sie bewohnt. Sie dient zum Maßstabe der Stärke j eines Volks, die von der vereinten Kraft desselben abhängt. Eine Vereinigung der j Kräfte der Einzelnen ist aber nur durch ein so dichtes Beisammenleben der Menschen möglich, daß die Kräfte des einen durch die Verbindung mit den Kräften der übrigen vergrößert werden. Denn wenn die Kräfte Mehrer eine zusammengesetzte ! oder große Wirkung hervorbringen sollen, müssen sie vereint oder concentrirt wirken. Die Stärke eines Reiches wird daher nicht sowol nach dem Umfange seines Flächcnraums, als nach dem Maße der Bevölkerung desselben gemessen, und ein Reich, welches auf 10,000 mM. dieselbe Volksmenge unter sonst gleichen Umständen enthält als ein andres von 20,000 IHM., kann viel stärker sein als das letztere. Die Bevölkerung eines Landes hängt theils von der natürlichen Lage und Beschaffenheit desselben, theils u. fast am meisten von derEultur und der Industrie der in dem Lande lebenden Menschen, theils vonder Vollkommenheitdcr Organisation ^ des Staats, theils endlich von den mit demselben in Verbindung stehenden Völkern ab; denn die Bevölkerung eines Landes kann nicht stärker sein, als es die in demselben zu gewinnenden oder sonst herbeizuschaffenden Lebensmittel zulassen. Gibt die Natur dem einen Lande mehr Lebensmittel als dem andern, so ist jenes einer größern Bevölkerung fähig. Indeß ist Das, was die Natur für das Leben thut, bei weitem nicht so viel, als was eine gute Staatsverfassung, die Kunst und Industrie vermögen, wenn sie sich mit der Natur verbinden. Denn die Industrie kann auch einer kargen und unfruchtbaren Natur weit mehr Nahrungsmittel abgewinnen, als die al- lerfruchtbarste Natur, sich selbst überlassen, erzeugt. Deßhalb findet man da-die stärkste Bevölkerung, wo die Cultur und Industrie der Menschen den höchsten Grad der Vollkommenheit erreicht hat. Europa ist der bevölkertste Erdtheil, obgleich Asien und Afrika viel mehr Gaben von der Natur empfangen haben. Nur wenn sich Fleiß i und Industrie zu der fruchtbaren Natur gesellen, und wenn die erstem in einem solchen Lande sich frei und ungehindert bewegen können, hilft die Natur die Bevölkerung vergrößern. Vgl. „ilb. die Bevölkerung der Erde" (Berlin 1828). Bevölkerungspolitik. Man nahm in der Politik an, ein Land könne nie zu sehr bevölkert werden, weil man glaubte, daß mit der Vermehrung der Menschenzahl sich auch die Mittel und Wege ihres Unterhalts vermehrten. Die Jndu- strie fände nämlich so viel Mittel, theils der Erde immer mehr Nahrungsmittel ab- I zugewinnen, theils aus fremden Ländern so viel herbeizuziehen, daß die starke Be- ! völkcmng eines Landes niemals ein Grund sein könne, wodurch ein Volk in Mangel und Elend gerathe, wenn nur dasselbe aus producirenden Arbeitern bestehe. Daher erhoben Einige die Bevölkerung selbst zum obersten Grundsätze der Staatsweisheit und empfahlen alle Maßregeln, wodurch die Vermehrung der Bevölkerung befördert wurde. Die Industrie erzeuge, wenn man ihr nur kein Hinderniß in den Weg lege, schon von selbst die nöthigen Bedarfmittel. Dieses System glaubte , daher auch noch künstliche Triebfedern zur Vermehrung der Bevölkerung in Thätig- > keit setzen zu müssen. Insbesondere sah man darauf, daß alle Zeugungen in der s Ehe geschähen, damit die Erzeugten zugleich ihre Versorger bei sich hätten; daher suchte man wenigstens die Ehen durch allerlei künstliche Mittel zu vermehren. So ' hatten die Römer eine Menge Gesetze, wodurch sie zur Ehe aufmunter- Conv.-Lex. Siedeute Ausl. Bd. I.-j- 54 850 Bevölkerungspolitik ten, ja durch Beschimpfung des ehelosen Standes zur Ehe psychologisch zu zwingen suchten. Wer z. B. die meisten ehelichen Kinder hatte, erhielt unter allen übrigen Eandidaten bei Ämterbesetzungen den Vorzug. Wer 3 Kinder hatte, war von allen persönlichen Lasten befreit, und freigeborene Weiber, die 3, freigelassene Weiber, die 4 Kinder hatten, wurden der beständigen Vormundschaft, welcher sonst die Weiber unterworfen waren, entlassen. Ehelose Frauenzimmer über 45 Jahre dursten keine Juwelen tragen und sich keiner Sanfte bedienen u. s. w. Ludwig XlV. ertheilte Denen Pensionen, welche 10 und mehre Kinder hatten, und in andern Ländern trifft man ähnliche Verfügungen an. (Vgl. Hage- stolziat.) Das Unzweckmäßige, selbst Ungerechte solcher Maßregeln konnte dem Nachdenken nicht entgehen. Man verwarf das Bevölkerungsprincip und behauptete nun im Gegentheil: daß die Politik der Zunahme der Bevölkerung Hindernisse in den Weg legen müsse. Sowie sich Niemand mehr Mühe gegeben hat, dem Bevölkerungsprincip die weiteste Ausdehnung zu gebe», als Sonnenfels (in seiner „Polizei - und Finanzwissenschaft" und in dem „Handbuch der innern Staatsverwaltung"), so hat Malthus dieses System am schärfsten bestricken und den Grund zu einem entgegengesetzten System zu legen gesucht (in seinem von Hegewisch ins Deutsche übersetzten Werke ,,^n essav on tlie yrineiple okpopulation", 3. Ausg., London 1806). Malthus schließt: „In einem Lande können nicht mehr Menschen existiren, als die Nahrungsmittel, welche in demselben durck den menschlichen Fleiß gewonnen werden, ernähren können. Wenn nun erwiesen werden kann, daß in allen Ländern, wo eine nur leidliche Regierung herrscht, die Vermehrung des Menschengeschlechtes, sobald sie einen gewissen Grad erreicht hat, in viel größerer Proportion wächst, als die zur Ernährung derselben nothwendigen Nahrungsmittel: so ist klar, daß die größte Noth eintreten, und daß diese sich mit jedem Jahre vermehren müsse, wie die Disproportion zwischen der Menschenmenge und den Nahrungsmitteln immer größer wird. Denn ist die Bevölkerung so stark geworden, t?aß nur die größte Anstrengung und Kraft des Volkes im Stande ist, die nöthigen Nahrungsmittel für die Bevölkerung zu schaffen, so würde für den Zuwachs des folgenden Jahres nicht anders der Lebensbcdarf geschafft werden können, als daß man denselben der bereits vorhandenen Volksmenge entzöge. Nun, schließt er weiter, sind aber alle unsere civilisirten Länder entweder auf dem Punkte, oder doch demselben mehr oder weniger nahe, wo dem Boden, welchen sie bewohnen, alle demselben möglicherweise abzugewinnenden Lebensmittel abgewonnen werden, und wenn auch noch Einiges mehr ihm durch größere Anstrengung und Fleiß abzugewinnen ist, so kann es doch nicht in solcher Proportion geschehen, als die Bevölkerung jährlich wächst, und Noth und Elend ist daher in allen cultivirten Staaten im Anzüge, wogegen keine Rettung ist, als daß die Regierungen einerseits der anwachsenden Bevölkerung entgegenwirken, oder andrerseits den jährlich entstehenden Volksüberfluß durch Stiftung von Eolonien u. a. zweckmäßige Mittel von ihrem Lande entfernen". Wenn daher Einige die Einführung der Kuhpockenimpfung , die Verminderung der Pest und andrer Seuchen als eine große Wohlthat des menschlichen Geschlechts betrachten, so muß man sie, nach Malthus's System, vielmehr als große Übel ansehen, die nur das Unglück und die Noth der Menschengeschlechts durch das Elend des Hungers, das sie unvermeidlich herbeiführen, vermehren. — Bei einer gründlichen Untersuchung zeigt sich, daß die Bevölkerung zwar ein Zweck des Staats sein kann, daß aber die Beförderung dieses Zweckes durch andre höhere Staatszwecke eingeschränkt bleibt, und daß der Staat nur da Bevölkerung befördern solle, wo sowol sie selbst als deren Beförderung durch den Staat, und die Mittel, wodurch es geschieht, der Erfahrung zufolge, als gemeinsamerStaatszweck gedacht werden können. Viele der allgemeinen Sätze, welche Malthus bei seinem System zum Grunde legt, sind entweder ganz falsch Bevölkerungspolitik 851 oder nur mit großen Einschränkungen wahr, folglich auch seine Schlüsse. Denn 1) obgleich es im Allgemeinen richtig ist, daß die Natur den Aeugungstrieb der Menschen so eingerichtet hat, daß er, wenn ihm sonst kein Hinderniß im Wege stände, die Mcnschenzahl immerfort in geometrischer Proportion vermehrte, so- daß ein einziges Menschenpaar im Verlaufe weniger Jahrh, den ganzen Erdboden mit Menschen anfüllen würde, so findet man von einer Üb erfüllung doch nirgends eine Spur, und die Erde ist noch immer fähig, eine von uns schwerlich in Zahlen auszudrückende Menge von Menschen aufzunehmen; die Natur selbst hat durch tausenderlei Mittel dafür gesorgt, daß sich das menschliche Geschlecht nicht über das Maß der zu seiner Erhaltung nöthigen Mittel vermehren könne. Sie reicht dem Menschen nur mit karger Hand Nahrungsmittel; sie machte das folgende Geschlecht von der Liebe der Ältern abhängig und pflanzte das sittliche Gefühl in sie, das ihnen gebeut, nicht eher Kinder zu erzeugen, als bis sie Mittel vor sich sähen, sie zu ernähren, und dieses Gefühl wuchs mit der Nothwendigkeit, diese Sorge zu übernehmen. Die Cultur dieses Gefühls im Volke ist das Einzige, was sich der Staat in Ansehung der Bevölkerung zum Zwecke machen muß. Gelingt es ihm, dieses unter seinem Volke allgemein zu machen und zu verstärken, so braucht er sich direct um die Bevölkerung nicht weiter zu bekümmern. Denn Jeder wird dann von selbst dafür sorgen, eher keine Ehe zu schließen, als bis er Mittel vor sich sieht, seine Kinder zu ernähren, und die Ältern werden selbst die Sorge übernehmen , ihre Kinder zu Gewerben geschickt zu machen, welche sie in den Stand setzen, sich die nöthigen Bedürfnißmittel anzuschaffen. Die, welche Lust haben, zu Heimchen, und im Lande kein Unterkommen vor sich sehen, werden von selbst in andern Ländern Gelegenheiten aufsuchen, welche ihnen verstatten, ihre Wünsche zu befriedigen. Physisch und moralisch wird also der Zeugungstrieb so beschränkt, daß er dem Zwecke der Natur, das menschliche Geschlecht in den gehörigen Schranken zu erhalten, nicht entgegenwirken kann. Sismondi führt als Beispiel an, daß das Geschlecht der Mvntmorency, wenn der Zeugungstrieb bloß seiner Natur gefolgt wäre, allein schon ganz Frankreich bevölkert haben würde, und daß dieses dennoch nicht geschehen, obgleich es Keinem dieses Geschlechts an den nöthigen Nahrungsmitteln gefehlt habe. Eine Menge andrer Reflexionen hielten vielmehr die Glieder dieser Familie ab, dem Zeugungstriebe freien Lauf zu lassen, sodaß nur eine geringe Zahl von Individuen dieses Namens in Frankreich vorhanden ist. Und so gibt es für jeden cultivirten Menschen eine Menge Gründe, die ihn abhalten, mehr Kinder zu erzeugen, als er ihnen Nahrung und Unterhalt schaffen kann, und welche stets fortwirken, ohne daß die Politik sie zu vermehren braucht. 2) Daß die künstliche Vermehrung der Nahrungsmittel in einem Lande den Wirkungen des Zeugungstriebes nicht folgen könne, und es bald dahin kommen müsse, daß die erzeugten Nahrungsmittel nicht mehr hinreichen, die jährlich hinzukommende Bevölkerung zu ernähren, ist daher ebenfalls ein Satz, welcher nach der Erfahrung ganz anders lautet; denn nach ihr richtet sich der Wachsthum der Bevölkerung viel eher nach der Menge der zu findenden Nahrungsmittel, als daß die Erzeugung der letztem durch die erstem bestimmt würde. Wo viele Nahrungsmittel leicht zu erhalten sind, da werden viel Menschen geboren. Da, wo die Industrie mit Hülfe einer günstigen Natur am leichtesten so viel Lebensmittel hervorbringt, als eine zahlreiche Familie nöthig hat, da wächst die Bevölkerung am schnellsten, wenn sonst die geselligen Einrichtungen es nicht hindern. Wenn nun vollends die Mehrheit Ackerbau treibt, und es wenig Müßiggänger und unproductive Zehrer gibt, so wächst die Bevölkerung daselbst in außerordentlichem Grade. In solchen Ländern verdoppelt sie sich nach Eulcr aller 12 —13 Jahre. Die stärkste Vermehrung des Volks, die wir in großen Reichen kennen, findet in den nordamerikanischen Eolonien statt, wo sich dieBevölkerung bisher alle 25 Jahre verdoppelt bat. - Ist endlich alles gute Land 54 * 852 Bevölkerungspolitik urbar gemacht, so dauert der rasche Fortschritt noch lange Zeit fort; denn die Theilung der Arbeit macht einer großen Anzahl Platz, welche sich mit Ackerbau gar nicht zu beschäftigen brauchen und dennoch vollauf Lebensmittel finden. Die Erfahrung lehrt nämlich, daß eine Familie, die sich mit Nichts als Ackerbau beschäftigt, durch Capital und Industrie es dahin bringen kann, daß sie außer den ihr nöthigen rohen Producten und Nahrungsmitteln noch so viel davon durch ihre Arbeit auf ihrem Boden hervorbringen kann, daß 4 — 5 andre Familien damit versehen werden können. Indem nun diese die am Ackerbau theilnehmenden Familien dafür mit Kunstprodukten und Diensten versehen und zugleich ihre Producte unter einander austauschen, so entsteht eine wohlhabende, mit einer großen Mannigfaltigkeit von Bedürfnißmitteln versehene Bevölkerung. Daß selbst diese allenthalben offene Quelle der Bevölkerung noch lange nicht erschöpft sei, zeigt die Erfahrung, indem es erstlich selbst in dem cultivirtesten Theile der Welt, d. h. in Europa, noch kein einziges Land von bedeutendem Umfange gibt, wo nicht noch eine Menge urbar zu machenden Landes vorhanden wäre (in England allein noch 7 Mill. Acres), das nur der Hände und der Wegschaffung politischer Hindernisse bedürfte, um Brot für noch viel mehr Menschen zu geben, als jetzt darin wohnen. Noch weniger läßt sich ermessen , um wie viel die Producte durch vollkommenere Cultur des Bodens, durch Einführung und Erfindung nahrhafterer Fruchtarten u. s. w. vermehrt werden können, da die Erfahrung zeigt, daß schon jetzt Ackerstücke, die sonst den Samen kaum vierfach vergüteten, ihn bei einer vollkommenem Cultur 10—20fach wiedergeben, und wie viel mögen Maschinen und chemische Künste thun können, wenn Noth und Gewinnsucht das Genie der Menschen zu neuen Erfindungen noch mehr anfeuern. Endlich findet die Vermehrung der Bevölkerung noch eine große Stütze in dem Getreidebau solcher Länder, deren Boden noch lange nicht bewohnt genug ist, um die Nahrungsmittel, welche jährlich in denselben hervorgebracht werden, zu verzehren. Solche Länder sind stets bereit, jenen, welche an Getreide Mangel leiden, ihren Überfluß von Nahrungsmitteln gegen ihre Manufacturwaaren zuzuführen, da sie letztere nicht so wohlfeil und so vollkommen zu verfertigen verstehen, und die Nahrungsmittel von ihnen weit wohlfeiler erbaut werden, als in den Ma- nufacturländern. Daß dieses richtig und für beide Arten von Völkern Vortheilhaft sei, erhellt daraus zur Genüge, daß selbst solche Völker, die noch genug Lebensrnittel in ihrem Lande gewinnen könnten, wenn sie wollten (und es gibt kein Land, wo dieses nicht möglich wäre), doch lieber eine Menge Ländereien unbebaut liegen lassen oder die Cultur nicht so hochtreiben, als sie könnten, weil ihnen das auf diese Art gewonnene Getreide theurer zu stehen kommen würde, als sie es von andern Ländern beziehen können. So lange es daher Länder gibt, wo wohlfeileres Getreide gebaut werden kann als in andern, und so lange dasselbe, selbst in dem Lande, wo man seiner bedarf, die Transportkosten hinzugerechnet, wohlfeiler zu stehen kommt, als man es im Lande selbst erzeugen kann, wird die Bevölkerung des letztem immerfort wachsen können, wenn es nur solche Manufacturproducte im Überfluß erzeugen kann, welche das Getreideland gern für seinen Überfluß eintauscht. Betrachtet man die vielen Wüsten auf der Erde, die noch für zahllose Millionen Lebensmittel zu liefern im Stande sind, und die sich selbst mitten in Mitwirken Landern noch finden: so muß uns die Politik, welche anrath, der Bevölkerung entgegen zu arbeiten, aus Vesorgniß, daß der neue Zuwachs aus Mangel an Nahrungsmitteln umkommen möchte, höchst lächerlich vorkommen.— Was aber die Entstehung einer zu großen Bevölkerung an einzelnen Stellen der Erde betrifft, so scheint es, daß eine gesunde Politik dabei Nichts zu thun habe als 1) keine Anstalten im Lande zu dulden oder zu begünstigen, wodurch der nutzlose Müßiggang ernährt wird. Bettelei, Mönchthum und Vagabundenwesen dürfen deßhalb sich keines Schutzes im Staate erfreuen, und für den vornehmen Müßiggang dürfen keine Beweglichkeit 853 Pfründen gestiftet werden. Jeder muß, was er genießt, durch irgend eine der Gesellschaft nützliche Thätigkeit für dieselbe verdienen. Produciren im Lande Alle, die produciren können, so werden Die, welche die Gesellschaft zu Diensten nöthig hat, reichlich ernährt werden können, und es werden mit jeder Generation so viel neue Producenten entstehen, daß sie genug für Die, welche von ihnen zu Diensten nöthig sind, übrig behalten. 2) Der Industrie und der nützlichen Arbeit aller Act freien Spielraum zu eröffnen und beide das Hauptprincip der Vertheilung der Güter sein zu lassen. Diesem Princip ist es entgegen, wenn die Güter, und insbesondere das Grundeigenthum, in großen Massen durch gesellschaftliche Institute in einigen wenigen Handen erhalten und vereinigt werden, und wenn man dadurch den Zugang der Industrie zu denselben erschwert, oder verhindert, daß dem Fleiße nicht Das zu Theil werden kann, was ihm bei freier Concurrcnz zukommen würde. Denn durch solche Institute wird die Production vermindert und folglich der Ver- Mehrung des Volks, sowie der Verbreitung des Wohlstandes, entgegengewirkt. Wo aber die Güter nach dem Grade der Industrie und des Fleißes, den Jemand anwendet, vertheilt werden, da finden die Ursachen der Vermehrung des National- reichthums und der proportionirlichen gerechten Vertheilung desselben die größte Aufmunterung, da wird die Vermehrung der Bevölkerung stets nach der Vermehrung der Bedürfnißmittel in der gehörigen Proportion folgen. Die freie Industrie findet dann immer Wege, anderswoher Brot zu schaffen, wenn es auf einer Stelle gänzlich daran fehlt. 3) Keine Gelegenheit zu geben, daß Capitalisten oder Gc- werbsleute gereizt werden, ihre Capitale oder Gewerbskünste ins Ausland zu verpflanzen, wo noch das Inland ihnen Vortheile anbieten kann. 4) Keine überflüssigen öffentlichen Diener zu besolden, da es besser ist, daß diese Etwas produciren, als das Land mit überflüssigen Diensten zu belästigen. 5) Der Auswanderungslust volle Freiheit zu gestatten. Wo eine solche Politik herrscht, da kann dem Bevölkerungstriebe freier Spielraum verstattet werden, ohne daß davon Übervölkerung zu fürchten ist. Dagegen sind die künstlichen Mittel, welche die Regierungen oft angewandt haben, um seine Wirkungen zu vergrößern, sämmtlich zu verwerfen, weil damit nicht auch zugleich die Mittel gegeben werden, die Neuerze.ug- ten zu erhalten und auszubilden. Da ferner das Institut der Ehe dasjenige reli- giösemnd moralische Institut ist, welches den moralischen Zweck des Geschlechtstriebes am sichersten befördert, so darf der Staat die außereheliche Befriedigung desselben nicht aufkommen lassen. Nur sollte keine Ehe eher eingegangen werden, als wenn man Wahrscheinlichkeitsgründe vor sich sieht, die in derselben zu erzeugenden Kinder so zu erziehen, daß sie die Geschicklichkeit erhalten, sich und ihre Kinder künftig ebenfalls zu versorgen. Bringt es der Staat dahin, daß alle Ehen mit solcher Überlegung geschlossen werden, so hat er weder zu fürchten, daß sich mehr Volk in ihm anhäufe, als sich ernähren kann, noch daß es an der nöthigen und nützlichen Bevölkerung im Lande jemals fehlen werde. So ergibt sich, daß die Bevölkerung weder als absolutes Princip der Politik etwas taugt, noch daß von dem natürlichen, durch Vernunft regierten Gange der Dinge zu fürchten ist, daß in gesitteten Staaten eine Übervölkerung Platz gewinnen werde, daß also Beide, Sonnenfels und Malthus, sich in einem groben Irrthume befinden. 51. Beweglichkeit. Diese Fähigkeit zur willkürlichen sowol als zur Unwillkürlichen Bewegung ist bald größer, bald geringer. Die Bewegungskraft und Ausdauer ist in dem erstem Falle schwächer, in dem andern größer. Die Muskelbildung überwiegt in dem erstem, die Fett- und Säftebildung in dem andern. Dort sind überdies die Muskeln feiner, zarter, röther, hier gröber, härter, dunkler. Die größere Beweglichkeit ist gewöhnlich auch mit einem reizbarern Nervensysteme verbunden, und fälschlich wird wol diese Eigenschaft mit in den Begriff von Beweglichkeit aufgenommen. Ja man findet, daß in den beweglichem Individuen 854 Bewegung überhaupt und im ganzen Organismus eine größere Thätigkeit vorhanden ist. Auch ist bei ihnen das Blut röther und sauerstoffreicher, die Respiration schneller, der ganze Körper dünner, magerer, zarter. — Eine größere Beweglichkeit ist oft ererbt oder auch angeboren, wenn die Ältern entnervt sind. Sie ist besonders größer in dem kindlichen und jugendlichen Alter, in dem weiblichen Geschlechte, bei sanguinischem oder cholerischem Temperamente, in trockenen und warmen, aber auch in sehr kalten Klimaten, bei Bergbewohnern. Außerdem macht der Genuß von spiri- tuösen Getränken, von gewürzten oder sonst reizenden Speisen die Menschen beweglicher. Selbst die willkürliche Übung hat auf viele Bewegungen einen großen Einfluß, wenn sie auch die beweglichere Constitution nicht gerade erzeugen möchte. Solche Individuen haben überhaupt eine größere Krankheitsanlage, denn die äußern Einflüsse werden leichter und in höherm Grade empfunden. Insbesondere wird das Gefäßsystem leicht von Fiebern ergriffen, die Lunge und andre Organe von Entzündungen. Auch die acutcn Hautkrankheiten kommen häufiger vor, und alle diese Krankheiten steigern sich gewöhnlich zu einem hohen Grade. Aber auch zu Krämpfen aller Art disponirt eine größere Beweglichkeit sehr gewöhnlich. Endlich werden die Kräfte dieser Individuen leicht erschöpft, und die Lungensucht ist sehr häufig zu beobachten. Daher ist unter diesen Verhältnissen viel Sorgfalt in der Lebensweise nothwendig. Reize jeder Art müssen so viel als möglich vermieden und eingeschränkt werden. Bewegung eines Körpers ist die Veränderung seines Orts im Raume. Alle Veränderungen in der Körperwelt beruhen in der Bewegung, ohne welche Alles todt und unwirksam wäre. Bewegung ist es, die in den organischen Reichen der Schöpfung Leben hervorbringt und auch die unorganischen Körper in Thätigkeit erhält; die ihr entgegengesetzte Ruhe ist nur relativ. Von der Bewegung der Körper in ihrem Raume überzeugt uns bloß die Erfahrung. Daher suchte Zeno von Elsa, um die Erfahrungserkenntniß als nichtig darzustellen, diesen Grundbegriff der Erfahrung als sich widersprechend darzuthun. Sehen wir, daß ein Körper seine äußern Verhältnisse in demselben ändert, so schließen wir, daß er sich bewege; sein Beharren in denselben Verhältnissen nennen wir Ruhe. Bei Wahrnehmung veränderter Lagen oder Verhältnisse der Körper pflegt man sich oft zu täuschen und Ruhe und Bewegung zu verwechseln. So scheinen von einem schnell fahrenden Kahne aus die Ufer und die darauf befindlichen Gegenstände in Bewegung, der Kahn aber in Ruhe zu sein. So leicht es in diesem Fall ist, den Irrthum gewahr zu werden, so schwer ist es in andern gewesen, sodaß Jahrtausende dazu gehört haben, die Täuschung zu enthüllen, z. B. in dem Verhältniß der Erde zu der Sonne. — Bei jeder wirklichen Bewegung sind 7 verschiedene Umstände zu betrachten, nämlich die Ursache derselben, der bewegte Körper selbst, die Richtung seiner Bewegung, sein durch dieselbe zurückgelegter Weg, die Zeit, die dazu erfodert worden, die Geschwindigkeit und endlich die Größe der Bewegung. Was die Ursache der Bewegung betrifft, so ist dieselbe in ein vielleicht nie aufzuhellendes Dunkel gehüllt. Wir schließen mit Recht, daß eine Kraft vorhanden sein müsse, deren Wirkung die Bewegung ist; wir sehen diese Kraft selbst in den Muskeln der Thiere und Menschen; wir nehmen ferner wahr, daß ein in Bewegung gesetzter Körper einen andern ebenfalls in Bewegung setzen kann, daß die Planeten sich bewegen, daß ein Stein aus der Luft sich zur Erde niederbewegt u. s. w. Allein was diese Kraft sei, ihr Wesen und ihre Beschaffenheit kennen wir nicht weiter. DaS Wort Kraft ist also bloß die Bezeichnung einer Ursache, von der wir Nichts weiter wissen, als daß sie vorhanden ist. Der bewegte Körper selbst oder vielmehr die Masse kommt bei derBewegung darum in Betracht, weil von der Menge der Masse die Größe der Bewegung abhängt. Doppelt so viel Masse zu bewegen, erfodert doppelt so viel Kraft. Die Richtung der Bewegung eines Körpers ist die Linie nach 855 Bewegung der Erde der Gegend hin, nach welcher ein bewegter Punkt entweder seinen ganzen Weg hindurch oder an einer einzelnen Stelle desselben fortgeht. Wenn sich alle Punkte eines Körpers durchaus ausgleiche Weise bewegen, so braucht man nur die Bewegung eines einzigen Pnnktes zu betrachten. Die durch die Bewegung dieses Punktes beschriebene Linie ist der Weg oder die Bahn des bewegten Körpers. Ist die Bahn geradlinig, so gibt sie selbst die Richtung der Bewegung an; ist sie krummlinig, so wird die Richtung an jeder Stelle durch die Tangente der krummen Linie an dieser Stelle bestimmt. Diese Tangente geht nämlich nach der Gegend hin, nach welcher der bewegte Punkt an dieser Stelle auch geht und zu gehen fortfahren würde, wenn er hier mit einem Male aufhörte seine Richtung zu andern. — Bewegen sich nicht alle Punkte eines Körpers auf gleiche Weise, so muß die Bewegung eines jeden Punktes für sich selbst betrachtet werden, und aus diesem Grunde kann man jede Bewegung als Bewegung eines Punktes betrachten. Unter Raum der Bewegung versteht man die Länge seines durch die Bewegung zurückgelegten Raumes. Da nun immer die Bewegung von Punkten betrachtet wird, so ist dieser Raum allezeit eine Linie, und hierdurch wird die Betrachtung der Bewegung geometrisch. Zeit wird zu jeder, auch der kleinsten Bewegung erfodert. Aus der Vcrglcichung des Raums, den ein Körper durchläuft, und der Zeit, die er dazu braucht, ergibt sich die Geschwindigkeit seiner Bewegung. Ein Körper bewegt sich geschwinder als ein andrer, wenn er in derselben Zeit einen größern Raum, oder denselben Raum in kürzerer Zeit durchläuft. Bei der Größe der Bewegung kommt außer der Geschwindigkeit noch die Menge der bewegten Masse in Betracht. Zwei Pfund zu bewegen ist doppelt so viel, als 1 Pfund mit derselben Geschwindigkeit bewegen. Einen Körper mit der Geschwindigkeit 2 bewegen, ist auch doppelt so viel, als ebendenselben mit der Geschwindigkeit 1 bewegen. Hieraus erhellt, daß z. B. 2 Pfund mit der Geschwindigkeit Z bewegen, 6 Mal so viel sei, als 1 Pfund mit der Geschwindigkeit 1 fortführen. Die Bewegung ist in mehr als einer Hinsicht verschieden. In Rücksicht auf die Veränderung der Lage, aus welcher man sie erkennt, ist sie entweder absolut oder relativ. Wenn ein Körper aus einem Raume in den andern übergeht, so heißt dies seine absolute Bewegung; relativ ist sie, wenn man die Gegenstände, auf welche die Bewegung des betrachteten Körpers bezogen wird, gleichviel, ob sie in Ruhe oder selbst in Bewegung sind, als feste Standpunkte betrachtet. In Rücksicht auf die Veränderung der Lage ist die Bewegung ferner entweder gemeinschaftlich oder eigen, endlich entweder scheinbar oder wirklich. — In Rücksicht auf die Kräfte oder Ursachen, welche die Bewegung hervorbringen, ist dieselbe theils einfach, theils zusammengesetzt; Ersteres, wenn sie nur von Z einer einzigen oder von mehren Kräften nach einerlei Richtung bewirkt wird; Letzteres aber, wenn mehre Bewegungen zusammenkommen, deren verschiedene Richtungen Winkel mit einander machen. In Hinsicht auf die Richtung ist die Bewegung entweder gerad- oder krummlinig; endlich in Hinsicht auf die Geschwindigkeit entweder gleichförmig, oder beschleunigt, oder vermindert, und die beschleunigte wieder entweder ungleichförmig oder gleichförmig beschleunigt, sowie die verminderte gleichförmig oder ungleichförmig vermindert. Bewegung der Erde. Die Erde hat 2 Bewegungen, die tägliche um ihre Achse, und die jährliche in ihrer Bahn um die Sonne. Die Lehre von der Bewegung der Erde ist dadurch in der Geschichte des menschlichen Geistes merkwürdig geworden, daß sich hier der Mensch zum ersten Male vom Scheine los machte, und es wagte, das Gegentheil von Dem zu glauben, was die Menschen — die Priester und die Kirche — Jahrtausende hindurch geglaubt und gelehrt hatten. Man kann nicht leugnen, daß die Lehre des KopernicuS nicht allein die neue Astronomie begründet, sondern daß sie auch den Menschen kühn gemacht, jeden Glaubenssatz zu bezweifeln, nachdem er hier gesehen, daß man 6000 I. hindurch irri- 856 Bewegung der Erde gerweise die Ruhe der Erde gelehrt und geglaubt hat. Alle Meinungen der Alten über die Bewegung der Erde waren Philosopheme, die aus der Pythagoräischen Schule entsprangen, welche bekanntlich das Feuer für den Mittelpunkt der Welt hielt, um den sich Alles bewegte. So muß auch die Stelle von Aristarch von Sa- mos gedeutet werden, welche Aristoteles in seinem „Arenario" anführt. Aristarch kam als Pythagoräer darauf, daß er sagte: die Erde drehe sich um ihre Achse und zugleich in einem schiefen Kreise um die Sonne; und die Entfernung der Sterne sei so groß, daß dieser Kreis gleichsam nur ein Punkt gegen die Mxsternensphäre sei, woher dann die Bewegung der Erde keine scheinbare Bewegung an den Sternen verursache. Auf diesen Satz konnte jeder Pythagoräer kommen, der die Sonne oder das Feuer für den Mittelpunkt der Welt hielt, und der dann zugleich ein so guter Kopf und ein so guter Astronom war, wie Aristarch von Samos. Allein dieses war nicht die kopernicanifche Weltordnung. Die Bewegungen der Planeten, ihr Stillstehen und ihr Rückwärtsgehen, dieses war Dasjenige, was die Astronomen nicht erklären konnten, und was sie auf die verwickelte Bewegung der Epicykel gebracht, wodurch die Planeten in Radlinien um die Erde liefen. Aristarch lebte 280 I. v. Ehr., Hipparch, der große Astronom des Alterthums, 150 I., also um 130 I. nach ihm. Damals waren noch alle Schriften des Aristarch vorhanden, und wenn diesen die kopernicanifche Weltordnung bekannt gewesen, so hätte Hipparch nicht verzweifelt, dieBewegungen derPlancten zu erklären. EbensoPtolemäus, der in seinem „Almagest", dem vollständigsten Werke des Alterthums über Astronomie, , von der kopernicanischen Weltordnung des Aristarch keine Erwähnung thut. Jeder Kopernicaner spricht von der Bewegung der Erde, aber nicht Jeder, der von der Bewegung der Erde spricht, ist ein Kopernicaner. Kopernicus kam durch den verwickelten Planetenlauf auf sein System, und in der Zueignung seines unsterblichen Werkes: „I)e revolutionibu» orbiunr", an den Papst Paul 1kl. sagt er: daß gerade aus dem Planetenlaufe die Wahrheit seines Systems hervorgehe, weil ihr Stillstehen und Rückwärtsgehen und wieder Stillstehen und wieder Vorwärtsgehen ganz einfach und eine nothwendige Folge der Bewegung der Erde um die Sonne sei, und man nicht nöthig habe, zu den verwickelten Epicykeln seine Zuflucht zu nehmen. Kopernicus erlebte die Verfolgungen nicht, welche die römischen Priester gegen sein System erhoben. Diese singen erst 100 I. später an (gegen 1610), als das Fernrohr erfunden, als die Jupitermonde und die sichelförmige Gestalt der Venus entdeckt, und hierdurch die Theilnahme an der Astronomie lebhafter aufgeregt wurde. Jede Stadt in Italien war damals ein kleines Athen, worin Künste und Wissenschaften blühten. Galilei lebte in großem Ansehen, und dieser vertheidigte die neue Weltordnung. Die römische Inquisition lnd ihn vor, und er mußte diese Lehre abschwören. (S. Galilei.) Die Theilnahme an dem Schicksale des alten Mannes vermehrte die Theilnahme am System, und man suchte es von der einen Seite ebenso heftig zu beweisen, als von der andern es zu bestreiten. Unter den Gründen gegen die Umdrehung der Erde hatte man den angeführt : daß ein Stein, der von der Spitze eines Thurmes falle, nicht nach Westen zurückbleibe, ungeachtet während der 4 oder 5 Secunden seines Falles der Thurm doch um mehre hundert Fuß nach Osten rücke. Hierauf hatte Kopernicus richtig geantwortet: daß der Stein beim Thurme bliebe, rühre daher, weil er dieselbe Bewegung nach Osten habe, und indem er falle, verliere er diese nicht, sondern gehe mit nach Osten. Galilei sagte Dasselbe und behauptete, daß ein Stein, der auf einem schnellsegelnden Schiffe von der Spitze des Mastes herabfalle, am Fuße desselben niederfalle, ungeachtet der Mast sich während des Falls vielleicht um 10 oder mehre Fuß fortbewege. Gassendi stellte diese Versuche im Hafen von Marseille an, und die Steine sielen am Fuße des Mastes nieder, wenn das Schiff auch mit vollen Segeln ging. Galilei behauptete daher: man könne überhaupt keine Ver- 857 Bewegung der Erde suche über die Umdrehung der Erde anstellen, weil die Körper auf der bewegten Erde gerade so sielen, wie auf der ruhenden. Galilei starb 1642.' In demselben Jahre ward Newton geboren. Dieser zeigte 1679, daß Galilei's Meinung irrig gewesen, und daß man allerdings Versuche über die Umdrehung der Erde machen könne, die Kugeln würden aber nicht nach Westen abweichen, sondern östlich vom Lothpunkte fallen, aber nur wenig, bei einer Höhe von 300 Fuß etwa nur einen halben Zoll. Die Ursache sei folgende: Weil die Spitze des Thurms weiter von der Ecdaxe entfernt sei als der Fuß, so sei dort der Schwung größer. Indem die Kugel falle, verliere sie diesen großem Schwung nicht und eile deßwegen dem Lothpunkte vor, der im Fußboden des Thurms sei, weil dieser eine kleinere Geschwindigkeit nach Osten habe. Diesen von Newton gegebenen Wink verfolgte Hooke; er stellte Versuche über die Umdrehung der Erde bei 160 Fuß Fallhöhe an und behauptete auch, daß sie gelungen. Die Akademie ernannte den 14. Jan. 1680 eine Commission, vor der er diese Versuche wiederholen sollte. Wahrscheinlich sind sie nicht befriedigend ausgefallen, da ihrer keine Erwähnung in den „klUIo«. tranoavtions" geschieht, und sie wurden völlig vergessen. Erst nach 112 I. wagte es ein junger Geometer in Bologna, Guglielmini, diese von den Astronomen für unendlich schwierig gehaltenen Versuche wieder aufzunehmen und auf dem dortigen Thurme (IsZU Lsinelli bei einer Fallhöhe von 240 Fuß zu wiederholen. Nachdem er alle Schwierigkeiten überwunden, gelang es ihm, 16 Kugeln fallen zu lassen, welche auch merklich gegen Osten abwichen. Allein Guglielmini beging den Fehler, daß er nicht jedes Mal das Loth aufhing, so oft er 3 oder 4 Versuche in einer Nacht angestellt. Erst nachdem alle vollendet, hing er das Loth auf, und da dieses erst nach 6 Monaten zu völligem Stillstände kam, weil stürmisches Wetter eingetreten, so hatte sich unterdeß der Thurm etwas gekrümmt, sein Loth-, punkt war verrückt, und seine Versuche waren verloren. Dieses war 1792. 1804 stellte Benzenberg diese Versuche im Michaelisthurme in Hamburg an. Er ließ 30 Kugeln fallen bei einer Fallhöhe von 235 Fuß, die Kugeln wichen im Mittel 4 Linien nach Osten ab. Allein sie wichen zugleich 1Z Linie nach Süden ab, welches wahrscheinlich von einem kleinen Luftzüge im Thurme herrührte. Er wiederholte diese Versuche 1805 in einem Kohlenschacht zu Schlebusch in der Grafschaft Mark, bei einer Fallhöhe von 260 Fuß; hier sielen die Kugeln im Mittel um 5 Linien nach Osten, gerade sowie es die Lehre von der Bewegung der Erde für die Polhöhe von 51 Grad angibt, — und übrigens weder nach Süden noch nach Norden. Aus diesen Versuchen hat Laplace mit Hülfe der Wahrscbeinlichkeitsrech- nung berechnet, man könne 8000 gegen 1 wetten, daß die Erde sich um ihre Achse drehe. Diese Versuche geben einen so entscheidenden Beweis, daß selbst Tycho und Riccioli das kopernicanische System würden angenommen haben, wenn sie gesehen, daß die fallenden Körper nicht senkrecht fallen, sondern immer etwas nach Osten hinfliegen. Durch die Entdeckung des Fernrohrs, mittelst dessen die Axendrehung Jupiters bald beobachtet wurde, noch mehr aber durch Newton's Entdeckung von der allgemeinen Schwere und von der Natur der himmlischen Bewegungen wurde die Lehre von der Bewegung der Erde die siegende, und in neuern Zeiten hat kein Mann von Bedeutung sie mehr bezweifelt, wiewol der stanz. General Allix (s. d) die Bewegung der Weltkörper von einem andern alsdemNew- ton'schen Gravitationsgesetze abhängig zu machen versucht hat, ohne damit sonderlichen Eingang zu finden. Die abgeplattete Gestalt der Erde (s. Abplattung) und die Abnahme der Schwere gegen den Äquator hin, welche aus Richcr's und vieler Andern Pendelversuchen iü den Äquatorialgegenden (s. Pendel) folgte, geben außerdem für die Axendrehung der Erde ebenso einleuchtende Beweise ab, als die Abirrung des Lichts (s. d.) für die Bewegung der Erde in ihrer Bahn um die Sonne; und so hat denn der Verstand des Menschen hier den vollständigsten Sieg 858 Beweis über den Schein davongetragen, und über das römische Priesterthum, das die Lehre von der Bewegung der Erde für eine Ketzerei erklärte. Allein wie sehr Alles dem fortschreitenden Geiste der Zeit weicht, ergibt sich aus Folgendem. Als Gug- lielmini 1792 die Versuche in Bologna anstellte, half ihm hierbei Borsiali, Hausprälat des Papstes Pius Vl.; dieser maß unten die Abstände der fallenden Kugeln. Über die Geschichte dieser Versuche s. Benzenberg's „Versuch über die Umdrehung der Erde" (Dortmund, mit 7 Kpf.). Beweis, als Thätigkeit betrachtet, ist die Anwendung des Verstandes zur Hervorbringung der Überzeugung bei uns und Andern. Das Mittel dazu sind die Gründe und ihre Verknüpfung. Im logischen Sinne ist ein Beweis die Ableitung eines Satzes aus unbezweifcltcn Gründen in gehöriger Verknüpfung. Beweise beruhen daher auf Schlüssen, deren Prämissen die Beweisgründe (-rrAuinenta) sind. Unter ihnen ist derjenige Satz, worauf bei dem Beweise Alles ankommt, der Hauptgrund (nervus probsnäi). Die Wahrheit eines Beweises beruht daher auf der Wahrheit und Richtigkeit der Vordersätze und auf der Richtigkeit ihrer Verknüpfung nach logischen Regeln. Auf letztem beruht die Strenge des Beweises. Man geht bei dem Beweise entweder von dem Schlußsätze oder dem Satze, den man beweisen will, aus, oder man fangt bei den Vordersätzen an, und läßt den Schlußsatz zuletzt folgen. Das Erstere ist die analytische Art zu beweisen, das Andre die synthetische. In Hinsicht auf die Quelle der Beweisgründe sind die Beweise rationale (a priori) oder empirische (» posteriori). Die Beweise a priori entstehen, wenn die Überzeugung, welche durch den Beweis hervorgebracht wird, als ein Ergebniß aus der Einsicht in den Zusammenhang allgemeiner Begriffe und Grundsätze betrachtet werden muß; Beweise -r posteriori beruhen auf der Erfahrung, mithin auf eigner Wahrnehmung oder Zeugnissen rc. Bei den Beweisen s. priori erkenne ich nicht bloß, daß die Sache wahr ist, sondern auch, warum sie wahr ist; bei den Beweisen -r posteriori hingegen fehlt daS Warum. Die Beweise » priori folgern das Dasein oder Nichtdasein einer Sache aus dem Gesetze oder der Wirkung, welche auS der Ursache hervorgeht. Die Beweise a posteriori schließen die Wahrheit oder Falschheit der Regel aus der Aufzahlung der gegebenen Fälle. Wenn ein Beweis L priori aus bloßen Begriffen geführt wird, so ist er ein dogmatischer (discursiver, akroamatischer) Beweis. Man rechnet dahin auch die transscendentalen Deduktionen und die eigentlich sogenannten Demonstrationen, unwiderlegliche Beweise, insofern sie intuitiv (anschaulich) sind. Letztere gibt z. B. die Mathematik, wenn sie die Figur nach einem bestimmten Begriffe construirt. Dies ist der höchste Grad vvn Augenscheinlichkeit, welcher alle Möglichkeit deS Gegentheils mit einem Male abschneidet und den Verstand zum Beifallgeben zwingt. Die Beweise » priori geben Überzeugung des Verstandes, die Beweise a posteriori (die empirischen Beweise) hingegen geben nur Überzeugung des Gefühls. Die Beweise sind ferner entweder directe oder indirecte. Wenn man nämlich die Wahrheit einer Sache aus richtigen Grundsätzen im Zusammenhange und ohne Hinsicht aufdaS Gegentheil derselben darthut, so ist dies ein directer (offensiver) Beweis; wenn aber aus der Falschheit des Gegensatzes auf die Wahrheit deS Gegebenen der Schluß gemacht wird, so ist es ein indirekter (apagogischer) Beweis. Dieser letzte Beweis kann zwar Gewißheit, aber nicht Begreiflichkeit der Wahrheit, in Ansehung ihres Zusammenhanges mit den Gründen ihrer Möglichkeit, hervorbringen. Daher ist dieser Beweis, so zu sagen, nur eine Nothhülfe. Sein Vorzug aber besteht darin, daß der Widerspruch durch ihn deutlicher einleuchtet. In Ansehung des Zweckes, den man sich bei Beweisen vorsetzt, werden diese in Beweise aä veritotem und irä iionrinem eingetheilt. In jenen nimmt man den Beweisgrund selbst als wahr an, in diesen zeigt man nur, daß Jemand wegen seiner angenommenen Sätze Etwas als wahr zugeben müsse, wie z. B. wenn man gegen einen Zweis- Beweis (junst.) 859 ler aus Demjenigen, wozu er sich wider Willen und gezwungen bekennen muß, Etwas beweist. Beweis (jur.). Wenn im bürgerlichen Rechtsverfahren die Parteien die factischen Thatsachen, worauf jede von ihnen ihre Ansprüche an die andre, sowie ihre Einwendungen gegen diese Ansprüche stützt, dem Richter vorgetragen und zugleich gegenseitig erklärt haben, welche von diesen Thatsachen sie zugestehen oder ableugnen (Gegenstand des ersten Verfahrens im gemeinen deutschen Processe und des Status «aus»« et vontroversiae im Preußischen), so müssen sie dem Richter die Wahrheit des Geleugneten, insofern aus den behaupteten Thatsachen wirklich ein Recht abgeleitet werden kann, beweisen. Der Richter setzt ihnen dazu eine Frist, wenn diese nicht schon durch das Gesetz bestimmt ist, binnen welcher sie den Beweis antreten, oder gewärtigen müssen, daß auf die vorgetragenen Thatsachen bei der Entscheidung keine Rücksicht genommen wird (sich am Beweis versäumen). Um nicht ganz zwecklose Handlungen zu veranlassen, legen einige Proceßordnungen den Richtern die Pflicht auf, schon beim Erkenntniß auf Beweis diejenigen Thatsachen (Beweissatz, tkeiua probansi) zu bestimmen, auf welche bei der Entscheidung Etwas ankommen kann (wie dies auch in Preußen, jedoch durch einfache De- crete geschieht, welche nicht rechtskräftig werden und also immer wieder abgeändert werden können); andre überlassen den Parteien selbst die Auswahl und nöthigen dadurch sie selbst und besonders ihre Sachwalter, Alles, auch das Unerhebliche, in die Beweisführung mit aufzunehmen. Die Form der Beweisführung ist in den Proceßordnungen bestimmt, am strengsten in Sachsen, wo die Reihe aller einzelnen zur Sprache gekommenen Thatsachen in ein künstliches Gebäude einzelner Sätze, deren jeder mit: Wahr, oder: Nichtwahr, anfängt (Beweisartikel) gebracht werden und zugleich dem gegenseitigen Beweise (der vorgetragenen Einreden, und der Gegengründe gegen die Argumentation des Bcweisführers) vorgebaut werden muß (Elisivartikel, softrn sie die Einreden oder Repliken entkräften), und der Gegentheil setzt diesem ein ebenso künstliches Gebäude (den Gegenbeweis) entgegen, wozu er der Regel nach berechtigt ist. In Preußen ist diese Form viel einfacher, indem der Richter selbst nach Anleitung des Status oausaedie vorgeschlagenen Beweismittel (Urkunden, Augenschein, Zeugen, Begutachtung durch Sachverständige) benutzt, die Zeugen verhört, ohne daß die Parteien deßhalb eigne Schriften übergeben. Eine geschickte, alles Nöthige und nichts Überflüssiges enthaltende Anlegung des Beweises ist das größte Kunststück des Advocaten, aber selbst kenntniß- volle und geübte Sachwalter scheitern sehr oft an dieser Klippe. Beweismittel sind die schon genannten und die Eideszuschiebung. Gehen sie direct auf die zu erweisende Thatsache, so ist der Beweis ein natürlicher; künstlich (artisiciell) nennt man ihn, wenn er nur andre Thatsachen aufstellt, welche zu einem Schlüsse auf das eigentliche Beweisthema berechtigen sollen. Da ein Beweis nicht immer vollständig geliefert werden kann, so spricht man von vollen und halben, weniger und mehr als halben Beweisen, die dann durch Erfüllungseide des Beweisführers ergänzt oder durch Reinigungseide des Gegners weggeräumt werden können. Der Streit über den Beweis, dessen Förmlichkeit, Erheblichkeit, Zulässigkeit der Beweismittel u. s. w., macht einen eignen Abschnitt des Processes, das Productions- u. Re- productionsverfahren aus, welches in Preußen ganz Hinweggefallen ist. Die Theorie des Beweises ist in dem System des Processes einer der wichtigsten Theile. In Eriminalsachen ist von einem solchen Beweise nur bei dem Anklageprocesse die Rede, wo der Ankläger ihn zu führen hat. Dies ist in England und Frankreich der Fall; das übereinstimmende Urtheil von 12 Männern wird aber in England nicht für einen Act des Richteramts, sondern für ein Beweismittel gehalten. Im deutschen Jnquisitionsproceß wird kein Beweis geführt, sondern der Richter sucht den Angeschuldigten zu Ablegung eine- Geständnisses zu bewegen, und sucht sowol zu 860 Bewußtsein Beyme diesem Behufe als auch zu Begründung eines Urtheils gegen einen beharrlich leugnenden Angeklagten alle Beweismittel auf, welche er ausfindig machen kann. Genau genommen, gibt aber doch nur das Geständnis, wenn eS frei und ernstlich abgelegt ist und mit den übrigen Umstanden übereinstimmt, einen vollkommenen und regelmäßigen Beweis. 37. Bewußtsein ist derjenige Zustand, in welchem wir die Vorstellungen der Dinge als Veränderungen in uns, nebst ihren Gegenständen, sowol unter sich als von uns selbst unterscheiden. Derjenige Zustand, wo jedes Bewußtsein aufhört, ist der Zustand der Ohnmacht. Erklären läßt sich das Bewußtsein weiter nicht, weil es ein einfacher Begriff ist. Die Erfahrung lehrt uns bloß, daß wir uns der Veränderungen in uns bewußt sind, oder doch bewußt sein können. Dies macht unser empirisches Bewußtsein aus. Nach demselben sind wir uns also der abwechselnden Zustände, unserer angenehmen und unangenehmen Empfindungen, überhaupt alles Desjenigen, was in uns gedacht und empfunden wird, bewußt, und unterscheiden diese von den vorhergehenden Zuständen, woraus alsdann relatives Vergnügen oder Mißvergnügen entsteht. Da nun aber diese Zustände immerfort wechseln, so muß mit ihnen auch dieses Bewußtsein abwechseln; es ist also das empirische Bewußtsein wandelbar. Alles empirische Bewußtsein aber hat eine nothwendige Beziehung auf ein transscendentales Bewußtsein, d. h. ein solches, welches vor aller Erfahrung vorausgeht. Dies ist das Bewußtsein unser selbst, oder die ursprüngliche Apperception, die wir auch Selbstbewußtsein nennen in einem Hähern Sinne. Nach derselben muß in unserer Erkenntniß alles Bewußtsein zu einem Bewußtsein unser selbst gehören. Dieses ist nun die Bedingung der Möglichkeit aller Vorstellungen, daß wir uns nämlich aprlori der durchgängigen Identität unser selbst in Ansehung aller Veränderungen, die zu unserm innern Leben gehören, bewußt sind. Es ist die bloße Vorstellung Ich, als die Bedingung der Einheit und des nothwendigen Zusammenhangs aller Vorstellungen. Daher ist der Satz, daß alles verschiedene empirische Bewußtsein in einem eignen Selbstbewußtsein verbunden sein müsse, der schlechthin erste formale Grundsatz unsers Denkens überhaupt. Beyme (. ), ehemals k. preuß. Großkanzler, jetzt Mitglied des Staatsraths für die Section der Justiz, beauftragt mit der Einrichtung des Justiz- wesens in den Nheinprovinzen. Er ist gegen 1770 geb. und erhielt seinen ersten Unterricht auf dem hallischcn Waisenhause. Nach vollendeten Studien trat er in die juristische Laufbahn. Als Kammergerichtsrath zu Berlin erwarb er sich bald den Ruf eines scharfsinnigen und überaus thätigen Juristen und ward nach Menke's Abgang von dem Könige, dessen eigne Geradheit von der Offenheit des Mannes im Ausdruck der Rede, des hellen Auges, in der bestimmten und lebendigen Haltung angezogen worden zu sein scheint, zum Geh. Eabinetsrath gewählt. Sieben Jahre hindurch, bis zu der unglücklichen Katastrophe der Monarchie, genoß B. ununterbrochen des Königs Vertrauen. Der Posten eines Geh. Cabinetsrathes für die innere Staatsverwaltung war damals von einer Macht bekleidet, welche das Ansehen der sämmtlichen Staatsminister weit überwog. B. besaß alle erfoderlichc Eigenschaften und bemühte sich, bestimmte Ansichten von allen Gattungen der Staatsgeschäfte zu gewinnen. Nach der Zertrümmerung der Monarchie war es unmöglich, die alte Regierungsmaschine wieder einzurichten. Freih. v. Stein übernahm es, der Schöpfer eines neuen preuß. Staates zu werden. Ein heftiger Gegner der bisherigen Cabinetsregicrung, wollte er sie bis auf die letzte Spur vertilgen. Aber Achtung für B.'s bestimmtes und nie zu bezweifelndes juristisches Verdienst empfindend, empfahl er denselben dem König zur Würde des Großkanzlers. Keiner unter den alten Staatsministern Preußens hatte die Wirksamkeit, die nöthigen selbständigen Grundsätze dieser Stelle gegen den mächtigen Eabinetsrath so zu 86L Beys Beza behaupten gewußt, als dee Freih. V. Hardenberg. Schon deßhalb mochte die Revolution in der preuß, Staatsverwaltung, welche diesen als Staatskanzler an die Spitze brachte, für B. nicht angenehm sein; aber in eine Einrichtung, wodurch die Minister von dem Kanzler ziemlich abhängig werden sollten, glaubte er sich nicht fügen zu dürfen. Er bekam deßhalb seinen Abschied als Großkanzler; weil indeß auch Hardenberg ein zu großes eignes Verdienst und zu hohes Gemüth besaß, um das Verdienst nicht auch am Gegner zu achten, blieb B. bald in dieser, bald in jener Thätigkeit für den Staat. 1813 und 1814 war er Civilgou- verneuc von Pommern. Aber auch hier gelang es ihm nicht, durch seine Geschäftsführung die ihm nachtheilige Stimmung des Volks zu vermindern. 