Protestantismus und Reformation (kath.)
Ehre nicht verdunkeln; allein Friedrich antwortete am 8. Dec. 1518, daß er indcS Eardinals Begehren nicht willigen könne, weil Luther noch keines Jrrthumsüberführt, und die neue Universität Wittenberg, wo Viele sich Luther's annähmcn,durch besten Entfernung Schaden leiden dürfte. Selbst eine dem Kurfürsten ge-schickte goldene Rose vermochte diesen nicht umzustimmen. Als kurz darauf durchden am 17. Jan. 15 l9 erfolgten Tod des Kaisers Maximilian 1. das Rcichsvica-riat in den Landen sachs. Rechtens auf den Kurfürsten fiel, stand der Verbreitungder Lehre Luther's nichts mehr im Wege, und sein System erweiterte und cvnsoli-dirte sich mit reißender Schnelligkeit. Die Wenigsten wußten, wovon eigentlichdie Rede sei; insgemein glaubte man, daß man die Kirche von den eingeschliche-nen Mißbräuchen reinigen wolle; auch war die Freiheit, die Luther versprach, einsüßer Name. Die Sittenlofigkeit und die Unwissenheit des größten Thcils derGeistlichkeit trug auch wesentlich zum Gelingender Reformation bei, denn wäh-rend durch solche Geistliche das Volk sich schlecht erbaut fand, traten aus der an-dern Seite so viele Geistliche, denen der Cölibat nicht zusagte, auf Luther's Seiteüber. Vergebens suchte der ingolstadtischc Prof. Joh. Eck Luther in einer zuLeipzig öffentlich gehaltenen Disputation zu überführen; sie stritten hauptsächlichüber die Freiheit des menschlichen Willens und das Ansehen des Papstes; Beideschrieben sich den Sieg zu. Was Eck vergeblich durch Gründe versucht hatte,wollte der in papstl. Diensten stehende Edle v. Miltitz in der Güte erreichen; alleiner erhielt von Luther weiter nichts als ein Schreiben an den Papst vom 6.April 1520, in welchem zwar Luther sagte, er habe für seine Person immergroße Hochachtung gehegt, zugleich aber sich dahin äußerte, der römische Hof seiso verderbt, als ehemals Sodom und Babylon, die Gottlosigkeit desselben habeden größten Gipfel erreicht, selbst der Antichrist könne sie nicht vermehren; es geheihm nahe, daß der Papst wie ein Schaf unter den Wölfen lebe, Rom sei der Ehrenicht werth, daß er ihn und andre rechtschaffene Männer an seiner Spitze habe.Zuletzt schlug er vor, daß der Papst seinen Feinden in ihren heftigen Anfällen aufihn Einhalt thun solle, zweitens daß man ihn nicht zwinge, seine Schriften zu wi-derrufen und die heil. Schrift nach einer vorgeschriebenen Regel zu erklären, end-lich aber, daß der Papst beiden Theilen das Stillschweigen auflege. Am 15. Juli1520 gab der Papst eine Bulle heraus, worin 41 aus Luther's Schriften gezogeneSätze verdammt wurden, mit dem Zusatz, obschon der Papst gegen Luther nun so-gleich als einen Ketzer verfahren könnte, so werden doch ihm und seinen AnhängernKO Tage gestattet, binnen welchen er umkchren, seine Schriften unterdrücken undseine Lehre öffentlich widerrufen solle; wenn er nicht gehorche, so thue er ihn hier-mit in dm Bann und befehle, ihn als einen Ketzer zu strafen. Luther wiederholtejetzt seine früher schon eingelegte Appellation an ein Concilium. Nun wurde derReichstag zu Worms durch den neu gewählten Kaiser Karl V. eröffnet; der papstl.Nuntius Alexander wohnte demselben bei, um die Vollstreckung der gegen Luthererlassenen Bulle zu betreiben. Die Fürsten glaubten Anfangs, es handle sich derdem Streite bloß um eine Demüthigung des Papstes, der sie gar nicht abgeneigtwaren, und es bedurfte einer dreistündigen Rede des Legaten, um dem Kaiser undden Fürsten begreiflich zu machen, daß es nicht bloß um den Ablaß und das In-teresse des Papstes zu thun sei, sondern daß Luther auch wirklich Neuerungen inGlaubenssachsn angcfangen und solche Sätze behauptet habe, die von der Kircheund ganzen Eoncilien seien verworfen worden; er zeigte zum Beweise die betreffen-den Stellen in Luther's eignen Werken vor. Allein da der Kurfürst von Sachsenandern Tags die Einwendung machte, daß man vor Allem sicher sein müsse, obdiejenigen Bücher, aus denen die von dem Nuntius vorgebcachten Sätze gezogenwären, auch Luther's Werke seien oder nicht, und dieses zu erfahren, ihn selbst hö-ren müsse, stimmten ihm die übrigen Fürsten insgesammt bei. Es ward beschlossen,
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