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Vergnügen über Alles, und man findet mancherlei bemerkenswerthe Volkslusl-barkeitcn bei ihnen. Sie sind übrigens fleißige Landleutc, unerschrockene Fischerund Schiffer, rhälige Kaufleute und geschickte Manufacturisten, welche beson-ders Scidenwaaren, Seife und Leder verfertigen. Bekannt sind die Städte:Marseille, Toulon, Aix, Arles, Gcaffe, Larascon, Hyeres, Antibes, Frvjusund andre.
Provenzalcn heißen die ritterlichen Dichter des 12. und 13. Zahrh.im südlichen Frankreich und in Spanien. Diese südlichen Landschaften führtendamals den gemeinschaftlichen Namen Provence. Unter dieser ist also nicht nurdas Land zwischen der Rhone und dem Var zu verstehen, sondern auch, was sonstLanguedoc, Gascogne, Auvergne, Bourgogne hieß, vereinigt seit dem Anfängedes 12. Iahrh. (unter Raimond Berengar IV., zuvor Graf von Barcelona oderEatalonien, und dann durch Verheirathung Graf von Provence und als solcherRaimond Berengar!.), dann erweitert durch Aragonien und einen großen Theildes südlichen Spaniens. Dir Untcrthanen hießen Provinciales oder Provengauxund waren durch die Loire von den weit rohern Frangais geschieden. Südfcant-reich, schon sonst durch die Kolonien der Griechen, z. B. Marseille, und durch dieNahe der Römer mehr verfeinert und durch schönem Himmel und freisinnigereRegierung begünstigt, war bis zum 11. Jahrhundert dem Norden in der Bildungsehr vorgeeilt und im Besitze einer Sprache, die, aus römischen und germanischenWörtern gebildet, sich durch Klarheit, Zartheit, Wohlklang und Reichlhum soauszeichnete, daß sic die Sprache der Gebildeten auch in Catalonien, Valencia,Majorca ic. ward. Eine solche Sprache, die Verfeinerung des damaligen Adelsdurch die Bekanntschaft mit dem Orient, namentlich mit den dichtenden Arabern,die durch Reisen und Abenteuer geweckte Phantasie und vergrößerte Nerstandes-bildung, die herrschend gewordene romantische Stimmung und der durch den Han-del erzeugte Wohlstand, Alles dieses weckte die Geister, weckte die Poesie; manfang Krieg und Abenteuer, Religion und Liebe, und fand viel Ermunterung undlauten Beifall, besonders von Seiten der in den Liedern verherrlichten Frauen.Bald war der ganze Adel poetisch, und Alles, was Bildung hatte in der Provence,deren Fürsten, besonders Raimsnd Berengar 11l und V., die Dichtkunst sehr be-günstigten. Unter ihrer Herrschaft und an ihren Höfen, damals den gebildetstenund prachtvollsten in ganz Europa, gehörte es zum guten Tone, einen Kreis von.Dichtern curS dem Adel uw sich zu versammeln. Poesie und Gesang, durch dieLaute, Harfe oder Violine begleitet, mußte jede Festlichkeit verherrlichen, daherViele hemmreiften, um durch solche Gaben die Freudenfeste zu verschönern. DieNamen Provenzal und Dichter wurden fast gleichbedeutend. Ihre Lieder, indenen sich der Reim ausbildete, die oft weniger aus poetischer Begeisterung alsaus Nachahmungssucht hervorgingen, theilt man in 3 Hauptarten: 1) Canzonen,Liederder Minne, bald süße, fröhliche (ZoulaH, bald klagende Liebeslieder (I-sis),bald idyllische (pastourollos), bald religiöse, bald didaktische Lieder. 2) 8ir-ventes, Dienst- oder Loblieder zu Ehren der Helden und Fürsten, woran sichpatriotische und Kriegslieder schließen. 3) Tenzomn ('t'vnsons), bald Wettgesängeüber galante Streitfragen, die an den Liebeshöfen (vours ll'sinour) recitirt wur-den. Am liebsten sangen sie jedoch Frauen und Liebe, wetteifernd, ihre Damenals Idole und Ideale zu verherrlichen, aber nicht so herzlich und so züchtig, wie diedeutschen Minnesänger. So wenig uns nun ihre Gedichte im Ganzen zusagen,da nur einzelne feine und treffliche Stellen in ihnen zu finden sind (die überhauptim Originale gelesen werden müssen, weil der meiste Reiz im Ausdrucke liegt), undso wenig ihre Lieder wahrhaft poetischen Werth haben, da sie selten Etwas festhalten, und oft mehr phantastische Ziererei und alltägliche Reimerei als Widerhalleines begeisterten Gemüths sind, so darf man doch die großen Vortheile nicht ver-