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Böhmerwald Böhmische Brüder
2^ Mill. Gldn. Außerdem gibt es 8 Spiegelhütten; zu Turnau Compositionsstein-fabr., Porzellan - u. Fayence -, Schmälte - u. a. Fabr. Wichtig ist die Fabrikationvon Hüten der feinsten Sorte, Papier, Seidenwaaren, geschliffenen Granaten, mu-sikal Instrumenten u. vielen a. Art. Böhmen wird in die Stadt Prag und in 16Kreise eingetheilt, denen Kreishauptleute vorgesetzt sind. Merkwürdig sind die StädteJungbunzlau, Melnik, Turnau, Reichenberg, Trautenau, Kuttenberg, Budweis,Pilsen, Karlsbad (s.d.), Joachimsthal, Teplitz (s. d.); die Festungen Königin-gratz, Josephstadt, Theresienstadt; Eger, der Manufacturort Rumburg, dieDörferAdersbach, Sedlitz, Seidschütz, Püllna,Königswart, Franzensbrunnen (s.d.),Marienbad (s. d.) u. dgl. Für dm innern Verkehr sind 231 Meilen trefflicheKunststraßen, und 1826 ward eine Eisenbahn angelegt, welche die Donau mit derMoldau verbinden soll. Der Nationalgeist der Böhmen ist in allen Standen aufdie edelste, gemeinnützigste Weise thatig. 1822 hatte Böhmen 2996 öffentl.Lehranstalten, 1 Universität, 3 theolog. Lyceen, 26 Gymnasien, 2961 Volks-und Bürgerschulen, und ein Conservatorium der Musik; zusammen mit 6709Lehrern und 410,463 Schülern und Studirenden, darunter 2055 Studenten.Das allgem. Wohl befördern edle Privatvereine, u. a. die k. k. Patriot, ökonom.Ges. seit 1770 und der mit ihr vereinigte pomolog. Verein (seit 1819) in Prag.S. Prof. Schnabel's „Statistische Darstellung von Böhmen" (Prag 1826).
Böhmerwald, s. Böhmischer und bairischer Wald.
Böhmische Brüder, der Name einer christlichen Religionsgesellschaft,die sich um die Mitte des 15. Jahrh. aus den Überbleibseln der strengen Hussitenin Böhmen bildete. (Vgl. Hussiten.) Unzufrieden mit den Annäherungen anden Papismus, durch welche die Ealixtiner (s.d.) sich zur herrschenden Parteiin Böhmen zu machen gewußt hatten, wollten sie die sogenannten Compactaten,d. h. die Übereinkunft derselben mit der Kirchenversammlung zu Basel (d. 30. Nov.1433), nicht annehmen und fingen seit 1457 unter der Leitung eines Pfarrers,Michael Bradacz, an, in besondere Gemeinden zusammenzutreten, eigne Ver-sammlungen zu halten und sich durch den Namen Brüder oder Vrüderunität vonden übrigen Hussiten zu unterscheiden; von ihren Gegnern wurden sie aber oft mitden Waldensern und Picardcn vermengt und wegen ihrer Verborgenheit Gruben-heimer genannt. Unter harten Bedrückungen von Seiten der Ealixtiner und Ka-tholischen gewannen sie, ohne der Gewalt Widerstand zu leisten, durch Beharrlich-keit in ihrem Glauben und Reinigkeit in ihren Sitten eine so bedeutende Ausbrei-tung, daß die Zahl ihrer Gemeinden sich 1500 auf 200 belief, welche meistenseigne unter Begünstigung der Gutsbesitzer erbaute Bethauser inne hatten. Inihren Bekenntnißschristen zeigt sich das Eigenthümliche ihres Glaubens, besondersbei der Abendmahlslehre, in der sie die Transsubstantiation verwarfen und nur einegeistig-mystische Gegenwart Christi ««nahmen. Übrigens bauten sie ihr Glau-bensbekenntniß durchgängig auf die heilige Schrift und fanden damit und nochmehr durch ihre Gcmeindeverfassung und Kirchenzucht bei den Reformatoren des16. Jahrh. Beifall. Diese Verfassung war den Einrichtungen der ältesten aposto-lischen Christengemeinde nachgebildet. Durch Entfernung der Lasterhaften ausihrer Gemeinschaft und einen dreifach abgestuften Bann, sowie durch sorgfältigeTrennung der Geschlechter und Eintheilung ihrer Gemeindeglieder in Anfänger,Fortschreitende und Vollkommene, suchten sie die Lauterkeit des thätigen Urchristen-thums unter sich heczustellen, und die strenge, bis auf das häusliche Leben der Ein-zelnen ausgedehnte Aufsicht, zu der sie eine Menge Beamte von verschiedenen Gra-den bestellten, mußte viel zur Erreichung dieses Endzwecks beitragen. Diese Be-amten waren ordinirende Bischöfe, Senioren und Consenioren, Presbyter oderPrediger, Diakonen, Ädilen und Akoluthen, unter welche sie die Leitung der kirch-lichen , moralischen und bürgerlichen Angelegenheiten ihrer Gemeinde auf eine ver?