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2 (1830) Bo bis C
Entstehung
Seite
15
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Böhme (Johann Gottlob) 15

ohne große Abweichung von dem Allgemeinen zu finden ist, und daß er auch jeneAusschweifungen und Verirrungen des Geistes bei den zur Klarheit spaterer Wis-senschaft nicht ausgebildeten Laien ohne Befremden hinnehmen müsse, wenn er dasBessere, den inner« Kern dieser seltsamen, eigenthümlichen Frucht genießen will.So wird er B.'s Werke allerdings nicht für den Schatz der Weisheit halten undüber die Wissenschaft emporheben, wenngleich Vielen, die sich nach der Weis-heit nennen, dieser tiefe Ernst und Eifer für dieselbe, welcher die erste Bedin-gung eines wahren Philosophen ist, zu wünschen wäre; aber er wird auch nicht, dieabgezogene Schale der Wissenschaft, das logisch-systematische Geripp dem tiefemGeiste vorziehend, der über B.'s Werke freilich nicht gleichmäßig verbreitet ist,sondern nur zuweilen mit voller Kraft wie aus geheimnißvoller Tiefe hervorblitzt,dieselben in jeder Rücksicht als Erzeugniß unsinniger Mystik und Phantasterei ver-schreien. Mancherlei Anfeindungen der Schriftgelehrten seiner Zeit beunruhigtenB.'s letzte Jahre; ja man nahm seine Zuflucht selbst zu Verleumdungen, welcheer jedoch bis an seinen Tod sanftmüthig ertrug. Wahrscheinlich gab dazu eineSchriftÜber die Buße" Anlaß, welche B.'s Freunde ohne sein Wissen hattendrucken lassen. Die Sache erregte so allgemeine Aufmerksamkeit, daß B., aufVerlangen Einiger vom Hofe und auf seiner Freunde Bitten, 1624 nach Dresdenreiste, um die von ihm mitgetheilten Lehren untersuchen zu lassen. Hier fand erselbst am Hofe Beifall und Schutz; aber nach seiner Rückkehr erkrankteer, undstarb noch in demselben Jahre einen sanften Tod im christlichen Glauben. Abra-ham von Frankenberg (st. 1652), sein Biograph und Verehrer, hat auch seineSchriften herausgegeben und erläutert. Die erste Sammlung derselben besorgtein Holland 1675 ein gewisser Heinrich Betke; die vollständige, 1682, Gichtel(lO Bde., Amsterd.), von welchem auch die Anhänger B.'s, eine wegen ihresstillen, tugendhaften und wohlthätigen Lebenswandels sehr geachtete religiöse Sekte,den NamenGichtelianer" führen. Eine andre Ausg. erschien zu Amsterdam 1730unt. d. Tit.:Viieoioxia revelata" (2Bde., 4.), die reichhaltigste 1730, 6B.Auch in England fanden B.'s Schriften viele Verehrer. William Law gab eineenglische Übersetzung von B.'s Schriften (2 Bde., 4.) heraus. Es bildete sichin England eine Böhmistische Sekte, und schon 1697 stiftete Jane Leade, eineschwärmerische Verehrerin B.'s, eine eigne Gesellschaft zur Erklärung seinerSchriften, deren Dunkelheit manche Weisheitsforscher anzog, unter dem Namender philadelphischen; ja noch jetzt soll daselbst eine solche bestehen. Auch ist ein eng-lischer Arzt, John Pordage, als Erläuterer B.'s berühmt.

Böhme (Johann Gottlob), ehemal. Professor der Geschichte zu Leipzig,geb. am 20. März 1717 zu Wurzen, wo sein Vater Gastwirth war, studirte aufder Schulpforte, seit 1741 zu Leipzig, vorzüglich unter Mascov, Geschichte, wardHauslehrer, außerordentl. Professor, 1758 ordentl. Professor der Geschichte aufder Universität zu Leipzig und 1766, nachdem er einen Ruf nach Utrecht abgelehnthatte, kurfürstl. Hofrath und Historiograph, und starb am Schlage den 30. Juli1780. Außer mehren gelehrten Abhandl. und Oarinin. latin. «ä. 1. 6. Lelc(Leipz. 1780) gab er heraus:Vcta pacis Olivensi« inoäita, vurn vbserv."(Warschau 176365, 2 Bde., 4.);Sächsisches Groschencabinet" (Leipz. 176568, 2 Bde.);Opusoula lle litteratura Illps. «eo. XVI." (ebend. 1779).Nicht nur diese Schriften, welche von gründlichen Forschungen zeugen, werdenB.'s Andenken erhalten, sondern auch die Stiftungen, durch welche er sich, zu-gleich mit seiner Gattin, verdient machte. 1780 schenkte er der leipziger Univer-sitätsbibliothek seine aus 6513 vorzüglichen historischen Schriften bestehende Bi-bliothek. Schon früher stiftete er Stipendien für arme Studirende, und einen, Nachmittagsgottesdienst für seine Gemeinde in dem Dorfe Gohlis 1774. Inseinem Testamente bestimmte er ferner 1000 Thlr., von welchen die Zinsen zur