16 Böhmen
Versorgung dürftiger Witwen und Waisen angewendet werden sollen. Die von ,
ihm gestiftete Dorf - und Schulbibliothek, welche aber durch den unglücklichen i
Krieg 1813 größtentheils vernichtet worden ist, sowie die von ihm gegebene jDorfordnung, beweisen, daß ihm die Bildung der Bewohner seines Dorfs am Her- »zen lag. 11. <
Böhmen (Böheim, Bojenheim) hat seinen Namen von den Bojern, ^
einem keltischen Volke, welches sich daselbst etwa 600 vor Chr. unter Anführung t
eines Neffen des Ambigat, eines Königs der Berruyer, niederließ, aber in der (
Folge größtentheils von den Markomannen daraus vertrieben wurde. Viertehalb- c
hundert Jahre nach Chr. hatte Böhmen, damals von deutschen Völkerschaften be- t
wohnt, unter seinen Herzogen, welche jedoch wenig bekannt waren, eine feste Re- r
gierung. In der Mitte des 6. Jahrh. drang (nach Einigen unter der Anführung c
eines gewissen Zecko) ein zahlreiches Heer Slawen (Czechowe, Tschechen, so nen- (
nen sich noch jetzt die Böhmen in ihrer Sprache), welche bis dahin die Ufer des (
schwarzen Meeres bewohnt hatten, in Böhmen ein, unterwarf es sich und machte s
dasselbe urbar. Nach Andern soll Zecko eine von den Slawen ganz unabhängige e
Person gewesen, und die Nachfolger desselben von diesen hart bedrängt worden sein, t
obgleich die Abkömmlinge des Zecko nie ganz aus dem Lande vertrieben werden b
konnten. Der Erste, der uns von ihnen namentlich bekannt ist, war Pczemislas, v
ein Landmann, den 632 die Fürstin Libussa ehelichte und auf den Thron hob. ö
Obgleich Karl der Große und einige seiner Nachkommen Böhmen zinsbar machten, ö
so dauerte doch diese Unterwürfigkeit nicht lange; 840 wurden Böhmen, Schlesien x
und Mähren von aller fremden Herrschaft frei und von ihren eignen Herzogen re-giert, wiewol ei.ne gewisse Verbindung zwischen ihnen und dem deutschen Reiche 6
blieb.- 1061 legte Kaiser Heinrich IV. den Herzogen von Böhmen den Königs- ä
titel bei, welcher dem Könige Wratislas 1086 zuerst allgemein zuerkannt wurde. v
Nachher ertheilte Philipp um 1230 Przemislas II. und dessen Nachfolgern die si
Königswürde, welche von Friedrich II. bestätigt wurde, seit welcher Zeit Böhmenein Königreich geblieben ist. Der männliche Stamm der alten Könige endigte u
1305 mit Wenzel V., worauf 1310 durch Heirath Johann von Luxemburg die 8
Krone erhielt und sie auf seine Nachfolger vererbte. Hierauf vereinigten Karl IV. (
(aus dem Hause Luxemburg, unter dem Namen Karl I., der Böhmen ungemein Z
emporbrachte) und dessen Söhne, Wenzeslas und Sigismund (welcher Böhmen d
durch den Religionskrieg mit den Hussiten beinahe verloren hätte) die Krone Böh- e!
mens mit der des deutschen Reichs. Nach Sigismunds Tode, 1437, kam Böh- si
men an dessen Schwiegersohn, Albrecht von Ostreich; dieser starb jedoch schon I
1439, und das Reich siel an seinen (1440) nachgeborenen Sohn Ladislaw (Post- v
Humus), der zugleich König in Ungarn war, wodurch Böhmen von den deutschen H
Staaten getrennt wurde. Nach seinem Tode, 1457, wählten die Böhmen 1458 3
Georg von Podiebrad, der vorhin schon Reichsverweser gewesen war, zu ihrem Kö- b
nig, und darauf, 1469, als Georg vom Papst in den Bann gethan war, den pol- n
nischen Prinzen Wladislaw, der jedoch erst nach Georgs Tode, 1471, zum Besitz t,
kam; diesem folgte nach einer 45jährigen Regierung, 1516, sein Sohn Ludwig. b
Beide Letztere waren zugleich Könige in Ungarn. Nachdem Ludw.^ .r der §
Schlacht wider die Türken bei Mohacz 1526 geblieben war, kam Böhmen an das fl
Haus Ostreich. Nach dem Ehevertrage folgte nämlich Ludwigs Schwager, Ma- t>
ximilians zweiter Enkel, der Erzherzog Ferdinand. Dieser wollte die Böhmen nö- F
thigen, in dem schmalkaldischen Kriege wider den Kurfürsten von Sachsen die Was- d
fen zu ergreifen; als sie aber dazu nicht geneigt waren, sondern Miene machten ihm li
den Gehorsam aufzukündigen, so verfuhr er wider sie, nach Karls V. Siege bei r,
Mühlberg, sehr scharf und erklärte Böhmen für ein unumschränktes Erdreich. n
Ihm folgte 1564 sein Sohn Maximilian, diesem seine Söhne Rudolf, 1576, js