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1 (1830) A bis Bl
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926
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926 Blindenanstalten

Augen gestellt wärm; er konnte keinen Gegenstand von dem andern unterscheiden,so verschieden auch ihre Form war. Gegenstände, die ihm durch das Gefühl schonvorher bekannt waren, betrachtete er mit vieler Aufmerksamkeit, um sie einanderMal wiederzuerkennen; allein er vergaß bald wieder Alles, weil er auf ein Mal zuviel zu merken hatte. Er wunderte sich sehr, daß die Personen, die er am meistenliebte, nicht schöner waren als die andern. Ehe er das Gesicht wieder bekam, äu-ßerte er keine große Begierde, diesen Sinn zu erlangen. Bei allen den Personen,die lange blind gewesen sind, scharfen sich die andern Sinne desto mehr, vielleichtweil die Zerstreuung wegfällt, welche bei Sehenden von dem Erblicken so mannig-faltiger Gegenstände stattfindet. Daher ist bei vielen Blinden selbst die innereSeelenthätigkeit verstärkt, und bei vielen entwickeln sich ihre Talente auf bewun-dernswürdige Weise. Besonders wird das Gefühl und Gehör sehr scharf bei ihnen.So wird von einem Blinden erzählt, der zu Puifaup in Frankreich lebte und Che-miker und Musiker war. Er konnte genau das Ebenmaß der Gegenstände beur-theilen, gab die Nähe des Feuers nach dem Grade der Wärme an, beurtheilte dieAnfüllung der Gefäße nach dem Geräusche, welches die Flüssigkeit machte, wäh-rend er sie aus einem in das andere Gesäß goß, und die Nähe der Gegenstände nachder Einwirkung der Luft auf sein Antlitz. Er bestimmte genau das Gewicht derDinge, und wie viel ein Gefäß enthalten konnte. Der berühmte Saunderson,Professor der Mathematik zu Cambridge, hatte in früher Jugend das Gesicht ver-loren. Er erfand mehre Vorrichtungen, sowol in der Arithmetik als Geometrie,um sein Studium sich zu erleichtern. Er statte ein so feines Gefühl, daß, wenn ermehre Münzen durch die Finger laufen ließ, er die falschen unterschied, wenn siegleich so genau nachgemacht waren, daß selbst die Augen des Kenners dadurch be-trogen wurden. H.

Blindenanstalten. Bei einem Menschen, der jenes lichtsaugendenSinnes, des Gesichts, entbehrt, müssen andre Sinne in Anspruch genommen wer-den, um das Auge zu ersetzen. Will er z. B. eine Kenntniß vom Lesen und Schrei-ben haben, so müssen ihm tastbare Buchstaben gegeben und dann die Hand so langegeführt werden, bis er den Buchstaben nachbilden kann. Will er eine Kenntnißvon der Erdoberfläche haben, so müssen ihm erhobene Erdkugeln und Landchartendargeboten werden. Natürlich geht das Erkennen durch den Fühlsinn weit lang-samer als durch den Sehsinn. Beide Sinne sind sich darin gerade entgegengesetzt,daß jener von jedem einzelnen Theile nach und nach zur Erfassung des Ganzen auf-steigt, während dieser mit einem Blicke das Ganze überschaut. Man sieht alsoleicht den Grund ein, warum Blinde nicht in den gewöhnlichen Schulen für Se-hende unterrichtet werden können: einmal, weil nicht die dazu nöthigen tastbarenLehrmittel vorhanden sind, dann aber, weil die sehenden Kinder durch die Lang-samkeit des Auffassens der Blinden aufgehalten werden würden. Da nun gleich-wol die Blinden keinen unbedeutenden Theil der Bevölkerung ausmachen und z. B.im preuß. Staate eine Blindengemeinde von mehr als 13,000 Seelen bilden (Jeunc,in s.Belisar", in der Aufl. von 1821, hat, S. 12. fg., ein auf Beobachtungen ge-gründetes Gesetz ausgcmittelt, wie die Blindheit von dem Gleicher nach den Polenzu abnimmt, sodaß, während in Ägypten der 100. Mensch blind ist, in Norwegennur der 1000. des Augenlichts entbehrt), so hat man besondere Anstalten für Blin-de angelegt. Der Unterricht ist vorzüglich auf die allgemeine geistige Ausbildung,wodurch die Blinden aus ihrer Dumpfheit zu ordentlichen Menschen erzogen wer-den, dann auf Erlernung irgend einer Geschicklichkeit gerichtet, wodurch sie sicheinigermaßen ihren künftigen Lebensunterhalt sichern können. Was das Letzte be-trifft, so gibt es vorzüglich zwei Mittel: Handarbeiten und Tonkunst. - Sonachumfaßt der ganze Blindenunterricht 3 Zweige: 1) Handwerksbildung, 2) Kunst-bildung, 3) Wissenschaftsbildung, weil man nicht wissen kann, welche Anlagen