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2 (1830) Bo bis C
Entstehung
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Böhme (Jakob)

rück, ward 1594 Meister daselbst und heirathete die Tochter eines Fleischers, mitwelcher er 30 Jahre lang in einer gesegneten Ehe lebte. Mehre Entzückungenund Gesichte (d. i. Augenblicke einer ungewöhnlich gesteigerten Gefühls - und An-schauungskrast), welche sein religiöses Gemüth einer unmittelbaren EinwirkungGottes und Erleuchtung durch den heil. Geist zuschrieb, bestimmten ihn, die Federzu ergreifen. Seine erste Schrift, 1610, nannte erAurora oder die Morgen-röthe im Aufgang" (gedruckt 1612), weil er in ihr ein Licht anzündete für Die,welche erkennen wollen. Sie enthält seine Offenbarungen und Anschauungenüber Gott, Menschheit und Natur. Aus ihr, wie aus seinen übrigen Schriften,leuchtet eine vertraute Bekanntschaft mit der Bibel hervor, namentlich mit denapokalyptischen Büchern derselben, zu welchen ihn sein geheimnisvoller Sinn hin-zog. Doch scheint er auch einige gelehrte Schriften, u. a. die des Paracelsus undValentin Weigel's, eifrig gelesen und den Umgang erfahrner und gelehrter Män-ner auf seine Weise benutzt zu haben. Die Geistlichkeit in Görlitz, namentlich derPastor an der Hauptkirche, Georg Richter, ein sinnloser Polterer, befeindete ihnwegen dieses Buchs, ließ ihn vor Gericht ziehen und verdammte sein Buch, weilan ihm selbst nichts Sträfliches erfunden wurde. Solche Verfolgungen mußtenseine Überzeugung noch mehr befestigen und den Ruf von ihm und seiner Schriftverbreiten. Vornehme Männer kamen nun aus der Nähe und Ferne, begierig, ihnzu sehen und zu sprechen; vielen mußte er seine Schriften mittheilen, ja es scheintihm auch manche Unterstützung zu Theil geworden zu sein, denn mit seinem Hand-werke schien es nicht recht zu gehen, seitdem er sich immer eifriger mit dem Höhcrnbeschäftigte. Von allen Seiten foderte man ihn auf, sein Talent anzuwenden;doch schrieb er erst von 1619 an aus eignem Drange seine übrigen Werke, z. B. dieBeschreibung der drei Principien des göttl. Wesens", und gegen 30 andre. Seinedarin mitgetheilten Ansichten von Gott, Schöpfung, Natur, Offenbarung, Sünde,sind größtentheils auf die Lehren der Bibel gebaut, welche sein grübelndes Nach-denken, in Verbindung mit seiner poetisch-phantastischen Naturanschauung, aberauch mit Benutzung des aus mystischen und chemischen Schriften Aufgefaßten ei-genthümlich ausgebildet und größtentheils gleichnißweise (wobei das Gleichniß undBild sich ihm fast unbemerkt in die Sache selbst verwandelt) im planlosen dunkelnGedankenlaufe und mit reger Aufwallung des Gefühls ausgesprochen hat. DieseErkenntniß erklärte er überall für das Werk einer göttlichen Erleuchtung, welcheihm »erstatte, einen Blick in die Tiefe der Gottheit und in das innere Wesen derDinge zu thun, um so mehr, da er sich von seiner geistigen Entwickelung und vondem rastlosen Drängen und Regen in seinem Innern selbst nicht Rechenschaft zugeben vermochte; er selbst aber sagt, weil alle höhere Kenntniß ohne göttliche Offen-barung unmöglich sei. So wahr der letztere Satz auch ist, so wenig ist die Offen-barung, wie sie allen eigentlichen Mystikern erscheint, ein bloß leidentliches Verneh-men besonderer göttlicher Einwirkung; ja die Wahrheit des unaussprechlichen reli-giösen Gefühls, durch Natur, Schrift oder Gewissen aufgeregt, wird, je stärkerund lebhafter dieses ist, um so leichter auf die Bilder und Vorstellungen übergetra-gen, welche dasselbe in der aufgeregten Einbildungskraft erweckt, und so wirdmanche menschliche Vorstellungsweise als eine Wirkung besonderer Offenbarungangesehen, da ihr doch nur eine mittelbare und gleichsam abgeleitete Wahrheit zu-kommt. In Hinsicht seines sittlichen Sinnes und religiösen Lebens aber, welchesmehr ist als einzelne Vorstellungsweisen, und welches vollkommen mitzutheilen ersich selbst unfähig fühlte, mochte er mit Recht eine göttliche Erleuchtung in sichfinden. So sind in B.'s Schriften, neben vielen tiefsinnigen und köstlichenÄußerungen, auch viele willkürliche Spiele der Phantasie und Verworrenheit inGedanken und Ausdruck zu finden. Es darf der unbefangene Leser seiner Schriftennicht vergessen, daß kein eigenthümlicher Menschund ein solcher war B,