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Occidentalisches Kaiserthum
dass sie dem Feidherrn einen Einfluß hätten gestatten sollen, der dem Günstlingeso gefährlich werden konnte. Arcadius selbst mochte es auch vorziehen, dem Höf-linge und der schönen, schmeichelnden Gemahlin sich hinzugebcn, als dem kraftvol-len Ernste des Heerführers, und sich der weisen, ihm jedoch unbequemen Leitungeines Mannes zu überlassen, der des Vaters Stelle zu ersetzen wohl verstand.Man wusste sich der Anhänglichkeit der Truppen und ihres Befehlshabers, Gai-uas, zu versichern, und nachdem man Alles versucht hatte, um Stilicho in der öf-fentlichen Meinung zu stürzen, gelang es, wider ihn ein Decret des Senats vonKonsiantinopel zu erhalten, wodurch er für einen Feind des Reiches, und seiner,in den Grenzen des Orients liegenden großen Besitzungen für verlustig erklärtwurde-, meuchelmörserische Anschläge auf sein Leben glückten aber nicht. DieseFeindseligkeiten gegen den Verwalter der occidentalischen Regierung gaben das ersteZeichen zur Trennung beider Reiche, und des vorsichtigen Thcodos weise Absichtenscheiterten an den Leidenschaften einiger wenigen Menschen und an der Schwächeseiner jungen Söhne, welche jene nicht zu zügeln vermochten. Wol hätte Sli-licho, ccr berühmte Feldherr, sich vielleicht mit dem Schwerer den Weg zu demPalaste des Arcadius bahnen können, doch das schreckhafte Bild eines durch ihnerregten Bürgerkriegs hielt den Ehrgeiz des sonst wackcrn Mannes zurück; er wid-mete sich nun einzig den Angelegenheiten seines Mündels Honorius, der Negierungdes Abendlandes. Nachdun der aufrührerische Statthalter in Afrika, Gildo,durch dessen eignen Bruder, den maurischen Prinzen MaScczel, der die Ermor-dung zweier Kinder an seinem tyrannischen Bruder zu rächen hatte, besiegt, undsein eigner Feldzug in Griechenland gegen die Gothen beendigt war, vermahlte er-sinne Tochter Marie ihrem Vetter, dem 14jährigen Kaiser Honorius (393 nachEhr.,, welche jedoch 10 Jahre darauf und, wie die Geschichtschreiber versichern,noch als Jungfrau starb. Zwei Jahre nach jener Vermählung kam ein Unglücküber Italien, das Stilicho nur auszuhalten, nicht abzuwenLen vermochte. Ala-nch, König der Wcstgcuhen, durch Stilicho im Jahr 307 an der UnterjochungGriechenlands gehindert, beschloss, sich dafür zu rächen, und fiel 400 in Italienein. Honorius flüchtete aus seiner Residenz Mailand in das feste Aster am Lana-rus (jetzt Afli). Schon mußte er, darin belagert, sich den Antrag einer schimpfli -chen Capi'tulation gefallen lassen, als Stilicho, der die z-rflreuten abendländische»Truppen gesammelt hatte, durch die Fluten der Adda schwamm und Italien rettete.Alarich's Lager (bei Pollcntia), mit diesem die zusammengccaubten Schatze Grie-chenlands , und Alarich's Gemahlin wurden die Beute der Sieger. Dennoch zogder gokhische König auf Rom. Vergebens bot ihm Stilicho die Rückgabe seinerSchätze und seiner Gemahlin an, um ihn zum Rückzuge zu bewegen. Es kam da-her zu einer zweiten Schlacht bei Verona (403), und Alarich sah sich nach einergänzlichen Niederlage, in der er fast selbst umgekvmmcn wäre, gezwungen, Italienzu räumen. Honorius, au seiner Seite der ruhmgekrönte Stilicho, zog (404) imTriumph in das alte Rom ein, das jubelnd seinen Kaiser empfing, und verewigtedas Andenken feiner Anwesenheit in dieser Stadt durch ein Edict, welches die Fech-terkämpsi bei den öffentlichen Spielen aufhob. Nach einem Aufenthalte von einigenMonaten verließ Honorius Nom, um in dem festen Ravenna sicherer zu wohnen.Zwei Jahre spater brach Rhadagais, an der Spitze von 200,000 deutschen, sar-matischcn und andern Kriegern, über die Alpen herein und drang bis Florenz vor.Stilicho, der sich bis dahin nur mit der Bildung eines Heeres beschäftigt hatte,ohne die Verwüstungen der Barbaren verhindern zu können, eilte mit dem kaum40,06!) Mann starten und letzten Heere des seinem Verfalle immer mehr sichnähernden Reichs herbei, schloß durch eine Kette von Vcrschanzungeu das Heer des-Rhadagais ein, versah das bedrängte Florenz mit Lebensmitteln, wahrend die Bar-baren allmälig ausgehungert wurden, und ließ endlich, in einem allgemeinen An-