1815 ward er Staatsminister und 1816 in den Adelstand erhoben und ihm die Organisation der Rechtspflege übertragen; doch würde er seines Ministerpostens 1819 wieder enthoben. Beys, türkische Befehlshaber in Städten und Seehäfen, von geringerm Stande als die Bassen; sie regieren nur einzelne Provinzen. Beza, eigentlich de Beze (Theodor), unter den Wortführern der rcformir- tcn Kirche im 16. Jahrh, nächst Calvin an Genie und Einfluß der größte. Aus adeligem Geschlecht zu Vezelay in Bourgogne d. 24. Juni 1519 geb., in Orleans unter Melchior Volmar, einem der Reformation ergebenen deutschen Philologen, wissenschaftlich gebildet und früh mit der alten classischen Literatur vertraut, wurde er schon mit 20 I. als lat. Dichter durch muthwillige und witzige „luvenilia" (eine Sammlung Gedichte, deren er sich später schämte) bekannt, 1539 Licentiat der Rechte und in demselben I. durch seine Familie nach Paris gezogen. Don seinem Oheim erhielt er hier die Anwartschaft auf dessen einträgliche Abtei Froidmond und lebte von den Einkünften zweier kirchlichen Pfründen und dem Nachlasse eine- Bruders ziemlich locker. Seine schöne Gestalt, seine Talente und seine Verbindungen mit den vornehmsten Familien öffneten ihm die glänzendsten Aussichten. Von seinen Ausschweifungen zog ihn aber 1543 eine heimliche Ehe zurück, und eine schwere Krankheit brachte den schon in Orleans gefaßten Gedanken, sich dem Dienste der reformirten Kirche zu widmen, bei ihm zum Entschluß, sodaß er nach seiner Genesung, alle Vortheile seiner Lage zu Paris aufgebend, 1547 mit seiner Frau nach Genf ging und bald darauf eine Professur der griech. Sprache zu Laufanne annahm. Während der 10jährigen Verwaltung dieses Amtes schrieb er ein franz. tragikomisches Drama: „Das Opfer Abraham's", das viel Beifall fand, hielt zahlreich besuchte Vorlesungen über den Brief an die Römer und die Briefe Petri, aus denen seine später oft und jedes Mal verbessert herausgeg. lat. Übersetz, des N. Test. hervorging, vollendete Marot's Übersetz, der Psalmen in franz. Verse und erlangte so sehr das Vertrauen der reformirten Schweizer, daß sie ihn 1558 einer Gesandtschaft an die protestantischen FürstenDeutschlands beiordneten, deren Fürsprache bei dem franz. Hofe die Befreiung der in Paris verhafteten Reformirten auswirken sollte. Im folg. I. wurde er zu Genf, als Prediger und bald auch als Pros der Theologie, der thätigste Gehülfe Calvin's, dem er sich bereits durch mehre Schriften (über die Bestrafung der Ketzer durch die Obrigkeit, zur Rechtfertigung der Verbrennung Servet's, und heftige, bis zur Unart satyrische Streitschriften über die Prädestinationslehre und das Abendmahl gegen Castalio, Westphal und Hcßhuß) als treuer Anhänger seines Lehrbegriffs empfohlen hatte. Sein Talent zum Unterhandeln mit den Großen der Erde nahm die reformirke Kirche nun vielfältig in Anspruch. Bei dem Könige Anton von Navarra zu Nerac vermittelte er Begünstigungen der resormirten Franzosen, und nach dessen Verlangen trat er 1561 bei dem Religionsgcspräch zu Poissy als Sprecber seiner Partei mit einer Kühnheit, Geistesgegenwart und Gewandtheit auf, die ihm die Achtung des stanz. Hofes erwarb. In Paris predigte er oft vor der Königin von Navarra, dem 862 Bezifferung Prinzen Conde und in den Vorstädten. Bei dem Kolloquium zu St.-Germain 1562 sprach er stark gegen die Bilderverehrung, begleitete dann, nach Ausbruch des bürgerlichen Krieges, den Prinzen Conde als Feldprediger und kam bei dessen Verhaftung zum Admiral Coligny. Nach Herstellung des Friedens kehrte er 1563 nach Genf zurück, fuhr hier neben Abwartung seiner Ämter fort, in theologischen Abhandlungen für die reformirte Kirche zu kämpfen, und galt nach Calvin's Tode 1564, wo er dessen Nachfolger ward, als der erste Theolog dieser Kirche, leitete die Synoden der franz. Rcformirten zu La Röchelte 1571 und zu Nismes 1572, wo er sich Morel's Antrag auf Änderung der Kirchenzucht widersetzte, ging 1574 in Geschäften des Prinzen Conde an den pfälzischen Hof und maß sich 1586 bei dem Neligionsgespräch zu Mömpelgard mit den würtcmb. Theologen, besonders mit Jakob Andrea. Äls 69jähr. Greis noch lebhaft und rüstig, heirathete er 1588 seine zweite Frau und wußte mit gewohnter Kraft der Wahrheit und des Witzes die Angriffe und Verleumdungen zurückzuschlagen, die seine Feinde, abtrünnige Glaubensgenossen, wie Volsec, Lutheraner, und besonders die Jesuiten gegen ihn häuften. Diese sprengten 1597 aus, er sei gestorben und vorher in den Schoß der katholischen Kirche zurückgekehrt. Der nun 78jähr. B. widerlegte sie in einem Gedicht voll jugendlichen Feuers und wies in dcms. I. die Versuche des h. Franz von Sales, ihn zu bekehren, mit den lockenden Anerbietungen des Papstes standhaft zurück. Noch 1600 begrüßte er im genfer Gebiet den König Heinrich IV., der ihn mit 500 Dukaten beschenkte, und starb, nach fast lebenslänglichem Genuß »«geschwächter Gesundheit, den 13. Oct. 1605 an Altersschwache. Durch entschiedenes Eingehen in die strengen Grundsätze Calvin's, in dessen Geiste er der genfer Kirche kräftig und thätig vorstand, hatte er sich zum Haupte seiner Partei emporgeschwungen und 40 I. das Ansehen eines Patriarchen genossen, ohne dessen Zustimmung kein wichtiger Schritt geschah. Um Einheit, Dauer und Festigkeit in seiner Kirche zu erhalten, opferte er seine eignen Meinungen den einmal angenommenen Ealvinischen auf und leistete ihr durch seine vielseitige Gelehrsamkeit, durch seinen beharrlichen Eifer, durch seinen gewandten Geist, durch seinen glänzende Beredtsamkeit und selbst durch den Eindruck seiner noch im Alter überlegenen Persönlichkeit die wichtigsten Dienste. Er vertheidigte ihre Lehren mit geübter Kunst, Bestimmtheit und genialischem Feuer, oft auch mit unbarmherziger Schärfe und Derbheit. Unter seinen vielen Schriften schätzt man noch jetzt die exegetischen und eine ihm zugeschriebene, geistreiche und glaubwürdige „Geschichte der Resormirten in Frankreich von 1521 — 63". Sein Briefwechsel mit Calvin befindet sich in der herzogl. Bibliothek zu Gotha. Bezifferung. Wenn der harmonische Inhalt eines Tonstücks, nachdem er in einzelne Theile, die man Accorde nennt, aufgelöst worden ist, zum Behufe des Generalbaßspielers oder Desjenigen, der eine vollstimmige Musik auf einem Clavierinstrumcnte durch Accorde begleitet, durch Zahlen oder andre Zeichen über den Noten der Grundstimme (Baß) dargestellt wird, pflegt man dies die Bezifferung zu nennen. Da zu den Tönen einer Grundstimme ganz verschiedene Folgen von Accorden stattfinden können, so kommt der Generalbaßspieler, auch bei der größten Aufmerksamkeit auf den Fortgang der Melodie und Harmonie, ohne Bezifferung des Basses sehr oft in den Fall, daß er zu diesem oder jenem Grundton einen ganz andern Äccord anschlägt als denjenigen, dessen sich der Tonsetzer bedient hat. Hieraus sieht man, wie nöthig die Bezifferung der Grundstimmen bei solchen Tonstücken ist, wobei man, wie z. B. bei den Kirchencantatcn, gewohnt ist, den Generalbaß zu spielen. Die Bezifferung einer Grundstimme besteht nun eigentlich darin, daß man die Intervallen desjenigen Accordes, dessen sich der Tonsetzer bei dieser oder jener Note des Basses bedient hat, vermittelst der sie bezeichnenden Zahlen anschaulich macht. Dies geschieht auf folgende Weise. Wenn z. B Bezoarstein Bianchini 863 der Grundton des Basses c heißt, so muß untersucht werden, zu welchem Accorde dieser Ton der Grundton ist, obzuO-äur, O-nwII b'-moll u. s. w. Ist nun der Accord O-llur, d. h. ist er der gewöhnliche Dreiklang, welcher aus dem Grundtone, der großen Tertie, Quinte und Octave besteht, so ist es hergebracht, daß dieser Dreiklang entweder gar nicht oder doch nur mit der Zahl 3 bezeichnet, und dadurch zu erkennen gegeben wird, daß zu dem Grundton o die große Tertie, also e genommen werden solle, wobei sich dann die Quinte und Octave von selbst ergeben. Soll aber dieser Grundton o den Mollaccord andeuten, so setzt man über dies o ein b, und dies t> zeigt in diesem Falle an, daß zu dem Tone <- die kleine Tertie «8 genommen werden soll, wo sich alsdann die Quinte und Octave abermals von selbst ergeben. Auf gleiche Weise wird nun auch der Sextenaccord bloß mit 6, und der Septimenaccord mit 7 bezeichnet, obgleich jener außer der Sexte auch noch die Tertie, dieser aber außer der Septime noch die Tertie und Quinte enthält. Alle übrige Accorde jedoch, außer dem eigentlichen Dreiklange, dem Sexten - und Sep- timenaccorde, werden gänzlich durch Zahlen ausgedrückt, wie z. B. der Quart- Sextenaccord durch H u. s. w. Sind die Accorde aber Molltöne, so wird vor die jedesmaligen Zahlen ein b gesetzt, wo alsdann k, d, statt», »s u. s. w. gespielt oder gesungen wird. Das Durchstreichen der Zahlen drückt das ^.es aus. Neuerdings bezeichnet man auch einfachere kleine Musikstücke (besonders beim ersten Sing- untcrricht) ganz durch Ziffern. Bezoarstein, eine Kugel, die sich in dem Magen einiger Thiere, besonders des Ziegen- und AntilopengeschlechtS, aus Haaren und Pflanzenfasern bildet. Der Bezoar besteht aus verbrennlichen Stoffen und enthält Spuren salziger Verbindungen. Die verbrennlichen Stoffe sind verschieden von der Nahrung der Thiere und dem Zustande des Magens, worin er sich bildete. Man theilt die Be- zoarsteine in orientalische, occidentalische und gemeine ein. Die erstem werden für die kostbarsten gehalten; sie sind zarter und glatter als andre, auswendig sehen sie gräulich oder bläulich aus, inwendig bestehen sie aus zarten, blätterigen Theilen, die fast wie die Schalen der Zwiebel übereinanderliegen. Ehemals wurde diesen Körpern eine besondere Heilkraft zugeschrieben; jetzt ist der Glaube daran verschwunden. Biagioli (Josaphat), ein gelehrter italienischer Spxachmeister zu Paris, war vor der Besetzung Italiens durch die östreichisch-russische Armee 1798 Professor der griech. und lat. Literatur an der Universität zu Urbino. Da B. sich für die Sache der Freiheit erklärt hatte, so wandte er sich nach Paris, ward Professor der ital. Literatur an einem Prytanäum und hielt Vorlesungen über dieselbe vor einem oft glänzenden Zuhörerkreise. Er ist Herausg. der „Lottere äol 6-rrä. kentivoZIio" (Paris 1808, 12.) und Vers. einer „krominsire raisonnee Uu8»ze eine Mittagslinie nach dem Muster derjenigen zu ziehen, welche Cassini mitten , durch Frankreich gezogen hatte. Er beschäftigte sich 8 I. auf seine Kosten damit; allein andre Arbeiten zerstreuten ihn, und dies Werk blieb unvollendet. Mit zwei wichtigen Schriften (1727 fg.), über die Venus und über Augusts Grabmal, beschloß er seine Laufbahn. Er starb den 2. März 1729; sein Vaterland ließ ihm ! in dem Dom zu Verona ein Denkmal errichten. Mit der ausgebreitetsten Gelehr- ! samkcit verband er Bescheidenheit und die gefälligsten Sitten. Bias, des Tcutamus Sohn, geb. zu Pricne, einer der vorzüglichsten Städte Joniens, gegen das I. 570 vor Chr. Er war ein praktischer Weiser, stu- dirte vornehmlich die Gesetze seines Vaterlandes und wandte die dadurch erlangten u Kenntnisse zum Nutzen seiner Freunde an, indem er für sie vor Gericht sprach, > oder ihre Streitigkeiten als Schiedsrichter schlichtete. Von seinen Glücksgütern machte er einen edeln Gebrauch. Da die Niederlage des Krösus und die Eroberung Lydiens von Cyrus die Jonier sehr beunruhigte, welche einen Angriff des Siegers besorgten, rieth er ihnen, sich mit ihrem Eigenthume einzuschiffen und sich auf Sardinien niederzulassen; aber seine Meinung ward nicht befolgt, und nach vergeblichem Widerstände wurden die Jonier von den Feldherren des Cyrus unterjocht. DieEinw. von Priene selbst, welches Mazares belagerte, beschlossen, mitihren Kostbarkeiten die Stadt zu verlassen. Bei dieser Gelegenheit antwortete er einem seiner Mitbürger, der sich wunderte, daß er keine Anstalt zu seiner Abreise machte: > „Ich trage Alles bei mir". B. blieb in seinem Vaterlande, wo er in einem hohen ! Alter starb. Seine Landsleute bestatteten seinen Leichnam prachtvoll und ehrten ^ sein Gedächtniß. Man führte von ihm eine Menge von Sittensprüchen und Lehr- ! sähen an. Er ward zu den sieben Weisen Griechenlands gezählt. Bibbiena (Fernando), Maler und Baumeister, erhielt von seinem Vater Giovanni Maria Galli, einem wenig ausgezeichneten Maler und Architekten, den Namen Bibbiena nach dessen Gebuctsstadt in Toscana. Der Sohn war 1657 zu > Bologna geboren und zeigte schon von Kindheit an die glücklichsten Anlagen für die j Kunst. Carlo Cignani (s d.) leitete seine Studien. Die architektonischen Zeichnungen und die Beschäftigung mit der Geometrie flößten ihm große Neigung für die Architektur ein. Seine ersten Bauwerke fanden Beifall; dies bewog den Herzog Ranuccio Farnese, ihm die Erbauung eines Lusthauses zu Colorno und die Ver- , 865 Bibel schönerung der dortigen Gärten zu übertragen. Sein Ruf stieg schnell. B. wurde nach Barcelona berufen. Darauf machte ihn der Herzog von Parma zum Vorsteher seiner Schauspielhäuser, mit dem Titel seines ersten Malers und Architekten. Dann berief ihn Karl VI. nach Wien. Mehre schöne Gebäude wurden in Östreich nach seinen Zeichnungen aufgeführt. In seinen Theatermalereicn hat er den fehlerhaften und verworrenen Styl des Barromini u. A. noch weitergetrieben; dennoch sind seine Arbeiten im Ganzen groß und durch geschickte Behandlung der Perspektive ausgezeichnet. Seine Kompositionen waren genau und geistreich, die Ausführung fest, sein Colorit ahmte den Stein vortrefflich nach; aber er hatte weder den Reichthum noch die Abwechselung der Dinten eines Pannini, Servandoni u. A. Seine Schriften beweisen seine gründlichen Kenntnisse. Als in seinem Alter sein schwaches Gesicht ihn am Malen verhinderte, beschäftigte er sich mit einer Durchsicht seiner Schriften, die er zu Bologna 1725 und 1731 neu in 2 Bdn. herausgab , den ersten U. d. T.: „Oirerioni »' Aiovani stuäenti nel lliscAno äeU' ar- ebitettura vivile". Im zweiten handelt er von der Perspektive. Er ward zuletzt blind und starb 1743. Seine 3 Söhne haben die Kunst ihres Vaters durch ganz Italien und Deutsch land verbreitet. Antonio bekleidete das Amt seines Vaters bei Kaiser Karl VI., Giuseppe starb zu Berlin, und Alessandroim Dienste des Kurfürsten von der Pfalz. Zu Augsburg ist eine Sammlung seiner Dekorationen herausgekommen. Bibel, von dem griech. Biblos, welches die weichere Baumrinde bezeichnet, worauf die Alten schrieben, daher man späterhin jedes Buch Biblos oder Biblion nannte; vorzugsweise wurde so die Sammlung heiliger Schriften genannt, welche die Christen als die Quelle ihrer Religion verehren, wesshalb man auch im Deutschen dieses Buch der Bücher die heilige Schrift nennt. Einige dieser Schriften, welche auch die Juden als Urkunden ihrer Religion verehren, befaßt man unter dem Titel des Alten Testaments oder der Schriften des alten Bundes, weil man die jüdische Religionsverfassung unter dem Bilde eines Bundes oder Vertrages zwischen Gott und dem jüdischen Volke vorstellt, das griechische Wort Diatheke aber, welches einen Bund oder Vertrag bezeichnet, auch die Bedeutung eines Vermächtnisses oder Testaments bekommen hat. Dasselbe Bild trug man auch auf die spätere, durch Christum gestiftete Religionsverfassung über, indem man dieselbe als eine Erweiterung oder Vervollkommnung des alten Bundes, nämlich als einen Bund oder Vertrag zwischen Gott und dem ganzen Menschengeschlechte betrachtete. Daher befaßt man diejenigen Schriften, welche die Christen als eigenthümliche Urkunden ihrer Religion verehren, unter dem Titel des Neuen Testaments oder der Schriften des neuen Bundes. Zwischen den Schriften des A. und N. T. findet man in den gewöhnlichen Bibelausgaben noch einige Schriften, welche Apokryphen genannt und als ein Anhang zum A. T. betrachtet werden. (S. Apokryphische Bücher.) Kein Buch in der Welt ist so häufig geschrieben, gedruckt, übersetzt und erläutert worden als die Bibel, sodaß eine Sammlung aller Ausgaben, Übersetzungen und Erläuterungen der Bibel eine der größten Bibliotheken ausmachen würde. Um die Verdeutschung der Bibel hat sich Luther unstreitig das größte Verdienst erworben. Denn obgleich man in neuern Zeiten in den Sinn der biblischen Schriften tiefer eingedrungen ist, als es zu Luther's Zeiten möglich war, so ist doch die Lutherische Bibelübersetzung im Ganzen noch von keiner neuern an Kraft, Würde und Einfachheit übertreffen worden. Durch diese Übersetzung kam auch zuerst die Bibel in die Hände der Laien, denen das Lesen der Bibel schon dadurch verboten war, daß dieselbe nur in todten, für die Gelehrten allein verständlichen Sprachen gelesen werden konnte. Seit der Reformation aber ist wol kein christliches Volk auf der Erde, daS nicht die Bibel in seiner Muttersprache lesen könnte. „Diese große Verehrung, welche der Bibel gewidmet wird, verdankt sie ihrem in- Conv.-Lex. Siebente Ausl. Bd. I.f 55 866 Bibel nern Werthe. Sie ist baS Buch der Völker, weil sie die Schicksale eines Volkes zum Symbol für alle übrige aufstellt, seine Geschichte an die Entstehung des Weltalls anknüpft und durch eine Stufenreihe geistiger und irdischer Entwickelungen bis in die entferntesten Regionen der unermeßlichen Ewigkeit hinausführt". „Auch liegt Jedem vor Augen, wie in beiden Abtheilungen dieses wichtigen Werkes der geschichtliche Vertrag mit dem Lehrvortrag dergestalt innig verknüpft ist, daß einer dem andern auf- und nachhilft, wie vielleicht in keinem andern Buche". So würdiget Göthe („Farbenlehre", 2. Bd., S. 138) die welthistorische Wichtigkeit-und unendliche Anwendbarkeit zur Befriedigung der geistigen Bedürfnisse aller Völker und Zeiten, welche die Bibel vor jedem andern Buche voraus hat. Betrachten wir sie auch nur, wie dieser Schriftsteller, als Mittel zur Entwickelung des menschlichen Geistes, so werden wir uns überzeugen, daß alles Große, Edle und Wahre, was die Geschichte ausweisen und unsere Vernunft entdecken kann, in dem Geiste, der uns aus der Bibel anspricht, seine Bewahrung vollendet findet, und daß ein » Mensch, nur an diesem Buche herangebildet, hinlängliche Fähigkeit erlangt, was » Leben und Wissenschaft ihm sonst noch geben mag, mit gesundem Menschensinne L aufzufassen und gedeihlich anzuwenden. Noch viel höher steht die Bibel als Urkunde i der wahren Religion. Zwar gab es wahre Religion, ehe die Bücher der Bibel ent- 1 standen und gesammelt wurden. Auch ohne sie wußte Israel vom Einen Gott, k dessen Vorschriften, Verheißungen und Warnungen es aus dem Munde seiner ß Propheten vernahm. Das Evangelium kam durch mündlichen Vertrag Jesu und seiner Apostel an die Menschen und theilte sich noch lange nur in dieser Gestalt und angeknüpft an die Auslegung des Alten Testaments den christlichen Lehrern und Gemeinden mit, während die Bücher des Neuen Testaments erst nach und nach niedergeschrieben und in Abschriften verbreitet wurden. Wir legen durch den Wunsch, das Christenthum jener Gemeinden der ersten Jahrhunderte in seiner ganzen Kraft und Lauterkeit unter uns erneuern zu können, das Geständniß ab, der Geist Christi habe ihnen frischer, lebendiger und reiner ohne geschriebenes Zeugniß beigewohnt, als der spätem Kirche, die die Bibel ganz besaß. Dennoch gab die Aufbewahrung derselben in den Zeiten der Ausartung der Christenheit, in denen die mündliche Überlieferung immer schwächer und unlauterer wurde, und Menschen- sahungen die sichtbare Kirche entstellten, noch allein Hoffnung der Rückkehr zum wahren Christenthume. Diese bahnten, durch die Bibel geweckt und geleitet, die Reformatoren im 16. Jahrh, an; aus der Bibel riefen sie den göttlichen Geist des Urchristenthums wieder ins Leben und erklärten sie mit unbestreitbarem Rechte für die einzige Richtschnur des christlichen Glaubens. (Vgl. Protestant und Pro- ! testantismus.) Die mannigfaltigen Veränderungen der theologischen Systeme j waren nur Proben verschiedenartiger Auffassung des mit sich selbst einigen christlichen Geistes, der aus der Bibel spricht, an ihr sich nährt und in ihr auch allein die Norm ihres richtigen Verständnisses bildet. Sie wurde das Correctiv aller Ver- irrungen religiöser Begriffe und Empfindungen, die selbst durch den Abstich ihrer unerquicklichen Resultate vom wahren Bedürfniß der Seelen zur Bibel zurückführen mußten. Semler meinte, es würde uns Nichts von den Lehren des Christenthums abgehen, wenn auch die Bibel sich ganz aus unsern Händen verlöre, so innig habe ihr Geist die Gesetze, Wissenschaften, Verfassungen, Sitten und Empfindungsweisen, kurz alle Richtungen des geistigen Lebens der Christenheit durchdrungen. Aber nur zu stark wird diese Meinung durch die Erfahrung widerlegt. Überall verliert sich der christliche Sinn, wo der Gebrauch der Bibel in Abnahme kommt, und sie muß wieder von allen Ständen als Hauptnahrung für Geist und Herz benutzt werden, damit aus ihr, der echten Quelle göttlicher Wahrheit, Erkenntniß des Heils, Kraft zum Guten, Trost im Leiden und Hoffnung im Tode sich wieder über die Seelen ergieße. Um die Verbreitung guter und wohlfeiler Ab- Bibelgesellschaften . 887 drücke der Bibel in deutscher Sprache hat sich die Eanstein'sche Bibelanstalt in Hall» verdient gemacht. 31. Bibelgesellschaften. Ein Geistlicher aus dem englischen Fürstenthum Wales, den zunächst der Mangel der wallisischen Bibel nach London führte, gab die Veranlassung, daß am 7. März 1804 zu London die britische und ausländische Bibelgesellschaft gestiftet wurde. Bibelgesellschaft nannte sie sich, weil sie die Verbreitung der Bibel zu ihrem Zwecke machte; britisch sollte sie sein, weil sie ihre Wirksamkeit zunächst auf die Armen Großbritanniens richtete; aber auch ausländisch, weil sie, so weit ihre Kräfte zureichen würden, Bibeln in allen Sprachen nach allen Gegenden der Welt zu liefern sich vorsetzte. Um denselben eine desto allgemeinere Brauchbarkeit zu geben, sollten die von der Gesellschaft zu vertheilenden Bibeln ohne Zusätze und Erklärungen sein. Noch in demselben Jahre war die erste allgemeine Versammlung in London, welche den ihr vorgelegten Plan einmüthig annahm. Lord Teignmouth ward bald darauf zu ihrem Präsidenten gewählt, und mehre Bischöfe, Lords und Parlamentsglieder nahmen die Stellen von Viceprasi- dentcn an. Bis 1815 hatten sich in allen Theilen Großbritanniens 484 ähnliche Anstalten gebildet und an die erstere als Muttergesellschaft angeschlossen, um diese mit Geldbeiträgen zu unterstützen und dagegen von ihr mit Bibeln versorgt zu werden. Außerdem bestehen noch viele Bibelgesellschaften unter den geringern Volksclassen, deren Glieder wöchentlich einen halben oder ganzen Penny erlegen, um sich, ihren Kindern oder noch Armem eine Bibel zu verschaffen. Auch in Deutschland, der Schweiz, Holland, Preußen, Rußland, Schweden, Dänemark, ja selbst in den übrigen Welttheilen haben sich ähnliche Bibelgesellschaften gebildet, welche mit der englischen in Verbindung getreten sind. Der 17. Jahresbericht der britischen und ausländischen Bibelgesellschaft zu London vom 2. Mai 1821 meldete, daß sie sich mit dem Drucke der Übersetzung der Bibel in folgenden Sprachen beschäftigt: 1) Sanskrit, besorgt von dem Baptistenprediger I)r. Carey zu Serampore in Ostindien, wo diese Übersetzung auch gedruckt wird. 2) Türkisch, erst von Diez, nun von Kiefer in Paris besorgt, welcher auch eine türkische Bibel mit griechischer Schrift für die Griechen in der Türkei redigirt. 3) Chinesisch, von Morrison und Milne, jetzt revidirt von Remusat in Paris. 4) Die Sprache der Gesellschaftsinseln, iu der an 3000 Exempl. des Evangeliums Lucä bereits zu Otahaiti vertheilt sind. Außer diesen neuen Übersetzungen vertreibt die britische Bibelgesellschaft noch viele andre Übersetzungen einzelner biblischer Bücher oder ganzer Neuer Testamente in mehr als 50 Sprachen und Mundarten der Völker von Mittel- und Ostasien, von Calcutta und Madras aus, in den Sprachen der Levante und des nördlichen Afrika, von Smyrna, Malta und andern Depots am mittelländischen Meere (z. B. arabische, syrische, tatarische, äthiopische in 2 Dialekten u. s. w.) aus, und unterstützt sämmtliche Bibelgesellschaften des Eontinents von Europa. Sie unterhält Agenten fast in allen Theilen der bewohnten Erde, die auf ihre Kosten reisen, um die schicklichsten Wege der Bibelverbreitung auszumitteln, geschickte Übersetzer und Handschriften älterer Übersetzungen für ihre Zwecke zu gewinnen. So erwarb Pin- kerton jüngst in Paris für sie fertige Übersetzungen der Bibel in nordastatischen und tibetanischen Mundarten nebst den dazu gehörigen Schriftformen, welche aus den Archiven der Propaganda zu Rom unter Napoleon nach Frankreich gebracht wurden. Auch an dem Drucke des serbischen Neuen Testaments in Leipzig hat sie Antheil. Die schwerste Übersetzung war die in die Sprache der Eskimos. — Die jährliche, durch ihre Einnahmen vollkommen gedeckte Ausgabe, die sie auf diese allgemeine Bibelverbreitung verwendet, beträgt an 500,000 Thaler. Schon in den I. 1814 — 21 hatte sie 3,201,978 Bibeln, Neue Testamente oder einzelne biblische Bücher in mehr als hundert verschiedenen Ausgaben und Sprachen oder Dialekten vertheilt. Dabei sind die Vertheilungen selbständiger Töchtergesellschaf- 55 * 868 Bibelgesellschaften ten, deren sie 630, u. a. 2 zu Sidney in Neusüdwales und Vandiemenslcmd, zählt, und der noch zahlreichern Privatvercine nicht mit eingerechnet. Auch für die Land- und Seemacht Englands und für die Versorgung abfegelnder Handelsschiffe mit Bibeln haben sich Gesellschaften gebildet, deren Thätigkeit nicht weniger den Eifer und Aufwand Englands für diesen Zweck beurkundet. In Deutschland bestanden 1817 folgende Hauptbibelanstalten: Zu Hanover, wo eine Bibelausgabe von 10,000 Exemplaren vollendet war; zu Berlin; zu Dresden, welche außer einer Stereotypausgabe der deutschen Bibel auch eine Bibelausgabe in wendischer Sprache für die Lausitz besorgt hat; zu Frankfurt a. M.; in Baiern blieb die Bibelverbreitung auf Bemühungen Einzelner beschränkt (von den katholischen Übersetzungen des Neuen Testaments von Goßner und van Eß waren bis 1821 schon an 180,000 Exemplare unter die Katholiken in Deutschland und der Schweiz vertheilt und viele davon auch in die östreichischen Staaten gekommen, die jetzt deutschen Bibeln nicht offen sind); zu Stuttgart, wo eine Ausgabe von 10,000 Bibeln und 2000 Neuen Testamenten schon vergriffen war; zu Hamburg, Baden, Weimar, Bremen, Lübeck; die schleswig-holsteinische zu Schleswig, zu Schwerin, Ratzeburg, Eutin, Braunschweig u. s. w. (jede derselben hat ihre Hülfsgefellschaf- ten); die protestantische Schweiz hat eine eigne Bibelgesellschaft; ebenso das Königreich der Niederlande, das auch seine Eolonien mit Bibeln versorgt; zu Paris entstand den 6. Dec. 1818 eine Bibelgesellschaft für die Protestanten in Frankreich, welche bei verhältnismäßig geringen Mitteln (1820 nahm sie nicht mehr als 58,212 Franken ein) ihr Augenmerk vorzüglich auf die Verforgung der Schulen, Hospitäler und Gefängnisse gerichtet hat, aber, weil auch Katholiken Bibeln von ihr annehmen, an der papistisch-jesuitischen Partei in Frankreich ein starkes Gegengewicht findet. In Strasburg wird eine Ausgabe von 20,000 Bibeln für das Elsaß gedruckt. In Schweden, wo die Hauptgefellfchaft in Stockholm schon 415,000 und 47,800 Neue Testamente vertheilt hatte; in Norwegen und Dänemark verunstalt tete man ähnliche Ausgaben, und die dänische Gesellschaft hat Hülfsgesellschaften in Island und Westindien. Die russische zu Petersburg wetteiferte mit der englischen und ließ die Bibel in 31 Sprachen und Mundarten der Völker Rußlands drucken, unter ihnen auch eine in neurufsischer Sprache, da die Kirchenübersetzung die für Nichtgeistliche unverständliche slawonifche ist. Diese neurussische Übersetzung findet unter dem Landvolke großen Beifall, klärt es aber auch über Unechthcit der vielen abergläubischen Gebräuche auf, die das Christenthum der griechischen Kirche verunstalten. Sie wird daher einen Kampf der Partei des kirchlichen Christenthums gegen die Bibelchristen veranlassen, der sich kaum anders endigen kann als mit einer allmäligen Reformation der griechischen Kirche. Die Geistlichkeit ist zum Theil gegen die Bibelverbreitung, und es kam in entferntem Gouvernements deßhalb schon zu Verfolgungen eifriger Bibelleser. Die kalmückischen Evangelien und persischen Neuen Testamente finden viel Abgang; auch für die Burjaten, mongolische Lamadiener am Baikalsce, wird mit Hülfe zweier junger Burjaten von hoher Geburt, welche zu Petersburg das Christenthum angenommen haben, eine Übersetzung der Bibel ausgearbeitet und von ihnen begierig erwartet; zu Jrkutsk, To- bolsk, unter den Tscherkassen, Georgiern und konischen Kesacken haben sich Hülfsgesellschaften gebildet; von Odessa aus verbreitet sich das göttliche Wort in die Levante. Die durch den Erzbischof von Gnesen veranlaßte Bulle Pius VII. vom 28. Juni 1816 gegen die Verbreitung der Bibel hinderte die Polen nicht , unter dem Schutze Alexanders eine Gesellschaft in Warschau zu errichten. Im östreichischen erschien 1817 ein Verbot der Bibelverbreitung durch solche Gesellschaften, und die in Ungarn schon bestehenden wurden unterdrückt. Italien, Frankreich, Spanien und Portugal thaten noch Nichts für diese Sache, die Engländer haben aber zur See und von den Inseln aus diesen Nationen Bibeln in ihren Sprachen mit Erfolg 869 Biber zugeführt. In Nordamerika wirkt seit 1816 eine große amerikanische Bibelgesellschaft mit ihren Töchtern, jetzt 207, die auch Südamerika mit spanischen Bibeln versorgen und in stetem Wachsthum begriffen sind. Die Colonien wetteifern für diese Sache; auch Haiti hat dazu die Hände geboten, und die Eskimos auf Labrador lesen schon die Apostelgeschichte in ihrer Sprache. Ein gleicher, weit wirkender Eifer für die Verbreitung der Bibel regt sich im südlichen Afrika und in Ostindien, wo mehre Druckereien Bibeln in den Landessprachen liefern; selbst die Inseln an der Ostseite Asiens werden nicht übersehen. In den Niederlanden bemerkt man eine brüderliche Vereinigung der verschiedenen Eonfessioncn für diesen Zweck, die auch in andern Landern von gemischter Religion durch das Zusammentreten der Bibelgesellschaften bewirkt worden ist. Sie tragen überhaupt viel dazu bei, unter Christen von allen Parteien das Gefühl ihrer Gemeinschaft in den wichtigsten Überzeugungen anzuregen. Was dadurch sowol unter den Völkern der Christenheit, als unter den Heiden, die das Christenthum auf diesem Wege kennen lernen, an richtiger Religionserkenntniß, Frömmigkeit und Verbesserung der Sitten gewonnen werden kann, übersteigt alle Berechnung. In der Geschichte der sittlichen und religiösen Bildung des Menschengeschlechts muß eine so weitumfassende Verbreitung der Bibel Epoche machen, da schon ihre Übersetzung in Sprachen, denen bisher alle Literatur, ja meistentheils auch die Schreibekunst fehlte, eine höchst bedeutende welthistorische Wichtigkeit hat. Die Bibelgesellschaften binden sich an das Fundamentalgesetz, die Bibel ohne Abänderung kirchlich geltender Übersetzungen und ohne Anmerkungen auszugeben, was allerdings Zwiespalt und störende Einseitigkeit am besten von dieser Sache der ganzen Christenheit abzuhalten im Stande ist. Ob aber wol überall der Sinn in der Übersetzung richtig getroffen ist? Und ob nicht die rohen Völker wunderliche Vorstellungen damit verbinden werden, so lange eS ihnen an Schulen und Predigern fehlt? — Die durch die Bibel gewonnenen neuen Christen sind größtentheils Schüler der evangel. Missionnaire (vgl. Missionen), folglich gehören sie zu der protestantischen Kirche, in welche das Bibellesen wol auch Katholiken hinüberführen könnte. — Alle Feinde der Bibel sind auch Gegner der Bibelgesellschaften; man darf aber nicht umgekehrt schließen. Indeß läßt eine jetzt von neuem bestätigte Erfahrung nicht bezweifeln, daß die innere Kraft des göttlichen Wortes unaufhaltsam fortfahren wird, den Segen der ewigen Wahrheit über die ganze bewohnte Erde zu verbreiten. Ich Biber. Dieses kunstreiche Thier findet man in Europa fast überall an Seen und an Flüssen, welche weite Wälder durchströmen, wie in Preußen, Polen, Oberbaieru, an der Elbe u. s. w. Es sieht einer Wasserratte ähnlich, hat aber die Größe eines Hundes. Von seiner Kunstfertigkeit im Bauen ward vielfach erzählt, daß in Canada, wo die Biber häufig leben, sich oft mehre Hunderte zu einem gemeinschaftlichen Baue vereinigten, Bäume fällten und in die Erde schlügen, mit Zweigen durchflöchten und so einen Damm zu Stande brächten. In diesem Damme erbaue sich jeder eine Wohnung von mehren Gemächern und 3 Stockwerk Höhe, belege die Fußböden mit Moos, glätte die Wände u. s. w.; dabei rühmte man ihre Ordnungsliebe, Unterwürfigkeit und Pünktlichkeit, gab ihnen einen Rath und Präsidenten u. s. w. Allein ein neuerer englischer Reisebeschreiber, Hearne, der viele Biberbaue untersucht hat, will von solcher Kunstfertigkeit nichts bemerkt haben. Sie leben in Uferhöhlen und richten sich, wie jedes Thier, dieselben bequem zur Wohnung ein. Das Fleisch des Bibers wird gegessen, als lecker wird aber sein Schwanz betrachtet, der dick, fett und sischartig ist. Die Biberfelle geben ein treffliches Pelzwerk, besonders werden die Haare zu Hüten verwandt, die, nach dem lateinischen Namen des Thieres, Castorhüte genannt werden. Das Bibergeil, eine ölige Feuchtigkeit, die sich in eignen Drüsen bei dem Thiere sammelt, wird als ein krampfstillendes Mittel gebraucht. 870 Biberich Bibliographie Biberich, Marktflecken (2156 Einw.) und herzogl. nassauisches Lust- und Residenzschloß, nahe am Rhein. Nach Gerning's „Rheingegenden von Mainz bis Köln" (Wiesbaden 1819) wurde Biberich, ehemals Biburc oder by der Burgk (von der nahen Amöneburg) genannt, die schönste Fürstenburg am Rheine, vor 100 Jahren unter dem Fürsten Johann zu bauen begonnen und dann von Georg August vollendet. Der mit heimischen Marmorsäulen umreihete Speisesaal, oder das Rundeel, ruht auf einem Gewölbe, worunter die Kirche sich befindet. Der große Schloßgarten, in südlicher Fülle prangend, ist in altem und neuem Geschmacke mit verschiedenartigen Lustgängen und Teichen geschmückt. Die vom verstorbenen Herzog auf den Grundlagen der ehemaligen mosbacher Burg am Ende des Gartens neu erbaute Burg enthält schätzbare Denkmale nassauischer Fürsten, besonders aus der Kirche des aufgehobenen Klosters Eberbach. Von der Amöneburg, zwischen Biberich und Castell, ist nichts mehr übrig als die Spur eines Römercastells, und hier möchte wol der (zweite) Rheinübergang des Cäsar gegen die Sueven, auch derjenige des Agrippa gegen die Kalten, denen er nach Abzug der Ubier diese Gegend überließ, stattgefunden haben. Bibliographie (Bibliognosie, auch Bibliologie) beschäftigt sich mit der innern und äußern Kenntniß der Bücher und kann, dieser doppelten Beziehung gemäß, in eine wissenschaftliche und materielle eingetheilt werden. Die wissenschaftliche betrachtet die Bücher bloß nach ihrem Inhalte und hat bei der bald bloß berichtenden,- bald zugleich kritischen und beurtheilenden Verzeichnung derselben den Zweck, jeden Gelehrten mit den vorzüglichsten Büchern seines Fachs ! bekanntzumachen. Bibliographien in diesem Sinne des Worts (auch Literaturen und Bibliotheken genannt) sind gewöhnlich in systematischer Form abgefaßt. Zu denjenigen Wissenschaften gehörend, deren Wachsthum ebenso sehr durch äußere Begünstigungen als durch richtige Grundsätze ihrer Bearbeiter bedingt ist, erkennt die Bibliographie noch immer Frankreich als ihr Mutterland an. Wenn auf der einen Seite der übergroße Reichthum der täglich wachsenden öffentlichen Bibliotheken, die liberalste Eignung derselben für den allgemeinen Gebrauch , die bedeutende Anzahl geschmackvoller Privatsammlungen und ein lebendiger Verkehr mit Büchern aus allen Zeiten und Ländern äußere Begünstigungen seltener Art bieten: so ist eS « auf der andern Seite der echt praktische Sinn der Nation, welcher die Leistungen ihrer Bibliographen zu den angemessensten Befriedigungen wesentlicher Bedürfnisse erhebt. So war Brunet's „Manuel du libraire" das erste gelungenere Werk, welches in alphabetischer Form das Kostbarste und Erhabenste der Literaturen aller Zeiten und Völker umfaßte, Barbier's „Diotionnaire des ouvruAes anonyme«" die erste zuverlässige und genießbare Bearbeitung dieses Gegenstandes, Renouard's „OataloZue d'uu amateur" der erste Spiegel und gewiß für lange Zeit der einflußreichste Codex der franz. Sammlerrücksichten, die „kiblivArapliie de Is Krane«" das erste Muster, wie der jährliche Zuwachs der Literatur am zuverlässigsten registrier werden kann, der nicht minder gelungenen einzelnen Leistungen Peignot's, Petit-Radel's, Renouard's (über die Aldinen) u. a. zu geschweige». Nur eines jener Vortheile kann sich die engl. Bibliographie rühmen, des Reichthums an öffentlichen und Privatsammlungen. Aber der Gebrauch derselben ist theils sehr beschränkt, theils gar nicht gestattet, und Kleinigkeitskrämerei, Geschmack- und Formlosigkeit, Curiosttätensucht und sklavisches Hingeben an die bizarresten bibliomanischen Moden des Tags lassen die engl. Bibliographen zu keiner Selbständigkeit und zu keiner wahrhaft nützlichen Thätigkeit gelangen. Die allgemeinem bibliographischen Werke von Adam Clarke („kiblio^raplrieal dietionar^", 1820) und Rob. Watt („Libliotbeva britannioa", 1819) sind verunglückte Compilationen; in den vermischten Sammlungen von Belon („Hmeedotes ok literature", 1807), Brydges („LritisIr diblioArapiier", 1818; „Oensura literaria", 1805), Savage („1Ae Bibliographie 871 librarion", 1808) u. a. fehlt es an aller Auswahl und häufig auch an Gründlichkeit und tieferer Kenntniß; Ottley's („Inguir^ int« tlie origin and earl/ Kistor^ ok enArsvinZ", 1816) und Singer's („Ke8esrolie8 into tlie Iiistor^ ok pla^inA vordo", 1816) Werke, welche in sehr wichtige Punkte der Bibliographie einschlagen, dienen nur zum Beweise, daß es ihren Vers an aller Kritik mangelt, und laßt man sich endlich von dem Druck, Papier und Kupfern der Dibdin'schen Werke („l^poArapiiloalsntiguitie«", 1810; „LiI>Iic»ti>eoa8penverisno", 1814; „Lil>- lioFrspkivol Uevsmeron", 1817; ,/I'our in krsnce snd Oerinon^", 1821) nicht bestechen, so wird man die Ungründlichkeit und Geschmacklosigkeit ihres Urhebers nicht verkennen können, der seinen einzigen Stolz darin sucht, den bibliomanischen Launen der Vornehmem unter den englischen Sammlern sklavisch zu fröhnen. Wenig unterstützt von öffentlichen, fast ganz entblößt von Privatsammlungen, haben die deutschen Gelehrten, bloß auf das eigentlich wissenschaftliche Bedürfniß hin- blickend, mit ernster Thätigkeit die Bibliographie zu fördern gesucht. Dankbar erkennt die neuere deutsche Bibliographie Ersch als ihren Vater an, der sie sowol durch das umfassendste Werk seiner Art („Allgemeines Repertorium der Literatur", 1793 —1807) als auch durch sein „ Handbuch der deutschen Literatur" recht eigentlich technisch begründet hat. Vorzüglich reich ist sie an Literaturen einzelner Wissenschaften, und die griech. und lat. Schriflstellerkunde, sowie die Kenntniß der alten Drucke, ist von den Deutschen begründet worden. Den ersten deutschen Versuch eines allgemeinem bibliographischen Werks lieferte Ebert (s. d.), der zugleich im 10. Stück des „Hermes" eine Kritik der gesammten neuern deutschen Bibliographie gegeben hat. Die ital. Bibliographie ist nicht mehr, was sie zu Mazzu- chelli's, Audiffredi's und Tiraboschi's Zeiten war. Auf den öffentlichen Bibliotheken herrscht fast allgemein große Lauigkeit, die Privatsammlungen werden immer seltener, und die kostbaren der Grafen Eassano-Serra und Melzi in Neapel und Mailand sind erst kürzlich nach dem Alles verschlingenden England verkauft worden. Am meisten haben die Italiener für Provinzialbibliographien geleistet (eine der neuesten ist Mo- reni's „OiblioAralia delia 1o8oana", 1805), und Gamba's „8erie de' te8ti" (1812) ist ein sehr rühmliches Werk. Die Holländer, Spamer und Portugiesen sind in neuerer Zeit für die Bibliographie fast ganz unthätig gewesen, aber die rühmlichste Auszeichnung verdient des wackern Bentkowski „Polnische Literatur" (1814). Speciellere Erwähnung verdienen I. A. Nösselt's „Anweisung zur Kenntniß der besten allgemeinen Bücher in der Theologie" (4. Auf!., Leipz. 1800, und Simon's Forts., Leipz. 1813), E. Ehr. Westphal's „Anleit. zur Kenntniß der besten Bücher in der Rechtsgelahrtheit" (3. Auss, Leipz. 1791), C. F. Burdaci/s „Literatur der Heilwissenschaft" (Gotha 1810, 2 Bde.), W. Gf. Ploucquet's „Idteraturo medics" (Tübingen 1808, 4 Bde., 4.), I. G. Meusel's „Oiblio- tkeoa bi8toiivo" (Leipz. 1782—1802,11 Thle., in 22Bdn., unvollendet), dessen „Literatur der Statistik" (Leipz. 1816, 2 Bde.), F. W. A. Murhard's „Literatur der mathematischen Wissenschaften" (Leipz. 1797,5 Bde.), F. Bd. Weber's „Handbuch der ökonomischen Literatur" (Berlin 1803, 2 Bde., nebst Suppl. 1809), G. R. Böhmer's„LidIiotIievL8oript»i-umbi8tor1aonLturaIi8" (Leipz.1785—99, 7 Bde.), Alb. Haller's kibliotbeeo botanios (Zürich 1771, 2 Bde., 4.), sns- tonrioa (Zür. 1774, 2 Bde., 4.), cbirur^ies. (Bern 1774, 2 Bde., 4.) und me- dioinae praotiorco (Bern 1776 fg., 4 Bde., 4.) u. a. m. Auch gut geordnete und fleißig gearbeitete Verzeichnisse von Bibliotheken, welche sich in einzelnen Fächern auszeichnen, können mit Nutzen gebraucht werden. (S. Bücherkataloge.) Allgemeinere und mehr historische Anleitungen zum Studium der Bibliographie enthalten M. Denis's „Einleitung in die Bücherkunde" (Wien 1795,2 Bde., 4.), Achard's ,,0our8 do iiildiogrspbie" (Marseille 1807 , 3 Bde.), Th. Hartwell Home's „Introduotion to tlie stud/ ok diblioxropk^" (Lond. 1814, 2 Bde.) 872 Bibliomanie und Gabr. Peignot's „Oiotionnaire isisonne äe bibliolo^ie" (Paris 1802—4, 3 Bde.). — Die materielle Bibliographie, oft vorzugsweise Bibliographie genannt, betrachtet die Bücher nach ihrer äußern Beschaffenheit, ihren Schicksalen u. a. historischen Umständen, und hat ihre Ausbildung vorzüglich in Frankreich und England erhalten. Von den einzelnen Zweigen der materiellen Bibliographie (s. auchBi- bliomanie) mögen hier Erwähnung finden: die Kenntniß der alten Drucke (Inkunabeln, oder, wenn von classischen Schriftstellern die Rede ist, eäitiones Principes), über welche das Hauptwerk G. Wfg. Panzer's „tlmmles t^pvArapIiici" (Nürnberg 1793—1803, 11 Bde., 4., geht bis 1536) sind , mit welchem jedoch die noch etwas weitergehenden und nicht bloße Buchtitel enthaltenden „^minies t)-- pvAispiiici" von Maittaire (Haag 1719 fg., 11 Bde., 4.) verbunden werden müssen. Ausführlichere Beschreibungen einzelner alten Drucke liefern Serna Santan- der's „victionn. biblioZr. KIo»I Vevsmeron", Lond. 1817, 3 Bde., zu verbinden ist) die sonderbarsten Einfälle, aufweiche ein reicher Sammler nur immer gerathen kann, in ein System gekrackt zu haben. ^—». Bibliophilie, Bücherliebe. Dieses Wort dient zur allgemeinen Bezeichnung Dessen, was die Franzosen als Eigenschaft der »inateur», die Engländer der bibliomsnes verstehen. (S. d. vor. A.) Bibliothekar kann nur Derjenige mit Ehren genannt werden, der mit gründlichen und umfassenden Sprach- und Sach- (vorzüglich literarischen und historischen) Kenntnissen versehen, von unermüdlichem Fleiße und strenger Ordnungsliebe belebt, von echt praktischem Sinne und Geiste für das höhere Geschäftsleben durchdrungen und mit historischer Unbefangenheit und Ruhe ebenso sehr der Vergangenheit als der Gegenwart lebend, beiden Theilen der Bibliothekswissenschaft, der Einrichtungs- wie der Verwaltungskunde, im Ganzen wie im Einzelnen genügend zu entsprechen vermag. Nur ein entschiedener innerer Beruf und eine mehrjährige und gewissenhafte theoretische und praktische Vorbereitung (über ihre Stufenfolge s. „Die Bildung des Bibliothekars", von F. A. Ebert, 2. Aufl., Lpz. 1820) kann zur würdigen Erreichung dieses bei weitem nicht nach seiner ganzen Wichtigkeit erkannten Zieles führen. Denn es ist endlich Zeit einzusehen, daß die Bibliotheken keineswegs todte Rüstkammern, sondern in ihrer Art ganz Dasselbe sein sollen, was Universitäten und Schulen in der ihrigen sind — in voller Kraft Bibliotheken 875 sich regende und (wenigstens in ihrem nächsten Kreise) nach allen Seiten hin wohlthätig spendende Bildungsanstalten. Die königl. Bibliothek zu Paris ist dies, wie nie eine deutsche es war. Desto größer aber ist die Verbindlichkeit der Oberbehörden deutscher Bibliotheken, künftig keinen Bibliothekar ohne strenge Prüfung anzustellen, sein Amt nicht mehr zu einer Sinecure oder Versorgung unbrauchbarer Subjecte herabzuwürdigen, ihm durch einen angemessenen Gehalt das ungetheilte Hingeben an seinen schweren Beruf möglich zu machen und ihn endlich nicht als gewöhnlichen Ofsicianten, sondern mit derjenigen Achtung und dem Vertrauen zu behandeln, welches jedem gründlichen und vielseitig gebildeten Gelehrten gebührt. (S. Bibliotheken.) 52. Bibliotheken. Die älteste Bibliothek wird fabelhafterwcise dem ägyptischen Könige Osymandyas zu Memphis zugeschrieben. Unter den Griechen legte PisistratuS zu Athen zuerst eine Bibliothek an, welche TerxeS nach Persien abführen, Seleucus Nicanor aber wieder nach Athen zurückbringen ließ. Am berühmtesten war im Alterthum die Alexandrinische Bibliothek. (Vgl. Alexandria.) Nach Rom brachten die ersten Bibliotheken Ämilius Paulus und Lucullus als Kriegsbeute. Die erste öffentliche Bibliothek stiftete Astnius Pollio, auch aus gemachter Beute. Eine sehr bedeutende Bibliothek legte Julius Cäsar an und übergab die Einrichtung dem gelehrten Varro. August stiftete 2 Bibliotheken, von denen die eine k-cka- tina hieß, weil sie im Tempel des Apollo auf dem palatinischen Hügel stand, die andre sich im Porticus der Octavia befand und daher Oetaviana hieß. Nero's Brand richtete mehre Bibliotheken zu Grunde. Domitian ließ sie wiederherstellen. Trajan legte eine sehr berühmte Bibliothek an. Publius Victor zählt 28 öffentliche Bibliotheken in Rom; außerdem gab es große Privatbibliotheken. Diese Schätze wurden zerstört oder verstreut, theils durch die verwüstenden Völkerwanderungen, theils durch die Bilderstürmer. — Im 9. und 11. Jahrh, wurden durch den weisen oströmischen Kaiser Basilius Macedo und durch die gelehrte Komnenische Kaiserfamilie mehre Büchersammlungen, besonders in den Klöstern auf den Inseln des Archipelagus und auf dem Berge Äthos, angelegt. Die Araber hatten zuAlexan- dria eine ansehnliche Bibliothek von arabischen Büchern. Al Mamun ließ auch viele griech. Codices aufkaufen und nach Bagdad bringen. Im Occident würden vorzüglich seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrh, auf Karls des Gr. Ermunterung Bibliotheken angelegt. In Frankreich war eine der berühmtesten in der Abtei St.- Gcrmain de Pres zu Paris; in Deutschland die Bibliotheken zu Fulda, Korvey, und seit dem 11. Jahrh. zu Hirschau. In Spanien hatten die Araber im 12. Jahrh. 70 öffentliche Bibliotheken, wovon die zu Cordova 250,000 Bde. enthielt. Auch in England und Italien wurden mit großem Eifer Büchersammlungen angelegt, namentlich von Richard Aungervyle, Petrarca, Boccaccio u.A. Nach Erfindung der Buchdruckerkunst konnte dies leichter und mit mindern Kosten geschehen. Nico- laus V. gründete die Vaticanbibliothek, der Cardinal Bessarion vermachte seine treffliche Bibliothek der Marcuskirche zu Venedig. Man lese Petit-Radel'S interessante „Ikevllervlieü 8ur Ie8 I»il»1iotliegu«8 anvienno8 et mculerne« ju8gu' ä 1a konüation ographie.) K. ! Biblisches Christenthum nennt man diejenige Auffassung der christ- ! liehen Religion, die sich allein an den religiösen Inhalt der heil. Schrift bindet, und I von Lehren, die darin nicht begründet sind, nichts wissen will. Bibelchristen oder Bib listen sind daher solche Christen, die ihre» Glauben allein auf die Bibel t gründen. Unter den Protestanten, die von demselben Grundsätze ausgehen, können sie keine Spaltungen veranlassen, wohl aber in der kathol. Kirche, deren Lehren keineswegs durchgängig durch die Bibel bestätigt werden, ja oft mit dem Geiste der Bibel im Widerspruch stehen. Die Thätigkeit der Bibelgesellschaften kann viel zur Vermehrung dieser Classe von Christen beitragen; doch ist zu wünschen, daß dem Verständniß der Bibel überall durch einsichtsvolle und christlich gesinnte Lehrer nachgeholfen werde. 31. Bicötre, in der Nahe von Paris, Schloß und Dorf, dessen Lage auf einem 877 Bidassoa Bielshöhle Hügel eine der schönsten Aussichten auf Paris, den Lauf der Seine und die Umgegend gewährt. Das Schloß erbaute Ludwig XlH. zu einem Aufenthalt für die Invaliden. Als Ludwig XlV. später das große Jnvalidenhaus (Uötel ro^sl äe» Invalide«) erbauen ließ, erhielt B. die Bestimmung eines großen Hospitals, wozu es sich durch seine gesunde Lage vorzüglich eignet. Nur Wasser fehlte in der Nähe. Um sich dasselbe zu verschaffen, wurde 1733 in dem Felsen ein Brunnen angelegt. B. hat außerdem noch eine Art von Zuchthaus (insison cke koroe) für Libertins, Betrüger, Spitzbuben u. dgl. Seit der Revolution ist hier auch das Depot der zu den Galeeren verdammten Verbrecher, die von hier nach den Kriegshäfen transportirt werden. In dem Gefängniß und Arbeitshause von B.sind Glasschleifereien und andre Werkstätten angelegt, in welchen die Gefangenen aus eine für sie nützliche Weise beschäftigt werden. 