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Böhmische Sprache und Literatur
ständige Weise vertheilten. Ihr erster Bischof erhielt seine Weihe von einem wal-densischen, obgleich sich ihre Gemeinden mit den Waldensern in Böhmen nichtvermengten. Sie mußten inzwischen mit dieser gedrückten Sekte gleiches Schick-sal erfahren. Da sie nach ihrem Grundsätze, nirgends Kriegsdienste zu thun, sichauch im schmalkaldischen Kriege weigerten, die Waffen wider die Protestanten zuergreifen, nahm ihnen der König Ferdinand ihre Kirchen, und 1548 gingen gegen1000 böhmische Brüder nach Polen und Preußen, wo sie sich zuerst in Marien-werder ansiedelten. Der Vergleich, den diese Ausgewanderten mit den Lutheranernund Reformirten in Polen, den 14. April 1570, zu Sendomir absch'lossen, undnoch mehr der Disstdentenfciede der polnischen Stande 1572 verschaffte ihnen Dul-dung in Polen, wo sie sich jedoch unter den Verfolgungen des schwedischen Sig-mund naher an die Reformirten anschlossen und in dieser Verbindung noch bis jetztReste der alten Verfassung beibehalten haben. Ihre in Böhmen und Mahrenzurückgebliebenen Brüder gelangten unter Maximilian H. wieder zu einiger Frei-heit und hatten ihren Hauptsitz zu Fulnek in Mähren, daher sie auch mährischeBrüder heißen. Die für die Protestanten in Böhmen unglückliche Wendung desdreißigjährigen Krieges hatte jedoch eine gänzliche Vertilgung ihrer Kirche zur Folge,und ihr letzter, um den Jugenduntcrricht sehr verdienter Bischof Eomenius (s. d.)mußte entfliehen. Seitdem wunderten sie häufig aus, aber die folgenreichste die-ser Auswanderungen fand um 1722 statt, wodurch die Stiftung der erneuertenBrüdergemeinde durch Zinzcndorf veranlaßt wurde. Über die Geschichte der alternBrüdergemeinde s. man, außer Cranzens „Brüderhistorie", Schulze, „Von derEntstehung und Einrichtung der evangelischen Brüdergemeinde" (Gotha 1822),eine verständige und unparteiliche Darstellung. Obgleich nun die alte böhmisch-mährische Brüderunität für erloschen anzusehen ist, so wird sie doch als eine stillePflegerin christlicher Wahrheit und Frömmigkeit in Zeiten, die sich erst mit Müheaus der Barbarei des Mittelalters herausarbeiteten, als eine Bewahrerin reinerSitten, wie sie die Reformatoren des 16. Jahrh. ihren Gemeinden nicht zu gebenvermochten, und als die Mutter der geachteten und weitverbreiteten evangelischenBrüdergemeinde, deren Verfassung sich nach ihrem Muster gebildet hat, immermerkwürdig bleiben. L.
Böhmische Sprache und Literatur. Der czechische (böh-mische) Dialekt des alten, großen Slawenvolkes wurde unter allen Mundartender slawischen Sprache zuerst wissenschaftlich ausgebildet. Böhmisch wird in Böh-men, Mähren, mit weniger Abweichung in Ästreichisch-Schlesien, in halb Ungarnund in Slawonien gesprochen. Daß die czechische Sprache als ein Dialekt der slawi-schen weit verbreitet gewesen ist, beweist sowol ihr Alterthum und ihr Eulturgradals auch die Größe der Länder, deren Volkssprache sie ist. Da nicht bloß durchganze Wörter, sondern auch durch einzelne Sylben mannigfache Begriffe ausge-drückt werden, die feinem Nuancen der Begriffe aber ein späteres Product sind,womit die Bildung der Sprache anfängt: so kommt hier zuerst der Reichthum die-ser Sprache oder die lexikalische Ausbildung derselben in Betrachtung.Diese besteht 1) in der Vielheit der Biegungen der End- oder Anfangssylben derWörter. So kann man aus dem einzigen Wurzelworte b/ti, sein, über 110 ab-geleitete, aus dem Wurzelworte «IZAs «e (S lies wie ie), es geschieht, über 95 an-fuhren, ohne die kreguentativa Verba, verbal!» substantiv» und »«Ijeotiva.Durch das bloße Vorsetzen des Buchstabens », v,v, 2 bekommt das Zeitwort ei-nen andern Begriff; aus s-ra-^ti, v-ra-^ti, v-rsö/t! wird herunter-, ab-, ein-schlagen; daher hat sich diese Sprache auch alle Kunstwörter der Theologie, Rechts-gelehrsamkeit und Philosophie selbst gebildet, und mit jeder neuern Erfindung kannsie sich noch weiter fortbilden. Ein Beweis des Reichthums sind auch die Syno-nyma, als ps/ce, Icublra (0 lies wie das italienische ve), tjsta, die Hündin, bock-
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