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Letztere aber diesen Haß nicht erwidern, indem sie die Nothwendigkcit des Mysti-cismus unserer Zeit wie den der Vorzeit wohl einsehen und den Werth der Religionund des Glaubens vollkommen anerkennen, wohl wissend, daß sie selbst Dasjenigenur noch gläubig erfassen können, was ihre Wissenschaftlichkeit nicht zu durchdrin-gen vermag. Der echte Gelehrte ehrt also den wahren Mysticismus und haßtnur den falschen, der in Frömmelei, übertriebene Schwärmerei und religiösen Un-fug ausartet, sowie er denjenigen Astermysticismus verachtet, der in der Wissen-schaft eine Rolle spielen will, dessen Urheber entweder absichtlich dunkel oder in Räth-seln schreiben, um mit ihrer scheinbar tiefen Weisheit zu glanzen, oder ihre ver-worrenen Begriffe von höhern Dingen und Verhältnissen für Wissenschaftlichkeit !halten, zu deren Mitthcilung sie sich berufen glauben. Für den Laien ist es schwer,die Schriften dieser falschen Mystiker von bessern Werken zu unterscheiden, die auchviel Dunkles enthalten, weil in ihrem Inhalte das Wissenschaftliche durch echtenMysticiSmus getrübt ist, und daher jenes Nicht überall in seinem eigenthümlichenLichte hecvortreten kann. Solchen Schriftstellern ist der Gegensatz von Glaubenund Wissen und dessen wahres Verhältnis nicht klar geworden; sie setzen daher ge-wöhnlich das Verhältnis verkehrt, nämlich den (religiösen) Glauben über die Wis-senschaft, und machen die religiösen Ideen und Begriffe zu leitenden Principien desWissens, welches daher in ihren Schriften eine dem Glauben untergeordnete Rollespielt und sie mehr oder weniger mystisch macht. Wer aber allen Mysticismusverwirft und zugleich die Wissenschaft verkennt, sie für mystischen Formalismushaltend, treibt sich, mit einseitiger Verstandesbildung, in flachem Wissen herum,welches jederzeit mit vielem Stolze gepaart ist, wenn, im Gegentheil, die Wissenschaft iihren Verehrern Bescheidenheit lehrt, und der Mysticismus ihre Bekenner zur De-muth mahnt. Der Mysticismus ist vornehmlich im Orient einheimisch und waram meisten den Griechen fremd. Der orientalische Mysticismus äußert sich schonbei den Ncuplatonikern und in den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche.Eine Hauptquelle der christlichen Mystik wurden die u, d. N. Dionysius des Areopa-giten im 4. Jahrh. n. Ehr. verbreiteten Schriften. Als die Scholastiker im Mit-telalter die Religion ausschließend als Verstandessachc mit trockener Dialektik be-handelten, war es heilsam, daß ihnen Mystiker eutgegentraten, welche die Rechte !des Gcmüthslebens und der individuellen Freiheit behaupteten. (Vgl. Ssufis - i
mus.) S. Borger, „Über den Mysticismus", aus dem Latein, übers, von ErnstStange (Altona!826).
Mystificiren, die Leichtgläubigkeit eines Menschen benutzen, um ihm !allerlei lächerliche Dinge aufzuhcsten. (Vgl. Poinsenet.)
Mythologie (von , Sage), Sagenlehre, der Inbegriff der ei- ^nem Volke eigenthümlichen Sagen von Göttern und göttlichen Wesen. Crcuzerbegreift unter Mythologie die symbolisch ausgedrückte religiöse Poesie des gesamm- !ten AltcrlhumS, die, weil sie sich theils auf eine allgemeine Natursprachc gründet,thcils aus einer allgemeinen Quelle geflossen ist, ein unzertrennbares Ganzes aus-macht; Gottfr. Hermann dagegen erkennt in ihr die Wissenschaft, welche unslehrt, was für Ideen und Begriffe gewissen Sinnbildern bei einem gegebenenVolke zum Grunde lagen. Diese verschiedenen Ansichten führten die vielfältigeBehandlung des vieldeutigen Stoffes und die Abweichungen in den Erklärungender einzelnen Mythen herbei. Eine geschichtl. Darlegung des Ursprungs der Sagen ^und der griech. Mythologie, als des vollendetsten Sagenkreises, wird dieses be- ^stimmt» erklären. Furcht, Entsetzen, Erstaunen bei Dingen und Erschein«»- ^gen, welche der rohe Mensch nicht erklären konnte, erregten die Vorstellung von rübermächtigen Wesen, deren Gunst man gewinnen, deren Zorn man abwehren jmüsse. Oft glaubte man die Gottheit selbst unter der Gestalt des Dinges (z. B. !des Feuers, der Schlange) wahrzunehmen, das unbegreisticherweise mit dtt Z