2200 Betten sind in demHospitale zur Aufnahme kranker alter Männer bestimmt. Es wird Niemand unter 70 I. aufgenommen. Diese alten Männer, die mit der größten Aufmerksamkeit verpflegt werden, verfertigen niedliche kleine Arbeiten aus Holz und Knochen, welche unter dem Namen Bicetre-Arbeiten in Frankreich bekannt sind. Noch ist seit der Revolution ein großes Gebäude für unheilbare Wahnsinnige angelegt. Bidassoa, Grenzfluß Spaniens und Frankreichs, entspringt auf spanischem Boden, wird von Vera an Grenzfluß und ist von Biriatou an mittelst der Flut schiffbar, bildet die Fasanen- oder Conserenzinsel, wo 1659 der pyrenäische Friede geschlossen wurde, und fällt zwischen Andaye und Fuentarabia ins Meer. Auf der spanischen Seite des Flusses befindet sich auf dessen Thalrand eine vortheilhafte Stellung bei St.-Marcial, welche die große Straße von Bayonne deckt. Hier schlugen am 31. Aug. 1813 8000 Spanier noch einmal so viel Franzosen, welche diese Position, um St.-Sebastian zu entsetzen, forciren wollten, zurück. 32. Bidpai, Fabeldichter, soll 400 Jahre v. Chr. gelebt und aufBefehl des Königs Dabschlim in indischer Sprache die unter dem Titel „Kalila und Dimnah" bekannte Sammlung höchst anziehender und artiger Erzählungen und Apologien geschrieben haben, welche in älterer und neuerer Zeit allgemeinen Beifall gefunden hat und in alle Sprachen des Morgen- und Abendlandes übersetzt worden ist. Daß aber das ganze Dasein dieses Schriftstellers auf einem Mißverständnisse beruhe, daß der Name Bidpai bloß aus dem Sanskrit-Worte öitopsde«» (nützlicher Unterricht) entstanden ist, welchen Titcldas Buch in der sanskrit. Ausgabe (Serampore 1804, 4., London, besorgt von Wilkins, 1808,4.; einzelne Theile derselben gab Pros. Bernstein 1823 in Breslau heraus) führt, hat Beigel in Jdeler'S Werk über die Sternnamen, S. 369, scharfsinnig bemerkt. Von der arabischen Übersetzung hat Silo. de Sacy eine schöne Ausgabe mit stanz. Übersetzung geliefert (Paris 1816, 2 Bde.); mach einer frühern stanz. Übersetzung ist die deutsche: „Abuschalem und sein Hofphilosoph, oder die Weisheit Indiens" (Leipzig 1778), gearbeitet, und das Sanskritoriginal hat WilkinS (London 1787) ins Englische übersetzt. Bielshöhle, auch Mchlloch genannt, eine Schwester derBaumanns- höhle (s. d.), welche sie aber an Sehenswürdigkeiten übertrifft. Sie liegt, wie jene, beim Dorfe und Hüttenwerk Rübeland im Fürstenthume Blankenburg, 2 Stunden von Blankenburg und 1 Stunde von Elbingerode am rechten Ufer der Bode in dem Berge, welcher Bielstein heißt. Sie hat 11 Abtheilungen, welche 6464 braunschw. Fuß (den Fuß zu 12 Zoll gerechnet) in der Länge betragen. Der Eingang liegt 101 Fuß über die Sohle des Thals erhoben. Über und neben der Decke der 4., 5. und 6. Höhlenabtheilung streicht noch eine Höhle weg und bildet gleichsam eine obere Etage des Höhlcngebäudes, die von der 7. am bequemsten bestiegen werden kann. Unter den vielen Figuren, welche der Tropfstein und Stalaktit gebildet hat, sind das Orgelwerk in der 8. und das wellenförmige Meer in der 9. Höhle die bemerkenswerthesten. Die Bielshöhle wurde 1762 entdeckt, aber 878 Biene» Wtenenrecht erst 1788 durch einen gewissen Becker zum bequemen Besuchen eingerichtet, welcher dafür von der Kammer in Blankenburg das Privilegium erhielt, sie allein zeigen zu dürfen. Auf dem Bielstein wurde ehemals der Götze Viel verehrt. Sobald man den Rasen abstößt, kommt das Mauerwerk hervor, welches die Ebene des Standorts des Götzen befestigt hat. Hinter ihm findet man noch die Grundmauern von der ehemaligen Priesterwohnung. Bienen. Diese durch Kunsttcieb, Ordnungsliebe und Fleiß so merkwürdigen Insekten sind von den Menschen früh unter die Hausthiere versetzt worden. In Polen, Rußland und in vielen andern Ländern trifft man sie auch noch wild. Die wilden Bienen, die in Baumhöhlen Hausen, sind rauher, dicker und schwärzer als die zahmen. Der Haushalt der Bienen ist bewunderungswürdig; indeß sind die Beobachtungen über viele Eigenthümlichkeiten derselben noch sehr widersprechend. Die Bienen leben in zahlreicher Gesellschaft zusammen, die man Schwärm nennt und aus ungefähr 20,000 Arbeitsbienen oder Geschlechtslosen, aus 1600 Drohnen oder männlichen Bienen und einem Weibchen, welches man Königin oder Weisel nennt, besteht. Die Arbeitsbienen sind die kleinsten; sie bilden den Staat, bauen regelmäßig genau die Zellen, sammeln Wachs und Honig und nähren die Brüt. Die Zellen sind aus Wachs verfertigt und dienen theils zur Aufbewahrung des Honigs, theils zur Zeitigung der Brüt. In einem Stocke befinden sich gewöhnlich 50,000 Zellen. Den Stoff zum Honig holen die Bienen aus dem Nektar der Blumen zusammen. Den Honigstoff verschlucken sie, bereiten ihn im Magen zum wirklichen Honig und geben ihn dann in den Zellen von sich. Den Wachsstoff holen sie ebenfalls als Blüthenstaub aus den Blumen und bringen ihn nach Haufe, indem sie denselben an ihre ausgehöhlten Hinterbeine kleben. Zu Hause wird der Staub angefeuchtet, durchknetet und zu Wachs verarbeitet. Die Drohnen sind größer als die Arbeitsbienen, haben aber keinen Stachel; ihre Bestimmung scheint nur die Befruchtung der Königin zu sein. Kurz darauf sterben sie, oder werden, wie Einige behaupten, von den Werkbienen umgebracht. Die Königin ist die Seele des Schwarms; neben ihr wird keine zweite geduldet; entstehen bei einer Bmt mehre, so bilden sie entweder mit ihrem Anhange neue Schwärme und wandern aus, oder werden umgebracht. Regelmäßig entwickelt sich alle Jahre ein neuer Schwärm, trennen sich aber 2 oder gar 3, so ist dies von keinem Vortheile, weil die Schwärme dann zu schwach werden. Die Königin ist größer als die übrigen Bienen, doch nicht so groß als die Drohnen; ihre Bestimmung ist, das Geschlecht fortzupflanzen. Sie legt in jede Zelle ein Ei, welches dann, wenn es sich entwickelt, von den Arbeitsbienen gepflegt wird. Alle Bienen zeiqen große Zuneigung gegen sie, und der ganze Schwärm zerstreut sich oder stirbt, wenn sie durch einen Zufall umkommt. Doch wollen einige Naturforscher beobachtet haben, daß sie sich zuweilen eine neue Königin verschaffen; sie erweitern nämlich eine gewöhnliche Zelle, pflegen die darin befindliche Brüt mit Sorgfalt, und so entwickelt sich daraus eine neue Herrscherin. S. Bonnet'S „Betrachtungen über die Natur", Struve'S „Prakt. Anleitung zur Bienenzucht", Lehnke's „Bienenzucht" und Un- hoch's „Anleitung zur Kenntniß und Behandlung der Bienen", 3 Thle. (Wien 1824). — Bekannt ist das kleine, treffliche italienische Gedicht von dem Florentiner Giov. Rucellai (starb 1526 zu Rom): „Die Bienen".' Es erschien zuerst 1539. Bienen reicht, der Inbegriff der zum Besten der Bienenzucht erlassenen landesherrlichen und obrigkeitlichen Gesetze und das darin gegründete Recht. Die Bienen werden nach dem römischen Recht zu den wilden Thieren, nach dem alten Sachsenrechte zu den Gewürmen, und nach verschiedenen Provinzialgesctzen zu dem gezähmten Viehe gezählt, oder dem Geflügel angereiht. Auf seinem Eigenthum ist Jeder Bienen zu halten befugt, insofern den Nachbarn dadurch kein wesentlicher Schaden zugefügt wird/ oder von Andern ein Verbietungsrecht gezeigt werden Mk kann. Auf fre ^em Grund und Boden ist aber zur Anlegung eines Bienenstandes die Einwilligung des Grundeigenthümers erfoderlich, und der Ertheilung derselben können weder die Hutungsberechtigten noch andre Jmmeker oder Bienen- vater, welche in der Gegend bereits Bienenstellen haben, widersprechen, wenn die letztem kein besonderes Verbietungsrecht erweisen können, daß durch die zu nahe Anlage des neuen Bienenstandes ihren ältern Stellen Schaden und Nachtheil zugefügt wird. Wider die Aufnahme fremder Bienen hat in der Regel kein Widerspruch statt, weil es dem Besitzer einer Bienenstelle freistehen muß, sein Eigenthum selbst oder durch Verpachtung zu benutzen. Die Abgaben, Zehnten rc., welche von den Bienen entrichtet werden, beruhen auf Herkommen und auf besondern Gesetzen, nach welchen man auch sowol die Strafe des Bienendiebstahls überhaupt als die verschiedenen künstlichen Arten desselben zu beurtheilen hat. Wer sogenannte Heer- oder Raubbienen mit Gift oder auf andre Weise tobtet, muß zwar den Eigenthümer derselben entschädigen, aber er begeht dadurch kein kriminelles Verbrechen. Gegen den Herrn der Raubbienen kann übrigens der Eigenthümer der beraubten Bienen auf Schadenersatz nicht klagen, weil nach den Erfahrungen und Beobachtungen verständiger Bienenkenner der Letztere gewöhnlich selbst Schuld an der Beraubung seiner Bienen ist. Allein auf die zahmen jungen Bienenschwärme hat der Eigenthümer des Mutterstocks ein ausschließendes Recht, und er kann sie auch auf fremdem Grund und Boden, gegen Ersatz der dadurch verursachten Beschädigungen , verfolgen und daselbst einsangen. Hat jedoch der Eigenthümer des Mutterstocks die Verfolgung des jungen Schwarmes aufgegeben oder aufgeben müssen, weil er gänzlich aus den Augen verschwunden ist, so kann der Eigenthümer des Grundes und Bodens, auf welchem der Schwärm sich gesetzt hat, denselben einsangen oder dessen unentgeltliche Herausgabe fodern, wenn ihn ein Dritter, ohne des Eigenthümers Vorwissen oder wider dessen Willen, eingefangen hat. Wer hingegen seines Nachbars Bienen verbrennt, weil sie um seinen Stock schwärmen, ist zum Schadenersatz verpflichtet. Der Waldbienenstock endlich gehört zu Waldnutzungen, mithin kann nur der Waldeigenthümer darauf rechtlichen Anspruch machen. X. Bier. Schon seit länger als 2000 I. kennt man den Gebrauch desselben. Der griech. Dichter und Satyriker Archilochus, der ungefähr 700 I., und die griech. Tragödienschreiber Äschylus und Sophokles, welche länger als 40s) J.v. Chr. lebten, nennen es Gerstenwein. Diodor von Sicilien, welcher zu den Zeitendes Julius Cäsar, um 50 v. Chr. lebte, gedenkt im 20. Cap. des 1. Buchs s. „Geschichte" ebenfalls des Biers. So redet auch Plinius, ungefähr in der Mitte des 1. Jahrh, nach Chr., an mehren Orten s. „Naturgeschichte" von diesem Getränke. Er sagt, daß dasselbe auf verschiedene Weise zubereitet würde, ja daß es eine Art desselben gäbe, welche noch geschickter als der Wein selbst wäre, die Menschen trunken zu machen. Er gibt uns ferner die Nachricht, daß dieses Getränk in Spanien oelia und oeria, in Gallien und in andern Provinzen des römischen Reichs aber vsrevi- «ia genannt worden, besonders bei den alten Deutschen in Gebrauch gewesen und bei diesen ebenfalls verevisi» (von Ceres, die Göttin des Getreides, und von vis, die Macht) geheißen worden sei. Übrigens haben, sagt man, die Ägypter, als die ersten Beförderer des Ackerbaues, auch das Bier zuerst erfunden und dergleichen in der spätern Zeit zu Pelusium verfertigt, welches den Namen dieser Stadt geführt haben und sehr berühmt gewesen sein soll. Später war das Bier in Ägypten ganz unbekannt. Es bleibt jedoch unerörtert, ob und inwiefern das Bier der Älten mit dem unseligen, besonders mit dem starken Hopfenbiere, eine Vergleichung aushalten dürfte. Das deutsche Wort Bier kann am natürlichsten von dibere (trinken) abgeleitet werden. — Was die Zuträglichkeit seines Genusses betrifft, so muß man die leichten und die starken Bierarten unterscheiden. Die leichten schäumenden 880 I Biester Biere sind nur im Frühlinge, und bald nachdem sie gebraut worden, gut und sowol Gesunden als Kranken heilsam. Gut bereitet, gehörig mit Hopfen gebraut, klar, von goldgelber Farbe und leicht schäumend, sind sie fast für Jedermann ein überaus gesundes, dem Magen zuträgliches, Durst stillendes Getränk. Man empfiehlt sie in Niercnkrankheiten; auch scheinen sie der Steinkrankheit entgegenzuwirken; denn dieses Übel ist in den Ländern, wo Bier getrunken wird, viel weniger verbreitet als in den Weinländern. Die leichten Biere mit wenigem Hopfen sind ebenfalls Denen zu empfehlen, die zur Schwindsucht Anlage haben, und besonders Denen, die von trockenem und gallichtem, oder sanguinischem und reizbarem Temperament sind; sie stillen den entzündlichen Zustand, wenn die Krankheit einen gewissen Grad erreicht hat, oder beugen ihr im Entstehen vor. Zu den starken oder schweren Bieren gehören mehre Braun- und diesen ähnliche Weißbiere, zu welchen die Bestandtheile in starken Massen genommen werden; dann aber die geistigen Biere, die eine vollständigere Gährung und Kochung durchgegangen sind und sich länger halten. Die erste Abtheilung enthält die schädlichsten Weiß- und Braunbiersorten, welche trübe, aus schlecht bereitetem Malze verfertigt, schlecht gebraut sind, oder nicht hinlänglich gegohren haben. Sie verursachen, zumal jung, Koliken, Blähungen, Harnzwang u. dgl. Doch verlieren sie diese schädlichen Eigenschaften, wenn sie einige Zeit auf dem Fasse gelegen und die Hefen abgestoßen haben. Ein andrer Nachtheil dieser Biere, den sie selbst für Diejenigen haben, die sie gut verdauen, besteht darin, daß sie die Werkzeuge des Unterleibes erschlaffen, die Eingeweide verschleimen oder eine übermäßige Entwickelung der zellichten Fetthaut bewirken. In die zweite Abtheilung gehören die starken geistigen Biere, in welchen die Stoffe gut verbunden sind, und welche lange genug gekocht und gegohren haben. Sie haben nicht jene nachtheiligen Folgen und sind ebenso berauschend und noch nahrhafter als der Wein, den sie sehr gut ersetzen. Dahin gehört vorzüglich der englische Porter, dessen berauschende Kraft übrigens, wenn er, wie in England gewöhnlich, vom Fasse getrunken wird, nur gering ist, und der auch in mehren Krankheiten mit Nutzen angewendet wird. In Ägypten führte die franz. Expedition die Bierbrauerei ein, und nach neuern Nachrichten geht dort noch jetzt die Bierbrauerei fort. Biester (Johann Erich), erster Bibliothekar an der königl. Bibliothek zu Berlin , g»b. den 17. Nov. 1749 zu Lübeck, wo sein Vater ein wohlhabender Seiden- händler war, zeigte früh Neigung für Sprachen. Nachdem er auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, unter Overbeck's Leitung, einen guten Grund gelegt, studirte er in Göttingen die Rechte. Allein seine Lieblingsfächcr blieben Literaturgeschichte, Sprachen, Kritik, Geschichte. In seiner Vaterstadt begann er die juristische Praxis und arbeitete nebenbei an der „Rostockschen gelehrten Zeitung", nachher an der „Allgemeinen deutschen Bibliothek". 1773 ging er nach Bützow als Privatdocent an der Hochschule, lehrte Sprachen, Geschichte und sogenannte schöne Wissenschaften und ward 1774 Dr. der Rechte. 1775 legte er sein Amt nieder, machte eine Reise nach Berlin, hielt sich dann in Mecklenburg und Lüheck auf und wurde 1777 zu Berlin Privatsecretair bei dem die Künste u. Wissenschaften eifrig befördernden Minister v. Zedlitz. Als Haus- u. Tischgenosse dieses edeln Mäcen kam er mit den ausgezeichnetsten Männern Berlins u. des Auslandes in Berührung. Am innigsten verband er sich mit Gedike. Sie unternahmen 1785 gemeinschaftlich die „Berlinische Monatsschrift", welche vornehmlich durch B.'s Thätigkeit u. Verbindungen eine der gehaltvollsten Zeitschriften wurde, welche damals erschienen, und die er von 1791 an allein fortsetzte. Auch übersetzte er „Anacharsts's Reisen" mit befand. Anmerk. 1784 ward er von Friedrich II. zum Bibliothekar an der königl. Bibliothek ernannt. In diesem Amte erwarb er sich bedeutende Verdienste. Er ordnete die Bibliothek, öffnete sie dem allgemeinen Gebrauche und sah sie auf seine Vorschläge vielfach bereichert. Der Bievre Bignon 881 jetzige König, der sie mit der Akademie verband, ernannte B. 1798 zum Mitglieds dieser Anstalt. Er starb 1816. Biövre (Marquis v.), Marschall, geb. 1747, diente unter dem Corps der Musketiere, einer adeligen Leibgarde der Könige von Frankreich, und erwarb sich einen Namen durch seine witzigen Antworten und Ealembourgs. Nachdem er verschiedene Unterhaltungsschriften herausgegeben hatte, brachte er 1783 „1-s «eäueteur", ein Lustsp. in Versen, auf die Bühne, welches sich auf dem Rcper- torium erhalten hat, wiewol das Stück in Plan und Ausführung schlecht ist. Ein andres Lustsp. von ihm: „Les re'pntation»", ist nach der ersten Aufführung verschwunden. Als er Ludwig XV. vorgestellt ward, äußerte dieser den Wunsch, einen Calembourg von ihm zu hören, „vomier-rnoi mi «ujet, 8ire", sagte ^ B. — „Ksites-en un 8nr inoi". — „8ire, le roi n'e8t PS8 un 8uj e t", war die witzige Antwort B.'s. 1789 war er nach Spaa zur Wiederherstellung seiner Gesundheit gegangen und starb daselbst. „!He8 runis", sagte er sterbend, „je m'en vaio äe ee p»8" (äs 8p-r). Man hat mehre Schriften von ihm, u. a. einen „^Imsnso äe8 ealeinbourA8". Auch gibt es eine Sammlung seiner Witzspiele: „kievrians". Bigamie, die in den Gesetzen verbotene Ehe mit zwei Personen zu gleicher > Zeit (big. 8imnltane»). Vormals bestrafte man sie in christlichen Landern mit dem Tode, jetzt mit den Strafen des Ehebruchs; in Frankreich mit Pranger und Galeeren. Bignon (Louis Edouard), geb. 1771 zu Meilleraye, im Depart. der Nie- derseine, studirte zu Paris im College Lisieux und bekannte sich schon 1789 zu den Grundsätzen der Constitution, wurde aber 1793 geächtet, weil er ein Feind aller gewaltsamen Maßregeln war. Er ging daher zur Armee. 1797 trat er in das diplomatische Fach. In Berlin, wo ihm die königliche Familie viel Huld erwies, befand er sich 1801 fg. als Legationssecretair, und 1802 und 1803 als Geschäftsträger. Von 1803—6 war er bevollmächtigter Minister am kasseler Hofe, wo er noch am Tage vor der Schlacht bei Jena dem Kurfürsten einen Neutralitäts- (oder Allianz- ?) Vertrag mit Frankreich vorschlug, den aber der Kurfürst ablehnte. I Nach dem Einrücken der franz. Truppen in Berlin wurde er zum kaiserl. Commissair bei den preuß. Behörden ernannt. Hierauf leitete er die allgemeine Verwaltung der Domainen und Finanzen in den besetzten Ländern bis zu Ende 1808. Er versichert, bei diesem harten Geschäft so viel Milde als möglich gezeigt und mehre Beweise des Dankes noch in der Folge erhalten zu haben. 1809 war er bevollmächtigter Minister bei dem Großherzog von Baden, als ihn ein kaiserl. Decret aus Schönbrunn zum Generaladministrator in Östreich ernannte. Dann erhielt er eine schwierige Sendung mit geheimen Aufträgen nach Warschau, wo er fast 3 Jahre blieb. Bei der Eröffnung des Feldzuges 1812 trat Herr de Pradt an seine Stelle; er wurde zum kaiserlichen Commissair bei der provisorischen Regierung in Wilna ernannt. Nach dem Rückzüge aus Moskau aber löste er den Herrn de Pradt in dem Gesandtschaftsposten zu Warschau wieder ab. Hier gelang es ihm und dem Fürsten Poniatowski, den Rückzug des östreich. Bundesheeres unter dem Fürsten Schwarzenberg, dann unter dem General Frimont, 4 Monate lang hinzuhalten, so- daß sich das zerstreute polnische Heer, etwa 7000 Mann, unter Poniatowski in Krakau wieder sammeln und im Mai, bis auf 20,000 Mann verstärkt, durch Östreich nach Sachsen gehen konnte. B. begab sich jetzt in das franz. Hauptquartier nach Dresden und blieb daselbst mit den übrigen Mitgliedern des diplomatischen Corps auch während der Belagerung bis zur Capitulation. Da er mehren fremden Ministern von den Rheinbundsstaaten Pässe verschafft hatte, ließ ihn der Fürst Schwarzenberg durch einen Adjutanten bis Strasburg zu den franz. Vorposten geleiten. Er zuerst meldete bei seiner Ankunft in Paris, den 7. Dec. 1813, Conv.-Lex. Siebente Arifl. Bd. 1. st 56 882 Bigott Bild dem Kaiser Murat's Abfall. Seitdem lebte er auf dem Lande. Nach der ersten Zurückkunft der Bourbons schrieb er sein „Lxpose oomparatik lle Irr Situation lle la Lrsnee et celle lies prineiprrles puissrrnoes lle I'Lurope", in welchem er große Einsichten, sich aber auch als echten Franzosen aus der Napoleon'schen Schule zeigte. Wahrend der hundert Tage ernannte ihn, zugleich mit Otto, Napoleon zum Unterstaatssecrctair im Ministerium der auswärt. Angelegenheiten, und 1820 wählten ihn mehre Depart. zum Deputirtcn. Er sprach gegen die Ausnahmegesetze und für'die Zurückberufung der Verbannten, wobei er die Minister an gewisse geheime Umstände warnend erinnerte, über die er sich aber nicht näher erklären mochte. Auch sprach B. für das Wahlgesetz. 1820 schrieb er „Des proserip- tions", worin er den Kampf der Freiheit mit jeder Art von Tyrannei schildert. Viel Aufsehen machten seine neuesten Schriften über publicistische Streitsachen, z. B. „6oup ll'oeil seil los llsniele.s lles oours lle Laviere et (le Lalle" (1818), besonders seine Schrift 1821: „Du eon^res lle Iroppau", seine „Lettre sur les llillerenlls lle la inaison ll'^nlialt avee la krusse", und seine Schrift: „Les eabinets et les peuples" (3. Aufl., Paris 1824). Blgottist Derjenige, der die Äußerlichkeiten der Religion oder des Gottesdienstes für das Wesen derselben hält und daran mit übermäßiger Strenge hängt, daher auch zogen Andersdenkende gewöhnlich unduldsam ist. — Bigotterie ist die ängstliche und übertriebene Beobachtung äußerer Rcligionshandlungen. Sie ist die Folge einseitiger Ausbildung des Geistes oder auch gedankenloser Angewöhnung. Bilanz, bei den Kaufleuten die monatliche oder jährliche Schlußrechnung über Einnahme und Ausgabe, um Gewinn und Verlust, Federungen und Schulden gegen einander zu halten und die Hauptsummen einander gleich zu machen, indem man Das, was der einen Hauptsumme fehlt, unter dem Ausdrucke pro 8alllo, d. h. zum Abschluß, hinzurechnet. Das Buch, worin diese Schlußrechnung oder der Abschluß geführt wird, heißt Bilanzbuch. Bilbao, spanische Provinz in Biscaya. Die Hauptstadt gl. N., mit 15,000 Einw., liegt (14° 57" 45"" L., 43° 16" 30"" Br.) eine deutsche Meile von der See, am schiffbaren Pbaichalval, über den 2 Brücken führen, von welchen die eine von Holz erbaute einen einzigen Bogen hat, unter welchem die größten dort gewöhnlichen Flußfahrzeuge wegfahren. Die 1300 von Don Diego Lopez de Haro gegründete Stadt ist gut gebaut, hat 5 Pfarrkirchen, 10 Klöster, eine Schifffahrtsschule, einen schönen Damm, eine Wasserleitung, ein Arsenal, Gerbereien, eine Segeltuchmanufactur, Tauspinnereien, eine Ankerschmiede, 4 Kupferhämmer u. s. w. Sie hat keinen eigentlichen Hafen; kleine Fahrzeuge kommen den Strom herauf bis an die Kaien, die großen legen in Olaviaja an. Im Durchschnitte kommen 5 — 600 größere und kleinere Schiffe jährlich an. Hauptgegenstand der Ausfuhr ist spanische Wolle, deren Menge sich in manchen Jahren auf 100,000 — 120,000 Ctnr. beläuft. Mit den über Bilbao eingeführten fremden Fabrik- artikeln wird ganz Nordspanien versorgt; das nördliche Europa von hier aus mit Kastanien, Öl und Wein. Unter den 200 Handelshäusern in Bilbao gibt es deutsche, böhmische und irländische. Bild ist die sinnliche Vorstellung oder Bezeichnung einer Sache. Physiologisch betrachtet, ist Bild verkleinerte Darstellung der dem Auge vorschwebenden Gestalten, Farben, Bewegungen und andrer sichtbaren Eigenschaften und Verhältnisse der Körper, vermittelst des Lichts und seiner Strahlen, auf dem Hintern Grunde der Netzhaut, welche lichtere nichts Andres als der verbreitete Sehnerv ist. Hierin nämlich besteht das Äuß cre oder Physiologische des Sehens. Die Einbil- dungskraft (s. d.) aber ist eK, welche jenes Bild durch die Organe des Sinnes überkommt und den körperlichen Stoff in einen geistigen verwandelt. Sie ist es 883 Bild aber auch, welche sich von dem Gegebenen frei macht und psychologische Bilder nie gesehener Gegenstände erzeugt. Ästhetisch und artistisch genommen, ist Bild die sichtbare Darstellung oder Vorstellung eines körperlichen oder verkörperten Gegenstandes, welcher seinem Urbilds in allen seinen Theilen nach seinen sichtbaren Äußerungen mit treuester Angcmefsenheit nachgeahmt ist. Diese Darstel- ? lung wird durch verschiedene räumliche, an Stoffen angewandte Mittel bcwerk- ! stelligt, entweder für das Gesicht allein, oder für das Gesicht und physische Gefühl zugleich. (S. Bildhauerkunst.) Man kann daher eine Zeichnung, einen Kupferstich, ein Gemälde, eine Statue, oder jedes andre Bildwerk aus Thon, Holz, Metall und Stein ein Bild nennen, obschon man häufig vorzugsweise die Gemälde so nennt. Nun nimmt aber der Künstler das Urbild seiner Darstellung entweder aus der Wirklichkeit oder aus der Einbildungskraft, und in beiden Fällen ! ist sein Verfahren, wie seine Wirkung, verschieden. Wo er das Urbild in der Wirklichkeit vor sich hat, da wird nur eine mittelbar hervorbringende (reproduktive) Einbildungskraft bei ihm in Thätigkeit gesetzt; ein solches Weck wird nämlich eine bloße Abbildung, an die man nur die Federungen der Wirklichkeit zu machen hat, z. B. Portrait. Wo hingegen das Urbild bloß in der Seele des darstellenden Künst- I lers ist, da ist die eigentliche produktive (unmittelbar hervorbringende) Einbildungskraft in Thätigkeit, und hier stellt sich also das Ästhetische von selbst ein, weil der Stoff dadurch, daß die produktive Einbildungskraft denselben erst völlig bilden, ihn dann um- und ausbilden und mit dem lebendigen Gepräge des Menschlichen ausprägen muß, Bedeutsamkeit erhält und dann, weit entfernt, ein bloßer roher Stoff zu scheinen, vielmehr als einen vollendeten Gegenstand, als ein in sich abgeschlossenes Ganzes sich darstellt. Diesemnach scheint es, als ob man vorzugsweise nur die sichtbare Darstellung eines körperlichen Gegenstandes ein Bild nennen könne, insofern sich nämlich in dieser Darstellung die produktive Einbildungskraft zu erkennen gibt, da hingegen die reproduktive Einbildungskraft kein Bild, sondern eigentlich nur eine Abbildung liefert. Jedes Bild muß nokhwendigerwelfe mehr oder weniger Abbildungen enthalten, nicht aber jede Abbildung ist ein Bild. Das Bild nämlich muß zweierlei Eigenschaften insichfassen, eine artistische und eine ästhetische. Durch die artistischen Eigenschaften müssen die Wirklichkeitsfodcrun- gen, durch die ästhetischen hingegen der Schönheitssinn befriedigt werden. Jenes geschieht durch genaue Beobachtung des physischen und physiologischen Bildes; dieses hängt von den Gesetzen der Einbildungskraft selbst ab. Der reproduktive , Künstler hat Alles gethan, was ihm oblag, wenn seine Darstellung anschaulich, I rein objectiv, also dem in der sichtbaren Natur vorhandenen Urbilde getreu und in k ihren Verhältnissen richtig ist. Der produktive Künstler hingegen hat zwar alle diese k Pflichten ebenfalls auf sich, weil ohne dies seine Darstellung ein Unding sein würde; I allein er soll uns noch über dieses Alles eine Gesammtanschauung verschaffen, durch I welche allein seine Darstellung als ein in sich abgeschlossenes Ganzes erscheinen kann, ! welches in dieser Ganzheit dem Sinne faßlich und angenehm ist und das Gemüth durch Bedeutsamkeit ergötzt. Endlich gibt es auch ein Bild, welches durch Worte hervorgebracht werden kann. Insofern nun Worte das äußere Werkzeug der Poesie sind, so kann man ein solches Bild ein poetisches nennen. Zum Wesen der Poesie gehört es, Bilder und in Bildern darzustellen. Was man aber hier Bild nennt, hat nur uneigentlich diesen Namen. Bild wird nämlich hier metaphorisch gebraucht als bloße Vorstellung, welche mittelst der Einbildungskraft auf eine Anschauung bezogen wird, sodaß diese den Schein des Seins erhält, welcher dem Bilde, sowie das Sein selbst der Anschauung zukommt; Bezeichnung eines (sinnlichen oder übersinnlichen) Gegenstandes durch einen andern. Übrigens ist die Sphäre des Bildes von Vielen noch mehr erweitert, nicht bloß in der Poesie, sondern auch in allen Künsten. Denn außer der Mimik, welche Einige der Plastik 56 * 'Ws--- 884 Bildende Künste Bilderdyk beigesellen, zeigt sich wirklich, daß es Bilder in der Tanzkunst (Tanzbilder, Touren), in der Tonkunst (Tonbilder), sowie in der Rede (Redebilder, Wortbilder) gebe. In allen diesen Künsten pflegt man jedoch Dasjenige, was wir hier Bild genannt haben, auch Figur (s. d.) zu nennen. (Vgl. Musikalische Malerei.) Bildende Künste heißen alle Künste, welche durch äußere räumliche Formen überhaupt, und zwar zunächst ruhende, darstellen; zu ihnen gehört daher Plastik oder Bildnerei, Malerei nebst Zeichnenkunst, Kupferstecherkunst und den ähnlichen Künsten, welche Sichtbares in Flächenanschauung darstellen, ferner auch Baukunst. Im engern Sinne heißen aber bildende Künste nur die, welche durch » körperliche ruhende Gestalten darstellen, besonders Statuenkunst und Basrelief. Bilderbrot bezeichnet mehre Arten Backwerk, durch welche man gewisse Figuren gleichsam im Bilde darstellen wollte, wie durch die Stolle ein Wickelkind u. s. w., ferner Prezeln, Martinshörner, Butterzöpfe, Pfann-, Waffelkuchen u. a. Die Christstollen, Butterzöpfe, Striezel waren ein beiden Saturnalien (s. d.) übliches Backwerk, welches die tändelnde Frömmelei nach und nach in die Gestalt eines Wickelkindes, unstreitig dem jungen Kinde zu Ehren, zu dessen Geburtsseier das Weihnachtsfest bestimmt ist, umwandelte. Auch die Martinshörner sind heidnischen Ursprungs, unstreitig so genannt von den alten Opfer- und Trinkhör- nern, zur Ehre des Bischofs Martin (s. Martin der Heilige), zu dessen Andenken man sie am Ende des 4. Jahrh, in Frankreich zu backen angefangen haben soll. Die Prezeln halten Einige für eine Nachbildung der Zauberbänder, welche die deutschen Frauen, als ste noch Heiden waren, um Arme und Schienbeine trugen, und welche dieseFiguru. diesen Namen gehabt haben sollen. Andre leiten ihren Namen von dem lat. kreoiunvulae (Gebetchen) her, welche die Geistlichen zur Fastenzeit den Kindern zum Auswendiglernen aufgaben, und diejenigen Kinder, welche gut gelernt A hatten, mit einem Backwerk, welches den Namen kreeiunvula führte, der denn j bald in Prezel umgewandelt ward, beschenkten. In Thüringen und Meißen bäckt man sogenannte Hornaffen, welche man vermuthlich auch im Hornung oder in dem Monate, in welchem das Opferhorn von den alten Deutschen am meisten gebraucht wurde, buk. 11. Bilderdyk, Willem (Wilhelm), geb. zu Amsterdam 1750, lebtzuLey- den und gilt jetzt für einen der größten Juristen Hollands, für einen Gelehrten im ganzen Umfange des Worts und, nach dem Urtheile der holländ. Kritiker, für einen der größten Dichter unserer Zeit. Er studirte in Leyden, besonders unter Ruhnken und Valkenaer, das classische Alterthum. 1776 erhielt er von der leydner gelehrten Gesellschaft, deren Urtheile stets für vollwichtig gehalten worden sind, den ersten Preis der Poesie über die Aufgabe des Einflusses der Dichtkunst auf die Regierungskunst. Im nächsten I. erhielt er von derselben Gesellschaft zwei Preise über die poetische Aufgabe: über die wahre Vaterlandsliebe, welche B. in einem didaktischen Gedicht und in einer Ode besungen hatte. Seitdem wurde er mit Feith und Madame de Launoy für einen der ersten vaterländischen Dichter gehalten. Man fand in seinen Gedichten eine große Reinheit des Styls, eine seltene Eleganz der Diction, mit einem ungewöhnlichen Feuer gepaart, vor Allem aber einen großen Reichthum herrlicher poetischer Bilder. Man glaubte, das Jahrhundert der Von- del, Hooft und Cats sei zurückgekehrt. Diese Zeit ist die der neuem holländischen Dichterschule , in der neben B., Feith und Launoy vor Allen Bellamy, Hel- mers, Tollens, Loots, van Hall, Kinker, Klyn und A. als Sterne erster und zweiter Größe glänzen. B. führte in der holländ. Poesie auch die Jamben und Hexameter ein, jedoch mehr, um sein Talent durch die Überwindung der Schwierigkeiten aller Art zu zeigen, als aus wirklichem Interesse an diesen Formen, die er vielmehr für die holländ. Poesie nicht zulässig erklärt hat. 1780 erhielt er einen neuen Preis über die Verbindung der Poesie und Bcredtsamkeit mit der Philosophie. Bilderstürmer 885 l ! k Er begleitete dieses Gedicht einige Zeit nachher mit einem wichtigen Commcntar, der ihn zugleich als Gelehrten und Philologen kennen lehrte. B. widmete sich nebenher im Haag dem Advocatenberuf mit siegreichem Erfolge. Nach der Besitznahme der Niederlande durch die Franzosen verließ er, als Anhänger des Erbstatt- haltecs, sein Vaterland und begab sich nach Braunschweig, wo er sich mit der deutschen Sprache und Poesie vertraut machte, und nach London, wo er in franz. Sprache sehr besuchte Vorlesungen über Literatur und Poesie hielt. Nachdem die politischen Verhältnisse Hollands wieder einen festen Charakter angenommen, kam er 1799 zurück, und bald erschienen neue Meisterwerke von ihm. Wir erwähnen eines didaktischen Gedichts über die Astronomie und der meisterhaften Nachahmungen (da er die Originale nur als Thema betrachtete) von Delille's „l/konune «le« vbamps" und Pope's „Lssa)- on man". Ludwig Bonaparte ernannte ihn bei seiner Thronbesteigung zu seinem Lehrer in der holländischen Sprache und zu einem der ersten Mitglieder des von ihm errichteten Nationalinstituts. Nach der Einverleibung Hollands in das franz. Reich schwieg B.'s Muse, allein sie erhob sich um so mehr nach der Befreiung seines Vaterlandes. Vielleicht ist in keiner Sprache in jener Zeit ein Gedicht erschienen, das an Feuer, Kraft und Begeisterung seinem „Hoilauäs VerlossinF" gleichkommt, welches er im Verein mit seiner Gattin, die ebenfalls eine glückliche Dichterin ist, herausgab. Als Napoleon von Elba zurückkehrte, ertönten von B. neue Kriegsgesänge, die ebenfalls zu dem Besten in der holländischen Poesie gezählt werden; auch hatB. seine,MenAeIpoö-iz-" (vermischte Gedichte, 2Bdchn., Rotterdam 1823, 2. Aufl.) herausgegeben, die zum Theil Romanzen und Nachahmungen des Ossian enthalten. Noch bemerken wir, daß B. ein erbitterter Feind der deutschen Literatur ist. Bilderstürmer (Jkonoklasten) nannte man diejenige christliche Partei, welche in den Kirchen keine Bilder, noch viel weniger aber die Verehrung derselben dulden wollte. Dieser Streit sing in Griechenland an und verbreitete sich von da durch Europa, war aber besonders im 8. u. 9. Jahrh, sehr heftig. In den ersten 3 Jahrh, nach Chr. wußte man bei den Christen von keinen Gemälden und Bildnissen in den Kirchen. Die erste Veranlassung zum christlichen Bilderdienste gab theils die Gewohnheit, daß man den Kaisern Ehrensaulen mit ihren Bildnissen errichtete, theils auch der Umstand, daß man das Andenken der Bischöfe und der Märtyrer durch ihre Bildnisse zu erhalten suchte. Man stellte diese im 4., besonders aber im 5. Jahrh, nach und nach in den Kirchen auf, ohne ihnen jedoch-einige Verehrung zu erweisen. Allein seit dem 6. Jahrh, sing man an, die Bilder aus Hochachtung zu küssen, Lampen vor ihnen anzuzünden und zu ihrer Verehrung Weihrauch zu verbrennen, auch ihnen Wunder zuzuschreiben. Manche Bischöfe suchten die Christen von dieser Verehrung der Bilder abzuziehen, andre duldeten sie als eine anständige Verzierung der Kirche, dahingegen noch andre sich in ihrer Verehrung der Bilder einer wahrhaften Abgötterei näherten. Der orientalische Kaiser Leo III., welcher dem Aberglauben und der Verehrung der Bilder sehr abgeneigt war, befahl 726 alle Bilder der Heiligen, Christus Bild ausgenommen, aus den Kirchen wegzunehmen und sich der Verehrung derselben ganz zu enthalten. Über diesen Befehl entstanden zuerst auf den Inseln des Archipelagus Unruhen. Da jedoch die Päpste Gregor II. und III. sich des Bilderdienstes annahmen, der Kaiser Leo hingegen nicht, wie sie verlangten, seinen Befehl zurücknahm, und jene ihn deßhalb für keinen wahren Christen erklärten, so singen auch in Italien Leo's Unterthanen an, sich zu empören. Von nun an bildeten sich zwei Parteien in der christlichen Kirche, nämlich die Bilderverehrer und Bilderstürmer, die einander wechselseitig verfolgten und mordeten. Leo's Sohn und Nachfolger, Konstantin, verfuhr jedoch gelinder. Er hielt 754 eine Kirchenversammlung in Konstantinopel, auf welcher sowol der Gebrauch als die Verehrung der Bilder verworfen wurde. Auch Konstan- i 886 Bildgießer Bildhauerkunst (Geschichte der) tins Sohn, Leo IV., welcher 773 zur Regierung kam, folgte denselben Beispielen; allein seine Gemahlin Irene ließ ihn 780 vergiften, und eine Kirchenversammlung zuNicäa in Bithynien, in Kleinasien, bestätigte 786 die Verehrung der Bilder und belegte Diejenigen mit Strafen, welche behaupteten, daß man außer Gott Nichts verehren und anbeten dürfe. Wie sehr nun auch die Griechen und die Italiener dem Bilderdienste gänzlich ergeben waren, so folgten doch die meisten Christen des Occidents (Briten, Deutsche, Franzosen) ihrem Beispiele nicht, sondern behaupteten vielmehr, daß man zwar die Bilder beibehalten und in den Kirchen aufstellen könne, daß sie aber, ohne Gott zu beleidigen, nicht verehrt werden dürfen. Auch Karl d. Gr. schrieb (wahrscheinlich mit Hülfe Alcuin's) gegen den Bilderdienst, und eine Kirchenversammlung, die er 794 zu Frankfurt a. M. halten ließ, sprach für ihn und seine Schrift, trotz der Gegenschrift des Papstes Hadrian. Unter den Griechen ging jedoch der Bilderstreit, nach Irenens Verweisung (802), von neuem an und dauerte fast die Hälfte dieses Jahrh, hindurch. Ihr Nachfolger Nicepho- rus entfernte zwar die Bilder nicht aus den Kirchen, doch durften die Anhänger der Bilder ihre Gegner nicht verfolgen. Endlich stellte die Kaiserin Theodore,, nach einer 840 zu Konstantinopel gehaltenen Kirchenversammlung, bei den Griechen den Bilderdienst wieder her, welche Verfügung durch eine zweite 870 daselbst gehaltene Kirchenversammlung bestätigt wurde. Im occidentalischen Reiche behielt man anfänglich die Bilder bei, bloß um das Andenken der verdienten Männer zu erhalten, dagegen die eigentliche Verehrung derselben verboten war. Dieses verordnete auch eine unter Ludwig dem Frommen 824 gehaltene Kirchenversammlung. Allein nach und nach entfernte man sich von dieser Meinung, und das Urtheil des Papstes, welches für den Bilderdienst sprach, fand endlich auch in der occidentalischen Kirche Eingang. Bildgießer, s. Rothgießerei u. d. folg. Art. Bildhauerkunst (Skulptur), oder die Kunst, Körpergestalten mittelst des Meißels in harten Massen darzustellen,ist eine Tochter der P lastik (s d.); plastisch geformt waren die ältesten Götzenbilder aller Völker. Das schwerere Schneiden der Gestalten aus Holz und Elfenbein und das noch schwerere Aushauen derselben aus Stein und Gießen aus Metall waren die Erfindungen späterer Zeiten. Auch diese Erfindungen wurden durch Religion erweckt; man stellte nur Das vor, was angebetet werden sollte. Im grauesten Alterthume gab es Blöcke und rohe Steine oder Bäthylien, von denen es hieß, sie seien vom Himmel gefallen, was man jetzt Aörolithen oder Meteorsteine nennt. Die Blöcke wurden auch als Grenz- und Marksteine verehrt, und hießen Termen. Vom 9. bis 7. Jahrh. v. Ehr. hatten die Griechen viel Verkehr mit den Phöniziern. Dies Handelsvolk verehrte den Gott Theut, Taaut, der ihnen die Buchstabenschrift gelehrt hatte. Wo sie nun diesen als Grenzstein hinsetzten, sagten sie, es sei ihr Gott, und zwangen die rohen Autochthonen, ihn zu verehren. Solche Pfeiler hießen Hermä, daher wurde der Gott der Wege und der Reisenden bei den Griechen Hermes genannt. Später setzte man auf diese Säulen einen Kopf, dies ist der Ursprung aller Büsten. Man theilt die Werke der Bildhauerkunst ein in runde, d. i. solche, die von allen Seiten betrachtet werden können, es mögen nun ganze Gestalten, Hermen, Brustbilder, Köpfe, Masken, Vasen, Fußgestelle oder andre Geräthschaften sein, und in halbrunde. (S. Relief und Basrelief.) Die ältere Schwester der Bildhauerei in runden Formen ist die Architektur. Von Tempelerbauungen und Verzierungen geht alle Bildhauerkunst aus; daher betrachten wir sie zuerst historisch. Bildhauerkunst (Geschichte der). Man findet in der Bibel sehr alte Spuren der Bildhauerei; Laban, der im 23. Jahrh. v. Chr. lebte, hatte geformte Hausgötter, die im Hebräischen Teraphim heißen. In den uralten indischen Höh- 887 Bildhauerkunst bei den Griechen len- und Grottentempeln findet man Bildhauereien, z. B. in der Pagode von Elephantinebei Bombay eine riesengroße Bildsäule des Brama. Diese Gottheit ist sitzend mit gekreuzten Armen gebildet, vorn mit dem Gesichte und den Formen eines Mannes und von hinten mit Gesicht und Gestalt eines Weibes; auf der rechten Brust ist die Sonne ausgebildet, auf der linken Mond und Sterne; Gewässer, Berge, Thiere und Pflanzen sind dargestellt auf dieser Statue, von welcher die Hindus glaubten, Gott habe sie seinem Sohn als Modell geschenkt bei Erschaffung der Welt. Die Phantasie der Jndier war sehr reich, aber sie neigte sich so zum Symbolischen und Allegorischen hin, daß sie nie zu einem reinen Kunst- styl gelangten. Höchst bedeutungsvoll sind ihre Bildwerke, aber ohne Schönheitssinn geformt, zeigen sie uns gleichsam eine Mosaik von Ideen. Die prachtlieben- den Perser hatten viele Bildwerke, wie die Ruinen von Pcrsepolis beweisen; aber schon, daß sie nie unbekleidete Gestalten bildeten, hinderte sie, einen richtigen Begriff der menschlichen Formen zu gewinnen. In Assyrien blühte die Kunst unter der Königin Semiramis. Man erwähnt bronzene Statuen, welche sie, Belus und Ninus darstellten. In den Gebirgen von Kurdistan fand man uralte Bildwerke, in welchen die Landesbewohner Abbildungen von Khosru und seiner geliebten Schirm sehen und den Sänger und Künstler Ferhad als Bildner nennen. Einen bestimmten Kunststyl gewannen zuerst die Ägypter. Düster und ernst, aber voll tiefen Sinnes waren die Kunstwerke dieser Völker, ebenso verwandt durch die sie bedeckenden Hieroglyphen mit der Dichtung und Geschichte, als durch die Mu- mienbilder mit dem Glauben an die Unsterblichkeit. Aber sowie das Todtenreich der Mumien ihnen erst das wahre Dasein schien, so ist die Kunst der Ägypter auch dem Tode verwandter als dem Leben; starr und bewegungslos sind ihre Gestalten, mumicnartig; so sind selbst ihre Jsisbilder. Diese sind dem uralten Dianenbilde zu Ephesus und der »kältesten griech. Kunst überhaupt verwandt, sowie die dienende Anwendung der menschlichen Gestalt bei den Capitälern der Säulen zu Denderah und den seltsam ausgedehnten weiblichen Körpern ebendaselbst, die einen einschließenden Calendercyklus bilden, und die Vermischung menschlicher und thierischer Formen bei den Sphinxen, dem Anubis ic., augenscheinlich mit der indischen Kunst verwandt ist. Wenn wir nun den altgriech. Kunststyl betrachten, so finden wir zuerst jene schon erwähnten Hermenbilder, die Doppelköpfe, die man Janusbil- der nennt und die ursprünglich auf Sonne und Mond hindeuteten, zahllose Abänderungen der Hermen in Hermeraklen, Hermathenen, Hcrmeoten rc. Von diesen, an denen weder Hände noch Füße angedeutet waren, ist die nächste Stufe zu den noch mumienähnlichen Bildern in Ebenholz und Cedern, wo die Arme anliegen, die Füße nur durch einen Mittelschnitt, Augen und Mund nur durch einen Schlitz bezeichnet waren. Später löste man die Arme und Füße und gab den Götterbildern Waffen, Schild und Spieß in die Hände: so entstanden die ersten Pallasbilder. Selbst andre bewaffnete Götterbilder, die in die kretensische Götterfamilie gehören, wurden Palladien genannt, so z. B. die taurische Diana. Da sie immer nur klein waren, so wurden sie gewöhnlich auf Säulen gestellt, daher stammt das später immer auch bei größer ausgearbeiteten Figuren beibehaltene Wort Bildsäule. Wo man größere Bilder in Metall aushämmerte, war doch der Körper der Bilder nur ein säulenförmiger Cylinder, wie der Koloß des amykläischen Apollo. Mit dem Dädalus (s. d.) beginnt eine neue Kunstepoche, etwa 3 Menfchenalter vor dem trojanischen Kriege. Von ihm sagten die Griechen symbolisch, sein göttliches Genie habe gemacht, daß die Bildsäulen gingen, sähen und sprächen. Unter ihm dachte man sich den Kunstmenschen oder Kunstersinder überhaupt, er war zugleich das Symbol für den ersten Bergmann, daher die Fabel von dem Dädalifchen Labyrinth in Kreta, oder den horizontalen Gängen in dem ersten Bergwerk des metall- reichen Kreta. Alle Schüler un^ Nachahmer nannte man Söhne, daher hießen 888 Bildhauerkunst bei den Griechen symbolisch alle Künstler Dädaliden. Hier trennt sich die altgriech. Kunst in den Styl 3 verschiedener Völkerschaften, den alt-attischen, den aginetischcn und den hetrurischen. Die Künste erblühten in den Tempeln nicht bloß durch Bildsäulen, sondern weit mehr noch durch Anathemata, Weihgesckenke, sigurenreiche Throne, Kasten, Schilde, Dreifüße und Vasen. Berühmt sind hiervon 1) der Kasten des Cypselus in Olympia, aus Cedernholz in Gold und Elfenbein eingelegt, und 2) der Thron des Apollo zu Amyklä, als kolossale Einfassung eines noch altern Kolosses des Apollo, vom Magnesier Bathykles, etwa im Zeitalter des Solon gearbeitet. Er umfaßte, in 28 Feldern auswendig und 14 Feldern inwendig, den ganzen damaligen Kunstkreis der Götter- und Heldenfabel. Auf diesen 2 Werken findet man charakteristischen Ausdruck selbst bei der größten Dürftigkeit und Unrichtigkeit der Zeichnung und des Verhältnisses; die Überschrift muß überall noch zu Hülfe kommen, die Gegenstände sind widrig; es ist an Bilderschrift grenzende Allegorie. Zwei Tempel sind in diesem Zeitraume merkwürdig als Werke der ersten Dadaliden Dipönus, Rhökus und Skyllis: 1) Das Heräum, oder der uralte Tempel der Hcre, der Juno zu Samos. Das älteste Bild der Juno darin hatte der Aginete Smilis gemacht, es war verschleiert und mit Stützen versehen. 2) Das Artemisivn zu Ephesus; das älteste Bild darin hieß vom Himmel gefallen und war von den Amazonen geweiht; dann kam das schwarze Dianenbild in Mumiengestalt mit den vielen Brüsten, als Naturgöttin, dahin. In jener Zeit setzte man auch Bilder aus getriebenem Erzblech zusammen, später fing man in Samos an sie in Bronze zu gießen, aber stückweise; man heftete sie mit Nägeln zusammen, die wie Schwalbenschwänze geformt waren. Es haben sich noch mehre Werke aus diesem ältesten Zeitraume erhalten. Alles ist in ihnen übertrieben, die Bewegungen sind eckig, die Falten ängstlich überhäuft, die Gewänder zackig fliegend, die Umrisse charakterlos und schwankend. Dieser älteste Styl zeugte von Stärke und Kraft, ohne Ausdruck und Schönheit. Unter den Pisistratiden blühte die Kunst immer mehr. Doch erst in den 20 glücklichen Jahren unter Periklcs's Herrschaft erwachte der höhere Kunstsinn. In diesem kurzen Zeitraume erhielt Athen köstlichere Kunstwerke, als die Weltbeherrscherin Rom sich in 7 Jahrh, verschaffen konnte. Die Wirkung der großen Dichter dieser Zeit auf die Kunst war gewiß sehr bedeutend. Es war das Zeitalter der Musterformen und des Idealstyls. Phidias schuf 2 Hauptideale, die Minerva und den Jupiter, die erstere für das Parthenon in Athen; der letztere war der berühmte olympische Jupiter zu Elis. Beide waren in Elfenbein und Gold gearbeitet; der Gott war reizend gebildet und dennoch 40 Fuß hoch. Sein Thron war herrlich verziert, der Ausdruck Jupiter's selbst war eine Vereinigung von Macht, Klugheit und Milde, er thronte hier als oberster Kampfrichter bei dem Panhellenenfeste. Seine Größe wird uns am anschaulichsten durch die Worte eines Epigrammatisten, welcher sagt: „Die Bildsäule würde das Dach des Tempels wie eine dünne Schale abgestoßen haben, wenn sie je von ihrem goldenen Stuhle aufgestanden wäre". Durch Phidias war nun der Kreis der Jdealgestalten eröffnet, der sich für die männlichen Gebilde später in Götter, Halbgötter und Helden theilte; für die weiblichen konnten vielerlei Gestaltungen sich zum Ideale erheben: 1) die Jungfrau; diese sondern sich wieder nach den 2 Hauptstämmen ab, in: rr) die dorisch-kcetensische hochgeschürzte, 2 Mal gegürtete Jungfrau zur Diana, zu Amazonen, Nymphen und Bacchantinnen; l>) die attisch-ionische Jungfrau zu den Musen, Kanephoren und Prie- sterinnen; 2) die Matrone, zum höchsten Ideal in der argivischen Juno, ferner zum Ideal der Ceres, Cybele und später der Nemesis, Fortuna, Pudicitia, Pie- tas, bis auf die römischen Kaiserinnen und Vestalinnen, sowie die schönen Hercu- lanerinnen in der dresdner Antikcnsammlung; 3) die Hetaire wurde zum Ideal der Venus Anadyomene erhoben; 4) die Männin (virsxo) zur Pallas Athene, I Bildhauerkunst bei den Italienern 889 als krieg- und kunstübende ewige Jungfrau. Zu den männlichen Gestaltungen gehört nun noch der gymnastische und der athletische Kreis. Polyklet schuf den ersten, indem er zweierlei Jünglingsideale bildete, in seinem Diadumcnos, dem Jüngling, der sich selbst die Siegerbinde um das Haupt schlingt, den sanftmüthigen, und in seinem Doryphoros, der kühn die Lanze vor sich hinstellt, den kampflustigen Jüngling. Polyklet bildete auch den berühmten Kanon, das Musterbild aller Proportionen. Den athletischen Kreis bildete zuerst Myron; seine Ringergestalten sind hoch berühmt, besonders sein Diskobulus, welcher den linken Arm aufs Knie stützt und sich umbiegend den Diskus mit der Rechten rückwärts wirft. Er ! schuf ferner das diesen Kreis beschließende Ideal des Hercules und formte die Ideale des ganzen Thierreichs. Nun erst, 100 I. nach Phidias, 364 v. Ehr., ging der hohe oder Jdealstyl in den schönen über. Jetzt singen die eigentlichen Marmorbildner an, Skopas und Praxiteles waren die ersten; sie arbeiteten den Kreis der bacchischen Tänze oder Thyasen, hier wurden die zartesten Formen der Schönheit mit schwärmerischem Wahnsinn verschmolzen. Die Gruppe wurde von Skopas erfunden, von Praxiteles die Ideale der Diana, der Venus und des Bacchus. Er war der Vater einer zahlreichen Künstlerfamilie; nach ihm ging der schöne Styl in den graziösen über, der an Ausdruck und Weihe gewann, was er an Größe verlor. Aus Verhältniß und Ebenmaß hielt man jetzt am meisten. Es war das Zeitalter Alexanders, wo Lysippus einen neuen Weg in der Kunst wählte, indem er viele Portraitstatuen bildete. Er war der Einzige, dem es er- > laubt ward, den Alexander darzustellen, sowie nur Apelles ihn malen durfte. Diese letzte blühende Periode griechischer Kunst sing 336 I. v. Ehr. an. Sie umfaßte den letzten möglichen Kunstkceis, den der idealisirten Königs-und Kriegersiguren. Lysipp behielt Polyklet's Regeln der Verhältnisse im Auge, aber er machte die Körper schlanker, die Köpfe kleiner, er verwandte auch besondere Sorgfalt auf die Ausarbeitung der Haare. Man rühmt sehr seine geistathmenden Bilder. Die plastische Kunst erhielt durch die Einwirkung der Malerei etwas Empfindsames, dessen höchste Vollendung im Pathetischen die Laokoonsgruppe ist. Der Kolossalgeschmack verbreitete sich und trug viel zum Verfall der Kunst bei; das Überladene hängt genau damit zusammen. Seit den macedonischen und syrischen Kriegen, 200 Jj v. Ehr., singen die Kunstplünderungen der Römer an. Paulus Ämilius schmückte seinen dreitägigen Triumphzug mit ungeheuern Schätzen von griech. Kunstwerken, i Das Forum Romanum ward oft mit kostbaren Teppichen umspannt und zum i Theater umgeschaffen, welches dann wol 3000 Statuen zierten. 