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Blut, Blutumlauf
letztem beiden Thierclassen aber mit dem wichtigen Unterschiede, daß der Wärme- !grad ihres Blutes nicht so hoch ist als bei den erstem, daher sie auch kaltblütige, ^jene aber warmblütige Thiere genannt werden. Die Insekten und Würmer haben istatt des Blutes einen Saft von weißlicher Farbe, den man weißes Blut nennt.
Das Blut enthält zwei verschiedene Stoffe, die sich beim Gerinnen von einanderscheiden: das Blutwasser, eine wässerige eiweißliche Substanz, und eine dicke,schleimige Masse, der eigentlich die rothe Farbe zukommt, die viel schwerer ist alsjene und Blutkuchen heißt. Sie läßt sich aber auch wieder in zwei verschiedeneBestandtheile trennen, in den Eruor, oder eigentlichen rothen Theil des Bluts,und in die gerinnbare Lymphe, welcher das Gerinnen des Blutes zuzuschreiben ist.
Der Eruor besteht aus phosphorsaurem Eisen mit etwas Eiweißstoff verbunden.
Die Rothe des Bluts ist einem kohligen, verbrennlichen Stoffe zuzuschreiben.Jüngere Thiere haben einen viel weißem Faserstoff als altere und stärkere Thiere.Letzterer Blut hat weit mehr Stickstoff als jener. Bei veränderter Nahrung derThiere findet man veränderte Bestandtheile im Blute. Auch ändern solches Krank-heiten um. Bei kranken Thieren ist das Eiweiß des Blutes weicher als bei gesun-den. Aus diesem erzeugt sich die Entzündungshaut auf dem Blute kranker Thiere.
In hypersthenischcn Krankheiten ist Überfluß, in asthenischen Mangel an Faserstoff.
Bei zu Tode gejagten Thieren, oder die der Blitz erschlug, gerinnt das Blut nicht.
Das Blut der Vogel hat eine höhere Rothe, es ist wärmer als jenes der Säug-thiere und gerinnt schneller an der Luft. Das Blut der Amphibien und Fische ge-rinnt schwer. Durch starke Vergrößerungsgläser bemerkt man in dem Blute des ^lebendigen Thieres, oder in frischgelasscnem Blute, daß es, besonders der Cruor,aus kugelförmigen Bläschen, den sogenannten Blutkügelchen, besteht, deren Größeetwa den dreihundertstcn Theil einer Linie beträgt. In dem, wennschon nur kurzeZeit stehenden Blute bemerkt man sie nicht. Sie sind die Wirkung des im Bluteherrschenden Lebens; je kräftiger und gesünder das Thier ist, desto mehre Blutkü- !gelchcn bemerkt man in dem Blute desselben. Sie zeigen gleichsam den Übergangvom gestaltlosen Flüssigen zur Urform der ersten organischen Bildung an. Für das ;Leben des thierischen Körpers ist das Blut von der größten Wichtigkeit, und mankann es füglich als den Quell des Lebens ansehen. Es ist, so lange der Körperlebt, in steter Bewegung, welche nur mit dem Tode aufhört. Außerhalb des Kör-pers geht mit demselben bald eine auffallende Veränderung vor; es fängt an zu ge- 'rinnen, und geht hernach zuerst in eine saure, dann in eine faule Gährung über.
— Alles Blut nimmt seinen Ursprung aus dem Milchsäfte, und setzt nach undnach die für die Erhaltung und das Wachsthum des Körpers erfoderlichen Nah-rungssäfte durch eine Menge hierzu geeigneter Gefäße ab. Dies geschieht, währendes aus dem Herzen bis zu den entferntesten Theilen des Körpers, und von da wiederzurückgelrieben wird. — Der Blutumlauf ist gleichsam die Grundlage underste Bedingung des Lebens. Mit ihm hört alles Leben und folglich jede übrige Ver-richtung des thierischen Körpers auf. Das Herz, der Mittelpunkt des Blutum-laufs, hat eine doppelte Bewegung, welche unaufhörlich wechselt; die eine ist zu-sammenziehend , die andre erweiternd. Mit dem Herzen sind zwei Arten von Ca-nälen verbunden, wovon die eine Schlagadern, die andre Blutadern heißt. (S.Adern.) Der Umlauf des Bluts geht mit einer bewundernswürdigen Schnellig- !keil vor sich; strömte es mit gleicher Geschwindigkeit gerade und ohne Krümmungenfort, so würde es in einer Minute ungefähr 149 Fuß durchlaufen. Diesen Gradvon Schnelligkeit hat das Blut aber nur in den nahe am Herzen befindlichen größernCanälen; je weiter es sich vom Herzen entfernt, desto mehr nimmt auch jene Ge-schwindigkeit ab. Man kann in einem erwachsenen Menschen von gewöhnlichemBau eine Blutmasse von 24 — 30 Pfund annehmen. S. Dr. Ge. Wedemeyer's„Untersuchungen über den Kreislauf des Blutes" (Hanov. 1828).