622 Murten Musagetes
lichen als aus künstlichen Massen gab, die, weil sie im Äußern einander gleichen,gar leichr mit einander verwechselt wurden und eine gemeinschaftliche Benennungerhalten konnten. Von der ersten Art ist das berühmte sogen, mantuanische Ge-fäß auf dem Museum zu Braunschweig; von der andern die bekannte Barberini-,jetzt Port l and-Vase (s. d.)im Besitze des Herzogs v. Portlank
Murten (franz. !Uorat, lat. Numtum), Stadt im Schweizercanton Frei-burg, in der Landvogtei Murten, liegt an dem durch die Broye mit dem Neuen-burgersee verbundenen Murtensce, 6 Stunden von Bern, hat 1300 Einw. undein altes Schloß, in welchem der Landvogt (oder Schultheiß) seinen Wohnsitz hat.
Im letzten Viertel des 15. Jahrh. entspann sich eine heftige Fehde zwischen der Eid- ,genoffen schüft und Karl dem Kühnen, Herzog v. Burgund. Nach dem Verluste derSchlacht bei Granson (3. Marz 1476), der die Wiedereroberung der zuvor dmSchweizern abgenommenen Stadt d. N. zur Folge hatte, sammelte der erbitterteKarl abermals ein Heer von 40,000 M., und schon am 10. Juni zeigte es sichvor den Thoren von Murten. Zur Hülfe der Schweizer eilten die Banner der mitihnen verbundenen rheinischen Städte Strasburg, Basel, Kolmar, Sehlettstadt,Kaiscrberg, des Sundgaus und der Grafschaft Pfirdt in Eilmärschen herbei. AuchRenatus, der von Karl vertriebene junge Herzog v. Lothringen, ein kluger und herz-hafter Mann, war mit ihnen, ohne jedoch, wie Einige angeben, den Oberbefehlzuführen. „Die Geschichtschreiber", sagt Joh. v. Müller, „haben diese alte Zeit nachunsern Sitten beurtheilt: überall wurde der oberste Feldherr gesucht; in Wahrheitbefehligte der Gemeinsinn, sodaß Jeder nach der gemeinsamen Übereinkunft mitbesterKraft handelte". Ihnen gegenüber stand Karl v. Burgund mit einem an Zahlweit überlegenen Heere; aber die wackcrn Eidgenossen pflegten nicht nach der Menge, llnur nach der Stellung ihrer Feinde zu fragen. Von dieser durch einen Überläuferbenachrichtigt, rückten sie vor, drangen auf die Vorwachen ein, brachen durch, stürz-ten sich mit den ihnen voraneilenden Flüchtigen in das Lager der Burgunder, wur-den durch die Besatzung von Murten verstärkt, und erkämpften so einen vollständi-gen Sieg. Sie wurden Herren des feindlichen Lagers, Geschützes und Reichthums. ^Karl selbst entging nur durch die Schnelligkeit seines Pferdes der Gefangenschaft;von 12 ihm übciggebliebenen Reitern begleitet, flüchtete er bis Soigne, einer 16Meilen von Murten entfernten Stadt in der Champagne. Dem braven Renatus,der im Streit einer der Ersten gewesen war, machten die dankbaren Sieger mit desBesiegten Zelte, sowie mit s. Geräthe und allem Geschütz ein Geschenk, versprachenihmHülfc, wo und wann ec sie brauchen werde, und hielten Wort. Das erschlagene l!Heer warfen die Murtcner in große Gruben; es wurde mit ungelöschtem Kalk, hier-aus mitEcde bedeckt. Später errichtete man für die gesammelten Knochen ein Bein-haus mit der Inschrift: „I>. O. N. Ouruli, inelz-ti et kvrtissii»! kurgunäiaeOuois, exereitu», Rliiraturn vbsiäens, ab lielvetii» vnevus, tive aui nwinimen-tum reiiguit. Hnno 1476". Und weiter unten:
„Dies Gebein ist' der burgundischen Schar,
Im vierzehnhundert siebzig und sechsten Jahr,
Vor Murten durch ein EidgcnoßschaftErlegt mit Beistand Gottes Kraft.
Auf der zehntausend Rlttern TagGeschah dies große Niederlage.
Dieses Denkmal der Kraft eines vereinigten freien Volkes, verehrungswürdig wiedie von Marathon, von Salamis, von Platää, wurde bei dem Einsalle der franz.Revolutionsarmec, 2. März 1798, zerstört. 1822 aber ließ die Eidgenossenschafteinen Obelisk als Nationaldenkmal aufrichten. !
Musagetes, Musenfährer, ein Beiname des Apollo, den er als Vor-steher und Lehrer der Musen führt. Jndeß findet man in spätem Zeiten diesen >Beinamen noch öfter dem Hercules, sowol in Inschriften, auf Gemmen u. s w.