12,000 standen I auf dem Eapitol allein. Mit den Kunstwerken wendeten sich auch die griech. Künst- 8 ler nach Rom, doch die Kunst ward hier nie heimisch. Seit den Zeiten des Sylla s wuchs die Kunstliebhaberei bis zur Raserei, die letzte Spätblüthe der Kunst bcmer- r ken wir in Hadrian's Zeitalter. Höchste Zierlichkeit, Glätte und Vollendung war ihr Charakter. Dieser Geschmack erhielt sich unter den Antoninen mit leiser Ausartung , sank aber ganz unter Severus und dessen Nachfolgern; vor Konstantin d. Gr. war die Kunst der Alten völlig untergegangen. Die altchristlichen Darstellungen schließen sich an einen bestimmten Typus an. — S. die von Jnghirami herausgeg. „d^otirie llella «cultura anticbi s llei vari suoi «tili, äel Allste Luigi ^ Lausn" (2. ital. Ausg., m. Anm. u. Kpf., in der „koÜFraka kivsolana", 1824). Erst im 13. Jahrh, entstand die Bildhauerkunst wieder in Italien; die neuern Künstler waren auch wieder geschickte Erzbildner. Der größte Meister jener ersten Periode neuer Kunst war Michel Angelo Buonarotti; durch ihn und seine Schüler erhob sich die Bildhauerkunst im Abendlande. Was rohe Barbarei, Religionsschwärmerei und zerstörende Naturbegebenhciten nicht ganz vernichtet hatten, das rettete man aus den Trümmern der alten Größe und Herrlichkeit. Vorzüglich dankt die Kunst und die Menschheit dem edeln Cosmus und Lorenzo v. Medici 890 Bildhauer der Alten das Wiederaufleben einer schönern Zeit. Die Künstler wurden geehrt und unterstützt, die Schätze des Alterthums gesammelt und Museen angelegt. Die benachbarten Fürsten wetteiferten, es den Mediceern gleich zu thun. Doch erreichte die neuere Kunst nie die Hoheit und stille Größe der alten. Objective Reinheit in den Darstellungen zeichnet die alte Kunst so besonders aus, nichts Subjectives war ihr beigemischt; unter allen neuern Künstlern hat nur Rafael diese Objektivität; jeder neuere Künstler sprach sich selbst in seinen Werken aus, der alte Künstler verschwand hinter den seinigen. Durch Buonarotti's stolze Kraft artete die Kunst bald in Unnatur aus und durch Bernini's gesuchte Anmuth in Manier und Geziertheit ; der echte Schönheitssinn war verschwunden, man wollte eitel die Alten übertreffen, nicht fühlend, daß man zu tief stand, um sie zu verstehen und zu ehren; durch das überwiegende Beispiel von Frankreich sank der gute Geschmack in allen Künsten immer mehr, die Natur der Menschen selbst wurde verschroben. Modethorheit herrschte tyrannisch. Im 18. Jahrh, zündete zuerst Winckelmann die Fackel der neuen Kunst wieder an und öffnete seinen Zeitgenossen die Augen für die hohe Schönheit der Antike. Der Cardinal Albani und Mengs boten ihm die Hand; so ward die neue Morgenröthe des Kunst- und Schönheitssinnes wieder herbeigeführt. Die jetzige Zeit ist stolz auf mehre wackere Bildner. Es mußte erst ein scheinbarer Stillstand in der Kunst eintreten, das Schlechte mußte ganz sinken, ehe das Schöne wieder erblühen konnte. Canova wurde der Gründer einer neuen Kunstperiode, Thorwaldsen steht ihm kräftig zur Seite, und nach den Fortschritten zu urtheilen, die seit 30 I. die neuere Bildhauerkunst machte, und dem Herrlichen, was in so kurzer Zeit darin geleistet wurde, darf man hoffen, daß sie auf sichrerer Bahn ist als im 16. Jahrh. Die berühmtestenBildnerderAlten. Früheste Periode. Daß wir nicht mit Vulcan (Tubalkain) und Prometheus anfangen dürfen, lehrt uns die Kunstgeschichte. Jenes sind nur symbolische Gestalten, und die sinnigen Griechen deuten uns durch diesen gebrechlichen Gott und göttergleichen Menschen nur die alle irdische Stoffe besiegende technische Kraft und Geschicklichkeit, und im Gegensatz, die Kühnheit, welche durch den himmlischen Geistesfunken irdische Gebilde unsterblich macht, an. In DädaluS aus Athen sehen wir den ersten großen Bildner; man kann sein Dasein ungefähr 14 Jahrh. v. Chr. annehmen. Zugleich lebte Smilis, der Ahnherr der bildenden Kunst, in Agina. Epeus soll das trojanische Pferd verfertigt haben. Rhökus aus Samos erfand 700 I. v. Chr. die Kunst, zu modelliren und Statuen aus Erz zu gießen. Theodorus und Telekles, seine Söhne, reisten der Kunst wegen nach Ägypten. Jener machte, wie die Sage erzählt, in Ephesus die Hälfte der Statue des pythischen Apollo für den Tempel zu Samos, und dieser die andre Halste zu Samos: eine Art zu arbeiten, welche bei dem Zustande der ägyptischen Kunst vielleicht möglich war. Dibutades erfand die Kunst, Portraits in gebrannter Erde zu machen; seine Tochter Kallirrhoe erweckte diese Idee in ihm, indem sie den Schatten ihres Geliebten mit einer Kohle auf der Wand umriß. Euchir von Korinth begleitete 663 I. v. Chr. den Demara- tus, Vetter des altern Tarquin, nach Italien und brachte die Modellirkunst nach Hetrurien. Dipönus und Skylles wurden die Meister einer großen Schule. Malas und seine Nachkommen gehörten zu den berühmtesten Bildnern jener Zeit. Kano- chos war der größte Meister der sicyonischen Werkstätte. Perillus arbeitete für Phalaris, welcher 564J. v. Chr. in Sicilien herrschte, den berühmten ehernen Stier, ein herrliches Kunstwerk, worin aber der Künstler selbst verbrannt wurde. Unter die vorzüglichsten Kunstwerke in Stein gehörten die Arbeiten des Bathykles aus Amyklä. Kallon aus Ägina lebte 540 I. v. Chr. Demeas von Krötona verfertigte die Statue des Milon. Jphikrates bildete die eherne Löwin der Leana, welche um die Verschwörung des Harmodius und Aristogiton gegen Hipparchuö Bildhauer der Alten 89 L wußte, und bei der Tortur, unter welcher sie starb, dennoch Nichts verrieth. Um das heldenmüthige Schweigen dieses Mädchens auszudrücken, gab der Künstler der Löwin keine Zunge. Onatas aus Ägina mußte das Bild der sogenannten schwarzen Ceres zu Phygalea wiederherstellen. Ageladas aus Argos halt man für den Lehrer des Phidias. ZweitePeriode. HoherKunststyl. MitPhidias aus Athen sing die Zeit des hohen Jdealstyls an, dessen Schöpfer er war. Er lebte in der Zeit des Perikles. Außer seinen beiden Hauptwerken, Pallas Athene und Jupiter, sind noch berühmt: seine Pallas aus Erz für Athen, seine Venus Urania, seine Nemesis im Tempel bei Marathon und seine Amazone, die schöngestaltete genannt. Er arbeitete nur einen einzigen Knaben nach dem Leben. Seine Lieblingsschüler waren Alkamenes aus Attika und Agorakritus von Paros. Die berühmtesten Werke des Erstem waren sein Vulkan, sein olympischer Sieger, sein Amor, sein Mars und seine Venus. Der zweite wurde noch mehr vom Phidias geliebt, er wetteiferte mit Alkamenes bei Verfertigung einer Venus, und wurde von den Atheniensern nur aus Vorliebe für ihren Mitbürger nachgesetzt: erschuf seine Venus zu einer Nemesis um und verkaufte sie nach Rhamnus; Varro hielt diese Statue für die schönste, die je geschaffen worden sei. Polykletus von Argos war Schöpfer der Juno daselbst, dieses dritten Hauptideals, eines Seitenstücks zum olympischen Jupiter. In der ludovisischen Juno ist uns noch eine Nachbildung ihres Kopfes aufbewahrt. Außer seinem berühmten Kanon bildete auch Polyklet alle schöne Stellungen der Knabengymnastik und alle naive Spiele der Jugend; höchstes Ideal dieses Kreises ist sein Mercur. Da zarte Weichheit diesem Meister eigen war, so ist es natürlich, daß ihm die reizenden Kanephoren von Athen so gelangen. Er war hauptsächlich Erzbildner. Sein Mitschüler und Nebenbuhler war Myron aus Eleutherä in Böotien. Er schuf drei auf einer Basis zu-' sammengestellte Kolosse, Minerva, die den vergötterten Hercules dem Jupiter vorstellt. Myron's vielumfaffende Mannigfaltigkeit zeigte sich auch in der Wahl neuer, kühner Stellungen. Er verschmähte die zarten Ephebengestalten und zeigte seine Kraft in der Darstellung der ausgearbeitetsten Athletenkörper. Sein Läufer, sein Wurfscheibcnschleuderer und feine Pankratiasten sind berübmt, diesen Kreis schloß sein Ideal des Hercules. Überdies sind unter den Thiergc- stalten seine Kuh und sein Scedrache berühmt. Nur Eins war diesem großen Bildner versagt, die Grazie des Ausdrucks; hierin übertraf ihn sein Nebenbuhler Pythagoras von Rhegium, der die Wellenlinie als Schönheitszug bestimmte und zuerst die Nerven und Adern zart anzudeuten verstand. Dieser schuf das Ideal des Apollo in der Stellung des Pythonschützen, dessen Nachbildung die herrlichste Statueist, die wir noch besitzen, der Apollo von Belvedere. Dritte Periode. Schöner Kunststyl. Sokrates, der Bildner der bekleideten Grazien, macht den Übergang zu dieser Kunstepvche, sowie Athenodorus und Naucydes. Praxiteles und Skopas brachten die Kunst zur höchsten Vollendung, indem sie Schönheit mit Anmuth vereinten. Die berühmtesten Werke des Skopas waren seine rasendc- Bacchantin (ein Gott schien diese Mänade zu beseelen, der weit rückgebogene Kopf vereinte die höchste Schönheit mit bacchischem Wahnsinn), sein Amor, seine Venus (wahrscheinlich das Vorbild der mediceischcn) und seine Gruppe, der Triumph des Achilles, den Thetis nach seinem Tode in die glücklichen Inseln führt, wobei Skopas Gelegenheit fand, zahllose Tritonen, Nereiden und Seeungehcucr in den anmuthigsten Gruppirungen zusammenzustellen. Praxiteles, der seelenvollste aller Bildner, schuf die vollendeten Ideale der Diana und des Bacchus. Letztem bildete er als Gegensatz zu den Satyrn und Faunen, die alles Rohe und Ausgelassene ausdrücken; er war mit zarter Weichheit gebildet, ohne weiblich zu sein, es war die personisicirte ewige Fröhlichkeit im siegreichen Göttersohn, das holdeste und würdevollste k»r uiente im Spiel mit den scherzenden Umgebungen. Die Diana dieses 892 Bildhauer der Neuern Künstlers zeigte die jungfräulichste Sittlichkeit bei rascher Thatkraft. Homer's Nausikaa begeisterte ihn dazu. Er schuf ferner die gepriesene Satyrstatue, Peri- böetos, und das Ideal des Eros. Dieser wurde von den Alten nie als Kind gebildet, die wahre Kinderbildung konnte erst im christlichen Kunstkceis stattfinden. Eros wurde stets als ein zum Jüngling reifender Knabe dargestellt. Praxiteles wagte zuerst, die Venus ganz zu entkleiden und schuf so das neuere Ideal derselben. Vor allen berühmt sind seine Venusbilder zu Kos und zu Gnidos. Erstere ist von unten bis auf die Hüften verhüllt, die gnidische ganz enthüllt, hielt das Gewand mit der Linken über das Badegesäß. Wir besitzen von beiden Nachbildungen. Auch die Gruppe der Niobe schreibt man diesem Meister zu. Sein Sohn Eephissodocus war berühmt durch sein gymnastisches Symplegma (so nennt man es, wenn die Ringer alle vier Hände in einander verschränken) und seinen Äskulap. Von ihm an artete die Kunst durch die üppigsten Darstellungen aus, schon Praxiteles bildete für Phryncn eine Gruppe in Bronze, worin er eine lachende Hetaire einer weinenden Matrone gegenüberstellte. Hermaphroditen, Satyr - und Nymphengruppen wurden mit hoher Kunstvollendung, aber zügellosem Sinn gebildet. Vierte Periode. Zeitalter Alexanders des Großen. Nur durch Grazie und immer zartere Ausführung konnte die Kunst jetzt noch Etwas gewinnen, indem die hohe Jdealschönheit sank. Lysippus von Sicyon trat auf und wurde der Meister veredelter Portraitbildung. Unter den Göttern war Hercules sein Liebling, und er vollendete die von Euphranor angegebene Idealfigur des Neptun. Er stellte den Alexander vom Knaben an bis zum Manne dar. Man behauptet, er habe allein 1500 Statuen gebildet; Andre schranken diese Zahl auf610 ein, doch ist bei dieser Angabe jede Gestalt seiner großen Gruppen einzeln gezahlt. Unter diesen Sta- tuenvereinen sind Alexanders Jagd und die 25 Statuen zu Pferde, die macedoni- schen Freunde vorstellend, die beim ersten Angriff am Granikus an Alexanders Seite fielen, die berühmtesten. Seine Pferde waren sehr schön. Euthykrates, sein Sohn, Apollodorus und Silanion waren große Bildner dieser Zeit. Ehares von Lindus goß den berühmten Koloß zu Rhodus (s. d.). Agesander, Athenodo- rus und Polydorus, Vater und Söhne aus Rhodus, bildeten die berühmte Gruppe deS Laokoon, Glykon von Athen den Farnese'schcn Hercules, Apollonius und Tauris- kus den Farnese'schen Stier. — Die Bildhauer der Römer waren Griechen; wir kennen von ihnen nur den Arcesilaus, Freund des Lucius Lucullus, und Praxiteles, den größten Modellirer zu Pompejus's Zeit. Er schrieb 5 Bücher über die berühmtesten Kunstwerke. Zenodorus hatte in Gallien einen ungeheuer großen Mer- cur in Erz gebildet, und ward von Nero nach Rom berufen, um dessen Bild in einem 110 Fuß hohen Koloß darzustellen; der Guß mißlang. Unter dem Kaiser August wurde die liegende Statue der sterbenden Kleopatra gebildet. Kleomenes, ein Athenienser, verfertigte unter Tiberius die Statue des Germaniens. Die vier ungemein schönen metallenen Pferde, über dem Haupteingange der Marcuskirche zu Venedig, wurden unter Nero gearbeitet. Der herrliche Antinous ist eine der vollendetsten Statuen aus Hadrians Zeit. Die berühmtesten Bildner der neuern Zeit. Frühere Periode. 1) Italienische Bildhauer. Im 11. Jahrh, wird zuerst wieder ein Bildhauer Buono erwähnt, im 12. Bonanno aus Pisa. Nicolo Pisano starb 1270 und ward Wiederherstelle! des guten Geschmackes in der Bildhauerkunst genannt. Von seinem Sohne, Giovano Pisani, sieht man noch viele Werke inPisa. Andr. Orgagna, mit dem Beinamen Buffalmaco, starb 1389. Luca della Robbia wußte seine aus gebrannter Erde gemachten Werke mit einem guten Firniß zu überziehen. Lor. Ghiberti, der 1455 starb, war ein sehr geschickter Meister; seine in Erz gegossenen Thüren am Battisterio zu Florenz sind berühmt. Michel Angelo erklärte sie für würdig, an dem Eingänge des Paradieses zu stehen. Dona- 893 Bildhauer der Neuern tello (geb. zu Florenz 1383, gest. 1466) bereicherte Venedig, Florenz, Genua und Faenza mit seinen Werken; ein kahlköpfiger Greis von ihm ist in Florenz berühmt. Er bildete für die Marcuskirche zu Florenz die ehernen Statuen des heil. Petrus, Georg und Marcus, die letztere ist besonders merkwürdig durch die Frage des Michel Angelo: „Nnreo, perolle non mi parli?" (Marcus, warum sprichst du nicht mit mir?) Sein Bruder Simon machte eine der Bronzethüren der Peterskirche und das Grabmal Martins V. in der Laterankirche. Andr. Pisano war als Bildner und als Stempelschneider berühmt. Lor. Lotto, Lorenzetto genannt, war der Erste, der es wagte, beschädigte Statuen wieder zu ergänzen. Andr. Verrocchio gab aus Neid über Perugino und Leon. da Vinci, seine Schüler, die Malerkunst auf und widmete sich einzig der Bildnerei. Er war der Erste, der die Kunst wieder erfand, Verstorbene abzuformen. Rustici, 1470 zu Florenz geb., war der Schüler des Verrocchio und nachher des Leon. da Vinci. Von Letzterm lernte er die Kunst, zu modelliren, den Marmor zu bearbeiten, in Bronze zu gießen, und die Perspective. Seine berühmtesten Arbeiten sind eine Europa, eine Leda, ein Vulcan und ein Neptun. Michel Angelo B u o n a r o t t i (vgl. d.) lieferte schon in früher Jugend Werke, worüber man staunte: den Kopf einer alten Frau und die Statue eines Hercules. Man bewundert besonders seinen Bacchus, die berühmte Kolossalstatue Julius H., für dessen Grabmal er drei Figuren bildete, unter denen sein berühmter Moses ist, ferner seinen David, seine Victoria zu Florenz und seine Bildsäule der Nacht auf dem Grabmal des Julius v. Medici. Tatti, von seinem Geburtsorte Sansovino genannt, 1477 geb., verfertigte noch als Jüngling zu Rom ein Modell von der Laokoonsgruppe, welches nach Rafael's Urtheil den Preis erhielt und in Erz gegossen wurde. Er verfertigte viele Werke für Venedig, worunter besonders die Marmorbilder der Jungfrau in der St.- Marcuskirche und Johannes des Täufers in der Kirche zu Easa Grande berühmt sind. Man lobt die Leichtigkeit seiner Gewänder und die Bewegung seiner Figuren. Baccio Bandinelli, 1487 zu Floren; geb., wetteiferte mit Buonarotti. Er hatte große Kenntniß der Anatomie, seine Manier ist kräftig, aber rauh. Er ergänzte den rechten Arm deszLaokoon; seine Basreliefs aus den Grabmälern Leo's X. und Clemens's VII. sind bekannt. Benvenuto Eellini, 1500 zu Florenz geb., war Bildner, Goldschmied und Maler. Properzia Rosst, aus Bologna, ist die einzige berühmte Bildhauern;. Zwei Engel in Marmor, welche die Vorderseite der Kirche der heil. Petronia schmücken, und mehre Büsten gründeten ihren Ruf. Sie stellte geschickt und zart die Leidensgeschichte und viele Apostelgestaltcn auf Pfirsich- kernen in Basrelief dar. In der Galerie des Marchese Grassi in Bologna bewahrte man 11 solche Kerne. Sie studirte die Regeln der Baukunst und der Perspective, war geschickte Malerin und Tonkünstlerin. Eine unglückliche Liebe veranlaßte ihren frühzeitigen Tod, 1530. Sie grub die traurige Geschichte ihrer Gefühle in Marmor, und dies Basrelief ward ihr Meisterwerk. Guglielmo della Porta, aus Mailand, stellte mehre Antiken in Rom her, besonders ergänzte er die Beine des Farnese'schen Hercules so gut, daß Buonarotti die 27. I. später gefundenen echten nicht besser fand. Die schöne Statue der Gerechtigkeit auf dem Grabmal Pauls III. in der Peterskirche ist von diesem Meister, sowie die vier großen Propheten in den Nischen zwischen den Pfeilern der ersten Arcade derselben Kirche. Mit Bernini (s. d.), 1598 zu Neapel geb., fängt eine zweite Periode der ital. Bildhauerei an. Er war ein Mann von ungemeinen Talenten, aber seine Kühnheit, seine Phantasie und besonders sein Streben, allgemein zu gefallen, rissen ihn zu regelloser Manier hin; er suchte die natürliche Anmuth zu überbieten und setzte sie vergeblich in die Grübchen in den Wangen. Seine heil. Theresia und heil. Bibiana waren seine Meisterwerke. Alessandro Algardi (s. d.), zu Bologna geb., wetteiferte mit Bernini. Er war ein Schüler des Lodvv. Caracci, und der Maler blickte oft aus 894 Bildhauer der Neuern seinen Werken hervor. Er war der Stifter einer großen Schule. Domenico Guido, Ant. Raggi, Ercole Ferrata und Gabr. Brunelli zeichnen sich unter den vielen Nachfolgern jener beiden Letztem aus. Gonnelli, der Blinde von Cambassi genannt, verlor schon im 20. I. die Sehkraft und machte sich einzig durch das tastende Gefühl zum Bildner. So formte er in gebrannter Erde Eosmus 1., Großherzog von Toscana. Tubi, 1630 in Rom geb., arbeitete viel für Frankreich. Die berühmte Gruppe auf Turenne's Grabmal ist von ihm. Camillo Rusconi, 1658 zu Mailand geb., liebte die antiken Vorbilder und bildete sie meisterhaft ! nach. Sein Hauptstück ist das Grabmal Gregors XIII. in der Petcrskirche. Die ^ Stellung seiner Figuren ist majestätisch und schön, sein Styl ist rein, voll Ausdruck, Feuer und Leben. Angela Rossi, 1671 in Genua geb., zeichnete sich besonders durch seine trefflichen Reliefs aus. Er folgte mehr dem Geschmacke der > Alten als Algardi's Styl, und arbeitete sie nicht so tief, sondern mehr als Demi- I relief. Seine Arbeit in dieser Gattung, für das GrabmalAlexanders VIII., ist das « schönste Basrelief in der Peterskirche. Gaetano Zumbo, 1656 zu Syrakus geb., i hatte keinen andern Lehrer als sein Genie. Er brachte das Arbeiten in far- l bigem Wachs zu großer Vollendung; den bekannten Eyklus der Verwesung, wo alle Grade derselben in fünf nach der Natur colorirten Leichnamen mit > schaudererweckender Wahrheit dargestellt sind, arbeitete er für den Großherzog von ! Toscana. Eine Geburt des Heilandes und eine Kreuzabnahme gehören zu seinen j Meisterwerken. 2) Französische Bildhauer. Jean Goujon, aus Paris, ist der erste berühmte Bildner in Frankreich, und sein berühmtestes Werk der Nymphcnbrunnen . auf dem Markte «los innooen« in Paris, welchen er unter Franz!, anfing und 1550 unter Heinrich !l. endigte. Er war auch Baukünstler und Stempelschneider. ^ Seinen Tod fand er 1572 bei dem Blutbade der Bartholomäusnacht. Germain Pilon, aus Paris, he' "e viel Grazie, aber sein Sty l war oft unrein. Er zuerst unterschied genau die »er, Svenen Stoffe der Gewänder. Ein schönes Werk war die Gruppe der drei christlich,-n Tugenden, aus einem weißen Marmorblock gebildet, für ! die Eölestinerkirche. Jean von Boulogne (I o h. v. Bologna), geb. 1524 zu ! Douai, kam früh nach Rom und ward Buonarotti's Schüler. Seiner Armuth wegen wollte er wieder heimkehren, als ihm ein Kunstfreund in Florenz ein Stück l Marmor gab, woraus er eine Venus bildete, durch die er berühmt wurde. ! Seine vorzüglichsten Werke sind Simson und ein Philister zu Florenz, sein kolossaler Neptun und sein Raub der Sabinerinnen daselbst, sein fliegender Mercur in Erz und sein Jupiter Pluvius, der größte Koloß der neuern Kunst. Von seinem Schüler Taca war das Pferd der Statue Heinrichs IV. auf dem Pontneuf und die Statue Philipps IV., Königs von Spanien, zu Pferde, im vollen Galopp dargestellt, in Buen-Retiro. Jacq. Sarassin, 1590 zuNoyon geb., bildete sich i in Rom und verband Genie mit Geschmack und Grazie. Die Karyatiden, welche den großen Pavillon des alten Louvre zieren, und die Gruppe Romulus und Re- mus in Versailles gehören zu seinen Meisterwerken. Er stiftete eine fruchtbare Schule und starb 1660. Von Franyois Anguier war das schöne Grabmal des Herzogs v. Montmorency in der Marienkirche zu Moulins, und von dessen Bruder Michel die Statuen und Reliefs des Thores St. - Denis. Von Theodon war die schöne Statue des heil. Johannes im Lateran und die beiden Gruppen im Tuileriengarten: Atlas, der sich in einen Felsen, und Phaetusa, die sich in eine Pappel verwandelt. Er starb 1680. Lerambert verfertigte viele Gruppen für Versailles. Puget, 1622 zu Marseille geb., war Maler, Architekt und Bildhauer. Hätte er die reinen Formen der Antike mehr studirt, so würde er alle neuere Bildner haben übertreffen können. Seine Werke sind kühn und kräftig. Besonders berühmt sind seine zwei kolossalen Termen am Rathhause zu Toulon, seine Statue 895 Bildhauer der Neuern des Milon im Park von Versailles und sein sterbender Fechter. Die Brüder Marsy, 1624 und 1628 zu Cambray geb., verfertigten die ehernen Statuen des Bacchus und der Latona zu Versailles und die berühmte Pferdegruppe bei den Bädem des Apollo daselbst. Franyois Girardon, 1630 zu Troyes geb., war der berühmteste Bildner aus dem Zeitalter Ludwigs XlV. Seine Ritterstatue I dieses Königs, die sonst auf dem Platze Vendome stand, 21 Fuß hoch, war I das erste Werk der Neuern, welches in einem einzigen Stücke gegossen wurde. ? Die meisten von Girardon's Werken sind nach Zeichnungen von Lebrun und zieren ; den Park von Versailles. Pierre le Gros, 1656 zu Paris geb., lebte fast stets in Rom und gehört zu den besten stanz. Künstlern. Seine berühmtesten Arbeiten sind eine schöne bekleidete Römerin im Tuileriengarten, der heil. Dominicus in der j Peterskirche, die Gruppe des heil. Jgnaz und die heil. Theresia in der Carmeliter- kirche zu Turin. Er starb 1719, tief gekrankt durch die Gleichgültigkeit, welche die pariser Akademiker ihm bewiesen. Nie. Coustou, 1658 zu Lyon geb., hatte viel Geschmack und Leichtigkeit, doch einen ganz stanz. Styl. Sein Bruder Guillaume übertraf ihn noch, er vollendete das von Jenem angefangene Basrelief, > der Rheinübergang. Edme Bouchardon' s (s. d.) Styl war mehr sanft als erha- > ben, mehr geregelt als kühn. Von Lambert Adam, 1700 zu Nancy geb., sind die beiden 18 Fuß hohen Statuen, di» Seine und Marne, zu St.-Eloud, sowie die Gruppe Neptun und Amphitrite zu Versailles. Sein Styl ist rauh und wild. Lemoyne zeichnete sich durch Portraits aus; er war feurig, aber incorrect. Rene Slodz, 1705 zu Paris geb., arbeitete im einfach - großen Styl, Wenige verstanden die Bekleidung besser als er; doch sind seine Formen nicht immer rein. Bapt. Pigalle, 1714 zu Paris geb., bildete sich nur durch unsäglichen Fleiß. Seine Statuen, Mercur und Venus, sind berühmt, beide erhielt der König von Preußen. Das berühmte Grabmal des Marschalls von Sachsen zu Strasburg ist sein Werk. Ein Knabe mit einem Käsig, aus welchem der Vogel entflogen ist, erwarb ihm durch die Wahrheit der Formen und des Ausdrucks allgemeinen Beifall. Er ! starb 1785. Etienne Falconet ward nach Petersburg berufen, um die metallene j Ritterstatue Peters d. Gr. zu machen. Demoiselle Eollot machte das Modell zu dem Kopfe derselben. 3) Deutsche Bildhauer. Lange schon vor Albrecht Dürer's Zeit blühten in Süddeutschland gar wackere Bildner, deren Fleiß und Trefflichkeit uns die Kirchen, Rathhäuser und Brunnen in Nürnberg u. a. O. beweisen, ja der Spuren noch älterer Bildhauerkunst finden wir in den zahllosen Rittergestalten und Heiligenbildern noch viele, die sich in allen Münstern und besonders im Dom zu Köln bis in die zartesten Thürmchen Hinaufranken. Doch die Namen dieser Meister sind unbekannt; wahrscheinlich kamen die ersten von Byzanz herüber. Albrecht Dürer, der ein allgemeines Kunstgenie war, zeigte sich auch als trefflichen Bildner in großen und kleinen, ganz und halb erhobenen Gestalten aus Holz und Stein. Leonh. Kern, 1580 zu Forchtenberg geb., bildete sich in Italien und arbeitete mit vieler Kunst in Holz, Stein und Elfenbein. Gottfr. Leygebe, 1630 zu Freistadt in Schlesien geb., 1683 zu Berlin gest., besaß die zuvor unbekannte Kunst, aus einer Masse von Eisen kleine Rittergestalten zu machen. Von ihm ist derKaiser Leopold I. zu Kopenhagen, Karl II. von England als heil. Georg zu Dresden, und Kurfürst Friedrich Wilhelm als Bellerophon zu Berlin. Rauchmüller arbeitete an der 1693 vollendeten Dreifaltigkeitssäule zu Wien. Andreas v. Schlüter, 1662 zu Hamburg geboren, studirte in Italien besonders den Buonarvtti und ward nach Berlin berufen, wo er das Zeughaus verzierte und das Modell zu der trefflichen Ritter- statue des Kurfürsten Friedrich Wilhelm machte, welche 1700 von Joh. Jacobi gegossen ward. Balthasar Permoser, 1650 im Salzburgischen geb. und 1732 zu Dresden gest., hat zu Berlin, Dresden und Leipzig viele treffliche Arbeiten hin- 896 Bildhauerkunst (Technik der) terlassen. Übrigens sind Messerschmidt aus Wien, Osner aus Nürnberg, Zwcnk- hof, Dunker und Stahlmeier aus Wien, Schwarz aus Dresden, Adam und die Brüder Ranz zu erwähnen. 4) Niederländische, englische, schwedischeund russische Bildhau c r. Franz Duquesnoy, 1594 zu Brüssel geb., berühmt unter dem Namen il Flamingo. Er hatte wie Algardi eine besondere Gabe, die Schönheit der Kinder darzustellen, und fliegende, sich emporschwingende Gestalten gelangen ihm besser als Keinem zuvor. Er schloß eine innige Freundschaft mit Poussin, und Beide lebten der Kunst mit reinem Eifer ohne Grenzen. Sein 22 Palmen hoher Andreas in dek Peterskirche zu Rom ist eine der schönsten Statuen dort, und seine Susanna zu Loretto wurde wegen ihrer edeln Stellung, ihres sanften, frommen Ausdrucks und ihrer trefflichen Bekleidung sehr bewundert. Buyster, Slodz, Quellius und Van Obstal waren geschickte niederländische Bildner. Eibber verfertigte die beiden trefflichen Statuen am Eingänge des Bedlamhospitals zu London, welche den stillen Wahnsinn und die Raserei darstellen. Gibbons, der 1721 zu London starb, zeichnete sich besonders in schön gearbeiteten und fleißig vollendeten Ornamenten aus. Seine Blumen und Vögel sind unübertrefflich zart. Wilton und Rysbrack arbeiteten besonders im graziösen Styl; die weiblichen Gebilde des Letztem sind höchst anmuthig. Nolkens hatte gute Stellungen, aber wenig Eorrectheit. Unter den schwedischen Bildhauern muß vor allen der Ritter Sergel genannt werden. Der Russe Pawloff war ein geübter Portraitbildner; in der neuesten Zeit zeichnen sich Launitz und Orlowsky, Thorwaldsen's Schüler, aus. 5) SpanischeBildhauer. Die Kunst blühte seit dem 11. Jahrh, dort, und schon 1033 arbeitete Aparicio von Castilien ein Basrelief in Gold und Elfenbein , in 22 Abtheilungen die Jagd des heil. Millan vorstellend, welches in dem Kloster Puso aufbewahrt wird, und dessen Verhältnisse und Grazie man bewundert. Klöster und Kirchen gaben den Künstlern reichliche Beschäftigung. Man zählt bis auf 160 ausgezeichnete spanische Bildhauer. Neueste Kunstperiode. Eavaceppi in Rom macht den Übergang zu den großen Bildnern der jetzigen Zeit. Der 1822 verstorbene Ritter Canova (s. d.) war in Hinsicht auf die Schönheit und Grazie des Styls, die zarte Vollendung der Arbeit und die reiche Erfindungsgabe der erste Bildner jetziger Zeit. Sowie in früherer Zeit der leider zu früh (1793) »erst. verdienstvolle Trippel an Kraft und strengem Styl rühmlich mit Canova zu wetteifern begann, so that es in der neuesten Zeit der Däne Thorwaldsen, der für die Heldengestalten, sowie für die Bestimmtheit und Hoheit der Formen von Vielen als noch größerer Meister anerkannt wird. Beide wirken herrlich vereint auf ihre Zeit als Meister der Kraft und Anmuth. Ausgezeichnet brav und verdienstvoll sind ferner: Dannecker in Stuttgart, dessen Ariadne an Schönheit mit der Antike wetteifert, Schadow, Rauch und Tieck in Berlin, Zauner in Wien, Ruhl in Cassel, Pozzi in Manheim, Ohnmacht in Strasburg, DöllinGotha, Chaudet und Houdon in Paris, Flaxman, Ehantrey und Gahagan in London. (S. d. besondern Art.) Graf Cicognara hat als Fortsetzung der Werke von Winckelmann und Agincourt eine „8toria äell» «Cultur» bearbeitende härtere. Ein solches Vorbild heißt Modell, vor welchem manche Künstler öfter noch eine Skizze verfertigen, welche Das im Kleinen enthält, was das Modell größer ausführt. Bei geübten Künstlern vertritt die Skizze nicht sel- ! ten die Stelle des Modells selbst; andre können hingegen das Letztere nicht entbeh- > ren. Gewöhnlich bedient man sich zu beiden des Thons oder Wachses. Der Thon wäre die geschickteste Masse, Figuren zu bilden, wenn er seine Feuchtigkeit behielte. Nun aber trocknet er nicht etwa in allen Theilen gleich sehr zusammen (in welchem Fall dasselbe, obgleich verminderte Verhältniß, bleiben würde), sondern die kleinen Theile trocknen weit schneller als die größern, und der Leib der Figur, als der stärkste Theil, zuletzt. Das Wachs hat diese Unbequemlichkeit nicht. Man formt daher sein Modell aus Thon oder Gyps und gießt es alsdann in Wachs. Der Thon , ruht bei dieser Arbeit auf dem Bosstrstuhle, und zwar auf der beweglichen Scheibe ^ desselben, welche sich nicht allein nach allen Richtungen herumdrehen, sondern auch ^ erhöhen und erniedrigen läßt. Aus freier Hand, mittelst der Bossirhölzer, bildet ! der Künstler die Skizze oder das Modell. Einen Theil nach dem andern arbeitet er ^ im Groben mit der Hand aus, bearbeitet ihn hernach mit den Bossirhölzern und dem nassen Schwämme weiter, und ebnet ihn mit dem Pinsel. Nachdem nun der Künstler auf diese Weise der weichen Masse Form gegeben hat, trägt er diese auf die harte Masse über, in welcher das Werk eigentlich dargestellt werden soll. Der Block, welcher bestimmt ist, zu demselben bearbeitet zu werden, steht vollkommen senkrecht auf einem Gestelle, oder dem sogenannten Bosstrstuhle, auf welchem er, mittelst eines Hebebaums, nach Erfodern kann umgedreht werden. Unweit des Blockes steht, ebenfalls auf einem Bosstrstuhle, das Modell. Nachdem nun diese i Vorkehrungen sämmtlich getroffen sind, begibt sich der Künstler an die eigentliche ! Arbeit, nämlich an das Behauen des Blockes. Hier gibt es eine doppelte Art, nach Maßgabe des Modells die Massen zu bearbeiten: die praktische und die akademische. Nach der ersten Art überzieht der Künstler Modell und Block mit einander durchschneidenden Linien, welche auf beiden in gleichen Verhältnissen Vierecke bilden, worauf er alsdann verfährt, wie man ein Gemälde durch ein Gitter verjüngt oder vergrößert. Es zeigt nämlich ein jedes kleine Viereck des Modells seine Flächenmasse gleichergestalt auf jedem großen Viereck des Blockes an. Da nun aber hierdurch gewissermaßen doch nur oberflächlich der eigentliche körperliche Inhalt, sowie der rechte Grad der Erhöhung und Vertiefung des Modells bestimmt werden kann, so wird der Künstler seiner künftigen Figur allerdings ein gewisses Verhältniß des Modells geben können. Dabei bleibt er aber lediglich der Leitung seines Auges überlassen und muß deßhalb beständig zweifelhaft sein, ob er inHin- sicht auf sein Modell zu tief oder zu flach, ob er zu viel oder zu wenig Masse weg- ^ genommen. Er ist ferner auch nicht im Stande, weder den äußern Umriß, noch denjenigen, welcher die innern Theile des Modells, oder diejenigen, welche gegen die mittlere Erhöhung zugehen, oft nur wie mit einem Hauche angezeigt, durch solche Linien zu bestimmen, durch die er ganz natürlich und ohne die geringste Abweichung ebendieselben Umrisse auf seinem Stein entwerfen könnte. Weil nun auch keine Grenzen der Tiefen gesetzt werden können, so kann der Fehler, wenn einmal Etwas verhauen ist, nicht wieder gut gemacht werden. Und endlich ist es ein Hauptmangel dieser Verfahrungsart, daß die auf den Stein aufgetragenen Linien sich alle Augenblicke weghauen, und ebenso oft, nicht ohne Besorgniß der Abweichung, Conv -Ler. Siebente Aufl. Bd. I. f 57 898 Bildhauerkunst (Technik der) von neuem müssen gezogen und ergänzt werden. Diese Ungewißheit nöthigte die Künstler, einen sicherern Weg zu suchen, und viele nahmen diejenige Verfahrungs- art an, welche von der franz. Akademie in Rom zum Nachbilden der Antiken zuerst erfunden war. Nach dieser befestigt man nämlich über dem Blocke und dem Modelle die sogenannte Mensur, welches ein viereckiger Rahmen ist, von welchem man nach gleich eingetheilten Graden Bleifäden herunterfallen läßt. Durch diese Fäden werden die äußersten Punkte der Figur deutlicher bezeichnet, als in der ersten Art durch Linien auf der Fläche, wo ein jeder Punkt der äußerste ist, geschehen konnte; sie geben auch dem Künstler ein sinnliches Maß von einigen der stärksten Erhöhungen und Vertiefungen durch die Grade ihrer Entfernung von Theilen, welche sie decken, wodurch er in den Stand gesetzt wird, freier und mit mehrem Muthe bei seiner Arbeit zu Werke zu gehen. Da aber der Schwung einer krummen Linie durch eine einzige gerade Linie nicht genau zu bestimmen ist, so werden ebenfalls die Umrisse der Figur durch diesen Weg sehr zweifelhaft für den Künstler angedeutet, und in geringen Abweichungen von ihrer Hauptfläche wird sich derselbe alle Augenblicke ohne Leitfaden und ohne Hülfe sehen. Es ist sehr begreiflich, daß in dieser Manier auch das wahre Verhältniß der Figuren schwer zu finden ist. Um diesem Übelstande auszuweichen, bemüht man sich, jenes Verhältniß zu finden, indem man die Bleifäden durch Horizontalfäden durchschneiden läßt. Michel Angela erfand einen neuen, sehr sinnreichen Weg, auf welchem er das richtige Verhältniß der Figuren zu bestimmen suchte. Eine Nachricht davon findet man in l Vasari's „Leben der Maler rc." ausführlicher aufgezeichnet, als es hier geschehen könnte, weßwegen wir dahin verweisen. — Hat nun der Künstler nach einer dieser Methoden jeden Theil seines Modells nach seiner Lage und seinem Verhältniß an dem Blocke bestimmt, so arbeitet er denselben mit dem Eisen und, nach Erfoderniß der Umstände, mit dem Bohrer aus. Hierbei geht er von dem äußersten Punkte nach den innern Punkten fort und gründet so die Hauptpunkte der Glieder, Muskeln, Gewänder rc. von allen Seiten. Ist ein Punkt gefunden und, wo es möglich ist, mit dem Bohrer vorgearbeitet, so schlägt der Künstler den überflüssigen Stoff mit dem Spitzeisen aus, läßt jedoch noch Etwas stehen, damit es ihm bei der Ausarbeitung nicht fehle. Anfänglich schlägt er jeden Theil eckig aus, dann bricht er nach und nach die Ecken und rundet jeden Theil. Das Eisen darf, damit nicht zu viel Stein abspringe, immer nur wenig auf einmal wegnehmen. Hat nun aber der Block ungefähr die Figur, die er bekommen soll, erhalten, so wird er ausbosstrt (mit dem Zahneisen weiter ausgebildet), und die Anlage zu den feinsten und zartesten Theilen gemacht. Dir.Massen unter den schwebenden oder schwachen Theilen, z. B. die Gegenden unter den Armen, zwischen den Fingern und Füßen, den Falten rc., zu deren Bearbeitung das Spitzeisen nicht gebraucht werden kann, werden nun bei dem Ausbossiren vermittelst des Bohrers und der Raspel weggenommen, welches eine sehr mühsame Arbeit ist.. Auf dieselbe Art entstehen auch die Vertiefungen des krausen Haupthaars, der Nasenlöcher rc. Hierauf schreitet der Künstler zu dem Zähnen, das heißt, er nimmt mit dem Zahneisen alle bisher noch eckig angelegten Theile ab, und gibt der Figur Rundung, Richtigkeit und Feinheit. Dabei bedient er sich des Tastercirkels, um die Stärke jedes Gliedes genau nach dem Modell zu bestimmen. Nun steht das Werk kenntlich da und darf nur rein gemacht, d. h. rein und sauber ausgearbeitet werden, welches mit dem Breiteisen, dem Rundeisen und dem Zwergeisen geschieht. Das erste ebnet gemeiniglich das Nackte und alle ebene Flächen, das zweite die Vertiefungen, z. B. die Falten, und das dritte die kleinen schwebenden Theile. Da aber das Eisen den harten Stein nicht völlig ebnet, so muß ihm die Raspel zu Hülfe kommen, welche überdies die feinsten Theile, z. B. die Augenlider, Nägel rc., ausbildet. Nach dem Unterschiede der Flächen werden gerade, aufgeworfene, runde, flache u. a. 899 Bildlich Bildung Raspeln crfodert. Das Rauhe, welches sie zurücklassen, wird mit feinem Sandsteine abgeschliffen. Besteht das Werk aus Marmor, so erhalt dieser zuletzt noch Politur, mit gepulvertem Bimsstein, mit einem feuchten Tuche oder mit Zinnasche, oder, und zwar am häufigsten bei gefärbten Marmorarten, mit gebrannten und gepulverten Schafbeinen oder mit Schmergel. Bildlich (in der Ästhetik und Rhetorik). Der bildliche Ausdruck ist dem eigentlichen entgegengesetzt und besteht darin, daß man sich der Vorstellung eines sinnlichen Gegenstandes, welcher wesentliche und gesetzmäßige Beziehungen auf einen andern hat, bedient, um entweder die Vorstellung gewisser Merkmale des letztem mit desto größerer Leichtigkeit und Wirkung zu erregen, oder doch den Eindruck der durch den eigentlichen Ausdruck schon erregten Vorstellung desselben zweckmäßig zu erhöhen. Das Vergnügen an dem bildlichen Ausdrucke entsteht nicht in allen Fällen aus einem und demselben Interesse; denn bald ist es in dem Erkenntnisvermögen, bald in dem Gefühl und Begehrungsvermögen begründet. Oft bedienen wir uns der bildlichen Darstellung, um Wahrheiten und Begriffe einzukleiden, damit wir die Aufmerksamkeit desto sicherer erregen und fesseln, um theils diejenigen Seiten und Merkmale der Gegenstände, die wir vorzüglich in Betrachtung gezogen wissen wollen, desto lebhafter hervorzuheben, theils auch, um über nicht-sinnliche Gegenstände Anschaulichkeit zu verbreiten und Leichtigkeit der Einsicht mit dem Vergnügen an Ähnlichkeit zu verknüpfen. Aus dieser Quelle entspringen sinnbildliche Darstellungen, Parabeln, Fabeln und mehre rednerische Figuren. Bei der Wahl der Bilder muß man vorzüglich darauf sehen, daß sie aus einem Kreise von Dingen hergenommen werden, welcher Denen vollkommen bekannt ist, für welche man sie gebraucht; es muß eine wirkliche und wesentliche Übereinstimmung zwischen ihren Merkmalen und den Merkmalen der einzukleidenden Sache herrschen. Diese Übereinstimmung muß aber auch jedem Gebildeten augenblicklich einleuchten, nicht erst eines längern Nachdenkens bedürfen, um aufgefaßt werden zu können. Das Bild muß überhaupt keine Wirkung hervorbringen, welche derjenigen, die man beabsichtigt, widerstreben würde; sie muß im Gegentheile Gefühle erregen, die mit dem Hauptgefühle, welches man beabsichtigt, übereinstimmen. Das Bildliche ist übrigens wohl zu unterscheiden vom Sinnbildlichen und vom Tropischen. äll. Bildnerei, so viel wie bildende Kunst im engern Sinne, ohne Rücksicht auf das mechanische Verfahren, also Bildformekunst, Bildgießkunst, Bildhauerkunst, Bildschneidekunst. (S. Plastik.) Ihre Producte werden Bildwerke genannt. Bildniß, s. Portrait. Bildung istein Vorzug, den nur der Mensch, aber, wie die Verhältnisse noch stehen, nicht jeder Mensch haben kann. Eine Menge von innern und äußern Anlässen und Hülfsmitteln müssen sich vereinigen, um den Menschen, das rohe Geschöpf, zum Menschen zu machen und aus dem harten Dienste der Naturnothwendigkeit, in dem es überall seine Laufbahn beginnt, zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes zu erheben. Der milde Himmelsstrich, wo die Natur nicht reich genug, um den Menschen der Anstrengung und Übung seiner Kräfte zu überheben, und doch ergiebig ist, seine Thätigkeit zu belohnen, scheint vorzüglich zum Sitze der Bildung bestimmt. Hier, wo eine glückliche Mischung der Grundstoffe dem Körper Geschmeidigkeit gibt und den Aufschwung des Geistes befördert, finden wir die gebildetsten Völker der alten und neuen Zeit. Der Ackerbau fesselte sie an bestimmte Wohnörter, das Bedürfniß lehrte sie bauen, der Nachahmungstrieb Gestalten formen und in die Töne der belebten Natur einstimmen. Leid und Freude, Liebe und Dankbarkeit deuteten sie in Denkmälern und Festen an, sprachen sie in Geschichten und Liedern aus, die frühe Ahnung eines göttlichen Lebens in der Natur 57 * 900 Bildung und die Abbildung ihrer bedeutsamen Körper führte zu Symbolik und Schrift. So gewannen Gefühl und Gedanke den entsprechenden Ausdruck; die Gesellschaft das Werkzeug einer leichten Mittheilung ihrer Kenntnisse nach allen Seiten; die Kunst den Stoff und Antrieb ihrer Übungen; die That ihren unvergänglichen Ruhm, und die Religion ihre Herrschaft unter den Menschen. Die Mitte des südwestlichen Asiens ward die Wiege der Bildung, die uns in ihrem Gange die bekannteste und, als die Mutter der unseligen, die wichtigste ist. Nur an die Zone, doch nicht an be- ! stimmte Lander gebunden, wanderte sie von O. nach W., und die Betriebsamkeit der Bewohner des europäischen W. hat ihre im Orient allmälig versteinerten Schätze mannigfaltig ausgeprägt und gemeinnützig gemacht. Die freiern Verfassungen der Europäer, die Reibungen und Verbindungen ihrer kleinen Staaten, die Leichtigkeit des Verkehrs auf ihren wegsamern Straßen und Gewässern, ihre öffentlichen Anstalten und gemeinschaftlichen Unternehmungen, ihre religiösen Mysterien und philosophischen Schulen waren Wechselsweise Früchte und Beförderungsmittel einer Bildung, die bei den alten Griechen in eigenthümlicher, nirgend-übertroffe- ner Schönheit und Rundung erscheint, und zum Unterschiede von der neuen, der sie zum Muster dient, nun die antike heißt. Die Bildung der Alten zeigt sich als ein gesundes Gewächs der Natur und ihrer freien Verhältnisse; ihre Einheit und Übereinstimmung mit sich selbst, ihre Wahrheit und Naivetät, die Sicherheit und das kräftige Behagen, womit sie auf dem Wege der Natur fortschreitet, gefällt ducch sich selbst. Doch hatte sie mit den Blüthen auch das Loos der Hinfälligkeit gemein. Das Vaterland nahmen ihr römische Unterdrücker, und ihre Götterwelt wich den Grübeleien einer Philosophie, die, die Natur entgötternd, dem neu aufgehenden Lichte der Religion des Einigen und Unendlichen Bahn machte. In Rom ward die Bildung der Griechen zur Dienerin des ausschweifendsten LuxuS. Auch ihre letzten Schatten verschwanden mit dem Falle des römischen Reichs. Die Sitten und Sprachen der germanischen Sieger verschmolzen mit denen der unterjochten Weichlinge; der dem germanischen Norden eigenthümliche Adel des Geschlechtsverhältnisses, der ein romantiscbes Frauenreich schuf, die Lehren und Gebräuche des ihnen bald eingeimpften Christenthums wurden unter der Leitung der Kirche die , Grundlagen einer neuen Bildung, bei der die antike, so weit man sie noch aus ihren ^ Resten und Rückerinnerungen kannte, nur ein Gegenstand des geistigen Luxus der Gelehrten und Künstler werden, aber nie in der Mitte des Volks mit ihrer Frische und Lieblichkeit wieder aufleben konnte. Obgleich nun die germanischen Völker, treu der alten Sitte und Sinnesart, eigne Wege gingen und dem Hirten- j stabe des Vormunds in Rom nur langsam gehorchen lernten, so wuchsen doch aus ihrer Natur und Landesart ihre Nationaleigenheiten nur in behaglicher Freiheit hervor; das auf diesen wilden Stamm gepfropfte Reis aber, die neuere Bildung, ! ist ein Erzeugnis bestimmter Absichten und zwangloser Verhältnisse. Sie unterscheidet sich von der antiken insbesondere durch den Umstand, daß sie, weil es den neuen Völkern an Öffentlichkeit des Lebens, an Festen, wo das Schöne der Gegenstand eines allgemeinen Genusses geworden wäre, ja im Ganzen selbst an : Sinn dafür gebrach, auch nie die Masse der Völker völlig durchdringen konnte, , sondern bis in die neuesten Zeiten ein Vorrecht der Höfe, der Hähern Stände und A gelehrten Schulen blieb, von denen ihre Denkmäler in Kunst und Wissenschaft aus- I gegangen sind. Überall von der Anschauung zum Übersinnlichen, vom Bilde zum I Begriff durchdringend, geht sie auf Ideale aus, ohne sich wehmüthiger Rückblicke » auf die goldene Vorzeit erwehren zu können, wo der Mensch mit der Natur und sicb ? selbst Eins war. Daher die empfindsame Sehnsucht, das mühsame Streben und die i ewige Klage der Neuern; daher ihre jeden reinen Genuß verkümmernde Überlegung und Kritik, die sich in Theorien und Planen erschöpfen, die schöne Natur, hinter der die Weichlichkeit des jetzigen Lebens weit zurückbleibt, wo möglich noch zu über- Bildung 601 bieten. Aber weder die Unschuld der Urwelt noch die harmonische Schönheit der griechischen Bildung werden sie zurückbringen können; der ewige Erzieher des Menschengeschlechts wiederholt sich nicht, jede Epoche seiner Führung bringt neue Epochen zu Tage; auch die Form der neuern Bildung beurkundet auf ihre Weise das Fortschreiten der Menschen. Die unbehaglichen Widersprüche, in welche die Neuern, zugleich rückwärts und vorwärts schauend und immer nach dem Unerreichbaren haschend, sich mit sich selbst verwickelt haben, können friedlich gelöst werden und in ein sicheres, freudiges Streben übergehen, wenn man sich endlich darein ergeben wird, für uns sei nur Trost und Rettung in der Idee, auf die das Christenthum, das mit seinen ewigen Wahrheiten und unendlichen Beziehungen die Hauptgrundlage unserer Bildung ist, hinweist. Und deutlich genug tritt diese Richtung zum Idealen in den bessern Leistungen der Neuern hervor: gründlicher Fleiß, tiefe Forschung, allumfassende Wißbegierde, ein scharfer Verstand, eine des Fernsten und Höchsten mächtige Phantasie und ein Vermögen zu sondern und zusammenzustellen, dem die Alten nur spärliche Anfangsgründe an die Seite zu setzen haben, zeichnen die Werke der neuern Kunst und Wissenschaft aus. Sind auch Michel Angelo und Eanova nur geistreiche Zöglinge der antiken Plastik, so wetteifern doch die Heroen der italienischen, spanischen, englischen und deutschen Dichtkunst rühmlich mit den herrlichsten Alten. Joh. Erigena, Spinoza, Leibnitz, Hemsterhuis, Kant rc. ringen mit Plato und Aristoteles um den Preis der Tiefe und Gründlichkeit, die alte Leier verstummt im Jnstrumentcnsturm einer Haydn'schen Symphonie, und Zeuxis's Trauben verschwinden vor Rafael's Madonnen. Die Vervielfältigung der Schilderten in Holzschnitt und Kupferstich, die Buchdruckerkunst mit ihrem unabsehlichen Einflüsse, der Eompaß zur Schifffahrt und der Wechselbrief zum Handel sind Erfindungen der Neuern; die Anwendung der Mathematik auf die kunstreichen Arbeiten und Maschinerien, die das Leben erleichtern, die Elemente dienstbar machen und tausend neue Bedürfnisse befriedigen; die Leitung des Blitzes, der Gebrauch des Pulvers bezeugen das neuere Fortschreiten. Ob die sittliche und religiöse Bildung der Menschen bei diesen Fortschritten gewonnen habe, ist eine schwer zu beantwortende Frage. Die Alten wußten nur von einer Bildung, die sich durch Gymnastik und Musik (Musik im Sinne der Griechen ist die freie Entwickelung der Seelenkräfte durch die den Musen geheiligten Künste und Wissenschaften) vollenden ließ und zu allen Dingen nützlich war. Die Künstlichkeit der neuern Verhältnisse, die unendliche Vervielfältigung der Bedürfnisse und der Mittel, sie zu befriedigen, hat diesen Einen Stamm in hundert Äste gespalten, und der Einzelne bringt es mit aller Mühe nicht dahin, sie wieder zu einem Ganzen in sich zu vereinigen. Denn nicht genug, daß wir es zugleich auf eine geistige, ästhetische und moralische Bildung anlegen, und bald Verstand und Einbildungskraft im Denken und Zusammenstellen des Wahren und Möglichen, bald diese beiden mit dem Gefühl in der Empfindung und Beurtheilung des Schönen, bald Gefühl und Willen in der Empfindung und Wahl des Guten üben müssen, um unsere Seelenkräfte zu entwickeln: als Schüler der Alten bedürfen wir dazu einer classischen, als Bewahrer der Literatur einer gelehrten und literarischen Bildung, und wo wäre irgend eine Wissenschaft und Kunst, die nicht zu ihrer Pflege eine eigne, allein auf ihr Gebiet berechnete und den Fleiß eines ganzen Menschenlebens in Beschlag nehmende Bildung erfoderte? Ähnliche Anspräche machen die verschiedenen Stände, Geschäftskreise und Gewerbe der bürgerlichen Gesellschaft; militauische, camerali- stische, mercantilische, ökonomische Bildung wird in eignen Erziehungsanstalten erworben. So ist unsere Aufmerksamkeit und Kraft in tausend einzelne Zweige der Bildung zertheilt; wie hätten wir Zeit, den Menschen in uns auszubilden, da wir kaum mit dem Bürger fertig werden? Viele fangen es daher gar nicht mehr auf etlvas Höheres an, als was der Zwang der Verhältnisse, der National - und Stgin- 902 Bildung desgeist aus ihnen macht, und schwer verbergen sie oft die verletzenden Ecken dieser Einseitigkeit hinter dem Scheine von Bildung, den sie als ein zum äußern Anstande nothwendiges Gesellschaftskleid für die Unterhaltungsstunden anlegen. Aber die gesellige Bildung, in der die feinern Cirkel der Franzosen den Ton angaben und die hohem Stände aller europäischen Nationen sich verstehen, hat einen edlem Sinn. Sie setzt Einsichten und Kenntnisse, die über Alles, was den Menschen als thcilnehmenden Welt- und zukünftigen Himmelsbürger angeht, ein Urtheil erlauben, und dabei eine Zartheit und Reinheit des Gefühls, eine schnelle und richtige Übersicht der Verhältnisse, eine Leichtigkeit und Übung des Geistes im Gebrauchen der mannigfaltigsten Formen, kurz einen feinen Takt voraus, der jedem Gedanken im Gespräch die rechte Stelle, die anziehendste Bedeutung, den schicklichsten Ausdruck und die heiterste Farbe zu geben weiß, und ungern entbehrt sie die angenehmen Talente und Kunstfertigkeiten, deren sinnvolle Leistungen, bescheiden in den Lauf der Unterhaltung cingeflochten, als Proben von Fleiß und Genie den Geber ehren und die Empfangenden zu höherer Freude stimmen; oder wenn man diese empfehlenden Eigenschaften nicht in hinlänglichem Grade besäße, um der Gesellschaft durch eigne Gaben gefällig zu werden, erfodert sie doch wenigstens eine sich ungezwungen äußernde Empfänglichkeit für alles Schöne, Wahre und Gute, was sie zur Befriedigung der hohem Bedürfnisse des Geistes darbieten will. (Vgl. Co ritz er sät ion.) Alle Zweige der neuern Bildung fänden in dieser geselligen, Leben, Kunst und Wissenschaft angenehm verschmelzenden, den besten Vereinigungspunkt, gehörten die Kreise, in denen sie einheimisch ist, nicht unter die Seltenheiten. Und auch diese gebildeten Kreise sind nicht ganz frei von dem Einflüsse der Eigenheiten, welche die Nationen in Sitte, Stimmung und Lebensweise von einander unterscheiden, und eben wegen ihrer nicht immer liebenswürdigen Eigenthümlichkeit keineswegs für Merkmale wahrer Bildung gelten können. Was aber die gutgemeinte, kräftig ausgesprochene und unter günstigern Umständen auch wol zum Theil ausführbare Idee, diese Volkseigcnthümlichkeit durch gewisse ihr angemessene Anstalten für die öffentliche Bildung zum allgemeinen Charakter einer veredelten Menschheit zu erziehen, betrifft, so läßt sich, weil sie bis jetzt zu wenig Eingang gefunden, noch keine bestimmte Hoffnung darauf bauen. Wie sehr daher auch der allzu freigebige Sprachgebrauch des gemeinen Lebens, welcher jedem in Romanen und Gedichten etwas belesenen, durch feinere Bedürfnisse des Luxus und eine gewisse Höflichkeit vor der niedern Volsclasse ausgezeichneten Mitgliede der Gesellschaft Bildung beilegt, von der Allgemeinheit des Bestrebens, gebildet zu heißen, zeugen mag: so wird es doch, bei dem seltenen Zusammentreffen günstiger Umstände und edler Bestrebungen mit glücklichen Anlagen des Geistes und Herzens, immer nur wenige auserlesene Menschen geben, welche nach einem unserer Bestimmung angemessenen Begriffe von Bildung genannt zu werden verdienen. Bilden heißt ein Bild von Etwas machen, und dies kann, wo es auf Menschenbildung abgesehen ist, kein andres sein, als das Bild des Menschenideals, oder nach den Ansichten der Religion, das Ebenbild der Gottheit. Bildung in diesem allgemeinen Sinn ist uns daher die durch zweckmäßigen Unterricht und geregelte Selbstthätigkeit zu bewerkstelligende harmonische Entwickelung der gesammten Menschenkcaft zur Gottähnlichkeit, und weil diese Aufgabe nur eine unendliche Annäherung verstattet, nennen wir Den gebildet, der bereits glückliche Fortschritte zum Ziele der Menschheit gemacht hat. Eine Bildung, die diesem Begriffe entspricht, wird ebenso sehr den Federungen der Gesellschaft an das zu bildende Subject Genüge leisten, als sie seinen eignen Geistes - und Herzensbedürfnissen vollkommene Befriedigung gewahrt, und es kommt nur darauf an, daß diese Bildung Allen gemein werde, und der Vergeistigungsproceß, in dem die Menschheit begriffen ist, eine entschiedene Richtung auf ihren heiligen Endzweck gewinne, um die from- Bildungstrieb Biliner Sauerbrunnen 903 men Wünsche der Weltbürger und Menschenfreunde zur glücklichsten Erfüllung zu bringen. 