Blumenstück Blut 941
deuten. Wenn man z. B. von der Rosenknospe die Dornen abstreift, so heißtdies: Es ist Alles zu hoffen; pflückt man aber die grünen Blatter ab, so will mandamit sagen: Es ist Alles zu fürchten. So kann man das symbolische Zeichen fast' aller Blumen durch ihre Lage oder durch die Beraubung ihres Schmuckes verviel-fältigen. Die Ringelblume z. B., wenn man sie an den Kopf bringt, deutet Gei-steskummer an; an das Herz gelegt, Liebesgram; auf die Brust, Langeweile. Fer-ner bezeichnet man das Wort Ich, mit Bezug auf das Symbol der Blume, wennman letztere rechts hinneigt; das Wort Du, wenn man sie links Herabsinken laßt.Nun noch ein paar Beispiele: Wenn man seiner Freundin sagen wollte: Warumweintest Du, liebes Weib, gestern im Geheim auf dem Balle? — so müßte manein Bouquet von folgenden Blumen binden: Ein Gänseblümchen, Rosmarin,Reseda, rother Levkoje, violetter Sommerlevkoie, eine Wicke, Jristuberose. Hattesie diese Antwort zu geben: Ich weinte um einen entfernten Freund, einenOfficier, der zu Felde gegangen ist, und fürchte seinen Tod, — so würde sie folgendeBlumen nehmen müssen: Narcisse, Rosmarin, Thymian, eine weiße Hyacinthe,eine Ranunkel, eine Kaiserkrone, Krausemünze, Salbei und Himmelsschlüsselchen.S. „Fatimens Morgenzeitvertreib und den des Serails rc." (Leipzig 1797);ferner: „Die Blumensprache, oder Symbolik des Pflanzenreichs", nach dem Franz,der Frau Charlotte de Latour von Karl Müchler (Berlin 1820); „Selam, oder dieSprache der Blumen" (2. Aufl., Berlin 1821), und „Neueste Blumensprache;
, eine Gabe der Liebe und Freundschaft geweihet von A. R. C. L." (Nordhaus. 1821)u. s. f. — Es gibt aber auch eine Blumensprache ohne Blumen. Dies ist nämlichein Ausdruck, eine Sprache, reich an Bildern und Allegorien. Auf diese Weisewäre jeder bildliche Ausdruck eine Blume, und ein Aufsatz, ein Buch, das ganz inAllegorien geschrieben wäre, würde Blumensprache in dieser Bedeutung enthalten.Da aber die Blumen immer etwas Schönes, etwas Angenehmes anzudeuten pfle-gen, so würde auch jede schone und angenehme, selbst blumenlose Sprache dennochauch eine Blumensprache genannt werden dürfen. Da endlich das Sprechen durchdie Blume im gemeinen Leben so viel heißt als geheimnißvoll thun, reden, so würdeauch jede geheimnisvolle, dunkle Sprache in einem gewissen Sinne eine Blumen-sprache genannt werden können. il.
! Blumenstück, in der Malerei, eine Darstellung von Blumen, worin
! diese ein Kunstwerk für sich ausmachen. Solche Darstellungen, wobei täuschende
Wahrheit das höchste Erreichbare ist, gehören zwar nur zu den untergeordnetenArten der Malerei, und ein Maler verdient damit noch nicht den Namen eiyesästhetischen Künstlers; allein sie können dennoch unter einem höhern Charakterals dem der Nachahmung erscheinen und durch sinnige Anordnung und Wahlauch ein wahres ästhetisches Verdienst erlangen. Als die berühmtesten Blumenma-ler nennen wir Huysum, Rachel Ruysch, Segher, Verendael, Mignon, Roepel,Dreßler. (Vgl. Malerei.)
Blumenuhr ist ein durch Blumen hervorgebrachter Zeitmesser. Bekannt-lich öffnen und schließen sich die Blumen theils nach dem hellen oder dunkeln Wet-, ter, theils nach der Länge oder Kürze des Tages. Die merkwürdigsten aber zeigengewisse feste Stunden des Tages Blüthen, vorzüglich früh und Abends, und diese! sind eben geeignet, eine Blumcuuhr aus ihnen zusammenzusetzen. Wenn man näm-l lieh die Blumen auswählt, welche von Sonnenaufgang an regelmäßig eine Stundeblühen und dann sich verschließen, neben diese eine andre stellt, welche in der nächstenStunde blüht und sich schließt, und so von Stunde zu Stunde fortfährt bis zumUntergänge der Sonne, und die einzelnen Blumen in eine Reihe oder in einen Kreisstellt, wie sie einander ablösen, so hat man eine Blumenuhr. 11.
Blut ist die rothe, in den Adern thierischer Körper befindliche Flüssigkeit.ES befindet sich in allen Säugethieren, Vögeln, Amphibien und Fischen, bei den