Druckschrift 
8 (1830) O bis Q
Entstehung
Seite
207
Einzelbild herunterladen
 

Palästra Palermo 207

sehen, wo bas Haus des Kaiphas, jetzt eine armenische Kirche, daS Haus derEinsetzung des heil. Abendmahls und der Ausgießung des heil. Geistes, jetzt eineMoschee mit türkischem Spitale, und Davids Palast in Ruinen stehen; südlichdaneben, im Thale Ben-Hinnon, sieht man den Blutacker und die Gräber derKönige; innerhalb der Stadt die Schmerzcnsstraße (via äolorosa), auf welcherJesus den Weg zum Tode ging, eine 500 Schrill lange Gasse vom Hause desPilatus, einer Ruine, bis zur Kirche des heil. Grabes. Diese Kirche, derenMauern alle Stätten, welche aus der Geschichte der Kreuzigung, des Begräbnis-ses und der Auferstehung Jesu bcmerkenswerth sind, umschließen, hält in der Länge126 und in der Breite 70 Schritte. Sie ist kreuzförmig gebaut und bildet Z Domeüber einer ungleichen Fläche. Geistliche von 8 Nationen und christlichen Reli-gionsparteien haben sich in ihren Besitz gctheilt uno verrichten darin ihren Gottes-dienst, jede nach ihrem Ritus: Katholiken, welche Franciscanermönche vom Klo-ster St.-Salvator zu Jerusalem sind, Griechen, Adyssinicr, Kopten, Armenier,Nestoriancr und Jakobiten, Georgier und Maronitcn. Die dienstthuenden Prie-ster und Mönche jeder Partei bleiben gewöhnlich 2 Monate lang in der Kirche, bissie von andern abgelöst werden; 200 Lampen brennen Tag und Nacht in den wei-ten Raumen dieses Gebäudes. Die Mauern desselben, an denen man die Grab-mäler Gotlfrieds und Balduins I. steht, scheinen noch seit Konstantin d. Gr. Zeitzu stehen, der innere Ausbau aber rührt von den Kreuzfahrern her. Diese Kircheist 1803 den 12. Oct. durch Brand beschädigt worden. Die Capelle des heil.Grabes blieb unversehrt, und auch die mit Blei gedeckte, bei diesem Brand einge-stürzte Kuppel hat man jetzt wiedechergestellt. Ansichten von Palästina gab E. F.K. Rosenmüllec nach Ludw. Mayr'S Ociginalzeichnungen, Leipzig 1810, heraus.Belehrend ist auch Mapr'sReise nach Konstantinopcl, Ägypten, Jerusalem rc."(2. A, St.-Gallen 1810), und Röhr'sPalästina re." (5. A., Zeitz 1829). k.

Palästra, s. Gymnasium.

Palatinus heißt der vornehmste ungarische Reichsbaron oder Magnat,der auf dem Landtage von den Ständen aus 4, vom Könige vorgeschlagencnMagnaten erwählt wird, um in allen wichtigen Staatsangelegenheiten die Stelle desKönigs zu vertreten und zwischen diesem und dem Volke Vermittler zu sein. Auchist er Präsident in dem hohen statthalterschaftlichen Rathe, bei der Seplemviral-tafel (d. h. demjenigen Theile des adeligen Obcrgerichks oder höchsten Justizhofes,der über Appellationen entscheidet); er hat endlich den höchsten Rang unter allenStänden, den Erzbischof von Gran ausgenommen. Bon 1765 an bis zu Jo-sephs kl. Tode (1790) blieb die Stelle unbesetzt; cs wurde, wie dies schon zuweilenvorher geschehen war, ein bloßer Statthalter in dem Herzoge Albert von Sachsen-Teschen ernannt; Leopold !l. machte den Beschwerden der Nation hierüber durchdie Wahl eines neuen Palatins ein Ende. Gegenwärtig bekleidet die Würde derErzherzog Joseph Anton, Bruder des Kaisers Franz, geb. 1776. (S. auchPsalzgraf.)

Palermo, Hauptst. des Könige. Sicilien und einer Intendanz gl. N., aueinem kleinen Meerbusen, ist groß, schön gebaut und wohl befestigt. Der Hafen,in den jährl. 500 fremde Schiffe cinlaufen, wird durch 2 feste Schlösser beschützt.Die Zahl der Ei,iw., früher 200,000, ist auf 160,000 gesunken. Zu den vorzüg-lichsten Gebäuden gehören: der Palast des Vicekönigs, der Palast des Erzbischofs,das große Ho pital, das St.-Elarenkloster, das ehemal. Profeßhaus derJesuiten.dieDomkirchc, das NathhanS und mehre aus Marmor und Alabaster erbaute präch-tige Kirchen und Thore. Die 2 Hauptstraßen kreuzen sich in der Mitte der Stadtund bilden ein regelmäßiges Achteck, Piazza Villena, das mit sehr schönen Gebäudengeziert ist. Sowol das Pflaster als die nächtliche Beleuchtung sind vortrefflich.Die 1394 gestiftete Universität ^Acrademia Reale) hat eine beträchtliche Bibliothek