17 Bildungstrieb. So nennen die Naturlehrer theils überhaupt die hervorbringende Kraft der Natur, die in Massen und Formenverhältniffen wahrnehmbar wird, theils insbesondere die in den organischen Körpern wirksame Kraft, eine besondere Bildung und Form von Innen heraus anzunehmen (ni^uskormanäi oder NI8U8 korinativus). Diese Kraft offenbart sich durch Selbstbildung und Selbsterhaltung, indem der Körper verschiedene Stoffe in sich aufnimmt (die Nahrungsmittel), sich dieselben aneignet, das Fremdartige absondert, verlorene Theile wiederherstellt, und so sich ernährt, erhält und als organisches Individuum bestimmter Gattung fortbildet und aufwächst; ebenso ist die Erzeugung eines neuen Gattungsindividuums durch Verbindung zweier Individuen verschiedenen Geschlechts (Fortpflanzung der Gattung), indem der organische Körper nur ein Wesen seiner Gattung erzeugt und nicht aus Eigenthümlichkeit herausgeht. (Eine vorzügliche Schrift über den Bildungstrieb gab Blumenbach.) Auf eine ähnliche Weise redet man auch von einem geistigen Bildungstriebe, oder einem natürlichen Streben deS Menschen, eine geistige Individualität zu erlangen und zu behaupten, seine geistigen Anlagen nach dem Ideale der Menschheit eigenthümlich zu entwickeln und insbesondere die von Außen aufgenommenen Stoffe oder Einwirkungen zu seinen Zwecken mit Bewußtsein zu benutzen und zu bearbeiten. 1'. Biledulgerid (kbelaä al vsberül, Dattelland), in Nordafrika, im S. des Atlas, erstreckt sich nördlich bis Tunis, westlich nach Algier und der Sahara, östlich bis Tripolis. In der Wüste gibt es bloß Oasen (f d.), diegar- tenmäßig bestellt und gewässert werden. Am Fuße des Atlas mildern die aus den Thälern dieses Gebirges strömenden Winde die heiße Temperatur. In jenen Oasen sind die Hauptproducte Gerste, die zum Earavanenbrei benutzt wird und von vorzüglicher Güte ist, und Datteln, die nirgends in solcher Vollkommenheit als hier reisen. Thau fällt in den Oasen stark, Regen sehr selten. Alle tropische Products gedeihen in großem Überfluß, wenn sie ohne Regen blühen, wachsen und reisen können. Die Berbern, welche hier wohnen, sowie die Neger und Araber, treiben Handel und reisen in Caravanen. Dies reibt viele in der Jugend durch Wechsel des Klimas, schlechte Nahrung und endemische Fieber auf; daher das Mißverhältniß vieler Greise und weniger Jünglinge. Von Biledulgerid besitzt Marocco Dara, Tasilet und Segelmeffe, Algier Wadrag, Tunis Tozer. Unabhängig sind die Länder Gademes, Welled - Sidi und Mosselemis. Von Menschen, Sitten und Wohnung dieser Stämme wissen wir wenig. Biliner Sauerbrunnen quillt bei dem Städtchen Bilin in Böhmen in 4 Quellen hervor, am Fuße eines hohen Felsen, des biliner Steins oder Bortzen. Die Gegend umher ist bergig. Vor Allem aber hebt sich malerisch daraus hervor der hohe, fast auf allen Seiten frei aufstrebende biliner Stein, von dessen Höhe man einer wahrhaft reizenden Aussicht genießt. Das Städtchen Bilin an der Bila soll vordem seine eignen Herzoge gehabt haben, die die Gegend beherrschten, aber von den böhmischen Königen unterdrückt wurden, die nun Burggrafen hierhersetzten. Später kam es an die königl. Kammer, die es wieder zu Lehn gab. Seit 1464 sind di'e Fürsten von Lobkowitz in dem Besitz dieser Herrschaft. Der biliner Brunnen mag zuerst im Anfange des 18. Jahrh, entdeckt worden sein, ward aber erst um die Mitte desselben gefaßt. Da jedoch das Wasser schon versendet wurde, und diese Versendung zunahm, so baute man hierzu ein Haus und half überhaupt der Gegend durch Kunst nach. 1779 wurden 2698, und 1786 bereits 42,000 Flaschen verschickt. Die Brunnen entquellen der Erde ganz rein; der Geschmack ist frisch, kühlend, säuerlich; das Wasser wirft viel Perlen und schäumt, vorzüglich wenn es mit Wein und Zucker vermischt wird; die Warme der Quelle ist 12 904 Bill Gr. Röaumur. Das Wasser enthält in einem Pfunde zu 16 Unzen: luftsaures mineralisches Laugensalz 301- Er., Glauberisches Wundersalz 4^ Gr., Kochsalz 1-z Gr., luftsaure Bittererde 2s- Gr., luftsaure Kalkerde 3^ Er., Kieselerde -5 Gr., Extractivstoff Gr., Luftsaure 49 Kubikzoll, und reine Luft 4 Kubikzoll. Mit Nutzen wird der biliner Brunnen getrunken bei Hypochondrie, schleimigen Schlagflüssen, Lähmungen, Kopfkrankheiten, bei Faulsiebern, Bräune, Geschwüren, Hautausschlägen, Skrofeln, Scorbut, in gichtischen und solchen Krankheiten, die Erschlaffung zum Grunde haben, bei Krankheiten des Unterleibes, der Brust, der Harnwege rc. Obschon der Brunnen auch an Ort und Stelle getrunken wird, so trinkt man ihn doch auswärts noch stärker, besonders da Teplitz nur eine Stunde entfernt ist. S. Reuß, „Die Mineralquellen zu Bi- lin" (Wien 1808). Bill, Kill», der parlamentarische Vorschlag eines Gesetzentwurfs. In der englischen Rechtssprache heißt jeder schriftliche Aufsatz Bill. (Wechsel: lull vk exvb-mAe; ein schriftlich aufgesetzter Kauf über bewegliche Dinge, wodurch nach englischem Rechte das Eigenthum sofort auf den Käufer übergeht: kill ok salo u. s. w.) Man leitet dies Wort von libellu» ab. Wenn eine Criminalan- klage von dem großen Schöffenrecht (Arsucksur/) bei denAsstsen statthaft gefunden wird, wobei sie natürlich nicht die Richtigkeit der vorgetragenen Thatsachen, sondern nur die Frage untersuchen, ob aus den angegebenen Thatsachen Etwas gegen den Angeklagten folgt, so wird auf die Rückseite gesetzt: 4 trus bill (ehedem bill-e veir>). Wenn aber die Schöffen dafür halten, daß die Thatsachen keinen hinlänglichen Verdacht begründen, so schreiben sie darauf: Not a true kill, oder Not kouuck (ungegründet). Im parlamentarischen Style unterscheidet sich eine Bill von einer Motion; diese ist der vorbereitende Antrag zu jener. Eine Motion hat oft auch keine Bill zum Gegenstände, wie ein-Antrag, den Zustand des Landes zu untersuchen, eine Adresse an den König zu entwerfen, eine Commission niederzusetzen u. dgl. Jede Motion muß von einem andern Mitgliede des Hauses unterstützt werden («soonlled), sonst beschäftigt sich das Haus gar nicht damit. Privat- I bills, welche irgend eine Verfügung zu Gunsten einzelner Personen oder Corpora- tionen betreffen (z. B. die Naturalisation, oder die Erlaubniß, eine Brücke zu bauen und Brückenzoll zu erheben), können nicht anders als durch eine Petition (ein schriftliches Gesuch) eingeleitet werden, welche von einem Mitgliede des Hau- M ses übergeben, wo nöthig, durch eine Commission geprüft und dann entweder ver- IV werfen oder zum Einbringen der Bill verstattet wird. Gesetzvorschlägen über Ik öffentliche Angelegenheiten (publio bills) hingegen muß eine Motion vorangehen, II d. i. das mündliche Gesuch eines Mitglieds um die Erlaubniß, eine solche Bill einbringen zu dürfen. Wird diese ertheilt, so wird in einer gehörigen Zeit der Vorschlag schriftlich übergeben. In frühern Zeiten wurden alle solche Vorschläge in Form einer Bittschrift an den König eingebracht und beschlossen, sie waren also nach unserer Art wirkliche libelli Arovaininuiu et llesiäeriorunr. Ein solcher schriftlicher Entwurf hat eine Menge leerer Stellen (blank») für die Bestimmungen, welche dem Parlamente überlassen werden müssen, als der Zeit, der Summen und andrer quantitativen Punkte. Nun wird die Bill 3 Mal in herkömmlichen Awi- schenräumen verlesen. Bei dem ersten Verlesen ist hauptsächlich von ihrem Verwerfen im Ganzen die Rede. Bei dem zweiten Verlesen wird.sie discutirt, entweder durch eine Commission oder in wichtigen Angelegenheiten durch das ganze Haus, welches sich in eine Comite verwandelt. (Dabei verläßt der Sprecher seinen Stuhl, spricht und stimmt mit, und es wird ein andres Mitglied zum Vorsitzenden, Olmirmun, erwählt.) Die leeren Stellen werden ausgefüllt, Zusätze und Veränderungen (ameillliiients) gemacht, und oft die Bill ganz umgeschaffen. Ist diese Arbeit beendigt, so nimmt der Sprecher seinen Sitz wieder ein, und der Chainrum Billington 905 trägt die berichtigte Bill wieder zur Abstimmung über das Ganze vor. Wird sie durch die Mehrheit angenommen, so wird sie mit sehr großer Schrift auf Pergament geschrieben (engro88eck) und nun zum dritten Mal verlesen. (Wird hier noch ein Zusatz gemacht, so wird er auf einem besondern Stücke Pergament angeheftet, welches Kicker genannt wird.) Alsdann wird sie dem andern Hause zugebracht, wo dasselbe Verfahren (mitAusnahme des Jngrossirens) noch einmal durchgemacht wird. Wird sie hier verworfen, so bleibt die Bill stillschweigend liegen; werden aber Zusätze und Veränderungen beschlossen, so werden sie dem andern Hause mitgetheilt, und nöthigenfalls Conserenzen zwischen deputirten Mitgliedern beider Häuser veranstaltet. Vereinigen sich die beiden Häuser nicht, so bleibt die ganze Sache ohne Erfolg; die Bill ist durchgefallen (ckrvppeck). Die königl. Genehmigung wird entweder vom Könige in Person gegeben, wobei er im Oberhause erscheint, das Unterhaus an die Schranken gerufen wird, und nun die Überschriften der Bills mit der Antwort des Königs in den alten normännisch-französischen Formeln durch den Secretair abgelesen werden. Z. B. bei einer Bill, die öffentliche Angelegenheiten betrifft (publie bill), lautet die Bestätigung: I-e Loi le veut; bei einer in Privat- sachen (private biU): 8oit fair eomms il est ckeHre; bei einer Bill, die Bewilligung von Steuern und Taxen oder Anleihen enthalt-(inone)' bill): I,e koi remer- cie 868 lo^au» 8ujet8, aveepte leur benevolence et au88i le veut. Die höfliche Formel der Verweigerung ist: Le koi 8'avi8era. In Gnadensachen, welche von der Krone ausgehen (z. B. Amnestien, Begnadigungen u. s. w.), antwortet das Parlament durch den Parlamentssecretair: Lv8 krelat8, Seigneura et ooiu- M0N8, en ee pr«8ent parliainent »88einble8, an noiu cke tou8 Vo8 autre8 8nb- seeta, remeioient tre8-bumblenreot Votrs IUaje8te et prient a Dien, Von« ckonner en 8»nts banne vie et lonAue. — Oder der König ertheilt die Resolutionen schriftlich unter dem großen Staatssiegel, welches unter Heinrich VIII. bei der Strafbill gegen die Königin Katharine (Howard, enthauptet 1542) zum ersten Mal geschah, da der König eine solche Zustimmung nicht persönlich geben mochte. Das Recht der Verweigerung übte die Königin Elisabeth sehr häufig. Sie verwarf einst 48 Bills in einer Session. Die Könige aus dem Hause Hanover haben es nie ausgeübt, denn der letzte Fall desselben ist vom 1.1692 von Wilhelm lll. Die Regierung sucht ihren Zweck durch die Mehrheit in einem oder dem andern Hause zu erreichen. 37. Billington (Mistreß), eine der ersten Sängerinnen Londons. Als Tochter eines umherziehenden deutschen Musikus, Weichsel, übte sie ihr musikalisches Talent schon früh; in ihrem 7. I. spielte sie ein Concert auf dem Pianoforte im Haymarketthcater, und im 11.. trug sie eins von ihrer eignen Composition vor. Ihr erster, redlich denkender, aber schwacher Mann, Billington, Mitglied des Orchesters vom Drurylanetheater, führte sie nach Irland, um sie zur Sängerin zu bilden. Sie war jung, schon, und bald fröhnte sie in dem üppigen Dublin ihrem Hange zu Ausschweifungen aus die ärgerlichste Weise. 1786 trat sie im Covent- gardcntheatcr zu London auf, ohne großen Eindruck zu machen, weil sie die Kunst zu sehr vernachlässigt hatte. Sie ging deßhalb nach Paris und nahm 1787 Unterricht bei Sacchini. Ihr nachheriges erstes Gelingen zu London verdankte sie diesen ital. Lehrstunden. 1794 reiste sie zu ihrer Vervollkommnung nack Italien. Jetzt waren ihre Fortschritte schnell, ihre persönlichen Reize waren schon ausgebildet, und an Ausgelassenheit blieb ihr Nichts mehr zu lernen übrig. Ihr bekümmerter Gatte starb zu Neapel, wie damals behauptet, aber wenigstens nicht bewiesen ward, an Gift, und die junge Witwe heirathete bald darauf einen Lyoner, Namens Florissent, und ließ sich im Venetianischen nieder. 1801 erschien sie wieder in London. Damals war sie auf dem Gipfel ihrer Kunst und ihrer Künste. In Allem, was Aug und Ohr fesseln kann, ein außerordentliches Wesen; in vollen? 906 Bingerloch Bion deter Entwickelung ihres Talents, mit einer tiefrührend schönen Stimme, eingeweiht in alle Geheimnisse der italienischen Tonkunst, stand sie da, eine edle, liebenswürdige Gestalt, die größte Sängerin, die England geboren. Durch ein ungewöhnliches Engagement spielte sie abwechselnd in Covcntgarden und Drurplanc; ihre lange Abwesenheit hatte das Vergangene gleichsam verwischt; ein anständiger Lebenswandel würde die Sünden ihrer Jugend gewissermaßen gesühnt haben; allein nur zu bald sank sie in ihre gewohnte Ausgelassenheit zurück, bis kurz vor dem Zeitpunkte, wo ein früher Tod ihr schuldvolles Leben endete. Ihr Gatte, durch die Fremdenbill dazu genöthigt, hatte England ohne sein treuloses Weib verlassen müssen, und sie, vielleicht von Reue gefoltert, war kurz vor ihrem Tode (zu St.-Artive unweit Venedig, 26. Aug. 1818) ihm gefolgt. Bingerloch, s. Rhein. Binglcy. Dieser Garrick der holländischen Nationalbühne, 1755 in Rotterdam von wohlhabenden englischen Ältern geb., wurde nach vollendeten Schul- studien für den Handel bestimmt und auf ein Comptoir gebracht. Aber bald zeigte sich bei ihm eine unbezwingbare Neigung fürs Theater. Er trat, 18 I. alt, zu der Gesellschaft des verdienstvollen Corver, der sein erster Lehrer wurde. 1779 betrat er, 24 I. alt, die amsterdamcr Nationalbühne, ward jedoch, weil man ihn für einen geb. Engländer hielt, bei dem damals, durch die ohne Kriegserklärung von den Engländern erfolgte Wegnahme aller Schiffe unter niederländischer Flagge, erregten Hasse gegen England ungünstig aufgenommen. Allein bald besiegte er durch eine Darstellung des Achill, in dem Trauerst», d. N., alle Vorurtheile, indem er in dieser Rolle sein außerordentliches, durch das sorgfältigste Studium ausgebildetes Talent auf eine glänzende Weise zu entwickeln Gelegenheit fand. Von diesem Augenblick an war und blieb er der Liebling des Publicums. Obgleich die Tragödie stets sein Hauptfach blieb, so gelangen ihm doch nicht minder einzelne komische Darstellungen im Lustspiele. Er war zugleich der stanz. Sprache so mächtig, daß er neben den großen stanz. Bühnenkünstlern, welche auf ihren Kunstrci- sen die Niederlande zu besuchen pflegen, auf den stanz. Theatern in Amsterdam und Haag öfters mit Erfolg aufgetreten ist. So gab er 1811 auf dem stanz. Theater in Amsterdam die Rollen des Philoktet und Lear mit dem größten Erfolg. 1796 dirigirte er eine eigne Schauspiclergesellschaft, die vorzüglich in Rotterdam und dem Haag spielte und auch andre holländische Städte besuchte. Er war jedoch immer bereit, der amsterdamer Bühne in den Rollen auszuhelfen, die nur von ihm gespielt werden konnten. Eine seiner letzten Vorstellungen gab er, unterstützt von der großen Künstlerin Wattier Ziesenis, 1818 vor der königl. Familie in der Rolle des Farncse im Trauerst. „Maria", von Lalain. In demselben I. starb er im Haag. Binocular-Teleskop, s. Fernrohr. Binomisch, zweistellig, zweigliedrig, z. B. eine binomische Wurzelzahl in der Rechnenkunst. Binomialcoöfficientcn sind die Zahlen, welche anzeigen, wie oft in der entwickelten Potenz eines Binomii, z. V. rr -j-1>, jede Gattung von Product aus den Theilen desselben vorkommt. — Der binomische Lehrsatz ist jene merkwürdige Formel, welche die Zusammensetzung einer Potenz des Binomii » -s- b aus den beiden Theilen a und b und dem Exponenten der Potenz darstellt. Dieser Lehrsatz, die wichtigste Grundlage des Gebäudes der Analysis, war, für ganze positive Exponenten, schon mehren Analysten vor Newton bekannt. Aber erst Newton lehrte ihn auch auf gebrochene und negative Exponenten anwenden, und diese Entdeckung, eine der schönsten des großen Mannes, ist auf seinem Grabmale eingegraben. Biographie, s. Lebensbeschreibung. Biologie und Biometrie, s. Leben. Bion, auS Smyrna oder dessen Umgegend geb., ein griechischer Idyllen- Biörnstahl Biren 907 dichter, von dessen Lebensumständen sich nirgends einige Nachricht findet. Aus der Elegie, welche sein Freund und Schüler Moschus auf seinen Tod verfaßte, scheint hervorzugehen, daß er ein Zeitgenosse Theokrit's gewesen und an Gift gestorben sei. Wahrscheinlich lebte er in Sicilien oder Großgriechenland. Von den wenigen aus uns gekommenen Gedichten des B. wird sein Klaggesang auf Adonis für das vorzüglichste gehalten. Er ist vielfältig ins Deutsche übersetzt worden, u. A. auch von Vvß. Man findet B.'s Gedichte, sowie die des Moschus, gewöhnlich als einen Anhang bei den Idyllen des Theokrit. Einzeln von Fr. Jacobs, Gotha 1795, Gilb. Wakefield, London 1795, und I. C. F. Maaß, Leipzig 1807. Biörnstahl (Jakob Jonas), bekannt durch seine Reisen, geb. den 23. Jan. 1731 in der schwedischen Provinz Südcrmannland zu Rotarbo, studirte in Upsala, ging von da als Lehrer in das Haus des Baron'Rudbeck und reiste mit dessen Sohn nach England, Frankreich, Italien, Deutschland, .Holland und der Schweiz. Bei seinem Aufenthalte in Paris studirte er die morgenlandischen Sprachen. Da sein Zögling nach Schweden zurückgekehrt war, wurde B. von Gustav HI. bestimmt, Griechenland, Syrien und Ägypten zu bereisen, und erhielt zu gleicher Zeit den Titel eines Professors an der Universität Lund. Nun ging er auf Kosten des Königs 1776 nach Konstantinopel, wo er sich einige Zeit aufhielt, um die türkische Sprache zu erlernen, setzte dann seine Reise fort bis Salonichi und starb hier 1779 an der Pest. B. hatte eine Beschreibung seiner Reisen in Briefform an seinen Freund, den Bibliothekar Giörwell, geschickt, der sie anfangs in eine Zeitschrift, die in Stockholm erschien, einstreute, dann aber 1783 besonders herausgab. Groskurd hat davon eine deutsche Übersetzung geliefert. Dieses Werk enthält gelehrte und gründliche Untersuchungen über Münzen, Handschriften, seltene Bücher, eine große Menge Anekdoten, von denen die anziehendsten diejenigen sind, welche Voltaire betreffen, den er in Ferney besucht hatte; aber seine Bemerkungen und Urtheile über Sitten, Gebräuche, Religion und Literatur sind oft zu wenig genau und unparteiisch. Er hatte mehr Gelehrsamkeit als Geschmack, mehr Gedächtniß als sichern Takt und Unterscheidungskraft. Seine von Natur starke und abgehärtete Gesundheit setzte ihn in den Stand, viel zu arbeiten und die größten Beschwerden der Reise zu ertragen. Biot (Jean Baptiste), Physiker und Astronom, vieler in- und ausländischer gelehrter Gesellsch. Mitglied, geb. 1774 zu Paris, machte seine Studien im Eollegium Ludwigs des Großen, von wo er zum Artilleriedienst überging. Seine Begierde nach höherm Wissen trieb ihn bald nach Paris zurück, wo er an der polytechnischen Schule so lange fortstudirte, bis er sich zu einer Professur in Beauvais fähig fühlte. Er erhielt schon 1800 den Ruf als Pros. der Physik am I^eee ile kranos. 1802 ward er zum Mitglied der ersten Classe des Instituts ernannt. Er allein bewog 1804 das Institut, nicht für Bonaparte's Ernennung zum Kaiser zu stimmen. 1806 ward er mit Arago nach Spanien gesendet, um die, Behufs der Einführung eines neuen Decimalsystems in Frankreich (s. Franz. Decimal- sy stem), beschlossene Messung eines größer» Bogens des Meridians fortzusetzen. Noch vor seiner Abreise ward er zum Mitgliede des Längenbureaus ernannt. Seine Sendung hatte den gewünschten Erfolg. Unablässig widmete er sich nun den Studien und Vorlesungen; 1816 trat er der Herausg. des „lournal lies savaim" für die mathematischen Wissenschaften bei. Seine vorzüglichsten Werke sind: „Irsite Bischofsmütze, s. Jnful. Bischofsstab (auch Krummstab), ein hoher, oben gekrümmter Stab von ! Silber oder Gold, den die Bischöfe, Äbte und Äbtissinnen als Ehrenzeichen ihrer Würde bei Amtsverrichtungen neben sich tragen lassen und im Wappen führen. ! Wenn sie das Volk segnen, nehmen sie den Stab selbst in die Hand. Ursprünglich ^ war es ein Hirtenstab, da sich die Bischöfe als Hirten der Gläubigen betrachteten. Durch Überreichung dieses Stabes geschah auch die Belehnung oder Investitur eines Bischofs. Bischofs werd er (Johann Rudolf».), preußischer General und Minister, ! geb. in Sachsen, studirte seit 1756 in Halle, trat 1760 in preuß. Dienste, war 1779 Major und galt unter Friedrich Wilhelm II. Alles am Hofe zu Berlin. Die Neigung, die er Friedrich Wilhelm, als er noch Kronprinz ohne Einfluß war, bewiesen hatte, erwarb ihm dessen dauernde Gunst. Als bevollmacht. Minister hatte er - vielen Theil an dem Eongresse zu Szistowe. Dann brachte er mit Lord Elgin die Zusammenkunft in Pillnitz zu Stande. 1792 begleitete er den König auf dem , Feldzuge in der Champagne. Darauf ward er nach Frankreich als Gesandter geschickt. Er verließ dieses Land 1794, ward nach des Königs Tode entlassen und starb im Octob. 1803 auf seinem Landgute bei Berlin. Feinheit des Geistes, bei aller anscheinenden Gutmüthigkeit und Plumpheit, kann ihm nicht abgesprochen werden; als Staatsmann hatte er beschränkte Ansichten. Sein Hang zum Mysticismus und seine Geisterseherei hatten nachtheilige Folgen. Übrigens war er stets rechtschaffen und frei von Rachsucht. B. gehörte zu dem Illuminatenorden. Bismark (Friedrich Wilhelm, Graf v.), würtembergischer Cavaleriege- ! neral und seit dem Juli 1825 Gesandter seines Hofs in Dresden, Berlin, Hano- ! l ver (vorher in Karlsruhe), geb. 1783 zu Windheim in Westfalen, aus einem altadeligen Geschlechte wendischen Ursprungs, trat 1796 als Cornet in das hanö- j versehe Heer. Als dies 1803 aufgelöst wurde, nahm er nassauische, dann in der > ! Bitaub6 912 Bithynien hanöverschen Legion englische Dienste und wohnte 1805 der Expedition in Norddeutschland bei. Ein Zweikampf nöthigte ihn 1807 England zu verlassen; er wandte sich nach Würtemberg, wo er bei der Cavalerie angestellt und bald zum Rittmeister befördert wurde. Der Krieg von 1809 gab ihm Gelegenheit, sich auszuzeichnen ; seine Kühnheit und Tapferkeit im Gefecht bei Riedau wurden von Napoleon und seinem Könige durch Ertheilung von Ordenszeichen anerkannt. In Rußland war er in allen Gefechten und Schlachten gegenwärtig, an welchen das 3. Corps unter Marschall Ney Theil nahm; oft war er bei kritischen Marschen an der Spitze der Vorwochen. Als die würtemb. Division von neuem ins Feld rückte, . führte B. das 1. Chevauxlegersregiment vor und nach dem Waffenstillstände 1813. ! In Leipzig wurde er gefangen. Als Würtemberg sich nun für die Alliirten rüstete und Prinz Adam das Commando der Reiterdivision erhielt, wurde ihm B. als Chef des Generalstabes beigegeben, in welcher Eigenschaft er ein vorzügliches Talent, größere Massen Reiterei zu führen, entwickelte. Dieselbe Stellung wurde ihm 1815 zu Theil, und er fand Gelegenheit, sich bei dem Gefechte, welches die Würtemberger unter den Mauern von Strasburg bestanden, auszuzeichnen, wofür den Zurückgekehrten der Grafentitel belohnte. Der jetzt regierende König von Würtemberg beabsichtigte gleich nach seiner Thronbesteigung eine durchaus veränderte Organisation des Militairs und übertrug dem Grafen B. die der Reiterei. Hier führte er ein neues System ein, dessen erster wesentlicher Punkt darin besteht, statt mit 3 oder 4, mit halben Zügen zu wenden, der zweite Punkt ist die For- mirung eines 5. Auges bei jeder Schwadron als Schützen oder Flanqueurs. Überhaupt gewann die würtemb. Reiterei durch die von ihm bearbeitete Exercirvorschrist eine große Manoeuvrirfähigkeit. Die dagegen erhobenen Einwendungen widerlegen sich durch den praktischen Beweis, welchen B. mit seinem Regiment für sein System führte. Er hat seine Ansichten über die Reiterei umständlich entwickelt in seinen „Vorlesungen über die Taktik der Reiterei" (1818), welche als classisch anerkannt und ins Französische übersetzt worden sind. Von seiner „Felddienstinstruction für Schützen und Reiter" wurden binnen 2 Jahren 4 Auflagen nöthig. In seinem „System der Reiterei" (1822), in seinem „Schützensystem der Reiterei" (1824) und in seiner „Reiterbibliothek" (Karlsruhe 1825, 2 Thle.) hat Gr. v. B. alle seine Ansichten und Grundsätze über die Reiterei zusammengefaßt. Bitaube (Paul Jeremie), geb. zu Königsberg den 24. Nov. 1732 von re- ! form. Ältern, die sich aus Frankreich geflüchtet hatten, studirte Theologie. Das Lesen der Bibel erweckte in ihm Gefühl für die einfache erhabene Poesie. Der Homer zog ihn zur griech. Literatur. Dabei hing er mit ganzer Seele an Frankreich. Um > den Gelehrten seines ursprünglichen Vaterlandes beigezählt zu werden, übersetzte er den Homer. Durch dieses Werk und von d'Alembert, dessen Gunst er sich auf seiner ersten Reise nach Paris erworben hatte, Friedrich II. empfohlen, ward B. in die berliner Akademie aufgenommen und erhielt die Erlaubniß zu einer zweiten Reise nach Frankreich, wo er sich so lange aufhalten durfte, als er nöthig hatte, seine Übersetzung zu verbessern. Außerdem hat er 2 Gedichte: „losepll" (1767) und „I-es Latnves" (1797), geschrieben und Göthe's „Hermann und Dorothea" übersetzt. Während der Revolution kam B. nebst seiner Gattin ins Gefängniß; sie j erhielten aber bald ihre Freiheit wieder. Napoleon ernannte ihn zum Mitgliede der Ehrenlegion. Der Tod seiner Gattin hatte zu Paris den 22. Nov. 1808 auch den seinigen zur Folge. B.'s Werke erschienen zu Paris 1804 in 9 Bdn. Bithynien, ein Land in Kleinasien, lag am Pontus Euxinus, amthra- cischen Bosporus, am Propontis, und grenzte südlich an Phrygien. Früher hieß es Bebrycia, von den hier wohnenden Bebrycern.— Vor Krösus war Bithynien ein freier Staat unter eignen Regenten. Als Prusias I. gegen Krösus das Leben verloren hatte, kam es in die Gewalt der Lydier 560, der Perser 555 und Alexan- 913 Bitsch Bizarr ders 334 v. Chr. Der Wiederherstelln des bithynischen Throns war Bias oder Bas, ein einheimischer Fürst, bei dessen späterm Nachfolger, Prusias II., Hannibal Schutz suchte und Gift nahm, 183 v. Chr. Nikomedes, der letzte König dieses Stammes, vermachte sein Reich 75 v. Chr. den Römern. In B. lagen die berühmten Städte Nikomedia, Nicäa und Herakles. Im 11. Jahrh, ward B. von den Seldschukken erobert. Die Ottomanen gründeten daselbst 1298 ein neues Reich, wo 1327 Prusa als Hauptstadt glänzte. Bitsch, Stadt im Moseldepartement mit 2500 Einw., eine Bergfestung, welche in Felsen gehauene Gräben und bombenfeste Casematten hat und durch ihre Lage sowie durch die Kunst Carmontaigne's einer der festesten Platze Frankreichs ist. Da die Vereinigung vieler schwierigen, von Hagenau, Weißenburg, Zweibrücken, Saarbrücken, Saaralben und Pfalzburg kommenden Straßen und Gebirgswege, sowie die waldige und gebirgige Umgegend ohne bedeutende Festungen, B. zu einem strategischen Punkte macht, so beschloß die franz. Regierung 1815, nach der Abtretung von Landau, B. zur Festung ersten Ranges zu erheben und die benachbarten Höhen in die Befestigung zu ziehen. 1793 wagten 1800 Preußen einen nächtlichen Überfall auf B. Schon waren sie in einem unterirdischen Gange, der in das Innere der Festung führte, als das Geräusch die Besatzung weckte, die den muthvoll fortgesetzten Angriff zurückschlug. Bittersalz, Haarsalz, ein Salz, welches in zarten haarförmigen Krystallen, Büscheln, Flocken, krystallinischen Körnern und als mehliger Beschlag vorkommt, weiß, graulich und gelblich von Farbe, halbdurchsichtig bis undurchsichtig ist, ein faseriges Gefüge und salzigbittern Geschmack hat. Es ist weich, in gleichen Theilen kalten Wassers lösbar und besteht in einem wasserhaltigen, schwe- felsauern Talk. An Gcsteinwänden ausblühend, als Überzug auf Felsenspalten, in Höhlen, alten Gruben u. s. w., bei Jena, am Harze, in Böhmen rc.; ferner als Bestandtheil mancher Quellen und Soolen und in dem Wasser einiger Seen Asiens. Es wird theils aus diesen gewonnen, theils künstlich dargestellt, und dient als abführendes Mittel. Bivouac, Bivouaquiren (Biwacht und Biwachten), das Liegen der Soldaten unter freiem Himmel, ohne Zelte, im Gegensatze von Campiren und Cantonniren. Sie bleiben dabei angekleidet, um jeden Augenblick sich zum Gefecht aufstellen zu können. Da man zur Verminderung des Gepäcks die Zelte abgeschafft hat, so müssen große Truppenmassen jedes Mal bivouaquiren, auch wenn sie nicht in der Nähe des Feindes stehen. Der Soldat kann jedoch, wenn es die Umstände erlauben, sich Stroh- oder Laubhütten bauen. Das häufige Bivouaquiren ist der Gesundheit höchst nachtheilig und den Gegenden, wo es stattfindet, äußerst verderblich. Bizarr,Bizarrerie, jene Art des ungereimt Seltsamen, wobei man, um den Schein des Außerordentlichen zu erhalten, die allgemeine Regel aus Willkür verläßt und eine gezwungene Eigenthümlichkeit an die Stelle setzt. Der Bizarre ist ein Wahnwitziger mit Freiheit, und die Eigenthümlichkeit, welche bei dem wirklichen Humoristen und dem Launenhaften Natur ist, ist bei ihm nur angenommen. Da im Ästhetischen die Regel, welche man verläßt, um den Schein des Außerordentlichen zu erhalten, die Regel des Geschmacks, mithin die Regel der Urtheilskraft in Beziehung auf das Schöne ist, so entsteht das Bizarre, wenn da, wo das Urtheil hätte walten sollen, eine ungezügelte, der Bildung und Zucht Ermangelnde, Phantasie eintritt. „Bizarrerie", sagt Millin in seinem „vi-t. lies desux srts", „bezeichnet einen Geschmack, der den angenommenen Grundsätzen zuwider ist, ein Verfahren, welches nach dem Außerordentlichen hascht, und dessen einziges Verdienst in eben der Neuheit besteht, wodurch es fehlerhaft ist. Der bizarre Geschmack unterscheidet sich von dem eigensinnigen (eaprioieux) darin, daß Conv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. I. f 58 914 Black Blackstone dieser aus bekannten Formen willkürlich zusammenwählt und durch unüberlegte Wahl die Regeln der Kunst entstellt; der bizarre Geschmack verschmäht diese Regeln und sucht durch einen Gebrauch außerordentlicher Formen alle Regeln umzustoßen. Der eigensinnige Geschmack, der sich, im Ganzen genommen, nur auf bloße Einzelheiten bezieht, gleicht einem Kinderspiele, das jedoch oft von gefährlichen Folgen sein kann; der bizarre Geschmack hingegen gebiert ein System, welches die von der Natur vorgeschriebenen Formen zerstört und die Grundformen der Kunst angreift. Der bizarre Geschmack findet sich weder in der Antike noch bei den großen Meistern der Neuern; der eigensinnige Geschmack hat sich bisweilen ohne den bizarren, dieser hingegen sich nie ohne den eigensinnigen gezeigt. Gemeiniglich entsteht der bizarre Geschmack aus Überdruß des Bessern, öfters jedoch, sowol bei Nationen wie bei Einzelnen, aus dem Überflüsse selbst. Eine andre Ursache der Bizarrerie in der Kunst ist eine unmäßige Neuheitssucht, welche ein auszeichnender Eharakter der neuern Zeit ist". Überall, wo sich Bizarrerie zeigte, war sie ein Zeichen des sinkenden Geschmacks. Black (Joseph), Chemiker, geb. 1728 zu Bordeaux von schottischen Ältern, studirte zu Glasgow Medicin. Dr. Eullen, sein Lehrer, flößte ihm Neigung für die chemischen Studien ein- 1754 ward er zu Edinburg Dr. der Medicin und sprach „ve kumore sviäo o vibi8 orto st msFneiiL alba". Dann machte er im 2. Bde. der „Philosophischen und literarischen Schriften der edinburger Gesellschaft" 1756 seine Erfahrungen über die weiße Magnesia, den gelöschten Kalk und einige andre alkalische Substanzen bekannt. Er zeigt darin das Dasein einer luftsörmigen Flüssigkeit, welche er fixe Luft nennt, deren Gegenwart die Ätzkraft der Alkalien und Kalkerden mildert; man kann diese Entdeckung als die Mutter aller derjenigen betrachten, welche die Namen Eavendish, Priestley, Lavoisier u. s. w. unsterblich gemacht und der Chemie eine neue Gestalt gegeben haben. 1757 bereicherte B. die Wissenschaft mit seiner Lehre von der verborgenen (latenten oder sixirten) Wärme, welche so wichtige Ergebnisse hervorgebracht hat. Er ward 1756, an des Dr. Culten Stelle, zum Pros. der Medicin auf der Universität Glasgow ernannt. Als 1765 Culten den Lchrstuhl in Edinburg ebenfalls verließ? ersetzte B. ihn auch hier. Nie wußte ein Lehrer seinen Zuhörern gleichen Eifer einzuflößen; auch trug sein Unterricht viel bei, den Geschmack für die Chemie in Großbritannien allgemein zu machen. Er starb 1799, in einem Alter von 71 I. Auf Lavoisier's Antrag hatte die Akademie der Wissenschaften zu Paris ihn zu einem der 8 auswärtigen Mitglieder ernannt. Seine Sitten waren einfach, sein Charakter kalt und zurückhaltend. Als Mediciner hatte er einen geringen Ruf, als Chemiker schadete er sich durch seine lange Widersetzlichkeit gegen die Einführung der neuen chemischen Theorien , wiewol er zuletzt ihnen Gerechtigkeit widerfahren ließ. Zwei Abhandlungen von ihm befinden sich in den „kkilosopdioal transaetions" von 1774 und 1791. Zwei seiner Briefe über chemische Gegenstände haben Crell und Lavoisier, und seine chemischen Vorlesungen hat 1803 Robison in 2Bdn. herausgegeben. Blackfisch, s. Sepia. Blackstone (William), Rechtsgelehrter, geb. zu London d. 10. Juli 1723, Sohn eines Seidenwebers, zeichnete sich in Oxford, wo er 1738 studirte, durch Fleiß und Talente aus. Er zeigte selbst Geschmack und Anlage für Poesie und schöne Künste. Frühzeitig jedoch entsagte er ihnen, um sich ganz den Rechtswissenschaften zu widmen, wodurch man sich in England die glänzendste Laufbahn eröffnen kann. Er schrieb damals den „Abschied eines Rechtsgelehrten an die Musen", ein kleines geschmackvolles Gedicht. 1746 erschien er zuerst vor den Schranken; allein da ihm das Talent der mündlichen Beredtsamkeit fehlte, gelang es ihm nicht, sich einen bedeutenden Ruf zu erwerben. Dies bewog ihn, in Oxford eine Stelle bei der Universität anzunehmen. Er war der Erste, welcher hier seit 1753 über die Verfassung 915 Blair und Gesetzgebung Englands Vorlesungen hielt, die allgemeinen Beifall fanden. Diese glückliche Neuerung brachte einen gelehrten Juristen, Namens Viner, auf den Gedanken, in seinem Testament eine Summe zur Gründung eines Lehrstuhls für das gemeine englische Recht auszusetzen, und als man nach seinem Tode 1758 die Sache ins Werk setzte, siel die Wahl für diesen Lehrstuhl einstimmig auf B. Aus den Vorlesungen, welche er eine Reihe von Jahren hindurch hielt, entstanden seine berühmten „Commentaricn über die Gesetze Englands". Der Verf. begnügt sich darin nicht, die Gesetze zu sammeln, zu ihrem Ursprünge hinaufzusteigen und sie klar und bestimmt zu erklären; er dringt in die Grundsätze der Gesetzgebung , in den Geist der Gesetze ein, er untersucht ihre Wirkungen und behandelt die Rechtswissenschaft als Philosoph, wiewol gerade der philosophische und politische Theil der „Eommentarien" dem Verf. das wenigste Lob erworben hat. Sein ! anhaltender Fleiß untergrub seine Gesundheit. Er starb den 14. Febr. 1780, nachdem er noch verschiedene Ämter bekleidet hatte, auch 1761 ins Parlament gewählt ! worden war. Die beste Ausgabe seines 15 Mal in England aufgelegten und in mehre lebende Sprachen übersetzten Werks ist von Christian besorgt und 1809 in 4 Bdn. zu London erschienen. Im Auszuge hat es v. Colditz (Schleswig 1822) zu übersetzen angefangen. Blair (Hugh), geistlicher Redner und Schriftsteller, war ein Enkel Robert Blair's, welcher unter Karl I. die Rechte der presbyterianischen Kirche mit Muth und Kraft vertheidigte, geb. zu Edinburg den 7. April 1718 und bereitete sich auf der Universität daselbst zu einem geistlichen Amte vor. Sein Lehrer ward auf seine n geistigen Anlagen durch eine Abhandlung über daS Schöne aufmerksam und belebte i dadurch seine Neigung zur schönen Literatur, welche er nachher mit seinen theologischen Arbeiten verband. In seiner Vaterstadt stieg er bis zur höchsten geistlichen Würde der presbyterianischen Kirche in Schottland (1751). Mit Erreichung dieser Stufe seines praktischen Wirkungskreises, welchen er nie aus den Augen verlor, ! eröffnete sich auch sein literarischer. Denn jetzt sing er an die Ergebnisse seiner Erfahrungen über rhetorische Composition öffentlich mitzutheilen. Er hielt nämlich zuerst (im Winter 1759) öffentliche Vorlesungen über diesen Gegenstand. Die Regierung bemerkte den Einfluß derselben, stiftete 1762 eine besondere Professur i der Rhetorik und der schönen Wissenschaften und übertrug ihm dieselbe. Wir ken- > nen seine Theorie der Beredtsamkelt aus seinen „Levtures on rbetorio rm zu Rath und Hülse bereit, war er ein sanfter Vater, ein zärtlicher Freund und ! Gatte, und durch seine Ruhe und Zufriedenheit des Gemüths, wie durch Mäßigkeit und Ordnung seiner Lebensweise, eines ausgezeichneten Grades menschlicher Glückseligkeit bis in sein hohes Alter empfänglich. Er starb den 27. Dec. 1800. 58 * 916 Blake Blangini Blake (Robert), ein englischer Seeheld, geb. 1599 zu Bridgewater in der Grafschaft Somerset, trug viel dazu bei, daß die cngl. Seemacht auf den hohen Punkt stieg, auf dem sie steht. Er schwächte die Macht der Holländer und Spanier und nahm Letztem eine reich beladene ostindische Flotte weg. Eromwell schätzte ihn; da er aber seine Anhänglichkeit an die republikanische Verfassung kannte, ergriff er die Gelegenheit, Blake 1657 zu entfernen, um in dem mittelländischen Meere die Ehre der britischen Flagge aufrecht zu erhalten. Schon B.'s Name reichte hin, den Naubstaaten und den andern benachbarten Ländern Furcht und Achtung einzuflößen. Die Schwäche seiner Gesundheit nöthigte ihn in sein Vaterland zurückzukehren. Er starb 1657 in dem Augenblicke, da seine Flotte in den Hafen von Plymouth einlief. Eromwell ehrte sein Andenken durch ein prächtiges Leichenbegängnis und ließ ihn in der Westminsterabtei beisetzen. Sein Charakter war finster und streng; in jeder Lage blieb er ruhig und kalt. Blanchard (Franyois), einer der ersten Lustschiffer, geb. zu Andelys (in dem Depart. Eure) 1738, übte sich von Jugend an in mechanischen Künsten und erfand in seinem 16. I. einen mechanischen Wagen, mit dem er eine Strecke von 7 Stunden fuhr. Diese Erfindung, die er 1778 noch vervollkommnete, empfahl ihn am Hofe zu Versailles. Gleiche Geschicklichkeit zeigte er im 19. I. bei einer künstlichen Wassermaschine; endlich erfand er ein fliegendes Schiff, welches durch ein Gegengewicht von 6 Pf. sich 20 Fuß über die Erde erhob. Willkommen waren ihm die Entdeckungen der Brüder Montgolfier, besonders des Pros. Charles und Robert's zu Paris. Er schiffte, nachdem er schon die erste Luftreise den 4. März 1784 angestellt hatte, 1785 mit dem v. Jeffries über denCanal von Dower nach Calais, wofür er vom Könige von Frankreich durch ein Geschenk von 12,000 und eine Rente von 1200 Livres belohnt ward. Bei einer in demselben I. zu London unternommenen Luftfahrt bediente er sich zum ersten Male des von ihm, oder, nach Andern, von Etienne Montgolfier erfundenen Fallschirmes. Nachdem er viele Luftreifen auch in fremden Ländern angestellt hatte, ward er (1793) auf die Festung Kufstein in Tirol gesetzt, weil man ihm Schuld gab, revolutionnaire Grundsätze ausgestreut zu haben. Frei gegeben, machte er 1796 zu Neuyork seine 46. Luftreise. 1798 stieg er zu Rouen mit 16 Personen in einem großen Luftschiffe in die Höhe, und ließ sich 6 Stunden davon nieder. 1807 zählte man über 66 glücklich von ihm vollbrachte Luftreifen. Er starb den 7. März 1809. — Mad. Blanchard setzte diese Luftreifen fort. 1811 stieg sie in Rom auf und nachdem sie60Miglien zurückgelegt hatte, erhob sie sich aufs neue, um sich nach Neapel zu begeben. Als sie aber im Juni 1819 in Paris von Tivoli aufstieg, gerieth ihr Ballon durch ein mitgenommenes und in einer beträchtlichen Höhe angezündetes Feuerwerk in Brand. Die Gondel siel in der Straße Provence nieder, und die zerschmetterte Luftschiffen» ward ohne Leben aufgehoben. Blanco. In Blanco lassen, heißt bei den Kaufleuten, weiß oder unaus- gefüllt lassen, z. B. bei Wechseln und Vollmachten die Stelle, wohin die Summe kommen soll, damit sie von dem Besitzer den Umständen nach ausgefüllt werden könne. Einen Wechselinblancoindossiren, heißt, auf der Rückseite bloß seinen Namen hinschreiben und Platz darüber frei lassen, wohin der Name Desjenigen, an den der Wechsel gegeben wird, eingeschrieben werden kann. Bei Wechsel- geschäften inblancostehen, heißt, Tratten des Andern acceptiren, ohne dafür Deckung zu haben, auch Vorschuß leisten, ohne gedeckt dafür zu sein. Blangini (Giuseppe Marco Maria Felice), geb. zu Turin 1781, hat seine Studien unter dem Abt Ottani, Capellmeister bei der dortigen Domkirche, gemacht. Von seinem 12. oder 13. I. an begleitete er den Chor dieser Kirche auf der Orgel. In einem Alter von 14 I. ließ er eine Messe mit vollständigem Orchester aufführen. Als er 1799 nach Paris kam, gab er Unterricht im Gesang und Blankenburg Blässe 917 beschäftigte sich mit dem Componiren. Ihm wurde aufgetragen, „Die falsche Dame", eine von Della Maria unvollendet gelassene Oper, zu beendigen, und bald darauf trat er mit „Zelie und Terville", „Naphthali" und andern Opern auf. Sowol diese als andre Compositionen von ihm wurden mit Beifall aufgenommen. Seine Concerte, in denen er seinen Gesang mit Geschmack und Ausdruck selbst begleitete, waren der Sammelplatz aller Kenner und Liebhaber der Musik. 1805 nach München berufen, führte er daselbst eine Oper auf, in deren Folge ihn der König von Baiern zu seinem Capellmeister ernannte. 