Blutader Blutegel 843
! Blutadpr, im Allgemeinen jede Ader, die Blut in sich enthält, im Ge-gensatze der Bandadern, Erzadern, Wasseradern. (S. Adern.) — Blutauge
> ist ein blutiges Auge; bei den Ärzten eine Ergießung des Bluts in die vordere und! hintere Augenkammer, durch einen Schlag aufs Auge, durch heftige Anstrengung
beim Erbrechen, Husten u. s. w. (tl^poaoina). — Blutregen ist ein Regen,nach welchem man rothe Flecken bemerkt, die man für Blut, das mit dem Regenherabgefallen sei, hielt, oder doch so nannte, welche aber von den kleinen rothenAiefcrn (Insekten) herrühren, oder auch von gewissen kleinen Schmetterlingen,welche, wenn sie auskriechen, an den Mauern der Häuser rothe Flecken zurücklas-sen. — Blut speien, eigentlich Bluthusten, ist diejenige Krankheit, da mandurch Husten Blut aus der Lunge wirft. — Blutbrechen, auch schwarze Krank-heit (morbus nizer), wenn Blut durch Brechen aus dem Magen ausgeworfenwird. Wird auf einmal eine große Menge Blut ausgeworfen, so ist es einBlutsturz.
Blutbereitung, s. Assimilation und Ernährung.
Blutegel (birullo meäivinuUch, der gemeiniglich schwarze, fingerlange,federkieldicke Wasserwurm, mit tvalzigem, etwas niedergedrücktem Leibe, der nachvorn etwas dünner wird, und hier den Mund mit dreischneidenden Kiefern, aberhinten einen Saugnapf hat, womit er sich fest hält; der Bauch ist gelb gefleckt,auf dem Rücken befinden sich acht gelbe, schwarze, rothe Längenstreifen. Er be-wegt sich dadurch fort, daß er sich ausdehnend und zusammenziehend bald mit dem! Munde, bald mit dem Hintern Saugnapfe festklebt. Längs den Seiten hat derBlutegel viele Löcher zum Athemholen, welche mit Bläschen in der Nähe derGefäße in Verbindung stehen; an der Brust sind zwei Löcher hinter einander, durch-das vordere geht die Ruthe, durch das Hintere die Eier. Die Blutegel leben inTeichen und sumpfigen Bächen wahrscheinlich von kleinen Thieren und von dem, Blute, das sie den Fischen aussaugen. Außerdem haben sie aber auch den Trieb,
! den warmblütigen Thieren so viel Blut auszusaugen, daß sie zum Sprüchwortej geworden sind und selbst davon sterben. Darum wendet man sie in der Medicin,i um Blut zu lassen, an, sammelt sie in großer Menge und bewahrt sie mit Sorg-falt in den Apotheken in großen Gläsern auf. Sie machten in der neuesten Zeit anmehren Orten einen nicht unbedeutenden Handelsartikel nach England und Frank-^ reich aus. Die Anwendung derselben hat vor dem Aderlaß die Vortheile, daß eine ge-1 ringere (aber freilich immer auch eine nicht ganz genau zu bestimmende) Menge Blutaus den Capillargefäßcn der Haut (nicht aus großem Gefäßen, wie beim Aderlaß)und an Stellen gelassen werden kann, wo dies auf eine andre Weise nicht zubewerkstelligen ist. In Entzündungen und Blutcongestionen sind sie oft nützlicherals Aderlässe, die unterdrückten Blutungen der Hämorrhoiden und Menstruationsucht man durch Blutegel zu ersetzen, und wendet sie oft auch an, um eine Ablei-tung des Blutes von wichtigen bedrohten Organen zu Stande zu bringen. DasAnlegen der Blutegel geschieht dadurch, daß man sie mit der Hand, oder in Lein-wand, Papier, oder vermittelst eines kleinen Gläschens dahin hält, wo sie saugensollen, und sie, wenn dies geschieht, so lange in Ruhe läßt, bis sie von selbst ab-! fallen. Das Letztere geschieht gewöhnlich erst, wenn sie durch das aufgenommeneBlut 3 — 4 Mal größer und dicker geworden sind und sich deßhalb kaum mehr be-
> wegen können. Sollen sie früher entfernt werden, so streut man ein wenig Küchen-salz auf den Rücken derselben, wodurch sie Convulsionen und Erbrechen bekommen.Die kleinen dreieckigen Wunden, welche sie hinterlassen, bluten gewöhnlich nocheine längere Zeit fort; dies unterhält man oft noch ^—1 Stunde lang und ver-bindet alsdann die Wunden, indem ein wenig Schwamm auf die Wunde gelegtund durch Heftpflaster befestigt wird. Alsdann erfolgt die Vernarbung gewöhnlichin kurzer Zeit. So einfach nun auch dieses Verfahren ist, so viele Umstände können