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Pubertät j
bestimmt für das weibl. Geschlecht das 12., für das männliche das 14. Jahr als !>die Zeit der Geschlechtsreife und Mannbarkeit. Höchst merkwürdig sind die Er- Ifcheinvngen körperlicher und geistiger Art, welche gleichzeitig mit dieser Periode de- k»dachtet werden und theils von dem Mannbarwerden selbst, theils aber, und wahr-scheinlich in der großem Zahl, von der Lebensthätigkeit abhangen, wodurch auch die t
Mannbarkeit ausgebildet wird. Wenn nämlich das Kindcsalter ausgezeichnet ist s
durch ein Leben in der heitern Gegenwart und durch leichtere Befriedigung in der- !
selben, wenn in demselben stets alle Functionen nur auf die Erhaltung des eignen s
Individuums hinwirken, wenn insbesondere die Geschlechtstheile, welche der Ec- t
Haltung der Gattung, also der Einwirkung in die Zukunft, bestimmt sind, gleichsam l
nur vocgebildct und zu ihren eigenthämlichen Verrichtungen noch nicht ausgebildet ^
erscheinen, so ändert sich alles dies in der erwähnten Periode oft auffallend plötzlich,bisweilen unter lebhaften Stürmen. Da sieht man den vorher lebhaften und leichtbefriedigten Knaben, das bisher unbefangene und heitere Mädchen zuerst sinnigund in sich gekehrt, die Einsamkeit suchend und sich trennend von den Gespielen der s
Jugend, welche vom andern Geschlechte sind. Wahrend dessen wird die Plastik E
des Lebens bedeutend erhöht, der Körper wachst gewöhnlich in kurzer Zeit schneller !
als vorher. Die Hoden vergrößern sich, oft unter Schmerzen, und fangen an,wirklichen Samen abzusondern; der Uterus bildet sich aus und sondert das imÜberfluß ihm zuströmende Blut in monatlichen Perioden, oft unter mancherleikrankhaften Gefühlen, aus; die Brüste wölben sich; in beiden Geschlechtern wirddie Stimme zuerst rauh und unangenehm und erhalt dann den metallischen reinen s
Ton, dcr im männlichen Geschlechte tief, im weiblichen zwar hoch, aber vom Kin- !
dertone sehr verschieden ist. Als Zeugen des Überschusses dcr bildenden Kraft bre- >
chen bei beiden Geschlechtern an den Geschlcchtstheilen vorzüglich, jedoch auch an t
andern Orten, und beim werdenden Manne namentlich auch im Gesichte, Haare !
hervor. Nachdem diese Krisis überstanden ist, so steht der Jüngling und die Jung-frau in aller Blüthe und auf der Höhe des Menschenlebens wie verwandelt da. !Gleichsam mit andern Sinnen betrachten sie die Welt und ihre Erscheinungen, imGlanze dcr Hoffnung erscheint ihnen die Zukunft, in der sie mehr als in der Gegen-wart leben, das Reich der Ideen und Ideale geht ihnen auf, und sie werden zu dengrößten Anstrengungen aufgelegt, sie zu realisiren; ein mächtiger Trieb, in dieAußenwelt einzugreiftn, regt sich im Jünglinge, während die Jungfrau schamhaft tsich selbst es verbirgt, wozu sie berufen, und welches ihr Wirkungskreis sei; Beidenleuchtet das Bild der Liebe aus lichten Fernen als Lohn der Mühen, als die höchsteder irdischen Seligkeiten entgegen. Das ist die goldene Zeit, welche von Dichtern !nicht genug gepriesen werden kann, deren Seligkeit nie wiederkehrt, und an die jedes !fühlende Herz mit Entzücken zurückdenkt; das ist aber auch die Zeit, die über dasganze künftige Leben entscheidet. Diese Epoche ist oft durch Krankheit getrübt und i
entstellt. Bei Einigen tritt sie in Folge früherer Krankheiten, welche die bildende '
Kraft schwächen, zu spät und unvollkommen ein, bei Andern hingegen zu früh, sund ist im erstem Falle gewöhnlich mit Kleinheit und Schwäche des Körpers, so-wie mit einem verkrüppelten Geiste, im zweiten aber mit heftigen Stürmen ver- ^Kunden, welche jedoch auch von zufälligen Ursachen abhängen können, die während zdieser Epoche die Natur in ihrem Wirken störten. In dieser Zeit namentlich wirdso leicht das Gefäßsystem überreizt, und Wallungen, Entzündungen, Blutungenoder allgemeine Vollblütigkeit sind die Folgen davon, die beim weiblichen häufigerals beim männlichen Geschlechts verkommen; oder das Nerven- und Geisteslebenwird übermäßig erregt und aus seinen Schranken gerückt, und es entstehen daraus >die mannigfaltigsten Formen krampfhafter Krankheiten, Fallsucht und Veitstanz, !sowie bcmerkcnswcrthe Abweichungen der Gcistesthätigkciten, die sich bald als krank- sbaffe Mitleidenschaft und Nachahmungssucht, Romanensncht und unersättlich? ;