1806 machte ihn die Prinzessin Bor- ghese zu ihrem Musik - und Concertmeister, und 1809 berief ihn nach Reichardt's Abgang der König von Westfalen mit denselben Titeln nach Kassel. Nach der Vertreibung des westfälischen Hofs lebte er in Astünchen, ließ dort seinen „Trajan in Dacien" aufführen, ging aber nach einiger Zeit nach Paris, wo er noch lebt. Außer vielen komischen und heroischen Opern besitzen wir von ihm eine Sammlung artiger Romanzen, Notturnos, ital. Arien und besonders lieblicher Duette. Man nennt ihn in Italien den Anakreon der Musik. Blankenburg (Christian Friedrich v.), geb. 1744 bei Kolberg, war ein Verwandter des als Held und Dichter berühmten Kleist, widmete sich dem Kriegsdienste und ward im 17. Z. aus der k. Militairschule zu Berlin als Cornet zu Friedrichs Heere geschickt, bei dem er 21 I. lang diente und als Adjutant des Krokow'schen Dragonerregiments im siebenjähr. Kriege verschiedenen Schlachten beiwohnte. Wegen seiner zerrütteten Gesundheit nahm er 1777 seinen Abschied. Man gab ihm den Hauptmannscharakter. Seitdem lebte B. in Leipzig, wo er mit Weiße und Zollikofer in der engsten Verbindung stand. Er starb 1796. Von s. Schriften sind die vorzüglichsten sein — in den Ansichten freilich veralteter — „Versuch über den Roman", und die Zusätze zu Sulzer's „Theorie der schönen Künste" (Lpz. 1796 — 98, 3 Bde.). Blasinstrumente, s. Instrumente, Instrumentalmusik. Blason, Blasoniren, s. Heraldik. Blasse, die weißliche Farbe der Haut, welche vorzüglich im Gesichte bemerkt wird und entweder daher rührt, daß sich eine zu geringe Menge Blut in den Capillargefäßen der Haut befindet, oder daher, daß das Blut selbst zu blaß, d. h. arm an rothfärbenden Bestandtheilen, reicher aber an wässerigen ist. Die blasse Farbe (mit mancherlei Nuancirungen) ist bei manchen Individuen die natürliche; aber diese sind meistens schwächlich, lymphatischer Constitution, phlegmatischen Temperaments. Auch Diejenigen, welche dem Lichte und der freien Luft lange entzogen werden und sich in geschlossenen, dunkeln, feuchten Orten befinden, werden, ohne krank zu sein, sehr blaß, weil der Luft- und Lichtreiz der Haut fehlt, die Thätigkeit der Capillargefaße nicht anfacht, vielleicht auch, weil die freie, sauerstoff- reiche Luft selbst in der Haut und durch dieselbe auf das hier befindliche Blut wirkt. Am häufigsten bemerkt man die blasse Farbe in und von Krankheiten, und vorzüglich unter folgenden Umständen: 1) wenn verhältnißmäßig wenig Blut vorhanden ist, z. B. in der Reconvalescenz der mehresten bedeutenden Krankheiten, vorzüglich nach heftigen Blutungen; 2) wenn das Blut arm an färbenden Bestandtheilen ist, z. B. in der Bleichsucht, Scorbut; 3) wenn es reicher an wässerigen und ähnlichen Bestandtheilen ist, z. B. in der Wassersucht, und endlich 4) wenn das Blut nicht gehörig vertheilt und namentlich nicht in der gehörigen Menge nach der Haut getrieben wird, z. B. in Ohnmachten, manchen Schlagflüssen, vielen Krankheiten des Herzens und überall da, wo eine Congestion nach innern Organen stattfindet. Todtenblaß wird die Haut bei gänzlichem Stillstände der Circulation. Außerdem aber wird die blasse Farbe auch bisweilen von Umstanden erzeugt, welche auf die Haut selbst wirken. Dahin gehört vorzüglich die Kälte, besonders wenn sie mit Nässe gepaart ist. Manche Gemüthsbewegungen, z. B. Schreck, Furcht», s.w., Blatt 918 scheinen einen krampfhaften Zustand in den Capillargefäßen der Haut zu erregen, welcher den Eintritt des Bluts verhindert, das vorhandene austreibt und somit einen hohen Grad von Blasse erzeugt. Andrerseits aber bewirken diese und andre Gemüthsbewegungen Dasselbe auch dadurch, daß sie eine ungleiche Blutvertheilung und Anhäufung desselben auf der nervösen Seite veranlassen und vorzüglich die Thätigkeit des Herzens stören, welche in Allem, was sich auf das Blut-und Gefäßsystem bezieht, so wichtig ist. 34. Blatt. Die Blätter der Gewächse sind die faserigen, zeitigen Fortsätze, welche gewöhnlich in einer häutigen Fläche ausgedehnt und von Farbe grün sind. Ihre Zergliederung beweist, daß sie im Kleinen eben dieselben Bedeckungen und Gefäße enthalten, welche man im Großen am Stamme und an den Zweigen wahrnimmt. Man theilt die Pflanzenblätter in einfache und zusammengesetzte. Ein einfaches Blatt wird dasjenige genannt, dessen Stiel sich ohne alle Vertheilung an das Blatt ansetzt und nur in demselben sich in Zweige verbreitet. Ein zusammengesetztes Blatt ist das, dessen Stiel sich in mehr oder weniger, größere oder kleinere Zweige vertheilt, ehe er noch in das Blatt eintritt. Hier ruhen demnach mehre kleinere Blatter auf Einem Stiele, sie heißen Blättchen/ und das Ganze, welches alle diese Blättchen bilden, ein zusammengesetztes Blatt. Einfache Blätter hat die Primel, dieAurikel, der Taback, der Birn-, Apfel-, Pflaumen-und Kirschbaum und andre. Zusammengesetzte Blatter haben die Rose, die Kartoffeln, die Esche, Acacic, Schoten, Wicken rc. Der Blattstiel vertheilt sich in dem Blatte selbst in Zweige; von diesen Zweigen heißt der mittclste und stärkste die Ribbe; oft sind deren mehre von gleicher Stärke. Die übrigen Äste und Zweige, die der Stiel im Blatte selbst bildet, heißen Nerven oder Adern, und man nennt ein Blatt insbesondere nervicht, wenn seine Zweige und Äste gerade fortlaufen und stark hervorstehen. Die Gattungsmerkmale der Pflanzen sind fast immer von der Bildung der Blatter hergenommen. Die Theile eines Pflanzenstiels sind: das Oberhäutchen, mannigfaltige Gefäße und ein schwammiges Gewebe. Alle diese Theile findet man auch im Blatte wieder. Die Blätter sind für das Wachsthum der Pflanzen von großer Wichtigkeit, denn das Abpflücken oder Zerstören der Blatter ist ihm nachtheilig. Das Reifen der Früchte wird beschleunigt j wenn man die Pflanze entlaubt; aber die Früchte welken, wenn man das Entlauben vornimmt, ehe sie noch ihre gehörige Größe erlangt haben. Es wird nämlich die Bewegung des Saftes in dem ganzen Gewächse durch die Blätter befördert, hingegen durch den Mangel derselben gehemmt. Die Blätter sind die vornehmsten Ausdünstungswerkzeuge; findet nun eine Menge Saft durch sie seinen Ausgang, so ist es nothwendig, daß ein Hinströmen dessen aus allen Theilen der Pflanze nach ihren Blättern erfolgen muß. Die Blatter ziehen auch, und zwar vornehmlich mit der untern Seite, eine Menge in der Luft befindlicher Feuchtigkeiten ein, die sie durch andre Gefäße der Pflanze als Nahrungssaft zuführen. Die Farbe der Pflanzen- blätter ist mit wenig Ausnahmen grün in verschiedenen Abstufungen. Die Natur scheint hierbei Rücksicht auf das Bedürfniß des thierischen, wenigstens des menschlichen Auges genommen zu haben. Sogar die Beleuchtung des Grüns durch die Sonnenstrahlen schadet dem Auge nicht. Die Blätter dünsten stark aus; liefern ihnen nun im Herbste die Wurzeln nicht mehr Säfte genug, so müssen sie zu wachsen aufhören, vertrocknen und endlich abfallen. Das Laub der Bäume und Gewächse dient frisch zum Viehfutter; eine Menge Geschöpfe nähren sich davon; oder man braucht es zur Streu. Den Bäumen selbst ist das abgefallene Laub nützlich , indem es ihre Wurzeln bedeckt und dadurch vor dem Froste schützt. Wenn die Blätter keine platte, breite, sondern eine runde, nadelförmige Gestalt haben, so werden sie Nadeln oder Tangeln genannt. In der Botanik heißt bei den gefingerten Blättern jedes einfache Blatt koliuin (Blättchen); das Blatt eines doppelt Blattern 919 gefiederten Blattes pinnu, jedes einfach gefiederte Blatt eines doppelt gefiederten und das Blättchen eines gefiederten Blattes piunula. Blattern, Kinderblattern, Pocken, eine fieberhafte Ausschlagskrankheit, welche in ihren Eiterpusteln einen ansteckenden Stoff erzeugt, mittelst dessen sie auch bei andern Menschen, welche sie noch nicht ausgestanden haben, entstehen kann. Nach der Ansteckung vergehen ungefähr 7 Tage, ehe das Gift wirkt und die Krankheit hervorbringt. Es entsteht dann fieberhafte Bewegung im Körper, welche in der Regel 3 Tage dauert; am 3. Tage erscheinen rothe Flecken, zuerst im Gesichte, alsdann über die Brust, die Hände und den ganzen Körper, bald in Menge verbreitet, bald in geringerer Zahl. Dieser Ausbruch dauert gleichfalls 3 Tage lang. Aus den Flecken erheben sich Pusteln, welche sich entzünden und in Eiterung übergehen. Das Fieber wahrt dabei ununterbrochen fort. Nach der Eiterung fangen die Pusteln an abzutrocknen und in Grinder oder Schorfe sich zu verwandeln, was gewöhnlich am 7. Tage anhebt. Bei uns entsteht diese Krankheit nie von selbst, sondern bloß durch Ansteckung. Das Blattergift steckt jedoch in der Regel nur ein Mal an; wer die Blattern gehabt hat, bekommt sie nicht wieder; es steckt auch nicht jederzeit an, sondern es scheint, daß der Mensch eine gewisse Neigung dazu haben muß, denn es gibt Beispiele genug, daß Menschen bei mehren Blatter- epidemien verschont geblieben, erst in spätern Jahren angesteckt worden, ja daß manche zeitlebens davon frei geblieben sind. Nach einigen arabischen Schriftstellern kamen die Kinderblattern, sowie die Masern, zuerst aus Äthiopien gegen das I. 572 nach Ehr. nach Arabien. In der ersten Hälfte des 17. Jahrh, kamen sie nach Ägypten. Von da brachten sie die im Orient geführten Kriege, vornehmlich die Kreuzzüge im 13. Jahrh., nach Europa, zunächst nach Spanien und Frankreich , dann aber auch in die übrigen Lander. Als Maximilian I. einen Zug in die Niederlande that, nach dessen Beendigung die Lanzenknechte ihren Weg durch stanz. Provinzen wieder nach Deutschland nahmen, wurden durch sie die Blattern 1495 aus Frankreich zuerst nach Deutschland gebracht. Aus Europa verpflanzten sie sich nach Amerika und Afrika; selbst nach Grönland verbreiteten sie sich, 1733, von Dänemark aus. Jedes Mal, wenn sie zuerst in ein Land kommen, sind sie viel mörderischer und richten größere Verheerungen unter den Menschen an, als wenn sie eine Zeit schon geherrscht haben, da sie alsdann milder werden. Doch behauptet noch Rosenstein, daß sie mehr Menschen das Leben raubten als die Pest selbst. Äuf die Erfahrung, daß diese Krankheit bei uns nur durch Ansteckung fortgepflanzt wird, folglich, wenn diese immer vermieden wird, auch die Krankheit Niemand weiter befallen kann, baute man die Hoffnung einer Möglichkeit zur einstigen Verbannung dieser Blatterpest, zu welcher man durch strenge Absonderung der Blatterkranken und durch Errichtung von Blatterhäusern zu gelangen hoffte. Indessen waren die Hindernisse nach den jetzigen Verhältnissen der Völker und bei der allgemeinen Verbreitung dieser Krankheit unter allen Nationen und in allen Himmelsstrichen fast unübersteigbar. Man versuchte daher das Übel einstweilen zu mindern. Da man wußte, daß Diejenigen, welche einmal die Blattern gehabt hatten, in der Regel nicht wieder angesteckt würden, so veranlaßte man die Ansteckung willkürlich, nämlich durch die Impfung oder Jnoculation des Blattergifts, wodurch man den Vortheil hatte, daß wenigstens die Krankheit gemildert und die Gefahr verringert wurde; auch konnte man günstige Zeit und Umstände zur Er- weckung dieser Krankheit auswählen. In der Türkei war die Impfung der Blattern schon lange im Gebrauch, vorzüglich bei dem weiblichen Geschlechte, um die Schönheit der Mädchen zu sichern. Die geistreiche Lady Montague brachte die Impfung zuerst nach Europa. Schon in Konstantinopel, wohin sie ihren Gemahl begleitet hatte, ließ sie ihrem 6jährigen Sohne die Blattern einimpfen, und nach ihrer Zurückkunft nach England, 1722, auch ihrer Tochter. Von da an 920 Blauer Montag Blausäure wurde die Einimpfung der Kinderbettern zuerst in England, jedoch nicht ohne Widerspruch vieler Ärzte, und von dort aus in andern Landern gebräuchlich, doch nie allgemein, theils weil noch viel Vorurtheil dagegen herrschte, theils weil die Krankheit, wenngleich gelinder, doch nicht ganz gefahrlos war, und Kinder selbst an den geimpften Blattern starben. In neuerer Zeit hat die viel wohlthätigere und sicherere Impfung der Kuhblattern jene ganz verdrängt. (S. Inokulation, Jenner, Kuhpocken.) II. Blauer Montag, in der Handwerkssprache derjenige Montag, an welchem die Gesellen eines Handwerks einen Feiertag machen. Zu Anfange des 16. Jahrh, soll die Gewohnheit stattgefunden haben, des Montags in der ersten Fastenwoche die Kirchen mit violettem oder bläulichem Tuche oder Aeuche auszuschlagen. An diesem Montage machten sich die Handwerksgesellen von der Arbeit frei und sollen ihn von der blauen Farbe der ausgeschlagenen Kirche den blauen Montag genannt haben. In der Folge dehnte man diese Arbeitsfreiheit auf alle Montage in den Fastenwochen und späterhin auch auf die Montage aller andern Wochen aus, auf welche man daher jenen ältern Namen übertrug. Andre erklären blauen Montag durch heitern, arbeitsfreien Tag; sie leiten diese Benennung von der blauen Farbe des Himmels, dem Sinnbilde der Heiterkeit, ab, und unterstützen diese Ableitung mit dem Grunde, daß die blaue Farbe überall als Sinnbild der Freude gelte. 11. Blaufarbe, Blaufarbenwerke, s. Kobalt. Blauofen, s. Eisen- und Schachtöfen. Blausäure (seillum Iierolineilsi-borussieuin, b/llrov^ani-euni) ist eine von den wenigen Säuren, in welchen kein Sauerstoff, sondern anstatt desselben Wasserstoff vorhanden ist, daher sie auch nicht alle chemische Eigenschaften der übrigen Säuren hat. Ihre Basis scheint eine Verbindung von Kohlenstoff und Stickstoff zu sein und wird jetzt gewöhnlich als Blaustoff bezeichnet. Diese Säure wird theils aus thierischen und vegetabilischen Theilen (als Product) durch Behandlung mitKali und Säuren gewonnen, theils kommt sie auch in manchen Pflan- zcnkörpern, welche den Geruch von bittern Mandeln haben (z. B. in diesen selbst, in den Kirschlorberblättern, Kirsch - und Pfirsichkernen ic.) vor und kann als Educt gewo nnen werden. In ihrem reinen Zustande ist sie gasförmig, entzündet sich an der Luft leicht, detonirt mit Sauerstoffgas, brennt mit einer gelblich blau und roth gemischten Flamme und wird vom Wasser und Alkohol aufgenommen. Wie andre Sauren verbindet sich auch diese mit Metallen, den Alkalien und Erden zu verschiedenen Salzen, unter denen das blausaure Eisen alsBerlinerblau (s. d.) deßhalb bemerkenswerth ist, weil es theils die Veranlassung zur Entdeckung der Blausäure gab, theils zu technischen Zwecken in großer Menge bereitet wird. Für den thierischen Körper ist die reine Blausäure das durchdringendste Gift, was man kennt; sie tödtet schneller als irgend ein andres, oft in demselben Augenblicke, als sie in den Magen kommt, ja die kleinern Thiere selbst wenn sie nur die Zunge oder eine wunde Fläche berührt. Einen Vogel tödtet ein einziger Tropfen von der gesät- tigten, wässerigen Auflösung; etwa 8 Tropfen tödten einen Hund; eine verhältnismäßig größere Menge den Menschen. Die dem Tode vorhergehenden Erscheinungen bestehen vorzüglich in Starrkrämpfen. Gegen eine große Menge kann es kein Gegengift geben; bei geringerer Menge sucht man das Gift zuerst durch Erbrechen wieder auszuleeren, wendet Kalien in nicht vollkommen kohlen- sauerm Zustande an, um das Gift zu neutralisiren, und gibt Caffeeaufguß oder läßt, wie Orfila räth, alle halbe Stunden Z oder 4 Löffel voll Terpentinöl in einem Caffecaufgusse nehmen. In kleinen Gaben hat man diese Säure, selbst im reinen Zustande, in den neuesten Zeiten gegen manche Krankheiten (z. B. Keuchhusten, Asthmen, Lungensucht, Krämpfe rc.) mit Nutzen als Arzneimittel angewendet, Blei 921 ! Blaustrumpf welches jedoch eine sehr große Vorsicht erfodert. Vorher wendete man vorzüglich das Kirschlorberwasser (agua lauroeerssi) , seines Gehaltes an Blausäure wegen, gegen diese und andre Krankheiten an; der Gehalt desselben an Blausäure bleibt sich jedoch nicht ganz gleich. Freilich aber verliert eine jede Auflösung derselben nach und nach, indem sich die Blausäure bei der Einwirkung der Luft und des^Lichtes zersetzt. 34. Blaustrumpf, ein Spott-und Schimpfname, mit welchem man einen Verrather, Verleumder und niederträchtigen Liebkoser andeutet. Er soll daher rühren, daß einige Herren ihren Liebesdienern ehemals blaue Strümpfe zur Livree ^ gegeben haben. Blech nennt man die dünnen Platten von Gold, Silber, Kupfer, Messing, Eisen, Zink u. s. w., welche von den Gold-und Silberarbeitern oder auf den Kupferhämmern, Messingwerken und Eisenhütten fabricirt werden. Kupfer- und Messingbleche werden entweder unter Hämmern oder durch Walzwerke (und dies ist auf den bessern Fabriken jetzt immer der Fall), Zinkbleche immer unter Walzwerken angefertigt; das Verfahren dabei wird bei den Art. Kupfer, Messing und Zink erwähnt. Die Eisenblechfabrication hat die meisten Schwierigkeiten. Wie man zu dem Bleche stets das reinste und geschmeidigste Metall nimmt, so nimmt man auch zu dem Eisenbleche das weichste und zäheste, durchaus vom Kalt- bruche freie Eisen. Das Material, die sogen. Stürze, besteht in mehr oder minder langen und mehr oder minder breiten und starken Eisenstäben, je nachdem 1 es die großem oder kleinern Blechtafeln erfodern. Diese Stürze werden unter großen Wasserhämmern oder zwischen großen, aus Gußeisen bestehenden, abgedrehten und polirten Walzen, die durch Wasser- oder Dampfkräfte bewegt werden, zu den Blechen ausgebreitet. Da, wo die Blechfabrication mit Hämmern stattfindet, hat man deren zwei, unter dem einen werden die Stürzen zu Blech ausgedehnt, und unter dem andern wird das Blech geebnet. Die Blechfabrication mittelst der Walzwerke ist da, wo man ein gutes Blech und große Quantitäten erhalten will, der mit Hämmern vorzuziehen, sie erfodert aber kostbare Anlagen. Das Glühen der Stürzen und des Blechs geschieht in Flammöfen, die mit Holz, Steinkohlen oder Torf erheizt werden. Behält das Blech seine natürliche Eisenfarbe, so heißt ^ es Schwarzblech; Weißblech hingegen, wenn es mit Zinn überzogen oder verzinnt ist. Um dies Verzinnen zu bewerkstelligen, muß das dazu angewendete ' Schwarzblech (Dünneisen genannt) von dem Glühspan befreit werden und eine reine metallische Oberfläche erhalten, welches mittelst einer Beitzung in Essigsäure (durch Gährung des Roggens in erheizten Räumen entstanden) oder in verdünnter Schwefelsaure geschieht. Die Bleche werden darauf gescheuert, mehre Male durch geschmolzenes Zinn geführt und dann mit Sägespänen und Lumpen abgewischt, besonders um das Talg, welches zur Verhütung der Oxydation das Zinn deckte, zu entfernen. Soll das Blech schön werden, so muß zuvörderst das Dünneisen eine reine und glatte Oberfläche haben, welche man ihm nur durch Walzen, die besonders hart und glatt sind, ertheilen kann; unter dem Hammer angefertig- , tcs Dünneisen gibt nur schlechtes Weißblech, daher auf den bessern Fabriken diese Methode gänzlich verlassen ist, und die Hämmer mit Walzwerken vertauscht worden sind. Ein sorgfältiges Verfahren beim Verzinnen ist ein zweites Erfoderniß zur ! Darstellung schöner Bleche. Das schönste Weißblech liefert England; jedoch hat man sich in den neuern Zeiten auch in Preußen, Frankreich rc. bestrebt, vorzügliche Fabcicate dieser Art darzustellen. Blei (h, Saturn), ein Metall von bläulich-weißer, an der Luft jedoch bald ins Graue übergehender Farbe, welches 11,3 Mal schwerer als das Wasser und das weichste von allen ist, daher auch keinen Klang hat; es nimmt durch den Nage^ des Fingers und mit den Zähnen Eindrücke an. Seine Geschmeidigkeit ist bedeu- 922 Bleichen ^ tend. Beim Reiben entwickelt sich ein eigenthümlicher Geruch, auch färbt es ab. Es verschmelzt schon vor dem Glühen, kann ohne Luftzutritt einen hohen Grad der Hitze aushalten, ehe es sich verflüchtigt. In Berührung mit der Luft überzieht sich die Oberflache des geschmolzenen Metalles zuerst mit einer grauen Haut (Bleiasche), welcher Kalk bei mehrer Luft zutritt; bei fortdauernder Hitze wird es gelb, röthlichgelb, zuletzt roth und führt die Namen Mastic ot, Bleigelb, Bleiglätte, Silberglätte, Goldglätte und Mennige. Das Blei verbindet sich mit dem Wasserstoff, mit dem Schwefel (das gewöhnliche Bleierz, Bleiglanz, Alquifoux) und mit dem Phosphor; das regulinische Blei löst sich nur in Salpeter, das verkalkte oder oxydirte in allen Sauren auf; die Al- H kalien und das Ammoniak wirken auf das regulinische und das verkalkte Blei. Mit den mehrsten Metallen läßt sich das Blei durch Zusammenschmelzen verbinden. — Das Blei wird aus seinen Erzen entweder in Schachtöfen oder in Flammöfen (s. d.) ausgebracht; jede dieser Schmelzungen zerfällt wieder in die Schmelzung nach vorhergegangener Röstung und in die ohne dieselbe, wobei das Blei durch zweckmäßige Zuschläge entschwefelt wird (Niedcrschlagsarbeit). Im erstem Falle werden die Erze geröstet und dann in Hohenöfen oder Halbhohenöfen, die 10—20 Fuß hoch sind, verschmolzen. Es erfolgt Blei, welches oft silberhaltig ist und dann Werkblei heißt, und Stein, eine Verbindung von Blei, Schwefel und verschiedenen andern Metallen, der geröstet und dann wieder auf Blei verschmolzen wird; mit dem bei dem Bleisteinschmelzen erfolgenden Stein wird dieselbe Arbeit vorgenommen. Vollkommener als dieses Schmelzen ist die Niederschlagsarbeit, ^ wobei eine gehörige Quantität Granulir- oder Waschcisen oder kleine Stücke altes °s Eisen zugeschlagen werden. Das Eisen scheidet, vermöge seiner größern Verwandtschaft zum Schwefel als zum Blei, erstem ab, und der bei dem Schmelzen erfolgende Stein ist daher reiner. Bei der Verschmelzung der Bleierze in Flammöfen werden dieselben vorher immer geröstet und entweder mit oder ohne Eisenzu- ! schlag behandelt. Die Herde der Flammöfen haben entweder eine Vertiefung oder eine starke Neigung, sodaß das geschmolzene Blei abfließen kann. — Das ausgebrachte Blei befindet sich nicht immer im Zustande der Reinheit, sondern es enthält zuweilen noch Schwefel, Arsenik, Zink, Spiesglanz, Kobalt und Kupfer, welche es hart, spröde und unbrauchbar machen, weßhalb es in diesem Fall erst gereinigt oder geläutert werden muß. — Das metallische Blei wird kalt zu Platten I ausgewalzt, die zum Dachdecken, zu Röhren, zum Verpacken von Thee, Taback rc. > angewendet werden, ferner wird es zu Röhren ausgezogen, zu Vitriol - und Alaun- siedpfannen vergossen, das feinere zu Fensterblei ausgezogen; es wird zur Schrift- ! Masse zugesetzt, zu Kugeln, Schrot u. s. w. gebraucht, zu letztem besonders das un- reine. Die Bleiglätte dient zur Töpferglasur (wozu jedoch auch häufig der rohe Bleiglanz, Alquifoux, angewendet wird), ferner zur Bereitung des Bleiweißes und der Mennige. Das Bleioxyd ist tödtliches Gift, kommt jedoch aus Unkunde oder Bosheit in mancherlei Getränke, um sauern Wein zu versüßen, ranzige Öle und den Geschmack des Essigs zu verbessern u. s. w. (S. Bleizucker.) Bleichen ist die Kunst, der Leinwand, der Wolle, der Baumwolle, dem Wachse, selbst dem Papierzeuch und andern Dingen die nöthige Weiße zu geben. ^ Sir beruht auf der Erfahrung, daß organische Körper, wenn das Leben davon gewichen und sie die nöthige Festigkeit und Trockenheit haben, durch die Einwirkung ^ der Luft und der Sonnenstrahlen ihre Färbestoffe verlieren und weiß werden. Daher ist die ältere Art zu bleichen darauf beschränkt, daß man eine hinlängliche Zeit hindurch den Gegenstand den Sonnenstrahlen aussetzt und die Einwirkung derselben durch verschiedene Mittel zu befördern sucht. Zu den letztem gehört bei der Leinwand das vorgängige Einlaugen derselben oder das sogenannte Beuchen, Büken und das öftere Besprengen und Waschen während des Bleichens. Um den 1 ^ Bleichert Bleiweiß 923 Farbestoff, der theils dem Flachs eigenthümlich, theils fremdartig ist, und durch das Spinnen sowol als durch das Weben hineingebracht worden, auszuziehen, , bediente man sich bisher allgemein einer Auflösung von Pottasche oder der soge- I nannten Lauge. Da diese indeß die Starke der Fäden merklich schwächt, so wäre I zu wünschen, daß das von Lees angegebene Verfahren allgemein angewandt würde. I Er sucht nämlich die färbenden Stoffe auf mechanische Art von den Flachsfasern zu I trennen, und bleicht alsdann den Flachs, noch ehe er gesponnen wird, durch öfteres s Waschen in warmem Wasser. Um das Bleichen an der Sonne, das gewöhn- . lich einen ganzen Sommer hinnimmt, abzukürzen, schlug Vertheilet zuerst 1786 ! die übergesäuerte Kochsalzsäure vor. Bekanntlich hat diese so wenig ätzende Kraft, daß man sie in bedeutender Menge innerlich nehmen kann. Nach Vertheilet ver- , vollkommnete Watt besonders die Methode; doch fand man, daß allerdings die ? Leinwand leidet, wenn man die Säure zu stark anwendet. Jetzt braucht man in ^ England jene Säure mit der Hälfte Kalk, in Wasser aufgelöst. Die von diesem Salz zum Bleichen erfoderliche Menge ist nach dem verschiedenen Zustande der Leinwand sehr verschieden. Gewöhnlich rechnet man den 12. oder den 20. Theil des Gewichtes der Leinwand darauf. Nachdem die zu bleichende Leinwand gekocht oder gekeucht worden, bringt man sie in die Auflösung jenes Salzes, zieht sie darin hin und her und läßt sie alsdann an der Sonne trocknen. Nach mehrmaliger Wiederholung dieses Verfahrens wäscht man sie rein aus und gewinnt auf solche Weise an Zeit und Kosten ungemein. Auch Schwefelsäure hat man zu dem glei- § chen Zwecke benutzt. Nach Hume muß man sie mit 60 oder 80 Mal so viel Was- ! scr verdünnen, sodaß diese Flüssigkeit nur anderthalb Procent ihres Gewichts an j wirklicher Schwefelsäure enthält. Hierin muß die Leinwand 8 —12 Stunden lang stehen und hernach in reinem Wasser ausgewaschen werden. Auch Baumwolle wird auf ähnliche Art gebleicht, nachdem sie vorher in verdünnter Kalkauflö- 1 sung gekeucht worden. ! Bleichert, s. Rheinweine. j Bleistift, ein in Holz gefaßtes längliches Stück Reiß - oder Wasserblei, l das zum Zeichnen gebraucht wird. Das beste Reißblei wird in England, zu Bor- rowdale in der Grafschaft Eumberland, gebrochen, aber die Gruben werden, und ! zwar, wie man behauptet, um die Waare im Preise zu erhalten, nur alle 5 — 6 Jahre ein Mal geöffnet. Nach Simond soll die Ausbeute von 1809 an 90,000 ^ Pf. St. betragen haben, jedoch hat die Ausbeute der Gruben zu Borrowdale in l neuern Zeiten bedeutend abgenommen, weshalb man in England auch auf andre ^ Gruben die Aufmerksamkeit richtet. Die Bereitung der Bleistifte geschieht, indem ! man das Reißblei in kleine Stücken sägt und in die hölzernen Formen legt. In ^ Deutschland haben Baiern und Östreich Reißblei. Die feinern Sorten der seit einiger Zeit in Wien verfertigten und in den Handel gekommenen Bleistifte geben den besten englischen sehr wenig nach und sind ungleich wohlfeiler. Noch eine andre, sehr schlechte Art von Bleistiften, die man zum Unterschiede von jenen unechte nennen könnte, werden aus dem Abfalle des Reißbleis verfertigt. Kenner , lassen sich zwar damit nicht betrügen, aber auch für den Nichtkenner gibt es ein I sicheres Unterscheidungsmittcl: die unechten nämlich brennen, wenn man sie ans . Licht hält, mit bläulicher Flamme, weil sie mit Schwefel gemengt sind, die echten aber brennen gar nicht. Blciw eiß ist ein mit Kohlensaure gesättigtes Bleioxydul, welches fabrik- ! mäßig bereitet wird; es entsteht, wenn das Blei von der in Dünste verwandelten Essigsäure zerfressen und halb aufgelöst worden ist. Um es im Großen zu gewin- j nen, werden etwa 3 Fuß lange, 6 Zoll breite und 1 Linie dicke Blciplatten zusammengerollt, sodaß zwischen den Windungen ein halber oder ganzer Zoll Raum s bleibt. Hierauf setzt man sie gerade aufrecht in irdene Gefäße, in welchen unten ! 924 Bleiwurf Blendungen guter Essig befindlich ist; dieser darf die Platten aber nicht berühren, daher legt man über denselben kreuzweise hölzerne Stäbchen. Die Gefäße werden sodann mit Bleiplatten bedeckt und einer gelinden Wärme ausgesetzt, indem sie horizontal ^ in Gerberlohe oder Pferdemist gestellt werden. Hierdurch steigt der Essig in Däm- ^ pfe auf, welche sich an die Wände der Bleiplatten ansetzen, sie durchdringen und eine Menge des Metalls auflösen. Die Essigsäure der Dämpfe übersättigt sich mit dem Blei in 3 — 6 Wochen und verwandelt es in einen mattweißen Stoff, der nach einiger Zeit von den auseinandergerollten Platten abgeschabt und gesammelt wird. Die Platten rollt man aufs neue zusammen und verfährt auf die näm- > liche Art. Am häufigsten wird das Bleiweiß in der Ölmalerei gebraucht und hierzu ! fein zerstoßen und zerrieben. Diese Arbeit ist für die Gesundheit des Menschen höchst gefährlich; der eingeschluckte Staub verursacht eine gefährliche Krankheit, die man die Malerkolik oder Hüttenkrätze nennt. Der Engländer Ward erfand zur Verhütung derselben eine besondere Maschine. Ein großer Theil des käuflichen Bleiweißes ist durch beigemischte Kreide verfälscht. Bleiwurf, Bleiloth, Bleischnur. 1) Ein Stück Blei an einem langen Seile, das man ins Meer läßt, um die Tiefe und Eigenschaft des Grundes zu untersuchen. Man bestreicht nämlich den untersten Theil mit Unschlitt, wodurch etwas von Sand, oder was sich sonst auf dem Grunde findet, mit herausgebracht wird. In dieser Gestalt heißt es öfter Senkb l ei. 2) Das bekannte Bleimaß der Maurer, um danach die senkrechte Richtung ihrer Arbeit zu beurtheilen. Auch der an astronom. Instrumenten, namentlich am Quadranten, zur Bestim- ! mung der senkrechten Richtung hängende, mit einem Bleigewichte beschwerte Faden. — Bleistange, eine an den Enden mit Blei ausgegossene hölzerne Stange, deren sich die Seiltänzer bedienen, um sich im Gleichgewicht zu erhalten, Balancierstange. Bleizucker, Blei in Gestalt eines Salzes, welches man erhält, wenn man dieses Metall in einer Säure auflöst und die Auflösung abdänstet. Den Namen hat dieses Gift von seinem süßen Geschmack. Es wird zur Arznei und Färberei gebraucht, und besonders auch zur Weinverfälschung. Um diese höchst schädliche Vermischung zu erkennen, bedient man sich der Hahnemann'schen Weinprobe (s.d.). ^ Blendungen werden beim Festungskrieg alle Vorrichtungen genannt, welche dem Feinde die Einsicht in einen bestimmten Ort benehmen. Einige Arten ' hiervon sind: 1) Man pflöckt eine Faschine an der einen Seite quer über die Schießscharten, von einer Schartenzeile zur andern fest, um dem Feinde Das, was bei den Kanonen vorgeht, zu verbergen. 2) Blendungen von Schießscharten sind von star- ^ ken Bohlen verfertigte Laden, welche nach der Abfeuerung des Geschützes vor die Schießscharte gestellt werden, um dem Feinde die Einsicht zu benehmen. 3) Einfache und doppelte Blendungen. Die erstem werden aus 3 starken, senkrechten, 5 Fuß hohen Pfosten verfertigt, zwischen welchen schußfreie, auf der äußern Seite mit Blech beschlagene Bohlen eingeschoben sind. Unten wird diese Wand mit Rollrädern versehen, damit sie von den Arbeitern in den Approchen vor sich her gc- . schoben werden könne; die letztem sind große, auf4 Blockrädem stehende hölzerne ^ Kasten, die mit Erde oder Sandsäcken ausgefüllt werden, und dienen ebenfalls in den Approchen u. f. w., die Mannschaft vor dem feindlichen Feuer zu decken. 4) Eine andre Art Blendungen bei den Laufgrabenarbeitcn sind die Chandeliers. Man legt nämlich 2 viereckige Balken, 6 Fuß von einander, gleichlaufend auf die Erde sind befestigt sie durch 2 eingezapfte Querhölzer. Auf die Enden der Balken setzt man senkrechte Pfosten und füllt den Zwischenraum wenigstens 5 Fuß hoch mit Faschinen aus. 5) Die Blendungen von oben, Deckungen, indem man die gefährlichsten Örter in den Sappen oder auf der Festung der Breite nach mit Bal- 7 > Blenheim Blinde 925 ! ken bedeckt, über welche Hürden oder Faschinen kommen, die endlich eine hinrei- ' chcnd starke Lage von Erde zur Decke erhalten. 1 Blenheim, Blindheim, DorfimbaltischenOberdonaukceise, Land- , geeicht Höchstädt, an der Donau. (Über die im spanischen Successionskriege hier vorgefallene Schlacht, 13. Aug. 1704, s. Höchstädt.) Die Konigin Anna schenkte dem Herzog von Marlborough in Oxfordshire ein Schloß mit einem schönen Park, das nach jenem Siege Blenheim heißt. Blick. 1) Die Richtung des Auges auf einen Gegenstand, daher figürlich « die Betrachtung. 2) Ein schnell vorübergehender Schimmer. Ein Blick durch l die Wolken. Das Silber auf dem Treibherde thut einen Blick, wenn es, indem das Blei von demselben oder in den Test (ein flaches, irdenes Gefäß, worin man das Silber fein brennt) geht, einen schnellen vielfarbigen Schein von sich gibt, der Silberblick. 3) Ein Körper, der einen solchen Blick von sich gibt. So heißt bei den Hüttenleutcn diejenige Masse Silber, welche auf ein Mal blickt, oder so viel auf ein Mal abgetrieben wird, ein Bli ck. 4) Verstehen die Maler und Kupferstecher unter Blicken diejenigen Theile des Körpers, welche vorzüglich hell erleuchtet sind. — Blickfeuer sind auf der See ein Signal, eine Losung, indem man Pulver auf dem Verdecke abbrennt. Blinde, des Gesichts d. i. Sehvermögens Beraubte. Der Verlust des edelsten Sinnes, mittelst dessen der Mensch die ihn umgebende räumliche Welt, die in Licht und Farbe erscheint, sich vorstellt, ist ein ebenso trauriges als häufiges Er- > eigniß. Die Blindheit ist verschieden: 1) dem Grade nach, indem manche Blinde noch einigen Schein vom Lichte haben, die hellsten Farben und die Umrisse der Körper unterscheiden können, Andre auch das geringste Sehvermögen verloren haben; 2) den Ursachen nach. Manche Menschen sind von Geburt an blind, andre sind es erst von örtlichen Krankheiten der Augen geworden, z. B. von Entzündung, Vereiterung, Krebs des Augapfels, Flecken, Fellen, Gewächsen auf der Hornhaut, wodurch diese ihre Durchsichtigkeit verliert, Verwachsung der Pupille, Trübung der klaren Flüssigkeit in den Augenkammern, Lähmung der Augennerven rc., oder von allgemeinen Krankheiten des Körpers, heftigen Fiebern, Nervenfiebern, Vollblütig- keit und Andrang des Blutes nach dem Kopfe, Rothlauf im Gesicht, Blattern, , Scharlachsieber u. A. m., oder von zu starker Anstrengung der Sehkraft und dadurch bewirkte Schwäche der Augennerven, daher manche Handwerker und Künst- ' ler, z. B. Schmiede, Glas- und Hüttenarbeiter, Uhrmacher u. A. m., leicht um das > Gesicht kommen, und in den lange mit Schnee bedeckten, vom Sonnenschein blendenden nördlichen Gegenden, sowie in den Sandwüsten Afrikas, häufige Blindheit ! stattfindet. Das hohe Alter führt zuweilen Blindheit herbei vom Eintrocknen der feinen Flüssigkeiten im Auge, von der Trübung der Hornhaut, der Krystalllinse u. s. w. Bei den Blindgeborenen finden gleichfalls mehre Ursachen statt. Zuweilen sind die Augenlider an den Rändern zusammengewachsen, oder sie sind mit dem Augapfel selbst verwachsen, oder es ist eine besondere Haut über die Augen gezogen; zuweilen ist der Augenstern verschlossen, oder er ist zugleich an die Hornhaut ge- > wachsen, oder die Pupillenöffnung ist nicht an der rechten Stelle, sodaß die Licht- ! strahlen nicht in die Mitte des Auges fallen, andrer, zum Theil unerkennbarer, i Fehler nicht zu gedenken. Die Blindgeborenen haben gar keine Begriffe vom Sehen ; alle von diesem Sinne abhängende Vorstellungen sind ihnen unbekannt. Sie können sich daher nicht so unglücklich fühlen als Diejenigen, welche erst in spätern Jahren ihr Gesicht verloren haben. Die Erfahrung hat bei manchen Blindgeborenen oder Solchen, welche in derKindheit schon das Gesicht verloren haben, gelehrt, daß sie sich von allen Gegenständen ganz andre Begriffe machen. Einem jungen Menschen, welchen Eheselden am grauen Staar operirte, kam es in dem Augenblicke, da er sehen konnte, vor, als wenn ihm alle Gegenstände ganz nahe vor die > 926 Blindenanstalten Augen gestellt wärm; er konnte keinen Gegenstand von dem andern unterscheiden, so verschieden auch ihre Form war. Gegenstände, die ihm durch das Gefühl schon vorher bekannt waren, betrachtete er mit vieler Aufmerksamkeit, um sie einander Mal wiederzuerkennen; allein er vergaß bald wieder Alles, weil er auf ein Mal zu viel zu merken hatte. Er wunderte sich sehr, daß die Personen, die er am meisten liebte, nicht schöner waren als die andern. Ehe er das Gesicht wieder bekam, äußerte er keine große Begierde, diesen Sinn zu erlangen. Bei allen den Personen, die lange blind gewesen sind, scharfen sich die andern Sinne desto mehr, vielleicht weil die Zerstreuung wegfällt, welche bei Sehenden von dem Erblicken so mannigfaltiger Gegenstände stattfindet. Daher ist bei vielen Blinden selbst die innere Seelenthätigkeit verstärkt, und bei vielen entwickeln sich ihre Talente auf bewundernswürdige Weise. Besonders wird das Gefühl und Gehör sehr scharf bei ihnen. So wird von einem Blinden erzählt, der zu Puifaup in Frankreich lebte und Chemiker und Musiker war. Er konnte genau das Ebenmaß der Gegenstände beurtheilen, gab die Nähe des Feuers nach dem Grade der Wärme an, beurtheilte die Anfüllung der Gefäße nach dem Geräusche, welches die Flüssigkeit machte, während er sie aus einem in das andere Gesäß goß, und die Nähe der Gegenstände nach der Einwirkung der Luft auf sein Antlitz. Er bestimmte genau das Gewicht der Dinge, und wie viel ein Gefäß enthalten konnte. Der berühmte Saunderson, Professor der Mathematik zu Cambridge, hatte in früher Jugend das Gesicht verloren. Er erfand mehre Vorrichtungen, sowol in der Arithmetik als Geometrie, um sein Studium sich zu erleichtern. Er statte ein so feines Gefühl, daß, wenn er mehre Münzen durch die Finger laufen ließ, er die falschen unterschied, wenn sie gleich so genau nachgemacht waren, daß selbst die Augen des Kenners dadurch betrogen wurden. H. Blindenanstalten. Bei einem Menschen, der jenes lichtsaugenden Sinnes, des Gesichts, entbehrt, müssen andre Sinne in Anspruch genommen werden, um das Auge zu ersetzen. Will er z. B. eine Kenntniß vom Lesen und Schreiben haben, so müssen ihm tastbare Buchstaben gegeben und dann die Hand so lange geführt werden, bis er den Buchstaben nachbilden kann. Will er eine Kenntniß von der Erdoberfläche haben, so müssen ihm erhobene Erdkugeln und Landcharten dargeboten werden. Natürlich geht das Erkennen durch den Fühlsinn weit langsamer als durch den Sehsinn. Beide Sinne sind sich darin gerade entgegengesetzt, daß jener von jedem einzelnen Theile nach und nach zur Erfassung des Ganzen aufsteigt, während dieser mit einem Blicke das Ganze überschaut. Man sieht also leicht den Grund ein, warum Blinde nicht in den gewöhnlichen Schulen für Sehende unterrichtet werden können: einmal, weil nicht die dazu nöthigen tastbaren Lehrmittel vorhanden sind, dann aber, weil die sehenden Kinder durch die Langsamkeit des Auffassens der Blinden aufgehalten werden würden. Da nun gleichwol die Blinden keinen unbedeutenden Theil der Bevölkerung ausmachen und z. B. im preuß. Staate eine Blindengemeinde von mehr als 13,000 Seelen bilden (Jeunc, in s. „Belisar", in der Aufl. von 1821, hat, S. 12. fg., ein auf Beobachtungen gegründetes Gesetz ausgcmittelt, wie die Blindheit von dem Gleicher nach den Polen zu abnimmt, sodaß, während in Ägypten der 100. Mensch blind ist, in Norwegen nur der 1000. des Augenlichts entbehrt), so hat man besondere Anstalten für Blinde angelegt. Der Unterricht ist vorzüglich auf die allgemeine geistige Ausbildung, wodurch die Blinden aus ihrer Dumpfheit zu ordentlichen Menschen erzogen werden, dann auf Erlernung irgend einer Geschicklichkeit gerichtet, wodurch sie sich einigermaßen ihren künftigen Lebensunterhalt sichern können. Was das Letzte betrifft, so gibt es vorzüglich zwei Mittel: Handarbeiten und Tonkunst. - Sonach umfaßt der ganze Blindenunterricht 3 Zweige: 1) Handwerksbildung, 2) Kunstbildung, 3) Wissenschaftsbildung, weil man nicht wissen kann, welche Anlagen Blindenanstalten 927 in einem Blinden schlummern, ob z. B. ein künftiger Handwerker, oder Tonkünstler, oder Mathematiker in ihm verborgen sei. Die deutschen Blindenanstalten, ^ sowie die pariser, haben auch wirklich diese allseitige Richtung, wogegen die engli- ! schen mehr auf die einseitige Bildung zu Handwerkern ihr Augenmerk nehmen. ! Den ersten Gedanken zu einer solchen Blindenerziehanstalt faßte Valentin Hauy, Bruder des berühmten Mineralogen, und zwar geweckt durch eine junge Deutsche, das blinde Fraulein von Paradis aus Wien, das 1780 nach Paris kam und sich mit allgemeinem Beifall in geistlichen Tonspielen auf der Orgel hören ließ. . Hauy besuchte diese geistreiche Jungfrau öfter und fand zu seinem Erstaunen bei ihr mehre Geräthe zum Unterrichte der Blinden, z. B. gestickte Landcharten und eine Taschendruckerei, mittelst der sie mit dem Bergrathe v. Kempelen in Wien (dem Erfinder der Schach-, sowie der Sprachmaschine)und einem wissenschaftlichen Blinden, Weißenburg zu Manheim, briefwechselte. Hauy verglich jetzt die hohe Bildung, welche zwei deutsche Blinde erlangt hatten, mit der Verachtung, in der sie in Frankreich lebten, wo z. B. ein Schenkwirth auf dem Jahrmarkts zu St.-Ovide 10 arme Blinde zusammengebracht, sie auf eine lächerliche Weise herausgeputzt, mit Eselsohren, Pfauenschwänzen, Brillen ohne Glaser geputzt, zu einem possenhaften Tonspiele vereinigt hatte. Auch die schon 1260 durch Ludwig den Heil., nach seinem ägyptischen Kreuzzuge, wobei so viele Krieger an der dortigen Augenpest erblindeten, gestiftete große Blindenpflege, oder das Hospital der 300 (gewöhnlich les guin-ne-vinAt genannt), bot dem menschenfreundlichen Hauy kein erfreuliches ! Bild geistiger Entwickelung, sondern vielmehr Stumpfsinn und sittliche Versun- kenheit dar. So beschloß er, für die armen Blinden in Frankreich Das zu werden, was der Abbe de l'Epee für die Taubstummen geworden war, und eröffnete 1784 eine Lehranstalt für Blinde, worin dieselben nicht nur in angemessenen Handarbeiten, z. B. Stricken, Spinnen, Seildrehen, Fransenmachen, Papparbeiten, sondern auch in Tonkunst, sowie im Lesen, Schreiben, Rechnen und in allen Wissenschaften unterrichtet wurden. Er bildete sich dazu eigne Lehrmittel auf die Art, wie er dieselben bei jenen beiden deutschen Blinden, der Paradis und dem Weißcnburg, in Erfahrung gebracht hatte. Zum Lesen hatte er erhabene Buchstaben aus Metall, womit zugleich auf Papier gedruckt werden konnte; zum Schreiben eigne Schreibkasten, wo aufs Papier ein Rahmen mit Drähten, welche die Zeilen trennten, ge- , klappt wurde; zum Rechnen erhabene Ziffern aus Metall und Rechnenbreter, worein diese Ziffern gesteckt werden konnten; zur Erdkunde Landcharten, wo die Gebirge, Flüsse, Städte und Landesgrenzen auf verschiedene Art gestickt waren u. s. w. Zuerst bezahlte die Gesellschaft der Menschenfreunde ein Kostgeld auf 12 Blinde, nachher ward die Anstalt 1791 zur Staatsanstalt erhoben und mit der Taubstummenanstalt vereinigt; als man dies aber unzweckmäßig fand, 1795 von ihr getrennt und 1801 mit dem Blindenhospital der gninne-vinAt vereinigt. Da jedoch durch Vermischung der jungen Blinden mit den alten rohen Kriegern eine gänzliche Verwilderung eintrat, ging Hauy voll Verdruß 1806 nach Petersburg, um dort eine ähnliche Anstalt zu gründen. Nach Wiedereinsetzung des Königthums, 1815, wurde die Anstalt zu ihrer ursprünglichen Bestimmung zurückgeführt, und der Arzt l v. Guillie ihr Vorsteher. — Nächst Frankreich entstanden die ersten Blinden- > anstalten in Großbritannien, jedoch nach einem beschränkten Plane; alle werden durch Beiträge der Bürger, nicht durch die Regierung, unterhalten. So ward 1790 eine Blindenanstalt zu Liverpool angelegt, worin die Blinden beiderlei Geschlechts in Handarbeiten, Kirchengesang und Orgelspielen unterrichtet werden. 1791 entstand eine zweite zu Edinburg, worin vorzüglich Korbmachen und Seilerei getrieben wird. Nach demselben Plane ward 1800 die zu London errichtet; die zu Dublin, Bristol und Norwich sind in demselben Geiste. — In Deutschland ward die erste öffentliche Blindenanstalt 1806 zu Berlin, bey Hauy^s Durchreise, 928 Blitz durch königl. Milde gegründet. Zeune ward Vorsteher derselben, dessen Wirksamkeit vorzüglich dahin ging, den Blindenunterricht zu vereinfachen und fürs Leben anwendbarer zu machen. So hat er z. B. statt der sehr zusammengesetzten pariser Schreibkasten mit Riegeln, Klappen und einem Drahtgitter, einfache aus Pappe mit Schnüren eingeführt; statt des langsamen und schwerfälligen Rechnens mit Metallziffern auf einem Rechnenbrete, das Kopfrechnen zu einer großen Fertigkeit zu bringen gesucht, und statt der gestickten Landcharten, die kein naturgemäßes Bild gaben, wirkliche Hochbilder (Reliefs) der ganzen Erdkugel und besonders Deutschlands gegeben, die seitdem sich sehr, auch beim Unterrichte der Sehenden, in mehren Theilen Europas verbreitet haben und die jetzt sehr sauber in einer feinen Papp- masse von Kummer in Berlin angefertigt werden. Nach Berlin entstanden in Deutschland zunächst Blindenanstalten zu Wien und Prag, beide 1808, die erstere vom Armendirector Klein, die letztere vom Ritter v. Platzer angelegt, und in demselben Jahre durch die Freimaurer die in Amsterdam. 1809 entstand als Tochteranstalt der berliner die Blindenanstalt in Dresden, deren Stifter, Flemming, sowol als deren Vorsteher, v. Steckling, bei Zeune den Blindenunterricht beobachteten. 1810 entstand durch die Hülfsgefellschaft die Blindenanstalt zu Zürich, besonders durch thätige Mitwirkung des sel. v. Hirzel. 1811 kam durch den Verein der Kette eine Lehranstalt für Blinde in Kopenhagen, nach dem Plane des Pros. Bror- son, zu Stande. Seit dem großen Befreiungskriege 1813—15, wo die ägyptische Augenpest so furchtbar unter den europäischen Heeren wüthete, entstanden im preuß. Staate nach Zeune's Plane mehre Kriegs-Blindenanstalten. Ihr Zweck war, die erblindeten Krieger, die ihr früheres Geschäft nicht mehr betreiben konnten, in nützlichen Arbeiten zu unterrichten. Zuerst wurdb im Jnvalidenhaufe zu Berlin eine solche Werkschule für blinde Krieger gebildet, welche Zeune und dessen Frau ; leiteten, und hier gebildete Werklehrer gingen nun in die verschiedenen Provinzen, um dort in ähnlichen Anstalten die dortigen blinden Krieger zu unterweisen. Diese Werkschulen sollten nur so lange dauern, bis alle Krieger darin ausgelernt hatten; inzwischen sind zwei derselben, die zu Breslau und Königsberg, zur Erziehung blinder Krieger für immer bestimmt worden. In Breslau ist ein Zögling Zeune's, Johann Knie, Oberlehrer, der die zweckmäßigen tastbaren Lehrmittel für die ebene und sphärishe Trigonometrie aus Holz und Blech erfunden hat. — Die Blindenanstalt in Petersburg, welche Hauy anlegte, die aber nie recht gedeihen wollte, scheint nachmessen Rückkehr nach Frankreich 1816 vollends in Verfall gerathen zu sein. Der jetzige Vorsteher derselben heißt Martin Pilazki. Ob die 1820 in Barcelona beabsichtigte Anstalt zu Stande gekommen, oder ob sie die politischen Stürme jenes I. oder das gelbe Fieber des nächsten überstanden, ist nicht bekannt. Außer Deutschland, der Schweiz, Holland und Dänemark, und außer Frankreich, England und Rußland, scheinen keine Blindenanstalten in Europa, und außerhalb dieses Erdtheils überhaupt keine in andern Erdgegenden zu bestehen. Pater Charlevoix sagt zwar, daß in Japan die Reichsurkunden dem Gedächtnisse der Blinden anvertraut würden, und Golownin zählt in der Riesenstadt Jeddo allein 36,000 Blinde, aber keiner von Beiden führt an, daß eine Lehranstalt für dieselben errichtet sei, und so erscheint also der Blindenunterricht nur als eine Blüthe europäischer Bildung. Der Director des wiener Instituts, F. W. Klein, hat ein gutes „Lehrb. z. Unterr. der Blinden rc., um sie z. bürgert. Brauchbarkeit zu bilden" (Wien 1819, m. K.) herausgeg. — Blindeninstituie nennt man auch solche Anstalten, worin mehre Blinde zur Heilung oder zur Versorgung aufgenommen werden, wie z. B. in Leipzig 0. F. W. Ritterich, in Erfurt v. Fischer und so an a. O. m. leiten. 63. Blitz, Wetterstrahl, ein starker elektrischer Funke, der aus einer Wolke in die andre oder aus derselben in einen andern Gegenstand, z. B. in die Erde, fährt 929 Blitz und das gestörte Gleichgewicht der Elektricität beider Gegenstände durch einen plötzlichen und gewaltsamen Übergang herstellt. Die Unwissenheit fabelte von einem Donnerkeile, der zugleich mit dem Blitze herabgeschleudert würde und die Verwüstungen anrichtete. Die Elektricität gab den Naturforschern Licht über die Wirkungen des Blitzes, v. Wall, Rollet, Franklin, Winkler u. A. machten nützliche Entdeckungen in dieser Hinsicht. Franklin, von den bei der Elektricität gemachten Beobachtungen geleitet, kam auf den Gedanken, daß spitzige Körper eine besondere anziehende Kraft für die Entladung des Blitzes haben müßten, und gab so den ersten Gedanken zu den Blitzableitern. Diesem folgten in mehren Ländern Bcob- ' achtungen und Versuche über die Ähnlichkeit des Blitzes mit der Elektricität. Die Elektricität wird bekanntlich durch das Reiben ursprünglich elektrischer oder nichtleitender Körper, zuweilen auch durch die Abwechselung der Warme erregt und sodann in isolirten Leitern gesammelt und angehäuft, und dem gemäß entsteht auch die Elektricität der Gewitterwolken wahrscheinlich durch die Reibung der Lufttheil- chen oder durch die Abwechselung der Wärme. Die Ausdünstung des Wassers erzeugt negative Elektricität, die aufsteigenden Dünste müssen daher positiv elektrisch sein. (S. Elektricität.) Demnach befindet sich im Lustkreise immer einige Elektricität, welche sich vielleicht den Wolken, als isolirten, überall mit Luft umgebenen Leitern, mittheilt und in denselben anhäuft. — Belegt man zwei ebene, kreisrunde und glatte Breter mit Zinnfolie und kehrt sie in wagerechten und gleichen i Lagen mit ihren belegten Flächen gegen einander, so kann man folgenden für die ff Lehre vom Blitze wichtigen Versuch anstellen. Verbindet man das obere, an seidenen Schnüren so aufgehängte Bret, daß es sich isolirt auf- und niederziehen läßt, mit einer Elektrisirmaschine und nähert es dem untern, so erhält es die entgegengesetzte Elektricität. Berührt man sie unter diesen Umständen beide zugleich, so entladen sie sich durch einen Erschütterungsschlag. Nähert man beide Breter einander und elektrisirt das obere sehr stark, so erfolgt meistentheils eine freiwillige Entladung mit einem starken, die Lust durchbrechenden Funken. Vor diesem Schlage ziehen die Breter einander stark an; beim Schlage selbst aber werden sie auseinandergestoßen. Ist in der Mitte des einen oder des andern Bretes ein kleiner hervorragender Körper befestigt, so geschieht der durchbrechende Schlag allemal ; an dieser Stelle. Steht aber anstatt des hervorragenden Körpers auf dem einen , Brete eine scharfe Spitze, so kann weder eine Ladung noch ein Schlag hervorgebracht ^ werden. Gleiche Erscheinungen gibt das Gewitter im Großen. Hier ist die Luft der ursprünglich elektrische Körper, in welchem die Elektricität erregt wird. Eine elektrische Wolke vertritt die Stelle des obern, eine andre Wolke oder die Erdfläche die Stelle des untern Brets. Im Wirkungskreise einer positiven Wolke wird die Erdoberfläche stets eine negative Elektricität annehmen: beide werden einander anziehen, und wenn die Wolke nahe genug und ihre Elektricität stark genug ist, oder wenn zwischen der Erdoberfläche und der Wolke irgend eine leitende Verbindung entsteht, so wird eine Entladung, d. h. ein Blitz, erfolgen, der zunächst die hervorragenden Körper trifft. Auch zwei Wolken können ebenso auf einander wirken, wenn die eine davon entweder mit der Erde in Gemeinschaft steht oder wenigstens ^ weiterfortinnerhalb ihres Wirkungskreises Körper antrifft, in welchen sie eine der f ihrigen entgegengesetzte Elektricität erzeugen kann. In diesem Fall entstehen abwechselnde Elektricitäten an den verschiedenen Seiten mehrer Wolken, und bei der Entladung schlägt der Blitz zugleich aus der ersten in die zweite», s. w. — Die Anziehung, welche zwischen den elektrischen Wolken selbst und zwischen ihnen und der Erdoberfläche stattfindet, verursacht unregelmäßige Bewegungen der Wolken, plötzliche und veränderliche Windstöße: daher Wirbelwinde, kräuselndes Aufsteigen des Staubes und andrer leichten Körper, heftige Regengüsse und auf der See die bekannten Wassersäulen oder Wasserhosen. Der Blitz selbst, welcher eigentlich Conv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. l. f 59 930 Blitzableiter der Ausbruch eines leuchtenden Stoffes ist und stillstehend einen Feuerball bilden würde, erscheint bei seiner schnellen Bewegung nicht leicht anders als ein Strahl. Man sieht ihn, wie den elektrischen Funken, bisweilen gerade auf den Gegenstand zugehen, bisweilen aber sich schlangeln und einen Dreizack bilden, nicht selten aber auch von einem Theile der Wolke zum andern überspringen und oft sich in mehre Strahlen zertheilen. Bekanntlich hört das Gewitter auf, wenn sich die Wolken durch Blitz, oder durch stillen Abzug im Regen, oder auf andre Art entladen haben. Jeder Blitz hat ein Ziel, nach welchem er seine Bahn von der zuerst berührten Stelle an auf dem leichtesten Wege verfolgt. Dieses Ziel ist die feuchte Erde oder das Wasser. Hat er dieses erreicht, so hören mit einem Mal alle seine gewaltsa- I men Wirkungen auf, und er theilt sich durch die leitende Feuchtigkeit dem ganzen Erdbälle mit. Don der Erde aufwärts fahrende Blitze, welche Einige beobachtet haben, machen darin keinen Unterschied. Leitende Körper sucht der Blitz auf und folgt ihnen willig und ohne Geräusch; dazwischenliegende nichtleitende durchbricht er mit Gewalt, um wieder zu leitenden zu gelangen. Festere Körper sind allemal bessere Leiter als die Luft, diese sucht er daher auf seiner Bahn zu vermeiden und fahrt aus diesem Grunde nie durch Thüren und Fenster herein, sondern streicht an Säulen, Sparren und Pfosten weg. Metalle sind unstreitig die besten Leiter, diese sucht der Blitz am ersten auf und verlaßt andre Körper, um diese zu ergreifen. Daher werden Thurmspitzen und andre metallische Hervorragungen so leichtvom Blitze getroffen. Nächst den Metallen scheint der Blitz Feuchtigkeiten zu lieben, insonderheit das Wasser. Baume und andre mit Feuchtigkeit angefüllte Gegenstände I leiten ihn am besten. Bei grünen Bäumen sucht er die saftigsten Stellen aus und fährt z. B. zwischen dem Holze und der Rinde fort. Feuchte Wände, Mauern, Rauch und Dampf locken den Blitz mehr an als trockene. Der Blitz dringt nie in den menschlichen Körper, sondern verletzt nur seine Oberfläche. Was man von Knochenzersplitterung vom Blitz Erschlagener erzählt, ist gewiß falsch und rührt von andern Umständen her. Nicht Verbrennung, sondern heftige Erschütterung, besonders des Gehirns und überhaupt des Nervensystems, verursacht wahrscheinlich den Tod. In der Nähe des Blitzes befindliche Personen werden betäubt. Nicht selten sind vom Blitz Getroffene wiederhergestellt worden. Das Barometer zeigt die Nähe oder Ferne des aufsteigenden Gewitters durch das Steigen und Fallen des > Quecksilbers. Je näher die Gewitterwolken dem Scheitel des Beobachters kommen, desto mehr steigt das Quecksilber und desto näher rückt die Gefahr, der man, wenn sich viele Leiter an dem Ortb befinden, entfliehen muß. Fällt das Quecksilber, so flieht die Gefahr. Das Läuten der Glocken hält wol kein Vernünftiger mehr für ein Vertreibungsmittel der Gewitter, man kann aber auch nicht behaupten, daß sie dadurch angelockt würden.