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2 (1830) Bo bis C
Entstehung
Seite
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Calais Calas 373

daß sie die Frauen immer cingesperrt halten und sehr hart behandeln. Bei einerdurchaus mangelhaften Justizpflege ist der Hang zu Processen und Chikanen allge-mein Die Geistlichkeit ist ebenso unwissend als verdorben, und der Aberglaubeherrscht in allen Classen; selbst der Räuber trägt Reliquien auf der Brust, welche erim Augenblicke der verbrecherischen Thal um Beistand anruft. Übrigens haben dieCalabresen viel Geist, den sie entweder dem Klima verdanken oder von den altenGriechen empfangen haben. Ihre Sprache, ein verdorbenes Italienisch, ist schwerzu verstehen, aber voll origineller und bezeichnender Ausdrücke. Die einigermaßengebildete Classe drückt sich mit einer genialen Leichtigkeit und Wärme aus. IhreMimik ist äußerst lebhaft und verständlich. Ihre Überredungskunst ist einnehmend,und führt diese nicht zum Zwecke, so rachen sie sich durch Mord. Die Natur hatAlles für die Calabresen gethan: sie sind wohlgestaltet, muskelkräftig, bräunlichvon Farbe; sie haben sprechende Züge und Augen voll Feuer und Ausdruck; aberim Herzen glühende Leidenschaft und im Kopfe verwildert, sind sie, die Saldenund die Corsen Europas Wilde. Der Verwaltung nach wird das Land ein-getheilt in Calabria eitra (das nördlich) und in Calabria oltra I. und H. (das süd-lich gelegene). Dort istCosenza (15,000 Einw.), Hauptst. der alten Bruttier,am Busentio, unter dessen Bette Alarich 411 begraben wurde; hier Reggio (16,500Einw.) und Catanzaro (11,000 Einw.) die Hauptst. Diese allein sind unter denwenigen Städten durch Manufakturen und Handel bedeutend. Seidenfabr. hatauch Monteleonc(dasgriech. Hipponium, beiden Römern Vibona, jetzt 15,000Einw., Trümmer eines Eerestempels); Handel hat die Hafenst. Crotone. DieStadt Gcrace ist aus den Trümmern von Locri erbaut. Piz; o (das alte Nepe-tia), wo Murat am 13. Oct. 1815 ergriffen und erschossen wurde, heißt daher dieallergetreueste Stadt und ist von allen bürgerlichen Steuern und Consumtionsabga-ben befreit. Von dem Erdbeben, das im Febr. 1783 das südliche Calabrien ver-wüstete, 300 Städte und Dörfer zerstörte und 30,000 Menschen begrub, siehtman noch jetzt viele Spuren. (Vergl. Bartel'SBriefe über Calabrien", Götting.178792;8ejour «l'un ollicier trangai» en Calabre", Paris 1810, und desv. Joh. Heinr. Westphal aus Schwerin (u. d. N. Justus Tommasini)Spazier-gang durch Calabrien und Apulien" (Konstanz 1828). 20.

Calais, französ. Seestadt an der Meerenge, welche England von Frank-reich trennt und von den Franzosen derPasdeCalais (daher der Name des De-partements), auch la Manche, von den Engländern aber the British Channel genanntwird. Die stark befestigte Stadt wird noch durch eine Citadelle und das Fort Nieuveletgedeckt. Sie hat 8500 E. und einen Hafen, der aber für große Schiffe zu seicht,und nur deßhalb wichtig ist, weil von hier aus in Friedenszeiten wöchentlich 2 MalPaquetboote nach Dover abgehen und von daher zurückkommen. Die Überfahrtdauert über den 6 geogr. Meilen (128,214 Fuß) breiten Canal, nach eingeführtenDampfböten, selten 5 Stunden. 1346 wurde Calais vom König Eduard IH. vonEngland nach einer tapfern Vertheidigung, die die Belagerung von Calais zu einerder merkwürdigsten in der Geschichte macht, erobert; die Engländer blieben bis1558 in ihrem Besitze, und Calais ging zuletzt unter allen englischen Besitzungenin Frankreich verloren. Im Hafen erinnert eine Denksäulc an die Rückkehr Lud-wigs XVIII. am 24. Apr. 1814. Im 1.1819 sind hier 15,577 Reisende ansLand gestiegen, und 11,033 haben sich cingeschifft.

Calandra, s.Mosaik.

Calas (Jean). Dieser unglückliche Mann, der als ein Opfer der durchFanatismus parteiisch geleiteten Justizpflege auf dem Blutgerüste starb, war d. 19.Marz 1698 im Flecken Lacaparöde bei Chartres in Languedoc geb., in der prote-siant. Religion erzogen und hatte sich als Kaufmann in Toulouse niedergelassen. Erhatte 3 Sohne und 3 Töchter, die er selbst erzog, und stand wegen seiner Rechtschaf-