642 Muskete Musterreiterei
Kraft, mit welcher sich die Muskeln bewegen. Doch ist diese Kraft nicht in allenMuskeln gleich stark. Zu den stärkste» gehören die Muskeln, welche den Unter-kiefer in Bewegung fetzen. Es gibt Menschen, welche Psirsichkeme zerbeißen, dieein Gewicht von 300 Pfund erfodern, um zerdrückt zu werden. Ferner gehörenhierher die Arm- und Beinmuskeln, die um so mehr unser Erstaunen erregen müs-sen, wenn wir erwägen, daß die durch sie in Bewegung gesetzten Knochen alsWurfhebel zu betrachten sind, wobei die Kraft eine sehr geringe Entfernung vomRuhepunkte und eine schiefe Richtung, mithin ein sehr geringes Moment oder Pro-duct der bewegenden Kraft hat, wcßhalb die angewandte Kraft sehr groß sein muß,um nur einen geringen Widerstand zu überwältigen. Sowol die Muskelkraft alsdie Reizbarkeit ändern sich mit den Jahren. Geschwächte Körper sind in der Re-gel in ihren Muskeln reizbarer als ungeschwächte. Dies gilt auch von natürlichschwächer«; daher ist der weibliche Körper im Allgemeinen reizbarer als der männ-liche. Der Galvanismus wirkt, auf Muskeln unlängst getödtcter Thiere ange-bracht, als ein die Zusammenziehung hcrvorrufender Reiz, und deßhalb hat mansich bewogen gefunden, eine eigne Flüssigkeit im thicrischen Körper anzunehmen,die man einstweilen galvanisches Fluidum genannt hat, welche von den Nerven beiihrer Berührung mit Metallen hergegeben werde und in genauer Verbindung mitdem Lebensprincip stehe. Mit dem Leben hört sowol die Reizbarkeit als die Be-wegung auf. Jndeß dauert Beides nach Absonderung gesunder Muskeln von einemlebendigen oder frisch getödteten Körper noch so lange fort, als sie noch einen merk-lichen Antheil der natürlichen Lebenswarme besitzen.
Muskete, der Name der gemeinen Soldatenflinte, welcher von dem neu-lateinischen muselietu«, der Sperber, Herkommen soll, indem man anfänglich dieGeschosse nach allerlei Raubthieren benannte, z. B. Feldschlangen, Falconet u. s. w.Schon 1521 waren die Musketen bei den spanischen Heeren cingeführt, und sog.Handbüchsen waren noch früher im Gebrauch. — Mousquctaires hießen dieReiter von der ehemaligen königl. franz. adeligen Leibgarde.
Mustcrreiterei. Wer kennt nicht die große Zahl Mustcrreiter, welchealle Staaten Deutschlands mehr oder minder das ganze Jahr über durchziehen, umden Fabriken, Manufacturcn und Großhändlern einen schnellem und größern Absatzihrer Waarcn zu verschaffen ? Obschon ihre Entstehung im vorigen Jahrh. zusuchen ist, so. haben sie sich doch zuerst durch Napoleons ehemaliges Continental-system als eine eigne Elaste Speculanten in der Handelswclt vollständig gebildet.Die später eingetretene Überschwemmung mit engl. Waaren, sowie der steigendeMangel an Geldcirculation, haben ihre Zahl beträchtlich gesteigert, obwol ihnen dieimmer mehr zunehmenden Zollsysteme feindlich in den Weg traten. VerschiedeneRegierungen werfen daher jetzt einen strengem polizeilich-national-ökonomischenBlick aus das Treiben dieser mercantilischcn Zugvögel. — Werden die Musterinländischer Fabriken und Mauufacturen sowie Großhändler nur an inländischeKaufleute und Krämer durch eigne Beauftragte verbreitet, so ist ein solcher Spe-culationsgeist nicht nur sehr zu billigen, sondern vielmehr noch zu unterstützen, be-sonders in Staaten, wo es an bedeutenden Messen zum Verkauf im Großen fehlt.Suchen aber die Musterreiter Bestellungen auf ausländische Waaren nicht bloßbei Kauflenten und Krämern, die zu dem Handel mit denselben privilegirt sind,sondern selbst auch bei Privatpersonen, so treten alle die Nachtheile ein, welche mitdem Hausiren, obgleich cs die Wiege des Handels ist, außer Messen und Jahr-märkten verbunden sind. Viele Handelsleute finden es freilich bequemer und öko-nomischer, sich mit ihrem Bedarf von Zeit zu Zeit durch Musterreiter versehen zulassen, als die großen Messen zum Zwecke ihres Einkaufs selbst zu besuchen; esgehen aber dagegen manche wohlthätige Folgen solcher Meßreisen für sie verloren.Wir zählen dahin hauptsächlich die bessere Bildung des kaufmännischen GeisieS,