— Dgl. die classische Schrift des Reimarus „Vom Blitze" (Hamb. 1778, 2 Bde.); Desselben „Neuere Bemerkungen vom Blitze" (ebend. 1794). Literar. Nachweisung über diesen Gegenstand enthält die neue Aufl. von Gehler's „Phystkal. Lexikon" (Leipz. 1825,1. Bd.). > Blitzableiter, Wetterableiter, ist eine Vorrichtung, durch welche ! entweder die Elektricität der Wolken, als die Ursache des Blitzes, ohne Schlag zur ' Erde geführt, oder der entstehende Blitz aufgefangen und auf einem bestimmten j Wege, ohne Schaden der Gebäude, Schiffe u. s. w. in die Erde oder in das Wasser > geleitet wird. Die Erfindung gehört dem I). Franklin. Bei seinen Versuchen über die Elektricität bemerkte er, daß, wenn ein zugespitzter Metalldraht an einen elek- tristrtcn Körper gebracht werde, eine solche Spitze diesem seine Elektricität allmalig ! und ohne daß dabei Funken erscheinen, entziehe. Da nun die Wetterwolken elektrisch ! sind, so glaubte er, daß man ihnen ihre Elektricität (welche den Blitz und das Einschlagen verursacht) nehmen könne, wenn man eine zugespitzte Stange von Metall ! an den höchsten Theil des Gebäudes befestige und von der Stange einen Draht 931 Blitzröhren Bloch bis in die Erde hinunterführe, damit die Elektricität der Wolke, welche die Spitze an sich gezogen, in die Erde abgeleitet werde. Franklin's Vermuthung fand sich gegründet, und man hat nach ihm an vielen Orten die Blitzableiter eingeführt, welche anfänglich in einer an dem Gebäude hinab in die Erde geleiteten eisernen Stange bestanden, deren Spitze über dem Gebäude mehre Fuß hervorragte. — Nach den bisherigen Erfahrungen ist die beste Einrichtung eines Blitzableiters folgende : Der Äbleiter besteht aus einer eisernen, einen Zoll starken Stange, deren oberer Theil mit einer 8 — 9 Zoll langen Spitze von Kupfer versehen, welche, um , das Rosten zu verhindern, im Feuer vergoldet ist. Diese Stange (Auffangstange) ! wird auf der höchsten Stelle eines Gebäudes so befestigt, daß sie wenigstens 5—6 Fuß über dasselbe hervorragt; an diese fügt man einen an einander genieteten Kupferstreif, 3 — 4 Zoll breit, der bis zur Erde herab und ungefähr einen Fuß tief in dieselbe hineingehen muß. Der Streif wird genau auf das Dach und die Wand des Gebäudes angenagelt. — 1762 ward zu Payneshill in England von v. Watfon, und 1769 zu Hamburg am Jacobithurm in Deutschland der erste Blitzableiter errichtet. Man hat in neuern Zeiten Blitzableiter vorgeschlagen, die jene Einrichtung ersetzen sollen. Dahin gehört der von Nicolai angegebene wohlfeile Blitzableiter aus Blechstreifen, der auch bereits, z. B. in Lohmen bei Pirna, ausgeführt worden ist; wogegen die von Lapostolle vorgeschlagenen Blitzableiter aus Strohseilen, die mit Metallspitzcn versehen sind, gegründeten Widerspruch fanden, da Versuche gezeigt haben, was schon aus theoretischen Gründen zu er- ! warten war, daß Strohfeile kaum zu den Halbleitern zu rechnen sind und daher nicht als Blitzableiter gebraucht werden können. S. Eytelwein's und Gilly's „Kurze Anleitung, wie Blitzableiter an Gebäuden anzubringen sind" (2. Aufl., Berl. 1802). v. Nürnberger hat mehre dunkle Punkte der Theorie und Praxis aufgehellt in s. Abhandl.: „Zur Theorie und Praxis der Blitzableiter" („Deutsche Blätter", 1823, Nr. 22 fg.). Blitzröhren, Blitzsinter, Fulgurit, sind durch Blitz halb zusammengeschmolzene, röhrenförmige Zusammenhäufungen von Quarzkörnern, welche im Sande muldenförmiger Vertiefungen an den Abhängen kleiner Hügel ' vorkommen. Die Röhren stehen meist senkrecht, sind zuweilen 30 Zoll breit und i bis fast 1 Zoll weit. Außen sind sie meist mit kleinen zackigen Hervorragungen bedeckt, häufig auch umgeben mit einer Rinde angefcitteter Quarzkörner; innen oft überzogen von Glasfluß. Sie sind durchscheinend, von graulicher Farbe, und der sie zunächst umgebende Sand ist roth. Man findet sie besonders in der Senner Heide in Westfalen, zu Pillau bei Königsberg, unweit Dresden, zu Nietleben bei Halle a. d. S., zu Drigg in Cumberland u. a. a. O. (M. vgl. Fiedler's Abh. I in Gilbert's „Annalen der Physik", Bd. 55, 61 u. 71.) Bloch (Marcus Eliezer), ein Naturforscher jüdischer Nation, geb. zu An- '' spach 1723 von armen Ältern, war 19 I. alt und verstand weder Deutsch noch Lateinisch, noch hatte er außer einigen rabbinischen Schriften Etwas gelesen. Jndes- ! sen ward er Hauslehrer bei einem jüdischen Wundarzt in Hamburg. Hier lernte i er Deutsch und Latein, auch erwarb er sich einige anatomische Kenntnisse. Dann I ging er nach Berlin zu Verwandten und studirte mit unglaublichem Eifer die Ana- ' tomie und alle Zweige der Naturgeschichte, wurde Doctor zu Frankfurt a. d. O. und kam nach Berlin zurück. Der berühmte Naturforscher Martini ließ ihn in die Gesellschaft naturforschender Freunde aufnehmen. Anhaltende Arbeiten be- ! reicherten ihn mit den ausgebreitetsten Kenntnissen. Er genoß eines in jeder Rück- ! ficht verdienten Ansehens und starb 1799. Sein Hauptwerk ist seine „Naturgeschichte der Fische", eine Zierde der deutschen Literatur. Der Vers. hatte dies kost- ! bare Werk auf seine Kosten herauszugeben angefangen. Als der Aufwand aber sein Vermögen überstieg, das überhaupt mehr in seltenen naturhistorischen Samm« 59 * 632 Blockhaus Blomsield (Charles James — Edward Val.) lungm als in Baarschaft bestand, ward er bei der Fortsetzung von fürstlichen und i andern begüterten Personen unterstützt: daher findet man in den letzten 6 Bdn. ^ unter jeder Kupfcrplatte den Namen des Gönners angegeben, auf dessen Kosten sie gestochen worden. U. Blockhaus, in der Befestigungskunst, ein aus zusammengeschränkten, oft doppelten Balken bestehendes, mit einer Decke und Schußspalten versehenes Haus für 25—100 Mann. Meistens ist dasselbe noch mit Erde überdeckt, um es völlig bomben- und feuerfest zu machen. Gewöhnlich ist es einige Fuß in die Erde gesenkt, doch gibt es auch solche Hohlschanzen von 2 Stockwerken, ja selbst für einige Geschütze eingerichtet. Man baut die Blockhäuser gewöhnlich in Form eines Vierecks oder Kreuzes. Ihr Zweck ist, einer schwachen Besatzung bei wichtigen, sehr exponirtenOr- ten möglich zu machen, dem feindlichen Wurfgeschütz und Sturm bis zum Entsatz zu trotzen. Ebenso braucht man sie als bombenfeste Wachhäuscr und letzteRcttungsörter im Innern von Schanzen und in den Waffenplätzen des bedeckten Wegs der Festungen. Blockiren, einen Ort mit Soldaten einschließen, sodaß Niemand heraus noch hinein kann. Eine solche Blockade geht der Belagerung voraus. Ein Hafen war sonst als blockirt anzusehen, wenn der Feind eine solche Anzahl Krieas- fahrzeuge davor aufgestellt hatte, daß kein Schiff ohne Gefahr ein- oder auslaufen konnte. In dem Kriege mit Napoleon haben die Engländer angefangen, Häfen durch bloßeErklärung in den Blockadestand zu setzen. (Vgl. Eontinentalsystem.) Blocksberg, der große Brocken, s. Harz. / Bloemart, bisweilen auch Blom (Abraham), ein niederländischer Ma- l ler, geb. um 1565 in Gorkum, starb 1647 in Utrecht. Er lernte die AnfangS- gründe der Zeichnenkunst bei seinem Vater, der Ingenieur, Baumeister und Bildhauer war, hatte dann Floris und Frank zu eigentlichen Lehrern, entfernte sich aber von ihrer Manier und schuf sich eine eigne. Er vollendete seine Studien in Paris, wurde Stadtbaumeister in Amsterdam, ließ sich als Maler in Utrecht nieder und malte mehre große Historienbilder, z. B. den Tod der Söhne der Niobe. Im Portraitiren war er nicht stark, sowie man ihm überhaupt ein wenig Untreue gegen die Natur, in der Nacktheit sowol als in den Gewändern, vorwirft.' Auch tragen alle feine Gemälde einige Spuren der Ungeduld. DieseFehler werden aber durch die Schönheit seines glänzenden Eolorits und den Reichthum in der Ersin- > düng weit übertreffen. Er malte Geschichte, Thiere, Muschelwerk und besonders ^ Landschaften, welche letztere am meisten geschätzt sind. Vorzüglich groß ist er im ^ Helldunkel. Er war auch Kupferätzer und Formschneider. Seine Werke sind zahlreich. Er hatte 4 Söhne. Adrian ging nach Rom und erwarb sich als Maler und Kupferstecher Ruhm. Er starb zu Salzburg durch ein Duell. H ein- - r i ch malte bloß Bildnisse. Friedrich hat Vieles mit Beifall nach seinem Vater in Kupfer gestochen, worunter ein Zeichnenbuch von 119 Bl. besondern Werth hat. Cornelius war der geschickteste. Er ist 1603 in Utrecht geb., war erst Maler, dann Kupferstecher, hielt sich eine Zeitlang in Paris auf und ging dann nach Rom, wo er 1680 starb. Sein Stich zeichnete sich durch eine bisher unbekannte Reinheit und Schönheit, durch sanfte Übergänge der Lichter und Schatten, I Verschiedenheit und Weichheit der Töne so musterhaft aus, daß er der Schöpfer ei- s ner neuen Schule ward, aus welcher Baudot, Poilly, Chasteau, Speier, Roullet u. A. hervorgingen. > Blomsield (Charles James), o. der Philologie, geb. 1786 zu Bury I St.-Edmunds in Suffolk. Er und sein jüngerer verst. Bruder genossen sorgfältigen Unterricht in der alten Literatur von dem gelehrten Mich. T. Becher, unter dessen Leitung die dortige geachtete Grammac-School steht. Von da ging er 1804 nach Trinity-College in Cambridge, wo er sich nicht nur bei den gewöhnlichen Prüfungen, sondern auch in den öffentlichen Wettstreiten hervorthat. Die Universität Blondel 933 ertheilte ihm daher 1806 eine der Scholarschaften, welche Lord Cremen dort gestiftet hat: eine ausgezeichnete akademische Ehre. Bei seiner Promotion zum Bac- calaureus 1808 wurde er zum dritten Wrangler erklärt, und der Kanzler der Universität sprach ihm wegen des eingereichten Gedichts die erste Medaille zu. Nicht lange nachher gab er den „Prometheus" des Äschylus heraus und wurde. 1809 zum Fellow seines Collegiums gewählt. Der Ruf seiner Kenntnisse verbreitete sich, und 1810 gab ihm Lord Bristol die Pfarre zu Quarriugton in Lincolnshice. Eine andre zu Dunton verlieh ihm 1810 Lord Spencer, einer der ersten Gönner der Wissenschaften in England, aus eignem Antriebe. Dort blieb er etwa 7 I., während deren die 2. Aufl. seines „Prometheus" und Ausg. der „Sieben gegen Theben", der „Perser" und des „Agamemnon" des Äschylus von ihm erschienen. Er besorgte auch eine Ausg. des Kallimachus, ferner gemeinschaftlich mit T. Rennet die „Nu8»s OsntabriAienses", und 1812 zugleich mit Pros. Monk die „kostllu- NU>U8 trsot» ok korson ". Allein edirte er 1814 die „Lckversaria kornoni". Diese Arbeiten erweckten ihm so viel Wohlwollen, daß ihm Lord Bristol die con- solidwten Pfarreien Great- und Little-Chesterford in Essex gab, worauf er, mit Genehmigung der Kirchenpatrone, die Psarrstelle in Dunton gegen die von Tudden- ham in Suffolk vertauschte. Dem Ruhm seiner philologischen und theologischen Kenntnisse hatte er es auch zu verdanken, daß 1819 der Lord-Bischof von London ihn zu seinem Hauscaplan ernannte: eine Wahl, welche die Promotion zum 1). der Theologie erfoderte, die allezeit auf einen anerkannt geschickten Mann fällt, weil er zugleich, als bischöflicher Lxsiuiner, die Prüfungen der in diesem Sprengel zu ordinirenden Prediger vornehmen muß. Diese Stellen führen gewöhnlich zu hohen Beförderungen in der Kirche. B. erhielt auch wirklich bald daraus die Pfründe der St.-Botolphskirche. Seit der Zeit wohnt er in London, lebt in den ersten Cir- keln und macht ein Haus, das seinen Einkünften, welche sich auf 8000 Pf. St. belaufen sollen, angemessen ist. Unter seinen neuesten literar. Arbeiten ist die Forts, seiner Ausg: des Äschylus die bedeutendste. — Blomfield (Edward Valentine), Bruder des Vorigen, Philolog, geb. 1788, studirte in Cains-College zu Cambridge und erregte die größten Erwartungen. Unter mehren Preisen, welche er erhielt, ist die Medaille merkwürdig, welche er 1809 für seine schöne Ode: „ln «issläe- rium korsoni" bekam. Man ertheilte ihm 1812 ein Fellowship in Emmanuel- College. 1813 reiste er nach Deutschland, erwarb sich eine gute Kenntniß der deutschen Sprache und wurde mit Wolf in Berlin und mit Schneider in Breslau bekannt. Nach seiner Rückkehr erschienen von ihm im „Uuseunc eritiouiu or Osin- briäAv elassicsl researvlies" (St. 2) Bemerkungen über die deutsche Literatur, welche Beifall erhielten. Die Universität Cambridge ernannte ihn zu einem ihrer Prediger an der St.-Marienkirche. Er sing an Schneidens „Griechisch-deutsches Lexikon" zu übersetzen, lebte aber nicht bis zur Beendigung. Hingegen übertrug er ganzMatthiä's „GriechischeGrammatik", welche aus seinerHandschrift von seinem Bruder zum Drucke befördert und durchgängig wohl aufgenommen wurde. Als er 1816 mit einem jungen Manne von Stande, seinem Zöglinge, in der Schweiz gewesen war und nach Cambridge zurückeilte, wo man ihn zum Procter für das folgende Jahr ernannt hatte, setzte er sich zu vielen Beschwerlichkeiten auf der Reise aus, erkrankte und starb im Oct. 1816. Blondel, vertrauter Diener und Musikmeister König Richards I. (Löwenherz) von England um 1190. Während sein Herr Gefangener des Herzogs von Östreich war, durchwanderte B. das gelobte Land und alle Gegenden Deutschlands, wo er vermuthen konnte, daß sich derselbe befinden möchte. Erhörte, wie die Sage lautet, daß man auf dem Schlosse von Löwenstein einen vornehmen Gefangenen bewache, und eilte dahin. Nachdem er einen stark vergitterten Thurm entdeckt hatte, sing er an, eins von den stanz. Liedern zu singen, die er vormals mst 934 Bloomsield Blücher Richard componirt hatte. Er hatte kaum die erste Strophe geendigt, als eine Stimme aus der Tiefe des Thurms die zweite anfing und bis ans Ende fortfuhr. So entdeckte er seinen König, befreite ihn und erwarb sich den Namen des getreuen Blondel. Gretry's schöner Oper „Richard Löwenherz" liegt diese Anekdote zum Grunde. Bloomsield (Robert), ein ausgezeichneter engl. Dichter, geb. 3. Dec. 1766 zu Honigton, der Sohn eines Dorfschneidcrs, ging in eine Dorfschule und sollte 1781 bei seinem Bruder in London das Schuhmacherhandwerk lernen. Das Besuchen einiger Bethauser, einer Debattengesellschaft, des Eoventgarden-Theaters und das Lesen mehrer Bücher, Alles führte ihn in eine neue Welt ein, worin sein Geist allmalig sein wahres Element fand. So ward er Dichter, ohne es fast selbst zu wissen. Einst sprach er ein Volkslied, das er nach einer alten Weise gedichtet hatte. Sein darüber erstaunter Bruder vermochte ihn, es dem Herausgeber des „Lonäon milAaniiie" anzubieten, und es ward angenommen. Das Gedicht hieß „Hie inillr inaick". Ein zweites: ,,'1bv «silors returir" , fand ebenfalls in jener Schrift einen Platz. Thomson's „Jahrszeiten", Milton's „Verlorenes Paradies" und andre Werke der Art erfüllten seine ganze Seele, um Robert zum Schöpfer einer Dichtkunst zu machen, welche die Engländer im Ganzen neben und in Einzelnheiten noch über Thomson's „Jahrszeiten" setzen. Auf dem Lande, wo er sich 1786 kurze Zeit aufhielt, faßte er zuerst die Idee zu seinem Gedichte: „Iko karinsrs bo^", welches Roberts eigenthümliche Liebenswürdigkeit charakterisier. Er arbeitete es jedoch unter nicht angenehmen Verhältnissen, nämlich als armer Schuhmachergeselle, in einer Dachstube aus. Ein Rechtsgelehrter, Capel Lofft, sah es 1799 zuerst, und entzückt davon, veranstaltete er !m Vereine mit einem Freunde, Gilt, den Druck desselben, 1800. Ein englischer Kritiker sagt von diesem Gedicht: „Sanft fließende Verse, Empfindung, Frömmigkeit, Dichterfeuer, ein Talent im Malerischen, ein richtiges Gefühl des Natürlichen und Rührenden, Kraft der Gedanken und Lebhaftigkeit der Einbildungskraft sind Thomson und Bloomsield gleich gemein; aber in Bloomfield's Gedicht herrscht eine höhere Einfalt als in Thomson's: ihn charakterisier ganz das Horazische inolle stgue Loetum. ". Noch hat B. eine Sammlung ländlicher Erzählungen und Gedichte herausgegeben. Blücher (Lebrecht v.), aus dem Hause Großen-Rensow im Mecklenburgischen, Fürst von Wahlstadt, k. preuß. Feldmarschall und Ritter fast aller europäischen hohen Militairorden, war den 16. Dec. 1742 in Rostock geb. Sein Vater, Rittmeister in hessen-kasselschen Diensten, schickte ihn in seinem 14. I. nach der Insel Rügen. Hier erregte der Anblick der schwedischen Husaren in ihm den Drang, Soldat zu werden. Vergebens riechen die Ältern und Verwandte ihm ab; er nahm Dienste als Junker in einem schwedischen Husarenregimente. Seinen ersten Feldzug machte er gegen die Preußen und gerieth in die Gefangenschaft desselben Husarenregiments, dem er in der Folge so rühmlich vorstand. Der Ehef dieses Regiments, Oberst v. Belling, bewog ihn, in preuß. Dienste zu treten. Es ward ein Tausch mit den Schweden getroffen, und B. als Lieutenant bei demselben Regimente angestellt. Mißvergnügt' bei einem Avancement Übergängen worden zu sein, nahm er als Rittmeister den Abschied, widmete sich der Landwirthschaft, ward Landrath und erwarb sich durch Fleiß und geschickte Geschäftsführung den Besitz eines Landguts. Nach dem Tode Friedrichs II. trat er als Major in sein altes Regiment wieder ein. Als Commandeur desselben focht er am Rhein 1793 und 1794 mit Auszeichnung. Orchies, Luxemburg, Frankenstein, Oppenheim (16. Jan. 1794), Kirweiler und Edesheim in der Pfalz sind Zeugen seiner Thaten. Nach dem für ihn so glorreichen 18. Sept. 1794 bei Leystadt kam er, als Generalmajor, zu dem Beobachtungsheere am Niederrhein. 1802 nahm er für den König von Preußen Besitz von Erfurt und Mühlhausen. Der Ausbruch deS Kriegs 1806 führte ihn auf das Schlachtfeld von Auerstädt (am 14. Oct.). 935 Blücher Dann folgte er mit dem größten Theile der Cavalerie dem Rückzüge des Fürsten von Hohenlohe nach Pommern in dessen linker Flanke; der Zwischcnraum, der Beide trennte, war aber zu groß geworden, nur durch übermäßige Tag- und Nachtmärsche, welche letztere B. nicht wagen zu dürfen glaubte, wäre eine Bereinigung möglich gewesen; unterdessen war der Fürst von Hohenlohe genöthigt worden, sich bei Prenzlau zu ergeben. Dadurch abgeschnitten von Stettin, warf sich B. ins Mecklenburgische, wo er sich bei Dambeck mit dem Corps des Herzogs von Weimar, das der Prinz Wilhelm von Braunschweig-Öls führte, vereinigte. Aber sämmtliche Truppen waren zu sehr ermattet, um mit ihnen Etwas wagen zu können. Den Großherzog von Berg in seiner linken Flanke, den damaligen Prinzen von Pontecorvo in der Fronte und den Marschall Soult auf dem rechten Flügel, sah B. sich genöthigt, sich hinter der Trave zu setzen, um die 3 großen Corps der Franzosen möglichst lange von der Oder abzuziehen. So rückte er in das Gebiet der freien Reichsstadt Lübeck ein. Allein diese Stadt, in Eile etwas befestigt, ward von der Übermacht der andringenden franz. Heere im Sturm genommen. B. hatte mit einigen Truppen sich aus der Stadt gerettet und mußte, aller VertheidigungS- und Ausfluchtsmittel beraubt, am 6. und 7. Nov. zu Ratkau, einem fürstl. lü- beckischen Dorfe, sich ergeben. Er that dies jedoch nicht anders als unter der ihm nach vielen Weigerungen zugestandenen Bedingung, bei seiner Unterschrift den Zusatz zu machen, daß „ihm die Capitulation vom Prinzen von Pontecorvo angetragen und von ihm nur wegen Mangels an Munition, Proviant und Fourage eingegangen worden". B. war nun Kriegsgefangener, wurde aber bald gegen den franz. General Victor ausgewechselt und gleich nach seiner Ankunft in Königsberg, an der Spitze eines Corps, zu Schiffe nach Schwedisch-Pommern gesandt, um Stralsund vertheidigen zu helfen und die Unternehmungen der Schweden zu unterstützen. Nach dem tilsiter Frieden arbeitete B. in Königsberg und Berlin im Kriegsdepartement. Dann erhielt er das Militaircommando in Pommern, wurde aber später nebst mehren bedeutenden Männern des Staates auf Napoleons Veranlassung in den Ruhestand versetzt. An dem Zuge des preuß. Hülfscorps bei dem franz. Heere in Rußland, im Sommer 1.812, nahm B. keinen Theil; aber als Preußens edle Nation sich gegen den Unterdrücker erhob, da war B. — nun schon im Greisenalter von 70 I. — einer der Thätigsten. Er erhielt den Oberbefehl über die Preußen und über das russische Corps des Generals von Winzin- gerode, welches letztere in der Folge wieder von ihm getrennt wurde. Seinen Heldenmuth in der Schlacht von Lützen (2. Mai 1813) würdigte Alexander durch die Ertheilung des Gcorgenordens. Die Tage bei Bautzen und bei Hapnau waren nicht minder für ihn ruhmvoll; als Sieger feierte er die großen Tage an der Katz- hach (s. Wahlstadt) und bei Leipzig. Dort schlug B. das Heer des Marschalls Macdonald und reinigte ganz Schlesien von den Feinden. Sein Heer erhielt nun den Namen des schlesischen. Vergebens versuchte Napoleon selbst, den alten Husarengeneral, wie er ihn nannte, in seinem Siegeszuge aufzuhalten. Am 3. Oct. ging B. bei Wartenburg über die Elbe und zwang durch diesen kühnen Schritt auch das große böhmische Heer unter Schwarzenberg und die Nordarmee unter dem Kronprinzen von Schweden zu größerer Thätigkeit. Die großen Tage von Leipzig nahten. Am 16. Oct. errang er über den Marschall Marmout bei Möckern glänzende Vortheile und drang schon an diesem Tage bis an die Vorstädte Leipzigs vor. Am 18. hatte er, im Verein mit dem Kronprinzen von Schweden, großen Theil an der Niederlage des Feindes, und am 19. waren es seine Truppen, die zuerst Leipzig erstürmten. Seine eigenthümliche Schnelligkeit und die Art seiner Angriffe hatten ihm schon zu Anfang des Fcldzugs von dm Russen den Beinamen „Marschall Vorwärts" erworben. Von nun an ward es sein Ehrenname im ganzen deutschen Volke. Am. 1. Jan. 1814 ging er mit dem fchles. Heere, das 936 Blumauer nun aus 2 preußischen, 2 russischen, 1 hessischen und 1 gemischten Corps bestand, bei Kaub über den Rhein, besetzte den 17. Nancy, gewann (1. Febr.) die Schlacht bei La Rochiere und drang gegen Paris vor. Allein seine getrennten Corps wurden von Napoleon geworfen; doch erkämpfte B., obwol mit großem Verlust, den Rückzug nach Chalons. Hieraus ging er bei Soifsons über die Aisne, vereinigte sich mit der Nordarmee, siegte am 9. März über Napoleon bei Laon und drang am Ende des Monats, mit Schwarzenbcrg vereinigt, gegen Paris vor. Der Tag von Montmartre krönte die Großthaten dieses Feldzugs, und am 31. März zog B. in die Hauptstadt Frankreichs ein. SeinKönig ernannte ihn, zur Erinnerung an den Sieg beiWah lstadt, zum Fürsten von Wahlstadt und gab ihm eine angemessene Dotation. In England, wohin er im Juni d. I. den verbündeten Monarchen folgte, empfing ihn das Volk mit Begeisterung. Die Universität Oxford ernannte ihn feierlich zum I). der Rechte. Er lebte dann auf seinen Gütern in Schlesien, bis er 1815 abermals dcnOberbcfehl erhielt. Erführtedas Heer schnell in die Niederlande. Am 15. Juni warf sich Napoleon auf ihn, und B. verlor am 16. die Schlacht bei Ligny. Durch den Sturz seines getödteten Pferdes, unter dessen Körper er geworfen ward, gerieth er in Gefahr, Leben oder Freiheit zu verlieren/ Nach diesem unglücklichen, aber ehrenvollen Tage zeigte sich die wahre Größe des Feldmarschalls und seines Heeres. In dem entscheidendsten Augenblick der Schlacht am 18. traf B. auf dem Schlachtfelde ein, nahm Napoleon in Rücken und Flanke und erkämpfte im Verein mit Wellington den großen Sieg bei Belle Alliance oder Waterloo (s. d.). Er schlug den angebotenen Waffenstillstand ab, zwang Paris sich zu ergeben , und widersetzte sich bei seiner zweiten Einnahme dieser Hauptstadt nachdrücklich dem im vorigen Kriege ausgeübten Schonungssystem. Für dieses neue Verdienst um Preußen und die allgemeine Sache beehrte ihn Friedrich Wilhelm III., da Blücher bereits im Besitz aller Würden und Ehrenzeichen war, mit einem eignen für ihn allein bestimmten Ordenszeichen. Es bestand in einem von goldenen Strahlen umgebenen eisernen Kreuz. Nach dem pariser Frieden zog sich der Fürst auf seine Güter zurück. Am 26. Aug. 1819, als am Jahrestage der Schlacht an der Katzbach, ward dem gefeierten Helden auch zu Rostock, seinem Geburtsorte, eine besonders in Deutschland seltene Ehre zu Theil, indem ihm von der Gesammtheit seiner Landsleute, der Mecklenburger, unter Anordnung des engern Ausschusses der mecklenburgischen Stände, noch bei seinen Lebzeiten ein, von Schadow zu Berlin ausgeführtes, Denkmal gesetzt ward. Es besteht aus dem in Erz gegossenen kolossalen Standbilde Blücher's, auf einem hohen Fußgestelle von fein polirtem Granit. Auch übersandte ihm der Ständeausschuß die bei dieser Gelegenheit geprägte Medaille. B. starb am 12. Sept. 1819, nach einem kurzen Krankenlager, auf seinem Gute Kriblowitz in Schlesien im beinahe vollendeten 77. I. seines Heldenle- cbens. In Berlin hat der König die 12 Fuß hohe Bildsäule des Helden, von Rauch modellirt, von Le Quine und Reisinger in Erz gegossen, am 18. Juni 1826 auf einem 14 Fuß hohen, mit Reliefs geschmückten Piedestale aufgerichtet. In Beslau ward seine Statue (von Rauch) 1827 aufgestellt. (S. „Blücher's Lebensbeschreibung", von Varnhagen von Ense, Berlin 1827.) B lum auer(Aloys), Dichter, geb. zu Steier in Ostreich ob der Ens 1755, studirte in seiner Vaterstadt, trat 1772 zu Wien in den Jesuitenorden, privatisiere daselbst nach der Aufhebung desselben, bis er als Censor angestellt wurde, welche Stelle er 1793 niederlegte, da er die Gräffer'sche Buchhandlung übernahm, an der er schon seit 1786 einigen Antheil gehabt hatte. Er starb 1798. Seine travestiere Äneide erwarb ihm als scherzhaftem Dichter ausgezeichneten Ruf. Es ist ein poetisches Zerrgemälde, reich an burleskem Witz und drolligen Verdrehungen. Diese Eigenschaften findet man auch in mehren seiner übrigen zahlreichen Gedichte. Einige athmen Feuer und Leben und sind in einer schönen, reinen und mäimlichm 937 Blume, Blüthe Sprache vorgetragen. Zuweilen ist sein Witz gemein, die Sprache unrein und das Mechanische des Versbaues verfehlt. Seine sammtl. Werke erschienen Leipzig l 1801 —3,8 Bde. Blume, Blüthe. Die Blüthen derjenigen Gewächse, welche um der Blüthe willen in Garten gezogen werden, nennt man Blumen. Von Fruchtgewächsen, z. B. Äpfel-, Birnen- und Pflaumenbäumen, sagtman Blüthen. Botanisch heißt im Allgemeinen Blume: die farbige Hülle der sogenannten Geschlechts - oder Befruchlungstheile der Gewächse. Gewöhnlich ist diese Hülle doppelt , indem eine äußere, meistens grüne oder weniger gefärbte, sich von der innern ! unterscheiden läßt. Die erstere heißt Kelch, die innere aber, welche sich durch zartem Bau und meistens durch kürzere Dauer auszeichnet, Corolle oder Blumen- kcone. Nicht selten kommt eine dritte innere Hülle hinzu, die Linne zu den Necta- rien zahlte, z. B. bei den Narcissen unleugbar als eine innere Corolle zu betrachten ist. Macht nur eine einzige Hülle die Blume aus, so ist diese sehr häufig auswendig kelchartig und inwendig corollinisch, wie die gemeinen Beispiele der Tulpe, der Lilie, des Buchweizens u. s. w. beweisen. Der Unterschied des kelchartigen und des corollinischen Überzugs der Blumen beruht auf dem Bau. Jener hat, auch wenn er nichtgrün, sondern gefärbt ist, gerade eine solche Oberhaut, als die untere Blattfläche und die übrigen grünen Theile der Pflanzen. Sie ist nämlich mit Spaltöffnungen versehen, welche der eigentlichen Corolle jederzeit fehlen. Die letztere ist dafür mit einem sammtartigen Überzüge bedeckt, der aus den zartesten Wärzchen oder Hügel- - chcn besteht. Unter diesem Überzüge ist das Zellgewebe, welches die farbigen Säfte enthält, und erst,, wenn das letztere abgestreift ist, kommen die zarten Nerven der Corolle zum Vorschein, welche unter dem Mikroskop als die feinsten Bündel von SchraubeNgängen und, nach dem Rande der Corolle zu, als ganz vereinzelte Spiralgänge erscheinen. Diese liegen endlich hart auf der untern Oberhaut. Ein ähnlicher sammtartiger Überzug ist es, der auch die Narbe oder das Stigma bedeckt, welches seine Bedeutung als fchlgeschlagcne Corollenform in den Bildungen verrath, wo es, wie bei den Jrideen, sich in förmliche Kronenblätter spaltet. Dieser zarte Bau der Corolle hängt mit der Färbung derselben zusammen. Es ist gewiß, daß die grüne Farbe, die den meisten übrigen Pflanzentheilen gemein ist, sich oft schon in der Nähe der Corolle verliert und in ihre beiden Nebenfarben, die blaue und gelbe, übergeht, wie wir dies an den gefärbten Bracieen sehr vieler Pflanzen bemerken. Ja, je mehr die Natur diese differenten Farben in den Bracteen entwickelt hat, desto weniger Kraft bleibt ihr zur Ausbildung wesentlicher Theile übrig. ! Daher schlagen die oberen Blüthen zwischen den gefärbten Bracteen des Ndam- nemorosuin fehl. Die Stellung der grünen Farbe zwischen der gelben und blauen erklärt uns, warum diese beiden, besonders aber die gelbe, theils den Frühlingsblumen, theils mehren großen Familien vorzüglich eigen ist, warum sie beim Trocknen der Primel und mehrer Hierazien wieder in die grüne Farbe übergeht, warum bei der UaäivaAo intermedia kero. ein beständiges Schwanken der Blume zwischen Gelb, Grün und schmutzig Blau beobachtet wird. Die gelbe und blaue > Farbe gehören also zu denen, die am leichtesten aus der grünen entstehen. Wenn hingegen die Differenz zunimmt, oder der Proceß der Säuerung in der Blume vorwaltet, dann wird sie die polare Farbe des rothen annehmen; daher man mit Säu- ! ren andre Blumenfarben in diese verwandeln, und mit Alkalien die rothe Farbe wieder in die gelbe, grüne oder blaue umändern kann. Daher die Blätter vieler Bäume vor dem Herbstfall roth werden, weil, wegen gestörter Verrichtung des Aushauchens, aller Sauerstoff zurückbleibt. Daher endlich die brennend rothen Farben das Auge beleidigen, weil sie im höchsten Grade different oder polarisch sind. Hingegen thut die grüne Farbe dem Auge wohl, weil alle schneidende Gegensätze in ihr ausgeglichen sind, Noch hängt hiermit zusammen, dgß in der Nähe der Nectas 838 Blumen (künstliche) Blumenbach rien, auch wenn die Blumen anders gefärbt sind, häufig rothe Streifen und Flecken ! bemerkt worden: Beweise der vorwaltenden Säuerung in der Erzeugung des Honigsaftes. Die weiße Farbe der Blumen läßt sich nur aus der Darlegung des innersten und zartesten Gewebes erklären, welches nicht einmal einen Kampf mit dem Lichte bestehen kann, sondern sich ihm ganz aneignet. Es werden manche Blumen weiß, wenn sib trocknen, sowie die zartesten weißen Blumen beim Welken sich roth färben: Erscheinungen, welche sich ohne Mühe aus der angedeuteten Theorie erklären lassen. Wir haben endlich eine Menge violetter Blumen, die als im höchsten Grade entsäuert betrachtet werden müssen, da der violette Strahl dem rothen entgegengesetzt, und da es leicht ist, eine violette Blume, wie die Veilchen, durch Säuren roth zu färben. Mit der Farbe der Blumen hangt der Geruch derselben auf gewisse Weise zusammen. Da nämlich die Geruchsstoffe durchgehends dem Wasserstoffe angehören, da in der Blume die polarischen Stoffe in den Farben hervortreten: so ist klar, daß auch der Wasserstoff, wo besonders sein Gegensatz, der Sauerstoff, in dem erzeugten Honigsaft oder in der rothen und gelben Farbe der Blume niedergeschlagen wird, in den Geruchstheilcn sich entwickeln muß. Blumen, die grüne Hüllen haben, wie die Gräser, und die der Nectarien entbehren, wie diese, sind meistens geruchlos. Indessen mögen mehre uns unbekannte Umstände diese Regel beschränken. Denn z. B. riecht die biliAell» mit sehr entwickelten Nectarien gar nicht, dagegen die keseckk», und zwar nur eine Art derselben, mit gleichmäßig ausgebildeten Nectarien, den bekannten starken Wohlgeruch verbreitet. Bei der Eintheilung der , Gewächse nach dem Geschlechtssystem (s. Befruchtung und Pflanzen) leisten die Blumen wesentliche Dienste; denn außer daß bei den meisten die Staubgefäße die Classe, und die Staubwegc die Ordnung bestimmen, geben die übrigen Theile der Blumen und selbst die Bildung ihrer Geschlechtstheilc, nebst der Beschaffenheit der Frucht, die Merkmale der Geschlechter ab. — Inder Architektur, Malerei oder Bildhauerkunst nennt man Blumen Zierrathen, welche diesen Schmuck der Natur wirklich nachahmend darstellen. — Chemisch, die feinsten Theile der Körper in trockener Gestalt, nachdem solche das Feuer von den gröbern Theilen durch Sublimation ausgeschieden hat; so geben das Laugensalz, das Spießglas, der Arsenik, Benzoe, Wismuth, Zinn, Metalle, Schwefel, Zink rc. Blumen. — Blüthenzeit ist die nach dem Klima sehr verschiedene Periode des Ausbruchs j der Blumen, ehe sie den Samen für ihr ferneres Pflanzenleben bilden. , Blumen (künstliche) werden aus Federn, Batist, Tastet, Biscuit, vorzüglich aus den Gehäusen der Seidenwürmer verfertigt. Diese Sorte liefert besonders Italien in großer Menge; man nennt sie auch daher italienische Blumen. Die schönsten Blumen liefert Paris; doch auch in Dresden, Berlin, Wien, Nürnberg u. a. O. werden solche Blumen in großer Vollkommenheit verfertigt. Der natürliche Geruch wird den künstlichen Blumen durch das Benetzen mit wohlriechenden Ölen gegeben. Blumenbach (Johann Friedrich), Dr., Professor undObermedicinalrath. Dieser philosophische Naturforscher gehört gegenwärtig zu den ersten Zierden der Universität Göttingen, auf der er seit 50 I. mit rastloser Thätigkeit vielbesuchte Vorlesungen über Naturgeschichte, Physiologie, Osteologie, vergleichende Anato- ^ mie, Pathologie und medicinische Literargeschichte hält. Über beinahe alle diese > Wissenschaften hat er mit trefflichem Blicke ordnungsvoll und bündig geschrieben, und diese Schriften (f. Meusel's „Gelehrtes Deutschland") tragen das Gepräge seines eigenthümlichen Genies und haben zum Theil mehre Aufl. erhalten. Sein meisterhaftes, jetzt aber doch schon in einigen Ansichten veraltetes „Handbuch der Naturgeschichte" ist 1825 bereits zum 11. Male aufgelegt worden. Sein „Handbuch der vergleichenden Anatomie und Physiologie" (Göttingen 1804) war das erste in Deutschland. Von seinem „Handbuch der Physiologie" Blumenhandel iy Holland 939 ! erschien eine engl. Übersetzung, deren 2. Ausg. (1818) auch als erstes durch eine ! Maschine gedrucktes Buch merkwürdig ist. — Blumenbach ist am 11. Mai ! 1752 zu Gotha geboren, studirte in Jena und in Göttingen, wo er am 19. Sept. 1775 das medicinische Doctorat, 1776 die Aufsicht über das Natura- liencabinet der Universität und eine außerordentliche, sowie 1778 eine ordentliche Professur der Medicin erlangte. 1783 unternahm er eine gelehrte Reise nach der Schweiz, und später eine nach England, wo ihm besonders das Wohlwollen des berühmten Ritters Banks sehr nützlich war. Er besitzt, außer vortrefflichen natur- ^ historischen Werken und Kupferstichen, herrliche naturhistorische Sammlungen, unter welchen die Schädelsammlung in ihrer Art einzig ist; auf sie gründet sich die „6»Ueetio eraniorum divers. Fent. illustr.", mit Kpf. , wovon sechs Lieferungen (Göttingen 1790 —1820) erschienen sind. Am 19. Sept. 1825 feierte B. sein Doctorjubelfest, wobei außer mehren Glückwünschungsschristen auch eine Medaille ihm überreicht und das Capital zur Begründung eines fortdauernden Rei- ( sestipendiums, das seinen Namen führen soll, niedergelegt wurde. Schrader nannte nach ihm eine neue Pflanzengattung Llumendsedi» insiAnis. Am 26. Febr. 1826 wurde das 50. I. seiner Ernennung zum Pros. der Univ. Göttingen gefeiert, wozu Loos in Berlin die Jubelmedaille verfertigt hatte. Blumenhandel in Holland. Harlem war in ältern Zeiten der Hauptsitz dieses Handels. 1636 und 1637 herrschte in Holland ein wahrer Tul- , penschwindel. Man verkaufte Zwiebeln, die man nicht besaß, für unerhörte Sum- > men, mit der Bedingung, selbige dem Käufer in einer festgesetzten Zeit zu liefern. Für eine einzige Semper Augustus bezahlte man 13,000 Gldn., und für drei dcrgl. zusammen 30,000 Gldn., für 200 Aße von derselben 4500 Gldn., für 400 Aße Admiral Liefkenshoek über 4000 Gldn., für Admiral Enkhuizen über 5000 Gldn. u.s.w. Für einen Viceroi gab man: 2LastWeizen, 4LastRoggen, 4fetteOchsen, 8 Ferkel, 12 Schafe, 2 Oxhoft Wein, 4 Tonnen Achtguldenbier, 2 Tonnen Butter, 1000 Pf. Käse, ein Bündel Kleider und einen silbernen Becher. In Alkmaar verkaufte man in einer Auction für mehr als 90,000 Gldn. Zwiebeln. In derselben Zeit gewann Jemand in Amsterdam in 4 Monaten über 68,000 Gldn. bei diesem Handel. In einer einzigen holländischen Stadt sollen über 10 Mill. Tulpenzwiebeln j verkauft worden sein. Als aber die Käufer sich weigerten, die vorbedungenen Sum- § men zu zahlen, und als die Staaten am 27. April 1637 bestimmten, daß dergleichen Summen auf dem gewöhnlichen Wege, wie jede andre Schuld, beigetrieben werden sollten, stürzten die tollen Preise auf einmal, und man konnte nun eine Semper Augustus um 50 Gldn. haben. Dennoch waren auch nachher die Summen, die man durch Hervorbringung neuer und seltener Tulpengewächse gewann, nicht unbedeutend, und noch jetzt findet man in den Verzeichnissen der harlemer Blumisten die Preise von 25 —150 Gldn. für einzelne seltene Tulpen. Bis zur französ. Revolution zogen die harlemer Blumisten ihre Tulpenzwiebeln vornehmlich aus Ryssel und andern Städten Flanderns, wo sich die Geistlichen mit Erziehung ^ derselben beschäftigten, nachher trieben sie das Geschäft selbst; doch ist der ganze Tulpenhandel nicht mehr von sonderlicher Bedeutung. Aber auch nach dem Verfall ^ des Tulpenhandels verlor Alkmaar den Ruf nicht, die ersten Liebhaber und Kenner j von Blumengewächsen zu besitzen. Vermögende Personen trieben die Zucht der Blumen, besonders der Hyacinthen. Theils von diesen, theils von auswärts her, versahen sich die Blumisten nicht nur mit Hyacinthen, sondern auch mit Ranunkeln, Aurikeln, Nelken, Anemonen u. a. m., die allmälig zahlreicher bei ihnen bestellt wurden. Das Geschäft gewann von Jahr zu Jahr an Ausdehnung, und Harlem ist bis jetzt der Stapelplatz Dessen geblieben, was schön in dieser Waare genannt werden kann. Die Hyacinthen singen erst 1730 an, recht empor zu kommen. Man bezahlte in diesem I. für kss8e non plus nltr» 1850 Gldn., und 940 Blumenorden Blumensprache für ^ Ophir, wovon die ganze Zwiebel jetzt ein paar Stüber kostet, 275 Gldn. ! 1776 stand der harlemer Blumenhandel in einem hohen Flor, und noch 1785 gab l manfürdenMarquisdelaCoste750Gldn. Seitdem sind die Preise derHyacinthen ebenfalls sehr gesunken, wiewol man in den Verzeichnissen auch noch gewisse doppelte Hyacinthen mit Preisen von 25—lOOGldn. angeführt findet. Die sehr ver- > breitete Liebhaberei, allerlei Blumen, und besonders Hyacinthen, im Winter auf Gläsern und in Töpfen zu ziehen, halt diesen Handel noch aufrecht. Zwischen Alkmaar und Leyden sind über 20 Morgen Landes (ä 600 Ruthen) allein den Hyacinthen gewidmet, die in dem sandigen und lockern Boden ganz vorzüglich gedeihen. Noch zahlt man in und um Harlem, außer vielen kleinen, zwölf oder dreizehn große Blumisten. Sie hatten Versendungen nach Deutschland, Rußland, England rc., selbst bis nach der Türkei und dem Vorgebirge der guten Hoffnung. Jetzt ist theils durch die Zeitumstände, theils aber auch dadurch dieser Handel sehr verdorben worden, daß einzelne harlemer Blumisten übermäßig große Partien Zwiebeln allenthalben in Commission geben und in Auctionen und sonst verschleudern lassen. Außer den angeführten versenden die Harlemer noch Tazetten, Jonquillen, weiße Lilien, Mortagons, Iris, Fritillarien, Krokus und andre Blumengewächse, auch allerlei Sämereien, Obstbäume und Treibhausgewächse. Blumenorden, s. Pegnitzorden. Blumenspiele, s. leux kloraux. Blumensprache. Es ist bekannt, daß die Morgenländer, als Freunde , der Allegorie, gern in Bildern reden und schreiben. Sie besitzen darum auch eine Kunst, ihren entfernten Freunden die geheimsten Gedanken ihrer Seele und die verborgensten Wünsche ihres Herzens, ohne alle Charaktere mitzutheilen. Diese geheime Sprache scheint von den eingekerkerten morgenländischen Frauenzimmern erfunden worden zu sein. Denn diese haben bei ihren wenigen Beschäftigungen und Zerstreuungen Muße genug, ganz ihren Phantasien freien Lauf zu lassen. Darum ist diese Sprache zwar schön, von Gefühl und Sinn, aber auch sehr eingeschränkt und willkürlich. Nur Herzensangelegenheiten können durch sie abgehandelt werden. Diese geheime Sprache der Orientalen besteht in der Kunst, ein Bouquet von natürlichen Blumen, die alle nach einer geheimen Bedeutung gewählt und geordnet sind, zu binden. Dieses Bouquetnennen sie Selam. Da jedes Land : seine eigenthümlichen Blumen und Kräuter, sowie seine besondern Begriffe vom Schicklichen und Unschicklichen, von Schwächen und Stärken der Leidenschaften hat, je nachdem sein Klima kälter oder wärmer, seine Sitten verfeinerter oder roher sind: so wird man nicht nur in jedem Lande andre Bouquets binden und binden müssen, sondern auch in einem und demselben Lande wird jede Blume anders sprechen, wenn sie von einer andern Person gebraucht wird. Denn in der Bezeichnung der Bedeutung jeder Blume findet ja die größte Willkür statt. Bei den Chinesen findet man ein Alphabet, das ganz aus Pflanzen und Wurzeln besteht, und auf den Felsen in Ägypten sind die Eroberungen, welche seine frühern Bewohner gemacht, durch unbekannte Pflanzen eingegraben. Übrigens bedarf es bei der Blumensprache keines tiefen Forschens, die Natur selbst wird die beste Lehrerin. Richtet man sich nach einer bestimmten aufgezeichneten Blumensprache, so darf man nur das beigefügte Verzeichniß der Bedeutung jeder Blume nachsehen, und man wird diese Blumensprache verstehen. Die Hauptregel hierbei ist: wohl zu beachten, daß die erste Blume rechter Hand einen Gedanken ausdrückt, und daß sie umgekehrt, d. h. den Stiel dieser Blume nach oben gerichtet, das Gegentheil andeutet, z. B. eine Rosenknospe mit ihren Dornen und Blättern heißt: Ich fürchte, aber ich hoffe. Wenn man diese Knospe umkehrt, so will man damit sagen: Man muß weder fürchten noch hoffen. Doch muß man auch die verschiedenen Modisicationen eines Gedankens nicht unbeachtet lassen; man kann sie durch die nämliche Blume an? Blumenstück Blut 941 deuten. Wenn man z. B. von der Rosenknospe die Dornen abstreift, so heißt dies: Es ist Alles zu hoffen; pflückt man aber die grünen Blatter ab, so will man damit sagen: Es ist Alles zu fürchten. So kann man das symbolische Zeichen fast ' aller Blumen durch ihre Lage oder durch die Beraubung ihres Schmuckes vervielfältigen. Die Ringelblume z. B., wenn man sie an den Kopf bringt, deutet Geisteskummer an; an das Herz gelegt, Liebesgram; auf die Brust, Langeweile. Ferner bezeichnet man das Wort Ich, mit Bezug auf das Symbol der Blume, wenn man letztere rechts hinneigt; das Wort Du, wenn man sie links Herabsinken laßt. Nun noch ein paar Beispiele: Wenn man seiner Freundin sagen wollte: Warum weintest Du, liebes Weib, gestern im Geheim auf dem Balle? — so müßte man ein Bouquet von folgenden Blumen binden: Ein Gänseblümchen, Rosmarin, Reseda, rother Levkoje, violetter Sommerlevkoie, eine Wicke, Jristuberose. Hatte sie diese Antwort zu geben: Ich weinte um einen entfernten Freund, einen Officier, der zu Felde gegangen ist, und fürchte seinen Tod, — so würde sie folgende Blumen nehmen müssen: Narcisse, Rosmarin, Thymian, eine weiße Hyacinthe, eine Ranunkel, eine Kaiserkrone, Krausemünze, Salbei und Himmelsschlüsselchen. S. „Fatimens Morgenzeitvertreib und den des Serails rc." (Leipzig 1797); ferner: „Die Blumensprache, oder Symbolik des Pflanzenreichs", nach dem Franz, der Frau Charlotte de Latour von Karl Müchler (Berlin 1820); „Selam, oder die Sprache der Blumen" (2. Aufl., Berlin 1821), und „Neueste Blumensprache; , eine Gabe der Liebe und Freundschaft geweihet von A. R. C. L." (Nordhaus. 1821) u. s. f. — Es gibt aber auch eine Blumensprache ohne Blumen. Dies ist nämlich ein Ausdruck, eine Sprache, reich an Bildern und Allegorien. Auf diese Weise wäre jeder bildliche Ausdruck eine Blume, und ein Aufsatz, ein Buch, das ganz in Allegorien geschrieben wäre, würde Blumensprache in dieser Bedeutung enthalten. Da aber die Blumen immer etwas Schönes, etwas Angenehmes anzudeuten pflegen, so würde auch jede schone und angenehme, selbst blumenlose Sprache dennoch auch eine Blumensprache genannt werden dürfen. Da endlich das Sprechen durch die Blume im gemeinen Leben so viel heißt als geheimnißvoll thun, reden, so würde auch jede geheimnisvolle, dunkle Sprache in einem gewissen Sinne eine Blumensprache genannt werden können. il. ! Blumenstück, in der Malerei, eine Darstellung von Blumen, worin ! diese ein Kunstwerk für sich ausmachen. Solche Darstellungen, wobei täuschende Wahrheit das höchste Erreichbare ist, gehören zwar nur zu den untergeordneten Arten der Malerei, und ein Maler verdient damit noch nicht den Namen eiyes ästhetischen Künstlers; allein sie können dennoch unter einem höhern Charakter als dem der Nachahmung erscheinen und durch sinnige Anordnung und Wahl auch ein wahres ästhetisches Verdienst erlangen. Als die berühmtesten Blumenmaler nennen wir Huysum, Rachel Ruysch, Segher, Verendael, Mignon, Roepel, Dreßler. (Vgl. Malerei.) Blumenuhr ist ein durch Blumen hervorgebrachter Zeitmesser. Bekanntlich öffnen und schließen sich die Blumen theils nach dem hellen oder dunkeln Wet- , ter, theils nach der Länge oder Kürze des Tages. Die merkwürdigsten aber zeigen gewisse feste Stunden des Tages Blüthen, vorzüglich früh und Abends, und diese ! sind eben geeignet, eine Blumcuuhr aus ihnen zusammenzusetzen. Wenn man näm- l lieh die Blumen auswählt, welche von Sonnenaufgang an regelmäßig eine Stunde blühen und dann sich verschließen, neben diese eine andre stellt, welche in der nächsten Stunde blüht und sich schließt, und so von Stunde zu Stunde fortfährt bis zum Untergänge der Sonne, und die einzelnen Blumen in eine Reihe oder in einen Kreis stellt, wie sie einander ablösen, so hat man eine Blumenuhr. 11. Blut ist die rothe, in den Adern thierischer Körper befindliche Flüssigkeit. ES befindet sich in allen Säugethieren, Vögeln, Amphibien und Fischen, bei den 942 Blut, Blutumlauf letztem beiden Thierclassen aber mit dem wichtigen Unterschiede, daß der Wärme- ! grad ihres Blutes nicht so hoch ist als bei den erstem, daher sie auch kaltblütige, ^ jene aber warmblütige Thiere genannt werden. Die Insekten und Würmer haben i statt des Blutes einen Saft von weißlicher Farbe, den man weißes Blut nennt. Das Blut enthält zwei verschiedene Stoffe, die sich beim Gerinnen von einander scheiden: das Blutwasser, eine wässerige eiweißliche Substanz, und eine dicke, schleimige Masse, der eigentlich die rothe Farbe zukommt, die viel schwerer ist als jene und Blutkuchen heißt. Sie läßt sich aber auch wieder in zwei verschiedene Bestandtheile trennen, in den Eruor, oder eigentlichen rothen Theil des Bluts, und in die gerinnbare Lymphe, welcher das Gerinnen des Blutes zuzuschreiben ist. Der Eruor besteht aus phosphorsaurem Eisen mit etwas Eiweißstoff verbunden. Die Rothe des Bluts ist einem kohligen, verbrennlichen Stoffe zuzuschreiben. Jüngere Thiere haben einen viel weißem Faserstoff als altere und stärkere Thiere. Letzterer Blut hat weit mehr Stickstoff als jener. Bei veränderter Nahrung der Thiere findet man veränderte Bestandtheile im Blute. Auch ändern solches Krankheiten um. Bei kranken Thieren ist das Eiweiß des Blutes weicher als bei gesunden. Aus diesem erzeugt sich die Entzündungshaut auf dem Blute kranker Thiere. In hypersthenischcn Krankheiten ist Überfluß, in asthenischen Mangel an Faserstoff. Bei zu Tode gejagten Thieren, oder die der Blitz erschlug, gerinnt das Blut nicht. Das Blut der Vogel hat eine höhere Rothe, es ist wärmer als jenes der Säug- thiere und gerinnt schneller an der Luft. Das Blut der Amphibien und Fische gerinnt schwer. Durch starke Vergrößerungsgläser bemerkt man in dem Blute des ^ lebendigen Thieres, oder in frischgelasscnem Blute, daß es, besonders der Cruor, aus kugelförmigen Bläschen, den sogenannten Blutkügelchen, besteht, deren Größe etwa den dreihundertstcn Theil einer Linie beträgt. In dem, wennschon nur kurze Zeit stehenden Blute bemerkt man sie nicht. Sie sind die Wirkung des im Blute herrschenden Lebens; je kräftiger und gesünder das Thier ist, desto mehre Blutkü- ! gelchcn bemerkt man in dem Blute desselben. Sie zeigen gleichsam den Übergang vom gestaltlosen Flüssigen zur Urform der ersten organischen Bildung an. Für das ; Leben des thierischen Körpers ist das Blut von der größten Wichtigkeit, und man kann es füglich als den Quell des Lebens ansehen. Es ist, so lange der Körper lebt, in steter Bewegung, welche nur mit dem Tode aufhört. Außerhalb des Körpers geht mit demselben bald eine auffallende Veränderung vor; es fängt an zu ge- ' rinnen, und geht hernach zuerst in eine saure, dann in eine faule Gährung über. — Alles Blut nimmt seinen Ursprung aus dem Milchsäfte, und setzt nach und nach die für die Erhaltung und das Wachsthum des Körpers erfoderlichen Nahrungssäfte durch eine Menge hierzu geeigneter Gefäße ab. Dies geschieht, während es aus dem Herzen bis zu den entferntesten Theilen des Körpers, und von da wieder zurückgelrieben wird. — Der Blutumlauf ist gleichsam die Grundlage und erste Bedingung des Lebens. Mit ihm hört alles Leben und folglich jede übrige Verrichtung des thierischen Körpers auf. Das Herz, der Mittelpunkt des Blutumlaufs, hat eine doppelte Bewegung, welche unaufhörlich wechselt; die eine ist zusammenziehend , die andre erweiternd. Mit dem Herzen sind zwei Arten von Ca- nälen verbunden, wovon die eine Schlagadern, die andre Blutadern heißt. (S. Adern.) Der Umlauf des Bluts geht mit einer bewundernswürdigen Schnellig- ! keil vor sich; strömte es mit gleicher Geschwindigkeit gerade und ohne Krümmungen fort, so würde es in einer Minute ungefähr 149 Fuß durchlaufen. Diesen Grad von Schnelligkeit hat das Blut aber nur in den nahe am Herzen befindlichen größern Canälen; je weiter es sich vom Herzen entfernt, desto mehr nimmt auch jene Geschwindigkeit ab. Man kann in einem erwachsenen Menschen von gewöhnlichem Bau eine Blutmasse von 24 — 30 Pfund annehmen. S. Dr. Ge. Wedemeyer's „Untersuchungen über den Kreislauf des Blutes" (Hanov. 