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8 (1830) O bis Q
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144 Ostern Ostfriesland

und den bisherigen Kaiser, ein Kind von einigen Monaten, zu ihrem Thronfolgererklären wollten. Dies wurde aber durch die Thronbesteigung der Elisabeth amEnde des Jahres 1741 vereitelt. Diese schwache Fürstin ließ sich von ihren Mi-nistern und Höflingen überreden, den Grafen O. und mehre Andre verhaften undvon einer Commission zum Tode verurtheilen zu lasten. Schon hatte O. dasBlutgerüst bestiegen, als ihm angekündigt wurde, daß die Kaiserin seine Strafein Verbannung verwandle. Seine Gemahlin, eine geb. StreSneff, sowie seineDienerschaft, folgten ihm nach Bcrcsoff in Sibirien. Seine Tochter und seine2 Söhne blieben zurück. Er lebte noch 5 Jahre und starb 1747. O. hatte«inen weitumfassenden, aufgeklärten Verstand, besaß eine nie trügende Be-urtheilungskraft und Menschenkunde, und zeigte in allem seinen Thun ein fei-nes Zartgefühl. Seine Zwecke verfolgte er trotz aller Hindernisse. Er war un-tadclhaft in seinem Lebenswandel, geschäftig, unbestechlich und treu, in denWissenschaften nicht unerfahren, besonders mit seltenen Sprachtalenten ausge-rüstet, ein Beschützer des Verdienstes und der Gelehrsamkeit, und als Staars-mann unübertroffen in der Kenntniß der europäischen Höfe und ihrer Verhält-nisse unter einander. Dabei war er aber mißtrauisch und auf jedes Talent, das.ihm den Rang streitig machen zu können schien, eifersüchtig. Seine Leidenschaf-ten wußte er ebenfowol zu beherrschen als seine Meinung in schwierigen Fälle»geschickt zurückzuhalten. O.'s Söhne, welche kinderlos waren, adoptirten ihrerSchwester Söhne, die seitdem Tclstop-Ostermann (ihr Vater war der Gene-ral Tolstop) heißen und sich in Hof-, Civil- und Militärdiensten rühmlich aus-zeichnen. Im Kriege 1813 ward der Name Ostcrmann bei Kulm (s. d.) vonNeuem berühmt.

Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu, hat wahrscheinlich seine deutscheBenennung von dem Feste der GöttinOstera, welches die alten Sachsen in dem-selben Zeitpunkte des Frühlings zu feiern pflegten, in welchen das christliche Oster-fest fällt. Mit dieser Erklärung besteht sehr wohl die Adelung'sche Meinung, daßOstern von dem veralteten Worte: oster, osten, abzuleiten sei, worin der allge-meine Begriff des Aufgehens und Auferstehens liegt, wie in dem Namen jenerGöttin, welche unfern Vorfahren die Schöpferin des Wiederauflebens der Natur imFrühlinge war. Mit dem Cullus, der ihr vor Einführung des Christenlhums ge-widmet wurde, hängen die Namen der Osterwälder, Osterberge und dieabergläubischen Gebräuche des Osterfeuers, der Ostereier ic. zusammen.Der seit der Mitte des 2. Jahrh. mit vieler Heftigkeit zwischen den orientalischenund occidentalischen Christen geführte und mehre Male erneuerte Osterstreit, worinjene nicht aufhören wollten, dieses Fest mit den Juden zugleich zu feiern (s. Pas-s a h), und diese daraufdrangen, es ohne Passahmahl, und nur von einem Sonntage(als dem AuserstehungStage Jesu) an, zu begehen, wurde auf derKirchcnversammtung zu Nicäa nach der Meinung der Letzter» entschieden. Über die Art, wie dieZeit dieses Festes für jedes Jahr bestimmt wird, s. Calender. 17

Österreich, s. Ostreich.

Ostfriesland, gegenwärtig die Landdrosiei Aurich (54 H)M., 145,000Einw., meistens Lutheraner), eine Provinz des Königreichs Hanover, die an Ol-denburg, das Königreich der Niederlande und d>'e Nordsee grenzt. Hier ergießt sichdie schiffbare Ems durch den Dollart, einen 2^ HjM. großen Meerbusen, in dieNordsee. DaS Land ist eben und niedrig und muß durch Deiche gegen die Ein-brüche der Nordsee geschützt werden. Die Sturmflut (s. d.) am 3. u. 4. Febr.1825 überströmte 500,000 Morgen des Marsch- und Polderlandes. Der Scha-den betrug über 1,500,000 Thlr. Längs der Küste ist sehr fruchtbarer Marschbo-den, <ruf welchem Viehzucht und Ackerbau blühen. Im Innern ist der BodenGrasland, doch gibt es viele Moore. Das Klima ist feucht und nebelig, das Land