148 Ostindische Compagnien, holländische
sehen Rechten cingeräumt wurde, jedoch so, daß die bisherigen einzelnen Gesell-schaften in einer gewissen Absonderung erhalten wurden, und jede der 6 Städte:Amsterdam, Middelburg, Delst, Rotterdam, Horn und Enkhupsen, welche dieersten Versuche gemacht, oen Handel von ihren eignen Häfen aus zu betreiben be-fugt blieb. Diese Handelsgesellschaft begann ihr Geschäft mit den vereinigtenFonds von 64 Milt. Gldn.; 65 Direktoren (Bcwindhebbcrs), unter den verschiede-nen Kammern nach Verhältnis der beigctragenen Gelder vertheilt, sodaß aufAmster-dam 25, auf Middelburg 12, und auf jede der 4 übrigen Städte 7 kamen, besorg-ten in ihren besondcrn Häfen die Ausrüstung der Schiffe, ein Ausschuß von 15 Di-rektoren, nach gleichem Vcrhältniß zusammengesetzt, die allgemeinen Geschäfte. Als1622, bei Gelegenheit der Frage über die Erneuerung des Fceiheitsbricfes der Com-pagnie, die Erfolge ihrer Unternehmungen von den Generalstaaten untersucht wur-den, ergab sich, daß sie in den 20Jahren ihres Daseins 30Mill. Gldn., d. h.mehrals das Vierfache ihres Grundkapitals, unter die Inhaber der Aktien verthcilt, unddas Capital selbst noch außerdem durch Colonialanlagen, Befestigungen, Schiffeu. andres untheilbares Eigenthum unermeßlich vermehrt hatte. Diese bewunderns-würdigen Resultate können nicht befremden, da der Zustand von Ostindien in allenRücksichten dem Republikaner und Protestanten günstiger war als dem monarchi-schen Katholiken. Waren die Feldherren der Portugiesen von dem Grundsatz aus-gegangen, daß ohne feste Begründung militairischer Macht und ohne religiösesEinverständniß des Unterworfenen mit seinem Herrn ein dauerhaftes Handels-vcrhältniß nicht möglich sei, und war dieser Grundsatz durch ein ganzes Jahrh. vongeschickten und ungeschickten Händen, oft mit Weisheit, öfter mit der menschen-feindlichsten Härte angewendct worden: so mußten wol die Holländer, bei ihrerGleichgültigkeit gegen die sittlichen Verhältnisse der Völker, mit ihrer kräftig gelei-teten Handelspolitik anfänglich überall die günstigste Aufnahme finden. Daß sie inihren ersten Unternehmungen auch den Engländern den Rang abliefen, lag nichtnur in ihrer Überlegenheit zur See, in dem jugendlich republikanischen Geiste desMutterlandes und in dem größer» Umfang ihres Capicals, sondern vielmehr darin,daß sie von Anfang an mit vereinigtem Capital handelten, während die erste eng-lisch-ostindische Compagnie bis 1610 ein bloßer Jnnungsverein blieb, in dem jederTheilnehmer sein Geschäft abgesondert betrieb und nur gewissen allgemeinen Vor-schriften, sowie der Verpflichtung, sich der Schiffe der Compagnie zu bedienen,unterworfen war. In Betreff der augenblicklichen Wirkung mußten die neuenGeldcorporationcn, wovon die holländisch-ostindische Compagnie das erste großeBeispiel aufstellte, den alten persönlichen (Jnnungs-) Corporationen den Rang ab-lauscn, wenn auch der spätere Erfolg gelehrt hat, daß eine bloße Geldmacht ohnedie völlige Hintansetzung aller Menschlichkeit nicht zu behaupten ist, sowie andrer-seits die ersten portug. Eroberer selbst in den Augen aufgeklärter Holländer undEngländer wenigstens insoweit Recht behalten haben, daß alle Weltherrschaft derEuropäer in Indien unsicher bleibt, so lange sie nicht auf einem sittlichen, recht-lichen und religiösen Einverständnisse mit den Urbewohnern jenes Landes beruht.Der Freibrief der holländisch-ostindischen Compagnie wurde bis 1644 verlängert;Batavia, für den Verkehr mit den Gewürzinseln, dem Hauptgcgenstande des indi-schen Handels, äußerst vorthcilhaft gelegen, war gegründet; 34 — 41 befrachteteSchiffe liefen jährlich von Holland nach Indien aus, 25 — 34 Frachtschiffe kehr-ten im Durchschnitt zurück. Der Handel mit Japan gewann täglich an Ausdeh-nung, und die Ausbreitung der portug. Macht in Brasilien seit der Thronbesteigungdes Hauses Braganza, obwol sie der holländisch-westind. Gesellschaft den empfind-lichsten Verlust brachte, förderte die Angelegenheiten der ostindischen, weil sie, dieganze Aufmerksamkeit der Portugiesen auf Amerika ziehend, den Holländern inÄsten desto freiem Spielraum ließ; l64l ging Malakka, die Hauptsi. des portug.