93ö
Puppe Purpur
Gesicht zurückgab. Man hat seine sehr unvollkommene Methode, künstliche Pu-pillen zu bilden, im vorigen und besonders in diesem Jahrh. vielfach wiederholt,aber der Erfolg derselben war entweder gleich Null, oder doch so unvollkommen,daß sich die Ärzte fast nie befriedigt fanden, weil der einfache Schnitt in die Regen-bogenhaut in den meisten Fällen bald wieder verheilte und dadurch also eine neueSehöffnung in jener Haut gar nicht zu Stande gebracht wurde. Deßhalb bemüh-ten sich mehre Wundärzte eifrig, sichrere Methoden aufzufinden: ein Bemühen, vondem man behaupten kann, daß es in hohem Grade gelungen sei. Zuerst erfand derberühmte Augenarzt Wenzel gegen Ende des vor. Jahrh. eine Methode, welche bisheute mit Glück ausgeübt wird; er machte nämlich nicht wie Cheselden einen bloßenEinschnitt in die Regenbogenhaut, sondern schnitt aus derselben ein kleines Stückaus, sodaß ein Verwachsen dieser bedeutendem Öffnung schon weit seltener möglichwar. Endlich erfand zu Anfänge dieses Jahrh. der berühmte Adam Schmidt inWien und gleichzeitig mit ihm der nicht minder geschätzte Scarpa in Pavia eineneue Operationsmethode, nach welcher die künstliche Pupille dadurch gebildet wurde,daß ein zweckmäßig hinreichender Theil der Regenbogenhaut von dem sogen. Ciliar-bande (mit welchem die erstcre an ihrer großen Peripherie verbunden ist) losgezogenwird, wodurch denn die neue Pupille immer an der großen Peripherie der Regen-bogenhaut, nicht aber wie die natürliche Pupille in oder nach der Mitte derselbenzu liegen kommt. Bon diesen 3 Hauptmethoden gibt es übrigens eine große An-zahl mehr oder minder verbesserter Nebenmethodcn, sodaß es kaum einen berühm-ten Augenarzt geben wird, welcher nicht dieser oder jener Hauplmethodc eine eigneAbänderung gegeben oder 2 derselben in eine verbunden hätte. In Benedict's„Handb. der prakt. Augenheilkunde" (Bd. 3) findet man eine Beurtheilung der ver-schiedenen Arten der künstlichen Pupillenbildung. 17.
Puppe, s. Insekten.
PurgatoriuM, 1) Reinigungseid (purAstio spirituslis oder eanviiiva),s. Eid; 2) in der Lehre der rönn'sch-kathol.Kirchc das Fegefeuer (s.d.).
Purismus, das (übermäßige) Streben, seine Muttersprache von fremdenWörtern zu reinigen. (S. Sprachreinigung.)
Puritaner, s. Anglikanische Kirche.
Purpur. Die Farbe, welche die Alten Purpur nannten, war theils schwärz-lich , theils violct und rosenroth. Sie gehörte zu dem Schönsten und Kostbarsten,was sie kannten. Wir wissen, daß die Alten ihren Purpur theils aus verschiedenenFarbekräutern verfertigten, theils aus mehren Schalthieren zogen, sowol aus demduvviaunt (einer an Felsen und Klippen gefundenen Muschelart) als aus der Pur-purs, der eigentlichen Purpurschnecke. In neuern Zeiten hat man in mehren Con-chylien, zumal aus der Familie der Schnecken, einen purpurähnlichen Saft entdeckt.Er ist zähe und in einem besondern Beutclchen enthalten, welches bei den meistenzwischen dem Herzen und der Leber liegt. Die Farbe dieses Saftes ist sehr verschie-den ; bei einigen nämlich wirklich purpurroth, bei andern blaßgelb oder pomeranzen-farbig. Reaumur fand, baß der anfangs gelbliche Saft der Lrompetenschneckc,auf Leinwand getragen, in wenigen Secunden alle Schattirungen von gelb, grünund himmelblau durchlief und zuletzt purpurroth ward. Der Saft der Krausel-schnecke, die u. d. N. des blauen KrauselS in Peru von den Spaniern zum Färbengebraucht wird, bietet ähnliche Erscheinungen dar. Wenn man ihn aus der Schneckenimmt, sieht er gelblichweiß aus; taucht man ein Stück Zeuch darein und setzt esder Einwirkung der Lust und Sonne aus, so ändert sich jene Farbe stufenweise undgeht endlich in ein Roth über, welches zwar unvertilgbar, aber doch nicht rein ist,wie das Roth der Cochenille, welche nebst dem Kermes bei uns die Stelle des Pur-purs vertritt. Als Erfinder der Purpurfarbe nennen die Alten einstimmig die Phö-mzier. Die Sage von dem Schäferhunde, der die Schnauze von dem Safte zer-