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Blauer Montag Blausäure
wurde die Einimpfung der Kinderbettern zuerst in England, jedoch nicht ohne Wi-derspruch vieler Ärzte, und von dort aus in andern Landern gebräuchlich, doch nieallgemein, theils weil noch viel Vorurtheil dagegen herrschte, theils weil die Krank-heit, wenngleich gelinder, doch nicht ganz gefahrlos war, und Kinder selbst an dengeimpften Blattern starben. In neuerer Zeit hat die viel wohlthätigere und sicherereImpfung der Kuhblattern jene ganz verdrängt. (S. Inokulation, Jenner,Kuhpocken.) II.
Blauer Montag, in der Handwerkssprache derjenige Montag, an wel-chem die Gesellen eines Handwerks einen Feiertag machen. Zu Anfange des 16.Jahrh, soll die Gewohnheit stattgefunden haben, des Montags in der ersten Fasten-woche die Kirchen mit violettem oder bläulichem Tuche oder Aeuche auszuschlagen.An diesem Montage machten sich die Handwerksgesellen von der Arbeit frei undsollen ihn von der blauen Farbe der ausgeschlagenen Kirche den blauen Montag ge-nannt haben. In der Folge dehnte man diese Arbeitsfreiheit auf alle Montagein den Fastenwochen und späterhin auch auf die Montage aller andern Wochenaus, auf welche man daher jenen ältern Namen übertrug. Andre erklären blauenMontag durch heitern, arbeitsfreien Tag; sie leiten diese Benennung von derblauen Farbe des Himmels, dem Sinnbilde der Heiterkeit, ab, und unterstützendiese Ableitung mit dem Grunde, daß die blaue Farbe überall als Sinnbild derFreude gelte. 11.
Blaufarbe, Blaufarbenwerke, s. Kobalt.
Blauofen, s. Eisen- und Schachtöfen.
Blausäure (seillum Iierolineilsi-borussieuin, b/llrov^ani-euni) isteine von den wenigen Säuren, in welchen kein Sauerstoff, sondern anstatt desselbenWasserstoff vorhanden ist, daher sie auch nicht alle chemische Eigenschaften der übri-gen Säuren hat. Ihre Basis scheint eine Verbindung von Kohlenstoff und Stick-stoff zu sein und wird jetzt gewöhnlich als Blaustoff bezeichnet. Diese Säurewird theils aus thierischen und vegetabilischen Theilen (als Product) durch Be-handlung mitKali und Säuren gewonnen, theils kommt sie auch in manchen Pflan-zcnkörpern, welche den Geruch von bittern Mandeln haben (z. B. in diesen selbst, inden Kirschlorberblättern, Kirsch - und Pfirsichkernen ic.) vor und kann als Eductgewo nnen werden. In ihrem reinen Zustande ist sie gasförmig, entzündet sich ander Luft leicht, detonirt mit Sauerstoffgas, brennt mit einer gelblich blau undroth gemischten Flamme und wird vom Wasser und Alkohol aufgenommen. Wieandre Sauren verbindet sich auch diese mit Metallen, den Alkalien und Erden zuverschiedenen Salzen, unter denen das blausaure Eisen alsBerlinerblau (s. d.)deßhalb bemerkenswerth ist, weil es theils die Veranlassung zur Entdeckung derBlausäure gab, theils zu technischen Zwecken in großer Menge bereitet wird. Fürden thierischen Körper ist die reine Blausäure das durchdringendste Gift, was mankennt; sie tödtet schneller als irgend ein andres, oft in demselben Augenblicke, alssie in den Magen kommt, ja die kleinern Thiere selbst wenn sie nur die Zunge odereine wunde Fläche berührt. Einen Vogel tödtet ein einziger Tropfen von der gesät-tigten, wässerigen Auflösung; etwa 8 Tropfen tödten einen Hund; eine verhält-nismäßig größere Menge den Menschen. Die dem Tode vorhergehenden Er-scheinungen bestehen vorzüglich in Starrkrämpfen. Gegen eine große Mengekann es kein Gegengift geben; bei geringerer Menge sucht man das Gift zuerstdurch Erbrechen wieder auszuleeren, wendet Kalien in nicht vollkommen kohlen-sauerm Zustande an, um das Gift zu neutralisiren, und gibt Caffeeaufguß oderläßt, wie Orfila räth, alle halbe Stunden Z oder 4 Löffel voll Terpentinöl in einemCaffecaufgusse nehmen. In kleinen Gaben hat man diese Säure, selbst im reinenZustande, in den neuesten Zeiten gegen manche Krankheiten (z. B. Keuchhusten,Asthmen, Lungensucht, Krämpfe rc.) mit Nutzen als Arzneimittel angewendet,