158 Ostreich (Gesch. von 1246—82)
Herzoge Heinrich ward Wien die Residenz. Sein Sohn, Herzog Leopold VI,erhielt durch Belehnung vom Kaiser Heinrich VI. 1192 das Herzogthum Steier-mark, welches Kaiser Otto l. ebenfalls durch jenen Sieg über die Ungarn (955)erworben hatte. Dieser Herzog ließ den K. Richard Löwen Herz (s. d.) gefan-gen nehmen. Bisher war die Residenz in der Burg auf dem Kahlenbcrge, unweitWien, gewesen. Leopolds jüngerer Sohn, Herzog Leopold VII., baute sich aberin der Stadt Wien selbst einen Palast, der noch heutiges Tages u. d. N. der altenBurg von den Monarchen Ostreichs bewohnt wird. Leopold VII., mit Recht derGlorreiche genannt, stiftete das Hospital zum heil. Kreuz und verlieh der StadtWien, die eine städtische Verfassung erhalten hatte (1198), das Stapelrecht, in-dem er ihr zugleich zur Beförderung des Handels 30,000 Mark Silber vorschoß.Vom Hochstiftc Freisingen kaufte er einen Theil von Krain für 1650 Mark(1229),und hinterließ das Land dem jüngsten seiner 3 Söhne, Friedrich II. dem Streit-baren, in einem blühenden Zustande. Allein dieser wurde, weil er sich mit denlombardischen Städten gegen den Kaiser Friedrich II. verbunden hatte, 1236 mitder Reichsacht belegt, und Herzog Otto von Baiern riß das Land ob der Ens (bisauf Linz) an sich. Das übrige Land gab der Kaiser als eingezogencs Lehen einemMarkgrafen, und Wien wurde eine Reichsstadt. Doch bemächtigte sich HerzogFriedrich während des Kaisers Zug nach Italien des größten Theils seines Landeswieder, und der bedrängte Kaiser bestätigte ihm zu Verona 1245 seine Vorrechteaufs Neue. Das reichsstädlische Privilegium Wiens wurde vernichtet; Friedrichsollte sogar die königl. Würde für Ostreich und Steiermark erhalten, als sein Fallin der Schlacht an der Leytha gegen König Bcla IV. von Ungarn (15. Juli 1246),im 35. I. s. ihatenrcichen Lebens, diese Hoffnungen vernichtete. Mit ihm erloschder Mannsstamm des babenbcrgischen Hauses. Die folgende Zeit von 1246—82heißt das östr. Interregnum. Kaiser Friedrich il. erklärte nämlich Ostreich undSteiermark als erledigtes Reichslehn für ein Erbgut der deutschen Kaiser, undsetzte einen Statthalter nach Wien, dessen reichsstadtischc Rechte wieder erneuertwurden. Aber die weiblichen Verwandten des verst. Herzogs Friedrich, seineSchwester Margarethe (Witwe Kaisers Heinrich VI.) und seine Nichte Gertraud(die nach der Trennung von ihrem ersten Gemahle, dem Markgrafen Wladislawvon Mähren, sich mit dem Markgrafen Hermann von Baden, Statthalter Kai-sers Friedrich in Ostreich, vermählt hatte) erhoben, vom Papste Jnnoccnz IV. auf-geregt (1248), Ansprüche auf das Erbe ihres Bruders. Markgraf Hermann,vom Papste und einer starken Partei unterstützt, bemächtigte sich Wiens und meh-rer östr. Städte; in Steiermark leistete ihm der Statthalter, Graf Meinhard vonGörz, Widerstand. Hermann starb aber schon 1250, und sein Sohn Friedrich,der in der Folge mit Konradin von Schwaben zu Neapel (1268) enthauptetwurde, war erst ein Jahr alt. Da nun verschiedene Parteien das Land verwirr-ten, und Kaiser Konrad IV. durch den Kampf mit seinem Gegenkönig abgehal-ten war, an Ostreich zu denken, so faßten die Stände von Ostreich und Steier-mark 1251 den Entschluß, einen von den Söhnen der zweiten Schwester Friedrichsdes Streitbaren, Constantia (Gemahlin des Markgrafen Heinrich des Erlauchtenin Meißen), zum Herzoge zu ernennen. Schon waren ihre Abgeordneten nachMeißen auf dem Wege, als sie bei ihrer Einkehr zu Prag vom Könige Wenzeslawüberredet wurden, seinen Sehn Ottokar zum Herzoge von Ostreich und Steier-mark zu erklären, welcher auch durch Waffen, Geld und die Vermählung mit derverwitweten Kaiserin Margarethe seine Ernennung zu unterstützen wußte. Ottokarentriß Steiermark dem Könige Bela von Ungarn, durch den Sieg im Marchfelde(Juli 1260), und ließ sich 1262 von dem römischen Könige Richard mit beidenHerzogthümern belehnen. Darauf sielen ihm durch das Testament seines VettersUlrich, des letzten Herzogs von Kärnthen und Friaul (gcst. 1269), das Herzog-