1828). Blutader Blutegel 843 ! Blutadpr, im Allgemeinen jede Ader, die Blut in sich enthält, im Gegensatze der Bandadern, Erzadern, Wasseradern. (S. Adern.) — Blutauge > ist ein blutiges Auge; bei den Ärzten eine Ergießung des Bluts in die vordere und ! hintere Augenkammer, durch einen Schlag aufs Auge, durch heftige Anstrengung beim Erbrechen, Husten u. s. w. (tl^poaoina). — Blutregen ist ein Regen, nach welchem man rothe Flecken bemerkt, die man für Blut, das mit dem Regen herabgefallen sei, hielt, oder doch so nannte, welche aber von den kleinen rothen Aiefcrn (Insekten) herrühren, oder auch von gewissen kleinen Schmetterlingen, welche, wenn sie auskriechen, an den Mauern der Häuser rothe Flecken zurücklassen. — Blut speien, eigentlich Bluthusten, ist diejenige Krankheit, da man durch Husten Blut aus der Lunge wirft. — Blutbrechen, auch schwarze Krank- heit (morbus nizer), wenn Blut durch Brechen aus dem Magen ausgeworfen wird. Wird auf einmal eine große Menge Blut ausgeworfen, so ist es ein Blutsturz. Blutbereitung, s. Assimilation und Ernährung. Blutegel (birullo meäivinuUch, der gemeiniglich schwarze, fingerlange, federkieldicke Wasserwurm, mit tvalzigem, etwas niedergedrücktem Leibe, der nach vorn etwas dünner wird, und hier den Mund mit dreischneidenden Kiefern, aber hinten einen Saugnapf hat, womit er sich fest hält; der Bauch ist gelb gefleckt, auf dem Rücken befinden sich acht gelbe, schwarze, rothe Längenstreifen. Er bewegt sich dadurch fort, daß er sich ausdehnend und zusammenziehend bald mit dem ! Munde, bald mit dem Hintern Saugnapfe festklebt. Längs den Seiten hat der Blutegel viele Löcher zum Athemholen, welche mit Bläschen in der Nähe der Gefäße in Verbindung stehen; an der Brust sind zwei Löcher hinter einander, durch -das vordere geht die Ruthe, durch das Hintere die Eier. Die Blutegel leben in Teichen und sumpfigen Bächen wahrscheinlich von kleinen Thieren und von dem , Blute, das sie den Fischen aussaugen. Außerdem haben sie aber auch den Trieb, ! den warmblütigen Thieren so viel Blut auszusaugen, daß sie zum Sprüchworte j geworden sind und selbst davon sterben. Darum wendet man sie in der Medicin, i um Blut zu lassen, an, sammelt sie in großer Menge und bewahrt sie mit Sorgfalt in den Apotheken in großen Gläsern auf. Sie machten in der neuesten Zeit an mehren Orten einen nicht unbedeutenden Handelsartikel nach England und Frank- ^ reich aus. Die Anwendung derselben hat vor dem Aderlaß die Vortheile, daß eine ge- 1 ringere (aber freilich immer auch eine nicht ganz genau zu bestimmende) Menge Blut aus den Capillargefäßcn der Haut (nicht aus großem Gefäßen, wie beim Aderlaß) und an Stellen gelassen werden kann, wo dies auf eine andre Weise nicht zu bewerkstelligen ist. In Entzündungen und Blutcongestionen sind sie oft nützlicher als Aderlässe, die unterdrückten Blutungen der Hämorrhoiden und Menstruation sucht man durch Blutegel zu ersetzen, und wendet sie oft auch an, um eine Ableitung des Blutes von wichtigen bedrohten Organen zu Stande zu bringen. Das Anlegen der Blutegel geschieht dadurch, daß man sie mit der Hand, oder in Leinwand, Papier, oder vermittelst eines kleinen Gläschens dahin hält, wo sie saugen sollen, und sie, wenn dies geschieht, so lange in Ruhe läßt, bis sie von selbst ab- ! fallen. Das Letztere geschieht gewöhnlich erst, wenn sie durch das aufgenommene Blut 3 — 4 Mal größer und dicker geworden sind und sich deßhalb kaum mehr be- > wegen können. Sollen sie früher entfernt werden, so streut man ein wenig Küchen- salz auf den Rücken derselben, wodurch sie Convulsionen und Erbrechen bekommen. Die kleinen dreieckigen Wunden, welche sie hinterlassen, bluten gewöhnlich noch eine längere Zeit fort; dies unterhält man oft noch ^—1 Stunde lang und verbindet alsdann die Wunden, indem ein wenig Schwamm auf die Wunde gelegt und durch Heftpflaster befestigt wird. Alsdann erfolgt die Vernarbung gewöhnlich in kurzer Zeit. So einfach nun auch dieses Verfahren ist, so viele Umstände können 944 Blutgefäße Blutgeld sich doch ereignen, welche das Anlegen der Blutegel beschwerlich machen; bald wollen diese nicht saugen, bald geschieht es unter heftigen Schmerzen, und Diesem begegnet man, wenn man die Stelle sehr rein wascht und mit Milch oder Zuckerwasser befeuchtet; bald ist die Nachblutung so reichlich, daß sie sich auf die gewöhnliche Art nicht hemmen laßt. Oft bleibt an den Stellen, wo die Blutegel gesaugt hatten, ein schwärzlicher, grüner, gelber Fleck von ergossenem Blute zurück; bisweilen gehen auch die Wunden in Entzündung und Eiterung über. Ein gefährlicher Zufall ist es, wenn Blutegel beim Trinken von Wasser verschluckt werden, oder bei Mangel an Aufmerksamkeit in die Nase, den Mund oder andre Öffnungen des Körpers hineinkriechen. Sie saugen sich dann innerlich an und bewirken oft gefährliche Blutungen. Kennt man die Veranlassung solcher Blutungen, so scheint das Salzwasser das zweckmäßigste und sicherste Hülfsmittel zu sein. 34. Blutgefäße, s. Adern. Blutgeld. Unter diesem verhaßten Namen war in England die Belohnung bekannt, welche Angeber und Zeugen in verschiedenen Criminalfällen bekamen. Es ist tief in dem Wesen der englischen Eriminalverfassung gegründet, daß die Strafrechtspflege ohne den Willen der Beschädigten und Zeugen ihren Zweck nicht erreichen kann. Um den mangelnden Eifer für das Allgemeine zu ersetzen, nahm man den Eigennutz zu Hülfe, und durch verschiedene Gesetze von 1692, , 1694, 1699, 1707, 1720, 1741 und 1742 wurden Belohnungen von 10 bis 50 Pf. St. für Diejenigen ausgestellt, durch deren Zeugniß Straßenränder, Falsch- ^ münzer und Diebe überführt werden würden. Jedes Mal, daß eine solche Schär- ! fung stattfand, war in Großbritannien eine unruhige Zeit, wo sich die sogenann- ^ ten Jacobiten regten. Wenn die politischen Verbrecher sich vermehrten, so glaubte man zu bemerken, daß sich auch die Privatverbrecher vermehrten. Bei gewissen I Diebstählen (Einbruch, Pferdediebstahlen) sollte vermöge des Gesetzes von 1699 Derjenige, welcher den Verbrecher ergreifen und überführen würde, außer baaren 40 Pf. St. noch ein Certisicat erhalten, wodurch er von den Kirchspieldiensten (Armenaufseher, Kirchenvorsteher u. dgl.) frei wurde. Solche Freischeine (Galgenscheine, IJburn ticket« genannt) konnten verkauft werden, weil sie sonst Dem, der sie zum zweiten Male erhielt, Nichts mehr geholfen hätten, und wurden in großen Städten, wie Manchester, zu hohen Preisen (250 — 300 Pf.) verkauft. Die Summe der Belohnungen (ohne die IJ-burn ticket«) betruss1798 in den 40 Grafschaften Englands 7700 Pf., 1813 war sie auf 18,000 Pf. gestiegen. Der ^ Mißbrauch, welcher aus diesem System entstand, war fürchterlich. Polizeiofsi- ciantcn machten sich ein Gewerbe daraus, arme, unwissende und leichtsinnige Menschen, besonders Ausländer, zu Verbrechen (vornehmlich dem Ausgeben falscher Münzen) zu verführen, um dann durch die Angabe derselben das Blutgeld zu verdienen. 1756 gestand ein gewisser M'Daniel ein, daß er 70 Menschen durch sein Zeugniß das Todesurtheil zugezogen habe. Er wurde mit 2 Andern vor Gericht gestellt, aber dabei von dem Volke, welches glaubte, daß sie losgesprochen werden würden, so gemißhandelt, daß alle 3 todt auf dem Platze blieben. 1792 kam wieder ein solcher Fall vor, wo 20 Menschen die Opfer eines gewinnsüchtigen Angebers geworden waren. Ein neuerer Fall 1817 erregte um so größern Unwil- ^ len, als die 4 Polizeibeamten, die eine solche Verschwörung gegen das Leben armer Menschen gemacht hatten, zwar wirklich zum Tode verurtheilt, aber wegen ! juristischer Subtilitäten von den 12 Richtern (den vereinten Mitgliedern der 3 Obergcrichte in Westminster) frei gesprochen wurden und ohne alle Strafe blieben. Sie hatten mehre arme Weiber verleitet, falsche Münzen auszugeben, und sie dann auf der That ergriffen. In andern Fällen suchten dergleichen Menschen ein geringes Verbrechen in ein größeres zu verwandeln, z. B. wenn Einem der Arbeitsbeutel gestohlen worden war, so wurde beschworen, daß er mitBandern oderSchnü- 945 Bluthochzeit ren am Arme fest gebunden gewesen und mit Gewalt losgerissen worden sei, wodurch der Dieb zu einem Räuber und, statt einer Gefängnißstrafe, zum Galgen ver- ! urtheilt wurde, der Angeber aber das Blutgeld von 50 Pf. erhielt. Ein empörender Fall der Art trug sich 1817 zu, wo 2 Soldaten, die im Scherz mit einem andern um eine Wette von einem Schilling gerungen hatten, auf Anstiften eines Polizeibeamten als Räuber zum Tdde verurtheilt und nur mit großer Mühe von dieser unverdienten Strafe befreit wurden. Geringe Verbrechen wurden von den Polizeibeamten verschwiegen und die Thäter im Auge behalten, bis sie, wie sie es nannten, 40 Pf. wogen. Für die zur Verurtheilung hinreichende Anzeige von dem Ausgeben falscher Banknoten (worauf Todesstrafe steht) zahlt die Bank 30 Pf, und für die Anzeige falscher Münzen 7 Pf. Eine Menge Menschen sind davon die Opfer geworden; die Polizeibeamten kannten die Verfertiger falscher Noten und Diejenigen recht wohl, welche sich ein eignes Gewerbe daraus machten, Weiber und junge Leute erst zum Ausgeben falscher Noten zu verführen und dann der Polizei in die Hände zu liefem. Aber sie schonen diese eigentlichen Urheber des Verbrechens, als gute Kunden, und geben die armen Verführten an, welche von den Geschworenen auf den leisesten Verdacht verurtheilt und ohne Gnade zum Tode geführt werden. Alderman Wood erzählte im Parlament, daß er 1818 bei einer Visitation im Gefängnisse 13 Menschen gefunden habe, meist Jrländcr und Deutsche, welche von Andern falsches Geld erhalten hatten, um Brot zu kaufen, dabei ergriffen und ohne auf ihre Behauptung zu hören, daß sie die Falschheit der Münzen nicht gekannt hätten, verurtheilt worden waren. — 1818 wurden diese Belohnungen zwar durch eine Parlamentsacte (58. Georg III., 70) abgeschafft, : aber das Unwesen in Ansehung der Banknoten blieb wie es war. Die Gier, Geld rc. für Denunciation zu verdienen, wandte sich in Großbritannien in jüngster Zeit unter den Schergen der Polizei wider Unglückliche, die im Druck der Zeiten ihrer Regierung laut Schuld gaben, sie handle nicht mehr gemeinnützig und wider die Classe der Kleinerwerbenden sogar feindlich. 37. Bluthochzeit (pariser). Diese schreckliche Begebenheit ereignete sich unter Karl IX., König von Frankreich. In d. Art. Hugenotten, Guise und Conde findet man die Ursachen, welche vorausgingen. Nach dem Tode Franz II. ward Katharinavon Medici (s. d.) Regentin für ihren lOjähr. Sohn, KarlIX., und fand sich jetzt bewogen, den Guisen zum Trotz, den Reformirten einDul- dungsedict zu geben. Die Guise'sche Partei dagegen überredete das Volk, daß die katholische Religion in der größten Gefahr sei. Die Hugenotten wurden aufs grausamste gemißhandelt; Prinz Conde griff zu den Waffen; die Guisen suchten spanische, Conde englische Unterstützung. Von beiden Seiten machte man sich der abscheulichsten Grausamkeiten schuldig und schloß Nothfrieden. Die Königin Mutter ließ nun den König, da er ins 14. I. getreten war, für mündig erklären , um unter seinem Namen desto freier regieren zu können. Herzog Franz von Guise war bei der Belagerung von Orleans von einem Hugenotten meuchel- mörderisch getödtet worden; allein sein Geist lebte in seinem Hause fort, welches den Admiral Coligny für den Urheber dieses Meuchelmordes hielt; auch sahen die Hugenotten bald ein, daß die Königin Mutter sie haßte: Conde und Coligny setzten sich daher in Verfassung. Der König (s. Karl IX.) hatte sich überreden lassen, daß es auf sein Leben abgesehen sei, und faßte einen unversöhnlichen Haß gegen die Hugenotten. Der Hof suchte indeß Zeit zu gewinnen und sich des Prinzen und des Admirals durch Lift zu bemächtigen; dieses schlug fehl, und die Feindseligkeiten singen heftiger an. In der Schlacht von Jarnac, 1569, wurde Conde gefangen und als Kriegsgefangener von dem Hauptmann von Montesquieu erschossen. Coligny sammelte die Reste des geschlagenen Heeres; der junge Prinz- Heinrich von Bearn (nachmaliger Heinrich IV., König von Navarra und Frank- Conv.-Lex. Siebente Ausl. Bd. I. f 60 946 Blutrache reich) seit Conde's Tode das Haupt der Reformirten, wurde zum obersten Feldherrn erklärt, und Coligny führte im Namen des Prinzen Heinrich von Condö, welcher die Ermordung seines Vaters zu rächen schwur, das Commando. Allein es fehlte ihm an Geld, und er wurde geschlagen. Der darauf folgende scheinbar vortheilhasteFriede zuSt.-Germain-en-Laye (8.Aug. 1570) schläferte dieHäupter der Hugenotten ein, vorzüglich den Admiral Coligny, welcher des bürgerlichen Krieges müde war. Der König schien sich gänzlich von dem Einflüsse der Guisen und seiner Mutter losgerissen zuhaben; er rief den alten Coligny, die Stütze der Hugenotten, an seinen Hof und ehrte ihn als Vater, die feinsten Mittel wurden angewandt, dieser Täuschung das Ansehen von Wahrheit zu geben; man vermählte die Schwester des Königs an den Prinzen von Bearn (18. Aug. 1572), um die vornehmsten Hugenotten nach Paris zu locken. Einige warnten den Admiral; aber dieser glaubte nicht, daß der König einen Meuchelmord durch das ganze Land anbefehlen werde, und doch war es so. Am 22. Aug. geschah aus einem Fenster ein Schuß auf den Admiral und verwundete ihn; der König eilte zu ihm und schwor, ihn zu rächen. Aber noch an demselben Tage ließ sich der König von seiner Mutter überreden, der Admiral stelle ihm nach dem Leben. „Bei dem Tode Gottes!" soll er ausgerufen haben, „man tödte den Admiral, aber nicht ihn allein, sondern alle Hugenotten, damit auch nicht einer übrig bleibe, der uns beunruhigen könne!" Die Nacht darauf hielt Katharina Blutrath und bestimmte die Nacht auf den Bartholomäustag, zwischen dem 24. und 25. Aug. 1572, zur Ausführung. Nach der Ermordung Coligny' s (s. d.) gab eine Glocke auf dem Thurme des königl. Schlosses, in der Stunde der Mitternacht, den versammelten Bürgercompagnien das Zeichen zu einer allgemeinen Niedermetzlung aller Hugenotten. Der Prinz von Condö und der König von Navarra retteten ihr Leben nur dadurch, daß sie in die Messe gingen und scheinbar zur katholischen Kirche übertraten. Zu gleicher Zeit breiteten königl. Befehle das Blutbad im ganzen Lande aus, und > wenn auch in einigen Provinzen die Beamten Ehr - und Menschenliebe genug hatten , die ihnen zugegangenen Mordbefehle nicht vollziehen zu lassen, so fanden sich ^ doch Werkzeuge der Ermordung genug. 30 Tage hindurch dauerte fast in allen Provinzen diese Abscheulichkeit, und man rechnet an 30,000 Menschen, welche hingeopfert wurden. Zu Rom löste man die Kanonen, der Papst schrieb ein Jubeljahr aus, verordnete eine Procession in der Ludwigskirche und ließ das ^ Denn, singen. — Diejenigen von den Hugenotten, welche sich gerettet hatten, flüchteten in unwegsame Gebirge und nach Röchelte. Der Herzog von Anjou übernahm die Belagerung; aber während derselben erhielt er die Nachricht, daß ihn die Polen zum Könige gewählt hätten. Er schloß am 6. Juli 1573 einen Vergleich, und der König bewilligte den Hugenotten in gewissen Städten Religionsübung. Der Hof gewann mithin durch die pariser Bluthochzeit, bei den Franzosen Ia8te.-Lartl>s- lemi(und noch 1824in franz. Ultrablätternunerlgueursslutaire) genannt, Nichts, als daß die Hugenotten für die Zukunft mehr auf ihrer Hut waren und sich gegen neue Angriffe rüsteten. S. Curths's „Bartholomäusnacht" (Leipzig 1814); vorzüglich Wachter, „Die pariser Bluthochzeit" (Leipzig 1824 , 2. Aufl. 1828) und die „8i8t. äe la 8te.-kartlielöini ä'apres le« vlironigue», les irchm. st les ina- nusvr. äu terns" (Paris 1826). Die Bartholomäusnacht wird hier das Werk der Katharina von Medici genannt. Vgl. Schiller's „Geschichte der Unruhen in Frankreich bis zum Tode Karls IX." („Sämmtl. Werke", Bd. XVI.) Blutrache, die noch jetzt bei den Arabern und andem Völkern von Asten, Afrika und Amerika, auch vor kurzem noch in Corsica herrschende Sitte, einen Mord von Seiten der Verwandten des Ermordeten durch den Tod des Mörders oder seiner Verwandten zu rächen. Sie ist in der Regel die Pflicht des nächsten Anverwandten des Ermordeten. Der Vater rächt den Sohn und umgekehrt, der Blutschande Bluttaufe 947 Bruder den Bruder u. s. w. Sie wird oft Jahre lang gesucht und gegenseitig fortgesetzt, und verwickelt nicht selten ganze Stamme in die langwierigsten Fehden, deren Aussöhnung meist höchst schwierig ist. Blutschande haben die positiven Gesetzgebungen aus dem Religionssystem aufgenommen. Das Naturrecht kennt sie nicht; deßgleichen zählt der 6ockv Napoleon sie nicht unter den fleischlichen Verbrechen mit auf, von dem triftigen Grundsätze ausgehend, daß Berpönung dieser Art von Verbrechen zu Nichts als zu deren Verheimlichung führt, und daß die Strafe der öffentlichen Meinung genügt. Das natürliche Sittlichkeitsgefühl hat von jeher bei allen Nationen die Ehe und den Beischlaf zwischen Descendenten und Ascendenten verboten, nicht so zwischen Geschwistern, welche bei den Persern, Athenern, Ägyptern rc. sich heirathen durften. Eine sittliche Bildung dehnte die verbotenen Verwandtschaftsgrade aus, und moralischer und religiöser Pedantismus überdehnte sie, sogar bis auf die geistige Verwandtschaft der Gevattern. Doch bewilligte man für Geld Freisprechungen (Dispensationen). Es ist zu hoffen, daß man die Blutschande (Incest) nur aus Ältern, Kinder und Geschwister beschränken wird. Blutsfreundschaft (im Naturrechte) wird durch das Verhältniß begründet, in welchem eine Person gegen die andre aus dem Grunde einervorhergegangenen Zeugung sich befindet. Da der zeugende Theil Etwas von seinem thierischen Wesen anwendet, um daraus die animalische Substanz des andern, des Gezeugten, zu bilden, so entsteht daraus der allgemeine Grundsatz: je größer die Übereinstimmung des thierischen Wesens einer Person mit dem der andern, aus dem Grunde einer vorhergegangenen Zeugung, ist, desto größer ist der Grad der Blutsfceund- schaft unter ihnen. Daher ist zwischen einer zeugenden und der von ihr durch die Zeugung abstammenden Person nach der Natur ein größerer Grad der Blutsfreundschaft, als zwischen Denen, welche von einer Person, als ihrem gemeinschaftlichen Stammvater, herkommen. Daher ist die Verwandtschaft oder der Grad der Blutsfreundschast unter solchen Personen, die mit einander in einer geraden Linie stehen, größer, als der Grad der Blutsverwandtschaft unter solchen Personen, die durch verschiedene Seitenlinien mit einander verbunden sind. Die Personen in gerader Linie sind gleichsam lauter Entwickelungen des nämlichen Keimes, der in dem Stammvater befindlich war. Jede Seitenlinie aber ist Entwickelung eines eignen oder besondern Keims, der von dem Keime des Andern unterschieden ist und nur darin mit demselben übereinkommt, daß er mit jenem zugleich im Stammvater vorhanden war. Wenn man also nach der Verwandtschaft zweier Personen aus 2 Seitenlinien einer Familie fragt, so ist dies in der That eine ganz andre Verwandtschaft als die, welche sich zwischen 2 Personen aus einer geraden Linie befindet. Mithin können auch die Zeugungen aus einer Linie nicht auf die andre Seitenlinie fortgezählt werden, wenn man die Grade der Verwandtschaft zwischen 2 Personen aus 2 Seitenlinien richtig bestimmen will. Die einzige naturgemäße Regel ist in dem Falle die, daß man die Zeugungen vom gemeinschaftlichen Stamme in jeder Seitenlinie bis auf die Person zählt, nach deren Verwandtschaft man fragt, und den Abstand jeder dieser Personen von dem gemeinschaftlichen Stamme in der Zahl der letzten Zeugung aus jeder Linie ausdrückt. Wenn man aber die Verwandtschaft zweier Personen in einer geraden Linie den Graden nach bezeichnen will, so zählt man die Zeugungen von der einen zur andern. Bluttaufe wurde zuerst von Tertullian der Märtyrertod genannt, den er, und nach ihm andre christliche Lehrer, als eine zweite, zur Vergebung der Sünden noch kräftigere Taufe betrachten lehrten und den Gläubigen dringend empfahlen. (Vgl. Märtyrer.) 60 * Verzeichniß der in diesem Bande enthaltenen Artikel. A. Seite 21.i Aachen (Burtscheid) . — Aachner Friedensschl. 2 Äakus .... 3 Aargau .... — Abbas, Abbassiden, s. Khalif, Khalifat — Abbö.— vonunanäa- tairo« .... 4 Abbilden . . . . — Abbot (Charles) . . — Abbreviatoren . . 5 Abbreviaturen . . — Abbt (Thomas) . . 6 Abdeichen. ... — Abdera .... — Abdication ... 7 Abdomen, Abdominal- muskeln . . . — Abdruck .... — Abel.8 Abelard (Peter) . . — Abeliten .... 10 Abend.— Abendmahl ... — Abendmahl (kath.) . 12 Abendmahlsgerichte, s. Ordalien ... 15 Abendpunkt ... — Abendröthe, s. Morgenröthe . . . — Abendstern, s. Hes- perus u. Planeten — Abensberg ... — Abenteuerlich. . . — Aberdeen (Georg Gor- Seite don, Grafund Discount Formarine) 16 Aberglaube ... — Aberli (Joh. Ludwig) 17 Aberwitz .... — Abformen, s. Abguß — Abgaben, Auflagen, Steuern ... — Abgabenfreiheit . . 21 Abgötterei ... 24 Abguß .... 25 Abhärtung ... — Abildgaard (Nicolai Abraham)... 26 intestato . . 27 Abiponer .... — Abirrung des Lichts . — Abklatschen ... 28 Ablaß.— Ablaß (kath.). . . Ablauf .... 31 Ab legalen ... — Ablegen, Absenken . — Abnorm, Abnormitäten .— Abo ..... — Äbo (Friede zu) . . 32 Abolition.... — Abonnement. . . — ^boriAiue« ... — Abplattung der Erde — Abprotzen, s. Kanone 33 Abrakadabra... — Abraham. ... 34 Abraham a Sancta Clara .... 35 Abrahamiten . . — Seite Abrantes.... 35 Abraxassteine . . 36 Abruzzen. . . . — Abschied .... 39 Abschnitt (Fortist) . — Abschnitt (Geomet.). — Absicht . . . . — Absolut .... 40 Absolution (jur.) . — Absolution (rel.) . — Absolutismus . . — Absolutorium . . — Absonderungsvermögen . . . . — Absorbentia ... — Abspannung. . . — Abstammung des Menschengeschlechts . 41 Abstand .... 42 Absteigende Linie . — Absteigung ... — Abstract, Abstraktion 43 Abstrebekraft... — Abstufung . . . —- Abt.— Abtakeln .... 45 Abukir . . . . — Abulfeda.... 46 Abwechselung . . — Abweichung ... 47 Abwesend. . . . -- Abyssinien, s. Afrika undHabesch . . — Abzehrung, st Atrophie . . . . — Abzugsgeld . . . — Acapulco.... 48 Verzeichnis» der in diesem Bande enthaltenen Artikel. 949 Seitö Seite Seite Acatholici . . . 48 Activ und passiv 70 Adler (Bildende KünAccent .... — Activhandel, Activste und NaturgeAcceptant, s. Wechsel, schuld ... — schichte) . . . 94 Wechselrecht, InActon (Joseph). . — Adlerzange . . - 95 dossier, . . . 50 Actor, Actorium . — /Vä libituin. Accessit.... — Actuarius . . . 71 Admet, s. Alceste - '— Accidens, Accidentell, Acutus .... — Administration. . — Accidentia . . — Adagio .... — Admiral, AdmiralsAccise .... — Adalbert, Aldebert . — flagge, AdmiralAccommodation 51 Adalbert der Heilige 72 schiff, Admiralität, Accompagnement, s. Adalbert (Erzbischof Admiralschast . 96 Begleitung . . — von Bremen) . — Adolf von Nassau . Accord .... — Adam .... — Adonai.... 97 Accord in Concurssa- Adam (Lambert Si- Adonis .... chen, s. Falliment 53 gisbert—Nicolas Adonisch . - . Accouchement, Ac- Sebastien — Fran- Adoptianer . . - coucheur, s. GeyoisGaspard) . 73 Adoption . - - 98 burtshülfe . . — Adamberger (Maria Adrast .... Accreditiren. . . — Anna) . . . 74 Adrastea . . . '- Accum .... — Adamianer, Adamiten — Adresse .... -- AccusationsprocSß . 54 Adams (John) . . — Adrian (Päpste) . 99 Acerbi (Giuseppe) . — Adams (JohnQuincy) 75 Adrianopel. . . 100 Achaer, Achäischer Adams (Samuel) . 76 Adriatisches Meer . 101 Bund . . . — Adamsapfel . . — Adstringentia . - Achaia, s. Livadien 55 Adamspeak. . . — Adule, Adulitamscher Achard (Friedr. Karl) — Adanson . . . — Marmor . . Achat .... — Adäquat . . . 77 Advent .... Achelous . . . — Adcitation . . . — Adverbium, Adver- Achenwall (Gottfried) — Addington (Henry) — bialisch . . - —- Acheron.... 56 Addiren, s. Addition 78 Advocat, ^ävovati Achilles.... — Addison (Joseph) . — eevlesiaimn. 102 Achilles Tatius . 57 Addition - - - 79 Aeneae .... 103 Achmet III. . - 58 Adel .... — Aerianer . . . — Achromatisch . . — Adelskette . . . 85 Aerodynamik . . — Achse .... — Adelung (Johann Aerolithen . . . — Acht. 59 Christoph) . - 86 Aeromantie . . — Aciditat.... 60 Adelung (Friedr. v.) — Aerostat . . . — Acker .... — Adept, s. Alchymie. 87 Aerostatik . . . 106 Ackerbau . . . — Aderlaß.... — M . — Ackermann (Konrad) 63 Adern .... 89 Affect .... 107 Ackermann (Rudolf) — Adersbacher Gebirge 91 Affectation . . . 108 Acre, Akka . . . 65 Ades, Hades, s. Pluto — Affiliiren, Affiliation, Act (Schöne Künste) — Adhäsion (Physik) . — Afsiliirte. . . — Act, Acte, Acten (JuAdhäsion (Jurispr.) 92 Affinität . . . risprudenz) . . — Adiaphora . . . — Affty (Ludwig Augu tlvt» Lrnäitorum. 66 Ädilen .... 93 stinus Phil., Graf Lots 8anotorum . — Adjectiv .... — von) .... — Actenversmdung . 67 Adjudication . . — Afghanen . . . 109 Actie, Actionnair . 68 Adjustiren . . . — Afghanistan . . — Action .... — Adjustirwage . . — Afrancesados . . 110 Actium . . 69 Adjutant . . - — Afranius . . . 111 950 Verzeichnis! der in diesem Bande enthaltenen Artikel. Seite Afrika .... in Afrikanische Gesellschaft, Afrikanisches Institut, Afrikanische Handelsgesellschaft . 117 After, Äfterschlag . 118 Afterkegel . . . — Afterlehen ... — Aga.- Agamemnon . . — Aganippe . . .119 Agapen, s. Liebesmahle ... — Agar (Jean Antoine Michel, Graf Mosburg) . . — Agathodämon . . — Agathokles. . . — Agathen . . . 120 Agave .... — Agende, s. Kirchen- agende . . . 121 Agent, s. Gesandte — Ageria, s. Egeria . — Agesilaus . . . — Ägeus .... — Aggregat . . . — Agincourt, d', s. Se- roux d'Agincourt — Ägide .... — Ägina .... — Äginetische Kunst u. Kunstwerke . . — Agio.124 Agiotage ... — Agiotirer ... — Ägisthus, s. Agamemnon ... . — Aglaja . . . . — Aglar, s. Aquileja . 125 Agnano.... — Agnaten ... — Agnes, Agnesen-Rol- len . . . - — Agnes Sorel . . — Agnesi (Maria Gaeta- na—Maria Ther.) — Agnition - . -126 Agnosien, s. Monv- physiten . . . — Seite AgnusDei. . . 126 Agon .... 127 Agrarische Gesetze . — Agrest . . . . — Agricola (Cnejus Julius) .... — Agricola (Georg) . — Agricola (Rudolfl . — Agricola (Johann). 128 Agriculturchemie . — Agricultursystem - — Agrionia, Agrionien — Agrippa (Marcus Vipsanius) . . 129 Agrippa (Heinrich Cornelius) . . — Agrippina . . . — Ägypten ... — Ägypten (Landung und Feldzug der Franzosen) . . 138 Ahnen .... 142 Ahnenprobe, Ahnentafel — Ahnung. . . . 143 Ahriman, s. Dämon — Aidcs, s. Hades . — Aignan (Etienne) . — Aiguillon (Herzog v.) 144 Aifse (Demoiselle) . — Aix.— Ajaccio .... 145 Ajax ONeus, Ajax Telamonius. . — ^zour .... — Akademie, Akademien — Akademie, s. Plato u. Neuplatoniker . 151 Akbar (Mohammed) — Akenside (Mark) . — Akephali ... — Äkerblad (Johann David) ... — Akoluthen,Akolythen 152 Akridophagen,s.Heu- schrecken... — Akrostichon ... — Akustik . . . - — Akustisch . . .154 Alabaster, s. Gyps — Alamanm (Luigi) . — Seite Äland .... 154 Alarich .... 155 Alaun .... — Alb, Alp . . . 156 Alba (Fernande; Al- varez v. Toledo, j Herzog v.) . . — Albalonga . . . 158 Albani (Francesco) — Albani (Familie — Annibale— Ales- sandro—Johann Franz—Cardinal) — Albanien . . . 160 Albano, Albanischer See, Albanischer Stein . . . 161 Albany (Gräfin — Elisabeth Philip- pine Claudine,Fürstin von Stolberg- Gedern) . . . 162 . Albendorf ... — Albernheit, s. Geisteskrankheiten . . — Alberoni (Giulio) . — Albert vonBollstädt, Albertisten . . 163 Albert (Kasimir, Herzog von Sachsen- Teschen) . . .164 Albertusthaler. . — Albigenser . . . 165 Albini (Franz Jos., Freiherr von) . 166 Albinos, s. Kakerlaken. . . . — Albinus (Bernhard ^ Siegfried — Chri- ? stian Bernhard) — »l Albion .... 167 Alboin . . . . — Albrecht!. . . . —- Albrecht H. . . 169 Albrecht (Dan. Ludwig) . . . . — Albrechtsberger (Joh. Georg) . . . 170 Albufera ... — Albuhera (Schlacht an der) ... — Verzeichnis! der in diesem Bande enthaltenen Artikel. 951 Seite Album .... 170 Albuquerque (Alfons von) .... 171 Aldus .... — Alcalde .... — Alcantara . . . — Alcäus .... — Alceste .... 172 Alchymie . . . — Alcibiades . - . 174 Alcides .... 177 Alciphron . . . Alcudia (Manuel Go- doy, Herzog von — Luis) ... — Alcuinus (Flaccus) 179 Aldegonde (S. Philipp von Marnix, Herr von Mont Saint-Aldegonde) — Aldegrever (Heinrich) — Aldenhofen (Schlacht bei) .... 180 Alderman ... — Aldinen.... — Aldini (Anton — Georg) . . . 181 Aldobrandini (Familie) ... — Aldus, s. Manutius 182 Ale.— Alekto, s. Eumeniden — Alemannen... — Alembert (Jean-le- Rond d') . . — Alenqon.... 184 Aleppo .... — Alesia .... 185 Alessandria... — Aleuten. . . . — Alexander der Große 186 Alexander Newskoi 190 Alexander Severus — Alexander (Päpste) 191 Alexander VI. . . 192 Alexander I. . . 193 Alexandersbad . . 200 Alexandria ... — Alexandriner . . 201 Alexandriner, s. Alex- andrinische Schule — Seite Alexandrinischer Codex ... . 202 Alexandrin. Schule — Alexianer, s. Brüderschaften . . - 204 Alexei Petrowitsch . — Alexisbad ... — AlexiuS Komnenus, s. Komnenen . 205 Alfieri (Vittorio,Graf) — Alfons, s. Alphons — Alfort ... . .207 Alfred der Große . — Algardi (Alexander) 208 Algarotti (Francesco) — Algebra.... 209 Algen .... 211 Algier, s. Barbaresken — Ali (Paschav. Janina) — Älianus (Claudius) 213 Alibi.214 Alicante . . — Alimente . — Aliquot.... — Alkali, Alkalimeter, Alkalisiren,Alkalitat — Alkamenes, s. Bildhauerkunst . . 215 Alkman. . . . — Alkmäon ... — Alkmar (Heim. v.), s. Reinecke der Fuchs — Alkmene ... — Alkohol, Alkoholo- meter . . . 216 Alkoran, s. Koran . — Lila krere, Lila eapella ... — Allah . . . - — Alle für Einen und Einer für Alle . — Allegorie ... — Allegri (Gregorio) . 220 Allegro, Allegretto . — Alleinslehre, s. Pantheismus . . 221 Allemande ... — Allerchristlichste Majestät, Allergetreue- fte Majestät, Aller- heiligstcr Vater . — Seite Allerh eiligstes . . 221 Allianz .... — Alligationsrechnung 222 Alligator ... — Alliteration... — Allix (Jacques Alexander Franqois) — Allodium, Allodisi- ciren.223 Allopathie, s. Homöopathie . . . 224 Allori (Alessandro — Cristoforo) . . — - Allrunen ... — Alluvionsrecht . . — Almanach ... — Almarco ... — Almsida . . . 225 Almosen ... — Aloe .... — Aloiden . . . .226 Alopäus (Maximilian von — David von) — Alp, Alpdrücken . — LI pari .... 227 Alpen . . . . — Alpenstraßen . . 228 Alphabet, s. Schrift 230 Alpheus . . . — Alphons m. . . — Alphons X. . . 231 Alt. — Altai . . . . — Altan . . . . — Altar . . . . 232 Altdorfer (Albert) . Altenburg (Herzog- thum u. Stadt) — Altenstein (Liebenstei- ner Höhle) . . Altenstein (Stein, 233 Freiherr von) . — Altenzelle . . . 234 Alter . . . . — Lltera para kvtri . 237 Liter eAo . Alterniren, Alternative, Alternirende Häuser . . . Alter Styl . . . 238 Alterthum, Alterthü- S52 Berzeichniff der in diesem Bande enthaltenen Artikel. Seite mer, Alterthumskunde,Alterthumswissenschaft . . 238 Alterthümer (deutsche) . . . .239 Alterthümer Schlesiens .... 242 Althäa . . . . — Alton« . . . . — Altranstädter Friede 243 Alvensleben (Familie — Philipp Karl, Graf von) . . — Alxinger (Joh. Baptist von) . . . 244 Amadeisten, s. Fran- ciscaner . . . 245 Amadis. ... — Amalgam, Amalgamiren, Amalga- mation, Amalga- mirwerk . . . 246 Amalia (Anna, Herzogin v. Sachsen- Weimar) . . 247 Amalthea . . . 248 Amaranth ... — Amathus ... — Amati .... — Amazonen . . . — Ambassadeur, s. Gesandte . . . 249 Amberg.... — Amberger (Christoph) — Amboina, s. Gewürzinseln . . . — Ambra .... — Ambras. ... — Ambrosia, s. Götterspeise. . . . 250 Ambrosianische Bibliothek . . . — Ambrosius ... — Amalungen. . . 251 Amen .... — Amerigo Vespubci 252 Amerika ... — Amethyst, s. Quarz 255 Ameublement, s. Verzierungskunst . — Amianth . . . — Seite Amiens. . . . 255 Amiens (Friede zu) —- Ämilius (Paulus) . 256 Amiot (Pater) . . — Amman, LandaMman — Amme . . . . Ammianus Marcel— linus .... 257 Ammon, Ammonium, Ammonshom . 258 Ammon (Christoph Friedrich von) - Ammoniak, s. Sal— miak .... 259 Ammonius. . . — Amnestie . . . 260 Amor . . . . 261 Amorbach . . . — Amoretti (Carlo) . Amortisiren, Amortisationsfonds . — Amos . . . . 262 Amphiaraus . . Amphibie, Amphi- biolithen. . . — Amphibolie. . . Amphibrachys, s. 263 Rhythmus . . Amphimacrus, s. Rhythmus . . —- Amphiktyonengericht — Amphion . . - — Amphitheater . . — Amphitrite . . - 264 Amphitruo . . . Amplisication . . Amputation . . — Amsterdam. . . 265 Amt .... 268 Amt der Schlüssel . — Amulet.... — Amusette . . . 269 Ana..... — Anabaptisten, s. Tauf gesinnte . . . — Anacharsis . . . — Anachoret (Conobiten) — Anachronism . . — Anadyomene - - — Anagoge,Anagogisch 270 Anagramm. - - — Seite Anaklasis . . .270 Anaklet (Papste) . — Anakoluthon . . — Anakreon ... — Anakrusis . . .271 Analecten ... — Analogie, Analogische Erkenntniß, Ana- logischer Schluß — Analysis . . . 272 Anamorphose . . 273 Ananas.... 274 Anapäst, s. Rhythmus — Anapher ... — Anarchie . . . — Anathema ... — Anatomie ... — Anatomie der Pflanzen, s. Pflanzen- anatomie . . 276 Anatomische Präparate .... — Anaxagoras . . — Anaximander . . 277 Anaximenes . . — Anbruch . . . 278 Ancillon (David — Charles—Friedr.) — Anchises . . .279 Ancona.... 280 Andacht.... — Andante, Andantino 281 Andre (Christian Karl) — Andrea (Johann Valentin) . . . 283 Andreas ... — Andreaskreuz . . — Andreossy (Antoine Franeois, Graf) — Andrieu (Bertrand) 284 Andrieux (Franyois Guillaume Jean Stanislaus) . — Andromache . . — Andromeda. . . — Äneas .... — Äneas Sylvius, s. Äneas und Picco- lomini ... — Äncsidemus... — Anekdote, Anekdo- 1 > ! ! ! Verzeichniß der in diesem Bande enthaltenen Artikel. 953 Seite tenkrämer, Anek- dotenjäger . . 286 Anemometer, Ane- moskop, Anemo- metograph . . — Anevrysma... — Anfossi (Pasquale) 287 Angeln, Angelsachsen — Angeln,Angelnsischerei — Angela (Michel) Buo- narotti . . . 288 Angeloni(Luigi,Graf)289 Lilssius . 290 Angenehm ... — Angesicht, Antlitz . — Angiologie . . . 291 Anglaise ... — Anglesea (Henry William Paget, Graf von Uxbridge, Marquis von) . . — Anglikanische Kirche — AngvulLme (Louis Antoinede Bomben, Herzog von) 292 Angoulöme (Marie Therese Charlotte, Herzogin von) . 293 Angriff.... 294 Angst, Ängstlichkeit 295 Anhalt .... — Anhaltische Enclaven- sache, s. Enclaven 297 Anich (Peter) . . — Ankarström (Joh.Jak.) — Anker, Ankcrgrund, Ankerhaken, Ankergeld, Ankerrecht, Ankerstock, Ankertaue, Ankerwächter — Anklage. . . . 298 Ankylosis ... — Anlage .... 299 Anlage (med.) . . — Anländung . . . 300 Anlauf, s. Ablauf . — Anleihen (öffentliche) — Anmuth, s. Grazie 303 Anna .... — Anna Jwanowna (Kaiserin v. Rußland) 304 Conv.-Lex. Siebente Auch Seite . 304 . 305 306 Annaberg . Annalen Annaten Anno . . Annomination Annuitäten. Annunciaten, s. Fran- ciscaner ... — Anodyna ... — Anomalie, Anomalen, Anomalisch . . 307 Anomöer, s. Arianer — Anonym (Pseudonym) — Anordnung... — Anorganisch . . Anquetil du Perron (Abraham Hyacinthe) . . Ansatz . . . Anschauung Anschauungslehre Anschlag . . Anselm. . . Ansgar . . . Ansicht . . . Anson (George) Anspach. . - Anspielung . . Ansprechen . . Anstand. . . Anstand (Jagdk.) Ansteckende Krank heiten Anstett (Johann Pro tasius von) Antanaklasis Antar . . Antarktisches Land Antäus ... Antediluvianisch Antenor . . Anteros. . . Anthem, s.Antiphonien — Anthing (Friedrich — Karl) ... — Anthologie (griech.) 318 Anthropognosie. . 319 Anthropolithen. . — Anthropologie . . — Anthropomorphismus, s. Abgötterei — Bd. I. -s 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 Seite Anthropomorphiten 319 Anthropophag . . — Antibacchius,s.Rhyth- mus .... 320 Anticaglie, s. Antik — Antichrist ... — Antigone . . . 321 Antigonus ... — Antik, Antike . . 322 Antillen.... 326 Antilochus . . . 327 Antimon, s. Spießglanz . . . — Antinomie ... — Antinomismus, An- tinomer ... — Antinous . - . 328 Antiochia . . . 329 Antiochenische Schule, s. Katechetenschule — AntiochuS (Antiochus Soter — Antio- chus der Große — Antiochus Epipha- nes) .... — Antiope. . . . — Antiparos, s. Paros — Antipater ... — Antipathie . . .330 Antiphlogistische Chemie , s. Chemie . — Antiphonie, Antipho- narium, Antipho- nale, Anthem . — Antiphrasis. . . 331 Antipoden, s. Gegcn- füßler . . . — Antigua ... — Antiquare ... — Antiquitäten, s. Alterthümer . . — Antispast, s. Rhythmus— Antisthenes... — Antithese . . . 332 Antitrinitarier . . — Antoinette (Marie An- toinette Josephe Johanne, Königin v. Frankreich) . . — Anton (Karl Gottlieb von) .... 335 61 954 Verzeichmß der in diesem Bande enthaltenen Artikel. Seite Antonella von Messern«, s. Ölmalerei 335 Antoninus Pius (Titus Aurelius FulviuS) — Antonnuis (Marc Aurel) . . . 336 Antonius von Padua 337 Antonius (Marcus) — Antonius der Heilige 339 Antonomasie . . 340 Antraigues (Emanuel LouiS Henri Lau- nay, Grafd') . — Antwerpen . . . 341 Anubis .... 342 Anville (Jean Baptist« Bourgui- gnon d') . . . — Anweisung . . . 343 Anwr.rf (Münzw.) — Anwurf, Abputz — Anziehung . . . — Anzugsgeld. . . 344 Äolier . . . . — Äolsharfe . . - — Äolus . . . . 345 Äon. — Aorta, s. Adern . — Apanage . . . — ^pnreilbe . — Apathie.... — Apel (Johann August) — Apel (Andreas Friedrich) .... 346 Apellanten . . . 347 Apelles . . . . — Apenninen, Apenninenkalk . . . — Apertur .... 348 Aphorismen, Apho- ristische Schreibart — Aphrodite, Äphro- disia .... — Apicius (M. Gabius) — Apis .... — Apodiktisch, Apodiktischer Imperativ , Apodiktik . . 349 Apokalypse... — Apokatastase . . — Apokryphische Bücher -- Seite Apollinarismus . 350 Apollo .... — Apollodor . . . 351 Apollodor von Athen 352 Apollonikon, Apollo- nion .... — Apollonius (von Per- ga — vonRhodus — vonTyana) . — Apolog, f. Fabel . 353 Apologetik ... — Apologie ... — Apophthegma . . 354 Apoplexie, s.Schlag- fluß . . . . - Aporetiker, s. Skeptiker .... — Aposiopesis. . . — Apostasie, Apostat, s. Häresie . . — Apostel .... — Apostelbrüder, Apostelorden ... — ^ posteriori, s. Ä priori . . . 355 Apostolisch, Apostolischer Stuhl,Aposto- lischeKammer,Apostolischer Segen, ApostolischerKönig, Apostolisches Sym- bolum ... — ?tpostool, Apostoolen, s. Taufgesinnte. . — Apostroph ... — Apostrophe ... — Apothckerkunst, Apotheke, Apotheker- gewicht , Apothekertaxe ... — Apotheose . . . 358 Appell . . . . — Appellation (Jurisprudenz) ... — Appellation (Engl.Ge- richtsverf.) . . 359 Appellationsgerichte 360 Appelius(JanHendr.)362 Appetit .... — Appiani (Andrea) . 363' Appianus . . . — Seite Appische Straße . 363 Appius Claudius Cras- sinus. ... — Applicatur, s. Fingersetzung . . . 364 ^ppoWiato . . — Approchen, s. Laufgräben ... — April .... 365 Aprilschicken . . — priori ... — Apsiden.... — Apulejus (A. Lucius) — Apulien.... 366 Aquäduct ... — Aquamarin, s. Beryll — Aquarell ... — Aqua Tinta . . — AquaTofana . . 367 Äquator . . . 368 Aquaviva, s. Jesuiten — Aquila .... — Aquilcja. ... — Äquilibrist ... — Äquinoktialstürme. 369 Äquinoctium . . — Aquitanirn... — Äquipollenz . . — Arabeske, s. Grotteske — Arabien.... — Arabier .... 372 Arabische Literatur und Sprache . — Arabisches Meer, Arabischer Meerbusen 376 Arachne....-— Arachnvlogie . . — Arago (Dvminique Franyois) . . 377 Aragon .... — Arak . . . . — Arakatscha ... — Aral .... 378 Aranda (Pedro Pablo Abarca de Bolea, Graf von)' . . — Aranjuez ... — Aräometer . . . 379 Ararat.— Aratus (griech. Dichteraus Sicyo») — j > I 1 I Verzeichnis der in diesem Bande enthaltenen Artikel. 955 Seite Araukarien, Arau- cana .... 380 Arbeit .... — Arbeitshäuser . . 383 Arbeitslohn... — Arbela .... 386 Arbiter.... — Arbitrage, Arbitragerechnung . . . 388 Arc (Jeanne d'), s. Jeanne d'Arc . — Arcade .... — Arcanum ... — Arccsilaus ... — Archaismus . . — Archangel ... — Archäologie. . . 389 Arche .... 390 Archenholz (Johann Wilhelm von) . — Archi .... 392 Archidiakonus . . — Archilochus, Archilo- chischer Vers . — Archimedes. . . 393 Archipelagris . . 394 Architektonik, Architektur, s. Baukunst — Arcbitrav, f. Säule — Archiv .... — Archonten ... — Archytas ... — Arckenholz (Johann) — Arco (Grafen von: Max—Philipp— Ernestine, Gräfin von — Ludwig — Karl) . . .395 Arco, s. kirrieats — Aryon (Jean Claudc Eleonore von) . — Ardenncn ... — Ardcy .... 396 Are(Deciare, Een- tiare, Decare) . — Äre.— Arelat, Arelatischcs Reich ... — Aremberg (Fürsten- thum, Flechen,, Haus). . . . — Seite Arena, s. Amphitheater . . . 396 Arendt (Martin Friedrich) .... 397 Arcbpagus ... — Ares, s. Mars. .398 Arethusa ... — Aretin (Adam, Freiherr von) . . — Aretin (Christoph, Freiherr von) . — Aretin (Georg, Freiherr von) . . 399 Aretino (Pietro) . — Argandsche Lampe» s. Lampe . . . 400 ArgenS (Jean Baptist«, Marquis d') — Argenson (Voycr, Marquis d'). . 401 4rAent bscbo . . 402 Argcntan ... — Argiphontes, s. ArguS — Argo, (.Argonauten — Argolis.... — Argonauten . . — Argonner Wald . 404 Argos, s. Argolis . 405 Arguclles (Augustin) — Argus .... — Aria . . . - — Ariadne. . . . 406 Ariancr.... 407 Arie.408 Ariman, s. Dämon — Arimaspen ... — Arion .... — Arioso, s- Arie . . 409 Ariosto (Lodovico) . — Aristäus ... — Aristarch (Grammatiker—von Samos) 410 Aristides (der Gerechte —Älius). . 411 Aristipp.... 412 Aristokratie... — Aristokratismus . 413 Aristsmcnes . . 418 Aristöphanes . . — Aristoteles . . . 419 Arithmetik . .421 Seile Anus, s. Ariancr . 421 Arkadien ... — Arkadier (Akademie — der) .... — Arkebusicr . . .422 Arkona .... — Arkwright (Richard) — Arlay .... 423 Armada . . — Armatolien... — Armbrust . . .424 Arme von Lyon, s. Waldenser . . — Armee, s. Heere . — Armencolonien. . — Armenien ... — Armenische Literatur 426 Armenschulen . . 428 Armenwesen . . — Armfelt (Gustav M o- ritz, Graf von) . 430 Arminianer, s. Re- monstrantcn. . 431 Arminius, s. Hermann ... — Armorica ... — Armuth» s. Armenwesen ... — Arnaud (FranyoisTho- maS Baculard d') 431 Arnauld (Anton — Robert — Anton) — Arnault (Antoine Vincent—Lucien Emile) . . . 432 Arnauten (Albanien) 434 Arnd (Johann) . — Arndt (Ernst Moritz) 435 Arne (Thomas Augustin) . . . 436 Arnheim ... — Armin (Ludwig Achim von) .... 437 Arnobius . . . 438 Arnold von Brescia — Arnold (Johann). . — Arnold (Christoph) 439 Amold (Samuel) . 440 Arnoldi.(Johannvon) — Arnoldisten, s. Arnold von Brescia . . 441 6L* 956 Verzeichnis der in diesem Bande enthaltenen Artikel. Seite Arnould (Sophie — Constant Diovi'lle de Brancas). . 441 Amsberg Arnstein (Freiherr v. — Fanny von) . 442 Arpent . Arras . Arrende. Arrest . Arrhidäus . . . 443 Arria . Arrisregarde Arrighi . Arrosiren Arschin . Arsenik . Arsinoe, s. Alkmaon 444 Arsis, s. Rhythmus — Ariaxerxes (Longima- nus — Mnemon — Ochus) . . — Artemidorus . . — Artemis, s. Diana — Artemis,« ... — Artemon, Artemoni- ten, Artemonins 445 Arterien, s. Adern . — Arthritisch ... — Arthur .... 446 Artigas (Jose d') . 447 Artikel . . . . - Artillerie ... 448 Artischocke . . . 450 Arundelianische Marmor, s. Marmorchronik ... — Aruspep.... — Arzneikunde . .451 Arzt.— As.453 Asbest Ascanius . . . 454 Ascendenten, Aufsteigende Linie, s. Absteigende Linie . — Ascension, s. Aufsteigung . . . . — Ascension (Sanct-) — Asteten, Ascetische Schriften . . — Seite Aschaffenburg . . 454 Asche .... 455 Aschenkrug, s. Urne — Aschermittwoch . — Äschincs (Redner — „ Philosoph) . , — Äschylus ... — Astn, s. Nordische Mythologie. . 457 Ashanti.... — Asiatische Gesellschaften und Museen — Asten .... 458 Asioli (Bonifacio) . 462 Askanien . . . 463 Asklepiaden. . . — Asklepiadeische Verse 464 Äskulap. . . . — Asmannshaustr Wein . . . 4.65 Asmodi, Abbadon — Äsop . . . . — Asopus .... — Asow .... — Aspasia.... 466 Aspecte - - - - .71 Asper .... 467 Aspern und Eßlingen Asphyxie . . . 468 Assalini (Pietro) . — Assas (Nicolas, Chevalier d'). . . 469 Affassinen, s.Jsmae- liten .... — Affecuranz ... Afsemanni (Simon) Assiento. . . .470 Assignat ... Assignation, s. Anweisung ... — Assignation (Papiergeld) .... Assimilation . . — Asstsen . - . .471 Association der Ideen 474 Assonanz . . .475 Assumption... — Assyrien.... — Ast ..... — Astarte . . - - 476 Asteriscus ... — Seite Asthenie . . . 476 Ästhetik. . . . — Ästhetisch . . . 479 Asträa . . . . 480 Astrachan . . . — Astralgeister . . 481 Astrognoste . . . — Astrolabium . . — Astrologie . . . 482 Astronomie. . . — Asturien . . . 489 Äsung . . . . — Asyl . . . — Asymptote . . . 490 Asyndeton . . . — Atalanta . . . Ate. — Atellanen . . . 491 Athalia .... — Athanasius. . . 492 Atheismus . . . 493 Athem .... 494 Athen . . . . — Athenagoras . . 499 Athenaus . . . — Athene, s. Minerva — Äther . . . . — Äthiopier . . . 500 Äthiopischer Ocean — Athleten . . . — Athletik, s. Gymnastik — Athmen.... — Athos . . . . Ätiologie, s. Patho501 logie .... — Atlanten . . . — lltlantie», ^tlanck eller N-rnkeim _ Atlantis . . . 502 Atlantisches Meer . — Atlas . . . . — Atlas, Atlanten . — Atmometer. . . — Atmosphäre . . — Atmosphärische Luft, s. Gasarten . . 504 Atmospharologie . — Ätna . . . . — Ätolien . . . . Atomen, Atomisti- sches System . 505 8 ? i G v Verzeichnis! der in diesem Bande enthaltenen Artikel. 957 506 507 509 511 513 516 519 520 Seite Atome .... 505 Atreus . . Atriden, s. Agamem- non . . Atrophie Atropos. . Attentat Atterbom (Daniel Amadeus) Attika . . Attika (Baut.) Attila . . Attitüde Attraction, s. Anziehung . . Attribut . Atps . . Ätzkraft. . Ätzkunst, s. Kupferstecherkunst Ätzstein . . /lubsine (llroit . . — Aufrollen ... — Aufruhr . . . 530 Aufschrift ... — Ausstand, s. Jnsur- rection . . .531 Aufsteigende Linie, s. Absteigende Linie — Aufsteigung . . — Auftritt, Aufzug, s. Schauspiel . . 532 Auge .... — Augenheilkunde, s. Ophthalmiatrik. 533 Augenlid . . . — Augenmaß, s. Messungen . . . 534 Augenpflege . . — Augenpunkt . . 535 Augenübel, s. Oph- thalmologie . . — Auger (Athanasc) . — Auger (Louis Simon) 536 Augereau (Pierre Fran^oiS Charles) — Augias, s. Hercules 537 Augsburg ... — Augsburgische Cen- fesfion . . . 538 Augurn (Auspickn) — August .... 539 August H. (Friedrich, Kurfürst von Sachsen) . . — August III. (Friedrich, Kurfürst von Sachsen) . . 542 August (Emil Leopold, Herzog zu Sachsen-Gotha) — August (Friedrich Seite WilhelmHeinrich, Prinz von Preußen) .... 546 Augustinus. . - 547 Augustus (Cajus Julius Cäsar Octa- vius) .... 548 A und O . . . 552 Aunoy (Marie Cathe- rine Jumelle de Berneville, Gräfin von) ... — Aureng-Zeyb . . — Aurich .... 553 Aurikel . . . . — Aurora .... — Ausbeute, Ausbeutethaler ... — Ausbruch ... — Ausdehnung . . 554 Ausdruck ... — Ausdünstung . . — Ausfall.... 557 Ausgabe, Herausgabe — Ausgabe (Ökonomie) 558 Ausgeding ... — Ausgrabungen. . — Auslegung, s. Exegese, Hermeneutik. . 559 Auslieferung . . — Ausnahmegesetze . 560 Ausonius (Decius Magnus) . . 562 Auspickn, s. Augurn — Aussatz .... — Ausschnitt . . . 563 Außenwerke . . — Ausspielungsgeschaft 564 Ausstattung, s. Aussteuer ... — Ausstellung . . — Aussteuer . . . 566 Aussüßen ... — Austerlitz (Schlacht und Waffenstillstand) ... — Allstem.... 569 Austragalinstanz . — Australasien . . 570 Australien . . . 571 Australocean, s. Süd- 958 Verzeichnis! der i» diesem Bande enthaltenen Artikel. Seite see und Krusen- stcrn .... 574 Auswanderung, Auswanderungsrecht — Auswechselung, s. Kriegsgefangene 576 Ausweichung . . — Auszehrung, s. Atrophie. . , 5?8 Autenrieth (Johann Heinrich Ferdinand von) .... — Auteuil.... 579 Authentisch, Authentische Gesetzerklärung, Authcntica — Auto da F«, s. Inquisition ... — Autodidakten . . — Autographisch, Autograph«. . . 580 Autokratie ... — Autokrator... — Automat ... — Autonomie... — Autopsie ... — Avanien . . . 581 Avantgarde . . — Lvaut I» lettre, s. Abdruck ... — Avaren .... — Avarie . . - . — Avellino . . . 582 Ave Maria... — AventinuS (Johann), — Aventurin ... — Averno .... 583 Averroes . . . ^ Avers, s. Münzkunde — Avicenna, s. Arabische Literatur . .- — Avignon ... — /b vista, s. Vi«ta . 584 Lvovat