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Musik (Geschichte der)
> Mannigfaltigkeit der Thierstimmen insbesondere auf die Ausbildung des menschli-chen Ohres, wie der Einfluß einer Umgebung überhaupt auf die sich entwickelndeThätigkeit, eingewirkt, und daß man durch äußere, auf Naturveranlassung er-fundene Instrumente zuerst die bestimmten Abmessungen der Töne gefunden habe,auf welchen die Musik beruht. Aber sowie jenes die Musik als Kunst noch nichterklärt, so setzt dieser mittelbare Einfluß der Natur schon ein ausgebildetes Gehörvoraus. Letzteres bestätigt sich auch dadurch, daß, wo wir Musik bei einem Volkefinden, Instrumente nicht fehlen. Gewiß ist es, daß die Musik als Kunst ersti begann, als der Mensch, in unmittelbarem oder mittelbarem Besitze mannigfalti-^ ger Töne, dieselben zum sprechenden Ausdruck seines Innersten auf eine gesetzlichej und dem Ohre wohlthuende Art zu verbinden verstand. Dies aber setzt voraus
l eine Ausbildung des Gehörs, vermöge welcher man den Abstand und die Eigen-
thümlichkeit einzelner Töne genau zu unterscheiden fähig ist, welche Unterschei-dungsfähigkeit, wie wir sagten, durch äußere Instrumente erleichtert wird, anwelchen das Verhältniß der Töne gleichsam sichtbar wahrgenommen werden kann.Hiernach scheint allerdings die Vokalmusik, oder die Hervorbringung musikalischerTöne durch die menschliche Stimme, die älteste, und die erste Art der Instrumentescheint bei dem ruhigen Leben des Hirten, den das Windgeräusch im Schilfe odereine andre zufällige Veranlassung auf das Tönen hohler Körper durch Einblasender Luft aufmerksam macht, sowie der Klang ausgespannter Sehnen auf Saiten-instrumente führt, erfunden worden zu sein. Auch dienten die Instrumente frü-her nur zur Begleitung; der Gesang aber war mehr declamatorisch. Nach derl' Bibel soll schon Jubal, Lamech's Sohn, vor der Sündflut auf Instrumentenmuficirt haben. Allein es fragt sich hier wol, ob nicht die Mosaische Urkunde Vie-les aus ihrer Zeit auf die ältere überträgt. Das Gewissere ist Folgendes: Wieüberall, so auch bei den Hebräern, waren Dichter und Sänger Eine Person, undbei ihnen finden wir auch häufig die abwechselnden Liederchöre (2. Mos. 15, 20).Die musikalischen Instrumente, welche diese Gesänge begleiteten, waren Harfe,Cither, Trompete und Pauke, oder Tremmel. Als einer der ältesten Gesängemit Instrumentalbegleitung wird der Lobgesang der Mirjam (Moses's Schwester),gesungen nach dem Durchgänge durchs rothe Meer, angeführt. Zu David's undSalomon's Zeiten hatte die Musik bei den Hebräern ihren höchsten Gipfel erreicht;und ein Theil ihres Gottesdienstes bestand in singendem Vortrage feierlicher Psal-men mit Instrumentalbegleitung. So viel wir aus den ausbehaltenen Nachrich-) ten und selbst aus der Einrichtung der hebr. Poesie, bei welcher ein gewisser Paral-lelismus der Glieder herrschend war, schließen können, so hatte die Musik der He-bräer einen sehr bestimmten Rhythmus, vielfache Melodie, aber eine, wenn auchstarke, doch einförmige Begleitung, wie die der meisten alten Völker. Auch hat-ten sie eigne Musikzeichen, welche über den poetischen Text gesetzt wurden, undnach welchen man auch declamirte. (S. Georg Ventzky's Gedanken von denNoten oder Tonzeichen der alten Hebräer, in Mitzler's „Musikal. Bibliothek",3. Th., und Anton's Versuch, die Melodien der alten hebr. Gesänge zu ent-ziffern, in Paulus's „Neuem Repertorium für biblische und morgcnländischeLiteratur", 1. u. 2. Th.) Allein die Musik wurde nicht bloß zum öffentlichen. Gottesdienst angewendet, für welchen Gebrauch cs besonders seit David einei große Anzahl von Sängern, Sängerinnen und Jnstcumentalisten gab, auch beiweltlichen Festen, z. B. bei feierlichen Gastmählern und bei Leichenbegängnissen,fehlte es nicht an Musik. Um diese Zeit hatte sich auch die Zahl der Instru-mente selbst vermehrt, unter denen die dreieckige Harfe (Kinnor) und die Eymbclvorzüglich angeführt werden. (Vgl. Herder, „Vom Gerste der hebräischen Poe-sie", 2. Bd.; Pfeiffer, „Über die Musik der alten Hebräer", Erlangen 1779.)Wie bei den Hebräern, so auch bei andern Völkern läßt sich keine bestimmte Zeit