6 Bode (Johann Elert) Bodensee
schön war, ihm ihre Hand gab. Sie starb bald, und obgleich er auf den größtenTheil ihres Vermögens verzichtete, so blieb ihm doch genug, um ein unabhängigesLeben zu führen. Jetzt erwachte in ihm ein alter Lieblingsgedanke: er wurde Buch-drucker. Das erste Werk aus B.'s Buchdruckerei war Lesstng's „Dramaturgie".B., der sich wieder mit der Tochter des Buchhändlers Bohn verheirathet hatte,faßte jetzt mit Lessing den großen Plan zu einer Buchhandlung der Gelehrten. DigWerke des Genies und des Geschmacks sollten hier zum Vortheil der Verfasser ge-druckt werden. Allein Lessing war für Geschäfte dieser Art nicht gemacht, und auchB. mißlang der Plan, da es ihm an kaufmännischen Kenntnissen fehlte. 1778folgte er der Witwe des großen Bernstorff als ihr Geschäftsführer nach Weimar,wo er seitdem mit literarischen Arbeiten sich beschäftigte und 1793 starb. Der Hofvon Meiningen hatte ihn zum Hoftath, der gothaische zum Legationsrath und derdarmstädtifche zum Geh.-Rath ernannt. Glückliche Übersetzungen der eigenthüm-lichsten Werke, besonders der Engländer, erwarben ihm einen ausgezeichneten Rangunter den deutschen Schriftstellern. B. wußte seinen Übersetzungen einen Anstrichvon Eigenthümlichkeit zu geben, wodurch sie eine wahreVolksthümlichkeit erhielten.Seine vorzüglichsten Übersetzungen sind „Borik's empfindsame Reise", „TristramShandp's Leben", der „Dorfprediger zu Wakefield" und Montaigne's „Ver-suche". „Tom Jones" ist ihm am wenigsten gelungen.
Bode (Johann Elert), Astronom, geb. zu Hamburg den 19. Jan. 1747,zeigte früh Neigung für die mathem. Wissenschaften, in denen ihn sein Vater,dann der berühmte I. G. Büsch unterrichtete, und gab den ersten öffentlichen Be-weis s. Kenntnisse durch eine kleine Schrift bei Gelegenheit der Sonnensinstcrnißam 5. Aug. 1766. Der Beifall, welcher ihm zu Theil ward, ermunterte ihn zu grö-ßer» Arbeiten, und bereits 1768 erschien s. „Anleitung zur Kenntniß des gestirntenHimmels" (9. Aust. 1822): ein gemeinverständliches Lehrbuch der Astronomie,das zur Verbreitung richtiger astronomischer Kenntnisse sehr nützlich gewirkt hatund noch wirkt, da es den Fortschritten der Wissenschaft in seinen wiederholtenAuflagen gefolgt ist. Auch von s. „Erläuter. der Sternkunde" erschien die 3. A. in2 Bdn. m. Kpf. (Berl. 1808). 1772 ernannte ihn die berliner Akademie zu ihremAstronomen, 10 Jahre nachher zu ihrem Mitgliede. Seitdem erwarb er sich, vor-nehmlich durch Schriften, mannigfaltige Verdienste um s. Wissenschaft. Seine„Astronom. Jahrbücher" (seit 1774) sind eine jedem Astronomen unentbehrlicheSammlung, und sein großer „Himmelsatlas" in 20 Bl. enthält 17,240 Sterne,folglich 12,000Sterne mehr, als die frühem Charten. Sein „Entwurf der astron.Wissensch." (Berl. 1793) erschien umgearbeitet in einer neuen Aufl. (Berl. 1825).B., dessen Jubiläum 1822 gefeiert worden war, wurde 1825, nach seinem Wun-sche, seiner Verpflichtungen bei der Akad. der Wissensch. und bei der Sternwarte inBerlin enthoben. Er starb den 23. Nov. 1826, nachdem er den 54. Bd. seiner„Astron. Jahrb." f. 1829 (Berl. 1826) vollendet hatte. An seine Stelle kam derProf. Encke, bisher Astronom zu Gotha.
Bodensee (eigentlich Bodmansee, von dem alten Schloß Bodman),oder Konstanzerfee, zwischen Deutschland und der Schweiz, hat 18 Stunden inder größten Länge, 5 Stunden in der größten Breite, und in der größten Tiefe964 würtembergische Fuß. Er liegt 1089 Fuß über dem Meere und wird in denZeller-, untern, und bregenzcr oder obernsSee getheilt. In ihn ergießen sichder Rhein bei Rheineck, welcher bei Stein am Rhein wieder heraustritt, fernerdie Bregenz, der Argen, die Schüssen, und 4 Flüsse, die den Namen Aach führen.In ihm liegen die Inseln Lindau, Reichenau und Meinem. Er enthält 73 ArtenSumpf- und Schwimmvögel, 20 Arten Conchylien und 26 Arten Fische,z. B. Gangsische oder junge Lachsforellcn. Handel und Schifffahrt sindwegen des Rheinfalls bei Schaffhausen nicht beträchtlich, und beschränken sich