Muökatennuß Muskeln 641
^ gheri und Oliastra in Sardinien; auch Toscana, Lipari, Cypern und Kandia liefernmehre Sorten.
Muskatennuß, die gewürzreiche Frucht des Muskatennußbaums, dersonst auf allen molukkischen Inseln wild wuchs, von den -Holländern aber an vie-len Orten ausgerottet und besonders aus Banda, Neyro, Lantoer und Pulo - ayangebaut wurde. Auch die Engländer und Franzosen haben ihn in ihren Besitzun-i gen, letztere namentlich auf Cayenne, angepflanzt. Die Blüthen dieses Baums,welche ohne Geruch sind, kommen einzeln nach und nach zum Vorschein. Es sitzenderen mehre auf einem in Zweige getheilten Blüthenstiele in den Winkeln dcrBlät-l ter. Die Früchte, welche 9 Monate nach der Blüthe zur Reife kommen, gleicheneiner inittelmäßigen Pfirsiche an Gestalt und Größe; nach dem Stiel hin aber sindsie zugespitzt wie eine Birne, und der Längei nach wie eine Pfirsiche durch eineVertiefung getheilt. Bei völliger Reife ist die äußere Haut fettglatt und blaßgelb,
> nach Andern röthlich. Unter derselben liegt ein dickes, hartes, herbes, weißlichesFleisch, welches unbrauchbar ist. Zur Zeit der Reife zerplatzt dasselbe und läßt dieNuß fallen, welche, wie die welsche Nuß, mit einem markigen, netzartigen Ge-webe von röthlicher Farbe umgeben ist. Dieses Gewebe macht die im Handel be-
> kannte Muskatenblüthe oderMacis aus. Der Name Muskatenb lüthe ist alsol uneigentlich. Dieses kostbare Gewürz nimmt man von den ihres Fleisches entledig-ten Nüssen mit einem Messer sorgfältig ab, trocknet es im Schatten, besprengt esmit Seewasser und trocknet cs wieder, wodurch es die röthlich gelbe Farbe erhält.
j Endlich wird es in Säcke zum Verkauf eingepackt. Die Nüsse enthalten unter ei-ner schwarzen, holzigen, leicht zerbrechlichen Schale unmittelbar den Samenkern,den man die Muskatennuß nennt. Sie wird getrocknet, auf Horden gelegt, demRauche ausgesctzt und dann aufgeschlagen, sortirt, in Körbe geschüttet und einigeMal in ein Gemisch von Kalk- und Seewasser getaucht, um sie vor dem Ranzig-werden zu verwahren. Man sammelt die Früchte 3 Mal des Jahres, im Juli u.Aug., im Nov. und im März und April. Die letzte Amte gibt die reichste Aus-beute. Man preßt aus den Nüssen das kostbare Muskaten öl.
Muskeln (von iiiusoulu«, Mäuschen, mit welchen man ehemals die un-ter der Haut sichtbar sich bewegenden, gleichsam wie Mäuse dahinfahrcndcn Mus-keln verglich) sind eigentlich alles Dasjenige, was wir Fleisch nennen und worauf! die Bewegung beruht. Die Muskeln bestehen aus walzenförmigen, parallel ne-
' den einander liegenden, feuchten, weichen, nur wenig elastischen, halb durchsich-
tigen Fäden von röthlicher Farbe, und sind durch Zellstoff in einander verwebt.Durch sie hin laufen in mannigfaltigen Richtungen Puls-, Blut? u. Saugadernund Nerven. Im Ruhestande sind sie schlaff, äußern aber im lebenden Zustandebei der Berührung eine eigne Bewegung. Überhaupt ist die Bewegung des thieri-! scheu Körpers doppelter Art, willkürlich und unwillkürlich; als eine dritte Art! kann man die gemischte Bewegung ansehen. Unwillkürlich ist z. B. die Bewegungdes Herzens, des Magens, der Gedärme u. s. w. Die willkürlichen Bewegun-gen bedürfen keiner Erläuterung. Zu den gemischten rechnet man das Athmen, dasWinken mit den Augen ic. Alle diese Bewegungen geschehen durch ein wechsels-weises Zusammenziehen und Erschlaffen der Muskeln. Sobald irgend ein Reiz
, «ms sie wirkt, ziehen sie sich zusammen, d. i. sie verkürzen sich, werden breiter,
, dicker, runzelig oder erzittern auch. Die Ausammenziehung geschieht allemal nachder Richtung, in welcher sich die Fäden oder Fasern der Muskeln mit den Sehnenvereinigen, also meistentheils in gerader Linie. Dieses Spiel der Muskeln istwahrhaft bewundernswürdig. Wenn nach Haller's Versuchen eine Person in ei-ner Minute Worte von 1500 Buchstaben ausspricht, so erfodert dies in derselbenZeit wenigstens 1500 Zusammenziehungen mit ebenso viel Erschlaffungen derZungcnmuskeln. Nicht weniger crstaunenswürdig als die Schnelligkeit ist dieConv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. VII. f 41