Böckh Bode (Johann Joachim Christoph) 5
unzweckmäßigen Statuten, und in weiterer Ausdehnung aller unzweckmäßigenEinrichtungen, Gebräuche und Gewohnheiten: Bocksbeuteleien. 11.
Böckh (August), geb. zu Karlsruhe 1785, studirte zu Halle, war in Ber-lin Mitgl. des pädag. Seminars unter Gedicke, wurde 1807 außerord. Professorder Philologie zu Heidelberg und kehrte 1811 als Prof, der class. Literatur nachBerlin zurück. Er leitet als Director das philol. Seminar, und nach Solger's Todeist ihm die Direction des pädag. Seminars übertragen worden. Zwei Werke wer-den B.'s Namen in der alten Literatur unvergessen machen, seine Ausg. des Pin-dar, die er durch ein „8pevinrsn emenä<rtiomnn in kinäari vsrinirm" (1810)und durch „Oliservstiones critieae in kinilsri prim. Oi^inp. carin." (1811)ankündigte (die große Ausg. Lpz. 1811—21, 3 Bd., 4.). Eine neue Anordnungder Pindar'schen Versmaße ist auf tief eingehende Untersuchungen über die Musikder Griechen begründet. Auch Diejenigen, die von der Böckh'schen Vorstellung ganzabgehen, haben seiner Gelehrsamkeit Anerkennung, seinem Scharfsinne ihre Be-wunderung nicht versagen können. Das zweite Werk ist die „Staatshaushaltungder Athener" (4 Bücher, Berl. 1817, 2 Bde.). Die Deutschen haben noch keineSchrift gehabt, die über das Staatslcben und die öffentliche Verwaltung eines al-ten Volks solches Licht verbreitete und zugleich für die neueste Zeit von so prakti-schem Nutzen wäre. Für die Erklärung der attischen Redner und Geschichtschreiberist durch sie ein neuer Weg gebahnt worden. B. hat ihr 21 Inschriften hinzugefügt.In den letzten Jahren beschäftigte ihn die ihm von der berl. Akad. der Wissensch.,deren Mitglied er ist, aufgetragene Herausgabe des „Corpus Inscript. 6r»ec."(1. Heft, Berlin 1825, Fol.). Die kleinern Schriften dieses Gelehrten be-treffen größtentheils Plato, dessen Werke er früher herauszugeben versprach, undPlatoniker.
Bode (Johann Joachim Christoph), geb. 1730 zu Braunschweig, wo seinVater Soldat war, nachher seinen Abschied nahm und in Schöppenstädt als Ziegel-streicher kümmerlich sein Leben fristete. Hier erhielt der junge B. mit andern Bauer-knaben den ersten Unterricht im Lesen und Schreiben. Als ihn der Vater bei seinenschweren Arbeiten nicht gebrauchen konnte, brachte er ihn zu seinem Großvater, umdie Schafe zu hüten. Er schien jedoch selbst hierzu unfähig, und man nannte ihnnur den dummen Christoph. Er selbst fühlte in sich den Beruf nach etwas Höherm,und besonders große Neigung zur Musik. Sein ganzer Sinn war darauf gerichtet,wie er nach Braunfchweig kommen könnte, um dort Etwas zu lernen. Endlich ge-lang es ihm, seines Vaters Bruder zu bewegen, daß er ihn, 15 Jahre alt, nachBraunschweig zu dem Stadtmusikus Kroll in die Lehre brachte und das Lehrgeld fürihn bezahlte. Er mußte sich hier zu den niedrigsten Diensten bequemen. Sein mu-sikalisches Genie entwickelte sich schnell, und er lernte die meistenBlase- und Saiten-instrumente mit Fertigkeit spielen. Nach 7 Lehrjahren erhielt er die Stelle einesHautboisten. Er heirathete jetzt ein junges Mädchen, versetzte sich aber dadurch oftin Geldverlegenheiten. Um sich in der Musik weiter zu vervollkommnen, ging ernach Helmstädt zu Stolze, einem Virtuosen auf dem Basson. Durch einen Stu-denten, seinen Freund, ward er jetzt mit der franz., ital. und lat. Sprache bekannt,und durch den öl. Stockhaufen mit der Theorie der schönen Künste und der engl.Sprache. Von Helmstädt wandte er sich nach Celle, immer als Hautboist. Er gabhier 2 Sammlungen von ihm componirter Lieder heraus. Nachdem er in CelleFrau und Kinder durch den Tod verloren hatte, wandte er sich nach Hamburg, woer sich endlich auf einem seinen Talenten angemessenen Schauplatze befand. Erübersetzte Romane und Theaterstücke. Dann trat er in den Freimaurerorden, dessenAngelegenheiten er späterhin zum Hauptgeschäft seines Lebens machte. 1762 und1763 führte er die Redaction des „Hamburger Correspondenten"; dabei trieb erfleißig die Musik, und so traf es sich, daß eine seiner Schülerinnen, welche reich und