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Ossian
' über Ossian inVater's 2. Thl. vonAdelung's„Milhridat", welche schon in, „Deut-schen Mercur" gestanden hatte); 2) daß solche unmöglich 14 Jahrh. mündlich hät-ten fortgepflanzt werden können; und 3) wenn auch dieses möglich Ware, nichtmehr so verständlich sein würden —, können nicht wohl ausgewogen werden durch dieBemerkungen, wodurch man ihre Echtheit vertheidigt, daß diese Gesänge einenjüngern Ursprung nicht vcrrathcn (z. B. nichts vom Christenthume), vielmehr indie ganz alte Zeit, sowie in die natürliche Beschaffenheit der Hochländer paffen;daß sie von ganz andrer Art sind als die jüngern irländischen und englischen Balla-
- den; daß Macphcrson unmöglich in so kurzer Zeit so viel Gesänge habe Hervorbrin-gen können, noch viel weniger (da er zu wenig gälisch gekonnt) sich gälische Origi-nale (wie er zum Theil hcrausgegcben, z. B. den 7. Gesang von „Temora", 1763)machen; daß er bei so schönen Gedichten gewiß den Ruhm nicht einem Andern zu-gcwendet und sein eignes Verdienst vcrläugnet haben würde, wäre er selbst derVerfasser; und daß ihre lange Erhaltung, bei der Vorliebe der Hochschotten fürihre alte Heldenzeit, für die Anstalt der Bardcnschulen und bei der einem Volke,das keine Büchcrgelehrsamkcit hat, ohnehin eignen Stärke deS Gedächtnisses mög-lich gewesen sei. Schon 1797 setzte die edinburger Alterlhumsgescllschaft eineCommission zur Untersuchung dieses Gegenstandes nieder. Es ergab sich (s. Hein-rich Mackenzie s „Ibeport ok tlie Oommitteo oktbv HiglllamI", Edinburg 1805),daß in Irland Sagen von jenen Helden mündlich fortgcpflanzt würden, auchfanden sich mehre Handschriften mit alten Balladen. Solche Sagen und Bal-
* laden, die von Barden, wie sic erst seit 1746 aufhörtcn, als nach der Schlachtbei Cullodcn die hochländische Verfassung aufgehoben ward und die Schotten ihreSitten zu ändern ansingen, nach alten Sagen und im Geiste der alten Zeit gesun-gen wurden, hielt man nun für die Grundlage, auf welche Macphcrson seine Os-sian'schcn Poesien gebaut habe. Macphcrson hat sie frei übersetzt, willkürlich ver-bunden, ergänzt, veredelt, verfeinert, verschönert, auch entstellt. Daß die längemHeldengcdichte „Fingal" und „Tcmvra" in dieser Gestalt vom alten Ossian herrüh-ren sollten, daran ist noch weniger zu denken. Eine epische Einkleidung ist den Ori-ginalen ganz fremd. Sie sind von Macphcrson aus kleinen poetischen Erzählungenzusammengesetzt worden, die man auch wieder einzeln lesen muß, wo sie danntreffliche Rundung, überschaubare Kürze und Vollendung haben. Die Haupt-handlung im ganzen Balladenkceise ist Fingal's Rettung Erins oder Irlands von
» dem Angriffe des stolzen Königs Swaran von Lochlin (wahrscheinlich Norwegen).Hierdurch macht es Friedrich Schlegel („Deutsches Museum", 1. Bd.) sehr wahr-scheinlich, daß die Ossi'an'schen Gedichte in das Zeitalter der Normannen fallen.„Ossian", sagt er, „ist wie der traurige Nachhall eines erlöschenden Volks, soauch der letzte schwindende Schatten eines untergegangencn Glaubens alter Göt-terlchre". Mag man nun immer an Macphcrson tadeln, daß er wahrscheinlich ausVerblendung und mißverstandenem Patriotismus die Ossian'schcn Gedichte in dieZeit der Römer hinaufschob, und daß er die zum Grunde liegenden alten gälischenGesänge bisweilen schlecht übersetzt und entstellt habe (wie Sinclair und Ahlwardtgezeigt), so gebührt ihm immer großer Dank, theils wegen des Hervorziehcns und
- der Verbreitung jener allschottischen Volksgesänge (die vielleicht bald nach und nachverloren gegangen wären, da die Schotten ihre alten Gewohnheiten immer mehr
i verlassen), theils wegen seines eignen poetischen Verdienstes bei der Einkleidungderselben. Die von Macphcrson herausgeg. Gesänge wurden mit Begeisterungausgenommen und in die meisten europäischen Sprachen übersetzt, in die französischevon Le Tourneur (Paris 1777), von Lombard (Berlin 1789), von Zangurü(Paris 1801); in die spanische von Orlin (Valladolid 1788); in die italien. vonCesarotti (Padua 1773 u. 1774); in die Holland, von Bilderdyk (1806) und in diepolnische von Krgstcki; am öftesten von den Deutschen, die auch oft das Englische