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8 (1830) O bis Q
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Protestantismus und Reformation (kath.)

Luther zu hören, nicht zwar, um mit ihm über Glaubenssachen zu streiten, son-dern damit er erkläre, ob er Dasjenige wirklich gelehrt oder noch lehre, waS ihmvon dem Papste zur Last gelegt werde. Luther kam am 16. April in Worms an;er machte nicht auf Alle gleichen Eindruck, insbesondere sagte der Kaiser, nachdem ?

er ihn zum ersten Mal gesehen: „Dieser brächte cs gewiß nie dahin, daß ich zum !

Ketzer würde". Am 17. April erschien Luther in der Reichsversammlung; er wurde ^gefragt, ob er jene Bücher, die man ihm vorzeigtc, wie auch andre, die genanntwurden, für die seinen erkenne, und ob er auf den darin enthaltenen Sätzen be- 'harre. Das Erstere bejahrte er, für das Andre bat er sich Bedenkzeit aus. AndernLags erklärte er in der Versammlung , seine Bücher seien von dreierlei Gattung:einige handelten von Glaubenssachen und guten Werken, von denen nicht einmalseine Gegner Alles anstößig fänden, er könne sie demnach nicht zurücknehmen, ohnesein Gewissen zu verletzen; in andern würde die Gewalt der Päpste und ihrer De-krete angegriffen, durch deren Widerruf würde der Päpste Tyrannei über das Men-schengeschlecht bestätigt werden; andre endlich wären wider Diejenigen gerichtet,die das Papstthum vertheidigt und ihn zu widerlegen gesucht, in diesen gestehe er,daß er zu heftig und bitter geschrieben, welches man aber der Art, wie ihn s. Geg-ner behandelten, zurcchnen müsse. Zuletzt foderte er wie gewöhnlich, daß manihn aus der Bibel überzeugen solle, in welchem Falle ec seine Schriften mit eignerHand in das Feuer zu werfen bereit sei. Zn dem kaiserl. Edicte, welches in derFolge gegen ihn ergangen, heißt es, Luther habe die an ihn gestellte Ermahnungund Bitte mit so unbesonnener Rede und so unanständiger Miene des Gesichts undBewegung der Hände verworfen, die sich für einen Mann, der seiner mächtig undnoch dazu ein Priester sei, gar nicht gezieme. Am 19. April ließ der Kaiser denFürsten einen von seiner Hand verfertigten Aufsatz vorlesen, des Inhalts: Die ,Fürsten wüßten selbst, daß Karl von den christlichen deutschen Kaisern, von denkathol. Königen von Spanien, von den Erzherzogen von Ostreich und den Herzo-gen von Burgund abstamme, die sämmtlich bis auf den letzten Augenblick der rö-mischen Kirche getreu geblieben und allezeit Verfechter des kathol. Glaubens, derheiligen Ceremonien und Gebräuche gewesen; diese hätten ihm die kathol. Lehre undKirchenverfassung gleichsam erblich hinterlassen, nach welcher er bis dahin gelebtund auch zu sterben gedenke; da es nun an dem Tage liege, daß ein einziger Mönchsolche Sachen vortrage, die mit der Denkungsart aller Christen, jener sowol, welche !bis 1000 Jahre vor uns gelebt, als die noch wirklich lebten, nicht übereinstimm-len, und aus denen folgen würde, daß die ganze Christenheit sich bis daher geirrt:so sei er fest entschlossen, alle seine Länder, Freunde, Leib und Blut und das Lebenselbst dahin zu verwenden, daß dieses gottlose Unternehmen keinen Fortgang habenkönne, indem es sonst ihm und der deutschen Nation zur ewigen Schande gereichenwerde; er wolle demnach Luther keineswegs mehr hören, sondern entlassen, sodannaber gegen ihn als einen Ketzer verfahren. Noch wurde von einzelnen Fürsten Lu-ther ermahnt, sich nicht gegen die allgemeine Lehre zu empören; als endlich derKurfürst von Trier Luther den Vortrag machen ließ, ob ihm nicht selbst ein Mittelbekannt sei, wodurch Alles wieder in Ordnung gebracht werden könne, war seinLetztes, daß er mit Gamaliel (Apostelgesch. Cap. L) sagte: „Ist dieses Werk einMenschenwerk, so wird cs aus sich zergehen, ist es aber von Gott, so werdet IhreS nicht zerstören können". Luther wurde also heimgesandt, und am 8. Mai er-ließ der Kaiser das Wormser Edict, worin er Luther als einen Ketzer, nebst Allen,die ihm anhangen oder ihn schützen würden, in die Reichsacht erklärte; Niemand ^solle seine Bücher behalten oder verkaufen, sondern dieselben sollten vielmehr aller ^Orten vertilgt und verbrannt werden, auch solle man suchen, sich seiner Person zu ^bemächtigen und ihn so lange gefänglich anhalten, bis Karl weiter verordnen werde, !

NaS mit ihm anzusanaen. Indessen ward dieses Edict nirgends befolgt; Luther !