232 Pantomime
Mimik und Deklamation, auf welcher die Pant.beruht, nicht unbekannt, wenn auchder Name erst spater entstand und die Pantomimen noch nicht als selbständige Kunstauf der Bühne erschienen. Auch findet man bei ihnen, daß eine Person einen Charak-ter durch Gebärden und künstl. Bewegungen nach der Musik (dieses zusammenge-nommen nannten die Griechen die Römer saltrrtio) darstcllte, während
eine andre dazu declamicte. Auch war dies wegen des Umfangs der alten Theaterund der Entfernung der Spielenden von den Zuschauern, und bei der rhythmischenBewegung, welcher die Deklamation und Aktion gemeinschaftlich folgten, kaum be-merkbar und ausfallend. Ferner wurden wol einzelne Situationen und Menschen,besonders Auftritte lächerlicher Art, pantomimisch, z. B. bei Gastmählcrn, darge-stellt; aber die Pant. im eigentl. Sinne war ihnen fremd.—In Italien wurde derName Pantomime erfunden, und man bezeichnte früher mit demselben überhaupteinen Künstler, der Alles durch Gebärden nachahmt, inSbesondere einen Schauspieler,der nicht zugleich auch seine Rolle declamirt. Einen engcrn Sinn erhielt diesesWort, seit man theatral. Vorstellungen durch bloße Gebärdensprache gab, «altatiopantomimorum. Diese Gattung theatral. Vorstellungen wurde vorzüglich unterden ersten römischen Kaisern ausgebildet, zu einer Zeit, wo mit dem Verschwindender Volksfrciheit auch die theatralische Poesie zu verstummen anfing. Allein derGrund zu derselben war in Rom schon früher durch die Histrionen (s. d.) gelegtworden, welche mimische Tänze aufführten, obgleich späterhin dieser Name der Namealler Bühnenspieler geworden zu sein scheint. Wahrscheinlich ging die pantomimischeKunst von derpantomimischen Darstellung einzelner Scenen berühmter Schauspieleaus, auch stellte ein Mime mehre Rollen dar. Erst später findet man von Panlo-mimcngesellschaften Spuren. Die Pant. aber scheinen sich bei ihren Darstellungennicht bloß natürlicher, sondern auch willkürlicher Gebärden bedient zu haben; wenig-stens fand man schon früh für nöthig, den Inhalt Dessen, was sie durch stummesSpiel vorstellen wollten, durch Ausrufen dem Volke bekanntzumachen, wofür mansich in neuern Zeiten der Komödienzettcl bedient hat. Doch sieht man aus einemalten latein. Epigramm, in welchem gesagt wird, die Pant. haben so viel Zungen alsGlieder des Körpers, wieweit diese Kunst bei den Alten ausgebildet sein mochte.Von den Pant. sagt man: kabulsm «irltant (sic tanzen ein Stück, in der oben an-geführten weitern Bedeutung der »»Itatio), und ihr Spiel wurde von daktylischenFlöten begleitet. Mienenspiel konnte bei diesen Darstellungen ebenso wenig als beidem Schauspiele der Alten stattsindcn, weil die Pantomimen wie die Schauspielersich der Masken bedienten. Bathyllus (s. d.) und Pylades, die 2 größtenNebenbuhler in dieser Kunst, von denen der Elftere, der Schützling des Mäcen, imKomischen, der Andre aber mehr im Tragischen ausgezeichnet war, ferner Hylasu. A. machten unter August Epoche und gaben oft Veranlassungen zu Unruhenunter dem Volke, welches die Partei des Einen gegen den Andern nahm. Nacheiner gewöhnl. Meinung werden sie irrig als Erfinder dieses sogen, ital. Tanzes ange-sehen. Die Darstellungen der Pantomimen huldigten aber, besonders in der folgendenZeit, immer mehr der Unkeuschheit und Sittenlosigkeit; ja sie wurden, ungeachtetsie bei dem Volke in großer Gunst standen, doch wegen ihrer Ausschweifungen oftauS Rom und Italien verbannt. Zn ihrer Jugend wurden sie häufig zu Verschnit-tenen gemacht, weil man glaubte, daß sie dadurch eine größere Geschmeidigkeit desKörpers erhielten. Viele Schriftsteller des Alterthums rechnen aus diesen Gründendie Erfindung und Ausbildung der Pant., an welchen die Römer einen wahrhaftleidenschaftl. Antheil nahmen, unter die Ursachen der Sittenverdcrbniß im röm.Volke und Staate. Die alten theatralischen Pant. hörten wahrscheinlich mit demVerfalle des römischen Theaters im 5. und 6. Jahrh. allmälig auf. Bei den Ita-lienern , die wie alle südliche Völker in ihren Gebärden lebhafter und beredter sindals die nördlichen, erhielt sich jedoch diese Kunst immer in Übung und großer Theil-