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7 (1830) M bis N
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651
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Mythologie 651

Gottheit zusammenzuhängen schien. So war ein Symbol für diese höhere Kraftgesunden, und der Glaube, die Überzeugung von einer unbegreiflichen Übermachti hatte sich selbst aufgedrungen. Auf dieselbe Weise mußte die Meinung von Mit-teln entstehen, welche die Gunst der Götter zu erwerben, ihren Zorn abzuwehrenvermochten; doch auch diese Mittel mußten, da ihre Wirkung auf der Voraus-setzung eines unbegreiflichen Einflusses beruhte, zu den symbolischen und den Ge-genständen des Glaubens gehören. Wer am besten und vollständigsten diese gna-dcnherbeiziehenden und zornabwehrenden Mittel zu kennen schien, ward der Ver-mittler zwischen den minder hellschenden Menschen und den höhern Mächten: er

> war der Priester. Eine Kenntniß dieser Art, der Gewinn einer genauern Natur-beobachtung, konnte aber nicht stehen bleiben. Bald mußte die Kenntniß dieser

' Priester in ihrem Fortschreiten fast alle Lebensvechältnisse umfassen, und währendVortheil und Wetteifer das Streben aufregten, Das zu begreifen, was dem Volkeunbegreiflich erschien, bildete sich von selbst eine Pricsterlehre und Priestersprache,ein -kpoy Xo/oy, die, wie alle alte Sprache, bildlich, dem Volke in dem Bilde nurdas Zeichen von etwas ihm Unerklärbaren sehen ließ, das nur dem Vertrauten derGötter bekannt war. Diesen ursprünglichen Stoff erweiterte das Bestreben, ihndem Volke, das seine Einsicht verlangte, zu entziehen; er wuchs an durch die vor-geblichen unmittelbaren Mittheilungen der Gottheit, zu denen örtliche Wahrneh-mungen oft wol die Anlässe sein mochten (die Orakel). Was anfangs seiner Na-tur nach dem Volke unbegreiflich war, wurde jetzt mit Absicht seiner Einsicht ent-zogen und nur wenigen Erwählten unter geheimnißvollen Gebräuchen mitgctheiltk (Mysterien). Der aufgeregte Geist suchte nun frühere Vorstellungen mit neuge-wonnenen Einsichten zu vereinigen; Das, was verschiedenen Personisicationen der^ Naturkrafte z. B. früher zugeschrieben wurde, glaubte man nunmehr in Einer zuerkennen. Man gewöhnte sich in jedem Gotte den andern, in allen Einen wieder-. zufmden, und Umdeutungen, Fortbildungen, oft Verbildungen der ursprüng-lichen alten Sagen, an deren wörtlichen Sinn selbst wol das Volk nicht mehr fest-, hielt, seit die Erklärungen der Dichter und Philosophen und der Eingeweiheten inden Mysterien ihm nicht fremd blieben, schmückten die alten Sagen aus und ver-mehrten ihre Menge. Dazu kam das Bestreben des phantastereichsten Volkes,frühen geschichtlichen Ereignissen durch Verbindung mit heiligen Sagen höhereWürde und Bedeutung zu geben; und der vielfältig gebrochene Strahl spielte nun-mehr in fast jedem Lande, bei fast jedem Stamme, in noch bunterm prismatischen

> Glanze. So bildete sich der engverschlungene Mythenknäuel, der die Anfänge desgesammten menschlichen Wissens über Natur, Gott und Geschichte enthält, ver-

> einigt mit den frühesten Regungen der Dichtkunst, dessen erste Fäden aber immer andie Erscheinungen in der Natur, sowie sie beobachtet wurden, sich anknüpfen lassen.Diese ersten Fäden herauszufinden aus der Mythologie der spätem Zeiten, in derso viele Elemente sich vereinigten, die älteste nachzuweiscn, was nur auf histori-schem Wege geschehen kann, würde die Aufgabe des vollendeten Mythologen sein,und Mythologie wäre, nach Hermann, die Geschichte der Mythen oder der Wissen-schaft, welche zeigt, wie und welche Mythen sich gebildet haben; und ein Mythuswäre die Darstellung einer durch ein Bild anschaulich gemachten Idee, der ur-sprünglich gewiß eine Beobachtung der Natur zum Grunde lag. Diese Begren-zung des Begriffs der Mythologie findet man in Hermann's Briefe an Hofcath

§ Creuzer:Über das Wesen und die Behandlung der Mythologie" (Lp;. 1819), dem^ dieBriefe über Homer und Hesiodus, vorzüglich über Theogonie" (Heidelberg! 1818) vorausgingen. Sie bestimmten sehr genau, worin die beiden Wortführerin diesem allgemein wichtigen Streite auseinandcrgehen, und als Ergebniß dieser^ Diskussionen darf man annehmen: die Behandlung der Mythologie könne nurkritisch sein, indem nur durch Kritik und Philosophie der Ursprung, der Zusammen-