Pantheon Pantomime 229
Benennungen Spinozismus und Pantheismus oft, aber fälschlich, gleichbedeutendgebraucht werden. M. f auch Ritter: „Die Halbkantianer und der Pantheismus"(eine Streitschrift gegen Jasche's „Pantheismus" rc.), Berl. 1827. Die Religio-nen des heidnischen Alterthums sind sammtlich in jenem Sinne pantheistisch, unddie Philosophcme der meisten griech. Philosophen haben diese Grundlage. 1'.
Pantheon (a. d. Griech.), im Alterthum ein Tempel, welcher allen oderden vorzüglichsten Gottheiten gemeinschaftlich gewidmet war. Am berühmtesten istdas Pantheon zu Rom, welches Agrippa, der Günstlings Augusts, auf dem Mars-felde allen Göttern erbaute. Es standen darin die Statuen des Mars und der Be-nus, welche Gottheiten man als die Grundkräste der Natur betrachtete. Agrippaweihte das Pantheon bei der Rückkehr des Augustus aus Ägypten dem rächendenJupiter. Dieses Pantheon wurde vom Papste Bonifaz IV. im I. 607 der Jung-frau Maria und allen Märtyrern gewidmet, weshalb es die Kirche 8t - Uariu allIttart^re» genannt wird. Die Hauptzelle für die Statue des Jupiter ist jetzt derHauptaltar. Noch häufiger nennt man es die Rotunda, weil es rund gebaut ist.Weine steinerne Decke ist gewölbt, und das Licht fällt von oben durch eine großeÖffnung hinein. Der gut erhaltene Porticus scheint von einer spätem Bauart alsder Tempel selbst zu sein; er enthält 16 Säulen von oriental. Granit, deren jede 15Fuß im Umfange hat. Das Innere des Tempels war mit den schönsten Bildsäulender Götter geziert, von denen die besten durch Konstantius nach Konstantinopel ge-bracht wurden. Jetzt befinden sich noch hier in 8 antiken Nischen ebenso viele schöneSäulen, welche Kaiser Hadrian setzen ließ. Die Höhe des Tempels ist gleich derWeite, nämlich 137 §. Der Durchmesser der Öffnung in der Kuppel beträgt 27 F.Der Fußboden ist mit Porphyr belegt. Das große kühne Werk macht einen wunder-baren Eindruck. Doch hat es durch die Beraubungen der Barbaren und einigerKaiser und Päpste außerordentlich gelitten. — Ein kleineres Pantheon zu Romwird nach Montfaucon für das Pantheon der Minerva meckioa gehalten. (S. Hirtim „Museum der Alterthumswissenschaft", l.Hst.) — Noch finden sich gut er-haltene Überreste eines prächtigen Pantheons, welches Kaiser Hadrian zu Athen er-bauen ließ, und das auf 120 Marmorpfeilern ruhte. Canova baute eine dem römi-schen Pantheon in der Anlage ähnliche Rotunde in s. Geburtsorte Poffagno.
Pantomime. Die mimische Kunst (s. Mimik) ist an ihrem angemessen-sten Platze, wo das innere Leben des Menschen auf die Gebärde einzuwirken unddiese unmittelbar zu erzeugen scheint. Aber in der Wirklichkeit erscheint die Äußerungund Mittheilung des Innern durch Gebärden, worunter wir hier sowol Bewegun-gen des ganzen Körpers und seiner Theile, z. B. Mienen, als auch Stellungen, ver-stehen, natürlich und gewöhnlich mit der Äußerung durch Sprache verbunden, undso leuchtet ein, daß auch Mimik und die Kunst der Deklamation ursprünglich zu-sammengchören, sowie sie denn, in ihrer höchsten und umfassenden Ausübung ver-einigt, die Schauspielkunst bilden. Durch Trennung beider könnte zwar jede fürsich auf den höchsten von ihr zu erreichenden Grad der Ausbildung gebracht werden,indem der Künstler, bei einem geringem Umfange seiner Kunstmittel, dem Einzelnengrößere Aufmerksamkeit und fleißigere Übung zu widmen vermag, aber die Betrach-tung und der Genuß ccsodern auf der andern Seite eine künstliche Abstraktion, ver-möge welcher man davon, daß jene Beiden bei vollkommener Äußerung des mensch-lichen Innern natürlich zusammengehören, hier aber nicht in dieser Verbindungerscheinen, absehen muß. Diese Abstraktion wird besonders dann begünstigt, wennder Künstler die Gebärde oder den mündlichen Vortrag so weit ausbildet, daß erdurch Anwendung eines dieser Kunstmittel das andre selbst zu ersetzen scheint; jadiese Abstraktion veranlaßt ihn selbst dazu, seinem mündlichen Vortrage den mög-lichst lebendigen Ausdruck zu ertheilen und die Gebärde gleichsam zur Sprache zuerheben, sowie Letztere« den Zuschauer und Hörer wiederum veranlaßt, dem Künst-