Druckschrift 
7 (1830) M bis N
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen
 

Mac Macartney 3

südliche Art, nackte Gestalten zu malen, führte er ein. Stets riß ihn sein wilder,ausschweifender Sinn zu so vielen Verirrungen hin, daß die Geduld, Treue undZierlichkeit, womit er seine Arbeiten ausführte, doppelt bewundernswerth sind.Von Utrecht, wo er eine Zeit lang geschwelgt und gemalt hatte, zog er nach Middel-burg, wo er unter vielen andern Arbeiten ein sehr großes Altarbild, eine Abnahmevom Kreuze, malte. Ein Blitz zerstörte späterhin die Kirche, welche außer diesemSchatze noch viele andre enthielt. Seine Zügellosigkeit zog ihm endlich Gefangen-schaft zu, während welcher er treffliche Zeichnungen machte, die aber verloren gegan-gen sind. Von Middelburg ging er nach London, wo er viele Bilder malte, derennoch einige, u. A. Heinrichs Vll. Vermählung mit Elisabeth von Pork, noch inStrawberry - Hill zu sehen sind. Eine Zeit lang lebte er als Hausmaler bei einemNiederländer, dem Marquis van der Veren. Auf Veranlassung eines Besuchs, wo-mit Karl V. den Marquis beehrte, bestimmte dieser dem Maler ein neues Gewandvon prächtigem weißen Damast; allein M. verkaufte den Damast heimlich undverschwelgte den Ertrag in der Schenke. Der Tag kam, und M. erschien in einemGewände von blendender Weiße, herrlichen Blumenverzierungen und Laubgewinde;als aber der überraschte Kaiser einen Zipfel des Gewandes ergriff, um es genauer zuuntersuchen, entdeckte er, daß das ganze Kleid von Papier und täuschend übermaltwar. M. starb 156?. In Boisseree's Sammlung befinden sich von ihm: eineKreuzigung, die heil. Jungfrau (nach der Rückkehr aus Rom gemalt und an alleHerrlichkeit ital. Kunst erinnernd) und der Erzengel Michael in goldener Rüstung,gleichfalls aus der spätem Zeit des Meisters. Die Moritzcapclle in Nürnberg hatvon ihm 2 Gemälde (Maria mit dem Jesuskinde). Auch die k. k. Galerie in Wienbesitzt von ihm eine Madonna. (Vgl.Johann v. Eyck und s. Zeitgenossen", vonJohanna Schopenhauer, ll, 24.)

Mac, s. M'.

Mac aber (äanne» mvoabres) nannte man in England und Frankreichdie kirchlichen Maskeraden, die vielleicht zu den sogenannten Todtentänzen Veran-lassung gegeben haben, und letztere selbst. (S. Todtentanz.)

Macao (spr. Massao), seit 1563 eine portug. Niederlassung in der chines.Provinz Quangtong, unter chines. Oberherrschaft. Die Portugiesen entrichteneinen jährl. Tribut von 160,000 Dukaten. Sie begreift die Südspitze der Halb-insel Gaumin im Meerbusen von Kanton, 5 lJM. groß, auf welcher 34,000 Men-schen, darunter 30,000 Chinesen, leben. Eine zum Theil verfallene, bis an beideSeiten des Meeres reichende Mauer trennt dieses Territorium von dem übrigenChina. Die Stadt Macao, der Sitz des Gouverneurs und eines kathol. Bischofs,hat eine Citadelle, einen sichern Hafen mit einer sehr mühsamen Einfahrt, eineportug. Besatzung von 400 M., größtentheils Neger und Mulatten, und 12,000Einw. Ehemals war der Handel von Macao weit blühender; noch jetzt laufenjährl. 30 große Schiffe aus Lissabon, Madera, Malacca, Bengalen, den Sunda-Jnscln rc. ein, welche vorzüglich Opium nach China cinführcn und dagegen Theeeintauschcn. Auf einer Anhöhe bei der Stadt findet man die Grotte des Camoens,in welcher dieser seineLusiade" gedichtet haben soll.

Macartney (Georg, Earl of), geb. 1737 zu Lissanoure in Irland, erhielteine sorgfältige Erziehung, trat in s. 13. I. in das Trinity-College ans der Univer-sität Dublin, und wurde 1759 Magister. Darauf ging er nach London, wo er mitBurke, Dodwell, Bacon und andern ausgezeichneten Köpfen vertraute Freundschaftschloß. Nachdem er eine Reise durch die vorzüglichsten Länder Europas gemachthatte, bewirkten die Lords Holland und Sandwich seine Wahl zum Parlamentsgliedund 1765 s. Sendung nach Petersburg, um die Kaiserin Katharina zu Abschließungeines Allianz - und Handelsvertrags mit England zu bewegen. Er erfüllte diesenschwierigen Auftrag glücklich und verließ Petersburg mit Zeichen der besondernAch-

I*