Druckschrift 
8 (1830) O bis Q
Entstehung
Seite
965
Einzelbild herunterladen
 

Quarantaine 665

Ja». 1697, war von s. Vater, einem Hufschmied, ebenfalls für dieses Handwerkbestimmt. Da ec aber als Knabe öfters bei den Bauern mit s. Baßgeige aufgespieltund an dieser Lebensart mehr Gefallen gefunden hatte, so begab er sich im 10. Z ,nach des Vaters Tode, zu s. Oheim, Stadtmusikus in Merseburg, in die Lehre, wo ernachher als Kunstpfeifergesclle Gelegenheit hatte, in der Herzog!. Capelle s. Geschmackzu bilden. 1714 ging er nach Dresden, wo er 1716 den Dienst eines Stadtpfei-fcrgesellen andern Anträgen in die Capellen kleiner Fürsten vorzog. Als Hoboistbei der sogen, polnischen Capelle (1718) ging er mit nach Warschau, wo er nunvorzüglich die Flöte zum Gegenstände s. Fleißes machte. Er nahm Unterricht beidem damals bekannten Buffardin. 1724 ging er im Gefolge des poln. Gesandtennach Italien; hier traf er (1725) den berühmten Haffe zu Neapel und wurde durchdiesen bei dem alten Aless. Scarlatti eingeführt. Nach mehren Reisen (er besuchteauch Poris und London) erlangte endlich Q. in Dresden, wohin er wieder zurück-kchren mußte, eine Anstellung in der k. Capelle, bis er 1741 von Friedrich II., welcherihm schon oft als Kronprinz Anträge gemacht hatte, mit 2000 Thaler Gehalt u. a.vortheilhaftcn Bedingungen nach Berlin berufen wurde. Er blieb bei diesem Monar-chen, dessen Lehrer auf der Flöte er ward und den er oft begleiten mußte, bis an s.Ende (12. Juli 1773) zu Potsdam. Q hat nicht bloß als Meister auf der Flöte,sondern auch als Verbesserer derselben große Verdienste. Schon auf s. Reisen ver-suchte er zu Paris (1726) der Flöte noch eine Klappe zuzusetzen; 1739 fing er an,mit beträchtlichem Vortheil Flöten selbst zum Verkauf zu fertigen, und 1752erfanber den Aus- und Einschiebckopf, wodurch die Flöte, ohne Verwechselung der Mittel-stücke, um einen halben Ton tiefer oder höher gestimmt werden kann. SeineAn-weisung, die Flöte zu spielen", hat mehre Aust, erlebt. Als Componist lebte er fastnur fürs. Schüler, den großen Friedrich, für welchen er 299 Concertc und 200 So-los gesetzt haben soll, von denen wenige ins Publicum gekommen sind. Seine Com-positionen beurkunden den regelmäßigen Charakter der Compositionen s. Zeit. Wieweit übrigens die Sorgfalt des Königs für s. Lehrer ging, ficht man daraus, daß erin s. letzten Krankheit selbst Arztcsstelle bei Q. vertrat und für die nöthigc Pflegesorgte, auch ihm nach s. Tode ein schönes Grabmal setzen ließ.

Quarantaine, Contumaz, bedeutet diejenige Zeit, während welcherein Schiff, welches aus einem Hafen kommt, der im Verdacht von ansteckendenKrankheiten ist, in dem Orte s. Bestimmung nicht landen, mit Niemandem Ver-kehr haben, die Waaren nicht ausladen, die Reisenden nicht absetzen darf. Da an-fangs die Zeit im Allgemeinen auf 40 Tage festgesetzt war, so entstand daraus derName Quarantaine, welcher zwar für Contumaz jetzt gebräuchlicher, insofern aberweniger paffend ist, da man jetzt die Dauer derselben bald auf weniger, bald aufmehr Lage bestimmt. Weil durch den Handel aus der Levante die orientalische Pestleicht verbreitet werden konnte, so wurde besonders in den Zeiten, wo der Handelnach den donigen Gegenden am blühendsten in den Häfen des mittelländ. Meereswar, in diesen Orten am meisten für genaue Quarantaine gesorgt; allein in derFolge erstreckte sich diese Vorsicht auch weiter, je nachdem von andern NationenAntheil am Handel genommen wurde, und seitdem die occidentalische Pest oder dassogen, gelbe Fieber sich in Westindien, in Nordamerika und selbst in Spanien ge-zeigthat, sind auch die Schiffe, welche aus den dortigen Häsen ankommen, der Con-uimaz unterworfen, sobald der Gesundheitszustand derselben verdächtig wird. Auchim Innern des Landes findet Contumaz statt, sobald sich in irgend einer Stadt oderProvinz eine ansteckende Seuche zeigt, wie z. B. vor einigen Jahren in Spaniender Fall mit dem gelben Fieber war. Contumazanstalten sind nun theils die-jenigen Örter, an welchen Schiffe oder Reisende ihre Quarantaine halten, theilsdie Gesetze und Einrichtungen, welchen sie sich dabei unterwerfen müssen. Sie wur-den zuerst in den Häsen des mittelländ. Meeres errichtet, um die N-Ntheilc des