Byzantinische Kunst 34S
köstlicher Mosaik aus Gold und Steinen, welche die Scenen der LeidensgeschichteJesu darstellte, war auch, nach Eusebius, das Dach des Palatiums in Konstanti-nopcl verziert; sowie eine andre, welche Justinian in Ehalcis verfertigen ließ, Be-gebenheiten aus dem vandalischen Kriege darstellte. Unter allen Mosaiken wardie berühmteste diejenige, mit welcher das Innere der Sophienkirche in Konstan-tinopel ausgeschmückt wurde, und wovon bis auf die neuere Zeit sich noch Über-reste erhalten haben. Überhaupt aber neigte sich der Geschmack in diesen Zeitenmehr zu musivischer Arbeit als zur Skulptur hin, weil jene durch Werth und Far-ben der Steine reizen konnte. Die Bildncrei zeigte sich immer mehr als verzieren-des Beiwerk an Altären, Tabernakeln, heiligen Gefäßen und Urnen, die man auskostbarem Marmor verfertigte. Auch erhielt sich noch lange die Steinschneidekunst.(S. Byzantiner.) — Inder Malerei, die man in der Mosaik nachahmte,liebte der Geschmack jener Zeit vornehmlich Gold und lebhafte Farben, dagegenman um Kunst und Wahrheit weniger bekümmert war; doch bildete sich in derbyzantinischen Malerei zunächst der Keim einer christlichen Kunst aus. Die idea-len Bildungen menschlicher Gestalten, welche die alten griechischen Künstler inihren Meisterwerken aufgestellt hatten, mußten die christlichen Künstler aufgeben;ein andrer Sinn und Geist sollte sich in ihren Werken aussprechen, der nicht an dasverhaßte Heidenthum erinnerte. Aber erst allmälig entwickelte sich die Norm einervon der Antike abweichenden bildlichen Darstellung des Heilandes, der Mutter Jesuund seiner Apostel. Die Künstler, welche hier nichts Gegebenes vor sich hatten,sondern aus ihrer Phantasie schaffen sollten, was der äußern Erscheinung geheiligterPersonen würdig wäre, konnten mit ihrer rohen und ungeübten Kunst nur andeu-ten, nicht kunstgemäß ausführen. Nach langem Umherirren schloß man sich inder Darstellung Jesu und seiner Apostel näher an die jüdische Nationalbildung an;in Haltung, Gestalt, ja zuweilen auch in den Mienen hielt man sich an das Äu-ßere verehrter Bischöfe, und bildete sie mit aufgehobenen, segnenden Händen,oder die Hand an der Brust, oder mit einem Buch in der Hand. So entstandendie ersten Züge in der malerischen Darstellung jener in der christlichen Kircheheilig geachteten Personen. Die Mosaik ahmte dieselben nach, in Marmor aberwußte man sie nicht auszubilden; auch eignen sich die Gegenstände der christlichenReligion überhaupt mehr für die Malerei, welche das Innere zu einem Äußernmacht und den Ausdruck der Gemüthswelt in der Lichterscheinung gibt, als diePlastik, welche das Äußere zum Jnnem erhebt. (S. Modern.) Da man sich in-dessen um Naturwahrheit und Ausführung weniger kümmerte, sondem sich be-gnügte, das einmal Gelungene zu wiederholen, so läßt sich erklären, warum manbald gewisse, durch irgend eines Künstlers Autorität ausgestellte und von dem Ge-schmack- der Zeit gebilligte Formen, ohne Rücksicht auf Wahrheit und Schönheit,gleichsam durch Übereinkunft zur allgemeinen Regel der Körperbildung erhob undsie auf spätere Zeiten fortpflanzte. Die Kunst dauerte fort, sagt der angeführteHeyne in s. Abhandl. über die Fortdauer der Künste in Konstantinopel („(lonunent.d,oe. KottinA.", 1. Xllt), insofern sie in der Geschicklichkeit der Hände, in An-wendung der Werkzeuge, in bestimmten Regeln und allgemeinen Vorschriften be-steht; aber Geschmack und Sinn für das Schöne, Wahre und Rechte war ver-schwunden. Feinheit, Eleganz und Anmuth der Zeichnung, Verhältniß der Theileund Übereinstimmung der Figuren, Auswahl der Formen ging verloren. Nichteinmal genaue Ähnlichkeit in den abgebildcten Figuren war es, um die man sich be-kümmerte; man war zufrieden mit rohen und allgemeinen Umrissen — wie sichbesonders aus Münzen dieser Zeit ergibt. Im Ganzen sieht man überall dieselbendünnen, verdrehten und kleinlichen Formen sklavisch nachgeahmt, dagegen um sogroßem Fleiß auf kostbare, oft geschmacklos angebrachte Verzierungen verwendet,und eni Streben nach dem Abenteuerlichen, selbst in der Architektur. Der Ein-